Sprechstunde

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Archive for Februar 2020

Twitter Wahlkampf Wien Absurd

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Twitter ist eine der lustigeren Varianten der Social Media. Dort stolpert man immer wieder über lustige Fundstücke.
Da geht im Februar 2020 der Wiener Bürgermeister auf Twitter ohne bislang einen Tweet abgesetzt zu haben, folgt er bereits 96 anderen Nutzern:

Wenig überraschend finden sich da neben vielen Journalisten, Zeitungen und Newsportalen auch die @wienerlinien und seine Parteichefin @rendiwagner. Dass er (oder diejenigen, die seinen Account betreuen) auch Andreas Schieder (@SCHIEDER) folgt mag da schon wundern, aber vermutlich will er der erste sein, der weiß, wenn dieser aus Brüssel zurückkehrt.

Noch mehr wundert, dass der neue Account des Bürgermeisters vor seinem ersten Gezwitscher bereits 669 Follower hat. Neben ein paar Journalisten, die offenbar vorab von dem noch stummen Account gehört haben, einige Parteifreunde und ein buntes Nest „verschiedener Vögel“. Irgendwie scheint man dem Account selbst im Inneren nicht zu trauen, denn es folgt ihm auch @sandraheissenb2 (#CISO#Chief Information Security Officer der Stadt Wien#WienCERT#IT-Security#MINT#TU Wien) und natürlich auch Andreas Schieder (@SCHIEDER).

Was glauben Sie wie viele Follower unser Bürgermeister erst haben wird, wenn er etwas sagt, oder auch nicht ….

 

Written by medicus58

8. Februar 2020 at 09:43

Fällt Ihnen der Neusprech überhaupt noch auf oder Sterben heute nur noch Gesunde?

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Neusprech (englisch Newspeak) heißt die sprachpolitisch umgestaltete Sprache in George Orwells dystopischem Roman 1984. Durch Sprachplanung sollen sprachliche Ausdrucksmöglichkeiten beschränkt und damit die Freiheit des Denkens aufgehoben werden.

Was 1948 im Entstehungsjahr des Romans unter dem Eindruck der Propaganda-getriebenen nationalsozialistischen und kommunistischen Diktaturen als Projektion noch hellsichtig war und 1984 vor der Internet-Revolution schon fast wieder vergessen wurde, scheint uns inzwischen schon so normal, dass es niemanden mehr zu stören scheint.

Wird heute irgend eine (Auto-)verkehrsbehindernde Maßnahme (Begegnungszonen, Parkraumbewirtschaftung, Tiefgaragen…) gesetzt, heißt das Verkehrsberuhigung. Hier soll nicht in Frage gestellt werden, dass eine Beschränkung des Autoverkehres eine sinnvolle Maßnahme im Klimaschutz wäre, nur insinuiert der Begriff ein i.d.R. als positiv empfundene Empfindung, eben eine „Beruhigung“, wobei es durch sinnlose Umleitungen und Verdrängung von Verkehrsströmen nicht mal vor der eigenen Haustüre immer zu einer Beruhigung kommt, weil eben zahllose E-Scooter, Fahrradfahrer oder sinnlos Umwege fahrende Zulieferer, Handwerker, Taxis und „Shared cars“ unterwegs sind. Beruhigt wäre der Verkehr, wenn es keine Notwendigkeit mehr für ihn gäbe.

Auch im Gesundheitssystem sind wir umzingelt von immer absurderer Sprachregelungen:

Seit die Politik 1973 einen Thinktank (Österreichisches Bundesinstitut für Gesundheitswesen) gründete, der 2006 als Geschäftsbereich in der Gesundheit Österreich GmbH aufging, hat man sich dort mit der Krankenversorgung und nicht der Versorgung von Gesunden beschäftigt. Schlicht, weil erstere Geld kostet, das man durch Lenkung einsparen wollte.

Klar würde man im ÖBIG/Gesundheit Österreich einwenden, dass man sich  ab und an schon auch mit Gesundheits-erhaltenden Maßnahmen beschäftigt hat, aber die wirklich relevanten Projekte (ÖSG, Großgeräteplan, ….) liefern den jeweiligen politischen Auftraggebern das, was die über Krankenhausstandorten und minimalen Geräte- und Personalausstattungen zur Diagnostik und Therapie von Kranken hören wollen.

Wenn Sie heute noch eine Krankenschwester als solche ansprechen, sind sie nicht nur sexistisch sondern haben nicht mitbekommen, dass schon längst in den ehemaligen Schwesternschulen und nunmehr auch FHs nur mehr Gesundheits- und Krankenpflege gelehrt wird. Standesvertreter argumentieren diese Begriffserweiterung ganz offen: Gesundheitspflege als Zukunftschance für Pflegefachberufe

Nach Jahrzehnten im Gesundheitssystem könnte man glauben, dass die traditionelle „Krankenpflege“ wäre eine ausreichende Herausforderung und Hut-ab vor all denen, die das seit Jahrhunderten auf dem jeweilig höchstmöglichen Level ausübten, nein, heute wird man ganzheitlich:

Den Menschen ganzheitlich zu sehen heißt, ihn in seiner Gesamtheit zu begreifen, in all seinen Dimensionen, der physischen, psychischen und der geistigen.
Jetzt mag man auch als Gesunder gerne gehegt und gepflegt werden und als Kranker natürlich auch gesund gepflegt werden, im Zentrum  steht aber wohl, im Krankenhaus die Pflege von Kranken, ein Wellness-Zentrum ist was anderes. Ja, und durch die Umbenennung wird wohl kaum jemand gesünder.

Auch die seit langem angekündigte Umbenennung des Wiener Krankenanstaltenverbundes (KAV) reiht sich in diesen politischen Neusprech ein.
Seit einem Jahr, ungeachtet vorherige durchgeführte Umfragen und Wettbewerbe, beschloss man sich in Wiener Gesundheitsverbund umzubenennen. Liegen hält jetzt die Gesunden im Gangbett und die Gesunden warten in den Ambulanzen, klingt ja gleich positiver. Auch die Krankenhäuser und Spitäler färbt man sprachlich zu Kliniken hoch, obwohl Nachbesetzungen immer seltener durch Habilitierte erfolgen.
Warum man nicht gleich der Schwarzwaldklinik eine Wienerwaldklinik entgegenstellte weiß Äskulap.
Wir werten auf, wir benennen um.
Wir verschweigen Krankheit und Tod, ohne sie aus der Welt zu schaffen.
Fühlen Sie sich dadurch besser? Wenn ja, haben unsere PR- und Propaganda Berater gewonnen.

Written by medicus58

7. Februar 2020 at 17:24

Fasching ist’s oder der Krankenanstaltenverbund zieht sich um

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Der OGH (ObA 29/18/g) hat am

17.5.2018
als Revisionsgericht in Arbeits- und Sozialrechtssachen durch den Senatspräsidenten des Obersten Gerichtshofs Dr. Hopf als Vorsitzenden, die Hofrätin des Obersten Gerichtshofs Hon.-Prof. Dr. Dehn, den Hofrat des Obersten Gerichtshofs Dr. Hargassner sowie die fachkundigen Laienrichter Johannes Puller und Helmut Frick in der Arbeitsrechtssache der klagenden Partei Zentralbetriebsrat *****, vertreten durch Dr. Martin Riedl, Rechtsanwalt in Wien, gegen die beklagte Partei Land Niederösterreich, *****, vertreten durch Mag. Thomas Reisch, Rechtsanwalt in Wien, wegen Feststellung nach § 54 Abs 1 ASGG, über die Revision der beklagten Partei gegen das Urteil des Oberlandesgerichts Wien als Berufungsgericht in Arbeits- und Sozialrechtssachen vom 20. Dezember 2017, GZ 7 Ra 39/17g-39, mit dem der Berufung der beklagten Partei gegen das Urteil des Landesgerichts St. Pölten als Arbeits- und Sozialgericht vom

13. 10. 2016,
GZ 25 Cga 8/14y-35, nicht Folge gegeben wurde, in nichtöffentlicher Sitzung zu Recht erkannt:

Gemäß § 2 Z 1 Krankenanstalten-ArbeitszeitG (KA-AZG) gilt als Arbeitszeit im Sinne des Bundesgesetzes die Zeit vom Dienstantritt bis zum Dienstende ohne die Ruhepausen.

Scheint also eh klar, wenn jemand zum Tragen von Dienstkleidung verpflichtet ist, dann sollte das Umkleiden als Teil der Arbeitszeit betrachtet werden … glaubt der Laie und der Fachmann wundert sich!

Aber nein, zitiert der OGH zwei Entscheidungen über Zirkusmusiker und die Literatur, wo allenfalls notwendige persönliche Vorbereitung wie etwa das Anziehen einer speziellen Arbeitskleidung noch nicht zur Arbeitszeit zählt.

Nach Gerhartl, Was zählt als Arbeitszeit?, ecolex 2015, 693, weisen Umkleidezeiten kein ausreichendes Ausmaß an Nahebeziehung zur arbeitsvertraglich geschuldeten Tätigkeit auf.

Bemerkenswert, zählt das korrekte Tragen der Dienstkleidung doch zu einen der zu beurteilenden Verhaltensweisen eines KAV Mitarbeiters!

Mazal wird aber auch zitiert: An- und Auskleiden in Krankenanstalten seien daher dem Arbeitszeitbegriff zuzurechnende Tätigkeiten.
Also doch: Zusammenfassend sind die Umkleidezeiten und die damit verbundenen innerbetrieblichen Wegzeiten im vorliegenden Fall primär im Interesse des Dienstgebers gelegene arbeitsleistungsspezifische Tätigkeiten. Sie weisen ein solches Maß an Fremdbestimmung auf, dass es gerechtfertigt ist, sie als Arbeitszeit iSd genannten Bestimmungen anzusehen.

Also scheinbar doch.

Nahezu umgehend, naja, am 9.1.2019 gibt es eine entsprechende Dienstanweisung im KAV, die dafür rückwirkend mit 1.1.2019 gilt.

Mit der Personalvertretung wurde eine Rahmenvereinbarung abgeschlossen. Das dauerte vermutlich d.h. über zwei Jahre, da der KAV ja am Thomas-Klestil-Platz 7, 1030 Wien und die Personalvertretung in der Schnirchgasse 12/1, 1030 Wien beheimatet ist, also unmittelbar benachbart auch zur MA 40 Soziales, Sozial- und Gesundheitsrecht, die am Thomas-Klestil-Platz 8 residiert (siehe Screenshot oben).

Die Vereinbarung unterschied
1. a. Berufsgruppen bzw. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, für die bzw. denen keine zusätzliche Arbeitszeit als Umkleidezeit zu gewähren ist
1. b. Berufsgruppen bzw. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, für die seitens der Dienststelle innerhalb der bestehenden regulären Arbeitszeit organisatorisch ein Umkleiden zu gewährleisten ist
2. Berufsgruppen bzw. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, für die bzw. denen zusätzliche Arbeitszeit als Umkleidezeit zu gewähren ist
und wie üblich, wurde die endgültige Lösung auf Abteilungsebene delegiert, wo mit der Personalvertretung Vereinbarungen zu treffen waren.

Am 1.3.2019 begannen Verhandlungen über die Form der Abgeltung für die Monate Jänner und Februar 2019 statt, über die (laut Mail) zeitnahe berichtet werden sollte.

Im Jänner 2020
kam eine Aussendung, dass die vollständige Ausprogrammierung des Themas „Umkleidezeiten“ in den Dienstplanprogrammen leider noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird, und eine Übergangslösung in der Software geschaffen wird zu der es eine Handlungsanleitung gibt, wie zwischenzeitlich zu verfahren wäre und das Versprechen, demnächst informiert zu werden, wie bezüglich der zu gewährenden Umkleidezeit für das Jahr 2019 zu verfahren sein wird.

Ende Jänner 2020
wurden dann zwecks „Nachverrechnung der Monate Jänner Februar 2019“ eine zur Abrechnung bei der MA2 taugliche Exzcl-Liste eingefordert, was in der Folge zu weiteren Rundmails führte:
Aufgrund zahlreicher Anfragen wird nachstehend eine Erläuterung zur nachträglichen Erfassung der Umziehzeiten für Jänner und Februar 2019 übermittelt: Rückwirkend müssen alle tatsächlichen Dienstantritte (egal welche Dienstlänge, auch 25 Stunden Dienste!) erfasst werden.

Höhepunkt war dann eine interne Anweisung einmal „nichts zu tunund eine Richtigstellung abzuwarten, gefolgt von einer Mitteilung der Personalvertretung, die das alles zurücknahm und überraschend festhielt: . Für die Monate Jänner und Februar 2019 wurde noch kein gesetzeskonformer Umgang mit den Umkleidezeiten vereinbart, die Generaldirektion hat nun entschieden, dass für die Zeit der „entgangenen“ Umziehzeiten eine Nachverrechnung (entsprechend dem Geldwert der Überstunden) geleistet wird, daher gebührt für die 2 Monate für jeden tatsächlichen Dienstantritt, unabhängig ob 5 -12, 12,5 oder 25 Stunden, eine ¼ Stunde, dazu ist die Anzahl der Stunden aufgeteilt in 125% für Teilzeitkräfte und 150/200% für Vollzeitkräfte in der Exel (sic) Liste zu dokumentieren.

Klarerweise müssen das die Abteilungen selbst machen. Ab wann dürfen wir unsere wartenden Patienten in die Verwaltung schicken? … oder in die Personalvertetung?

Written by medicus58

4. Februar 2020 at 17:29

Max-imale Musik

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Auch wenn Österreich im Ausland heute eher mit Red Bull assoziiert wird, traditionell und in unserem Selbstbildnis sind wir das Land der Musik und Musiker.

Sie kennen ja den heuer besonders aktuellen Kalauer:

Das wesentliche Verdienst der Österreicher war es der Welt einzureden Hitler wäre Deutscher und Beethoven Österreicher gewesen.

Und wenn wir schon von Oberösterreich reden, dort würde vor 59 Jahren ein gewisser Max Nagl geboren, und der tut mehr für Österreichs Ruf als Musikland als so mancher weiß, also ab ins Herrgottswinkerl mit ihm.

Ich glaube zum ersten mal bin ich über eine Komposition Nagls gestolpert, als ich Cellivio, auch so eine unbekanntes Kleinod der österreichischen Musikszene, entdeckte, wie sie Nagls Kirtag spielten:

https://www.youtube.com/watch?v=jkKvfQjvgRI (ab 0:29)

Dieses Beispiel zeigt schon viel von dem was Nagls Musik so besonders macht. Einmal denkt man an Blasmusiker auf zu viel Gras oder Free Jazz am Schuachbandl, dann schaut Philip Reich und Steve Reich auf ein bisschen Minimalmusik, dann jazzt es plötzlich ein paar Takte dahin und man erinnert sich an Terry Rileys Jam Sessions eben auch im Porgy & Bess. Auf seiner aktuellsten CD läast „Moped“ an Erektionssstörungen bei „Deep Purple“ denken, und ist trotzdem höchst hörenswert.

Eben dort, in Wiens intimsten Jazzclub, wo einst das Rondell (Raucherkino – Riemergasse), kann man auch immer wieder die Naglprobe machen, wie Nagl seine Kompositionen so meint.

Kürzlich trat der Komponist und Eigeninterpret auf allerhand Saxophonen, umringt von neun kongenialen Partnern auf mehr oder weniger konventionellem Musikgerät (Theremin) lässt dort die Ohren wackeln zusammengehalten und getaktet durch einen (wie im Hörbeispiel https://youtu.be/JYPkTcZJF44) nachvollziehbar genialen Herbert Pirker an den „Fellen“.

Was Sie natürlich von der Konserve nicht hören, sind Max Nagls minimalistischen Ansagen der einzelnen Nummern, wo man sich schon mal fragen kann, ob die verbale Reduktion ein Abbild seiner minimalistischen Musik ist, oder er mit gewissem Recht davon ausgeht, dass man seiner Musik ohnehin nur zuhören muss, um sie zu verstehen.

Kompositorisch wirkt vieles aus der Minimal Music kommend, als Hörerlebnis wird es sehr rasch zur Maximal Music.

Max Nagl Trio „Bleistift“ – official video

Bemerkenswert für ein angeblich so musikalisch interessiertes Land wie Österreich, dass einer wie Max Nagl nicht bekannter geworden ist.

“ICH SEH MICH NICHT ALS JAZZER” – MICA-INTERVIEW MIT MAX NAGL

Written by medicus58

2. Februar 2020 at 15:23

Veröffentlicht in Herrgottswinkerl

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