Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Archive for the ‘Gesundheitssystem’ Category

Was hat die Verfassung denn mit dem maroden Gesundheitssystem zu tun?

leave a comment »


Vor einem Jahr vermeldete die Parlamentskorrespondenz , dass der Finanzausschuss des Parlaments beschlossen hat, dass die Finanzausgleichsperiode coronabedingt bis 2023 verlängert wird, um es Bund, Ländern und Gemeinden weiterhin zu ermöglichen, alle Kräfte in der Corona-Krisenbewältigung zu bündeln. Damit war Ruhe im Karton.

Als im Herbst 22 die zuerst relativ geheim gehaltene Anordnung in die Medien kam, die Wiener Spitäler sollten nur noch Wiener behandeln, war die Aufregung groß (Spitals-Engpässe in Wien – erste Patienten abgewiesen). Es dauerte aber doch einige Zeit, bis medial der Zusammenhang mit den für 2023 anstehenden Finanzausgleichsverhandlungen erkannt wurde. Gestern sprach dann die Wiener Zeitung von „schlampigen Verhältnissen“ im Gesundheitssystem, sprach vieles richtig an, drückte sich aber auch um die naheliegendste Lösung.

Auf diesem Blog wurde schon 2013 angesprochen, weshalb der Artikel 15a unserer Bundesverfassung überraschenderweise der Dreh- und Angelpunkt unseres Gesundheitssystems ist. Er lautet:

(1) Bund und Länder können untereinander Vereinbarungen über Angelegenheiten ihres jeweiligen Wirkungsbereiches schließen. …

Da sich ja inzwischen herumgesprochen hat, dass Österreich föderal aufgebaut ist, d.h. vieles und definitiv der Gesundheitsbereich zwischen Bund und Ländern aufgeteilt ist, ist klar, dass niemand den Kahn wirklich steuern kann. Da es letztlich immer um Geld geht und das meiste Geld vom Bund eingenommen wird, hat jener im Prinzip ein mittelbares Druckmittel, was die Länder dann damit tun kann er sehr wenig beeinflussen. Selbst das Heben des Strukturplanes Gesundheit (ÖSG) in den Verordnungsrang hat daran kaum was geändert, das die Länder ihre regionalen Pläne (RSGs) weiter schreiben als wäre nix passiert. Ja der 15a regelt die Geldflüsse in dem System, aber Geld und Gesamtverhandlung ist auf zu viele Player verteilt. Und daran will niemand was ändern.

2013 wurde hier unter Ärzteausbildung revisited oder leckt’s mich am 15a berichtet, welche Auswirkungen das auf die Ärzteausbildung hat. 2016 findet man unter Jetzt kommt Bewegung rein …. 15a, als Patient würde ich mich dafür interessieren Themen, die damals wie heute diskutiert werden:

Wegfall der Kostenrückerstattung beim Wahlarzt
Leistungen sollen aus den Ordinationen in die Spitalsambulanzen verschoben werden
Auflösung bestehender Kassenverträge
Kostenerstattungsgenehmigung
Neuregelung für extramurale Versorgung
PHCs statt Allgemeinmediziner und Facharzt

Wer den Auftritt von Minister Rauch im letzten Report gesehen hat, durfte viele dieser untoten Themen und die verzweifelten Rufe nach einem runden Tisch bekannt vorgekommen sein.
Auch wenn Rauch zwischen den Zeilen durchblicken ließ, dass die langen Wartezeiten in den Ordinationen und die mit Banalitäten überfüllten Spitalsambulanzen einen gemeinsamen Grund, nämlich die Insuffizienz (geringe Honorare, zu wenig Kassenverträge, zu kurze Öffnungszeiten, …) im extramuralen (nicht-spitalsassoziierten) Bereich haben. So klar sagt er das halt auch nicht, obwohl Grüne in dem System noch die wenigsten Player stellen. Aber, dass die Grünen politisch selten das tun, wofür man sie in die Regierung gewählt hat, hat auch keinen Neuigkeitswert mehr.

In der Wiener Zeitung wird zum x-ten mal darauf hingewiesen, dass für die Ordinationen die Krankenkassen (Fakt ist: Trotz wachsender und auch alternder Bevölkerung hat sich die Zahl der Vertragsärzte in Österreich seit 2008 nur marginal erhöht, in Wien ist sie sogar gesunken.), für die Spitäler die Länder zahlen. Die seit Jahren als Lösung angepriesenen Primärversorgungszentren werden von den Krankenkassen gezahlt und von den Ländern gefördert. Aber dazu kam noch was:

Die Stadt Wien richtete ab 2021 sogenannte Erstversorgungsambulanzen in einigen Spitälern ein, die als eine Art Hausarzt im Krankenhaus fungieren. Hier besteht eine Kooperation mit dem Ärztefunktdienst, einer von der Ärztekammer organisierten Leistung.

Auch in diesem Artikel, aber auch von anderen Seiten sickerte längst durch, dass die Länder nun eine weitere Säule fordern, für die sie vom Bund Geld verlangen.

Die Länder wollen eine dritte Säule für Ambulanzen, Primärversorgungszentren, Gruppenpraxen etc. einziehen, berichteten „Kurier“, „Presse“, „Salzburger Nachrichten“ und „Standard“. An die 30 Prozent des für das Gesundheitswesen aufgewendeten Geldes (das sind rund acht Mrd. Euro) sollten in diese Säule fließen – und zwar vonseiten des Bundes. 2020 machten die Ausgaben insgesamt 28 Mrd. Euro aus, 16 Mrd. davon für die Spitäler, zwölf Mrd. für den niedergelassenen Bereich (orf.at).

Als ob unser Gesundheitssystem nicht schon komplex genug wäre:

More of the same, würde Watzlawick sagen, oder 2019 hier; Bald gibt es 407 Mediziner mehr in Wien und alle heißen Watzlawick

Fällt eigentlich niemand die Parallele zum Bildungssystem auf, das auch dauern reformiert, dauernd neue Säulen (Neue Mittelschule, Fachhochschulen, Privatuniversitäten, ….) bekommt und immer teurer und dysfunktionaler wird?

Warum liest man in all den jetzt im Zuge der 15a Finanzausgleichsverhandlungen erscheinenden Artikel nicht die Forderung nach Finanzierung des Gesundheitssystems aus einer Hand?

Erst wenn sich niemand mehr ein Problem vom Halse schaffen kann, wenn er es zum Nachbarn kippt, wird er sich um eine möglichst effiziente Lösung bemühen. Außerdem könnte man sich dann die Heerscharen von Beratern, ausgelagerten Strukturen (Gesundheit Österreich GmbH, AGES, …) ersparen, die sich der Bund aufgebaut hat, um den Ländern Vorgaben zu machen, die sie dann uminterpretieren.

All das andere, womit Nebelgranaten geworfen werden, wie Wahlärzte, zentraler Medikamenteneinkauf, Digitalisierung im Gesundheitswesen, … sollen nur davon ablenken, dass niemand, weder Bund, noch Länder, noch Kammern, noch Industriellenvereinigung ihre Schräubchen verlieren wollen, an denen sie das Gesundheitssystem zu ihren Gunsten mißbrauchen können.

Um die Patienten und diejenigen, die in dem Gesundheitssystem arbeiten geht es zu aller Letzt.

Written by medicus58

18. Januar 2023 at 18:24

Wieso haben wir plötzlich einen Pflegenotstand?

leave a comment »


Vorab, plötzlich passierte das nicht und wenn Ihnen manche Politiker einreden wollen, dass man eben nur wieder ein paar Pflegekräfte aus dem Ausland einfliegen muss, damit alles wieder gut ist, dann belügt man Sie.
Ähnliche Aktionen in den letzten Jahrzehnten mit philippinischen, thailändischen, ost- und südeuropäischen „Diplom-GastpflererInnen“ haben letztlich das Problem verschärft.
Die Auslagerung der Kosten von „Krankenpflegeschulen“ aus den Spitalbudgets und die „Akademisierung“ der Pflegeberufe in Fachhochschulen hatte mehr mit ökonomischen und standespolitischen Erwägungen zu tun gehabt, als dass dies den Beruf attraktiveren konnte.

Wer glaubt, dass das alles ein mitteleuropäisches Problem wäre, dem sei folgender Bericht aus dem Februar 2022 zur Lektüre empfohlen.

In einem Webinar mit über 630 Teilnehmern aus 115 Ländern wurde der jüngste Bericht des International Council of Nurses (ICN), CGFNS, über die globale Pflegearbeitskraft diskutiert. Auch wenn die Veranstaltung unter dem Eindruck der Covid-19 Pandemie stand, legte ein Co-Autor des Berichts klar, wie ausgedünnt die Pflege weltweit bereits war:

„Wenn wir nur eine 4-prozentige Zunahme der Zahl der Krankenpflegefachkräfte haben, die das Unternehmen verlassen, haben wir eine weitere Million zu wenig. Das Ausmaß der Auswirkungen auf globaler Ebene wird enorm sein, wenn die Probleme rund um Burnout und Stress nicht schnell angegangen werden. Wir betrachten eine Situation, in der 4 % eine sehr konservative Schätzung des Ausmaßes der Auswirkung ist. In Richtung 8-12 % oder mehr bekommen wir ein Gefühl dafür, wie problematisch das Problem weltweit ist, insbesondere in Ländern, die mit großen Engpässen in die Pandemie kamen, weil sich diese Mangellücke noch verschärfen wird.“

Franklin Shaffer, Präsident und CEO von CGFNS International und Mitautor des Berichts, warnte vor einem „Tsunami“ internationaler Rekrutierungen aus Ländern mit niedrigem Einkommen in Länder mit hohem Einkommen, die nach einer schnellen Lösung für den Pflegemangel suchen. Dr. Shaffer erinnerte die Teilnehmer daran, dass jede Pflegekraft das Recht auf Mobilität hat, dass jedoch Richtlinien und bilaterale Vereinbarungen eingeführt werden müssen, um eine ethische Anwerbung von Pflegekräften sicherzustellen.

Neben Schutzmaterialien und Zugang zu Covid-Impfungen wurden von Mexiko bis Italien, Afrika bis Asien Kritikpunkte angesprochen, die auch bei uns – ganz unabhängig von der Akademisierung – diskutiert werden:

Es gibt keine keine Wunderwaffe zur Lösung sondern ein „Bündel“ aus politischer Initiativen und Unterstützung, die erforderlich seien, um Pflegekräfte zu halten: Bezahlung, Unterstützung bei der psychischen Gesundheit, befristete Verträge, Anerkennung, niedrie Personalquoten, hohe Arbeitsbelastung, Stress, Burnout, Gewalt am Arbeitsplatz,

Perpetual Ofori-Ampofo, Präsident der Ghana Registered Nurses and Midwives Association, sagte, dass die Krankenpflegefachkräfte, die das Land verlassen, derzeit eines der Hauptprobleme in Ghana seien. Der Verband arbeitete mit dem Gesundheitsministerium zusammen, um sicherzustellen, dass die internationale Rekrutierung ethisch einwandfrei erfolgt, und suchte nach Möglichkeiten, Pflegekräfte im Land zu halten, indem die Ausbildung verbessert und die Bedingungen verbessert wurden.

Dr. José Luis Cobos, dritter Vizepräsident des spanischen Generalrates für Krankenpflege, sagte, dass sein Land vor der Pandemie ein enormes Defizit an Krankenpflegefachkräfte hatte.

Ein bisschen Googeln fördert zahlreiche Beweise hervor:

2017: Sechs Länder (Ruanda, Uganda, Südafrika, Bulgarien, Tadschikistan, Pakistan) in drei Kontinenten – doch die Probleme sind ähnlich: niedrige Gehälter, schlechte Arbeitsbedingungen, geringes Ansehen. Viele Pflegende suchen ihr Heil im Ausland, was den Pflegemangel im eigenen Land oft verstärkt. Link

2010: PWC Publikation : Gesundheitswesen Fachkräftemangel Stationärer und ambulanter Bereich bis zum Jahr 2030 Link
Das heutige Versorgungsniveau im Gesundheitswesen lässt sich ohne Reformen auch kurzfristig nicht aufrechterhalten. Bereits 2020 fehlen annähernd 56.000 Ärzte und gut 140.000 nicht-ärztliche Fachkräfte.
Bis 2030 wird sich die Personallücke sogar auf fast eine Million Personen – gut
165.000 Ärzte sowie fast 800.000 nicht-ärztliche Fachkräfte – vergrößern.


Der Wettbewerb um Fachkräfte verschärft sich zwischen den ambulanten und stationären Einrichtungen dramatisch. Dazu trägt auch die zunehmende Beschäftigung von Ärzten und medizinischen Fachkräften außerhalb der Gesundheitsversorgung, … bei.

In den stationären Einrichtungen dürfte 2030 etwa jede dritte Arztstelle unbesetzt bleiben, im ambulanten Bereich sogar jede zweite. Sowohl stationäre Einrichtungen als auch ambulante Dienste steuern auf einen gravierenden Pflegenotstand zu. Im Jahr 2030 fehlen in Kliniken über 400.000 Krankenschwestern, -pfleger und Pflegehelfer, in ambulanten Diensten weitere 66.000. Dabei ist der Personalbedarf von Altenpflegeeinrichtungen in diesen Zahlen noch nicht berücksichtigt.

Die ganze Absurdität dieser weisen Worte von Price-Waterhouse-Cooper erschließt sich, wenn man sich vor Augen führt, dass derartige Publikationen ganz bewusst als Hinweis für unsere Mandanten bestimmt waren und für die Lösung einschlägiger Probleme .. die Unterstützung der in dieser Publikation genannten Ansprechpartner empfohlen wurde.

PWC, wie viele andere Berater wurden schließlich in großem Ausmaß auch gerufen und haben durch ihre Effizienzsteigerungen dann das Problem noch verschärft.

Warum hören wir nichts mehr von der klugen Erkenntnis in der ersten Hälfte der Pandemie, wo noch offen ausgesprochen wurde, dass Covid unsere Systeme so zerschossen hat, weil Effizienz auf Kosten von Resilienz gesteigert wurde.

Das erklärt viele unserer aktuellen Probleme, vom Ärztemangel, zum Pflegemangel bis zum Medikamentenmangel:

539 Arzneimittel fehlen in Österreich

Written by medicus58

4. Januar 2023 at 17:19

ARGE Patientenanwälte werden aktiv, man fragt sich nur für wen

leave a comment »


Der Wiener Patientenanwalt Gerhard Jelinek warnte gestern vor einer besorgniserregenden Situation in den Spitälern. Überall fehle Personal, Operationstermine müssten verschoben werden, in den Spitalsambulanzen gebe es zum Teil lange Wartezeiten. Qualitätsverluste würden immer sichtbarer, eine ordnungsgemäße Behandlung könne nicht mehr überall gewährleistet werden.

Über die mitunter verwunderlichen Positionen der Patientenanwälte haben wir uns hier schon öfters gewundert:
Wessen Anwalt ist denn ein Patientenanwalt?
Hat da Sigrid Pilz was verschlafen?

Wenn Jelinek nun als Akut-Lösung bessere Bezahlung und ein „Schmerzensgeld für die Mehrbelastungen durch Corona & Co“ vorschlägt, dann kommt er ja fast forsch rüber.

Vor drei Wochen hat er anlässlich von 30 Jahre Wiener Pflege, Patientinnen- und Patientenanwaltschaft noch ganz anders gesprochen: Ich bin prinzipiell von der hohen Qualität unseres Gesundheitssystems und Pflegewesens in Wien überzeugt. Trotzdem bedarf es auf Grund der Komplexität der Strukturen und der Vielzahl von Fehlerquellen einer Einrichtung wie der Pflege- und Patient*innenanwaltschaft, damit sich Betroffene niederschwellig und kostenfrei mit ihren diesbezüglichen Anliegen an uns wenden können.
In einem Interview hat er kurz vorher noch von keiner wirklichen Zunahme von Beschwerden und Wartezeiten berichtet, als schon alle Eingeweihten wusste, wie es um das System bestellt ist..

Auch Patientenanwalt Bachiner hat scheinbar die Richtung gewechselt.

2018 hat er den politischen Bestrebungen die ärztliche Tätigkeit in den virtuellen Raum zu verlegen (Von der Fernbehandlung zur Telepathologie) noch flappsig mitgetragen:
„Bis jetzt haben wir keinen Hinweis, dass Patienten mit Onlinediagnose schneller sterben“.
Jetzt ruft er plötzlich Rechtsbruch, als die Kronen Zeitung leakte, dass die Generaldirektion des Wiener Gesundheitsverbundes intern die Weisung gab, abgesehen von Notfällen, nur mehr Wiener zu behandeln.
Im Februar 22 stand er auf der Seite der Gesundheitskasse und trommelte Österreich ist das letzte Land in der EU, das den ÄrztInnen uneingeschränkt erlaubt, Medikamentenmarken und nicht die benötigten Wirkstoffe für die Behandlung der PatientInnen zu verschreiben.
Wo da der Patient, dessen Anwalt er doch eigentlich sein soll, profitiert entzieht sich mir gänzlich, spätestens wo ich selbst die Erfahrung gemacht habe, dass der „Nachgeschmack“ eines bestimmten Genericums eines „Allerweltsmedikaments“ mir zunehmend mein Leben vergällte. Für den Apotheker hat eine geringere Vorratshaltung natürlich Vorteile.


Als im Zuge der Zusammenlegung der Gebietskrankenkassen, die Interessen der Patienten mit Füssen getreten wurde, was am Sonntag in der Pressestunde selbst vom jetzigen Chef der neuen Gesundheitskasse kritisiert wird, weil sie die Regeln der Selbstverwaltung missachtete, wartete man vergeblich auf Kritik der Patientenanwaltschaft.

Wenn der Pröll Intimus Bachinger im Vorjahr zu Beginn einer NÖ Impfkampagne dann noch von sich gab, dass die Impfung ein wichtigstes Mittel ist, um die Gesellschaft zusammenzuführen, hat er seinen Einsatz vielleicht gut gemeint, sein Gespür für die Menschen hat er damit kaum unter beweis gestellt.

Nach 22 Jahren verlässt der gelernte Jurist nun den Posten in der ARGE der PatientenanwältInnen und wird durch die PatientInnen- und Pflegeombudsfrau der Steiermark Dr. Michaela Wlattnig abgelöst.
Hoffnung könnte machen, dass diese schon im Juni 22 bemerkte, dass Der Personalmangel in den steirischen Krankenhäusern immer akuter wird: Viele Betten sind gesperrt und Operationen verschoben werden

Aber erstens ist sie auch Juristin, zweitens versprach sie das Werk ihres Vorgängers weiter zu führen und drittens wurde sie wie alle anderen PatientenanwältInnen von der Landespolitik eingesetzt. Also sind der Hoffnung enge Grenzen gesetzt, dass PatienenanwältInnen mehr alsdie Mietmäuler der jeweiligen Gesundheitspolitik werden können.

Written by medicus58

30. November 2022 at 15:17

Fragt mal, was das Land noch für Euch tut

leave a comment »


Ask not what your county can do for you schmetterte Kennedy bei seiner Inauguration dem Land entgegen. Er, der nur mit marginalem Vorsprung die Wahl gewonnen hat, fand nach seiner Rede bei 75% der. Amerikaner Zuspruch.

Wir Menschen sind schon ein eigenartiges Konstrukt: wir finden es gut von Multimillionären und Kabarettisten auf persönliche Opfer eingeschworen zu werden. Auf den Gedanken, dass wir alle, die mit unseren Abgaben den Staat finanzieren, ja ohnehin keine Geschenke zu erwarten haben, sondern von unterschiedlichen politischen Akteuren nur einen mehr oder weniger großen Anteil von dem zurück bekommen, was uns vorher abgenommen wurde.

JFK und sein Ghostwriter bastelten sehr lange an seiner Rede und bediente das psychologische Klavier so trefflich, dass niemand mehr daran denkt, diesen Kernsatz umdrehen zu können: Was tut unser Land (und seine an die Macht gewählten Kutscher) noch für uns?

Ein qualitatives Bildungs- und Gesundheitssystem, ist es längst nicht mehr. Ob es noch ein gerechtes Rechtssystem ist, mag von Berufeneren hinterfragt werden.

Seit vielen Jahren tippe ich auf diesem Blog unermüdlich, woran es im Gesundheitssystem krankt. Jetzt wo selbst die PR Profis in der Stadt Wien den Zusammenbruch des Gesundheitssystem in Wien nicht mehr schön redenen können, melden sich wieder all die Mietmäuler, die die letzten „Reformen“ beratend begleitet haben und fordern Reformen.

Ich frage mich, wie lange wir uns noch mit diesen Worthülsen abspeisen lassen ehe wir eine Antwort auf die Frage einfordern, was wir von unserem Land noch erwarten können, außer Korruption, Postenschieberein, Feindbilder und Solgans.

Written by medicus58

25. November 2022 at 09:13

Veröffentlicht in Gesundheitssystem

Tagged with , ,

Das öffentliche Gesundheitssystem gleicht inzwischen den öffentlichen Toiletten

with 2 comments


Kein Papier wo man es braucht, dafür massenhaft gebrauchtes am Boden, es riecht streng, und wer es noch woandershin schafft, der vermeidet es, das öffentliche Gesundheitssystem.

Wer wie ich seit Jahrzehnten dort arbeitet, den wundert der Verfall kaum und er wurde in Dutzenden Beiträgen hier aufgezeigt.

Seit Jahrzehnten wird es (übrigens wie das Bildungswesen, das Pensionssystem und das Bundesheer) reformiert und dadurch immer unreformierbarer.

Da dauernd an Schrauben gedreht wird könnte man doch glauben, dass rein zufällig mal was besser wird muss, aber weit gefehlt.

Warum ist das so?

Weil bewusst immer was anderes beabsichtigt wird, als das was vorgegeben wird, weshalb wer an einer Schraube dreht.

Wir haben zu wenig fertige Mediziner, d.h.  wir ändern den Fragenkanon der Aufnahmeteste, fragen aber nicht weshalb wir Menschen selektionieren, die zwar das Studium schaffen, die aber kein Interesse an dem erlernten Beruf mehr haben.

Wir beschränkten Studienplätze, förderten private Medunis um sich Steuergeld zu sparen und kaufen dann dort mit Steuergeld Studienplätze.

Wir vergeben Stipendien an Studenten, die sich verpflichten nach dem Studium in die Allgemeinmedizin zu gehen ehe sie noch so genau wissen können, ob sie sich für diese Rolle interessieren. Parallel dazu ändern wir das Rollenbild, suchen also nach den „alten Praktikern“, die die noch zu gründenden Primärversorgungszentren bevölkern sollen.

In den Spitälern werden immer andere Strukturen geschaffen, um die Defizite des niedergelassenen Bereiches auszugleichen, dabei haben wir längst nicht mehr genug Personal, um den ureigendsten Bereich abzudecken, schielen aber auf Gelder aus den Gesundheitsfonds.

Personalengpässe (zu wenig Ordis, zu wenig Spitalsärzte) werden durch Zusammenlegungen (Primärversorgungszentren, Doppelprimariate) aus der Welt geschafft, weil sich immer jemand findet, dessen Ego oder Geldbörse freut, wenn er nach oben Entwarnung gibt. Wenn die doppelten Defizite offenkundig werden, ist er entweder in der Hierarchie aufgestiegen oder in Pension.

Ganz banale Medikamente sind am österreichischen Markt nicht mehr zu bekommen, weil die Preisverhandlungen so erfolgreich waren, dass sich anderswo damit Geld verdienen lässt. Die Gesundheitskasse hat also doppelt gespart.

Beispiele fänden sich zahllose, die alle auf ein und dieselbe Erkenntnis führen:

Wenn es um Geld geht, hüte Dich vor denen die zur Hilfe eilen.

Written by medicus58

17. November 2022 at 16:41

Veröffentlicht in Gesundheitssystem

Tagged with , ,

Soll er doch kündigen, der Primat

with 3 comments


Erst kürzlich haben wir hier thematisiert, dass den Vorstand des Wiener Krankenanstaltenverbund, pardon der heißt ja jetzt Gesundheitsverbund, Gefährdungsanzeigen nichtmal mehr zu Dutzenden so wirklich aufregt. Vermutlich auch deshalb die Umbenennung von Krankenanstalten- in Gesundheitsverbund, klingt einfach positiver, unaufgeregter.

Das war falsch.

Vor ein paar Tagen wurde klar, dass dem Vorstand Gefährdungsanzeigen doch wichtig sind und es war ihm eine langatmige Anweisung wert: Im Kern sind Gefährdungsanzeigen schon irgendwie wichtig, aber halt unter Berücksichtigung von allerhand drohend aufgezählter Vorschriften und i. d. R. im Dienstweg.

Heute schaffte es eine Meldung in die Medien, die zeigt, dass diesem Wunsch auch entsprochen wird:

Primar kündigt wegen Personalmangels

Der Ärztliche Abteilungsleiter, so heißt der ehemalige Primat heute, weil er schon längst zur dualen Führung degradiert und seines Sekretariats beraubt wurde und ihm Personalrekrutierung nur so weit erlaubt ist, wie weit ihn die Personalabteilung ins TalenLink lässt, zog die Konsequenzen, weil er einfach nicht mehr genug Personal hat, um seine Abteilung zu betreiben. Wie lange das schon ging, dass Personal ohne erforderliche Qualifikationen vor sich hinwerkte, konnte man aus dem Artikel nicht erfahren, aber die übliche Lösung des Problems: ein neues Doppelprimariat

Lücken werden bei uns geschlossen, indem man sie fusioniert.

Das Debakel hat sich übrigens schon längst abgezeichnet, als vor fast zwei Jahren die Kinderabteulung in Floridsdorf mitten in der Husten- und Schnupfen-Zeit im Jänner gesperrt wurde (Link).

Personalmangel hat man damals natürlich abgestritten, obwohl man parallel dringend nach Fachärzten suchte.

Es überrascht immer wieder, dass man noch immer glaubt durch Drohungen nach inben und punktuelles Abstreiten nach außen den Zustand der Patientenversorgung vernebeln zu können.

Wenn FP Nepp zur Lösung ein Köpferollen verlangt (Versagen Hackers gefährdet auch das Leben von Kindern), ist dies aber auch nur billige Polemik. Der aktuelle Zustand der Gesundheitsversorgung in Wien verlangt zuerst ein schonungsloses Eingeständnis des IST-Zustandes durch die Politik. Dazu gehört auch die Diskussion warum grad wer wo installiert wurde. Erst dann kann man neue Köpfe suchen, sonst dreht sich das Karussell von Wunderwuzzis und Ja-Sagern immer weiter, irgendwie so wie im Fußball.

Written by medicus58

6. November 2022 at 22:04

Das entlastete Gesundheitssystem

leave a comment »


Die PR dsr Stadt Wien hat es wieder geschafft: Stadt Wien modernisiert Spitäler bis 2040.

Radio Wien und Wien heute starten pflichtschuldig mit einer Miniserie und berichten breit über die Umbaupläne in der Klinik Ottakring. Glückliche Planer, Hebammen und Hausaufsicht dürfen ihrer Freude Ausdruck verleihen und Stadrat Hacker wiederholt das Jahrzehnte-alte Mantra von Spitzenmedizin für alle Wiener.

Schließlich hat man ja nach dem Planungsfehlern im KH Nord nun auch gleich eine eigene Firma aus dem Boden gestampft, die nun, wie immer mit Hilfe vieler externer Berater und wenig Input des eigenen Personals nun hochprofessionell die altersschwachen Hütten neu bauen wird. Irgendwie war das schon auch im Spitalskonzept 2030 so vorgesehen, jetzt dauert es zwar bis 2040,einem Zeitpunkt zu dem wohl keiner der Verantwortlichen mehr in der GD oder der Stadtregierung sitzen wird, aber der Bericht verspricht Aufbruchstimmung.

Land der Hämmer, es tut sich was.

Keine Rede mehr von den ungefähr 50 Gefährdungsanzeigen, von der Urologiemisere, anderen wegen Personalmangel geschlossenen Abteilungen, den Querfinanzierungen der Gebietskrankenkassen durch die Spitalsträger, die das erst letzte Woche alles ganz anders haben wollten.

Bauten eröffnen, Großgeräte in Betrieb nehmen, das mag die Politik. Dass man aber ein Gesundheitssystem nicht ohne die abgewanderten und vergraulten Mitarbeiter betreiben kann, weil Berater es angeblich zwar besser wissen aber auch für das viele Geld keinen Patienten angreifen, darüber schweigt die PR Maschine.

PS: das wirklich Ärgerliche ist, dass all die jetzt groß verkündeten Umbauten schon vor Jahren der Belegschaft als Zuckerl vorgetragen wurden. Auch wenn sich das Projekt mit den inzwischen massiv gestiegenen Kosten durchführen liesse, was stark bezweifelt werden kann, haben wir dann 2040 einen Baubestand, den wir schin 2020 gebraucht hätten, nur eben mit noch weniger Personal.

Written by medicus58

27. Oktober 2022 at 20:43

Da geht einem doch das G’impfte auf: Länder wollen neue Gesundheitsfinanzierung im Finanzausgleich 2022

leave a comment »


Liest man die aktuellen Pressemeldungen nach einer gemeinsamen Sitzung der Landesgesundheitsreferenten in Wien, war nicht nur BM Rauch überrascht über die plötzliche Einigung, dass alles anders werden müsse, im Gesundheitssystem:

Der Pauschalbetrag der Gesundheitskassen für die Spitalsleistungen müsse leistungsadäquat valorisiert werden.
Peter Hacker verlangt eine andere Aufgabenteilung im Dreieck Bund/Länder/Sozialversicherung: Man wolle das permanente Herumgeschiebe zwischen niedergelassenem und Spitalssektor nicht mehr.
Minister Rauch verlangt überhaupt einen anderen Gesundheitsbegriff.
Und die Länder forderten mehr Studienplätze für Medizin.

Für wie dement hält uns denn die Politik?

Es ist fast 9 Jahre her, als hier unter Die verlogenen Finanzierung der Medizin: Was lange gewährt bricht endlich weg schon folgende Sätze über die Verschiebungen der Gesundheitsleistungen aus dem Niedergelassenen Bereich in die Spitäler geschrieben wurden:
Solange es §2 Kassenverträge gibt, kann man sich auch als Wahlarzt niederlassen und für „attraktivere Leistungen“wie Geburtshilfe, Dermatologie und Thyreologie kostendeckende Tarife verlangen, weil die Patienten den Selbstbehalt akzeptieren, wenn sie ihn nur einmal pro Jahr löhnen müssen.
Seit wir aber – an sich völlig zu Recht – die ganzen Taxifahrten in die Spitäler durch Rechnungslegung seitens der Krankenkassen unbeliebt machten,
seit durch Deckelungen und Wartezeiten immer mehr „kompliziertere Fälle“ in die Röntgenpraxen kommen,
seit die Arbeitsbelastung in den Spitälern auf immer weniger Köpfe fallen und in Zeiten der Aufnahmesperren die Hoffnung auf eine gehobene Dauerstellung in den öffentlichen Spitälern geschwunden sind und
seit die Krankenkassen immer mehr Wahlarztleistungen „ablehnen“,
kurz seit wir versuchen eine auf das Wesentliche fokussierte, effiziente Medizin zu betreiben (versuchen, nicht einmal noch ansatzweise geschafft haben)
stellt sich heraus, dass die bestehenden Tarif- und Versorgungsstrukturen völlig ungenügend sind.
Wenn wir auf das Unnötige verzichten wird das Nötige nicht billiger!

Heuer im Frühjahr erinnerte ich an die Uni brennt Bewegung der Jahre 2009/2010, als sich viele dagegen wehrten, wie die Ausgaben der öffentlichen Hand für die Universitäten scheinbar gesenkt wurden (durch Ausgliederungen der Unis, Reduktion der Studienplätze, Privatunis):
MedUni brennt? Nein, aber der Steuerzahler
Hat bis jetzt die so einigen Gesundheitsreferenten auch nicht brennend interessiert, oder? War ja auch schon vor 13 Jahren und seither hat man sich Geld gespart.

2020: Mehr Privatdoktoren sagte der Staat, jetzt zahlen nicht nur die Studierenden drauf

Ich langweise Sie jetzt nicht mit noch mehr Zitaten aus diesem Blog, wo all die augenblicklich thematisierten Probleme in unserem Gesundheitssystem seit vielen Jahren frustran angesprochen wurden, die dann immer wieder als neue Erkenntnis in den Medien hochpoppen: Nur noch ein Zitat aus 2020, weil das mehr denn je gültig ist:

Wer nun aller mit dem Leichentuch winkt

Einer der Gründe, weshalb ich vor über einem Jahrzehnt zu bloggen begonnen habe, war die Frustration miterleben zu müssen, wie ein öffentliches Gesundheitssystem von Außenstehenden zerschossen wurde und der Ärger, dass das diejenigen den Patienten zu erklären haben, deren Warnungen lächerlich gemacht wurden.
Wer auch immer vor den vielen Eingriffen in die Finanzierung, Ausbildung und Rollen einzelner Gesundheitsberufe warnte hörte früher oder später, dass man nicht mehr darauf reinfallen würde, dass wir Ärzte immer mit dem Leichentuch winken würden, um sich gegen Veränderungen zu wehren.

Eingriffe in das Arbeitsrecht, das Versammlungsrechtdas Persönlichkeitsrecht, wer hier warnt, den erwürgt man sogleich mit einem Leichentuch.
Da frägt man sich doch, weshalb inzwischen jeder mit den Drohungen mit Leichen durchkommt und diejenigen, die vielleicht gelernt haben, wie man sie verhinderterzeugt oder zumindest diagnostiziert, sich so leicht ins Bockshorn jagen ließen…

PS: das Christkindl am Titelbild bezog sich übrigens auf die Gesundheitsreform 2018 von BuMin Hartinger-Klein, die als nützliche Idiotin der damalig blau-schwarzen Regierung die Unfallchirurgische Versorgung herunter gefahren hat, damit die Arbeitgeberbeiträge gesenkt werden konnten: Aua, VA: weshalb sagt denn keiner das Richtige?

Written by medicus58

24. Oktober 2022 at 16:17

Wir sind einfach so: Von Warmduschern, Innenrevisionisten und anderen Absonderlichkeiten

leave a comment »


Diese Woche lässt einen doch ziemlich ratlos zurück.

Da meldet sich inmitten einer weltweiten Energiekrise Christian Meidlinger, Stv. Vorsitzender der Wiener SPÖ, Vorsitzender der Gewerkschaft der Wiener Gemeindebediensteten „younion“ und Vorsitzender der Fraktion Sozialdemokratischer Gewerkschafter in Wien und 2. Landtagspräsident zu Wort und verkündet dem staunenden Publikum: Gemeindearbeiter*innen brauchen mehr als 19 Grad!
Der Multifunktionär hat uns hier schon 2017 (SPÖ/FSG: Ego sum lex) beschäftigt, als er die Ausgliederung des KAV (heute Wiener Gesundheitsverbundes) aus der Stadt Wien qua seiner Macht einfach absagte:
Wir wollen jetzt gar nicht mosern, dass seine Stadträtin und er damit auch das bequeme Konstrukt der Personalvertretung als Jobmöglichkeit und „Verhandlungspartner“  abgesichert hat, denn sonst kämen doch noch jemand auf die Idee, dass man sich durch neue Gewerkschaften vertreten lassen könnte!

Als Elektrotechniker für Schwachstrom ist er sich nun sicher, dass für viele Bedienstete in den Städten und Gemeinden 19 Grad eine Gefährdung der Gesundheit bedeutet um in seiner Presseaussendung der Ministerin Zuständigkeit und Vorstellungsvermögen einer stundenlangen Arbeit an einem kalten Wintertag in der Natur abzusprechen. Wo er selbst diese Erkenntnisse gewinnen konnte verriet er nicht. Denn weder während seiner Ausbildung und Tätigkeit (1979-1983) als Werkmeister bei den Wiener Verkehrsbetrieben, noch als Lehrer (-1989) am TGM für Berufstätige Nachrichtentechnik und Elektronik, oder in seiner politischen Tätigkeit (seit 1981), die ihn zum 2. Landtagspräsidenten machte, wurde er wohl ungeschützt den Naturgewalten ausgesetzt

Mindestens ebenso rat- und hoffnungslos lässt einen die Reaktion des Wiener Gesundheitsstadtrates Hacker (2018 Hacker spricht) zurück. Während wir hier uns unter Rund 50-mal jährlich gebe es solche „Gefährdungsanzeigen“, betonte die Generaldirektorin des Wiener Gesundheitsverbunds schon gewundert haben, wie all die Gefährdungsanzeigen von der Generaldirektion des WiGev gesehen werden, reagiert Hacker auf eine erneute Gefährdungsanzeige, diesmal aus der Urologie des AKH (Bizarrer Streit um Personalnotstand in der Urologie des AKH) mit einer Gegenoffensive und schickt die Innenrevison. Ob der so den dortigen Leiter mundtot machen kann, der ihm dienstrechtlich gar nicht unterstellt ist (Die meisten Ärzte des AKH sind Bundesangestellte oder -beamte), mag hinterfragt werden, nur geht es ja gar nicht darum. Es wird Tatkraft vorgetäuscht und gedroht, der Wiener Weg, halt.
Bei Bedarf liefere ich gerne all die jahrelange Korrespondenz nach, die wie in so vielen anderen Abteilungen auch zu nichts außer Druck von oben geführt hat.

Ja, und schlussendlich sah man gestern in ORF 2 einen Interviewmarathon vor der Präsidentenwahl und musste schon ein ziemlich unverbesserlicher Realitätsverweigerer sein, um nicht den letzten Zweifel am Zustand unseres politischen Systems zu verlieren:
Ein Amtsinhaber, der, wenn er sich in die Enge getrieben fühlt, einen an seinen Auftritt vor 6 Jahren gegen Hofer erinnert. Zumindest hat er sich gestern gegen Wolf einen „Autofahrergruß“ verzwickt (siehe Bild oben).
Einen auch innerparteilich autoritären agierenden Anwalt (MFG) mit Verschwörungsängsten, einen aalglatten Anwalt (Krone) und einen verhaltensoriginellen Blogger (Grosz), die mehr oder weniger sofort die Regierung stürzen wollen. Einen Burschenschafter und Volksanwalt (FPÖ), der die Homepage seiner Burschenschaft nicht kennt und die Regierung zumindest nicht gleich stürzen will, dafür aber die kriegsgeile EU. Ein Waldviertler Schuster (Heini), der es nicht z’am bringt Gesetze einzuhalten, und schließlich ein sympathischer Ex-Arzt, der kaum verbergen kann wie überrascht er ist, wenn man ihn mal etwas tiefer (und sehr tief hinterfragten weder Wolf noch Schnabl niemanden), zu seinen Parolen frägt.

Uns glurrt von überall und nicht erst seit Ibiza Machtrausch, Präpotenz und fachliche Ahnungslosigkeit an, so sind wir, und wer das abstreitet, tut es aus genau diesen Motiven.

Für viele waren bei der Präsidentschaftswahl 1998 die 9,9% für Richard Lugner ein scheinbar unüberbietbarer Tiefpunkt unseres politischen Systems. Das war übrigens vor Schüsssel/Haider/Grasser!

2016 kippte die Bundeswahlbehörde Lugners neuerlichen Versuch Unterstützungserklärungen zu sammeln, da er dafür gratis Kinokarten verteilt hatte. Lugner gab auf, obwohl die Staatsanwaltschaft später das Verfahren einstellte.

Bei manchen der gestrigen Kandidaten würde man sich wünschen, es wäre an seiner Stelle der Richi Lugner dort gesessen, der wäre vermutlich weniger demokratiegefährdend als so mancher der jetzigen Kandidaten.

Written by medicus58

7. Oktober 2022 at 18:53

Rund 50-mal jährlich gebe es solche „Gefährdungsanzeigen“, betonte die Generaldirektorin des Wiener Gesundheitsverbunds

leave a comment »


Aufgrund des eklatanten Personalmangels in den Wiener Spitälern komme es immer öfter zu so genannten „Gefährdungsanzeigen“. Rund 50-mal jährlich gebe es solche „Anzeigen“, betonte die Generaldirektorin des Wiener Gesundheitsverbunds, Evelyn Kölldorfer-Leitgeb bei einem kurzfristig einberufenen Hintergrundgespräch am Montag. Dieses habe aber auch dazu gedient, zu betonen, dass die Gesundheitsversorgung in Wien nicht leide.
Von 28.150 Stellen seien aktuell 1.830 derzeit nicht besetzt. Das sind rund sieben Prozent, was nicht wirklich schlecht sei, sagte die Generaldirektorin. 
fasst der Pressespiegel der Österreichischen Ärztekammer die nahezu unglaubliche Aussage zusammen.

Unglaublich weil einerseits jeder weiß, wie innerhalb des Wiener Gesundheitsverbundes auf nach außen getragene Kritik reagiert: Jedes Schriftl a Gift’l
Unglaublich aber auch, weil vom politisch eingesetzten Patientenanwalt Gerhard Jelinek rezent schon das Problem abgeleugnet wurde (Link) und auch Gesundheitsstadtrat Hacker noch gestern beschwichtigte: Dramatisch ist das falsche Wort, weil wir eine professionelle Hochleistungsorganisation haben. … Dass es bei etwa 30.000 Mitarbeitern Fluktuation gibt und ständig Jobs nicht besetzt sind, ist rein rechnerisch nicht überraschend. (Link)
Danach folgte ein Überwälzen der Verantwortung auf den sogenannten extramuralen Bereich, also alle Kassenordinationen und -ambulanzen, die permanent alle Patienten in den Spitalssektor schieben.

Das schreit nach ein paar Bemerkungen:

Erstens, ist das Problem des Personalmangels in den Wiener Spitälern nicht neu. Vor 20 Jahren hatte der damalige KAV 33.000 Mitarbeiter, jetzt 28.150 und davon fast 2000 unbesetzt. Das Bild ist jedoch trügerisch, weil die deutliche personelle Aufstockung der Generaldirektion und anderer Verwaltungsbereiche zog noch mehr Mitarbeiter vom Primärprozess ab und keiner wird wohl annehmen, dass die Leistungen, die die auch numerisch zurechtgestutzten Spitäler seither erbringen mussten, um ca. 20% gesunken wären.
Der Ruf nach Personal wurde in diesen Jahrzehnten (mit Mithilfe zahlreicher und hoch bezahlter externer Berater) und dauerndem Umschichten von Tätigkeiten zwischen Pflege und Ärzteschaft (Link) erstickt. Unter eifriger Mithilfe der Gewerkschaft (Stichwort Opt-out) wurde alles getan um auch unter geänderten arbeitsrechtlichen Bedingungen weitermachen zu können wie bisher.

Zweitens, ist mir nicht aufgefallen, dass die Stadt in der Vergangenheit ihre politisch gleichfärbigen Gebietskrankenkasse daran erinnert hätte, dass sie für eine funktionierende extramurale Versorgung zu sorgen hat (Wehsely finanziert die Wiener Gebietskrankenkasse und keinen stört’s). Seit die Frau Reischl sich von der WGKK in den ÖGB zurückgezogen hat, ist es natürlich leichter sich mit der Österreichischen Gesundheitskasse anzulegen. Nur gewann ich den Eindruck, dass sich die Stadt Wien, seit es eine LKF-Finanzierung für den ambulanten Bereich gibt, anfänglich gar nicht dagegen gewehrt hat, ihre Ambulatorien aufzufüllen. Auch im absurden Spielchen mit den Primärversorgungszentren (Message Control um das PVE Wien: keine Klagen und der Eingang zum Billa) wurde das als Entlastung der Spitalsambulanzen verkauft während dann die EVAs (=ErstVersorgungsAmbulanzen) aus dem Hut gezaubert:
Als vorgelagerte Einheiten der Kliniken des Wiener Gesundheitsverbundes bieten die EVAs als erste Anlaufstelle eine allgemein-medizinische Erstbegutachtung aller erwachsenen, ambulanten Patient*innen, die ohne Termin ins Spital kommen.
8 von 10 Patient*innen können mit einem Rezept nach Hause entlassen oder in den niedergelassenen Bereich überwiesen werden. Da die EVAs außerhalb der üblichen Ordinationszeiten sowie an Wochenenden und Feiertagen geöffnet sind, stellen sie darüber hinaus eine sinnvolle Ergänzung für den niedergelassenen Bereich dar.
Vielleicht ein gar nicht so schlechtes Konzept, aber wenn da 8/10 der jährlich erwarteten 135.000 Patienten mit einem Rezept versorgt werden können, dann handelt es sich ganz offenkundig um eine Übernahme der extramuralen Versorgung, über die man sich jetzt dann nicht beschweren sollte.

Drittens, stimmt es natürlich, dass der Mangel an Pflege und Ärzten nicht auf die Stadt Wien beschränkt ist und die finanziellen Mittel zwar ausreichen um willfährige Berater aber nicht um 30.000 Mitarbeiter höher zu entlohnen, aber ob jemand in seinem Job bleibt, hängt auch von seiner Motivation und den Umgebungsbedingungen ab.
In meinem eigenen Umfeld erlebe ich fast ausschließlich Mitarbeiter, die vor der Erreichung des gesetzlichen Pensionsalters in den Ruhestand wechseln. Hürden legt ihnen die Stadt Wien/der Gesundheitsverbund nicht in den Weg, ob die entstehenden Lücken gefüllt werden können, fragt ihre Vorgesetzten keiner.
Die Verwaltung unterstützt ihre Führungskräfte in keiner Weise, übergeht sie, nimmt ihnen Sekretariatspersonal weg und quält sie mit sinnlosen angeblich von der MA 2 verlangten bürokratischen Mätzchen.
Die zentralen Stellen kaufen Softwarepakete (KIS, RIS, LIS) ein, die langsam sind, abstürzen und überdies schlecht parametriert werden. Als User steht man dann dem externen Konzern hilflos gegenüber, meldet man Fehler bekommt man vom hilflosen Helpdesk ein „Ticket“, dass dann nach Wochen als gelöst gesetzt wird, ohne, dass es vorher eine Rücksprache mit dem User gab.

Hätte sich die Generaldirektion nicht gegen die im Primärprozess stehenden Mitarbeiter so gut immunisiert und hätte hier noch irgendwer die Hoffnung auf Änderung, kämen die 50 Gefährdungsanzeigen pro Monat und nicht pro Jahr.

Written by medicus58

30. August 2022 at 18:41

Veröffentlicht in Gesundheitssystem

Tagged with , , ,

%d Bloggern gefällt das: