Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Es gibt einen (Ärzte-)Streik und das ist etwas ganz Besonderes

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Foglars worldHundiMeidlinger

Streik stellt das letzte Mittel der Auseinandersetzung zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern dar.
Er ist letztendlich ein Kräftemessen zwischen beiden und in Österreich sehr selten.

Die Gründe für seine Seltenheit sind mannigfaltig und liegt wohl auch im fehlenden nationalen Streikrecht, den parteipolitischen Querverbindungen und einem relativen Wohlstand .
Ein wesentlicher Grund lagt aber auch darin, dass es im Gesamtinteresse der Sozialpartner lag, Streiks zu verhindern und
die Solidaritätsgemeinschaft ÖGB  die
direkt betroffenen Arbeitnehmer, auch wenn sie nicht alle ihre Forderungen „durchbringen“ konnten,
wieder an den Arbeitsplatz zurückbrachte.

Drei Jahrzehnte neoliberaler Gehirnwäsche hat Solidarität desavouiert und uns Egoismus als positive Kraft eingebleut.
Seit über einem Jahrzehnt haben sich die rechtlichen (https://medicus58.wordpress.com/2016/09/09/der-vortrag-prof-marholds-im-video-stream) Rahmenbedingungen entscheidend geändert.
Nicht zuletzt die Blau-Schwarze Regierung zeigte eindrucksvoll, wie erfolgreich sich mit Speed Interessensvertretungen (außer den eigenen) killen lassen.
Ja, und die institutionalisierte Solidarität der Verein Österreichischer Gewerkschaftsbund, mit seinen sich dauernd fusionierenden und umbenennenden Teilgewerkschafts-Vereinen
legte in all den Jahren ja auch einen Selbstfaller (Konsum, Bawag, Stafa, …..) nach dem anderen vor.
Nie werde ich 2003 vergessen als ich mit fast 200.000 – vom ÖGB in Bussen aus ganz Österreich herangekarrten- Menschen im Gewitterregen am Heldenplatz gegen die damalige Pensionsreform demonstrierte
und der damalige ÖGB Präsident von der trockenen Bühne gegen die FPÖVP Regierung wetterteVerzetnitsch hatte es von dort auch nicht weit zu seinem, wohl ebenfalls trockenen Penthaus im ersten Bezirk und wohnt vermutlich noch immer dort.

Ich traf bei dieser Demo übrigens auf einen Kollegen, der dort so wie ich im patschnassen Gras stand. Er wurde vor ein paar Jahren aus dem KAV hinausgeekelt …..

Im Frühjahr 2003 kam es erstmals in der Geschichte der Zweiten Republik zu Streiks, die nicht mehr in Sekunden gezählt werden konnten.
https://cms.falter.at/falter/rezensionen/buecher/?issue_id=213&item_id=9783703713107 

Kommenden Montag wird es wieder einen Streik geben, dem ich mich selbstverständlich anschließe.

Angestellte Ärzte im KAV streiken, obwohl die Solidaritätsgemeinschaft ÖGB den Streik ausdrücklich ablehnt.

Angestellte Ärzte im KAV streiken, obwohl eine SPÖ Stadträtin ihnen jede Berechtigung dafür abspricht und ein SPÖ Bürgermeister die Argumente als „abartig“ bezeichnete.

Angestellte Ärzte im KAV streiken, obwohl ihrer frisch gegründeten Ärztegewerkschaft Asklepios die Vertretungsberechtigung (noch) vorenthalten und ihr Gründer (Dr. Rainer) beruflich kalt gestellt werden soll,

Angestellte Ärzte im KAV streiken, obwohl ihnen vorgeworfen wird, dass sie sich nur von der Ärztekammer instrumentalisieren lassen und es angeblich nur einen persönlichen Konflikt zwischen Wehsely und Kammerpräsident Szekeres und keinen sachlichen Konflikt zwischen KAV Generaldirektion und den Ärzten gibt.

Angestellte Ärzte im KAV streiken trotz der lächelnden Beteuerung einer Gruppe handverlesener Führungskräfte, die sich während der Arbeitszeit ins Blitzlicht um ihren Generaldirektor scharen.  (Mediales Affentheater um den Ärztestreik https://medicus58.wordpress.com/2016/09/01/mediales-affentheater-um-den-aerztestreik/)

Das Besondere an dieser Entwicklung ist, dass sich hinter dem enormen PR-Gewitter, der immer stärker publik werdenden internen Drohungen und atemlosen Taktieren in letzter Sekunde seitens der Stadt einige Kommunikationskanäle innerhalb der Ärzteschaft entwickelt haben.
Natürlich ruft die Ärztekammer zu diesem Streik auf, aber es würde sich als schweres Missverständnis erweisen, zu glauben, dass das alles nur von dort gesteuert wird. Die Wiener Ärztekammer in Person ihres Präsidenten ist letztendlich nur die Klammer für einen Protest von unten, der nach der Wahrnehmung vieler auch andere Berufsgruppen im KAV einschließt.

Vereinzelte gewerkschaftliche Rülpser, um die alten Gräben zwischen Ärzten und Pflege zu instrumentalisieren, verhallten überraschend rasch.
Mediale Versuche die Patienten aufzuhetzen trafen auf deren großes Verständnis für die Anliegen der Ärzte, da sie die schrittweise Demontage „ihrer Krankenhäuser“ ja hautnah miterlebten.

Und auch wenn sich viele Primarii nicht laut für den Streik stark machen, nicht zuletzt, da sie sehr unter Druck gesetzt werden, haben einige angekündigt in der Notversorgung am Streiktag mitzumachen, damit ihre Ärzte auf die Straße gehen können.

Das wirklich Besondere an dem kommenden Ärztestreik ist, dass sich hier nach der Selbstentmachtung der traditionellen Gewerkschaften  eine neue Form der Solidarität entwickelt hat,
die Politikerkaste und ihre Entourage, die noch immer für sich in Anspruch nimmt in der sozialdemokratischen Tradition zu stehen aber schon längst zu deren Antithese wurde sehr alt aussehen lässt.

 

Räderwerk der Macht: Wie das alles zusammenhängt https://medicus58.wordpress.com/2016/03/02/raederwerk-der-macht-wie-das-alles-zusammenhaengt/
Ciao, Sonja Ciao; Leider nicht (16.5.) https://medicus58.wordpress.com/2016/05/13/ciao-sonja-ciao/
Der Gesundheitsministerin dreingeredet https://medicus58.wordpress.com/2016/06/05/der-gesundheitsministerin-dreingeredet/
Woran es im KAV krankt ist nicht nur die Arbeitszeit, und wofür wir streiken sollten https://medicus58.wordpress.com/2016/08/17/streik-gegen-missmanagement-und-politisches-versagen/

Written by medicus58

10. September 2016 um 15:59

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