Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Archive for the ‘Gesundheitssystem’ Category

Tückisch-grünes Wien bashing? Als wäre es nur das…

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Die ärmsten sollen entlastet werden, aber da die ohnehin degressiv weniger bis gar keine Einkommensteuer zahlen, werden sie progressiv von ihren Krankenversicherungsbeiträgen befreit. Für Einkommen unter 2.500 Euro brutto im Monat reicht das von 1,7 bis 0,2 Prozentpunkten, und um die Verwaltung zu vereinfachen soll das in 9 Stufen erfolgen.

Da sich das aber auch auf die vom Arbeitgeber bezahlten Beiträge („Lohnnebenkosten“) auswirkt, errechnete Der Standard  ein Loch für die Gesundheitskasse von 1,2 Milliarden €.

Im Raum steht das nebulose Versprechen das auszugleichen, aus welchen Töpfen, wenn man den Großkonzernen die Köst großzügig nachlässt, wäre eine lohnende Matheaufgabe für zukünftige Zentralmaturas.

Dass der Wiener Bürgermeister unabsichtlich oder fahrlässig in die Propagandafalle tappt und nur gegen den Wien-spezifischen 100€/Jahr Klimabonus (welch absurde Wortschöpfung) wettert und das ganze auf ein Wiener Bashing reduziert, statt das ganze Konstrukt zu dekonstruieren, hinterlässt sprachlos.

Was als ökosoziale SteuerREFORM angekündigt wurde und sich als SteuerSENKUNG für Großbetriebe und ein paar Cent KlimaZUCKERL für Unselbsständige herausstellt ist eine weitere Aushöhlung der solidarischen Gesundheitsversorgung.

Ob wir Wiener nun 8,33 € pro Monat oder 16,66 € pro Monat refundiert kriegen, hat weder was mit dem Klima noch was mit einer Reform zu tun und wird absehbar von der nächsten Erhöhung der Rezeptgebühr wieder reingebracht.

Written by medicus58

6. Oktober 2021 at 07:55

Wien gurgelt, aber wozu?

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Nicht alles was klug klingt ist gescheit, oder konkreter in medizinisch diagnostischen Termini:

Der sicherste Test bringt im Nachhinein nur dem Pathologen was.

Im verständlichen Versuch auf die Delta-Variante zu reagieren, stanzt die Politik die schnellen aber weniger sensitiven Antigentests und kauft sich in das logistisch beeindruckende PCR-Projekt eines privaten Anbieters ein. Es mag spekuliert werden, ob die verpflichtende Ausweitung auf Schulen und Krankenanstalten nicht auch auf die unausgenutzten Kontingente zurück zu führen ist, die die Stadt Wien dem Privatlabor zugesagt hat, aber auf den ersten Blick schien, außer finanzielle Überlegungen, nichts gegen die flächendeckende Nutzung eines hoch sensitiven und spezifischen Tests zu sprechen, außer die eigene Erfahrung.

Wie alle geimpften Mitarbeiter des Wiener Gesundheitsverbundes bin ich verpflichtet einmal pro Woche zu gurgeln. Einiges Getippe, Handy-Registrierung, Mail-Bestätigung und QR-Ausdrucken am Vorabend und ich bin registriert:

6:20 Tag 1: ich steh etwas früher auf, denn der Gurgeltest sollte daheim vor dem Zähneputzen erfolgen, und gurgle, spucke und verschließe mein Sackerl.

8:10 Tag 1: ich werfe im Krankenhaus mein Sackerl in einen der schon rammelvollen Sammelbehälter, die um 9:00 geleert werden

Tag 1: keine weiteren Vorkommnisse

12:10 Tag 2: eine SMS schickt mir einen PIN Code für mein Testergebnis und verweist auf eine weitere SMS für den Link, wo ich das Testergebnis abrufen könnte

13:35 Tag 2: der Link kommt über 30h nach meinem Gurgeln

Auf dem (negativen) Testergebnis steht aber Abnahmezeit (Sampling time) 12:48, was bestenfalls den Zeitpunkt des Eintreffens der Probe, nicht aber den wahren Abnahmezeitpunkt reflektiert. Klar, den weiß die Firma ja trotz viel Registrierung nicht.

Der Fehler von ca 6h wäre prinzipiell negierbar, aber da mit großem medialen Aufwand die „Gültigkeit des PCR“ um 24h gesenkt wurde, macht das doch einen Fehler von 25% aus!

Jedenfall habe ich nun noch für 18h einen gültigen Test, die ich überwiegend nicht an meinem Arbeitsplatz verbringen werde.

Wäre ich nun positiv getestet worden, hätte ich gewusst, welche Patienten ich in den letzten beiden Arbeitstagen möglicherweise angesteckt habe, aber hätte mich der erste Patient nach dem Gurgeln angesteckt, wäre auch die jetzige Sicherheit hinterfragbar. Überdies hat inzwischen schon der Rechnungshof begriffen, dass das Contactracing angesichts der hohen Fallzahlen auch wenig brachte.

Fassen wir also zusammen, in Zeiten des Deltavirus, dessen Inkubationszeit nur mehr 4 Tage dauert (Link) und es kaum asymptomatische Träger gibt dauert es 1,5 Tage bis ein Ergebnis vorliegt. Nächste Woche wiederholt sich das Procedere.

Dass irgendeine Reaktion von der Politik verlangt wird, wenn die Zahlen steigen, ist verständlich. Kann mir aber irgendwer erklären, dass der Aufwand von Wien gurgelt vielmehr als ein sehr teures Placebo darstellt?

Written by medicus58

23. September 2021 at 20:11

Solidarität in der Pandemie wird pandemisch

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Propaganda scbaffte es stets prinzipiell positive Begriffe so zu funktionalisieren, dass sie sich ins Gegenteil verkehren.

Wenn nun allenthalben zur Solidarität in der Pandemiebekämpfung aufgerufen wird, dann ist dem ja prinzipiell zuzustimmen, wenn das von denen kommt, die sich bidlang vordringlich um die eigenen Schäfchen kümmerten, wird es ärgerlich.

Wenn, trotz gegenteiliger Evidenz, die vierte Welle allein den Ungeimpften in die Schuhe geschoben wird, dann schrammt das schon nahe an die Vorhersagen vieler Verschwörungstheoretiker heran.

Wenn jetzt die Intensivbettenkapazität als Parameter herangezogen, widerspricht das nicht nur rezenten internen Prognosen, die in der Deltawelle die Kapazität der offenen Covid-Stationen als prozesskritisch erkannt haben wollen, es negiert völlig, dass die bestehenden strukturelle Kapazität im Gesundheitssysten nicht mehr abrufbar ist, weil inzwischen das Personal gekündigt hat. Soviel zum Gerate, weshalb bei relativ noch niedriger Intensivbelegung und langsamerem Anstieg im Vergleich zu 2020 in Wien große Sorgen bestehen.

Wenn jetzt plötzlich die Eigenverantwortung groß geschrieben wird und Ungeimpfte, Adipöse, Hypertoniker, Diabetiker,… ja irgendwie durch ihren Lebensstil selbst für die Krankheit verantwortlich wären, hätte ich mir diese Argumentation auch bei den Liftbetreibern gewünscht, die während der Hochzeit der dritten Welle im Privatjet in Südafrika zum Golfurlaub waren.

Das alles erinnert an den klassischen Schmäh von Bronner/Qualtingers Travnicek Sketch, der die Solidarität des Krankenkassensystems so beschrieben haben.

B: Ja, aber in der Not (im Krankeitsfall) wird ja auch was geleistet

Q: Ja, Beiträge

Wenn man seit Jahren als Arzt im öffentlichen Gesundheitssystem immer beschuldigt wurde zu teuer zu sein, korrupt zu sein, auf schwere Ausstattungsmängel nur hinzuweisen, weil man wieder teures Spielzeug möchte, Personal reduziert wurde und gleichzeitig Mehrleistungen von einem immer stärker wachsenden Verwaltungsbeteich verlangt und fachliche Einwände von Schreibtischtätern vom Tisch gewischt wurden, dann fühlt man sich durch die jetzigen Aufrufe zur Solidarität vermutlich genau so verarscht, wie das P. T. Publikum, das seit Jahren mit Messagecontrol statt Information auf Augenhöhe verhöhnt wird. (positive Tests statt Krankheitsrisiko, Impfkampagne ohne ausreichende Impfungen, nationale Gremien, die sich nach Stunden einigen, auf internationale Empfehlungen zu warten,…)

Wie in jeder Krise sterben auch jetzt nicht nur Menschen sondern noch viel mehr Ideale.

PS: das Bild zeigt übrigens den „Erhaltungszustand“ der Dienstbekleidung im Krankenanstaltenverbund

Written by medicus58

10. September 2021 at 08:30

Der Weg aus der Pandemie wir mindestens ebenso holprig wie in sie hinein

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Die Inzidenz ist erstmals seit Oktober 20 unter 100 und schon erklären uns die altbekannten Experten wieder, welche Bremsfaktoren uns hoffen lassen.

Noch sind die Wirtshäuser bis auf die Abholschneisen verammelt, am Montag feiern wir dann plötzlich Auferstehung, aber natürlich mit Sicherheitskonzepten.

Die Spitalsambulanzen füllen und die Spitalsbetten leeren sich, die Intensivbetten weniger, aber egal. 

Wir wissen eigentlich noch immer nicht, wieso das Virus zu unterschiedlichen Ausmaßen und zu unterschiedlichen Zeitpunkten weltweit zugeschlagen hat, in Österreich wollen wir nichteinmal so genau wissen wen es getroffen hat. Fürchteten sich zuerst die Lehrer vor den Schülern und wurden deshalb gleich nach dem Spitalspersonal geimpft, fürchten sich nun die Eltern vor ihren von ungeimpften Lehrern angesteckten Kindern. Weil sich dann doch nicht so viele impfen ließen.

Um gerade die Schuldiskussion, die uns auch seit einem Jahr ohne echte Lösungsstrategie begleitet, wieder etwas anzufachen, meldet sich Herr Sprenger mit einer Petition zur UNEINGESCHRÄNKTE ÖFFNUNG DER SCHULEN UND KINDERGÄRTEN AB DEM 17. MAI 2021.

Na wenn da nicht wieder Bullen und Bären einander auf der Blutwiese treffen und vielleicht gibt es auch wieder airtime in der ZIB-2.

Aber ernsthaft, haben wir irgendetwas im letzten Jahr gelernt, wie wir zukünftig einer globalen Gesundheitsgefahr trotzen wollen, außer allen anderen die Schuld zu geben, mit detailierten Regeln ein Glasperlenspiel zu spielen, ohne in der Realität etwas zu bewegen.

Haben wir uns nach einem Jahr endlich zwischen EU-zentrismus und föderalem Fürstentum entschieden?

Hören wir auf Computersimulationen, Expertenkommissionen oder PR Berater und wann kommt der Faktencheck was diese, aber auch die Telefon-Hotlines, Contactracing, Millionen für niedrig sensitive Teste, 3-Personen aus 5-Haushalten-Verordnungen wirklich gebracht haben?

Wenn ich spoilern darf: sehr wenig

Sollte sich, natürlich auch durch das Impfen bestimmter Gruppen, letztendlich aber auch durch Hintergrundimmunisierung, wie bei jeder Pandemie bisher, SarsCov2 auf eine „Influenza C“ reduzieren, dann sehen sich Gewinner und Verlierer der Pandemie ganz anderen Konflikten gegenüber, von denen zwar akut die ökonomischen die drängendsten sein werden, aber in dem hysterisierten Klima auch ganz andere aufpoppen werden.

Kann ein Patient zukünftig von seinem behandelnden Arzt, ein Passagier von seinem Mitreisenden Auskunft über seinen Immunstatus verlangen?

Muss der Hausarzt Strafe zahlen, wenn sich zukünftig einer seiner Patienten im Wartezimmer eine Grippe eingefangen hat und dort keine Luftfilterung eingebaut war?

Verhängen wir nun jede Grippesaison wieder Homeoffice und Maskenpflicht, weil das nun nachweislich gewirkt hat?

Warum werden routinemäßige HIV Tests nicht Pflicht?

Entscheiden Eltern nun auf immer, ob ihnen der Schulbesuch ihrer Kinder sicher erscheint und erschöpft sich Didaktik in Zukunft im Austeilen und einsammeln von Arbeitsaufträgen?

Wird die Entlohnung im Gesundheitssystem gänzlich durch Applaus ersetzt?

Was haben uns die bisherigen Millionen in die elektronische Krankenakte ELGA gebracht?

Werden nun 40€ jährlich für die Covid-Impfung für jeden Bürger fix im Budget eingeplant, wenn die EU schon Milliarden Impfdosen bestellt hat und warum war man bei anderen Impfungen (z. B. HPV: HTA oder ob wir eine Diagnose bezahlen hängt nicht nur von deren Qualität ab ) da so zögerlich?

Wenn Sie mich am Montag vielleicht beim ersten Schnitzl im Gastgarten des lokalen Beisls treffen, dann sollten wir uns nicht nur über diese kleinen Freuden unterhalten sondern auch darüber, ob wir nicht langsam die Kontrolle über das Ende der Pandemie einfordern sollten, nachdem sie uns seit deren Anfang entzogen wurde.

Written by medicus58

12. Mai 2021 at 16:38

Veröffentlicht in Gesundheitssystem

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ÖÄK: Opt-out-Verlängerung löst Problem von Ärztearbeitszeit nicht

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Die tückisch-grünen Regierungen fiindet für den Spitalsärztemangel die gleiche Lösung wie alle früheren Politiker jedwelchen Coleurs: Mit allerlei Tricks hebeln wir die Europäische Arbeitszeit-Richtlinie immer wieder aus.

Erinnern wir uns doch an die damalige SP Gesundheitsstadträtin Wehsely 2015: die spinnen, die Ärzte: Mehr Geld für weniger Arbeitszeit

Jetzt 2021 kabelte VP Klubchef und Asozialsprecher Wöginger :

Verlängerung der Opt-Out-Regelung soll ausreichend Personal in Spitälern sichern

Da hat er aber seine Rechnung ohne unsere Standesvertretung gemacht und postwendet kontert ÖÄK-Mayer: Opt-out-Verlängerung löst Problem nicht

Die Spitalsträger waren säumig und haben bei den Ländern leider nicht die zusätzlichen Dienstposten gefordert, die schon längst überfällig sind

Da wusste ich, weshalb ich Kammer-Beiträge zahle!

Im Radiointerview setzte er noch nach, dass man auch deshalb in die aktuelle Situation schlitterte, weil man zu wenige Fachärzte ausbildete. Wenn ich das nicht tue, war ich säumig.

Und da war sie wieder die Frage, wofür ich Kammerumlage zahle.

Es war die massiv von der Ärztekammer unter Führung des OÖ Kammerpräsidenten betriebenen, vom damals roten Gesundheitsministerium gewollte und von den Landesgesundheitspolitikern (insb. Wien und NÖ) verlangte Ärzte Ausbildungsreform, die unter dem vorgeschobenen Argument der Qualitätsverbesserungen die Facharztausbildungsstellen massiv reduziert hat.

Ich saß damals in einigen dieser Sitzungen, zu denen Harry Mayer (oberösterreichischer Unfallchirurg und gefühlt ewiger Kurienpräsident der angestellten Ärzt) gern später kam und früher ging.

Aber wer erinnert sich denn heute noch daran, wer wird sich morgen noch an die heutigen Pressemeldungen erinnern? Wer wird sich bald auch bei uns noch freiwillig ins öffentliche Gesundheitssystem trauen, als Mitarbeiter oder Patient?

Written by medicus58

11. Mai 2021 at 20:22

Pandemiebekämpfung: Absurdität in der Praxis

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Ort der Handlung: Filiale der Bank Austria auf der Mariahilferstrasse; für nicht Ortskundige sei erwähnt, dass diese Filiale eine große 24h Halle mit mehr als einem Dutzend Selbstbedienungsautomaten hat.

Zeitpunkt: kurz vor 16:00 nachdem der Sildenafil-gehärtete Lockdown in die etwas abgeschlaffte Version überging und noch vor der großen Öffnung Mitte Mai von eh irgendwie allem.

Eine lange Schlange an Kunden wartet vor der Filiale, weil der Sicherheitsdienst vorbildlich darauf achtet, dass die behördluch erlaubte Maximalzahl an Kunden in der Filiale und die Abstände im Inneren eingehalten werden und vertröstet die Wartenden mit einem „wos soll’n ma mochen, aber um viere san ma eh weg, wos glauben S‘ wie’s a sie do obspüt jeden Tog…

Das wäre ja alles noch keine Zeile auf diesem Blog wert, wäre da nicht der Bauzaun der U-Bahn Baustelle, die seit Monaten den Gehweg der Begegnungszone gerade vor der Bankfiliale auf nicht viel mehr als einen Meter einengt und die Passantenmassen, die sich an den Wartenden vorbeiquetschen, meist maskenlos, versteht sich, weil erstens das Maskengebot im Freien aufgehoben ist, und zweitens weil es dieses auf der, auch während des harten Lockdowns auf der Mahü nie gegolten hat, obwohl es auch hier um Fressstände und andere offene Einrichtungen (Click ‚N‘ Pick) schon früher sehr dicht wurde.

Schlag 16:00 verabschiedete sich der Ordnerdienst und winkte die Wartenden alle auf einmal in die Filiale.

Sicher, eine Kleinigkeit, aber in dieser oder ähnlicher Form wahrscheinlich im ganzen Land anzutreffen. Natürlich kann man nicht 24h einen Ordnerdienst vor jeden Selfservicebereich aufstellen, aber dass behördlich genehmigte Baustellenzäune das Einhalten von Verordnungen unmöglich machen ist schon kafkaesk.

Written by medicus58

5. Mai 2021 at 08:16

5 Stunden Medientraining reicht

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Ich kann nicht sagen, dass meine bisherige (kurze) persönliche Erfahrung mit Kollegen Mückstein mich zu seinem Fan gemacht hat, nur ist das ziemlich irrelevant, denn die Auswahl halbwegs einschlägiger Fachleute für das Resort war bei den Grünen stets überschaubar und durch das „segensreiche Wirken“ Glawischnigs und Felipes ausgemendelt.

So gesehen ist Mückstein nicht das Schlimmste, was die Grünen für das Ministerium hervorbringen konnten, wären nicht einige der üblichen Verdächtigen (Sigrid Pilz!) lieber auf ihren gut dotierten Pöstchen verblieben.

Mitleid scheint auch für Minister Mückstein zumindest finanziell nicht angebracht, wenn er (Miteigentümer einer Grupprenpraxis mit PVC, Kassenfunktionär) im Standard Interview versichert, dass er durch seinen Jobwechsel keine finanzielle Einbuße erlitten hat. Sicher bemerkenswert für viele andere Praktiker, da das monatliche Bruttogehalt eines Ministers bei 18.000 Euro liegt. Wie oft das ausgezahlt wird, fand ich leider auf die Schnelle nicht.

Auch eine andere Aussage des Interviews ist bemerkenswert. Mückstein, der Nervengigant in Turnschuhen, gestand, dass er vor seinem ZIB-2 Interview weniger als 5 Stunden Medientraining hatte, wo ihm breitbeinig Stehen und Hände runterhängen lassen abgewöhnt wurde.

Dass dafür in den wenigen Stunden seit seiner Amtseinführung überhaupt Zeit gewesen ist, macht hoffnungsvoll, dass die Lage nicht so ernst sein dürfte, denn an geschulten Hände-Fuchtler und PR-Marionetten hätte die tückisch-grüne Regierung ohnehin keinen Mangel.

Halten Sie mich für naiv, aber mir fiele in dieser Zeit Nutzbringenderes ein um diese Krise zu bewältigen, aber vielleicht geht’s eh primär nur um den Anschein.

Written by medicus58

24. April 2021 at 14:22

Der Kommissions-Cluster

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Ein Screenshot der aktuellen news.orf.at offenbart das Dilemma der politischen Pandemiebekämpfung: Vor und nach den medialen Auftritten der politischen Balletttänzer tagen inzwischen eine unübersehbare Anzahl an Ampel-, Schließungs- und Öffnungskommissionen, bundesweiten und regionalen Haupt- und Nebenkommissionen, Krisenstäben, Sanitäts- und Impfgremien, AGES, BASG,….

Am Ende sperrt dann der Bundesmaturant auf oder zu, darf sich der Gesundheitsminister mit den Erklärungen dss Unerklärbaren abmühen und der Vizekanzler das gute Klima loben.

Wir lehren inzwischen bereits in den Volksschulen Projektmanagement und Selbstpräsentation, bis in die Regierungen hat sich zumindest das eine noch nicht herumgesprochen.

Written by medicus58

23. April 2021 at 07:56

Wer kommt mit dem Mückstein?

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Den Nachfolger des ausgebrannten Gesundheitsministers wurde nicht die Wiener Patientenanwältin Pilz sondern der bislang in einer Gruppenpraxis, später dem ersten Primärversorgungszentrum in Wien und in der Ärztekammerfraktion der Grünen Ärzte Wiens agierende Dr. Wolfgang Mückstein. Seit heute 12:10 hat er auch seinen Wiki-Eintrag, an dem bis 14:00 18 Autoren betätigten.

Wer sei besser geeignet als ein Mann der Praxis, so präsentierte Vizekanzler Kogler seinen neuen Gesundheitsminister, und kaschierte erstmals perfekt das wahre Dilemma der grünen Regierungsbeteiligung.
Die Personaldecke der Grünen ist seit dem Hinauswurf aus dem Nationalrat erschreckend dünn und war im Gesundheitsbereich nie dicker. Kein Wort darüber, dass er, Kogler, zwar die Grünen in die Regierung geführt hat, aber nie und nimmer ein solches Superministerium (Gesundheit, Soziales, Pflege, Konsumentenschutz, …) jemanden wie Anschober (sorry für den alten Link: Ein ausgebrannter Gesundheitsminister) antun hätte sollen. Wäre es nicht die Pandemie gewesen, wären es andere Baustellen in diesem Resorts gewesen, die jeden Quereinsteiger zum Scheitern gebracht hätten, es sei denn er könnte auf genügend qualifizierte Personen in seinem Hintergrund zurückgreifen.

Weniger nachträglichen Respekt und mehr begleitender Unterstützung hätte man Anschober geben sollen, und ihn nicht gutgläubig Mitarbeitern wie den Herrn Auer, seine Chief Medical Officer-in und anderen auszuliefern. Das Gesundheitsministerium ist traditionell und politisch beabsichtigt machtlos ohne Unterstützung durch andere Ministerien.

Ja, und wird das Kollege Mückstein besser hinkriegen?

Ein so williges Opfer, wie Anschober wird er nicht werden, der sich auch noch dafür entschuldigte, als ihn Bundeskanzler, Innen- und Finanzminister anrennen haben lassen, dafür hat er sich sowohl beruflich als auch kammerstrategisch schon als beinharter Verhandler bewiesen. Ob das genügt, mag aber bezweifelt werden.

Als die Gesundheitspolitik, übrigens unter Rendi-Wagner, die Eier legende Wollmilchsau Primärversorgungszentren entdeckte, benannte er mit seinen Miteigentümer eine längst bestehenden Gruppenpraxis rasch um und kassierte die ausgeschriebenen Subventionen.
Gesundheitsökonom Pichlbauer meinte zu dieser einrichtung: Dort passiert nicht Primary Health Care, sondern das ist eine hausärztliche Gruppenpraxis, in der zufällig noch eine Krankenschwester auf Kosten des Landes angestellt ist.
Dass gerade neben einem Ambulatorium der Wiener Gebietskrankenkasse in der Mariahilferstraße der Bedarf an einem weiteren „Ambulatorium“ nicht zu dringend sein konnte, spielte keine Rolle, schließlich dürfte die Praxisgemeinschaft auch gleich deren Labor mitbenutzen. Dass kurz darauf keine weiteren Patienten mehr aufgenommen wurden (!), konnten treue Leser dieses Blogs hier lesen, (Die Primärversorgungszentren richten sich nicht gegen den Hausarzt, aber) interessierte aber niemanden. Hier hat sich die Vernetzung Mücksteins voll ausgezahlt.

Von den hochfliegenden Ankündigungen vor der letzten Wahl zur Wiener Ärztekammer 2017 (Es grünt so grün – Schlaglichter aus der Wiener Fraktion Grüne Ärztinnen und Ärzte) war nach der Wahl nichts mehr die Rede (Auflösung der Kurienreferate, Reduktion der Referate, Aufwertung des Referats für Ausbildung, Einführung einer Obergrenze für Referats- und Funktionär_innenkosten, Reduktion der Kammerumlagen) als Mückstein mit Thomas Szekeres im Schlepptau eine Koalition gegen den Wahlsieger bastelte und Posten gegen Stimme dealte, um Szekeres den Weg zum Wiener Ärztekammerpräsidenten zu ebnen, was die Voraussetzung war, dass er schließlich auch Präsident der Österreichischen Ärztekammer werden konnte. Auch da hat sich der Kollege als Machiavellis Schüler gezeigt.

Wenn er am kommenden Montag von Bundespräsident Van der Bellen angelobt wird, macht er praktisch einen Hausbesuch bei seinem eigenen Patienten. So gesehen hat Werner Kogler, schon recht, wenn er Mückstein als Macher präsentierte.
Kritikern, die an seiner Ausbildung in Traditioneller Chinesischer Medizin Anstoß nehmen und da eine Wissenschaftsfeindlichkeit vermuten, kann man vermutlich beruhigen, wenn es um Geld, Macht und Einfluss ging, schien der Kollege durch wenig konfuzianische Gleichmut gebremst.

So gesehen hätte Werner Kogler auf das richtige Pferd gesetzt, aber genügen diese Fähigkeiten, die Mückstein bislang stets auch zu seinem eigenen Vorteil eingesetzt hat? Qualifiziert das Medizin- und TCM Studium und einige standespolitische Kampferfahrung für ein Mammutresort, das weit über rein medizinische Fragen hinausgeht.

Wo sind die Sozialexperten der Grünen, die Mückstein gegen Kurz, Blümel, Kocher und die Wirtschaftskammer aufmunitionieren, wenn es um Geld zur Abfederung der sozialen Folgen der Pandemie geht. Dabei werden ihm weder Szekeres noch Ludwig helfen können, wenn er durch die Machtmaschinen Kurz und Nehammer ausgebremst und angepatzt wird.

Würden Kammerränkespiele für den bundespolitischen Einfluss ausbilden, hätte die Ärztekammer nichgt so viel Einfluß in der Gesundheitspolitik verloren.

Auch das Argument ein Arzt ist in jedem Fall ein besserer Gesundheitsminister schwächt ein Blick auf die Liste in der Wikipedia ab:
Wer kann aus dem Stand aufzählen, welche gesundheitspolitischen Weichenstellungen auf Staatsekretär Reinhart Waneck , BuMin Michael Ausserwinkler, BuMin Andrea Kdolsky und BuMin Sabine Oberhauser und Sektionsleiterin der Sektion III, „Öffentliche Gesundheit und medizinische Angelegenheiten“, Vorsitzende des Bundesamts für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG), Mitglied der Bundesgesundheitskommission. und BuMin Pamela Rendi-Wagner zurück gehen.

Es steht also auch zu befürchten, dass es nicht vordringlich um fachliche Kompetenz geht, um gesundheitspolitisch etwas weiterbringen. Auch das Brennen für die Sache führt, siehe Anschober, rasch zum Ausbrennen. Zumindest das wird dem neuen Minister nicht so bald passieren.

Written by medicus58

13. April 2021 at 19:45

Gesundheitsminister: Da sieht man wieder, wer die besten Drähte hat

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Kurz nach Anschobers Rücktritt mutmaßen die Medien noch, Sigrid Pilz könnte ihn beerben, bald darazf tippen Heute und Krone auf Mückstein, den Grünen in der Ärztekammer, dessen Gruppenpraxis zum Primärversorgungszentrum hochsubventioniert wurde und der den Wiener Ärztekammerpräsidenten „gemacht“ hat.

Fellner hat schon 7h vorher ein großes Interview mit ihm geführt.

Written by medicus58

13. April 2021 at 11:00

Veröffentlicht in Gesundheitssystem, Nationalratswahlen 2019

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