Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Archive for the ‘Gesundheitssystem’ Category

Die behavioristische Begründung der PCR Manie

leave a comment »


Wenn inzwischen selbst Kollege Drosten, der Moses des virologischen Untergangs, an der der schwierigen Doppelbotschaft sich die Zähne ausbricht, wie man die pandemische Kurve in die Endemie kommunikativ hinkriegt, stellt sich immer dringlicher die Frage, die uns hier schon einmal beschäftigt hat: Warum verdoppeln wir die Anstrengung, wenn wir ein Ziel verloren haben?

Mit anderen Worten, warum verpulvern wir Milliarden in Teste, die bei Asymptomatischen zu wenig sensitiv sind, im Falle der PCRs bei kurzen Inkubationszeiten zu spät kommen und bei den gegebenen Fallzahlen kein Contactracing mehr ermöglichen ?

Generell lässt sich die Frage auch als, warum reagieren wir gesellschaftlich immer zu spät und dann überschießend auf Bedrohungen?

Viel ließe sich hier anführen, wobei die Unbedarftheit der Entscheidungsträger, die hysterisierende Wirkung der Medien, weniger der Sozialen Medien als der traditionellen, und die politisch motivierte Doppel- und Mehrgleisigkeit der Entscheidungshirarchien, die sich wechselseitig bis zum Dammbruch blockieren mE die wichtigsten Punkte darstellen.

Warum macht aber ein bestimmter Teil der Bevölkerung so eifrig bei der Testmanie mit? Salzwasser gurgeln, Nasenbohren ist ja nicht ganz angenehm.

Da hilft uns eine längst wieder aus dem psychologischen Mainstream verschwundene psycholigische Disziplin weiter, der Behaviorismus. Eysenck verwendet dessen Logik z. B. um zu erklären, weshalb viele von uns jeden Morgen zur Haustüre zurückkehren um sich zu versichern, dass sie wirklich versperrt ist, um dann glücklich mit dem gewonnenen Sicherheitsgefühl in den Tag gehen zu können. Leider ist das Sicherheitsgefühl nur kurzfristig wirksam und zwingt am nächsten Morgen zur Wiederholung.

So ähnlich scheint mir die Fesselung an die Covid-Tests zu laufen. Die Verunsicherung durch die täglichen Schreckensmeldungen versuchen wir durch den Ritus der Testung und das fast immer beruhigende Endergebnis kurzfristig zu vertreiben. Blöd nur, dass diese Sicherheit eine vermeintliche ist und dafür sehr viel Geld aus der Gesundheirsversorgung abfließt, das man besser verwenden könnte.

Bin neugierig, bis das Stadtrat Hacker begreift und wie er das dann politisch verkauft.

Die Lösung des Wiederholungszwanges an der Eingangstüre besteht übrigens darin sich zu zwingen ihn zu unterbrechen, um auch ohne das bißchen Glücksgefühl in den Amygdala weiterleben zu können.

Written by medicus58

15. Januar 2022 at 12:51

Veröffentlicht in Gesundheitssystem

Tagged with , , , , , ,

Wurde das Ziel aus den Augen verloren, werden die Anstrengungen verdoppelt

leave a comment »


Vor über einem Jahr (Dez 2020) wurde hier unter Testen macht frei darüber geklagt, dass dem ungehorsamen Bürger, der bei den Massentests bei uns nicht wie im Corona Musterland Israel mitgespielt hat, die Alternativen Impfen oder Hausarrest angedroht wurden. Das geschah vor dem Hintergrund einer seit 11 Monaten von der WHO getrommelten Parole des Testen, Testen, Testen als Erlösungsmantra der Pandemie.

Unter Thinking, Thinking statt Testing, Testing?  aber ich angesichts der damaligen (Sept 2020) Pandemiesituation in Israel meine Bedenken gegen das Kreuz-und-Quer-Testen artikuliert.

Es gähnt das Murmeltier, wenn man vor diesem Hintergrund die aktuelle Diskussion des Raustesten aus der Pandemie verfolgt.

Für Israel stellt sich die Frage nach Massentests ohnehin nicht, weil die Ressourcen knapp sind, aber eine Reihe anderer Länder und Institutionen (WHO, CDC,..) hinterfrägt das ungerichtete Testen Asymptomatischer u. a. aus Gründen, die hier im September 21 unter Wien gurgelt, aber wozu?  angesprochen wurden, noch ehe wir bei Omikron angekommen waren.

Der Wiener Gesundheitsstadtrat verdoppelt aber die Anstrengungen (im Gesundheitsverbund müssen ab nächster Woche auch alle 3-fach geimpften Maskenträger 3x/Woche gurgeln) und im heutigen Radiodoktor auf Ö1 begründet die AKH Epidemiologin das Beibehalten der Testerei von Asymptomatischen mit dem Argument, das wir die Infektionen noch nicht unkontrolliert durchlaufen lassen dürfen, und uns dagegen stemmen müssen.

Welchen Hebel uns denn das Testergebnis nach 24h in die Hand gibt, wenn angesichts der kurzen Inkubationszeit von Omikron der Patient mit gewisser Wahrscheinlichkeit seit 12h schon symptomatisch ist, erklärt sie uns nicht.

Da beschleicht einem irgendwie das Gefühl, dass es weiterhin bei vielen Entscheidungen in der Pandemiebekämpfung mehr um den Erziehungseffekt als um eine evidenzbasierte Notwendigkeit geht.

Nur ein paar Wortmeldungen, die nach zwei Jahren Pandemie die Bandbreite der Zugänge zum selben Problem zeigen:

Biden kauft 500 Millionen Tests

Keine PCR-Tests mehr für Engländer ohne Covid-Symptome

„Die Frage ist aber, ob man selbst bei dreimaligem Testen noch eine einigermaßen sichere Umgebung herstellen kann„, sagt Komplexitätsforscher Peter Klimek

Gerald Gartlehner, Professor für Evidenzbasierte Medizin der Donau-Universität Krems: „Eine Teststrategie neu müsste sich auf die vulnerabelsten Gruppen, auf Personen mit Symptomen und stark betroffene Berufsfelder, wie Spitals- und Pflegepersonal sowie Altenheime, konzentrieren, und diese Personengruppen sollten PCR-Ergebnisse schneller als derzeit erhalten

Wien behält Teststrategie bei
Gesundheitsstadtrat Peter Hacker widerspricht Top-Virologin

Angesichts der gesteigerten Gurgelfrequenz bleibt einem langsam die Spucke weg. Am 14.1.21 hinterfrägt inzwischen sogar Laborbetreiber DDr Mustafa die Sinnhaftigkeit der Massen PCTs und thematisiert im Ö1 Mittagsjournal die Qualitätsunterschiede österreichweit.

Und dann kommt dann ja noch die Impfpflicht. Auch dazu habe ich mir schon vor über einem Monat (Dez 2021) ein paar Gedanken gemacht: Wie schaffen wir denn die Impfpflicht wieder ab?

Written by medicus58

13. Januar 2022 at 19:12

Veröffentlicht in Gesundheitssystem

Tagged with , , , ,

Coronaregeln einfach zusammen gefasst

leave a comment »


Ich kann’s Ihnen jetzt nicht auswendig sagen, weil ich mir da nicht ganz sicher bin, antwortete die Generaldirektorin für Öffentliche Gesundheit, Katharina Reich, das Kaninchen, dass der Ex-Gesundheitsminister aus dem Hut gezaubert hat und der Nachfolger des damaligen Bundeskanzlers gemeinsam mit einen befreundeten Bundesheerler zu den Obersten GECKOs gemacht hat.

Wenn Sie dieses System genauso wenig durchschauen wie die aktuellen Coronaregeln, dann sind Sie hier richtig.

Also, jetzt kommt Omikron, das altbekannte Coronavirus, dass sich ein paar neue Aminisäuren an den Hut, pardon Spike) gesteckt hat und dadurch infektiöser wurde. Aber eigentlich ist das falsch, denn das Ding ist längst da, in Europa, und u. a. am Innsbrucker Flughafen gelandet

Aber wir müssen was tun, und sei es nur wieder Zeit gewinnen, weil zwei Jahre Pandemie-Dauerübung war noch nicht genug Lehrzeit.

Kein Wunder, wenn wir dauern das Personal tauschen und noch eine Kommission dazu erfinden, meist mit den gleichen Leuten, weil soviele Experten haben wir dann doch nicht.

Fassen wir zusammen, seit zwei Jahren tagen Kommissionen in mehreren Ministerien um die Wette, interpretieren Landeshauptläute und Kammerpräsidenten schleissig gemachte Verordnungen und Gesetze klientelgerecht wie es ihnen beliebt und machen aus dem altbekannten drei Schrauben (Distanz, Maske, Impfung) ein pandemisches Pandemonium.

Bestiarium, also eine moralisierende Tierdichtung bzw eine Sammlung meist reich bebilderter, allegorischer Tiergeschichten, stabreimt zwar nicht so gut, wäre aber der Erfindung von GECKO (=gesamtstaatliche Covid-Krisenkoordination) adäquater, dem Reptilienzoo, der den Chor der bisherigen Debattierclubs vervollständigt.

Simon Rosner in der Wiener Zeitung hat das so zusammengefasst:

An Krisen- und Beraterstäben mangelt es während dieser Pandemie nicht: das Nationale Impfgremium, die Corona-Ampelkommission und das Prognose-Konsortium.

Auf Beamtenebene gibt es eine interministerielle Koordinierungsgruppe, dazu auch den Obersten Sanitätsrat, der im März neu konstituiert wurde. Das Innenministerium ist wiederum für das Staatliche Krisen- und Katastrophenschutzmanagement (SKKM) zuständig und auch die Bundesländer unterhalten Berater- und Krisenstäbe.

Übrigens die AGES hat er da noch nichteinmal erwähnt.

Um also der Überschrift gerecht zu werden, nun zur versprichenen Handlungsanleitung: Machen Sie was Sie wilken und suchen Sie sich einen Experten, der das so irgendwann, irgendwo einmal empfohlen hat.

Wenn es Ihnen in all dem Wahnwitz aber doch auch noch um Ihre Gesundheit und jene ihrer Umgebung geht, dann machen Sie das weiter, was Sie hoffentlich bisher schon getan haben (und wenn Sie es bisher nicht getan haben, nehme ich jede Wette an, dass Sie es in dieser Pandemie nie mehr tun werden!)

Treffen Sie sich mit möglichst wenig und möglichst immer mit denselben Personen.

Halten Sie in Innenräumen Abstand, lüften Sie und Tragen Sie Maske wo eine dieser Bedingungen im Umgang mit Haushaltsfremden nicht möglich ist.

Unterschätzen Sie weder den Schutz noch das statistisch geringe Risiko von Impfungen nicht, seien Sie sich aber dessen bewusst, dass alle bislang verfügbaren Impfungen ihren hohen Schutz nach ein paar Monaten wieder verlieren.

Unterschätzen Sie die von den meisten als bewiesen angesehene höhere Ansteckungskraft der Omikron Variante nicht, aber vertrauen Sie den bisherigen Daten, dass diese Variante klinisch nicht gefährlicher wurde.

Diskutieren Sie nach Möglichkeit mit keiner der verschiedenen Seiten über all die Maßnahmen, denn ehe Sie ausdiskutuert haben, haben sie sich schon wieder geändert.

Written by medicus58

23. Dezember 2021 at 10:16

Wie schaffen wir denn die Impfpflicht wieder ab?

leave a comment »


Als 3x Geimpfter stellt sich die Frage für mich augenblicklich nicht, aber die Politik sollte sie sich stellen.

Wie es derzeit aussieht ist weder mit einer Ausrottung des Coronavirus zu rechnen, noch dass mit der dritten Impfung ein längerer Schutz zu erwarten ist.

Da die Pandemie nicht dort besiegt werden wird, wo man sich vielleicht einen vierteljährlichen Schutz leisten kann, sondern dort wo die Evolution neuer Varianten stattfindet, ist wohl mit kontinuierlichem Nachschub von Fluchtmutationen zu rechnen.

Zu welcher Impfung verpflichten wir denn in Zukunft?

Wenn wir Glück haben und es kommt zu extrem ansteckenden, aber klinisch milden Mutationen (Omicron versucht das möglicherweise), dann haben wir in einigen Monaten einen zusätzlichen Schnupfen. D.h. das Virus bleibt, aber das Kosten/Nutzen Verhältnis rechtfertigt die Impfung mit all ihren Kollateralschäden nicht mehr.

Stellt sich Omicron als gefährlicher heraus und entzieht sich den jetzt registrierten Impfungen, können wir uns den gültigen Impfnachweis im Februar schießen. Aktuell geht man in UK davon aus, dass Omicron noch heuer mind. 50% aller Infektionen verursachen wird.

Der Gesellschaft drohen dann Proteste mit verkehrten Vorzeichen.

Eine Impfpflicht war vor einem halben Jahr sicher einfacher zu argumentieren, (wirksamer gegen Delta) als jetzt und wenig scheint dafür zu sprechen, dass sich dieser Trend nicht noch bis zum Februar verstärken wird.

Selbst 3x mRNA (über andere Impfen schweigen wir) wird gegen Omicron nicht sehr gut wirken aber es ist besser als nichts. Kaum wer verspricht noch ernsthaft bei einer Durchimpfung von 90% bei uns das Ende der Pandemie, wenn die Evolution im Rest der Welt herumprobieren kann. Mit Strafen Menschen zu einer Impfung zu zwingen, die ihnen den weder Masken noch Distancing erspart ist gesellschaftspolitisches Harakiri.

D. h. es schiene mir sinnvoller und vielleicht politisch auch verträglicher eine Impfpflicht auf Zeit zu beschließen.

Keiner weiß wirklich welche Varianten an Viren, Impfungen und Medikamente in den nächsten zwei, drei Jahren kommen. Uns werden die Reevaluierungen nicht erspart bleiben, also in jedem Fall auch nicht eine Reevaluierung der Impfpflicht.

Written by medicus58

9. Dezember 2021 at 19:24

Veröffentlicht in Gesundheitssystem

Tagged with ,

Von den Schrauben der Pandemiebekämpfung

leave a comment »


Bemerkenswert wieviele Experten über relativ wenig so oft und so viel zu sagen wissen.

Gegen Infektionen mit SarsCov2 kann man prinzipiell fünf Dinge in zwei Dimensionen  tun, die aber alle nie 100%-ig erreichbar sein werden:

Schrauben:

Kontaktbeschränkung (=Alleinsein), Aerosolbeschränkung (=Masken, Lüften), Immunisierung (=Impfung, Durchseuchung), Therapie (= aktuell subopti), Contactracing

Dimensionen:

Lokal – Weltweit

Da keine der Interventionsmöglichkeiten jeh zu annähernd 100% erreichbar sind, weder wird eine Impfpflicht alle erreichen noch, können wir uns in einer globalisierten Welt komplett distanzieren, oder hat uns Contactracing zu sinnhaften Konsequenzen (Schule ist/ist nicht Treiber, Virus fährt Auto, Familie ist Infektionsherd) für die Pandemiebekämpfung verholfen, wurde sinnlos heiße Luft produziert, in dem zahllose Experten ihre Kritik und Empfehlung immer nur auf eine der Schrauben konzentrierten und ihre Lösungen nur für ein lokales Publikum formulierten. Gut für zahllose TV Diskussionen, 10 Minuten Ruhm, sinnlos in der Sache.

Das Spiel können wir endlos fortsetzen, anagitieren, ausgrenzen, Schuld zuweisen und Scheiterhaufen für jede abweichende Meinung errichten. Zu viele verfolgten eine Agenda, die ganz etwas anderes im Sinne hatte, als die Bekämpfung der Pandemie.

Ohne dass ich es bedauere, aber es wird leichter sein die Türkisen zu stürzen als zur epidemiologischen Normalität zurück zu kommen.

Es wäre Zeit zu erkennen, dass nur eine über viele Monate aufrechtzuerhaltene Kombination der Maßnahmen sinnvoll ist, also keine Durchhalteparolen, jetzt einmal noch impfen und alles wird gut, sondern die unbequeme Wahrheit, dass der Musterschüler von gestern (Israel, Island,..) bald wieder der Problembär sein wird, weil es sich hier um eine Weltmeistetschaft und nicht die Regionalliga handelt.

Wenigstens einmal hatte die WHO 100%-ig recht, eine wesentliche Dimension, die in unserer ego-zentrierten Diskussion völlig fehlt, ist das Schraubendrehen auf globaler Ebene, um finanziell und logistisch insbesondere afrikanische Länder in ihrer Pandemiebekämpfung zu unterstützen (mit Impfstoff, Nadeln, Masken,…).

B1.1.529 sollte als hier endlich zum Umdenken führen, während sich in unserem kleinen Dorf noch versprengte Zero-Covidianer, Kinderdurchseuchungswarner und Verschwörungstheoretiker ins gegenüberliegende Bein verbeissen.

Sorry, wie es derzeit aussieht sollten wir uns für viele Monate auf eine an die lokale Situation abgestimmte Kombination aller Maßnahmen (Kontaktreduktion plus Maske plus Impfung plus Therapie) und auf die weltweite Situation abgestimmte Kooperation außerhalb unseres Schrebergartens einstellen.

Die Erstimpfung eines Gesundheitsdienstkeisters in Botswana hilft vermutlich unseren Kindern auf lange Sicht mehr als die Durchimpfung im Döblinger Kindergarten.

Written by medicus58

26. November 2021 at 10:11

Lesenswerter Artikel: Sehenden Auges in die Corona-Misere: Das Protokoll des Scheiterns ?

with one comment


Detailierte Recherche im Standard vom 20.12.21 über die Väter (Mütter gab es nicht) des kollektiven Versagens der tückisch-grünen Regierung in der Pandemiebekämpfung.

Written by medicus58

20. November 2021 at 09:40

Pandemie Bingo: Vokabel, um alles und das Gegenteil zu plausibilisieren

leave a comment »


Die Schützengräben sind besetzt und die Bullen und Bären, die Verharmloser und Endzeitpropheten sowie Wissenschafter und Googler beschießen sich mit Worthülsen. Um Sie aufzumunitionieren hier ein paar Geschoße:

Durchseuchung: grad hoch im Kurs im Zusammenhang mit „unseren Kindern,“ unseren Alten“,… und von beiden Seiten eingesetzt, weil von mittelalterlicher Kraft. Man wirft es entweder den Verharmlosern vor oder denen, die prinzipiell richtig, darauf hinweisen, dass über die Luft verbreitete Infektionen letztlich jeden treffen können und werden, wenn sie nicht gänzlich ausgerottet werden. D. h. das Geschoß brandmarkt auch jeden als Verharmloser.

Experte: Jeder hat einen, jeder kennt einen und nach Bedarf fördert Google für jede Meinung einen zutage.

Studie: allein zum Suchbegriff Covid findet Pubmed 200.000 Einträge und dabei handelt es sich fast ausschließlich um die wissenschaftlich hochwertigeren Publikationen. Irgendeine in vitro Studie, zB, dass man Viren auch durch Antiwurmmittel „ersticken“ kann, findet sich wohl für jeden Blödsinn.

Long Covid: für die Warner scheinbar besser verwendbar als für Verharmloser und wissenschaftlich gesichert, lässt sich der Begriff durch seine inflationäre Verwendung und seine naturgemäß nicht so einfach an einem Parameter wie dem Blutdruck festzumachende Diagnose sowohl dazu verwenden unser aller Ende zu prophezeien als auch Betroffene lächerlich zu machen.

Betroffene, Kinder, Alte,.. : Dritte vor seine Argumente zu spannen lässt jede Aussage altruistisch erscheinen. Kirchen leben seit Jahrtausenden davon. Jedes Gegenargument lässt sich als gegen so die paternalistisch Geschützten umlenken.

Wirtschaft: drei Jahrzehnte kapitalistisch-neoliberaler Gehirnwäsche führten dazu, dass inzwischen jede Diskussion über die Maßnahmen zur Gesundheitserhaltung zur Warnung vor einer Erkrankung der Wirtschaft führt. Das Mantra Geht’s der Wirtschaft gut, geht’s uns allen gut wird sehr selten von hinten nach vorne gelesen.

Als ich gestern (allein aber geimpft, getestet und hungrig) in einem Beisl mein Surschnitzerl mampfte, lauschte ich notgedrungen einem Gespräch am Nebentisch, mutmaßlich unter Lehrern aus der nahen HTL. Beinahe hätte ich schamerfüllt meine universitäre Lehrbefugnis rüberreichen willen, so virtuos wurde das Covid Bingo dort gespielt.

Written by medicus58

19. November 2021 at 08:21

Wien gurgelt und säuft langsam ab

leave a comment »


Vorab, Wien macht weniger falsch als andere Bundesländer, aber zur aktuell in Medien abgefeierter Selbstbeweihräucherung, heute im Mittagsjournal vom WK Stadortanwalt Biach ist relativ wenig Anlass.

Dass Wien aktuell (war nicht immer so) gut in der Pandemie dasteht, liegt an der uneitlen Pragmatik von Bürgermeister Ludwig und seinem Gesundheitsstadtrat Hacker, denen man beiden (!) kein besonderes Interesse an Gesundheitsfragen unterstellen sollte, aber sehr wohl ein die eigene Neigung übersteigendes Pflichtgefühl, schon irgendwie auch dafür zu sorgen, dass die Wähler sowas verdienen, wie eine Regierung.

Unter der Orchestrierung der Wirtschaftskammer (Biach) hat Wien mit lifebrain ein Testsystem Wien gurgelt etabliert und bezahlt, dass monatelang vor sich hindümpelte und sich gegen Anzeigen der Ärztekammer wehrte. Die Verträge sind auch nicht öffentlich einsehbar, was die Opposition schon mehrfach und zu Recht kritisierte. Finanzierbar, angeblich zahlt Wien 5€/Test, während PCRs unter Brüdern erst so ab 35-40€ zu kriegen waren.

Möglich wurde das durch Poolen, das darauf setzte, dass die Mehrheit der Proben ohnehin negativ sind und man d. h. mehrer gleichzeitig testen konnte (Pooling) und somit rasch viele negative Befunde raushauen konnte.

Klar, dass das bei einer niedrigen Inzidenz gut funtioniert, weil man nur wenige positive Pools auseinander dividieren muss.

Wie schon früher hier (Wien gurgelt, aber wozu?, Wien gurgelt, grad nicht) angesprochen, wartete man (offenbar in den Spitälern länger als via Bipa) schin bisher sehr lange bis das Ergebnis am Handy war. Da die 48h Gültigkeit aber trickreich vom Eintreffen im Labor und nicht vom Abnahmezeitpunkt lief, hatte man immer noch ein paar Stunden Nachtgastronomie offen.

Diese Woche wartete ich erstmals über 48h,bus das Ergebnis da war und auch mein Impfnachweis für den Booster brauchte per SMS über 5 Tage, in ELGA und e-Impfpass ist er bis heute nicht.

Wir schließen also daraus, dass die elektronischen Einträge, mit denen diverse Prognosegruppen rechnen auf ziemlich dünnen Eis beruhen und selbst in Wien, dass offenbar weniger Sch.. baute als andere Bundesländer, vieles im Argen liegt.

Die meisten von uns werden auch die vierte Welle überleben, nur sollten sich die Verantwortlichen (auch in Wien) endlich klar machen, dass Taktiken (Testen, Tracen, Optimismus versprühen und das Blamen anderer), die im Honeymoon einer Pandemie funtionieren, jetzt absaufen und ein more of the same (Österreich gurgelt) nur eine Antwort für die Wirtschaftskammer ist.

PS: ab sofort muss man im Wiener Gesundheitsverband auch als Geimpfter 2x pro Woche gurgeln. Es benötigt wenig Phantasie was dad für die Turn around Zeiten der Teste bedeutet.

Written by medicus58

18. November 2021 at 16:53

Veröffentlicht in Gesundheitssystem

Tagged with , ,

Sowas will mitten in einer Pandemie niemand lesen

leave a comment »


Nach Jahrzehnten im öffentlichen Gesundheitssystem hat man schon manches erlebt, das einem inzwischen im Schwall hochkommt. Wenn jetzt Spitäler wieder Alarm schlagen, das hässliche Wort Triage im Boulvarde hoch kommt und WissenschafterInnen und ExpertInnen warnen, dass wieder was an der Kippe steht, es grad noch geht, aber bald und man schon vor Wochen Warnungen erhoben hat grüßt das Murmeltier.

Nein, ich bin nicht so blöd jetzt zu verlangen, dass wir eines der teuersten Gesundheitssysteme der Welt für eine zwei Jahre andauernde Grippewelle auslegen hätte sollen. Und nein, ich vergleiche jetzt nicht SarsCov2 mit den Influenza-Viren, nur standen wir fast jährlich zum Jahreswechsel an der Kippe und wurden nur durch die Saisonalität der konventionellen Grippe vorm Kollaps bewahrt.

Aber nichteinmal für eine kräftige Influenzawelle waren extra- und intramurale Gesundheitsversorgung so ausgelegt, um nicht zu Gangbetten, stiller Triage und Erschöpfung von Personal, Kranken und deren Angehörigen zu führen. Niemand hat das gekümmert von den universitären Experten. (Shit, bin ja auch so einer, aber…. andere Geschichte)

2015 gab es die Schützen wir unsere Spitäler Kampagne der Ärztekammer, die unser Titelbild zeigt und da schnupften wir die damals zirkulierenden Coronaviren einfach weg.

Die Kampagne wurde geführt, weil seit 2-3 Jahrzehnte externe Berater Effizienz ins System brachten. Qualitäts-, OP-, Hygienemanager und Heerscharen von IT-Spezialisten gemeinsam mit aufgeblähten Verwaltungsstrukturen  Posten aus der Primärvsrsorgung abzogen.

Der Pflegeberuf war seit Jahrzehnten unattraktiv, sonst hätten wir nicht seit Jahrzehnten in Wellen Pflegekräfte aus dem Osten, Nahen Osten und Fernen Osten importieren müssen. Die jenigen, die halbwegs fehlerfrei tippen konnten, wurden mit sinnentleehrten Dokumentationspflichten vom Patienten ferngehalten. Und kommen Sie mir jetzt nicht, dass die Millionen Vermerke, die die elekteonischen Krankenakten vollmüllen (Patient hat gut geschlafen, Krankengeschichte angelegt und abgelegt, Medikamente nach Schema verabreicht,…) nur einen Deut zur Verbesserung der Pflegeleistung führten.

Als Lösung wurde die Akademisierung der Pflege verlangt, was den praktischen Nebeneffekt hatte, dass sich Interessenten ihre FH Ausbildung selbst zahlen mussten, während die alten Schwesternschulen aus dem Spitalsbudget abgedeckt wurden. Seither finden sich immer mehr akademisierte Krankenschwestern patientenfern im Qualitätsmanagement.

Ärzte schlagen sich mit insuffizienter Software und Spracherkennung (einen € für jede Verwechslung von ein und kein) herum.

Wir dokumentieren dass wir was tun müssen, tun was und müssen dokumentieren, dass und was wir getan haben.

Der Zustrom von Ärzten wurde durch die Kontigentierungen im Studuen gedrosselt und jeder der später konnte entwich in Privat- und Wahlarztordinationen, Kassenverträge wurden zurück gegeben.

Diese Prozesse liefen seit vielen Jahren, Betten wurden gestrichen, Räume enger gemacht. Ich erinnere mich an stundenlange Diskussionen mit einem der meistbeschäftigten Berater des Wiener Gesundheitsverbundes, dass ein ambulanter Untersuchungsraum in einer Spezialambulanz so groß sein muss, dass auch eine Patientenliege Platz hat, auch wenn das die Errichtungskosten des Krankenhauses um weniger verteuert, als er für seine Schwachsinnigkeiten abzieht. Ja, das ist der, der auch Bücherregale und Aufenthaltsräume im Krankenhaus Nord wegrationalisierte, weil Ärzte ja Bildschirmarbeitsplätze haben…

All das und vieles mehr ist seit vielen Jahren Thema dieses Blogs und wird weder durch Impfungen noch durch Lockdowns gebessert, bedingt diese aber nicht zu einem unbeträchtlichen Teil.

Written by medicus58

16. November 2021 at 19:56

Wissenschaft ohne Evidenz ist jetzt was gerade?

leave a comment »


Dass die binäre Pandemiebekämpfung der tückisch-grünen Bundesregierung, also die   Shut down Shut up Taktik, uns bei 2/3 Geimpfter 2021 höhere Panik als im letzten Jahr ohne Impfung und ohne damals (nach den veröffentlichten Zahlen) nennenswerter Hintergrundimmunität bringt, ist schon ein schlagender Beweis dafür, dass das alles nicht ganz opti lief.

Etwas weniger Evidenz haben oder verlangen wir für das was sonst noch so an Heilslehren herumschwirrt:

Kickln für alle: Jeder weiß es besser

Krisenbewältigung im 21.Jahrhundert: Jeder weiß was der andere tun muss

Wie der Grüne Covid Pass zum Altpapier gemacht wird

Über die Grundlagen, des auf manchen (a) sozialen Kanälen fast herbeigesehnten Lockdowns für alle, habe ich mir schon vor fast einem Jahr (Erbsünde Lockdown oder das Werk Gottes und Kurz’ens Beitrag) Gedanken gemacht, denen nichts hinzuzufügen ist und nur der damalige Bundeskanzler gehört rausgestrichen.

Da uns die Erfahrung lehrte, dass nur der erste Lockdown wirkte, weil die erste Welle in Österreich eigentlich keine war und er auch die konsequente Kontaktbeschränkung am Arbeitsplatz der Baustellen umfasste, darf bezweifelt werden, dass der vom Bundeskanzler Stv. gegen seinen Gesundheitsminister ausgerufene landesweite Lockdown für Ungeimpfte viel bewirken wird. Evidenz haben wir dafür keine, nur den Glauben.

Ja warum wirkt der Lockdown nicht, ihr schlimmen Bürger?

Eine lokale Pandemiebekämpfung, erinnern Sie sich noch an die Pläne und Ampeln, Kommissionen und Fleckerlteppiche, die ist trotz wissenschaftlicher Evidenz grad wieder von einem ungewählten Bundeskanzler beendet worden. Gary Glitter hätte dazu gesagt: I’m the leader of the Gang, und scheiß auf die Verfassung.

Zeit endlich auf Experten zu hören, die nach den Haslauerschen Watschen nun zurück schlugen?

Die 30%-ige Kontaktbeschränkung, die modellbasiert gefordert wird, ist eine Binsenweisheit der Infektiologie, 100% wär besser, aber dann gilt das Haslauersche Diktum.

Die zweite Forderung des Testing-Testing-Testing wurde ja seit Beginn sehr zur Freude der beteiligten Firmen massiv durchgeführt. Ob mit dem Geld am Konto der Gesundheitsberufe in den letzten zwei Jahren nicht einige weniger gekündigt hätten und manche Ressourcen noch vorhanden wären, lassen wir mal unhinterfragt. Aber wo bleibt die Evidenz, dass das und das Kontaktracing einen modifizierenden Effekt auf das pandemische Geschehen hatte? Als es im Sommer 20 und 21 kaum positive Tests gab, hätten die Tracer ja genug Zeit gehabt, die dann ab Oktober steigenden Zahlen zu dämpfen. Aber außer Reiserückkehrerbashing gab es 20 nix und 21 noch weniger.

Jeder kennt inzwischen jemanden, den die Behörde nie, zu spät oder unsinnig angerufen hat. BTW fließen auch hier Millionen hinein, so dass man sich etwas Evidenz wünschen dürfte, nicht?

AG Teste waren rasch aber relativ insensitiv, PCR Teste sind sensitiv aber es dauert zu lange, bis man seinen Status erfährt. Dieser ist dann für alle 3G, 2,5G und 2G plus Etiketten zu spät.

Wären Sie im Supermarkt über ein Ablaufdatum in der Art Gestern war es noch mit größter Wahrscheinlichkeit gut zufrieden?

Liest man bei der AGES nach, nährt das die Zweifel:

12.11.21 Derzeit nehmen die Cluster-Analysen mindestens zwei Wochen nach Beendigung der untersuchten Kalenderwoche in Anspruch.

Mit anderen Worten, die Kontaktpersknen sind entweder noch oder schon wieder gesund, oder haben längst im Spital eingecheckt.

Fassen wir also zusammen:

Totale Kontaktvermeidung ist das einzige Mittel, das gegen Ansteckung hilft, dazu brauchen wir keine Experten.

Lockdowns bringen was, wenn sie alle Lebensbereiche umfassen, nur ist das in der Praxis halt nicht so einfach: Intensivpfleger im Homeoffice?

Die dzt. Impfungen schützen relativ kurz das Individuum und werden das Spiel nicht verändern.

Ungezieltes Testen bindet Kräfte und hat selbst bei niedriger Inzidenz nicht gezeigt, dass es etwas bringt.

Die Gängelung der Bevölkerung ohne klare Evidenz führt zu einer Spaltung in Inquisitoren und Teufelsanbetern. Beides ist kontraproduktiv.

Wenn die nach zahllosen Medienauftritten nun gekränkten Virologen, Immunulogen, Infektiologen, Modellierer und Rot Kreuz Lobbyisten noch ernst genommen werden wollen, sollten sie die Evidenz (und allf. ökonomische Befangenheit) ihrer Empfehlungen offen legen, wie in jeder ordentlichen wissenschaftlichen Meinungsäußerung.

Und angesichts der vielen Unterschriften auf dem Papier fällt mir noch etwas anderes auf: I. d. R. sind Arbeiten mit sehr vielen Co-Autoren immer hinterfragbar, so dass jedes gute Journal inzwischen verlangt, den Beitrag aller Co-Autoren anzugeben. Wäre für so Unterstützungslisten auch zu überlegen.

Lösungsvorschläge:

Testen und forcierte Impfaufforderung auf Risikogruppen beschränken, dort aber konsequent.

Da uns Covid-19 noch Jahre nicht verlassen wird, brauchen wir ein (schwedisches?) Konzept, das über Jahre funktioniert und finanzierbar ist.

Nach Jahrzehnten an Schulversuchen im Gesundheitssystem ist dieses (extra und intramural) resilient zu gestalten, wenn Grippewellen einmal nicht nach 2 Monaten vorbei sind. Das auch all den aufgeregten Journalisten ins Stammbuch geschrieben, die zwar jeden Winter über Gangbetten schrieben, aber sonst nicht um die politische Durchlöcherung der gesundheitlichen Versorgung recherchierten.

Und akut wird es halt zu, wie die Politik zu sagen pflegt, unschönen Bildern kommen, wenn man zu lange ein Problem durchzutauchen versucht.

Written by medicus58

14. November 2021 at 13:41

%d Bloggern gefällt das: