Sprechstunde

über alles was uns krank macht

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KAV, und wer wird’s?

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Nachdem der Wiener Krankenanstaltenverbund seit über einem Jahr keinen Generaldirektor mehr hat
und auch die interimistische Führung seit der Nicht-Verlängerung des Siemens-Mannes Balázs nicht mehr so funktioniert, wie damals angekündigt,
teilen wir uns zwar mit dem AKH den Wetzlinger,
wissen aber noch nicht so genau, ob wir schon Wien Kliniken? so wie Wien Energie oder vorerst noch KAV heißen.
Nachdem Wehsely noch knapp vor ihrem Abgang ihrem neuen Arbeitgeber einen großen Auftrag zugeschanzt hat und auch ihre Nachfolgerin ein Ablaufdatum hat, wissen wir auch nicht wer die/der Nächste sein wird, der die politische Verantwortung für 30.000 Mitarbeiter und ein Problemspital an der Brünnerstraße übernehmen muss.

In den Medien geistern neben der  Ex-GM Pamela Rendi-Wagner, ÖÄK-Präsident Thomas Szekeres auch immer wieder der Chef des Fonds Soziales Wien, Peter Hacker, herum.

Österreich, „das für so was gar nicht Gratis-Blatt“, ruft eher eine Experten- als eine Politikerlösung aus:
Damit hat Ärztekammer-Chef Thomas Szekeres die besten Karten, wenn er letztlich Ja sagt. Pamela Rendi-Wagner hat nur noch Außenseiterchancen. 

Die Krone, hält sich völlig unbestechlich noch bedeckt und beweint, dass die Stadtregierung zerbröckelt, nachdem sie knapp vor der SP Klausur (Energetiker Skandal) dazu die mediale Tapete geliefert hat. Auch sie spricht von Szekeres und Rendi-Wagner.

Der Standard beweint den zerpflückten linken (?) Flügel der SPÖ und zitiert gleich ein Who is Who:
Eine weitere Ex-Ministerin, die immer wieder für Ludwigs Team genannt wird, ist Pamela Rendi-Wagner. Für sie gilt jedoch dasselbe wie für Drozda: Sie steht auf der falschen Seite. Zudem ist die Ex-Gesundheitsministerin kaum in der Wiener Partei verankert. Der Chef des Fonds Soziales Wien, Peter Hacker, wurde bereits als möglicher Nachfolger von Sonja Wehsely gehandelt. Auf Anfrage wollte er sich
nicht dazu äußern. Damals wie heute war auch Gemeinderätin Claudia Laschan aus Rudolfsheim-Fünfhaus im Gespräch. Ein weiterer
Externer ist Ärztekammer-Chef Thomas Szekeres.

Auch die Wiener Zeitung geht es mit Der Nächste bitte etwas diffuser an und sieht im Gesundheitsresort neben Hacker, der aber auch Finanzer werden könnte, Rendi-Wagner und Szekeres.

Wer die Fährte in Richtung unseres Ärztekammer-Präsidenten gelegt hat, weiß ich nicht, aber weshalb der seine gut bezahlten Kammer- und Uni-Jobs aufgeben soll, um den Genossen, die ihn abgeschossen haben, die Kastanien aus dem sandigen Fundament des KH Nords zu holen, entzieht sich ebenso meiner Kenntnis, wie ob er denn schon wieder in die SPÖ eingetreten ist, aber beides bezweifle ich.

Rendi-Wagner halte ich für zu intelligent, um sich für die Faymann(!)-Fraktion in der Wiener SPÖ opfern zu lassen, obwohl sie wenigstens SPÖ Mitglied geworden ist, glaube ich.

Weshalb sich Hacker , der sich als Häupl-Intimus schon weigerte den Milliardentopf FSW zu verlassen, um sich im Scheinwerferlicht grillen zu lassen, mag sich mir im Gegensatz zur Presse auch nicht ganz erschließen, aber wer weiß.

Und wenn Ludwig sich wirklich mit Claudia Laschan politisch verbunden fühlt, wird er sie doch nicht so hinrichten?

Ich wundere mich nur, weshalb sich niemand an die ehemalige KAV Direktorin Susanne Herbek denkt, die 2016/17 überraschend von der ELGA Ges.m.b.H. in den FSW gewechselte und auch gleich von Wehsely zur Seniorenbeauftragten der Stadt Wien ernannt wurde.
Lang hätte sie ohnehin nimmer, so das das mit dem CV nicht sooo ein Problem wäre und das Gehalt würde passen.
Ich mein, wenn sich das sonst niemand antun will ….

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Written by medicus58

16. April 2018 at 20:28

Das wahre Problem am Esoterik Skandal im KH Nord

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Pünktlich vor der Klausurtagung der Wiener SPÖ platzierte gestern (14.03.2018 18:31) die Krone  
Finanzdesaster KH Nord 95.000 Euro Steuergeld für „Bewusstseins-Forscher“
Wie danach auch andere Medien berichteten hat „die Projektleiterin des KH Nord“ freihändig den Auftrag erteilt, u.a. das Skandal geschüttelte Projekt „energetisch zu reinigen„.
Die Stadträtin ließ ausrichten, dass das gar nicht gehen würde und der AKH und KAV Direktor Wetzlinger „zeigte Stärke“ und suspendierte die mutmaßliche Auftraggeberin und schickt die Innenrevision aus. Selbstverständlich ist die Opposition fassungslos  und VP-Juraczka verstieg sich sogar zur Aussage:
Es ist zu prüfen, ob Esoterik auf Steuerzahlerkosten nicht im höchsten Maße strafrechtlich relevant ist

Neben dem ohnehin schon offenkundigen Chaos im besagten Projekt liegt das wahre Problem aber woanders:

Schon längst haben sich para- und unwissenschaftliche Konzepte in vielen Köpfen breit gemacht und die Politik macht mit, weil man zumindest die Stimmen der Personen nicht verlieren will, die schön längst ihren Verstand verloren haben. 

Kein Kuraufenthalt ohne Granderwasser.
Die gesetzlichen Gebietsschutz genießenden Apotheken verwenden ihn nur allzu gerne um den Kunden gewinnbringend Homöopathie , Schüssler Salze und ähnliches zu verkaufen, die im Gegensatz zur Chemie doch nicht schaden würde.
Keine Ärztekammer ohne Referat für Alternativmedizin, das sich kaum gegen all den Schwachsinn ausspricht sondern eher entsprechende Kurse (200 Stunden Theorie, 150 Stunden Praxis) anbietet.

Das Krankenhaus Hietzing betreibt eine homöopathische Ambulanz im Rahmen der Gynäkologie.

Aber das Krankenhaus Nord ist wahrlich nicht das einzige Krankenhaus, das sich mit esoterischen Schnick-Schnack schmückt:
Auch Geowave, „ein echtes Zufallsprodukt“ wie man auf der Homepage des Herstellers zugibt, soll tausende Personen medizinisch und kinesiologisch vor Reizzonen durch Wasseradern, Erdverwerfungen, Erdgitternetze, etc. geschützt haben. Der ehemalige Ärztl. Direktor des LKH Salzburg (Universitätsklinik PMU Salzburg) freute sich somit folgerichtlich über 150 GeoWave-Wellen in „seinem Spital“ installiert zu haben.

Die nuklearmedizinische Therapiestation an der Universitätsklinik Innsbruck rühmt sich nach Feng-Shui-Prinzipien gestaltet zu sein.

Das Immanuel Krankenhaus Berlin bietet Meditation, Ayurveda, TIM, TCM, TEM, Visualisation, Bodyscan, Yoga, Tai Chi, Qi Gong und kognitive Restrukturierung an.
Der Dienst für Komplementärmedizin, der im Krankenhaus von Meran als Pilotprojekt initiiert wurde, hat sich nach eigenen Angaben als sehr erfolgreich erwiesen.

Das Spannungsfeld wurde bereits in dem 2014 erschienene Buch „Komplementärmedizin im Krankenhaus“ auf den Punkt gebracht:
.Nicht erst im Zuge des anziehenden Wettbewerbs stehen Krankenhäuser vielerorts vor der Entscheidung, dem Trend zu folgen und das eigene Indikations- und Behandlungsspektrum um komplementärmedizinische Angebote zu ergänzen.

Wahrscheinlich stand hinter dem schwachsinnigen Auftrag im KH Nord die übliche Mischung aus Halbwissen und Freunderwirtschaft und als Begleitmusik zur beabsichtigten Elimination der Gesundheitsstadträtin kam das G’schichtl gelegen.
Vermutlich wollte man nur eine billige Methode finden, die Störfelder der nahen Schnellbahn von den Magnetresonanz-Tomografen fern zu halten … (end of sarcasm)

Das wirkliche Problem ist, dass nicht nur in der Politik Fake News Einzug gehalten haben und sich niemand
diesem Gemenge aus „man weiß ja nie„, „nutzt nix, dann schad’s nix“ und dem tiefen Misstrauen an die Wissenschaft, die man halt nicht ohne gewisse Vorbildung verstehen kann, entgegenstellt.

Ich nehme jede Wette an, dass, wäre die Sache jetzt nicht aufgeflogen, man auch aus so manchem Politiker Mund bei der Eröffnung stolz gehört hätte, dass hier Spitzenmedizin ermöglicht wurde, man aber auch ganz besonders darauf geachtet hat, dass für ein positives energetisches Umfeld gesorgt wurde, die die Heilung begünstigt.

Link: Die schräge Welt des Spital-„Energiereinigers“

Written by medicus58

15. März 2018 at 21:27

Föderalismus und Kammern, das unselige Pärchen Teil 2 oder deren Selbsthilfe

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Im Dezember des Vorjahres habe ich unter Föderalismus und Kammern, das unselige Pärchen schrieb ich hier (fast prophetisch angesichts aktueller Ereignisse):
Höchstwahrscheinlich wird bei Basti & Bumsti nur wieder eine Umfärbung der Machtstrukturenrauskommen, weil sich sonst beide innerhalb ihrer Parteien nicht lange halten werden, aber der scheinbar versuchte Anschlag auf das nach dem Almdudler-Logo beliebteste österreichische Trachtenpärchen, Föderalismus und Kammerstaat, hätte das Zeug zu wirklicher Veränderung. 

Während inzwischen die Umfärbungen auch schon beim Koalitionspartner (Stichwort BVT) angekommen sind, kämpfen die Föderalisten weiterhin ungeniert um den Machterhalt in ihren Pfründen. Kaum irgendein halbwegs volkswirtschaftlich und gesundheitsökonomisch denkender Mensch bezweifelt, dass die Aufsplitterung der Kräfte (Player und Finanziers) im österr. Gesundheitssystems einen der größten Ressourcenfresser darstellt, der einerseits verhindert, dass das nicht unbeträchtliche Geld, das ins System fließt nicht „an der Front“, bei den Patienten und ihren Behandlern, ankommt und eine Zusammenführung von Budgetzuteilung und Verantwortung in einer Hand nicht Not täte.

Trotzdem bildete sich in Oberösterreich erneut eine Allianz zwischen OÖ-Gebietskrankenkasse und OÖ-Ärztekammer, sowie dem OÖ Dachverband der Selbsthilfegruppen (!), um sich medienwirskam gegen die geplanten Zusammenlegungen der neun Gebietskrankenkassen auszusprechen.
Ja zur OÖGKK! wurde seit Jahresbeginn von mehr als 74.000 Menschen unterzeichnet!
Nix gegen das ebenfalls von Ärztekammern mit initiierte Don’t smoke  aber genug, um es an die zuständige Ministerin zu übergeben. 

Da schwadroniert der Kassen-Obmann von einer „Entmündigung der Versicherten“, wenn sein Posten gefährdet wird, und vergleicht das Vorhaben drastisch mit: „Das wäre, wie wenn man bei einem gesunden Menschen eine Herz-OP durchführt“.

Da warnt der Stv. Kammer-Obmann, der befürchtet das Machtinstrument der Honorarverhandlung zu verlieren, dass eine Zentralisierung der Kassen „jeden Anreiz erstickt, das Gesundheitssystem im Sinne der Patienten weiter zu denken – und zwar auf einen Schlag für ganz Österreich“

Weshalb sich das Selbsthilfegruppen instrumentalisieren lassen, die es doch besser wissen sollten, dass der POAtient Gesundheitssystem weder kardial noch sonst so gesund ist, kann ich mir nicht erklären, es sei denn sie sind auf das in den OÖN (Ausgabe 13.3.)  genannte Argument reingefallen: Im Falle einer Zusammenlegung würden große Teile des Budgets nach Wien abfließen.
Oder wie es auf der Plattform der Organisatoren heißt:
Hände weg von meiner OÖGKK! Hände weg von den Rücklagen und Beiträgen der OÖGKK-Versicherten.
Die Politik will eine Zerschlagung der Krankenkassen und eine Zentralisierung in Wien.

PR-technisch
gut gemacht wird die Nachricht sowohl in der Marginalspalte von OÖ Heute als auch – natürlich gleich einmal mit markigen Balken – im OÖ Österreich verstärkt:
Zehntausende erheben ihre Stimme
Klares »Nein« zur Fusion der Krankenkassen
Zehntausende Versicherte und Patienten, aber auch Ärzte, Therapeuten und Unternehmen erheben ihre
Stimme zur Kassenfusion.
Das verdient Gehör.

Morgen geifert die Presse dann wieder angesichts endloser Wartezeiten, herumirrender Patienten und einem undurchsichtigen Kompetenz-Dschungel über die fehlende Koordinierung.

Vielleicht sollten wir uns einmal mit der Selbsthilfe im Österreichischen Gesundheitssystem näher befassen?!

Der aktuelle Obmann von Selbsthilfe OÖ ist übrigens lt CV aus 2005 und Wikipedia:
seit November 1990 Mitarbeiter der OÖ  Gebietskrankenkasse
wo er an der Organisationsanalyse und -entwicklungskonzept Gebietskrankenkasse 2000 mitarbeitete und
seit 1995 Stellvertretender Direktor der OÖ Gebietskrankenkasse-
Ab 1998 fungierte er als Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Gesundheitswissenschaften und Public Health und als Vizepräsident des Instituts für Gesundheitsplanung.
Seit 2006 Vorstandsvorsitzender der Selbsthilfe Oberösterreich – Dachverband der Selbsthilfegruppen im Gesundheitswesen.
2011 hat er im Mabuse Verlag (Sic) für ein solidarisches Gesundheitssystem ein Buch mit dem Titel Selbsthilfe im Wandel der Zeit herausgegeben.

Ob die betroffenen PatientInnen, der OÖ Selbsthilfeverband vertritt nach eigenen Angaben derzeit zirka 400 Selbsthilfegruppen in OÖ, zu Ihrer Instrumentalisierung für den Machterhalt von Gebietskrankenkasse und Landesärztekammer jemals befragt wurden? Und weshalb thematisiert kein Journalist, dass die Selbsthilfe OÖ neben dem Land Oberösterreich, dem Magistrat der Stadt Linz auch von der Oberösterreichischen Gebietskrankenkasse finanziell unterstützt wird ….

Krankenversicherungen und der angenähte Blinddarm (Teil II)

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War es vorvorgestern noch in Der freie Beruf Arzt an der Angel der Versicherungen  um die scheinbare Komik deutscher Kollegen, die ihrem Honorar nachrennen mussten und gestern um die eher Kabarett-artigen Zustände hierzulande, wird es heute ernst und wir beschäftigen uns mit der sogenannten Sonderklasse;
also eigentlich die private Zusatzversicherung zur Pflicht-Kranken-Versicherung, die (nach den Buchstaben des Gesetzes nur die freie Arztwahl auch in den öffentlichen Spitälern und eine verbesserte Hotelkomponente (Ein- oder Zweibettzimmer, eine Zeitung, Wunschgetränke aber keinen Jahrgangschampagner, … etc.) garantiert.

Ob man die Existenz und Verteilung von Sonderklassegeldern, die Spitalsbetreiber und deren angestellten Ärzte von zusatzversicherten Patienten und Nicht-EU Bürgern einnehmen, verteufelt oder schätzt, es handelt sich dabei um einen im §45 des Wr. KAG geregelten Einkommensbestandteil über dessen Aufteilung innerhalb der Ärzteschaft eine Regelung der ÄK wacht. Wie in diesem Lande üblich, regeln die Bundesländer das jeweils etwas unterschiedlich.
Es fällt aber seit vielen Jahren auf, dass dieses Einkommen sinkt!

Die Größenordnung ist zwar beeindruckend, insgesamt wird in Wien ein dreistelliger Millionenbetrag umgesetzt, den sich Spitalsbetreiber (was oft vergessen wird) und Ärzte teilen. Der im KAV lukrierte Anteil ist jedoch geringer der in Privat-, Beleg- und Ordensspitälern zusammen!
Die Privaten Krankenversicherungen (PKVs) verkaufen immer mehr Versicherungsverträge für die von uns erbrachten Leistungen, geben aber einen immer geringeren Anteil ihrer Einnahmen an die Ärzteschaft ab.

Alle paar Jahre werden die Vertragsbestimmungen zwischen Ärztekammer und PKVs neu verhandelt, in Wien beginnt gerade wieder das Spiel.

Natürlich ist die Verteilung zwischen den einzelnen Sonderfächern höchst unterschiedlich und auch der Anteil der einzelnen Ärztegenerationen von Ärzten in Ausbildung über Oberärzte bis zu den Abteilungsleitern divergiert beträchtlich.
Der Höhe der Honorare für Einzelleistungen zwischen einzelnen Fächern ist mitunter schwer verständlich, fast könnte man sagen, dass sie indirekt proportional zu geleisteten Arbeit und zur getragenen Verantwortung stehen. 
Und ehe es ans Verteilen geht, zieht sich die vor einigen Jahren von den Privatversicherungen geforderte zentrale Verrechnungsstelle (BuP) noch ihren Verwaltungsanteil ab. Angeblich wurde dieses lukrative Geschäft sogar einmal ausgeschrieben.

Die Honorare wurden und werden von der Ärztekammer mit den PKVs, in Wien in erster Linie mit dem Marktbeherrscher UNIQA ausverhandelt. In den letzten zwei Jahrzehnten saßen zahllosen Verhandlern aus der Ärzteschaft immer wieder ein und demselben Verhandlungsführer der PKVs gegenüber, dem „Herr Direktor K. von der UNIQA„.
Einmal wurden die Fachgruppenvertreter der einzelnen Sonderfächer zugezogen, dann haben nur einzelne, ausgewählte Vertreter verhandelt.
Einmal hat dieses Sonderfach verloren, einmal jenes.
Manchmal stellte sich erst nach Vertragsabschluss heraus, dass ein Fach, dessen Honorare an die Leistungen eines anderen Faches gekoppelt sind (z.B. Anästhesie), nur dadurch massiv verloren hat, weil die OP-Gruppe eines häufigen Eingriffes ohne ihr Wissen herabgestuft wurde:
Oft beschließen die PKVs die erbrachten Leistungen einfach nicht zu refundieren und unzählige Einsprüche hängen seit Jahren in der sogenannte „Schlichtungsstelle„, die bei ihren wenigen Sitzungen nur immer wenige Fälle besprechen kann. Zukünftig soll das durch ein Online-Verfahren beschleunigt werden, was ich aber persönlich bezweifle.
Wenn Sie sich aber nun fragen, weshalb die Ärzte dann die ihnen vorenthaltenen Honorare nicht bei den Patienten einfordern, dann ist genau das vorsorglich im Vertrag zwischen ÄK und PKVs ausdrücklich ausgeschlossen worden. Alles muss zuerst über die Schlichtungsstelle gehen. Selbst eine Information der patienten, dass sich ihre Versicherung geweigert hat, trotz der monatlich eingezahlten Beiträge, diese oder jene Leistung abzudecken, wäre schon ein Vertragsbruch;
Klug, nicht?
Am Ende jedes Verhandlungsmarathons, der stets zu spät begonnen wurde und dann rasch zum Abschluss gebracht werden musste (Speed kills), erklären die Verhandler das erzielte Ergebnis als alternativlos und rechnen Erhöhungen vor, die dann nie eintreffen.

Naturgemäß gab es immer wieder heftige Diskussionen innerhalb der Ärzteschaft über eine gerechte Verteilung zwischen den „liquidationsberechtigten Abteilungsleitern“ und ihren „nachgeordneten Ärzten“ (Stichwort: Bringerlösung).

Für mich aber völlig unverständlich, nimmt es die gesamte Ärzteschaft seit vielen Jahren nahezu widerstandlos hin, dass FÜR ALLE Gruppen, die Einnahmen aus der Sonderklasse seit vielen Jahren sinken (kein Inflationsausgleich, ungünstige Junktimierungen, Strukturänderungen, Durchrechnungen, Behandlungsfälle, …), obwohl die Einnahmen der PKVs aus dem Geschäftsbereich Sonderklasse überproportional steigen.

Der gesamte Prozess ist derartig intransparent, dass ihn seit Jahrzehnten inklusive aller Nebenabsprachen, Begründungen und „Deals“ nur mehr zwei Personen wirklich durchblicken, Direktor K. und KAD H.
Dass die Verhandlungsabschlüsse der Ärzteschaft nicht gerade zum Schaden der PKVs ausfielen zeigt auch, dass offenbar bei der UNIQA Einigkeit darüber besteht, dass ihr präpensionärer Verhandlungsführer auf ewig in diesen Ring geschickt werden wird. Natürlich nicht nur in Wien sondern bundesweit. Was dort „rein geht“, wird dann „flächendeckend ausgerollt“.

Ein guter Vorschlag wäre es, dass die ÄK mit den PKVs nur mehr eine Gesamtsumme der Sonderklassegelder ausmacht, die sich am Umsatz ihres Geschäftsbereiches orientiert, einschließlich einer Indexanpassung, die schließlich die PKVs ihren Versicherten auch in Rechnung stellt.
Wie dieser Topf dann zwischen den einzelnen Leistungserbringern innerhalb der Ärzteschaft aufgeteilt werden soll, wäre nur mehr innerhalb der Ärzteschaft durch die jeweils gewählte Vertreter der einzelner Sonderfächer und der Berücksichtigung der anteilsmäßigen Leistungserbringung aber auch einer gewissen Fairness zwischen den Fächern auszumachen. Diese Verhandlungen wären ohne Zeitdruck und mit für alle betroffen Ärzte einsehbaren Verhandlungsprotokollen durchzuführen. Selbstverständlich sehen beide Seiten das als unmöglich an!

Natürlich hört sich beim Geld oft die Freundschaft auf, aber wir alle wären gut beraten, wenn wir uns nicht in Konfrontation mit den PKVs gegenseitig ausspielen und hinunter verhandeln ließen. Die Auseinandersetzungen über die Verteilung gehören innerhalb der Ärzteschaft geführt, mit den PKVs reden wir über unseren gerechten Anteil an ihrem Geschäftsmodell!

Ich bezweifle aber stark, dass das Ergebnis der kommenden Verhandlungen anders aussehen wird, als in den letzten zwei Jahrzehnten:
Steigende Gewinne für die PKVs und fallende Zusatzeinkommen für die Ärzte.

Und das nächste Mal geht es dann hier wieder um die Interessen der Patienten, versprochen …

Written by medicus58

2. Februar 2018 at 17:05

Warum die Ärztekammer falsch liegt auch wenn sie Recht hat

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Dieser kurze Thread mit dem Geschäftsführer der „Wiener Gesundheitsförderung“ ist nicht untypisch für den Shitstorm der über die neue Plakat-Kampagne der Wiener ÄK hereinbrach -oder vielleicht auch inszeniert wurde.

Entsetzen über Ärztekammer-Plakat

Es wäre zynisch, würde ich mich freuen, dass die Wiener ÄK es geschafft hat, genau das in die Medien zu bringen, was ich hier schon oft gefordert habe: Das Gesundheitssystem

Wie hektisch da die Politik und Justiz darauf in Vorwahlkämpfen Leute verhaftet und wieder frei lässt, hat man ja an dem aktuellen Pflegeskandal erlebt.

Nur wäre das zu kurz gegriffen. Um die Politik mit den rein ärztlichen Problemen zu konfrontieren, hätte es genügt auf die offenen Kassenstellen, Wartezeiten, Abteilungs– und Ambulanzschliessungen (Gut versorgt) zu verweisen. Auch die nachgereichte schriftliche Erklärung der ÄK (sinngemäß):
Die Zeit, die die Bürokratie den Ärzten wegnimmt, 
nimmt den Patienten ihren Arzt weg.
wäre medial besser angekommen als das inkriminierte Plakat, nur wäre dies eben eine viel bequemere Wahrheit gewesen, denn unter Bürokratie leidet ohnehin das ganze Land..

In Wahrheit meint das Plakat:
DU KÄMPFST MIT KREBS.
DEIN ARZT KÄMPFT MIT BÜROKRATISCHEN HÜRDEN DER KRANKENKASSEN
nicht das, was man ihm unterstellt, nämlich, dass sich die Patientin nicht aufregen soll, weil es auch ihr Arzt schwer hat.

In meinem nächsten Tweet an  @DennisBeck_w versuchte ich das innerhalb der Zeichenbeschränkung des Zwitscherdiensts so zu erklären:

Ärzte gegen Kasse =Patienten verlangen von Ärzten neueste Onko Therapie, System will es nicht zahlen, Ärzte müssen es Pat vermitteln

Bezeichnend, das dieser Tweet unbeantwortet bliebt, bemerkenswert von jemand, der eigentlich genügend Innensicht des Systems haben sollte, welche Evidenzbasierte Leistungen den pflichtversicherten Patienten vorenthalten wird.

Erinnern wir uns:
MR und CT Wartezeiten in den Medien, mit großem Trara (und einigen Preiszugeständnissen der Radiologen) wurde die Deckelung aufgehoben und unmittelbar danach wieder die Genehmigungspflicht durch die krankenärztlichen Chefärzte eingeführt.

Aber das ist nur die Spitze des Eisbergs!

Es sei ein „bisher ungekannter Stil, sinngemäß Krebskranken mitzuteilen, dass man sie aufgrund bürokratischer Hürden nicht ausreichend behandeln könne“, ärgerte sich Biach (HV Chef).

Fragen Sie ihn doch einmal, weshalb eine Reihe onkologischer Therapien, die problemlos ambulant durchgeführt werden könnten, vom Hauptverband in die Spitäler verschoben wurden, weil dort der Deckungsbeitrag der Kassen geringer ist.
Fragen Sie die Krankenanstaltenträger, weshalb sie unter dem Vorwand Schwerpunktbildung teure Therapien nur mehr an bestimmten Häusern und dort unter Mengenbeschränkung anbietet – übrigens nicht nur in der Onkologie.

Also all die (parteigebundenen) Berufsempörer, die sich heute zu Wort gemeldet haben, wissen das alles, wollen es aber unter dem Teppich halten.
Nur Menschen, die schon länger nichts mehr mit der Gesundheitssystem zu tun hatten können das Plakat missverstehen,
nur stellen die möglicherweise die Mehrheit der Wähler dar.
Auch wenn es wir Ärzte nicht mehr wahrhaben wollen, die meisten Menschen dieses Landes sind augenblicklich – Gott-sei-Dank – nicht so schwer krank, dass sie in die Tiefen (und Untiefen) des Gesundheitssystems fallen. Wen wir diese Menschen erreichen wollen, müssen wir ihnen erklären, was wir wirklich meinen.

Also haben es die von der Wiener ÄK beauftragten Werber wieder geschafft
zwar Recht zu haben
aber uns Ärzte als herzlose Egoisten,
diejenigen mit klaren parteipolitischen Rollen und Absichten,
von der Patientenanwältin über die Krankenkassenhefin bis zum Wirtschaftskämmerer,
als die Guten dastehen zu lassen.

Written by medicus58

29. September 2017 at 20:01

Alles wie gehabt: Ist die Sonja schon wieder zurück?

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Alles wie gehabt. KAV Ärzte erfahren am Morgen via Radio Wien, dass die Rufbereitschaft eingeführt wird;
nicht von ihrem Generaldirektor, den gibt es ja seit Monaten nimmer,
nicht von ihren Vorgesetzten, die haben es auch noch nicht erfahren,
nicht von ihren Personalvertretern,
nicht von ihrer Gewerkschaft,
nicht von ihrer Ärztekammer (was tlw. ohnehin schon dieselben Personen sind) sondern
„aus dem Rathaus“ und „aus dem Radio“.

Rahmenbedingungen? Schmecks!
Entlohnung? Schaun mir mal.

Natürlich entscheidet das nicht die Konzernführung, der man doch mehr Freiheit versprochen hat, sondern das Büro der Frau Stadtrat.
http://wien.orf.at/news/stories/2865946/

Die Ärztekammer hat Verständnis und bemüht die Beispiele des Transplantationschirurgen und Gerinnungsexperten.
Dass das letztendlich dazu führen wird, dass auf den meisten Abteilungen der öffentlichen Krankenhäusern, so wie in den privaten Häusern, im Nachdienst nur mehr ein „billigerer“ Allgemeinmediziner anwesend sein wird, scheint dort niemand so als Gefahr zu sehen.

Noch sind die Rahmenbedingungen völlig ungeklärt, beschlossen werden soll das neue Gesetz am 23.11. im Rathaus.

Dass vor zwei Jahren die Wiener Ärztekammer in einem Flyer zum Neuen Arbeitszeitmodell noch vollmundig festgehalten, dass es keine Rufbereitschaft geben wird (http://www.aekwien.at/aekmedia/150303_KAV_Flyer_RZ.pdf) aber die Wahl ist geschlagen, die ÄK-Wahl, alles ist im Fluss und eh schon wissen …

Und auch die Gewerkschaft hob stolz hervor, dass es keine Rufbereitschaft geben wird! (Seite 14 des Folders)

Aber schließlich hat doch im April 2017 ungefragt die Gratis-Zeitung HEUTE hinausposaunt: Weniger KAV-Ärzte in der Nacht, dafür Rufbereitschaft. Viele Patienten sind besorgt. Aus dem Wiener AKH heißt es: „Das funktioniert sehr gut.“

Meine Meinung dazu, habe ich schon früher mehrfach festgehalten und die einzelnen Beiträge hier zusammengefasst:

Danke, Frau Stadtrat, für dieses Kopfkino 

PS: Wien heute: 15-20% der Nachtdienste sollen als Rufbereitschaft geführt werden
http://tvthek.orf.at/profile/Wien-heute/70018/Wien-heute/13945799/Rufbereitschaft-fuer-Spitalsaerzte/14132064

Written by medicus58

14. September 2017 at 16:37

Die Primärversorgungszentren richten sich nicht gegen den Hausarzt, aber

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Hurra, in Wien eröffnet am 4. September das nächste Primärversorgungszentrum vor den Toren des Donauspitals, um dieses zu entlasten!

PatientInnen werden 50 Stunden pro Woche, 52 Wochen im Jahr versorgt

Die kürzlich veröffentlichte Sozialversicherungsstudie bestätigt unseren Weg, die Primärversorgung weiter zu stärken. Nur so können Spitäler entlastet und unser Gesundheitssystem nachhaltig abgesichert werden.“, sagt Gesundheitsministerin Pamela Rendi-Wagner.

ÄK Präsi Thomas Szekeres *) scheint plötzlich begeistert: „Die Eröffnung des neuen Primärversorgungszentrums in Wien-Donaustadt ist ein großer Schritt Richtung Zukunft und zeigt, wie wichtig die partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Ärzteschaft, Sozialversicherung und Stadt ist“.
Aus Wiener Sicht, mag sein Vorschlag schon was für sich haben:
PVE in Zukunft aus bestehenden Gruppenpraxen zu bilden
Die „hausärztliche Verdichtung“ außerhalb von Ballungsräumen führt aber zwingend zu prekärer Versorgung in Randlagen!

Na, und WGKK-Obfrau Reischl hat sogar etwas völlig Unvorhersehbares gelernt:
Die Erfahrungen zeigen, dass längere Ordinationszeiten sehr gut von den PatientInnen angenommen werden“,
so dass man sich doch frägt, weshalb die Krankenkassen in ihren bisherigen Verträgen die bestehenden Ordinationszeiten vereinbart haben!

Es bleibt jetzt auch abzuwarten, ob Frau Reischl die für sie neue Erkenntnis auch im eigenen Reich umsetzt,
weil das WGKK – Gesundheitszentrum Mariahilf glänzt weder in Sachen Patientenzufriedenheit noch mit seinen Öffnungszeiten:

(Screenshot Google)

Keine Rede mehr davon, dass „die schwierige Geburt des Projekts in der Donaustadt“ vielleicht auch mit den höchst eigenartigen Ausschreibungsbedingungen zusammenhing: Zur Quadratur des Primärversorgungszentrum im 22. Wiener Bezirk

Schweigen darüber, dass schon beim ersten PHC in Mariahilf politische Drähte glühten, als medienwirksam gerade eine Gruppenpraxis um Grüne Ärzte und den Kammerfunktionär Dr Mückstein  mit einer schönen Anschubfinanzierung zum Primärversorgungszentrum gewandelt wurde. Welche Spitalsambulanz durch diese Einrichtung, die sich nur wenige Schritte vom WGKK – Gesundheitszentrum Mariahilf befindet, entlasten werden soll, bleibt offen. OK, das Sophienspital in der Nähe wird nun geschlossen, aber wer das Spektrum dieses Hauses kennt, wird wohl kaum ernsthaft annehmen, dass die Schließung auf die Versorgungsleistung der Gruppenpraxis beruht!

Im Jubel um die Erfindung der Primärversorgung in Österreich, geht auch völlig unter, dass der Ansatz uralt ist (WHO findet Primärversorgung in Kasachstan seit fast vier Jahrzehnten super), was ja prinzipiell einmal nicht schlecht sein muss, aber dort wo er schon vor Jahren gewählt wurde, die Kosten für den Steuerzahler erhöhte und den Zugang für die Patienten erschwerte (Vor der Wahl: Die feuchten Träume unserer Gesundheitspolitik).

Wie hier schon vor zwei Jahren (!) ausgeführt (PHC: Für wie blöd halten uns die eigentlich?), wird aber bis heute nicht öffentlich diskutiert, wie die zusätzlichen Leistungen (Ärzteteam, lange Öffnungszeiten, zusätzlichen Gesundheitsberufe, …) mit den aktuellen Kassenhonoraren finanziert werden können. Initial gibt es ja eine flotte Anschubfinanzierung, aber danach?
Die Presse“ berichtete sogar, dass Reischl allen Gruppenpraxen mit zwei Vertragsärzten eine dritte Stelle sowie eine Umwandlung in eine PVE anbieten will. Das kostet!

Wie immer Holzschnitt-artig (um nicht zu sagen Holzhammer-artig) aber sachlich nicht ganz unrichtig verwies FP Belakowitsch via OTS  darauf, dass „Wenn man für ein Primärversorgungszentrum zwei Jahre Verzögerung einplant, so wie jetzt beim zweiten PHC in Wien, dann wird man in 150 Jahren mit diesem Projekt – 75 PHCs – fertig sein.
Sie irrt aber wenn sie ebenso wie die Ärztekammer das GRUG 2017 (Gesundheitsreformsumsetzungsgesetz 2017) nur als Gefahr für die Hausarztpraxis sieht.
Die „wahre Reform“ liegt nicht (nur) darin, die Hausarztpraxis durch eine Struktur zu ersetzen, in der Kassen kontrollieren, wie und wann der Patient überhaupt Zugang zu seinem Arzt hat …
und nicht nur bis zu einem Telefon-Helpdesk oder zu einer Pflegekraft vordringen kann!

Finanziert, und nun kommen wir zu einem weiteren Kernpunkt der Reform, soll das alles durch die
Elimination der niedergelassenen Fachärzte aus unserem Pflichtversicherungssystem!

Der ökonomische Hintergrund ist klar und wird auch im aktuellsten Jahresbericht der WGKK (aus 2015!) ausgeführt:
Die Durchschnittskosten je Fall liegt beim Allgemeinmediziner bei 45,16 Euro und beim Facharzt für 70,24.

Jetzt wollen wir gar nicht diskutieren,
dass ein Facharzt eine paar Jährchen längere Ausbildung absolviert hat, die vielleicht auch eingepreist werden sollte (Leistung muss sich lohnen!),
dass viele Kontakte beim Allgemeinmediziner ausschließlich zur Rezeptausstellung von Dauermedikamenten erfolgen,
dass Facharztordinationen natürlich i.d.R. einen geringeren Durchsatz als Allgemeinmediziner-Ordis haben,
dass (zumindest in der Theorie) dem Familienarzt die Krankengeschichte seines Patienten bekannt ist und Patientenkontakte in Facharztordinationen häufiger erst- und einmalig auftreten,
dass die apparative Ausstattung vieler Facharztordinationen aufwendiger und teurer ist,
dass die Facharztkontakte seit Einführung der e-card ohnehin schon reglementiert wurden,
dass man also letztlich Birnen mit Äpfeln vergleicht ...

Mir liegt es auch völlig fern, die erbrachte Leistung der beiden Gruppen gegeneinander auszuspielen, dazu kenne ich viel zu viele großartige und inferiore Vertreter in beiden Gruppen, ich möchte auf die banale Denke unserer Gesundheitspolitik hinweisen, wenn sie sich die Zukunft der Patientenversorgung zusammenreimen.

Für jeden Fall, den ich davon abhalte zum Facharzt zu gehen, kann ich mir zwei Allgemeinmediziner leisten.

Reischl verriet bei der Jubel-Pressekonferenz zur Eröffnung des Donaustädter PVs auch (mW erstmals), dass das genau ihr Ansatz ist:

Auch wenn die Zentren der WGKK teurer kämen als eine Behandlung bei einem niedergelassenen Arzt, seien sie längerfristig dennoch der richtige Weg, weil man dann bei Fachärzten und Ambulanzaufenthalten sparen könne.

Jetzt ist der Kostenbeitrag der WGKK bei den Spitalsambulanzen bekanntlich ohnehin sehr gering, so dass nur das Fachärzte-Einsparen als Geld-bringende Maßnahme überbleibt.

Welcher Trugschluss dieser Milchmädchenrechnung aber zugrunde liegt, zeigt ein Blick in das Jubelarchiv des Hauptverbandes, wo das Ärzteteam des Mariahilfer Primärversorgungszentrums aus der Schule plaudert:

„Für Probleme die wir nicht vor Ort lösen können stehen wir in Kontakt mit einem guten und verlässlichen Netzwerk von Fachärztinnen und Fachärzten in der unmittelbaren Umgebung. Dieses Netzwerk, das im Verlauf der vielen Jahren des Wachstums der Praxis entstanden ist, haben wir durch ein verbindliches Zuweisungsregime zu den Fachabteilungen des Gesundheitszentrum Mariahilf der Wiener Gebietskrankenkasse substanziell verstärkt. Mithilfe dieses Netzwerkes können wir in aller Regel rasch die erforderliche Diagnostik und die notwendige Therapie veranlassen.

Wenn die PV-Irgendwase heute funktionieren, dann nur, WEIL sie sich der anderen (noch) existierenden fachärztlichen Strukturen bedienen!

Bemerkenswert ist auch, dass die Homepage weiterhin von einer Gruppenpraxis OG spricht und für „weitere PatientInnen“ ohnehin nicht mehr zugänglich ist:

*) auf seinem Blog gibt sich ÄK Präsi Szekeres etwas weniger euphorisch, fokusiert aber wieder ausschließlich auf die Allgemeinmediziner (Hausärzte):
http://blog.szekeres.at/blog-post/2017/08/31/habemus-phc-2-und-sonst.html 

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