Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Archive for the ‘Gesundheitssystem’ Category

Pharma zahlt PatientInneninitiativen € 1.435.059

leave a comment »


Leseempfehlung einer interessanten Analyse des LBI HTA über Pharmagelder

A priori sind Zahlungen an Patienteninitiativen ebenso wie Zahlungen an Ärzte nichts Böses, es kommt natürlich auf die Form der Gegenleistung an.

Medial erfährt man aber nur von Pharmageld für Ärzte so dass ich die Initative des LBI begrüße auch andere Geldflüsse zu analysieren.

Dass die Hauptempfänger, so wie im Falle der Ärzte in den Bereichen Onkologie & Hämatologie, Neurologie, Lunge, Hämophilie und Rheumatologie zu finden sind erhärtet meine hier schon oft wiederholte Binsenweisheit:
Drittmittel gibt es dort wo Erstmittel fließen …

http://eprints.hta.lbg.ac.at/1132/ 

Advertisements

Written by medicus58

20. September 2017 at 20:01

#NRW17 So unauffällig verschwiegen, dass es völlig untergeht.

leave a comment »


In den inflationär auf allen Kanälen zum Gaudium des TV Publikums hereinbrechenden „Duellen der Spitzenkandidaten“ wird ein gesellschaftspolitisches Thema in seltsamer Einigkeit aller Beteiligter penibel ausgespart.

Neben dem scheinbar artabhebenden Merkmal „des Asylantenproblems“, das Gutund Bösmenschen verlässlich in jeder Diskussion zur Selbstdefinition nützen, wird grad noch darüber schwadroniert, dass die Pensionen sicher sind, die Lohnnebenkosten und die Mieten sinken und die Einkommen steigen müssen. Dass wir für die Sicherheit unserer persönliche Freiheit diese offenbar gänzlich aufgeben müssen, versteht sich offenbar ohnehin, ohne viele Worte …

Über den Bereich, der seit über einem Jahrzehnt das politische Spielfeld permanenter Reformen ist, das neben dem Bildungswesen und der Altersversorgung einer der wenigen Bereiche ist, für die eine gesamtgesellschaftliche Einigung unumgänglich scheint, herrscht flächendeckende und in besorgniserregender Einigkeit eingehaltene Funkstille:

Über das solidarisch finanzierte Gesundheitssystem schweigen wir beredt.

Wenn überhaupt kommt das Gesundheitssystem ins Spiel, wenn die einen Asylanten als aktueller Kostenfaktor, die anderen als zukünftiger Nettozahler ansprechen, aber alles andere scheint belanglos.

Die Diskrepanz zwischen politisch erweckter Erwartungshaltung und täglich erlebten Unzulänglichkeit, die undurchsichtigen Finanzierungsströme, die Widersprüche zwischen bundesweiter Planung und regionaler Umsetzung.

Es ist für den Durchschnittsbürger vielleicht nicht uninteressant, ob seine Versorgung zukünftig von einem Helpdesk, von einer Pflegekraft oder seinem Hausarzt übernommen wird. Ob er weiterhin einen freien Zugang zum Facharzt hat oder in ein managed care System gelotst wird.

Vielleicht sollte mal den Wähler fragen, ob er es schätzt, wenn er in einem Krankenhaus zwar Spezialabteilungen, aber phasenweise keine Spezialisten mehr vorfindet.

Wurde dem Wähler schon einmal die Wahl gegeben, ob er ELGA finanzieren will oder es zumindest geil findet, seine Blutbefunde im Netz suchen zu dürfen?

Ist der Wähler nicht ndig genug mit seinem Wahlzettel auch darüber zu entscheiden WELCHES Gesundheitssystem er denn gerne hätte?

Ich behaupte einmal, dass für die meisten die Gesundheitsversorgung ein weniger abstraktes Thema ist als viele anderen rauf und runter diskutierten Themen ist.
Es sollte uns doch etwas misstrauisch machen, wenn darüber nicht gesprochen wird. Auch vor der letzten Wiener Gemeinderatswahl war das Thema tabu und danach ist der KAV implodiert …

PS: Die Abbildung oben zeigt das Deckblatt des Arbeitsprogramms der Bundesregierung 2017/2018 nur mal so zur Erinnerung

Written by medicus58

19. September 2017 at 18:17

Alles wie gehabt: Ist die Sonja schon wieder zurück?

with one comment


Alles wie gehabt. KAV Ärzte erfahren am Morgen via Radio Wien, dass die Rufbereitschaft eingeführt wird;
nicht von ihrem Generaldirektor, den gibt es ja seit Monaten nimmer,
nicht von ihren Vorgesetzten, die haben es auch noch nicht erfahren,
nicht von ihren Personalvertretern,
nicht von ihrer Gewerkschaft,
nicht von ihrer Ärztekammer (was tlw. ohnehin schon dieselben Personen sind) sondern
„aus dem Rathaus“ und „aus dem Radio“.

Rahmenbedingungen? Schmecks!
Entlohnung? Schaun mir mal.

Natürlich entscheidet das nicht die Konzernführung, der man doch mehr Freiheit versprochen hat, sondern das Büro der Frau Stadtrat.
http://wien.orf.at/news/stories/2865946/

Die Ärztekammer hat Verständnis und bemüht die Beispiele des Transplantationschirurgen und Gerinnungsexperten.
Dass das letztendlich dazu führen wird, dass auf den meisten Abteilungen der öffentlichen Krankenhäusern, so wie in den privaten Häusern, im Nachdienst nur mehr ein „billigerer“ Allgemeinmediziner anwesend sein wird, scheint dort niemand so als Gefahr zu sehen.

Noch sind die Rahmenbedingungen völlig ungeklärt, beschlossen werden soll das neue Gesetz am 23.11. im Rathaus.

Dass vor zwei Jahren die Wiener Ärztekammer in einem Flyer zum Neuen Arbeitszeitmodell noch vollmundig festgehalten, dass es keine Rufbereitschaft geben wird (http://www.aekwien.at/aekmedia/150303_KAV_Flyer_RZ.pdf) aber die Wahl ist geschlagen, die ÄK-Wahl, alles ist im Fluss und eh schon wissen …

Und auch die Gewerkschaft hob stolz hervor, dass es keine Rufbereitschaft geben wird! (Seite 14 des Folders)

Aber schließlich hat doch im April 2017 ungefragt die Gratis-Zeitung HEUTE hinausposaunt: Weniger KAV-Ärzte in der Nacht, dafür Rufbereitschaft. Viele Patienten sind besorgt. Aus dem Wiener AKH heißt es: „Das funktioniert sehr gut.“

Meine Meinung dazu, habe ich schon früher mehrfach festgehalten und die einzelnen Beiträge hier zusammengefasst:

Danke, Frau Stadtrat, für dieses Kopfkino 

PS: Wien heute: 15-20% der Nachtdienste sollen als Rufbereitschaft geführt werden
http://tvthek.orf.at/profile/Wien-heute/70018/Wien-heute/13945799/Rufbereitschaft-fuer-Spitalsaerzte/14132064

Written by medicus58

14. September 2017 at 16:37

Eine Mille Lehrgeld für die Stadt Wien

leave a comment »


​Unkommentiert erfuhr man gestern in Wien heute, dass sich die Stadt Wien entschlossen hat, den Generaldirektorposten im Wiener Krankenanstaltenverbund ersatzlos zu streichen und ab 2019 eine Führung mit mehreren Direktoren haben zu wollen. Irgendwann schreibt man das auch aus …

Udo Janßen war in dieser Position (Gehalt plus Entschädigung für die vorzeitige Vertragsbeendigung) eine Million Euro wert, ehe Häupl die Frage aufwarf, was dieser denn eigentlich den ganzen Tag so tun würde …

Gefeuert wurde Janßen aber erst, weil die neue Gesundheitsstadträtin „das Vertrauen verloren hat“. 

Wenn der Posten ohnehin unnötig war, wäre es ja egal, ob man seinem Inhaber vertrauen kann, zu hoch dotiert wäre er aber allemal gewesen. 

Die Frage stellte sich in all den Jahren einer Generaldirektion Marhold nicht, der aber über den Weg der FSG-Gewerkschaft/Personalvertretung in das Amt kam.

Nachhilfe kostet viel Geld, schön wenn die Kosten der Steuerzahler übernimmt.

Written by medicus58

6. September 2017 at 07:35

Veröffentlicht in Allgemein, Gesundheitssystem

Tagged with , ,

Die Primärversorgungszentren richten sich nicht gegen den Hausarzt, aber

with one comment


Hurra, in Wien eröffnet am 4. September das nächste Primärversorgungszentrum vor den Toren des Donauspitals, um dieses zu entlasten!

PatientInnen werden 50 Stunden pro Woche, 52 Wochen im Jahr versorgt

Die kürzlich veröffentlichte Sozialversicherungsstudie bestätigt unseren Weg, die Primärversorgung weiter zu stärken. Nur so können Spitäler entlastet und unser Gesundheitssystem nachhaltig abgesichert werden.“, sagt Gesundheitsministerin Pamela Rendi-Wagner.

ÄK Präsi Thomas Szekeres *) scheint plötzlich begeistert: „Die Eröffnung des neuen Primärversorgungszentrums in Wien-Donaustadt ist ein großer Schritt Richtung Zukunft und zeigt, wie wichtig die partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Ärzteschaft, Sozialversicherung und Stadt ist“.
Aus Wiener Sicht, mag sein Vorschlag schon was für sich haben:
PVE in Zukunft aus bestehenden Gruppenpraxen zu bilden
Die „hausärztliche Verdichtung“ außerhalb von Ballungsräumen führt aber zwingend zu prekärer Versorgung in Randlagen!

Na, und WGKK-Obfrau Reischl hat sogar etwas völlig Unvorhersehbares gelernt:
Die Erfahrungen zeigen, dass längere Ordinationszeiten sehr gut von den PatientInnen angenommen werden“,
so dass man sich doch frägt, weshalb die Krankenkassen in ihren bisherigen Verträgen die bestehenden Ordinationszeiten vereinbart haben!

Es bleibt jetzt auch abzuwarten, ob Frau Reischl die für sie neue Erkenntnis auch im eigenen Reich umsetzt,
weil das WGKK – Gesundheitszentrum Mariahilf glänzt weder in Sachen Patientenzufriedenheit noch mit seinen Öffnungszeiten:

(Screenshot Google)

Keine Rede mehr davon, dass „die schwierige Geburt des Projekts in der Donaustadt“ vielleicht auch mit den höchst eigenartigen Ausschreibungsbedingungen zusammenhing: Zur Quadratur des Primärversorgungszentrum im 22. Wiener Bezirk

Schweigen darüber, dass schon beim ersten PHC in Mariahilf politische Drähte glühten, als medienwirksam gerade eine Gruppenpraxis um Grüne Ärzte und den Kammerfunktionär Dr Mückstein  mit einer schönen Anschubfinanzierung zum Primärversorgungszentrum gewandelt wurde. Welche Spitalsambulanz durch diese Einrichtung, die sich nur wenige Schritte vom WGKK – Gesundheitszentrum Mariahilf befindet, entlasten werden soll, bleibt offen. OK, das Sophienspital in der Nähe wird nun geschlossen, aber wer das Spektrum dieses Hauses kennt, wird wohl kaum ernsthaft annehmen, dass die Schließung auf die Versorgungsleistung der Gruppenpraxis beruht!

Im Jubel um die Erfindung der Primärversorgung in Österreich, geht auch völlig unter, dass der Ansatz uralt ist (WHO findet Primärversorgung in Kasachstan seit fast vier Jahrzehnten super), was ja prinzipiell einmal nicht schlecht sein muss, aber dort wo er schon vor Jahren gewählt wurde, die Kosten für den Steuerzahler erhöhte und den Zugang für die Patienten erschwerte (Vor der Wahl: Die feuchten Träume unserer Gesundheitspolitik).

Wie hier schon vor zwei Jahren (!) ausgeführt (PHC: Für wie blöd halten uns die eigentlich?), wird aber bis heute nicht öffentlich diskutiert, wie die zusätzlichen Leistungen (Ärzteteam, lange Öffnungszeiten, zusätzlichen Gesundheitsberufe, …) mit den aktuellen Kassenhonoraren finanziert werden können. Initial gibt es ja eine flotte Anschubfinanzierung, aber danach?
Die Presse“ berichtete sogar, dass Reischl allen Gruppenpraxen mit zwei Vertragsärzten eine dritte Stelle sowie eine Umwandlung in eine PVE anbieten will. Das kostet!

Wie immer Holzschnitt-artig (um nicht zu sagen Holzhammer-artig) aber sachlich nicht ganz unrichtig verwies FP Belakowitsch via OTS  darauf, dass „Wenn man für ein Primärversorgungszentrum zwei Jahre Verzögerung einplant, so wie jetzt beim zweiten PHC in Wien, dann wird man in 150 Jahren mit diesem Projekt – 75 PHCs – fertig sein.
Sie irrt aber wenn sie ebenso wie die Ärztekammer das GRUG 2017 (Gesundheitsreformsumsetzungsgesetz 2017) nur als Gefahr für die Hausarztpraxis sieht.
Die „wahre Reform“ liegt nicht (nur) darin, die Hausarztpraxis durch eine Struktur zu ersetzen, in der Kassen kontrollieren, wie und wann der Patient überhaupt Zugang zu seinem Arzt hat …
und nicht nur bis zu einem Telefon-Helpdesk oder zu einer Pflegekraft vordringen kann!

Finanziert, und nun kommen wir zu einem weiteren Kernpunkt der Reform, soll das alles durch die
Elimination der niedergelassenen Fachärzte aus unserem Pflichtversicherungssystem!

Der ökonomische Hintergrund ist klar und wird auch im aktuellsten Jahresbericht der WGKK (aus 2015!) ausgeführt:
Die Durchschnittskosten je Fall liegt beim Allgemeinmediziner bei 45,16 Euro und beim Facharzt für 70,24.

Jetzt wollen wir gar nicht diskutieren,
dass ein Facharzt eine paar Jährchen längere Ausbildung absolviert hat, die vielleicht auch eingepreist werden sollte (Leistung muss sich lohnen!),
dass viele Kontakte beim Allgemeinmediziner ausschließlich zur Rezeptausstellung von Dauermedikamenten erfolgen,
dass Facharztordinationen natürlich i.d.R. einen geringeren Durchsatz als Allgemeinmediziner-Ordis haben,
dass (zumindest in der Theorie) dem Familienarzt die Krankengeschichte seines Patienten bekannt ist und Patientenkontakte in Facharztordinationen häufiger erst- und einmalig auftreten,
dass die apparative Ausstattung vieler Facharztordinationen aufwendiger und teurer ist,
dass die Facharztkontakte seit Einführung der e-card ohnehin schon reglementiert wurden,
dass man also letztlich Birnen mit Äpfeln vergleicht ...

Mir liegt es auch völlig fern, die erbrachte Leistung der beiden Gruppen gegeneinander auszuspielen, dazu kenne ich viel zu viele großartige und inferiore Vertreter in beiden Gruppen, ich möchte auf die banale Denke unserer Gesundheitspolitik hinweisen, wenn sie sich die Zukunft der Patientenversorgung zusammenreimen.

Für jeden Fall, den ich davon abhalte zum Facharzt zu gehen, kann ich mir zwei Allgemeinmediziner leisten.

Reischl verriet bei der Jubel-Pressekonferenz zur Eröffnung des Donaustädter PVs auch (mW erstmals), dass das genau ihr Ansatz ist:

Auch wenn die Zentren der WGKK teurer kämen als eine Behandlung bei einem niedergelassenen Arzt, seien sie längerfristig dennoch der richtige Weg, weil man dann bei Fachärzten und Ambulanzaufenthalten sparen könne.

Jetzt ist der Kostenbeitrag der WGKK bei den Spitalsambulanzen bekanntlich ohnehin sehr gering, so dass nur das Fachärzte-Einsparen als Geld-bringende Maßnahme überbleibt.

Welcher Trugschluss dieser Milchmädchenrechnung aber zugrunde liegt, zeigt ein Blick in das Jubelarchiv des Hauptverbandes, wo das Ärzteteam des Mariahilfer Primärversorgungszentrums aus der Schule plaudert:

„Für Probleme die wir nicht vor Ort lösen können stehen wir in Kontakt mit einem guten und verlässlichen Netzwerk von Fachärztinnen und Fachärzten in der unmittelbaren Umgebung. Dieses Netzwerk, das im Verlauf der vielen Jahren des Wachstums der Praxis entstanden ist, haben wir durch ein verbindliches Zuweisungsregime zu den Fachabteilungen des Gesundheitszentrum Mariahilf der Wiener Gebietskrankenkasse substanziell verstärkt. Mithilfe dieses Netzwerkes können wir in aller Regel rasch die erforderliche Diagnostik und die notwendige Therapie veranlassen.

Wenn die PV-Irgendwase heute funktionieren, dann nur, WEIL sie sich der anderen (noch) existierenden fachärztlichen Strukturen bedienen!

