Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Archive for the ‘Psychopathologie der Medizin’ Category

Kaffee-Tratsch oder akkordierte Investigation?

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Am 7. März 2019, 10:34 deckt FP-Seidl per Presseaussendung auf:
Kaffeewärme-Check um 18.000 Euro im KH-Nord spiegelt Sittenbild der KAV-Geldvernichter wider

Definitiv eine #MeeToo Aktion, im Sinne von Shakespeares Lasst mich den Löwen auch spielen, denn die Krone hat schon um 8:54 aufgedeckt:
Projektteam prüfte Wartezeit bei Kaffeeautomaten

Die pinke Opposition liest offenbar weder Heute noch Krone aber eventuell die blaue Konkurrenz, denn erst um 11:02 ging die Presseaussendung der NEOS los, grammatikalisch verwirrend aber nicht ohne Schmäh:
NEOS Wien/Wiederkehr zu KH-Nord Kaffeeautomaten: Teuerste Melange-Tester aller Zeiten

Wobei die Krone auch von den eigenen Kollegen abgeschrieben haben, weil Heute schon am 6.3. 16:44, definitiv online dann am 7.3. um 7:00 entdeckte:
Um so „brühende“ Fragen wie die Wartezeit auf einen Kaffee und die Vorwärmzeit des Automaten zu klären, setzte der KAV ein externes Projektteam ein.

Jetzt mag man sich fragen, wer da von wem abschreibt, aber die selbst ernannte Qualitätspresse hinkt da gewaltig nach, denn Der Standard ging erst um 12:31 dem neuen Skandal nach:
18.500 Euro für Kaffeetest: Nächste Aufregung um Spital Nord und lockte in den ersten 7,5 h 389 Forumbeiträge an.

Fast könnte man glauben, dass die ORF Kritiker diesen zu Recht als Rotfunkt bezeichnen, denn der schloss sich dem allgemeinen Kaffeetratsch erst um 18:04 an und mit grad mal 4 Zeilen Text an.

Ehe nun der Konsum der braunen Bohnen eine Blutdruckkrise auslöst erlaube ich mir hinzuzufügen, dass bei einem Projekt dieser Dimensionen wie einem neuen Krankenhaus weder ein Energetiker noch ein Kaffeautomat die Bilanz rot macht.
Wenn man dem P.T. Publikum die wirklichen Probleme nicht zumuten kann oder mag, dann führt der wöchentliche Zeitungs- und Politikskandal nur zur Abstumpfung, aber vielleicht ist es gerade das, was beabsichtigt wird ….

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Written by medicus58

7. März 2019 at 20:53

Klinik unter Psalmen

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Der Begriff Psalm leitet sich aus dem Griechischen ab und bedeutet so viel wie in die Saiten schlagen.

Ganz treffend für das, was uns am Faschingsdienstag (!) vom Gesundheitsstadtrat Hacker lautstark mitgeteilt wurde: die verbliebenen Spitäler Wiens mit Ausnahme des AKH werden nun allesamt in Kliniken umbenannt.

Nicht besonders originell, das haben’s in Niederösterreich schon mit jedem Pimperlspital gemacht und so die Patienten glauben gemacht, sie würden von Dr. Frank Hofmann (alias Klaus Jürgen Wussow, Klinik unter Palmen) behandelt werden, wenn sie es schon nicht in die Schwarzwaldklinik geschafft haben.

Nicht besonders originell, um Skandale vergessen zu machen, so wurde schon Lainz zum KH Hietzing, Skylink zum Terminal 3 und jetzt eben das KH Nord zur Klinik Floridsdorf.

Nur wird das Google genau so wenig beeindrucken wie die Bevölkerung, die weiter Pepi- oder Triester-Spital zum Kaiser Franz Joseph Spital (alias KFJ) sagen wird ohne die Hütte je als Sozialmedizinisches Zentrum Süd angenommen zu haben, ebenso wie der Steinhof immer der Platz bleiben wird wo bald einmal das OWS gewesen sein wird.

Auch wird für die Ottakringer das Klinikum Ottakring noch die „Wilhelmine“ heißen, wenn das schon wieder eine neue ärztliche Direktion haben wird.

Schon etwas ärgerlicher könnten jene reagieren, die in Arbeitsgruppen und Wettbewerben die Bezeichnung Wien Kliniken sich ausgewählt haben, was nun Wiener Gesundheitsverbund genannt werden will, weil es nicht mehr der KAV sein will und darf.

Die, die das Ganze wieder einmal zuerst in der Zeitung lasen und nicht von ihrer Dienstgeberin hörten, wundert eh nix mehr,

aber in Wirklichkeit ärgert einfach, dass die strukturellen und organisatorischen Probleme des KAV weiterhin völlig offen sind.

Und damit meine ich jetzt nicht wie manche wahlkämpfenden Personalvertreter die emotionale Bindung an Namen, unausbezahlte Überstunden oder die in die Hose gegangene Besoldungsreform, da meine ich

die ungeklärte Führung und Struktur im Unternehmen (Masterplan, Master BO, Spitalspärchen mit Zusatzdirektionen, Doppelprimariate, zentrale Einkauf und externen Berater, … ) ,

das destruktive Spiel zwischen Stadtpolitik, Gewerkschaft/Personalvertretung und Generaldirektion und

die ungelöste Lastverteilung zwischen Niederlassung und Spital , also das Patt zwischen (noch) rot-grünem Wien, grüner Patientenanwältin und roter Gebietskrankenkasse.

Das endlich zu machen, wäre von den Machern zu erwarten gewesen und nicht ein paar PR-wirksame Benamsungen. Da unterscheidet sich das rot-grüne Wien nicht mehr von der Message-Control der Tückisch-blauen Regierung:

Gold gab ich für Eisen, Urlaubstage für die persönlichen Feiertage.

So befällt einen wirklich noch das Gefühl in einer Bananenrepublik zu leben und in einer Klinik unter Palmen zu arbeiten und es fehlt nicht mehr viel bis man sie zur Klinik unter Dolmen umbenennen sollte.

Written by medicus58

6. März 2019 at 19:55

Bluttest ersetzt Mammografie

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So hätte gestern die Zib über den neuen Bluttest berichten sollen, der angeblich die Mammografie ersetzen wird:

Unklare Spezifität

Pressekonferenz der Erfinder vor Peer-reviewed Publikation

Kommerzielle Interessen einer von der Uni gegründeten Firma (translational Science)

https://amp.welt.de/gesundheit/article189199711/Frueherkennung-Bluttest-gegen-Brustkrebs-weckt-Zweifel.html?

Written by medicus58

22. Februar 2019 at 08:49

Sex sells Standard

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Der Kampf um Klicks nimmt sich auf http://www.derstandard.at manchmal schon ziemlich hilflos aus…. What’s next?

Written by medicus58

16. Februar 2019 at 11:52

Ich habe da eine Überweisung…

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Manchmal bin ich ja selbst beinahe davon begeistert, was die Medizin schon alles kann. Genscheren, die an unserem Erbgut schnipseln, eine Infusion von speziell auf den individuellen Blutkrebs trainierten Immunzellen, die zwar mehr kostet als der Durchschnittsverdiener sein bisheriges Leben ersparen kann, aber dafür die Krankheit praktisch in Luft auflöst. Algorithmen, die jede Uniklinik in den Schatten stellen und OP-Roboter die zielsicher im hintersten Winkel des Körpers rausschneiden, was uns die Molekulare Bildgebung scheinbar aus dem Nichts visualisiert hat.

Nur dann holen mich Telefonate wie dieses da auf den medizinischen Alltag:

Ja, hallo, ist dort die Abteilung für…?

(Na, was glauben Sie denn welche Nummer Sie gewählt haben?) Ja

Kann ich mit einem Zuständigen sprechen?

(Na glauben Sie es hebt die Putze auf dieser Nummer ab?) Wie kann ich Ihnen helfen?

Ich habe da eine Zuweisung (Pause)…

Ja, aber eine Zuweisung wofür?

Ich kann das nicht lesen.

Wer hat denn die Zuweisung geschrieben?

Von meinem Arzt.

(Na wenigstens nicht von der Nachbarin…) Was ist denn das für ein Arzt, welches Fach hat er denn.

Mein Hausarzt hat gesagt ich soll mir das bei Ihnen anschauen lassen.

Ja, tut Ihnen etwas weh?

Nein, aber die Befunde sind nicht gut.

Haben Sie die Befunde dabei und können Sie sie mir vorlesen, damit wir draufkommen für welche der Spezialambulanzen ich Ihnen einen Termin geben soll…

Na, die Befunde liegen noch beim Arzt.

Na, dann wird es wohl das Beste sein, Sie besorgen sich die Befunde und kommen mit der Zuweisung vorbei, und wir schauen gemeinsam, wie wir Ihrem Arzt helfen können.

Ja, Danke.

Gerne.

Written by medicus58

13. Februar 2019 at 21:17

Jetzt wird’s kompliziert

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Denke ich mir , gehst zu einem berühmten Arzt, wer ist a berühmter Arzt, ein Chirurg (Herr Travnicek).

Fachärzte sind zu teuer, wir brauchen mehr Allgemeinmediziner (Gesundheitsökonom)

Wir ernennen die Praktiker zu Fachärzten für Allgemeinmedizin und schon sind sie aufgewertet (Ärztekammer-Bundesminister im Chor).

In einer retrospektiven Kohortenstudie haben kanadische Wissenschaftler die Daten von 2,5 Millionen Patienten analysiert, um der Frage nachzugehen, wer den die kompliziertesten Fälle behandelt hätte.

Nein, kompliziert war in diesem Fall nicht der Inuit, mit dem sich der Gastarzt nicht verständigen konnte sondern 9 andere Kriterien:

  • wie viele andere Krankheiten hat der Patient noch (Komorbiditäten),
  • wie viele Medikamente wurden ihm schon verordnet,
  • war er (auch) psychisch krank (z.B. Alkoholsucht, Depressionen oder Schizophrenie),
  • die Anzahl der aufgesuchten Fachbereiche,
  • die Anzahl der behandelnden Ärzte,
  • die Anzahl der Tage in einer Klinik,
  • die Anzahl der Besuche einer Notaufnahme,
  • war er in eine Pflegeeinrichtung (Langzeitpflege) augenommen,
  • und seine Gesamtmortalität, also wie lange er die Segnungen des Systems genießen konnte oder durfte.

An Hand dieser Parameter erkennt man übrigens auch das, was ein ELGA halt so hergibt und was dann eben nicht an den 13 Facharztgruppen untersucht wurde, wobei man wegen Datenmangel gleich mal die Onkologen, Geriater, Zahnärzte und Psychiater/Psychotherapeuten ausgenommen hat, ehe man seine Ergebnisse ins JAMA Network Open stellte.

And the winner is …

Nephrologen vor Infektiologen und Neurologen, gefolgt von Pneumologen, Hämatologen, Rheumatologen, Gastroenterologen, Kardiologen, Internisten, Endokrinologen, Immunologen, Dermatologen und „Familienmedizinern“

Ohne diese statistische Fingerübung zur Amortisation elektronischer Krankenakte schlecht reden zu wollen, viel mir eines dabei ein:
Der schwierigste Patient war schon immer (und wird es auch in Kanada sein“, dem eigentlich nichts fehlt aber dies niemandem glaubt.
Auf der Suche nach jemandem der ihm endlich diagnostiziert verbraucht er unzählige Kapazitäten, die sich im Sinne einer Absicherungsmedizin durch unzählige Untersuchungen und Überweisungen doch keine Blöße erlauben wollen, eine komplizierte Diagnose zu übersehen.

Mir schiene das die eigentliche Antwort auf die Frage der kanadischen Kollegen, nur kriegt man das mit statistischen Mitteln nicht so leicht heraus, wenn man nicht danach sucht.

Written by medicus58

10. Februar 2019 at 11:59

Impfpflicht für Gesundheitssystemerhalter und die Staatsverweigerer

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Freiheit ist ja wirklich ein hohes Gut. Jedoch scheute sich selbst der aufgeklärte Absolutismus nicht die Freiheit zur Dummheit staatlicherseits einzuschränken und zwang seine kleinen Untertanen unter die allgemeine Schulpflicht.

Klär mag man nun einwenden, dass das die gekrönten Häupter erst taten, als sie erkannten, dass es für den Staat vorteilhafter wurde, Beamte und Bürger zu haben, die gewisse Grundkompetenzen jenseits ihrer manuellen Arbeitsfähigkeit haben.

Auch als wir scheinbar den Souverän gewechselt haben, hat der Staat unsere Freiheit beschränkt, wann immer es zu seinem oder dem Nutzen der Allgemeinheit war. Erst kürzlich bestrafte er im Staatsverweigererprozess die Negation seiner Staatsgewalt drastischer als so manchen Mord und begründete das u. a. mit einer Generalprävention.

Nur bei der Impfpflicht getraut sich weder unsere (A-) Sozialministerin noch ihre Vorgängerin aber fast alle andere ExpertenInnen in der öffentlichen Diskussion die Forderung nach einer Impfpflicht all jener zu verlangen, die geimpft werden könnten, um all jene zu schützen, die nicht geimpft werden können und für die eine Epidemie lebensgefährlich wäre!

Neben Neugeborenen gefährdet das auch sehr alte Menschen und solche die Therapie bedingt (Krebstherapie) oder andere Ursachen (genetische Immunschwäche, genetische Immundefekte,…) nicht geimpft werden können.

Da ist „dem Staat“ eine Generalprävention egal.

Einig scheint man sich – aus guten Gründen – dass Bedienstete im Gesundheitssystems geimpft werden müssen, nein nicht zum Selbstschutz sondern um nicht als Brandbeschleuniger einer Epidemie zu fungieren.

Weshalb das aber nicht aus dem selben Grund auch für KindergärtnerInnen, LehrerInnen, HortbetreuerInnen gelten soll, wird nicht diskutiert.

Oder für Schaffner, die Billa-Kassiererin, den Kellner, die Prostituierte, U Bahn Benützer…. OK, ich denke sie haben den Ansatz verstanden, letztlich jeden, der mit einer größeren Gruppe anderer Menschen in Kontakt steht.

Minister kann man da ruhig ausnehmen.

Wäre es da nicht doch gescheiter mal an eine Generalprävention zu denken, wenn einem das bei Staatsverweigerern so wichtig war.

Written by medicus58

31. Januar 2019 at 16:05

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