Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Archive for the ‘Gesundheitssystem’ Category

Dieses Land ist in einem verHEERenden Zustand und nicht erst durch das Virus

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Seit 1945, bei einigen seit 1934, herrscht die tiefe Überzeugung, dass das Bundesheer uns gegen den Außenfeind zu verteidigen hat und im Inland zivile Kräfte eingesetzt werden sollten.
In Deutschland wird der Einsatz des Militärs im Landesinneren bereits in den Medien sehr kritisch diskutiert, in anderen Ländern (Frankreich, Belgien, Italien) mit einem auf den ersten Blick weniger belasteten Verhältnis zum eigenen Heer, sichert das Militär schon lange Großereignisse, …etc.
In Österreich wurde das Bundesheer in den letzten Jahren sehr selten und i.d.R. im Zusammenhang mit Naturkatastrophen eingesetzt oder dann, wenn schweres Bergungsgerät benötigt wurde.

Ganz schleichend setzt jetzt die tückisch-grüne Regierung das Bundesheer immer häufiger als „Mädchen für alles ein“ und kann da nicht einmal darauf verweisen, dass dies durch die dortige Expertise gerechtfertigt werden kann.

Erst vor einigen Tagen waren die Medien voll von Berichten, dass die über das Bundesheer angeschafften Schnelltests überteuert waren. ORF: Mehrkosten von knapp 30 Millionen Euro,

Per Presseausendung sprach das Bundesheer im Oktober davon

seit März waren im Durchschnitt jeden Tag knapp 1.000 Soldaten im Einsatz gegen Covid-19 gehabt zu haben (> 4.500.000 Stunden in 190.000 Personentagen).

Erstmals in der Geschichte der Zweiten Republik wurde die Miliz aufgeboten zu haben.
(1.400 Milizsoldatinnen und -soldaten 1.325.000 Personenstunden,
300 Heeresfahrzeugen rund 1,5 Millionen Kilometer)

Erstmals Aufschub-Präsenzdiener zur Unterstützung eingesetzt (2.300 Grundwehrdiener , Grundwehrdienst um drei Monate verlängert) zu haben.

Zum Vergleich verbrauchte die traditionelle Katastrophenassistenz in diesem Zeitraum verschwindende 21.500 Personenstunden. Dafür leisteten rund 1.100 Soldatinnen und Soldaten und Zivilbedienstete bezahlten Unterstützungsleistungen mit rund 88.700 Personenstunden unter anderem bei der Hotline des Außenministeriums, in den Postlogistikzentren in Hagenbrunn und Inzersdorf oder bei Lebensmittelkonzernen.

Ganz aktuell ersetzten Bundesheersoldaten im Pflegeheim Tannenhof in St. Lorenzen das krank gewordene Personal und haben für “ rd. 40 Bewohner und Betreuenden inzwischen wieder ein sicheres Umfeld geschaffen„. Die Bezirkshauptmannschaft habe eine Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft über die vorgefundenen „menschenunwürdigen Zuständen“ geschickt.

Ja, und in den beginnenden Massentests werden 5400 Soldaten eingesetzt. In Kärnten ist das Bundesheer alleinverantwortlich für die Lehrertestungen.

Auch wenn ich, treue Leser wissen es (Das war der Girls’ Day beim Bundesheer, eine Materialiensammlung für alle, die sich ein Urteil bilden wollen), so meine Zweifel an den logistischen Leistungen unseres Bundesheeres habe, geht es mir gar nicht darum, sondern um die offenkundige Tatsache, dass die zivilen Ressourcen dieses Landes schon so ausgehöhlt sind, dass wir – wie eine Bananenrepublik – nur mehr durch den Einsatz des Militärs um die Runden kommen.

Ohne Zweifel ist die Pandemie eine nationale Krise, für deren Ausmaß sich niemand eine entsprechende Vorhalteleistung leisten wollte, auch wenn diese vielleicht für andere Krisen auch notwendig wäre. Das führte auch in anderen westeuropäischen Ländern zum Einsatz des Heeres, die Zahlenverhältnisse sprechen aber Österreich kein gutes Zeugnis aus:

In UK , traditionell ein Land in dem das Gesundheitssystem unter schwerer Kritik steht mit ca 67 Millionen Einwohner standen am November 2020 2,932 Militärpersonal im Einsatz.

