Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Archive for the ‘Gesundheitssystem’ Category

Bitte nicht noch mehr Entlastung der Ärzte

with 2 comments


Unsere neue Sozial- und Gesundheitsministerin Mag. Beate Hartinger-Klein packte gegenüber Dr. med. Wofgang Exel in einem Krone Gesund Interview wieder eine bewährte Waffe im Kampf gegen den Ärztemangel aus:
„Nun, ein Schlüssel zur erfolgreichen Neugestaltung des Gesundheitswesens wird sein, die Gesundheitsberufe besser zu vernetzen. Damit kann man beispielsweise auch dem drohenden Ärztemangel wirkungsvoll begegnen. Konkret:Die Angehörigen gesundheitsbezogener Berufe wie Apotheker, Pflegepersonal, Psycho- und Physiotherapeuten usw. sollen künftig unter ärztlicher Kontrolle mehr machen dürfen. Das entlastet die Mediziner entscheidend – sie können sich dann besser auf ihre Kerntätigkeit konzentrieren.“

„Der Grundgedanke von ELGA ist natürlich gut.  Aber derzeit tun mir die niedergelassenen Ärzte leid, weil sie begründet Mühe haben, sich in diesem bürokratischen Dschungel zurecht zu finden. Da werden wir
mit Hilfe von EDV-Experten gründlich ausmisten und für Klarheit sorgen!‘‘ 
(-Klarer Fall vom „Bock zum Gärtner“ machen, dafür die EDV-Experten heranzuziehen)

Im besten Fall steckt hinter diesem Konzept das Missverständnis, dass „Professor Sauerbrauch nur für den entscheidenden Schnitt benötigt wird“ und alles andere auch billiger zu bekommen wäre.
Im schlimmsten Fall ist es das Ergebnis guter Lobbyingarbeit.
In jedem Fall sind diese Schüsse in der Vergangenheit sets nach hinten losgegangen!

Millionen Steuerinvestitionen später hat ELGA bis jetzt niemand entlastet, keinem Patienten gerettet aber für Ärzten zusätzliche Administrationsarbeiten und EDV-Investitionen beschert.
Erfahrungsberichte von Patienten mit den neuen telefonischen Helpdesks, die ebenfalls die Ärzte entlasten sollten, schienen mir bislang wenig effektiv (Nach 10 Minuten Telefonat wird auf die Liste niedergelassener Fachärzte im Bezirk verwiesen….).
Die Entlastung durch Apotheker, die ihren Gebietsschutz dafür verwenden um neben rezeptpflichtigen Medikamente ihr sonstiges Sortiment abzubauen, erschließt sich mir ebenso wenig.
Keine Frage, langsam wurde durchgesetzt, dass das Pflegepersonal endlich diejenigen mit- und eigenverantwortlichen Tätigkeiten, deren sie sich in ihren Standesgesetzen schon längst rühmten, auch wirklich ausführen müssen. Im Zweifelsfall setzen aber dann doch die Ärzte die Zugänge …
Und was Physiotherapeuten, die schon längst freiberuflich ihre Diagnosen und Dienste anbieten dürfen, noch zur Entlastung der Ärzte beitragen sollen, überschreitet auch den Horizont meiner beruflichen Phantasie.

Ehe sich nun irgendjemand auf den Schlipps getreten fühlt, natürlich habe ich nicht all die Pflegepersonen vergessen, die kleiner und mittlere Probleme im Nachtdienst eigenverantwortlich gelöst haben und am nächsten Morgen nur darüber berichtet haben, wenn man nach über 40h Dauerdienst wieder auf die Station kam. Aber ich kann mich auch an viele Fälle erinnern, wo selbst die Inbetriebnahme eines selten genutzten Perfusors durch die Ärzte erfolgen musste …

Auch ich war schon manchem Apotheker dankbar, wenn er die Compliance meines Patienten durch ein erneutes Aufklärungsgespräch steigerte, aber (…. siehe oben).

Bitte, Frau Minister entlasten Sie uns Ärzte nicht,
in dem Sie die Anzahl der Köche vermehren
,
sorgen Sie dafür, dass
die Politik den Bürgern keine unerfüllbaren Versprechungen macht,
intra- und extramural tätige Ärzte von administrativen Aufgaben befreit werden
und
dass realistische Entgelte für ärztliche Leistungen bezahlt werden.

 

Advertisements

Written by medicus58

7. Januar 2018 at 18:36

Eine kurze Überlegung zum Wiener Neujahrsbaby

with 2 comments


Während das österreichische Neujahrsbaby wie immer in der ersten Minute nach Mitternacht in Leoben das Licht dieser schnöden Welt erblickte und praktischerweise Julia heißt (offenbar arbeiten die Standesbeamten zu Silvester durch), folgte ihr Asel, das Wiener Neujahrsbaby, erst um 0:47.
Seither beschäftigen sich die Medien mit dem Fremdenhass, der Asel in den (A)Sozialen Medien entgegenbrandete, möglichen rechtlichen Konsequenzen gegen die Hassposter und seit heute dem sogenannten Blumenregen, den Klaus Schwertner, Generalsekretär der Caritas Wien, als Solidaritätsaktion startete.

Gut- und Bösmenschen haben wieder Position bezogen,
Medien verbreitern das wohlige Gefühl, dass der Rechtsstaat arbeitet und
nur ich Querulant habe wieder an beiden Positionen etwas auszusetzen:

Ich hoffe, dass Fremdenhasser und Refugee-Welcomer sich darauf einigen können, dass weder Asel noch ihre Eltern das geeignete Schlachtfeld darstellen, um den Disput über Überfremdung und notwendiger Auffrischung aufzufechten. Ich kann mir bei allem Verständnis über die Abgründe der menschlicher Seele nicht vorstellen, dass es sehr viele Menschen gibt, die angesichts eines Neugeborenen sich nicht primär einmal darüber freuen können, dass dieses gesund scheint (und sei es auch nur, weil es dadurch akut nicht noch höhere Kosten im Gesundheitssystem verursacht, als wir alle anderen).

Wenn wir uns aber darauf einigen könnten, dass das Individuum nicht das geeignete Ziel ist (berechtigte oder unberechtigte) gesellschaftliche Konflikte aus zu tragen, dann müssen wir uns doch Fragen, wer hier eine nicht unbeträchtliche Mitschuld trägt:

Krankenhäuser, die in einem offenkundigen Wettrennen Neujahrsbabys zu produzieren, Kinder und ihre Mütter instrumentalisieren.
Interessenvertreter beider Seiten des politischen Spektrums, die sich durch diese Instrumentalisierung primär selbst inszenieren.

Mit Blumenregen und Ermittlungen und Anzeigen durch den Beratungsstelle #GegenHassimNetz scheint der Rechtsstaat wieder einmal gesiegt zu haben und unzensuriert.at freut sich zynisch über das österreichische Neujahrsbaby Julia.

Irgendwie erinnert mich das alles an eine Seifenoper. Auch dort stehen nur individuelle Schicksale, nie die Strukturen im Mittelpunkt, so dass sicher gestellt wird dass die Ausgangspunkt und Endpunkt Folge immer gleich bleiben, damit möglichst viele Fortsetzungen garantiert sind.

Stellen wir Gut- und Bösmenschen an den Pranger, die beide nur Individuen instrumentalisieren, wenn sie wahlweise vom afghanischen Computerspezialisten oder vom syrischen IS-Terroristen sprechen.

Solidarisieren wir uns hingegen mit den Individuen, die uns persönlich nichts getan haben und sagen denen den Kampf an, die für die Strukturen verantwortlich sind. Dann wird Asels Shitstorm dorthin gehen, wo er hingehört, nämlich in ihre Windel. Wenn sie denen einmal entwachsen sein wird hätte sie dann die Chance auf eine solidarischere Gesellschaft. Die paar Tausend Tweets und Retweets sind dann schon längst unlesbar geworden.

Und wenn Sie mir nun vorwerfen, dass das illusionär wäre, dann fragen Sie sich, ob die absurden Hasspostings oder virtuelle Blumengrüße nicht viel inhaltsleerer sind.

