Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Archive for the ‘Was im Alltag so alles nervt’ Category

Soll ich mich schämen oder freuen?

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Am 30. Mai 2017 um 09:19 verglich ich auf meinem Blog zwei Schlagzeilen des Tages und titelte:
Sexismus verdient eine zweite Chance in der Wiener SPÖ, interne Kritiker jedoch nicht
https://medicus58.wordpress.com/2017/05/30/sexismus-verdient-eine-zweite-chance-in-der-wiener-spoe-interne-kritiker-jedoch-nicht/

Am 31.Mai 2017 erschien in der Krone der oben abgebildete Artikel, der dieselbe Parallele sieht.
„Kritik am maroden Gesundheitssystem ist nicht im Interesse der Stadt. Ein sexistischer Kommentar schon? “

Liest jemand von der Krone meinen Blog oder denke ich wie die Krone.
Soll ich mich schämen oder freuen?
Aber nein, ich schreibe nicht für die Krone …. gggggg

Written by medicus58

1. Juni 2017 at 19:01

Veröffentlicht in Was im Alltag so alles nervt

Sexismus verdient eine zweite Chance in der Wiener SPÖ, interne Kritiker jedoch nicht

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Zwei nur auf den ersten Blick unabhängige Schlagzeilen:

Der wegen seines sexistischen Postings auffällig gewordene Wiener SPÖ Bezirksrat Götz Schrage erhält nach langer Beratung der SPÖ Gremien eine zweite Chance und verbleibt im Amt: http://www.oe24.at/oesterreich/politik/Sexismus-Eklat-Goetz-Schrage-bleibt-in-der-SPOe/285355608

Der Gründer der Ärztegewerkschaft Gernot Rainer verlor in erster Instanz seinen Arbeitsprozess gegen den Krankenanstaltenverbund der Stadt Wien, die sich trotz ausgezeichneter fachlicher Beurteilung von ihm trennte, da er sich nach Meinung der Dauervertragskommission nicht mit den Gesamtinteressen der Stadt Wien identifizierte.
http://diepresse.com/home/panorama/wien/5226040/Urteil_Kritischer-Arzt-Gernot-Rainer-verliert-gegen-Stadt?

Die Klammer beider Schlagzeilen ist die Wiener SPÖ und ihre Interessen. Frühere Behauptungen, dass der KAV im Fall Rainer als unabhängige Unternehmung der Stadt Wien, frei von (partei)politischen Interessen entschieden hat, sind angesichts der handelnden Personen wenig glaubwürdig.

Halten wir also fest, das geschmacklose Schwadronieren über allfällige Parallelen zwischen jungen Politikerinnen und echten oder nur potentiellen Bettgeschichten eines alternden Fotografen und Bezirksrats schaden den „Gesamtinteressen“ dieser Partei offenbar weniger als sachliche Kritik.
Ein in den „80ern sexuell aktiver Fotograf“ durfte ungestraft noch vor zwei Tagen ankündigen, „die Tür zu meiner SPÖ nicht zuschlagen“ zu wollen (https://kurier.at/politik/inland/goetz-schrage-zu-sexismus-vorwurf-will-und-werde-die-tuer-zu-meiner-spoe-nicht-zuschlagen/266.391.583) und war im aktuellen inneren Parteikrieg den Wiener Genossen offenbar so wichtig, dass sich sich weder die Neubauer Parteichefin Kunzl noch die Staatssekretärin Dudzdar mit ihrem Wunsch nach sofortigem Rücktritt durchsetzen konnten.

Am Tag der offenen Türe in der Wiener SPÖ triumphierte der schlechte Geschmack und die sexistische Kritik am politischen Mitbewerber wird goutiert, sachliche Kritik wird  arbeitsgerichtlich mit dem Entzug der beruflichen Existenz geahndet.

Nur ein Blinder kann diese Zeichen missverstehen. Diejenigen, die ihren letzten Wahlsieg ihrem angeblichen Widerstand gegen totalitäres Denken verdanken, sind inzwischen zu Speerspitze dieser Gesinnung geworden.

Die Demokratie ist uns keine Frage der Zweckmäßigkeit, sondern der Sittlichkeit.
Es hat keinen Sinn, eine Mehrheit für die Sozialdemokraten zu erringen, wenn der Preis dafür ist, kein Sozialdemokrat mehr zu sein.
Willy Brandt

Written by medicus58

30. Mai 2017 at 09:19

Wir verlieren unsere Vergangenheit und trotzdem eine Sonntagsgeschichte

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Legion sind die Schriften, die uns Kinder des digitalen Zeitalters darauf hingewiesen haben, dass sich unsere Spuren schneller verlaufen würden als diejenigen unserer Vorfahren. Es liegt in der Natur analoger Zeitzeugnisse, dass sie selbst noch lesbar sind, wenn sie zum Teil dem malmenden Bücherskorpion zum Opfer gefallen sind.

Natürlich könnte ich ohne den Kleinen Stowasser (Angsträume befallen mich bei der Vorstellung es gäbe auch einen großen Bruder dieses Werkes) Keine Zeile von Cäsars Gallischem Kriegsberichten entziffern (vermutlich auch nicht mit dem Kleinen Stowasser), aber solange mein Augenlicht noch halbwegs funktioniert, könnte man das Ding lesen!

Das Problem unseres papierlosen Zeitalters ist also nicht nur der mögliche Verlust der Quelle, sondern auch die häufige Notwendigkeit dafür ein noch geeignetes Abspielgerät zu haben. Jedes für sich ist ziemlich nutzlos. Ihre alten Urlaubsdias lassen sich zur Not noch gegen die Nachttischlampe begutachten, versuchen Sie das mal mit ihrer Foto-CD des letzten Jahrzehnts.
Als Ihr Medicus kürzlich daran erinnert wurde, dass er doch während der Gymnasialzeit (wollen wir nicht ins Detail gehen, aber das liegt mehr als vier Jahrzehnte zurück) mit einigen seiner Mitschüler ein Hörspiel geschrieben und produziert hat und man das doch jetzt unheimlich gerne hören wolle, wird unvermittelt in das beschriebene problem gestützt.

Das Opus wurde damals auf zwei tragbaren Kassettenrecordern aufgenommen und auf ein Compact Cassette C-60 der Firma Philips verewigt.
Übrigens war diese Cassette „Made in Austria“ (nur so in Parenthese ….).
Einer dieser Kassettenrekorder segnete schon im vorigen Jahrhundert das Zeitliche, der zweite fristet als tragbares Radio am Dachboden sein Leben, seit er seine Ernährung auf Tonband umgestellt hat und dieses bei jedem Abspielversuch unwiederbringlich in sein Räderwerk mampfte, fiel er als Abspielgerät aus. Auch das Profi-Tape-Deck, dass sich ihr Medicus später gönnte, verreckte vor Jahren unwiederbringlich, bzw. weigerte sich seine elektronische Steuerung das zu tun, was man in die Bedienungstasten hämmerte.
Aber das war dann auch kein großes Problem, denn so um 1985 erstand ich ein DENON DR M22, dass für einen Preis von rund 6300 OS  in der Stereoplay 6/1985 als  Spitzenklasse III bejubelt wurde und mit computergesteuerte, geräuschlose Servo-Motortechnik, Hinterbandkontrolle (!!!), automatischer Bandsortenwahl (Normal, Chrome, Metal) und Vormagnetisierungsregler (BIAS-Tuning) glänzte. Auf dem spielte ich, mit aber immer geringerer Frequenz, meine Kassettensammlung ab. Zuletzt meist um besondere Schätze zu digitalisieren, ich gebe es ja zu, ich habe das Deck in den letzten drei Jahren nicht mehr angerührt!

Nach einiger Wühlarbeit fand ich sogar die Kassette mit dem dereinst selbst produzierten Hörspiel wieder (glaube nicht, dass ich meine Steuerakten aus dem vorigen Jahrhundert so in Ehren gehalten habe) und legte sie in das Denon Deck.

Nix passierte, nix drehte sich nur so ein strenger Brandgeruch machte sich breit … Panik.

Ein Blick ins Netzt machte mich noch desperater. Kein namhafter Hersteller hat mehr ein „vernünftiges“ Abspielgerät für Kompaktkassetten im Angebot.
Während es nach dem Scheintot der Langspielplatte wieder genug high end Abspielgeräte und Neupressungen gibt, hat die CD die CompactCassette offenbar erfolgreich getötet.

Mein Hörspiel habe ich dann über einen noch zufällig aufgefundenen Walkman digitalisiert, was ich mit den „Reineisen MCs mit Dolby C Rauschunterdrückung machen soll, war mir aber unklar. Die No-Names, die ein einziger Elektrohändler im Sortiment führte, schienen mir qualitativ ein Abstieg, der Rest schien Schweigen.

Aber es ist eine Sonntagsgeschichte, der Himmel ist blau und ich möchte mich in die Sonne legen, so dass ich es kurz mache.

Ich schraubte mein DENON auseinander, tapste auf einige Schalter, sah, dass sich der Hauptmotor ohne Geruchsentwicklung in Bewegung setzte und putzte weiter und siehe da, plötzlich reagierte die Mechanik wieder auf die Sensortasten.

Ein für mich nicht unwesentliches Stück meiner „elektronischen Vergangenheit“ wurde wieder hörbar, die Frage ob das damals Produzierte gut, schlecht oder irgendwo dazwischen lag, kann anhand des Originals beurteilt werden.
Ein völlig irrelevanter Schritt für die Menschheit, ein bisschen Freude für mich.

PS: Checken Sie mal, ob sie sich nicht auch fälschlicherweise sicher sind, ihre elektrische (digitale) Vergangenheit noch im (Zu)Griff zu haben!

Written by medicus58

28. Mai 2017 at 14:22

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Mitterlehner, Glawischnig treten zurück, Häupl kämpft seinen letzten Kampf – Kurz sollte kürzertreten

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vielleicht sollte auch Kurz etwas kürzer treten, denn laut Fellners Österreich gibt’s wieder einmal die Mutter aller Schlachten:

Häupls letzte Schlacht: Wien soll Kurz stoppen

Der Bundespräsident forderte gestern die Parteien zu einem fairen Wahlkampf auf. Ob er sich selbst und seine TV-Konfrontation mit Hofer als Vorbild meinte, muss offen bleiben:
Woher wissen wir, wer die Guten sind? https://medicus58.wordpress.com/2016/12/08/wie-wissen-wir-wer-die-guten-sind/ 

Das eben vom Bundeskanzler angedrohte freie Spiel der Kräfte im Parlament

Kern droht Kurz mit freiem Spiel der Kräfte

wurde schon längst wieder abgepfiffen.

Die Legende vom freien Spiel der Kräfte

Dem ubiquitär vorhandenen, wenn auch völlig undefinierten Wählerwunsch nach Change wird ein eine Komödie der Machterhaltung geboten, der Menschen verschleißt.
Man vergleiche einmal das Aussehen der Agierenden im Zeitverlauf:
Glawischnig 2012http://www.vienna.at/wiener-gruene-94-prozent-fuer-eva-glawischnig/3389676
Glawischnig 2017: https://www.profil.at/shortlist/oesterreich/die-gruenen-eva-glawischnig-ruecktritt-814927

(sie können das Spiel gerne via Google Bildersuche auch mit einer Reihe anderer Politikeroortraits durchspielen …)

Man sollte sich langsam die Frage stellen, ob wir, unabhängig von unserer persönlichen Haltung zu unseren Politikern, wirklich glauben, dass ein System,
das Menschen in derart hohem Ausmaß auspowert, in unserem Interesse ist.
Dies nur als gerechte Strafe für machtgeile Karrieristen zu sehen, greift etwas zu kurz.
Es greift genauso kurz wie das über Jahrzehnte gepflegte Bild vom sich für seine Patienten (oder sein Einkommen) 24/7 aufopfernde Arzt. Spiele, die ihre Mitspieler auffressen, laufen nach den falschen Spielregeln ab und dies sollte transparent gemacht werden!

Kurz sollte kürzertreten!

Written by medicus58

18. Mai 2017 at 07:50

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An das Publikum (Eine Collage)

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1931

O hochverehrtes Publikum,
sag mal: Bist du wirklich so dumm,
wie uns das an allen Tagen
alle Unternehmer sagen?
Jeder Direktor mit dickem Popo
spricht: „Das Publikum will es so!“
Jeder Filmfritze sagt: „Was soll ich machen?
Das Publikum wünscht diese zuckrigen Sachen!“
Jeder Verleger zuckt die Achseln und spricht:
„Gute Bücher gehn eben nicht!“
Sag mal, verehrtes Publikum:
Bist du wirklich so dumm?

So dumm, daß in Zeitungen, früh und spät,
immer weniger zu lesen steht?
Aus lauter Furcht, du könntest verletzt sein;
aus lauter Angst, es soll niemand verhetzt sein;
aus lauter Besorgnis, Müller und Cohn
könnten mit Abbestellung drohn?
Aus Bangigkeit, es käme am Ende
einer der zahllosen Reichsverbände
und protestierte und denunzierte
und demonstrierte und prozessierte…
Sag mal, verehrtes Publikum:
Bist du wirklich so dumm?

Ja dann…
Es lastet auf dieser Zeit
der Fluch der Mittelmässigkeit.
Hast du so einen schwachen Magen?
Kannst du keine Wahrheit vertragen?
Bist also nur ein Griesbrei-Fresser-?
Ja, dann…
Ja, dann verdienst dus nicht besser

(Kurt Tucholsky)

14.6.2004 (!)

Molterer: „Anstand“ verpflichtet Gusenbauer zu Rücktritt

19.7.2008

Das Netzwerk des Werner Faymann: Wie Freunde ihn ins Kanzleramt bringen wollen

13.4.2011

Rücktritt von Josef Pröll Scheitern einer Zukunftshoffnung

5.6.2011

Spindeleggers Netzwerk besteht aus Cartellverband und sozialliberalen Christen

9.5.2016:
Faymann ist Geschichte – Der Fahrplan für die nächsten Wochen

13.5.2017

„Mitterlehner nach allen Regeln der Kunst abmontiert“

1977 Heroes

I, I will be king
And you, you will be queen
Though nothing, will drive them away
We can beat them, just for one day
We can be heroes, just for one day

We’re nothing, and nothing will help us
Maybe we’re lying, then you better not stay
But we could be safer, just for one day
Oh-oh-oh-ohh, oh-oh-oh-ohh, just for one day

(David Bowie)

Nicht mal die Schlümpfe kamen blau in den Dienst

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Ihr Medicus hat sich während seines Studiums durch Nachhilfe etwas Geld dazuverdient und damals von einem dankbaren Nachhilfeschüler diesen Arztschlumpf geschenkt bekommen.

Aufmerksame Leser dieses Blogs wissen, dass es  mit der Berufsbekleidung im KAV nicht immer zum besten Stand:

7/2015 Warum wir Ärzte aufbegehren: Die Seele dieses Menschen sitzt in seinen Kleidern. http://wp.me/p1kfuX-ZJ

Ob man sich meine damalige Kritik zu Herzen genommen hat, entzieht sich meiner Kenntnis, aber seit Monaten bekommen immer mehr Bereiche
statt der alten Wäsch‘ eine einheitliche
 blaue Funktionskleidung.

Offenbar hat einer der 40 Millionen Berater zur Reduktion der ungenützen Vorhaltekapazitäten geraten, denn nun hat nicht jeder Mitarbeiter mehrere personalisierten Sets an weißer Berufswäsche in seinem Spind, für dessen Tausch das Reinigungspersonal zuständig war, sondern muss sich, sollte er Hemd und Hose wechseln wollen/müssen,
nach Einwurf der getragenen Stücke persönlich am Wäscheausgabeautomaten anstellen, um einen (!) Ersatz aus blauer Kunstfaser in mehr oder weniger passender Größe zu holen.
Merke, jeder Mitarbeiter verbringt einen Teil seiner Arbeitszeit vor dem Automaten und die EDV stellt sicher, dass jeder sets maximal zwei Sets hat.
Aber wenigstens zwei Sets sind möglich, sonst sähe es vor den Automaten aus, wie im Tröpferlbad.

Hat aber der vorherige Träger des blauen Tuchs versehentlich sein Papiertaschentuch zurückgelassen, oder nicht vermerkt, dass er eine Naht gesprengt hat, hat man eben Pech und muss wieder zurück zum Automaten.

Auch der Patient, der zwischen Arzt, Pflege und Reinigungspersonal unterscheiden möchte, hat Pech, denn alle sind blau, … also blau gekleidet, um da nicht Gerüchte aufkommen zu lassen.

Kein Wunder, dass sich den Jüngeren unter uns, die sich nicht mehr an Maos blaue Ameisen erinnern können, der Vergleich mit den Schlümpfen aufdrängte und
alle nur mehr von der Schlumpfwäsche sprechen.

Aber als ich aber wieder meinen alten Arztschlumpf zur Hand nahm, sah ich unseren Irrtum.

Nicht einmal bei den Schlümpfen trug der Arzt blau, sondern war leicht an seiner weißen Berufserkleidung zu identifizieren,
nur im KAV …..

Written by medicus58

8. Mai 2017 at 16:52

Es war einmal ein Kammerfunktionär oder vor der Wahl ist nach der Wahl

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Auch Ihr Medicus hält sich meist an das ungeschriebene Gesetz nicht das eigene Nest zu beschmutzen nur gibt es halt Situationen, in denen vieles plötzlich klarer wird, wovon hier immer wieder die Rede ist:
Ärzte: Unser Image ist im Arsch, soviel scheint sicher
https://medicus58.wordpress.com/2013/01/06/arzte-unser-image-ist-im-arsch-soviel-scheint-sicher/

Die Kammerwahlen in den Ländern sind geschlagen und Posten und Pöstchen sind gewohnt nepotistisch verteilt worden.
Es wurde vielleicht nicht immer dem Wählerwillen entsprochen aber sicher gestellt, dass die bisherigen Player auf ihren Posten bleiben.
So gesehen frägt man sich, weshalb man sich Wochen nach der Wahl für Scheinverhandlungen verschreibt (in denen z.B. von der Gesundheitspolitik das PV-Gesetz und der ÖSG durchgepeitscht wird), wenn in den meisten Ländern die Koalitionen ohnehin schon in der Nacht des Wahltages paktiert wurden,
aber sei es drum.

Die aus mir unverständlichen Gründen von der Wählerschaft in ihrer Bedeutung nahezu völlig übersehene Wahl in der Österreichischen Ärztekammer ist noch ausständig, jedoch kann ich hier aus Erfahrung berichten, dass auch dort für eigentlich Abgewählte noch Funktionen bereitgestellt werden.
Ein als Vorsitzender eines Gremiums nicht mehr zur Verfügung stehender Mandatar, der im Heimatbundesland als Kammerpräsident abgewählt wurde, wird halt in einem ÖÄK Gremium zusätzlich zum neu gewählten aber völlig überlastenden neuen Vorsitzenden zum „geschäftsführender Vorsitzender“ gekürt, Platz am Podium findet sich immer noch …
Praktischer Weise kann der eigentliche Vorsitzende dann die Sitzung überhaupt schwänzen oder zumidnest früher verlassen…

So weit so die österreichische Realverfassung, die in ähnlicher Form auch in Parteien, anderen Kammern, Gewerkschaften vergleichbar abläuft.
Wen man kennt, auf den kann man sich verlassen, …. dass er den Mund hält!
Oder für die eher christlich geprägten Leser:
Wer nicht für mich ist, ist (automatisch) gegen mich
(Matthaeus 12:22-32).
Da sage noch einer das Abendland wäre in Gefahr!

Worum es mir aber heute geht ist die Außenwirkung unserer „Berufsfunktionäre“, die vielleicht nicht ganz unschuldig daran ist, wie die Stimme der Ärzteschaft von anderen wahrgenommen wird.

Diese Woche lud eine medizinisch-wissenschaftliche Forschungsinstitution zu einer  Podiumsdiskussion über Beschaffungsvorgänge in der Medizin ein (Mehr Markt oder auf zu Planwirtschaft und Monopolisierung).

Mag. Günter Fellhofer, Apothekenleiter der Landesapotheke Salzburg,
Univ.-Prof. MMag. Dr. Gottfried Haber, Vizedekan der Fakultät für Gesundheit & Medizin der Donauuniversität Krems und
Gen. Dir. Dr. Josef Probst, Generaldirektor, Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger fokusierten ihre Diskussion zwar ausschließlich auf Beschaffungen im Pharmabereich („teure Tabletten“) und wenig verwunderlich, wenn Ökonom, Apotheker und Jurist diskutieren primär auf die ökonomischen Aspekte des Problems, was angesichts der vielen WU-Studierenden im Publikum aber irgendwie verständlich war.
Anwesenden Patientenvertreter brachten dann völlig zu Recht auch die Patientensicht („unübersichtliche Generikaszene“, „Auslaufen von umsatzschwachen aber für wenige Patienten lebenswichtige Substanzen“, …) ein und dann geschah das Bemerkenswerte:

Ein eben mit absoluter Mehrheit wiedergewählter Kammerfunktionär, der auch seit vielen Jahren in der ÖÄK eine führende Rolle spielt, meldet sich zu Wort.
Ich habe ihn vor Beginn der Veranstaltung nicht gesehen, kann also nicht sagen, seit wann er der Diskussion beiwohnte, aber jetzt macht er
– völlig zu Recht – auch die Ärzteschaft zum Sprecher der Patienteninteressen
(„wir sind für die Patienten da“) und spielt
– völlig zu Recht den Ball Hauptverband und Politik zurück
(„nicht wir Ärzte wollen es den Patienten sagen, dass für ihr Medikament kein Geld da ist“).

Bravo, so soll es sein!

Ökonomen, Apotheker und Hauptverband schauen nur aufs Geld,
wir Ärzte im Schulterschluss mit unseren Patienten!

Das Mikro wurde an eine Vertreterin der Selbsthilfe-Gruppe „Cushing Österreich“ weitergereicht, die Probleme in der Beschaffung des Medikaments „Hydrocortison“ ansprach, weil die Pharmandustrie dieses (z.B. für Patienten, ohne Nebenniere) wichtige Medikament offenbar nicht mehr nach Österreich importiert.
Ein großes Problem, das auch viele andere umsatzschwache Medikamente (VierfachimpfstoffeTrijodthyroin, Pentagastrin, …. ) und Diagnostika betrifft.

Als HV GD Probst nach dieser Fragerunde auf die Aussage unseres Kammerfunktionärs replizieren wollte, hatte der, zur allgemeinen Befremdung, den Saal bereits verlassen.

Ich würde gerne annehmen, dass der Betreffende „Bereitschaftsdienst“ hatte und just jetzt zu einem dringenden Notfall gerufen wurde,
wenn sein Arbeitsplatz nicht rund 200 km vom Tagungsort entfernt läge und ich sein Verhalten:
Später kommen,
Wortmeldung zum Protokoll und
wieder gehen
nicht schon bei ihm und anderen so oft erleben habe müssen …..

Aber nur zur Erinnerung, die Liste unseres Kollegen fuhr bei der letzten Wahl erneut die absolute Mehrheit ein ….

Meine Großmutter, eine Tischlersgattin und Nebenerwerbsbäuerin sagte in solchen Fällen immer:

Wia ma si bett so liegt ma 

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