Bemerkenswert ist auch, dass die Homepage weiterhin von einer Gruppenpraxis OG spricht und für „weitere PatientInnen“ ohnehin nicht mehr zugänglich ist:

*) auf seinem Blog gibt sich ÄK Präsi Szekeres etwas weniger euphorisch, fokusiert aber wieder ausschließlich auf die Allgemeinmediziner (Hausärzte):
http://blog.szekeres.at/blog-post/2017/08/31/habemus-phc-2-und-sonst.html 

Häupl wird gehen, na und?

with 8 comments


Der Blätterwald rauscht, die SPÖ Kampagne zur Nationalratswahl strauchelt, der Wiener Bürgermeister hat am 26.8.2017 der APA mitgeteilt, dass er Ende Jänner 2018, also in 5 Monaten als Wiener SPÖ Chef zurücktreten wird, bald danach auch als Bürgermeister.
Überraschend kam das nicht, schließlich hat er schon im April verkündet, dass er spätestens drei Monate nach der Nationalratswahl die Ämter des SPÖ-Vorsitzenden und Bürgermeisters übergeben will.

Ja, so macht man es, rechtzeitige Ankündigung, Rücktritt erst nachdem ein Nachfolger, eine Nachfolgerin gefunden wurde
(sich durchgeboxt hat, überlebt hat, ….).
Ist einem das Schiff wichtig, dann lässt man es nicht führungslos, schließlich müssen doch täglich wichtige Entscheidungen getroffen werden, Weichen gestellt, Posten besetzt und Aufträge vergeben werden. Ist für all das kein Generaldirektor notwendig, kann man den Posten ja gleich einsparen.

Bemerkenswert, wenn diese Strategie andernorts in dieser Stadt nicht so gefahren wird.

Am 20.3.2017 trennte sich die Stadt vom Generaldirektor des Wiener Krankenanstaltenverbundes.

5 Monate, 1 Woche, 3 Tage bzw. 163 Tage oder 23 Wochen, 2 Tage später (heute ist der 29.8.2017) wurde die vakante Position noch nicht einmal ausgeschrieben!

Gesundheit ist unsere Stärke verspricht der KAV auf seiner Homepage, vorausschauende Führung scheint da weniger erforderlich, für eine der mit elf Spitälern, drei Geriatriezentren (und dem Sozialtherapeutischen Zentrum Ybbs) sowie acht Pflegewohnhäusern (KAV) größten Gesund­heitsein­richtungen in Europa. 

Kennen Sie einen Großkonzern der Welt, der es sich leisten konnte so lange ohne Führung zu sein?
oder will ohnehin niemand, dass der KAV geführt wird sondern ausschließlich Befehle ausführt?

Würden diese aber statutengemäß aus dem Gemeinderat kommen, dann ist das Zögern auch wieder unverständlich, denn wir haben einen gewählten Gemeinderat, der die Ausschreibung doch fordern könnte!
Wir haben auch eine zuständige Stadträtin, die doch ein großes Interesse haben sollte, den Posten zu besetzen, dessen wesentliche Aufgabe die Kommunikation mit der amtsführenden Stadträtin der Geschäftsgruppe für Soziales, Gesundheit und Frauen, der Magistratsdirektion und anderen Dienststellen des Magistrates ist, um im Rahmen dieser Zusammenarbeit allgemeine Strategien, Rahmenbedingungen und Richtlinien für den KAV zu erarbeiten und umzusetzen.

All die am Papier maßgeblichen Stellen sollten eigentlich arbeitsfähig sein und ein großes Interesse an einer raschen Nachbesetzung des Generaldirektorpostens im KAV haben. Es sei denn, der KAV würde als Vorfeldorganisation der Wiener SPÖ betrachten werden, dann macht es wiederum Sinn abzuwarten, wie das Spiel dort ausgeht ….

sieht das sonst niemand so?

 

Written by medicus58

29. August 2017 at 17:52

Vor der Wahl: Die feuchten Träume unserer Gesundheitspolitik

leave a comment »


Vieles könnte besser sein in Österreichs Gesundheitssystem, aber geben Sie sich nicht der Illusion hin, dass es noch viel schlechter werden könnte.

Nehmen Sie z.B. Schweden, das in unseren Augen noch immer als DER Wohlfahrtsstaat gilt. Es gibt keine Pflichtversicherung, die Finanzierung erfolgt zwar direkt aus dem Budget und was wir hierzulande gerade basteln, eine Verlagerung der Versorgung in die Primärversorgung ist dort längst Realität und private Gesundheitsausgaben machten (laut Weltbank 2012) etwa 18 Prozent der Gesundheitsausgaben aus. In der Versorgung mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln sind den individuellen Belastungen Grenzen gesetzt. Dennoch tragen Patientinnen und Patienten insgesamt zu circa 25 Prozent zur Finanzierung der Arzneimittelversorgung bei.
Wer aber nun glaubt, dass der Zugang der Schwedische Patienten zum Gesundheitssystems einfach ist, der irrt: Der Erstkontakt im Krankheitsfall findet, anders als in Österreich und Deutschland nicht mit einem Arzt, sondern mit einer Telefonberatung bzw. Pflegekraft statt. Es gibt kaum ein OECD Land, in dem die durchschnittliche Anzahl der Arzt/Patientenkontakte so niedrig ist, wie hier (2,9/Jahr vs. 6,7 bei uns (Zahlen 2007). Die Wartezeiten eskalierten aber bis 2005 derart, dass ein Gesetz beschlossen wurde das den Patienten das Recht zustand, innerhalb von 3 Monaten in einem der 800 von den Landtagen und 300 von Privaten betriebenen Versorgungszentren „angeschaut“ zu werden. 2008 ergab eine Überprüfung das damals erst 90% der Patienten innerhalb von 90 Tagen behandelt wurden.

Holland gilt jetzt auch nicht gerade als Dritte Welt und so mancher Gesundheitspolitiker schwärmt von einem Gesundheitssystem nach holländischen Vorbild. Auch hier haben sich die Bürger an Wartezeiten gewöhnen müssen, die in unseren Praxen und Ambulanzen zu Brandschatzungen führen würden. Dort wurden bereits im Jahr 2000 „Treeknormen“ beschlossen, die zumutbare Wartezeiten für „Erkrankungen mit erheblichen Belastungen psychischer und physischer Natur“ festlegten. Laut Treeknorm sollte die maximale Wartezeit für einen stationären Krankenhausaufenthalt zur Behandlung oder Diagnose einer Erkrankung vier Wochen nicht überschreiten. Für ambulante Behandlung in einer Poliklinik gilt eine Wartezeit von bis zu sechs Wochen als zumutbar. Trotzdem lassen sich immer mehr Holländer im Ausland behandeln. Im Jahr 2004 betrug die Gesamtsumme, die so außer Landes floss 56 Millionen Euro!

Glaubt man einer rezenten (2014)  Analyse der Kassenärztlichen Bundesvereinigung so liegt der Anteil der Patienten, die 4 Monate und länger auf einen geplanten Eingriff warten müssen in Kanada, Schweden, Norwegen und Großbritannien über 20%! Für den Zugang zu einem Facharzt warteten in Kanada, Norwegen, Schweden, Frankreich Australien, Neuseeland 22- 41% über 2 Monate.

Die deutsche Analyse weist zwar richtigerweise darauf hin, dass

Wartezeiten auf eine medizinische Behandlung eine Form der Rationierung medizinischer Leistungen darstellen. Werden die Wartezeiten der betroffenen Bevölkerung transparent dargestellt, handelt es sich um explizite Rationierung, ergeben sich die Wartezeiten ungeplant aufgrund zu geringer Kapazitäten, spricht man von impliziter Rationierung.

Etwas Kritik sollte sich aber bei folgender Aussage regen:
Zudem liegen bisher keine Studien vor, die belegen, dass geringe oder moderate Wartezeit von wenigen Tagen einen negativen Einfluss auf die Behandlungsqualität hat oder dadurch gesundheitliche Nachteile entstehen. 

Es existieren bekanntlich auch keine Doppelblindstudien, dass der Absprung aus einem Flugzeug ohne Fallschirm (nicht mit einem versagenden Fallschirm) ungesund ist, obwohl darüber wenig Dissens herrschen sollte.

Klar, dass die Kassenärztliche Bundesvereinigung mit einer Selbstimmunisierung schließt:
Daher entpuppt sich die Diskussion in Deutschland über Wartezeiten auf
einen Arzttermin als ein Scheinproblem bzw. beim Vergleich mit anderen hochindustrialisierten Ländern als Luxusproblem.

Hier ging es mir aber darum, dass all die genannten Beispiele aus den reichsten Ländern dieser Welt stammen, deren Gesundheitsversorgung uns (auch vor Wahlen) immer als erstrebenswerte Beispiele hingestellt werden ….

Written by medicus58

27. August 2017 at 11:43

%d Bloggern gefällt das: