Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Archive for Januar 2013

2 Anamnese – aber

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Im zweiten Teil geht es um das Hochamt, von dem jedes Lehrbuch sagt, dass es der wichtigste Schritt im Zusammentreffen zwischen Patient und Arzt ist:
DIE ANAMNESE

Das zuerst offen („Was fehlt Ihnen denn?„), dann immer strukturierter („Kinderkrankheiten“, „Frühere Operationen“, „Familienanamnese“, …) zu führende Gespräch:

  • fördert alle Be- und Hinweise für die spätere Diagnose
  • schränkt die Verdachtsdiagnose auf wenige Differentialdiagnosen ein, die dann durch geeignete Labor- und Röntgendiagnostik weiter eingeschränkt werden
  • entscheidet über das Vertrauensverhältnis zwischen Patient und Arzt und
  • kostet angeblich weniger als teure CT-, MR- oder PET Untersuchungen.
  • So nebenher fallen einem allf. Kontraindikationen für bestimmte Diagnostik (Kontrastmittelallergie) und Therapien (Penicillin) in den Schoß.

Warum kommt aber in der Praxis so wenig dabei raus, dass kaum jemand nach seiner letzten Prüfung noch eine gescheite Anamnese erhebt?

A) Kosten

Einer der regelmäßig negierten Ursachen sind die Kosten. Würde man Ärzte fürs Zuhören ähnlich gut honorieren, wie Anwälte, dann würden viel weniger Überweisungen ausgestellt werden.
B) Unterschiedliche Erwartungen – unterschiedliche Sprache

In der Psychopathologie der Medizin habe ich mich schon darüber verbreitet, dassman irrt, wenn man glaubt, dass Patient und Arzt am gleichen Strang ziehen, d.h. die gleichen Erwartungen an den Prozess haben.

II) Patient und Arzt haben nicht a priori dieselben Interessen http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=31495

III) Beide wollen verstanden werden, verwenden aber verschiedene Begriffsysteme  http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=31496

common reasons

Unsere erste Folie zeigt das exemplarisch Ergebnis, das man erhält, wenn man Patienten und Ärzte befragt, was denn der Grund für die Konsultation war. Während von den Patienten am häufigsten die „allgemeine ärztliche Untersuchung“ genannt wurden, gaben Ärzte an, dass sie wegen „Bluthochdruck“ am häufigsten konsultiert wurden. Das Problem dabei ist, dass der Arzt also mit einem ganz anderen Ergebnis des Zusammentreffens „zufrieden“ ist, als der Patient.
Es ist ebenfalls ein Irrtum zu glauben, dass sich beie Partner in einer Begriffswelt befinden. Ich habe an der Uni in Kairo gelernt, dass der Patient, der mit „Magenschmerzen“ kommt sehr häufig einen Herzinfarkt hat, während bei uns so mancher Manager mit Herzinfarktverdacht, eher an einem Ulcus ventriculi leidet, was auf der zweiten Folie gezeigt werden sollte.

culture health

IV „Herz“ kann auch „Angst“ meinen und die Leber liegt vermutlich im Becken http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=31564

C) ZEITDRUCK oder FEHLENDE PROFFESSIONALITÄT

folgt morgen

Written by medicus58

31. Januar 2013 at 20:52

1 Am Anfang war die Diagnose – Clinical Decision making Not only for Dummies

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In diesem Abschnitt möchte ich Folien und Inhalte aus einer Vorlesung über Clinical Decision Making hereinstellen, die ich zwar schon vor zwei Jahrzehnten zusammengestellt haben, die aber in den Grundzügen weiterhin aktuell erscheinen, zumal auch nach mehreren Änderungen des „Mediziner Curriculums“ weder im Studium noch in der Praxis wenig Zeit darauf verwendet wird, sich mit den Grundlagen und den oft zwanglsläufigen Irrtümern des medizinischen Diagnoseprozesses auseinander zu setzen.

Dass das heute noch viel wichtiger ist denn je, habe ich versucht mit dieser Folie den Studenten näher zu bringen. (Ja so sahen sie aus, die ersten Dias, die man auf den ersten DOS Grafikprogrammen bastelte und auf südteuren Belichtern zu Dias machte ….)

EinstJetzt

Nehmen wir „die Schulmedizin„, also das Gebäude aus Tradition und Empirie, das seit weniger als zwei Jahrhunderten mit den Mitteln der Naturwissenschaft auf seine Kompatibilität mit den Ergebnissen der Naturwissenschaft  zu testen. dann konnten sich unsere Vorgänger, da es ohnehin nur eine Handvoll Diagnosen gab („Schwindsucht“ ), darauf verlassen, dass sie sehr bald viele ähnlich gelagerte (oder auch nur ähnlich scheinende) „Fälle“ zu Gesicht bekommen werden und sich in ihrer Diagnostik auf ihre Erfahrung verlassen. In Folge der prämortal beschränkten Mitteln der Falsifizierung einer gestellten Diagnose, fühlten sie sich auch noch immer mehr bestätigt, heute spricht man von Eminence Based Medicine.  
Im Gegensatz zu vielen halte ich diese für gar nicht einmal sooo schlecht, nur ist sie uns heute (siehe Folie) auch dadurch verwehrt, dass die Schulmedizin eine derartige Fülle von Diagnosegruppen und Subdiagnosen entwickelt hat, dass der junge Arzt auf unserem Bild all das gar nicht mehr persönlich sehen kann, sondern aus Büchern (heute auch aus PubMed und Dr. Google) lernen muss. All die subliminalen Hilfsmittel (u.a. die Availibility Heuristik, siehe später), die die persönliche Erfahrung eröffnet, kann der Arzt von heute – in Ermangelung dieser Erfahrung – schon gar nicht mehr nützen.
 
Der Diagnosegang, also all die Schritte zwischen dem Erstkontakt (Herr Doktor mir geht es schlecht) und der Ettiketierung dieses Falls mit einer der Subüberschriften aus den Lehrbüchern und dem Beginn mit der Therapie, läuft heute viel theoretischer, man kann auch sagen viel mehr im Hern als im Bauch ab, als dies von vor Jahrzehnten erforderlich war. 
Völlig unverständlich daher, dass diesen Prozessen bei uns in Lehre und Forschung sehr wenig Platz gegeben wird. 
Dazu passt, um kurz tagespolitisch zu werden, auch dazu, dass wir in den Krankenhäusern zwar ein diagnosen-basiertes Finanzierungssystem (LKF) haben, aber keine Qualitätssicherung dieses Diagnoseganges.

Das in unzähligen Vorlesungen, Ärzteromanen und -filmen strapazierte Konzept der Primavistadiagnose, also der Diagnose auf den Ersten Blick des Erfahrenen, tat ein übriges unser Bewußtsein für die Gesetze und Regeln eines modernen Diagnoseganges zu vernebeln.

Einige launige Bemerkungen über diese Erste Phase finden Sie auch in der Rubrik: Psychopathologie der Medizin (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=31494

So dass wir für heute in diesem Sinn mit Dr. Samuel Sham schliessen wollen:
LAWS OF THE HOUSE OF GOD
§13: The delivery of medical care is to do as much nothing as possible
Die beste ärztliche Betreuung besteht darin, so wenig wie möglich zu tun.
http://de.wikipedia.org/wiki/House_of_God 

Zusammenfassung: In der Ersten Lektion sollten Sie erfahren haben, dass wir uns in der modernen Medizin nicht nur mit der Entwicklung unseres Diagnosevokabulars sondern auch mit den Regeln des Diagnoseganges beschäftigen müssen, weil das System für Intuition, Eminence und Primavistadiagnostik zu komplex geworden ist.

Die Globalisierte Nächstenliebe – Weltweites Bleiberecht für alle

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logo_congress
Es sollte einen immer hellhörig machen, wenn Medien seit Monaten zögern auf eine knackige Story aufzuspringen.
Das Refugee Protest Camp Vienna besteht seit November 2012 und bis heute ist die mediale Berichterstattung, trotz Aufmarsch illustrer Gäste und vergleichbarer Aktionen in ganz Europa
http://de.wikipedia.org/wiki/Asylproteste_in_Deutschland_2012, http://www.noborder.org/images/transborder_map_front.jpg http://www.noborder.org/camps/campsite.html
sagen wir einmal unterproportional.
Entweder ist das so, wie Ingrid Thurnher gestern „Im Zentrum“ (http://tvthek.orf.at/programs/1279-Im-Zentrum) behauptete, weil das Thema des „Refugee Protest Camps Vienna (http://refugeecampvienna.noblogs.org/) in den Onlineforen der Zeitungen unseren „Ausländerhass“ entfesselt und deshalb, damit nicht schlafende Hunde geweckt werden, das ganze nur unter dem Teppich stattfindet,
oder es könnte aber auch sein, dass selbst der traditionellen rechten Fremdenhatz Unverdächtige, eine gewisse Diskrepanz zwischen Schein und Sein der Aktion nicht ausschließen können.

Für letztere Variante sprechen folgende lesenswerte Artikel, wobei Florian Klenks Reportage (http://www.falter.at/falter/2013/01/08/im-kirchenasyl/) leider nicht gebührenfrei online zu lesen ist.
Die Presse: Worum es bei der Besetzung der Votivkirche wirklich geht
http://diepresse.com/home/meinung/dejavu/1337511/Worum-es-bei-der-Besetzung-der-Votivkirche-wirklich-geht
Profil: Flüchtlingsprotest in der Votivkirche: Glaube, Liebe, Hunger
http://www.profil.at/articles/1303/560/350177/fluechtlingsprotest-votivkirche-glaube-liebe-hunger
Aktivisten: Die Unterstützer der Asylwerber
http://diepresse.com/home/panorama/wien/1329443/Aktivisten_Die-Unterstuetzer-der-Asylwerber
Schützt die Asylwerber! Schützt sie vor den Kirchenbesetzern!
http://diepresse.com/home/meinung/kommentare/leitartikel/1330878/Schuetzt-die-Asylwerber-Schuetzt-sie-vor-den-Kirchenbesetzern
Kurzer Rückblick auf das RefugeeCamp einiger
„Einige Anarchistinnen und Anarchisten“
https://linksunten.indymedia.org/de/node/76647
Überblick auf Wikipedia:
http://de.wikipedia.org/wiki/Refugee_Protest_Camp_Vienna

Wer sich über die einzelnen Forderungen der Protestierenden informieren will, hat es nicht leicht. Die Forderungsliste auf dem „offiziellen Blog“ der Protestierenden (https://refugeecampvienna.noblogs.org/post/2012/11/25/bewegungsfreiheit-fur-alle-fluchtlinge-we-will-rise/) listet neben

  1. allgemein verständlichen Forderungen nach adäquaten sanitären und medizinischen Verhältnissen in den Aufenthaltslagern und mehr Selbstverwaltung
  2. eine Reihe von Forderungen auf, die einander in der Praxis widersprechen (Deutschkurse im Lager ab dem ersten Tag, d.h. es fehlen Sprachkenntnisse in der Familie, trotzdem, reguläre lokale Schulen gemeinsam mit ortsansässigen Kindern für die mitgebrachten Kinder)
  3. Forderungen, die auch für österr. Staatsbürger nicht erfüllt sind (Gratis Tickets für den öffentlichen Verkehr, Freies Internet und Sat-TV)
  4. und schließlich Forderungen, die nahezu wortident europaweit gestellt werden:
    1. Stopp aller Abschiebungen unabhängig vom behördlich festgestellten Status
    2. Sofortige Arbeitserlaubnis im Zielland unabhängig vom behördlich festgestellten Status

Das bereits zitierte gestrige  „Im Zentrum“, in dem ein im Detail offenbar nicht ganz firmer Dichter (Franzobel) und professionell Engagierte, die Grüne Integrationssprecherin Korun und Ute Bock für allgemeines Verständnis für die Protestierenden werben, der Leiter des Bundesasylamtes sein Amt verteidigen durften und FPÖ Generalsekretär Vilimsky Gelegenheit geboten wurde, ein paar der Wahlslogans für das kommende Wahljahr auszuprobieren, schaffte es erwartungsgemäß nicht, die selbst aufgeworfene Frage „Radikale Aktivisten oder verfolgte Opfer?“ nur annähernd zu erhellen, geschweige denn zu beantworten.
http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20130125_OTS0206/im-zentrum-am-27-jaenner-aufstand-der-asylwerber-radikale-aktivisten-oder-verfolgte-opfer

Dies ist bedauerlich, denn eigentlich hätte man sich so etwas von einem gebührenfinanzierten Staatsrundfunk erwarten dürfen.
Das Thema geht schließlich über ein paar Einzelschicksale in der Votivkirche hinaus.
Es formierte sich hier eine Bewegung, die mit formal links syndikalistischer Wortwahl, dem Verweis auf das christliche Konzept der Nächstenliebe und dem eher laizistischen Konzept der Menschenrechte – fürwahr eine bizarre Melange – ein Weltweites Bleiberecht für alle fordert.
Wohlgemerkt nicht im jeweiligen Heimatland, sondern in dem Land, wohin es die betreffende Person – wie auch immer – geschafft hat.
Wer Zweifel daran hegt, dass es sich hier um eine europaweit koordinierte Aktion handelt, der möge sich die Homepage des für 1.-3. März 2013 in München geplanten Kongresses der protestierenden Flüchtlinge in Europa auf  http://refugeecongress.wordpress.com/kongress-congress/aufruf/ anschauen.

Asylanwalt und Bruno Kreisky Preisträger Bürstmayr doppelte kürzlich im Standard noch eins drauf, in dem er Österreich vorwirft, das in Analogie zur US-amerikanischen Verfassung den Asylwerbern (Flüchtling würde ja nicht mehr passen) zustehende Streben nach Glück verweigert.
http://derstandard.at/1356426519994/Asylproteste-Die-Angst-vor-dem-Streben-nach-Glueck

Ob das alles, was sich da als christlich, humanistisch und linkslink gebärdet nun Folge oder Antwort auf die hier schon einmal beschriebene Stille Revolution (Die lautlose Diktatur des globalisierten und deregulierten Kapitalismus http://wp.me/p1kfuX-l1) ist, mag offen bleiben, jedoch missachten die lautstarken Aktivisten eines Bleiberechts für jeden Einwanderungswilligen bewusst oder unbewusst dieselbe Kleinigkeit, wie die Befürworter schrankenloser Freizügigkeit von Kapital und Produktion:

Die punktuelle u/o einseitige Aufweichung globaler Schranken führt nicht zu mehr Gerechtigkeit sondern zementiert die Ungerechtigkeit eines Systems.

Vereinfacht ausgedrückt, mache ich die Welt nicht gerechter, wenn ich dem, der das Zigfache eines durchschnittlichen Monatslohns an irgendwelche Schlepperorganisationen zahlen konnte und die Anreise überlebt hat, hier ohne schlüssige Gründe für einen Flüchtlingsstatus die kompletten Bürgerrechte nachwerfe.
Ganz im Gegenteil, ich benachteilige guten Gewissens die Mehrheit seiner Landsleute, die es eben nicht geschafft haben, sich hierher schleppen zu lassen.
Diese wären mit den 40€ Taschengeld pro Monat, die der Asylwerber hier erhält, ökonomisch in den meisten Herkunftsländern schon bestens abgesichert.
Aus diesem Blickwinkel betrachtet stellt sich nicht nur die Frage, ob wir Europäer gerecht sind, sondern auch in welchem Ausmaß sich die außereuropäischen Wirtschaftsflüchtlinge mit ihren Forderungen an uns gerecht gegenüber der Mehrheit ihrer ehemaligen Landsleute verhalten.

Während es bis in die späten Neunzigerjahre unbestritten war, dass sich die ökonomische Situation eines Landes nur durch Maßnahmen vor Ort zu verbessern sind, was wahlweise zu importierten Revolutionen, Entwicklungshilfe oder Unterstützung geeigneter Kräfte vor Ort führte, blenden wir heute diesen Aspekt völlig aus.
Die heutigen Aktivisten bleiben im Lande, verfassen Homepages, schicken Tweets, richten Facebookgruppen ein und versorgen Medien mit herzeigbaren Immigrantenschicksalen.

Ihre Immunisierungsstrategie nützt das von neoliberaler Indoktrinierung aufbereitete schlechte Gewissen des Mittelstands: 
Der europäische Wohlfahrtsstaat ist nicht Leistung vorangegangener Generationen (Wirtschaftswunder) sondern nur „ungerechtfertigtes Leben über unsere Verhältnisse“
und bietet die Aufnahme einiger Wirtschaftsflüchtlinge als einzig möglichen Ablass.

Ein eigenartiges Weltbild, dem ich kaum mehr folgen kann. Menschen die glauben, dass sie sich durch die erzwungene punktuelle Einbürgerung einzelner oder durch die Öffnung Europas als Gelobtes Land für die Wirtschaftsflüchtlinge der Welt verwirklichen müssen, sollten mit etwas größerer journalistischer Sorgfalt auf ihre Ideologische Basis überprüft werden, als das gestern Frau Thurnher Im Zentrum tat.

Aktivistensites:
http://www.refugeetentaction.net/
http://www.refugeetentaction.net/
https://refugeecampvienna.noblogs.org

Written by medicus58

28. Januar 2013 at 18:04

Warum Häupl das Wiener Wasser nicht privatisieren wird und trotzdem nur die halbe Wahrheit sagt

with one comment


Häupl

Die Wiener Volksbefragung wird 7 Millionen € kosten, obwohl über den eigentlichen Auslöser, das über die Köpfe der Anrainer verordnete Parkpickerl ohnehin nicht abgestimmt werden darf. http://derstandard.at/1358304451741/Wiener-Volksbefragung-kostet-sieben-Millionen-Euro

Um davon abzulenken, haben die rot-grünen Rathausstrategen auch gleich noch so wichtige Befragungen wie die nach einer bislang von niemandem ernsthaft aufgeworfenen Olympiabewerbung Wiens und die „no-na-net-Frage“ nach dem Ausbau erneuerbarer Energien darüber gestreut.
Was thematisch noch fehlt ist die Kernfrage:

„Soll der Mensch edel, hilfreich und gut sein?“
A) …nur edel
B) … nur gut
C) Mensch!!

Etwas besser politisch aufbereitet ist aber Michael Häupls Frage nach der Privatisierung der kommunalen Betriebe:

Die kommunalen Betriebe bieten der Wiener Bevölkerung wichtige Dienstleistungen. Zum Beispiel Wasser, Kanal, Müllabfuhr, Energie, Spitäler, Gemeindewohnbauten und öffentliche Verkehrsmittel. Sind Sie dafür, dass diese Betriebe vor einer Privatisierung geschützt werden?

Dieser Ball wurde sofort aufgenommen und breitest diskutiert:
Stichwort Wasserprivatisierung

Für alle, die denen glauben, dass die EU hier wie bei der Glühlampenverordnung nur unser Wohl im Sinne hat und verhindern möchte, dass die Bürgermeister die Wasserwerke an ihre „Freunderln“ verscherbeln. Möge sich nachfolgende Dokus anschauen.

Experiment Bolivien: Weltbank wollte den Regen privatisieren – 16.12.12 http://youtu.be/1ehlbC_3HlE
Doku – Privatisierung der Wasserversorgung  http://youtu.be/v7ToAfkOTyQ
ARD Monitor 13.12.2012: Geheimoperation Wasser – EU fördert Wasserprivatisierung http://youtu.be/Xq4ncp-iNNA

Nur darum geht es unserem Rathausmann ohnehin nicht, auch wenn die Stadt Wien in der Vergangenheit Teile des Kanalnetzes, ein paar Straßenbahngarnituren und dergleichen mittels „sell and lease back“ zu Barem gemacht hat. Die wahre Macht eines Wiener Bürgermeisters liegt im direkten und indirekten Zugriff auf ein enormes Firmengeflecht:

Magistrat der Stadt Wien (http://de.wikipedia.org/wiki/Magistrat_der_Stadt_Wien)  Wiener Wohnen (Unternehmung seit 1999),  Wiener Krankenanstaltenverbund (Unternehmung seit 2002) Wien Kanal (Unternehmung seit 2009), Wienholding (dzt. 75 Unternehmen)  im Eigentum der Stadt bereits 1974 gegründet), ….

Wien Holding GmBH (http://de.wikipedia.org/wiki/Wien_Holding)  Vereinigte Bühnen, Jüdisches Museum, Wiener Hafen, Wiener Stadthalle, Ernst Happl Stadion

Wiener Stadtwerke Holding AG (http://de.wikipedia.org/wiki/Wiener_Stadtwerke)  Wien Energie GmbH, Wiener Linien  GmBH % Co KG, Bestattung ,…

Hier geht es nicht nur um den Besitz der Firmen an sich, sondern auch um den Durchgriff auf einen nicht unerheblichen Teil der Wiener Wähler als Arbeitgeber und einen Verschiebebahnhof von Geld und Posten.

Beispiel gefällig? Da kommt ein Spital darauf, dass es keine Ahnung hat wie viel Müll es produziert, weil die MA48 einfach 2x pro Tag zwei Müllcontainer abholt. Aus technischen Gründen ist auch das Wiegen vor der Verbrennung nicht möglich, d.h. Egal wie voll, pro Tag 2 Container mit XY Liter Müll. Ein anderer Unternehmer würde sich bereit erklären, den Müll auch abzuwiegen und nur das zu verrechnen, was wirklich anfällt, so dass allfällig erfolgreiche Maßnahmen zur Müllvermeidung auch Geldeinsparen würden. Überdies unterbietet er die MA48.

Frage (zu der Sie, geneigter Leser, bei der kommenden Volksbefragung aber leider kein Kreuzerl machen können): A) Soll sich das Spital seinen Bestbieter aussuchen können, um Steuergeld einzusparen B) Gibt es eine Magistratsrichtlinie, dass Unternehmen der Stadt Wien wieder nur Unternehmen der Stadt Wien beschäftigen dürfen?

Ich gebe Ihnen einen Hinweis: Die MA48 holt weiterhin die Container ab.

Weder eine Volksbefragung, noch sein sozialdemokratisches Bewusstsein wird Michael Häupl oder seine NachfolgerInnen davon abhalten, das Wiener Wasser zu privatisieren: Allein die dadurch schwindende Möglichkeit Geldströme zu beeinflussen, Leichen unter den Teppich zu kehren und Posten zu besetzen, ist ein Garant dafür, dass das Wiener Wasser im Einfluß der Magistratsabteilung 31 bleibt.

Hat man das erkannt, dann empfindet man die kommende Befragung als diese große Frotzelei, die sie auch ist. Andererseits versteht man auch, weshalb Staatssekretär Ostermayer am Montag einen Gesetzesvorschlag einbringen wird, der ein mehrheitlich öffentliches Eigentum an der Wasserversorgung festschreibt …. Ostermayer hat sein Geschäft an der Seite Faymanns im Wiener Rathaus gelernt.
Wird Wasser privatisiert? http://www.news.at/a/europaeische-union-wird-wasser-jetzt-privatisiert

Written by medicus58

27. Januar 2013 at 16:02

Zu spät – zu wenig – zu ruhig – Louise Martini

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Martini

Viel zu spät hier im Herrgottswinkerl angekommen,
zu Lebzeiten viel zu wenig beachtet,
zu ruhig inmitten der Lauten.

Am 17.1.2013 verstarb Louise Martini in Wien
(http://de.wikipedia.org/wiki/Louise_Martini), 
erst gestern hörte ich davon und war betroffen.

Louise Martini war eine der Stimmen, die man immer sofort wiedererkannte, obwohl sie so selten zu hören war. Egal ob diese Stimme Kabarettistin, Chansonette, Musicalstar, Schauspielerin war oder im Radio „Mittags Martini“ oder „Martini Cocktail“ servierte.
 
Martini war trotz perfekter Schauspielerei vor allem aber eine herausragende Persönlichkeit, die sich nicht aufdrängte, nicht „seitenblickte“, deren Präsenz als Künstlerin und Frau aber immer spürbar war, egal was sie machten, egal wo sie es machte.. 

Rabl-Stadler Laudatio: „Sex und Hirn schließen auch bei Frauen einander nicht aus“ traf diesen Punkt genau. 

Ich, der seiner Jugend lange Zeit ausschließlich Jazz hörte, verdanke neben Gehard Bronner (Schlager für Fortgeschrittene) auch Louise Martinis Radiosendungen die Erkenntnis, dass auch „Populärmusik“ einen hohen Qualitätslevel erreichen kann.

Louise Martini – Meinem Kind: http://youtu.be/lbYvospQLQU 
Cabaret Cabaret http://www.youtube.com/watch?v=SAVmehgH-xA

Nachrufe:
http://kurier.at/kultur/buehne/louise-martini-unvergessen-als-radiostimme-und-chesterfield-girl/2.627.360 
http://www.zeit.de/kultur/film/2013-01/louise-martini-schauspielerin
http://diepresse.com/home/kultur/news/1333769/Schauspielerin-Louise-Martini-ist-tot 
http://wien.orf.at/news/stories/2567432/
http://www.youtube.com/watch?v=Umi0lZFn9AA

Written by medicus58

24. Januar 2013 at 17:52

Veröffentlicht in Allgemein, Herrgottswinkerl

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Statistiknachhilfe für Krankenkasse oder verschaukelt man uns bewußt?

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Spitalsbett

Die heutige Ausgabe der U-Bahnzeitung HEUTE  zitiert die Wiener Gebietskrankenkasse mit dem Aufschrei,
dass bei den 1,08 Millionen Krankmeldungen des Vorjahres in bis zu 400.000 Fällen getrickst worden sein.
Gefolgt wurde die Schlußrechnung von hochgerechneten 720 Millionen € die die Firmen für blau feiernde Mitarbeiter gezahlt hätten.
http://www.heute.at/news/wirtschaft/art23662,845014

Im ORF liest sich das ganz anders:
Wiener weniger und kürzer im Krankenstand
(http://wien.orf.at/news/stories/2566406/)
und passt auch in den Trend, so wie er von der Wiener Gebietskrankenkasse auf ihrer Homepage gezeigt wird:
WGKK: Krankenstände 2010 deutlich unter Vorjahresniveau
http://www.wgkk.at/portal27/portal/wgkkportal/channel_content/cmsWindow;jsessionid=2BDC368095584A5FA34EF24E295536AF.jbport_271_1a?p_pubid=646355&action=2&p_menuid=73055&p_tabid=2

Dass die Gratiszeitung, die ausschließlich von bezahlten Inseraten lebt, aus eigenen Stücken ihre einziges Kapital, also ihre Leser vergrault, mag bezweifelt werden.
Doch wo liegt der Hund in dieser Meldung?
Ganz einfach, hier werden wie immer im Gesundheitswesen ein paar fundamentale Regeln der Statistik (bewußt?) mißachtet und hemmungslos extrapoliert, damit man zu der beabsichtigten Message kommt.

Von den 37% Prozent der im Zuge der Nachkontrollen aufgeflogenen Betrugsfälle zu schliessen, dass dieser Prozentsatz an Betrug für alle 1,08 Millionen Krankenstandsmeldungen gilt, ist einfach aber falsch.
Wir wissen alle, dass es zu den Kontrollbesuchen nicht nur per Zufall kommt, sondern in erster Linie bei „auffälligen“ Fällen: Langzeitkrankenständen, häufigen Krankenständen, saisonal in bestimmten Berufen, nach „Warnung“ Dritter, … etc.
Mit anderen Worten, ich darf davon ausgehen, dass ich bei den kontrollierten ein nicht repräsentatives Sample untersuche, so wie wenn ich die Hausübungshefte nur derer kontrolliere, die in dem bestimmten Gegensatand schon in der Vergangenheit bekannt schlecht sind. D.h. die Vortestwahrscheinlichkeit, dass ich hier Fehler finde ist überdurchschnittlich hoch.
Davon auszugehen, dass die Fehlerhäufigkeit in den Hausübungen aller Schüler, also der Mischung aus guten, mittelmäßigen und schlechten Schülern, ebenso hoch ist, ist eigentlich so dumm, dass es einem beruflich mit Statistik hantierenden Unternehmen nicht unabsichtlich passieren kann, auch wenn man angesichts der regelhaften Horrormeldungen über drohende Defizite zu Jahresmitte und nachfolgendem Jubel über ein kleines Plus nach Jahresabschluss (http://www.news.at/a/krankenkassen-kassen-gewinn-fuer-2012, http://diepresse.com/home/politik/innenpolitik/747867/Musterschueler_Krankenkassen-uebererfuellen-Finanzziele) auch daran zweifeln kann.

Written by medicus58

22. Januar 2013 at 17:45

Wäre an der Zeit das Kleingedruckte des Generationenvertrages einmal zu lesen

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Die Alten

Schon einige Zeit her, da ich feststellte:
Zwischen Kinderförderung und Altenbetreuung wird es für die zu spät Geborenen und noch nicht Pensionierten eng.
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=31563 

In der gestrigen Volksbefragung über die Wehrpflicht wurde den wehrpflichtigen Männern von den Wahlberechtigten eine klare Botschaft übermittelt:

Wir entlassen Euch nicht aus der Pflicht für uns zu arbeiten.

Dass sich sich die Jüngeren gegen ihre (Wehr-/Zivildienst)Pflicht  diesem Staat gegenüber ausgesprochen haben, passt ja zu den Vorurteilen alter Männer (dead or alive) von Kennedy bis Schönborn
 
„Haben wir uns nicht zu sehr daran gewöhnt, dass das Land etwas für uns tut, für unsere Sicherheit, unser Wohlergehen, unsere Versorgung in Krankheit, Alter, Arbeitslosigkeit?“, stellte Schönborn in Frage. Man sollte sich ausreichend bewusst machen, „was wir für unser Land tun können, für seine Sicherheit und sein Wohlergehen, für den Nächsten und den Nachbar in Not, in Katastrophen, in sozialer Hilfsbedürftigkeit“, forderte der Kardinal.
http://www.katholisch.at/site/home/aktuelles/article/103103.html

Professionelle Meinungsforscher sind sich auch schnell einig, dass es weniger den Dienst an der Waffe ging, als um den von der rechten Reichshälfte stets geschähten Zivildienst.
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=85174 
 
Die nähere Analyse zeigte, dass das Abstimmungsergebnis in erster Linie auf das Wahlverhalten älterer Männer zurück geht:
Männer und Ältere brachten Entscheid für Wehrpflicht – Junge und Frauen mit niedriger Beteiligung, aber eher für Berufsheerauf   

Frauen, Partnerinnen und Mütter,  also weitgehend unabhängig vom Alter stimmten bemerkenswerterweise eher so wie die persönlich betroffenen jüngeren Männer gegen die Pflicht!
http://derstandard.at/1358304095358/Wehrpflicht-Befuerworter-wollten-vor-allem-Zivildienst-erhalten   

Um bei der Logik der alten Männer zu bleiben, tut sich aber nun die Frage auf, mit welchem Recht, die Generation

die weniger als die vorherigen Generationen ihre Kinder bei der Erziehung der Enkel unterstützet
, zum Teil weil sie die Segnungen der Frühpension auskostete, zum Teil weil sie sich unmittelbar danach als pflegebedürftig betrachtete,

die Kinderbetreuungsplätze und freie Studienplätze nicht mehr als Teil des Wohlfahrtsstaates sehen mochte,
obwohl sie selbst davon früher profitiert hat

nun wie selbstverständlich davon ausgeht, dass sie im Alter, 
nicht wie ihre eigene Elterngeneration in 35-Betten Sälen der Pflegeheime mit einer Grundversorgung aufs Dahinscheiden warten soll, sondern das Recht beansprucht liebevoll von den Zivildienern von einer Ambulanz zur anderen geschoben zu werden, damit sie ihren Lebensabend von den staatlich subventionierten 24h-Betreuerinnen aus dem Osten bekocht und gewaschen (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=33704) sowie von mobilen Pflege- und Arztediensten versorgt, sozusagen im Privatspital in ihren vier Wänden erwarten darf. 

Mag sein, dass hier des Sarkasmus zu viel gepflogen wurde, jedoch erscheint es mir zunehmend problematisch, wenn die gesellschaftliche Balance zwischen Geben und Nehmen  einseitig zu Gunsten derer verschoben wird, die diejenigen Vorteile des Wohlfahrtsstaates schon genossen hat, die den jüngeren zunehmend verwehrt wird, aber trotzdem darauf besteht, dass sie auch die Vorteile einer Solidargemeinschaft im Alter zu erhalten hat, während sonnenklar ist, dass diejenigen Generationen, die das nun zu bezahlen hat, nicht die geringste Chance hat, selbst einmal in diesen Genuss zu kommen.

Klar: wer zwei blöde Fragen stellt, bekommt bei einer Volksbefragung für eine davon eine Mehrheit.

Für die Aufrechterhaltung eines in der aktuellen Form seit Jahrzehnten unbrauchbaren Systems zu stimmen, nur um sicher zu gehen, dass das Lohndumping im Sozialsystem von weiteren Generationen junger Männer aufrecht erhalten werden muss, sollte spätestens beim nächsten Vatertag Thema werden ….

Written by medicus58

21. Januar 2013 at 06:22

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