Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Archive for Juli 2015

Urlaub von CEE und anderen Normen

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Chile

Was waren das noch für Zeiten, wo der Stromhunger der Spiegelreflexkamera für ein paar Jahre aus einer kleinen Knopfzelle befriedigt werden konnte.
Bestenfalls benötigte der Blitz noch zwei bis vier Batterien, die – wenn auch zu Apothekerpreisen – selbst im hintersten Eck der Welt erstanden werden konnte. Möchte man heute seine schönsten Urlaubserlebnisse in Foto und Video dokumentieren, schleppt man bald einen ganzen Rucksack mit Akkus und Ladegeräten sowie einen Haufen von verschiedensten Kabeln in die Ferne. Mit etwas Glück kann man ein USB auf Mini-USB Kabel für mehrere Geräte verwenden, aber meist muss es noch ein Micro-USB, vielleicht sogar ein Firewire oder ein Ethernet und für den ambitionierten Videofreund gar ein Mini-HDMI Kabel sein.
Klar man bekommt schon einiges auf die großen Speichkarten, jedoch hätte man gerne auch gleich ein Backup gemacht, ehe man erst daheim daran gehen muss, die korrupt gewordene Karte mit allerlei Software wiederherzustellen. Also kommt noch eine mobile Festplatte ins Handgepäck.

Das ganze Wunderwerk, so wie das noch gar nicht erwähnte Smartphone und das GPS, benötigt natürlich einen Anschluss an das lokale Stromnetz und bei intensiver Verwendung mindestens täglich.

Das bringt uns zu unserem heutigen Thema: Die Elektrizität im Urlaubsland.

Um für die letzte Strecke zwischen den eigenen elektronischen Gadget auch den richtigen Stecker dabei zu haben, lohnt sich ein Blick auf Wiki: https://de.wikipedia.org/wiki/L%C3%A4nder%C3%BCbersicht_Steckertypen,_Netzspannungen_und_-frequenzen

Man kann natürlich immer einfach zwei blanke Drähte in die Dose fuseln, in einem chinesischen Gewerkschaftshotel war das auch für mich einmal die letzte Möglichkeit, besser hat man aber einen entsprechenden Adapter dabei.

Wie es aber davor aussieht, ist in manchen Urlaubsländern allein schon ein Foto wert.
Das Bild zu Beginn des Beitrags schoss ich in Valparaiso, Chile und mein Mitleid mit den lokalen Elektrikern war grenzenlos.
Abschließen wollen wir unsere kleine Betrachtung mit einem Beispiel aus Stone Town,Tansania.

Stone

 

Written by medicus58

31. Juli 2015 at 20:08

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Urlaub

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Schwein-gehabt

Während man früher die Zeit zwischen Urlaubsende und Arbeitsantritt nur mit dem Beschicken der Waschmaschine verbringen musste bzw. dem Durchwühlen vollgestopfter Postkästen, ist dieser mehr oder weniger lange Zeitraum heute mit Bildschirmarbeit angefüllt.

Ich meine da gar nicht das Aussortieren des Dutzend wichtiger Nachrichten unter den die 1-3k Mails, die sich in beruflichen und privaten Mailboxes angesammelt haben.
Der Fotograf hatte damals ein Zwangspause bis das ausarbeitende Werk die Schätze des letzten Urlaubs in Papierform oder Diafilm lieferte und er an das Einkleben oder Rahmen schreiten konnte.
Heute sind die GB mehrerer Speicherkarten in wenigen Minuten auf der Festplatte und harren der Bearbeitung. Also aufwachen und losarbeiten, ehe die Lohnarbeit wieder beginnt.

2000 Bilder sind ja gleich ausgearbeitet, nur für das Videomaterial braucht man halt etwas länger ….

 

Written by medicus58

27. Juli 2015 at 19:04

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Und dann macht’s Klick: Gedanken über Ärzte und Blogger

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maus

Jetzt führe ich seit fast 5 Jahren einen Blog.
Wie bekannt nistete ich mich zuerst auf einem inzwischen eingestellten Server ein (Ende eines Blogs http://wp.me/p1kfuX-Sf) und wechselte zuerst zögerlich und dann konsequent auf wordpress.com.

In diesen Jahren erlebten meine Artikel etwa 200.000 „Klicks„.
An meinem besten Tag (2.3.2015) war dies sogar über 2.800 mal der Fall.

Da stellt sich schon die Frage, ob man denn als Arzt für seine Umgebung nicht mehr tun sollte, als sich um ein paar Mausklicks bemühen.

Dann stolperte ich über das Freeware-Tool MouseClickr
(http://www.softpedia.com/get/System/System-Info/Mouse-Clickr.shtml),
das ohne Installation auf jedem Rechner brav die Mausklicks mitzählt, die wir alle täglich ausführen müssen, um in unserer voll durchdigitalisierten Arbeitswelt, unseren Job zu machen.

Für einen angestellten Arzt bedeutet das neben der inzwischen für uns alle üblich gewordenen Durchsicht der Mailbox auch einen Blick auf die Mitteilungen der Generaldirektion, deren Weisungen in immer kürzeren Abständen zum Geltungsdatum eintrudeln.
Aber auch in der Patientenversorgung geht nichts mehr ohne den Griff zum digitalen Nagetier.

Einloggen in das KIS,
Abfragen der Befunde der stationären oder ambulanten Patienten,
Anmelden des Patienten im RIS für die verschiedenen Röntgenuntersuchungen,
im LIS für die gewünschten Laboruntersuchungen.
Überprüfung und elektronische Signatur des Arzt- oder Ambulanzbriefes,
Suchen eines Operationsberichtes im Medarchiv, weil der Patient behauptete in einem anderen Krankenhaus vor einem Jahr „am Krebs“ operiert worden zu sein,
die Befunde des Arztes in Ausbildung gehören noch korrigiert und vidiert,
und dann kommt der Krankenträger auch nur, wenn er mittels EDV angefordert wird….

Um also überhaupt ärztlich tätig werden zu können, sind unendlich viele Mausklicks erforderlich.

Natürlich nicht unendlich viele, mit MouseClickr ließ sich das sehr leicht messen.

Pro Tag kamen somit im Mittel 8000 Klicks auf der linken Maustaste und 1500 Klicks auf der rechten Maustaste zusammen.

Insgesamt als 9500 Klicks pro Arbeitstag!

Also pro Jahr mache ich beruflich als Arzt mehr Klicks als ich bei meinen Blog-Lesern in 5 Jahren auslösen konnte.
Was man daraus nun auch immer ableiten möchte, eines sei den angehenden Kollegen und Kolleginnen ins Stammbuch geschrieben:
Während früher der Tennisarm als typische Berufserkrankungen des Arztes gelten konnte, sind wir zukünftig mehr von Karpaltunnelsyndromen bedroht. < irony off>

Written by medicus58

26. Juli 2015 at 11:03

Das Telefonzellen-Quiz

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In unserer lockeren Serie, wo steht diese (scheinbar englische Telefonzelle) haben wir schon vor über einem Jahr ein Reise Rätsel (http://wp.me/p1kfuX-KU ) begonnen.

Das damalige Bild wurde von niemandem erkannt oder niemand hat es der Mühe wert befunden einen Kommentar zu schreiben:
Es entstand auf den Kanalinseln, exakt auf Guernsey im Jahre 1980 (!).

Das heutige Rätsel ist etwas komplizierter und die Telefonzelle viel, viel weiter von Good Ol‘ Britain entfernt ….

Sie steht inmitten grüner Wiesen, unweit eines Golfplatzes und gleich nebenan konnte man vorzüglichen Cream Tea einnehmen; Sie wissen, diese mit Butter, (meist) Erdbeermarmelade und so etwas ähnlichem wie Schlagobers bestrichenen Scones und eben klassischer Tee.

Als kleiner Hinweis:  Dort, wo diese Telefonzelle, die zumindest damals für nationale Gespräche voll funktionstüchtig war, stand, wurde auch Tee geerntet, aber wenn Sie mich nicht verraten würde ich diesem jederzeit einen ordentlichen Darjeeling vorziehen. Also wenn Sie zu raten beginnen, klarerweise war dieses Gebiet, das man i.d.R. mit ganz anderen Landschaftsformen in Verbindung bringt, einstmals britisches Herrschaftsgebiet.

 

Written by medicus58

20. Juli 2015 at 07:22

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Muss man einmal durchdrücken: Osaka

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Ich bin ja eigentlich ein Stadtmensch. Jahrelang führ ich zur Erholung nach Manhattan und entspannte in der Stadt, die angeblich niemals schläft.
Rio ist für mich überhaupt ein Traumziel und ich habe völlig unbeschadet auch die etwas weniger gut beleumundeten Viertel durchquert und in Mexico City spürte zwar meine etwas malträtierte Lunge den Smog einer der Megacities dieser Welt, aber sonst fühlte sich alles ganz nett an.
Auch wenn ich mich gerade im ziemlichen Gegenteil einer Megacity der Ersten Welt herumtreibe, werde ich meine Tage in Osaka nie vergessen. Gleich vor meinem Hotel türmten sich mehrere Etagen von Highways und die (wirklich wunderschöne) japanische Gartenkultur musste man mühsam finden. Natürlich müssen die 2.7 Millionen Einwohner auf 222 km^2 Einwohner irgendwo untergebracht werden, aber aus dem Mini-Zimmer eines Megahotels herauszutreten und den Himmel erst bei maximaler Reklination erblicken zu können, das musste erst mental sickern. Kein Wunder, dass die Japaner ihre Gartenkultur auf minimale Flächen konzentriert haben, sozusagen Natur hochkonzentriert: http://tinyurl.com/o74ltko

Wirkt für mich aber hier, mit endlosen Weiten doppelt absurd, aber davon später …

Written by medicus58

16. Juli 2015 at 22:36

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Am Ende übernimmt der Bürger die Rechnung, in Griechenland, so wie anderswo

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Athen

Klar, Schulden müssen bezahlt werden,
außer man ist eine Bank, eine Firma, ein Aggressor, eine Armee, …, dann übernimmt der Bürger mit seinen Steuern die Rechnung

Konten bleiben unberührt, wenn dort ein paar Millionen gebunkert wurden und noch dazu, wenn diese Konten auf einer Schweizer oder eine EU Bank eröffnet wurden.
Konten bleiben unerreichbar, wenn darauf nur kleine Notgroschen, Pensionen oder Gehälter liegen, es war in Zypern so, es ist in Griechenland so, es wird überall in der EU so sein.

Das Wachstum von Schulden ähnelt dem Wachstumsverhalten von Malignomen,
es kommen Gebühren und Zinsen dazu, für die wiederum Zinseszinsen zu bezahlen ist. Natürlich ist das jedem Grundschüler klar, außer er benötigt eine größere Wohnung, ein Haus, eine Unterbringung für seine Kinder, eine Pflege für seine Eltern.

Der Spiegel stellt die richtige Frage:
Wie kommt nun die Summe von 82 bis 86 Milliarden Euro zustande?
(http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/warum-griechenland-ploetzlich-86-milliarden-euro-braucht-a-1043431.html)

Der Finanzbedarf Griechenlands scheint sich in den vergangenen Monaten vervielfacht zu haben. Im April sprachen Experten noch von 30 bis 40 Milliarden Euro, die nötig seien, um das Land über die kommenden drei Jahre zu bringen. Anfang Juli kam der IWF in seiner Analyse schon auf 50 Milliarden Euro. Der Hilfsantrag, den die griechische Regierung noch in der vergangenen Woche stellte, sprach von 53,5 Milliarden Euro. 
Merkel antwortet ganz offen:
Die Situation habe sich in den vergangenen sechs Monaten erheblich verschlechtert, sagte die Bundeskanzlerin. Der Finanzumfang sei deshalb so groß, „weil die Banken leider durch die Vorgänge der vergangenen Wochen in Mitleidenschaft gezogen wurden“.

Die Konsequenzen sind scheinbar klar:
Kaum ein Euro wird den griechischen Bürger erreichen, fast das ganze Geld wird an die institutionellen Gläubiger gehen.
Aber auch kein Euro geht an die anderen EU Bürger, mit deren Steuergeld eigentlich die sogenannten institutionellen Gläubiger überhaupt Kredite vergeben konnten.
Die Gewinne der Euro-Zentralbanken, die rechtzeitig griechische Staatsanleihen gekauft haben beträgt laut Spiegel insgesamt 7,7 Milliarden Euro bis 2018.
Gewinne, die nur möglich sind, solange man sich darauf verlassen kann, dass die EU Bürger mit ihren Steuern das Spiel am Laufen halten.

Die mediale Berichterstattung, die seit Jahren von den „faulen Griechen“ schreibt, die sich jetzt überschlägt vor Schadenfreude,
weil  ein griechischer Finanzminister zum Rücktritt gezwungen wurde, nachdem ihn die anderen EU-Minister in einem ungeheuerlichen Vorgang, vor die Tür gesetzt haben,
weil Tsipras nun „noch härtere Auflagen“ durch sein Parlament bringen muss, weil er zuvor auf einem Referendum bestanden hat,
weil man es den letzten linken Strömungen in der EU nun zeigen kann, nachdem sich die Sozialdemokraten diesseits und jenseits des Kanals schon vor Jahren zu „nützlichen Idioten“ des globalen Ausverkaufs von Staatseigentum konvertiert wurden.

Keiner stellt die Frage nach der Mitverantwortung der Geldgeber, denen natürlich seit Jahrzehnten klar war, dass diese griechische Ökonomie niemals die aufgenommen Gelder zurückzahlen wird können.

Wenn Frau Merkel und ihre Nachbeter jetzt dauern vom Vertrauensverlust sprechen, sollten wir einmal die Frage stellen, weshalb wir diesen Politikern noch vertrauen sollen, die Banken und nicht die Bürger retten.
Noch hat die Politik ihr Vertrauen nicht verloren, dass die EU Bürger für die Verluste eines Systems gerade stehen, das dem Einzelnen nicht garantiert, dass er an sein eigenes Girokonto kommt.

Letztendlich frage ich mich, mit welchem Trick die Töchter ausländischer Banken (z.B. Raiffeisen) mit dem Verweis auf Liquiditätsprobleme, die Auszahlung der Konten verweigern …
Vermutlich mit den selben Werkzeugen, mit denen sie ihre Haftungen für die Hypo Alpe Adria dem Steuerzahler umhängten.
Griechenland ist überall – wenn das die Bürger begreifen, dann wird Merkel realisieren, was wirklicher Vertrauenverlust ist.

Written by medicus58

13. Juli 2015 at 19:46

Veröffentlicht in Finanzkrise

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Behind Germany’s refusal to grant Greece debt relief – Op-Ed in The Guardian

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Ich bin der festen Überzeugung, dass das ganze Politiktheater an diesem Wochenende nicht zuletzt deshalb inszeniert wird, weil die Finanzindustrie genauso wie das Kapital von wilder Panik erfasst wird, weil sie die angebliche Sicherheit von Staatsschulden, die letztendlich immer von Steuerzahlern abgedeckt werden, dringend benötigt wird, um all ihre Spekulationen und Casino-Einsätze abzusichern.
Der Verlust der Griechenlandmilliarden ist schon längst abgeschrieben, aber wenn es Schule macht, dass sich Staat und Steuerzahler ebenso verhalten dürften wie der Rest der Finanz(-wirtschaft) (Konkurs und Re-Start), dann müssten sie sich endlich ihre hohen Gehälter durch echtes Risikomanagement verdienen.

Yanis Varoufakis

Tomorrow’s EU Summit will seal Greece’s fate in the Eurozone. As these lines are being written, Euclid Tsakalotos, my great friend, comrade and successor as Greece’s Finance Ministry is heading for a Eurogroup meeting that will determine whether a last ditch agreement between Greece and our creditors is reached and whether this agreement contains the degree of debt relief that could render the Greek economy viable within the Euro Area. Euclid is taking with him a moderate, well-thought out debt restructuring plan that is undoubtedly in the interests both of Greece and its creditors. (Details of it I intend to publish here on Monday, once the dust has settled.) If these modest debt restructuring proposals are turned down, as the German finance minister has foreshadowed, Sunday’s EU Summit will be deciding between kicking Greece out of the Eurozone now or keeping it in for a little while longer, in a state of…

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Written by medicus58

12. Juli 2015 at 16:04

„Erster Schritt zum Paramedic“

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Wir schaffen es noch die auf das Qualitätsniveau der US-amerikanischen Krankenversorgung zu kommen

Written by medicus58

9. Juli 2015 at 12:44

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Zur Problematik demokratisch gewählter Interessensvertretungen am Beispiel der ÄK

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Wahl

Aus den Rückmeldungen zu meinem letzten Eintrag über den Wiener Kammeramtsdirektor (Präsidenten kommen und gehen, der wirkliche Strippenzieher der Ärztekammer bleibt. http://wp.me/p1kfuX-107) könnte man schließen, dass sich einige Ärzte noch sehr wenig mit der Binnenstruktur ihrer Vertretung auseinandergesetzt haben. Sollte ich hier ein bisschen etwas in Gang gesetzt haben, würde es mich freuen. Heute jedoch ein CAVEAT:

Ehe nun jeder seine eigene „Partei“ und „Gewerkschaft“ gründet, möchte ich noch ausführen, dass es nicht zuletzt der letzte Führungswechsel an der Kammerspitze war, der die Tragödie der letzten Monate endgültig zur Farce gemacht hat.

Weshalb ich von Farce spreche?
Allein das Auf- und Abdrehen diverser, mit unserem Geld finanzierter Homepages (Die Ärztekammer hat schon den Maulkorb übergestreift http://wp.me/p1kfuX-105), zeigt die PR-technische Planlosigkeit unserer Standesvertretung.

http://notstandspital.at/ bleibt entsprechend des verhandelten Stillhalteabkommens geschlossen, http://schuetzenwirunserespitaeler.at/ war gestern kurz wieder online, so wie es Szekeres versprochen hat, heute ist sie down, und man liest dort:

Es ist am 01. Juli 2015 zu einer Einigung gekommen, die wir durch die hier veröffentlichten Artikel der letzten Monate nicht aufs Spiel setzen wollen.

Dafür feuert die Kurie der Niedergelassenen Ärzte (Steinhart) aus allen Rohren.

Aber Achtung, nicht jede kommunikative Dissonanz ist ausschließlich durch Dummheit oder Korruption der Spieler erklärbar, viel häufiger entlarvt sie gegenläufige Interessenlagen unterhalb der Oberfläche.

Primär einmal völlig unabhängig vom Charakter der beteiligten Personen, können Interessensvertretungen nur funktionieren, wenn ihre (Zwangs-)Mitglieder gemeinsame Interessen haben. Schon allein die vom Gesetzgeber festgelegte Kurienaufteilung der Ärztekammer plus des in Österreich in fast allen Problemzonen lähmenden Föderalismus (die ÖÄK hat viel weniger Geld und Einfluss als einzelne Bundesländer-Kammern) lähmen (absichtlich?) jedes konstruktive Vorgehen.


Mein Vorschlag:

Solange das extra- und intramurale Gesundheitssystem weiterhin nicht aus einer Hand finanziert wird, sehe ich nicht ein, weshalb sich die an den jeweiligen Fronten tätigen Ärzte zwischen den Mühlsteinen der jeweiligen Partikularinteressen ihrer Vertreter zermahlen lassen sollen. Die Zahnärzte haben es uns vorgemacht. Wenn wir angestellte und niedergelassene, wir Kassenvertrags- und wir Wahlärzte schon in eine Kammer gepresst werden, dann sollten wir nur noch Vertreter wählen, die ihre Position nicht durch das Schüren von Grabenkämpfen zwischen den Gruppen zementieren.

Eine Kammer, die aus politischer Räson Homepages schließt, auf der die Patienten aufgefordert werden die Unzulänglichkeiten im Spitalswesen aufzuzeigen, aber Tage nach einem bejubelten Abschluss (Honorarsteigerung 4%) mit der Gebietskrankenkasse
(http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20150629_OTS0164/durchbruch-bei-honorarverhandlungen-zwischen-wgkk-und-aerztekammer)
die Homepage (https://gesundheitistmehrwert.at/) weiter betreibt, auf der sie Patienten ausdrücklich zu Kritik und zu einem JA ZUR WENDE IM KRANKENKASSENSYSTEM! auffordert, entlarvt nicht nur ihre wahre politische Absicht sondern hat völlig zu Recht jede fachliche Autorität als Anwalt der Patienten verspielt.

Wer ein derart dissonantes Bild der Öffentlichkeit kommuniziert, hat das viele Geld an verschiedene PR-Berater völlig sinnlos beim Fenster hinausgeworfen.
Wir erinnern uns an den März 2015, da hatten wir das schon einmal: Wiener Ärztekammer: vorübergehend geschlossen? http://wp.me/p1kfuX-Vb

Die eine Seite des Dilemmas besteht also darin, dass es den handelnden Vertretern schon strukturbedingt schwer gemacht wird, eine für die gesamte Ärzteschaft produktive Entwicklung zu verhandeln. Je länger gewählte Vertreter sich in diesem System eingenistet haben, desto eher werden sie Intrigenspiel beherrschen, sich selbst zu erhalten. Die Lösung, also die regelmäßige Abwahl dieser Dinosaurier, führt aber paradoxerweise zu einer Verböserung, weil sie eben genau diese Personen, wie den hier vorgestellten Kammeramtsdirektor noch viel mächtiger werden lässt, als es ihnen innerhalb der geplanten Struktur zusteht. Vielleicht kommen wir irgendwann einmal auf den einen oder anderen Sektionschef im Gesundheitsministerium zu sprechen, dessen Einfluss auf viele Entwicklungen im Gesundheitssystem (ELGA, GuK, …) den aller Bundesminister der letzten Jahre in den Schatten stellt….

Aber zurück zur ÄK:
Durch die Trägheit des Systems lassen sich Wechsel an der Kammerspitze dann auch nur durch sehr kühne Konstruktionen schmieden, solche die gerade Präsident Szekeres auf den Kopf fallen.

So guter Absicht können die „Frischen“ gar nicht sein, dass sie bei ihrer erstmaligen Konfrontation mit ihrem seit Jahren die Verhandlungen für die Gegenseite führenden Kontrahenten nicht scheitern. Ich kann mich noch an „mein erstes Mal“ erinnern, wo ich ob der Unverfrorenheit des Vorgehens aller Beteiligten nachhaltig schockiert war, wobei ich auch schon vorher auf manchen Verhandlungstisch geschlagen habe.
Das ist aber die wahre Stunde der Kammeramtsdirektoren, Sektionschefs, Sekretäre, Berater … etc. , die Basis ihrer Macht.
Sie sind die einzigen, die einem hier, weil sie eben schon die x-te Verhandlungsrunde erleben, vor Schlimmem bewahren können oder eiskalt anrennen lassen. Es dauert dann immer einige Zeit, bis man realisiert, dass das Verhandlungsergebnis, das mühsam innerhalb von stundenlangen Verhandlungen erzielt wurde, zufälligerweise das ist, das in den Gesamtplan passt, auch wenn es dann viele Jahre Nulllohnrunden, degressive Tarife und nicht einmal Indexanpassungen für ärztliche Leistungen gibt.

Das „fatale Requisit„, um im Bild der Tragödie zu bleiben, ist einfach das Missverhältnis an Informationsgrad zwischen „den Alten“ und „den Jungen“, den Gewählten und den System.
Somit führt der prinzipiell wünschenswerte demokratische Wechsel in undemokratischen und intransparenten Strukturen zu undemokratischen und unerwünschten Ergebnissen; in jeder Verhandlungssituation, nicht nur in der ÄK.

Für mich persönlich sind Kammerfunktionäre, die der eigenen Kammer und der gesamten angestellten Ärzteschaft so in den Rücken fallen, wie die drei im Zusammenhang mit dem KAV-Pakt genannten, nicht mehr wählbar (den Originaltext, so wie er KAV-intern bekannt wurde möchte ich hier bewusst nicht zitieren), aber ehe wir nun alle nacheinander uns zur Wahl aufstellen (Keine Angst, ich beabsichtige dies für meine Person sicher nicht), sollten wir uns wirklich etwas näher mit den strukturellen Problemen unserer Kammer auseinandersetzen, um von der Tragödie wieder in ein Lustspiel wechsel zu können:

Bedingungen, unter denen wir unseren Beruf gerne ausüben

Strukturen und Mandatare, sollten, neben ihres formal-demokratischen Zustandekommens, nach folgenden weiteren Kriterien bewertet werden:

Transparenz

Offenlegung der eigenen Interessenlage

Solidarität mit allen vertretenen Gruppen

Verhandlungsexpertise

Written by medicus58

8. Juli 2015 at 17:28

One Night in Vienna

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Wien in den Augen und durch die Linse US amerikanischer Traveller

Everywhere Once

On route from the U.S. to Greece, we made the most of a 23-hour layover in Vienna. This brief but memorable visit not only introduced us to a beautiful city but also reminded us why we love Europe so much—breathtaking architecture, history at every turn, and delicious food and wine.

During our whirlwind visit to Vienna we had just enough time to…

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Written by medicus58

7. Juli 2015 at 08:39

Veröffentlicht in Allgemein

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