Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Archive for Juni 2017

Wünsche an den neuen KAV Generaldirektor (Teil 1: Kafkaeskes Prozessmanagement )

with 2 comments


Über die neue Struktur des Wiener Krankenanstaltenverbundes wurde Anfang 2017 entschieden,
die Ausschreibung der Generaldirektion wurde für Ende Juni 2017 versprochen.

Nachdem wir uns je nach Position die Tränen endgültiger Verzweiflung oder höhnischen Lachens aus dem Augenwinkeln gewischt haben, wäre es doch einmal ganz lohnend einen Wunschzettel an den neuen Generaldirektor zu schreiben.
Wem das als Brief ans Christkind erscheint, mag angesichts der Termintreue der Wiener Stadtregierung vielleicht sogar recht haben.

Mein erster Wunsch wäre eine Bereinigung des Kafkaesken Prozessmanagements:

Vor einem Jahr habe ich hier schon unter Da glurrt einen doch der blanke Wahnwitz an beklagt, welche Bürokratielawine losgetreten wird, wenn in diesem Konzern ein Ultraschallgerät den Geist aufgibt.
Mehrere Ebene und externe Berater werden befasst um Gründe zu finden, weshalb man das Ding ohnehin nicht gebraucht hätte, um die klammen Kassen zu schonen, bis schließlich der Generaldirektor Stv. mit dem Prozess befasst wird, um eine Reinvestition anzuordnen, wenn auch er keinen zwingenden Grund (er)finden kann weshalb man ein seit Jahrzehnten in der Patientenversorgung verwendetes Gerät doch ersetzt, wenn man dafür ein Budget hat.

Urlaubsanträge, Listen über die vor Bildschirmen verbrachte Arbeitsstunden, Sonderurlaube für Kongressbesuche, Personal– und Stellenbeschreibungsbögen …..
benötigen mehrere Unterschriften auf Abteilungs- und Direktionsebene, bis irgendwo ein Sachbearbeiter einen fehlendes Kreuzerl entdeckt, oder die Frage aufwirft, weshalb denn ein Anreisetag zu einem Kongress beantragt wird, der über 1000 km vom Arbeitsplatz stattfindet und bereits um 8:00 am beginnt.

Ob sich diese Labyrinthe durch Unfähigkeit oder durch ein System-inhärentes Misstrauen gegen das eigene Personal entwickelt haben, ist zu klären, wenn man sich ernsthaft entschlossen hat, sie aufzulösen, hier sollte einfach der Wunsch an den zukünftigen Generaldirektor formuliert werden, sich diesem Wahnwitz entgegenzustellen.

Written by medicus58

30. Juni 2017 at 17:00

WHO findet Primärversorgung in Kasachstan seit fast vier Jahrzehnten super

leave a comment »


Während sich die einen freuen, die anderen schäumen, dass das österreichische Parlament per Gesetz die Primärversorgung geregelt hat
(http://www.salzburg24.at/nationalrat-beschliesst-bildungsreform/apa-1436828148)
und noch kaum jemand realisiert hat, dass sich auch schon entsprechende Vereine, sorry wissenschaftliche Kompetenzgruppen formieren
(https://oeph.at/kg-prim%C3%A4rversorgung)
konstituierte sich in Kasachstan (!) eine Beratergruppe der Weltgesundheitsorganisation.
http://www.euro.who.int/en/health-topics/Health-systems/primary-health-care/news/news/2017/06/new-who-advisory-group-launched-in-almaty-to-shape-the-future-of-primary-health-care

Man erinnerte an die Alma-Ata Declaration aus 1978 und fand Formulierungen, die einen doch frappant an den heimischen Diskurs erinnern:

Eines ist klar: Ein Wandel ist nötig.
Kleinere Änderungen reichen nicht

Jetzt muss alles wieder einmal ganz anders werden.

intersektionelles Handeln“
Partnerschaften und neuen Verbindungen
Patienten und Bevölkerungen zunehmend eingebunden
neuen Formen von Verbindungen bei den Gesundheitsdienstleistern sowie zwischen Gemeinschaften und lokalen, regionalen und nationalen Behörden

Alter Wein in Englischen Schläuchen: AGB der Gesundheitsreform müssen her
https://medicus58.wordpress.com/2013/05/16/alter-wein-in-englischen-schlauchen-agb-der-gesundheitsreform-mussen-her/

Gegen die Reform des öffentlichen Gesundheitssystems

Vom PHC zum PVG, von der ÄK in die AK 

Written by medicus58

29. Juni 2017 at 07:23

Kennen Sie Zhengzhou? mal wieder Reiseerinnerungen

with 6 comments


Heute breche ich ein Versprechen, dass ich vor 29 Jahren einem verschreckten Hotelmanager gegeben habe und hoffe,
dass dieser schon längst in Pension ist und nicht nachträglich belangt wird.

Kennen Sie
Zhengzou?

Zhengzou ist die Hauptstadt der Provinz Henan in der Volksrepublik China und beherbergt heute in seinem Kerngebiet rund 3,5 Millionen Menschen, im gesamten Verwaltungsgebiet leben über 8,6 Millionen. Keine Ahnung wie viele Menschen 1988 dort wohnten, aber ich erinnere mich an endlose Wohnsilos und wenig mehr. Eigentlich gab es keinen Grund als Individualreisende dort Halt zu machen, hätte die Schaffnerin, die uns beim Einsteigen die Pässe abgenommen hat, nicht schlicht und einfach vor über 100 km vergessen, uns rechtzeitig aus dem Zug zu werfen.
Unser Ziel waren eigentlich eigentlich die buddhistischen Longmen-Grotten bei Luoyang und der dortige Bahnhof, nur waren damals die wenigsten Bahnhöfe Chinas in für „Langnasen lesbarer Schrift“ gekennzeichnet, so dass man vor GPS und Google Map darauf vertrauen musste, dass die reschen Damen der Bahnverwaltung sich merkten, wo man aussteigen musste. In all den 6 Wochen hat das auch immer mehr odder weniger gut geklappt, nicht aber hier und wir zwei standen ziemlich verlassen inmitten einer völlig anonymen Millionenstadt, von der auch der Lonely Planet nicht allzu viel zu berichten wusste.

Touristenbüro? Vorerst Fehlanzeige?

Ein paar mühevoll hervorgewürgte Brocken Mandarin ernteten bei den zur Arbeit laufenden Einwohnern nur Kopfschütteln.
Nun gut, den Rucksack geschultert und darauf vertraut, dass doch innerhalb einer Tagesreise rundum den Bahnhof irgendwas wie ein Hotel zu finden sein müsste.

Es war damals gerade möglich sich in den meisten Gegenden Chinas ohne große Probleme frei zu bewegen, nur in Grenzregionen, z.B. in der Inneren Mongolei nördlich der Provinzhauptstadt, musste man sich der Dienste des staatlichen Reisebüros bedienen.
Nur war man außerhalb der typischen Touristendestinationen wie Peking, Shanghai oder Xian noch in keiner Weise auf unangemeldet aufkreuzende Individualtouristen eingestellt.
Entsprechend perplex reagierte der Portier, als wir in das erste Hotel stapften.

„Full“ schien das einzig englische Wort, das der Bewacher eines zig-stöckigen Beherbergungsbetriebes heraus brachte, obwohl der riesige Parkplatz vor dem Hotel nahezu leer gefegt schien.
Unmöglich, dass all die vielen Zimmer auf all den vielen Etagen ausgebucht waren, nur war der Mann offensichtlich bemüht Schwierigkeiten zu vermeiden und sagte „Full“.

Auch im nächsten Hotel spielte sich diese Szene ab, nur war ich jetzt, mit der Aussicht nach einer endlosen Zugfahrt müde und verschwitzt irgendwann von der chinesischen Polizei wegen Landstreicherei festgenommen zu werden, schon etwas bestimmter und verlangte nach dem Manager. Irgendwann kam dann auch wirklich ein Herr im Anzug, der gestenreich versicherte, dass sein Hotel bis Neujahr rammelvoll gebucht wäre.
Irgendwie kam die Diskussion aber dann auf das staatliche Touristenbüro und ob es in dieser Stadt eine Filiale gäbe.

„Wait“, war das nächste klar verständliche Wort, das das System für uns übrig hatte.

Nach einer längeren Wartezeit, betrat plötzlich ein anderer Herr im Einheitsanzug die Lobby, nein, nicht mehr im Mao-blau, sondern undefinierbar anthrazith-grau-blau und schlecht sitzend,
verständigte sich kurz mit der Rezeption, die ihn mit Fingerzeit zu uns schickte.
Nur zur Erklärung, wir waren selbstverständlich die einzelnen Europäer dort. Überhaupt, sahen wir während unserer Wartezeit keine 10 Hotelgäste in der Lobby, und wir verbrachten dort gut zwei Stunden!
Dass wir das Ziel seines Einsatzes waren, hätte er auch ohne Kindergartenabschluss herausfinden können.

Der Koffer-Mann entpuppte sich als die hiesige Verkörperung des staatlichen Touristenbüros,
versicherte uns des rettungslosen Füllungszustandes gerade dieses Hotels, versprach uns aber ein Zimmer in einem Gewerkschaftshotel ganz in der Nähe.
Er begleitete uns auch dorthin und  übergab uns der ebenfalls perplexen Rezeption.

Es war noch relativ früh am Vormittag und unsere Zimmer müssten noch gemacht werden, jedoch könnten wir doch noch ein Frühstück einnehmen.
Das Frühstück bestand, wie damals in den meisten chinesischen Hotels in denen wir unterkamen aus einer großen Schale Nudelsuppe mit verschiedensten Einlage.
Es dauerte ziemlich lange, bis uns die zwei dampfenden Schüsseln vor die lange Nase gestellt wurden, aber schließlich war man ja nicht auf uns gefasst, und überhaupt.
Nein, nach gut eineinhalb Stunden verzichteten wir auf die angeboten zweite Schüssel und verlangten schon etwas intensiver nach unserem Zimmer.

„Wait“

Das Hotelrestaurant war landestypisch riesig und kitschig, aber sichtlich erst kürzlich eingerichtet worden. Auch die Rezeption war neu und glänzte.
Das alles konnten wir lange bewundern, nur waren unser Zimmer noch immer nicht beziehbar. Jetzt ging der Lift nicht!

Diese scheinbare Notlüge des Managements nützte ich, um wenigstens einen Zimmerschlüssel zu ergattern, weil wir waren noch jung und würden natürlich mit der Aussicht auf eine kühle Dusche gerne die zehn, zwölf Stockwerke hinauf gehen.
Wir überwanden die hektischen Bemühungen der Rezeption uns davon abzuhalten, was gut war, weil auch in den nächsten Tagen der Lift nie in Betrieb war, denn …. das sahen wir irgendwo so ab Stockwerk zwei:
Die mittleren Etagen des Hotels waren noch eine Baustelle (siehe Bild),
die Zimmer dort, soweit ersichtlich noch ohne Putz. Auf den Treppenabsätzen lag Bauschutt, und die Betonwände harrten einer Bemalung.
Ich war so verblüfft, dass ich zur Kamera griff und das Stillleben abbildete.

Als wir schwer keuchend in „unsere Etage“ gelangten, überraschten wir eine Filmcrew, die in einem der dort schon fertig gestellten Zimmer offensichtlich einen Werbefilm über das bald gänzlich eröffnete Hotel drehten.
Unser Zimmer, also das, wo unser Schlüssel passte, war dafür bis auf zwei Betten, völlig leer. Noch ahnten wir nicht, dass alle beweglichen Einrichtungsgegenstände dieser Etage an den Ort der Dreharbeiten gebracht wurden.

Neben den Betten enthielt unser Zimmer nur noch eine fest verbaute die Klimaanlage. Leider passte ihr Stecker nicht in die daneben verbaute Dose.
Kein Problem für den Bastler! Den Stecker aufgeschraubt und die blanken Drähte in die Dose gesteckt, mit Zahnstocher fixiert und schon blies das Ding relativ kühle Luft in den stickigen, heißen Raum.
Die Dusche funktionierte zwar auf Anhieb, selbst der Wasserdruck war doch der hohen Etage ausreichend, nur läutete es nun alle paar Minuten an der Türe und die Hotelangestellten brachten wieder Stück für Stück der Einrichtung in unser Zimmer.
Ich kann mich noch an einen riesigen, bock-hässlichen, schwarz lackierten Ast erinnern, der offenbar eine Art Skulptur darstellen sollte.

Als wir endlich geduscht waren und das inzwischen mit Kästchen, Statuen und Ästen vollgerammelte Zimmer bestaunten klopfte es und draußen stand der Manager.
Zerknirscht berichtete er in stotterndem Englisch, dass ihm seine Mitarbeiter berichtet hätten, dass ich Fotos vom Stiegenhaus gemacht hätte und dass er mich um den Film bitten würde, denn schließlich hat er mit dem Hotel noch viel vor und wollte schlechte Werbung vermeiden. Wenn seine Vorgesetzten die Fotos zu Gesicht bekämen, wäre seine eben begonnene Karriere vorbei.
Das Hotel wäre noch gar nicht offiziell eröffnet und das Touristenbüro hätte in auch nicht kontaktiert – offensichtlich wussten die gar nicht, dass das Hotel noch nicht fertiggebaut war!
Man habe sich doch bemüht uns ein Frühstück zu servieren, obwohl er dafür gar keine Zuteilung bekommen habe, denn ohne Gäste gibt es keine Lieferung.
Das ganze trug er völlig zerknirscht ohne offensichtlich ehrlich besorgt vor.
Ich versprach ihm mit kräftigen Händedruck, dass ich das Foto nur meinen Freunde daheim zeigen werde und selbstverständlich niemals ein schlechtes Wort über „sein Hotel“ verlieren werde.
Also bitte, erzählen Sie niemanden diese Geschichte, denn das Personal war die nächsten zwei Tage dort wirklich rührend um unser Wohlergehen bemüht, am nächsten Morgen gab es wieder Suppe zum Frühstück, und die Verabschiedung vor unser weiterreise war herzlich.

 

 

Written by medicus58

27. Juni 2017 at 23:04

Veröffentlicht in Reisen

Tagged with ,

Ist 2030 schon vorbei, oder? Bemerkungen zum Wiener Spitalskonzept

with 7 comments


Am 22.6. verkündete der Kurier, dass Wien von Wehselys Spitalskonzept 2030 abrückt, da einige der vielen Transformationsprozesse begraben wurde.
Die FP schlug erneut in diese Kerbe und setzt auch noch Aktuelles drauf:
FP-Seidl: Spitalskonzept 2030 ist kläglich gescheitert – KAV ist nur mehr Passagier im kaputten Gesundheitssystem
Patientenanwältin Pilz schweigt weiter beharrlich und hält ihrem Arbeitgeber die Stange
https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20170623_OTS0126/fp-seidl-spitalskonzept-2030-ist-klaeglich-gescheitert-kav-ist-nur-mehr-passagier-im-kaputten-gesundheitssystem

Prompt schlug Nani Kauer (KAV Pressestelle KAV GD) via Presseaussendung zurück:
Das Wiener Spitalskonzept 2030 ist aufrecht
und verlangte, was seit Jahrhunderten eher von Kirchenkanzeln donnert:
Verunsicherung muss aufhören
https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20170623_OTS0196/kav-das-wiener-spitalskonzept-2030-ist-aufrecht-verunsicherung-muss-aufhoeren

Auf Orf.at wurde das alles noch etwas elaboriert: „Man bleibe beim Zentrumskonzept, jedoch gibt es noch bauliche Probleme

Fasst man die Grundprinzipien des Spitalskonzept zusammen,
das ja nicht erst seit 2016, wie in den Artikeln angeführt, sondern seit der SPÖ Klausur in Rust im Jahre 2011 existiert und inzwischen mehrfach umgeschrieben wurde

(Spitalskonzept 2030 und die „wehsentliche“ Wandlungen seiner Produktdeklaration) kann man einige Prinzipien ausmachen, die hier auch schon scharf kritisiert wurden:

  • Pärchenbildung: Kleinere Einheiten wurden (Kaiserin Elisabeth Spital) und werden geschlossen, so dass zum Schluss neben dem AKH noch drei Krankenhauspärchen übrig bleiben sollen.
    Im Gegensatz zu früher, sollte die Abteilungsstruktur der großen Standorte (Wilhelmine, Hietzing/Rosenhügel, KFJ, Rudolfstiftung, SMZ) nicht mehr alle wesentlichen „Organprobleme“ (Augen, Haut, Neuro, …) intramural versorgen.
    Nur mehr ein Krankenhauspärchen zusammen hätte alle Abteilungen vorgehalten, um diese Versorgung nachkommen zu können. Manche Therapien und Eingriffe sollen überhaupt nur mehr im AKH angeboten werden!
    Dazu wurden atemberaubender Schönsprech ( KAV: Superkalifragilistisch Expealigorisch) erfunden, um die verschiedenen Versorgungsformen zu definieren und etwas verwirklicht, das ich hier seit 2012 (!!) so bezeichne:
    Die Potemkinschen Spitäler
    https://medicus58.wordpress.com/2012/07/11/die-potemkinschen-spitaler 

    Reform=Stillschweigen zur Errichtung eines Potemkinschen Dorfes
    https://medicus58.wordpress.com/2016/07/26/sommerloch-reprisen-reformstillschweigen-zur-errichtung-eines-potemkinschen-dorfes/

    Nun gibt die Politik die Potemkinschen Spitäler langsam zu, schiebt aber Verantwortung auf Ärzte
    https://medicus58.wordpress.com/2013/03/21/nun-gibt-die-politik-die-potemkinschen-spitaler-langsam-zu-schiebt-aber-verantwortung-auf-arzte/
    Und wir wollen nicht darauf vergessen, dass die Teilfinanzierung des KH Nord auf diesem angeblich so neuen Ansatz beruht:
    Wehselys Coup: Wien lässt sich Demontage der öffentlichen Spitäler von der EU finanzieren! https://medicus58.wordpress.com/2016/01/15/wehselys-coup-wien-laesst-sich-demontage-der-oeffentlichen-spitaeler-von-der-eu-finanzieren/

    Mein wesentlicher Kritikpunkt am „Paarungskonzept“ war aber stets, dass auf die Notwendigkeit der Konsiltätigkeit vergessen wurde, also auf die Notwendigkeit, dass z.B.
    ein nicht transportabler Unfallpatient auch von einem Neurologen,
    ein Frühchen im Brutkasten auch von einem Augenarzt gesehen werden muss.
    Darauf zu setzen, dass sich im Bedarfsfall ein benötigter Facharzt aus dem Pärchenspital in ein Taxi setzt ist nicht nur absurd sondern auch sehr ineffizient und teuer! Außerdem vergibt er sich eine der wesentlichen ärztlichen Techniken, die Fall-basierte Kommunikation im am Gang oder im Speisesaal.

  • Zentrumsbildung: In jedem Sonderfach sollen „etwas komplexere Leistungen“ ausschließlich in „designierten Zentren“ erbracht werden. Hier geht man schon von dem längst kritisierten Ansatz aus, als würde eine Leistung in immer höherer Qualität erbracht, je häufiger sie durchgeführt wird; dass es sich hierbei eher um eine Glockenkurve handelt und dass durch die Überspezialisierung in einem niederschwelligen Gesundheitssystem (in zwei Schritten in die Fachambulanz) dort die Qualität der Grundversorgung sinken wird.
    Spezialisierung zur Qualitätsverbesserung ist out, im Spital gibt’s fachärztlichen Pannendienst 
    http://wp.me/p1kfuX-Pr
    Schwerpunktbildung ist das gesundheitspolitische Codewort für Einsparung https://medicus58.wordpress.com/2015/12/04/schwerpunktbildung-ist-das-gesundheitspolitische-codewort-fuer-einsparung/
    Auch hier wirkt sich die Nicht-Beachtung der Notwendigkeit fachärztlicher Konsile fatal aus, denn jedem Laien wird einleuchten, dass jede Spezialisierung zwangsläufig mit einer Verminderung allgmein-medizinischer Kompetenzen einhergehen wird (Ausnahmen sind vielleicht die Alles-könnenden Schreibtischtäter, die den Schmarrn entwickelt haben!). D.h. je höher die Spezialisierung je wichtiger wird die Kooperation mit anderen!
    Und wer nun einwendet, dass diese Kommunikation auch schriftlich (Konsiliarzettel) oder telefonisch erfolgen kann, hat nie im Spitalsalltag gearbeitet!
  • Notfallaufnahmen: Um die Facharztdienste während der Nachtstunden einzusparen, sollten Pufferstationen (NFA= überwiegend mit Allgemeinmedinzinern besetzt!) die akute Aufnahmen praktisch abgeklärt und „antherapiert“ erst am nächsten Morgen auf die Spezialabteilungen transferieren. Wie wir uns erinnern war das das Hauptargument in den vergangenen Gehaltsverhandlungen, um 382 Ärzteposten reduzieren zu können. So ein Konzept funktioniert seit Jahrzehnten im AKH, jedoch unter ganz anderen räumlichen, organisatorischen und personellen Voraussetzungen! Teil dieses Konzept (im KH Nord schon begonnen) wären vorgelagerte Ambulanzen (Mars) und Primärversorgungszentren, deren Errichtung aber extrem stotterte.
    Wehsely finanziert die Wiener Gebietskrankenkasse und keinen stört’s https://medicus58.wordpress.com/2015/02/27/wehselys-finanziert-die-wiener-gebietskrankenkasse-und-keinen-storts/
  • Interdisziplinäre Belegungen: Um scheinbar das „Gangbettenproblem“ mit Neuaufnahmen bei gleichzeitig unbelegten Spezialbetten lösen zu können, sollten Interdisziplinäre Bettenstationen eingerichtet werden, wo ein Pflegeteam ganz unterschiedliche Krankheitsbilder zu versorgen hätte, während die entsprechenden Fachärzte nur zur Visite auf der Station erscheinen würden. Das Bettenmanagement wurde in der Masterbetriebsorganisation der Pflege (!) überantwortet.
    Wozu hätten wir denn die Experten, wenn sie sich nicht immer was Neues einfallen ließen? https://medicus58.wordpress.com/2014/05/05/wozu-hatten-wir-denn-die-experten-wenn-sie-sich-nicht-immer-was-neues-einfallen-liesen-interdisziplinare-belegung/
    Masterplan: Wir sparen, koste es was es wolle https://medicus58.wordpress.com/2016/03/16/masterplan-wir-sparen-koste-es-was-es-wolle/
    Master BO – Die tickende Zeitbombe https://medicus58.wordpress.com/2017/01/27/master-bo-die-tickende-zeitbombe/

 

Letztlich kann man sich nur wünschen, dass der Papiertiger Spitalskonzept 2030 still und heimlich begraben wird und offen gelegt wird, welche „externe Experten“ dafür wie viel der 40 Millionen Steuergeld abkassiert haben.
Dazu kommt, dass aus ökonomischem Druck und fehlender Übersicht alles gleichzeitig und nichts wirklich richtig umzusetzen!
Die jetzt von den Medien realisierten „Verzögerungen im Transformationsprozess“ haben aber weniger medizinische als partei- und machtpolitische Gründe:

Eine seit Jahren frustrierte Belegschaft verweigert unter der tatkräftigen Unterstützung der „roten“ Personalvertretung im Schulterschluss mit dem „roten“ Bezirksvorstand die angeordnete Übersiedlung.
Dadurch werden die Räumlichkeiten nicht frei, die für den Ausbau der Notfallaufnahmen gebraucht würden.
Dort wo die Notfallaufnahmen bereits existieren, sind sie noch weit davon entfernt, die volle Pufferleistung für die klinischen Abteilungen zu erbringen.
Dort wo bereits Ärzteposten gestrichen wurden, ohne dass die organisatorischen Voraussetzungen funktionieren, müssen Abteilungen wochenweise ganz geschlossen werden.
Die Eröffnung des KH Nord hat sich so lange verzögert, dass schon allein dadurch die „Pärchenbildung“ in Transdanubien nicht funktioniert.
Standorte, die man eigentlich komplett schließen wollte, können nicht geschlossen werden, so dass man plötzlich wieder von einem Neuausbau spricht und en route bemerken musste, dass man alle Internisten abgesiedelt hat.
Und schließlich basierte das Konzept von Anfang auf massiven Bauleistungen, die sich im hoch verschuldeten Wien nun niemand leisten kann.
In den letzten Jahren wurde im KAV auch munter herumorganisiert (KAV: Rausgliedern, aber nun mal richtig? https://medicus58.wordpress.com/2016/10/22/kav-rausgliedern-aber-nun-mal-richtig/) und
schließlich sind auch Stadträtin und Generaldirektor längst verloren gegangen.
Die neue Stadträtin wird es schon von ihrer politischen Basis schwer haben, sich gegen die roten Personal- und Bezirksvertretungen zu stellen.

Ja, und unter den herrschenden Rahmenbedingungen und dem personellen Nachwuchsproblem, wird sich nur ein Ziel des Konzepts mit größter Sicherheit erreichen lassen,
die Personaleinsparungen, … einfach weil sich immer weniger Bewerber finden, um die in die Frühpension entweichenden +/-60-Jährigen ersetzen zu können.

 

 

 

 

 

Written by medicus58

25. Juni 2017 at 13:19

Cardiopulmonary resuscitation – 30:2 or just keep going? — Evidently Cochrane

leave a comment »


Paramedic Scott Munro looks at new Cochrane evidence on cardiopulmonary resuscitation for out-of-hospital cardiac arrest The post Cardiopulmonary resuscitation – 30:2 or just keep going? appeared first on Evidently Cochrane.

via Cardiopulmonary resuscitation – 30:2 or just keep going? — Evidently Cochrane

Written by medicus58

23. Juni 2017 at 11:41

Veröffentlicht in Allgemein

Der Preis der Koalition

with 5 comments


Die Spatzen pfiffen es seit Wochen von den Dächern, mit erfolgreichen Koalitionsverhandlungen und seiner Wiederwahl als Wiener Ärztekammerpräsident hat Thomas Szekeres offenbar den Grundstein für seine Wahl zum Präsidenten der Österreichischer Ärztekammer gelegt.

Während der bisherige Kammerpräsident Wechselberger nach seiner fulminanten Wiederwahl in Tirol mit 32/49 Mandaten (=65%)  noch mit einer Wiederwahl in der Bundeskammer noch spekulierte:
Angesprochen auf eine erneute Kandidatur für das Präsidentenamt in der Bundeskammer, zeigte sich Wechselberger zwar interessiert, aber noch zurückhaltend. Die „Grundvoraussetzung“ sei mit dem Wahlerfolg bzw. der Bestätigung in Tirol nunmehr gegeben. In der Bundeskammer gebe es jedoch „andere Gesetzmäßigkeiten“, verwies Wechselberger etwa auf die Notwendigkeit, „Mehrheiten zu suchen“. Deshalb sei ein erneutes Antreten derzeit noch „Spekulation“.
http://diepresse.com/home/panorama/oesterreich/5175211/AerztekammerWahl_Wechselberger-gewinnt-Heimspiel-in-Tirol

ließ er zuletzt ausrichten, nicht mehr für die Bundesärztekammer zur Verfügung zu stehen.

Auch andere (eher im ÖVP-Umfeld agierende LandesÄKpräsidenten, wie OÖ Niedermoser 32/45 Mandate =71%) wurden zwar ebenso glatt bestätigt, werden aber letztlich einem stillen Übereinkommen folgend, den Wiener Szekeres (49/90=54%) zum Präsidenten der Bundesärztekammer wählen.

So weit so gut und Gratulation zu einem erfolgreichen Powerplay, nur sollen wir nicht darauf vergessen, dass das alles auch seinen Preis hat,

…den wir mit unseren Kammerbeiträgen zu finanzieren haben.

Im Vorfeld der letzten Kammerwahl habe ich mich schon mit den meiner Meinung nach überborden Referatsstrukturen in verschiedenen Landes- und der Bundesärztekammer beschäftigt:
Relata refero: Wieder keine Wahlwerbung

https://medicus58.wordpress.com/2017/02/19/relata-refero-wieder-keine-wahlwerbung/

Den wenigsten der etwa 45.000  Mitgliedern der Ärztekammer ist wirklich bewusst, dass nicht nur die gewählten Kandidaten „in der Kammer arbeiten“, sondern viele zusätzliche Posten zu besetzten sind.

Rein prinzipiell ist das ja nichts Schlechtes, denn obwohl Landes- und Bundeskammern eine immer größere Anzahl an Personen anstellen, um den Eigenbetrieb aber auch den Betrieb ihrer „Töchter“ (Arztakademie, ÖQuMed, Ärzteverlag, …) zu gewährleisten und natürlich auch Rechts- und Finanzabteilungen fachlich qualifizierte Nicht-Ärzte benötigen, werden die Kammern auch mit vielen Anfragen oder Serviceleistungen befasst, für die die einschlägige Expertise bestimmter Ärzte erforderlich ist.
Während das für umwelt- oder arbeitsmedizinische Fragen leicht einzusehen ist, stellt sich die Frage bei Referaten wie „Ärzteball„, „Medizinalratsausschuss“ oder „Wartezimmer TV“ schon etwas dringlicher, da zum Teil die betreffenden Leistungen ohnehin von Externen erbracht werden bzw. wohl kaum in solcher Häufigkeit anfallen, dass die Kammern hier 12 Monate im Jahr ein Referat aufrecht erhalten müssen. Schon vor der Wahl beschlich einen deshalb  das Gefühl, dass mit den Referatsleitungen „verdiente Mitstreiter“ von der eigenen oder koalitionären Wahlliste belohnt werden mussten.

Nochmals, selbstverständlich sind Leistungen für die Kammer, die im Idealfall dem Berufsstand dienen, adäquat zu entlohnen, aber dafür gibt es Stundensätze und Sitzungsgebühren. Hier geht es aber um Pauschalen für mitunter exotisch anmutende Aufgabenbereiche und um Mehrfach-Einrichtungen, die effizienter nur einmal bundesweit in der ÖÄK eingerichtet werden sollten.

Wenn Handystrahlen gefährlich sind, dann am Boden- ebenso wie am Neusiedlersee.

VOR der Wahl haben alle Fraktionen, natürlich auch die, die jetzt in Wien eine Regierungskoalition eingegangen sind, eine schlanke Kammer versprochen:

Team Szekeres vormals Sozialdemokratische Ärztevereinigung

Wahlgemeinschaft Ärzte für Ärzte vormals allerhand

Die Fraktion ohne Ablaufdatum: Turnusärzte für Turnusärzte

Es grünt so grün – Schlaglichter aus der Wiener Fraktion Grüne Ärztinnen und Ärzte

Kammer light: Die Fraktion auf Diät

Während es auf der Homepage der Wiener Ärztekammer vor der Wahl eine Zusammenstellung aller Referate einschließlich der für Referatsleiter und Stv. bezahlten Entschädigungen auffindbar war, stellt sich augenblicklich die Lage nicht mehr so glasklar dar. Nur die Kurie der Niedergelassenen erwähnt einige wenige Referate, wieviel Entschädigungen bezahlt werden bleibt ein Geheimnis. Wie wir zahlenden Kammermitglieder denn im Bedarfsfall den zuständigen Service finden sollen, wenn wir diesen auf der Homepage gar nicht finden, erschliesst sich vermutlich nur Eingeweihten – und hoffentlich det hauseigenen Vermittlung.

Jedenfalls wendete die Wiener Ärztekammer vor der letzten Wahl allein für Leiter und Stv. ihrer über 40 Referate weit über 40.000€ pro Monat (!!!) auf! 

Nach den mir vorliegenden Unterlagen ist für die laufende Legislaturperiode die Anzahl der Referate in der WÄK um über 60% angehoben worden!

Natürlich erhielten auch Mandatare der Opposition ihre Referate, schließlich muss doch auch für Querschüsse aus den eigenen Reihen Vorsorge getroffen werden.
Was das kostet, müssen Sie Ihre Mandatare fragen, denn … (siehe oben) die Kammer wurde weder schlanker noch transparenter.

Written by medicus58

22. Juni 2017 at 19:55

Gedanken zu Fronleichnam: Trump garantiert Stabilität

with 4 comments


Ob Christ, Atheist oder Anhänger irgend einer anderen Konstruktion, die meisten haben heute frei und feiern Fronleichnam.
Transformieren wir die Überlegungen zum Fest der leiblichen Gegenwart Christi in unsere Gegenwart müssen wir wohl zur Kenntnis nehmen, dass unter all dem Gekreische angeblicher Qualitätsmedien, kein Politiker so sehr Garant für die Stabilisierung politischer Realität ist, als
dieser Blondinenwitz auf göttlicher Mission.

Diese Parallele ist natürlich auch den intellektuellen Medien links der Feldherrenhalle nicht verborgen geblieben: Financial Times April 2017: How the Bible Belt lost God and found Trump 

Was aber in all dem Trump-Bashing nicht angesprochen wird ist, dass sich jeder, der sein letztes politisches Neuron nicht versehentlich in der Wahlurne begraben hat, doch nicht eigentlich fragen müsste, weshalb es in einem sündteuren und monatelangen Auswahlverfahren innerhalb eines doch mehr oder weniger demokratischen Systems möglich war, dass diese Figur legal an eine ultimative Machtposition gelangte, ohne jemals seinen Charakter oder seine Mission verschwiegen zu haben.

Gott hat Trump nach seinem Bild geschaffen und in die Welt gesandt.

Während die intellektuelle Schickeria damit unterhalten wird,
wo Trump grad wieder tief in eines seiner Bildungslöcher blicken hat lassen
welche Gesetzesbrüche Donald grad wieder begangen haben soll,
dass sich der Multipleitier ja nur durch Macheloikes  des undemokratischen Putin
die Macht eines doch völlig demokratischen Systems erschlichen hat.

So gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist!
(Matthäus 22, 21b)

Und während die Trump-Witze, die Internetseiten mit seinen Absurditäten boomen, bleibt das System selbst unhinterfragt.
Wir lehren unsere Kinder, dass ein politisches System, bei dem immer wieder völlig legal das Letzte was die Menschheit zu bieten hat an die Macht kommt, unsere beste aller möglichen Staatsformen ist.

50% und eine Stimme in einer Stadt, die voll von hochbezahlten Lobbyisten und PR-Beratern ist (egal, ob sie nun an Brüssel,Washington oder den Heumarkt denken) soll unhinterfragbar machen, was aus Dutzenden anderen Gründen völliger Scheißdreck ist?

Eine demokratische Mehrheit ist vielleicht die Voraussetzung für eine richtige gesellschaftliche Entscheidung, jedoch keinesfalls eine ausreichende Voraussetzung dafür!

Trump kann eine echte Lichtgestalt werden, wir endlich zu hinterfragen beginnen, wer immer hinter diesen Heilsbringern steht und was sie für jeden einzelnen von uns tun werden. Wäre auch 1933 ein guter Tipp gewesen, statt sich über die überschlagende Stimme und das Oberlippenbärtchens eines oberösterreichischen Postkartenmalers zu amüsieren.

Für gewissen Interessen garantieren diese Figuren wirkliche Stabilität, weil sie ablenken!

 

 

 

Written by medicus58

15. Juni 2017 at 14:07

SPÖ/FSG: Ego sum lex

leave a comment »


Qu’est-ce que le trône, au reste ? Quatre morceaux de bois doré recouverts de velours … J’ai un titre, vous n’en avez pas. Qu’êtes vous dans la constitution ? Rien. Vous n’avez aucune autorité : c’est le trône qui est la constitution ; tout est dans le trône et dans moi.

Was im Übrigen ist der Thron? Vier vergoldete Holzstücke, bezogen mit Samt.
Ich habe einen Titel, Sie nicht. Was sind Sie innerhalb der Verfassung? Nichts.
Sie besitzen keinerlei Autorität.
Der Thron ist die Verfassung. Sie liegt vollständig beim Thron und bei mir.

Napoleon gegenüber dem Corps législatif am 1. Januar 1814

An diese Haltung wurde man erinnert, als kürzlich Christian Meidlinger Stv. Vorsitzender der Wiener SPÖ, Vorsitzender der Gewerkschaft der Wiener Gemeindebediensteten „younion“ und Vorsitzender der Fraktion Sozialdemokratischer Gewerkschafter in Wien  via Wien heute verkünden durfte, dass die von vielen Experten geforderte „Ausgliederung des KAV“ zumindest soweit vom Tisch ist, dass
„auch zukünftiges Spitalspersonal bei der Stadt Wien bleibt„.

Wir wollen jetzt gar nicht mosern, dass seine Stadträtin und er damit auch das bequeme Konstrukt der Personalvertretung als Jobmöglichkeit und „Verhandlungspartner“  abgesichert hat, denn sonst kämen doch noch jemand auf die Idee, dass man sich durch neue Gewerkschaften vertreten lassen könnte!

Die „Younion“ bleibt ja Antworten auf die Frage, wie viele Mitglieder sie überhaupt noch in den Reihen der Spitalsbediensteten hat, seit Jahren schuldig und verschweigt ihr stillschweigendes Einverständnis, dass die komplette Ausgliederung viele Berufsgruppen (Reinigung, Technik, …) schon längst im Gange ist, bzw. der KAV immer mehr Leistungen, die eigentlich von eigenen Mitarbeitern erbracht werden könnten, zukauft.

Nur darum geht es mir heute gar nicht.

Auch nicht darum, dass vermutlich ohnehin große Teile der Ärzteschaft- und Pflege die Gewissheit des Weiterwurstelns einem ungewissen Neubeginn vorziehen, bzw. in die Frühpension gehen.

Das was einen befremden sollte, ist die in Wien schon zur Norm gewordenen Vorgangsweise, dass in einer Enquete der Wiener SPÖ (also des SPÖ Klubs plus Gewerkschaftern und Experten) eine so wesentliche Entscheidung über die Zukunft des Wiener Krankenanstaltenverbundes getroffen wird. Wir erinnern uns auch an die Geburtsstunde von Wehselys unsäglichen Spitalskonzepts 2030, dass auch bei einer SPÖ Versammlung in Rust und nicht im Gemeinderat verkündet wurde.
Und ehe Sie, liebe Leser, nun wissend abwinken, dass das ja immer schon so war, Realverfassung eben,
darf ich darauf aufmerksam machen, dass der KAV nicht eine der vielen Firmenbeteiligungen der Wiener SPÖ (siehe auch andere Links unten) ist, sondern noch immer eine Unternehmung der Stadt Wien.

Und im Statut für die Unternehmung „Wiener Krankenanstaltenverbund“ der Landesverfassung steht eigentlich ganz klar, dass es nicht die Wiener SPÖ und schon gar nicht ein Betriebsrat der Wiener Verkehrsbetriebe sind, die über die Strukturen der Unternehmung KAV zu entscheiden haben, sondern die in dieser Reihenfolge §3:

1. Der Gemeinderat,

2. der Stadtsenat,

3. der für die Unternehmung zuständige Gemeinderatsausschuss (Unterausschuss),

(erst jetzt)

4. der Bürgermeister bzw. die Bürgermeisterin,

5. der für die Unternehmung zuständige amtsführende Stadtrat bzw. die für die Unternehmung zuständige amtsführende Stadträtin,

6. der Magistratsdirektor bzw. die Magistratsdirektorin,

(und zuletzt, aber augenblicklich ohnehin egal)

7. der Generaldirektor bzw. die Generaldirektorin und die Direktoren bzw. Direktorinnen der Geschäftsbereiche und Teilunternehmungen.

und noch klarer ist dort geregelt, §4:

Dem Gemeinderat steht die Oberaufsicht über die Unternehmung „Wiener Krankenanstaltenverbund“ zu.
Ihm sind vorbehalten:

1. Die Zuerkennung und Aberkennung der Eigenschaft der Unternehmung sowie die Einrichtung und Auflassung eines Unternehmungszweiges als Teilunternehmung;

2. die Abänderung des Statuts der Unternehmung „Wiener Krankenanstaltenverbund“;

https://www.wien.gv.at/recht/landesrecht-wien/rechtsvorschriften/html/v0012850.htm

Aber irgendwie scheint das auch in den Medien niemand mehr zu stören, wie die Wiener SPÖ die Stadtverfassung interpretiert.
Es sollte aber auch allen Gemeinderatsmitgliedern, egal welcher Partei klar sein, dass eigentlich jeder einzelne von ihnen Mitverantwortung trägt, nicht nur die rot-grüne Regierungsmehrheit.

 

Vergleiche auch:

Wie Parteiunternehmen an öffentlichen Aufträgen verdienen
http://derstandard.at/2000019204680/Wie-Parteiunternehmen-an-oeffentlichen-Auftraegen-verdienen

Genossenschaftswesen: Wie die Gemeinde Wien die SPÖ Wien alimentiert
https://www.profil.at/home/genossenschaftswesen-wie-gemeinde-wien-spoe-wien-276383

Written by medicus58

12. Juni 2017 at 16:54

Einige dilettantische Parallelen und ein vorschneller Schluss

leave a comment »


Das, was man so als westliche Demokratien bezeichnet, erlebt seit einigen Jahren ein eigenartiges Phänomen:

Egal, ob es sich um Mehrparteiensysteme oder wie in den USA de facto Zweiparteiensysteme handelt,
egal ob man nach D’Hont oder Winner takes it all die Mandate verteilt, man endet bei einem 50:50 bzw.
einem hung parliament wie aktuell in UK.

Dass sich so ein „Mayday“ auch durch die beratergetriebene Ausrufung vorzeitiger Wahlen ergeben kann,
http://www.bbc.com/news/election-2017-40209282
könnte vielleicht auch unser Herr Außenminister erfahren, nur darum geht es nicht.

Auch dass diese Situation bei unserem Nachbarn als Hessische Verhältnisse bekannt ist, ist für unsere Überlegung irrelevant.

Erklärungsversuche, weshalb sich aktuell unsere Gesellschaften vorhersehbar in zwei Lager spalten, würden zu weit führen.
Dass die vielen arbeitslosen Psychologen, Meinungsforscher und Politberater mit ihrer Zuspitzungstaktik hier mitschuldig sind, darf ich aber mal so in das Netz tippen.

Die Empirie zeigt aber, dass in mehr oder weniger demokratischen, aber tief gespaltenen Gesellschaften es selbst dort, wo das Wahlrecht es bewusst begünstigt, zu keinen absoluten Parlamentsmehrheiten mehr kommt und die Alternative, eine Multiparteienkoalition aller anderen gegen einen, naturgemäß instabil sein wird, da es leichter ist sich gegen als für etwas zu verbünden, werden wir uns all mit dem Konzept der Minderheitsregierung und den wechselnden parlamentarischen Mehrheiten anfreunden müssen, oder erneut in totalitäre Regierungsformen rutschen.

Zu Beginn meines politisch bewussten Lebens, hat das in Österreich ein Bruno Kreisky (natürlich unter völlig anderen und nicht ganz lupenreinen Rahmenbedingungen) versuchen dürfen und danach eine lange Phase politischer Stabilität erreicht.
Der nächste Versuch wurde durch Bundespräsident Fischer verhindert – was ihm aber offenkundig niemand nachträgt – und kaum einer bezweifelt, dass sein Nachfolger da seinem Beispiel folgen wird:
Alles ist besser, als dass politische Vorgänge auf offener Bühne ablaufen.

Wir haben in den Jahren einer strategielose, überwiegend nur der Taktik des Augenblick folgende SPÖVP Regierung immer die falschen Fragen diskutiert:

Nicht die aller-aller-größte Steuerreform aller Zeiten,
nicht die Schwulen-und-Lesben-Ehe in letzter Minute,
nicht kurzfristige Arbeitsmarkt- und Wohnbausubventionen,
…..
nicht mit oder ohne HC ….

nicht all das, dessen Stillstand in mühevollen Verhandlungen seit vielen Jahren einbetoniert und jetzt plötzlich noch beschlossen werden sollte, wäre das Hauptthema für das nächste halbe Jahr politischer Werbekampagnen, sondern die Frage, wie wir mit den randomisiert gespaltenen Mandaten parlamentarisch in Zukunft umgehen können, weil daran hapert unsere jetzige Auffassung einer stabilen Demokratie:

Wenn der einzelne nach reiflicher Überlegung aller Beweggründe zu einem 50% für und 50% gegen eine Entscheidung kommt, heißt das zu Recht, dass er sich nicht entscheiden konnte, bzw. es vermutlich egal ist wie er sich letztlich entscheidet, groß kann der Fehler nicht sein.
Hinter einem 50:50 Wahlergebnis, stecken jedoch viele klare Einzelentscheidungen, so dass jede Mehrheitsregierung eine nicht unbeträchtliche Menge an Opposition vergraulen wird.
Wechselnde Mehrheiten mögen durch die Beteiligung aller am Kuchen vielleicht teurer kommen, demokratisch verhandelt führen sie aber zu weitaus stabileren Verhältnissen.
Nur dafür haben wir vermutlich erneut den falschen Bundespräsidenten und zu viele Politiker die zu kurz denken.

Written by medicus58

9. Juni 2017 at 07:31

How do you tweet — gehoertgebloggt

with 5 comments


Nicht Armin Wolf sei das Problem, sondern dass es hierzulande zu wenige Seinesgleichen gibt. Das hat Johannes Huber zur laufenden Diskussion geschrieben, wie hart denn Journalisten – speziell ORF-Mitarbeiter – in diesem Land fragen dürfen sollen. Und in dieser Zeit, die von Wahlkampf erfüllt ist. Man muss nur nach Großbritannien schauen, das mit Terrorangriffen geschlagen […]

via How do you tweet — gehoertgebloggt

Written by medicus58

5. Juni 2017 at 19:59

Veröffentlicht in Allgemein

%d Bloggern gefällt das: