Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Archive for the ‘Was im Alltag so alles nervt’ Category

Die Haltung des Standards

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Der Standard feiert den 80.Geburtstag seines Gründers und Herausgebes mit vielen bunten Bildern und einem erfreulich gesund wirkenden Jubilar. Auf den meisten Bildern sieht man ihn auch im Kreise von Mitarbeitern und Gastautoren (Link).

Im Text lässt Bronner über sein Blatt ausrichten: Nun sei sein Medium so geworden, wie er es sich gewünscht habe.

Dies ließ mich, als Standard-Leser der ersten Stunde, in oben gezeigtem Forumbeitrag ein Addendum formulieren, in dem ich die Abwesenheit von Gerfried Sperl (82), dem langjährigen Chefredakteur des Standards, bedauerte, da dieser den Standard so formte, wie Herr Bronner sein Blatt gerne bezeichnet: unabhängig, mit Haltung,…

Mein Forumbeitrag wurde nicht veröffentlicht, weil er gegen die Forumregeln verstösst!

Da scheine ich die Regel, die eine kritische Bemerkung über Kritiker verbietet oder den Tatbestand Majestätsbeleidigung übersehen zu haben.

Es könnte aber auch die rezent niedrige Bewertung des Standards (1,2/5) auf Trustpilot erklären.

Written by medicus58

15. Januar 2023 at 09:02

Alles beim Alten im Neuen Jahr: Energiewende

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1.1.2023, Mahü 14:23

Die Weihnachtsbeleuchtung (mit Glühbirnen!) brennen lassen, bei Tageslicht…

Meine Fresse

Written by medicus58

1. Januar 2023 at 15:05

Du glückliches Wien hast keinen Mangel

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Als ich ein Kind war, hatte Österreich knapp 7 Millionen Einwohner, als ich mit dem Studium begann warnte man vor einer Ärzteschwämme und als ich mit dem Studium fertig war, warteten die meisten meines Jahrganges in Wien mind. 3 Jahre auf einen Turnusplatz.

Jetzt hat Österreich 9 Millionen Einwohner und APA verkündet, dass sich zwischen 2022 und 2012 die Anzahl der Mangelberufe bundesweit von 66 auf 100 erhöht hat. Dazu kommen 58 regionale Berufe. Die Liste der regionalen Mangelberufe führt Oberösterreich mit 44 an, gefolgt von Salzburg (26), der Steiermark (17), Tirol und Vorarlberg mit jeweils zwölf und Niederösterreich mit sieben. In Wien gibt es lediglich zwei Mangelberufe und im RIS findet man nicht einmal diese.

Jetzt suche ich händeringend um Antworten auf drei Fragen:

Erstens, was tun die zusätzlichen 2 Millionen, wenn es kaum mehr eine Branche gibt, die nicht händeringend Personal sucht?
Zweitens, wieso haben wir in Wien nach meiner eigenen Erfahrung weder genug Pflegepersonal, noch Ärzte, noch Handwerker, noch Kellner, noch Fahrer in den Öffis, noch irgendwen, und stehen offenbar bei den regionalen Mangelberufen so gut da, dass wir keine Rot-Weiß-Rot Karte benötigen?

Glaubt Bürgermeister Ludwig ernsthaft, dass er das Problem durch Einbürgerungen lösen kann, so wie er es seit Monaten trommelt?

30.Mai 22: STAATSBÜRGERSCHAFT Ludwig: „Erleichterungen für hier Geborene“
6.November 22: Die roten Reformpläne für die Staatsbürgerschaft
4.Dezember 22: Arbeitserlaubnis für Asylwerber: Wiens Bürgermeister Michael Ludwig für „rationalen Ansatz“

Warum glaubt die unselige Allianz aus Wirtschaft und Politik noch immer, dass man Strukturprobleme dadurch löst, dass man die Zahl der Wartenden erhöht und hofft, dass sich dann doch noch immer Leute finden, die unter den vorgegebenen Bedingungen arbeiten.

Unter vorgegebenen Bedingungen meine ich:
Auseinanderklaffen von Lohn- und Kapitalgewinnen
Bildungssystem, die am Bedarf vorbei produzieren
geschürte Angst vor dem Aussterben und dem Kollaps der Pensionssysteme
und nicht zuletzt die Kommunikation der erschreckenden Tatsache, dass
wir alle mindestens 40h und bis zum 65 Lebensjahr arbeiten müssen, wenn wir unsere Gesellschaftsform beibehalten wollen.

Vom „Augustin“ verkaufen und projektbezogenen Unterbrechungen des unterm Heizschwammerl Sitzen wird sich das nicht ausgehen.

Written by medicus58

6. Dezember 2022 at 06:22

Wegwerfen oder gleich wegwerfen: Recycling schwer gemacht

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Ein 12 Jahre alter CD Player (TEAC) gibt den Geist auf. Darf er zwar nach all den Jahren, obwohl er jetzt vorübergehend durch einen 27 Jahre alten (Philips) ersetzt wird, aber das Laufwerk war offenkundig noch OK und am Ausgang war ein Ton abzunehmen, nur halt extrem leise.

Als Wiener ist man ja zumindest in der glücklichen Lage, dass es „im Ort“ lizensierte Reparaturwerkstätten gibt, und natürlich hat man dafür Verständnis, dass die Fehlersuche Zeit und damit Geld kostet.

Der Kondensator kostet etwas weniger als 6 €, die ganze Reparatur etwas mehr als 240 €. Ein neuer CD Player ist so gegen 299 € im Handel (nach oben natürlich sind den Preisen kaum ein Limit gesetzt).

Ich freue mich, wenn das Teil wieder funktioniert und kann nur hoffen, dass die andeten Bauteile noch ein paar Jahre ihren Dienst versehen, genauso wie ich es bei einem DENON Kassettendeck gemacht habe, das nach 20 Jahren einen neuen elektronischen Bauteil brauchte.

Ich finde es auch super, dass es noch Menschen gibt, die so einen einzelnen Bauteil identifizieren können und nicht Berater, Esoteriker oder Bürokraten wurden.

Ich kann mir Gott-an-den-ich-nicht-glaube-sei-Dank, das auch leisten, auch wenn mein eigener Stundenlohn brutto (!) bei deutlich weniger als der Hälfte dessen liegt, was mir die Werkstätte verechnet.

Das mögen sich einmal alle Umweltschützer und Neoliberale auf der Zunge zergehen lassen: Der Markt regelt das so und der Gesunde Menschenverstand spricht dagegen.

Übrigens ist heute das 25 Jahre alte Backrohr ausgefallen.

Written by medicus58

13. November 2022 at 19:34

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Ein Wiener in Favoriten

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Es gab Zeiten, da zog mich mein Leben mit der eben eröffneten U1 immer wieder auf die Favoritenstrasse.

Nicht immer zum Tichy, auch zum Tlapa, (als Begleitung) zum Fürnkranz und auch mal ins Kepler-Kino, um alle der damals schin gedrehten Star Wars Filme in einem Zug durchzustehen, oder besser sitzen.

Rundherum gab es auch andere Geschäfte (Olympus Generalvertretung), die mich anzigen, ohne dass man die Gegend an sich als wahnsinnig attraktiv empfinden mußte. Aber auch als in Penzing Geborener fühlte ich micht völlig fremd.

Als mich das erbarmungslose Schicksal heute erneut in die Gegend lotste, keimte sehr bald ein gegenteiliges Gefühl in mir hoch.

In Ermangelung einer Gastwirtschaft, die diesen Namen auch nur abortiv verdiente und angesichts der späten Nachmittagsstunde, kaufte ich mir an einem Marktstand etwas Ungesundes und ein 16er Blech. Da der einzige Tisch vor der Theke besetzt war, balanzierte ich mein Mahl auf eine nebenan aufgestellte Heurigenbank. Sie gehörte, wie andere Bänke zwar offensichtlich zu der grindigen Schnapsbude „Rudy“, aber einerseits schlemmte dort eine neo-österreichische Jungfamilie auch ein von nebenan mitgebrachtes Gericht, und andererseits waren die anderen Bänke ohnehin gähnend leer, also wähnte ich mich sicher.

Sekunden später pflanzte sich die personifizierte Fettleber vor mir auf und fragte schmierig grinsend: Habn’S des Bier bei uns kauft?

Da er offenkundig Betreiber und Bedienung in Personalunion war, kann er für die saudumme Frage, die ihm wohl so flüssig über die Lippen kam, weil er sie seit Jahren mehrfach täglich einübt, nur eine schwere Demenz mit Sprachrest als Entschuldigung vorbringen.

Als ich vorbeugend meinen Platz räumte, da ich natürlich wirklich Gast des Nachbarstandes war und formalrechtlich nicht auf seinem wurmstichigen Bankl sitzen durfte, saftelte er mir noch nach, dass ihm das zwar leid tut, aber dass man da nix machen kann. Und das war nun auch formal eine Lüge.

Inzwischen war vor „meinem Standl“ nun doch ein Sitzplatz freigeworden und ich hatte genug Zeit mich der Frage hinzugeben, weshalb die Unterschichtsfamilie nebenan völlig unbehelligt das mitgebrachte Essens verzehren durfte und ihre Sitzplätze mit Speiseresten verdrecken durfte. Vielleicht sah der Lederjacken-tragende Familienvater so aus, dass er sich nicht so ohne weiteres verjagen ließ.

Ich hatte auch Gelegenheit den Rudy zu beobachten, der eine alte erschöpfte Frau von seinen Bänken wegscheuchte, als sie sich dort ohne Konsumationswunsch auszuruhen versuchte.

Aber immerhin ließ unser lautstarke Unterschichtsfamilie ihre Essensreste dann doch nicht beim Rudy sondern schob sie auf dem Tisch „meines Standls“ mir wortlos unter die Nase und zog ihrer Wege.

Nein, das ist nicht mehr mein Wien.

Written by medicus58

13. Oktober 2022 at 18:22

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Ein Wiener in Favoriten

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Es gab Zeiten, da zog mich mein Leben mit der eben eröffneten U1 immer wieder auf die Favoritenstrasse.

Nicht immer zum Tichy, auch zum Tlapa, (als Begleitung) zum Fürnkranz und auch mal ins Kepler-Kino, um alle der damals schin gedrehten Star Wars Filme in einem Zug durchzustehen, oder besser sitzen.

Rundherum gab es auch andere Geschäfte (Olympus Generalvertretung), die mich anzigen, ohne dass man die Gegend an sich als wahnsinnig attraktiv empfinden mußte. Aber auch als in Penzing Geborener fühlte ich micht völlig fremd.

Als mich das erbarmungslose Schicksal heute erneut in die Gegend lotste, keimte sehr bald ein gegenteiliges Gefühl in mir hoch.

In Ermangelung einer Gastwirtschaft, die diesen Namen auch nur abortiv verdiente und angesichts der späten Nachmittagsstunde, kaufte ich mir an einem Marktstand etwas Ungesundes und ein 16er Blech. Da der einzige Tisch vor der Theke besetzt war, balanzierte ich mein Mahl auf eine nebenan aufgestellte Heurigenbank. Sie gehörte, wie andere Bänke zwar offensichtlich zu der grindigen Schnapsbude „Rudy“, aber einerseits schlemmte dort eine neo-österreichische Jungfamilie auch ein von nebenan mitgebrachtes Gericht, und andererseits waren die anderen Bänke ohnehin gähnend leer, also wähnte ich mich sicher.

Sekunden später pflanzte sich die personifizierte Fettleber vor mir auf und fragte schmierig grinsend: Habn’S des Bier bei uns kauft?

Da er offenkundig Betreiber und Bedienung in Personalunion war, kann er für die saudumme Frage, die ihm wohl so flüssig über die Lippen kam, weil er sie seit Jahren mehrfach täglich einübt, nur eine schwere Demenz mit Sprachrest als Entschuldigung vorbringen.

Als ich vorbeugend meinen Platz räumte, da ich natürlich wirklich Gast des Nachbarstandes war und formalrechtlich nicht auf seinem wurmstichigen Bankl sitzen durfte, saftelte er mir noch nach, dass ihm das zwar leid tut, aber dass man da nix machen kann. Und das war nun auch formal eine Lüge.

Inzwischen war vor „meinem Standl“ nun doch ein Sitzplatz freigeworden und ich hatte genug Zeit mich der Frage hinzugeben, weshalb die Unterschichtsfamilie nebenan völlig unbehelligt das mitgebrachte Essens verzehren durfte und ihre Sitzplätze mit Speiseresten verdrecken durfte. Vielleicht sah der Lederjacken-tragende Familienvater so aus, dass er sich nicht so ohne weiteres verjagen ließ.

Ich hatte auch Gelegenheit den Rudy zu beobachten, der eine alte erschöpfte Frau von seinen Bänken wegscheuchte, als sie sich dort ohne Konsumationswunsch auszuruhen versuchte.

Aber immerhin ließ unser lautstarke Unterschichtsfamilie ihre Essensreste dann doch nicht beim Rudy sondern schob sie auf dem Tisch „meines Standls“ mir wortlos unter die Nase und zog ihrer Wege.

Nein, das ist nicht mehr mein Wien.

Written by medicus58

13. Oktober 2022 at 18:22

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Zuerst verdunkelt sich die Kunst: U3 Volkstheater

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Klar, wir müssen Energie sparen und unötigen Stromverbrauch vermeiden.

Zuerst glaubte ich noch den Wiener Linien wäre eine Sicherung durchgebrannt, aber nach über einet Woche scheint mir, dass die Stationsbeleuchtung in der U3 Volkstheater einfach abgedreht wurde.

Nicht am Bahnsteig, aber vor Anton Lehmdens Wandbild „Das Werden der Natur“.

Lehmden wurde 1987 von den Wiener Linien beauftragt, diese Station künstlerisch auszugestalten, fertiggestellt wurde die Arbeit 1991 als erstes U-Bahn-Kunstwerk in Wien.

Vermutlich hat eh keiner der Fahrgäste zuletzt mehr hinauf geschaut und ehrlich, gut fand ich die 360m2 aus winzigen Mosaiksteinen auch nicht.

Wenn aber wieder irgendwo in Wien was sinnlos angeleuchtet, heruntergekühlt oder raufgewärmt wird, sollten wir uns daran erinnern, welche Prioritäten gesetzt werden.

Written by medicus58

28. September 2022 at 18:05

Klimabonus und der Bankencrash

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Großartig nennt Gewessler das tückisch-grüne Projekt zu Querfinanzierung der französischen Firma Sodexo und ein Herzstück der ökosozialen Steuerreform.

Was daran sozial sein soll, wenn man Stückelungen von 50€ ausgeben muss, denn welcher Betrieb gibt einen denn Retour – Gutscheine, weiß ich nicht und dem Klima wird’s auch egal sein.

Aber halt, alte Kassandra, daran hat die tückisch-grüne Regierung natürlich gedacht, die Bank der Post wechselt ja auch, in Bargeld.

Als seit Jahrzehnten beruflich zum Jahresausgleich als unecht Umsatzsteuer-Befreiter verpflichteter Staatsbürger glaubte ich eigentlich, den Bonus auf mein, der Finanz wohlbekanntes Konto zu bekommen, aber weit gefehlt: Die milde Gabe lag in Form einer gelben Verständigung meiner nächstgelegenen Postfiliale in meinem Postkasten.

Anstellen am Schalter, Führerschein zur Identifikation, Unterschrift

Warum ich Ihnen das erzähle?

Gleich am Nebenschalter manifestierte sich die Bank der Post, die, warum auch immer Bank99 genannt werden will, ein Wechsel in Bargeld schien so lange unkompliziert, bis der Postbeamte den Schlussgag lieferte:

Des san die Klimagutscheine, die könnten’S eigentlich gleich nebenan umwechseln, nur heut‘ net. Wir hob heut scho soviel auszahlt, wir hab’n ka Göld mehr.

Written by medicus58

24. September 2022 at 23:21

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Wollt Ihr den Totalen Stress? und wer hat was davon …

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Krisenfrei war das Leben wohl selten, aber irgendwie fehlt langsam die Pause zwischen den Akten dieses Stücks:
2004: Orange Revolution in der Ukraine
2006: Die US-Immobilienkrise
2007: Die weltweite Bankenkrise
2008: Die Lehman-Pleite
2009: Globale Wirtschaftskrise
2010: Griechenland und die Euro-Schuldenkrise, Orangene Revolution in der Ukraine zerbricht  russlandfreundliche Regierung (Janukowytsch) eingesetzt
2011: Schuldenkrise in Italien, Portugal, Spanien, ESF Rettungsschirm, Beginn des Syrienkrieges
2012: weitere Rückschläge des Arabischen Frühlings
2013: Gegenschlag der syrischen Regierung, Giftgas in Ghuta, Euromaidan in der Ukraine
2014: Auftreten des Islamischen Staates in Syrien, Annektion der Krim, Kämpfe um Donbas
2015: Flüchtlingskrise, Unterstützung Russlands im Syrienkrieg
2016: Nahrungskrisen in Afrika, Nordkorea, Überschwemmungen in Bangladesch, Misslungener Putschversuch gegen Erdogan (Türkei)
2017: Trump wird Präsident der USA
2018: Bolsonaro wird Präsident in Brasilien
2019: Pandemie ff
2020: Brexit
2021: Sturm auf das Kapitol in den USA, Islamischen Emirat in Afghanistan, Inflation in den USA
2022: Inflation in Europa, russ. Invasion in der Ukraine, Energiekrise, Klimakrise, Wasserkrise, Wirtschaftskrise, …..

Und das sind nur die Krisen, mit denen sich europäische Medien beschäftigt haben, Krisen und Kriege in Afrika, Arabien und Mittelamerika, Islamistischer Terror und Geiselnahme außerhalb von Europa beschäftigten uns ohnehin nur selten.

In einem Interview mit der DW fielen schon 2016 die Sätze „Es gibt eine Globalisierung der Krisen“ und dass Auch 2017 die Krise ein Dauerzustand der internationalen Politik war. Der Schuldige war für den Direktor der Stiftung Wissenschaft und Politik der gerade inthronisierte Donald Trump, keine Ahnung, wie heute die Gemengelage von Es gebe keine einzelnen Krisen mehr, sondern zusammenhängende Krisenlandschaften begründet würde. Trump hat sich zwar bis heute als Feuerbeschleuniger antidemokratischer Entwicklungen bewährt, aber ihn als einzigen Grund für das Krisen-Stakkato zu sehen, hieße seine Bedeutung massiv zu überschätzen.

Die Erkenntnis, dass, im Gegensatz zu früheren Krisen (Die Kuba-Krise 1962 etwa habe einen klaren Anfang, ein klares Ende und bestimmte Akteure gehabt.) ist aber gültiger denn je. Der wahre Unterschied zu meiner ersten Lebenshälfte ist nicht, dass es nicht immer Krisen gab, sondern dass diese früher durch Erleichterungen unterbrochen wurden.

Mitten im Kalten Krieg der 80er Jahre mit NATO-Doppelbeschluss, Pershing Raketen und US Truppenstationierung in Deutschland, formierten sich die Friedensbewegung und Nena ließ 99 Luftballons steigen, bis gegen Ende des Jahrzehntes die UdSSR, gegen die man wie wild aufrüstete, implodierte.
Diese Krise dauerte zwar länger als die 13 Tage der Kubakrise, aber sie endete mit einem Aufatmen, zumindest für Europa und einigen Jahren mentaler Erholung und Hoffnung.

Seit Jahren ist uns dieses Aufatmen verwehrt.

Einerseits, weil der globale Imperialismus einen Mehrfrontenkrieg führt und andererseits, weil die Medien, nicht nur die asozialen, ihre Clicks fast ausschließlich über Verstärkung und kaum mehr über Analyse suchen.

Ein gutes Beispiel ist die aktuelle Kontoverse über die Interviewführung Armin Wolfs mit dem ukrainischen Außenminister: Armin Wolf: „Selten so kontroversielle Reaktionen“ Auf den Vorwurf er wäre Kremlsympathisant antwortete der Wolf of Küniglberg: Es ist mein Job, (kritische) Fragen zu stellen. Die Gäste antworten. Und das Publikum kann entscheiden, ob die Argumente überzeugen.
In diesem Interview konterte der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba: „Sie klingen so, als würden Sie nach Rechtfertigungen suchen, warum die Krim zu Russland gehören sollte … Aber ich bin mir sicher, Sie sind ein redlicher Mann.“

Armin Wolf, der mich wie alle ohne Klarnamen auf Twitter geblockt hat, ist zweifellos ein kluger Journalist, aber gerade das Credo sich in Interviews in die Gegenposition zum Gegenüber zu begeben, führt zur zwangsweise zur Polarisierung und nicht unbedingt zur besserer Erkenntnis. Ich habe das hier schon im Zusammenhang mit seiner Fukushima Berichterstattung diskutiert: Nach 100% ist es aus, das Kasperltheater

Während sich die Medien (wie im Titelbild Die Presse) als Kontrolleure der Mächtigen sehen wollen, führen ihre Strategien eher zur Zuspitzung von Konflikten. Um eine andere Passage des Interviews mit dem ukrainischen Außenministers über den Krieg beim AKW Saporischschja herauszugreifen:
Wolfs Frage warum die Russen, die das AKW besetzt halten, ihre eigenen Truppen beschießen sollen, lässt ebenso ratlos zurück, wie die Antwort des Außenministers, warum sollen wir Ukrainer unser eigenes AKW zusammenschießen?
Rhetorisch beide Herren auf den Punkt, als unausgesprochene Synthese beider Argumente bleibt aber doch nur der Schluss, dass es wohl beiden Staaten weniger um rationale Beweggründe gehen kann, als um propagandistische Vorteile. Gesagt kann das so natürlich nicht werden, weil es letztgültig nicht bewiesen werden kann, also verstärkt es nur die jeweiligen Gruppen in der Gewissheit, dass jeweils der Gegner lügen muss.

Ein weiteres schönes Beispiel für die polarisierende Interviewtechnik fand sich auch in den letzten Tagen: Während bis vor kurzem noch die Ungerechtigkeit des Westens beklagt wurde, der sich die High-tech Covid Impfstoffe krallte und im Rahmen der COVAX-Initiative nur kurz vor dem Ablaufdatum nach Afrika schickten, wo sie aus Angst vor der westlichen Medizin ohnehin abgelehnt wurden, (Spritzen für die Staatsspitzen: Damit haben sich führende Politiker gegen Covid-19 impfen lassen), vernahm ich jetzt eine Interviewfrage, ob es den ethisch vertretbar wäre, die restlichen Impfstoffe nach Afrika zu schicken, weil angepasste Impfstoffe, die nicht wesentlich besser wirken als die alten, bald in Europa ausgeliefert werden.

Wer hat also nun etwas davon, dass wir atemlos von einer Krise in die nächste rasen?

Also abgesehen von all den Anbietern, deren Waffen, Medikamente, technische Lösungen oder Beratungen immer mehr nachgefragt werden, je verzweifelter wir im Krisensumpf versinken, sehe ich nur einen Nutznießer der globalen Permanentkrise:
genau diese Anbieter, die mit ihren oft Pseudolösungen Geld verdienen,
Medien, die durch immer größere Panik, die Leute von ihren Games und Streaming-Plattformen locken,
und politische Strömungen, die von der wachsenden Verunsicherung und Destabilisierung profitieren.

Dauerstress führt, je nach Ausgangslage zu Aggression oder Depression und beides vernebelt den vormals gesunden Menschenverstand.

Das sollten sich zumindest die Medien mal überlegen, die von sich behaupten Qualität zu liefern.

Written by medicus58

8. September 2022 at 16:44

Es geht schon wieder los: wie Medien uns gaga machen

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Dass Heute sogar ein Symbolbild bemüht, um uns beim Schwitzen zu zeigen ist ja für sich genommen schon absurd, aber die sind dort nicht allein auf dem Bad News are Good News Trip.

Es geht schon wieder los“, warnt auch ORF-Wetterchef Marcus Wadsak auf seinem Twitter-Account.

Allein bei dem Gedanken, dass da schon wieder was los geht treibt einen ins Fieber.

Fix sei jedenfalls: „Es wird wieder heiß“, mit mehr als 30 Grad.

Was mein ganzes bisheriges Leben als für den August als normal gesehen wurde und nur wenn es einmal ausblieb Rudi Carells Schlager Wann wird’s mal wieder richtig Sommer zu etwas Airtime verhalf. Heute zitiert aber weiter den ORF Wetterexperten, der mit nahezu beängstigender Präzision uns unser Ende prophezeit:

Wie heiß genau es wird, darüber herrscht noch Unsicherheit. „Von 25 bis fast 40 alles möglich“, auch wenn letztere Höchstmarke erst ein einziges Mal, im August 2013, erreicht wurde.

Wir lesen nochmals die Überschrift: Bis zu 40 Grad, aber es können halt auch nur 25 Grad sein.

Jenes „berüchtigte Modell„, auf das sich auch viele Wetter-Apps stützen, zeige derzeit den oberen Rand. Und diese „Horror-Variante“ hat es in sich: 39 Grad könnten es in Wien werden, wenige Kilometer weiter ins Wiener Becken hinein und bis ins Südburgenland sind sogar 40 Grad möglich.

Da haben wir sie wieder, die 40 Grad, die den Herrn am Getty Image den Schweiß aus den Poren trieb.

OK, heute waren es in Deutsch-Altenburg 35,8 Grad, ehe es vermutlich für den Rest der Woche wieder abkühlte. Definitiv eine Hitze, die vor Jahrzehnten Carells Schlager zum Ladenhüter gemacht hätte, aber eben ein gutes Stück vom Horrorwert entfernt, den übrigens die „Zeitung“ Österreich“ auch alle zwei Wochen prophezeit.

Hätte man, was der Durchschnittsleser von HEUTE ohnehin nicht vermag, den Artikel ganz gelesen, dann wäre ohnehin Entspannung eingetreten:

Fix damit planen solle man aber noch nicht, so Wadsak – „Ich bitte Sie inständig diese so (noch) nicht zu glauben.“ Sein eigener Wetter-Weitblick geht einstweilen von etwas gemäßigteren Temperaturen aus (siehe oben).

Und da unsere Medien so oder so ähnlich mit allen anderen Problemen umgehen:

Coronakrise, Inflation, Affenpocken, Ukrainekrieg, Migration, Energiekrise

nimmt es einen nicht Wunder, wenn inzwischen Diskussionen regelhaft in Hysterie münden.

Selbstverständlich stellen uns die Veränderungen des Weltklimas, neue Infektionen und alte politische und wirtschaftliche Fehler vor schwierige Herausforderungen, nur frage ich mich immer häufiger, ob unsere Medienmacher nicht schon längst mehr das Problem als die Lösung sind.

Written by medicus58

18. August 2022 at 19:27

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