Written by medicus58

4. Januar 2018 at 20:50

Veröffentlicht in Gesundheitssystem

Tagged with ,

(A)soziale Perlen in tükisch-blau

leave a comment »


Pünktlich zum Jahreswechsel (1. Jan. 2018, 16:41) versendet der Freiheitlicher Parlamentsklub (!), nicht etwa das Ministerium selbst, folgende Presseaussendung der neuen Gesundheits- und Sozialministerin:

Hartinger-Klein: Aussetzung der Maßnahme „Aktion 20.000“

Gute Wirtschaftsentwicklung ermöglicht zukunftsorientierte Reformen

Wien (OTS) – Die Bundesregierung will eine umfassende Neuausrichtung der Arbeitsmarktpolitik erreichen. Besonders in Zeiten der Hochkonjunktur muss der Fokus unter anderem auf „Qualifizierungsprogramme“ bei Arbeitssuchenden gesetzt werden, um diesen nach Aus-, Fort- und Weiterbildung einen raschen und nachhaltigen Einstieg bzw. Wiedereinstieg am Arbeitsmarkt zu ermöglichen. Aus diesem Grund erfolgt eine Aussetzung der „Beschäftigungsaktion 20.000“ sowie eine Evaluierung der Wirksamkeit der Maßnahme.

Das Arbeitsmarktservice wurde daher ersucht, keine neuen Zusagen zu erteilen und das Programm per 31. Dezember 2017 auszusetzen. In Bearbeitung befindliche Förderfälle und alle bereits genehmigten Fälle werden ohne Einschränkung abgearbeitet bzw. zu Ende geführt, so Hartinger-Klein.

Rückfragen & Kontakt:

Freiheitlicher Parlamentsklub 
01/ 40 110 – 7012 
presse-parlamentsklub@fpoe.at 
http://www.fpoe-parlamentsklub.at 
http://www.fpoe.at

wer kann sich da noch über die blonde Föhnwelle in den USA aufregen, die Außenpolitik via Twitter betreibt, wenn bei uns Absichtserklärungen der Bundesregierungen und eine Dienstanweisungen der Ministerin vom Parlamentsklub verbreitet werden ….

Written by medicus58

1. Januar 2018 at 18:05

Neues Motto, neuer Name – als gäbe es kein Gestern

with 5 comments


In den letzten Tagen flatterten den Mitarbeitern des KAV (Wiener Krankenanstaltenverbundes) Briefe auf den Schreibtisch, in denen sie aufgefordert werden sich einen neuen Namen für ihren Konzern zu überlegen. Schließlich wird man im kommenden Jahr zur „öffentlichen Anstalt“!
Mein Vorschlag KAFF wird wahrscheinlich nicht durchgehen, auch wenn man damit an den ehemaligen ersten Chef der Wiener Rettung Dr. Alfred Kaff  erinnert könnte selbstverständlich abwertend an einen provinziellen Ort denkt.

Würde ich wetten, würde ich ja auf eine so geniale Wortschöpfung wie Wien Gesundheit (in Analogie zu Wien Energie, Wiener Linien, Wiener Wohnen… etc.) setzen. Aber schau’n mir mal.

Worum es wirklich geht ist der Sand, der einem nicht nur in der Landespolitik in die Augen gestreut werden soll, wenn neue Namen, neue Organigramme und neue Logos überdecken sollen, dass sich ohnehin nichts Nennenswertes ändern darf.
Aus der sogenannten freien Wirtschaft kennen wird das Raider-Twix-Spielchen der Firma Mars.
 „Raider heißt jetzt Twix, … sonst ändert sich nix“
PR statt Inhalte. Hauptsache man redet drüber.

Auch in der Bundespolitik finden sich vergleichbares Branding, das den P.T. Publikum Neues und Veränderungen vorgaukelt und durch Mitmachen ein positives Image erreichen möchte.

Das K & K Ackerbauministerium wurde in der Ersten Republik zum Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft und folgerichtig spricht man bis den dortigen Minister auch als Landwirtschaftsminister an, auch wenn seine anderen Agenden wechselten und man. Auch nach der blau-schwarzen Jahrtausendwende sprachen noch alle vom Landwirtschaftsminister obwohl der Neusprech das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft (BMLFUW) nun als Lebensministerium angesprochen haben wollte und wieder einmal Logos und Drucksorten eingestampft werden mussten.
Ich kann mich aber nicht daran erinnern, dass Molterer, Pröll oder Berlakovich jemals Lebensminister genannt wurden!
Vielleicht setzte Minister Rupprechter 2013 erneut Reißwolf und Druckerpresse in Betrieb und ersann mit Hilfe wohl bezahlter PR Berater den nächsten Streich und schenkte Österreich zwar keine klimawirksamen Handlungen, aber ein Ministerium für ein lebenswertes Österreich. Zumindest die alte URL hat man beibehalten: https://www.bmlfuw.gv.at/
Medien zufolge steht auch unter Elisabeth Köstinger eine Neubenennung ins Haus, da erneut Agenden (Energie, Tourismus) ins Haus wandern und wir werden uns an Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus gewöhnen dürfen. Als Frau Nachhaltigkeitsministerin hat die Kärntner Bauertochter aber bisher auch noch niemand angesprochen.

Was bleibt sind teure Worthülsen und Konjunkturbelebung, zumindest in der Berater- und Werbebranche.

Written by medicus58

30. Dezember 2017 at 14:14

Was das Christkind wirklich bringt ist nicht Rechtes Abbiegen bei Rot

with 6 comments


Ich weiß nicht ob man sich freuen soll oder nicht, dass alles so vorhersehbar ist.
Einerseits kann man sich überlegen fühlen, andererseits kommt es einem hoch.

So sehr die mediale Aufregungen über Rülpser von Rechts (Gudenus Asylantenghettos), Rechtes Abbiegen bei Rot (Hofers wichtigste Infrastrukturmaßnahme) und Gastronomische Rauchregeln verständlich sind und so viele weiteren Beobachtungen auf Kappachers geschätztem Radioblog zuzustimmen ist, ich kann mir nicht des Eindrucks erwehren, dass wir hier nur tükisch-blauen Nebengranaten aufsitzen und wichtigere Player übersehen.

Erinnern Sie sich noch der europa- und landesweiten Aufregungen während Blau(Orange)/Schwarz zu Beginn dieses Jahrtausends?
Atemlos diskutierten „die Guten“ früher jede Haider’schen Wuchtel (ordentliche Beschäftigungspolitik im III.Reich, Missgeburt Österreich, anständige SSler, Aufenthaltsberechtigung für Adamovich, Ariel, …) während das was bis heute die Justiz beschäftigt damals den Zeitungen kaum eine Zeile wert war:

Die radikale Änderung der Pensionsversicherung vom solidarischen Umlage- auf das individuelle Ansparmodell scheinen mir viele bis heute nicht realisiert zu haben.
Die Erkenntnis, dass das drei Säulenmodell dann weniger bringt, wenn man es bräuchte und denen mehr, die es weniger gebraucht haben, weil sie ohnehin Kapital zum Anlegen hatten, reifte naturgemäß auch erst nach dem offiziellen Ende der Ära Schüssel/Haiser/Passer. So ganz wurde die ja nie beendet, schon gar nicht unter den folgenden Regierungen und seine Gesinnung feiert ohnehin gerade ihre Auferstehung.
Auch, die offenbar unter ihrem Wert irreversiblen Verschleuderungen von Bundeseigentum standen damals viel weniger im Fokus der Berichterstattung als Regierungswandertage, Knittelfeld, und KH Grassers Society Auftritte.
Dass bald Lehramtsstudenten unterrichten mussten, nachdem die Volksschullehrerin im Unterrichtsministerium eine Frühpensionswelle unter den Gymnasiallehrern lostrat, war damals auch weniger ein Thema als ihr Sager über die fortpflanzungsunwilligen Party-Jugendlichen.

Und haben wir inzwischen dazu gelernt?

Über keines der neuen Regierungsmitglieder herrscht so viel mediale Stille, wie über Mag. Beate Hartinger, obwohl Sie nicht nur das zahnlose Gesundheitsministerium erhielt, sondern auch das budgetstarke Sozialministerium und die Mehrheit der bereits konkreten Reformaufgaben des Regierungsprogrammes umzusetzen hat.
Dabei geht es nicht um rote Ampeln, das Bundesheer als letzte Schule des Landes oder um Raucherabgaben. Da geht es, wie bei den genannten großen Brocken der Schüssel-Jahre, um das was unser aller Leben nachhaltig beeinflussen wird, wenn wir Hilfe brauchen.

Zusammenlegung der Sozialversicherungen

Gelingt dieses Vorhaben, dann kann es nur besser werden als das jetzige Gewirr von unterschiedlichen Leistungen und Verträgen und der Postenschacher.
Läuft es aber nur auf die übliche Umfärbung und das Einziehen einer zusätzlichen, politische willfährigen Entscheidungsebene hinaus,
entlasten wir die Wirtschaft durch das Schließen der AUVA und übersehen, dass zwar die Arbeitsunfälle abgenommen, viele arbeitsassoziierte psychische Erkrankungen und Erkrankungen des Bewegungsapparates und Freizeitunfälle zugenommen haben, dann wird es noch ungemütlicher in unserem Gesundheitssystem, und nicht nur für Asylanten.
Dass Hartinger das will, hat sie schon 2002 im Nationalrat postuliert!
Gewerkschaften, Landeshauptleute und Landesärztekammern haben hier nichts mehr zu gewinnen.

Neugestaltung des Arbeitslosengeldes

Endlos wurde über fehlende soziale Treffsicherheit der beabsichtigten Absenkung des Arbeitslosengeldes diskutiert. Die von Frau Hartinger umzusetzende „Reform“ bedeutet aber je länger man arbeitslos ist, umso weniger bekommt man. Das ist so wie die verschärften Zumutbarkeitsbestimmungen etwas, das aber – anders als die fehlende soziale Treffsicherheit – alle treffen wird!

Arbeits- und Teilhabepflicht für Sozialhilfebezieher eröffnen sich der neuen Ministerin jede Menge Möglichkeiten, ihre Ansätze in Gesetzesform zu gießen. Da darf nun erstmal eine Ministerin am ASVG herum schreiben, die nicht unter der Kontrolle des ÖGB steht. Dass der tükisch-türkise Teil der Regierung dem etwas entgegenhalten will, kann wohl als absurd angesehen werden.

Politisch flexibel war Hartinger auch und fand sich friktionslos in Blau, Orange und wieder in Blau zurecht. Wenn der Kurier nun schreibt „“Bürgerlich ist sie“, sagt ein ehemaliger Weggefährte. Nachsatz: „Aber schon auch freiheitlich, gell.“ dann fehlt mir die Nachfrage, wie denn das alles zusammen geht. Aus meiner persönlichen Erfahrung und mit Blick auf ihr CV der letzten Jahre (Deloitte, eigne Health-Consulting Agentur) scheinen ihr, so wie auch „ihrem Bundeskanzler“ der ganze nationalistische Rechte Mist über den wir uns jetzt aufregen ziemlich egal. Hartinger ist eine der forschesten neoliberalen Gesundheitsökonominen, die sich diese Regierung wünschen konnte.

Wie sehr sie sich jetzt auf ihre neue Aufgabe konzentriert ist auch daran zu erkennen, dass man sie auf der noch kürzlich in ihrem Mailverkehr verwendeten URL (http://www.hartinger-consulting.com/) nicht mehr kontaktieren kann.

Hartinger Consulting | Independent Health Care Consulting (Psychologische Berater) bleibt im 3. Bezirk, findet aber nicht mehr Hintzerstraße 3 sondern in der Radetzkystraße 2 statt.
Das sind schlappe 1,5 km Gehweg. Wir sollten aber mehr darauf achten, ob unsere Wege im Gesundheits- und Sozialbereich nicht bald viel länger werden!

 

Gesundheit: Zwischen den Zeilen des Regierungsprogramms

leave a comment »


Habemus Basti et Bumsti!
Wir haben aber auch ein Regierungsprogramm und mit Beate Hartinger-Klein eine Gesundheitsministerin, die mir als Garant dafür scheint, das in ihrem Bereich auch wortwörtlich umzusetzen.
Lesen wir also den Punkt Gesundheit des Regierungsprogrammes (Originaltexte in kursiv) und machen uns so erste Gedanken, was denn damit gemeint sein kann:

soll allen Bürgern ein niederschwelliger 
Zugang zu bestmöglicher medizinischer Versorgung sichergestellt werden.

Niederschwelliger als jetzt (jeder kann in ein öffentliches Spital gehen und hat das Recht von einem Arzt begutachtet zu werden, freie Arztwahl im niedergelassenen Bereich, 1x /Quartal freie Facharztwahl), kann es ja eigentlich nicht mehr gehen,
wenn wir nicht auf BeNeLux oder Skandinavien umschwenken wollen. Die wahre Absicht heißt in meinen Augen: vermehrte
Erstkontakte nicht mit einem Arzt sondern mit „aufgewerteten nicht-ärztlichen Berufen“, weil angeblich billiger.

Die Digitalisierung und Telemedizin werden dazu verstärkt eingesetzt; eHealth Anwendungen und Angebote erleichtern den Menschen den Zugang und helfen zukünftig, die Gesundheitskompetenz in der Gesellschaft zu erhöhen

Passt dazu: Zuerst googeln, dann Selbsthilfe, dann  Helpdesk und nur wenn es dann noch unbedingt sein muss kostenverursachender Kontakt mit dem traditionellen Gesundheitssystem, am besten mit der Pflege.
Ja, wenn dann noch Geld übrig ist, denn dem Ganzen liegt das Missverständnis zugrunde, dass Digitalisierung und Telefondienste vergleichsweise nichts kosten.

Und wer das alles für reine Hirngespinste hält, der sei auf den österreichischen Pilotversuch Teweb und einen ganz aktuellen, kritischen FAZ Artikel verwiesen: Bei Anruf Diagnose
Und dass die FAZ nun sehr wirtschaftsfeindlich und links positioniert ist, kann man wohl kaum behaupten.

Moderne Prävention als praktische Krankheits- und Unfallverhütung arbeitet darauf hin, eine spezifische gesundheitliche Erkrankung oder Schädigung durch gezielte Maßnahmen möglichst zu verhindern.

Über die Problematik der impliziten Schuldzuweisung an den Kranken, einfach selbst nicht genug für seine Gesundheit getan zu haben (Gesundheitskompetenz (Health Literacy) und Eigenverantwortung stärken (Bewegung, Ernährung, schädliche Substanzen, Spielsucht), habe ich schon einmal in der ÖKZ geschrieben (Gesundheit ist Pflicht), das hier zu wiederholen würde zu viel Raum benötigen.
Die Frage, ob es für die Wirkung flächendeckender Präventionsprogramme über mehrere Gesellschaftsschichten und lange Zeiträume eine ausreichende Evidenz gibt, kann man rasch beantworten: Nein
Interessant wird aber die Frage im Zusammenhang mit dem von oben her abgesagten Total-Rauchverbot in der Gastronomie. Wer sich freut nun doch weiter paffen zu können, wird sich eventuell die Immuntherapie seinen Lungenkrebses bald selbst blechen dürfen.
Sagen Sie nicht, Sie wären nicht gewarnt worden!

Über weite Strecken geht es dann mit dem Wording weiter, dass schon bisher die Wirtschaftskammer in den ÖSG einbrachte (Primärversorgung, Einbindung von Apothekern und Pflege, Evaluierung aller bestehenden Selbstbehalte im Gesundheitssystem mit Untersuchung auf Lenkungswirkung und Neukonzipierung von ökonomischen Anreizen im Gesundheitswesen), doch dann horcht man auf:

§-2-Kassenverträge sollen auch in Spitälern ermöglicht werden

Nichts wirklich Neues, versuchte man in vielen Spitälern (im Nord sogar ehe es in Betrieb geht), scheint aber nun zum Normalzustand zu werden.

Spannend wird es naturgemäß unter der Überschrift Reform der Sozialversicherungen

Die Abschaffung der Mehrfachversicherungen macht zwar Sinn, zielt aber vor allem auf diejenigen kleinen Versicherungen, zu deren finanzieller Stütze das Konstrukt eingeführt wurde.
Die Zusammenlegung aller Gebietskrankenkassen zur ÖKK leakte bereits früher, Landeshauptleute, Berufs- und Betriebskrankenkassen haben aber offenbar ein Hintertürl:

Wahrung der länderspezifischen Versorgungsinteressen sowie die speziellen Anforderungen der unterschiedlichen Berufsgruppen in den einzelnen Versicherungssparten berücksichtigt

Was hinter dem Passus steckt:
Eine einheitliche Prüfung der Lohnabgaben sowie eine einheitliche Abgabenstelle für die Einhebung aller lohnabhängigen Abgaben werden die Erreichung der Zielsetzungen nachhaltig unterstützen.
konnte man schon bei Klaus Kappacher nachlesen: Die Matchbälle

Und dass man damit den Landesärztekammern ihre stärkste Waffe nimmt, wenn nicht jede mehr mit ihrer eigenen Gebietskrankenkasse Tarife ausmachen kann, ist sicher nicht zufällig passiert.
Gemeinsam mit der beabsichtigten Absenkung der Pflichtmitgliedbeiträge wird die Ärztekammer nicht gerade gestärkt!

Und wieder hört man die Industriellenvereinigung und Wirtschaftskammer trappsen:
vereinbarten Lohnnebenkostensenkung im Ausmaß von 500 Millionen Euro
(Absenkung des Unfallversicherungsbeitrags auf 0,8%)
und der AUVA geht es an den Kragen, bzw. den Unfallpatienten!

Unbeirrbar betet man wie SPÖVP weiterhin Ausbau von Digitalisierung und Telemedizin an. Die Kassen der IT werden rauchen: Schließlich fand auch die jetzige Regierung nichts mehr dabei, dass man auch während der Woche ein Unfallröntgen ohne Fachärzte für Radiologie betreiben kann, solange eine Telefonverbindung (nach Indien?) besteht.
Das Konzept alles billiger, in dem man den Arzt möglichst weit vom Patienten ansiedelt konnte offenbar auch in diese Regierung herüber gerettet werden!

eRezept, eBefund, eMedikation, eTransportschein – E-Card am Handy forcieren
Verstärkter Einsatz von künstlicher Intelligenz (Content Analytic), um die Verwaltung und
Wissenschaft sowie die Versicherten noch besser zu unterstützen
Telefon- und webbasierte Erstversorgung flächendeckend ausbauen

Überarbeitung der Berufsrechte der verschiedenen Gesundheitsberufe, um ein effektiveres Angebot für den Patienten zu ermöglichen (Stärkung der nichtärztlichen Gesundheitsberufe nach internationalem Vorbild)

Und klar: Mehr Hayek, mehr Privat, weniger Staat – Anbieter mit Gewinnabsicht werden die Kosten dämpfen
Rahmenbedingungen für private Gesundheitsdiensteanbieter (finanzielle Weiterentwicklung
des PRIKRAF)

Ja, und wer die jetzige Gesundheitsministerin, ehemalige Controllerin der Steiermärkischen Krankenanstalten, unter blau/schwarz Hauptverbandschefin, dann Deloitte Mitarbeiterin und zu letzt im Healthcare Consulting tätige Frau Mag. Hartinger kennt, der weiß dass durch unser Gesundheitssystem ein scharfer Wind wehen wird, was vereinzelt sogar zu begrüssen sein wäre, wenn dieser nicht so deutlich vom Mont Pèlerin herunter wehen würde.

.

Wer verdient denn an Ihrer Gesundheit?

leave a comment »


In unserem System sind die Ausgaben für das Gesundheitssystem u.a. in den sogenannten Lohnnebenkosten (Voll daneben: Lohnnebenkosten) und durch durch Direktfinanzierung aus dem Steuertopf abgedeckt. Diese Kosten steigen schneller als die Inflationsrate (Warum die Kosten der Medizin immer der Inflationsrate vorauslaufen werden ) was dazu führt, dass seit Jahren nach dem Sparstift gerufen wird, der wie im Rest der sogenannten freien Wirtschaft naturgemäß beim Personal angesetzt wird.

Big Data, wenn es nach den Feuchträumen von Google, IBM & Co ersetzt die teure medizinische Expertise, Roboter ersetzten die teure Pflege und zahllose Gesundheitsapps den Hausarzt.

Sehen wir einmal von den Diplomkrankenschwestern ab, die das Krankenbett verlassen haben und sich ihren Lebensunterhalt durch die Vermittlung slowakischer Pflegerinnen ihren Unterhalt verdienen und sehen wir von der ärztlichen Kollegenschaft ab, deren Hauptsorge der Enge ihres Carports gilt, das den dritten SUV nicht mehr aufnehmen kann, wenn man sich nicht schweren Herzens von seinem Kabrio trennen möchte, dann schwimmt die Mehrheit der in der Medizin tätigen Personen nicht gerade mehr im Geld als in vergleichbaren Professionen.

Interessanter wird es aber, wenn man sich mit den Industriezweigen näher befasst, die ihr Geld, bzw. das ihrer Aktionäre, im Gesundheitsbereich verdienen.
Ein gerade in Wien in fast familiären Naheverhältnis zur Politik stehender Konzern wie Siemens, dessen Medizintechniksparte bei einem Umsatz von 13,8 Milliarden Euro auf einen Wert von 40 Milliarden geschätzt wird. Man machte knapp 2,5 Milliarden Euro Gewinn. Die Rendite betrug somit für das Geschäftsjahr 2017 18,1%.
Vergleichen Sie das übrigens mit dem Zinssatz ihrer Anlagen.
GE Healthcare einer der stärksten Mitbewerber ist im Medizinbereich noch breiter aufgestellt und hat sich (2016) bei einem Umsatz von 18,3 Milliarden US$ über einen einen Gewinn von 3,2 Milliarden gefreut, was eine befriedigende Rendite von 17,8% ergibt.

Schaut man zur Pharma findet man ein ähnliches Bild, wobei die Bayer AG hier etwas herausfällt. Diese hat bei einem Umsatz von 46,8 Milliarden € nur einen operativen Gewinn von 7 Milliarden erwirtschaftet, was vergleichsweise schwache 8,5% bedeutet. Wir werden uns in den nächsten Tagen etwas genauer mit einem der größeren Flops der Firma beschäftigen ….
Das Handelsblatt  hat kürzlich die Top 30 der Pharmabranche analysiert, die insgesamt einen Umsatz von 600 Milliarden US$ hinlegten  und sich über eine operative Durchschnittsrendite von 22% jubelten.

Aber auch in den Bereichen, an die der Laie gar nicht in erster Linie denkt, dass sie am Kuchen Gesundheitswesen knabbern, die IT Branche. Health Information technology wird allein in den USA (2017) auf 22,6 Milliarden US$ geschätzt und ihm wird eine jährliches Wachstum um 4,7% vorausgesagt. Hier tummeln sich aber neben den ganz Großen wie IBM auch zahllose kleine Firmen mit vermutlich sehr unterschiedlicher Performance, so dass es schwer ist eine halbwegs verlässliche Aussage für die erzielten Gewinne zu eruieren.

 

Vergleichen wir das mit den Renditen der meisten anderen Industriezweige sehen wird, dass die im Gesundheitssektor tätigen Firmen überproportionale Gewinne machen. Das sollten wir immer bedenken, wenn die im Gesundheitswesen Tätigen als der einzige Kostenfaktor gesehen werden. Von uns hat niemand Gehaltserhöhungen im zweistelligen Prozentbereich!

Written by medicus58

10. Dezember 2017 at 15:28

%d Bloggern gefällt das: