Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Archive for April 2016

Rotes Wien – Totes Wien

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Hundi

Fährt man heute mit der U-Bahn, dann sieht man heute Symptomatisches.

Was man liest, erfasst die Umstände aber nur unzureichend:

Gerfried Sperl/Standard:
Wer in jedem Flüchtling einen Terroristen sieht, macht die Angst zum Ratgeber und die Vernunft zum Irrlicht. Leider war diese Stimmung ausschlaggebend. Das liegt nicht nur an den mehrheitlich rechtsgedrehten Medien, sondern auch an der Antwort auf die Frage: Wollen wir die Wiederkehr des (autoritären) Nationalismus?
http://derstandard.at/2000035642016/Hofer-und-das-Wundern-Oesterreich-wird-wie-Ungarn

Oliver Plink/Presse:
Der Tag an dem Österreich blau wurde:
Die Wähler der ausgeschiedenen Kandidaten werden wohl auch zu einem großen Teil Alexander Van der Bellen wählen.
http://diepresse.com/home/politik/bpwahl/4974613/Der-Tag-als-Osterreich-blau-wurde?

GeorgHochmuth/Kurier (aber noch vom 22.4.!)
„Wer SPÖ und ÖVP wählt, sponsert Straches Absichten“
Heller: FPÖ mit Van der Bellen stoppen
Leitner: Nur Griss kann Hofer verhindern
Dvorak für Hundstorfer: „Der beste Bundespräsident, weil …
http://kurier.at/politik/inland/heller-ueber-bundespraesidenten-wahl-wer-spoe-und-oevp-waehlt-sponsert-die-absichten-straches/194.533.541

Wenn „Rudi Hundstorfer„, der „aus bescheidenen Verhältnissen“ stammende Ex-Gemeinderat, Ex-ÖGB Präsident und Ex-Minister als Idealbild der Wiener Roten so abstinkt und selbst in seinem eigenen Habitat grad mal 73.494 Stimmen (12,31% vor den Wahlkartenwähler) erreicht, dann zeigt das, die Anti-FP-Keule, die die Wien-Wahlen 2105 noch mit einem blauen Auge überleben ließ (SP 39,59%, FP 30,79%), nicht mehr zieht.

Auch die von Faymann in allen Personalentscheidungen, im Gegensatz zu seinem Vorgänger Gusenbauer, massiv „berücksichtigte“ Gewerkschaft, schafft es offenbar nicht mehr einen ihrer Ex-Präsidenten über das statistische Rauschen zu pushen.

Hundstorfers Absturz, mit dem er wohl vor ein paar Wochen nicht einmal im Traum gerechnet hat, zeigt, dass selbst enorme PR-Ausgaben aus Steuergeld einschließlich hinterfragbarer Querfinanzierungen aus der parteieigenen Gewerkschaft nicht ausreichen, den Wählern den Pleiten-Pech-und-Pannen-Kurs der Wiener Genossen (Finanzen, Gesundheitssystem, Gewerkschaft, …) schön zu reden.

Wenn eine andere Sumpfblüte dieses Biotops, Frau Ederer, nun auf keine andere Lösung kommt, als in der bürgerlichen Presse die Ablöse des ebenfalls aus diesem Habitat empor gekommenen Bundeskanzlers zu fordern (http://www.tt.com/politik/innenpolitik/11417529-91/sp%C3%B6-chef-unter-druck-ederer-fordert-faymanns-abl%C3%B6se.csp http://diepresse.com/home/politik/bpwahl/4974725/Ederer-fordert-Ablose-von-Werner-Faymann), dann scheint auch das letzte Band, das das Rote Wien einst zusammengehalten hat, gerissen – die innere Solidarität.

Dass nach diesem Debakel innere Kritik angesagt wäre, ist selbstverständlich, dass diese aber über die traditionell eher nicht der SPÖ zugeneigten Presse erfolgt, zeigt die völlig insuffizient gewordenen innerparteilichen Kommunikationskanäle.
Etwas, das sich an der ÖVP schon seit Jahrzehnten studieren ließ….

Auf ihrem Weg in die Bedeutungslosigkeit kannibalisieren sich SPÖVP nun und tun das beide

Mit Sicherheit NICHT MEHR für Österreich.

Ob das ehemalige SPÖ-Mitglied bzw. der vom Grünen-Chef zum scheinbar Unabhängigen mutierte Wien-Sieger Van der Bellen, der zuerst gegen Griss die Nazi-Keule schwang, um ihr am Wahltag schmeichelweich seine Wähler anzubieten, noch ehe fest stand, dass er es ohnehin in die Stichwahl geschafft hat, nun einen Bundespräsidenten Hofer verhindern wird können mag angesichts der großen Stimmendifferenz zumindest bezweifelt werden. Ob sein politisches Verhalten in den den letzten Jahren (Wiener Spitzenkandidat bleibt lange im Nationalrat, Erfolgsbilanz des Uni-Beauftragten?, Steigbügelhalterei der Wiener Grünen …) sich wirklich so sehr von Apparatschik Hundstorfer unterschieden hat, möge jeder für sich beurteilen.

Wird es unter einem FP Bundespräsidenten und FP Bundeskanzler und bald FP Bürgermeister in Wien besser?

Ich glaube nicht, aber solange
sich die Wiener Roten und die Niederösterreichischen, Salzburger und Oberösterreichischen Schwarzen und ihre jeweiligen Grünen Mehrheitsbringer darauf verlassen, dass sich die Wähler halt nur täuschen haben lassen oder überhaupt irren,
die Schuld bei den jeweiligen Vorsitzenden und nicht ihrem eigenen System suchen und sich darauf verlassen,
dass sie mit dem Verweis auf das rechtspopulistische Gehabe der FP und durch eine millionenschwere Querfinanzierung des Boulevards die Wähler wieder heimholen lassen, wird der Siegeszug der FPÖ nur durch deren eigene Selbstzerstörerische Kraft aufgehalten werden.

Ederer irrt, wenn sie meint: Faymann trägt die Verantwortung.
http://www.tt.com/politik/innenpolitik/11417529-91/sp%C3%B6-chef-unter-druck-ederer-fordert-faymanns-abl%C3%B6se.csp

Für das Wiener Wahl Debakel trägt die gesamte Wiener SPÖ einschließlich „ihrer“ FSG die Verantwortung.

Faymann aus zunehmen, der seinen Aufstieg den Strickleitern dieses Systems verdankt, wäre genauso falsch wie Frau Ederer aus zunehmen,
die ebenfalls ihre Karriere bei Siemens und ihre jetzigen Pöstchen u.a. „dieser Familie“ verdankt.

Ja, und wenn SJ-Vorsitzende Julia Herr ernsthaft glaubt, was sie sagt: „Die Wählerinnen und Wähler haben nicht Rudolf Hundstorfer, sondern Faymanns politischen Kurs abgestraft“, dann ist der Realitätsverlust auch schon auf die nächsten Generation übergesprungen.

Nur eins scheint seit gestern klar „More of the same“ endet kopfüber im Altpapier.

PS: inzwischen forderte auch Wehsely Faymanns Kopf, nein nicht die Sonja sondern ihre Schwester.

Written by medicus58

25. April 2016 at 16:03

Lesenswerte Abrechnung eines Allgemeinmediziners

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Quelle: Medical Tribune vom 13.4.2016 Allgemeinmediziner Dr. Michael Wendler aus Graz hat sich von der Seele geschrieben, was ihm als engagiertem niedergelassenen Geriater Tag für Tag bei seiner Arbeit in den Sinn kommt. Ein offener Brief an “alle, die noch Verantwortung empfinden”. Der geriatrische Alltag hat uns niedergelassene Primärversorger schon längst eingeholt: Auch wenn es […]

via Der demographische Wandel wird ignoriert! — Best Point of Service

Written by medicus58

22. April 2016 at 17:50

Veröffentlicht in Allgemein

PSST: Ohne Worte

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Datenschutzerklärung

PS (oder besser psst …:

PSST=
1. Aufforderung, leise zu sein, 
2. unauffällig um Aufmerksamkeit bitten  
http://www.redensarten-index.de/suche.php?suchbegriff=~~Psst!%20Pst!%20Pscht!&suchspalte%5B%5D=rart_ou

Die Ärztekammer hat schon den Maulkorb übergestreift
https://medicus58.wordpress.com/2015/07/03/die-arztekammer-hat-schon-den-maulkorb-ubergestreift/

Warum pfeifen die Spatzen nicht oder pfeifen sie schon drauf?  
https://medicus58.wordpress.com/2012/05/29/warum-pfeifen-die-spatzen-nicht-oder-pfeifen-sie-schon-drauf/ 

Darabosch, Demokratie und der Beamtenchor
https://medicus58.wordpress.com/2012/02/24/24-1-2011-darabosch-demokratie-und-der-beamtenchor/

Reform=Stillschweigen zur Errichtung eines Potemkinschen Dorfes
https://medicus58.wordpress.com/2012/02/16/reformstillschweigen-zur-errichtung-eines-potemkinschen-dorfes/

Written by medicus58

21. April 2016 at 17:12

Trivago für den Patientenexport

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Patient-Travel

Suchmaschinen sind was Nettes.
Vom „Schmarrnphone“ oder vom heimatlichen PC lassen sich alle Lebensbedürfnisse per Mausclick erfüllen.
Nein, ich rede jetzt nicht von Instant-Befriedigung in den kostenfreien Pornoseiten und schon gar nicht vom Lustgewinn des Online-Shoppens oder dem freundlichen Herrn, der uns täglich mehrfach via TV die besten Hotelbetten zum billigsten Preis verspricht, sondern davon, dass wir nun im Netz
den im Lande nur in weiter Ferne liegenden  Arzttermin in fernen Ländern rasch und kostengünstig erklicken können.

Bislang kannte man das nur aus dem fernen Reich der Ewigen Queen, dass Patienten aus dem Nationalen Gesundheitssystem in ferne Länder exportiert werden, um eigene Unzulänglichkeiten zu kompensieren:

NHS patients may be sent to India for cut-price surgery claims former Labour health secretary
NHS doctors could be flown to India to treat locals and raise money
Indian doctors could also come to the UK to perform operations
Move would see NHS trusts going into business with private Indian firms

(August 2913) http://www.dailymail.co.uk/news/article-2400693/NHS-patients-sent-India-cut-price-surgery-Former-Labour-health-secretary-says-doctors-sent-India-treat-locals-bid-raise-money.html#ixzz46GR0L0AN

Inzwischen fand man das Gute aber so nah, dass das NHS seine Patienten einfach über den Kanal schickt und nicht mehr nach Indien:

First NHS patient crosses the Channel for gall bladder surgery to slash waiting his time ‚from months to weeks‘
Timothy Brierley, 54, has made the 44-mile trip from Kent to Calais
Patients from Kent can choose to be treated at 2 hospitals in France
NHS
 foots the cost of treatment but patients have to pay travel costs
Treatments include orthopaedics, ear nose and throat and cataract surgery 

(April 2015) http://www.dailymail.co.uk/health/article-3541751/First-NHS-patient-crosses-Channel-gall-bladder-surgery-slash-waiting-time-months-weeks.html

Noch traut man sich diesseits des Kanals nicht in diese Fußstapfen, auch wenn man schon gerne von rasch zu nostrifizierenden Syrischen Ärzten träumt, um den Schein einer funktionierenden Patientenversorgung aufrecht erhalten zu können, dafür springt aber die IT- Industrie den des Wartens müden Patienten bei und ein von der Ärztin Sophie Chung gegründetes Berliner Start-up namens Junomedical vermittelt Zahlungswilligen eine raschen Wunscherfüllung: 

Junomedical: For a happier healthier you
https://www.junomedical.com/en/
„Als Ärztin habe ich täglich erlebt, wie der Großteil der Menschen noch immer durch das lokale medizinische Angebot limitiert ist. Die Globalisierung ist im Gesundheitswesen leider noch nicht vollständig angekommen“, sagt Sophie Chung. „Wir möchten es einfach nicht hinnehmen, dass es in unserer heutigen Zeit noch immer so viele Patienten gibt, die suboptimalen oder zu teuren Zugang zur medizinischen Versorgung haben.“
http://gruender.wiwo.de/junomedical/

Sucht man zum Beispiel nach einer Schilddrüsenoperation, wird man an die Apollo Hospitals in Chennai, Indien weitergereicht ….
Der Wunsch nach Haartransplantaten schickt einen u.a. nach Thailand, auch nicht schlecht …

Nur die Ewig-Gestrigen unter uns, glauben noch, dass man auch in Zukunft im Krankheitsfall seinen Hausarzt kontaktieren wird können, der einen gegebenenfalls an einen Spezialisten oder ein nahe gelegenes Krankenhaus überweist, wo einem geholfen wird.

Warum einfach, wenn es auch elektronisch geht.
Warum lokal, wenn man sich auch billigen Knoblauch aus China holen kann …

Also eh alles supi in unserer globalisierten Welt, auch wenn Kollegin Chung trotz aller Beteuerungen der Qualitätssicherheit nachschießt:
„Aber schwarze Schafe wird es in der globalen Medizin immer geben.“
 http://futurezone.at/thema/start-ups/junomedical-oesterreicherin-vermittelt-medizintouristen/193.130.275

Written by medicus58

19. April 2016 at 18:21

Warum die Kosten der Medizin immer der Inflationsrate vorauslaufen werden

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512px-The_Anatomy_Lesson

Aktuell wieder aufgeflammt, aber prinzipiell seit Jahren einfach verschlampt, erreicht der Arbeitszeitkonflikt in Wiens Spitälern erneut die Medien:

KURIER: Spitalsärzte sollen keine Überstunden mehr machen
http://kurier.at/chronik/wien/spitalsaerzte-sollen-keine-ueberstunden-mehr-machen/190.220.890

KAV Dementi

PRESSE: Überstundenverbot für Ärzte
http://diepresse.com/home/leben/gesundheit/4969427/Ueberstundenverbot-fur-Aerzte

KAV Drohung an ÄK Präsident Szekeres

KAV-Überstundenverbot: Vorwurf der Lüge für Szekeres „vollkommen haltlos“
Schriftliche Beweise liegen vor – Ärztekammer erwägt rechtliche Schritte gegen KAV
http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20160418_OTS0179/kav-ueberstundenverbot-vorwurf-der-luege-fuer-szekeres-vollkommen-haltlos

 

Stadträtin Wehsely und GD Janßen wollen den Eindruck erwecken, dass es hier ausschließlich um einen Konflikt mit den angestellten Ärzten bzw. dem Njet-Sagern in der Ärztekammer geht, dabei rüstet die Gewerkschaft (Younion) aber gerade mit Dienststellenversammlungen und Demo-Drohungen zum globalen Kampf und da geht’s – wie in der Vergangenheit – gar nicht um die Ärzte, sondern um alle anderen im KAV Beschäftigten:

Auf zeitgleich stattfindenden Versammlungen in allen Dienststellen des Wiener Krankenanstaltenverbundes haben die örtlichen Gewerkschafts- und Personalvertretungen über den aktuellen Stand der Verhandlungen zu Gehalt und Rahmenbedingungen mit der Unternehmensführung des Krankenanstaltenverbundes informiert – und einen „heißen Frühling in Wien“ angekündigt.
„Wir lassen uns nicht spalten. Wir sind das Team Gesundheit und stehen hier für bessere Arbeitsbedingungen und eine bessere Entlohnung unserer Kolleginnen und Kollegen“, erklärt Wolfgang Hofer, Vorsitzender der Personalvertretung und des Gewerkschaftsausschusses im AKH. Auf den zentral in allen Dienststellen zeitgleich stattfindenden Dienststellenversammlungen kommen Mitglieder aus dem gesamten Team Gesundheit zusammen – die Beschäftigten aus dem Wiener KAV.
Anlass sind die aktuell ins Stocken geratenen Verhandlungen der younion Hauptgruppe II mit dem KAV-Management.
„Am 31. März 2016 ist die Frist abgelaufen, die wir dem Management gesetzt hatten, um auf unseren Forderungskatalog zu reagieren.
http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20160414_OTS0092/younion-team-gesundheit-schafft-klarheit

Also nix nur Ärzte, im KAV kocht es an allen Fronten. Natürlich ist absehbar, wie man seitens der Politik, der Gesundheitsökonomie und der Generaldirektion reagieren wird:
Die Medizin wird immer teurer und das können wir uns nicht leisten!

Nur was heißt „immer teurer“?

Immer teurer heißt eigentlich, dass die Kosten im Gesundheitssystem schneller wachsen als das Bruttosozialprodukt.

Anders ausgedrückt lautet der Vorwurf an die im Gesundheitssystem Tätigen, dass sie ihre Effizienz weniger gesteigert haben, als andere Branchen.

Nun an den schönen Kassentarifen kann es wohl nicht liegen:
rektale Untersuchung 2,75 €
Juni 2012: Der typische Arzt ist ein Hausarzt mit Kassenverträgen und reich
https://medicus58.wordpress.com/2012/06/10/der-typische-arzt-ist-ein-hausarzt-mit-kassenvertragen-und-reich/

Natürlich steigen die Spitalskosten, aber: DIE OECD irrt, unsere Spitäler sind billig und werden jetzt ohnehin geschlossen
https://medicus58.wordpress.com/2015/11/05/die-oecd-irrt-unsere-spitaeler-sind-billig-und-werden-jetzt-ohnehin-geschlossen/

Was wir im Gesundheitssystem Tätigen (oder besser diejenigen, die behaupten unsere Interessen zu vertreten) aber immer wieder klar stellen sollten,
hat Meister Rembrand schon 1632 in seinem Gemälde Die Anatomie des Dr. Tulp erkannt.

Noch klarer kommt das bei dem 1875 von Thomas Eakins geschaffenen Gemälde Die Klinik Gross (The Gross Clinic) zum Ausdruck:

The_agnew_clinic_thomas_eakins

MEDIZIN IST EINE PERSONALINTENSIVE  DIENSTLEISTUNG

Ich habe dies hier schon vor vier Jahren unter dem Titel
Fordismus im Spital: Das Geld liegt auf der Strasse?
https://medicus58.wordpress.com/2012/04/27/fordismus-im-spital-das-geld-liegt-auf-der-strasse/
abgehandelt:
Die Effizienzsteigerungen der Fertigungsindustrie basieren auf Automation, Personalreduktion und Preisoptimierung für den Rohstoff,
die von großen Teilen des Dienstleistungssektors darauf, dass ein Teil der Arbeit an den Kunden auslagert wurde (Stichwort: Online-Banken, -Flugtickets, -Service, …).

In der Medizin kann ich zwar den Patienten einen Fragebogen geben und damit versuchen das Anamnesegespräch zu ersetzen (habe ich in meinem Bereich immer wieder versucht), nach diesen Ergebnissen, konnte aber niemand eine Diagnose stellen.

Ich kann gehfähigen Patienten zwar ein schönes SB-Buffet anbieten, für das löffelweise Füttern benötige ich Pflegepersonal.

Kurz: in den Gesundheitsberufen ist die persönliche diagnostische, therapeutische und pflegerische Tätigkeit am Patienten das Kernstück des Ganzen und das muss ich auch in der Ausbildung weitergeben. Deshalb standen bereirs im 17. Jhdt um einem Patienten schon so viele andere Personen herum, dabei gab’s damals noch nicht einmal Tumorboards und ausführliche Dokumentationsvorschriften.
Im 21. Jhdt ist die Medizin sicher nicht einfacher geworden…

Alle Bereiche, in denen ich mit den drei ökonomischen Feuchtträumen (Automation, Personalreduktion, billige Rohstoffpreise) nicht operieren kann, müssen in Relation zu den übrigen Bereichen „teuerer“ und/oder „weniger effizient“ scheinen.

Und genau darum geht es bei dem aktuellen Dienstzeitkonflikt:
Eine trotz neoliberalem Sprech und Tun ökonomisch ungebildete Politik, vertraute auf unsachliche Berater, die ihr weismachten, dass man in der Medizin in erster Linie am Personal sparen könnte, weil das schließlich der größte Kostenfaktor wäre. Mit dem eingesparten Geld könnte man EDV, Großgeräte, ELGAs bis hin zu Big Data basierten Algorithmen finanzieren, die die Medizin genauso effizient machen könnten wie die Fließbänder der Fertigungsindustrien oder die großen Handelsriesen vom Schlage Amazon oder Zalando.
Im Unterschied zur Medizin wird in diesen Branchen immer wieder der gleiche Prozess abgespult. In der Medizin haben wir es letztendlich immer mit einer „Einzelanfertigung“ in einem hoch komplexen und interdependenten Prozess zu tun und den beherrscht ebem nur qualifiziertes Personal. Seine Reduktion steigert nicht die Effizienz sondern vermindert die Qualität.

Bilder Copyright:
https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AThe_Anatomy_Lesson.jpg
https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Klinik_Gross

Written by medicus58

18. April 2016 at 23:32

Schwere Mobbing-Vorwürfe gegen KAV – wien.ORF.at

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http://wien.orf.at/news/stories/2769038/

Written by medicus58

17. April 2016 at 19:07

Veröffentlicht in Allgemein

Das lange Warten auf die Durchleuchtung

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Pediatric CT

nicht ganz vollständige und nicht ganz richtige aber für Uneingeweihte ganz gute Zusammenfassung über die Hintergründe der langen Wartezeiten auf die MRT:
http://derstandard.at/2000033782140/Das-lange-Warten-auf-die-Durchleuchtung

Man wünscht sich noch Folgeartikel über die Hintergründe anderer Flaschenhälse:
z.B. Physikalische Medizin, Schilddrüse, Psychiatrie, …

 

Links zum Dauerbrenner:

18.2.2016: Wartezeiten, stilles Regulativ im Gesundheitssystem https://medicus58.wordpress.com/2016/02/08/wartezeiten-stilles-regulativ-im-gesundheitssystem/
17.12.2013: Das Gute im CT/MR Tarifstreit https://medicus58.wordpress.com/2013/12/17/das-gute-im-ctmr-tarifstreit/

28.12.2012 :Der Teufel mit dem Belzebub ausgetrieben: CT Screening https://medicus58.wordpress.com/2012/11/28/der-teufel-mit-dem-belzebub-ausgetrieben-ct-screening/

Written by medicus58

10. April 2016 at 10:54

Veröffentlicht in Gesundheitssystem

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