Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Archive for the ‘Psychopathologie der Medizin’ Category

Pandemie Bingo: Vokabel, um alles und das Gegenteil zu plausibilisieren

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Die Schützengräben sind besetzt und die Bullen und Bären, die Verharmloser und Endzeitpropheten sowie Wissenschafter und Googler beschießen sich mit Worthülsen. Um Sie aufzumunitionieren hier ein paar Geschoße:

Durchseuchung: grad hoch im Kurs im Zusammenhang mit „unseren Kindern,“ unseren Alten“,… und von beiden Seiten eingesetzt, weil von mittelalterlicher Kraft. Man wirft es entweder den Verharmlosern vor oder denen, die prinzipiell richtig, darauf hinweisen, dass über die Luft verbreitete Infektionen letztlich jeden treffen können und werden, wenn sie nicht gänzlich ausgerottet werden. D. h. das Geschoß brandmarkt auch jeden als Verharmloser.

Experte: Jeder hat einen, jeder kennt einen und nach Bedarf fördert Google für jede Meinung einen zutage.

Studie: allein zum Suchbegriff Covid findet Pubmed 200.000 Einträge und dabei handelt es sich fast ausschließlich um die wissenschaftlich hochwertigeren Publikationen. Irgendeine in vitro Studie, zB, dass man Viren auch durch Antiwurmmittel „ersticken“ kann, findet sich wohl für jeden Blödsinn.

Long Covid: für die Warner scheinbar besser verwendbar als für Verharmloser und wissenschaftlich gesichert, lässt sich der Begriff durch seine inflationäre Verwendung und seine naturgemäß nicht so einfach an einem Parameter wie dem Blutdruck festzumachende Diagnose sowohl dazu verwenden unser aller Ende zu prophezeien als auch Betroffene lächerlich zu machen.

Betroffene, Kinder, Alte,.. : Dritte vor seine Argumente zu spannen lässt jede Aussage altruistisch erscheinen. Kirchen leben seit Jahrtausenden davon. Jedes Gegenargument lässt sich als gegen so die paternalistisch Geschützten umlenken.

Wirtschaft: drei Jahrzehnte kapitalistisch-neoliberaler Gehirnwäsche führten dazu, dass inzwischen jede Diskussion über die Maßnahmen zur Gesundheitserhaltung zur Warnung vor einer Erkrankung der Wirtschaft führt. Das Mantra Geht’s der Wirtschaft gut, geht’s uns allen gut wird sehr selten von hinten nach vorne gelesen.

Als ich gestern (allein aber geimpft, getestet und hungrig) in einem Beisl mein Surschnitzerl mampfte, lauschte ich notgedrungen einem Gespräch am Nebentisch, mutmaßlich unter Lehrern aus der nahen HTL. Beinahe hätte ich schamerfüllt meine universitäre Lehrbefugnis rüberreichen willen, so virtuos wurde das Covid Bingo dort gespielt.

Written by medicus58

19. November 2021 at 08:21

Sowas will mitten in einer Pandemie niemand lesen

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Nach Jahrzehnten im öffentlichen Gesundheitssystem hat man schon manches erlebt, das einem inzwischen im Schwall hochkommt. Wenn jetzt Spitäler wieder Alarm schlagen, das hässliche Wort Triage im Boulvarde hoch kommt und WissenschafterInnen und ExpertInnen warnen, dass wieder was an der Kippe steht, es grad noch geht, aber bald und man schon vor Wochen Warnungen erhoben hat grüßt das Murmeltier.

Nein, ich bin nicht so blöd jetzt zu verlangen, dass wir eines der teuersten Gesundheitssysteme der Welt für eine zwei Jahre andauernde Grippewelle auslegen hätte sollen. Und nein, ich vergleiche jetzt nicht SarsCov2 mit den Influenza-Viren, nur standen wir fast jährlich zum Jahreswechsel an der Kippe und wurden nur durch die Saisonalität der konventionellen Grippe vorm Kollaps bewahrt.

Aber nichteinmal für eine kräftige Influenzawelle waren extra- und intramurale Gesundheitsversorgung so ausgelegt, um nicht zu Gangbetten, stiller Triage und Erschöpfung von Personal, Kranken und deren Angehörigen zu führen. Niemand hat das gekümmert von den universitären Experten. (Shit, bin ja auch so einer, aber…. andere Geschichte)

2015 gab es die Schützen wir unsere Spitäler Kampagne der Ärztekammer, die unser Titelbild zeigt und da schnupften wir die damals zirkulierenden Coronaviren einfach weg.

Die Kampagne wurde geführt, weil seit 2-3 Jahrzehnte externe Berater Effizienz ins System brachten. Qualitäts-, OP-, Hygienemanager und Heerscharen von IT-Spezialisten gemeinsam mit aufgeblähten Verwaltungsstrukturen  Posten aus der Primärvsrsorgung abzogen.

Der Pflegeberuf war seit Jahrzehnten unattraktiv, sonst hätten wir nicht seit Jahrzehnten in Wellen Pflegekräfte aus dem Osten, Nahen Osten und Fernen Osten importieren müssen. Die jenigen, die halbwegs fehlerfrei tippen konnten, wurden mit sinnentleehrten Dokumentationspflichten vom Patienten ferngehalten. Und kommen Sie mir jetzt nicht, dass die Millionen Vermerke, die die elekteonischen Krankenakten vollmüllen (Patient hat gut geschlafen, Krankengeschichte angelegt und abgelegt, Medikamente nach Schema verabreicht,…) nur einen Deut zur Verbesserung der Pflegeleistung führten.

Als Lösung wurde die Akademisierung der Pflege verlangt, was den praktischen Nebeneffekt hatte, dass sich Interessenten ihre FH Ausbildung selbst zahlen mussten, während die alten Schwesternschulen aus dem Spitalsbudget abgedeckt wurden. Seither finden sich immer mehr akademisierte Krankenschwestern patientenfern im Qualitätsmanagement.

Ärzte schlagen sich mit insuffizienter Software und Spracherkennung (einen € für jede Verwechslung von ein und kein) herum.

Wir dokumentieren dass wir was tun müssen, tun was und müssen dokumentieren, dass und was wir getan haben.

Der Zustrom von Ärzten wurde durch die Kontigentierungen im Studuen gedrosselt und jeder der später konnte entwich in Privat- und Wahlarztordinationen, Kassenverträge wurden zurück gegeben.

Diese Prozesse liefen seit vielen Jahren, Betten wurden gestrichen, Räume enger gemacht. Ich erinnere mich an stundenlange Diskussionen mit einem der meistbeschäftigten Berater des Wiener Gesundheitsverbundes, dass ein ambulanter Untersuchungsraum in einer Spezialambulanz so groß sein muss, dass auch eine Patientenliege Platz hat, auch wenn das die Errichtungskosten des Krankenhauses um weniger verteuert, als er für seine Schwachsinnigkeiten abzieht. Ja, das ist der, der auch Bücherregale und Aufenthaltsräume im Krankenhaus Nord wegrationalisierte, weil Ärzte ja Bildschirmarbeitsplätze haben…

All das und vieles mehr ist seit vielen Jahren Thema dieses Blogs und wird weder durch Impfungen noch durch Lockdowns gebessert, bedingt diese aber nicht zu einem unbeträchtlichen Teil.

Written by medicus58

16. November 2021 at 19:56

Wie der Grüne Covid Pass zum Altpapier gemacht wird

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Mit viel Geld wurde eine App entwickelt, mit der man sich in ganz Europa als Genesener, Geimpfter oder Getesteter ausweisen konnte.

Wirklich brauchbar war das nicht, weil der QR Code entweder niemand interessierte. Aus hygienischer Sicht nicht gerade Hochintelligente tippten auf alle Handys um dann befriedigt ein 2/2 zu konstatieren, was manchen J&J Geimpften fälschlich den Eintritt verwehrte. Nicht mal die Bundesheerler am Flughafen haben anfänglich den QR Code via Scan verifiziert, wobei mir mein Lieblingsgrieche versicherte, dass auch das nicht immer gut gemachte Fälschungen aufdeckte.

Flog man nach Frankreich, interessierte der QR Code niemand, dafür musste man eine Eidesstattliche Erklärung ausfüllen eh gesund zu sein und die Spanier verlangten letzte Woche, den lokalen Nachweis hoch zu laden, um dann eine spanische Variante ausdrucken zu können.

Bis zum Sonntag versicherte mir der Gültigkeitsrechner (siehe Bild oben) auf der Himepage des Gesundheitsministeriums noch, dass mein Impffpass noch bis nächstes Jahr gültig ist,

Selbst heute erfahre ich noch vom Ministerium: Die Zweitimpfung gilt für maximal 360 Tage ab dem Zeitpunkt der Zweitimpfung.

Dabei wissen wir seit dem Wochenende, dass das inzwischen politische Makulatur ist. Wenigstens der Gültugkeitsrechnet wurde heute der Homepage genommen.

Nein, ich habe rezente Studien über die abnehmende Wirkung der Impfungen nicht überlesen und mir ist auch klar, dass auf neue Erkenntnisse reagiert werden muss, nur sind die hektischen Bocksprünge in der Pandemiebekämpfung inzwischen auch für den Gutmeinenden ermüdend und lässt kaum noch Vertrauen aufkommen, dass die Verantwortlichen wissen was sie tun.

Vielleicht sollte man in den neuen Gültigkeitsrechner auch gleich die Optionen 6 Monate gültig oder bei jedem Vollmond, wenn er auf einen Wochentag fällt einbauen, dann können wir rasch auf alle Eventualitäten reagieren.

Written by medicus58

9. November 2021 at 18:34

Veröffentlicht in Psychopathologie der Medizin

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Wien gurgelt, grad nicht

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Vergleiche auch: Wien gurgelt, aber wozu? – Sprechstunde vor 1 Monat

Written by medicus58

2. November 2021 at 22:51

Assistierter Suizid, ganz ohne Medikament

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Nachdem die konservativen Kräfte in den Resten unserer tückisch-grünen Regierung  augenblicklich mehr mit der Wiederauferstehung ihres Kurz-Zeit-Heilands beschäftigt sind, als mit dessen assistierten Selbsttötung, war ihr Widerstand gegen eine Neuregelung des assistierten Suizids überraschend leise.

Wir erinnern uns noch schaudernd an mehrfache Aussagen eines namhaften Paliativmedizinerers, dass man so eine Regelung nicht benötigt, schließlich brauche der septische Endstage-Diabetiker ja nur die Antibiotika verweigern und Gottes Willen freien Lauf lassen. (Name auf Anfrage)

Dass der Standard (absichtlich kein Link) dann auch den Namen des nun unter bestimmten Bedingungen aus der Apotheke abzuholenden Mittels unter die Leute brachte, mag man als Aufklärungsarbeit, aber auch als Clickbait sehen.

Dabei ist es doch heute viel einfacher Assistenten für seine eigene Steinigung zu rekrutieren:

Stellen Sie im richtigen Milieu die Frage, ob die Covid-19 Boosterimpfung nach 6 Monaten für alle wirklich sinnvoll ist (btw die WHI und CDC tun das auch, aber wer unserer selbstermächtigten Googler-Virologen liest das schon) und die Steine fliegen. Andererseits können Sie auch in einem anderen Kreis die 3G-Regel am Arbeitsplatz verteidigen und schon bildet sich verlässlich eine Schlange Hilfsbereiter, der einen in die ewigen Jagdgründe befördert.

Wie diskursiv flach die einstige Kugel wieder wurde….

Written by medicus58

29. Oktober 2021 at 11:55

Nun übertreibt es die Stadt Wien mit der Maskenpflicht

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Auch Hunde müssen in der U Bahn Maske tragen.

Sorry, wenn das kein Futter für Maskenverweigerer ist.

Written by medicus58

20. Oktober 2021 at 07:08

Wien gurgelt, aber wozu?

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Nicht alles was klug klingt ist gescheit, oder konkreter in medizinisch diagnostischen Termini:

Der sicherste Test bringt im Nachhinein nur dem Pathologen was.

Im verständlichen Versuch auf die Delta-Variante zu reagieren, stanzt die Politik die schnellen aber weniger sensitiven Antigentests und kauft sich in das logistisch beeindruckende PCR-Projekt eines privaten Anbieters ein. Es mag spekuliert werden, ob die verpflichtende Ausweitung auf Schulen und Krankenanstalten nicht auch auf die unausgenutzten Kontingente zurück zu führen ist, die die Stadt Wien dem Privatlabor zugesagt hat, aber auf den ersten Blick schien, außer finanzielle Überlegungen, nichts gegen die flächendeckende Nutzung eines hoch sensitiven und spezifischen Tests zu sprechen, außer die eigene Erfahrung.

Wie alle geimpften Mitarbeiter des Wiener Gesundheitsverbundes bin ich verpflichtet einmal pro Woche zu gurgeln. Einiges Getippe, Handy-Registrierung, Mail-Bestätigung und QR-Ausdrucken am Vorabend und ich bin registriert:

6:20 Tag 1: ich steh etwas früher auf, denn der Gurgeltest sollte daheim vor dem Zähneputzen erfolgen, und gurgle, spucke und verschließe mein Sackerl.

8:10 Tag 1: ich werfe im Krankenhaus mein Sackerl in einen der schon rammelvollen Sammelbehälter, die um 9:00 geleert werden

Tag 1: keine weiteren Vorkommnisse

12:10 Tag 2: eine SMS schickt mir einen PIN Code für mein Testergebnis und verweist auf eine weitere SMS für den Link, wo ich das Testergebnis abrufen könnte

13:35 Tag 2: der Link kommt über 30h nach meinem Gurgeln

Auf dem (negativen) Testergebnis steht aber Abnahmezeit (Sampling time) 12:48, was bestenfalls den Zeitpunkt des Eintreffens der Probe, nicht aber den wahren Abnahmezeitpunkt reflektiert. Klar, den weiß die Firma ja trotz viel Registrierung nicht.

Der Fehler von ca 6h wäre prinzipiell negierbar, aber da mit großem medialen Aufwand die „Gültigkeit des PCR“ um 24h gesenkt wurde, macht das doch einen Fehler von 25% aus!

Jedenfall habe ich nun noch für 18h einen gültigen Test, die ich überwiegend nicht an meinem Arbeitsplatz verbringen werde.

Wäre ich nun positiv getestet worden, hätte ich gewusst, welche Patienten ich in den letzten beiden Arbeitstagen möglicherweise angesteckt habe, aber hätte mich der erste Patient nach dem Gurgeln angesteckt, wäre auch die jetzige Sicherheit hinterfragbar. Überdies hat inzwischen schon der Rechnungshof begriffen, dass das Contactracing angesichts der hohen Fallzahlen auch wenig brachte.

Fassen wir also zusammen, in Zeiten des Deltavirus, dessen Inkubationszeit nur mehr 4 Tage dauert (Link) und es kaum asymptomatische Träger gibt dauert es 1,5 Tage bis ein Ergebnis vorliegt. Nächste Woche wiederholt sich das Procedere.

Dass irgendeine Reaktion von der Politik verlangt wird, wenn die Zahlen steigen, ist verständlich. Kann mir aber irgendwer erklären, dass der Aufwand von Wien gurgelt vielmehr als ein sehr teures Placebo darstellt?

Written by medicus58

23. September 2021 at 20:11

Das Geschrei gegen Covidioten kompensiert nur die eigene Hilflosigkeit

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Nasennudisten im Vormarsch

Nach über eineinhalb Jahren Pandmie, zahllosen Verordnungen, Pressekonferenzen, Expertenterviews  und Sondersendungen in allen Medien wird der Ton rauher gegen jegliches Abweichen von der eigenen Meinung. Und da ist es unabhängig, ob die eigene Meinung unter dem Aluhut oder in geheimnisvollen Rechenoperationen entstand.

Dabei ist es als Folge einer Kakophonie von Falsch- und Richtigmeldungen, politischem Kleingeldwechsel und widersprüchlichen Werbekampagnen zu einer verfestigten Mischung von Fakten, deren Interpretation und der eigenen Agenda gekommen, die nur mehr zum Anstieg der Lautstärke und nicht mehr der Evidenz führt.

Lenin, Taliban und die Päpste haben gesiegt, die Aufklärung macht Pause und die Religion wurde nicht nur am Hindukusch wieder zur Richtschnur.

Schuldzuweisungen entsolidarisieren, Schauprozesse und Scheiterhaufen verhelfen dem Recht zu seinem Durchbruch. Gesundheit wird wieder Pflicht, Zuwiderhandeln versündigt sich am scheinbar so gesunden Volkskörper.

Eineinhalb Jahre nach dem Beginn dieser Pandemie in Europa und hundert Jahre nach dem Beginn des 20. Jahrhunderts in dem große Teile der Welt Konflikte in Kriegen und in Diktaturen ausgetragen haben, sind wir zwar naturwissenschaftlich viel besser (PCR-Teste und die Entwicklung funktionierender Impfungen gegen SarsCov2 war ein Meilenstein) geisteswissenschaftlich und sozial aber zurückgefallen.

Jetzt scheint mit scheinbar rationalen Argumenten (selbst Schuld, Eigenverantwortung) eine der letzten Bastionen im Gesundheitswesen sturmreif zu sein, die Entkoppelung der Behandlung von allfälliger Schuld.

Je lauter das Geschrei gegen Impfverweigerer wird, je mehr nach Selbstbehalten, Überholspur für Geimpfte wird, je mehr manche ihre Handtücher schon mal vorsorglich auf die Intensivbetten legen, um sie für sich zu reservieren, je lauter dies von angeblichen Qualitätsmedien verstärkt und unter den Deckmantel von Gerechtigkeit gefordert wird, desto klarer wird, dass wir als Gesellschaft diese Bewährungsprobe vergeigt haben.

Written by medicus58

14. September 2021 at 08:06

Solidarität in der Pandemie wird pandemisch

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Propaganda scbaffte es stets prinzipiell positive Begriffe so zu funktionalisieren, dass sie sich ins Gegenteil verkehren.

Wenn nun allenthalben zur Solidarität in der Pandemiebekämpfung aufgerufen wird, dann ist dem ja prinzipiell zuzustimmen, wenn das von denen kommt, die sich bidlang vordringlich um die eigenen Schäfchen kümmerten, wird es ärgerlich.

Wenn, trotz gegenteiliger Evidenz, die vierte Welle allein den Ungeimpften in die Schuhe geschoben wird, dann schrammt das schon nahe an die Vorhersagen vieler Verschwörungstheoretiker heran.

Wenn jetzt die Intensivbettenkapazität als Parameter herangezogen, widerspricht das nicht nur rezenten internen Prognosen, die in der Deltawelle die Kapazität der offenen Covid-Stationen als prozesskritisch erkannt haben wollen, es negiert völlig, dass die bestehenden strukturelle Kapazität im Gesundheitssysten nicht mehr abrufbar ist, weil inzwischen das Personal gekündigt hat. Soviel zum Gerate, weshalb bei relativ noch niedriger Intensivbelegung und langsamerem Anstieg im Vergleich zu 2020 in Wien große Sorgen bestehen.

Wenn jetzt plötzlich die Eigenverantwortung groß geschrieben wird und Ungeimpfte, Adipöse, Hypertoniker, Diabetiker,… ja irgendwie durch ihren Lebensstil selbst für die Krankheit verantwortlich wären, hätte ich mir diese Argumentation auch bei den Liftbetreibern gewünscht, die während der Hochzeit der dritten Welle im Privatjet in Südafrika zum Golfurlaub waren.

Das alles erinnert an den klassischen Schmäh von Bronner/Qualtingers Travnicek Sketch, der die Solidarität des Krankenkassensystems so beschrieben haben.

B: Ja, aber in der Not (im Krankeitsfall) wird ja auch was geleistet

Q: Ja, Beiträge

Wenn man seit Jahren als Arzt im öffentlichen Gesundheitssystem immer beschuldigt wurde zu teuer zu sein, korrupt zu sein, auf schwere Ausstattungsmängel nur hinzuweisen, weil man wieder teures Spielzeug möchte, Personal reduziert wurde und gleichzeitig Mehrleistungen von einem immer stärker wachsenden Verwaltungsbeteich verlangt und fachliche Einwände von Schreibtischtätern vom Tisch gewischt wurden, dann fühlt man sich durch die jetzigen Aufrufe zur Solidarität vermutlich genau so verarscht, wie das P. T. Publikum, das seit Jahren mit Messagecontrol statt Information auf Augenhöhe verhöhnt wird. (positive Tests statt Krankheitsrisiko, Impfkampagne ohne ausreichende Impfungen, nationale Gremien, die sich nach Stunden einigen, auf internationale Empfehlungen zu warten,…)

Wie in jeder Krise sterben auch jetzt nicht nur Menschen sondern noch viel mehr Ideale.

PS: das Bild zeigt übrigens den „Erhaltungszustand“ der Dienstbekleidung im Krankenanstaltenverbund

Written by medicus58

10. September 2021 at 08:30

Kann man alles mit dem Holocaust vergkeichen? Nein. Soll man es?

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Die Anzahl der gemeldeten antisemitischen Vorfälle hat sich im ersten Halbjahr verdoppelt. Gründe wären Israel und Covid. NR Präsident Sobotka verspricht den Kampf gegen Antisemitismus weiter zu führen, ob mit christlichen Gebeten wie zuletzt oder andersrum hat er uns nicht verraten.

Nach den absehbaren Wortmeldungen der Bestürzung und dem Verweis auf den importierten, sprich islamistischen Antisemitismus, kam das nächste Aufregerthema.

Wer nun glaubt, dass das eigenartige Junktim zwischen Antisemitismus und Judenhass ein österreichisches Phänomen wäre, möge die deutsche Medienlandschaft durchforschen. Dort titelte auch n-tv schon: Corona gibt Antisemitismus Auftrieb

Vergessen ist die jahrhundertelange katholische Tradition des Antisemitismus, der kapitale Bauchfleck in der israelischen Innenpolitik, der ein milliardenschweres Impfprogramm vor den Wahlen als Wahlzuckerl für den völligen Verzicht auf alle weiteren Hygienamaßnahmen nun mit einem gewaltigen Rückschlag in der Pandemiebekämpfung bezahlt. Aluhutträger sind Antisemiten sind Coronaleugner und alles andere ist primär.

Vergessen ist übrigens auch das jahrzehntelange Dogma, dass man nichts und rein garnichts mit dem Holocaust vergleichen durfte. Wenn es passt, dann immunisieren wir uns gegen Kritik mit allem was grad geht.

Vermutlich soll man alles mit allem vergleichen, nur um diskursiv zu klären ob das Sinn macht oder reine Propaganda ist. Nur sollte man sich klar sein, dass ein derartiges Vorgehen sich in wenig von den krausen Kausalketten unterscheidet, die die Twin Towers mit dem Irak, den Irak mit Afghanistan, Al-Qaida mit Afghanistan und Nationbuilding mit Blackwater und Chemtrails verbindet.

Anything goes, but not anything can be taken back.

Written by medicus58

3. September 2021 at 13:15

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