Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Archive for the ‘Was im Alltag so alles nervt’ Category

Es ist billiger nach London zu fliegen als dorthin zu kommen

with 4 comments


Die aktuellen Vorgängen um die Air Berlin und die Niki werden medial überwiegend unter dem Gesichtspunkt der politischen Interventionitis zu Gunsten der Lufthansa betrachtet. Wie absurd dieser „Markt“ überhaupt schon wurde, stört kaum jemanden.
Wenn Sie im zB November nach London fliegen wollen (vernachlässigen wir mal Ihren Bedarf an Gepäck und Nachmitternachtsschlaf), dann zahlen Sie für den Hinflug knapp unter 51€.

CAT Airport Train und Einfachfahrschein der Wiener Linien kostet Sie 14€ alles nur für den Hinflug.

Von Stansted ins Zentrum und noch ein Tube-Ticket macht Sie leicht um 20€ ärmer.

Kopfrechner werden jetzt gleich triumphierend rausrufen, dass da noch immer eine Differenz von 17€ wäre, was nicht abgeleugnet werden kann, ABER

die stumme Hand des Marktes bringt Sie per Flugzeug für Ihre 51€ rund 1500 km weit und rund 10.000 m hoch, während sie Sie für die 34€ keine 100 km weit transportiert.

Das stinkt wahrlich mehr als  die Mille, die Merkel der Air Berlin nach wirft.

Advertisements

Written by medicus58

20. August 2017 at 22:44

Warum unsere Parteien am Ende sind

leave a comment »


Zuerst setzte unter dem kaum überhörbaren Gebrummel seiner Parteigenossen BM Kurz die Querschnitt gelähmte Kira Grünberg an die Spitze der Tiroler ÖVP Landesliste und für die kommende Nationalratswahl. Auch auf der Bundesliste schaffte sie es von Null auf 100 in die nahezu sicheren Plätze.
http://derstandard.at/2000062230902/In-Tirol-waechst-die-Kritik-an-Kurz-Basis-und-OeAAB
Parteimitglied ist sie bis heute nicht.
Ich kenne Frau Grünberg nicht, gehe aber nach Medienberichten davon aus, dass Sie eine integere und willenstarke Person ist.

Bundeskanzler Kern toppte den Coup in dem er die amtierende Bundesministerin Rendi-Wagner auf Platz zwei (!) der Bundesliste setzte.
http://derstandard.at/2000062184315/SPOe-Bundesliste-Rendi-Wagner-auf-Platz-2-hinter-Kern
Ich kenne Frau Kollegin Rendi-Wagner beruflich noch als Sprecherin Ihrer Vorgängerin und bin davon überzeugt, dass sich fachlich kompetent und ebenfalls integer ist.
SPÖ Mitglied wurde sie aber erst in den Tagen unmittelbar vor Ihrer Berufung an die Spitze des Ministeriums, Mitglied im BSA immerhin schon seit fünf Jahren.
http://www.heute.at/politik/news/story/-Wieder-eine-mehr—Kern-scherzt-mit-Rendi-Wagner-20157424

Man kann es sich natürlich leicht machen und liegt vielleicht auch gar nicht sooo falsch, dass die beiden Damen ihre Karriere neben der Optik auch ihrer medialen Wirksamkeit verdanken. Der wesentlichere Punkt ist meines Erachtens aber, dass die Personaldecke der beiden (ehemaligen) Großparteien offenbar schon so dünn geworden ist, dass sich trotz enormer Parteiförderungen aus Steuermitteln für einen ziemlich aufgeblähten Parteiapparat niemand für diese Positionen aufdrängt bzw. heran gelassen wird.

Das alles hat mit dem Konzept einer repräsentiativen Demokratie nichts mehr zu tun, wo man noch davon ausging, dass die Probleme „von denen da draußen“ an der Basis aufgenommen werden, in interner Diskussion an Hand einer gemeinsamen Grundüberzeugung  Lösungskonzepte erarbeitet werden, die dann von erfahrenen Abgeordneten in das Parlament gebracht werden.

OK, so ist es eh nie abgelaufen, aber war das Konzept so schlecht, dass wir es unbenutzt völlig zu Grabe tragen?

Written by medicus58

5. August 2017 at 18:05

Roulette-Politik: Der Handwerkerbonus

with 10 comments


Unter Bundeskanzler Faymann und Vizekanzler Spindelegger (kann sich noch wer an die beiden erinnern?) wurde im Sommer 2014 in Österreich der Handwerkerbonus eingeführt. Privatpersonen konnten für die Renovierung, den Erhalt oder die Modernisierung ihres Hauses oder ihrer Wohnung bis zu 600 Euro an Förderung bekommen, vorausgesetzt sie nahmen die Leistungen eines Handwerkers oder befugten Unternehmens in Anspruch. Ob diese Querfinanzierung der Wirtschaft nun sinnvoll oder nicht ist, darüber ließe sich trefflich streiten, wo man sich als Bürger gefoppt fühlt, sind staatliche Leistungen mit unvorhersehbarem Ablaufdatum – Roulette-Politik, eben.

Ich darf die Originalkorrespondenz hier anonymisiert beilegen:

Sehr geehrter Herr XXX,

Ihr Antrag im Rahmen des „Handwerkerbonus“ ist bei der Bausparkassenzentrale am 14.07.2017 eingelangt.
Die für den Handwerkerbonus zur Verfügung stehenden Budgetmittel wurden am 13.07.2017 vollständig ausgeschöpft und die Aktion mit selbigem Tag beendet.
Eine Antragstellung ab 14.07.2017 ist daher leider nicht mehr möglich.
Freundliche Grüße
s Online Betreuungsteam/SN
Bausparkasse der österreichischen Sparkassen AG
OE 4500/s Vertriebsservice

Written by medicus58

3. August 2017 at 18:00

Veröffentlicht in Was im Alltag so alles nervt

Tagged with

Soll ich mich schämen oder freuen?

with 4 comments


Am 30. Mai 2017 um 09:19 verglich ich auf meinem Blog zwei Schlagzeilen des Tages und titelte:
Sexismus verdient eine zweite Chance in der Wiener SPÖ, interne Kritiker jedoch nicht
https://medicus58.wordpress.com/2017/05/30/sexismus-verdient-eine-zweite-chance-in-der-wiener-spoe-interne-kritiker-jedoch-nicht/

Am 31.Mai 2017 erschien in der Krone der oben abgebildete Artikel, der dieselbe Parallele sieht.
„Kritik am maroden Gesundheitssystem ist nicht im Interesse der Stadt. Ein sexistischer Kommentar schon? “

Liest jemand von der Krone meinen Blog oder denke ich wie die Krone.
Soll ich mich schämen oder freuen?
Aber nein, ich schreibe nicht für die Krone …. gggggg

Written by medicus58

1. Juni 2017 at 19:01

Veröffentlicht in Was im Alltag so alles nervt

Sexismus verdient eine zweite Chance in der Wiener SPÖ, interne Kritiker jedoch nicht

with 7 comments


Zwei nur auf den ersten Blick unabhängige Schlagzeilen:

Der wegen seines sexistischen Postings auffällig gewordene Wiener SPÖ Bezirksrat Götz Schrage erhält nach langer Beratung der SPÖ Gremien eine zweite Chance und verbleibt im Amt: http://www.oe24.at/oesterreich/politik/Sexismus-Eklat-Goetz-Schrage-bleibt-in-der-SPOe/285355608

Der Gründer der Ärztegewerkschaft Gernot Rainer verlor in erster Instanz seinen Arbeitsprozess gegen den Krankenanstaltenverbund der Stadt Wien, die sich trotz ausgezeichneter fachlicher Beurteilung von ihm trennte, da er sich nach Meinung der Dauervertragskommission nicht mit den Gesamtinteressen der Stadt Wien identifizierte.
http://diepresse.com/home/panorama/wien/5226040/Urteil_Kritischer-Arzt-Gernot-Rainer-verliert-gegen-Stadt?

Die Klammer beider Schlagzeilen ist die Wiener SPÖ und ihre Interessen. Frühere Behauptungen, dass der KAV im Fall Rainer als unabhängige Unternehmung der Stadt Wien, frei von (partei)politischen Interessen entschieden hat, sind angesichts der handelnden Personen wenig glaubwürdig.

Halten wir also fest, das geschmacklose Schwadronieren über allfällige Parallelen zwischen jungen Politikerinnen und echten oder nur potentiellen Bettgeschichten eines alternden Fotografen und Bezirksrats schaden den „Gesamtinteressen“ dieser Partei offenbar weniger als sachliche Kritik.
Ein in den „80ern sexuell aktiver Fotograf“ durfte ungestraft noch vor zwei Tagen ankündigen, „die Tür zu meiner SPÖ nicht zuschlagen“ zu wollen (https://kurier.at/politik/inland/goetz-schrage-zu-sexismus-vorwurf-will-und-werde-die-tuer-zu-meiner-spoe-nicht-zuschlagen/266.391.583) und war im aktuellen inneren Parteikrieg den Wiener Genossen offenbar so wichtig, dass sich sich weder die Neubauer Parteichefin Kunzl noch die Staatssekretärin Dudzdar mit ihrem Wunsch nach sofortigem Rücktritt durchsetzen konnten.

Am Tag der offenen Türe in der Wiener SPÖ triumphierte der schlechte Geschmack und die sexistische Kritik am politischen Mitbewerber wird goutiert, sachliche Kritik wird  arbeitsgerichtlich mit dem Entzug der beruflichen Existenz geahndet.

Nur ein Blinder kann diese Zeichen missverstehen. Diejenigen, die ihren letzten Wahlsieg ihrem angeblichen Widerstand gegen totalitäres Denken verdanken, sind inzwischen zu Speerspitze dieser Gesinnung geworden.

Die Demokratie ist uns keine Frage der Zweckmäßigkeit, sondern der Sittlichkeit.
Es hat keinen Sinn, eine Mehrheit für die Sozialdemokraten zu erringen, wenn der Preis dafür ist, kein Sozialdemokrat mehr zu sein.
Willy Brandt

Written by medicus58

30. Mai 2017 at 09:19

Wir verlieren unsere Vergangenheit und trotzdem eine Sonntagsgeschichte

with 2 comments


Legion sind die Schriften, die uns Kinder des digitalen Zeitalters darauf hingewiesen haben, dass sich unsere Spuren schneller verlaufen würden als diejenigen unserer Vorfahren. Es liegt in der Natur analoger Zeitzeugnisse, dass sie selbst noch lesbar sind, wenn sie zum Teil dem malmenden Bücherskorpion zum Opfer gefallen sind.

Natürlich könnte ich ohne den Kleinen Stowasser (Angsträume befallen mich bei der Vorstellung es gäbe auch einen großen Bruder dieses Werkes) Keine Zeile von Cäsars Gallischem Kriegsberichten entziffern (vermutlich auch nicht mit dem Kleinen Stowasser), aber solange mein Augenlicht noch halbwegs funktioniert, könnte man das Ding lesen!

Das Problem unseres papierlosen Zeitalters ist also nicht nur der mögliche Verlust der Quelle, sondern auch die häufige Notwendigkeit dafür ein noch geeignetes Abspielgerät zu haben. Jedes für sich ist ziemlich nutzlos. Ihre alten Urlaubsdias lassen sich zur Not noch gegen die Nachttischlampe begutachten, versuchen Sie das mal mit ihrer Foto-CD des letzten Jahrzehnts.
Als Ihr Medicus kürzlich daran erinnert wurde, dass er doch während der Gymnasialzeit (wollen wir nicht ins Detail gehen, aber das liegt mehr als vier Jahrzehnte zurück) mit einigen seiner Mitschüler ein Hörspiel geschrieben und produziert hat und man das doch jetzt unheimlich gerne hören wolle, wird unvermittelt in das beschriebene problem gestützt.

Das Opus wurde damals auf zwei tragbaren Kassettenrecordern aufgenommen und auf ein Compact Cassette C-60 der Firma Philips verewigt.
Übrigens war diese Cassette „Made in Austria“ (nur so in Parenthese ….).
Einer dieser Kassettenrekorder segnete schon im vorigen Jahrhundert das Zeitliche, der zweite fristet als tragbares Radio am Dachboden sein Leben, seit er seine Ernährung auf Tonband umgestellt hat und dieses bei jedem Abspielversuch unwiederbringlich in sein Räderwerk mampfte, fiel er als Abspielgerät aus. Auch das Profi-Tape-Deck, dass sich ihr Medicus später gönnte, verreckte vor Jahren unwiederbringlich, bzw. weigerte sich seine elektronische Steuerung das zu tun, was man in die Bedienungstasten hämmerte.
Aber das war dann auch kein großes Problem, denn so um 1985 erstand ich ein DENON DR M22, dass für einen Preis von rund 6300 OS  in der Stereoplay 6/1985 als  Spitzenklasse III bejubelt wurde und mit computergesteuerte, geräuschlose Servo-Motortechnik, Hinterbandkontrolle (!!!), automatischer Bandsortenwahl (Normal, Chrome, Metal) und Vormagnetisierungsregler (BIAS-Tuning) glänzte. Auf dem spielte ich, mit aber immer geringerer Frequenz, meine Kassettensammlung ab. Zuletzt meist um besondere Schätze zu digitalisieren, ich gebe es ja zu, ich habe das Deck in den letzten drei Jahren nicht mehr angerührt!

Nach einiger Wühlarbeit fand ich sogar die Kassette mit dem dereinst selbst produzierten Hörspiel wieder (glaube nicht, dass ich meine Steuerakten aus dem vorigen Jahrhundert so in Ehren gehalten habe) und legte sie in das Denon Deck.

Nix passierte, nix drehte sich nur so ein strenger Brandgeruch machte sich breit … Panik.

Ein Blick ins Netzt machte mich noch desperater. Kein namhafter Hersteller hat mehr ein „vernünftiges“ Abspielgerät für Kompaktkassetten im Angebot.
Während es nach dem Scheintot der Langspielplatte wieder genug high end Abspielgeräte und Neupressungen gibt, hat die CD die CompactCassette offenbar erfolgreich getötet.

Mein Hörspiel habe ich dann über einen noch zufällig aufgefundenen Walkman digitalisiert, was ich mit den „Reineisen MCs mit Dolby C Rauschunterdrückung machen soll, war mir aber unklar. Die No-Names, die ein einziger Elektrohändler im Sortiment führte, schienen mir qualitativ ein Abstieg, der Rest schien Schweigen.

Aber es ist eine Sonntagsgeschichte, der Himmel ist blau und ich möchte mich in die Sonne legen, so dass ich es kurz mache.

Ich schraubte mein DENON auseinander, tapste auf einige Schalter, sah, dass sich der Hauptmotor ohne Geruchsentwicklung in Bewegung setzte und putzte weiter und siehe da, plötzlich reagierte die Mechanik wieder auf die Sensortasten.

Ein für mich nicht unwesentliches Stück meiner „elektronischen Vergangenheit“ wurde wieder hörbar, die Frage ob das damals Produzierte gut, schlecht oder irgendwo dazwischen lag, kann anhand des Originals beurteilt werden.
Ein völlig irrelevanter Schritt für die Menschheit, ein bisschen Freude für mich.

PS: Checken Sie mal, ob sie sich nicht auch fälschlicherweise sicher sind, ihre elektrische (digitale) Vergangenheit noch im (Zu)Griff zu haben!

Written by medicus58

28. Mai 2017 at 14:22

Veröffentlicht in Was im Alltag so alles nervt

Tagged with , , , ,

Mitterlehner, Glawischnig treten zurück, Häupl kämpft seinen letzten Kampf – Kurz sollte kürzertreten

leave a comment »


vielleicht sollte auch Kurz etwas kürzer treten, denn laut Fellners Österreich gibt’s wieder einmal die Mutter aller Schlachten:

Häupls letzte Schlacht: Wien soll Kurz stoppen

Der Bundespräsident forderte gestern die Parteien zu einem fairen Wahlkampf auf. Ob er sich selbst und seine TV-Konfrontation mit Hofer als Vorbild meinte, muss offen bleiben:
Woher wissen wir, wer die Guten sind? https://medicus58.wordpress.com/2016/12/08/wie-wissen-wir-wer-die-guten-sind/ 

Das eben vom Bundeskanzler angedrohte freie Spiel der Kräfte im Parlament

Kern droht Kurz mit freiem Spiel der Kräfte

wurde schon längst wieder abgepfiffen.

Die Legende vom freien Spiel der Kräfte

Dem ubiquitär vorhandenen, wenn auch völlig undefinierten Wählerwunsch nach Change wird ein eine Komödie der Machterhaltung geboten, der Menschen verschleißt.
Man vergleiche einmal das Aussehen der Agierenden im Zeitverlauf:
Glawischnig 2012http://www.vienna.at/wiener-gruene-94-prozent-fuer-eva-glawischnig/3389676
Glawischnig 2017: https://www.profil.at/shortlist/oesterreich/die-gruenen-eva-glawischnig-ruecktritt-814927

(sie können das Spiel gerne via Google Bildersuche auch mit einer Reihe anderer Politikeroortraits durchspielen …)

Man sollte sich langsam die Frage stellen, ob wir, unabhängig von unserer persönlichen Haltung zu unseren Politikern, wirklich glauben, dass ein System,
das Menschen in derart hohem Ausmaß auspowert, in unserem Interesse ist.
Dies nur als gerechte Strafe für machtgeile Karrieristen zu sehen, greift etwas zu kurz.
Es greift genauso kurz wie das über Jahrzehnte gepflegte Bild vom sich für seine Patienten (oder sein Einkommen) 24/7 aufopfernde Arzt. Spiele, die ihre Mitspieler auffressen, laufen nach den falschen Spielregeln ab und dies sollte transparent gemacht werden!

Kurz sollte kürzertreten!

Written by medicus58

18. Mai 2017 at 07:50

Veröffentlicht in Was im Alltag so alles nervt

%d Bloggern gefällt das: