Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Archive for Juni 2019

Kann Sebastian Kurz den Arzt ersetzen?

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Die Frage ist etwa so intelligent, wie jene, die die Oberösterreichischen Nachrichten am 18. Juni um 0:05 ihren Lesern stellte und aktuell als Antwort ein eindeutiges Unentschieden bekam:
Soll die Technik in der Medizin Ärzte ersetzen?
Das Interesse an der Frage hielt sich offenbar in Grenzen, weil bis heute am 30. Juni 19 um 11:30 gerade mal 16 Stimmen eindrudelten.

Sollte sich der Herausgeber hier einen Klick-Boom für seine Werbeabteilung versprochen haben, dann war das wohl eine Fehlkalkulation. Zu so vielen Klicks bringt es dieser Blog auch in 24h und Gott-sei-Dank muss ich davon nicht leben.

Auch die Pro und Contra Argumente sind von eher schlichter Tiefe, weil eh, EDV und Roboter sind viel besser als wir, nur so ganz ohne dem Onkel Doktor, dann doch nicht …

Dabei plumpsen die beiden Redakteurinnen in die übliche Falle in Gesundheits- und Sozialpolitischen Diskussionen: Es geht immer um die Kosten und für ein sowohl als auch fehlt das Budget. Auch scheint sich niemand ernsthaft die Frage zu stellen, weshalb gerade in den letzten Jahren die Medien voll von AI ersetzt Arzt (Künstliche Intelligenz oder AI my ass), wer hier lobbyiert. Wir Ärzte scheinen uns nur auf den Trend zu schwingen, um ein paar Impact Punkte und mediale Aufmerksamkeit zu generieren, wenn wir mit den Wölfen heulen.

Erinnern Sie sich noch an die Schlagzeilen vor ein paar Tagen:

Hautkrebs: Computer erkennt besser als Ärzte
Das CNN (neuronale Netz) habe weniger Fälle schwarzen Hautkrebses übersehen und besitze daher eine „höhere Sensibilität als die Hautärzte“, erklärte der Hauptautor der Studie, Holger Hänßle von der Universität Heidelberg.

Originalarbeit:
Man against machine: diagnostic performance of a deep learning convolutional neural network for dermoscopic melanoma recognition in comparison to 58 dermatologists

Das neuronale Netzwerk wurde mit 100.000 Fotos (!!) trainiert und schnitt gegen die Dermatologen, die ebenso nur Fotos via Mail zur Beurteilung bekamen, besser ab, wobei die Dermatologen erst in einer zweiten Runde „close-up Fotos“ zu sehen bekamen.
Neben den in der Arbeit zugegebenen Mängeln (informelle und risikolose Befundung via Fragebogen, manche klinisch relevante Diagnosen fehlten, Beispiele von Kaukasiern) gehen die Autoren aber nicht darauf ein, dass die Befundung eines Fotos auch in der Dermatologie etwas anderes ist als die direkte Begutachtung der Haut, und man sich wohl kaum verlassen wird können, dass die Aufnahmequalität in der Routine völlig artefaktfrei zu bewerkstelligen sein wird.

Und wenn das alles außer Acht gelassen wird, würde es in Zukunft heißen, dass Sie als Patient unters Messer kämen, weil ein neuronales Netz (in diesem Fall von Google) sie diagnostiziert hat. Natürlich kann man fordern, dass diese Fälle zukünftig schon auch noch von einem Dermatologen gesehen werden sollten, nur ändert dies wiederum die Vortestwahrscheinlichkeit gewaltig und kaum ein Arzt, dem man vorher erfolgreich erklärt hat, er wäre „dümmer“ als der Computer würde die Verantwortung eines Widerspruchs auf sich nehmen wollen.

Also entweder PC oder Arzt, beides zusamen wird weder finanziell noch klinisch funktionieren …. aber vielleicht kann es der Basti

Übrigens eine der 16 Stimmen auf den OÖ stammte von mir, sonst wäre die Mehrheit für den Ersatz der Ärzte gewesen ….

Written by medicus58

30. Juni 2019 at 12:45

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Der heilige Sebastian

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Written by medicus58

29. Juni 2019 at 22:45

Veröffentlicht in Nationalratswahlen 2019

Praterstern und Krankenhaus

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Die 37 Grad am Praterstern werden erträglich gemacht, in vielen (nicht kühlbaren) Bereichen in den Wiener Krankenanstalten rinnt das Wasser primär Patienten und Personal von der Stirn.

Kein Witz: habe gerade die ersten Besucher gesehen, die ihren Angehörigen einen nagelneuen Ventilator ans Krankenbett bringen.

So ökologisch sinnvoll der Verzicht auf Klimaanlagen war, so sehr sollten langsam Alternativen installiert werden, um Arbeiten und Gesunden zu ermöglichen.

BTW, die zahllosen PCs ohne denen im Krankenhaus auch nix mehr geht, erleichtern das Problem auch nicht!

Written by medicus58

27. Juni 2019 at 15:31

Veröffentlicht in Gesundheitssystem

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Genial und armselig zugleich

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Bei so manch einer PR Kampagne fragt man sich, was der Slogan mit dem Produkt zu tun hat

(Fraaanz von Humanic, für die Älteren)

Bei der geringen Auslastung des Wiener Volkstheaters unter der gerade geschassten Führung und dem immer für sich reklamierten revolutionären Zugangs (auch wenn der rote Stern des VorVorgängers schon längst abmontiert wurde) trifft der aktuelle Slogan voll, ins Herz und in den Unterleib.

Written by medicus58

27. Juni 2019 at 07:38

Veröffentlicht in Allgemein

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Was kostet ein Kanzler?

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Natürlich glaubt niemand, dass Parteispenden in Höhe mehrerer Jahresgehälter eines Durchschnittsverdieners ohne Kleingedrucktes überwiesen werden, oder hat man schon von Millionenspenden an andere, vielleicht segensreichere aber weniger mächtige Einrichtungen gehört?

Klar glaubt niemand, dass das nicht auch bei anderen Parteien so ähnlich funktioniert, nur scheint es Basti grad besonders dreist zu treiben.

https://wp.me/p3YvOX-17b

Written by medicus58

23. Juni 2019 at 19:40

Veröffentlicht in Nationalratswahlen 2019

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Platz #2 auf Nature IST gut, aber

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ORF und Print Medien berichten (sichtlich) selbst verblüfft, dass das unter Orange-Blau auf Prölls „Wunsch“ nach Gugging/Klosterneuburg verortete AUSTRIAN INSTITUTE OF TECHNOLOGY (IST) von der renommierten Zeitschrift Nature auf Platz 2 aller wissenschaftlichen Institute weltweit gerankt wurde.

In jedem Fall ist das ein bemerkenswertes Ergebnis, nur sollte man halt dazu sagen, dass dieser Platz nur dadurch zustande kommt, weil DIESE Liste den Output auch durch die Größe der Einrichtung dividiert:

Normalized Ranking

Ehe Sie nun Ihre Berufung an das MIT kübelieren und sich einen Fahrschein nach Gugging lösen sei hinzugefügt, dass das IST im nicht-normalisierten Ranking den 410.Platz einnimmt.

Auch gut, dass die Fördermillionen das ermöglichten, klingt aber weniger spektakulär.

2. Institute of Science and Technology Austria

Fractional count: 23.57, Article count: 54, Nature Index rank: 410

Written by medicus58

20. Juni 2019 at 18:51

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Es mangelt nicht nur an Ärzten, es mangelt auch an Ehrlichkeit und Verstand

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Aktuell geistern wieder Studien über die Wohnort -nahe Versorgung herum, die atemlos verkünden, dass die Mehrheit der Bevölkerung sich so was wünscht, no na ned.

2015 bezweifelte ich fälschlicherweise, dass sich das P.T. Publikum noch länger gefallen lassen wird
Wie lange glaubt Ihr noch, dass das hineingeht? http://wp.me/p1kfuX-13d
die spinnen, die Ärzte: Mehr Geld für weniger Arbeitszeit http://wp.me/p1kfuX-SY
Nichts spricht dafür, dass das Spiel nicht noch länger durch geht.

Nachdem das Mantra „Wir haben genug Ärzte“ immer weniger einem Fakten-check stand hält, wird nun die Geschichte vom Verteilungsproblem erzählt, beliebte Versionen sind,
wir haben genug Ärzte, aber zu viele bleiben im Spital;
wir haben zu viele Fachärzte und zu wenig Allgemeinmediziner; oder
mehr Primärversorgunszentren, mehr Rufbereitschaft, mehr Telemedizin, mehr Künstliche Intelligenz, …
Warum der Ärztemangel keiner ist

Während die Arbeitsplätze all jener, die immer neue Narrative ersinnen, gesichert sind, wird die Situation immer prekärer, und zwar überall,
am Land und in den Stadt:
Auf dem Land stehen immer mehr Ordinationen leer.
In den Wiener Gemeindespitälern fehlen mindestens 300 Fachärzte.

