Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Archive for August 2013

Der EU Austrittswähler

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Wahlurnen

 

Etwas geschafft von der langen Reise, schließlich tritt die EU-Austrittspartei nur im Ländle hinter dem Arlberg an, treffe ich auf meinen heutigen Gesprächspartner.

„Ich bin furchtbar enttäuscht, oder?“ Begann das Gespräch mit einem hageren, etwas gehetzt wirkenden Mann mit schütterem Haarwuchs und betont aufrechtem Gang. Auf den ersten Blick erkennt man: Milizsoldat, Handygegner und mit seiner Jugendliebe verheiratet.

„Ich habe ja damals auf alle vertraut, den Vranitzky, den Mock, die Ederer und den ORF, nur bin ich halt von der EU so bitter enttäuscht worden. Es ist höchste Zeit auszutreten und wieder ein souveräner Staat zu werden, eher alles zusammenbricht und der TEUro weniger wert wird als unser Schilling. Wenn wir schon nicht aus Österreich austreten können, dann wenigstens aus der EU.“

Ich frage ihn, ob es denn außer dem EU-Austritt noch etwas gäbe, das die Partei erreichen möchte.

„Wir wollen mehr Selbstbestimmung und Mitsprache des Bürgers.“

Also mit einem Wort „Direkte Demokratie“, aber das versprechen ja ohnehin schon alle Parteien einschließlich der Piraten, die aber als Voraussetzung dafür noch einen Internetzugang fordern!, werfe ich ein.

„Österreichisches Steuergeld muss in Österreich bleiben und unseren Kindern und nicht den Banken zur Verfügung gestellt werden! Und auch die Korruption gehört abgeschafft.“

So weit, so Strache, denke ich bei mir.

„Mehr Grenzkontrollen, dass da nicht jeder rein und raus gehen kann!“

„Auch wenn die Heimat grad‘ nicht verschneit und vermurt ist“, versuche ich mich ihm anzubiedern.

„Wir müssen massive Zugangsbeschränkungen einführen, damit die aus ihren Pleitestaaten nicht alle zu uns kommen. Dafür sollen alle unsere Soldaten aus dem Ausland abgezogen werden und unsere Grenzen verteidigen!“

Mich beunruhigt der Gedanke einer Kriegserklärung Liechtensteins nun weniger, aber meinetwegen. Auf die Frage, warum er denn nicht gleich die FPÖ wählt, reagiert er gereizt aber bleibt die Antwort schuldig, die umso notwendiger wäre, je mehr er von den „Lobbyisten in Brüssel“, der „abgehobenen Beamtendiktatur“ und den „Gurkenkrümmungsradien“ spricht. Als ich darauf insistiere, meint er, dass die FPÖ nur so tue, als wäre sie gegen die EU, in Wirklichkeit wollen die den ganzen Balkan in die EU bringen.
OK, mit der blauen Nächstenliebe hat es mein Gegenüber also weniger.

„Die Handy- und Atomstrahlen machen nicht an unser Grenze halt, wenn wir nicht etwas dagegen unternehmen.“

Vor meinem geistigen Auge legt sich ein riesiger Faradayscher Käfig um das Ländle, statt der Landesfahnen wehen kleine Aluminiumfetzchen und die Armbrust wird vorsorglich auf jeden Näherkommenden angelegt, … OK, das wäre Tirol!

Inzwischen hat mein Gegenüber die Spitze seiner Krawatte durch das beständige Herumfingern gehörig ausgefranst. Was würde denn ein EU-Austritt Österreichs bewirken?, versuche ich das Gespräch in Gang zu halten.

„Ganz einfach, das Leben würde wieder einfacher werden. Beim Einkaufen müsste man nicht alles durch 13,76 dividieren.“

Glaube er denn wirklich, dass die Partei, die es gerade einmal in Vorarlberg auf die Stimmzettel geschafft hat, ihr Ziel erreichen wird?

„Wir im Ländle waren immer schon im Herzen wie die Schweizer.“
Nur die wollten euch schon 1919 nicht, fuhr es mir durch den Kopf.

„Wir müssen ja die Menschen ohnehin nicht mehr davon überzeugen, dass wir aus der EU müssen, oder!“

Ich kann mir nicht helfen, mich verunsichert die alemannische Relativierung am Satzende immer wieder, als ob man sich den Rückzug in eine gegenteilige Meinung offen halten wollte.

„Die EU-Austrittspartei hat als einzige Partei, die ein klares Programm für die Befreiung Österreichs von der EU vorgelegt hat:

2013: Nationalratswahl
2014: Volksabstimmung über den EU-Austritt
2015: Österreich ist wieder frei, oder?!?

Als zu allem Überfluss auch noch mein Handy anschlug, spürte ich eine gewissen Feindseligkeit bei meinem Gesprächspartner und ich verabschiedete mich rasch, ehe ich noch um ein Visum ansuchen muss, um wieder in den Osten zu kommen.

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Written by medicus58

31. August 2013 at 15:50

Der Wandelwähler

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Wahlurnen

Vorausschicken möchte ich, dass es sich hier nicht um einen Druckfehler handelt und ich mich heute NICHT mit einem „Wechselwähler“ unterhalten werden, was vielleicht auch ganz lustig wäre, nein, seit dem 7. September 2012 existiert in unserem Land eine Partei namens „Der Wandel – kurz: WANDL“, die bei der kommenden Nationalratswahl auf einigen Stimmzetteln aufscheinen wird.

„Wir treten in Wien und Oberösterreich an, aber das ist erst der Anfang“, empfing mich ein aufgekratzter End-Dreißiger in NGO T-Shirt und Leinensakko.

Ah, denke ich bei mir, schon wieder eine Personalunion von Kandidat und Wähler, wie es mir bei „den Kleinparteien“ schon öfters passierte. Als ich nachfrage, werde ich aber eines Besseren belehrt.

“Nein, ich kenn’ den Fayad (Anmerkung: Fayad Mulla, Parteivorsitzender) vom „Verein für sozialen Transfer“ her und von ein paar anderen Sozialprojekten … Wenn ich beruflich was Stabileres habe, dann trete ich bei denen bei und mach projektbezogen mit aber augenblicklich versuche ich einmal persönlich so einiges auf die Reihe zu kriegen.“

Auf die Frage, weshalb er denn eine so junge Partei wählen wird, antwortet er mir einer Begründung, die ihn – nach deren Selbstdarstellung – auch jede andere Partei wählen ließe:

 „Es muss sich was ändern, so wie jetzt kann es nicht weitergehen …“

Ob er da sich, sein Leben oder unsere Welt meint, soll einmal einfach so im Raum stehen bleiben. Wie wichtig war ihm denn, dass auch das grüne Urgestein Freda Meissner-Blau die Partei unterstützt?

“Die Freda ist natürlich eine große Hilfe, weil sie für all das steht, was WANDL will:
Soziale Gerechtigkeit, Ökologie, Recht auf ein gutes Leben!“

Ich antworte darauf : SPÖ, Grüne und Diners Club,
nur um mir einen bösen Blick einzuhandeln.

“Die bestehenden Parteien haben es nicht geschafft eine Teilhabemöglichkeit aller an allem zu ermöglichen!“

Ich murmle KPÖ.

“ Wir alle merken doch, dass sich unser System, unsere Welt verändern muss und dass diese Veränderung schon begonnen hat.“

Ja, eh, aber ….

“Ich haben mich entschieden, dass ich nicht mehr zusehen, warten und hoffen will, dass andere diese Veränderungen zu einer gerechteren Welt für mich bewirken. Ich gehör’ zu den immer mehr werdenden Menschen, die sich nun einfach selbst ermächtigen politisch aktiv zu werden.“

Vor meinem geistigen Auge schreibt der Coach gerade „Self-Empowerment“ auf das Flipchart.

„Die Krise 2008 hat mich wachgerüttelt. Der Ökoladen in meiner Straße hat zugesperrt und ich habe meine damalige Beschäftigung als Projektkoordinator einer Kindertheatergruppe im Bezirk verloren und war nun ganz auf das AMS angewiesen.“

Ich bemühe mich um ein erschüttertes Gesicht.

“Wir machen alle Fehler, verlieren und bereuen unsere Vergangenheit, aber wir SIND nicht unsere Vergangenheit, ….. nicht nur, halt. Wir leben im hier und heute und schöpfen aus unseren politischen und persönlichen Kränkungen und Enttäuschungen die Kraft für eine Veränderung.“

Klar, vorgestern noch Melange, gestern Capuccino und heute „eine Latte, bitte“.

“Der Wandel kommt. Kommst Du mit?“

Ich schüttle den Kopf, werfe mein Wäschepaket in den Caritasständer, recycle meine Prosecco-Flaschen gedankenverloren in den Biocontainer und verlasse ihn mit einem Anflug von schlechtem Gewissen ob meiner Zweifel an meiner WANDLungsfähigkeit.

Written by medicus58

29. August 2013 at 18:20

Der BZÖ Wähler

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Wahlurnen

Mein heutiger Gesprächspartner kommt mir irgendwie bekannt vor.
Schlanker Endvierziger, seine geföhnte, mittelgescheitelte Haarpracht so aufgeschüttelt wie sein ganzes, leicht gehetzt wirkendes Auftreten. Ein stets irgendwie fragendes aber zwanghaft lächelndes Bubengesicht mit leichten „kaantnerischen“ Zwischentönen im bemühten Hochdeutsch, egal:
Es war sehr schwierig einen bekennenden BZÖ Wähler aufzutreiben, so dass ich froh bin ein passendes Gegenüber zu finden.

“Wir haben genug Alimente und Steuern gezahlt, das muss sich ändern“, beginnt er das Gespräch. Ich war kurz verunsichert und frage, ob er denn nicht versehentlich doch ein Wähler der Männerpartei sei, aber er kommt sofort auf Kurs, in dem er über den heroischen Beitrag von Haiders Schwester, wie war doch gleich ihr Name, im Kampf der einzigen wirklich rechtsliberalen Partei des Landes gegen den „Rot-Schwarzen Kammerfilz“ erzählt.

Auf meinen Einwurf, dass Herr Stadler vermutlich rechts von Attila dem Hunnenkönig zu finden ist, aber nicht so wirklich als gesellschaftsliberaler durch geht, beruhigt er mich, dass der Ewald auf der niederösterreichischen Landesliste gut versteckt ist.

Auf meinen Einwurf, dass Petzners Aussagen über die Sonderanstalt Saualm doch auch ganz geschmeidig in die FPÖ passen, beruhigt er mich, dass der Stefan auf der Kärntner-Landesliste gut versteckt ist.

 „Das BZÖ macht einfach eine Politik mit Herz und Verstand, wobei das Herz oft seine Gründe hat, die der Verstand nicht versteht.“

Ah, ja, denke ich mir. 
Auf meine Frage, ob er denn nicht auch das Gefühl hat, dass nach Haiders Abgang das BZÖ nur mehr eine weichgespülte Hülle von früher ist, schüttelt er den Kopf und ringt sichtlich nach Argumenten. Schließlich platzt es aus ihm heraus:
“Das BZÖ hat, was die anderen nie haben werden, Werte!“

Ich protestiere, weil kein anderer Begriff eine derartige Entwertung erleben musste und das wohl kaum ein Alleinstellungsmerkmal des BZÖ sein kann!

„Wenn Stronach von Werten spricht, meint er wohl die Millionen mit denen er unsere Abgeordneten gekauft hat! Wir leben aber unsere Werte: Ich bin geschieden und werde sofort wieder heiraten, wenn die Alimente steuerlich absetzbar werden, Grosz ist verpartnert und Petzner hatte überhaupt einen Lebensmenschen ….“

Ich gebe mich geschlagen und frage nach seinen Forderungen an die österreichische Politik.

„Wir haben schon genug Alimente und Steuern gezahlt“, wiederholt er innbrünstig um danach fortzufahren:

“Ich will ein ordentliches Bildungssystem“
Wer nicht denke ich, wir „schulversuchen“ in dem Land zu diesem Zweck ohnehin schon seit Jahrzehnten herum.

“Ich bin für die Familie. Patchwork ist auch Familie“
OK, ich weiß, dass ich der einzige bin, der junge Hunde netter findet als das System Fritzl, aber was soll’s.

“Ich will mehr Sicherheit!“

OK, wer würde ihm widersprechen, insbesondere nicht die russischen Oligarchen, die sich aus diesem Grunde hier einbürgern haben lassen.

“Ich bin für den Mittelstand“:
OK, jetzt kann er mit den Oligarchen nimmer, aber „Sonst könnte das BZÖ doch eigentlich eh mit allen irgendwie, solange es selbst überlebt, nicht?“ versuche ich ihn zu provozieren.

“Wir sind eben konsensfähig, das ist unser Liberalismus!“

Ja, gäbe es irgendjemand, den er nicht in einer Regierung haben möchte, in der auch das BZÖ drinnen ist, frage ich zum Abschluss.

“Ja, den Stronach, weil das ohnehin nur eine Eintagsfliege ist, der glaubt alle kaufen zu können!“

Würde ER denn ein Angebot von Stronach annehmen so es einmal käme, frage ich verschmitzt?

“Nein, das habe ich schon einmal abgelehnt und würde es immer wieder tun“, sagte er und plötzlich fällt es mir ein, woher ich meinen Gesprächspartner, den BZÖ Wähler kenne,
es ist Pepi Bucher himself, sozusagen das Plus hinter den 5%, die er anstrebt!

Written by medicus58

27. August 2013 at 19:28

Ohne Worte

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Cosmetic Vaginal Surgery

Wir hoffen, dass es hier nicht nur um den Bedarf arabischer Privatpatienten geht…

Written by medicus58

27. August 2013 at 07:07

Schilder in Schilda: Neues von der Mahü

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Auch wenn uns Stadträtin und Bezirksvorsteher, beide in grün, seit einer woche über alle Kanäle ausrichten, dass ein NEIN zu Ihrem Jahrhundertprojekt (Fuzo Mahü) einem ökologischen Hochverrat gleichkommt, wird dadurch nur eine Nebelwand errichtet, um der Kernfrage auszuweichen:
 
Wenn die Fußgängerzone Mariahilferstraße schon so ein wichtiges Projekt ist, dass jeder Einwand als „Raunzertum„, „Autofetischismus„, „Veränderungsanst“ oder überhaupt als „Unwissenheit“ abgetan wird, weshalb ist das Projekt so fahrlässig schlampig angegangen worden und was sagt das über die politische Kompetenz der Wiener Grünen in anderen Projekten, deren Langzeiteffekte noch nicht absehbar sind?

Konkret habe ich schon vor einer Woche unter Maria, hilf: Ein Augenschein auf der Mahü (http://wp.me/p1kfuX-FB) auf Einiges hingewiesen. Im laufenden Betrieb stellt sich nun heraus, dass an der Ecke Mahü/Schottenfeldgasse ein besonders gefährlicher Schildbürgerstreich geglückt ist, der sich gegen die Zielgruppe Vassilakous richtet: Die Radfahrer

MaHü
Das Teilstück der Mariahilferstraße zwischen Schottenfeld- und Zieglergasse ist für Autos nur stadteinwärts befahrbar (siehe Bilder im Album), Radfahrer dürfen es in beiden Richtungen befahren.
Die Schottenfeldgasse ist wie vor der Umstellung eine Einbahn Richtung Mariahilferstrasse, im Gegensatz zu früher, wo sowohl eine Durchfahr auf die Webgasse als auch ein beidseitiges Abbiegen in die Mahü erlaubt war, gebieten nun ein Gebotspfeil stadteinwärts in die Mahü zu fahren.

Jetzt kommts: Radfahrer, die stadtauswärts die Mahü heraufkommen, DÜRFEN gegen die Fahrtrichtung in die Schottenfeldgasse einbiegen und finden dort einen vor einer Woche neu aufgepinselten Radweg vor. Dass sie dabei entweder durch die Begegnungszone vor dem C&A fahren müssen oder mit den zwangsweise linksabbiegenden Autofahrern aus der Schottenfeldgasse kollidieren ist nicht das wahre Problem.

Schaut gut aus, is es aber nicht

Das sieht der Radfahrer, der statauswärts die Mahü fahrend nach rechts in die Schottenfeldgasse einbiegt: Einfahrtsverbot ausgenommen Radfahrer und ein frisch gestrichener Radweg. Das dicke Ende kommt nach wenigen Metern!

Schottenfeld Mahü

Alt und Neu

Das Foto zeigt deutlich die alten Parkraummrkierungenund die neue weiße Linie des vor einer Woche „geschaffenen“ Radwegs, auch wenn er nur wenige Meter lang ist …

Schottenfeld alt und neu
Schon nach ca. 40m hört der frisch gepinselte Radweg abrupt vor einer Ausfahrt auf und die Radler stehen plötzlich MITTEN AUF EINER EINBAHNSTRASSE GEGEN DIE FAHRTRICHTUNG. 

Schottenfeld Ende Radweg
Es kommt noch schlimmer. Etwa an dieser Stelle verengt sich die Fahrbahn durch eine Baustelle (links) und Betonschwellen (rechts). An dieser Stelle ist kein Platz für Auto UND Rad insbesondere wenn sie sich aufeinander zubewegen.
Die meisten Radler weichen nun illegalerweise auf den Gehsteig aus, der dort durch die Betonschwellen ebenfals eng ist und kreuzen die Ausgänge von drei Geschäftslokalen.

Fassen wir zusammen: Das geniale Verkehrskonzept lockt Radfahrer legal gegen die Einbahn , nur um sie dann mitten auf der Straße gegen die Fahrrichtung „verhungern“ zu lassen. 
Wenn es nicht eine stillschweigende Trendwende in der grünen Verkehrspolitik ist, dann ist es reine Fahrlässigkeit.

Written by medicus58

26. August 2013 at 07:37

Der Piratenwähler

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Wahlurnen
Ich fand meinen Gesprächspartner in tiefer Verzweiflung an: Das WLAN war down. Er ist Anfang zwanzig, hat die Walddorfschule, in die ihn seine grünalternativen Eltern gesteckt haben, weil er mit seinem ADSH in der Regelschule scheiterte, so recht und schlecht abgesessen und selten sitzengeblieben.
„Ich war etliche Jahre lang Pfadfinderführer in der Gruppe 39 – Ober Sankt Veit, dann Bachelorstudium Innovationsmanagement und M.A. Informatik, OK, nicht ganz abgeschlossen, so wie bisschen BWL und Schienenfahrzeugtechnik in Graz auch nicht so ganz.“

Also zum „Hofrat“ wird der „Pirat“ wohl nie, schoss es mir durch den Kopf, aber das scheint aktuell ohnehin nicht seine Absicht. Ob und wenn dann welche Planung in antreibt, das kontne ich aber auch nicht ganz herausfinden.

„Zu den Piraten kam ich über ein „World of Warhammer Forum“ (ein MMORPG = multiplayer online role-playing game für die Uneingeweihten). Eine meiner ersten Aufgaben in der Piratenpartei war es Moderator im Bundesforum zu werden, nachdem ich Tage „gegrillt“ wurde, zuerst pseudonym mit dem Avartar „Liquid Delegate“. Ich habe mich damals echt sehr darüber gefreut, dass ich diese Aufgabe übernehmen durfte. Die Tätigkeit habe ich zwischen September 2012 und April 2013 innegehabt und bin durch so machen Shitstorm gegangen, habe fünf Abwahl-Versuche und ungezählte Flashmobs überlebt. Dennoch bin ich nicht zufrieden wie sich die Kommunikation in dem Forum seitdem entwickelt hat. Vielleicht ist es etwas, was man technisch lösen kann, z.B. durch ein gefiltertes LiquidFeedback, dass sowohl „top down“ als auch „bottom up“ über breit delegierte „Oligrachen“ moderiert wird und das „Dissen“ der „Ochlokratie“ algorithmisch ausblendet, in mir keimt aber immer mehr der Verdacht, dass es menschliche Probleme wirklich gibt, bzw. oftmals auch Verständnisprobleme, weil manche Leute nicht wissen wie man sich schriftlich ausdrücken soll, sodass andere Menschen einen verstehen und andere Leute wiederum Probleme damit haben Texte vollinhaltlich zu verstehen.“
Mit brummt der Schädel.
„Sarkasmus und schwarzer Humor sind auch Dinge, die nicht jeder Mensch verstehen kann. Für Diskussionen mit gewissen Personen ist das Forum also geeignet, andere Leute sollte man lieber auf Ignore stellen, mit diesen zu reden ist verschwendete Zeit.“ Er fügt jedoch sogleich hinzu, dass er „Natürlich niemanden auf „ignore“ stellt!“

Mein Gesprächspartner, der verzweifelt während unseres Gesprächs an den Zugangscripts herumbastelt, ist derzeit „stark im Wiener LV“ engagiert, arbeite jedoch auch „stark mit den Bundesvorständen, sowie anderen engagierten Menschen“ zusammen. Egal welche Position man inne hat in der Piratenpartei, helfe ich überall mit, wo man was Positives voran bringen möchte oder negative Dinge verhindert.“

Natürlich hasst er FB (Facebook), hat aber ebenso natürlich einen pseudonymen Account dort, um wahllos jeden „als Freund zu akzeptieren“ der ihn anschreibt, um der NSA und der Werbeindustrie eine falsche Fährte über seinen tatsächlicher Freundeskreis zu legen. Gefinkelt, das hat ihm wohl kaum die Walddorfschule beigebracht. Kommunizieren tut er über Twitter nur „Trolliges“, den Rest über Identica (Open-Source Alternative).

„Offline Piraten sind sicher ebenso wichtig wie Online Piraten, jedoch sollten sie was onlinespezifische Themen angeht auf die Expertise der „Onliner“ vertrauen. Nicht alle Dinge in der Offline Welt sind 1:1 ins Online zu übertragen und umgekehrt.“
Ich nicke betreten.

Meine Frage nach seinen Sprachkenntnissen beantwortet er mit einer Aufzählung aller mir bekannten Computersprachen bis zu denen, die ich erst über Google von einem innerafrikanischen Slang zu unterscheiden lernte.

Seine Person charakterisierte er auf Nachfrage mit „transparent, flauschig offen und ahoi“.
Hackeln hat er nicht wirklich gelernt, dafür hackt er wie ein junger Assange, nur halt mit weniger Sexualkontakten.  Er ist für das Gute, soweit haben ihn seine Eltern sozialisiert, solange es gratis im Netz verfügbar ist und rettet den Wald, indem er nichts ausdruckt dafür ist starben bereits ein Dutzend chinesischer Bergleute, weil er alles auf den Seltenen Erden seiner Solid State Disks speichert.

Eigentlich ist er mir nicht unsympathisch und gerade die Enthüllungen der letzten Wochen, die uns bewiesen, dass uns die Mächtigen dieser Welt das scheinbare Paradies des Internet nicht ohne Hintergedanken und keinesfalls nur für das kostengünstige Masturbieren zur Verfügung gestellt haben, zeigten, dass seine Vorstellungen gar nicht einmal so weit weg von unseren aktuellen gesellschaftspolitischen Problemen sind, nur fehlte mir der Glaube, dass er uns von seiner Parallelwelt aus in unserem Universum wirklich helfen könnte, auch wenn er mit einem befriedigenten „drinn bin i“ kommentierte, dass er seinen WLAN Zugang wieder erzwungen hat. Zwar ins Netz des Nachbarn, aber was solls, ich habe aus dem Gespräch viel gelernt:
Unter A-Hörnchen, B-Hörnchen und C-Hörnchen versteht man Mitarbeiter, deren Namen aus Datenschutz- und sonstigen Gründen noch nicht genannt werden dürfen

Arrr sagten Piraten, warum werde ich noch nachliefern.

Aye heißt, dass man den Job annimmt.

BarCamp ist ein Treffen, auf dem man sich über verschiedene Themen und Projekte austauscht, wenn es sein muss auch offline

bashen tun die Bösen einen Blackhat, also einen Hacker der “dunklen” Seite, nur weil er eine bislang unbekannte Sicherheitslücken nutzt

Club-Mate, ein bis vor kurzem nur in Argeninien verbreiteten koffeinhaltigen Getränk, ist das Viagra für Nerds

Eichhörnchen sind Platzhalter für allgemeines Ablenkungs- und Defokussierungsmanöver: “Ein Eichhörnchen  sein”/”Eichhörnchen sehen” = leicht ablenkbar sein, “Eichhörnchen haben”  = sich grade ablenken lassen, “Eichhörnchen  fangen/dressieren/jonglieren/schießen” = viele verschiedene Dinge  gleichzeitig tun, die einen von den wirklich wichtigen Dingen abhalten. Eine andere Bedeutung hingegen hat transsexuelles Eichhörnchen.

Den „Motherfucker“ der Piratenszene nennt man „Internetausdrucker“.

Selten habe ich mich so als politischen Noob (= Neuling) gefühlt, wie in diesem Interview. „plus1“ (Zustimmung/gefällt mir) zu vielem, aber ich benötige jetzt dringend Ponytime (Unterbrechung durch eine Folge von “My little Pony” – dient der Beruhigung erhitzter Gemüter) um wieder zu downen um als „Transsexuelles Eichhörnchen“ (= legitime Ersatzbezeichnung für Pirat / Piratin / Piratenbraut / Mitglied der Piratenpartei als Antwort auf die Gender-Debatte) nach einem kurzen „twoff „ (=Offline) endlich auf „42“ zu kommen (= die Antwort auf die Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest).

Written by medicus58

24. August 2013 at 15:30

Der FPÖ Wähler

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Wahlurnen
Heute stehe ich vor der massiven Holztüre eines Gründerzeithauses in einem der besseren Wohnviertel Wiens. Das Messingschild verkündete den akademischen Grad des Bewohners. Nach einigen Augenblicken öffnete mir ein distinguierter älterer Herr.

Unter seinem dunkelblauen, einreihigen Blazer trug er eine kleingemusterte, graue Weste, die Seidenkrawatte wurde von einer goldenen Krawattennadel in Position gehalten. Ein passends Einstecktuchquoll aus seiner Brusttasche. Im Schlaglicht des Stiegenhauses wirkten die beiden Narben, die sein Gesicht teilten, tiefer als sie vermutlich waren. Er stellte sich knapp und förmlich als „Dr. ……“ vor und bat mich in sein Wohnzimmer. Obwohl draußen die Sommersonne von einem unverschämt blauen Himmel herunter brannte, schluckten die dicken Vorhänge und die dunkel gebeizte, selbstverständlich altdeutsche Einrichtung fast jedes Licht. Wir ließen uns ihn breiten Samtfauteuils nieder und ich versuchte mein Gegenüber, das mit leicht überschlagenen Beinen und durchgestrecktem Rücken aus seiner Sitzgelegenheit ragte, mit den platten „Islam-Daham“-Sagern eines Herrn Kickl und den APA-Drohungen eines Peter Hojač in Übereinstimmung zu bringen.

„Das nationale Lager in diesem Lande braucht nach all den Enttäuschungen der letzten Jahrzehnte wieder eine, seiner kulturellen Bedeutung entsprechenden Repräsentation im Parlament“, begann er ungefragt das Gespräch. Auf mein Nachfragen, ob er denn auch Jörg Haider als eine solche Enttäuschung bezeichnen würde, weicht er aus indem er auf dessen untadeliges Elternhaus und seinen überraschenden Coup gegen Norbert Steger verweist, um dann fortzusetzen „ Der Jörg war ein kluger Kopf und hat viel für uns getan, hat das Rot-Schwarze-Machtkartell in unserem Kammerstaat den Menschen immer wieder ins Bewusstsein gerufen, aber es ist im Laufe de Lebens nicht leicht Kurs zu halten.“ Mein Gesprächspartner ließ keinen Zweifel, dass er weniger Probleme hatte seinen vor Jahrzehnten eingeschlagenen Kurs beizubehalten.
„Österreich ist ein Untertanenstaat in Geiselhaft einer sozialistischen Kaderpartei und einer in ihren bündischen Interessenskämpfen gefangenen Katholikenpartei, die das Volk, dessen Namen es in ihrer Parteienbezeichnung usurpiert hat, auf das Schändlichste verrät.“

„Österreich eine Missgeburt?“ warf ich ein, um ihn zu provozieren.
Er lächelte milde und ließ sich durch dieses plumpe Manöver nicht aus der Ruhe bringen. „Missgeburt würde eine Geburt voraussetzen und eine Geburt wurde diesem Land bis heute vorenthalten. Alle Versuche in dieser Richtung wurden mit kräftiger Hilfe des Auslandes und einiger inländischer Mittäter (ah, Dolchstoß, dachte ich) mit größter Brutalität und hohem Blutzoll niedergeschlagen.“
Auch ohne nachzufragen war mir bewusst, dass er jetzt nicht an Konzentrationslager dachte.

„Und wie stehen Sie denn zum Dritten Reich?“ versuchte ich es mit einer neuen Provokation.

Ohne nur den geringsten Einblick in seine wahre Befindlichkeit zu gestatten überraschte er mich mit folgender Analyse: „Versetzen Sie sich einmal in das Jahr 1933 und versuchen Sie die Parallelen zu heute zu erkennen. Die Auswirkungen einer Weltwirtschaftskrise, eine ungeheure Zunahme von Parteien, deren Führer kaum noch jemand auseinander halten konnte. Korruption wohin das Auge blickt, der Reichstag eine „Quatschbude“ in der über die wahren Probleme der Menschen kaum mehr gesprochen wird und Banken und Investoren als die wahren Staatslenker. Ist es da so schwer zu verstehen, dass sich die Menschen nach einer neuen, unverbrauchten Kraft sehnten? Politikern, die ihnen ihre Ehre als Bürger ihrer Heimat wiedergeben konnten. Eine Partei, die für jene da war, für die dieses Land schon seit Generationen Heimat war!“

„Sie leugnen also die Gräueltaten des Regimes?“ unterbrach ich ihn. „Unter dem Druck des Krieges gab es viele Entwicklungen, die aus heutiger Sicht zu verabscheuen sind, aber gilt das nicht für alle Länder? Haben die Engländer nicht deutschstämmige Juden, wie den Österreicher Max Perutz, der Nobelpreisträger für Chemie des Jahres 1953, nach Kanada in ein Internierungslager abgeschoben? Haben die USA nach Pearl Harbour nicht fast 120.000 Japaner und japanischstämmige Amerikaner in Internierungslager gesteckt und umgesiedelt? Polen haben Juden bei der Gestapo denunziiert und nach 1945 zu tausenden selbst liquidiert, wussten Sie das nicht?.“

So leicht, war der offenbar nicht zu kriegen, so dass ich das Thema wechselte und ihn auf seine „Schmisse“ ansprach. Er nannte stolz den Namen seiner Korporation und gab mir einen Exkurs über die „Träger der Revolution von 1848“ und die „lebenslange Verpflichtung für die Sache“ einzustehen.

„Wie erklären Sie es denn, dass diese akademische Tradition nun ein Nicht-Akademiker, ein Handelsschüler und Zahntechniker fortsetzen soll?“
„Der Strache war in der Phase nach den verschiedenen Spaltungen eine erstklassige Wahl. Er kam medial gut an, das ist heute leider enorm wichtig, und er konnte viele Themen unbelastet ansprechen, da er in der Sache ziemlich unbedarft ist.“
Eine harte Aussage über den eigenen Spitzenkandidaten, allemal, aber denken wir doch daran, wie der Erwin Pröll gemeinsam mit dem Faymann den Spindelegger durch den „G’mischten Satz“ gezogen hat, ohne ihn davon kosten zu lassen. Denken wir an den Seppi Bucher, wie er sein Chamäleon, die Witwe Petzner, von der Wahlliste kippte oder das Schwert mit dem Uncle Fränk in seinem Team teilt und herrscht. Jede Partei entledigt sich ab und an ihres „Grüßaugusts“.

Ich fragte meinen „alten Herrn“, was er denn vom aktuellen „Nächstenliebe-Wahlkampf“ der FPÖ hält. „Wenig! Es begann mit der peinlichen Anbiederung an die serbische Minderheit durch die zur Schau gestellte „Brojanica“ (=kordelähnliches Armband, das einen Rosenkranz symbolisieren soll), dann das Herumgefuchtel mit dem Kreuz als angebliches Symbol unserer abendländischen Kultur und nun lief der Junge mit seinem „Nächstenliebe-Gesülze“ dem Schönborn geradewegs ins Kruzifix und der weinte sich medienwirksam beim Bundespräsidenten aus. Ich komme da aus einer anderen Tradition….“

Auf die Frage, ob denn Strache – als Nicht-Akademiker – auf den nächsten Korporations-Ball geladen wird, um – wie zuletzt 2012- wieder von „der Reichskristallnacht für die neuen Juden“ sprechen zu können, lächelte er und meinte:
„2013 war er ohnehin verhindert und ….. mit dem neuen Bolognia-System kommt heute ohnehin jeder, der seinen Namen schreiben kann, irgendwann zu einem akademischen Grad. Für einen Mag. (FH) HC wird’s schon reichen, wenn er nach der Wahl wieder mehr Tagesfreizeit hat.“

Ich verlasse fröstelnd meinen Gesprächspartner und kann draußen auf der Gasse nicht einmal mehr den blauen Nachmittagshimmel völlig vorbehaltlos genießen.

Written by medicus58

18. August 2013 at 14:46

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