Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Archive for Februar 2015

Wehsely finanziert die Wiener Gebietskrankenkasse und keinen stört’s

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ReischWehs

In unzähligen Gesundheitsreformen waren sich alle „Stakeholder“stets in einem Punkt einig:

Alles nur keine Finanzierung aus einer Hand!

Die hanebüchenen Begründungen wechseln, aber eins muss bleiben:
Die Krankenkassen finanzieren überwiegend den extramuralen Bereich (Ordinationen, Kassenambulanzen und in Wien das gesamte Hanusch-Krankenhaus), die Steuerzahler die Spitäler und die Spitalsambulanzen. Wär übrigens so, wie wenn ihre PKW Haftpflichtversicherung nur die auf der Fahrbahn entstandenen Schäden übernehmen würde, der Parkschaden aber über die Mineralölsteuer abgedeckt würde. Klingt absurd, ist es auch.

Während medial unentwegt über die „teuren Spitäler“ gesprochen wird und z.B. das Wiener Spitalskonzept 2030 trotz  „wehsentlicher“ Wandlungen seiner Produktdeklaration http://wp.me/p1kfuX-K9, darin besteht 6 Schwerpunktspitäler auf drei Schwerpunktspitäler (an 6 Standorten) einzudampfen, schienen die Krankenkassen unter der wohltätigen Führung des nunmehrigen Finanzministers (Familie Putz geht zum Gesundheitsdienstleister http://wp.me/p1kfuX-12) auf Erfolgskurs:

Krankenkassen erzielten 2013 Millionenüberschuss

Für 2013 haben die Kassen laut Hauptverband der Sozialversicherungsträger einen Überschuss von insgesamt 186,3 Millionen Euro erwirtschaftet. Bemerkenswert ist dabei, dass der Löwenanteil des Überschusses von der Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK) gekommen ist – sie erbrachte 118,5 Mio. der insgesamt 186,3 Mio. Euro. Allerdings ist das nicht allein auf die Konsolidierungsleistungen der WGKK zurückzuführen, sondern zu einem Gutteil auf öffentliche Mittel. Die Kassen haben nämlich eine Umsatzsteuerrückvergütung für Medikamente bekommen. Diese wird in Form einer Pauschale ausbezahlt und machte für das Vorjahr 100 Mio. Euro aus. http://orf.at/stories/2218411/

Nach den zehn aufeinanderfolgenden Verlustjahren 1999 bis 2008 konnte die Wiener Gebietskrankenkasse zum fünften Mal in Folge einen Bilanzgewinn ausweisen. las man noch im Jahresbericht 2013 der Wiener Gebietskrankenkasse von deren GD Sulzbacher und der Obfrau Reischl.
http://www.wgkk.at/portal27/portal/wgkkportal/content/contentWindow?contentid=10008.602659&action=b&cacheability=PAGE&version=1412760547

JuHu

Jahresbericht 2014 liegt noch keiner vor,  aber Zeitungsmeldungen sprechen für 2014 noch von einem Plus von 11,6 Milliarden in der Wiener Gebietskrankenkasse http://www.vol.at/vorarlberger-gebietskrankenkasse-rechnet-2015-mit-49-mio-euro-defizit/4236597

JuHuJuHu

Nachdem das Finanzgenie Schelling aber ins Finanzministerium aufgestiegen ist, verdüsterten sich plötzlich österreichweit die Wolken über der Erfolgsstory der Krankenkassen:

2015 Krankenkassen rechnen mit 129-Millionen-Defizit
 … alle anderen Kassen rutschen ins Minus – am stärksten die Wiener Gebietskrankenkasse mit 64,1 Millionen Euro.
http://www.krone.at/Oesterreich/Krankenkassen_rechnen_mit_129-Millionen-Defizit-Prognose_fuer_2015-Story-439190

Letztendlich ist das eine politisch gewollte Querfinanzierung der Gebietskrankenkassen via asymmetrischer Steuerrückerstattung, über deren Begründung man nur mutmaßen kann. Letztlich hilft man den Kassen ihren Versicherten vorzugaukeln, dass sie für ihre (nicht so niedrigen) Kassenverträge eine Vollversorgung bekämen.

Im roten Wien“ wird dies aber von der Gesundheitsstadträtin Wehsely noch weiter getrieben, sehr zum Schaden ihrer Angestellten in den Spitälern des Krankenanstaltenverbundes, aber auch auf Kosten der Steuerzahler.

Die Ambulanzen und Bettenstationen der KAV Häuser sind auch deshalb so voll, weil von den Spitälern Leistungen übernommen werden, die eigentlich ein gut funktionierendes extramurales System (Ordinationen, Hausbesuche, Ärztenotdienst) abdecken müsste, für das – ja Sie raten richtig – die Krankenkassen verantwortlich wären.

Weniger Vertragsordinationen trotz Bevölkerungswachstum,
zum Teil lächerliche Kassentarife, für die kein Handwerker einen Finger rühren würde,
fehlenden Kassenverträgen für  Leistungen, die problemlos auch in Ordinationen erbracht werden könnten,
monatelangen Wartezeiten in den Spitalsambulanzen, weil die entsprechenden Fachärzte keine Kassenverträge bekommen,
versteckte Selbstbehalte bei Wahlärzten, die überhaupt nur 80% der Tarife von Kassenvertragsärzten bekommen,

… die Liste der absichtlich von den §2 Kassen offen gelassenen Defizite, die die Patientenströme in die Spitäler leiten, könnte endlos fortgeführt werden und die Gesundheitspolitiker schauen zu, weil sie mit den Verantwortlichen der Kassen allzu oft ein gleichfärbiges Parteibuch verbindet.

Wien ist anders.

Nicht dass Gesundheitsstadträtin und Gebietskrankenkassen-Leitung ein anderes Parteibuch haben, Wien ist anders, weil hier noch unverfrorener das Defizit der Gebietskrankenkasse durch Querfinanzierungen aus der Stadtkasse vermindert wird.
In den seit Ende letzten Jahres immer wieder (Wie oft wird kann man die Sau durchs Dorf jagen, ohne dass es den Medien auffällt? http://wp.me/p1kfuX-Tw) als großer Vorgriff auf die Gesundheitsreform abgefeierten Primärversorgungszentren (Primary Health Care Center: PHC) nimmt die Stadträtin Wehsely Geld in die Hand, um die Arbeit von Obfrau Reischl zu machen.

Offiziell liest sich das natürlich anders:
Nun haben sich Stadt Wien, Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK) – gemeinsam mit den bundesweiten Versicherungsträgern – und die Wiener Ärztekammer auf die Grundsätze für zwei konkrete Pilotprojekte zur Umsetzung des Primärversorgungskonzeptes in Wien verständigt. https://www.wien.gv.at/rk/msg/2014/12/18016.html

Die beiden PHCs, eines vor dem Donauspital für das gerade Mitarbeiter gesucht werden, eines, das aus einer bestehenden Gruppenpraxis in Mariahilf umgewandelt wird, werden nicht die Spitalsambulanzen entlasten, wie es Wehsely den ob der angekündigten Personalreduktion aufgebrachten Spitalsärzte vormachen will, dafür sind PHCs nämlich nicht da! Ihre Aufgabe umfasst (nach den Grundsätzen der Gesundheitsreform) maßgeblich die Mitwirkung an öffentlich finanzierten Gesundheitsförderungs- und Präventionsprogrammen und die Teilnahme an Disease-Management-Programmen (http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20150216_OTS0052/wehselyreischl-stadt-wien-und-wgkk-starten-pilotprojekt-integrierte-versorgung-bei-chronischer-herzschwaeche).

Es ist eine Verhöhnung der Spitalsärzte zu behaupten, eine solche Einrichtung, die 50 Stunden pro Woche offen hält und mit ein paar Allgemeinmedizinern und Pflegepersonen bestückt wird, könnte eine spürbare Entlastung in all den (onkologischen, neurochirurgischen, orthopädischen, dermatologischen, thyreologischen, radio-onkologischen, osteologischen, psychiatrischen, pädiatrischen, ….. ) Spezialambulanzen eines Schwerpunktspitales bewirken.  

PHCs sind vom Konzept her ja nichts Schlechtes, nur stellen sie in weiten Teilen ein anderes Versorgungskonzept dar, als jenes, das in Österreich bisher verfolgt wurde. Jedenfalls decken sie die extramurale Krankheitsversorgung (viele wollen auch hoffen, die Krankheitspävention) ab und dafür wären eigentlich die Krankenkassen verantwortlich.

Ob man für die 2,4 Millionen Euro, so viel sollen die beiden PHCs kosten, nicht auch im bestehenden System die gewollten Leistungen bekäme, scheint ja niemand zu hinterfragen.

Zum Vergleich die aktuelle Dienstzeit- und Besoldungsänderungen aller 3600 angestellten Ärzte im KAV ist der Gesundheitsstadträtin 19,9 Mill € wert gewesen und dann hat sie im Kurier ihren Kritikern gedroht, dass sie keinen Cent mehr locker machen werde, wenn man nicht  in ihren Jubel einstimmt.
Jedenfalls zahlt die Stadt Wien kräftig mit, bei den 480.000 €, mit denen der Mehraufwand gefördert wird, um die ambulanten Patienten der Krankenkassen zu versorgen, die nicht in die Kassenordination gehen können, weil die WGKK diesen Zugang nicht ermöglicht.

So ganz neu ist das ja nicht, denn schon vor über 5 Jahren hat das Doppelte Lottchen Wiener Gebietskrankenkasse/KAV vulgo Reischl/Wehsely ein Dialysezentrum in die grüne Wiese (eigentlich auf den asphaltierten Spitalsparkplatz des Donauspitals) gestellt. Kasse und Stadt teilen sich die Investition im Verhältnis 30 zu 70, die Betriebskosten im umgekehrten Verhältnis. Betrieben wird es von den Barmherzigen Brüdern, weil die geringere Gehälter zahlen …. http://www.wien.gv.at/rk/msg/2009/1202/008.html.
Günstig ist das Projekt auch deshalb, weil man sich mit Risikodialysen gleich gar nicht beschwert und Komplikationen umgehend ins öffentliche Spital gelegt werden können.

Auch bei diesem Projekt haben sich Reischl und Wehsely bewundern lassen, die eine zu Recht, denn ihr wurden Kosten abgenommen. Über Wehsely kann man sich aber auch wundern, denn es scheint niemand aufzufallen, wie sie das ohnehin klamme Gesundheitsbudget der Stadt nicht nur in Richtung unzähliger Berater und Baufirmen ausfließen lässt, sondern auch zur Defizitabdeckung der Wiener Gebietskrankenkasse benutzt.

Auch eine Form der Finanzierung aus einer Hand, nur halt der falschen.

Written by medicus58

27. Februar 2015 at 23:19

Präpotenz live: Die Freunde und Feinde des Rathauses

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Häupl

Mit welcher Präpotenz Spitzenpolitiker der Wiener SPÖ im Wahljahr agieren, hat mich hier schon kürzlich gewundert (Mail-Salat: Man muss den Mut Wiens bewundern angesichts des Unmuts im KAV http://wp.me/p1kfuX-Tk), nur ist man es in bestimmten Berufen (Arzt, Nationaltrainer, …) schon längst gewöhnt, dass einem jeder den Beruf erklärt, in dem man selbst jahrzehntelange Erfahrung gesammelt hat;
und dass Stadträtin Wehsely und Bürgermeister Häupl Ärzte nicht zu ihren Freunden zählen kann man aus ihrem eigenen Munde, aber auch aus der Presse seit langem erfahren (Beispiel aus 2012 (!): Krone vs. Ärzte und die PK von Wehsely und Häupl, jetzt wirds brutal ..  http://wp.me/p1kfuX-vC).

Wie sicher sich die Wiener Stadtregierung ihres Machtgeflechts aus Medien und „stadtnaher Firmen“ aber ist und wie unverfroren sie das inzwischen auch vor dem ORF Mikrofon zugibt, das ringt mir doch immer wieder Anerkennung ab.

Als Bürgermeister Häupl bei der Klubtagung in Rust (http://wien.orf.at/news/stories/2696562/) verkündete, dass er mit 25 Millionen neue Gemeindewohnungen bauen werde (http://kurier.at/chronik/wien/michael-haeupl-in-rust-wien-will-wieder-gemeindewohnungen-bauen/116.398.167) gab er unverfroren zu, wie man das realisieren wird:

selbstverständlich wird es da gute Kooperationen mit guten Freunden, … also dem Bereich – ich sag’s einmal freundlich – stadtnaher Wohnbauträger

Originalton auf (http://wien.orf.at/news/stories/2696562/)
Im oben verlinkten Kurierartikel wird das gleich genauer ausgeführt: Der „Gemeindebau Neu“ soll mittels einer Gesellschaft realisiert werden, an der zu 51 Prozent der stadteigene Bauträger Gesiba und zu 49 Prozent die Gemeindebau-Verwaltung Wiener Wohnen beteiligt sind.

Einen offeneren Einblick in das Freund/Feind Schema des Wiener Rathauses kann man sich kaum wünschen, einen etwas objektiveren Umgang mit der verliehenen, weder Gott-gewollten noch verdienten Macht, aber auch!

Ob das von diesen Personen (Meet SPÖs First Couple http://wp.me/p1kfuX-Jl ) zu erwarten ist, mag ich aber heftigst bezweifeln…

Written by medicus58

27. Februar 2015 at 07:00

Die Argumentationen des Präsidenten haben Unterhaltungswert

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Als die Vereinbarung über Besoldung und Arbeitszeit zwischen Gesundheitsstadträtin Wehsely, Personalvertretung/Gewerkschaft und Ärztekammer freudig präsentiert wurde, bejubelte man, dass nun das Problem ohne Opt out gelöst wäre.
Inzwischen zirkulieren die – noch immer nicht veröffentlichten – Papiere, in denen vereinbart wurde, dass die Unterzeichner die Dienstgeberin unterstützen werden, sollte sich am 1.Juli keine gesetzeskonforme Diensteinteilung ausgehen: Die, die eigentlich die Interessen der Ärzte vertreten sollten, verpflichteten sich per Unterschrift die betroffenen Ärzte zu einem Opt out zu motivieren.
Mit anderen Worten die Interessensvertreter werden Ärzte dazu bewegen, freiwillig auf den gesetzlichen Arbeitsschutz zu verzichten.
Wie Ärztekammerpräsident Szekeres dieser an sich ungeheuerlichen Vereinbarung auf Facebook argumentiert, erfreut den Anhänger des absurden Theaters:

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Written by medicus58

22. Februar 2015 at 10:53

Lügt der Präsident?

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Konzept

17.02.2015 Quelle: Kurier, Sei

Stadt Wien spart 382 Spitalsärzte ein

Bei der Wiener Ärztekammer, die das KAV-Arbeitszeitpaket mitverhandelt hat, fühlt man sich hintergangen: „In den kursierenden Powerpoint-Folien des KAV wird ein Verhandlungsergebnis dargestellt, das es so nie gegeben hat“, sagt Präsident Thomas Szekeres. „Die Reduzierung des ärztlichen Personals ist in diesen Strukturen völlig illusorisch und es wurde dieser selbstverständlich auch nie zugestimmt“, stellt er klar.

Diesen Kuriertext zitiert die Wiener Ärztekammer auf ihrer Homepage (http://www2.aekwien.at/news_p.py?Page=1&id_news=8630 ) unkomgeltenmentiert, so dass wohl davon ausgegangen werden kann, dass das Zitat dadurch als autorisiert gelten kann.

Inzwischen kursieren die damals auch von Szekeres unterschriebene Vereinbarung mit Stadträtin Wehsely:

Punktation zur Umsetzung der Änderung des KA–AZG im KAV Wien
Auf Basis der Einigung vom 29. Jänner 2015 zwischen der Stadt Wien einerseits und der Gewerkschaft der Gemeindebediensteten-Kunst, Medien, Sport, freie Berufe (GdG-KMSfB), der Ärztekammer für Wien, der Hauptgruppe II und dem Personalgruppenausschuss für ÄrztInnen andererseits wird Folgendes festgehalten:
D. Weitere Rahmenbedingungen
Durch das neue Arbeitszeitmodell ist es möglich, dass zwischen 20.00 Uhr und 8.00 Uhr weniger ärztliches Personal Dienste machen muss. Daher hat der KAV als Grundlage für diese Punktation auf Basis eines Rechenmodells eine geplante Nachtdienstreduktion von ungefähr 112 Nachtdiensträdern vorgelegt. Daraus ergibt sich nach den Planungen des KAV ein rechnerischer Abbau von 382 Vollzeitäquivalenten (bis 2018 unter den unten genannten Rahmenbedingungen).

Die Vertragspartner kommen überein, diese Punktation den jeweiligen Gremien zur Beschlussfassung vorzulegen. Wien am 18. Februar 2015
Thomas Szekeres e.h. ,
Präsident der Ärztekammer für Wien
Wolfgang Weismüller e.h.,
Vorsitzender des Personalgruppenausschusses für Ärztinnen und Ärzte
Angela Lueger e.h
Stv. Vorsitzende der Gewerkschaft der Gemeindebediensteten – Kmsfb
Susanne Jonak e.h
Stv. Vorsitzende der Hauptgruppe II
Sonja Wehsely e.h
Amtsführende Stadträtin für Gesundheit und Soziales
Sandra Frauenberger e.h
Amtsführende Stadträtin für Integration, Frauen, KonsumentInnenschutz und Personal

 

Entscheiden Sie selbst …..

Heute mal wieder fremde Federn

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Nacht

Ich darf Sie einladen, sich diese Gustostückerln über die Medizin in Wien zu Gemüte zu führen:

Kein Platz für Moral

Warum der KAV eine politische Fehlgeburt ist

Written by medicus58

20. Februar 2015 at 07:30

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Aufstand der Primarärzte: einfach wegadministriert

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kav

Am 16. 2. 2015
erging ein Schreiben der Vertreter der Primarärztekollegien aller großer KAV Spitäler (DSP, WIL, KHR, KFJ, KAR) an Stadträtin Wehsely in dem unter Punkt 4 festgehalten wurde, dass unter den Rahmenbedingungen des kürzlich ausgehandelten Ärztedienstzeit- und Besoldungsschema „die Leistungserbringung der KAV-Spitäler für die Wiener Bevölkerung im derzeitigen Umfang und in derzeitiger Qualität nicht aufrechtzuerhalten“ ist.

Am 17.1. 2015
kam Bürgermeister Häupl seiner Stadträtin zu Hilfe und ließ verlauten:

Es gebe eine entsprechende Vereinbarung mit Zustimmung der Ärztekammer – „auch zu allen Maßnahmen, von denen man heute so tut, als ob sie neu wären“ … Es gebe eine Vereinbarung. „Diese trägt auch die Unterschrift des Präsidenten der Ärztekammer – und der wird ja wohl wissen, was er unterschrieben hat.“
http://www.heute.at/news/wirtschaft/art69352,1126677

Am 18.1. 2015
erinnerte sich die Zeitschrift HEUTE entweder an den Grundsatz Audiatur et altera pars (lat. für „Gehört werde auch der andere Teil“) oder zündelte etwas herum um für mehr Inserate aus dem Rathaus zu lukrieren und titelt Primarärzte proben den Aufstand.
Dabei wurde  auch der obigen Passus aus dem Brief der Primarärzte zitiert (http://www.heute.at/news/oesterreich/wien/art23652,1127275).

In eigener Sache: Ich mache mich daher explitzit nicht schuldig gegen den rezent wieder ausgeschickten Maulkorberlass für Beamte zu verstoßen und KAV-Interna in Social Media zu veröffentlichen, da das bereits öffentlich gemachte zitiere!

Nach einer Sitzung einiger Primarärzte mit Stadträtin Wehsely zog Wien.ORF.at aber eine versöhnliche Bilanz:

Im Streit um den Abbau von 382 Ärzteposten im KAV haben Stadt und Primarärzte nun vereinbart, jede Abteilung einzeln anzuschauen.

(Anmerkung: …hatte man das nicht im KAV BEVOR man die neuen Strukturen verhandelt hat? … auch gut zu wissen)

Bedenken … seien nun weitgehend ausgeräumt, meinte Ludwig Kramer, Primararzt und Kollegiensprecher am Krankenhaus Hietzing und einer der Unterzeichner des Briefes.

Es sei ein sehr positives, konstruktives und konsensuelles Gespräch gewesen bei dem erneut zugesichert worden sei, dass die Abteilungsvorstände in die Umsetzung des neues Arbeitszeitgesetzes eingebunden werden.

(Anmerkung: Offenbar vergessen, dass mit Multiprimariaten und der Master BO seit Monaten an der Abschaffung der Primariate gebastelt wird? 
Siehe: Master-Betriebsorganisation im KAV: Da fährt die Eisenbahn drüber http://wp.me/p1kfuX-NS)

Dann kamen erneut die „zentralen Erstversorgungszentren als Retter in der Not, „die Patienten in der Nacht aufnehmen und versorgen bis diese in der Früh an die Spezialambulanzen weitervermittelt werden. So könnten dann auch Nachtdienste reduziert werden.“

(Anmerkung: Interessant, denn in den PHC war bislang keine Aufnahme (!) vorgesehen!)

Also Entwarnung:

Die Personalreduktion sei vom KAV „unglücklich kommuniziert worden“, meinte dazu einer der Unterzeichner, Meinhard Kneussl, Primar am Wilhelminenspital. Nun wolle man die Kollegen informieren und so die entstandene Unruhe ausräumen. http://wien.orf.at/news/stories/2695475/

Außenstehenden befällt da sicher das wohlige Gefühl, dass ja eh nur alles ein bisschen unglücklich gelaufen ist.

Vergessen,
dass die EU Österreich gezwungen hat, die exorbitant langen Ärztearbeitszeiten gesetzlich zu verbieten,
worauf die Stadt Wien nicht die Arbeitsleistung an die verringerte Personalkapazität anpasste, sondern die Gelegenheit beim Schopf packte, die Personalkapazität weiter zu reduzieren, was ihre Verhandlungspartner (Gewerkschaft, Ärztekammer) wussten und mitunterschrieben haben.

Jetzt ist der Aufstand abgeblasen und wir freuen uns, dass alle wieder miteinander sprechen. Ein gutes Beispiel dafür, dass noch die mediale Macht des Rathauses stark genug ist, um einzelne Aktionen weg zu administrieren.

Schauen wir, wie das bei den ersten Flecken auf der Weste des KAV Generaldirektors funktioniert:

Wien: Spitäler-Chef bewohnte zwei Sozialwohnungen

http://diepresse.com/home/panorama/wien/4665985/Wien_SpitaelerChef-bewohnte-zwei-Sozialwohnungen

Und schauen wir, ob auch die (aktuell) 3686 stimmberechtigten angestellten Ärzte in Wien das verhandelte Ärztedienstzeit- und Besoldungsschema so super finden, wie es auf wien.orf.at den Anschein hat.
Jedenfalls bedarf es einer ziemlich stabilen Solidarität unter den verschiedenen Ärztegruppen (Azubis, Mittelbau, Primarii), wenn die Öffentlichkeit erfahren soll, welche Form der medizinischen Versorgung für sie in Zukunft bereitgestellt werden wird.

Written by medicus58

19. Februar 2015 at 17:53

Die Lösung des Dilemmas: Kugel ersetzt Arzt

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Kugel

Die Versuche eine Medizin ohne Ärzte zu denken, treibt immer wirrere Blüten:

‚Präventiometer‘ führt wichtige Medizin-Checks schneller als jeder Arzt durch

http://www.rtl.de/cms/news/rtl-aktuell/praeventiometer-fuehrt-wichtige-medizin-checks-schneller-als-jeder-arzt-durch-45993-51ca-10-2212109.html 

… übrigens ist das kein offizieller Faschingsbeitrag!

Written by medicus58

17. Februar 2015 at 17:28

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Wehsely Leak: Ist die Mauschelei am Ende?

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Arztweg
Vor fast drei Wochen hat Stadträtin Wehsely vollmundig erklärt:

„Wir haben es geschafft, miteinander eine sehr große Strukturreform einzuleiten und die Spitalsorganisation auf neue Beine zu stellen.“
http://diepresse.com/home/politik/innenpolitik/4649927/Wiener-Spitalsaerzte_Mehr-Gehalt-flexiblere-Arbeitszeit
Damit sollen vor allem in den Nachmittagsstunden mehr Patienten versorgt, während die Nachtdienste um ein Drittel reduziert werden.

Ihre „Verhandlungspartner“ (Gewerkschaft/Personalvertretung, Ärztekammer; angeblich auch Primarärzte- und Mittelbauvertreter) (http://wp.me/p1kfuX-Tm) freuten sich medial und verteidigten das Ergebnis online und in eilig einberufenen Versammlungen:

Dass seither das Original der Vereinbarung noch immer NICHT den 3000 betroffenen Ärzten im KAV zugänglich gemacht wurde, obwohl sie über seine Inhalte abstimmen sollen, ist ein schönes Beispiel für den Stil, mit dem die Dienstgeberin mit ihren Mitarbeitern umgeht!

Nur blöd, dass man es im KAV gemeinsam mit seinen externen Beratern (Dr. Ebner – Die „objektive“ Krake im Gesundheitssystem http://wp.me/p1kfuX-xw) so eilig hatte, dass man in einer Mail, die letzte Woche verschickt wurde, die Einsparung von 382 Arztposten als Rahmenbedingung für die Vereinbarung verschriftlichte. Es dauerte dann noch einige Tage, bis man die Meldung heute auch im Kurier lesen konnte:
http://kurier.at/chronik/wien/stadt-wien-spart-382-spitalsaerzte-ein/114.140.791

In Wirklichkeit hat Wehselys den Kahlschlag schon im Zuge der Pressekonferenz am 29.1. angedeutet:

„Dadurch wird der Personalbedarf in den KAV-Spitälern nicht steigen, sondern sinken“, erklärte Wehsely.
http://diepresse.com/home/politik/innenpolitik/4649927/Wiener-Spitalsaerzte_Mehr-Gehalt-flexiblere-Arbeitszeit

Nur wollten halt alle Verhandler glauben machen, dass die in den eingesparten Nachtdiensträdern freiwerdende Ärztestunden zur Patientenversorgung während der Tagesstunden verwendet werden sollen.
Eine Überschlagsrechnung ergibt aber, dass die eingesparten 112,5 Nachtdiensträder etwa 675 Ärzteposten entsprechen, wenn nun 382 Spitalsärzte (bis 2018) eingespart werden sollen, heißt das ganz offenkundig nicht die Verlegung der Ärztearbeitszeit in die Tageszeit die Triebfeder der „Reform“ war, sondern die Personalreduktion!

Dass selbst das ORF Landesstudio (Wien heute), also ein traditionell dem eigenen Bundesland wohlgesonnenes Sprachrohr über Wehsely-Leak berichtete, macht die Sache schon brisant, auch wenn man, ganz auf der Linie des Stadtratbüros einen Beitrag nach schob, der erneut die neuen Primary Health Care Piloten als Entlastung für die Spitäler hinstellte.
Dass es sich dabei nur um den Aufguss eines schon mehrfach durchs Dorf getrieben Schweiderls handelt, haben wir hier schon berichtet: Wie oft wird kann man die Sau durchs Dorf jagen, ohne dass es den Medien auffällt? http://wp.me/p1kfuX-Tw

Nun geht die große Absetzbewegung der Mitverhandler los, wobei es erneut zu ein paar Hopperlas kam. Der Facebook-Beitrag von Ärztekammerpräsident Szekeres:

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

bitte finden Sie anbei das Rundschreiben der Ärztekammer, das soeben als Reaktion auf die KAV-Power-Point-Folien verschickt wurde.
LG Thomas Szekeres

war nicht abrufbar und führte zu folgender Fehlermeldung:

Dieser Inhalt ist derzeit nicht verfügbar

Die von dir ausgewählte Seite kann derzeit nicht angezeigt werden. Es könnte sein, dass diese vorläufig nicht zur Verfügung steht, der von dir verwendete Link abgelaufen ist oder du nicht die erforderliche Genehmigung hast, um die Seite zu betrachten.

Persönlich glaube ich ja, dass es sich in der nun öffentlich gewordenen Power-Point Folie einfach wieder um eine „nicht ganz bereinigten“ Version für den internen Gebrauch handelte, ja das kann schon mal passieren, bei der enormen Arbeitsleistung der Lieblingsberater unserer Dienstgeberin, aber sie lässt schon hinterfragen, ob die Verhandlungspartner der Stadträtin damals so ganz genau gewusst haben, über welche Tische sie gezogen wurden ….

Egal, lasst uns optimistisch sein und hoffen, dass irgendwann auch die Stadt Wien erkennt, dass man (leicht paraphrasiert) nicht alles vor allen und immer geheimhalten kann und von paternalistischer Verhaberung und Mauschelei endlich zu mehr Transparenz findet.

Dazu würde es auch gehören, dass sie:
Erstens den exakten Wortlaut der UNTERSCHRIEBENEN Betriebsvereinbarung offenlegt und
zweitens alle Verhandler die Betroffenen befragen und dies nicht dem unwichtigsten Verhandler, eben der Ärztekammer, überlässt.

Ob sich Wehsely nach diesem Desaster noch traut, wie angedroht, die Dienstzeitenänderung auch ohne Gehaltsanpassung per Erlass zu verfügen, mag bezweifelt werden.
Ihr großer Mitstreiter in Sachen Gesundheitsreform aus Oberösterreich (LH Pühringer) hat schließlich auch vor zwei Tagen das bereits geschnürte Paket vor der Abstimmung nachgebessert, warum wohl?

Lit:
„Der KAV (Wiener Krankenanstaltenverbund, Anm.) plant offenbar mehr als 10 Prozent der Ärzte (382 Dienstposten) zu streichen. Zusätzlich zur Ärztearbeitszeitverkürzung von 15 Prozent.“ Mit dieser Meldung ließ der Gesundheitsökonom Ernest Pichlbauer aufhorchen. Der Experte hatte auf seiner Facebook-Seite ein internes KAV-Dokument veröffentlicht (es liegt der „Presse“ vor), in dem wörtlich steht : „Bis Ende März 2015 soll ein abgestimmter Dienstpostenplan (…) vorliegen.“ Dann kommt der entscheidende Nachsatz: „Die Vereinbarung beinhaltet das Ziel, dass (…) 382 Dienstposten reduziert werden (Realisierung bis 2018)“.
http://diepresse.com/home/politik/innenpolitik/4664195/Spitaeler-der-Stadt-Wien_382-Aerzteposten-gestrichen 

Written by medicus58

16. Februar 2015 at 21:05

Von wegen im KAV ist alles in Ordnung

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Supramaximal

Medial wird die Schlacht ja ganz professionell geführt:
KAV-Ärzte: Mehr Gehalt http://wien.orf.at/news/stories/2691951/ und Frau Stadtrat Wehsely und Parteifreund Wr. Ärztekammerpräsident Szekeres beglückwünschen sich medienwirksam zur Betriebsvereinbarung, die eigentlich die SPÖ Stadträtin der SPÖ dominierten Gewerkschaft diktiert hat.

Vom Kleingedruckten der Vereinbarung und den begleitenden Drohungen (Änderung der Arbeitszeiten per Weisung ohne Gehaltsänderung) liest man natürlich nichts.

Während schon vorher medial vermittelt wurde, dass ohnehin nur mehr das AKH ein Problem hätte, weil man sich „im KAV geeinigt habe“, nachdem die Gewerkschaft vor Verhandlungsbeginn die Ausnahmeregelungen der BV bis Mitte 2015  verlängert hat, darf dort, an seinem Arbeitsplatz, der Kammerpräsident um eine Erhöhung seines eigenen Gehaltes kämpfen. Das dieses vom VP Minister Mitterlehner (Wissenschaft) und nicht von der Parteifreundin im Wiener Rathaus bezahlt wird, hat das Verhältnis von Wehsely und Szekeres sicher nicht belastet….

Zur Sicherheit hat man die für März geplante Abstimmung über das Dienstzeitmodell ÄrztInnen (NEU) WSK (WSK = KAV-AKH) an die Wiener Ärztekammer delegiert, die aber de facto gar nicht der primäre Verhandlungspartner des Rathauses war, das waren natürlich die FSG-Gewerkschafter. D.h. ein negatives Abstimmungsergebnis unter den im KAV angestellten Ärzten, hat weder de jure noch de facto einen Einfluss. Da die Personalvertretung jedes einzelnen Spitals aber jeder Änderung individuell zustimmen muss, wird es auf den Druck ankommen, die die Kollegenschaft auf ihre (Zwangs-)Personalvertretung ausübt, ob das, was die Spitzen unterschrieben haben, lokal auch durchgeführt werden kann. Das übliche Machtspielchen kann also beginnen.

Während der um seine eigenen Besoldung im AKH kämpfende Ärztekammerpräsident, der sich übrigens in der Kammer nur auf eine wackelige Koalition stützen kann, in den Social Media nicht müde wird, die Vorteile der Vereinbarung zu loben, wird nun, zwei Wochen nach Unterschrift klar, weshalb das Originaldokument, das ja Grundlage für die Dienstpläne ab Juli sein muss, den Betroffenen noch immer nicht vorliegt.

Während die Reduktion der Nachtdiensträder, also die ärztliche Präsenz während der Nachtstunden, ein deklariertes Ziel war, das den Patienten medial als eine höhere ärztliche Präsenz in den Ambulanzen verkauft wurde, wird darüberhinaus klar, dass über 10% der Ärzteposten im Wiener Krankenanstaltenverbund eingespart werden!

Nicht nur, dass sich damit die Ärzte ihre vollmundig den Medien verkündete Erhöhung des Grundgehaltes nicht nur mit dem Verlust der gut dotierten Nachtdienste selbst finanzieren, wird sich das Rathaus auch den Gehalt für 382 Dienstposten ersparen. Davon war in den ersten Tagen nach der Einigung natürlich nicht die Rede.

Da es sich die „rote Gesundheitsstadträtin“ auch nicht mit der „roten Wiener Gebietskrankenkasse“ verderben will/kann, beinhaltet die jetzige KAV Reform aber auch nicht eine Entlastung der chronisch überfüllten Spitalsambulanzen. Diese Überlastung rührt überwiegend daher, dass eben diese Gebietskrankenkasse nicht für eine adäquate Versorgung ihrer ambulanten Versicherten zu sorgen gewillt oder befähigt ist.
Letztendlich lagert Mag.a Ingrid Reischl, die Obfrau der WGKK seit Jahren Kosten in den KAV aus, wogegen sich weder die operative noch die politische Führung des KAV zur Wehr setzt. Warum wohl?

Nach dem neuen Dienstzeitmodell des KAV werden zukünftig weniger Ärzte in den Abendstunden in den Spitälern zur Verfügung stehen, wenn die Krankenkassen-Ordinationen geschlossen haben, aber durch die Personalreduktion auch weniger Ärzte für die Patienten in den Spitalsambulanzen zur Verfügung stehen.
Von parallelen Maßnahmen der Krankenkassen ist nichts zu hören!

Profitieren werden aus heutiger Sicht vom Dienstzeitmodell ÄrztInnen (NEU) in erster Linie diejenigen Ärzte profitieren, die schon jetzt keine Nachtdienste leisteten bzw. sich auf Teilzeit setzen haben lassen, um ihre Ordinationen zu führen.
So zielunsicher muss eine Reform einmal sein!
Die Mehrheit der nachtdienstleistenden ÄrztInnen im KAV wird im besten Fall keinen massiven Gehaltsverlust erleiden, wenn sie sich ans Arbeitszeitgesetz halten, aber dies durch einen Verlust an Tagesfreizeit und eine Verdichtung an Arbeitsleistung bezahlen.

Bin schon neugierig, wie die Abstimmung ausgehen wird.

 

Written by medicus58

13. Februar 2015 at 16:16

Wie globalisiert ist die Medizin? Ärztliche Ethik diesseits und jenseits des Teichs

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Welt

In Zeiten (west-)weltumspannender Konsensuspapiere und Impact-gerankter Journalweisheiten, könnte man doch glauben, dass diesseits (Europa) und jenseits (USA) des großen Wassers die Medizin in vergleichbaren Bahnen läuft.

Natürlich nicht, winkt der abgebrühte Beobachter lässig ab, jeder weiß spätestens seit „Obamacare“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Patient_Protection_and_Affordable_Care_Act), dass der Zugang zur Medizin massiv durch die ökonomischen Bedingungen des Versicherungsstatus beeinflusst wird.

Aber geh, gähnt der Fachmann, der an oft unterschiedliche Dosierungsempfehlungen und Indikationslisten im Beipacktext vieler Medikamente denkt, aber darum soll es nicht gehen.

 

Auf www.Medscape.Org, einem 1995 gegründeter Web-basierter Informationsdienst für Ärzte veröffentlichten Leslie Kane, MA (DirectorMedscape Business of Medicine) und Shelly Reese (Freelancewriter, Cincinnati, Ohio) einen Ethics-Report 2014, in dem die Antworten von 21,000 US amerikanischen und 4000 europäischen Ärzten aus über 25 Sonderfächern zu verschiedenen medizinischen Fragen gegenübergestellt werden.

Große Unterschiede fanden sich z.B. hinsichtlich des Grundkonflikts jeder ärztlichen Tätigkeit. Die Frage, ob man die möglichen Risiken einer Therapie in der Patientenaufklärung eher hinunterspielen  würde, wenn man davon überzeugt ist, dass diese zum Wohle des Patienten wäre, wurde von fast dreimal mehr europäischen Ärzten bejaht als in den US
(USA: 10% Ja, 76% Nein, 14% kommt drauf anv.s. Europa  28% Ja,  49% Nein, 23% kommt drauf an).
55% der europäischen Ärzte würden auch gegen den Willen der Angehörigen einen Patienten behandeln, wenn sie eine Heilungschancesehen, während das nur für 22% der US-Ärzte in Frage kam.
Auch sind fast doppelt so viele Europäer bereit einen Verdacht auf häusliche Gewalt für sich zu behalten.
Man könnte das auf den ersten Blick mit der größeren Angst vor juridischen Folgen der US-amerikanischen Kollegen erklären, wogegen vielleicht spricht, dass nur 14% der US-amerikanischen Ärzte v.s. 25% der Europäer meinen, dass lebenserhaltende Maßnahmen zu früh beendet werden. AlsHauptgrundwirdhieraber der Kostendruckangegeben („Individual morality is one thing,“ noted a UK physician. „Running a businessisanother.“)

Zur Frage der(passiven, physician-assisted) Sterbehilfe sind die Unterschiede eher marginal.
(USA: 54% Ja, 31%, 15% Nein, 15% kommt drauf anv.s. Europa 41%  Ja, 41% Nein, 18% kommt drauf an)
Dzt. ist sie in 5 US-Bundesstaaten und einigen europäischen Staaten erlaubt

Die Fehlerkultur ist wiederum deutlich unterschiedlich ausgeprägt. Doppelt so viele Europäer würden Fehler, die zu keinem Patientenschaden führten (nearmisses aus der Fliegersprache), unter das Leintuch kehren
(USA: 19% Ja, 60% Nein, 22% kommt drauf anv.s. Europa 37% Ja, 38% Nein, 25% kommt drauf an)

Auch in der Direktheit der Aufklärung über schwere Diagnosen bleiben die US Ärzte deutlich eher bei der Wahrheit, als die Europäer, wobei der Anteil der im Einzelfall Abwägenden bei folgender Frage sehr hoch ist.
Würden Sie eine tödliche Diagnose (terminal diagnosis) verschweigen, wenn Sie dadurch den Lebensmut (bolster a patient’sattitude) heben könnten?
(USA: 21% Ja, 3% Nein,76% kommt drauf anv.s. Europa 46% Ja, 10% Nein, 45% kommt drauf an)

Auch bezüglich schwarzer Schafe innerhalb der eigenen Gruppe sind europäische Ärzte eher bereit zu schweigen. Auf die Frage, ob Sie drogen-, alkoholabhängige oder kranke Ärzte anzeigen würden, war das Schweigen in Europa stärker ausgeprägt.

(USA: 77% Ja, 4% Nein, 20% kommt drauf anv.s. Europa 45% Ja, 20% Nein, 35% kommt drauf an)

Vielleicht statistisch nicht signifikant, aber überrascht hat mich, dass Europäer eher zu Leistungseinschränkungen am Patienten bereit sind, wenn das Budget aufgebraucht ist.

If your healthcare group will be penalized for exceeding its care budget, would you avoid or deny treating some patients?
(USA: 8% Ja, 74% Nein, 19% kommt drauf anv.s. Europa 13% Ja, 61% Nein, 26% kommt drauf an)

Der Sampling Error (am 95%-CI) betrug generell +/- 0,72 für die US Ärzte und +/- 1,55 % für die Europäer. Unter den 21.531 befragten Ärzten kamen 1% aus Österreich, nur 7% aus Deutschland, aber 17% aus UK! Auch das Geschlechterverhältnis (37% weiblich 63% männlich) mag die nationalen Verhältnisse nicht überall gleich gut repräsentieren.

 

 

 

 

Written by medicus58

9. Februar 2015 at 07:26

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