Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Archive for Dezember 2018

Wär’s das, 2018?

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Jahresrückblicke befassen sich mit dem was wichtig war und nicht mit dem was wichtig sein hätte können. Vielleicht nennt man sie im post-Farkasch’en Zeiten deshalb auch nicht man mehr Jahresbilanzen, um sich neben der Haben-Liste das hier unumgängliche Soll und somit den Bilanzselbstmord zu sparen.

Was hätte 2018 nicht alles bringen können:

Den ersten grünen Bundespräsidenten, der einlöst, was alle seine Vorgänger vor ihrer Wahl versprochen haben, einen aktiven Präsidenten und nicht nur einen weiteren Staatsnotar. VdB unterschrieb bis jetzt alles brav (Indexierung der Familienbeihilfe) und versteckte sich bei CETA hinter dem Europäischen Gerichtshof, um zum Jahreswechsel plötzlich mehr Budget für das Bundesheer zu verlangen. Bis jetzt wären ihm sogar noch die Fußstapfen eines Klestil zu groß.

Die Türkis-Blaue Regierung, die den großkoalitionären Proporz aufbrechen hätte können, der in diesem Land alles, vom Schulsystem bis zu den Abendnachrichten so fest im Griff hat wie anderswo es nur die Mafia schafft, hätte rein theoretisch ja auch etwas Neues bringen können, wären die Mitspieler und ihre Worthülsen nicht schon seit Jahren bekannt gewesen. Gekommen ist weder echte Schul-, Gesundheit-, Sozial-, Rechts- noch Demokratiereform sondern auf allen Gebieten eine politische Umfärbung ohne Rücksicht auf Kollateralschäden (BVT, Gebietskrankenkassen,…).

More of the same mit besserer Medien- und Meinungskontrolle und ein Wunschkonzert der Finanziers.

Die Hoffnung, dass einem Ex-ÖBB Manager die SPÖ ebenso auf den Leib geschneidert sein könnte, wie sein slim-fit Sakko, hat sich ebenso nicht erfüllt wie die Annahme, dass die, die mit sprachlicher Eloquenz brillieren, am Ende noch wissen wofür sie sich bewerben oder wovon sie zurücktreten sollen. Vielmehr zeigte sich, dass slim-fit und Schweigen auch nach fast zwei Jahrzehnten noch als Sch(l)üssel zur Wahlkabine funktionieren.

Eine Selbstdemontage der Grünen (werde ich nicht Vizekanzler mach ich halt das Feigenblatt bei Novomatic), war zu erwarten, zu hoffen war, dass die bunte Bewegung (wir sind keine Partei) , die der Silberrücken Pilz JETZT aufgestellt hat, ein guter Ersatz sein könnte. Bislang bekam man da aber in erster Linie einen Crashkurs in Familienaufstellung zu sehen.

Wie bei NEOS-GURU Strolz scheint die Politik immer mehr als Bühne für den kurzfristigen Ego-trip herhalten zu müssen, wem die Tanzfläche zwischen Flipchart und Rednerpult zu eng und der Beamer zu wenig hell wurde.

Es hätte viel bringen können dieses Jahr, hat es aber selbst dort nicht, wo wir zumindest am Papier die Wahl hatten.

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Written by medicus58

30. Dezember 2018 at 11:52

Manchmal geht einem ein Lichtlein auf

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Es ist ist schon ein Zeit’l her, wo wir uns hier über die jährliche Geburtstagsfeier am 24.12. ein paar Gedanken gemacht haben.

Alles Gute zum Geburtstag 

Böseres zum Thema Heiliger Abend gab es hier früher

Die andere Weihnachtsgeschichte

Wobei ich natürlich nie an den feinsinnigen und doch abgrundtiefen Humor eines Bernhard-Viktor Christoph-Carl von Bülow heran gekommen bin:

Doch selbst solche Meister konnten nicht vorhersehen, womit heuer die Weihnachtslegende bereichert wurde:
Unser selbst ernannter Volksrocknroller gefiel sich in seinem letzten Konzert die Herausgeber von Standard und Falter, die seiner „Kunst“ kritisch gegenüber stehen als „Ochs“ und „Esel“ zu bezeichnen und in einem Homevideo sich gleich selbst heilig (Heiliger Andreas) zu sprechen.
In einem heute wieder sehr häufig angewandten Trick der Selbstimmunisierung durch Erfolg („Fresst Scheiße, Millionen Fliegen können nicht unrecht haben„) versteckte sich der Barde als Ehrenretter seiner Fans: Es ist einfach nicht in Ordnung, dass man meine Fans als nicht ganz dicht bezeichnet werden. Also habe ich jetzt auch einmal ausgeteilt.

Wen wundert es, dass in Zeiten des allgemeinen Fundamentalismus gleich auf den alten Auge-um-Auge-Zahn-umZahn-Hammurabi zurückgegriffen wird, aber die G’schicht fand eine nicht minder archaische Pointe:

@florianklenk drehte den Spieß um und seither hagelt es die Wiki-Links zu Ochs und Esel und wir lernten alle etwas vom alten Propheten Jesaja: „Ein Ochse kennt seinen Herrn und ein Esel die Krippe seines Herrn; aber Israel kennt’s nicht, und mein Volk versteht’s nicht.“

Kannst nicht erfinden …

Written by medicus58

23. Dezember 2018 at 17:53

Die stillste Zeit im KAV: revisited

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So wirklich still ist es UM den Wiener Krankenanstaltenverbund ja nie, der heißt übrigens noch immer so und nicht Wien Kliniken, trotz Preisausschreiben und Medienkampagne. Ob er schon 2019 so heißen wird, mag übrigens augenblicklich auch bezweifelt werden.

Da für den Boulevard ohnehin nur der „KH Nord Skandal“ und von allem der skurrile Energetiker interessant scheinen
„Quelle der Liebe“: Das steht im Protokoll des KH Nord-Energetikers
(als ob diese 95.000 € bei einem Bauprojekt dieser Größe im Endergebnis einen Unterschied machen) lenkt das die Öffentlichkeit wohltuend von anderen Dingen ab.
Die strukturellen Probleme, wie das Missverhältnis zwischen letztendlich dort einziehenden Schwerpunkten und dem geplanten Layout, kommen auch im Untersuchungsausschuss kaum zur Sprache, vermutlich weil die Materie den Beteiligten zu komplex ist. Gerade solche Planungsfehler sind es aber, die den laufenden Betrieb unnötig verteuern; dies gilt für das KH Nord aber auch für die anderen Häuser, die sich nicht wie geplant von manchen Leistungen freispielen können. Von den Spitalspärchen mit ihren geplanten Regionaldirektionen aber immer mehr Doppelprimariaten zwischen den Pärchen, wollen wir gar nicht erst anfangen zu reden.
Die (nächstes Jahr sind Personalvertretungswahlen !) aufgezeigten Personalprobleme (unrealistisch hohe Arbeitszeiten und unrealistisch niedrige Ausfallszeiten, um den Personalmangel wegzurechnen) interessieren die Öffentlichkeit ohnehin nicht nachhaltig, so dass die Notlügen gar nicht von Nöten gewesen wären.

Aber auch wenn es UM den KAV ohnehin nie still ist, und Wetten abgeschlossen werden, wann die erste APA Meldung über einen Grippepatienten am Gang daher kommen wird (noch husten die meisten in den öffentlichen Verkehrsmitteln), ist es IM KAV seit einigen Monaten wirklich relativ ruhig.
Wenn wir uns an den 20.12.2015 erinnern, dann jagen uns allein die damaligen Protagonisten wahre Schauer über den Rücken:

Weihnachten im KAV: Leise rieselt das Vertrauen

Inhaltlich hat sich an den damaligen Problemen wenig geändert, aber nach Abgang einiger rücksichtsloser Egomanen und der weitgehenden Ermattung der noch nicht in Teilzeit oder Frühpension entschwundener Mitarbeiter, ist der interne Geräuschpegel, nicht nur jetzt im Advent, wohltuend geringer geworden. Das sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir Lösungen noch immer nicht näher gekommen sind. Das werden auch die absehbaren Jubelmeldungen, wenn der erste Patient im KH Nord seine Blutabnahme hinter sich gebracht hat und in der Gastronomie des Eingangsbereichs die Kasse klingelt, nicht überdecken.

Written by medicus58

20. Dezember 2018 at 21:50

Dr. Google is a Liar: Falschmeldung über Gesundheitsthemen und typische Folgefehler

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Was einem nicht in den Kram passt, wird heute schnell als Fake-News bezeichnet, aber dabei handelt es sich in der Regel um Themen im gesellschaftspolitischen Bereich.

In einem rezenten Artikel
Dr. Google Is a Liar
Fake news threatens our democracy. 
Fake medical news threatens our lives.

warf nun die New York Times einen lesenswerten Blick auf die Fake-News im Gesundheitswesen, die sich dank Internet schneller verbreiten als jede New England Journal of Medicine Studie.

Der Autor, ein Kardiologe, dokumentiert mehrere Beispiele, wo falsche Behauptungen im Netzt zu Therapieabbrüchen führt und Politiker völlig unsinnige Behauptungen (Impfungen verursachen Autismus) verbreiten.

Wie bestellt zeigt uns ein im August 2018 erschienener Artikel im Guardian, ein typisches Muster auf, weshalb wir immer häufiger glauben, der Medizin rein gar nix mehr glauben zu können.

Die Zeitung berichtete, dass der oft behauptete enge Zusammenhang zwischen Salzaufnahme und Bluthochdruck gar nicht so sicher ist und eher in Ländern (und Patienten) beobachtet werden kann, die sehr viel Salz konsumieren. Wenn in diesen Fällen der Salzkonsum in Hypertonikern reduziert wird, scheint das wirklich eine blutdrucksenkende Wirkung zu haben:

Salt not as damaging to health as previously thought, says study

Basis war eine immerhin im Lancet publizierte Studie, die nun das durch den Vergleich verschiedener Populationen das verifizieren wollte, was diese Gruppe – unter harscher Ablehnung vieler Experten – bereits vorher an Einzelpersonen gezeigt hat. Besonders interessant scheint da aber die gemeinsame Betrachtung des Kalium-Spiegels sein, der z.B. durch eine Gemüse-reiche Ernährung angehoben werden kann und offenbar einen größeren Einfluss auf die Blutdruckregulation hat als eine reine NaCl-Reduktion.

“Perhaps salt-reduction evangelists and salt-addition libertarians could temporarily put aside their vitriol and support the hypothesis that diets rich in potassium confer substantially greater health benefits than aggressive sodium reduction,”

Am 25. November gab dann ein gewisser Duncan Selbie (Chief executive of Public Health England) dem Observer ein Interview, in dem das Salz in der Nahrung der Briten als ihre größte Todesursache anschuldigt, das erneut der Guardian zitiert:

Large amounts of salt can cause high blood pressure, the single biggest cause of heart attacks and strokes, which between them kill more Britons than anything else.

Jede Gramm an Salzreduktion erspart 7,000 Tote/Jahr.

Dieses Drama können wir als „Derivative Fake News“ bezeichnen, in der Hoffnung damit berühmt zu werden, denn Folgefehler klingt halt so old school.

Das Problem habe ich hier schon einmal unter dem Titel Die toten Seelen in der Computertomografie angesprochen und wir finden es allenthalben, wenn wir nur danach suchen:
Zu Beginn steht ein (in Kausalität und Beweiskraft) hinterfragbarer Zusammenhang.
Hier eben den immer wieder gefundenen aber auch nicht gefundenen Zusammenhang zwischen Nahrungssalz und Blutdruck. 
Besonders geeignet sind multifaktorielle Prozesse, also Abläufe, von denen man weiß, dass sie durch viele Faktoren beeinflusst werden können. In Wirklichkeit behauptet auch niemand ernsthaft, dass NUR das Kochsalz den Blutdruck beeinflusst,
Dann negiert man alle Ko-Faktoren und extrapoliert eine Verhältniszahl aus besonders extrem ausgefallenen Studien und extrapoliert sie auf eine riesige Population und schockiert mit dem Ergebnis. 
UK hat über 66 Millionen Einwohner!
Schließlich versichert man (natürlich ohne der Möglichkeit einer Interventionsstudie) , dass die Reduktion des eines „bösen“ Faktors all diese Todesfälle aus der Welt schaffen würde.
Meist wird das übrigens junktimiert mit der Forderung nach entsprechender Finanzierung präventiver Maßnahmen.

Verstehen Sie mich richtig, auch ich empfehle Hypertonikern nicht, jedes Gericht, kaum wird es aufgetragen, nach zu salzen und mache auf das „versteckte Natrium“ in vielen „Dosen-Gerichten“ aufmerksam. Nur sollte man die Erwartungen daran nicht übertreiben.

Noch wichtiger scheint jedoch, sich gerade in sehr komplexen Gesundheitsfragen nicht von Einzelstudien, egal ob via Dr. Google oder via Peer-Reviewed Journals zu allgemeinen Heilsbotschaften verleiten lassen und diese Kritik befreit zu beeindruckenden Zahlen auf zu blasen. 

Written by medicus58

19. Dezember 2018 at 18:49

Neue Hausordnung

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Wieder einmal eine höchst treffende Beschreibung des (M)Istzustandes unseres Landes auf dem Radioblog

https://wp.me/p3YvOX-10I

Written by medicus58

18. Dezember 2018 at 09:30

Veröffentlicht in Allgemein

Gaudete

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Es geht an den Adventkranzbindern meist spurlos vorbei, aber die dritte Kerze sollte violett sein und am dritten Sonntag entzündet werden.

Ich, unchristliches Wesen, gestehe gerne, dass ich als Kind die anders farbige Kerze immer am letzten Adventssonntag entzündet habe, so in der Art „jetzt geht’s gleich los“, aber eh egal, das verlängert meine Zeit im Fegefeuer nur mehr unwesentlich.

Gaudete, also freue Euch, nenne die Christen halt schon den dritten Sonntag und freuen sich auf die Geburt Ihres Heilands.

Auch alle anderen freuen sich nun ganz heftig.

Unser Bundespräsident, weil die EU klimaneutral werden will: Nur dass sie das u. a. mit Hilfe der Kernenergie werden will, scheint dem Ex-Grünen entgangen.

Die Regierung freut sich über das Jahrhundertwerk ihrer Kassenreform, ohne offen zuzugeben, dass da nur das gelungen scheint, wofür schon der alte Schüssel, den feschen Grasser in die damals noch schwarze ÖVP holen wollte, um durch Jugend und Eloquenz darüber hinwegtäuschen, dass es eh nur um das alte Machtspiel geht. Schüssel, der sich u. a. bei Atomkonzernen was dazu verdient.

Die Rechte freut sich weil endlich was gegen die Flüchtlinge weiter geht und die Linke freut sich, weil sie auch kein anderes identitätsstiftendes Thema mehr findet, halt unter anderen Vorzeichen. Beide freuen sich, dass „trotz aller Einzelfälle“ das Problem längst nicht mehr so dringend ist wie vor ein paar Jahren, also ohnehin keine echten Entscheidungen drängen.

Die Finanz– und Autoindustrie freut sich, weil sie durch gute politische Vernetzung und das ewige „Arbeitsplatzargument“ tun und lassen kann, was sie wollen, wobei weder die Tobin-tax noch der Schadenersatz für die falschen Verbrauchsdaten an unserer Regierung scheiterten, da sorgte schon die „Deutsche Mutti“ vor.

Ja, und weil wir uns schon über das Klima freuen; bei all dem „Diesel-Gerangel“ schweigen sich aber alle brav darüber aus, was die Kontainer-Riesen alles auf unseren Meeren verheizen und die Flieger an steuerbefreitem Sprit in die Ozonschicht blasen dürfen, nur damit der globalisierten Handel uns mit Waren versorgen kann, die wir uns zu fairen Preisen gar nicht mehr leisten könnten. Würde man uns die „Sweatshop-T-shirts“ wegnehmen, könnten wir vielleicht realisieren, dass die Unterschiede zwischen Mindestsicherung und Niedriglöhnen nicht deshalb so gering sind, weil die erste zu hoch sondern die zweiten zu niedrig sind. Und ob das noch jemand freuen würde, mag bezweifelt werden.

Dann freuen wir uns mit den Christen, dass wir ganz genau wissen, welcher Heiland uns am Ende des Advents erwartet. Bei allen anderen Heilsbringern ist die Lage nicht so klar….

Written by medicus58

17. Dezember 2018 at 19:35

Keynote-Speaker sprechen selten über ihre eigentliche Kompetenz

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Wie viele Keynote-Speaker haben Sie schon gehört, also diese Bezahl-Motivatoren, diese Vorspieler der Firmenwahrheit, die Typen, die Ihnen die aktuelle Konzernstrategie als alternativlose Heilsbotschaft einzudrillen angeheuert wurden.

Nun ist ja gegen ein bisschen Motivation nix einzuwenden, aber stellen Sie sich diese Typen am Eingang um Kolosseum oder am Personaleingang zu KZ Mauthausen. An diesen Stellen hätte die Honorar-inspirierter Euphorisierung des Personals doch ein G’schmäckle, einen leicht üblen Beigeschmack gehabt. 

Jetzt muss ja jeder seine Miete zahlen und das Berater-Unwesen garantiert heute halt mehr Arbeitsplätze als der automatisierte Produktionsprozess an sich, außerdem ist das auch ziemlich risikolos, im Gegensatz zur Arbeit an sich.

Was mir halt so übel aufstößt ist die Erfahrung, das einen meist Leute die Heilsbotschaft bringen, die letztlich in ganz anderen Sparten ihren Markwert erhöht haben.

Wenn wir uns mal auf nach Selbstdefintion
Österreichs Redneragentur Nr. 1 umsehen, dann vermittelt man dort „Vortragende, Keynote Speaker und Moderatoren für Veranstaltungen, Kongresse und Events von Unternehmen und Organisationen„, die vom Theologen Zulehner über Ex-BK Gusenbauer und Ex-Vizelanzler Busek zur Leiterin des Instituts für Machtkompetenz reichen, um etwas Glanz der ehemaligen Medienpräsenz auf die eigene Veranstaltung strahlen zu lassen.

Wer mal ZIB-2 Wolf in engem Kreise lauschen durfte, der erfährt nicht nur einen Crash-Kurs in die News- und Online-Welt, er glaubt sich auch kurzfristig bei ihm zu Gast im ORF, dort ist er übrigens weniger streichelweich.

Wer Christian Gansch einlädt (Was Unternehmen von Orchestern lernen können) bekommt einen grenzfaschistischen Motivationsvortrag, um widerspruchslos zu funktionieren, um in den Wiener Philharmonikern zu reüssieren.. 

Die Nachfrage nach professionellen Rednern ist groß: Pro Jahr finden etwa 25.000 Business-Veranstaltungen statt, für die Professional Speaker, also Vortragsredner mit einem Expertenstatus, gebucht werden.

Das kann dann schon ziemlich ins Geld gehen, nur das ist es nicht, was ich den Typen neide: Was mich Wunder nimmt ist meine Erfahrung, dass mehr oder weniger berühmte Leute in der Regel über Bereiche referieren, in denen sie allem Anschein nach keine persönliche Erfahrung haben.

Bergsteiger empfehlen einem, wie man im Gesundheitssystem erfolgreich wird,
Dirigenten schwadronieren über Personalführung,
Clowns über Patientengespräche und Ärzte über Managementsysteme in multinationalen Konzernen. Früher haben wenigsten nur Philosophen (IMHO mit gewissen Recht) sich ein Primat über den Rest der Wissenschaften angemaßt, aber heute werden Leute berühmt mit A und glauben uns nun über B motivieren zu müssen.

Wäre es nicht mal wieder spannend auf Menschen zu hören, die über Ihre eigenen Erfahrungen in ihrem Arbeitsumfeld sprechen? Für den Rest gibt es ohnehin genug Gurus, Coaches, Berater und andere Besserwisser.

Written by medicus58

8. Dezember 2018 at 20:11

Veröffentlicht in Was im Alltag so alles nervt

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