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Urlaub von Corona in Kurzistan und daneben VI

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Der Gang der Geschichte wollte es, dass sich das Heilige Land Tirol in drei Bruchstücken und auf zwei Länder erstreckt. Vergleicht man in den drei Teilen den Umgang der Hotellerie mit dem Coronavirus, dann fallen einem doch gravierende Unterschiede zwischen drei Häusern der jeweiligen Topkategorie auf.

Am vorbildlichsten scheint der Süden: Fieber messen beim Check-in, Masken auf allen Wegen im Hotel, außer bei der unmittelbaren Nahrungsaufnahme. An jeder Ecke ein Desinfektionsspender, der NICHT leer ist! Alles am Buffet, Obstsalat, Müsli, Schinken, Käse,.. in mundgerechte Portionen und in Klarsichthülle verpackt.

Auch der Norden hat es begriffen (die Ischgl-Überlebenden haben dort ja Zwischenstation gemacht), auch dort Desinfektionsspender am Selbstbedienungsbuffet, nur verwendet sie keiner, mal Maske, mal oben ohne.

Im Osten und im höchst bepunkteten Haus gibt man sich lässig. OK, am Buffet gabs nach langer Suche einen winzigen Desinfekionsspender, aber: einheitliches Vorlegebesteck, Obstsalat und Müsli, sowie alle anderen Goodies offen. Zum Tragen von Masken wird man nur auf einem Selbstkleber im Lift aufgefordert, machen tut das niemand. Höchstzahlen für die gleichzeitige Benutzung von Liften, Pools, Saunen,… Hearscht, wos isn des

Ehe Sie sich aber nun (zu Recht) über die auf den ersten Blick ja wirklich haarsträubend unterschiedlichen Interpretationen einer adäquaten Hygiene das Maul zerreissen, dürfen Sie mal raten, wo ich mir meinen (selbstlimitierten) Durchfall (Montezumas Rache) zugezogen habe.

Ich erspare Ihnen Details und hoffe Sie vertrauen auf meine medizinische und reisetechnische Vorerfahrung, aber alles sprach für eine Lebensmittel indizierte Enteritis durch einen PVC verpacktern Obstsalat im vorbildlichsten aller Betriebe.

OK, SARS CoV2 scheinen mir alle drei Betriebe erspart zu haben, aber eine ähnliche Durchfallerkrankung hatte ich bislang nur außerhalb von Europa. Ich darf daher Zweifel anmelden, ob alles so g’scheit ist, was aus hygienischer Sicht Sinn macht.

Written by medicus58

3. August 2020 at 10:20

Urlaub von Corona – Söderland statt Kurzistan III

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Neue Variante des Corona-traceing knapp hinter Kurzistan im Söderland entdeckt. http://www.s.darfichrein.de eine scheinbar einfache Lösung für ein optimales Nachverfolgen der vom Tode Bedrohten, die innerhalb der letzten 14 Tage mit einem Covid-19 Erkrankten Kontakt hatten.

Ein Projekt des Bayrischen Gaststättenverbandes und der Anstalt für kommunale Datenverarbeitung zu dem man sich einmal elektronisch anmelden muss. Supi, für die Einheimischen, blöd für den Ausländer ohne Online Zugang. Nach einigen Misserfolge ist man dann in einem lokalen WLAN, nur lädt der QR-Scanner nicht die Seite.

Der Kellner erkundigt sich nach den Getränke-Wünschen.

Irgendwann und irgendwie hat man dann seine Daten eingetippt, Ankunftsdatum und – Uhrzeit muss man natürlich selbst eingeben, das kann man offenbar online nicht…

Schließlich, der Kellner hat auch die Getränke gebracht und die Speisewünsche aufgenommen, bekommt man ein Zertifikat, dass man sich angemeldet hat.

Dieses soll der Kellner dann abfragen, tut er aber nicht, weil es ihm egal ist..

Ein anderes IT-Tool, das Beruhigt und wohl garnix im Kampf gegen SARS CoV2 bewirkt.

Manchmal glaube ich, die EDV ersetzt heute nur die Amulette des Mittelalters. Wir wollen in unserer Hilflosigkeit an was glauben.

Written by medicus58

28. Juli 2020 at 20:37

Telemedizin, aber Hallo

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Die Ärztekammer hat einen großen Sieg im Sinne von Ärzten und Patienten errungen:
Für Selbstständige und Bauern kommt die Teleordination

Klar, alles wird digital (zwar schon seit mindestens drei Jahrzehnten, aber plötzlich scheint es „in“). Macht ja auch Sinn, selbst der durch und durch amerikanische Gesundheitsversorger Kaiser Permanente, hat das schon vor Jahren eingeführt, weil eine rasche telefonische fachärztliche Auskunft billiger kommt , als den Patienten von Ordination zu Ordination zu schleppen.

Mich tangiert das ja nicht, im Krankenhaus wird man gefühlt andauernd von der Kollegenschaft und von Patienten angerufen, ohne das verrechnen zu können, aber reich wird die niedergelassenen Kollegenschaft wohl jetzt auch nicht:

Die SVS hat sich mit der Ärztekammer auf einen Teleordinationstarif geeinigt, wonach der Vertragsarzt für eine derartige Ordination 13 Euro abrechnen kann.

Ich kenne viele Telefonate, die viel länger dauern aber wenige, die deutlich kürzer als 10 Minuten dauern:

„Ja, …. sind Sie der Dr. XY“
„Ja, weil desen Nummer haben Sie ja g’rad gewählt.“

„Gut Herr/Frau Dr.! Ich habe da eine Problem.“
„Ja?“
„Sie haben mir da die kleinen weißen Tabletten verschrieben, aber in der Apotheke habe ich was anderes bekommen.“

„Na, wie heißt denn das Medikament?“
„Das habe ich jetzt nicht bei mir, aber ich kann es gleich holen ….“

Täten Ärzte nichts anderes als andauernd telemedizinisch telefonieren, kämen Sie also auf eine fiktiven Bruttostundenlohn von 130 €. Schlecht, mögen Sie einwenden, aber rufen Sie mal Ihren Steuerberater, Notar oder Rechtsanwalt an und warten Sie auf die Honorarnote … (Vergleiche 8.8.2017 Ärztemangel aber kein Rechtsanwaltsmangel, warum bloß?

Es gibt aber noch ganz andere Parallelen. Sie kennen das sicherlich, viele Hersteller betreiben eine kostenpflichtige telefonische Beratung (RTR) und wird (nachdem die EU das geregelt hat Minuten genau abgerechnet:

Ein Anruf zu einer Mehrwertnummer darf höchstens 3,64 Euro pro Minute kosten. Außerdem muss der Betreiber Verbindungen nach einer bestimmten Dauer automatisch trennen: Kostet der Anruf mehr als 2,20 Euro pro Minute, so muss das Gespräch nach 30 Minuten beendet werden, ansonsten nach 60 Minuten.
Ein Gespräch darf somit maximal 132 Euro kosten.

Übrigens ist man da schon an den Tarifen von anderen freien Berufen.
Kein Wunder, dass unsere Kassenmedizin in eine Mehr-Klassenmedizin führt.

Written by medicus58

23. Juli 2020 at 17:00

FAQ Corona, alles klar?

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Eigentlich reizte es ja statt FreqentlyAskedQuestions ein anderes F-Wort an den Beginn dieser Überlegungen zu stellen, denn ehrlich, kennen Sie sich noch aus in dem Stakkato an Gesetzen, Verordnungen, Erlässen und Empfehlungen mit dem uns unsere Regierung (von regere = führen) angeblich durch die Pandemie führt ?

Über die unklaren, z.T. unrichtigen und nur ungenügend wissenschaftlich zugänglichen Basisdaten dieser Epidemie, haben nicht nur ich schon mehrfach geklagt.

Über die Unklarheiten u.a. im Tourismus klagen schon viele Branchen, die gestern plötzlich verhängten Landeverbote für einige Fluglinien aus europäischen Ländern, nachdem die Hinflüge noch vor zwei Wochen erlaubt waren, werden wohl noch ein Nachspiel haben.

Wie schludrig und missverständlich das Gesundheitsministerium informiert zeigt (als pars pro toto) diese Empfehlung auf der Homepage von Anschobers Truppe: Empfehlung zur Entlassung von COVID-19-Fällen aus der Absonderung statt gleich das Original des deutschen Robert Koch Institutes zu verlinken, hat man (Stand: 09.07.2020; basierend auf Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts) drei Tage nach Erscheinen der deutschen Empfehlung auch eine in österreichischer Übersetzung mit eigenem Logo und Pomp ins Netz gestellt und referenziert hier in den Handlungsanweisungen mehrfach auf eine Ct-Wert. Erklärt wird dieser wert aber nirgends in dieser Empfehlung.

Googelt man hilflos nach cT-Wert, klärt einen Wikipedia zwar auf:

Der Ct-Wert, abgekürzt für engl. threshold cycle ist eine theoretische Größe, die den Anfang des exponentiellen Wachstums einer Kurve beschreibt.
und stellt die Verbindung zur  Real Time Quantitative PCR her, aber ich darf bezweifeln, dass die semiquantitative und quantitative Auswertung der PCR selbst in breiten Teilen der Ärzteschaft bekannt ist…

Die Falldefinitionen zwischen Gesundheits- und Innenministerium passten nicht immer zu denen der Krankenanstalten oder der AGES.

Während zu beginn der Pandemie die Maskenpflicht in den Supermärkten egal war, wurde sie dann (mit gewisser Berechtigung) verordnet, dann (ohne wirklicher Evidenz) wieder abgeschafft und soll nun auf Wunsch der SPÖ Vorsitzenden wieder eingeführt werden.

Während wir im ORF mit wohligen Schauer jeden Tag die Infektionszahlen aus den Länder verhaltensauffälliger Präsidenten bekopfschütteln dürfen und uns als Coronaweltmasta (Ö3 Originalton Prof. Wenisch) wähnen, erlaube ich mir folgende Annahmen:

Die erste Coronawelle war in Österreich noch gar nicht da (fast unerklärlich wenig schwer Kranke, keine Überlastung des Gesundheitssystems; hoffen wir, dass wir von ihr verschont werden).

Trotzdem haben wir bereits ein undurchsichtiges Chaos an missverständlichen, widersprüchlichen und zunehmend von Gerichten aufgehobenen Anzeigen, laufend wechselnden Erlässen, Empfehlungen, die als Anordnungen verkauft werden, eine Politik durch Drohungen statt mittels Recht.

Und einen Bundeskanzler der konsequenzlos sein Ego in einem Bad in einer gedrängten Menge nimmt, die nachträglich als, offenbar Inzucht-bedingt, als Familienverband aufgefasst wird.

Jetzt erheben Polizisten Gesundheitsdaten und das Bundesheer, dass seine Flieger nicht mehr hoch kriegt, hilft wieder an der Grenze.

Auch wenn man die ersten Hüftschüsse mit dem Zeitmangel in der Krise rechtfertigen wollte, fünf Monate nach Beginn des Problems könnte man vielleicht langsam eine andere Vorgangsweise erwarten.
Wenn nun dieses Chaos (Covid-19 verampelt) auch noch regionalisiert wird, kann man der pandemischen Zukunft nur mit größter Unruhe entgegensehen.

Aber zumindest wissen Sie nun, was der Ct-Wert ist ….

Written by medicus58

15. Juli 2020 at 15:52

Covid-19 verampelt

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Berlin hat schon eine, Dresden schon eine seit Mai, jetzt haben auch wir, eine Corona-Ampel.

Seit die Hoffnung auf rasche Herdenimmunität gescheitert ist und der nationale Lock down ohne so richtig Erster Welle wirtschaftlich in den gesellschaftlichen Scheintod führte, ist jetzt Regionalisierung die Lösung.

Auf den ersten Blick macht das ja Sinn, wenn man weniger von homogenen Infektionswellen und mehr von Clustern um Superspreader ausgeht, nur liegt wie immer der Teufel im Detail.

Erstens die Datenqualität

Verschiedene Stellen hatten (nicht nur in Ö) unterschiedliche Zahlen, das kann durchaus verwirren wenn das immer sogleich zu Verordnungen führt.

Zweitens die Datenkinetik

Wir erinnern uns an die vergangenen Sprünge in den Modellen, weil die Daten oft unregelmäßig eingepflegt werden und die Herkunft nicht immer geografisch klar zugeordnet werden konnte. Da muss ein „Stoßdämpfer“ eingebaut werden

Drittens die Datenunschärfe

Erinnern wir uns an das lächerliche Gezeter, ob die Fälle im Verteilerzentrum nun Wien oder NÖ betreffen.

Viertens die fehlenden Vorgaben

Wenn, was bei uns leider Tradition hat, jeder Bezirkskaiser aus den Daten wieder andere Entscheidungen fällt (Föderalismus Alarm), weil es keine bundesweitenRegeln gibt, katapultiert uns das in die Pest Bekämpfung des Mittelalters zurück.

Wenn da nicht rasch nachgebessert wird, wird bald jeder einen Fall kennen, der von Ankündigungspolitik und nicht vom Virus umgebracht wird.

Written by medicus58

10. Juli 2020 at 20:10

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Covid-19: Sollen wir uns wieder fürchten?

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60 neue Corona-Fälle über Nacht in Oberösterreich teilt uns Heute heute mit und und der OÖ Landeshauptman schreitet zur Pressekonferenz. Ob Innenminister Nehmammer seinen Parteikollegen auch seine Einsatztruppen zum Flexen anbieten wird, wie er das in Wien gemacht hat, ist noch unbekannt. Grund dazu hätte er, weil mit (Stand 9:30) der „Löwenanteil der mehr als 100 Neuinfektionen, nämlich 61 auf OÖ, 24 auf Wien, 9 auf die Steiermark, 7 auf NÖ, 3 auf Tirol, 2 auf Salzburg und nur 1 auf das Bgld entfallen.

Im Neunkirchner Spital zählte man heute früh schon (kumulativ) 12 positive Mitarbeiter und einen Patienten.

Alles ziemliche Spaßverderber gerade heute, wo Kontaktsport erlaubt und die Bedienung im Gasthaus demaskiert wird während die Kleine Zeitung schon gestern national und international die zweite Welle ausgerufen hat und heute die Regierung eine Reisewarnung für den Westbalkan ausspricht.

Stellen wir uns also darauf ein, dass die Medien, nachdem sie kurzfristig wieder die „Gefährlichkeit des Virus hinterfragt“ haben (ZIB2: Wolf, Thür), zur klassischen Frager des „müssen wir uns fürchten“ zurück kehren, die flugs wieder in die „Aufforderung zu drastischen Maßnahmen“ münden wird. Dazu passt, dass auch der OÖ LH prompt wieder ein paar Schulen (vor Ferienbeginn) und Kindergärten schließt.

In der österreichischen Nabelschau ging da praktisch unter, dass die WHO nun auch noch vor einer neuen Schweinegrippe mit Pandemie-Potential warnt.

Nach der Innsbrucker Uni, die in Ischgl in 42,4 Prozent der Bewohner Antikörper gefunden haben, schießt auch die Danube Private University (DPU) Krems nach und identifizierte in Weißenkirchen (Krems) in 101/ 884 der Bewohner Antikörper gegen das Virus, was 11,4% ergeben würde, obwohl Bürgermeister Christian Geppner (ÖVP-WG) von „mehr als 12%“ spricht. In jedem Fall ist es mehr als in Reichenau mit 6,5 Prozent und passt dort schon eher zu den bisherigen Prävalenzstudien des Wissenschaftsministeriums:
Rund 4,71 Prozent der Menschen ab 16 Jahren, die in diesen Gemeinden in einem Privathaushalt leben, besitzen Antikörper.

Nach zahllosen Experteninterviews und noch zahlloseren Pressekonferenzen unserer Regierung ergibt das ein sehr verwirrendes Bild bzw. wie andernorts bezeichnet eine Doppelbotschaft von Lockerung und Warnung.

Wenn wir es positiv sehen wollen, Optimismus ist ja inzwischen verpflichtend, dann hat bei uns die Flatten-the-Curve Bewegung gesiegt und uns ein vorhersehbares, Problem für viele Monate beschert. Ob Sie das nun beruht, mag ich bezweifeln.

So gesehen, schiene ja der schwedische Weg (Augen (fast) zu und durch) nachträglich attraktiver als unser Lockdown mit anschließender Zitterpartie, wenn da nicht kaum wegzuleugnende Tatsache wäre, dass aktuell in Schweden 528 Menschen/Million Einwohner verstorben sind, während das bei uns 78 waren. Oder wie es Kollege Weidinger in Ö3 gestern früh zusammenfasste, Fußball können wir weniger aber beim Virus sind wir Österreicher Wödmaster.

So gesehen müssen wir uns zwar weniger als die Schweden fürchten, aber ob das beruhigt?

Sollten Sie bis hier weitergelesenen haben, muss ich Sie enttäuschen, dass das was ich hier am 24.April sagte (Wussten wir über das neue Coronavirus wirklich so wenig, dass wir das den Regierungen durchgehen lassen müssten?) weiterhin richtig ist, aber ich Ihnen auch nicht sagen kann, ob Sie sich nun mehr oder weniger fürchten sollen.

Was ich aber schon beitragen kann: Sie sollten sich vor Covid-19 nicht mehr fürchten, als vor Ihrer ökonomischen und gesundheitlicher Zukunft:
27.3.2020: Monothematisches Denken in der Krise gefährdet auch das Gesundheitssystem

Sie sollten sich aber davor fürchten, dass wir auf einige der Kernfragen in der COVID-19 Pandemie trotz all der Expertenmeinungen keine konsistente Meinung haben:

Wie erklären wir uns die drastisch unterschiedlichen Zahlen an verifzierten Fällen?
Die etwas unterschiedlichen Verifzierungsregeln und unterschiedliche offizielle Beginnzeiten der lokalen Epidemie sind keine ausreichende Erklärung dafür, dass ökonomisch und strukturell nicht völlig unähnliche europäische Staaten sehr unterschiedliche Fälle/1 Mill EW haben

Schweden 6778
UK 4628
Spanien 5331
Italien 3979
Schweiz 3664
Frankreich 3096
Deutschland 2332
Österreich 1985

Noch unerklärlicher sind die Diskrepanzen zwischen anderen Staaten, über die aber in ganz unterschiedlicher medialer Dichte berichtet wird.

USA 7962
Brasilien 6596
Iran 2710
Mexico 1754
China 59

Noch erklärungsbedürftiger wären auch die unterschiedlichen Verläufe über die Zeit:
In Schweden und Brasilien finden wir kontinuierliche Anstiege bis heute:
Am 30.6. zählte man in Brasilien 172,14 tägliche Neuerkrankungen/Mill EW, während diese Zahl in Schweden mit 102,56 fast so schlimm sind und eher seit ein paar Wochen noch steiler ansteigen.

Definitiv zweigipfelige Kurfen zeigen die US und der Iran.
In den USA fand sich beim ersten Gipfel am 10.4. ein täglicher Anstieg (95,56 täglich neue Fälle /Mill EW) und aktuell noch höher (124,27).
Im Iran lagen diese Zahlen beim ersten Gipfel (2.4.) bei 35,82 während er beim zweiten Gipfel (10.6.) 29,33 betrug.

Völlig anders sind die Zahlen aus China, wo, trotz medial immer wieder berichteter Cluster, die Epidemie scheinbar vorbei ist (15.5. noch 0,01 Neuerkrankungen/1 Mill EW), in den letzten Tagen noch niedriger).

Solange wir uns diese Diskrepanzen nicht annähernd erklären können, sollte Erklärungsversuche, die den Schuldigen immer woanders suchen, der Schweigefuchs (nicht der Wolfsgruß) gezeigt werden:

OÖ Legende 1: Der steigende Trend könne mit den Lockerungen der Beschränkungen, vermehrter Reisetätigkeit von Menschen und mit vereinzelt bisher bekannten Clustern erklärt werden, hieß es in der Aussendung. So geht ein Teil der Neuinfektionen auf Treffen der „Pfingstkirche – Freie Christengemeinde“ zurück.

NÖ Legende 1: Nach möglichen Begründungen für die extrem hohe Zahl an „unbemerkt“ Erkrankten befragt, verwies der Gemeindechef (Weißenbach) auf die Rückkehr einer Reisegruppe aus Israel am 6. März.

NÖ Legende 2: Gekuschelt wurde bei den Sitzungen in Ternitz und Neunkirchen definitiv nicht, wie ich weiß. Sollten Mandatare dieser Städte vom Coronavirus befallen worden sein, haben sie es sicherlich nicht von den Gemeinderatssitzungen auf Abstand, sondern wohl eher von einer Großdemo in Wien oder ähnlichen Massenereignissen.

Mutationen des Virus scheinen nicht die Ursache sein, die Demoskopie und der Gesundheitszustand beeinflusst sicher die Todesraten, aber kaum die Infektionsraten, die Qualität des Gesundheitssystems kann es wohl auch nicht sein.
Wenn es die seit Beginn der Krise immer wieder angeprangerte fehlende Eigenveranwortung der Bevölkerung insbesondere in Ballungszentren wäre, ist schwer vorstellbar, weshalb die disziplinierte Schweiz im Vergleich zu Österreich schlechter da steht.

Sollten Sie sich also fürchten wollen, was aber immer eine schlechte Reaktion auf Unsicherheit ist, sollten Sie sich weniger davor fürchten, dass Sie an Covid-19 schwer erkranken, aber dass trotz zahlloser Sondersendungen, Sonderartikel, Experteninterviews in den meisten Ländern wie in Österreich keine Daten zugänglich sind, die vielleicht Evidenz für zielgerichte Maßnahmen ermöglichen.

Die Zuckerbrot und Peitschen Taktik unserer Regierung ist übrigens schon zum Fürchten.

Robert Wiesner @robertwiesner
Originelle Erinnerung an die Notfallnummer: Strafe bis zu € 1450, wenn wer ohne Test nach Ö einreist oder Quarantäne nicht einhält. Ö1 Mittagsjournal, 1.7.
https://oe1.orf.at/player/20200701/602216/1593597712000

Written by medicus58

1. Juli 2020 at 16:10

Rashomon oder das Lustwäldchen in Linz

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Auch viele, die Kurosawas Meisterwerk nie gesehen haben, kennen vielleicht die Geschichte von Rashomon, dem Lustwäldchen.

Das ganze hat wenig mit Lust zu tun (lost in translation) sondern mit einem undurchdringlichen Dickicht, in dem irgendwo die Wahrheit sein müsste, obwohl sich die Zeugenaussagen massiv widersprechen. Ich kenne den nachfolgenden Vorfall auch nur aus den Medien, aber darum geht es vielleicht gar nicht.

Version eins:

Arzt verließ während OP Linzer Spital und ging in Privatordination, Patient tot

Diese Version lief im Mai durch die Medien und erhärtete den Verdacht, dass Ärzte gewissenlose Gesellen wären, die von mehreren Kirtagen immer ihre Privatpatienten bevorzugen. Darüber finden Sie zahlreiche Links und atemlose Berichte.

Version zwei:

Nach anfänglicher Kündigung lösen Krankenhaus und Arzt das Dienstverhältnis doch einvernehmlich

Da sieht man’s wieder, wir gewissenlose Ärzte könne machen was wir wollen, wir kommen damit fast ungeschoren davon. Dazu finden Sie wenig in den News.

Version drei:

Der Operateur war gar nicht im Dienst sondern ist nur ins Spital gekommen, da keiner der Dienstmannschaft diesen Eingriff durchführen hätte können. Der Tod des Patienten hat laut Obduktion nichts mit dem frühen Abgang des eingesprungenen Operateurs zu tun.

Diese Informationen waren kürzlich den Nachrichten zu entnehmen. Aktuell finde ich aber nur einen Link.

Der Ärztliche Direktor begründete die Entlassung seines Oberarzt es wegen grober Fahrlässigkeit. Dass an den meisten (auch großen) Kliniken dieses Landes die ärztliche Mannschaft so ausgedünnt ist, dass nicht immer garantiert werden kann, dass das geliefert wird, was außen drauf steht, dafür wurde noch niemand entlassen.

Einen Zusammenhang mit dem bewusst hervor gerufenen Mangel an klinisch tätigen Ärzten, Doppelprimariaten, Abteilungszusammenlegungen zwischen weit auseinanderliegenden Krankenhäusern, der Delegation von Entscheidungen an wenig qualifizierte Mitarbeiter, Berufsgruppen oder überhaupt an Verwaltungen, Politik oder Drittfirmen, all das wäre eine vierte Version, über die sie noch weniger Infos bekommen als über die dritte Version, in diesem Unlustwäldchen, zu dem unser Gesundheitssystem wurde.

PS: Die HEUTE Ausgabe stammt aus 2017 und bejubelt die ärztlichen Bereitschaftsdiensten.

Written by medicus58

20. Juni 2020 at 14:47

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Flexen in der Pandemie oder die teuren Hoppalas der Regierung

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Wer sich ein wenig mit medizinischen Katastrophenszenarien beschäftigt (wie schon mehrfach zugegeben interessieren mich A- Szentarien mehr als B- und C), der weiß, dass immer einiges schief geht und die verstaubten Katastrophenpläne der Schreibtischhelden meist nicht das Papier wert sind, auf des sie gedruckt wurden.

Je mehr sich aber manche Regierungsmitglieder ihres perfekten Krisenmanagements rühmen, nein ich meine da gar nicht die Vorgänge in Ischgl, desto saurer stoßen Fehlentscheidungen auf, die entweder aus Selbstherrlichkeit oder Panik erfolgten.

Wie Addendum schon Ende März aufzeigte verneinte der Gesundheitsminister noch am 29.3. die Notwendigkeit einer Maskenpflicht, während einen Tag darauf alles anders war und bekannt wurde, dass die Regierung (später als andere) eine Einkaufsliste über 32 Millionen Masken verschickt hat.

Auch bei den Beatmungsgeräten schienen Unwissen und Panik zum Verbrennen von einigen Millionen Steuergeld geführt zu haben. Einerseits waren sich Bund und Länder uneins über die vorhandenen Kapazitäten (Gesundheitsministerien: 2584, Länder 3478), andererseits wurden die erforderlichen Kapazitäten, offenbar auch durch die Rendi-Wagner massiv überschätzt. Hauptproblem schien aber zu sein, dass man sich seiner bereits vorhandener Schätze gar nicht bewusst war und von einem dringlich behaupteten Bedarf an zusätzlichen 745 Stück 90 Prozent schon bestellt hat. Addendum zeichnet genüsslich das unkooridinerte Treiben von Bund und Ländern, aber auch von plötzlich aus dem Boden schießenden Prototypen nach.

Jetzt könnte man ja meinen, das Addendum (also die von Mateschitz finanzierte Rechercheplattform) die einzigen sind, die die Fehlinvestitionen im Krisenmodus aufdecken, aber auch die bestimmt nicht allzu Regierungs-feindliche Kleine Zeitung berichtet über 5 Millionen, die für fragwürdige Coronaschnelltests aus China ausgegeben wurden. Heute (20.5.) zitiert das Blatt die Österreichische
Gesellschaft für Laboratoriumsmedizin und Klinische Chemie, die kritisiert, dass es zu diesen Tests keine aussagekräftigen wissenschaftlichen Daten und Publikationen gibt und dass man mit diesen Tests wohl nicht arbeiten werde.

Schon irgendwie blöd, da sich die Regierung immer darauf beruft, ihre Entscheidungen auf Basis wissenschaftlicher Expertise zu treffen.

Und da sprechen wir schon gar nicht mehr über die unnotwendige 32 Millionen Corona-Presseförderung, die vorzugsweise in den Boulevard gekippt wurde und allein das FP Kampfblatt 66.000 € erhielt.

Wäre ja alles auch lustig, wenn das nicht alles unser Steuergeld wäre, das uns u.a. im Gesundheitssystem, im Bildungs- und Sozialsystem schon vor der Pandemie gefehlt hat.
Weniger Flex und mehr Skalpell wäre angebracht …

Written by medicus58

20. Mai 2020 at 17:03

Aus kranken Häusern werden Kliniken

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Es ist über ein Jahr her, wir scheiben März 2019, als man erstaunt las, dass Wiener Krankenanstaltenverbund und alle seine Häuser umbenannt werden.
Zwei Jahre vorher, im März 2017 stellte sich Bürgermeister Häupl im 22. Jahr seiner Tätigkeit urplötzlich die Frage, was den ein KAV Generaldirektor denn so tut, wenn er keine Personalhoheit über sein Unternehmen hat und kam bei der saisonbedingten Öffnung der Schanigärten zur Erkenntnis, dass der KAV eine neue Struktur benötigt.

Als dann der Wiener Gemeinderat am 19.12.2019 nach vielen abgebrochenen Anläufen der Änderung des KAV-Statuts beschlossen hat, lag ein KH Nord Fiasko hinter und die Covid-19 Pandemie vor der Wiener Spitalslandschaft. Namensänderungen von KH Nord in Klinik Floridsdorf schienen plötzlich auch PR-technisch richtig. Wir werden aber gleich sehen, dass diese Umsprachung weit über den Energetiker-Ring an der Brünnerstrasse hinaus ging.

Wer aber jedoch laubt, dass sich außer Namen, Drucksorten und Homepages Substantielles ändern wird, wurde enttäuscht, außer sie ist grad Generaldirektorin dieser Struktur:
Die Generaldirektorin Evelyn Kölldorfer-Leitgeb freut sich … „denn die Umbenennung des Unternehmens ist viel mehr, als nur ein neuer Name. Es ist ein sichtbares Zeichen für all die Reformprojekte, an denen viele von Ihnen seit Monaten mitarbeiten: die Veränderungen in der Managementstruktur, der Sanierungs- und Modernisierungsplan für unsere Spitäler und die neue Rechtsform, die uns den notwendigen Handlungsspielraum für unsere weitere Unternehmensentwicklung geben wird.“

Weiterhin eng am politischen Gängelband von Magistrat und Gesundheitsstadtrat wird ab Juni 2020 der Wiener Gesundheitsverbund einfach nachvollziehen, was woanders längst umgesetzt wurde:

Aus krank wird gesund, aus Haus wird Klinik, weil es gut klingt.

Mir stellt sich aber die Frage, ob es gerade in Zeiten der Pandemie, wo uns seit Monaten Medien, Politik und Verschwörungstheoretiker jeden Toten weltweit vor die Nase halten, wenn er mit oder an einem Virus verstorben ist und nicht namenlos verhungert, erschossen, an Malaria, Tuberkulose, Herzinfarkten oder Schlaganfällen verschieden ist, wirklich folgerichtig ist, den Begriff der Krankheit aus den Bezeichnungen im Gesundheitswesen zu verdrängen.

Wird irgendwas besser, wenn wir uns nicht mehr in Krankenhäuser sondern in Kliniken schleppen?

Klinik kommt von altgriechisch κλίνη klinē und heißt „Bett“ oder „Liege“, also genau das, was (IMHO fälschlicherweise) von der Gesundheitsökonomie reduziert und von Ärzten (genauso falsch) beibehalten werden soll, weil es uns angeblich in der Pandemie geschützt hätte: Experten für Abbau von Spitalsbetten

Dazu ein kleiner Einschub, eher wir wieder zum Thema der Umbenennung kommen:
Beide liegen m.E. falsch, die Gesundheitsökonomie, weil das Spitalsbett seit Jahrzehnten die falsche Stellgröße ist, weil man dort auch aus vielen nicht-medizinischen Gründen liegen muss , weil die extramurale Versorgung oder die Nachbehandlung versagt, weil die selbe Leistung dort höher oder überhaupt finanziert wird, … und diejenigen, die uns weiß machen wollen, dass wir das alles so beibehalten müssen, obwohl selbst zum Höhepunkt der Pandemie die prekärste Größe, das Intensivbett nie über 20% ausgelastet war … Das Spitalsbett, im Zimmer oder am Gang ist zwar die einfach zählbare Größe, mit der Gesundheitspolitik machbar scheint, sie ist aber die denkbar dümmste für diesen Zweck.

Aber zurück zum eigentlichen Thema. Der Übergang vom Krankenhaus zur Klinik suggeriert, obwohl sich an den Personalverhältnissen nichts geändert hat, dass nun der „kleine Mann direkt vom Professor“ behandelt würde„.

Das Etymologische Wörterbuch bereitet diese Bedeutungswolke schön auf:
Klinik f. ‘Krankenhaus’, zugleich ‘medizinische Unterrichts- und Ausbildungsstätte’, zunächst (Clinik, um 1800) ‘ausübende Heilkunde’, Mitte des 19. Jhs. (unter Einfluß von frz. clinique) ‘Anstalt für den Unterricht in der Heilkunde’, eigentlich ‘Anstalt für den Unterricht am Krankenbett’. Zugrunde liegt lat. clīnicē bzw. griech. klīnikḗ (téchnē) (κλινικὴ τέχνη) ‘Heilkunst für bettlägerige Kranke’, zu klī́nē (κλίνη) ‘Lager, Bett’, einer Ableitung von dem mit ↗lehnen1 verwandten Verb griech. klī́nein (κλίνειν) ‘(sich) neigen, (an)lehnen, niederlegen, beugen’.

Verkürzt könnte man aus Wiener Sicht auch einfach sagen: Seit sich die Meduni Wien, immer mehr aus der Routineversorgung der Kranken nimmt (versuchen Sie dort einmal einen Patienten unterzubringen, der nicht gerade in ein Forschungsprojekt passt), benennen wir halt alles in eine Klinik um, um den Patienten den scheinbaren Schein der Wissenschaft vorzuspiegeln.

Ohne entsprechende personelle und akademische Ressourcen bleibt das aber alles so realitätsfern wir der gerade wieder aufflackernde Streit um die Zahl der Krankenbetten.

Written by medicus58

19. Mai 2020 at 17:10

Müsse Se einfach mal nen Hausarzt frage

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ob er mit der zweiten Welle recht hat, weiß ich nicht, hoffen wir mal, dass er damit richtig liegt, so wie der Ché …

Written by medicus58

15. Mai 2020 at 20:44

Veröffentlicht in Gesundheitssystem

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