Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Archive for Juli 2017

Qualitätssicherung im Tourismus. Der Zug fährt an uns vorbei

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Unsere Alpenrepublik lebt nicht von Mozart Kugeln und Red Bull allein, unser Fremdenverkehr trägt durchaus sein Schärflein zu unserem Bruttonationalprodukt bei. Aber andere europäische Destinationen verdienen sich die Butter aufs Brot, weil sie dem außereuropäischen Gast eine lange Anreise wert scheinen. Und diese Gäste kommen nicht mehr nur aus den USA oder Japan, sondern immer häufiger aus den BRICS Staaten.

Rom ist ja sowieso ewig, London, Amsterdam und Paris sind allein schon wegen ihrer Monsterflughäfen naheliegende Ziele; und warum sich so viele Touris in Bratislava herumtreiben, weiß allein die dortige Fremdenverkehrswerbung.

Aber eh supi, wenn man fremde Länder nicht mehr vorzugsweise bewaffnet und in Uniform besucht.

Worauf ich aber als nicht ganz unhäufiges Rädchen in der europäischen Fremdenverkehrsindustrie hinaus will, ist das hier noch kaum ausgebildete Qualitätsbewusstsein.

Wer den Steffl hat, der braucht die Kaffeemaschine erst am Ende der Saison reinigen; rasch angelernte Studenten herden die Touris durch die Paläste und eiern bei der ersten historischen Zwischenfrage erbärmlich herum; das tschechische Bier ist so gut, da kann es dann auch etwas Convenience Food im historischen Beisl geben.

Wenn ich da vergleichsweise an meine rezente Erfahrungen in Ecuador, Bolivien, Tansania und den Seychellen denke, verfestigt sich bei mir der Gedanke, dass die dort in Sachen Qualität völlig unbemerkt an uns vorbeigezogen sind.

Reiseführer auf den Galapagos Inseln werden zB zur Schulung nach Europa geschickt, um die Namen von Flora und Fauna auch auf Deutsch zu lernen. Sie haben sich regelmäßigen Test zu unterziehen, um weiter entsprechend „ihrer Kategorie“ bezahlt zu werden.

Auf den Seychellen frägt einen nicht nur der Hotelmanager fast täglich, ob man zufrieden wäre, sondern auch die Rezeption und die Verantwortliche für das Reinigungspersonal.

Ein Safari-Guide in Tansania fährt natürlich nicht nur den Wagen von Lodge zu Lodge und stellt jeden „Universum“-Kommentator in den Schatten, sondern kann auf Anfrage auch die Unterschiede zwischen den 99.Varianten der schwarz-weißen Piepmätze erklären. Am Ende der Tour legt einem trotzdem der Manager des lokalen Reiseveranstalters einen umfangreichen Fragebogen vor. Aber auch der Guide verfasst einen Bericht, in dem er zB seinem Boss mitteilt, dass die billigen Bremsbeläge aus China nicht mehr verwendet werden sollen, weil sie bei def Abfahrt vom Ngorogoro Krater zu rauchen begannen.

Ja und selbstverständlich hat der Deutsch sprechende bolivianische Reiseleiter einige Zeit in Deutschland verbracht um in dieser Sprache sattelfest zu werden.

Natürlich hatten diese Reisen auch alle ihren Preis, nur kostet der kleine Braune im Sacher oder Tomaselli ja auch mehr als im McCafe …

Written by medicus58

29. Juli 2017 at 16:00

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Was für ein schräger Vogel

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Zwar muss man bisweilen aufpassen, um die fremde Welt nicht nur über den Sucher seiner Foto- u/o Videokamera zu sehen, aber auch für Ihren Medicus sind bildliche Urlaubserinnerungen Teil seiner Erholung.
Selbstverständlich gelten hier nicht die Anforderungen eines National Geographic Fotos oder einer Universum Folge aber einen gewissen Grad an technischer Perfektion muss so ein Urlaubsmitbringsel heute schon haben, um damit im realen Freundeskreis und den Sozialen Medien renommieren zu können.
Vielleicht eröffne ich hier einmal auch eine Rubrik über Videografie, um an die heroischen Frühzeiten zu erinnern, wo das verrauschte Urlaubsvideo nur durch das Überspielen von einem Gerät auf das andere möglich war. Auch wenn der Vergleich analoger mit digitaler Normen prinzipiell immer hinkt, löste die alte TV (PAL) Norm so ca. 450k Pixel pro Bild (allerdings interlaced) auf, von denen der VHS Standard ohnehin nur mehr weniger als 3/4 realisierte. Überspielungen machte das ganze nicht viel besser, so dass die stolzen Video-Erinnerungen aus den 80ern heute (ohne digitale Nachbearbeitung) kaum mehr herzeigbar scheinen.
(Für Versuche in Super 8 fehlte mir damals leider überhaupt das Geld und auch das analoge Dia(Film)material belastete das Urlaubsbudget schon ganz ordentlich. Andererseits, wer sich heute mit unkomprimiertem UHD oder echtem 4K Video spielt, legt für high-speed Speicherkarten auch schon einiges ab ….)
Egal was man sich diesbezüglich so antut, dem ambitionierten Urlaubsfilmer drohen auch noch ganz andere Probleme.
Trotz dem heute meist optimal funktionierenden Weißabgleich digitaler Aufnahmegeräte, den selbst Neonröhren oder hochalpine UV-Strahlung nicht mehr so schnell aus der Ruhe bringen, wird durch manche Erdbewohner bis ans äußerste gestresst. Ein Vertreter ist der Scharlachsichler ein quietschfarbener Piepser, dessen Signalfarbe selbst in freier Wildbahn irgendwie unwirklich wirkt.
Ein Blick auf Google zeigt, dass in den meisten seiner Abbildungen die Farbbalance irgendwie unnatürlich wirkt.
Als ich die Vögel zum ersten Mal erblickte glaubte ich kurzfristig einen Augenarzt zu benötigen, so knallte diese unwirkliche Farbe aus der Umgebung heraus.
Wenn Sie mir nicht glauben, der Zoo in Schönbrunn hat auch einige Exemplare zu bieten: https://www.zoovienna.at/tiere/voegel/roter-sichler/

Mein hier verwendetes Foto stammt aber nicht von dort 😉

Written by medicus58

27. Juli 2017 at 14:09

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So fühlt es sich an, als übergewichtige Frau zu fliegen – kurier.at

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Written by medicus58

27. Juli 2017 at 05:15

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Urlaubs Qualen: Quallen

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Strandfotos, mit und ohne Sonnenuntergang sind unverzichtbare Beweise, dass man einen schönen Urlaub hatte.
Meist zeigen sie aber nicht das versiffte Hotelzimmer mit Blick in den Hinterhof oder andere weniger erbauliche Kollateralschäden des mehr oder weniger wohlverdienten Erholungsurlaubs am Meer.
Es muss ja nicht immer die Portugiesische Galeere oder Seewespe sein, aber Quallen mögen einem das Urlaubsvergnügen schon ziemlich vermiesen.
Der Focus fand die schöne Charakterisierung. uralt, hirnlos und sehen harmlos aus,
um einen videographischen Crash-Kurs über die Gefahren einer solchen Begegnung nachzulegen.
Während der Boulevard den Griff zum Rasierschaum empfiehlt, um die unangenehmen Folgeerscheinungen dieser Urlaubsbekanntschaft zu mildern,
vertreten andere „Experten“ die Meinung, dass das nur bei den europäischen Varianten hilft und setzen auf die Eis-Kühlung, Sand und Abschabe Methode,
während wiederum andere, inkl. eines interviewten Tropenmediziners, auf die Hyperthermie und Essig-Methode schwören:
http://www.nachrichten.at/nachrichten/gesundheit/Achtung-Quallen-7-Tipps-fuer-die-Erste-Hilfe;art114,2616089

Mein Tipp: Bleiben’s im Gänsehäufel und verstopfen’s mir nicht den Rest der Welt!

PS: Diese schöne Exemplare einer Geisterqualle (Cyanea nozakii) oben, können Sie übrigens auch im Schönbrunner Zoo besuchen, ohne mit ihrem Gift in Kontakt zu kommen:
https://www.zoovienna.at/tiere/andere-tierklassen/geisterqualle/

 

Written by medicus58

24. Juli 2017 at 18:29

Heute einmal die Dunkle Seite des Tourismus

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Das Programm der klassischen europäischen Bildungsreise beginnt bei irgendwelchen altertümlichen Ausgrabungen,
führt zu allerlei klerikalen und monarchistischen Gebäuden, um je nach Gegend mit einem Museumsbesuch bei einer Venus ohne Arme oder einer lächelnden Unbekannten seinen Höhepunkt zu finden.
Seit 1974 das London Dungeon in den U-Bahnbögen für touristisches Gruseln sorgt, ist der Reisende auch nicht mehr auf Kapuzinergruft  und das eine oder andere Ossarium angewiesen, wenn er einen dosierten Adrenalinkick benötigt.

Die nächste Stufe bedeuteten aber diejenigen Orte, in denen der Horror noch kürzlich gewütet hat.
Abgesehen davon, dass ein Besuch in der Glaubenskongregation des Vatikans nicht gestattet wird, wäre auch der dort archivierte Horror schon ziemlich in Vergessenheit geraten, da der letzte Scheiterhaufen auch schon vor einige Zeit verglost ist.

Reisen zu den Killing Fields sind beschwerlich und die klassische Verdun Tour hat man vielleicht auch schon hinter sich.
Besuche in den ehemaligen Konzentrationslagern des Dritten Reiches eignen sich auch weniger zum Massengruseln, da sie zu Recht eher die Schuldfrage aufwerfen.

Da eignen sich Orte an denen „die anderen“ gewütet haben viel eher und eines dieser Ziele liegt in Tartu, Estland.

Die Stätten des KGB Terrors werden dort als Sehenswürdigkeit vermarktet.
Mein Foto oben zeigt den unscheinbaren Eingang zu einem Privathaus im Jahre 2004, in dessen Kellern der KGB zwischen 1940 und 1954 Folterzellen betrieb.
Auf Flickr für die Ewigkeit erhalten, hat der Tourist die Möglichkeit sich als Gefangener zu fühlen oder ein halblustiges Videos zu drehen:

KGB Horror ist überhaupt ein Tourismusmagnet im Baltikum.
Auch in der Hauptstadt Tallin findet sich ein KGB Museum
https://www.visitestonia.com/de/museum-hotel-viru-und-kgb

und auch im nahen Litauen findet sich Ähnliches

und das KGB Museum in Vilnius interessiert offenbar auch den ostasiatischen Reisenden:

Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis Touren durch Abu-Ghuraib angeboten werden.

Written by medicus58

22. Juli 2017 at 18:27

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Der Abstand zwischen Arzt und Patient wird größer

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Einer der Grundpfeiler der „Gesundheitsreformen“ besteht auch darin, dass nicht jeder Patient sofort einem Arzt gegenübersteht, sondern zuerst Health literacy geschult sich selbst oder durch „informierten Laien“ Heilung zu erlangen, vielleicht einem Helpdesk telefonieren oder schlimmstenfalls mit einer Pflegekraft in Kontakt treten soll; nicht weil in diesen Instanzen mehr medizinische Kompetenz anzutreffen ist, sondern weil diese Personen einfach weniger kosten als Ärzte.

Die Ökonomie blickt auch neidisch in diese Länder, wo außerhalb des Spitals kaum noch Fachärzte zu finden sind. Klar, die Sozialversicherungen kosten ein Facharzt, der auch eine längere Ausbildung durchlaufen musste als ein Allgemeinmediziner, einfach deutlich mehr.
Das alles muss bei banalem Schnupfen ja nicht schlimm enden, aber es ist definitiv die Antithese zur uns Ärzten oft vorgeworfenen Absicherungsmedizin, ohne dass noch so ganz klar wird, wer in diesem Spiel nun welche Verantwortung trägt.

In den diagnostischen Fächern fällt es den Patienten kaum mehr auf, aber dort ist die räumliche Trennung zwischen Arzt und Patient schon viel weiter gediehen. Klar, keiner wird erwarten, dass ihm der Labormediziner selbst Blut abnimmt, und das ist in machen Fällen auch gut so, nur wissen die wenigsten, dass die meisten Labors Teile der Blutproben in verschiedenste Labors schicken, weil das die Kosten der Einzelbestimmung deutlich drückt, auch wenn dem Patienten ein Befund mit einem einheitlichen Briefkopf ausgehändigt wird. ELGA wird das sicher bald offenbaren.

Auch in der Radiologie sitzt kaum noch der Facharzt nebenan in seinem dunklen Kämmerchen und befundet einsam vor sich hin.
Was bei uns des nachts zwar in immer mehr Spitälern aber noch relativ selten vorkommt, ist in anderen Ländern gelebter Standard: Teleradiologie

Digitale Bildgebung und rasche Datennetze machen es möglich, dass Großgeräte bis in die späten Abendstunden betrieben werden, weil dort, wo der Arzt befundet, vielleicht schon wieder die Sonne aufgeht.
Viele Patienten in den USA freuen sich, dass der schriftliche CT-Befund praktisch in Echtzeit vorliegt, da irgendeiner der indischen Radiologen grad unbeschäftigt ist.
In den USA hat Medicare hier einen gewissen Riegel vorgeschoben, dass solche Leistungen nur dann refundiert werden, wenn die Endvidierung wieder vor Ort statt findet, aber das lässt sich ja organisieren:
http://www.auntminnie.com/index.aspx?sec=sup&sub=imc&pag=dis&ItemID=117743

All das geht langsam aber offenbar unaufhaltsam voran, die Medizin wird unter ökonomischen Druck dort, effizienter, wo ausschließlich an abrechenbare Leistungen gedacht wird. Dass vielleicht der direkte Kontakt zwischen Arzt und Patienten in vielen Fällen die Erbringung dieser Leistung obsolet gemacht hätte, das wäre Old School.

2012: Fordismus im Spital: Das Geld liegt auf der Strasse?

Written by medicus58

19. Juli 2017 at 07:51

Wünsche an den neuen KAV Generaldirektor (Teil 6: Der Dank)

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Der neue Generaldirektor möge bei bei seiner Bestellung wem auch immer danken, seiner Familie, seiner Rücksichtslosigkeit,
seinen Lehrern und seinen Mitarbeitern aber niemandem im System.

Meinetwegen dem Bürgermeister, denn dessen Ablaufdatum ist absehbar,

aber nicht einer Partei, ohne der er nichts wäre – will sagen geworden wäre“,

nicht Gewerkschaft oder einer Personalvertretung, die sich in der Vergangenheit zu oft als Personaltzertretung (Dienstplanverhandlungen, Pflegegesetze, …) und Partner der Macht als Partner des Personal entpuppt hat,

nicht einer Firma, die in reger Geschäftsbeziehung zur Stadt Wien steht
oder einem Immobilienentwickler, der auf die Nachnutzung des KAV-schen Immobilienbesitzes wartet,
oder einem privaten oder konfessionellen Investor, der Eigeninteressen an den Rosinen des öffentlichen Gesundheitswesen hat

und, bitte, auch nicht dem CV, den Freimaurern, dem Opus, den Bilderbergern, Templern, Assassinen, Illuminati, Scientologen, Rotariern … etc., von denen zu Recht oder zu Unrecht immer wieder behauptet wird, dass bei ihnen die Fäden zusammenliefen.

Eigentlich würde man sich einen Generaldirektor oder eine Generaldirektorin wünschen, die niemandem im Wort, bei niemandem eine Rechnung offen hat und der seine bisherige Karriere abseits der hiesigen Seilschaften der Stadt geschafft hat, was diese Miniserie im Blog endgültig in die Sphäre der reinen Wunschträume hebt.

Written by medicus58

16. Juli 2017 at 17:35

Wünsche an den neuen KAV Generaldirektor (Teil 5: Persönliches zum Personal)

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Nun, nachdem die Zukunft des Wiener Krankenanstaltenverbundes zumindest in groben Zügen festgelegt wurde (KAV wird Anstalt öffentlichen Rechts ab 1.1.2019) könnte es ja wirklich bald was werden, mit der Nachbesetzung der Generaldirektion. In der Vergangenheit habe ich schon viermal ein paar Wünsche ausformuliert, die auch schon vergangene Generaldirektoren, rein theoretisch, erfüllen hätten können.

Das „Neue“ am KAV als Anstalt öffentlichen Rechts sollte nun nach den Beteuerungen der Verkünder ja sein, dass zukünftig Personalpläne und -angelegenheiten im Konzern, also ohne dauernde Rückfrage bei der MA2, festgelegt werden kann.
Auch wenn ich bis heute noch nicht verstanden habe, was die Stadt Wien mit dem verliehenen Personal tun wird, das ein zukünftiger KAV GD dankend wieder zurückschickt, bzw. mit Personal, dass dieser nach Bedarf selbst rekrutiert, wenn dieses auch zukünftig Personal der Stadt sein soll, aber glauben wir einmal, dass dafür schon fertige Lösungen in den knarrenden Schubladen der Stadt liegen, über die man in der nächsten Pressekonferenz Auskunft geben wird. Bis 31.12.2018 ist ja noch genügend Zeit.

Was ich mir aber vom neuen KAV Generaldirektor wünsche ist, dass er sich gegen die bisherigen Kräfte durchsetzten möge, die bewirkten, dass

gute Mitarbeiter, die nach dem Erreichen des Pensionsalters noch ein, zwei Jahre länger aktiv bleiben wollen
(Ja, sowas gibt es nicht nur unter den Primarii sondern auch unter dem Reinigungspersonal!) nicht zwangspensioniert werden,

und gute Mitarbeiter jenseits der erratischen Remunerationsspiele des Magistrats (ggf. auch nur durch nicht-monitäte Benefits) belohnt werden können.

Andererseits muss es zwischen dem Hire-and-Fire, das die Stadt in ausgelagerten Bereichen oft schlimmer betreibt als viele Private, und den jahrelangen Minderleistungen, nur durch Amtsarzt und Kuraufenthalte unterbrochene Dauerkrankenstände, eine Möglichkeit zur begründeten Kündigung gibt, gegen die die Personalvertretung nicht Sturm läuft.

Eine Personalbeurteilung, deren Note mindestens ein gut sein muss, um nicht den automatischen Einspruch der Personalvertretung zu triggern, ist schade um den Regenwald, der für das Papier geschreddert wurde.
Elektronische Bögen sind noch nicht im System angekommen, der Umstieg auf eine Word-Vorlage, die dann ausgedruckt und händisch ausgefüllt werden muss, war bislang das Ende der Fahnenstange.

Es ist verlogen internationale Maßstäbe für die Personalplanung anzuwenden und triumphierend Posten zu streichen, wenn andere Regeln der Personalrekrutierung außer Kraft gesetzt werden.
Dort wo Leistungswille anerkannt wird, wie zum Beispiel Mehrleistungen während der Urlaubszeit, wird dies nicht monitär sondern durch zusätzliche Freizeit belohnt, was implizit die anderen Mitarbeiter in diesem Bereich zu Mehrleistung führt.
Starre Arbeitszeitschemata erlauben Führungskräften nicht einmal in Zeiten der Flaute, sich beim Personal mit einem „15 Minuten früheren Arbeitsschluss“ zu bedanken.
Starre Linien von der Kollegialen Führung hinunter auf die Abteilungsebene lassen effizientes Arbeiten nur dort zu, wo alle Beteiligten nicht wegen sondern trotz dieser Strukturen zusammenarbeiten.
Ich kenne viel zu viele Beispiele, wo eine auf Abteilungsebene mit guter Begründung getroffene Entscheidung (z.B. Urlaubsansuchen) von übergeordneter Stelle ohne Rücksprache „overruled“ wurde, weil Personalvertretungswahlen anstanden.

Wenn wir uns an unseren letzten GD erinnern, dessen Erfahrung in der Personalverantwortung sich auf eine zweistellige Anzahl an Institutsmitarbeitern beschränkte, ehe er zur Leitung eines 30.000 Mitarbeiter Konzerns berufen wurde, der aus macht-politischen Gründen absichtlich keine Entscheidungshoheit über das Personal hat, das zu einem nicht unbeträchtlichen Anteil die potentielle Wählerschaft der nächsten Bundes- und Landeswahlen darstellt, wird einiges klar, woran der KAV zuletzt gescheitert ist.

Written by medicus58

14. Juli 2017 at 15:01

Wünsche an den neuen KAV Generaldirektor (Teil 4: Primaten raus)

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Während hierzulande jedes Kind im Primarius den Abteilungsvorstand erkennt, verstehen unsere deutschen Freunde darin den Ausgangspunkt (Primärtumor) einer bösartigen Erkrankung.
An diese Ambivalenz habe ich hier schon seit Jahren immer wieder erinnert, wenn es darum ging darauf hinzuweisen, dass die Gesundheitspolitik, unter bisweilen kräftiger Mithilfe der sogenannten Personalvertreter aus dem ärztlichen Mittelbau diese Führungsebene weg administrieren will:

10/2013 Weg mit den Primarii!

Offenbar sind die erfahrenen, häufig auch habilitierten Ärzte einfach im Weg, wenn am Schreibtisch entstandene Patentlösungen unhinterfragt in den klinischen Alltag gekippt werden sollen.
Diese Haltung ist zwar in sich widersprüchlich, weil weiterhin alle Beschwerden, statistischen Anfragen und durchzusetzende Anordnungen beim Abteilungsvorstand landen und man selbstverständlich davon ausgeht, dass er neben der medizinischen Qualitätssicherung (bis zum Einspringen, wenn einmal niemand für den Nachtdienst oder einen komplexen Eingriff vorfügbar ist) auch wirtschaftliche, rechtliche und Personalangelegenheiten so nebenher zu erledigen hat:

3/13 Der Eier-legende-Woll-Milch-Primarius

Andererseits soll er in der irgendwie schon (oder auch noch nicht ganz) geltenden Master-Betriebsorganisation im Wiener Krankenanstaltenverbund bald nur mehr (am besten für mehrere Abteilungen) SOPs verfassen, während die Prozessabläufe von der Pflege oder den medizinisch-technischen Diensten gelenkt werden:

5/14 Master-Betriebsorganisation im KAV

Die Haltung der Betroffenen macht es „denen da oben“ auch leicht:

2/15 Aufstand der Primarärzte: einfach wegadministriert

denn es finden sich noch immer genug fürs lächelnde Gruppenfoto:

10/16 KAV: Wenn das alles ist

Während man anderswo in aktuellen Studien bereits das Naheliegende erkennt:

Front Line of Healthcare Report 2017: Why involving doctors can help improve US healthcare

herrscht bei uns (und nicht nur in Wien) noch der Glaube, man könnte ein Gesundheitssystem ohne diejenigen basteln, die schon Jahrzehnte die Materie gelernt und ausgeübt haben.

Seit Jahren (siehe oben) läuft aber ein Prozess der zunehmenden Unattraktivierung von ärztlichen Führungspositionen.

Beispiele?

Ende 2015 wurde die Stellenbezeichnung unter billigendem Applaus von Gewerkschaft und Ärztekammer vom Abteilungsleiter auf den Ärztlichen Abteilungsleiter diminuiert.

Seit Jänner 2016 ist das Sekretariatspersonal nicht mehr dem Abteilungsleiter unterstellt sondern wird gepoolt verwaltet!

Auf den Punkt gebracht, die Abteilungsleiter sind zwar dafür verantwortlich, dass entlassene Patienten einen Arztbrief erhalten, eine direkte Anordnungsmöglichkeit an die Schreibkraft wurde ihnen aber genommen. Damit sind Abteilungsleiter nur mehr Ärzten vorgesetzt, da auch die Pflege und die medizinisch-technischen Dienste eigenen Hierarchiebäume haben. Wesentliche Koordinationsfunktionen (Urlaubsplanung, …) ist so kaum möglich. Da die Kontrollspanne der neu generierten Vorgesetzten-Ebene der Sekretariatsposten aber viel zu groß ist, also diese nichteinmal die Möglichkeit hat die Anwesenheit am Arbeitsplatz zu kontrollieren, wird ein Stechkartensystem eingeführt …

Lächerlich, aber symptomatisch:

Im Zuge des aktuellen Druckerkonzeptes wurden die Laserdrucker neben den Schreibtischen der Abteilungsleiter entfernt.

Zusagen im Bewerbungsprozess über Investitionen und Personal werden nicht eingehalten.

Die Unterschriften von Abteilungsleiter und Ärztlicher Direktion von Sonderurlaubsansuchen eines nachgeordneten Arztes oder organisatorischer Maßnahmen kann jederzeit von einem Sachbearbeiter der Verwaltung gekippt werden, weil er glaubt einen Formalfehler entdeckt zu haben. 

In Kreisen des Mittelbaus werden die Abteilungsleiter (Primarii) oft scherzhaft als Primaten bezeichnet und im nachfolgenden Kopfkino denkt wohl kaum einer an deinen Primus inter pares sondern eher an Schimpansen oder Bonobos.
Niemand wünscht sich einen Gorilla oder geschweige King Kong als Wappentier ärztlicher Abteilungsleiter aber ein Blick auf die sinkenden Bewerberzahlen für ehedem umfehdete Abteilungsleitungen, wenn sie nicht ohnehin zu Multiprimariaten zusammengelegt wurden und die Anzahl der nach kurz Designierung wieder das Handtuch werfenden Führungspersonen (KH Nord, Hanusch aber auch KH Wiener Neustadt, …) sollte dem neuen Generaldirektor doch zu denken geben.

Written by medicus58

8. Juli 2017 at 17:42

KAV wird Anstalt öffentlichen Rechts ab 1.1.2019

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Neuorganisation des KAV: Krankenanstaltenverbund wird eine Anstalt öffentlichen Rechts

https://www.wien.gv.at/presse/2017/07/06/neuorganisation-des-kav-krankenanstaltenverbund-wird-eine-anstalt-oeffentlichen-rechts

http://wien.orf.at/news/stories/2853179/

Übersicht: Als Körperschaft des öffentlichen Rechts (KöR) bezeichnet man im Recht Österreichs eine Form der juristischen Person öffentlichen Rechts.

https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6rperschaft_des_%C3%B6ffentlichen_Rechts_(%C3%96sterreich)

https://austria-forum.org/af/AustriaWiki/K%C3%B6rperschaft_des_%C3%B6ffentlichen_Rechts_(%C3%96sterreich)

 

Eine Anstalt öffentlichen Rechts, wie sie derzeit für den Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV) geplant ist, sei lediglich eine Namensänderung, sagt Jurist Funk
Eine Anstalt öffentlichen Rechts bietet laut Funk die Möglichkeit, „sich auf politischer Ebene zu entlasten“, aber gleichzeitig Erfolge auf die eigenen Fahnen zu heften.

http://derstandard.at/2000059047002/Wiener-Spitaeler-Kritik-an-Ausgliederung-light

Personalvertreter ein Drittel des Aufsichtsrates

 

KAV hat angeblich das Recht, Anstellungen, Beförderungen oder auch Kündigungen selbst durchzuführen. Die Mitarbeiter haben aber weiterhin ein Dienstverhältnis mit der Gemeinde, sie werden der Anstalt zugeteilt. Das gilt auch für künftige Neueintritte, wie der Chef der Gewerkschaft younion, Christian Meidlinger, ausdrücklich betonte. Auch auf die Pensionsregelung wurde nicht vergessen. Laut vorliegender Einigung trägt die Stadt weiter die Pensionslasten. Und falls diese doch vom KAV übernommen werden, muss die Stadt für eine “entsprechende Kapital- und Liquiditätsausstattung” des Spitalsträgers sorgen.

Was die Stadt dann mit den Mitarbeitern tut, die der KAV „wieder zurückgibt“, bzw., ob die Stadt Wien Personal auch zukünftig vom KAV eingestellt wird (Personalhoheit !) ungefragt „übernehmen“ wird, ist mir ebenso unklar, wie die zukünftige Größe einer MA2, bzw. ob deren Personal dann auch in den KAV geschickt wird …

 

Auch über das Budget kann künftig freier verfügt werden. Geregelt wird die finanzielle Ausgestaltung in einer – auf jeweils mindestens fünf Jahre abgeschlossenen – Zuschussvereinbarung. Die Grundstücke, auf denen sich die Häuser des KAV befinden, bleiben im Besitz der Stadt. Jedoch wird ein Baurecht eingeräumt.

Wir erleben gerade bei den Universitäten, wohin das führen kann …

Wie die ÖVP pochen auch die NEOS auf die Wahrung der Kontrollrechte des Gemeinderats bzw. der Opposition. Grundsätzlich begrüße man aber die Neuaufstellung des KAV. Allerdings dürfe der Aufsichtsrat zu keiner “Spielwiese für die Politik” werden.

… weil das bisher ausgeübt wurde?

 

http://www.vienna.at/wiener-krankenanstaltenverbund-ab-2019-mit-neuer-struktur/5361686

Wiener Spitäler: Neustart für Problemkind

http://derstandard.at/2000060916374/Wiener-Spitaeler-Neustart-fuer-Problemkind

PS: Das Bild weist auf das intelligenteste politische Kabarett des deutschsprachigen Raumes hin, auch wenn das ZDF es in der Rubrik Comedy versteckt: https://www.zdf.de/comedy/die-anstalt

Written by medicus58

6. Juli 2017 at 12:23

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