Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Archive for Juni 2012

Es tut sich was, nur was? Spitäler im Um- und Abbau

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Gestern wurde von der Wiener Gesundheitsplattform der, von Ebner Hohenauer Consult erstellte Regionale Strukturplan Gesundheit (RSG) beschlossen.
http://www.pr-inside.com/de/gesundheitsplattform-beschloss-formell-das-r3251724.htm

Der RSG sieht eine Reduktion von 667 Betten (10.487 – 9.820)  vor und
verschreibt eine Fallkonzentration (d.h. nicht alles darf überal angeboten werden).
2020 sollen nur mehr sieben städtische Spitäler (AKH Wien, Donauspiel, Wilhelminenspital,  Krankenhaus Hietzing, Kaiser-Franz-Josef-Spital, Rudolfstiftung und das (noch zu bauende) Krankenhaus Nord) exitieren.
Kaiserin-Elisabeth-Spital, Sophienspital, Otto-Wagner-Spital, Orthopädisches Krankenhaus Gersthof, Semmelweisklinik, und Krankenhaus Floridsdorf werden geschlossen.
Wie bereits in der Vergangenheit werden immer mehr Leistungen aus dem Bereich des Wiener Krankenanstalten Verbundes in den Bereich der privat (meist kirchennahe) geführten Spitäler verlagert.

Ebner Hohenauer Consult fuhrwerkt auch in der Steiermark (http://wp.me/p1kfuX-cv ) und hat nun eine komplette Umgestaltung der Steiermärkischen Krankenanstaltengesellschaft (Kages) geplant. Im Mittelpunkt steht hier die Dezentralisierung des Spitalsmanagements.

Ein  Zweiervorstand soll sich um die strategische Ausrichtung des steirischen Spitalwesens bemühen,  vor Ort werden  vier regionale Ergebnis-Center mit umfangreichen Machtbefugnissen, eigenen Budgets und Zielvorgaben ausgestattet. Flapsig textet die Kleine Zeitung: Das neue, regionale Management reicht übrigens so tief ins tägliche Spitalsleben, dass man einzelne Posten nicht mehr für ein Spital definiert, sondern:
Ein Hausmeister könnte für eine ganze Region verantwortlich sein.

Zwischen dem Vorstand und den regionalen Zentren installiert man einen medizinischen Fachbeirat mit den Ärzten und Pflegedirektoren aus den neuen Ergebnis-Zentren, was ein Gegengewicht zur Machtfülle der Betriebsdirektoren darstellen und eigene medizinischen Vorstände einsparen soll.
http://www.kleinezeitung.at/steiermark/fuerstenfeld/3052875/bei-steirischen-spitaelern-bleibt-stein-dem-anderen.story

Fassen wir zusammen:

1.) Es soll weniger Spitalsbetten geben und die verbleibenden werden in zunehmenden Ausmaß bei private Betreiber lokalisiert
Hier soll nicht erneut in das Lieblingsthema aller Gesundheitsökonomen abgeglitten werden: Das Krankenhausbett.
Es steht außer Streit, dass Östereich und Deutschland mehr Spitalsbetten hat als viele vergleichbare Länder, nur stellt sich die halt die Frage ob das „Bett“ wirklich den richtige Parameter darstellt, auf den sich die Spitalsökonomie konzentrieren soll [da wird wieder heftiger Widerspruch von Kollegen Pichlbauer erwartet 😉 ] oder es halt nur der Puffer für viele Unzulänglichkeiten der Medizinischen Versorgung ist.
Auch zur Verschiebung des Leistungsangebots in den Bereich der Ordensspitäler könnte man doch meinen, dass dagegen ja nichts einzuwenden ist:

Zur Zukunft des LKH Graz West in Verbindung mit einer eventuellen Übernahme durch das Ordensspital der Barmherzigen Brüder erklärte Edlinger-Ploder ausdrücklich, dass es dabei „um keine Spitalsprivatisierung handelt, sondern um eine Neuordnung des Angebotes“. http://www.kleinezeitung.at/nachrichten/politik/3045191/36-spitalsfragen-landtag.story

Es stimmt natürlich, dass eines der Hauptargumente gegen private Spitalsbetreiber dort nicht gilt:
Der Private muss im Gegensatz zur öffentlichen Hand soviel einsparen, dass sich für ihn auch noch ein Gewinn ausgeht, koste es was es wolle.
Wenn der Gewinn das Paradies ist, dann kann das Ordensspital aber mit einer schwarzen Null leben,
NUR
stellt sich halt die Frage, ob wir es wollen, dass das falsche oder ein fehlendes religiöse Bekenntnis mitentscheidet,
ob Arzt oder Pflegekraft in einem Ordensspital eine Anstellung bekommen oder nicht,
ob unsere Dialyse unter einem Kruzifix stattfindet oder – wenn ihnen das zu ideologisch und zu wenig ökonomisch ist –
wir die öffentliche Hand, die (mir zumindest) ca 75% meiner Einnahmen abnimmt, nicht für dieses Geld verpflichten sollten ihrer typischen staatlichen Aufgaben nachzukommen.

2.) Durch eine zunehmende Zentrumsbildung, wird man sich als Patient für viele Krankheiten den Standort suchen müssen, an dem man behandelt wird bzw. viel im Krankenwagen herumzufahren
Auch die Qualitätssteigerung durch Schwerpunktbildung ist ein Mantra der Gesundheitsökonomie, dem auf den ersten Blick nicht zu widersprechen ist.
Wer sich spezialisiert wird indiesem Punkt besser, aber wie ich bereits in dem Blogeintrag Fordismus im Spital ( http://wp.me/p1kfuX-gf )  ausgeführt habe, konzentriert sich dieser Ansatz nur auf den manuellen Teil der medizinischen Leistungserbringung (Operationen, Herzkatheter, Mammografie….) und negiert die Erforderniss eines Breitenwissens für den diagnostischen Prozess an sich. Dieser wird finanziell nicht adäquat abgegolten, so dass das System selbst Anreize für oft nicht indiziertes Tun gibt.
Ganz krass sind dabei Modelle, wie sie in Deutschland vereinzelt schon existieren, dass -da man einem Facharzt ja nicht verbieten kann eine einzelne, indizierte Bandscheibenoperation durchzuführen-   zum Beispiel erst am 15 Einzelleistung eine Bezahlung erfolgt. D.h. macht der Arzt im Verrechnungszeitraum nur 14 Eingriffe, dann bekommt er nichts, macht er 15 oder mehr, dann bekommt er alle, also auch die ersten 15 Eingriffe refundiert.
Was da passiert haben wir bei der LKF Codierung gesehen, wo vor allem die Ordenspitäler ihre Ärzte verpflichtetem, die lukrativste Diagnose oder Diagnosenkombination zu melden. Plötzlich hatten wir einen Zuwachs an Geburten bei Diabetikerinnen, da jede kleine Verfärbung am Harnstreiferl die Diagnose Diabetes nach sich zog.
Der Gesundheitsökonom wird zu Recht einwerfen, dass man da eben eine Qualitätssicherung bräuchte, nur die gab’s halt nie.
Kehren wir zurück zum Beispiel der Bandscheibenoperation. Es ist Dezember, sie kommen mit ein bißchen Lumbago vom Packerlschleppen zum Neurochirurgen und der weiß, dass er heuer erst 14 OPs durchgeführt hat ……

Was völlig in diesen Planspielen untergeht, ist die medizinische Diagnostik (Pathologie, Labor, Röntgen, …). Es macht keinen Sinn Schwerpunkte zu definieren, ohne auch die zentralen Dienste mit entsprechendem Gerät, Personal und Expertise auszustatten.
Pläne, dass es ja auch ausreicht, wenn ein Pathologe für die intraoperative Gefrierschnittdiagnostik anreist, wie es in vielen „effizient“ geführten kleineren Häusern Usus ist, sich aber dann die OP verlängert, weil der Kollege leider im Stau steckt, oder eine Telemedizinische Diagnostik, wo er zwar das Schnittpräparat am Bildschirm, nicht jedoch das ganze herausoperierte Konvulut sehen und betasten kann, sind nicht Ausgeburten MEINER Phantasie sondern punktuell selbst erlebt. Auch die bildgebenden Diagnostik wird im anglikanischen Raum an Radiologen in Indien ausgelagert, die zwar die digitalen Bilder in optimaler Qualität sehen können, aber nie den Patienten selbst gesprochen oder angegriffen haben.

3.) Die Verantwortung der öffentlichen Hand für das Gesundheitssystem wird von dieser immer stärker delegiert
Neben meinem Unverständnis, weshalb wir in einem Land mit einer der höchsten Abgabenquoten von unserem Staat nicht verlangen können, dass er die verfassungsgemäße Verantwortung für das Sozial-, Gesundheits- und Bildungswesen übernimmt, muß man auch die Frage stellen, bei wem denn die Letztverantwortung bleibt und weshalb sich die operativ tätigen Ärzte und Pfleger (gendern Sie wenn Sie wollen) sich das noch gefallen lassen.

4.) Bisherige Reformen in den Krankenanstaltenverbünden führten stets zu einer Verschiebung des Personals vom Kerngeschäft hin zur Verwaltung
Wie im KAV, so auch in den anderen Verbünden, ziehen die Verwaltungsstrukturen immer mehr Personalressourcen an sich, agieren zunehmend immer hektischer und diktatorischer, verschanzen sich aber gleichzeitig hinter der scheinbaren Alternativlosigkeit der den privaten Consultingfirmen diktierten Strukturpapieren.
Der Abbau von Stellen im Kerngeschäft beginnt beim Einsparen von ärztlichen Direktoren und führt weiter zum Einsparen von Abteilungsvorständen. Angesichts der grundgehälter dieser Positionen kann es hier nicht um eine relevante finanzielle Einsparung gehen;
Hier geht es darum, diejenigen, die noch relativ nahe am operativen Geschäft sind und mit sachlich fundierten Einwänden so manches Schreibtischkonzept entzaubern zu können, aus dem Weg zu räumen.
Der Beitrag „ökonomischer Aufpasser“ bestand meist in einem Mehr an EDV, durch das man glaubte, Personal einsparen zu können (http://www.hg2.at/166/news/sie-wurden-gekoblmuellert/). In Wahrheit band es noch mehr Kräfte des Kerngeschäfts und behinderte die Arbeit des verbliebenen Personals.

Ob diese Kluft zwischen „Generälen und der Truppe“ den „Kampf“ um ein effizientes und dem ökonomischen Stand unserer Gesellschaft angepasstes Gesundheitssystem zuträglich ist?
Nein!
Ist dieser Prozess dann wenigstens gestoppt, wenn man die angeblichen Spitzenverdiener unter den Ärzten los ist?
Nein!
Er geht weiter:
Nach der „Akademisierung“ der Medizinisch-Technischen-Dienste und der Zusicherung der „eigenverantwortlichen (d.h. ohne ärztlichen Anordnung erlaubten) Berufsausübung“ im letzten MTD Gesetz, hat BuMin Stöger nun eine Novelle des nun MAB-Gesetzt getauften Regelwerkes im Köcher, wo es z.B. erlaubt sein wird, dass Computertomografen und Magnetresonanztomografen auch von „angelerntem Personal“ betrieben werden dürfen, wenn dieses unter der Aufsicht von EINEM Radiologietechnologen steht, möglicherweise wie im obigen Beispiel des Hausmeisters:
Bald genügt auch ein Radiologietechnologe für die ganze Steiermark.
http://www.radiologietechnologen.at/

Nachtrag 3.7.2012: Auch in geht die Spitalszusammenlegung (Salzkammergut Klinikum) mit „eingesparten“ Kollegialen Führungen weiter:
http://www.salzi.at/2012/07/aus-den-krankenhausern-bad-ischl-gmunden-und-vocklabruck-wird-das-klinikum-salzkammergut/

Written by medicus58

29. Juni 2012 at 18:08

Obama Care -oder wie sich eine Schicht verleugnet

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Jetzt ist das US-amerikanische Gesundheitssystem in vielen Aspekten nicht mit dem europäischen vergleichbar und beim Kampf um 
Obamas Gesundheitsreform (Obama Care) 
geht es (wie immer in ökonomischen und/oder politischen Diskussionen im Gesundheitssytem) mehr um prinzipielle gesellschaftliche Probleme als um die Medizin.

Trotzdem möchte ich -ohne den Versuch einer detailierteren Auseinandersetzung (siehe Links)- mit dem Problem kurz darüber reflektieren:

Prinzipiell geht es um die Frage, ob eine Gesellschaft ihre Mitglieder (per Strafe) verpflichten kann, sich solidarisch an der Gesundheitsversorgung aller zu beteiligen.

Es besteht kein Zweifel, dass Solidarität kurzfristig denen was bringt, die wenig haben und denen was kostet die mehr haben.

Da in praktisch allen Gesellschaften Kapitals (gerechter oder ungerechter Weise sei nun einmal dahin gestellt) sehr asymmetrisch verteilt ist und sich bei etwa 10% der Bürger konzentriert (USA: oberne 10% haben 60%), ergibt sich zwangsweise, dass durch solidarische Maßnahmen immer die Mehrheit der Bevölkerung profitiert.

Individualistische Ansätze, die eine Versicherungspflicht/Pflichtversicherung im Gesundheitswesen  als Bevormundung sehen, haben offenbar keine Probleme, dass sie zu einer KFZ Haftpflicht verdonnert sind, um Schäden, die sie anderen verursachen, abzudecken, also warum das Geschrei im Gesundheitswesen?

An dem Problem, weshalb also die Mehrheit der Wähler in demokratischen Ländern (aus der ökonomischen Unter- und Mittelschicht) gegen ihre offenkundigen Interessen mobilisierbar ist, haben sich schon viele den Kopf zerbrochen.

Ein rezenter und sehr popolärwissenschaftlicher, d.h. von vielem soziologischen Kauderwelsch befreiter Versuch ist Ulrike Herrmanns Buch: Hurra, wir dürfen zahlen: Der Selbstbetrug der Mittelschicht
(http://www.amazon.de/Hurra-wir-d%C3%BCrfen-zahlen-Mittelschicht/dp/393806045X) in dem sie zum Schluß kommt, dass 

einerseits in unseren Gesellschaften die wahre Verteilung des Kapitals so geschickt steckt wurde, dass sich (auch in Umfragen) viele des Mittelstandes nur einen kleinen Schritt von der Oberschicht entfernt wähnen und sich somit eher nach oben als nach unten solidarisieren und

andererseits in Krisenzeiten
die Angst des Mittelstandes aus seiner Position in die Unterschicht abzurutschen, so groß ist, 

dass er sich immer aggressiver von den 
illegalen Einwanderern, 
Immigranten,
Arbeitslosen,
Hilfsarbeitern,
alleinerziehenden Müttern,
Praktikanten und
projektfinanzierten Ich-AGs 
distanziert, um sich genen seinen eigenen Fall zu immunisieren
(„Die sind ja selber Schuld, mir kann das nicht passieren„). 

Bedenkt man aber die langfristigen Konsequenzen einer entsolidarisierten Gesellschaft (steigende Kosten durch zu späte Therapiemaßnahmen, steigende Ausgaben gegen individualkriminalität, steigende Kosten für Propagande, wenn Sein und Schein weiter auseinander driftet ,…), 
kommt Solidarität der gesamten Gesellschaft billiger.

Dazu passend, eine rezent veröffentlichte Studie zur  „sozioökonomische Struktur der PKV-Versicherten“ in Deutschland (http://www.wip-pkv.de/veroeffentlichungen/studien-details/studien-ansicht/detail/studien-uid/135.html) die zeigte, dass es nicht die „Reichen“ sind, die in Deutschland eine Privatversicherung haben: 
Nur 20 % aller PKV-Versicherten hatten im Jahr 2008 Einnahmen oberhalb der Versicherungspflichtgrenze (4.012,50 Euro/Monat). Damit kann widerlegt werden, dass in der PKV hauptsächlich Personen mit hohen Einkommen versichert sind.

Diese Analyse wurde vom Wissenschaftlichen Institut der PKV erstellt, so dass die Autoren selbstverständlich zu einer anderen Schlußfolgerung kommen, als Sie hier lesen können:

Wer wirklich reich ist, pfeift auf eine private (Zusatz-)versicherung, der zahlt das alles ganz locker in bar, Solidarität kommt den anderen zugute. 

Solange die Mehrheit unserer (aber natürlich auch der US-amerikanischen) Gesellschaft nicht begreift, dass sie gegen ihre Interessen instrumentalisiert und manipuliert  wird, wird sie für die Kollateralschäden der Entsolidarisierung aufkommen müssen.

Links
http://de.wikipedia.org/wiki/Obamacare#Gesundheitsreform_2010 
http://www.bessereweltlinks.de/index.php?cat=9846&thema=Armut_und_Reichtum_in_den_USA 

Republikanische Sicht: 
Through legislative mandates, ObamaCare requires private citizens to purchase health insurance, involuntarily fund abortions, and pay for sex offenders to use Viagra under the threat of legal sanctions if they do not

If a mandate was the solution, we can try that to solve homelessness by mandating everybody to buy a house.“

http://www.conservapedia.com/ObamaCare

Georg Kreisler : Anarchist

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Georg Kreisler
ist ein Unberechenbarer und ein Unbeschreiblicher: großer Pianist, unerschöpflicher Komponist, Dichter, Wortspieler, Kabarettist, Satiriker, Nomade, Jahrhundertzeuge, Einzelgänger, Weltdurchschuer, Überlebender. Und vor allem ist er dies: Anarchist
sagt Peter Kümmerl, Zeit Online

Obwohl mich Kreislers schmerzender Intellekt, sein treffsicherer Witz, seine abgrundtiefe Unlustigkeit
seine überhebliche Größe, die sich gerade in der kleinen Form des Liedes am vollkommensten jeglicher Kritik entledigen konnte, seit vielen Jahren begleitete, findet er erst nach seinem Tode den Weg ins Herrgottswinkerl.
Nicht unpassend vielleicht.

Die ansonsten hier üblichen Links zu den Highlights seiner Werke entnehmen Sie am besten der Homage, die Frau Kainz zu Kreislers Tod zusammengestellt hat: http://christine2.meinblog.at/?blogId=47703 

Kreisler zählt zu den Menschen, die es sich und anderen alles andere als leicht machen, wobei der eigene Standpunkt bestimmt, worin man das größere Leid zu sehen glaubt. 
Ein Aussenseiter war er und behauptete es auch sein zu wollen. 
Nur läßt sich wahre Kritik immer nur von außen erheben.

Ein genialer Wortjongleur war er und konnte dadurch 
ansprechen und absprechen,
benennen und bekennen,
verwehren und sich wehren,
betroffen werden und treffen.

Ob er ein unglücklicher Mensch war, ich möchte nicht bezweifeln,
dass er auch andere unglücklich gemacht hat, davon bin ich überzeugt.

Der Künstler Georg Kreisler war bedeutend, was seine Tochter Sandra, zu der er ebenso wie zu seinem Sohn aus seiner dritten Ehe mit Topsy Küppers jeden Kontakt abgebrochen hat,  in unnachahmlicher Weise formulierte: http://www.wortfront.com/html/downloads/Diagonal-SK.pdf?PHPSESSID=d223583b54d5b807bbb6c4a58c86ce0b.

Wenn Kümmerl ihn als Anarchist bezeichnet, trifft er damit vermutlich den Punkt am besten. Für viele sind Anarchisten Terroristen, die sie fürchten und von denen sie annehmen, dass sie die bestehende Ordnung zerstören wollen. 
Wer einmal in der Sektion „Renaissance der Aufklärung“ dieses Blogs blättert, sollte jedoch vielleicht erkennen, dass es mehr um Ablehnung ungerechtfertigter staatlicher Unterdrückung und Stärkung persönlicher Kritikfähigkeit geht. In diesem Sinne war Georg Kreisler einer der konsequentesten Anarchisten, der sich je an ein Klavier gesetzt hat.

Wie er wirklich war, hätte vermutlich nicht einmal er völlig ironiefrei formulieren können. Soviel Selbstschutz braucht der Mensch, wenn er jede andere Deckung verlassen hat:

MARX WAR EIN FILOU,
KAISER FRANZ EIN SEIFENSIEDER,
STALIN IN BETRÜGER.
UND ICH FRAG MICH IMMER WIEDER:
WAS, OH WAS BIST DU?

Zum Abschluss und von beklemmender Aktualität: Fürchten wir das Beste
Nur der Euro der bleibt: http://www.youtube.com/watch?v=NIJ-I2gzxEA

Wiki: http://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Kreisler 
Seine HomePätsch: http://www.georgkreisler.de/
Interviews: http://www.youtube.com/watch?v=ECXsc8URljg 

WENN’S IHNEN NICHT GEFALLEN HAT, JETZT IST ES ZU SPÄT

http://www.youtube.com/watch?v=Wxa8uECn12s

Erinnerungen an den Künstler Georg Kreisler 2012
http://www.youtube.com/watch?v=zgOabSJho-8&

Written by medicus58

28. Juni 2012 at 16:00

Als gäb’s kein Morgen und wär das Gestern nie passiert: Inserate eines Wr. Wohnbaustadtrats

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Der unverschämte Umgang mit Steuergeldern bei dem unter Vorspiegelung von Informationspflicht durchsichtigste Eigenwerbung mittels bezahlter Zeitungsinserate erfolgt, kam in den letzten Monaten zunehmend ins öffentliche Bewußtsein und sollte noch Thema im aktuellen Untersuchugnsausschuss werden.

Auch in diesem Blog habe ich mehrfach auf diese Unsäglichkeit hingewiesen:

Faymanns Eigenwerbung als Wiener Wohnbaustadtrat
ist legendär: 
Faymann und seine Spendierhosen: http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=54502
eine Praxis, die er als Kanzler fortsetzte: http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=44479 
Übersicht in Standard Artikel: http://derstandard.at/1331780203138/Regierungswerbung-Krone-vor-Oesterreich-und-Heute-Wo-das-Kanzleramt-2011-inserierte
Teflon-Faymann: http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=49948 

Selbstvertständlich kann es die ÖVP genauso unverschämt und für die Bewerbung von Vassilakous „Jahreskarten-Coup“ für die Wiener Linien wurden sogar zwei komplett iunterschiedliche Sujets in Druck gegeben, nur damit -je nach Verhandlungsergebnis- rasch das richtig Plakat in der Wiener U-Bahn affichiert werden kann …

Vor wenigen Wochen ärgerte ich mich über ein  (selbstverständlich mit Politikerbild) im Standard erschienenes Inserat mit BuMin Bures (natürlich auch aus de Wiener SPÖ), dem Wahlvolke verkündete, dass – ja dass- … das Thema is ja egal,  kann mich nicht erinnern, WEIL es ohnehin unwichtig war, es ging um Eigenwerbung auf Kosten der Steuerzahler.

Nur als ich den heutigen Standard zu Hand nahm und den nächsten Wiener Wohnbaustadtrat (Michael Ludwig) von einer bezahlten Anzeige herunterlächeln sah, ja da riss mir der Geduldsfaden, aber auch egal ….  Sie haben sich schon an diese Unverschämtheit gewöhnt und ich werde es halt auch noch schaffen …

Wenigstens wird für diesen Blödsinn nicht die staatliche -und aktuell stattlich erhöhte – Parteienförderung angetastet, sondern gleich das Steuergeld.

Was ich mir aber schon noch von der geplagten Seele reden möchte:
Wir leisten uns in diesem Staate einen öffentlich rechtlichen Rundfunk mit 9 Bundesländerintendanten, die nach ihrer handverlesenen Wahl durch die Landeshauptläute nur allzuwillig jede gewünschte Meinungsäußerung ins rechte oder linke Bild bringen und den gebührenzahlenden Zuschauern ins Wohnzimmer bringen.

Da unsere Spitzenpolitiker ohnehin einen vom System garantierten Zugang zur Öffentlichkeit haben, könnten sie uns all diese Weisheiten viel preiswerter und steuerschonender in den „Österreichbilder“, „ZIBs“, „Reports“ und ähnlichen Sendungen mitteilen …

Nachtrag vom 16.7.: http://oe1.orf.at/artikel/310138

Heute: Die medizinische Fachzeitschrift schlechthin

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Wer sich über aktuelle medizinische Trends informeiren möchte, der greife in der Wiener U-Bahn zu HEUTE:

Der auch hier (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=67855) diskutierte Plan eines kompletten Neubaus des Wiener Wilhelminenspitals, wurde vor einigen Tagen auch in Heute thematisiert.

Wer heute das Machwerk zur hand nahm, wurde bereits auf der Titelseite informiert: „Geldnot! Wiener Spital spart bei Operationen

und durfte auf Seite 12 weiterlesen, dass es sich hierbeit um eine Weisung an das Orthopädische Spital Gersthof handelt, die teuren Hüftoperationen einzuschränken.

Viel bemerkenswerter aus meiner Sicht ist aber eine bezahlte Anzeige des Hanuschkrankenhauses, das bekanntlich unter der Leitung der Wiener Gebietskrankenkasse steht, das um mehr Staroperationen an seiner Augen-Tagesklinik wirbt.

Während den Fondspitälern der öffentlichen Hand das Geld ausgeht, 
wirbt jetzt sogar die Krankenkasse mit dem Geld ihrer Versicherten darum, dass ihre Versicherten ihr eigenes Haus frequentieren

Bislang kannte man das nur von den Privatversicherungen, die ein ausgesuchtes Klientel in ihre Privatkliniken lotsen wollten.

Ergänzung: 
Der KAV verteifigte sich auf seiner HP wie folgt gegen die Vorwürfe

Krankenhaus Gersthof: Tolles Teamwork verkürzt OP-Wartezeiten
Eine Boulevardzeitung konstruiert einen Zusammenhang zwischen Sparmaßnahmen und Leistungsverkürzung im Orthopädischen Krankenhaus Gersthof, der keiner sachlichen Prüfung standhält.
Wie alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des KAV wissen, ist die Patientinnen- und Patienten-Frequenz in allen KAV-Häusern im Juli und August geringer. Das liegt nicht zuletzt auch daran, dass viele ihre planbaren Operationen lieber auf die kalte Jahreszeit verschieben und ihre Urlaubszeit nicht im Krankenhaus verbringen möchten. Sinnvollerweise legte die KOFÜ daher die Anzahl der planbaren Hüft- und Gelenksprothesenoperationen in dieser Zeit auf drei pro Tag fest. Ein Blick auf die Jahre 2010/11 zeigt, dass es durchschnittlich drei Operationen pro Tag im Juli und August gegeben hat. Diese Zeitspanne wird für Urlaubskonsumation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Überstundenabbau und Renovierungsarbeiten genutzt. Ab Herbst startet wieder der OP-Alltag mit durchschnittlich vier Hüft- und Gelenksprothesen. 
Gerade das KH Gersthof hat seine Vormerkzeiten für Hüft- und Knieendoprothesen in den vergangenen Jahren deutlich verringert. „Die Patientinnen und Patienten kommen heute durchschnittlich innerhalb von drei bis vier Monate zu ihrem OP-Termin. Früher betrug die Anmeldezeit noch durchschnittlich ein Jahr“ freut sich Generaldirektor Wilhelm Marhold. „Tolles Teamwork“, zollt er den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern seine Anerkennung. Beitrag vom: 27.06.2012 

George Orwell  hätte seine Freude mit dem Neusprech!

Kein Wort von einer (für alle Häuser) geltenden Kontigenten für die maximale Anzahl an teuren Prothesen, Schrittmachern, … etc.

Und eine Chuzpe sondergleichen:
Wenn es -wie vom KAV behauptet- 
es durch den Patientenwunsch keinen Bedarf an mehr OPs im Sommer gibt,
durch urlaubs- und Überstundenbedingte Personalengpässe nicht genug Personal für die Operationen anwesend ist und
wenn Umbauarbeiten in den OPs stattfinden, dann kann ohnehin keine OP angesetzt werden, unabhängig von irgendwelchen Anordnungen,
dann bestünde für die Kollegiale Führung (KoFü) keine Veranlassungen eine Maximalzahl an Operationen festzulegen. 

NotLügenPolitik wie gehabt: http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=33820

Written by medicus58

27. Juni 2012 at 16:59

Warum wir die Medizin nicht Ökonomen überlassen dürfen, auch wenn es schon zu spät ist

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Kürzlich feierten sich die wesentlichen Planer unseres Gesundheitssystems und ihren
Beschluß eine Gesundheitsreform abschliessen zu wollen nahezu besinnungslos.
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=68260

Sehen wir einmal von ein paar in eigener Sache agierenden und politisch gut vernetzten Gesundheitsökonomen wie Herrn Dr. Köck (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=53877) ab, werden Ärzte zur Entwicklung des Gesundheitssystems nicht mehr gefragt.
Selbst wenn man in zum Teil verständlicher Verärgerung über deren Standesvertretung (Ärztekammer), auf deren Mitsprache der Einfachheit lieber verzichtet – während die Wirtschaftskammer selbstverständlich ein wesentlicher Player bleibt – erklärt das nicht, weshalb man glaubt, auch ohne der Expertise der in der täglichen Routine arbeitende Ärzte auskommen zu können.

Außer

Ja, außer wenn man jedes Fachwissen automatisch als parteiisch desavuiert und – wie ja auch in anderen Bereichen des Lebens – ausschließlich auf den schneidenden Geist des Managers vertraut.

Ein Beispiel wäre der aktuelle Regionale Strukturplan Gesundheit (RSG) für Wien, der am Schreibtisch von Ebner Hohenauer HC Consult | Consulting entstand,
von der Landespolitik noch an die aktuellen „Freundeskreise“ angepasst
aber selbstverständlich nicht mit den eigenen Ärzten/Abteilungsleitern diskutiert wurde.
Ganz im Gegenteil bis zur Beschlussfassung in zwei Tagen wird das Papier selbstverständlich geheim gehalten.

Umschichtung der Betten aus den öffentlichen Spitälern in den privaten Bereich Schließungen von Abteilungen Verlagerung von Großgeräten ohne entsprechenden Infrastruktur Zentrumsbildung ohne Bereitstellung der erforderlichen Infrastruktur Kommentarlose Rücknahme von bereits zugesagter Verlagerung von Abteilungen und Verlagerung von Abteilungen und neue Verlagerungen ohne Rücksprache mit den beteiligten Abteilungen … 

Alles zu managen auf Grund der (auch schon hier diskutierten) miserablen Datenlage des vorhandenen Zahlenmaterials aus der eigenen EDV.

Es ist selbstverständlich klar, dass strategische Entscheidungen von oben fallen müssen, nur wenn dies ohne ausreichender Information passiert, ist das fatal.

Aber wer ökonomisch denkt, der kennt das Pareto Prinzip: http://de.wikipedia.org/wiki/Paretoprinzip

Das Paretoprinzip, benannt nach Vilfredo Pareto (1848–1923), auch Pareto-Effekt, 80-zu-20-Regel, besagt, dass 80 % der Ergebnisse in 20 % der Gesamtzeit eines Projekts erreicht werden. Die verbleibenden 20 % der Ergebnisse benötigen 80 % der Gesamtzeit und verursachen die meiste Arbeit.

Und das lehrt der Ökonom,
da schwärmt der Manager,
dass man auch mit beschränkten Mitteln, den Großteil der Arbeit leisten kann.

Kritik aus dem Gesundheitsbereich wird dann als „Winken mit dem Leichentuch“ abgetan,
nur unterscheidet sich der Umgang mit Kranken halt von der Fließbandproduktion dadurch,
dass
Restriskio individuelles Leiden bedeutet.

Wenn ich halt nur 80% meiner Überschußproduktion zusammen bringe, dann deckt das in unseren Breiten ohnehin den Bedarf um ein Vielfaches;
Wenn ich nur 80% der Patienten kompetent betreue, dann werde ich bis zu 20% der Bevölkerung invalidisieren.

Drum ist das Pareto Prinzip im individuellen Zeitmanagement hilfreich, aber die, die es im Gesundheitssystem anwenden, halte ich für Verbrecher.
Aber wieder zurück zur Wikipedia:
Die Pareto-Verteilung beschreibt das statistische Phänomen, wenn eine kleine Anzahl von hohen Werten einer Wertemenge mehr zu deren Gesamtwert beiträgt als die hohe Anzahl der kleinen Werte dieser Menge.
Vilfredo Pareto untersuchte die Vermögensverteilung in Italien und fand heraus, dass ca. 20 % der Familien ca. 80 % des Vermögens besitzen. Banken sollten sich also vornehmlich um diese 20 % der Menschen kümmern und ein Großteil ihrer Auftragslage wäre gesichert.

Und zum Schluß der Literaturhinweis: Koch, Richard: Das 80/20-Prinzip. Mehr Erfolg mit weniger Aufwand

Alles kein Problem, solange die Ärzte nicht erkennen, dass für ihre Prozessverantwortung 100% schlagend werden, halt doch ein Unterschied zu Ökonomen und Manager ..

Link: http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=67919
Abb.: Turiner Leichentuch http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Turin_shroud_negative-positive.JPG&filetimestamp=20090621233138

Von Imhotep zu den heutigen Deppen

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Die Mächtigen haben sich schon immer durch ihre Bauwerke gefeiert und verewigt, von den altägyptischen Pyramiden bis zum im späten Disneylandstil erbauten Gesundheitsministerium (http://de.wikipedia.org/wiki/Bundesministerium_f%C3%BCr_Gesundheit_(%C3%96sterreich) ).

An den Haaren herbeigeholt, diese Beispiele, meinen Sie:
Mitnichten, schließlich geht die Kunst des Pyramidenbaus auf Imhotep (http://de.wikipedia.org/wiki/Imhotep) zurück, einen politisch hoch aktiven Arzt!

Aber während in vordemokratischer Zeit die Mächtigen zumindest vorgaben von Gott eingesetzt worden zu sein oder überhaupt gleich behaupteten mit ihm in Personalunion zu stehen, haben unsere heutigen Volksvertreter ihr Amt mitsamt seiner Macht und Ohnmacht nur verliehen bekommen.
Es befallen einen mitunter Zweifel, ob sie das auch so sehen, aber zumindest hinterlassen aktuelle Bundeskanzler (Ex. Wohnbaustadtrad Faymann) keine Pyramiden sondern nur permanent im Umbau befindliche Gasometer (http://www.wiener-gasometer.at/de), deren zwar medial immer wieder behauptete Funktionalität sich nicht und nicht einstellen möchte (http://www.studium.at/174838-wiener-gasometer-soll-durch-neue-music-city-belebt-werden).

Politiker scheien ihre wesentliche Aufgabe in immer größerem Ausmaß darin zu sehen, sich Bauwirtschaft und Immobilienverwerter gewogen zu machen.

Über die bereits irrwitzige Dimensionen annehmende Bautätigkeit des Wiener Krankenanstaltenverbundes, haben wir hier schon berichtet:
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=67855

Die Privatisierungen der BUWOG, die Umsiedelungen von Finanzämtern und der Wirtschaftsuni unter Blau-Schwarz-Orange, der
Herren Grasserhttp://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=33552
Meischbergerhttp://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=33473
Plechhttp://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=34539
Hochegger: http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=33573
beschäftigen seit Jahren die Staatsanwaltschaft und diesen Blog.

Über die vom Wiener Bürgermeister Häupl ziemlich unverhohlen favorisierte Übersiedlung des ORFs vom Küniglberg nach St. Marx
(http://derstandard.at/1338559368743/ORF-Standort-Haeupl-Guenstigere-Konditionen-fuer-St-Marx-gelten-noch-laenger) ist ein aktuelles Beispiel, mit welcher Aufmerksamkeit die Politik dafür sorgt, dass Bauwirtschaft und Immobilienverwerter in Trabb gehalten werden. Die Sache ist überdies bemerkenswert, seit sich der Kurier mit der Frage beschäftigt hat, wem denn nun die Gründe der ehemaligen Schlachthöfe in St. Marx gehören (http://kurier.at/wirtschaft/4499636-media-quarter-marx-verwirrung-um-eigentuemer.php ).
Die Eigentumsverhältnissen des MQM (Media Quarter Marx), das die Gemeinde Wien (40%) mit Privaten (60% VBM Beteiligungsmanagement) aufgezogen hat, führen zum umstrittenen kasachischen Ex-Botschafter Rakhat Aliyev sowie nach Malta und in die Karibik.

Man nennt das PPP (Public Private Partnership http://www.juraforum.de/lexikon/public-private-partnership) was ja ansich noch nichts Schlechtes sein muss, solange klar gestellt ist, dass es hier um einen Gewinn für beide Seiten handelt und dieser Gewinn nicht ein kick-back in private oder Parteikassen ist.
Ohne einer generellen Schuldvermutung das Wort reden zu wollen, hat man als andächtiger Zuhörer verschiedenster Untersuchungsausschüsse aber so seine Zweifel.

Eine ganz aktuelle Entwicklung, wo ein mit großem Aufwand
an einem zentralen Platz (Wien Mitte)
mit privatem Geld (BAI, Bauträger Austria Immobilien GmbH
http://www.bai.at/)
eines poltisch am Standort gut vernetzten Players (Bank Austria)
errichtetes Gebäude (www.wienmitte.at)
mit politischem Druck mit
behördlichen Dienststellen (Finanz) gefüllt werden muss, läßt erneut Böses ahnen.
http://derstandard.at/1339638802840/Bauwerk-Kritik-an-Buendelung-der-Finanzaemter-in-Wien-Mitte

Die BAI ist übrigens diese Gruppe, die die „Entwicklung“ des Shangri-La-Hotels am Wiener Schubertring wegen Bauverzögerung versemmelt hat und steht im Besitze der Bank Austria.
http://www.wienerzeitung.at/nachrichten/wirtschaft/oesterreich/416744_Shangri-La-Hotel-hat-einen-neuen-Eigentuemer.html
http://www.hotelbau.de/aktuelles/branchennews/362-ritz-carlton-statt-shangri-la-in-wien.html

Dieser Deal ist insofern bemerkenswert, da er Mieteinnahmen von einer staatlichen Einrichtung (BIG Bundesimmobilien Gesellschaft
http://de.wikipedia.org/wiki/Bundesimmobiliengesellschaft) zu einem privaten Betreiber verschiebt.

Also irgendwie ist das so, wie wenn Sie aus ihrer eigenen Wohnung in ein Hotel ziehen würden, hoffen einen zahlungskräftigen Mieter für Ihre Wohnung auftreiben zu können und glauben, dass das Ganze für Sie ein Mordsgeschäft sein muß.

In einer früheren Schätzung der grünen Abgeordneten Moser zu den Immobiliendeals kommt es aufgrund solcher und ähnlicher “ Fremdeinmietungen“ zu insgesamt 18,6 Millionen Euro Mieteinnahmenverlusten im Jahr: Und zwar durch die Übersiedelung vom Gericht Riemergasse zum Justiztower, dem Patentamt in die Dresdner Straße, die Finanzdienststellen in Linz zum Terminaltower und jetzt den Bezirksfinanzämtern ins Finanzzentrum Wien Mitte.
http://derstandard.at/1339638802840/Bauwerk-Kritik-an-Buendelung-der-Finanzaemter-in-Wien-Mitte

Einerseits sind wir ja heute froh, dass sich unsere Politiker nicht mehr dadurch abfeiern, dass sie sich auf Kosten ihrer Untertanen mehr oder weniger große Lustschlösschen bauen.

Nein, das ist unfair, Rauch Kallat hat hier nur reingeheiratet:
http://www.news.at/articles/1212/img/322711_e.jpg

Aber als Arzt, und so schließt sich wieder der Kreis zum alten Imhotep,

als Arzt wird man ja ohnehin stets von allen und von „Transpareny Franz Fiedler“ im besonderen der Korruption geziehen:
Die Erfahrungen haben gezeigt, dass Korruption bedauerlicherweise ein echtes Problem ist – weil das Bewusstsein bei einer Reihe von Akteuren, nicht zuletzt den Ärzten, nicht ausgeprägt ist.“
http://diepresse.com/home/panorama/oesterreich/535305/Korruption-in-der-Stadt-Wien

also nochmals

als Arzt stellt man sich die Frage,
ob der Pharmaheurige nach der Kongreßvortrag,
die Flasche Wein zu Weihnachten oder
der Kugelschreiber von der Pharmaberaterin

die Korruption ist, die an die Wurzel unserer Gesellschaft geht.

Ein aktuelles höchstgerichtliches Urteil aus Deutschland scheint dies ähnlich zu sehen, obwohl ich persönlcih hier schon meien Bedenken hätte:
http://www.focus.de/politik/deutschland/geschenke-von-pharma-unternehmen-legal-kassenaerzte-nicht-wegen-korruption-strafbar_aid_771138.html

Aber als Staatsbürger scheint mir die politische Einflußnahme zugunsten der Bau- und Immobilienbranche
(und da haben wir noch nicht übner Schallschutzwände auf offenen Autobahnabschnitten gesprochen) immer unerträglicher.
Ich hoffe es handelt sich dabei nur um Dummheit,
ich fürchte aber es handelt sich um Methode.

Bildnachweis: Wikipedia: Imhotpe; Diese Datei ist unter der Creative Commons-Lizenz Namensnennung 3.0 Unported lizenziert

Written by medicus58

25. Juni 2012 at 16:39

Banales über Banken und Ärzte

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Wo es einen Schuldner gibt, da gibt’s immer auch einen Gläubiger.
So weit so banal.

Ein Gläubiger kann nur was herborgen, wenn er es auch hat.
Das gilt für den berufstätigen Gläubigen, den „Banker“ eigentlich nicht.
Basel III, das 2013 in Kraft treten soll (!) verlangt ab dann eine Mindestkernkapitalrate (Common Equity Capital Ratio) von 3,5%. Über weitere Vorgaben und Definitionen: http://de.wikipedia.org/wiki/Basel_III

Borgen ist immer ein Risiko, die gewissenhafte Abschätzunf verlangt nach Experten.
Egal, ob es um die Finanzierung Ihres Eigenheims oder die Finanzierung einer andalusischen Wohnungsanlage mit integriertem Golfplatz ging, irgendjemand im Bankensystem hat eine Prüfung durchgeführt, eine Expertise abgegeben und dafür ein stattliches Gehalt bekommen, dass er das Risiko für seinen Arbeitgeber minimiert und die Gewinnaussicht maximiert.
Muß er wohl, denn bei so geringen Eigenkapitalmittel, kann es sich keine Bank leisten, dass zu viele der Kredite uneinbringbar sind. Das ist an sich in Ordnung.
Dass unter dem billigenden Auge staatlicher Aufsichtsbehörden auch Staatsanleihen als praktisch sicheres Eigenkapital gewertet werden, nützte Bank und Staat.

Nur ist das jetzt alles ein bißchen schief gegangen …

Wären Sie zur Ihrer Hausbank gegangen und hätten gemeint, dass Sie für Ihr geplantes Eigenheim ohnehin so 2-3% Eigenkapital aufbringen könnten, hätte man Ihnen wieder wortlos die Weltspartaggeschenke abgenommen und mit Schimpf und Schande nach Hause geschickt, denn der Kreditexperte hätte Ihnen messerscharf vorrechnen können, dass
in Ihrem Fall das Risiko für die Bank unverantwortlich hoch wäre

Ok, Subprimekrise, vielleicht hätte ein US Banker solange gerechnet, bis er auf Wertsteigerungen ihrer Holzhütte gekommen wären, die den Kredit doch zu rechtfertigen schienen. Und da das mehrfach passierte schätzte 2008 der Hedgefond Bridgewater, dass damit ca 400 Milliarden US$ verbrannt wurden. Dann rechneten sie nach und kamen auf 1600 Milliarden US$.
http://www.ftd.de/finanzen/:kosten-der-subprimekrise-1-600-000-000-000-dollar/382551.html

Und dann kamen Bankenrettungen, Finanzkrisen, Schutzschirme, Staatskrisen ,…..

Und alles nur, weil Ihr Kreditberater zwar richtig eingeschätzt hat, dass Sie zuerst mehr als nur 2-3% der Errichtungskosten Ihres Eigenheims beisammen haben müssen, ehe er Ihnen guten Gewissens den Rest auf Pump (gegen Zinsens natürlich) leihen darf, als gewissenhafter Banker

Und jetzt, jetzt frage ich mich:

Wenn er dazu verpflichtet war, dann haben all die anderen „weniger gewissenhaften Bankergegen irgendwas verstoßen und sollten dafür
haft- und strafbar sein

Muss ja wohl so sein, denn sonst hätte es doch keinen Sinn gemacht, dass seine Gehalt und Boni an die Menge der verschobenen Geldmengen gebunden war.

Der Chef der Deutschen Bank, Herr Ackermann ist mit einem „Pensionspot“ von 18,7 Millionen €. http://www.efinancialnews.com/story/2012-03-20/golden-pension-pot-for-ackermann in den wohlverdienten Ruhestand gegangen.

Aber Achtung, gerade als Arzt weiß man, dass man nicht für den Erfolg sondern nur für die „lege artis“ (Regeln der Kunst) Durchführung haftet.
Ein Arzt ist schließlich auch nicht verpflichtet für das Begräbnis seines Patienten zu zahlen, auch wenn der an seinem Lungenkarzinom letztendlich stirbt. Er haftet aber, dass er den Patienten nach dem aktuellen Regeln seiner Profession behandelt.

Und jetzt frage ich mich:

Wenn der „Banker“ jetzt trotz umsatzgebundenen Einkommensbestandteilen für Fehlschläge nicht haftet, dann muss er doch hoffentlich nachweisen, dass er die gültigen Regeln der Risikoabschätzung befolgt hat.
Wenn „die Banken“ sich an die Regeln gehalten haben, dann müssen die Regeln falsch gewesen sein (und nicht nur um die kleine Schritte, mit denen zwischen Basel I und III herumgedoktert wird) und gehören drastisch verbesert.
Wenn „die Banken“ sich nicht an ihre Regeln gehalten haben und trotzdem keine rechtlichen Sanktionen fällig werden, dann sind sie besser geschützt, als die angeblich so privilegierten Ärzte.

Und sagen Sie jetzt nicht, dass „schlechte Ärzte“ mehr Menschen umbringen können als Wirtschaftskrisen, denn das würde den nächsten Blogeintrag provozieren …

http://wp.me/p1kfuX-eq

Nachtrag: Banker = BankerIn, nur sitzen in den Spitzenpositionen traditionell eh mehr Männer als Frauen

Written by medicus58

22. Juni 2012 at 19:18

Med-Unis: Neue Spielwiese der Provinzpolitiker?

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Wir haben hier schon einmal (12/2010) darauf hingewiesen, dass die Frage, ob es einen Ärztemangel in Österreich gibt,
seit Jahren mehr über die Position des Sprechenden Auskunft gibt, als über die realen Verhältnisse: http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=33160.

Wer leugnet, dass wir inzwischen wie viele andere Länder inzwischen Probleme haben, offene Turnus- und Facharztstellen, sowie Praktikerordinationen in weniger attaktiven Regionen zu besetzten, der möge sich nur einmal die Stellenausschreibungen in den einschlägigen Ärztezeitungen ansehen.
Der „bezahlte Gesundheitsrationalisierer“ wird einwerfen, dass die Anzahl der Ärzte pro Einwohner in Österreich weltweit einen Spitzenplatz einnimmt, nur übersieht er hier bei seinen Rechenspielchen (absichtlich?) wie aktuell Herr Langbein im Falter, dass ein immer größerer Teil der Dr. med. univ. s nicht mehr an Krankenbett oder an der Ordinationsliege arbeitet, das heißt trotz abgeschlossenem Studium und oft trotz abgeschlossener postpromotioneller Ausbildung in andere Professionen abgewandert sind.

Auch Deutschland musste erkennen, dass die planwirtschaftliche Ärzteproduktion qua „Numerus clausus“ fehlschlug, da etwa die Hälfte derer, die die umkämpften Studienplätze erlangt haben, nach Studienabschluß nicht mehr als „Arzt“ in de direkten Patientenversorgung arbeiten. Dies freut die österreichischen Studienabsolventen, die von deutschen Spitälern auch ohne abgeschlossenem Turnus mit offenen Armen aufgenommen werden und dann bei uns fehlen, oder auch nicht, je nachdem wer die Studie bezahlt hat …

In allen Gesundheitsreformen der letzten Jahrzehnte wurde überdies gepredigt, dass wir in Österreich auch viel zu viele Spitalsbetten pro Einwohner haben und die Schließung mancher Spitäler gefordert.
Dass kaum jemand angesichts dieser statistisch nicht abzustreitender Fakten die Frage stellte,
ob wir vielleicht auch soviele Spitalsbetten brauchen, weil der extramurale Bereich zu wenig versorgungswirksam ist
(weil die Ordis halt meist zu sind)
und die Altenversorgung nicht fuktioniert (und die verwirrte Oma monatelang (!) im Akutbett „abliegt“, weil kein Pflegeplatz frei ist), tut hier nun nichts zur Sache.

Unter dem Druck der klammen Kassen erleben wir zumindest in Wien  jetzt ohnehin ein Spitalssterben:
Kaiserin Elisabeth Spital, Sophien Spital, noch unklare Teile des Otto Wagner Spitals, … etc.

Der Druck des Rechnungshofs auf Österreichs verkanntesten Gesundheitspolitiker, den nur ein dummer Zufall zu Niederösterreichs Finanzlandesrat gemacht hat:
dem WESP http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=32557
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=33803
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=42528
wird auch immer größer, so dass es auch hier nur mehr eine Frage der Zeit sein wird, bis hinterfragbare Doppelstrukturen fallen  ….

ABER,

die Junker aus der Provinz haben schon eine Alternative, wenn die Stadt- und Landesspitäler geschliffen werden: Die MEDIZINERUNI.

Auf die Bestrebungen die Stadt Linz mit einer Meduni zu veredeln haben wir hier schon verwiesen.
Die Protagonisten sammelten 136.000 Unterschriften (http://www.meduni-linzooe.at/home/) und setzen sich schon mit dem Segen von BuMin Töchterle in einer Expertenrunde zusammen: http://www.nachrichten.at/nachrichten/politik/landespolitik/art383,908750

Niederösterreich, das in Gugging ja schon eine „Instant Eliteuni“ gegründet hat (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=52689) vermeldet nun (mit Unterstützung der Meduni Wien) in
Krems  die Gründung einer privaten Medizinuni: Die „Karl-Landsteiner-Privatuniversität“  (http://noe.orf.at/news/stories/2537636/ ; Studiengebühren bis 14.000 €).

Da kann Kärnten nicht zurück stehen und verkündet, dass die Meduni in Klagenfurt ab Wintersemester 2013 „Ärzte produzieren“ wird (gemeinsam mit Landesgeldern, der privaten Sigmund Freud Uni, Graz und dem zuletzt stark in Troubles befindliche Klinikum Klagenfurt). http://www.kleinezeitung.at/allgemein/video/multimedia.do?action=showEntry_VideoDetail&project=462&id=200041
Der wichtigste Unterschied zu Krems: In Klagenfurt wird die Unterrichtssprache Deutsch sein, no na net, in Krems soll in Englisch unterrichtet werden
http://kaernten.orf.at/m/news/stories/2537713/

Salzburg hat ja ohnehin schon seine Privatuni, nur über die Vorarlberger Bestrebungen, den eigenen Studenten die Reise nach Innsbruck ersparen zu wollen, ist es augenblicklich stiller.

NA UND?

Kann es den zu viel Ausbildung für den akademischen Nachwuchs geben, schließlich schielt man ja offenkundig auch auf (finanzstarke) Studienwillige aus dem benachbarten Ausland und das kann doch auch ein Geschäft werden?!

Gemach, gemach ….

Die medizinische Ausbildung, wie alle stark berufsorientierte Ausbildungen, wird zunehmend in drei Bereiche unterteilt: KenntnisseErfahrungenFertigkeiten
Vereinfacht kann man sagen, dass man unter Kenntnissen überwiegend theoretisches Wissen versteht, das man durch Bücher, Frontalvorlesungen oder Multimedia praktisch einer unbeschränkter Zahl an Studenten vermitteln kann.
Erfahrungen setzen voraus, dass der Student eine bestimmte Krankheit, eine bestimmte Technik zumindest einmal erlebt hat. Ich habe zwar auch Universitätslehrer erlebt, die meinten,
dass man Erfahrungen auch in der Bibliothek machen kann, jedoch verbietet es mir der Anstand „ein paar Anekdoten zu drücken“, welche Lachnummer der Mann am Krankenbett war (Sein Impact Faktor war übrigens beeindruckend).
Spätestens bei Fertigkeiten ist es unabdingbar, dass ein Arzt sein Handeln auch unter Aufsicht (besser Draufsicht eines Ausbildners) so weit übt,
dass es er es auch eigenverantwortlich zum Nutzen und nicht zum Schaden des Patienten ausüben kann.

Da sich in den letzten Jahrzehnten auch ein Paradigmenwechsel im Medizinstudium ergeben hat und nun gefordert wird, dass ein Student auch schon während des Studiums einige Fertigkeiten erwerben muss, kann eben nur eine bestimmte Anzahl an Studenten ausgebildet werden. Es existieren inzwischen sogar zum Teil detailliertere „Logbücher“ für Studenten als für Turnusärzte. In Wahrheit hat man in Europa in  vielen Ländern mit den Studienabschluß das Recht zu ordinieren. In Österreich ist dies innerhalb des Sozialsystems verboten, außerhalb theoretisch möglich.

Und da werden sich alle Provinzpolitiker, die mit der eigenen Meduni renomieren wollen, scheiden, denn dazu braucht man
genügend qualifizierte Ausbildner und eine ausreichende Anzahl geeigneter Patienten.

Was soll ich sagen, ohne meine Deckung zu sehr aufzuheben 😉

Diese Inflation an Medizinunis ist ein bodenloser Schwachsinn und gefährdet die Qualität der Medizinerausbildung stärker als die drei, vier Medizincurricula,
die ich bisher erleben, exekutieren und erleiden musste …

Unsere Landespolitiker sollten es dabei  belassen, noch ein paar Sommerfestspiele zu gründen und die Finger von Dingen zu lassen,
die ihren geistigen Horizon derartig sichtbar übersteigen.

Nachtrag 21.6.2012:
Der Eintrag wurde vom Gesundheitsökonom Pichlbauer kommentiert, der kritisiert, dass meine Aussagen zum Thema Ärztebedarf falsch wären und verweist auf seinen eigene Blogbeitrag (http://www.rezeptblog.at/tag/arztebedarf/. Mir scheint es zwar sehr klar, dass es bei meinem Blog eigentlich nicht um den „objektiven“ Ärztebedarf ging, sondern nur darum, dass mit dem Thema sowohl von der Landes- als auch der Universitätspolitik so geschachtert wird, wie man’s brauch. Ungeachtet dessen ist die Analyse Pichlbauers lesenswert (und eigentlich gar nicht so kontradiktorisch zu meinen Angaben ….) und ein paar Anmerkungen dazu sind, ebenso wie seine erste Antwort unter den Kommentaren.

Written by medicus58

20. Juni 2012 at 19:07

Haben Sie die Revolution verpasst? Die lautlose Diktatur des globalisierten und deregulierten Kapitals

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Spätestens seit den Zeiten der Französischen Revolution (1789 bis 1799) wird mit dem Begriff einer “Revolution” eine radikale, für alle augenfällige Änderung eines bestehenden Systems innerhalb eines relativ kurzen Zeitraumes verstanden. Hier wird jedoch übersehen, dass sich Revolutionen auch über einen längeren Zeitraum erstrecken konnten, wie zum Beispiel die Industrielle Revolution von ca. 1750 bis 1850. Jedoch verlief auch diese Revolution “nicht unbemerkt”, ihre Protagonisten konnten und wollten ihrer Absichten nicht verheimlichen, die breite Masse erkannte den revolutionären Charakter nicht nur an ihren Spätfolgen, sondern bereits während der „Umwälzung“.

In den letzten Jahrzehnten (!) ist jedoch eine, in ihrer Radikalität völlig unterschätzte Revolution abgelaufen, die erst jetzt durch einige ihrer Folgen und noch immer nicht in ihrer Radikalität und Totalität ins öffentliche Bewusstsein gelangte:
Eine Revolution, in der das Kapital die Herrschaft über alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens errungen hat. Nennen wir sie, vorbehaltlich einer besseren Bezeichnung:

Die lautlose Diktatur des globalisierten und deregulierten Kapitals.

Viele sprechen von einer neoliberalen Revolution, was aber den Kern verfehlt, da neoliberales Gedankengut zwar das Vokabular vorgab, die letztendliche Entmachtung der staatlicher Autorität aber den Neolibs ihres staatlichen Regulators beraubte und somit auch diese Theorie nur zum Steigbügelhalter einer übergeordneten Bewegung degradierte (Lenin hätte von “nützliche Idioten” gesprochen).

Die Zutaten dieser Revolution sind:
Kapitalismus,
Globalisierung,
Neoliberalismus,
Deregulierung/Privatisierung/Freihandel und
Religiöser Fundamentalismus
.

in gewisser Weise also eine Gegenrevolution zur „klassischen Aufklärung“.
Deshalb steht dieser Artikel auch in diesem Bereich des Blogs.

Unter Kapitalismus wird hier eine quasireligiöse Denkweise verstanden, in der Kapital nicht nur als dritter Produktionsfaktor neben Arbeit und Boden gesehen wird, sondern als ein sich ohne persönliche Arbeitsleistung (durch Zins, Spekulation, …etc. jedenfalls) selbst vermehrender Wert. Dass damit der Energieerhaltungssatz der Naturwissenschaften missachtet wird, stört den Ökonomen nicht, jedoch davon später. Der Kapitalismus bedingt auch eine Produktionsweise, die nicht auf Bedürfnisbefriedigung ausgelegt ist, sondern nur durch Überproduktion und stetes Wachstum lebensfähig bleiben könnte, was wieder, siehe oben, innerhalb eines geschlossenen Systems unmöglich ist. Da letztendlich alles kaufbar gemacht wird, bestimmt der Besitzer des Kapitals die sozialen, politischen, rechtlichen und kulturellen Verhältnisse der Gesellschaft, er kauft sie also. Wesentliche Güter, für die kein Markt existiert oder aufgebaut wurden, werden negiert und allfällige (ökologische, soziale, …) Kollateralschäden der Allgemeinheit überlassen.

Unter Globalisierung wird hier keine Internationalisierung der Welt verstanden -wie sie Teilen der Linken angestrebt- sondern eine einseitig durch die Macht des Kapitals erzwungene und durch neue Technologien begünstigte weltweiten Öffnung von nationaler Wirtschaft, Politik, Kultur und Kommunikation gesehen. Eine Internationalisierung würde hingegen alle auftretenden gesellschaftlichen, ökologischen und ökonomischen Probleme zur gemeinsamen Sache machen. In der globalisierten Welt der Kapitalismus werden Gewinne privatisiert, alle anderen Probleme jedoch nationalisiert, das ist der wesentliche Unterschied zum Internationalismus der Linken.
Triebfeder der Globalisierung war der, dem Kapitalismus innewohnende Zwang zu kontinuierlichem Wachstum und zur Profitsteigerung: beides ließ sich innerhalb der “ersten Welt” nicht mehr gewährleisten. Durch Globalisierung konnte die Produktion von Verbrauchsgütern in Billig-Lohn-Länder (mit weniger scharfen Umwelt- und Sozialgesetzen) verschoben werden, während die Verkaufgewinne weiterhin in Hoch-Preis-Ländern anfallen. Zusätzlich ermöglichte die Ausweitung der Märkte, die Überschussproduktion kapitalistischer Marktwirtschaft nicht einstampfen zu müssen, sondern in den erschlossenen Märkten (mit geringeren Spannen) ebenfalls zu Geld machen zu können. Die schrankenlose Verbringung des Kapitals erleichterte es zusätzlich, Steuern und Abgaben entweder überhaupt “off shore” oder zumindest in jenen Staaten anfallen zu lassen, wo die Abgabenquote geringer war als dort, wo die Gewinne eingefahren wurden.

Unter Neoliberalismus wird hier der angelsächsische Neoliberalismus der Mont Pelerin Society verstanden, der mit religiösem Eifer jeden staatliche Einfluss auf das Wirtschaftsleben und den Ausgleich mit gewachsene Interessensvertretungen (Gewerkschaften) zu zerstören sucht und auf die heilsbringende Macht des freien Markt setzte, der durch eine marktgerechte Regelordnung des Staates vor Monopolbildungen geschützt wird. Damit reagiert er zwar auf ein Grundproblem des Kapitalismus, dass der erfolgreichste Spieler zwingend zum Monopolist wird, ist aber in seinem Glauben unfassbar infantil, indem er dieses unvermeidbare Endziel des “Besseren” kurz vor seiner Erfüllung durch “Väterchen Staat”, den er vorher massiv beschnitten hat, unterbunden sehen will. Irgendwie erinnert das an herumtobende Kinder, die sich darauf verlassen wollen, dass es im Zweifelsfall der „Papa schon richten wird“. Dass dies prinzipiell nicht funktioniert, hat u.a. die “Zerschlagung” von AT&T gezeigt (http://de.wikipedia.org/wiki/AT%26T ), die sehr bald wieder aus den zerschlagenen Töchtern zusammengewachsen ist.

Wenn
Alexander Rüstow, der „Erfinder“ des Begriffes „Neoliberalismus“ im deutschen Sprachraum postuliert:„Der neue Liberalismus … fordert einen starken Staat, einen Staat oberhalb der Wirtschaft, oberhalb der Interessenten, da, wo er hingehört.” entlarvt er den Neoliberalismus als quasireligiöse Ideologie, die an die “Gottheiten” Markt und Staat glaubt, die plötzlich „als einzige objektiv und frei von persönlichen Interessen“ handeln. Dies ist umso bemerkenswerter, als unter dem Vorwand seiner Effizienzsteigerung der Staat systematisch seiner ökonomischen („Mehr Privat weniger Staat“) und personeller Ressourcen („Beamtenabbau“) beraubt wurde.
Dass die
Körperschaftssteuern, also eigentlich die Steuern, die die Wirtschaft an den Staat für Dienstleistungen, die sie von ihm will, abliefern sollte, in den letzten Jahrzehnten immer mehr gesunken sind, schien unsere Neolibs auch nicht aufzufallen.
Die
Privatisierung strukturell wesentlicher Systeme (Bahn, Post, Telekom, Gesundheitssystem, …) lief nicht nur in Österreich über korrupte Kanäle und nahm „dem Staat“ auch noch die Möglichkeit zur Strukturpolitik.
Die
Umstellung der Gesundheits- und Pensionssystemevom Umlageverfahren auf ein Kapitaldeckungsverfahren und die Privatisierung dieser Bereiche eröffnet dem Kapital einen riesigen Markt und bot ihm dadurch ungeahnte Spekulationsmöglichkeiten, nachdem (vor allem in den USA und UK) viele andere, traditionell staatliche Bereiche privatisiert wurden (Strafvollzug, Polizei, Kriegsführung, …) bleibt nur noch der Sozialstaat als Hoffnungsmarkt.

Die Deregulierung, also der zunehmende Abbau aller Schranken des Kapital-, Waren- und Dienstleistungsverkehres, wurde mit sendungsbewusstem Eifer verfolgt. Während es innerhalb der Europäischen Union noch als Teil einer notwendigen Harmonisierung aufgefasst werden kann und durch das hohle Versprechen von Reisefreizügigkeit (die aber wie aktuell auch sehr schnell zurückgenommen wird) und Verbilligung von Verbrauchgütern (Made in China) verkauft wurde, war es gegenüber der Dritten Welt reiner Neokolonialismus. Die Beseitigung von Handelshemmnissen wird fälschlicherweise als Wirtschaftsmotor angepriesen, wobei seit den 50er Jahren (!) das derart erzeugte Wachstum überwiegend nicht die Produktion, sondern nur die Ausweitung des Handels betraf, oder in anderen Worten wächst seit den 50er Jahren der Handel schneller als die Produktion.

Die Deregulierung des Finanzmarktes führte überdies dazu, dass ein immer größerer Anteil der Finanzbewegungen sich nur mehr kurzfristiger (inner- und außerbörsliche) Spekulation widmet und (auch vor der letzten Krise) nicht mehr der “Realwirtschaft” dient. Die Werkzeuge der Deregulierung wurden im Zuge der Konferenz von Bretton-Woods 1944 zum Zwecke des Wiederaufbaus nach dem 2. Weltkrieg geschaffen, aber schon nach weniger als 2 Jahrzehnte (in erster Linie von den USA) als Werkzeug für eine Revolution des globalisierten Kapitalismus zweckentfremdet:
IWF/IMF (Internationaler Währungsfond) Weltbank US Dollar als Leitwährung/Goldbindung
Der
IWF sollten den 187 Mitgliedsstaaten als “lender of last resort” helfen, wobei  später auf Initiative der USA, die auch eine Sperrminorität im IWF haben, die Konditionalität eingeführt wurde und dadurch die Gewährung von Hilfskrediten kein automatisches Rechtsondern an Bedingungen gebunden werden konnte. Die verordneten wirtschaftspolitischen Maßnahmen (Kürzung der Staatsausgaben, Abwertung, Abbau von Handelsbeschränkungen und Handelskontrollen, Abschaffung von Preissubventionen für Grundbedarfsartikel, Haushaltskürzungen, Privatisierung öffentlicher Unternehmen und Einrichtungen, Beamtenabbau, Abbau von Subventionen) werden als Washington Consensus (http://de.wikipedia.org/wiki/Washington_Consensushttp://de.wikipedia.org/wiki/Washington_Consensus) zusamengefasst und ermöglichten somit unter Umgehung demokratischer Prozesse einen direkten Eingriff des Kapitals auf die Staatsführung. Allende’s Chile ist nur ein Beispiel, wie unter Zuhilfenahme der CIA ein Staat wirtschaftlich und militärisch zerschlagen wurde, um nach Installierung eines genehmen Regiemes (in diesem Fall die Militärdiktatur Pinochets) sich durch gezielte Wirtschaftshilfe auch den Zugang zur Rohstoffausbeutung zu sichern.
Die
Weltbank (http://de.wikipedia.org/wiki/Weltbank) steht nur IWF Mitgliedern offen und bezeichnet eine in Washington angesiedelte, durch einen gemeinsamen Präsidenten verbundene Bankengruppe (IBRD, IFC, MIGA, ICSID), die ursprünglich wie der IWF den Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg finanzieren sollte. Heute ist das wesentliche Ziel der Weltbank die Förderung der Privatisierung. Auch nach einer Änderung der Stimmrechte im Jahre 2010 haben die USA weiterhin den größten Stimmenanteil und somit das Sagen.

In Bretton Woods wurde auch im „White Plan
der
US $ als Referenzwährung festgelegt, zu der alle anderen Währungen (innerhalb gewisser Grenzen) ein fixes Wechselverhältnis hatten. Weiters wurde ein fixes Tauschverhältnis zwischen US$ und Gold festgelegt. Für die entstandene Gleichstellung zwischen Dollar und Unze hatte sich die US-Zentralbank, freiwillig verpflichtet, den Dollar zu dem Kurs (35 Dollar je Unze) zu kaufen oder zu verkaufen. Diese „Golddeckung“ wurde aber unter Nixon aufgehoben, als offenkundig wurde, dass dieses Versprechen mangels Goldreserven nicht eingelöst werden konnte.

Das ebenfalls 1947 beschlossen Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen (englisch General Agreement on Tariffs and Trade; GATT) sollte in gegenseitigem Abtausch Zölle und Handelsschranken abzubauen (http://de.wikipedia.org/wiki/GATT). Im Gegensatz zu den vorgenannten Strukturen handelte es sich um keine Internationale Organisation sondern um einen vökerrechtlicher Vertrag. Die unterschiedliche ökonomische Stärke der beteiligten Ökonomien ermöglichte es auch hier, ökonomisch schwächere Märkte unter Druck zu setzen und für essentielle Strukturen (z.B. Wasserrechte) einen Markt zu eröffnen.

Weitere Meilensteine der Entwicklung waren in den USA 1999 die Aufhebung der im  Glass-Steagall Act (http://de.wikipedia.org/wiki/Gnass-Steagall_Act) festgelegten institutielle Trennung zwischen Kommerzbanken (Einlagen- und Kreditgeschäft) und Investmentbanken durch den Gramm-Leach-Bliley Act (http://en.wikipedia.org/wiki/Gramm–Leach–Bliley_Act) der es ermöglichte, dass nun das klassische Bankgeschäft, Investmentbanking und Versicherungsgeschäfte in einem Institut ablaufen konnte. Dieser Schritt wird von vielen als wesentlich für das Entstehen der 2007 Subprime Krise gesehen.

Bei religiösem Fundamentalismus denkt man heute nur an Kopftuchzwang und Taliban. Die infantile Glaube der letzten Jahrzehnte an interesselos agierenden Göttern, wie sich selbst regelnden Märkte oder abgehalfterte und trotzdem objektiv agierenden Staat, die protestantischen Ethik anglikanischer Prägung, die im wirtschaftlichen Erfolg ein göttliches Zeichen der Auserwähltheit sehen wollte, der bedingungslose Glauben an die menschenunabhängigen Gesetze der neuen Ökonomie mit all ihren Fetischen und die inzwischen allgemein akzeptierte Alternativlosigkeit dieses Weges, der auch Weite Teile der Sozialdemokratie verfallen sind (Blair, Schröder, Dritter Weg, …) hat Züge eines religösen Fundamentalismus. Die scheinbare Unantastbarkeit zentraler Axiome und katapultierte uns hinter die zentralen Erkenntnisse der Aufklärung.

Zusammenfassend hat die
lautlose Diktatur des globalisierten und deregulierten Kapitals

den demokratischen Prozess umgangenKapitalismus braucht keine Demokratie” (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=55365),

die klassischen Verhandlungspartner (Gewerkschaften, Kammern, NGOs, Zivilgesellschaft…) marginalisiert,

eine gigantischen Umverteilung der Arbeitsleistung in der Welt bewirkt
(hochwertige Dienstleistung und Technologie in der Ersten Welt,
niederwertige Dienstleistungen und Massenproduktion in Schwellenländer),

Politiker
zu Gehilfen scheinbar alternativloser ökonomischer Sachzwänge degradiert bzw. Schlüsselstellen der Politik durch Repräsentanten der Finanzwirtschaft infiltriert
(http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=68494)
,

unbemerkt von der Masse der Wähler
den europäischen Sozialstaat zur Wettbewerbsgesellschaft umgebaut,

zu einer massiven Expansion der Finanzmärkte,
einer Deregulierung des Arbeitsmarkts mit sinkenden Lohn- und steigenden Kapitaleinkommen geführt und

die Gesundheits-, Bildungs- und Altersvorsorgesysteme zu Märkten gemacht, die durch den Übergang zum Kapitaldeckungssystem zusätzliche Summen auf die Finanzmärkte schwemmte
(http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=55113 http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=54648).


Und warum funktioniert das so gut?

Auf einen Aspekt (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=58262) wurde hier schon hingewiesen:
Eine der Falscheinschätzungen des Kommunistischen Manifests war offenkundig, dass einerseits die Steigerung der Produktivität so groß werden konnte, dass die Befriedigung der primären Bedürfnisse der „breiten Masse“, also Nahrung und Bekleidung so billig wurde, dass nahezu jeder sie mit seinem Lohn befriedigen konnte und andererseits der Kapitalismus von der großindustriellen Produktion für anderer Großindustrien auf die Produktion von Konsumgüter umstellte, die wiederum auch die sekundären Bedürfnisse, wie Mode, Unterhaltungsindustrie, …  für breite Teile der westlichen Gesellschaften erschwinglich wurden.

Auf den gut funktionierenden Selbstbetrug der Mittelschicht hat z.B. Ulrike Herrman in ihrem Buch „Hurra,wir dürfen zahlen“ sehr plakativ hingewiesen: Reichtum in unser Gesellschaft ist (nicht mehr) anstößig, er darf nur nicht die eigenen Illusion bedrohen, selbst im Aufzug nach oben zu sitzen.
Auch die Soziologie wandte sich von den ökonomisch definierten Klassen ab und erforschte Sinus-Milieus die sich nicht mehr durch ähnliche ökonomische Möglichkeiten sondern durch ähnliches Konsumverhalten definierten.
Berthold Vogel
wies in Das Problem der Exklusion (Hamburger Edition 2006) darauf hin, dass heute nicht mehr thematisiert wird, dass es Herrscher und Beherrschte, Ausbeuter und Ausgebeutete gibt sondern gerade in der Krise der Mittelstand dazu tendiert sich selbst zur Elite zu zählen, da sie sich bereits als herausgehoben zählen, nur weil sie nicht zu den Ausgestoßenen (Arbeitslosen) zählen. 


Dass diese Revolution so glatt über die Bühne gehen konnte ist selbstverständlich auch ein Versagen der tonangebenden Kräfte links der jeweiligen politischen Mitte, von Tony Blairs „New Labour“ bis zu Clinton’s Demokraten, die zum Teil kräftiger an der Umsetzung der genannten Schritte gearbeitet haben als Reagan und Thatcher.
Wenn nicht persönliche Unredlichkeit und Gier auf lukrative Positionen für die Zeit nach der politischen Funktion die wahre Begründung für dieses zur eigenen Weltanschauung eigentlich kontradiktorische Verhalten war, dann kann es nur an der
fehlenden intellektuellen Weiterentwicklung linker Ideologie gelegen haben, weshalb der für jeden Demokraten erfreuliche
Zerfall der kommunistischen Diktatur in Russland die Linke völlig blauäugig der nächsten Heilslehre in die Arme getrieben hat.


Und warum wird das alles nicht auf Dauer funktionieren?

Aus naturwissenschaftlicher Sicht, weil das für unser derzeitiges System unabdingbare schrankenlose Wachstum dem Energieerhaltungssatz geschlossener Systeme widerspricht (http://de.wikipedia.org/wiki/Energieerhaltungssatz) und mit der weitgehend Öffnung aller Bereiche für den kapitalistischen Markt die Grenzen des Systems erreicht sind.

Aus humanistischer Sicht, weil selbst monetäre Gewinne und Macht offenbar keine dauerhafte Befriedigung verschaffen, sonst würden Menschen, die sie erreicht haben, nicht zwanghaft und und unstillbar nach deren Vermehrung streben.

Aus ökologischer und kybernetischer Sicht
, weil alle bisherigen Versuche gemeinschaftlich genutzte Ressourcen im Markt einzupreisen (Emissionsrechtehandel: http://de.wikipedia.org/wiki/CO2-Zertifikate) gescheitert sind und hoch komplexe gesellschaftliche und ökologische Systeme sich nicht soweit dekonstruieren lassen, dass alle Parameter marktgerecht ausgepreist werden können. Aus diesem Grunde müssen systemkritische Bereiche (natürliches Trinkwasser, saubere Atemluft, Saatgut, Bildung, Gesundheits- und Altersversorgung, öffentlicher Transport, … etc.) vor spekulativen Zugriffen bewahrt werden.

Aus sprachkritischer Sicht, weil Finanzprodukte keine Produkte sind,
hier nichts hergestellt wird, sondern nur Umschichtungen zwischen Gewinnern (und Verlierern) institutionalisiert werden.

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