Mit vollen Händen wird das Geld den Experten und Beratern nach geworfen, die pflichtschuldig personalarme Lösungen für personalintensive Dienstleistungen ersinnen. Krankenhäuser werden mit Tatarata eröffnet, denen das Personal fehlt.

Erstmals haben sich heuer mehr als 16.000 Bewerber für den MED-AT-H Aufnahmetest angemeldet, um einen der 1680 Studienplätze zu ergattern und investieren davor Unsummen für Paukerkurse und Online-Lehrmaterialien. Auch hier hat sich im Gesundheitssystem ein Geschäftszweig etabliert, der genug Geld abwirft, aber nichts zum Kerngeschäft beiträgt, nämlich Kranken eine richtige Diagnose und eine adäquate Therapie zu kommen zu lassen.

Neben all den in den früheren Beiträgen diskutierten Problemen und Lösungen für unser Gesundheitssystem kann man auch hier vieles auf einen ganz einfachen Nenner bringen:
Zu viele verdienen daran, zu wenige arbeiten dafür.

Vergleiche auch:
November 2014: USA: Ist Ihre Arzt korrupt, muss nicht immer die Pharmaindustrie dahinter stehenhttp://wp.me/p1kfuX-S5
Juni 2014: Die Lösung für den Ärztemangel: Wir brauchen einfach keine mehrhttp://wp.me/p1kfuX-Oi
April 2013: Wann schläft der Spitalsarzt? http://wp.me/p1kfuX-Cr
März 2013: Die Diskussion über Ärztemangel nervt http://wp.me/p1kfuX-Bv
sicher http://wp.me/p1kfuX-yq
Juni 2012: Der typische Arzt ist ein Hausarzt mit Kassenverträgen und reich http://wp.me/p1kfuX-jY
Februar 2012: Gott in Weisshttp://wp.me/p1kfuX-9j

Written by medicus58

15. Juni 2019 at 18:26

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Der Mohr: Update 2011-2019

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Wir wollen auch heuer wieder die alljährliche Leseabstinenz des p.t. Publikums nützen, ein paar alte Beiträge auf den neuesten Stand zu bringen.
2011 haben wir uns mit den rechtlichen Schwierigkeiten eines gewissen Julius Meinl (Einen kleinen Braunen, bitte.) beschäftigt, die ihm bis Ende 2012 schon mehr gekostet hat als der lebenszeitliche Kaffeekonsums einer Kleinstadt. Ein paar Honorarnoten werden wohl noch dazu gekommen sein, aber passiert, also rechtlich passiert, ist ihm bis heute nichts unter der Unschuldsvermutung. Interessieren tut es auch niemanden mehr, so dass es ein super Thema für das Sommerloch darstellt.

Julius Lindbergh Meinl V. (* 9. Juli 1959 in Wien) ist ein seit 2013 in Prag wohnender Bankier mit britischer Staatsbürgerschaft, der mit seiner Immobilienfondsgesellschaft vielen Menschen viel Geld gekostet hat und der 2009 zwei Nächte gesiebte Luft atmen musste, ehe er die Rekordkaution von 100.000 € zusammengekratzt hat.
Vier Jahre rechnete die Justiz nach, um zu erkennen, dass die Kaution um 90.000 € zu hoch war und überwies diese großzügig zurück.


2015 hat das Oberlandesgericht überhaupt die Anklage wieder an die Staatsanwälte zurückgewiesen und im 2018 wurden die Ermittlungen in einem Teilbereich eingestellt. Die Staatsanwaltschaft Wien erhebt aktuell (nicht rechtskräftig) nur Anklage wegen Untreue, nur das zieht sich auch wie ein Strudelteig.

Im Jänner vermeldete der Standard , dass sich die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft in der Causa European Land gegen J.M.V. trotz des im Herbst 18 vorgelegten Abschlussberichts noch um ein weiteres Gutachten erweitert werden müssen: Laut Schreiben vom 10. Jänner an die Beschuldigten soll ein Sachverständiger eine Expertise „zur Frage des hypothetischen (,richtigen‘) Börsenkurses“ der MEL-Zertifikate zwischen 1. Jänner 2005 und 23. August 2007 erstellen.

Ende Mai 2019 informierte die FMA, dass die Julius Meinl Investment Gesellschaft m.b.H (JMIG) ihre Konzession zurückgelegt hat. Die drei noch bestehenden Fonds der JMIG werden per 31. März 2019 an die LLB Invest Kapitalanlagegesellschaft m.b.H. als neue Verwaltungsgesellschaft und auf die Liechtensteinische Landesbank (Österreich) AG als neue Depotbank übertragen. Es handelt sich um die Vehikel Meinl Capitol 1, Meinl Core Europe sowie Meinl Quattro, in die in den vergangenen Monaten die meisten anderen Fonds der Gesellschaft verschmolzen wurden. Neuer Portfoliomanager ist C-Quadrat.

Ja, 2012 hat sich unser seit 2009 geschiedener Banker erneut verheiratet und erscheint im Gegensatz zu seinem ehemaligen Partner KH Grasser nicht in österreichischen Gerichtssälen.

Was uns übrigens dazu bringt, dass wir auch den Eintrag des einstigen Herzensbubens von Ex- Kanzler Schüssel updaten müssten, und natürlich auch den des „lustigen Radfahrers“, … also ganz schön viel zu tun im Sommerloch.

Written by medicus58

15. Juni 2019 at 18:16

Erinnerungen an Zeiten ohne Datenschutz

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Es war kurz vor Sonnenuntergang am Hafen von Papeete, der Hauptstadt von Französisch-Polynesien, vor fast zwei Jahrzehnten. Am frühen Abend liefen die letzten Fähren von den umgebenden Inseln ein.

Hinter der Kamera wurden schon die Garküchen aufgestellt, die die Einheimischen durch die lange Nacht bringen werden. Touristen haben ohnehin meist Vollpension gebucht.

Geboten wurden jetzt nicht nur lokale Spezialitäten, Fisch war fast unerschwinglich. Geschmortes Schwein und Pizza war da schon eher angesagt und natürlich Crêpes, man befand sich ja auf französischem Boden.

Das Foto wurde auf einem alten ORWO Chrom Diafilm mit einer Olympus OM-2 geschossen, und nahm in gewisser Weise die heutigen Datenschutzbestimmungen vorweg. Das Motiv, ein mir unbekannter Einheimischer, ist unerkenntlich….

Written by medicus58

10. Juni 2019 at 15:54

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Wohltätigkeit ist das Ersäufen des Rechts im Mistloch der Gnade

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Jede der großen Religionen preist die Wohltätigen und verlangt von ihren Gläubigen einen Teil ihres Besitzes an die Bedürftigen abzutreten.

Inzwischen hilft uns vor jeder westeuropäischen Supermarktfiliale ein anderer Bedürftiger sich dieser Bürde oder zumindest unseres Wechselgeldes zu entledigen.

In den letzten Jahren halten diesen Brauch nicht nur schwarzgewandete Betschwestern und die Caritas hoch sondern gerade links der politischen Mitte steht es außer Diskussion, dass Betteln ein Menschenrecht ist.

Der VGH setzt Betteln mit dem Recht auf Meinungsfreiheit gleich und hob deshalb komplette Bettelverbote wie in der Steiermark auf.

Nur fällt niemandem mehr auf, wie verquert die Argumentation in westeuropäischen Ländern ist, die doch angeblich schon so viel Wohlfahrt anbieten, dass man den Fleißigen und Tüchtigen endlich wieder mehr netto von brutto lassen und mit der Umverteilung aufhören sollte.

Wer da die „Billa-Portiere“ und „Versehrten-Paraden“ in den Einkaufsstraßen thematisiert, wird rasch als Menschenverachter punziert und mit der Nazi-Keule in Grund und Boden gedroschen ehe er noch darauf hinweisen kann, dass es Jahrzehnte lang die Absicht, nicht zu letzt der Linken, war, die Ursachen der Armut zu bekämpfen und nicht die Armen durchzufüttern.

Menschen benötigen Rechte und nicht Almosen.

Menschlichkeit hat nicht als Kompensation für gesellschaftliches Versagen missbraucht zu werden und ist kein Substitut für Solidarität, die uns ein globalisierter neoliberale Kapitalismus ausgetrieben hat.

Oder wie es einst schon Pestalozzi formuliert hat:

Wohltätigkeit ist das Ersäufen des Rechts im Mistloch der Gnade

Written by medicus58

9. Juni 2019 at 23:24

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