Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Archive for Oktober 2022

Das entlastete Gesundheitssystem

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Die PR dsr Stadt Wien hat es wieder geschafft: Stadt Wien modernisiert Spitäler bis 2040.

Radio Wien und Wien heute starten pflichtschuldig mit einer Miniserie und berichten breit über die Umbaupläne in der Klinik Ottakring. Glückliche Planer, Hebammen und Hausaufsicht dürfen ihrer Freude Ausdruck verleihen und Stadrat Hacker wiederholt das Jahrzehnte-alte Mantra von Spitzenmedizin für alle Wiener.

Schließlich hat man ja nach dem Planungsfehlern im KH Nord nun auch gleich eine eigene Firma aus dem Boden gestampft, die nun, wie immer mit Hilfe vieler externer Berater und wenig Input des eigenen Personals nun hochprofessionell die altersschwachen Hütten neu bauen wird. Irgendwie war das schon auch im Spitalskonzept 2030 so vorgesehen, jetzt dauert es zwar bis 2040,einem Zeitpunkt zu dem wohl keiner der Verantwortlichen mehr in der GD oder der Stadtregierung sitzen wird, aber der Bericht verspricht Aufbruchstimmung.

Land der Hämmer, es tut sich was.

Keine Rede mehr von den ungefähr 50 Gefährdungsanzeigen, von der Urologiemisere, anderen wegen Personalmangel geschlossenen Abteilungen, den Querfinanzierungen der Gebietskrankenkassen durch die Spitalsträger, die das erst letzte Woche alles ganz anders haben wollten.

Bauten eröffnen, Großgeräte in Betrieb nehmen, das mag die Politik. Dass man aber ein Gesundheitssystem nicht ohne die abgewanderten und vergraulten Mitarbeiter betreiben kann, weil Berater es angeblich zwar besser wissen aber auch für das viele Geld keinen Patienten angreifen, darüber schweigt die PR Maschine.

PS: das wirklich Ärgerliche ist, dass all die jetzt groß verkündeten Umbauten schon vor Jahren der Belegschaft als Zuckerl vorgetragen wurden. Auch wenn sich das Projekt mit den inzwischen massiv gestiegenen Kosten durchführen liesse, was stark bezweifelt werden kann, haben wir dann 2040 einen Baubestand, den wir schin 2020 gebraucht hätten, nur eben mit noch weniger Personal.

Written by medicus58

27. Oktober 2022 at 20:43

Da geht einem doch das G’impfte auf: Länder wollen neue Gesundheitsfinanzierung im Finanzausgleich 2022

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Liest man die aktuellen Pressemeldungen nach einer gemeinsamen Sitzung der Landesgesundheitsreferenten in Wien, war nicht nur BM Rauch überrascht über die plötzliche Einigung, dass alles anders werden müsse, im Gesundheitssystem:

Der Pauschalbetrag der Gesundheitskassen für die Spitalsleistungen müsse leistungsadäquat valorisiert werden.
Peter Hacker verlangt eine andere Aufgabenteilung im Dreieck Bund/Länder/Sozialversicherung: Man wolle das permanente Herumgeschiebe zwischen niedergelassenem und Spitalssektor nicht mehr.
Minister Rauch verlangt überhaupt einen anderen Gesundheitsbegriff.
Und die Länder forderten mehr Studienplätze für Medizin.

Für wie dement hält uns denn die Politik?

Es ist fast 9 Jahre her, als hier unter Die verlogenen Finanzierung der Medizin: Was lange gewährt bricht endlich weg schon folgende Sätze über die Verschiebungen der Gesundheitsleistungen aus dem Niedergelassenen Bereich in die Spitäler geschrieben wurden:
Solange es §2 Kassenverträge gibt, kann man sich auch als Wahlarzt niederlassen und für „attraktivere Leistungen“wie Geburtshilfe, Dermatologie und Thyreologie kostendeckende Tarife verlangen, weil die Patienten den Selbstbehalt akzeptieren, wenn sie ihn nur einmal pro Jahr löhnen müssen.
Seit wir aber – an sich völlig zu Recht – die ganzen Taxifahrten in die Spitäler durch Rechnungslegung seitens der Krankenkassen unbeliebt machten,
seit durch Deckelungen und Wartezeiten immer mehr „kompliziertere Fälle“ in die Röntgenpraxen kommen,
seit die Arbeitsbelastung in den Spitälern auf immer weniger Köpfe fallen und in Zeiten der Aufnahmesperren die Hoffnung auf eine gehobene Dauerstellung in den öffentlichen Spitälern geschwunden sind und
seit die Krankenkassen immer mehr Wahlarztleistungen „ablehnen“,
kurz seit wir versuchen eine auf das Wesentliche fokussierte, effiziente Medizin zu betreiben (versuchen, nicht einmal noch ansatzweise geschafft haben)
stellt sich heraus, dass die bestehenden Tarif- und Versorgungsstrukturen völlig ungenügend sind.
Wenn wir auf das Unnötige verzichten wird das Nötige nicht billiger!

Heuer im Frühjahr erinnerte ich an die Uni brennt Bewegung der Jahre 2009/2010, als sich viele dagegen wehrten, wie die Ausgaben der öffentlichen Hand für die Universitäten scheinbar gesenkt wurden (durch Ausgliederungen der Unis, Reduktion der Studienplätze, Privatunis):
MedUni brennt? Nein, aber der Steuerzahler
Hat bis jetzt die so einigen Gesundheitsreferenten auch nicht brennend interessiert, oder? War ja auch schon vor 13 Jahren und seither hat man sich Geld gespart.

2020: Mehr Privatdoktoren sagte der Staat, jetzt zahlen nicht nur die Studierenden drauf

Ich langweise Sie jetzt nicht mit noch mehr Zitaten aus diesem Blog, wo all die augenblicklich thematisierten Probleme in unserem Gesundheitssystem seit vielen Jahren frustran angesprochen wurden, die dann immer wieder als neue Erkenntnis in den Medien hochpoppen: Nur noch ein Zitat aus 2020, weil das mehr denn je gültig ist:

Wer nun aller mit dem Leichentuch winkt

Einer der Gründe, weshalb ich vor über einem Jahrzehnt zu bloggen begonnen habe, war die Frustration miterleben zu müssen, wie ein öffentliches Gesundheitssystem von Außenstehenden zerschossen wurde und der Ärger, dass das diejenigen den Patienten zu erklären haben, deren Warnungen lächerlich gemacht wurden.
Wer auch immer vor den vielen Eingriffen in die Finanzierung, Ausbildung und Rollen einzelner Gesundheitsberufe warnte hörte früher oder später, dass man nicht mehr darauf reinfallen würde, dass wir Ärzte immer mit dem Leichentuch winken würden, um sich gegen Veränderungen zu wehren.

Eingriffe in das Arbeitsrecht, das Versammlungsrechtdas Persönlichkeitsrecht, wer hier warnt, den erwürgt man sogleich mit einem Leichentuch.
Da frägt man sich doch, weshalb inzwischen jeder mit den Drohungen mit Leichen durchkommt und diejenigen, die vielleicht gelernt haben, wie man sie verhinderterzeugt oder zumindest diagnostiziert, sich so leicht ins Bockshorn jagen ließen…

PS: das Christkindl am Titelbild bezog sich übrigens auf die Gesundheitsreform 2018 von BuMin Hartinger-Klein, die als nützliche Idiotin der damalig blau-schwarzen Regierung die Unfallchirurgische Versorgung herunter gefahren hat, damit die Arbeitgeberbeiträge gesenkt werden konnten: Aua, VA: weshalb sagt denn keiner das Richtige?

Written by medicus58

24. Oktober 2022 at 16:17

Bürgermeister Ludwig: Der Wiener Pandemie Weg – my ass

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Auch wenn hier schon mal gesagt wurde: Wenn man dieses Land mit einem Wort beschreiben sollte, wäre es Ludwig kann man Bürgermeister Ludwig durchaus konstatieren, dass er eine einmal eingeschlagene Linie (z.B. ich möcht‘ Bürgermeister werden, auch wenn es dem Häupl nicht passt) konsequent beibehält.

So scheint es auch mit dem Pandemie-Management.
Mit dem Schnitzl Gutschein (2020: 40 Millionen €) und dem Wiener Weihnachtszuckerl (2021: 4 Millionen €) war er zweifelsohne Trendsetter für die Bundesregierung, die inzwischen auch mit Gutscheinen herumwirft als gäbe es kein Morgen.
Auch mit seiner „derf’s a bisserl mehr sein“ Verschärfungen der jeweils geltenden bundesweiten Maßnahmen, erfreute er sich in weiten Teilen der (Wiener) Bevölkerung langsam einer Verehrung, wie sie weiland dem Alten Kaiser entgegenbrandete.

Dass inzwischen aber auch große Teiler der Wiener Öffi-Benutzer die Maskenpflicht eher als unverbindliche Option auffassen, kann man dem Wiener Bürgermeister ja nicht anlasten, oder doch?

Als Ludwig Ende September auf der Kaiserwiesn das allgemeine Schunkeln, Gröhlen und Saufen eröffnete war von einem Maskentragen wenig zu hören. Vielleicht auch, da die Stadt Wien an dem Event einen zunehmendes finanzielles Interesse hat. Mit dem Vorgängerprojekt „Wiener Wiesn“, das zuletzt 2019 stattfand, hat das neue Event nichts zu tun. Deren Organisatoren haben von der städtischen Prater Wien GmbH keinen Vertrag mehr erhalten. Wie es weitergegangen ist, hat Gute Nacht Österreich recherchiert.

Wer, je nach Eigeninteresse so unterschiedliche Signale aussendet, unterscheidet sich nur mehr wenig von der tückisch-grünen Bundesregierung, die über eine Maskenpflicht je nach Ausgang der Bundespräsidentenwahl (Maurer-Interview) und dem Geschrei aus der Wirtschaftskammer entscheidet.

Written by medicus58

14. Oktober 2022 at 17:46

Ein Wiener in Favoriten

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Es gab Zeiten, da zog mich mein Leben mit der eben eröffneten U1 immer wieder auf die Favoritenstrasse.

Nicht immer zum Tichy, auch zum Tlapa, (als Begleitung) zum Fürnkranz und auch mal ins Kepler-Kino, um alle der damals schin gedrehten Star Wars Filme in einem Zug durchzustehen, oder besser sitzen.

Rundherum gab es auch andere Geschäfte (Olympus Generalvertretung), die mich anzigen, ohne dass man die Gegend an sich als wahnsinnig attraktiv empfinden mußte. Aber auch als in Penzing Geborener fühlte ich micht völlig fremd.

Als mich das erbarmungslose Schicksal heute erneut in die Gegend lotste, keimte sehr bald ein gegenteiliges Gefühl in mir hoch.

In Ermangelung einer Gastwirtschaft, die diesen Namen auch nur abortiv verdiente und angesichts der späten Nachmittagsstunde, kaufte ich mir an einem Marktstand etwas Ungesundes und ein 16er Blech. Da der einzige Tisch vor der Theke besetzt war, balanzierte ich mein Mahl auf eine nebenan aufgestellte Heurigenbank. Sie gehörte, wie andere Bänke zwar offensichtlich zu der grindigen Schnapsbude „Rudy“, aber einerseits schlemmte dort eine neo-österreichische Jungfamilie auch ein von nebenan mitgebrachtes Gericht, und andererseits waren die anderen Bänke ohnehin gähnend leer, also wähnte ich mich sicher.

Sekunden später pflanzte sich die personifizierte Fettleber vor mir auf und fragte schmierig grinsend: Habn’S des Bier bei uns kauft?

Da er offenkundig Betreiber und Bedienung in Personalunion war, kann er für die saudumme Frage, die ihm wohl so flüssig über die Lippen kam, weil er sie seit Jahren mehrfach täglich einübt, nur eine schwere Demenz mit Sprachrest als Entschuldigung vorbringen.

Als ich vorbeugend meinen Platz räumte, da ich natürlich wirklich Gast des Nachbarstandes war und formalrechtlich nicht auf seinem wurmstichigen Bankl sitzen durfte, saftelte er mir noch nach, dass ihm das zwar leid tut, aber dass man da nix machen kann. Und das war nun auch formal eine Lüge.

Inzwischen war vor „meinem Standl“ nun doch ein Sitzplatz freigeworden und ich hatte genug Zeit mich der Frage hinzugeben, weshalb die Unterschichtsfamilie nebenan völlig unbehelligt das mitgebrachte Essens verzehren durfte und ihre Sitzplätze mit Speiseresten verdrecken durfte. Vielleicht sah der Lederjacken-tragende Familienvater so aus, dass er sich nicht so ohne weiteres verjagen ließ.

Ich hatte auch Gelegenheit den Rudy zu beobachten, der eine alte erschöpfte Frau von seinen Bänken wegscheuchte, als sie sich dort ohne Konsumationswunsch auszuruhen versuchte.

Aber immerhin ließ unser lautstarke Unterschichtsfamilie ihre Essensreste dann doch nicht beim Rudy sondern schob sie auf dem Tisch „meines Standls“ mir wortlos unter die Nase und zog ihrer Wege.

Nein, das ist nicht mehr mein Wien.

Written by medicus58

13. Oktober 2022 at 18:22

Veröffentlicht in Was im Alltag so alles nervt

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Ein Wiener in Favoriten

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Es gab Zeiten, da zog mich mein Leben mit der eben eröffneten U1 immer wieder auf die Favoritenstrasse.

Nicht immer zum Tichy, auch zum Tlapa, (als Begleitung) zum Fürnkranz und auch mal ins Kepler-Kino, um alle der damals schin gedrehten Star Wars Filme in einem Zug durchzustehen, oder besser sitzen.

Rundherum gab es auch andere Geschäfte (Olympus Generalvertretung), die mich anzigen, ohne dass man die Gegend an sich als wahnsinnig attraktiv empfinden mußte. Aber auch als in Penzing Geborener fühlte ich micht völlig fremd.

Als mich das erbarmungslose Schicksal heute erneut in die Gegend lotste, keimte sehr bald ein gegenteiliges Gefühl in mir hoch.

In Ermangelung einer Gastwirtschaft, die diesen Namen auch nur abortiv verdiente und angesichts der späten Nachmittagsstunde, kaufte ich mir an einem Marktstand etwas Ungesundes und ein 16er Blech. Da der einzige Tisch vor der Theke besetzt war, balanzierte ich mein Mahl auf eine nebenan aufgestellte Heurigenbank. Sie gehörte, wie andere Bänke zwar offensichtlich zu der grindigen Schnapsbude „Rudy“, aber einerseits schlemmte dort eine neo-österreichische Jungfamilie auch ein von nebenan mitgebrachtes Gericht, und andererseits waren die anderen Bänke ohnehin gähnend leer, also wähnte ich mich sicher.

Sekunden später pflanzte sich die personifizierte Fettleber vor mir auf und fragte schmierig grinsend: Habn’S des Bier bei uns kauft?

Da er offenkundig Betreiber und Bedienung in Personalunion war, kann er für die saudumme Frage, die ihm wohl so flüssig über die Lippen kam, weil er sie seit Jahren mehrfach täglich einübt, nur eine schwere Demenz mit Sprachrest als Entschuldigung vorbringen.

Als ich vorbeugend meinen Platz räumte, da ich natürlich wirklich Gast des Nachbarstandes war und formalrechtlich nicht auf seinem wurmstichigen Bankl sitzen durfte, saftelte er mir noch nach, dass ihm das zwar leid tut, aber dass man da nix machen kann. Und das war nun auch formal eine Lüge.

Inzwischen war vor „meinem Standl“ nun doch ein Sitzplatz freigeworden und ich hatte genug Zeit mich der Frage hinzugeben, weshalb die Unterschichtsfamilie nebenan völlig unbehelligt das mitgebrachte Essens verzehren durfte und ihre Sitzplätze mit Speiseresten verdrecken durfte. Vielleicht sah der Lederjacken-tragende Familienvater so aus, dass er sich nicht so ohne weiteres verjagen ließ.

Ich hatte auch Gelegenheit den Rudy zu beobachten, der eine alte erschöpfte Frau von seinen Bänken wegscheuchte, als sie sich dort ohne Konsumationswunsch auszuruhen versuchte.

Aber immerhin ließ unser lautstarke Unterschichtsfamilie ihre Essensreste dann doch nicht beim Rudy sondern schob sie auf dem Tisch „meines Standls“ mir wortlos unter die Nase und zog ihrer Wege.

Nein, das ist nicht mehr mein Wien.

Written by medicus58

13. Oktober 2022 at 18:22

Veröffentlicht in Was im Alltag so alles nervt

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Wir sind einfach so: Von Warmduschern, Innenrevisionisten und anderen Absonderlichkeiten

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Diese Woche lässt einen doch ziemlich ratlos zurück.

Da meldet sich inmitten einer weltweiten Energiekrise Christian Meidlinger, Stv. Vorsitzender der Wiener SPÖ, Vorsitzender der Gewerkschaft der Wiener Gemeindebediensteten „younion“ und Vorsitzender der Fraktion Sozialdemokratischer Gewerkschafter in Wien und 2. Landtagspräsident zu Wort und verkündet dem staunenden Publikum: Gemeindearbeiter*innen brauchen mehr als 19 Grad!
Der Multifunktionär hat uns hier schon 2017 (SPÖ/FSG: Ego sum lex) beschäftigt, als er die Ausgliederung des KAV (heute Wiener Gesundheitsverbundes) aus der Stadt Wien qua seiner Macht einfach absagte:
Wir wollen jetzt gar nicht mosern, dass seine Stadträtin und er damit auch das bequeme Konstrukt der Personalvertretung als Jobmöglichkeit und „Verhandlungspartner“  abgesichert hat, denn sonst kämen doch noch jemand auf die Idee, dass man sich durch neue Gewerkschaften vertreten lassen könnte!

Als Elektrotechniker für Schwachstrom ist er sich nun sicher, dass für viele Bedienstete in den Städten und Gemeinden 19 Grad eine Gefährdung der Gesundheit bedeutet um in seiner Presseaussendung der Ministerin Zuständigkeit und Vorstellungsvermögen einer stundenlangen Arbeit an einem kalten Wintertag in der Natur abzusprechen. Wo er selbst diese Erkenntnisse gewinnen konnte verriet er nicht. Denn weder während seiner Ausbildung und Tätigkeit (1979-1983) als Werkmeister bei den Wiener Verkehrsbetrieben, noch als Lehrer (-1989) am TGM für Berufstätige Nachrichtentechnik und Elektronik, oder in seiner politischen Tätigkeit (seit 1981), die ihn zum 2. Landtagspräsidenten machte, wurde er wohl ungeschützt den Naturgewalten ausgesetzt

Mindestens ebenso rat- und hoffnungslos lässt einen die Reaktion des Wiener Gesundheitsstadtrates Hacker (2018 Hacker spricht) zurück. Während wir hier uns unter Rund 50-mal jährlich gebe es solche „Gefährdungsanzeigen“, betonte die Generaldirektorin des Wiener Gesundheitsverbunds schon gewundert haben, wie all die Gefährdungsanzeigen von der Generaldirektion des WiGev gesehen werden, reagiert Hacker auf eine erneute Gefährdungsanzeige, diesmal aus der Urologie des AKH (Bizarrer Streit um Personalnotstand in der Urologie des AKH) mit einer Gegenoffensive und schickt die Innenrevison. Ob der so den dortigen Leiter mundtot machen kann, der ihm dienstrechtlich gar nicht unterstellt ist (Die meisten Ärzte des AKH sind Bundesangestellte oder -beamte), mag hinterfragt werden, nur geht es ja gar nicht darum. Es wird Tatkraft vorgetäuscht und gedroht, der Wiener Weg, halt.
Bei Bedarf liefere ich gerne all die jahrelange Korrespondenz nach, die wie in so vielen anderen Abteilungen auch zu nichts außer Druck von oben geführt hat.

Ja, und schlussendlich sah man gestern in ORF 2 einen Interviewmarathon vor der Präsidentenwahl und musste schon ein ziemlich unverbesserlicher Realitätsverweigerer sein, um nicht den letzten Zweifel am Zustand unseres politischen Systems zu verlieren:
Ein Amtsinhaber, der, wenn er sich in die Enge getrieben fühlt, einen an seinen Auftritt vor 6 Jahren gegen Hofer erinnert. Zumindest hat er sich gestern gegen Wolf einen „Autofahrergruß“ verzwickt (siehe Bild oben).
Einen auch innerparteilich autoritären agierenden Anwalt (MFG) mit Verschwörungsängsten, einen aalglatten Anwalt (Krone) und einen verhaltensoriginellen Blogger (Grosz), die mehr oder weniger sofort die Regierung stürzen wollen. Einen Burschenschafter und Volksanwalt (FPÖ), der die Homepage seiner Burschenschaft nicht kennt und die Regierung zumindest nicht gleich stürzen will, dafür aber die kriegsgeile EU. Ein Waldviertler Schuster (Heini), der es nicht z’am bringt Gesetze einzuhalten, und schließlich ein sympathischer Ex-Arzt, der kaum verbergen kann wie überrascht er ist, wenn man ihn mal etwas tiefer (und sehr tief hinterfragten weder Wolf noch Schnabl niemanden), zu seinen Parolen frägt.

Uns glurrt von überall und nicht erst seit Ibiza Machtrausch, Präpotenz und fachliche Ahnungslosigkeit an, so sind wir, und wer das abstreitet, tut es aus genau diesen Motiven.

Für viele waren bei der Präsidentschaftswahl 1998 die 9,9% für Richard Lugner ein scheinbar unüberbietbarer Tiefpunkt unseres politischen Systems. Das war übrigens vor Schüsssel/Haider/Grasser!

2016 kippte die Bundeswahlbehörde Lugners neuerlichen Versuch Unterstützungserklärungen zu sammeln, da er dafür gratis Kinokarten verteilt hatte. Lugner gab auf, obwohl die Staatsanwaltschaft später das Verfahren einstellte.

Bei manchen der gestrigen Kandidaten würde man sich wünschen, es wäre an seiner Stelle der Richi Lugner dort gesessen, der wäre vermutlich weniger demokratiegefährdend als so mancher der jetzigen Kandidaten.

Written by medicus58

7. Oktober 2022 at 18:53

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