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Rund 50-mal jährlich gebe es solche „Gefährdungsanzeigen“, betonte die Generaldirektorin des Wiener Gesundheitsverbunds

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Aufgrund des eklatanten Personalmangels in den Wiener Spitälern komme es immer öfter zu so genannten „Gefährdungsanzeigen“. Rund 50-mal jährlich gebe es solche „Anzeigen“, betonte die Generaldirektorin des Wiener Gesundheitsverbunds, Evelyn Kölldorfer-Leitgeb bei einem kurzfristig einberufenen Hintergrundgespräch am Montag. Dieses habe aber auch dazu gedient, zu betonen, dass die Gesundheitsversorgung in Wien nicht leide.
Von 28.150 Stellen seien aktuell 1.830 derzeit nicht besetzt. Das sind rund sieben Prozent, was nicht wirklich schlecht sei, sagte die Generaldirektorin. 
fasst der Pressespiegel der Österreichischen Ärztekammer die nahezu unglaubliche Aussage zusammen.

Unglaublich weil einerseits jeder weiß, wie innerhalb des Wiener Gesundheitsverbundes auf nach außen getragene Kritik reagiert: Jedes Schriftl a Gift’l
Unglaublich aber auch, weil vom politisch eingesetzten Patientenanwalt Gerhard Jelinek rezent schon das Problem abgeleugnet wurde (Link) und auch Gesundheitsstadtrat Hacker noch gestern beschwichtigte: Dramatisch ist das falsche Wort, weil wir eine professionelle Hochleistungsorganisation haben. … Dass es bei etwa 30.000 Mitarbeitern Fluktuation gibt und ständig Jobs nicht besetzt sind, ist rein rechnerisch nicht überraschend. (Link)
Danach folgte ein Überwälzen der Verantwortung auf den sogenannten extramuralen Bereich, also alle Kassenordinationen und -ambulanzen, die permanent alle Patienten in den Spitalssektor schieben.

Das schreit nach ein paar Bemerkungen:

Erstens, ist das Problem des Personalmangels in den Wiener Spitälern nicht neu. Vor 20 Jahren hatte der damalige KAV 33.000 Mitarbeiter, jetzt 28.150 und davon fast 2000 unbesetzt. Das Bild ist jedoch trügerisch, weil die deutliche personelle Aufstockung der Generaldirektion und anderer Verwaltungsbereiche zog noch mehr Mitarbeiter vom Primärprozess ab und keiner wird wohl annehmen, dass die Leistungen, die die auch numerisch zurechtgestutzten Spitäler seither erbringen mussten, um ca. 20% gesunken wären.
Der Ruf nach Personal wurde in diesen Jahrzehnten (mit Mithilfe zahlreicher und hoch bezahlter externer Berater) und dauerndem Umschichten von Tätigkeiten zwischen Pflege und Ärzteschaft (Link) erstickt. Unter eifriger Mithilfe der Gewerkschaft (Stichwort Opt-out) wurde alles getan um auch unter geänderten arbeitsrechtlichen Bedingungen weitermachen zu können wie bisher.

Zweitens, ist mir nicht aufgefallen, dass die Stadt in der Vergangenheit ihre politisch gleichfärbigen Gebietskrankenkasse daran erinnert hätte, dass sie für eine funktionierende extramurale Versorgung zu sorgen hat (Wehsely finanziert die Wiener Gebietskrankenkasse und keinen stört’s). Seit die Frau Reischl sich von der WGKK in den ÖGB zurückgezogen hat, ist es natürlich leichter sich mit der Österreichischen Gesundheitskasse anzulegen. Nur gewann ich den Eindruck, dass sich die Stadt Wien, seit es eine LKF-Finanzierung für den ambulanten Bereich gibt, anfänglich gar nicht dagegen gewehrt hat, ihre Ambulatorien aufzufüllen. Auch im absurden Spielchen mit den Primärversorgungszentren (Message Control um das PVE Wien: keine Klagen und der Eingang zum Billa) wurde das als Entlastung der Spitalsambulanzen verkauft während dann die EVAs (=ErstVersorgungsAmbulanzen) aus dem Hut gezaubert:
Als vorgelagerte Einheiten der Kliniken des Wiener Gesundheitsverbundes bieten die EVAs als erste Anlaufstelle eine allgemein-medizinische Erstbegutachtung aller erwachsenen, ambulanten Patient*innen, die ohne Termin ins Spital kommen.
8 von 10 Patient*innen können mit einem Rezept nach Hause entlassen oder in den niedergelassenen Bereich überwiesen werden. Da die EVAs außerhalb der üblichen Ordinationszeiten sowie an Wochenenden und Feiertagen geöffnet sind, stellen sie darüber hinaus eine sinnvolle Ergänzung für den niedergelassenen Bereich dar.
Vielleicht ein gar nicht so schlechtes Konzept, aber wenn da 8/10 der jährlich erwarteten 135.000 Patienten mit einem Rezept versorgt werden können, dann handelt es sich ganz offenkundig um eine Übernahme der extramuralen Versorgung, über die man sich jetzt dann nicht beschweren sollte.

Drittens, stimmt es natürlich, dass der Mangel an Pflege und Ärzten nicht auf die Stadt Wien beschränkt ist und die finanziellen Mittel zwar ausreichen um willfährige Berater aber nicht um 30.000 Mitarbeiter höher zu entlohnen, aber ob jemand in seinem Job bleibt, hängt auch von seiner Motivation und den Umgebungsbedingungen ab.
In meinem eigenen Umfeld erlebe ich fast ausschließlich Mitarbeiter, die vor der Erreichung des gesetzlichen Pensionsalters in den Ruhestand wechseln. Hürden legt ihnen die Stadt Wien/der Gesundheitsverbund nicht in den Weg, ob die entstehenden Lücken gefüllt werden können, fragt ihre Vorgesetzten keiner.
Die Verwaltung unterstützt ihre Führungskräfte in keiner Weise, übergeht sie, nimmt ihnen Sekretariatspersonal weg und quält sie mit sinnlosen angeblich von der MA 2 verlangten bürokratischen Mätzchen.
Die zentralen Stellen kaufen Softwarepakete (KIS, RIS, LIS) ein, die langsam sind, abstürzen und überdies schlecht parametriert werden. Als User steht man dann dem externen Konzern hilflos gegenüber, meldet man Fehler bekommt man vom hilflosen Helpdesk ein „Ticket“, dass dann nach Wochen als gelöst gesetzt wird, ohne, dass es vorher eine Rücksprache mit dem User gab.

Hätte sich die Generaldirektion nicht gegen die im Primärprozess stehenden Mitarbeiter so gut immunisiert und hätte hier noch irgendwer die Hoffnung auf Änderung, kämen die 50 Gefährdungsanzeigen pro Monat und nicht pro Jahr.

Written by medicus58

30. August 2022 at 18:41

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Ist diese Ärztekammer noch eine Kammer für Ärzte?

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In den selten stillen Kämmerchen unserer Standesvertretung ist es gerade wieder einmal lauter.
Das wäre kein wirklich schlechtes Zeichen, wenn es so wie im Wahlkampf 2017 auch vor der Wahl der Ärztevertreter zu lebhaften Diskussionen gekommen wäre. Da war aber so viel Funkstille, dass es sich hier nicht mal lohnte gesondert darauf einzugehen.
Wird nach einer Entscheidung plötzlich diskutiert ist das ein untrügliches Zeichen, dass da viel falsch gelaufen ist.
Ja, man fürchtete sich vor der Wiener Wahl medial begleitet vor der MFG, was letztendlich aber dann kaum wahlentscheidend war. Außer von Steinharts Vereinigung, flatterten von den großen Fraktionen nur vereinzelte Folder ins Postfach, von den kleinen, kostenbedingt, gar nix.
Viele hatten nach zwei Amtsperioden vom Szekeres genug, er scheinbar auch, und es war klar, dass Steinhart sein langes Kammerleben endlich mit der Funktion des Kammerpräsidenten krönen wollte und dafür auch genug Finanzen hatte. Das dann als Reformkoalition über Steinharts beliebteste PR Agentur (B&K – Bettschart und Kofler Kommunikationsberatung) bezeichnen zu lassen war Eingeweihten gleich etwas des weniger Guten zu viel, aber: Hart geht`s weiter in der Wiener Ärztekammer, Steinhart

Während ich bereits 2017 andiskutierte, dass die von Szekeres gezimmerte Koalition die beiden großen ärztlichen Kurien (Niedergelassene, wo Steinhart stark ist und Angestellte) nicht abbildet (WÄK Wahl: Die Würfel scheinen gefallen), hat die jetzige Koalition das umgekehrte Problem, auch wenn das von den Medien nicht so berichtet (oder verstanden) wurde.
Ja, wie die meisten Kammern sind Frauen in der oberen Etage der ÄK traditionell massiv unterrepräsentiert, was auch zu einigen Medienberichten führte.
Traditionelle Kritiker der Ärztekammer wie der nach Eigendefinition Versorgungswissenschaftler Pichlbauer bewarfen im Netz Steinhart mit ganz anderen Kritikpunkten:
rezeptblog als 1996 in der Regierung beschlossen wurde bis 2001 eine einheitlicher Leistungskatalog zu entwickeln, war es STEINHART, der dagegen war, als 2005 die Entwicklung dann begonnen wurde, war es STEINHART, der sie boyokttierte, als 2014 ein solcher Katalog für die Spitäler entwickelt wurde, war es STEINHART, der die Mitarbeit der Ärztekammer untersagte. Als 2019 die KAssenfusion anstand und eine einheitlicher Katalog zu verhandeln gewesen wäre, war es STEINHART, der jede Verhandlung ablehnte. Statt dessen wurde eine Katalog quodlibet kammerintern entwickelt, der jetzt das Resultat der „langjährigen Forderung“ der Ärztekammer sein soll – es ist ein reines MAchtspiel eines alten weißen mannes Link

Für das Verständnis des aktuellen Tumultes, der seinen Ausgangspunkt schon bei der Wahl zum Wiener Ärztekammerpäsidenten (Voraussetzung, um Bundeskammerpräsident zu werden) hatte sind mE drei Dinge essentiell:

  1. Die meisten Ärzte haben keine Hoffnung mehr, dass sie von der ÄK vertreten werden und sind so mit den Folgen der schlechten Vertretung (Bürokratie) in der täglichen Arbeit beschäftigt, dass ihnen auch keine Zeit bleibt sich mit Standespolitik zu beschäftigen
  2. In der ÄK (vermutlich in allen Kammern) wurde und wird immer alles von wenigen vorbesprochen, so dass Diskussionen vor Abstimmungen völlig sinnlos werden, weil die Positionen vorab bezogen sind. Was bleibt sind Geschäftsordnungstricks.
  3. Die (gesetzlich aufgezwungene) Aufspaltung der Ärzteschaft in einzelne Kurien verstärkt das Gefühl in seiner jeweiligen Position schlecht vertreten zu sein (divide et impera). Damit wurde und wird traditionell auch Politik gemacht.

Um eine Mehrheit in der Wiener Kammer zu bekommen, musste Steinhart zu seiner immer satten Mehrheit bei den Niedergelassenen (warum eigentlich?) auch Unterstützer bei Turnusärzten und Angestellten finden. Wie seine Vorgänger schmiedete er diese aus den traditionellen „Überläufern„, die nach der Wahl sich plötzlich bei einer anderen Fraktion wiederfinden und einem fast 45- jährigen, ehemaligen Finanzreferenten unter Szekeres (Dr. Stefan FERENCI, geb. 15.09.1977), der trotz seiner Vita (2015 bis 2017 Oberarzt, seit 2018 Kassenordination in Baden, Wahlarztpraxis in Wien) nun im Wahlkörper der Turnusärzte für Turnusärzte kandidierte. In der ÄK in NÖ vertritt er übrigens die Fachärzte (Kurier).

Als nun in der Österreichischen Ärztekammer die Gremien gewählt wurden, wurde mit dem Unfallchirurgen Dr. Harald Mayer ein weiteres Urgestein der Kammerpolitik (seit 19 Jahren Obmann der Bundeskurie angestellte Ärzte in der Österreichischen Ärztekammer) in seinem Amt bestätigt und, sie werden sich vielleicht wundern, sein 1.Stellvertreter wurde der Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie Dr. Ferenci.
Bei dem Mangel an Jugendpsychiatern in diesem Land, darf man vielleicht die Frage stellen, ob die wenigen ärztlichen Kapazitäten nicht besser in der praktischen Medizin als in multiplen Kammerfunktionen genutzt werden sollten bzw. wie viel Aufwand all die Posten denn bedeuten, wenn man daneben zwei Praxen in zwei verschiedenen Bundesländern betreiben kann, aber natürlich müssen wir uns freuen, dass es trotzdem noch Kollegen gibt, denen die Standespolitik ein Anliegen ist. <end of irony>
Die Freude war dann aber vielleicht doch nicht so groß, wenn man über die Umstände der Wahl heute im Kurier liest:
Haben die Spitalsärzte die falschen Vertreter bekommen?
Der Vorgang war, nun ja, doch speziell: Als es vergangene Woche in der Bundeskurie der angestellten Ärzte darum ging, einen Chef zu wählen, boykottierten gleich vier Bundesländer die Abstimmung, indem sie den Raum verließen. Der Grund des Protests: Es sei keine Frau und auch kein JungärzteVertreter bei der Postenbesetzung berücksichtigt worden.

Man kann den Vorgang als übliches Polit-Hickhack abtun, das sich schon bald wieder beruhigen wird, wenn alle mit ein paar Pöstchen oder anderen Goodies zufriedengestellt wurden, die Frage, ob diese Ärztekammer noch eine Kammer für Ärzte ist, wird uns aber bleiben. M.E. geht es da in Wirklichkeit auch gar nicht um die fehlende Repräsentanz der einzelnen ärztlichen Funktionen und Geschlechterparitäten, sondern um ein gewachsenes Netzwerk nur mehr formal demokratischer Berufskämmerer.

Man muss sich doch nur die Frage stellen, weshalb Steinhart es seit 33 Jahren in der Kammer erst jetzt und noch dazu einstimmig zum Österreichischen Ärztekammerpräsidenten geschafft hat, obwohl sein Mentor Dorner ihn bei seinem Rückzug schon als Nachfolger empfohlen hat. Schwer vorstellbar, dass jemand wie der ehrgeizige Oberösterreichische Ärztekammerpräsident Dr. Peter Niedermoser, der noch ein starker Gegenkandidat gegen Szekeres war, nicht auch Ambitionen auf den Job hat, mit dem Steinhart seine Karriere endlich krönen konnte.

Niedermoser war bereits in der Hochschulpolitik tätig, dann bis 2001 stellvertretender Kurienobmann der angestellten Ärzten in Oberösterreich, gleichzeitig Obmann der Bundessektion der Turnusärzten in der Österreichischen Ärztekammer. Zwischen 2003 und 2005 war er Vizepräsident der Ärztekammer für Oberösterreich, bis er bis heute nach Otto Pjeta das Präsidentenamt in Oberösterreich mit satten Mehrheiten innehat. Daneben ist er Vorsitzender des Bildungsausschusses der ÖÄK, und seit 2013 Präsident des wissenschaftlichen Beirats der Akademie der Ärzte, also dieses Gremium, das u.a. aus Turnusärzten fertige Ärzte macht. Kurz vor der jetzigen Wahl zum Österr. Ärztekammerpräsidenten ließ er jedoch ausrichten, dass er nicht zur Wahl antreten werde.

Dieser Sinneswandel wird erst klarer, wenn man sich vergegenwärtigt, dass Niedermoser so wie Mayer aus der OÖ Kammer kommen und dies wohl zu der unbeliebten Kampfabstimmung geführt hätte, die möglicherweise beiden das Amt gekostet hätte. Es liegt daher sehr nahe, dass der ganze Wahlvorgang, wie ohnehin das meiste in der Ärztekammer von einigen wenigen im stillen Kämmerchen akkordiert wurde und halt manche anderen da dazugehören müssen, weil es sich sonst nicht ausgeht, oder man (weshalb auch immer) in deren Schuld steht.
Dass das der Wiener Kammeramtsdirektor und Jurist Holzgruber schon bei der Wiener Kammerwahl alles korrekt fand wundert wenig, da er, übrigens ebenso wie Steinhart, von Langzeitpräsidenten Walter Dorner über die ÖVP-nahe Vereinigung mit multiplen Quervernetzungen zum CV in die Standespolitik geholt wurde.

Also, ja, es ist ein Irrwitz, dass ein Beruf, der inzwischen mehr Frauen als Männer zählt, mit wenigen Ausnahmen seine Standesvertreter nur unter Männern findet, und ja, junge Ärzte in Ausbildung müssten in der Standesvertretung ihre Sicht einbringen können, aber vor allem sollten wir Ärzte uns endlich einmal dafür interessieren, wer was mit unseren Kammerumlagen so macht.
Solange dieses verständliche aber desaströse Desinteresse besteht, dürfen wir uns nicht wundern, wenn der Kongress nach seinen eigenen Regeln tanzt!

Written by medicus58

28. Juni 2022 at 17:27

Auch von Sigrid Pilz kann man einmal genug haben

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Gestern war es dann so weit, die unter rot-grün installierte, sogenannte Patientenanwältin Sigrid Pilz soll von Ex-Gerichtspräsident Gerhard Jelinek  abgelöst werden. Warum man sie damals installiert hat (Sigrid Pilz: Von Traumjobs kann man nie genug kriegen) bleibt ebenso im Dunkeln, wie der Grund für ihre Ablöse. Bei diesem Job nimmt man sich nicht einmal die Mühe von Patient*innenanwälten zu sprechen, denn es ist ohnehin allen klar, dass es hier sicher um viel, auch viel Geld, aber nicht um das Wohl der Patienten geht (Wessen Anwalt ist denn ein Patientenanwalt?), sondern um ein Mittel politische Interessen aus dem Munde eines Mietmaules formuliert zu bekommen.

Wenn es (2014!) darum gegangen wäre etwa den Wildwuchs privater Medizinuniversitäten mit eingeschränkten Möglichkeiten zur praktischen Ausbildung einzudämmen (Bitte setzten Sie sich durch Frau Pilz), schwiegen Pilz und ihr niederösterreichisches Pendant Bachinger vielsagend um ihre Besteller nicht in Bedrängnis zu bringen (Salzamt: Patientenombundsperson).

Diesem Blog wird Frau Pilz abgehen, denn sie garantierte seit ihrer ersten Erwähnung hier 2011 (GRÜN IN WIEN: „Wes Brot ich ess, des Lied ich sing“ ) zu verlässlichen Clicks geführt:

Dr. Sigrid Pilz http://de.wikipedia.org/wiki/Sigrid_Pilz  war lautstarke Kritikerin der Wiener Gesundheitspolitik und hat den „Lainzer Pflegeskandal“ und den „Psychiatrie Skandal“ lautstark in die Medien getragen.
Und was fällt ihr jetzt zur Rotstiftpolitik der Wiener Stadtregierung ein, an der zwar nicht sie persönlich, jedoch ihre Partei beteiligt ist: Es muss im Interesse aller PatientInnen im Gesundheitswesen sein, dass die Kosten der Wiener Spitäler nicht weiter ausufern. Damit wir auch zukünftig ein sozial gerechtes, hervorragendes Angebot garantieren können, müssen wir heute mit den notwendigen Reformen beginnen.
Aufwachen Sigrid,
da geht’s nicht mehr ums Ausufern, wir sprechen von einem MINUS zum Vorbudget! Also plötzlich haben wir eh ein hervorragendes Angebot, warum sie früher so oft „Alarm schlagen“ musste, bleibt unklar.

Übrigens habe ich das hier vor über 11 Jahren so geschrieben.

Written by medicus58

21. Juni 2022 at 07:19

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Mangelberuf Radiologe

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Neidvoll blickte so mancher Facharzt in der Vergangenheit auf Ihro Durchleucht, die Fachärzte für Radiologie, die als Spitzenverdiener unter uns galten. Einer meiner Oberärzte und inzwischen pensionierter Univ. Prof. der Onkologe (!) sprach immer vom auf den Flitzer montierten Surfbrett, als Kennzeichen der Hochverdiener, die rasch, nachdem die Befunde diktiert waren, ins Freizeitvergnügen verschwanden. Das mag schon damals gerade aus dieser Seite etwas übertrieben gewesene sein, traf aber bei unterbezahlte Universitätsassistenzen der Inneren Medizin mit einer 100 Stunden-Woche auf gespitzte Ohren.

In den Augen der Praktischen Ärzte toppt der Reinertrag (der Umsatz sowieso) eine Radiologenpraxis noch immer alle anderen Fächer.

Man könnte also meinen, dass sich alle Mediziner darum reißen, diese Goldgrube zu beackern, jedoch wurden gerade Daten aus UK publiziert, nach denen dort 1,669 klinische Radiologen fehlen und über 200 Stellen seit über einem Jahr unbesetzbar sind. Für 2026 werden 3.166 fehlende Radiologen prognostiziert, was 39% aller radiologischen Fachärzten entsprechen würde. Der Anteil aus dem Ausland rekrutierten Fachärzte stieg zwischen 2016 – 2021 von 29% auf 35%.
Diese Defizite finden sich nicht nur im Bereich der diagnostischen Bildgebung sondern auch im Bereich der Onkologie (Daten).

Bemerkenswert ist an diesen Daten aus UK, dass sich die Diskrepanzen zeigen, obwohl die absoluten Zahlen an Fachärzten für Radiologie seit Jahren zunehmen: Zwischen 2020 und 2021 wurden zusätzlich 225 Personen, das entsprach immerhin +6% der gesamten Belegschaft.

Auch aus Österreich kommt die Klage über den Ärztemangel, nicht zuletzt von der Ärztekammer (Selbst in einigen sehr attraktiven medizinischen Spezialfächern wie Radiologie, … sind bis zu 46 Prozent der Ausbildungsstellen unbesetzt.), die sich mit der letzten Ausbildungsreform von den Ländern und dem Bund unter dem Vorwand einer Qualitätssteigerung die drastische Reduktion der Ausbildungsplätze aufs Auge drücken ließ, über die der Kurienobmann der angestellten Ärzte nun sagt: „Das Ganze kommt einer mutwilligen Blockade in der Ärzteausbildung gleich“.
Jedoch auch bei uns hat sich lt. Statistica seit 1990 die Anzahl der Ärzte verdoppelt (ohne Bereinigung auf Vollzeitäquivalente), während die Stellenangebote in den Ärztezeitungen immer mehr werden.

Aktuelle Zahlen aus Deutschland lesen sich so: In Deutsch­land sind knapp 325.000 Ärz­tin­nen und Ärzte zu­ge­las­sen. Da­von ha­ben ca. 6.800 die Aus­bil­dung zum Fach­arzt für Ra­dio­lo­gie/​Dia­gnos­ti­sche Ra­dio­lo­gie ab­sol­viert und sind der­zeit in die­sem Be­reich tä­tig. Mit knapp 2 Pro­zent bil­den die Ra­dio­lo­gen also eine sehr klei­ne ärzt­li­che Fach­grup­pe. Dar­an än­dert auch die durch­schnitt­li­che Wachs­tums­ra­te von knapp 15% Pro­zent im Durch­schnitt der letz­ten zehn Jah­re nichts We­sent­li­ches.

Die Häufigkeit von CT-Untersuchungen hat zwischen 2007 und 2018 stark zugenommen . Im ambulanten kassenärztlichen Bereich lag der Anstieg bei 25% und im stationären Bereich sogar bei über 80%. Link

Mir scheint, dass immer weniger von den, die könnten auch wollen und vom Rest immer mehr verlangt wird, wo zu die immer weniger bereit sind.

Written by medicus58

10. Juni 2022 at 17:07

Nix geändert im Rettungswesen

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Ihr Medicus ist als Zivi vor Jahrzehnten mal als Sani beim Arbeitersamariterbund gewesen. Mal (nach dem Studium aber vor dem Turnus) als Hilfssani am Einsatzwagen, mal als Tragekuli am Sanka und immer wieder zur Strafverschärfung im PKW Krankenbeförderungsdienst, also als Taxler ohne Maut.

Das Schicksal wollte es heute, dass vor mir ein älterer Straßenbahnfahrgast vom Stuhl rutschte und in einen nicht ansprechbaren Zustand verfiel. Die Vitalparameter waren Ok, verletzt hat er sich nicht, die Pupillen isocor, auf Licht reaktiv und er bewegte sich zwar verlangsamt aber ohne merkbare Einschränkung.

Unsere Bim hielt an und im Laufe der nächsten 30 Minuten noch manch andere, die Rettung wurde verständigt und die Sanitäter trafen ein.

Unser Fahrgast hockte verwirrt, sicher nicht alkoholisiert, ketoazitotisch oder sonst sichtbar untoxikiert, am Boden zwischen zwei Sitzen und krallte sich panisch an allem fest, was er ergreifen konnte. Meiner unmaßgeblichen Meinung nach hat er entweder eine cerebralen Durchblutungsstörung oder eine Epi-Äquivalent mit konsekutiv schwerem Verwirrungszustand. Er erinnerte mich auch an einen M. Fabry der mal in meinen Journaldienst reinschneite, aber vermutlich gibt es noch Dutzende Differenzialdiagnosen, nur geht es hier garnicht um die medizinische Seite.

Der Mann weigerte sich aus dem Wagen gebracht zu werden. Kaum hat man eine Hand gelöst, krallte er sich mit der anderen fest und war sichtlich hochgradig desorientiert.

Dazu die Zurufe aus dem voll besetzten Wagen und von draußen von der Straße:

Wos hot er denn, legts eam nieder.

Ich bin Krankenschwester, sprechen’s mit mir.

Setzt ihn wieder auf’n Sessel und weiter foahrn ma.

Der is jo b’soffn. Is der so zua?

Holt’s eam do auße. Mei Neffe trogat den allanig, der is an Meter fünfundneunzig.

Warum bringen’s eam net afoch weg?

Hot er krampft? Jo, i hob’s g’sehn. Nein, es war anfänglich nur ein Zittern des Oberkörpers, sicher kein Krampfanfall.

Der braucht an Oarzt.

Ein jüngerer Türke heftig zu dem Sanitäter, der ruhig auf den Patienten einsprach: Haben’S ihm überhaupt schon g’fragt wie es ihm geht?

Sanitäter: I waß wos i tua, aber waun Sie’s besser kenna.

Ein paar türkische Buben: De stellen se deppat an.

Der Sani bittet per Funk um die Polizei, weil Fahrgäste unseren Einsatz behindern. Später kommen zwei zarte aparte Polizistinnen und werden fragen was los ist.

Von der Straße geben Passanten Ezzes:

Messt’s eam wenigstens den Bluatdruck! Palpatorisch war der übrigens seit Beginn normal.

Gebt’s eam wos zum trinken.

Inzwischen ist der Fahrgast bis zu den geöffneten Türen des Nicht-Niederflur Wagens gerutscht und wollte sich mit einer Hand am Handlauf hochziehen, mit der anderen hielt er sich aber an einem der Sitze fest. So ging es hin und her.

Eine junge Türkin (sie erraten wohl langsam in welchem Bezirk sich das alles abspielt) lächelte spontan den Mann an und bot ihm die Hand an. Eine im Prinzip gute Idee, dass sich mal nicht nur Männer um den Fahrgast drängen, nur führte das letztlich auch zu nichts. Wie so oft half dann doch der Zufall. Der Mann zog sich wieder einmal hoch, ein Rautek war unmöglich, aber ich konnte seinen Brustkorb unter den Schultern umfassen und die Bewegung etwas verstärken. Als er so halb auf der ersten Stufe stand, schaffte es einer der Sanitäter seine Beine so zu lenken, dass er die zwei Stufen halb ging, halb gehoben wurde. Dann war er rasch auf der Liege und die Bim fuhr weiter.

Langsam verebbten die Diskussionen im Wagen. Es sind oft weniger die medizinischen Probleme, die solche Einsätzen mühsam machen und auch nicht immer der Patient selbst.

Leicht haben es die Kollegen im Rettungswesen nicht und manchmal ist ihre Selbstbeherrschung schon bewundernswert, wenn der Hilfe zu viel geleistet wird.

Written by medicus58

9. Juni 2022 at 22:41

Wiener Gesundheitsverbund: Keine Nachlässigkeit in den kleinen Dingen

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Man soll in kleine Hoppalas nicht zu viel hinein interpretieten, aber als gestern vormittag mit großer Emphase in einem online übertragenen Medientermin (nachzusehen hier) der (wer weiß ich wievielte) Startschuss für die Modernisierung unserer Kliniken knallte, wunderte sich (siehe Screenshot oben) der Eingeweihte, dass zwar einwandfrei gegendert, der Vornahme des Generaldirektorin-Stellvertreter mit Herzwig etwas ungewöhnlich anmutete.

Als dieser dann wortreich zu eben diesem kam, stimmte es eh wieder:

Klar werden Sie mich nun der Beckmesserei bezichtigen und auf die zahllosen VerWechBuchstabElungen dieses Blogs verweisen.

Zu meiner Verteidigung kann ich nur zwei Punkte vorbringen. Im Gegensatz zur Wiener Stadpolitik und der WiGev Generaldirektion stehen mir nicht zahllose PR Mitarbeiter zur Verfügung (Miniwahr KAV: Recht v.s. Propaganda und noch was anderes in dem Zusammenhang) und wer seit Jahren von seiner Verwaltung wegen jedes falsch gesetzten Häckchens in später rundgeordnete  Formularen gequält wird, der darf sich angesichts dieser Dinge in die Schadenfreude flüchten, meine ich.

Sachliche Kritik an der Jubelmeldung kam von den anwesenden Journalisten bislang nicht. Und das YouTube Video hatte bis heute ohnehin erst 990 Aufrufe.

Wer ist denn der Wetzlinger?

PS: für die literarisch weniger Interessierten: Der Titel spielt auf einen Stehsatz aus Warten auf Godot an.

Written by medicus58

3. Juni 2022 at 18:35

Pflegepaket abzuholen

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Knapp zwei Monate im Amt und (nach Eigendefinition) und schon ein großer Wurf des Gesundheits- und Sozialministers, der die Vorarlberger Landesregierung verlassen hat, ehe ihm peinliche Fragen zur Mitwisserschaft über die Finanzströme seines Koalitionspartners stellen konnte.

Die Politik war säumig„, nicht seine zwei Vorgänger in dieser Regierung, natürlich nicht.

War es das nun wirklich? Der seit Jahresbeginn immer Regierungs-unkritischere ORF jubelt, verweist auf zufriedene Gewerkschaften und läßt den ebenfalls zufriedenen Wiener Gesundheitsstadtrat ausführlich zu Wort kommen.

1 Milliarde Euronen und alles paletti?

Gesundheitsminister Rauch passt in diese Bundesregierung genau so gut wie in das saubere Ländle, wo es mehr um den kurzfristigen Gewinn als ein längerfristiges Planen geht. Diese Regierung hat erst kürzlich 6,6 Milliarden für das Auffüllen der Gasspeicher beschlossen, von der sie nicht weiß woher sie kommen sollen, da ist es auch egal, woher die Pflegemilliarde kommen soll.

Klar müssen die Gewerkschaften erst einmal jubeln, wenn sie für heute Demonstrationen am Tag der Pflege veranstalten und schon rennt der Rubel, und Stadtrat Hacker hat jahrelang als Chef des FSW auch primär Geld verteilt, mal an diese mal an jene Hilfsorganisation, die natürlich heute auch einmal positiv gestimmt sein müssen, wenn ihr Geschäftsmodel querfinanziert wird, aber

Der Pflegenotstand hat eine jahrelange Entstehungsgeschichte, die mit ein paar Zuckerln für zwei Jahre (zusätzliches Monatsgehalt, Zuschuss für Ausbildung, Tätigkeiten auf Pflegeassistenz abwälzen…) nicht gelöst.

Erstens verlangen erwartungsgemäß jetzt alle einen weiteren Schritt, dessen Finanzierung noch unklarer sein wird.

Zweitens wird das Problem der Ausbildung nicht gelöst. Zuerst hat man sich unter dem Deckmantel der Akademisierung die an Krankenhäuser angeschlossen Schwesternschulen aus den Budgets geschossen und auf Fachhochschulen mit Schulgeld gesetzt, jetzt muss man Stipendien zahlen, hat nicht ausreichend Lehrpersonal, weder für die akademisierte Pflege noch die frisch erfundene Pflegeassistenz.

Wenn nun die Sprachprüfung für ausländische Pflege fällt, kann ich nur sagen: я не можу в це повірити

Drittens ist es schon nett jetzt den über 43-jährigen, die noch im Job sind, eine zusätzliche Ruhewoche zu geben, nur haben wir jetzt schon zuwenig Personal um alle Stationen zu betreiben, jede zusätzliche Woche Absenz tragen in Wirklichkeit die anderen. Gleiches gilt für die 2 Gutstunden pro Nachtdienst.

Viertens ist das Hauptproblem der komplizierten Verantwortlichkeiten im Gesundheitssystem nur vertieft worden, denn letztendlich betrifft das alles nur die Pflege in privaten und den Einrichtungen des Bundes.

Also doch wieder mehr Rauch als Reformfeuer beim auch nicht mehr so neuen tückisch-grünen Minister.

Written by medicus58

12. Mai 2022 at 18:24

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MedUni brennt? Nein, aber der Steuerzahler

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Erinnern Sie sich noch an die Studentenproteste 2009/10: Uni brennt? Im Wesentlichen ging es damals um Studienbeschränkungen, um die Ausgaben der öffentlichen Hand für die staatlichen Universitäten zu senken.

Inzwischen regt es niemanden mehr auf, dass es kaum ein Studium ohne Knock-out Aufnahmeprüfung für beschränkte Studienplätze gibt. Diesen Wahnwitz an den Medizinischen Universitäten habe ich schon 2019 unter Es mangelt nicht nur an Ärzten, es mangelt auch an Ehrlichkeit und Verstand beschrieben.

Immer mehr private Medunis mit immer höheren Studiengebühren entstanden und wenn einem schon das Mitleid mit denen, die dort abgezockt werden, fehlt, könnte man sich wenigstens als Steuerzahler darüber freuen, dass man sich die Finanzierung dieser Studienplätze an den staatlichen Unis erspart, aber weit gefehlt.

All diese Privatunis benötigen den Spitalsbetrieb der öffentlichen Krankenhäuser für die praktische Ausbildung der Studierenden. Ja, sie zahlen auch etwas dafür, nur stehen die überwiesenen Summen in keiner Relation zu den Kosten, die eine selbst betriebene Universitätsklinik aufgeworfen hätte. Mit anderen Worten subventioniert so die öffentliche Hand die Ausbildung an den Privatunis.

Das ist aber nicht alles. Seit 2019 subventioniert das Land Burgenland 5 Studienplätze an der Donau Privatuniversität Krems (DPU) für burgenländische Medizinstudenten. Ab kommenden Herbst wird das Kontingent auf 55 aufgestockt und steht auch Nicht-Burgenländern frei, wenn sie danach im Bundesland bleiben.

In drei Jahren sponsert dann das Burgenland eine Metastase der DPU in Pinkafeld.

Noch teurer sind die Studiengebühren an der Sigmund Freud Universität (SFU). Das Land Steiermark übernimmt nun, ohne Rücksprache mit der Grazer Meduni, dort die Studiengebühren für 60 Studierende, 9.000.000 Euro.

2016 ergab überdies eine parlamentarische Abfrage, dass die meisten Privatuniversitäten gar nicht wirklich privat sind (Link). Damals galten aber zumindest die DPU und die SFU als nicht direkt von Bundesländern, Städten, Kammern, Kirchen oder öffentlichen Unis geführt. Zumindest für deren Medizinstudien fließt aber nun auch reichlich Steuergeld.

Es wäre mE längst an der Zeit nachzurechen, ob der jetzige Weg nicht dem Steuerzahler viel teurer kommt, als hätte man die staatlichen Unis, die übrigens auch die Vortragenden an den Peivatunis ausgebildet haben, nicht gleich ordentlicher dotiert und die offenbar fehlenden Ärzte dort ausgebildet hätte.

Und man kommt ins Grübeln ob der Wahnwitz nur passiert ist, oder sich da (frei nach W. Ambros) wer ins Fäustchen lacht.

Written by medicus58

3. April 2022 at 23:28

Hart geht`s weiter in der Wiener Ärztekammer, Steinhart

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Eine Reformkoalition kürt offenbar den bisherigen Stv. Wiener Ärztekammerpräsident Johannes Steinhart zum Wiener Ärztekammerpräsidenten und kippt Szekeres, den ersten SPÖ-nahen Präsidenten auch der Österr. Ärztekammer.

Die Mehrheit in Wien ist knapp. Von 90 Mandaten bringen

Steinharts Vereinigung 26, We4you 6, Turnusärzte für Turnusärzte 6, Grüne Ärzte 4, Asklepios 2,  Wahlärzten Wien 1 und die Liste Integrative Medizin 1 Mandate, also insgesamt 46 Mandate ein.

Wenn es, wie bei der letzten Wahl, nach der Wahl erneut zu einem Wechsel von Kandidaten in eine andere Liste kommt kippt diese Koalition, auch wenn die 6 Mandate der MfG, mit denen niemand zusammen arbeiten will, einen gewissen Stoßdämpfer bedeuten.

Weshalb 2017 die Grünen Ärzte unter dem damaligen Fraktionsführer Mückstein unbedingt Szekeres krönen wollten und nun Steinhart küren, zählt zu den vielen Unstimmigkeiten unserer Standesvertretung.

Ob Steinhart, der seit 1989 Kammerrat ist, nach 33 Jahren die Kammerstruktur reformieren kann und will, mag zumindest hinterfragt werden. Ob der ehemalige (1993-1999) Vorsitzende des Verwaltungsausschusses des Wohlfahrtsfonds, nun die Forderung seines neuen Koalitionspartners We4U Wohlfahrtsfond abschaffen umsetzen wird, mag ebenso bezweifelt werden, wie dass die Liste Integrative Medizin das richtige Signal auf da mediale Dauerfeuerwerk ist, die Ärztekamme würde paramedizinische Aktivitäten (Homöopathie, TCM, …) noch fördern.

Wir lehnen die Diffamierung einzelner bewährter komplementär-medizinischer Therapiemethoden ab. Wir unterstützen vielmehr die Referate für traditionelle und integrative Medizin in den Landes- Ärztekammern und betonen den Wert komplementärmedizinischer Zusatzausbildung für die tägliche Praxis und unser Recht auf einen respektvollen, wertschätzenden Umgangston gegenüber allen Diplominhaber*innen.

So wirklich weint in ersten Stellungnahmen in den (A)Sozialen Medien kaum jemand Szekeres eine Träne nach, aber ob die neue Koalition in Wien nicht erneut viel Kammerbeiträge verschlingen wird, um die unterschiedlichen Listen bei der Stange zu halten, darf nur gehofft werden. Möge sich mein Beitrag nach der Ärztekammerwahl 2017 Der Preis der Koalition nicht mit anderen Mitspielern auch 2022 wiederholen,

Ja, und was ich 2017 bezüglich einer gleichberechtigten Vertretung von Niedergelassenen und Angestellten KollegInnen unter WÄK Wahl Die Würfel scheinen gefallen geschrieben habe, scheint mir 2022 in der anderen Richtung eine Schieflage zu haben, zählt man die Ergebnisse beider Lager bei den Angestellten Ärzten zusammen: https://www.aekwien.at/wahlergebnis-2022

Written by medicus58

28. März 2022 at 18:40

Hat Wien das bessere Pandemie-Management? Ja, aber…

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Bild aus SN vom Wiener Derby 3/22

Ein volles Allianz Stadion, also 26.000 maskenbefreite, schulterreibende, gröhlende Fans, alles legal, aber nicht gescheit in Zeiten von Omikron.

Beim Ukraine Benefiz im Ernst Happel Stadion wurden lt Standard (von dort auch das Bild) zwar blau-gelbe FFP2 Masken an die 40.000 Besucher verteilt, getragen hat sie aber kaum wer, bemerkte der Standard.

So wirklich gegen den bundesweiten Strom schwimmt man halt auch in Wien nicht gern, wenn es um mediale Großereignisse geht.

Die Infektionszahlen hatten schon längst Rekordwerte erreicht, als sich der Gesundheitsverbund noch weigerte, die Anzahl der Besucher pro Patient und Tag wieder zu beschränken. Einige von uns berieten verzweifelt, wie das ohnehin numerisch dezimierte Personal während der Besuchszeiten noch zu Frischoperierten und Immunsupprimierten ins Zimmer kommen könnte, wenn jedes Bett von Angehörigen belagert wird.

Fairerweise muss man aber auch auf das Ukraine Benefiz in der Wiener Stadthalle hinweisen, wo Masken getragen wurden.

Screenshot ORF Tvthek

Da angenommen werden darf, dass die eigene stimmliche Beteiligung beim Derby oder Seiler&Speer etwas intensiver als beim Schönbergchor oder Ronaldo Villazon war, hätte man sich aus epidemiologischer Sicht die Masken wohl eher dort als da gewünscht.

Wie schon gesagt, alles legal gewesen, und manches funktionierte in der Pandemie in Wien etwas besser als in anderen Bundesländern, aber eben nur etwas.

Written by medicus58

22. März 2022 at 19:02

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