Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Archive for the ‘Gesundheitssystem’ Category

Fällt Ihnen der Neusprech überhaupt noch auf oder Sterben heute nur noch Gesunde?

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Neusprech (englisch Newspeak) heißt die sprachpolitisch umgestaltete Sprache in George Orwells dystopischem Roman 1984. Durch Sprachplanung sollen sprachliche Ausdrucksmöglichkeiten beschränkt und damit die Freiheit des Denkens aufgehoben werden.

Was 1948 im Entstehungsjahr des Romans unter dem Eindruck der Propaganda-getriebenen nationalsozialistischen und kommunistischen Diktaturen als Projektion noch hellsichtig war und 1984 vor der Internet-Revolution schon fast wieder vergessen wurde, scheint uns inzwischen schon so normal, dass es niemanden mehr zu stören scheint.

Wird heute irgend eine (Auto-)verkehrsbehindernde Maßnahme (Begegnungszonen, Parkraumbewirtschaftung, Tiefgaragen…) gesetzt, heißt das Verkehrsberuhigung. Hier soll nicht in Frage gestellt werden, dass eine Beschränkung des Autoverkehres eine sinnvolle Maßnahme im Klimaschutz wäre, nur insinuiert der Begriff ein i.d.R. als positiv empfundene Empfindung, eben eine „Beruhigung“, wobei es durch sinnlose Umleitungen und Verdrängung von Verkehrsströmen nicht mal vor der eigenen Haustüre immer zu einer Beruhigung kommt, weil eben zahllose E-Scooter, Fahrradfahrer oder sinnlos Umwege fahrende Zulieferer, Handwerker, Taxis und „Shared cars“ unterwegs sind. Beruhigt wäre der Verkehr, wenn es keine Notwendigkeit mehr für ihn gäbe.

Auch im Gesundheitssystem sind wir umzingelt von immer absurderer Sprachregelungen:

Seit die Politik 1973 einen Thinktank (Österreichisches Bundesinstitut für Gesundheitswesen) gründete, der 2006 als Geschäftsbereich in der Gesundheit Österreich GmbH aufging, hat man sich dort mit der Krankenversorgung und nicht der Versorgung von Gesunden beschäftigt. Schlicht, weil erstere Geld kostet, das man durch Lenkung einsparen wollte.

Klar würde man im ÖBIG/Gesundheit Österreich einwenden, dass man sich  ab und an schon auch mit Gesundheits-erhaltenden Maßnahmen beschäftigt hat, aber die wirklich relevanten Projekte (ÖSG, Großgeräteplan, ….) liefern den jeweiligen politischen Auftraggebern das, was die über Krankenhausstandorten und minimalen Geräte- und Personalausstattungen zur Diagnostik und Therapie von Kranken hören wollen.

Wenn Sie heute noch eine Krankenschwester als solche ansprechen, sind sie nicht nur sexistisch sondern haben nicht mitbekommen, dass schon längst in den ehemaligen Schwesternschulen und nunmehr auch FHs nur mehr Gesundheits- und Krankenpflege gelehrt wird. Standesvertreter argumentieren diese Begriffserweiterung ganz offen: Gesundheitspflege als Zukunftschance für Pflegefachberufe

Nach Jahrzehnten im Gesundheitssystem könnte man glauben, dass die traditionelle „Krankenpflege“ wäre eine ausreichende Herausforderung und Hut-ab vor all denen, die das seit Jahrhunderten auf dem jeweilig höchstmöglichen Level ausübten, nein, heute wird man ganzheitlich:

Den Menschen ganzheitlich zu sehen heißt, ihn in seiner Gesamtheit zu begreifen, in all seinen Dimensionen, der physischen, psychischen und der geistigen.
Jetzt mag man auch als Gesunder gerne gehegt und gepflegt werden und als Kranker natürlich auch gesund gepflegt werden, im Zentrum  steht aber wohl, im Krankenhaus die Pflege von Kranken, ein Wellness-Zentrum ist was anderes. Ja, und durch die Umbenennung wird wohl kaum jemand gesünder.

Auch die seit langem angekündigte Umbenennung des Wiener Krankenanstaltenverbundes (KAV) reiht sich in diesen politischen Neusprech ein.
Seit einem Jahr, ungeachtet vorherige durchgeführte Umfragen und Wettbewerbe, beschloss man sich in Wiener Gesundheitsverbund umzubenennen. Liegen hält jetzt die Gesunden im Gangbett und die Gesunden warten in den Ambulanzen, klingt ja gleich positiver. Auch die Krankenhäuser und Spitäler färbt man sprachlich zu Kliniken hoch, obwohl Nachbesetzungen immer seltener durch Habilitierte erfolgen.
Warum man nicht gleich der Schwarzwaldklinik eine Wienerwaldklinik entgegenstellte weiß Äskulap.
Wir werten auf, wir benennen um.
Wir verschweigen Krankheit und Tod, ohne sie aus der Welt zu schaffen.
Fühlen Sie sich dadurch besser? Wenn ja, haben unsere PR- und Propaganda Berater gewonnen.

Written by medicus58

7. Februar 2020 at 17:24

Primär werden alle anderen versorgt, kaum jedoch die Patienten

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Man mag fast staunen über die Schlagzahl unseres neuen Gesundheitsministers.
Kaum hat das Tükisch-Grüne Gesundheit: Programm oder Übereinkommen die Primärversorgungszentren, den Feuchttraum der heutigen Gesundheitsökonomie, erneut in sein Lösungskonzept aufgenommen, tut sich schon was:
Anschober schloss Kredite für Primärversorgungszentren ab

Treue Leser wissen, dass ich in den propagierten Primärversorgungszentren reine Augenauswischerei sehe (Primärversorgungszentren richten sich nicht gegen den Hausarzt, aber) und die jetzige mediale Berichterstattung z.B. im Ö1 Journal ändert an meiner Sicht wenig:

Statt überfüllter Spitalsambulanzen Gruppenpraxen nahe am Wohnort mit großem medizinischen Angebot und langen Öffnungszeiten.

Zur Hausärztin oder Hausarzt und dann gleich zum Physiotherapeuten, zur Wundversorgung beim Krankenpfleger, zur Kinderärztin oder zur Ernährungsberaterin – und das von früh bis spät weil mehrere Ärzte zusammenarbeiten.

Um dieses Schlaraffenland medizinischer Rundumversorgung jetzt zu verwirklichen, hat Anschober mit der Europäischen Investitionsbank eine Kreditrahmen von 360 Millionen Euronen vereinbart um gleich mal 75 solcher Einheiten bis zu 2021 zu den aktuell 17 bestehenden aus dem Boden zu stampfen. Entweder hat Anschober diesen Coup gleich in seinen ersten zwei Wochen Amtszeit ausverhandelt (……) oder er setzt wie so viele andere grüne Minister nur seine Unterschrift unter ein von Türkis-Blau früher ausverhandeltes Projekt, aber davon soll jvorerst gar nicht die Rede sein. In Irland hat das ja eh supi funktioniert … weil Irland für sein Gesundheits- und Sozialsystem berühmt ist, oder?

Mal ausrechnen was 40h Vollzeitäquivalent von Ärzten gerechnet auf 12h Öffnungszeiten auch aum WE plus, Physiko, Schwester, Diätberaterin und was weiß ich wer noch so im Jahr kosten und diese Ansschubfinanzierung entpuppt sich als reiner Blödsinn. Wenn man das Geld in die bisherigen Tarife gesteckt hätte, hätte man auch längere Öffnungszeiten und weniger ärztliche Nebenbeschäftigungen …, nur das will man ja gar nicht.

Es überrascht nur auf den ersten Blick, weshalb da die EIB angezapft wird, deren Aufgabe seit 1958 eigentlich wäre „zu einer ausgewogenen und reibungslosen Entwicklung des Binnenmarktes im Interesse der Union beizutragen“ (Art. 309 Abs. 1 AEUV). Was das mit der chronischen Demontage der extramuralen Gesundheitsversorgung in Österreich zu tun hat, un ob denen dort plötzlich die Zusammenarbeit von österreichischen Jungärzten ein primäres Anliegen ist, mag doch hinterfragt werden.

Andererseits stemmt das die EIB ja nicht allein, die übrigens grad 5% Eigenmittel aus den Steuergeldern der EU hat, da freuen sich nun auch in Zeiten der 0%-Zinspolitik der EZB die Erste Bank und Ärzte- und Apothekerbank am geförderten Kreditgeschäft im österreichischen Gesundheitssystem. Gratisgeld von der EZB und Kreditzinsen von Jungärzten …
Zufälligerweise haben beide Konsortien sehr enge Beziehungen zur ÖVP, schließlich gehört die finanziell nicht gerade starke Ärzte- und Apothekerbank zur finanziell nicht gerade starken Volksbankgruppe, die jetzt auch ihre Wurzeln tief im schwarzen Wurzelwerk dieser Republik hat. Das alles berichten die Medien natürlich nicht, wird aber klar, wenn man die Jubel-OTS („Volksbank ist Teil der Finanzierungskooperation für die Primärversorgung„) der Volksbank liest.

Ja, und auf der Homepage der Ärzte- und Apothekerbank liest man dann, dass die bereits ab Dezember 2018 daran gearbeitet hat, mit der EIB ein Finanzierungsmodell für Primärversorgungseinheiten zu entwickeln. (Link) Da war Anschober noch in OÖ mit der Initiative „Ausbildung statt Abschiebung“ beschäftigt.

Was da als Leuchturmprojekt („ein guter Tag für die Gesundheitsversorgung in Österreich“ O-Ton Anschober) daherkommt ist Teil eines großen Kurz-sichtigen Projektes nach dem Pensionssystem auch das Gesundheitssystem für den Kapitalmarkt zu öffnen. So naiv kann Anschober nicht sein, aber was ist er dann?

Links:  
Zur Quadratur des Primärversorgungszentrum im 22. Wiener Bezirk
WHO findet Primärversorgung in Kasachstan seit fast vier Jahrzehnten super

Volksbanken, die Banken des Volkes oder ANNA, DIE BANK HAMMA

Written by medicus58

26. Januar 2020 at 18:15

Unfallchirurgie; Geschichte eines Multitraumas

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Den Älteren von uns wäre die Idee die beiden Fächer Unfallchirurgie und Orthopädie zusammenzulegen so absurd erschienen, wie wenn man Urologie und Geburtshilfe fusionieren wollte. 2007 versprach die damalige Gesundheitsministerin Kdolsky Unterstützung „gegen Tendenzen und anhaltende Diskussionen, die Fächer Unfallchirurgie und Orthopädie zusammenzulegen“ und in einer Pressekonferenz sprachen sich sowohl der Vorstand der Universitätsklinik für Unfallchirurgie, Vilmos Vecsei als auch der Vorstand der Uniklinik für Orthopädie am Wiener AKH, Rainer Kotz gegen eine solche Fusion aus. „Die in Österreich durch Adolf Lorenz und Lorenz Böhler gleichsam erfundenen und auch traditionell getrennt geführten medizinischen Fachdisziplinen Unfallchirurgie und Orthopädie sollten nicht nur aus fachlichen, sondern auch finanziellen Gründen erhalten bleiben“, argumentierte Vecsei und im Hintergrund wurden da auch einige PR- und Lobbying-Agenturen gelöhnt, um die Zwangsfusion zu verhindern.

Die Gesundheitspolitik versprach sie aber weiterhin eines Lösung bei den Wartelisten für Gelenksprothesen, weil sie sich davon eine Beruhigung des Wählervolkes versprach und schloss, das mehr Prothesen-implantierende Ärzte den Stau beheben sollten. Auch so mancher Unfallchirurg schielte auf das lukrative Geschäft der Prothesenimplantation, so dass nicht zuletzt unter tätigen Mithilfe der Ärztekammern und unter der Vorspiegelung der Notwendigkeit einer internationalen Harmonisierung wurde 2015 das Auslaufmodell Unfallchirurgie ausgerufen.

Selbstverständlich hatte das alles nur fachliche Gründe und nichts mit dem parallelen Rückbau der Leistungen in den Unfallkrankenhäusern der AUVA (Link aus 2013) zu tun, die erst unter Türkis-Blau und den Drohungen einer kompletten Auflösung unter Hartinger-Klein einer breiteren Öffentlichkeit bewusst. Selbst die VAMED ließ sich die Unfallkrankenhäuser nicht aufdrängen, weil sie keine Gewinne versprachen.

Eine ganze Arztgeneration von Orthopäden bzw. Unfallchirurgen musste im Schnellverfahren „umzertifiziert“ werden, Vorgänge bei den komplementären Facharztprüfungen liefern Amüsement für so machen „After-work“ Unterhaltung, aber hat das die Situation gebessert? Kaum.

Auch im Jänner 2020 beschwert sich der sogenannte Patientenanwalt Bachinger über hunderte vorgemerkte Patientinnen und Patienten für Hüft- und Knie-Operationen, aber funktioniert wenigstens die unfallchirurgische Versorgung?

Wohl kaum. Zwar wurde das Krankenhaus Nord (Klinikum Floridsdorf) mit einer Abteilung für Orthopädie und Traumatologie inkl. Herzeige-Schockraum eröffnet, andererseits lief jetzt durch die Medien, dass das Lorenz-Bühler Spital zum reinen Ambulanzzentrum runtergefahren wird, aber die stationären, also großen Fälle, nicht ins KH Nord sondern ins Donauspital umgeleitet werden.

Wer aber glaubt, dass das alles nur ein Wiener Problem ist, der sei auf NÖ, genauer nach Melk und Amstetten verwiesen (Ein Leiter für zwei Spitalsstandorte) wo der Vorgänger des jetzigen Doppelprimars in Melk noch Unfallchirurg war. Zwar versichert man dass es durch das Doppelprimariat zu einer besseren Auslastung im Bereich der Operations-Kapazitäten kommen werde, eine häufige aber nur auf den ersten Blick einleuchtende Argumentation und beschwichtigt dass das LKH Melk im Bedarfsfall kann das LKH Melk auf andere Schwerpunktkrankenhäuser zurückgreifen und sich dort Unfallchirurgen „ausborgen“ kann. G’rad dass man nicht auf die ohnehin auf der A1 im Raum Melk geltende Geschwindigkeitsbeschränkung verweist, um sich die zunehmende Ausdünnung unfallchirurgischer Kompetenz schön zu reden.

Und was lernen wir daraus?
Gesundheitspolitisch betrachtet: Es mag hinterfragt werden, ob all das, was die Akteure hier durchboxen, wirklich im Sinne der Patienten ist.
Und was lernen Sie privat daraus: Fahren Sie vorsichtig, insbesondere auf der A1 im Raum Melk.

Im Raum Mödling ist das vielleicht weniger wichtig, weil dort hat man gerade einen Wissenschaftspreis bekommen, da eine Arbeitsgruppe aus dem Landesklinikum Baden-Mödling, der Donau-Universität Krems und der dortigen „Cochrane Niederlassung Österreich“ (Krems) den überraschenden (?) Nachweis erbracht haben, dass der hüft-nahe Bruch in der Altersgruppe 60+ zwingend innerhalb von 48 Stunden nach Einlieferung operiert werden muss. Wird dieses Zeitfenster nicht eingehalten, steigt die 1-Jahres-Sterblichkeit um 20 Prozent.

Die Überschrift des Artikels suggeriert ein Erfolgsmpodell: Orthopädie gilt als Vorbild und für die konservative Orthopädie, also alles was nicht spektakulär im OP endet, haben wir ja die Osteopathen, nach internationalem Vorbild, eh klar.

Written by medicus58

20. Januar 2020 at 16:08

Master, die Schüssel bitte

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Das Bildungssystem war dereinst eine planbare Karriereschiene für all diejenigen, die nicht über Geburt, Sport oder Hitparade den Aufstieg schafften.

Diesen Bypass von Seilschaften und ökonomischer Selbstabsicherung haben initial schon jene Linken abgeschafft, die Gymnasien und Universitäten zuerst für breite Schichten geöffnet haben, so sie sich dafür mit Leistung und nicht Protektion qualifizieren konnten. Aufnahmeprüfungen, Benotungen, differenzierte Ausbildungswege wurden als „nicht zeitgemäß“, „demoralisierend“ und „Druck ausübend“ weg nivelliert, weil die Wählerstimmen der Eltern sicher schienen, wenn deren Kinder mit dem scheinbaren Privileg „Maturanten“ einmal besser haben würden.

Eine unübersichtlich zersplitterte Aus- und Bildungslandschaft mit zahllosen Buchstabenkürzeln deren Bedeutung ohnehin niemand mehr kennt, hat man die entwertet, die ihre „Titel“ nicht via Fernstudium oder an ein paar Wochenendseminaren erworben haben.

Was „die Linke“ begonnen hat, wird nach Bologna und MBAs bzw. MScs in jedem Büro heute „vom Besten beider Welten“ vollendet.

Meister und Master san lei oans

OK, das war jetzt etwas übertrieben, nur der Bachelor wird dem Meisterbrief gleichgestellt, aber die Intention bleibt, wir verwischen praktische und wissenschaftliche Qualifikation.

Wobei, gleichgestellt waren diese Stufen gemeinsam mit dem Ingenieur ohnehin schon, angeblich im Sinne einer durchgängigen Qualifikationspyramide, nur soll der Bau- und Fleischermeister dadurch aufgewertet werden, dass er sich seinen Namen mit ein paar Buchstaben verlängern darf.

Ja und weil es so schön ist, predigt unser neuer Sozial- und Gesundheitsminister wie seine roten und blauen Vorgängerinnen auch, dass der Mangel an Pflegekräften durch eine noch differenzierter Akademisierung gelöst werden wird.

Mit den medizinisch technischen Diensten hat man das vor Jahren schon gemacht (und deren Ausbildungskosten so aus den Krankenhausbudgets entfernt). Ob sie nun ihr Kerngeschäft um so viel besser beherrschen, dass die gesteigerte Effizienz wett macht, was sie nun an Zeit in Projektbesprechungen und Qualitätszirkeln wett machen, mag hinterfragt werden.

Dass ich mich ausnahmsweise mit FP Berufskollegin Belakowitsch-Jenewein, in einem Boot befinde, ist Angst einflößend, die nun Anschober ebenso anpflaumt wie vormals andere „Alt-Marxisten“ Rendi-Wagner oder Stöger, aber was soll. Wir werden den Pflegenotstand, über den sich offenbar alle einig scheinen, nicht durch Schulversuche, Akademisierung und nach den Wünschen der jeweiligen Interessenvertretungen lösen.
Der seit Jahren laufende Tanz, der die Krankenpflege in Gesundheits- und Krankenpflege umetikettierte, die „Schwesternschulen“ in „FastHochschulen“ und nach Absolventen der „Pflegewissenschaft“ rief und immer mehr Kompetenzen übertrug, damit die Blutabnahme der fehlenden Turnusärzte kompensiert wird waren Mogelpackungen. (Nix gegen echte Pflegewissenschaften, aber die Unmenge an Abschreibübungen haben wenig mit dem Kerngeschäft zu tun). Die Lösung wäre wie in allen „Mangelsparten“ anständige Bezahlung und vernünftige Arbeitsbedingungen.

Und überhaupt Pflegenotstand, was da alles an hoch qualifizierter Pflege, 24-Pflegerinnen und Altenbetreuung in einen Topf geworfen ist, macht eine Lösung auch nicht einfacher …

Written by medicus58

15. Januar 2020 at 15:23

Tükisch-Grüne Gesundheit: Programm oder Übereinkommen

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Was auch immer 100 Tage lang zwischen Grün- und Türkis-innen hinter verschlossenen Türen aus verhandelt wurde, ist weniger Wagnis (Originalton Kogler) als vage Worthülsen-Sammlung.

Google deckt auf, dass auch für die Grünen nicht ganz klar zu sein scheint, was das nun so genau ist. Während allenthalben der Download eines Regierungsprogrammes angeboten wird, sieht man auf gruene.at den Text als Regierungsübereinkommen.

Das mag man alles als Wortklauberei eines enttäuschen Ex-Grünen auffassen und gar nix Böses darin finden, dass auf 326 Seiten 118 mal von Evaluierung, 264 mal von Prüfung 264 und 4 mal nach einer Task Force gerufen wird.

Task Forces werden übrigens für neben der effizienten Bekämpfung von Hass im Netz und anderer digitaler Kriminalitätsformen auch für die ökosoziale Steuerreform angerufen, sprich, nix is noch fix. Zeitpläne und finanzielle Festlegungen fehlen hier gänzlich.

Mögen wir dem Jubel von Greenpeace zustimmen, die unmittelbar nach der Veröffentlichung des Regierungsprogrammes von einem Riesenschritt sprach, während Global 2000, aus der die zukünftige Ministerin Gewessler kommt, da eher schaumgebremster resümiert: GLOBAL 2000 wird die neue Regierung an ihren Taten messen.
Fridays for Future sind noch kritischer: Weil die geplante Ökologisierung des Steuersystems ab 2022 „nicht der Dringlichkeit der Lage“ entsprechen würde, plant die Klimabewegung Fridays For ­Future für den heutigen Freitag eine Demonstration in Wien
Haben sich wohl viele Grün-Wähler mehr für die Wiederauferstehung dieser Partei gewunschen als jetzt „geliefert“ wurde.

Hier wollen wir uns mit dem Abschnitt Gesundheit dieses Papiers beschäftigen, und da fallen bereits die Analyse anderer ziemlich mies aus:

Auffallend ist, dass die türkis-blaue Kassenreform, die eine Zusammenlegung aller Gebietskrankenkassen, nicht angegriffen wird.

„Forcieren von Impfungen“ aber keine Impfpflicht

Gesundheit ist nunmehr ein Unterpunkt im Themenfeld Soziale Sicherheit, die Schwerpunkte legt die zukünftige Regierung auf wohnortnahe Versorgung/ Aufwertung des Hausarztes und Vorsorgemedizin

Stipendien für zukünftige Landärzte, im Gegenzug für monatliches Stipendium nach Abschluss für mindestens fünf Jahre als Hausarzt tätig zu sein. Wie das Stipendien-Programm österreichweit aussehen wird, bleibt abzuwarten.

Primärversorgungszentren und andere Formen der Zusammenarbeit von Ärzten sollen ausgebaut, sogenannte Communitynurses etabliert und nicht-ärztliche Gesundheitsberufe gestärkt werden. Die Versorgung von psychisch Kranken ist in Österreich mehr als prekär – hier werden Verbesserungen versprochen.

Bei der Sozialversicherung gibt es ein Bekenntnis zum Prinzip der Selbstverwaltung, ansonsten scheint man nicht in die umstrittene (aber vom VfGH in den Grundsätzen belassene) Reform der ÖVP-FPÖ-Regierung eingreifen zu wollen.

Interessant, dass man wie auch in anderen Bereichen zum Teil wortwörtliche Übereinstimmungen mit dem türkis-blauen Regierungsprogramm aus 2017 übernommen hat, das damals schon nach zwei Monaten ausformuliert war und nicht wie jetzt drei gedauert hat(siehe Standard 2017):

Sicherung und der weitere Ausbau unseres hochwertigen Gesundheitssystems …. besonderen Fokus auf Gesundheitsförderung und Prävention … Stärkung des Hausarztes und der Gesundheitsversorgung vor Ort, … Einführung von Landarzt-Stipendien, … Verbesserung der Rahmenbedingungen, um Wartezeiten auf Operationen, Behandlungen und Untersuchungen transparent zu machen und zu reduzieren …

2020 heißt es zwar: Wir wollen mit gezielten Maßnahmen sicherstellen, dass in den nächsten Jahren ausreichend und vor allem qualifiziertes Personal zur Verfügung steht. Welche neue Maßnahmen aber dazu ergriffen werden, bleibt offen:
Facharzt für Allgemeinmedinzin ist längst durchgewunken, wird aber IMHO nix bringen, weil auf den Etikettenschwindel weder Patienten noch Jungärzte reinfallen werden.
Eine Facharztoffensive nur für Pädiatrie, Augen und Kinder-und Jugendpsychiatrie greift angesichts des inzwischen globalen Ärztemangels zu kurz.
Stärkung und Aufwertung der nich tärztlichen
Gesundheitsberufe
(GuKG Novelle) mit Erweiterung der Kompetenzen und Ermöglichung von bestimmten Versorgungsschritten (Community Nurses) ist ebenfalls ein alter Hut und versucht nur die Defizite der hausärztlichen Versorgung durch Pflege zu kompensieren. Da diese aber akademisiert wurde, wird sie auch nicht billiger kommen.

Worthülsen wie Evaluierung der Zugangsbestimmungen zum Medizinstudium in Richtung Qualität, Inhalt und Umfang und schon wieder eine Ärzteausbildung NEU mit Fokus Allgemeinmedizin sagen wenig, Kontinuierliche Ausweitung des bestehenden Angebots an Plätzen für das Medizinstudium und die anschließende Ärzteausbildung freuen vielleicht die Landeshauptleute, führen aber ohne Budgetierung für die Unis geradewegs in die Privatuniversitäten und FHs. Humbold rotiert im Grab.

Ein Bekenntnis zum System der öffentlichen Apotheken zur Medikamentenversorgung für die gesamte Bevölkerung unter Beibehaltung wohnortnaher und praxisorientierter Lösungen beruhigt die Apothekerkammer und garantiert den weiteren Kampf um die hausärztlichen Apotheken.

Was sicher neu ist und somit wohl ein grüner Beitrag auf Seite 80, ist die Senkung des USt-Satzes für Damenhygieneartikel. Wäre vermutlich in jedem 3.Welt-Land wichtiger als bei uns, aber soll sein.

Wenn aber nun wieder die Generalentschuldigung kommt, dass man halt nur Juniorpartner dieser regierung wäre und schon allein d.h. nicht viel durchsetzen konnte, dann sollten die Verteidiger dieses Papiertigers einmal nachrechnen:

Die ÖVP erhielt 1.243.672 Stimmen und 52 Mandate,
die Grünen 342.260 Stimmen und 14 Mandate.
Man möge mir einmal vorhüpfen, wo denn in diesem programmierten Übereinkommen die 21% grünen Inhalte sind.
Im Kapitel Gesundheit wird man definitiv nicht fündig.

Gesundheit kommt als Begriff 83 mal vor, und da finden sich abgesehen von Überschriften durchaus Bemerkenswertes, ohne dass da echte Probleme angesprechen werden:

S.61: Prüfung der Weiterentwicklung der regelmäßigen Gesundheitsuntersuchungen bei Pflichtschülerinnen und Pflichtschülern unter den Aspekten der körperlichen Voraussetzungen für schulischen Wettkampfsport und methodische Analyse von Entwicklungen des körperlichen Zustands der Kinder und Jugendlichen.

S.87: Qualifikation der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer für die Anforderungen des Arbeitsmarktes ausgerichtet ist. In dieser Gesamtstrategie sind auch weitere
Faktoren, wie z.B. Gesundheit, Mobilität und Betreuungssituation („persönliche Lebenssituation“), zu berücksichtigen.

S.88: Standort- und Industriepolitik: Beitrag zur CO2-Reduktion geleistet werden – wie z.B. digitale Geschäftsmodelle, … , Gesundheitswirtschaft und andere Bereiche, die auf Österreichs Verbindung von Grundlagenforschung, angewandter Forschung und
industriellem Know-how bauen.

S. 141: Ebenso wichtig ist es, die Luftqualität in Österreich weiter zu verbessern – für die Gesundheit der Österreicherinnen und Österreicher

S. 155: Weiterentwicklung des Tiergesundheitsdienstes
(z.B. Anreize schaffen, den Antibiotika-Einsatz zu
reduzieren)

S.159: Evaluierung bestehender Strukturen im Bereich
Tiergesundheit,

S. 205: Gesundheitssystem: Stärkung der Diversitätskompetenz im Gesundheitssystem sowie health literacy von Frauen

S. 226: Grundwehrdienst attraktiv machen: Weiterentwicklung der Stellung als wichtige Säule der Gesundheitsvorsorge (Stellung als Vorsorgeuntersuchung)

S.250: Investitionen in die Gesundheit von Menschen reduzieren nachweislich Arbeitsunfähigkeit und Kosten im Gesundheits- wie auch im Pensionssystem.

S 251: Gesundheitsmanagement, das den Erhalt der Gesundheit von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern besonders in den Vordergrund stellt.

S. 265: Eine forcierte Umsetzung des Aktionsplans Frauengesundheit und die Erstellung eines jährlichen Frauengesundheitsberichts sowie die Weiterentwicklung und Anwendung von Gender-Medizin ist daher von besonderer Bedeutung.

Das nachfolgende Junktim macht jene sprachlos, die täglich viele Arbeitsstunden damit verbringen Daten in die IT zu klopfen:
Ebenso wollen wir die Digitalisierung in Diagnose, Behandlung und (medizinischer) Forschung vorantreiben und somit den Gesundheitsstandort Österreich weiter stärken. Dadurch bleibt Menschen in Gesundheitsberufen mehr Zeit für Kontakte zu Patientinnen und Patienten.
Da will man doch die Autoren fragen, wo sie denn angerannt wären …

Auf S 256 und 308 spricht dann die Industriellenvereinigung und Witschaftskammer:
Etablierung von finanziellen und sachlichen Anreizsystemen für gesundheitsfördernde Maßnahmen und Teilnahme an Präventionsprogrammen (z.B. Impfungen und Vorsorgeuntersuchungen)
Bedarfsgerechter Ausbau des Fachhochschulsektors – mit mehr Studienplätzen zur nachhaltigen Sicherung und Ausbau des Wirtschafts- und Technologiestandortes (z.B. insbesondere Gesundheits- und Sozialberufe, MINT)

Links:

Bizeps Regierungsprogramm besteht im Behindertenbereich aus Licht und Schatten

Ein (aus)gebrannter Gesundheitsminister?

Nach dem „Traumschiff“ ist vor den Gremien

Written by medicus58

3. Januar 2020 at 17:18

Ein (aus)gebrannter Gesundheitsminister?

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Soll man sich als „Alter“ darüber freuen, wenn Urgesteine erneut ins Rollen gebracht werden und Silberrücken die Sache schultern müssen, die Küsserkönige versemmelt haben?

Volksschullehrer, Journalist und Berufspolitiker Rudolf Anschober wird neuer Gesundheitsminister. Als Person ist Anschober integer und soll auch nicht kritisiert werden, meine schon früher geäußerten Bedenken (Sehe Schwarz für das Gesundheitssystem unter Türkis Grün) sind dadurch jedoch nicht zerstreut. Bei all seinen bisherigen Meriten (Verkehrs-, Sicherheits- und Atomsprecher im Nationalrat, Schutzpatron der Asyl-Lehrlinge, Energierevolutionär) hat er auch genug Erfahrungen als ÖVP-Beiwagerl unter Pühringer und Stelzer.

Mit Gesundheitsfragen hatte er bislang eher in eigener Sache zu tun (Zitat Standard): Als gewissenhafter Vielarbeiter zog sich Anschober, der mit einer Journalistin zusammenlebt, im Herbst 2012 ein Burn-out zu, mittlerweile sorgt er als passionierter Läufer und Spaziergänger aber für genug Ausgleich. 

Auch auf seiner privaten Homepage spielen Gesundheitsfragen keine Rolle.

Man kann also davon ausgehen, dass, sollte er überhaupt was weiterbringen, seine Schwerpunkte im Bereich Soziales setzen wird und uns die rauchenden Ruinen, die Hartinger-Klein hinterlassen hat erhalten bleiben:

Undurchsichtige Finanzierungsströme
Überproportionaler Arbeitgebereinfluss in den Sozialversicherungen
Kollaps der extramuralen Versorgung (unbesetzte Kassenstellen)
Versorgungszentren als Nebelgranaten
Überlastung des intramuralen Bereiches
Schleichende Privatisierung
Altenpflege
Fachkräftemangel, …

Ausbrennen kann nur wer einmal für eine Sache gebrannt hat. Wünschen wir uns einen Gesundheitsminister, der in den rauchenden Ruinen seines Ressorts nicht endgültig verkohlt.

Written by medicus58

2. Januar 2020 at 17:45

Optimismus ist angesagt


Umfragen ergaben zuletzt großen Optimismus. Um welchen Zweck solche Umfragen angestellt werden und ob es sich dabei um Zweckoptimismus handelt, sollten Sie einen Pessimisten wie Ihren Medicus nicht fragen.

Kein Wunder, gibt es doch wenig Berufe deren Endzweck – Leben retten – so regelhaft scheitert, wie der des Arztes. Aber bemühen wir uns mal um einen guten Rutsch.

Wir bekommen eine neue Regierung, die so sicher wenige Wähler wollten. Schwer vorstellbar, dass es derartig schizoide Wähler gab, die Kurz’ens Wirtschaftshörigkeit strategisch durch Koglers Letztes Aufgebot konterkarieren wollten. Viel eher wollten die paar ihren Sozenhass, der inzwischen auch die SPÖ erfasst haben dürfte, durch ein Ökomäntelchen verstecken. Dass von allen Ökobemühungen der Grünlinge ohnehin nur ein paar Begegnungszone und Radwege durchsetzbar sein werden, dafür sorgte die Aufteilung der Ministerien.

Optimistisch mag einen stimmen, dass Kogler, der es als Spitzenkandidat der EU Wahlen vorzog sich in den Nationalrat wählen zu lassen, es nun HC Strache nach macht, Vizekanzler für Sport und Beamte zu werden, als auf eine Aufgabe zu bestehen, die seiner Qualifikation wirklich entspricht. Bequemer ist es so für ihn, aber ob Blümel für das Finanzministerium qualifizierter ist, mag bezweifelt werden. Ob er sich dadurch auch Valenzen für eine Spitzenkandidatur bei der Wien Wahl freihalten will? Irgendjemand muss ja Lobautunnel, Heumarkt und Chorherr wegreden ..

Wie schon früher befürchtet sucht man das Wort Gesundheit in der zukünftigen Regierung vergeblich und das kann ja wohl kaum dem Umstand geschuldet sein, dass wir hier so gut unterwegs wären: Parteipolitisch motivierte Kassenzusammenlegung und zusätzliche Bürokratie ohne Finanzierung aus einer Hand, wird uns wohl erhalten bleiben.

Dafür gibt es ein Integrationsministerium, weil das Problem durch den damaligen Integrationsstaatssekretär Kurz offenbar nicht nach haltig gelöst wurde, und zur Sicherheit hat man dann im Ministerrat eine Stimme mehr, um die Stadionbeleuchtung gegen die Insekten zu verteidigen.

Aber trotzdem wollen wir mit Optimismus das Jahr beschließen, nicht als Staatsbürger, da ist wenig Grund dazu, aber als Blogger:

Themen wird uns 2020 genug liefern.

Written by medicus58

31. Dezember 2019 at 11:47

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