Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Archive for Dezember 2018

Wär’s das, 2018?

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Jahresrückblicke befassen sich mit dem was wichtig war und nicht mit dem was wichtig sein hätte können. Vielleicht nennt man sie im post-Farkasch’en Zeiten deshalb auch nicht man mehr Jahresbilanzen, um sich neben der Haben-Liste das hier unumgängliche Soll und somit den Bilanzselbstmord zu sparen.

Was hätte 2018 nicht alles bringen können:

Den ersten grünen Bundespräsidenten, der einlöst, was alle seine Vorgänger vor ihrer Wahl versprochen haben, einen aktiven Präsidenten und nicht nur einen weiteren Staatsnotar. VdB unterschrieb bis jetzt alles brav (Indexierung der Familienbeihilfe) und versteckte sich bei CETA hinter dem Europäischen Gerichtshof, um zum Jahreswechsel plötzlich mehr Budget für das Bundesheer zu verlangen. Bis jetzt wären ihm sogar noch die Fußstapfen eines Klestil zu groß.

Die Türkis-Blaue Regierung, die den großkoalitionären Proporz aufbrechen hätte können, der in diesem Land alles, vom Schulsystem bis zu den Abendnachrichten so fest im Griff hat wie anderswo es nur die Mafia schafft, hätte rein theoretisch ja auch etwas Neues bringen können, wären die Mitspieler und ihre Worthülsen nicht schon seit Jahren bekannt gewesen. Gekommen ist weder echte Schul-, Gesundheit-, Sozial-, Rechts- noch Demokratiereform sondern auf allen Gebieten eine politische Umfärbung ohne Rücksicht auf Kollateralschäden (BVT, Gebietskrankenkassen,…).

More of the same mit besserer Medien- und Meinungskontrolle und ein Wunschkonzert der Finanziers.

Die Hoffnung, dass einem Ex-ÖBB Manager die SPÖ ebenso auf den Leib geschneidert sein könnte, wie sein slim-fit Sakko, hat sich ebenso nicht erfüllt wie die Annahme, dass die, die mit sprachlicher Eloquenz brillieren, am Ende noch wissen wofür sie sich bewerben oder wovon sie zurücktreten sollen. Vielmehr zeigte sich, dass slim-fit und Schweigen auch nach fast zwei Jahrzehnten noch als Sch(l)üssel zur Wahlkabine funktionieren.

Eine Selbstdemontage der Grünen (werde ich nicht Vizekanzler mach ich halt das Feigenblatt bei Novomatic), war zu erwarten, zu hoffen war, dass die bunte Bewegung (wir sind keine Partei) , die der Silberrücken Pilz JETZT aufgestellt hat, ein guter Ersatz sein könnte. Bislang bekam man da aber in erster Linie einen Crashkurs in Familienaufstellung zu sehen.

Wie bei NEOS-GURU Strolz scheint die Politik immer mehr als Bühne für den kurzfristigen Ego-trip herhalten zu müssen, wem die Tanzfläche zwischen Flipchart und Rednerpult zu eng und der Beamer zu wenig hell wurde.

Es hätte viel bringen können dieses Jahr, hat es aber selbst dort nicht, wo wir zumindest am Papier die Wahl hatten.

Written by medicus58

30. Dezember 2018 at 11:52

Manchmal geht einem ein Lichtlein auf

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Es ist ist schon ein Zeit’l her, wo wir uns hier über die jährliche Geburtstagsfeier am 24.12. ein paar Gedanken gemacht haben.

Alles Gute zum Geburtstag 

Böseres zum Thema Heiliger Abend gab es hier früher

Die andere Weihnachtsgeschichte

Wobei ich natürlich nie an den feinsinnigen und doch abgrundtiefen Humor eines Bernhard-Viktor Christoph-Carl von Bülow heran gekommen bin:

Doch selbst solche Meister konnten nicht vorhersehen, womit heuer die Weihnachtslegende bereichert wurde:
Unser selbst ernannter Volksrocknroller gefiel sich in seinem letzten Konzert die Herausgeber von Standard und Falter, die seiner „Kunst“ kritisch gegenüber stehen als „Ochs“ und „Esel“ zu bezeichnen und in einem Homevideo sich gleich selbst heilig (Heiliger Andreas) zu sprechen.
In einem heute wieder sehr häufig angewandten Trick der Selbstimmunisierung durch Erfolg („Fresst Scheiße, Millionen Fliegen können nicht unrecht haben„) versteckte sich der Barde als Ehrenretter seiner Fans: Es ist einfach nicht in Ordnung, dass man meine Fans als nicht ganz dicht bezeichnet werden. Also habe ich jetzt auch einmal ausgeteilt.

Wen wundert es, dass in Zeiten des allgemeinen Fundamentalismus gleich auf den alten Auge-um-Auge-Zahn-umZahn-Hammurabi zurückgegriffen wird, aber die G’schicht fand eine nicht minder archaische Pointe:

@florianklenk drehte den Spieß um und seither hagelt es die Wiki-Links zu Ochs und Esel und wir lernten alle etwas vom alten Propheten Jesaja: „Ein Ochse kennt seinen Herrn und ein Esel die Krippe seines Herrn; aber Israel kennt’s nicht, und mein Volk versteht’s nicht.“

Kannst nicht erfinden …

Written by medicus58

23. Dezember 2018 at 17:53

Die stillste Zeit im KAV: revisited

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So wirklich still ist es UM den Wiener Krankenanstaltenverbund ja nie, der heißt übrigens noch immer so und nicht Wien Kliniken, trotz Preisausschreiben und Medienkampagne. Ob er schon 2019 so heißen wird, mag übrigens augenblicklich auch bezweifelt werden.

Da für den Boulevard ohnehin nur der „KH Nord Skandal“ und von allem der skurrile Energetiker interessant scheinen
„Quelle der Liebe“: Das steht im Protokoll des KH Nord-Energetikers
(als ob diese 95.000 € bei einem Bauprojekt dieser Größe im Endergebnis einen Unterschied machen) lenkt das die Öffentlichkeit wohltuend von anderen Dingen ab.
Die strukturellen Probleme, wie das Missverhältnis zwischen letztendlich dort einziehenden Schwerpunkten und dem geplanten Layout, kommen auch im Untersuchungsausschuss kaum zur Sprache, vermutlich weil die Materie den Beteiligten zu komplex ist. Gerade solche Planungsfehler sind es aber, die den laufenden Betrieb unnötig verteuern; dies gilt für das KH Nord aber auch für die anderen Häuser, die sich nicht wie geplant von manchen Leistungen freispielen können. Von den Spitalspärchen mit ihren geplanten Regionaldirektionen aber immer mehr Doppelprimariaten zwischen den Pärchen, wollen wir gar nicht erst anfangen zu reden.
Die (nächstes Jahr sind Personalvertretungswahlen !) aufgezeigten Personalprobleme (unrealistisch hohe Arbeitszeiten und unrealistisch niedrige Ausfallszeiten, um den Personalmangel wegzurechnen) interessieren die Öffentlichkeit ohnehin nicht nachhaltig, so dass die Notlügen gar nicht von Nöten gewesen wären.

Aber auch wenn es UM den KAV ohnehin nie still ist, und Wetten abgeschlossen werden, wann die erste APA Meldung über einen Grippepatienten am Gang daher kommen wird (noch husten die meisten in den öffentlichen Verkehrsmitteln), ist es IM KAV seit einigen Monaten wirklich relativ ruhig.
Wenn wir uns an den 20.12.2015 erinnern, dann jagen uns allein die damaligen Protagonisten wahre Schauer über den Rücken:

Weihnachten im KAV: Leise rieselt das Vertrauen

Inhaltlich hat sich an den damaligen Problemen wenig geändert, aber nach Abgang einiger rücksichtsloser Egomanen und der weitgehenden Ermattung der noch nicht in Teilzeit oder Frühpension entschwundener Mitarbeiter, ist der interne Geräuschpegel, nicht nur jetzt im Advent, wohltuend geringer geworden. Das sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir Lösungen noch immer nicht näher gekommen sind. Das werden auch die absehbaren Jubelmeldungen, wenn der erste Patient im KH Nord seine Blutabnahme hinter sich gebracht hat und in der Gastronomie des Eingangsbereichs die Kasse klingelt, nicht überdecken.

Written by medicus58

20. Dezember 2018 at 21:50

Dr. Google is a Liar: Falschmeldung über Gesundheitsthemen und typische Folgefehler

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Was einem nicht in den Kram passt, wird heute schnell als Fake-News bezeichnet, aber dabei handelt es sich in der Regel um Themen im gesellschaftspolitischen Bereich.

In einem rezenten Artikel
Dr. Google Is a Liar
Fake news threatens our democracy. 
Fake medical news threatens our lives.

warf nun die New York Times einen lesenswerten Blick auf die Fake-News im Gesundheitswesen, die sich dank Internet schneller verbreiten als jede New England Journal of Medicine Studie.

Der Autor, ein Kardiologe, dokumentiert mehrere Beispiele, wo falsche Behauptungen im Netzt zu Therapieabbrüchen führt und Politiker völlig unsinnige Behauptungen (Impfungen verursachen Autismus) verbreiten.

Wie bestellt zeigt uns ein im August 2018 erschienener Artikel im Guardian, ein typisches Muster auf, weshalb wir immer häufiger glauben, der Medizin rein gar nix mehr glauben zu können.

Die Zeitung berichtete, dass der oft behauptete enge Zusammenhang zwischen Salzaufnahme und Bluthochdruck gar nicht so sicher ist und eher in Ländern (und Patienten) beobachtet werden kann, die sehr viel Salz konsumieren. Wenn in diesen Fällen der Salzkonsum in Hypertonikern reduziert wird, scheint das wirklich eine blutdrucksenkende Wirkung zu haben:

Salt not as damaging to health as previously thought, says study

Basis war eine immerhin im Lancet publizierte Studie, die nun das durch den Vergleich verschiedener Populationen das verifizieren wollte, was diese Gruppe – unter harscher Ablehnung vieler Experten – bereits vorher an Einzelpersonen gezeigt hat. Besonders interessant scheint da aber die gemeinsame Betrachtung des Kalium-Spiegels sein, der z.B. durch eine Gemüse-reiche Ernährung angehoben werden kann und offenbar einen größeren Einfluss auf die Blutdruckregulation hat als eine reine NaCl-Reduktion.

“Perhaps salt-reduction evangelists and salt-addition libertarians could temporarily put aside their vitriol and support the hypothesis that diets rich in potassium confer substantially greater health benefits than aggressive sodium reduction,”

Am 25. November gab dann ein gewisser Duncan Selbie (Chief executive of Public Health England) dem Observer ein Interview, in dem das Salz in der Nahrung der Briten als ihre größte Todesursache anschuldigt, das erneut der Guardian zitiert:

Large amounts of salt can cause high blood pressure, the single biggest cause of heart attacks and strokes, which between them kill more Britons than anything else.

Jede Gramm an Salzreduktion erspart 7,000 Tote/Jahr.

Dieses Drama können wir als „Derivative Fake News“ bezeichnen, in der Hoffnung damit berühmt zu werden, denn Folgefehler klingt halt so old school.

Das Problem habe ich hier schon einmal unter dem Titel Die toten Seelen in der Computertomografie angesprochen und wir finden es allenthalben, wenn wir nur danach suchen:
Zu Beginn steht ein (in Kausalität und Beweiskraft) hinterfragbarer Zusammenhang.
Hier eben den immer wieder gefundenen aber auch nicht gefundenen Zusammenhang zwischen Nahrungssalz und Blutdruck. 
Besonders geeignet sind multifaktorielle Prozesse, also Abläufe, von denen man weiß, dass sie durch viele Faktoren beeinflusst werden können. In Wirklichkeit behauptet auch niemand ernsthaft, dass NUR das Kochsalz den Blutdruck beeinflusst,
Dann negiert man alle Ko-Faktoren und extrapoliert eine Verhältniszahl aus besonders extrem ausgefallenen Studien und extrapoliert sie auf eine riesige Population und schockiert mit dem Ergebnis. 
UK hat über 66 Millionen Einwohner!
Schließlich versichert man (natürlich ohne der Möglichkeit einer Interventionsstudie) , dass die Reduktion des eines „bösen“ Faktors all diese Todesfälle aus der Welt schaffen würde.
Meist wird das übrigens junktimiert mit der Forderung nach entsprechender Finanzierung präventiver Maßnahmen.

Verstehen Sie mich richtig, auch ich empfehle Hypertonikern nicht, jedes Gericht, kaum wird es aufgetragen, nach zu salzen und mache auf das „versteckte Natrium“ in vielen „Dosen-Gerichten“ aufmerksam. Nur sollte man die Erwartungen daran nicht übertreiben.

Noch wichtiger scheint jedoch, sich gerade in sehr komplexen Gesundheitsfragen nicht von Einzelstudien, egal ob via Dr. Google oder via Peer-Reviewed Journals zu allgemeinen Heilsbotschaften verleiten lassen und diese Kritik befreit zu beeindruckenden Zahlen auf zu blasen. 

Written by medicus58

19. Dezember 2018 at 18:49

Neue Hausordnung

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Wieder einmal eine höchst treffende Beschreibung des (M)Istzustandes unseres Landes auf dem Radioblog

https://wp.me/p3YvOX-10I

Written by medicus58

18. Dezember 2018 at 09:30

Veröffentlicht in Allgemein

Gaudete

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Es geht an den Adventkranzbindern meist spurlos vorbei, aber die dritte Kerze sollte violett sein und am dritten Sonntag entzündet werden.

Ich, unchristliches Wesen, gestehe gerne, dass ich als Kind die anders farbige Kerze immer am letzten Adventssonntag entzündet habe, so in der Art „jetzt geht’s gleich los“, aber eh egal, das verlängert meine Zeit im Fegefeuer nur mehr unwesentlich.

Gaudete, also freue Euch, nenne die Christen halt schon den dritten Sonntag und freuen sich auf die Geburt Ihres Heilands.

Auch alle anderen freuen sich nun ganz heftig.

Unser Bundespräsident, weil die EU klimaneutral werden will: Nur dass sie das u. a. mit Hilfe der Kernenergie werden will, scheint dem Ex-Grünen entgangen.

Die Regierung freut sich über das Jahrhundertwerk ihrer Kassenreform, ohne offen zuzugeben, dass da nur das gelungen scheint, wofür schon der alte Schüssel, den feschen Grasser in die damals noch schwarze ÖVP holen wollte, um durch Jugend und Eloquenz darüber hinwegtäuschen, dass es eh nur um das alte Machtspiel geht. Schüssel, der sich u. a. bei Atomkonzernen was dazu verdient.

Die Rechte freut sich weil endlich was gegen die Flüchtlinge weiter geht und die Linke freut sich, weil sie auch kein anderes identitätsstiftendes Thema mehr findet, halt unter anderen Vorzeichen. Beide freuen sich, dass „trotz aller Einzelfälle“ das Problem längst nicht mehr so dringend ist wie vor ein paar Jahren, also ohnehin keine echten Entscheidungen drängen.

Die Finanz– und Autoindustrie freut sich, weil sie durch gute politische Vernetzung und das ewige „Arbeitsplatzargument“ tun und lassen kann, was sie wollen, wobei weder die Tobin-tax noch der Schadenersatz für die falschen Verbrauchsdaten an unserer Regierung scheiterten, da sorgte schon die „Deutsche Mutti“ vor.

Ja, und weil wir uns schon über das Klima freuen; bei all dem „Diesel-Gerangel“ schweigen sich aber alle brav darüber aus, was die Kontainer-Riesen alles auf unseren Meeren verheizen und die Flieger an steuerbefreitem Sprit in die Ozonschicht blasen dürfen, nur damit der globalisierten Handel uns mit Waren versorgen kann, die wir uns zu fairen Preisen gar nicht mehr leisten könnten. Würde man uns die „Sweatshop-T-shirts“ wegnehmen, könnten wir vielleicht realisieren, dass die Unterschiede zwischen Mindestsicherung und Niedriglöhnen nicht deshalb so gering sind, weil die erste zu hoch sondern die zweiten zu niedrig sind. Und ob das noch jemand freuen würde, mag bezweifelt werden.

Dann freuen wir uns mit den Christen, dass wir ganz genau wissen, welcher Heiland uns am Ende des Advents erwartet. Bei allen anderen Heilsbringern ist die Lage nicht so klar….

Written by medicus58

17. Dezember 2018 at 19:35

Keynote-Speaker sprechen selten über ihre eigentliche Kompetenz

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Wie viele Keynote-Speaker haben Sie schon gehört, also diese Bezahl-Motivatoren, diese Vorspieler der Firmenwahrheit, die Typen, die Ihnen die aktuelle Konzernstrategie als alternativlose Heilsbotschaft einzudrillen angeheuert wurden.

Nun ist ja gegen ein bisschen Motivation nix einzuwenden, aber stellen Sie sich diese Typen am Eingang um Kolosseum oder am Personaleingang zu KZ Mauthausen. An diesen Stellen hätte die Honorar-inspirierter Euphorisierung des Personals doch ein G’schmäckle, einen leicht üblen Beigeschmack gehabt. 

Jetzt muss ja jeder seine Miete zahlen und das Berater-Unwesen garantiert heute halt mehr Arbeitsplätze als der automatisierte Produktionsprozess an sich, außerdem ist das auch ziemlich risikolos, im Gegensatz zur Arbeit an sich.

Was mir halt so übel aufstößt ist die Erfahrung, das einen meist Leute die Heilsbotschaft bringen, die letztlich in ganz anderen Sparten ihren Markwert erhöht haben.

Wenn wir uns mal auf nach Selbstdefintion
Österreichs Redneragentur Nr. 1 umsehen, dann vermittelt man dort „Vortragende, Keynote Speaker und Moderatoren für Veranstaltungen, Kongresse und Events von Unternehmen und Organisationen„, die vom Theologen Zulehner über Ex-BK Gusenbauer und Ex-Vizelanzler Busek zur Leiterin des Instituts für Machtkompetenz reichen, um etwas Glanz der ehemaligen Medienpräsenz auf die eigene Veranstaltung strahlen zu lassen.

Wer mal ZIB-2 Wolf in engem Kreise lauschen durfte, der erfährt nicht nur einen Crash-Kurs in die News- und Online-Welt, er glaubt sich auch kurzfristig bei ihm zu Gast im ORF, dort ist er übrigens weniger streichelweich.

Wer Christian Gansch einlädt (Was Unternehmen von Orchestern lernen können) bekommt einen grenzfaschistischen Motivationsvortrag, um widerspruchslos zu funktionieren, um in den Wiener Philharmonikern zu reüssieren.. 

Die Nachfrage nach professionellen Rednern ist groß: Pro Jahr finden etwa 25.000 Business-Veranstaltungen statt, für die Professional Speaker, also Vortragsredner mit einem Expertenstatus, gebucht werden.

Das kann dann schon ziemlich ins Geld gehen, nur das ist es nicht, was ich den Typen neide: Was mich Wunder nimmt ist meine Erfahrung, dass mehr oder weniger berühmte Leute in der Regel über Bereiche referieren, in denen sie allem Anschein nach keine persönliche Erfahrung haben.

Bergsteiger empfehlen einem, wie man im Gesundheitssystem erfolgreich wird,
Dirigenten schwadronieren über Personalführung,
Clowns über Patientengespräche und Ärzte über Managementsysteme in multinationalen Konzernen. Früher haben wenigsten nur Philosophen (IMHO mit gewissen Recht) sich ein Primat über den Rest der Wissenschaften angemaßt, aber heute werden Leute berühmt mit A und glauben uns nun über B motivieren zu müssen.

Wäre es nicht mal wieder spannend auf Menschen zu hören, die über Ihre eigenen Erfahrungen in ihrem Arbeitsumfeld sprechen? Für den Rest gibt es ohnehin genug Gurus, Coaches, Berater und andere Besserwisser.

Written by medicus58

8. Dezember 2018 at 20:11

Veröffentlicht in Was im Alltag so alles nervt

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Zur Debatte über die Privatmedizin oder deutsche Verhältnisse ziehen ein

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Es ist der Sozialministerin der FPÖVP Regierung halt wieder mal passiert: Nein, nicht der gestrige Auftritt, in dem die für Herbst 2018 angekündigte „große Pflegereform“ mit medialem Getöse auf nächstes Jahr verschoben wurde, sondern das Hoppala davor, das nun weggeredet werden musste:
Keine Bevorzugung von Sonderklassepatienten in Ambulanzen

Konkret steht in den Erläuterungen für die geplante Novelle des
Krankenanstalten und Kuranstaltengesetzes
folgender Passus (wieso das dauert novelliert werden muss um die Gesetzeskonformität der politisch gewünschten Änderungen im Gesundheitssystem notdürftig zu erhalten, steht auf einem anderen Blatt) :

 „Zur Unterstützung der Umsetzung des spitalsambulanten Abrechnungsmodells haben die Länder die Möglichkeit, die Einhebung von Sonderklassegebühren für jene Leistungen vorzusehen, die bisher stationär erbracht und für die die Verrechnung von Sonderklassegebühren möglich war, die nunmehr aufgrund des spitalsambulanten Abrechnungsmodells ambulant zu erbringen sein werden. Der Einhebung solcher Sondergebühren haben adäquate Leistungen gegenüberzustehen.“ 

Pflichtschuldig erhob sich die Warnung der Opposition vor der Zweiklassenmedizin und empört verteidigt sich die Regierung, dass es die ja sicher nicht geben wird. Welche Farbe die beiden gerade tragen ist unerheblich, die verlogene Debatte wird seit Jahrzehnten geführt und keinen stört es, dass ja nicht nur das Gesundheitssystem (Privatkrankenhäuser, -versicherungen, -ordinationen, …)
sondern schon längst auch das Bildungssystem
(Privatkindergärten, -schulen, -universitäten, Fachhochschulen, …),
verschiedene hoheitliche Aufgaben (Flüchtlingsbetreuung -Drasenhofen),
und das Pensionssystem (Zweite und Dritte Säule) –
streng nach neoliberalem Fahrplan – „dem Markt geöffnet wird„. 

Jetzt kann man ja das alles mit gewissen Argumenten auch ganz gut finden und von mehr Privat weniger Staat, Professionalität, Synergie oder Effizienzsteigerung faseln; Diesem Nebeneinander von Staat und Privat verdankt auch Ihr Medicus den Teil seines Einkommens, den seine öffentliche Dienstgeberin nicht bezahlen möchte oder kann. (Sonderklassen- oder Privatordination betreibe ich übrigens keine).
Was aber keinesfalls OK ist, ist die schmierige Vermischung zwischen den Bereichen.
Und damit meine ich nicht die angedachte Sonderklasse im Ambulanzbereich, denn das hat (unter dem wohlwollenden Auge der Ärztekammer und der öffentlichen Betreiber) ganz andere Beweggründe, weshalb das nun in das Gesetz rutschen soll:
Hier geht es um die (vor allem onkologische) Leistungen, die ganz früher stationär, dann tagesklinisch und nun ambulant erbracht werden sollen. Das würde den Sonderklasseversicherungen viel Geld ersparen und die öffentliche Hand hätte den Gehaltsverlust der angestellten Ärzte übernehmen müssen oder hätte noch mehr unbesetzbare Stellen.

Was ich als schmierige Vermischung meine, ist einerseits die fehlende Abdeckung bestimmter Versorgungsleistungen durch die Pflichtversicherung (Zahn, Auge, Schilddrüse, Gyn, Haut, Kinderpsych, …), weil man sich darauf verlassen konnte, dass sich die Versicherten daran gewöhnt haben dafür selbst zu berappen. Andererseits geht es hier um die stillschweigend erhöhten Transferleistungen der öffentlichen Hand an nicht-staatliche Betreiber

Bei meinen digitalen Streifzügen durch die Untiefen der Medizin bin ich unlängst aber auf ein vielsagendes Dokument gestoßen:
Auf der offiziellen Homepage einer Abteilung des Wiener Allgemeinen Krankenhauses wird ganz prominent (siehe Screenshot) für die Anmeldung zu einer Chefarztbehandlung geworben.
Nein, dabei handelt es sich NICHT um die Chirurgische Universitätsklinik!

Jetzt ist dies in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert
Erstens wird die „Zweiklassen-Medizin“ auf der Homepage eines Gesundheitsdienstleistungsanbieters der öffentlichen Hand (sowohl des Landes (KAV) als auch des Bundes (BMWF) beworben.
Zweitens verrät das wording und die Wikipedia doch sehr deutlich, aus welchem Nachbarstaat der Abteilungsleiter kommt. 

Ein Chefarzt ist in Deutschland ein Arzt in leitender Funktion, in der Regel in einem Krankenhaus.
Die österreichische Bezeichnung dafür ist Primarius, Primararzt oder Primar.
Chefarzt hat in Österreich umgangssprachlich eine andere Bedeutung:
Arzt einer Krankenkasse, der z. B. die Kontrolle des Krankenstandes vornimmt[1] sowie gesundheitsökonomische Belange (vor allem betreffend Heilmittel, Pharmaka, Gesundheitsprodukte) kontrolliert, – vergleichbar dem deutschen Medizinischen Dienst der Krankenversicherung.

Googeln Sie mal nach „Chefarztbehandlung“ und Sie werden interessante Diskussionsbeiträge dazu finden, aber unter diesem Begriff keinen aus Österreich.
In unserem Nachbarstaat scheint es inzwischen üblich, dass an Universitätskliniken der Chefarzt im Webauftritt um Privatpatienten wirbt. Die von dort an unsere Universitätskliniken berufene Kollegenschaft, scheint das nun auch gleich mit zu importieren: 

Universitätsklinikum Regensburg
Privatambulanz und Chefarztbehandlung

RWTH Uniklinik Aachen

Universitätsklinikum Heidelberg

Universitätsklinikum Essen

Universitätsklinikum Gießen Marburg

Written by medicus58

6. Dezember 2018 at 07:55

Falsche Spuren im Nebel: Der Endbericht des Bundesheeres kann noch nicht das Ende sein

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Am 28. November 2018 übertrug des Österreichische Bundesheer die Präsentation seines Endberichtes über den Bootsunfall im Rahmen des Girl’s Day vom 1. September 2018 auf seinem Facebook-Kanal.

Auch wenn dieser Bericht in den letzten fast drei Monaten immer wieder hinausgezögert wurde, schien dieses Vorgehen nun meine Kritik an der Intransparenz 
Im Nebel der Öffentlichkeitsarbeit oder die Grenze zwischen selektiver Information und Lüge 
ebenso zu widerlegen, wie die Vertreter des Bundesheeres danach den Bericht von zwei Journalisten aus dem ORF Landesstudie NÖ, das Bundesheer hätte zu lange auf die Suche nach zwei Vermissten vergessen (Girls‘ Camp cont.; ORF NÖ verliert die Geduld) als haltlos abtaten. Zumindest für Letzteres

Am Podium nahmen Platz:
der Generalsekretär Mag. Dr Wolfgang Baumann, 
der Sektionsleiter für Personal- & Rechtsangelegenheiten Mag. Christian Kemperle,
der Sachverständige Univ. Prof. DI Dr. Hermann Steffan und
der Kommissionsleiter Oberst Herbert Walzer.

Sehr ausführlich wurde der Unfallhergang aufgearbeitet, kein Wunder es existieren neben den Handy-Aufnahmen vieler Beteiligten auch Videoaufnahmen des Bundesheeres, schließlich sollte der Event auch PR-technisch verarbeitet werden.
Ob der Kamera-führende Soldat durch diese Aufgabe vielleicht auch abgelenkt war hat übrigens bis heute noch niemand öffentlich hinterfragt.

Für den Sachverständigen Univ. Prof. Dr. Dipl.Ing. Steffan war das
um 9:49:26 „in ungünstigen Winkel“ erfolgte
Durchfahren der Heckwelle bei starker Frontbeladung
(alle Girl’s Day Teilnehmerinnen saßen im vorderen Bootsteil)
ein „normales und an sich unproblematischen Fahrmanöver, das mit mittlerer Gleitgeschwindigkeit“ ausgeführt wurde, kein Fahrfehler.
Als man das Manöver am 5.Okt. nachstellen wollte, gelang es erst nach 30 bis 40 Versuchen, dass das Boot Wasser nahm. 
Ob es dabei auch zum Kentern gebracht werden konnte, wurde nicht angesprochen, mag aber bezweifelt werden. Weshalb das Unglücksboot nach rechts die Heckwelle der vorderen Boote durchfahren hat, obwohl die anderen Boote nach links fuhren, wurde erst von einem Journalisten hinterfragt und blieb nicht ganz klar.

Viele, die Erfahrung mit diesen Booten hatten gaben mir gegenüber an, dass „das halt so richtig Spaß machen“ würde, so wie man es auch im PR Video mit Herrn Kratky (mit anderen Bootstypen) sehen kann.

Auch das Eintreten des Wassers (Hunderte Liter pro Sec)
war für den Gutachter nicht der entscheidende Vorgang, der zum Überkentern führte.
Dass das Boot innerhalb von 13 Sekunden nach rechts überkippte und 09:49:45 erklärte der Gutachter mit dem beibehaltenen Schub,
der  das Boot weiter unter die unter die Welle tauchte und ein 
ungünstiges Fahrmanöver danach.
Der Gutachter legte aber Wert, sich nur bis zum Zeitpunkt des Durchkentern mit der Angelegenheit befasst zu haben.

Das legte die (gewünschte?) Fährte und von der APA abwärts stand für alle Medien nun fest:
Bootsunglück hätte verhindert werden können 
Es war ein Fehler des Bootsführers

Bereits vor Tagen gaben die Medien ohnehin bekannt, dass die Staatsanwaltschaft ohnehin schon gegen den Bootsführer ermittelt,
also alles rechtens im Rechtsstaat.

Wie ich aber hier schon am 15. September
(Das war der Girls’ Day beim Bundesheer, eine Materialiensammlung für alle, die sich ein Urteil bilden wollen)
darlegte, und was kurz danach vom ORF NÖ mit Fotomaterial und Aussagen der anwesenden Feuerwehren dokumentiert wurde,
handelt es sich bei dem tragischen Ausgang dieses Unfalls eben
nicht nur um die Frage des Unfallhergangs sondern viel eher um die vom Bundesheer als Organisation zu verantwortenden Rettungskette,
und da blieb man erneut bei aller sonstigen Detailtreue (bewusst?) vage. Gleich zu Beginn aber auch im Abschlussstatement sprach man von einer unübersichtlichen Lage, wo eben mancher auch einen falschen Blick haben konnte. Also können es ohnehin nur ein paar Leute genau wissen und die haben nun einen Abschlussbericht vorgelegt.
Die Kritik des Bundesheer an den angeblich widerlegten Berichten der ORF Journalisten ist bemerkenswert, weil sich die zeitlichen Angaben der Recherche des ORF NÖ mit der jetzt veröffentlichten Zeitleiste des Bundesheers decken. 
Ganz schön viel Arbeit für die Staatsanwaltschaft Korneuburg, die übrigens auch die Vorgänge im BVT untersuchen muss ….

Aber weiter zu den Fakten:
Bei der PK zeigte man auf einem Foto, dass sich 
um 9:51:10 fünf Insassen unterhalb des umgekippten Bootsrumpfes befanden.
So klar war diese Anzahl bis jetzt nicht kommuniziert worden. Auch schien der Präsentator bei der PK jetzt keinen Zweifel daran zu haben, dass eben 5 Leute noch im Boot waren.
Entlarvend auch, wie er die Art der nachfolgenden Rettung beschreibt:
„Es sind 3 Boote hingefahren, jedes hat Leute aufgenommen, es war natürlich nicht übersichtlich wer wen aufgenommen hat“. (=Originalkommentar PK)

Die Bugklappe des gekenterten Bootes wurde geöffnet. „Drei Teilnehmerinnen waren im vorderen Teil des Bootes in einer Luftblase, die so groß war, dass man reden konnten“. Innerhalb kürzester Zeit konnten sie von den beiden Bootsführern, die unter das Boot tauchten, gerettet werden.  Innerhalb von zwei Minuten wurden alle in Boote gezogen und mit den anderen auf das linke Donauufer gebracht. Niemand möchte den Einsatz der Soldaten mindern, die da ohne Westen in die Donau sprangen, aber es veranschaulicht, dass das bei einem treibenden Boot sehr wohl möglich ist, da Boot und Schwimmer annähernd gleich schnell abgetrieben werden! Auch das zeigten die präsentierten Fotos. 
Inzwischen ist das manövrierunfähige Boot innerhalb von 5 Minuten ca 1,5 km stromabwärts getrieben.
Um eine Eigen- und Fremdgefährdung der Schifffahrt zu verhindern wurde es dann mit Hilfe anderer Boote um 9:59 an die Sandbank geschoben. Wir werden sehen, dass die vielleicht fatalste Entscheidung war und bius heute wissen wir nicht, wer sie getroffen hat.
Die Kernfrage, ab wann das Fehlen der beiden Teilnehmerinnen nun wirklich klar war, versucht das Bundesheer so zu beantworten:

Es erfolgt eine mehrmalige Überprüfung der Vollzähligkeit durch Abzählen der Teilnehmerinnen am linken Donauufer.
Mehrmals lässt auf einen falschen Blick schließen, diesmal aber beim Bundesheer, denn so groß war die Zahl kaum, dass man sich verzählen konnte, es sei denn, die Personen befanden sich nicht in einem engen Umkreis.
Weshalb die früher vom ORF NÖ zitierte Aussage des Bundesheersprechers „Der Offizier (am Boot) hat mir versichert, dass noch auf der Donau eine Standeskontrolle durchgeführt worden ist.“ in der PK klar gestellt wurde mag durch den Zeitdruck erklär werden. Im schriftlichen Protokoll steht nur:
Suche nach den Vermissten auf der Donau, am Ufer stromabwärts und durch Tasten unter das Boot (Tauchen war nicht möglich)

Es werden aber nun (für mich erstmals)  Aussagen der Teilnehmerinnen (!) zitiert (die eigentlich von der Polizei verhört wurden), dass die Soldaten gleich mit der Suche nach den beiden Vermissten gesucht hätten.  Und man widerspricht der Darlegung, in der Rettungskette etwas Wesentliches falsch gemacht zu haben, räumte aber ein 
nicht selbst einen Notruf abgegeben zu haben,
vielleicht die Schulung der Bootsführer zu verbessern, bzw.
zukünftig kein weiteres Girl’s Camp veranstalten zu wollen.

Fast unter geht übrigens, dass sehr wohl ein Notruf innerhalb des Bundesheeres („SanReal“ durch den Kommandanten am Strom, also die Mitteilung nun einen Ernstfall zu haben) abgesetzt wurde, der aber von der übrigen Organisation offenbar nicht als so schwerwiegend interpretiert wurde, dass man sich weiterer Helfer versichern hätte müssen.
Man gestand auch zu, dass man keine Kontaktadressen der Teilnehmerinnen hatte aber betonte eine Unfallversicherung abgeschlossen zu haben, „die Tod, Invalidität und sonstige Maßnahmen, wie z.B. die Bezahlung des Rettungsfluges, abdecken würde„.
Ob diese Aussage so in der Vorbereitung trainiert wurde, mag bezweifelt werden, zumindest machte es unbeabsichtigt klar, was die Verantwortlichen über den Gesundheitszustand der beiden wissen.
Zum Abschluss äußerte der Generalsekretär Verständnis für das Verhalten des Bootsführer, wollte aber der Staatsanwaltschaft nicht vorgreifen.

Der Unfallhergang war klar und ging so durch die Medien. Die Rettungskette interessierte da nicht mehr.
Wird auch die Staatsanwalt nicht interessieren, wenn sie so oder so über das rein strafrechtliches Fehlverhalten des Bootsführers entscheidet. 
Ja, und durch die lange Zeitspanne ist das öffentliche Interesse auch schon gering. Die Materialzusammenfassung auf diesem Blog hatte damals ein Vielfaches der Zugriffe, die sich bis heute die Pressekonferenz auf Facebook ansahen.
Auch der verständliche Wunsch der Eltern nichts über den Zustand der beiden Teilnehmerinnen zu verlauten, erspart den Verantwortlichen vermutlich auch weitere unangenehme Fragen.
Litigation-PR, wie das @florianklenk immer nennt, macht privatrechtliche Klagen gegen das Bundesheer auch nicht leichter.

Von meinen früher hier gestellten Fragen wurden durch die PK, der Endbericht ist nicht veröffentlicht, nur wenige beantwortet:

Welche Einschulung haben die Teilnehmerinnen für den Fall eines Unfalls erhalten? 
Man zeigte ein Foto mit Teilnehmerinnen am Ufer und gab an, dass für die 15 minütige Fahrt eine Instruktion erfolgte.

Erhöhten Wetter und Sicht zum Unfallzeitpunkt das Risiko maßgeblich und wie wurde darauf reagiert?
Die Fotos zeigten, dass das Unwetter zu diesem Zeitpunkt offenbar bereits aus dem Raum Hainburg abgezogen war. Man sah nur relativ flache Wellen.
Obwohl noch lange nach dem Unfall der Sprecher des Ministeriums von „Wellen-“ und anderen -Gutachten und einzuholenden Daten sprach, hörten wir heute, dass es sehr rasch klar war, dass weder andere Schiffe noch Niederwasser ursächlich für den Unfall war. 
Warum es so lange dauerte, bis sich diese Nebelgranaten verzogen, darüber kann nur gemutmaßt werden. Die Erklärung wird wohl dieselbe sein wie die, weshalb andere, eigentlich unmittelbar nach dem Ereignis klare Fakten, wie Auffindungszeitpunkt und -ort der beiden der Öffentlichkeit verschwiegen wurden, davon aber noch später.

Ab wann ist das Fehlen der beiden Frauen wem bekannt geworden?
Hier gabt es nur die Aussage des Bundesheeres und das Zitat der anderen Teilnehmerinnen. Das ist bemerkenswert, denn schließlich wurden alle rasch vom Unfallort weggebracht. Andere Aussagen hatten wohl einfach einen falschen Blick.

Wer hat mit welchen Mitteln versucht zu klären wo sie sich befinden?
Wäre man der Annahme gewesen, dass sie (mit ihren Schwimmwesten) flussabwärts geschwemmt wurden, hätte eines der Boote sie sehen oder suchen müssen.

Da erfuhren wir nur: 
Da nicht klar war, wo die Vermissten wären, habe man „in mehreren Bereichen gesucht“.
Das halte ich für den zweiten Fehler, denn nach menschlichem Ermessen (Siehe Foto 9:51) konnten die zwei nur innerhalb des Bootes sein, und eigentlich hat das der Präsentator zu diesem Zeitpunkt auch so gesagt!

Welche Maßnahmen (Namensschilder, …) wurden für die Identifikation der Teilnehmerinnen getroffen.
Unklar.

Stimmt der mediale Eindruck, dass die Einsatzleitung federführend von anderen Organisationen und nicht dem Bundesheer selbst übernommen wurde und entspricht das der zu erwartenden Sorgfaltspflicht den Teilnehmerinnen gegenüber?
Nun, das scheint beantwortet …

Ganz am Ende der Pressekonferenz ergab eine Journalistenfrage noch ein ganz bemerkenswertes Detail: Es stellte sich heraus, dass die beiden Teilnehmerinnen, die wie alle anderen Girl’s Camp Teilnehmerinnen im vorderen Bootsteil saßen, aus dem Heck geborgen wurden. Als Erklärung bot man die Strömung beim Kentern an, die die beiden nach hinten gedrückt hätte, wo sie, anders als die drei gleich aus einer Luftblase im Bug geborgenen, schlechter gefunden werden konnten. 

Dies wird für mich eine weitere Frage auf, die weniger den Unfallhergang als den Ablauf der Rettungskette als maßgeblich für das tragische Ende erscheinen lassen, und damit hat der Bootsführer rein gar nichts zu tun.

Nur Außenstehende (die Mannschaft des Rettungsbootes und der anderen beiden nicht gekenterten Boote) konnten wissen, wer (noch am Fluss) geborgen werden konnte und ob noch wer im Umfeld im Wasser treibt. Die Demonstration der Schwimmwesten machte auch klar, dass selbst Bewusstlose durch die Westen über Wasser gehalten werden. Bei dem geringen Wellengang wären sie leicht zu sehen gewesen. 
Die explizite Erwähnung einer mehrmaligen Zählung am Ufer legt nahe, dass dieser wesentliche Schritt vielleicht doch noch nicht am Fluss erfolgt war. Da schien mir die Gesamtorganisation wirklich versagt zu haben. 
Dafür spricht auch ein veröffentlichter Text des Bundesheeres:

Wann war bekannt, dass sich die beiden fehlenden Frauen unter dem umgekippten Boot befinden?
Es wurde bereits nach dem Umkippen vermutet, dass noch Teilnehmerinnen fehlen. Ob diese unter dem Boot waren oder vielleicht abgetrieben wurden war nicht klar. Es wurde die Donau auch stromabwärts abgesucht.
Es wurden auch die Donau und der Uferbereich mit Stangen abgesucht. 

Wie man zur Einschätzung kam, dass der Uferbereich abgesucht werden muss, wenn jemand in voller Strömung über Bord geht, nimmt Wunder.
Warum das alles keiner der anwesenden Journalisten so zu Papier brachte erschließt sich mir nicht.
Der Anprall auf die Heckwelle würde Insassen eher Richtung Bug schleudern. Die Strömung wirkt sich auf Boot und den in ihm gefangenen Personen annähernd gleich aus. Auch ein von außen Mitschwimmender wird ähnlich beschleunigt. Deshalb konnten die Retter ja mit den drei Eingeschlossenen vorne gut sprechen und sogar ins Boot hinein tauchen.
Erst wenn von außen eine weitere Kraft auf das Boot einwirkt, entsteht eine Strömung, die Personen in das Heck spülen kann.
Das führt mich zur Annahme, dass erst das Abdrängen des Bootes auf die Sandbank zur Verlagerung der beiden noch eingeschlossenen Personen geführt haben könnte. 
Um das genau zu beurteilen, müsste aber mitgeteilt werden, in welcher Position (relativ zur Strömung) das Boot abgedrängt wurde.

Wären aber die mindestens 10 Minuten seit dem Kentern genützt worden um klar zu stellen, dass sich die beiden nur innerhalb des Bootes befinden konnten, hätte es wohl niemand, der bei Sinnen war es abgebremst und in den Schotter gesetzt.
Auch wenn man dem Bundesheer Glauben schenkt, dass den Verantwortlichen bereits um 9:51 das Fehlen von zwei Teilnehmerinnen klar war und sie die Möglichkeit, dass die beiden noch im Boot waren, nicht gänzlich ausschließen können (was sie bis heute auch nicht behaupten) , dann war das Verbringen auf die Schotterbank ein fataler Fehler.
Aber wie gesagt, das hatte der anwesende Gutachter ja nicht zu beurteilen, der untersuchte nur bis zum Durchkentern.

Die selektive Auslassung von bereits vorliegenden Informationen schrammt ebenso messerscharf an der offen Lüge vorbei, wie ein Limited Hangout (Unentschieden, oder was?).

Weitere Antworten des Bundesheeres finden sich hier
Aus Sicht des BH wird der Endbericht in einer APA Aussendung so zusammengefasst. 

Darüber hinaus wird der Bund seinen rechtlichen Verpflichtungen nachkommen.

Written by medicus58

1. Dezember 2018 at 19:41

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