Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Archive for Februar 2018

Krank gekommen, aber zu krank um zu gehen?

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Diskussionen über Asylwerber kreisen, unabhängig von dem jeweiligen Milieu in dem sie ablaufen, meist um die Frage, ob denn die, die schon immer da waren, die, die da kommen müssen oder wollen, auch mögen.

Der Zufall oder eine zunehmende Häufung vergleichbarer Fälle führten dazu, dass ich mit zwei Fällen konfrontiert wurde, wo die Bruchlinien doch etwas anders verliefen.

Ausgangspunkt war, dass Asylwerber nach Österreich kamen, weil ihre malignen Erkrankungen in ihren Heimatländern nicht so gut behandelbar waren, wie hier bei uns. Es handelt sich jedenfalls um Therapie- und Nachsorgeschemata, die sich nicht über Wochen sondern Jahre ziehen werden.

In einem Fall versuchten die in Österreich bereits ansässigen Angehörigen alles, um letztendlich einen legalen Daueraufenthalt für das erkrankte Familienmitglied in Österreich zu erreichen, im zweiten Fall fühlen sich die Angehörigen, selbst rezent zugewandert, ausgenützt und drängten die behandelnden Ärzte nur ja keine Bestätigung auszustellen, die einen Rücktransport verhindern könnten, nachdem auf mysteriöse Weise der bereits mitgegebene Arztbrief verschwunden ist.

So unterschiedlich sich hier zwei Familien aus europäischen Nicht-EU Ländern ihren kranken Angehörigen gegenüber verhielten, so gleichen sich die beiden Fälle darin, dass die Behandlungskosten vom österreichischen Gesundheitssystem übernommen wurden.

So neu ist das Problem ja nicht, 2014 berichteten France 24 von Diskussionen über nierenkranke Asylwerber, der Zustand sich erwartungsgemäß während ihres Verfahrens so verschlechterte, dass sie die Dialyse- und Transplantzentren der Stadt überlasten.
In Huffpost listet eine rumänische Journalistin eine ganze Reihe von ähnlichen Schicksalen auf.

Jetzt mag man mit gewisser Berechtigung einwenden, dass die europäischen Gesundheitssysteme vermutlich nicht wegen und schon gar nicht ausschließlich wegen Asylwerbern in finanziellen Schwierigkeiten sind, jedoch ist das für andere Ökonomien durchaus ein Problem. Eine Arbeit in Conflict and Health beschreibt die Probleme im Libanon, wo Flüchtlinge 2016 etwa 30% der Gesamtbevölkerung ausmachten. Die Autoren kommen zum Schluss, dass Staaten wieder mehr Verantwortung für die Gesundheitsversorgung Einzelner übernehmen müssen. Bemerkenswert, denn gerade in Europa scheint ja der Trend eher in Richtung einer Entstaatlichung zu laufen!

Eine 2017 erschienene Studie analysierte den Fall eines aus Malaysia stammenden, in LA einreisenden Flüchtlings, der 9 Amerikaner angesteckt hat (Cost analysis of measles in refugees arriving at Los Angeles International Airport from Malaysia) und das danach etablierte System Flüchtlinge bereits vor der Einreise zu impfen.

Im Gegensatz zu den auch in den Medien immer wieder geschürten Ängsten über die durch die Immigrationsbewegungen „eingeschleppten Infektionskrankheiten“, stellen diese nicht das wirkliche Problem dar. Darauf wiesen ua. schon die Studienautoren eines 2013 im J Community Health hin (High Prevalence of Chronic Non-Communicable Conditions Among Adult Refugees: Implications for Practice and Policy) und beschrieben dass etwa die Hälfte der 527.000 erwachsenen Asylwerber, die im letzten Jahrzehnt in den USA angekommen sind zumindest eine chronische Erkrankung mitbrachten.

Ja und eine kanadische Studie bringt das Problem schon im Titel auf den Punkt: A qualitative study on African immigrant and refugee families’ experiences of accessing primary health care services in Manitoba, Canada: it’s not easy!

Jetzt bin ich weit davon entfernt eine Lösung für das Problem anbieten zu können, aber während sich die öffentliche Debatte immer mit der Frage Wirtschaftsflüchtlinge vs. an Leib und Leben Verfolgte beschäftigt, um Gut- und Bösmenschen zu definieren und das augenblicklich wieder aktuelle Nulldefizit u.a. auch durch Kürzungen bei der Integrationsförderung erreicht werden soll, scheint sich man sich hierzulande noch nicht so richtig mit der Frage beschäftigt zu haben, wie wir uns denn „Gesundheitssystems-Asylwerbern“ gegenüber verhalten sollen.

Aus humanitären Gründen eine Niere transplantieren, einen Krebs anbehandeln und dann wieder dorthin zurück zu schicken, wo das Gesundheitssystem nicht in der Lage ist, die erforderliche Nachsorge zu gewährleisten, kann nicht die Lösung sein.
Andererseits kann ein Flugticket, das mitunter weniger als die monatliche Krankenversicherung hierzulande kostet, wohl auch nicht das Eintrittsticket für eine komplexe Behandlung sein.

 

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Written by medicus58

28. Februar 2018 at 19:03

Flammende Lamas, oder in Wien stehen die Revolutionäre nur mehr im Park …

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Wer durch Perus Hauptstadt Lima flaniert, kommt früher oder später auf die Plaza San Martin, die von einer überlebensgroßen Reiterstatue des Argentiniers José de San Martin dominiert wird.
Gemeinsam mit Simón Bolívar wird Martín bis heute als Befreier Südamerikas verehrt.
Während der glühende Republikaner Bolívar die Unabhängigkeitskriege gegen die spanische Kolonialherrschaft in Venezuela, Kolumbien, Panama und Ecuador anführte, hat der Monarchist San Martin federführend die Befreiungskriege in Chile und Peru angeführt. Als Peru den 100. Jahrestag seiner Unabhängigkeit (27. Juli 1921) feierte, war es klar, dass die Nation ihrem Befreiers und Protektors, General San Martin noch ein Denkmal widmen musste.
Er, oder besser das Land wurde zwar endgültig erst durch das Eingreifen des venezolanischen Generals Simón José Antonio de la Santísima Trinidad Bolívar Palacios y Blanco aus den Fängen der Spanier befreit, aber sei es drum. Der hatte schon früher einen eigenen Platz mit Standbild bekommen.

Im Sockel des geplanten Reiterdenkmals auf der Plaza San Martín sollte als Draufgabe auch Madre Patria als eine Art Freiheitsstatue mit Feuer, so in der Art von New Yorks Miss Liberty, verewigt werden. Keine Kosten und Mühen wurden gescheut und der Auftrag ging, wie immer wenn etwas wirklich gut gemacht werden soll, außer Landes. Die Spanischen Bildhauer dachten aber im Zusammenhang mit ihrer ehemaligen Kolonie weniger an das von Frédéric-Auguste Bartholdi gestaltete Monument, als an kuscheligen Andenbewohner.
Weit hergeholt, werden Sie nun denken, aber die spanische Sprache will es nun, dass sowohl „Flamme“ als auch „Lama“  eben „llama“ heißt und fanden es somit gar nicht so abwegig, der Madre Patria ein kleines Lama ins Haar zu stecken, wenn es schon so angeschafft wurde.

De facto abgesetzt verbrachte Martín übrigens seinen Lebensabend in Nordfrankreich und wurde in der Krypta der Basilika von Notre-Dame de Boulogne beigesetzt. Erst 1880 konnte seinem testamentarischen Wunsch entsprochen werden und er kehrte in sein Heimatland zurück.
Der vorsorglich einbalsamierte Leichnam wurde laut Wikipedia „in der Kathedrale von Buenos Aires in einem Mausoleum“ beigesetzt.
Wer schon dort war weiß, dass das auch ein bisschen missverständlich ist, denn formal liegt er dort „extra muros“, also außerhalb des Kirchenschiffes.
Dem katholischen Klerus war nicht ganz wohl dabei, dass der Freimaurer Martín (laut Freimaurer-Wiki war er war 1797 Mitglied der Loge „Lealidad“ in Cadix und 1812 Stuhlmeister der Loge „Lautaro“ in Buenos Aires) im Kirchenschiff beerdigt werden sollte, so dass sein „Mausoleum“ eine Art Seitenkapelle darstellt, die formal nicht so ganz zur Kathedrale gehört. Wenn Sie da näheres erfragen wollen, müssen Sie heute nach Rom pilgern, denn die Kathedrale war die Heimatkirche des jetzigen Papstes Franziskus.

Wenn Sie sich mit den anderen beiden Herren persönlich über all das unterhalten wollen, haben Sie es dafür nicht so weit, denn eines der unzähligen Denkmale des großen Simon Bolivar steht auch gleich um die Ecke im Wiener Donaupark, wo es u.a. auch vom bolivianischen Präsidenten Evo Morales besucht wurde. Ja, und natürlich gibt es im Donaupark auch ein Denkmal San Martíns, ganz schlicht ohne Lamas und Freiheitsstatue.

Written by medicus58

24. Februar 2018 at 17:21

Don’t Smoke, you hypocrites

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Die wissenschaftliche Evidenz, dass Rauchen ein Gesundheitsrisiko darstellt wird inzwischen nur mehr von den Dreistesten bezweifelt.
Seit mehr als einem Jahrzehnt ist es – zumindest wissenschaftlich – unbestritten, dass auch Passivrauchen ein Gesundheitsrisiko darstellt,
über dessen Höhe streitet nur mehr der Stammtisch je nach eigener Präferenz und Lebensstil.

Laut Statistik Austria (die letzten Zahlen sind aus 2014) raucht fast ein Viertel der österreichischen Bevölkerung (über dem 15. Lebensjahr) täglich, wobei es kaum einen Rückgang bei den Männern aber eine stete Zunahme bei Frauen zu bemerken ist. Zählt man die Gelegenheitsraucher und die Dunkelziffer dazu kann wohl angenommen werden, dass ein Drittel der Österreicher die anderen zwei Drittel anqualmt.

Die Faktenlage war auch schon vor 2001 ziemlich eindeutig, hat aber all die jetzt so gesundheitspolitisch Besorgten, Politiker wie Ärzte, relativ wenig aktiv werden lassen, solange die verstaatlichte Austria Tabak Gewinne abgeliefert hat und man ihr marode Betriebe wie den Schwechater Sportartikelhersteller (!) HTM anhängen konnte und Beppo Mauhart mit seinem Sponsorfüllhorn willens war. SP-Bundeskanzler Franz Vranitzky erklärte damals noch ganz offen die Austria Tabak zu „einem der wichtigsten Gewinnbringer für den Staat, weshalb eine Veräußerung eine ganz besondere Kapriole wäre“.
Auf Druck von EU-Vorgaben und den leeren Staatskassen wurde 1997 49,5 Prozent der Austria Tabak an der Wiener Börse verkauft und 2001 zu 100 % privatisiert und von der staatlichen ÖIAG an die britische Gallaher Group abgegeben. Zumindest damals verglich man den Deal mit dem BUWOG Skandal, heute ist das alles vergessen.

Seit – wie bei uns auch in vielen anderen europäischen Ländern – die Goldesel verkauft (vielleicht auch verschenkt) wurde, gebärden sich Politiker gerne als Schützer unserer Gesundheit, wenn es um Rauchverbote in der Gastronomie geht. 

Wäre dies aber so, dann hätte es unter SPÖVP bezüglich der Nichtraucherzonen in der Gastronomie nicht so ein Tauziehen gegeben!
Weshalb die FPÖ. angesichts aller anderen politischen Probleme dieses Landes, das Abendland am rauchumwehten Stammtisch retten möchte, muss sich unser Witzekanzler HC beantworten; mit Freiheit und Selbstbestimmung hat es aber sicher nichts zu tun, auch wenn uns „Kollegin“ Belakowitsch einzureden versucht.

Ärztekammer und Krebshilfe haben nun mit ihrer Don’t Smoke Abstimmung scheinbar eine Welle des Gesundheitsbewusstsein ausgelöst und aktuell standen über 270.000 Schlange, um rauchfreie Stammtische durchzusetzen. Erinnert sich noch wer, dass die Bewegung 2014 auf den am Lungenkrebs verstorbenen Kurt Kuch zurück geht, der aber selbst Kettenraucher war?

Gut so, nur halt auch irgendwie einseitig und jenseitig.

Nein, ich glaube nicht dass das alles NUR parteipolitisch motiviert ist, ich finde aber, dass all die Gesundheitsbewegten hier sehr einseitig agieren!

Sollen Sie der FPÖ eine Watsch’n geben, ist mir recht.
Machen wir die Gastronomie rauchfrei, als Nichtraucher habe ich kein Problem damit.

Tun wir aber bitte nicht so, dass wir hier besonderes Gesundheitsbewusstsein politisch durchsetzen!
Wäre dies aber so, dann hätte die Gesundheitspolitik schon längst die NOx-Diesel verboten, die nachweislich ihre behördliche Zulassung nur erschwindelt haben und im Normalbetrieb viel mehr Emissionen abgeben.  

Heute entscheidet ein deutsches Gericht über Dieselfahrverbote:
Wenn ein Dieselfahrverbot komme, hätten die Autobesitzer ein Recht darauf, bei den Herstellern Nachbesserung oder eine Rückgabe zu fordern

Bisher hat deutsche Politik jedoch der Autoindustrie die Mauer gemacht!
Gestern hat auch die Wiener SPÖ Gemeinderätin Sima einen bemerkenswerten Schluss gezogen, weshalb Wien keine Umweltzonen (=Fahrverbote für Diesel) einführt:  Gute Feinstaub- und Stickoxidwerte entziehen Umweltzonen die gesetzliche Grundlage: 2017 wurden die EU-Grenzwerte für Feinstaub an allen 13 Messstellen erneut klar unterschritten.

Und deshalb braucht man bei uns erst gar nicht auf den Betrug der Autoindustrie reagieren?
Und die Grünen halten still …

Also bitte, unterschreiben Sie das Volksbegehren oder nicht,
rauchen Sie oder besser nicht,
aber bezeichnen Sie das alles nicht als Gesundheitspolitik!

Wie immer geht es auch hier nur um Macht und Geld.

Hätten wir diese Diskussion geführt, solange die Austria Tabak noch im Staatseigentum gewesen ist, wäre sie wirklich politisch gewesen,
nämlich eine die aus Überzeugung auch gegen die eigenen finanziellen Interessen argumentiert.

Gesundheitspolitisch, aber auch im Sinne gelebten Konsumentenschutzes, wäre es vielleicht sinnvoller die durch Schummelsoftware erschwindelten behördliche Zulassungen aufzuheben und zu allfälligen Verwaltungsstrafen den Fahrzeugbesitzern die Möglichkeit von Schadensersatzforderungen zu ermöglichen.
Da schweigen die gesundheitspolitisch angeblich so Engagierten und richtet sich nach dem Willen der Lobbyisten:

Beifall spendet der ÖAMTC. Simas Absage an Diesel-Fahrverbote sei „ein guter Tag für 520.000 Autofahrer in Wien“.

Auch dass klammheimlich, so wie das Tabakmonopol, das Glückspielmonopol zuerst aufgeweicht, dann an politisch gut vernetzte einheimische Konzerne mit Sitz in NÖ verscherbelt wurde und jetzt überhaupt außer Landes verkauft wurde, hat eine gesundheitspolitische Seite, die niemand so aufregt, wie die Frage nach dem Rauch im Gastraum: der massive Anstieg von Spielsüchtigen.

Die Parallele zwischen Tschick und Chip sind doch offensichtlich. Beides sind ökonomisch und gesundheitspolitisch unerwünschte Verhaltensweisen, die aber offenbar nicht auszurotten sind. Aus diesem Grund machte es sehr viel Sinn durch entsprechende Monopole die Einnahmen direkt der Gesellschaft wieder zuzuführen, da sie ohnehin für die Kollateralschäden (Lungenkarzinome, Privatkonkurse) aufzukommen hat.

Das hat die neoliberale Deregulierungswut der letzten Jahrzehnte hinweggefegt.
Die Gewinne wurden privatisiert, die Kollateralschäden kollektiviert und fallweise dürfen sich Politiker an Nebenschauplätzen gesundheitspolitisch bewegt geben.

Vielleicht verstehen Sie nun, dass ich den Hype um Don’t smoke als Nichtraucher, Nicht-Dieselfahrer und Nicht-Spielsüchtiger, nicht nachvollziehen kann, falls Sie sich überraschenderweise gefragt haben. Und dass ich mir bessere Profilierungsfelder für unseren Kammerpräsidenten vorstellen könnte als das medienwirksame Recycling einer alten Kampagne aus 2014.

PS: Das Bild stammt übrigens von einem ganz anderen Beitrag: Feuer auf Papua Neuguinea 

Written by medicus58

22. Februar 2018 at 16:36

Vom Journalisten-Kanzler zum Drohnen-Kanzler

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Bruno Kreisky ging als Journalisten-Kanzler in die Geschichte ein, da er mal jovial man grumbeln seine Politik gerne der Öffentlichkeit erklärte, vermutlich auch erklären wollte. Das Wahlvolk dankte es (sicher nicht nur deshalb aber sicher nicht trotzdem) mit einer absoluten Mehrheit. Begonnen hat er aber wie bekannt mit einer Minderheitsregierung.

Franz Vranitzky kennt man als TeflonKanzler weil an ihm Fragen und Kritik abprallte. Seine Kommunikationsbemühungen waren endenwollend. 

Wolfgang Schüssel trieb das Spiel auf die Spitze und blieb auch nach seiner Regentschaft der Schweige-Kanzler, praktischerweise auch zu allen Fragen seiner Kanzlerschaft, die bis heute die Gerichte beschäftigen.

Sein im Gegensatz zu seinem Familiennamen etwas in die Länge gewachsenes, türkises Abziehbild erfreut die deutschen Talkshow-Seher seit Monaten mit zahllosen Auftritten und schweigt sich hierzulande zu den Ausrutschern seines Koalitionspartners und den eigenen politischen Umfärbungen aus. Wir werden noch sehen, ob er als (TV)Kabel- oder Schüssel-Kanzler in die Geschichte eingehen wird. Es mag aber mit einem Blick über den großen Teich bezweifelt werden, dass diese Form der Informationskontrolle im Sinne der im Regierungsprogramm versprochenen direkten Demokratie ist.

Vielleicht geht Sebastian Kurz aber als DrohnenKanzler in die Lokalchronik ein:

Ferngelenkt, stets weit weg und abgehoben.

Bislang scheint das P.T. Publikum das aber ebenso wenig zu sanktionieren, wie der Betrug ihrer liebsten Autoproduzenten. VW verkauft seit Dieselgate mehr Fahrzeuge denn je. Blöd wären unsere Politiker, wenn sie nicht handeln würden wie sie handeln, so lange sie unsere Stimmen kriegen.

PS: Der Beitrag sprach in seiner Erstfassung vom Autisten-Kanzler, um Bastis Sprachlosigkeit zu beschreiben. Ich wurde aber von einem treuen Leser zu Recht darauf aufmerksam gemacht, dass diese Krankheitsbild nicht durch den absichtlichen, ja manipulativen Kommunikationsverzicht gekennzeichnet ist und der Vergleich von Betroffenen als beleidigend empfunden wird. Hab’s kapiert, geändert und sag gern ein ‚tschuldign, sollte einem Medicus wirklich nicht passieren … 😉

Written by medicus58

18. Februar 2018 at 17:27

Veröffentlicht in Allgemein

Mein Patient, Dein Patient, das Budget ist nicht für alle da

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Hinter den Kulissen des „besten Gesundheitssystems der Welt“ spitzt sich seit Jahren ein äußerst unschöner Konflikt zu.
Angeblich garantiert der ÖSG (ÖSG: Warum einfach, wenn es doch auch kompliziert geht) eine bedarfsgerechte Vorhalteleistung im Gesundheitssystem, um einerseits allen Pflichtversicherten einen Zugang zu benötigten Leistungen zu sichern, aber andererseits den Wildwuchs von Spitalsbetten, Großgeräten und besonderen Einrichtungen (Schlaflabors) zu verhindern.
Beschäftigt man sich etwas näher mit diesen Konstrukten, dann glaubt man sie ebenso wenig, wie dass das seit 1977 auf Abschlussdiagnosen und Medizinischen Einzelleistungen (MEL) basierende  System der leistungsorientierten Krankenanstaltenfinanzierung (LKF) nur annähernd zu einer kostendeckenden Abrechnung der stationären Spitalskosten geführt hat. Beides führt zu einer immer abscheulicheren Verschiebung ungewollter Patienten!
(Man mag mich klagen für diese Aussage, aus der jahrzehntelangen Berufspraxis wird es einfach sein die entsprechenden Beweise zu erbringen, hier kann ich nur sehr theoretisch darüber berichten.)

War das Rosinen picken der lukrativen Leistungen (z.B. unkomplizierte Geburten) und die Verhinderung nicht kostendeckender Leistungsanforderungen (z.B. teure Onkologika) vor Jahren in erster Linie das Spielfeld privater, gewinnorientierter Gesundheitseinrichtungen, zwingen die engen Budgets inzwischen auch die größten Krankenhausbetreiber sich bestimmte Patienten vom Hals zu schaffen.

Die einfachste Lösung ist hier, eine entsprechende Leistungserbringung gar nicht oder nicht mehr anzubieten. 

Die Unterversorgung mit Strahlentherapie in Ostöstereich hat es in den letzten Jahren in die Medien geschafft.
Anmerkungen zur hektischen Debatte um die Strahlentherapie
Das unkoordinierte Schließen voll ausgelasteter Versorgungseinheiten zur thyreologischen Versorgung (=Schilddrüse) taucht auch ab und an in den Medien auf, nachdem sowohl die entsprechenden Einrichtungen in Melk und Wien (Kaiser Elisabeth Spital) de facto ersatzlos ausradiert wurden. Zwar versichern die politisch Verantwortlichen, dass die Leistungen in andere Einheiten integriert wurden, nur geht die Rechnung ganz offensichtlich nicht auf, was zu den unzumutbaren Wartezeiten führt.

Bei teuren Therapien, Prothesen, Schrittmachern, … werden Deckelungen eingeführt, die zwar nach außen nicht kommuniziert werden, Ärzten und Patienten aber einen Spießrutenlauf zumuten, um vielleicht noch an ein nicht ausgeschöpftes Kontingent zu kommen.
Beliebt ist auch – unter dem Vorwand der Zentrumsbildung – teure Leistungen nur in einem Zentrum zu bündeln, so dass sich dort enorme Warteschlangen auftun, was wieder sparen hilft. Allein in der letzten Woche hatte ich zwei Gespräche, wo zwar Universitätskliniken bestimmte diagnostische Leistungen anforderten, die Patienten sich aber dann an andere Spitäler um Hilfe wandten, weil diese Leistungen innerhalb der eigenen Universität einfach nicht mehr angeboten werden!

Ein anderer Weg ist die lokale Information, dass man sich eben außer Stande sieht bestimmte diagnostische Leistungen weiterhin für ein anderes Spital jenseits der Landesgrenzen weiter anzubieten. Eine Rückmeldung an die Schreibtischtäter, die über ihren ausgeklügelten Versorgungsregionen (ÖSG) brüten gibt es natürlich nicht, wenn Einrichtung W für Einrichtung E halt keine PET Untersuchungen mehr durchführen kann, obwohl im Bundesland B halt leider keine einzige derartige Einrichtung vorgehalten wird …

Von oben mag das alles wie ein lustiges Monopoly (Das Kaufmännische Talent heißt das Spiel in Ö) ansehen. Mitten drinnen ist es für Patient und Arzt entwürdigend.

PS: Erinnern Sie sich noch an den Werbspruch: Mein BAC, Dein BAC, BAC ist für uns alle da ? Wenn nicht, können Sie sich nicht mehr erinnern, dass die Welt früher anders war …

Written by medicus58

17. Februar 2018 at 19:11

Heinz R. Unger: Zwei Fragen blieben unbeantwortet

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Am 12. Februar starb der gelernte Schriftsetzer Heinz R. Unger. Jenen, die die 70er nicht mehr miterlebt haben, wird er wohl kaum mehr etwas gesagt haben und der Verweis auf seine Textbeiträger zur Proletenpassion der Schmetterlingen lassen vermutlich auch viele jüngere Willi Resetarits Fans eher ratlos zurück. Kein Wunder, zu Kurt Ostbahn lässt es sich auch besser grölen und sich alternativ fühlen, ohne mit Informationen über die Pariser Kommune belästigt zu werden.
Erinnerte man Unger an seinen vermutlich erfolgreichsten Text, wurde er immer etwas unrund, denn mit Falter im Wind erreichten die Milestones 1972 beim Grand Prix Eurovision de la Chanson den fünften Platz! Mit dem von Willi Resetarits getexteten Boom Boom Boomerang kamen die Schmetterlinge 1977 nur auf den vorletzten Platz!

Ich lernte Heinz, der damals aus seinem zweiten Vornamen ein kleines Geheimnis machte, irgendwann Ende der 70 Jahre im Umfeld von Dieter Haspels Ensembletheater kennen und verbrachte einige wenige Abende mit Unger um gegen Brecht zu argumentieren. Überraschenderweise traf ich bei ihm auf weniger Gegenwehr als ich erwartet habe!
Nachdem Unger herausgefunden hat, dass ich Medizin studierte wechselte er plötzlich das Thema und begann mir zwei Fragen zu stellen, die ihn nach eigener Aussage schon länger beschäftigten:

1.) Wie halten es die Frauenärzte mit den Frauen und
2.) Wie halten es die Ärzte mit dem Tod.

Ich war etwas verblüfft und murmelte irgendetwas von, er möge mich das nach ein paar Jahrzehnten Berufspraxis fragen und nicht jetzt, wo ich mit dem Auswendiglernen von Knochenvorsprüngen und Gefäßverzweigungen beschäftigt bin.
Lächelnd gab er sich damit zufrieden. Wenige Monate später verlor ich meinen damaligen Bekanntenkreis und somit auch Heinz Rudolf Unger völlig aus den Augen.
Seit Montag ist ein Treffen unmöglich geworden, und das ist irgendwie gut so,denn:
Auf die erste Frage könnte ich nur eine sehr unkollegiale Antwort geben und auf seine zweite Frage wüsste ich auch heute keine allgemein gültige Antwort. Möglicherweise kann sie aber nun der Heinz selbst beantworten …

Written by medicus58

14. Februar 2018 at 22:57

Veröffentlicht in Herrgottswinkerl

Alles geht, wenn was dahinter steht

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Ich hab eigenartige Typen in meinem Bekanntenkreis, deren politische Herkunft mir mehr als fremd ist.
Da gibt es CVer und Schlagende, Ex-SSler, Prolos und unverbesserliche Neoliberale, kurz Menschen, an denen die Aufklärung so schrammenlos vorübergegangen ist wie die letzten Lautverchiebung und sämtliche Rechtschreibreformen. Ideologisch sind sie nicht das meine, aber …

Ich zähle sie noch zu meinem Bekanntenkreis, weil sie trotz bisweilen ideologisch abartiger Vergangenheit, im täglichen Leben ziemlich Sinn machen.

Der eine macht Hausbesuche im Pflegeheim, ohne sie von der Kasse bezahlt zu bekommen, weil er den Alten den Rettungstransport in seine Ordi nicht zumuten will. Soll er meinetwegen mit seinen Kumpanen mit den deppaten Kappln Bier saufen.

Ein anderer legte nach einem Jahr sein Primariat zurück, weil er unter solchen Rahmenvedingungen nicht arbeiten wollte. Ich mag ihn, obwohl mich sein katholischer Ultrakonservativismus abstösst.

Einer meiner ersten Vorgesetzten war ultrakonservativ, ein nägelbeissender, oft ungerecht aufbrausendet Psychopath, der aber seinen Laden durch eigene überproportionale Arbeitsleistung am Laufen hielt. Ich habe von ihm gelernt.

Ein anderer war bekannt dafür, dass er seine Verbindungen zum Club 45 weiterhin pflegte, obwohl inzwischen Interpol dessen Genius loci jagte, selten erlebte ich aber eine so offene Morgenbesprechung, wie unter ihm, das bleibt unvergessen.

Kurz (und da sind wir schon in der Jetztzeit) man kann vielen vieles nachsehen, wenn sie auf der anderen Seite etwas leisten. Die, die aber nur an Message control und an ihrer Karriere arbeite ohne auch Gutes zu tun, verlerne ich sehr rasch zu kennen.

Written by medicus58

13. Februar 2018 at 21:52

Veröffentlicht in Renaissance der Aufklärung

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