Deutschland (83 Mill Einwohner) hat aktuell 15.000 Militärpersonal im Einsatz und plant dies auf 20.000 aufzustocken, was auf die Bevölkerungsgröße normiert nur ca 37% des österreichischen Kontigents darstellen.

Auch die Schweiz mit 8,6 Millionen Einwohner mit Österreich vergleichbar, schickt grad mal 2500 Soldaten in den Coronakampf.

Klar kann man sich freuen, dass in Ermangelung der weiland von Prof. Graninger andiskutierten Kriegserklärung der Ukraine an Österreich, für das ins Bundesheer geflossene Steuergeld eben nun Leistungen zurückkommen, trotzdem finde ich es bedenklich, dass nach Jahrzehnten in dem dem öffentlichen Sektor stets vorgeworfen wurde überdimensioniert zu sein das Bundesheer zu Post, Spar und Pflegeheim geschickt wird.

Übrigens ebenso bedenklich, dass wir noch vor 6 Jahren kein Geld hatten, mittels Impfung unseren Mädchen das Zervixkarzinom zu ersparen (HTA oder ob wir eine Diagnose bezahlen hängt nicht nur von deren Qualität ab) aber jetzt weltweit Milliarden für Impfungen gegen SARS Cov2 ausgegeben wurden, ehe deren Effekt auf die Pandemie noch geklärt werden konnte (Nature: COVID-19 vaccines poised for launch, but impact on pandemic unclear).

Written by medicus58

2. Dezember 2020 at 14:59

Regelmäßig aktualisierter Überblick über mögliche Impfungen gegen das Coronavirus

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Liest man unsere Presse, so gewinnt man den Eindruck, dass es aktuell drei mögliche Impfstoffe gegen das SarsCov 2 gibt. Nicht untypisch für unsere mediale Sicht, scheint es sich hier um ein Rennen zwischen den USA und Europa handeln, wobei listigerweise BNT162b2 in den USA als amerikanische Entwicklung (Pfizer) und in Deutschland als deutscher Durchbruch (Biontech) gehandelt wird und jeweils lokale Zulieferer am medialen Kuchen mitmischen.

Ohne Zweifel ist die rasche Entwicklung von (soweit man den Presseaussendungen der Firmen Glauben schenken darf) wirksamen Impfstoffen eine Triumpf der einschlägigen Forschung, auch wenn so manche Player offenbar seit vielen Jahren bis Jahrzehnten auf diese Chance gewartet haben.

Aktuell sprechen wir von 57 Vaccinen, die bereits im Menschen und mindestens 87 Vaccinen, die im Tierversuch getestet werden.
Wer sich einen Überblick über die verschiedenen Ansätze, den Entwicklungsstand auch nordkoreanischer und kubanischer Impfstoffe verschaffen will und überdies in kompakter Darstellung nachsehen möchte, wie viele Milliarden an US Steuergeld in die Industrie geflossen ist, dem ist diese Zusammenstellung der New York Times wärmstens zu empfehlen.

Written by medicus58

1. Dezember 2020 at 16:22

Geschichte und Lockdowns wiederholen sich mit unterschiedlichen Vorzeichen

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Link HP Neuwirth

Ob Marx nun Die Geschichte wiederholt sich immer zweimal – das erste Mal als Tragödie, das zweite Mal als Farce gesagt hat oder

Hegel bemerkt irgendwo, dass alle großen weltgeschichtlichen Tatsachen und Personen sich sozusagen zweimal ereignen.
Er hat vergessen hinzuzufügen: das eine Mal als Tragödie, das andere Mal als Farce.

Ist für uns jetzt einerlei, Fakt ist jedoch, dass es sich bei der ersten und der zweiten Welle der Pandemie andersrum verhalten hat.

Wir fingen im Frühjahr mit der Farce an und erleben nun eine Tragödie:

Als es um den 30.März knapp 10.000 aktiv Infizierte (Gesamtzahl der positiv Getesteten minus Gesundeten minus Verstorbene) gab,

Ging der gesamte aktuelle Dienst des ORF in Wechselquarantäne,

waren die Straßen leer,

Schlugen sich viele ohne rechtliche Absicherung mit Homeoffice und Homeschooling herum

Applaudierten alle

Starben Menschen in Altersheimen

Würden ganze Krankenhausstation trotz negativen PCRs in Quarantäne geschickt.

Jetzt am 30. November, kurz nach dem Höhepunkt mit fast 80.000 aktiv Infizierten

Kehrte lächelnd wie immer Nadja Bernhard nach durchgemachte Covid-19 Erkrankung in das ZIB Studio zurück

Staut es auf österreichischen Straßen fast wie immer

Schlagen sich viele ohne rechtliche Absicherung mit Homeoffice und Homeschooling herum

Applaudierten der Bundespräsident

Sterben Menschen in Altersheimen

Dürfen symptomlose Ärzte und Pflege trotz positivem aber niedrig-titrigen PCR weiterarbeiten.

Written by medicus58

30. November 2020 at 18:10

Die Ruinen der österreichischen Pandemiepolitik

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Für viele sind es die dreistelligen Todesfälle (mit und an SarsCov2) , die wir in diesen Tagen betrauern, die unser Versagen in der Pandemie-Bekämpfung beweisen.

Es ist schwer wegzudiskutieren, dass Österreich normiert auf seine Einwohnerzahl aktuell überproportional hohe Zahlen an positiven PCRs hat, was sich letztendlich, da kausale Therapien fehlen, mit einer relativ konstanten Proportionalität in Todesfällen niederschlägt.

Die tückisch-grüne Regierung sieht die Schuld ohnehin immer bei den Regierten, die sich halt nicht an die Regeln gehalten haben. Wenn man aber offenen Auges durch die (Haupt) Stadt geht, dann fallen einem viele Dinge auf, die das unkoordinierte Auf und Zu der Regierungspolitik bezeugen:

Überall werden die Straßen von verlassenen Schanigärten (siehe Bild aus Bobo-Town) verstellt, weil man der im Frühjahr (ohne große Evidenz) total gesperrten Gastronomie eine Zusatzeinnahme unter dem Heizschwammerl versprochen hat. Jetzt verzichten viele Betriebe auf das jetzt (bei viel höheren Fallzahlen) erlaubte Catering, weil es sich besser von der Verlustabdeckung aus Steuergeld lebt.

Die von Anfang an sinnlosen Rotzrampen hat man erst im Herbst verboten, die vielen selbstgestrickten und schlecht sitzenden Nasenfetzen sind noch in Massenverkehrsmitteln Standard, obwohl hier zumindest ein mehrlagiger Mund-Nasenschutz Sinn machen würde. Für das Geld, das man sinnlos für die Massentests rauspulvert, sollte sich schon so eine OP Maske für jeden UBahn-Benützer ausgehen.

Ein anderes Mahnmal der unkoordinierten Pandemie-Politik sind Schulen, in denen nicht unterrichtet wird, die aber als Wärmestuben offen stehen.

Der schlimmste Flop der Regierungspolitik ist aber die viel langsamere Reaktion der Inzidenzen auf die Hunderten Maßnahmen und Verordnungen als wir es in den meisten anderen Ländern sehen.

Auch ein Blick auf den Straßenverkehr und der Vergleich mit dem ersten Lockdown zeigen, dass die Regierung die Reaktion der Bevölkerung trotz aller PKs, PR und Dauerberieselung mit Regierungsmitteilungen nicht mehr kontrollieren kann, weil sie offenbar das Vertrauen verloren hat.

Versuchen Sie jetzt am frühen Nachmittag so ein Foto von der Reichsbrücke zu schießen, wie ich es im ersten Lockdown geschafft habe:

Written by medicus58

28. November 2020 at 23:31

Aus dem Lockdown in die Gondel: das Kleingedruckte, das der Bundesmaturant verschweigt

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https://just-the-covid-facts.neuwirth.priv.at/2020/11/27/covid-19-oesterreich-aktuelle-daten

Während der Herbstferien zwischen 27. Oktober bis Allerheiligen am 1. November waren Österreichs Schulen geschlossen. Auf den geglätteten Verlauf der Inzidenzen hatte das ganz offensichtlich keinen entscheidenden Einfluss.

Das führte uns in den Lockdown light ab 3. November.
2 Wochen danach erlebten wir noch immer keinen Effekt sondern den bisherigen Peak der Inzidenzen.
Unter Wenn die nächtliche Ausgangskontrolle nicht funktioniert hat, was sagt uns das? habe ich damals eine Selbstreflexion der professionellen Hochrechnern eingefordert, die dann – nur scheinbar auf meinen Wunsch – vom einem internationalen Wissenschaftsteam rund um den Complexity Science Hub Vienna der Medizinischen Universität geliefert wurde:

6.068 Anti-Corona-Maßnahmen aus 79 Regionen weltweit hat diese Studie analysiert und festgestellt: Schulschließungen sind ganz weit oben mit dabei, was die Wirksamkeit angeht.

OK, eine Woche geschlossene Schule ist vielleicht zu wenig gewesen, aber auch viele Maßnahmen des Lockdown light (z.B. Beschränkung von Personenansammlungen Small gathering cancellation) haben einen überwältigenden Z-Score. Blöd nur, dass sich die Realität nicht an die prädiktive Statistik hält. Vermutlich war die Old School gar nicht so blöd, dass sie aus der Beobachtung Hypothesen generierte und diese nur einer statistischen Analyse unterwarf und nicht durch komplexe Rechnungen ihre Hypothesen generierte, aber vielleicht bin ich einfach zu blöd für sowas.

Ist aber scheinbar eh egal. Bundesmaturant Kurz und sein Volkschullehrer Anschober vertrauen auf den Komplexcity Forschern auch nicht und hören eher auf die westösterreichischen Tourismusmanager und verordneten ab 16. November, also 12 Tage vor dem Ende des lighten den harten Lockdown.

Schon am nächsten Tag fielen die Inzidenzen, obwohl inzwischen der letzte Hobby Virologe weiß, dass Effekte durch Inkubationszeiten und zusammengebrochenes Tracing erst verzögert messbar werden.

Aber eh egal, die Impfungen kommen, alles nur eine Frage ob vor Silvester (Kurz) oder danach (Anschober).

Und dazwischen
feiern wir Nikolo (ohne Krampus),
entladen die gebremste Kaufgier (so die Arbeitslose reicht) ab 8.12.,
feiern ein besinnliches Weihnachtsfest (ob wir wollen oder aus religiösen Gründen gar nicht müssen)
und stürmen die Gondeln, natürlich nicht in Venedig, weil den Italienern redet die Köstinger ja auch nicht in den Karneval sondern in die der einheimischen Seilbahnen.

Das Licht kommt also nicht vom Ende des Tunnels sondern schon von den weihnachtlichen Sternspuckern und den Tiroler Almhütten.

Was uns noch verschwiegen wird,

dass uns auch mit Impfung noch für Monate der Rotzfetzen im Gesicht und das Abstandhalten nicht erspart bleibt. Erstens weil es dauert, bis ein individueller Impfschutz aufgebaut wird, zweitens weil noch lange kein ausreichender Anteil an Geimpften vorliegen wird, drittens weil unklar ist, ob ein individueller Impfschutz das Spreaden verhindert und viertens weil die Durchimpfung mit großer Wahrscheinlichkeit durch Freiwilligkeit nicht erreichbar ist (siehe unten).

dass die Dosierung und die Wirksamkeit des AstraZeneca/Oxford University Impfstoffes durch Produktionsfehler irgendwo zwischen 62 und 90% liegt und erst durch eine weitere Studie geklärt werden kann und völlig unklar ist, wie er in älteren Risikogruppen wirkt. Egal, bestellt ist bestellt.

dass von Pfizer/Binotech und Modena, noch keinerlei Details über ihre mRNA Impfstoffe offen gelegt haben, obwohl beide behaupten, dass ihr Stoff auch bei Älteren gut wirkt.

dass die Studien aller drei Hersteller in dem Sinn nicht wirklich doppelblind waren, weil die Nebenwirkungen (bis 70% Schwellung an Einstichstelle, bis 40 % zum Teil schwere grippeähnliche Erscheinungen über wenige Tage) hatten.

Sehr still ist es um die Möglichkeit von autoimmunologischen Folgewirkungen (ähnlich einer MS) in der AstraZeneca Studie geworden,

Ob es unter all diesen Auspizien wirklich verantwortungsvoll ist, die Fremdenverkehrssaison anzuwerfen, darf ich heftig bezweifeln.

Die rasche Entwicklung der Impfstoffe ist vermutlich eine wissenschaftliche Großleistung, hat aber aktuell noch mehr offene Fragen als Antworten.
Eine Therapie der Erkrankung (aktuell werden – no na net – die größten Hoffnungen in Antikörper gesetzt) ist frühestens mit Herbst 2021 zu erwarten.
Unter diesen Aussichten führt die Strategie der Regierung in den nächsten Lockdown im Frühjahr, wird das Triageproblem um verunfallte Wintersportler und Influenzakranke erweitert und Österreich endgültig zum europäischen Schmuddelkind, das im Sommer alle mit Reisewarnungen eindeckte und jetzt wieder vor den Tiroler Adler Runde einknickt, koste es was es wolle.

Lesestoff:

SARS CoV2 Spiegel, CNBC, Nature, Science, Faktencheck Deutschlandfunk

Schweunegrippe: NTV

Written by medicus58

27. November 2020 at 21:54

Eine der interessantesten Artikel über die Geschichte der mRNA Impfstoffe, die ich bis jetzt gelesen habe

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The story of mRNA: How a once-dismissed idea became a leading technology in the Covid vaccine race

LINK zum Artikel

Written by medicus58

27. November 2020 at 13:41

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Die neue S2k Leitlinie zur stationären Covid-19 Therapie ist auch für interessierte Laien lesenswert

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Der Text gibt einen klaren (völlig unaufgeregten und objektiven) Überblick über das derzeitige Wissen und auch viele Daten zu Prognose, Langzeitfolgen und Rehabilitationsmöglichkeiten von Covid-19.

In der Kakophonie zwischen Alarmismus und Leugnung, bzw. Über- und Unterbewertung bisher bekannter therapeutischer Maßnahmen und persönlicher Anekdoten tut es gut, empirisch abgesicherte und aktuelle (Erscheinungsdatum 23.11.) Daten lesen zu können.

LINK: S2K AWMF Leitlinie

Written by medicus58

25. November 2020 at 08:02

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Wenn alle ihre persönlichen Erfahrungen als allgemeingültig verbreiten, tu ich das auch mal, ausnahmsweise: Lockdown ist nicht Lockdown

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Unter Eminence based Medicine versteht man, im Gegensatz zur Evidenz basierten Medizin Entscheidungen, die primär auf persönlicher Erfahrung (Meinung) mehr oder weniger berühmter Leithammel (Ärzte, Pfleger, Gesundheitspolitiker,… Experten) beruht und nicht auf systematisch bewiesenen Nutzen, einer Entscheidung.

Auch wenn „Nutzen“ in der Medizin überraschend vielfältig interpretiert werden kann, und für viele notwendige Entscheidungen in der Medizin einfach keine ausreichende Evidenz (z. B. in Form von geeigneten Studien) vorliegt, hänge ich – wo geht – eher evidenzbasierten Entscheidungsprozesse an.

Wer sich da mehr vertiefen will, für den steht hier auf dem Blog eine entsprechende Online Vorlesung zur Verfügung (Links siehe unten).

Wenn ich aber ausnahmsweise meine persönlichen Erfahrungen in einem großen Spital für repräsentativ halten würde, dann würde ich davon ausgehen, dass sich die Patienten sich im zweiten Lockdown ganz anders als im ersten verhalten.

Im Frühjahr brachen in der Diagnostik, auch bereits terminlich vereinbarte, ambulante Kontrolluntersuchungen rasch auf ein sehr niedriges Niveau herunter und es verblieben überwiegend Patienten mit sehr schweren akuten Erkrankungen oder bereits laufenden Therapien. Geplante stationäre Aufnahmen für Spezialtherapien wurden überwiegend wahrgenommen, obwohl man sich im Spital oft nicht sicher fühlte. Zur Erinnerung, wir hatten damals viel weniger Virusträger im Lande als heute!

Applaus

Aktuell gibt es zwar vermehrte Anrufe, ob der Ambulanzbetrieb überhaupt aufrecht ist und vermehrte Umbuchungen durch Absagen und Neuanfragen, die Patientenzahl geht insgesamt aber kaum zurück.

Während im Frühjahr die ganzen „Ich möchte mir das mal anschauen lassen“ Selbstzuweiser mit einem Schlag von der Bildfläche verschwanden, ist es dazu bislang nicht gekommen.

Die Angst sich im Krankenhaus anzustecken scheint im Gegensatz zum Frühjahr aktuell kaum jemanden zu bekümmern.

Natürlich gilt das alles nur für geplante Termine und elektive (konservative) Therapien, jedoch scheint es mir plausibel, dass die Schützen wir die Spitäler Kampagne zu Jahresbeginn zu ganz anderem Patientenverhalten führte, als das jetzt im Vordergrund stehende Motiv der warnenden Intensivmediziner.
Da seit heute auch im Wiener Gesundheitsverbund (www.info.gesundheitsverbund.at vormals KAV) ein generelles Besuchsverbot und eine Aufforderung Ambulanzen nur bei medizinischem Erfordernis aufzusuchen (?!?) verkündet wurde wird sich das Verhalten ab heute auch wieder ändern.

Auf den ersten Blick könnte man die veränderte Reaktion der Patienten einfach als Ermüdungserscheinung abtun, ich finde aber das Experiment in dieser riesigen gesellschaftlichen Skinnerbox verdient aber eine eingehendere Analyse unter Einbeziehung verschiedener extra- und intramuraler Fächer, um vielleicht bei der nächsten Krise etwas zielgerichtetere PR zu betreiben.
Die Kollateralschäden der Kampagne im Frühjahr (COVID -19: Was hilft werden wir zu spät wissen, was schadet sehen wir gleich) sind ja schon einigermaßen aufgedeckt, ob die aktuell ausgelösten Reaktionen so viel weniger Kollateralschäden auslösen, mag bezweifelt werden.

Links zur Vorlesung Clinical Decision Making (zT aus den 90ern des vorherigen Jahrhunderts):

1 Am Anfang war die Diagnose – Clinical Decision making Not only for Dummies
2 Anamnese – aber
3 Anamnese – wer hat das Wort?
4 Wie denkt der Arzt, wenn er denkt? Daumenregeln
5 Die Pathognomie finden Sie nur im Lehrbuch
6 Erfahrung hat man immer zu spät
7 Der unverzeihende lineare Algorithmus
8 Information und Bias
9 Was ist schon normal
10 Regenwarnung und Rettung durch einen Presbyterianer
11 ROC around the clock
12 Quite mean, the Regression to the Mean
13 Symptoma – Symptom für eine falsche Entwicklung der Medizin
14 Zebras revisited

Der ökonomische Trugschluss mit der Überbefundung in der Medizin
Babylonische Zustände in der Medizin
Wie verhindern Sie unnötige Zuweisungen? Einfache Fragen statt komplexer Algorithmen
Dr. Google is a Liar: Falschmeldung über Gesundheitsthemen und typische Folgefehler
Ja was nun, oder was an der medizinischen Wissenschaft so verwirrt

Written by medicus58

18. November 2020 at 17:34

Kam der Totale Lockdown zu früh? oder „Z’weng und z’vü is Dene Narr’n earna Zü“

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Der Spruch stammt von meiner Großmutter, der Verdacht gründet sich auf Erich Neuwirths Zahlen, hier der ganze Tweet:

Am Freitag den 13. verlangte ich hier unter dem Eindruck steigender Neumeldungen positiver Testergebnisse eine kritische Auseinandersetzung mit den Prämissen der bisher gesetzten Maßnahmen ( Wenn die nächtliche Ausgangskontrolle nicht funktioniert hat, was sagt uns das?).

Als noch am Samstag Vormittag das Land vor der nächsten ZIB Spezial mit Pressekonferenz und Worthülsen-Angriff zitterte, weil der Totale Lockdown alternativlos schien, twittert Neuwirth (siehe oben), dass die Zahl der neu eingemeldeten positiven Teste im Vergleich zum Vortag (ca. 10.000 inkl. Nachmeldungen) gefallen waren.

Selbstverständlich wies Neuwirth darauf hin, dass man angesichts des Datenchaos (Nachmeldungen, unterschiedliche Zahlen zwischen den Ministerien, nur positiv Meldungen bei AG Schnelltests) aus dem einen Wert nicht zu viel ableiten sollte.

Heute Sonntag setzt sich der Trend aber sehr deutlich fort:

Bei allen berechtigten Einwänden gegen vorzeitigen Jubel (Zeitverschiebung zwischen Maximum der Neumeldungen und Spitals- und Intensivbelegung) und erwartbar punktuell schwierigen Situationen, wenn der Bundesmaturant in der gerade abgelaufenen Pressestunde von noch mehr Verschärfungen spricht, fällt mir wieder meine Großmutter ein (Hochdeutsch: Zuwenig und zuviel is der Narren Ziel) .

Gerade wenn man die zeitliche Verschiebung zwischen Ansteckung und Hospitalisierungspflicht im Hinterkopf hat, muss es doch klar sein, dass HEUTE jede weiter Verschärfung zu spät käme, wenn man befürchtet, dass die Maßnahmen vor 2 Wochen zu gelinde waren.

Ich behaupte mal auf Basis der jetzt vorliegenden (statistisch nicht signifikanten) Trends zwei Dinge und lasse mich in den nächsten Wochen gerne dafür prügeln.

Wenn man sich seitens der Verantwortlichen seit dem Sommer sicher war (medial wurde es so getrommelt), dass es die nächtlichen Umtriebe der Bevölkerung waren, die das Infektionsgeschehen befeuerten, dann hätten die nächtlichen Ausgangsbeschränkungen mindestens eine Woche früher kommen müssen, um ihre Wirkung besser abschätzen zu können.

Es spricht einiges dafür, dass der erneute totale Lockdown, der Bildung, Wirtschaft und die Psyche der Gesellschaft erneut an die Wand fährt, eine Überreaktion der tückisch-grünen Regierung ist, die sich aus ihrem selbst gewählten Wolkenkuckucksheim aus PR-Beratern, handverlesene Experten und willfährigen Medien weder befreien will noch kann und damit mehr menschliches Leid zu verantworten hat, als es das Virus jeh geschafft hätte.

Written by medicus58

15. November 2020 at 12:28

Wenn die nächtliche Ausgangskontrolle nicht funktioniert hat, was sagt uns das?

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Komplexizitätsforscher, Wittgenstein Preisträger, Statistiker, Journalisten und letztendlich wir alle haben seit dem Frühjahr so unsere Theorien, was alle anderen falsch machen, wenn die Infektionszahlen steigen.

Bemerkenswert aber, dass sich keiner dann kümmert, wenn die aus den verfochtenen Theorien abgeleiteten Maßnahmen nicht zum Ziel führten.

Konkret wurde über Wochen getrommelt, dass es die nächtlichen Parties und Clubs waren, die die Infektionen angefeuert haben. So gesehen waren die nächtlichen Ausgangsbeschränkungen eine zielsicher Gegenmaßnahme.

Da sich, soweit das bei dem Datenchaos überhaupt sagen lässt, die Maßnahme nicht ausgewirkt hat, bleiben eigentlich nur zwei Erklärungen:

Die Bedeutung der Garagenparties wurde überschätzt und die „Expertenlagen erneut falsch, wie im Frühjahr wo die Krankenhäuser leer blieben, im Sommer, wo uns die Paare am Donaukanal doch nicht umgebracht haben und das Virus doch nicht Auto fuhr,

nur das wird keiner zugeben, also werden wir die zweite Erklärung bekommen

Die ungehorsame Bevölkerung ist wieder selbst schuld und deshalb müssen die Maßnahmen verschärft werden.

Lasst uns hoffen, dass der Totale Lockdown wirkt, dass er so stark wirken wird wie im Frühjahr, würde ich mal bezweifeln.

Übrigens könnte man die Ampeln jetzt wieder abschalten.

Written by medicus58

13. November 2020 at 19:34

Veröffentlicht in Gesundheitssystem

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