Sprechstunde

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Archive for the ‘Psychopathologie der Medizin’ Category

Fasching ist’s oder der Krankenanstaltenverbund zieht sich um

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Der OGH (ObA 29/18/g) hat am

17.5.2018
als Revisionsgericht in Arbeits- und Sozialrechtssachen durch den Senatspräsidenten des Obersten Gerichtshofs Dr. Hopf als Vorsitzenden, die Hofrätin des Obersten Gerichtshofs Hon.-Prof. Dr. Dehn, den Hofrat des Obersten Gerichtshofs Dr. Hargassner sowie die fachkundigen Laienrichter Johannes Puller und Helmut Frick in der Arbeitsrechtssache der klagenden Partei Zentralbetriebsrat *****, vertreten durch Dr. Martin Riedl, Rechtsanwalt in Wien, gegen die beklagte Partei Land Niederösterreich, *****, vertreten durch Mag. Thomas Reisch, Rechtsanwalt in Wien, wegen Feststellung nach § 54 Abs 1 ASGG, über die Revision der beklagten Partei gegen das Urteil des Oberlandesgerichts Wien als Berufungsgericht in Arbeits- und Sozialrechtssachen vom 20. Dezember 2017, GZ 7 Ra 39/17g-39, mit dem der Berufung der beklagten Partei gegen das Urteil des Landesgerichts St. Pölten als Arbeits- und Sozialgericht vom

13. 10. 2016,
GZ 25 Cga 8/14y-35, nicht Folge gegeben wurde, in nichtöffentlicher Sitzung zu Recht erkannt:

Gemäß § 2 Z 1 Krankenanstalten-ArbeitszeitG (KA-AZG) gilt als Arbeitszeit im Sinne des Bundesgesetzes die Zeit vom Dienstantritt bis zum Dienstende ohne die Ruhepausen.

Scheint also eh klar, wenn jemand zum Tragen von Dienstkleidung verpflichtet ist, dann sollte das Umkleiden als Teil der Arbeitszeit betrachtet werden … glaubt der Laie und der Fachmann wundert sich!

Aber nein, zitiert der OGH zwei Entscheidungen über Zirkusmusiker und die Literatur, wo allenfalls notwendige persönliche Vorbereitung wie etwa das Anziehen einer speziellen Arbeitskleidung noch nicht zur Arbeitszeit zählt.

Nach Gerhartl, Was zählt als Arbeitszeit?, ecolex 2015, 693, weisen Umkleidezeiten kein ausreichendes Ausmaß an Nahebeziehung zur arbeitsvertraglich geschuldeten Tätigkeit auf.

Bemerkenswert, zählt das korrekte Tragen der Dienstkleidung doch zu einen der zu beurteilenden Verhaltensweisen eines KAV Mitarbeiters!

Mazal wird aber auch zitiert: An- und Auskleiden in Krankenanstalten seien daher dem Arbeitszeitbegriff zuzurechnende Tätigkeiten.
Also doch: Zusammenfassend sind die Umkleidezeiten und die damit verbundenen innerbetrieblichen Wegzeiten im vorliegenden Fall primär im Interesse des Dienstgebers gelegene arbeitsleistungsspezifische Tätigkeiten. Sie weisen ein solches Maß an Fremdbestimmung auf, dass es gerechtfertigt ist, sie als Arbeitszeit iSd genannten Bestimmungen anzusehen.

Also scheinbar doch.

Nahezu umgehend, naja, am 9.1.2019 gibt es eine entsprechende Dienstanweisung im KAV, die dafür rückwirkend mit 1.1.2019 gilt.

Mit der Personalvertretung wurde eine Rahmenvereinbarung abgeschlossen. Das dauerte vermutlich d.h. über zwei Jahre, da der KAV ja am Thomas-Klestil-Platz 7, 1030 Wien und die Personalvertretung in der Schnirchgasse 12/1, 1030 Wien beheimatet ist, also unmittelbar benachbart auch zur MA 40 Soziales, Sozial- und Gesundheitsrecht, die am Thomas-Klestil-Platz 8 residiert (siehe Screenshot oben).

Die Vereinbarung unterschied
1. a. Berufsgruppen bzw. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, für die bzw. denen keine zusätzliche Arbeitszeit als Umkleidezeit zu gewähren ist
1. b. Berufsgruppen bzw. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, für die seitens der Dienststelle innerhalb der bestehenden regulären Arbeitszeit organisatorisch ein Umkleiden zu gewährleisten ist
2. Berufsgruppen bzw. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, für die bzw. denen zusätzliche Arbeitszeit als Umkleidezeit zu gewähren ist
und wie üblich, wurde die endgültige Lösung auf Abteilungsebene delegiert, wo mit der Personalvertretung Vereinbarungen zu treffen waren.

Am 1.3.2019 begannen Verhandlungen über die Form der Abgeltung für die Monate Jänner und Februar 2019 statt, über die (laut Mail) zeitnahe berichtet werden sollte.

Im Jänner 2020
kam eine Aussendung, dass die vollständige Ausprogrammierung des Themas „Umkleidezeiten“ in den Dienstplanprogrammen leider noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird, und eine Übergangslösung in der Software geschaffen wird zu der es eine Handlungsanleitung gibt, wie zwischenzeitlich zu verfahren wäre und das Versprechen, demnächst informiert zu werden, wie bezüglich der zu gewährenden Umkleidezeit für das Jahr 2019 zu verfahren sein wird.

Ende Jänner 2020
wurden dann zwecks „Nachverrechnung der Monate Jänner Februar 2019“ eine zur Abrechnung bei der MA2 taugliche Exzcl-Liste eingefordert, was in der Folge zu weiteren Rundmails führte:
Aufgrund zahlreicher Anfragen wird nachstehend eine Erläuterung zur nachträglichen Erfassung der Umziehzeiten für Jänner und Februar 2019 übermittelt: Rückwirkend müssen alle tatsächlichen Dienstantritte (egal welche Dienstlänge, auch 25 Stunden Dienste!) erfasst werden.

Höhepunkt war dann eine interne Anweisung einmal „nichts zu tunund eine Richtigstellung abzuwarten, gefolgt von einer Mitteilung der Personalvertretung, die das alles zurücknahm und überraschend festhielt: . Für die Monate Jänner und Februar 2019 wurde noch kein gesetzeskonformer Umgang mit den Umkleidezeiten vereinbart, die Generaldirektion hat nun entschieden, dass für die Zeit der „entgangenen“ Umziehzeiten eine Nachverrechnung (entsprechend dem Geldwert der Überstunden) geleistet wird, daher gebührt für die 2 Monate für jeden tatsächlichen Dienstantritt, unabhängig ob 5 -12, 12,5 oder 25 Stunden, eine ¼ Stunde, dazu ist die Anzahl der Stunden aufgeteilt in 125% für Teilzeitkräfte und 150/200% für Vollzeitkräfte in der Exel (sic) Liste zu dokumentieren.

Klarerweise müssen das die Abteilungen selbst machen. Ab wann dürfen wir unsere wartenden Patienten in die Verwaltung schicken? … oder in die Personalvertetung?

Written by medicus58

4. Februar 2020 at 17:29

Auskuriert – ein Erfahrungsbericht

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Als ehemaliger Kurarzt in zwei sehr unterschiedlichen Rehabilitationszentren kann ich Ihnen den Erfahrungsbericht aus einem Nachbarblog zur Lektüre empfehlen. Die Diskrepanz zwischen Erwartung und Möglichkeit, sowie die heute offenbar üblichen Angebote zum „Upgrade“ sollten Patienten, Ärzten und sogenannten „Gesundheitsdienstleistungsanbietern“ zu denken geben.

Irgendwie sind wir seit Voltaire nicht viel weiter gekommen, der bekanntlich schon seiner Zeit meinte:

Das Geheimnis der Medizin besteht darin, den Patienten abzulenken, während die Natur sich selber hilft.

Written by medicus58

29. Januar 2020 at 17:46

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Die Corona der Hysterie

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Die Gelbe Gefahr hat schon immer funktioniert. Ob ein japanisches AKW oder die chinesische Vogelgrippe, Im Zentrum, in der ZIB, ein türkiser Innenminister, dessen burgenländische Anhaltezentren dem Doskozil noch sprachloser als ohnehin in die Absolute geputscht haben, jede Menge Infektionsspezialisten, deren internistisches Sonderfach grad ausradiert wird, Krankenanstalten Direktoren, die mitten in der Grippesaison von Hunderten reservierbaren Betten sprechen, lauter Augenbrauen hochziehende Experten, die solange versichern, dass kein Grund zur Panik besteht, bis sie dadurch ausbricht.

An viralen Infekten kann man unter bestimmten Umständen sterben, ob es die „normale Grippe“ ist oder „die Rache der gesottenen Fledermaus„. Sehr wahrscheinlich ist das nicht, aber möglich. So wie am Herzinfarkt, an den Masern oder wenn einen der Blitz trifft.

Leben ist eine prinzipiell mit dem Tode endende Daseinsform, nur sollte es nicht zu früh, nicht zu fahrlässig oder zu leichtsinnig dazu kommen. Auch wenn wir irgendwann endlich die erste echte Corinavirusinfektion unter all den aus China eingeschleppten viralen Infekten identifizieren, sollten Sie Ruhe bewahren. Mit größter Wahrscheinlichkeit werden Sie das ebenso überleben wie Ihre letzte Sommergrippe oder den letztenWinterschnupfen.

Mehr Details hier: Link

Written by medicus58

28. Januar 2020 at 00:13

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Ärzte: Masochismus ist nicht verpflichtend, aber hilft offenbar

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Burn-out von Ärzten ist seit Jahren ein solcher Dauerbrenner, dass er es immer seltener in die Schlagzeilen schafft.

Ein „Ja, eh“ ist kaum ein Clickbait für professionelle Medien, so dass es nur mehr die Standesvertretungen sind, die weitgehend überhört bisweilen missverständliche Warnungen über den Fernschreiber, äh die APA, schicken: Burnout: ÖÄK-Mayer begrüßt WHO-Entscheidung

Bei der Reputation, die sich unsere Standesvertretung redlich erarbeitet hat, nimmt es wenig wunder, dass das keinen mehr interessiert und jedes Jahr 10x mehr Personen antreten, um den Aufnahmetest zum Medizinstudium zu probieren, als ihnen Studienplätze winken.

So wird es auch einer aktuellen Aussendung der deutschen (!) Ärztevertretung gehen:

Jeder dritte Klinikarzt steht kurz vor dem Burn-out
Etwa ein Drittel der Ärzte im Krankenhaus steht nach den Ergebnissen einer Umfrage kurz vor einem Burn-out. Vor allem der allgegenwärtige Zeitdruck sowie die Arbeitsverdichtung und Bürokratie setzen den Kollegen zu, von denen viele „nur noch raus aus dem Beruf wollen.

Mit vielen Prozentsätzen wird hier das uns allen Bekannte erneut festgehalten, nur fällt bei genauer Durchsicht der Daten ein bemerkenswertes Detail auf, dass mit erklärt, weshalb wir uns in diese Situation treiben haben lassen:

Etwa ein Drittel (35%) der Befragten gab an, oft bis sehr oft Gefühle des Ausgebranntseins zu erleben. Assistenzärzt*innen weisen im Vergleich zu Fach- und Oberärzt*innen die höchsten Burnoutwerte auf.

Etwa 14% der haben einige Male in der Woche oder jeden Tag
Kündigungsintentionen
.

Werden wir aber nach der allgemeinen Arbeitszufriedenheit befragt geben 43% der Befragten an, (sehr) zufrieden mit ihrer Arbeit zu sein. Das Wohlbefinden und die Arbeitszufriedenheit sind bei der Oberärzt*innen am höchsten ausgeprägt.

Ob wir uns den Widerspruch nun mit einem
gegen jede Erfahrung immunes Helfersyndrom,
einem Traumjob unter immer mieseren Rahmenbedingungen
oder durch einen ohnehin ungerechtfertigten Hang zum Jammern erklären, der üblicherweise anderen Berufsgruppen nachgesagt wird („Warum Wirt-Sein trotz Stress und Überstunden schön ist„) mag jeder Betroffene für sich beantworten.

Meiner Wahrnehmung nach unterliegen selbst diejenigen, die es geschafft haben innerhalb dieses Systems eine ökologische Nische zu beziehen, einem gefährlichen Selbstbetrug und den Druck traditionell nach unten weitergeben aber noch nicht begriffen haben, dass „die Jungen“ darauf anders reagieren als unsereins ehedem.
Andererseits bleibt vielen sehr speziell Ausgebildeten ja auch kaum eine Berufsalternative und hinter dem Kündigungswunsch steht eher die Spekulation auf den Privatbereich als jene auf einen kompletten Neuanfang.

Written by medicus58

11. Januar 2020 at 16:18

Der Hausarzt warnt zu Recht: zu wenig und zu viel ist den Narren ihr Ziel

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OK, der Spruch stammte von meiner Großmutter, aber die Salzburger Nachrichten umschrieben die Warnung der Österreichischen Gesellschaft für Allgemeinmedizin vor einem Zuviel an medizinischen Leistungen auch irgendwie reißerisch mit: Wenn der Arztbesuch krank macht …

Ärztehasser mag das Statement verwundern, da sprechen „Gesundheitsdienstleistungsanbieter“ scheinbar gegen ihren Umsatz. Haben wir nicht seit Jahren gehört, dass wir Ärzte geldgierig und nur die Vollstrecker der Pharmaindustrie sind und jetzt klagt ein Hausarzt darüber, dass die Patienten ungehalten werden, wenn er bei einem grippalen Infekt nicht gleicht zum Antibiotikum greift.

Man nahm sich die US Choose wisely Kampagne zum Vorbild, und Anna Glechner vom Ärzteinformationszentrum der Donau-Universität Krems warnte prinzipiell vor einem Zuviel an medizinischen Leistungen, die negative Effekte mit sich bringen können.

So weit so gut. Blöd ist nur, dass die angekündigte ÖGAM Patienten-Broschüre, die die Patienten auf die fünf größten Probleme dieses Phänomens hinweisen und u.a. zuviel Antibiotika, Röntgenaufnahmen und PSA-Bluttests weder auf der Homepage der Gesellschaft noch via Dr. Google zu finden ist.

Publizieren tut Frau Glechner das zwar schon: https://link.springer.com/article/10.1007/s00608-019-0650-5 aber die Broschüre konnte ich nicht auftreiben.

Also bitte liebe Leser, wenn Sie ein Exemplar haben, dann lassen Sie sie mir bitte zukommen, damit ich sie dem nächsten Kollegen vorlesen kann, der partout nicht einsehen will, dass eine Untersuchung sinnlos ist, obwohl er sie sich eingebildet hat …

Written by medicus58

18. Dezember 2019 at 20:22

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Aus NEOS werden ALTOS, lassen die jetzt schon beim Kickl arbeiten?

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Niemand kann mir vorwerfen, dass hier auf diesem Blog nicht sehr viel und aus meiner Sicht sehr berechtigte Kritik am Wiener Krankenanstaltenverbund KAV geübt wird. Aber die Bildmontage der Neos in ihrem gestrigen Tweet über den KAV bzw. den Gesundheitsstadtrat Hacker hätte FPÖ Kickl zu allen Ehren gereicht.

Muss das sein? Schaut so die immer beschworene konstruktive aber faire Kritik aus? Graphisch verständlich, aber irgendwie ist die Umfärbung des neos Schriftzuges von pink auf schwarz in diesem Zusammenhang schon auch programatisch.

Written by medicus58

21. November 2019 at 12:57

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Die verflixten 100 Prozent

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Die Weltgesundheitsorganisation WHO warnt auf Twitter

dass 1/3 aller Todesfälle an Lungenkrebs, Schlaganfall und Herzerkrankungen die Folge von Luftverschmutzung sind.

Jetzt soll hier nicht polemisiert werden, dass keiner der genannten Prozentsätze 33%, also dem genannten Drittel entspricht, aber egal, da müsste man vielleicht die verwendeten Zahlen näher analysieren und ein Drittel klingt einfach griffiger.

Zählen wir nun die ca. 10% an Lungenkrebs dazu, der nur durch Radon verursacht wird und addieren noch das Passivrauchen (zu Schlaganfälle, Herzerkrankungen und Lungenkrebs) bzw. andere von uns nicht direkte Einflussfaktoren zu unserem Sterberisiko, dann bleibt nicht mehr viel, mit dem wir unsere Patienten dazu bringen können, ihren aktiven Beitrag zum vorzeitigen Ableben zu minimieren, wenn sogar das Übergewicht inzwischen zur Quantité négligible wird.

Je nach beabsichtigter Zielrichtung werden Einzelfaktoren aus multifaktoriellen Prozessen aufgebläht und führen letztendlich zu Resignation. Dabei ist z. B. aktuell in Indischen Großstädten das Risiko an der Luft zu sterben wirklich höher als zu verhungern.

Written by medicus58

3. November 2019 at 14:36

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