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Wie verhindern Sie unnötige Zuweisungen? Einfache Fragen statt komplexer Algorithmen

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In einer hier vor 5 Jahren eingestellten und vor 10 Jahren gehaltenen Vorlesung über Clinical Decision Making habe ich mich schon sehr kurz mit den unterschiedlichen Möglichkeiten „ärztlichen Denkens“ beschäftigt:

1. Vorgehen nach Daumenregeln
2. Suchen nach Pathognomonische Symptomen/Kasuistiken
3. Vorgehen nach Persönlicher Erfahrung (Eminence)
4. Lineare – Algorithmische Modelle

Inzwischen hat uns die Informationstechnologie natürlich auch noch nicht-lineare Algorithmen (lernfähige Artificial Intelligence) beschert, die scheinbar uns Ärzte übertreffen:

Babylon AI erreicht Genauigkeit bei Global Healthcare First, die menschlichen Ärzten gleichwertig ist 
Hautkrebs: Computer erkennt besser als Ärzte
Memorial Sloan Kettering Trains IBM Watson to Help Doctors Make Better Cancer Treatment Choices 

Auch wenn derartige Algorithmen wirklich Ärzteposten einsparen könnten und somit bei Ökonomen schon jetzt zu feuchten Tagträumen führen, werden die Kosten für die notwendige Hardware-Infrastruktur und für die beständige Wartung der Programme in der Regel unterschätzt.

13 Symptoma – Symptom für eine falsche Entwicklung der Medizin

Meine persönliche Ressentiments gegen den Zugang liegen aber in der problematischen Schnittstelle in der das vorliegende Problem einmal ausformuliert wird, bzw. wie es dem Algorithmus vorgelegt wird. Jeder in der Anamnese-Erhebung Erfahrene kann auf den ersten Blick einschätzen, ob eine Frage verstanden wird bzw. eine Antwort plausibel ist.
Denken Sie nur an so exemplarische Situationen wie die Frage nach dem aktuellen Alkoholkonsum. Glauben Sie, dass der Betroffene hier dem Algorithmus seine 5 Krügel und drei Schnäpse ehrlich eingibt, wenn er nach der Ursache seiner Übelkeit fahndet?

Auch bei der Kommunikation zwischen den Ärzten im Rahmen der sogenannten Zuweisung werden oft Nicht-Informationen geteilt:

Neben den Klassikern:
DU (=Durchuntersuchung) erbeten
BG (=Begutachtung) + TÜ (=Therapieübernahme)
Kardiale (Endokrinologische, Psychiatrische, Neurologische, … ) Abklärung erbeten

Kommen einem auch oft echter Zuckerln unter:
Hyperlipidämie, erbitte Therapievorschlag
(bei einem Cholesterninwert von 135 mg/dl, nur weil das entsprechende Labor auch einen unteren Normalwert hatte und deshalb das Ergebnis mit einem Sternchen als abnormal markiert hat)
Analpruritus (=Jucken am After), erbitte um Ausschluss einer Schilddrüsenerkrankung
Demenzabklärung
(bei einem multimorbiden, nach mehreren Schlaganfällen an den Rollstuhl gefesselten 92-Jährigen)

Wäre ich in der IT-Industrie würde ich beginnen einen sehr komplexen Algorithmus zu programmieren, um den Zuweiser zu einer minutenlangen Fragebeantwortung zu zwingen, um diese unsinnigen Zuweisungen abzufangen. Meine über Jahrzehnte in der Praxis erprobte, analoge Lösung beinhalten aber nur zwei einfache Fragen:

Was ist Ihre Verdachtsdiagnose?
Wie ändert sich Ihr Vorgehen, wenn die gewünschte Untersuchung positiv ausfällt, wie ändert es sich, wenn der Befund negativ ausfällt?

Natürlich lässt sich das auch programmieren, jedoch bezweifle ich, dass der Algorithmus das nachfolgende Gestottere, das „Muss den Arzt fragen“ der Ordinationshilfe, …
entsprechend gewichtet!

Written by medicus58

2. August 2018 at 17:00

Dazugehören: Oder vom Missbrauch des Selbstverständlichen

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Wir sind von Opfern umgeben. Ganz im Sinne W. Ambros: A jede is a Minderheit, an jeden geht wos oh ..

Egal ob es das sexuelle Selbstbild, die ethnische Herkunft, die ökonomische Situation (den Begriff der Klasse haben wir ja inzwischen erfolgreich ausreden lassen),
alles eignet sich zur argumentativen Selbstimmunisierung der eigenen Forderungen. meist ohne Berücksichtigung der Rechte derer, die diese Forderungen begleichen müssen.

Die Klageführer verlangen auf Grund eines einzelnen Merkmals für sich den Schutz durch (zumindest in viele in unserem Kulturkreis unstrittige) Prinzipien wie Menschen- und Asylrecht oder dem Recht auf Gleichbehandlung und Gleichberechtigung.
Ob sie selbst das auch anderen gegenüber gewähren würden, bleibt unhinterfragt.

Je nach sozialem Biotop reicht es aus, sich durch eine Kurzbio als sexuell bedrängt (#meetoo), rassistisch verfolgt (#meTwo), … zu bezeichnen, um verlässlich Freunde und Feinde zu generieren.
Bezeichnend ist dabei, dass es kaum mehr um die Schwere der vorgebrachten Übertretungen geht:
Wer über das Meer kommt, ist da prinzipiell mal Flüchtling, wer hinterfragt, ob diejenigen die sich die Schlepper leisten konnten, wirklich die Hilfsbedürftigsten sind, lernt die Denkweise der Offenheit fordernden Aktivisten auf das schmerzlichste kennen.
Wer abgelehnt wurde, erklärt sich das prinzipiell ob seiner Andersartigkeit und nicht weil er vielleicht prinzipiell ein fieser Typ ist, der halt zufällig von woanders her kam.
Wer aus einem Bürgerkrieg flieht ist natürlich dort immer auf der „richtigen Seite“ gestanden, zu hinterfragen, ob er nicht vielleicht vor seinen Opfern flieht, gilt als diskriminierend.

Respekt und Unterstützung für das eigene Weltbild wird gefordert ohne zu hinterfragen, ob denn auch das Weltbild der aufnehmenden Gesellschaft respektiert wird, bzw. wie man sich selbst in Konfliktfällen verhält.

Fragen Sie einmal einen Muslim (außerhalb der Tourismusindustrie), was er denn von Ihrer Freiheit hält, sich mit einem Gulasch und einem Krügel Bier zu entspannen,
recherchieren Sie mal ein wenig über die Diskussionen in Mumbai (Bombay) zwischen Muslimen, die nichts dabei finden sich ein T-Bone Steak von Shivas Reittier Nandi abzubraten und den Hindus der Region.

Mögen Sie Flüchtlinge?

Natürlich funktioniert der Prozess in beiden Richtungen, so dass wir in der Wikipedia nachlesen können, dass sich seit den 2000er Jahren im deutschen Sprachraum der Opferbegriff auch als Schimpfwort im Sinne einer abwertende und verächtlichen Haltung gegenüber anderen (= Andersartigen) oder Verlierern verwenden lässt.

Bei all dem geht es um die drinnen und jene die hinein wollen, was angesichts einer angeblich immer kleiner werdenden Welt eigentlich absurd wirkt.
Es geht aber auch immer mehr um die Forderungen derer, die hinein wollen und den berechtigten und unberechtigten Aversionen jener, die drinnen sind.

Wer glaubt, dass das alles ausschließlich mit dem Verweis auf die selbstverständliche Verpflichtung zur Hilfsbereitschaft gegenüber einem Individuum in Not ist, verwechselt Erste Hilfe mit dem Wohlfahrtsstaat.
Allein die an Absurdität nicht zu überbietende Diskussion um die Seerettung im Mittelmeer wenige km vor der afrikanischen Küste und dem Weitertransport über ein paar hundert Kilometer nach Europa, zeigt dies exemplarisch.

Wer gebetsmühlenartig wiederholt, dass wir uns das leisten können, sollte sich einmal die Frage stellen, welchen Beitrag er zu dem Kuchen geleistet hat, dessen Verteilung er nun allein bestimmen möchte.

Viele Konzepte des 20. Jahrhundert wurden unter dem Eindruck der politischen Katastrophen zweier Weltkriege formuliert, waren aber ohnehin stets Makulatur, wenn sie ökonomischen Interessen im Wege waren:
In den postkolonialen und antikommunistischen Kriegen in SO-Asien und Afrika, den politischen Umstürzen im Mittleren Osten, Afrika, Mittel- und Südamerika mit all den dort installierten Diktatoren wurden Menschen- und Asylrechte immer mit Füssen getreten, nur war die Mobilität der ökonomisch Bessergestellten noch nicht so groß wie heute, das Geschäftsmodel Flüchtling noch eher auf die Befüllung thailändischer Bordelle beschränkt und noch nicht globalisiert wie heute.

Wenn wir uns heute Gedanken machen sollten, wie wir diese Prinzipien anwenden können ohne den Grundprinzipien einer humanistischen Gesellschaft untreu zu werden, dann geht es eigentlich nicht so sehr um eine Änderung dieser Grundrechte, sondern um eine Formulierung, wie sie verbindlich umzusetzen sind, die aber für beide Teile, denen, die eine Gesellschaft mit aufgebaut (und finanziert) haben und jenen, die in diese Gesellschaft kommen wollen oder müssen, praktikabel werden.

Dazu gehören klare Regeln, wo und wie ein Asylantrag zu stellen ist.
Wenn ich als Tourist in immer mehr Ländern dieser Welt bei der Einreise meine Fingerabdrücke abgeben muss, dann ist dies einem Asylwerber m. E. ebenfalls zuzumuten.
Wenn ich als Tourist deklarieren muss, mit welchen Barmitteln ich einreisen möchte, und ob ich mir Aufenthalt und Abreise auch leisten kann, dann ist das auch für Asylwerber zumutbar, auch wenn NGOs das in der Vergangenheit stets bekämpft haben.
Wer das Schlepperwesen dadurch unterbinden will, dass er Asylanträge nur außerhalb Europas annehmen möchte, muss hingegen ein zugängliches Netz vor Ort ermöglichen und kann nicht von irgendwelchen Camps in der libyschen Wüste faseln.
Wer aber glaubt, dass sein Status und seine Finanzierung als NGO oder Flüchtlingshelfer als prinzipiell sakrosankt zu gelten haben und andere Meinungen (Auch die Guten müssen sich Fragen gefallen lassen) auf das aggressivste desavouiert, sollte einmal prüfen, wie weit er sich noch selbst innerhalb eines Grundkonsenses einer aufgeklärte Demokratie befindet.

Wer ausschließlich die Rechte der einen Gruppe durchsetzen möchte, verletzt sehr bald die Grundrechte der anderen Gruppe.

Wer wo dazugehören will, kann dies nicht erzwingen.
Wer auf seine Rechte pocht, sollte sich auch seiner Verpflichtungen bewusst sein.

Die Freiheit des Einzelnen endet an der Fluchtdistanz des anderen,
aber auch die Flucht großer Gruppen kann die Freiheit des Einzelnen gefährden.

Written by medicus58

30. Juli 2018 at 16:38

Fahren Sie lieber auf Urlaub statt krank zu werden

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Dass es während der Urlaubszeit personelle Engpässe gibt, ist ja an und für sich keine besondere Erwähnung wert.
Dass dies auch außerhalb der Urlaubszeit (z.B. bei den Krankenkassen) keine Seltenheit ist, haben wir hier zuletzt im September des Vorjahres dokumentiert (Gut versorgt: Ambulanzsperren).
Ja, und dass die Gesundheitspolitik plant obwohl die „Soldaten“ schon längst weiter gezogen sind, wurde auch seit Jahren hier immer wieder angesprochen.

So gesehen ist das Schriftstück, das gestern aus dem AKH kam „Akutmaßnahme Annahmestopp für Probeneinsendungen A/72/2018“ eigentlich auch keine Überraschung, wo die Direktion des laut KAV-Masterplans für die Supramaximalversorgung im Wiener Spitalskonzept zuständigen AKH mitteilt, dass
aufgrund eines akuten Personal- und Geräteengpasses am Klinischen Institut für Pathologie des Allgemeinen Krankenhauses der Stadt Wien – Medizinischer Universitätscampus vorübergehend keine Annahme/Verarbeitung von Nierenbiopsien und molekularpathologischen Untersuchungen möglich ist und die Einsendungen retourniert werden.“

Auf den ersten Blick vielleicht irritierend wird das Vorgehen wie folgt begründet:
„Diese Maßnahme dient der Patientensicherheit, die durch die verzögerte Befunderstellung gefährdet sein könnte.“

Möglicherweise führt das ebenso zu hektischen Diskussionen wie im April dieses Jahres ein Interview mit Prof. Husslein (AKH-Primar will künftig Patienten abweisen), in dem flapsig in die Kamera sagte: „Man hat Volleyball mit uns gespielt, und wir spielen jetzt Volleyball zurück und schicken die Patenten dorthin, wo sie besser aufgehoben wären.“

Blöd ist halt, dass es das „dorthin“ auch nicht mehr gibt. Die Patienten stauen sich ja in der AKH Ambulanz, WEIL der niedergelassene Bereich nicht (mehr) funktioniert.
Es gibt, um auf das aktuelle Thema zurück zu kommen, natürlich auch andere Pathologien als die im AKH, nur wird es vielleicht einen Grund haben, wenn manches ins AKH geschickt wird und nicht vor Ort befundet wird!

Ich habe den besagten Brief hier nur deshalb angesprochen, um wieder einmal darauf hinzuweisen, was in der leidigen Spitalsbetten- und Ambulanzwartezeit-Debatte immer unter den Tisch fällt, dass die Versorgungssituation auch in der Diagnostik bereits höchst prekär ist. Und ohne Diagnose gibt es keine vernünftige Therapie!

Egal, bleiben Sie gesund und machen Sie Urlaub;
nicht dass es in anderen Ländern viel besser um die Versorgung bestellt ist (Mein Patient, Dein Patient, das Budget ist nicht für alle da),
aber solange wir alle in Europa wählen, wie wir wählen und nicht Zwischen den Zeilen des Regierungsprogramms lesen, wird weiter an der Versorgungssicherheit gespart werden, bis dann nichts mehr geht!

Ja und wer glaubt, dass das alles nur urlaubsbedingt ist, möge den Text nochmals lesen, denn im AKH wird nicht nur von personellen Problemen sondern auch von einem Geräteengpass gesprochen, und Geräte fahren nicht auf Urlaub!

Written by medicus58

12. Juli 2018 at 17:44

Babylonische Zustände in der Medizin

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Ich sitze gerade vor drei Bildschirmen, einem großen 4K, einen Standard Flatscreen und einen noch teureren EIZO, und tippe meinen heutigen Beitrag auf einem ziemlichen High-end PC, den ich normalerweise für weitaus rechenintensivere Aufgaben verwende, als für diese kleinen Wortmeldungen am Rande des Internets.
Will heißen, ich halte mich auch privat für ein bisschen EDV-affin.
Das will ich vorausschicken, da regelmäßige Leser vielleicht den Eindruck gewinnen können (siehe Links), dass ich ein prinzipielles Problem mit der EDV (oder IT) habe, was definitiv nicht stimmt.

Als 13-Jähriger habe ich von einer allgemein zugänglichen Enzyklopädie geträumt, da ich mit einen Brockhaus nicht leisten konnte – heute stehen die 24 Bände einen Handgriff hinter mir, einschließlich der Ausgaben für Weltgeschichte.
Trotzdem genieße ich es, dass ich auch in der U-Bahn die Wikipedia befragen kann.

Meine ersten Erfahrungen mit Spracherkennungssoftware machte ich vor mehr als zwei Jahrzehnten und finde die diesbezüglichen Fähigkeiten meines Smart-TV bemerkenswert.
Trotzdem konnten Sie hier lesen, dass die Anwendung in der medizinischen Praxis mehr als hinterfragbar sind (Eupnoe – Aponoe)

Ja, und ich bin mir der bemerkenswerten Fähigkeiten von IBMs semantischer Suchmaschine Watson, durchaus bewusst, obwohl ich mich entgegen anders lautender Werbeaussendungen nicht ausschließlich nach seinen Erkenntnissen onkologisch behandeln lassen wollte, obwohl der Link uns zu beweisen scheint, dass dieser Algorithmus zu 90% zu den gleichen Therapien rät, wie ein interdisziplinäres Tumorboard.
JA, und eigentlich habe ich auch mal ein bislang nicht realisiertes Watson Projekt erarbeitet, aber Schwamm drüber.

Nun scheint es mir aber, dass ich mich langsam geschlagen geben muss:
Babylon AI erreicht Genauigkeit bei Global Healthcare First, die menschlichen Ärzten gleichwertig ist

Wenn Sie sich das Nachlesen dieser APA Meldung ersparen wollen, wovon ich abrate, dann steht dort, dass ein Algorithmus bei einer ärztlichen Befähigkeitsprüfung besser abschnitt, als der durchschnittliche britische Arzt.
Die Ergebnisse des heutigen Abends zeigen deutlich, wie durch AI erweiterte Gesundheitsdienste die Belastung der Gesundheitssysteme weltweit verringern können. Unsere Mission ist es, zugängliche und erschwingliche Gesundheitsdienstleistungen in die Hände jedes Menschen auf der Erde zu legen. Diese bedeutenden Ergebnisse bringen die Menschheit einen wichtigen Schritt näher zu einer besseren Welt, in der niemandem eine sichere und exakte Gesundheitsberatung verweigert wird.“

So weit so gut, wir alle wissen aber, dass es nicht darum geht, sondern um die Einsparung von „ärztlichen Vollzeitäquivalenten“, und das wird auch so kommen, seien Sie (als Patient) gewarnt.

AI (=Artificial Intelligence)ist derzeit einer der heißesten Tickets in der Medizin.

IBM, das schon lange mit seiner Hardwaresparte keine Geld mehr macht, investierte Unsummen in Watson, seinen AI Algorithmus, der wie eine Reihe anderer IT-Anwendungen, zum Super-Doktor gehypt wird, als ob ein derartig komplexes System wie die Behandlung eines einzelnen Patienten durch einen Algorithmus erfasst werden könnte.

Im American Journal of Medicine erschien im Februar 2018 ein Artikel mit dem Titel: Artificial Intelligence in Medical Practice: The Question to the Answer? und kommt wenigstens zu dem Schluss, dass da auch noch fallweise ein Arzt zwischen den Bits and Bytes auftauchen soll.

Ich habe vor längerer Zeit meine Vorlesung aus den 90er Jahren (Am Anfang war die Diagnose – Clinical Decision making Not only for Dummies) hier auf den Blog gestellt, um ein bisschen die Komplexität des Diagnoseprozesses zu umschreiben, die nicht zu letzt die Schwierigkeiten an der Schnittstelle Patient:Medizin(Arzt) aufzeigt,
die auch heute nicht FÜR DEN EINZELFALL, von der AI abgedeckt werden kann und damit haben wir es in der Praxis zu tun.
Nicht mit Mittelwerten und Gruppen-Wahrscheinlichkeiten, sondern dem Einzelfall.

Egal: Drücken Sie die 1 wenn Sie krank sind oder die 0 wenn sie tot sind

Meiner Wahrnehmung nach haben die meisten in meiner ärztlichen Kollegenschaft noch gar nicht begriffen, wie nahe stark die Versprechungen der IT-Industrie das Berufsbild der Ärzte bereits gefährdet.
Ja, und Patienten beschweren sich ausschließlich über Wartezeiten ….

Links: 
Krankenhaus EDV: erfassten Widerspruch im Anlassfall
Meine Paranoia mit der Spitals-EDV oder wenn alles steht, geht’s weiter wie bisher
Die Überraschungseier der Krankenhaus EDV
Kunstfehler waren gestern, heute haben wir die EDV

Written by medicus58

28. Juni 2018 at 21:58

Warum die KH Nord Untersuchungskommission vermutlich wenig bringt

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Ist mal wieder typisch Wienerisch. Schon vorher zu wissen, dass eh alles wieder nix bringen wird und zum Spritzwein greifen.
Sie hätten angesichts der heutigen Überschrift jedes Recht die Lektüre dieses Beitrags angewidert abzubrechen, jedoch geben Sie mir eine Chance und reden wir in einem Jahr weiter …

Wie die Linksammlung am Ende beweist, habe ich mir über das „Leuchturmprojekt der Wiener Krankenhausreform“ schon mehrfach Gedanken gemacht und diese will ich nicht wiederholen, heute geht es um einen anderen Aspekt:
Bisherige Rechnungshofberichte und die medialen Kommentare in den letzten Monaten scheinen sich einig, dass die Erklärung für Verzögerungen und Preissteigerungen beim Krankenanstaltenverbund lag, weil er sich ein zu großes Projekt selbst zugetraut hat. 

So ganz falsch ist das zwar nicht, aber auch sehr bequem, weil die beteiligten Gesundheitsstadträtinnen Brauner, Wehsely und Frauenberger politisch und die Generaldirektoren des KAV Marhold und Janßen längst operativ abgetaucht sind und der erste Zeuge der vom U-Auschuss vorgeladen wird, Wetzlinger , bis vor kurzem nichts mit der Sache zu tun hatte.

Natürlich beweisen auch die zahllosen Berater, die im KAV ein und (mit satten Honoroaren wieder) aus gingen, dass man wenig Vertrauen in die eigene Kompetenz und offenbar gar kein Vertrauen in sein eigenes Personal hatte. Auch das wird der U-Ausschuss erneut feststellen, aber damit vielleicht Wesentliches übersehen.

Ich bin aber höchst pessimistisch, dass der rot-grüne U-Ausschuss dort ansetzen wird, wo meiner Meinung nach das eigentliche Übel dieses und vieler anderen Projekts lag:
Der unbedingte Wille mit ganz bestimmten Anbietern (Firmen, Freunden, …) ins Geschäft kommen zu wollen!

Wer nur die Durchführung des Projekts untersucht, der wird natürlich zahllose Fehlentscheidungen und absurde Einzelentscheidungen (Energetiker) zu Tage fördern und mit der Frage konfrontiert sein, ob denn da alle Beteiligten zu viel vom erwähnten Spritzwein hatten. Völlig unklar bliebe aber, weshalb dieser Krankenanstaltenverbund (damals noch in Form einer Magistratsabteilung!) vor gar nicht so langer Zeit ein anderes Wiener Spital innerhalb des Termin- und Kostenplans fertigstellen konnte, wenn die Leute jetzt so unfähig agieren.
Diese Projekt ruhte damals übrigens auf viel weniger entscheidungsberechtigten Schultern als das KH Nord heute!
Wie können aber die Verantwortlichen, überwiegend Beamte der Stadt Wien und einige Bundesbeamte in Form der späteren leitendend Ärzte, die auch manch andere Großprojekte relativ problemlos durchziehen konnten, plötzlich jede Kompetenz verlieren und sich
beim Bau des KH Nord mehr am  Skylink als am Donauspital orientieren?

Wenn sich der U-Ausschuss nicht auch mit dieser Frage beschäftigt und (so wie der RH) die Vorgeschichte des KH Nord vor dem ersten Spatenstich ausspart, dann wird er erwartungsgemäß nur wieder zu den bisherigen und für alle bequemen Schlüssen kommen: Selbstüberschätzung

Vergleiche: Eine Baustelle und kein Ende in Sicht
Warum sucht eine Stadt im Mai 2006 für ein öffentliches Spital einen privaten Partner,
der sowohl Grundstück als auch das Geld und den eigenen Generalunternehmer (PPP) beistellen soll?
Worin lag der Sinn zuerst klein und mehrstufig dann (auf Wunsch Wehselys im Jänner 2007) groß zu bauen?
Welche Rochaden gab es und warum, bis ein Jahr später im Bieterkonsortium PORR, Vamed und SIEMENS vereint waren, und wie findet sich ein Bieterkonsortium ehe man noch den Architekturwettbewerb (April bis Dezember 2008) fertig und ehe man offiziell ein Grundstück dafür hatte?
Hat dann doch die Stadt Wien das Grundstück selbst gekauft, zerbricht plötzlich das Bieterkonsortium und der KAV will ohne das Konsortium in Eigenverantwortung bauen. (OK manche erklären das in anderer Reihenfolge mit einem EU Kredit, aber man wird ja sehen …)
Trotz allem sind sowohl die PORR  als auch die SIEMENS als Kontrahenden weiterhin massiv in das Projekt involviert geblieben und nach der VAMED wird in alter AKH Tradition immer wieder gerufen, um das Projekt KH Nord zum Laufen bringen.

Über den bisherigen Rest der Geschichte wird ohnehin seit Jahren viel geredet, nicht zuletzt seit Stadträtin Wehsely gerade zu der Firma Siemes wechselte, bei der Ihr Vater Hans (Jg. 1943) als Leiter des Beteiligungsmanagements bei Siemens AG Österreich. und im Aufsichtsrat tätig war. Daneben war er übrigens u.a. auch in der Arbeiterkammer Wien, bei den VEW (Vereinigte Edelstahlwerke), Böhler GmbH, Böhler Edelstahl G. & Co, bei der Österreichischen Post AG und der Baugesellschaft HABAU GmbH.

Ob sich so PPP-Projekte rechnen, mögen Wirtschafter entscheiden, aber dass die Vorgänge vor dem Spatenstich vielleicht mehr die nachfolgenden „Blödheiten“ erklärt, als eine reine Selbstüberschätzung der Verantwortlichen, schien bisher niemanden so im Detail interessiert zu haben.

Stellen Sie sich einen Ozeandampfer vor,
dessen stets neue Kapitäne gar nicht an Bord sind,
auf dessen Brücke stets neue Steuermänner/frauen geschickt werden,
dessen Kurs und Frachtgut man dauend ändert,
dem man einmal Rabat in diesem oder jenen Hafen verspricht,
der vor lauter Lotsen vor sich schon nicht mehr die Untiefen im Wasser sehen kann
und den man mit Selbstfindungsseminaren beschäftigt,
ob er denn überhaupt ein Ozeandampfer wäre.
Ja, und dann beantworten Sie die Frage, ob den die, die da dauern auf einem sich am Stand drehenden Schiff scheinbar planlos hin und her laufen, an dieser offenkundig ausweglosen Lage selbst schuld sind und an Selbstüberschätzung leiden.

Übrigens laufen grad die drei Wochen ab, die der neue Stadtrat dem KAV Management für einen Art Kassensturz und bindende Eröffnungstermine gegeben hat …..  nur mal so.

Links:
Just Bad Weibs um das KH Nord oder das Ende des Roten Konsenses?
Das wahre Problem am Esoterik Skandal im KH Nord
Weshalb sich niemand mehr über einen RH Bericht zum KH Nord aufregt
Nordlichter, weshalb der Stadt für Ärzte und Pflege kein Geld mehr bleibt
Wie man Skandale übersteht …
Hat der weiße Murl seine Schuldigkeit getan?

Written by medicus58

20. Juni 2018 at 17:56

Message Control um das PVE Wien: keine Klagen und der Eingang zum Billa

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Im September 2017 freuten wir uns auch hier über Erkenntnisse der Wiener Ärztekammer und die Eröffnung des PVE (vulgo PHC, PVZ ut sim) in Transdanubien: Die Primärversorgungszentren richten sich nicht gegen den Hausarzt, aber .

Hurra, in Wien eröffnet am 4. September das nächste Primärversorgungszentrum vor den Toren des Donauspitals, um dieses zu entlasten! PatientInnen werden 50 Stunden pro Woche, 52 Wochen im Jahr versorgt

Vergessen schienen die äußerst dubiosen Vorgänge um die „Geburt des zweiten Wiener Primärversorgungszentrums“
(Zur Quadratur des Primärversorgungszentrum im 22. Wiener Bezirk) und wie bei einer Reihe anderer Projekte in Wien schienen die Grenzen zwischen Stadt (Steuerzahler) und Wiener Gebietrskrankenkasse (Krankenversicherte) etwas zu verschwimmen:
Wehsely finanziert die Wiener Gebietskrankenkasse und keinen stört’s

Ja, bis am 1. Juni 2018 plötzlich die Presse von Prestigeprojekt vor dem Aus sprach.
Baltaci schrieb dort von „Keine Patienten, zerstrittene Belegschaft, Klagsdrohungen – das neue Primärversorgungszentrum in der Donaustadt droht zum Fiasko zu werden und könnte sogar das gesamte Konzept der Gruppenpraxen sprengen. Zugunsten eines schnellen Erfolges seien Risiken und Warnungen ignoriert worden“ https://diepresse.com/home/panorama/wien/5439159/Gruppenpraxen_Das-Ende-einer-Idee

und der Wiener (und Österreichische) Ärztekammerpräsident fand „die Probleme nicht überraschend„.

Etwas überraschend finden aber nun Eingeweihte die gleich darauf auf Orf.at erschienene Gegendarstellung (Verwirrung um das Primärversorgungszentrum in der Donaustadt), der das alles ziemlich Lügen straft. Hatte da ein sehr erfahrener Journalist, der sich seit Jahren mit dem Gesundheitssystems unseres Landes auseinandersetzt, wirklich nur einen Albtraum, den die Redaktion ungeprüft in die Druckerpresse tropfen ließ?

„Stimmt nicht“ sagt die Leiterin des Zentrums, alles halt nur ein bisschen „Ehestreit zwischen drei Betreiberinnen“ …
Die 300.000 Euro, die Stadt Wien und Krankenkasse dort zuschießen (!) für die 1.200 E-Card Patienten, seien gut investiert und alles wäre eine Negativkampagne durch Neider und Projektgegner.

Eine konservativ bis neoliberal positionierte Zeitung wie die Presse agitiert gegen die Umsetzung der Gesundheitsreform in Wien? Warum, weil sie einfach wieder den Roten etwas auswischen wollte?

Ja, und dann blicken alle in die Steiermark, wo ohne Diktate aus Wien das Gesundheitssystem umgekrempelt wird.
Der Schwarz-Türkise Christopher Drexler sperrt mit Hilfe des Ex-Roten Landesrates Günther Dörflinger, der nunmehr für eine Beraterfirma werkt, sechs Spitäler zu und setzt eigentlich nur das um, woran Ex-LH Franz Voves (SPÖ) noch gescheitert ist, ein öffentliches Gesundheitssystem, das genug Spielraum für die privaten Gesundheitsversicherungen aufmacht.
Schließlich kam Voves aus dem Vorstand der Merkur-Versicherung in die Politik.
„Mit einem Diktat aus Wien kriegt man das nicht hin“

Übrigens waren aufmerksame Leser dieses Blogs seit 2012 über das steirische Projekt informiert, das übrigens ein Zusammentreffen mit vielen Bekannte auch aus der ehemaligen Entourage von Frau Wehsely und dem Projektteam des KH Nord ermöglicht:
Dr. Ebner – Die „objektive“ Krake im Gesundheitssystem
Pflichtversicherte seid ihr wirklich so dumm?
SPÖ: Bitte, bitte wählt uns ab …

Aber zurück aus der Grünen Mark ins Wiener Transdanubien, das allein so viele Einwohner beherbergt wie die steirische Landeshauptstadt.
Alle anderen Medien hielten sich nach der Mini-Kampagne der Presse und dem postwendenden Dementi auf ORF.at überraschend zurück. Alles wirklich nur lancierte Fehlinformationen eines Presse-Journalisten, den die drei Kolleginnen nun klagen werden?

Ich darf einmal versprechen, dass das nicht der Fall ist, denn die Eckpunkte des Problems sind, wie vielen bekannt ist, schon richtig beschrieben: Zu wenig Patienten, ein viel zu teurer Standort, innere Reibereien und wenig Unterstützung …. aber was viel schlimmer ist, eine Wiener Gesundheitspolitik, die das Projekt einfach medial wollte und es jetzt (abgesehen von den finanziellen Zuschüssen) im Regen stehen lässt.

Wenn Sie mir nicht glauben, nehmen Sie mal die U2 und fahren bis zur Haltestelle Donauspital und versuchen sie den Eingang zum Primärversorgungszentrum zu finden. Tun Sie das aber nicht am Wochenende, denn da dürfen die Betreiber gegen ihren Willen gar nicht offen halten (von wegen orf.at: Das Zentrum mit Kassenvertrag hat bis 19.00 Uhr geöffnet, das ganze Jahr) sondern unter der Woche, denn den Eingang zum Billa finden Sie sicher leichter um sich eine Stärkung zu holen, wenn Ihre Suche doch länger dauert als geplant.

Written by medicus58

3. Juni 2018 at 15:04

Hacker spricht

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Aus ist es mit der medienscheuen Verteilung eines Milliardenbudgets im FSW,
Peter Hacker sprach diese Woche flächendeckend mit den Medien.
Noch im Jänner des Vorjahres (Wenn DIE Hackn nicht einmal der Hacker will !?!) tat sich dieser Blog äußerst schwer zitierbare Fakten über das „Urgestein des Wiener Sozialsystems“ zu finden und auch als ihn die Hackordnung in der Wiener SPÖ an die Spitze des Gesundheits- Sozial- und Sportresorts drängte war da nicht mehr zu lesen als die Klarstellung des neuen Bürgermeisters (So geht Neuanfang? Geht so Neuanfang?) im Falle von Meinungsverschiedenheiten das letzte Wort zu haben (haben zu wollen).

Nun gab es aber eine offenbar koordinierte Medienkooperation und Heute (Gerda Mackerle, Claus Kramsl), Kurier (Josef Gebhard)Krone (Michael Pommer), Presse (Ulrike Weiser, Martin Stuhlpfarrer), Wiener Zeitung (Christian Rösner), Falter (Florian Klenk, Josef Redl), schauTV. und Wien heute (ORF 2 Paul Tesarek) verbreiteten Hackers erste Wortspenden.
Auch wenn da nicht alle, sehr wohl aber die auflagenstärksten Medien (Heute, Krone, Kurier) die selbe Wuchtel (ab sofort gibt  es nur einen Energetiker und der bin ich) in die Headline hieven, spürt man in allen Interviews, dass sich da nicht jemand erst daran gewöhnen muss Schlagzeilen-fägige Aussagen zu machen:

Ich habe ein bisschen eine Ahnung davon, was gutes Management ist und weiß, was die Verantwortung eines Managers ist.
(Botschaft = ich bin was Neues (nach Jahrzehnte im Roten Wien), ich bin kein Politiker sondern Technokrat (das zieht seit den 80ern)

Ich finde Wien geil, ich bin ein geborener Wiener. Wien ist die geilste Stadt der Welt.
(Botschaft = Ich bin einer von Euch und rede noch so, wie wir redeten als wir jung waren (in den 80ern))

Mein Fokus liegt auf der Zukunft, nicht in der Vergangenheit.
(Botschaft = Schwamm drüber, ich kann damit nicht angepatzt werden, weil ich doch im FSW gar nix mit Gangbetten zu tun hatte …)

Gangbetten sind aber eine Frage des Managements vor Ort.
(Botschaft = habe ich vom Ex-KAV GD Marhold gelernt und weil ich doch im FSW gar nix mit Gangbetten zu tun hatte …)

Da spürt man, dass da jemand weiß wie das medial geht, insbesondere wenn er zu den Mindestsicherungsplänen der türkis-blauen Bundesregierung anerkennend urteilt:
PR-mäßig machen die Burschen echt einen guten Job.

Im Detail wird es dann aber wie gewohnt etwas indifferent.

Für den KAV wünscht sich Hacker (wer nicht) klare Führung und eine klare Verantwortungsteilung innerhalb des Managements und er werde sich „noch diese Woche mit der Materie beschäftigen„, ob er den schon in Begutachtung befindlichen Gesetzesentwurf zur „Ausgliederung“ des KAV nicht noch zurückpfeifen und umschreiben werde, damit „wieder ein gutes Gefühl in die Krankenhäuser einzieht„. Zwar ein gutes Signal für die fast 30.000 KAV Mitarbeiter, aber hinterfragbar, was der Gesundheitsmanager innerhalb einer Woche noch eruieren kann, was er nicht schon bisher oder spätestens bei seiner Zusage an Ludwig „die Hackn zu machen“ wissen hätte müssen!

Irgendwie spießen sich die medial vermittelten Rollen eines erfahrenen Gesundheitsmanagers im Auftrag der Stadt Wien mit dem Manager, der sich das nun mal anschauen muss.
Oder anders ausgedrückt:
Ich bin neu, habe das aber (ohne einschlägige Ausbildung) durch Erfahrung gelernt.
Ich bin kein Politiker, verbrachte aber mein gesamtes Leben im Dienste der Politik.

Das wirkt alles ebenso inkongruent wie die 3 Wochen Zeit, die er der KAV Führung geben wird, um ihm eine Risikoanalyse zum KH Nord vorzulegen;
wenn diese nach all den internen und externen Analysen jetzt der GD noch immer nicht klar ist, werden’s das auch in weiteren drei Wochen nicht da’heben.
Die Stadt Wien hat den AKH-Direktor Wetzlinger schließlich gerade wegen seiner Erfahrung auch in die KAV GD geschickt und er selbst ist stolz , dass er als einer von wenigen Spitalsmanager innerhalb eines Berufslebens gleich zwei Großspitäler eröffnen wird (Klinikum Klagenfurt, KH Nord).

Auch wenn sich einiges im äußeren Erscheinungsbild Peter Hackers geändert hat, im Ggs. zu unserem Titelbild ist der Bart nun ab, sein etwas hedonistischer Zugang zu seinem Job scheint über all die Jahre gleich geblieben zu sein. Vor über einem Jahr fand ich nur eine mediale Wortmeldung, der diesen sehr persönlichen Zugang zu seinem Job charakterisierte:

Der Flüchtlingskoordinator leistet sich „als wirklich einzigen Luxus in meinem Leben einen teuren Audi, für den ich hart gearbeitet habe“. Das Modell wird verschwiegen, aber: „Mein Audi kann all das, wovon die Generation K.I.T.T., aus der ich komme, immer geträumt hat.“
http://derstandard.at/2000036468282/Was-mich-bewegt-Peter-Hacker-Fluechtlingskoordinator

Förderte die aktuelle Medienoffensive doch etwas mehr zu Tage (Zitat Falter):
Ich habe nach der Matura und nach dem Bundesheer einen Job gesucht, der es mir ermöglicht, so viel Geld zu verdienen, um mir das zu leisten, was mir zum damaligen
Zeitpunkt wichtig war: Musik zu machen.

In mehreren der oben genannten Interviews weist er darauf hin, dass er als Stadtrat weniger verdienen wird, als als FSW Manager.

Persönlich ist mir solche Offenheit ja eigentlich sympatischer als der oft nur vorgegebene Altuismus anderer in der Politik, nur erinnert Hackers Lebensweg doch irgendwie an das Berufsmodell unseres Bundeskanzler Kurz: Nach der Matura ohne weitere Ausbildung in die Politik aber trotzdem als Experte für einen Neuanfang verkaufbar …

OK, da ist schon ein Altersunterschied zwischen Hacker (Baujahr: 1963) und Basti Kurz (Baujahr: 1986):
Hacker nabelte sich gerade von der Wohnungskommission der Stadt Wien ab und kam in Zilk’s Vorzimmer als Basti von seiner Mutter abgenabelt wurde, nur nimmt es schon irgendwie Wunder, wie man sich heute medial als politischer Neuanfang inszenieren kann …

Welche Weichenstellung ein Bundeskanzler Kurz wirklich geschafft hätte
Die kurze Begegnung mit dem Kurz-Wähler
Kurz rockt

Gesundheit ist unbezahlbar: dazu eine banale Überlegenshilfe

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Claudia Polic ist fassungslos. „Uns wurde vermittelt, wir sollten unseren Sohn Georg sterben lassen“, sagt sie über ein Treffen mit der Krankenanstaltengesellschaft am Montag.

Die Kages bleibt dabei, dass es richtig sei, nicht die Kosten für die Behandlung mit Spinraza zu übernehmen. Dies hätten „fachlich kompetente
Experten“ so entschieden.

Konkret geht es um das tragische Schicksal einer steirischen Familie, deren Sohn an spinaler Muskelatrophie leidet und für den die Krankenanstalt die Behandlungskosten (Spinraza, pro Spritze 77.000 Euro) nicht übernehmen will.
Nach einem Bericht der Gratiszeitung Heute wurden schon 100.000 € gesammelt.
Die Krone berichtet, dass Promi-Lady und Lebensgefährtin von Bau- und Immobilientycoon Georg Stumpf Patricia Schalko allein 77.000 spendete und liefert auch Bildmaterial.

Eine Nusinersen Therapie (Therapiekosten im ersten Jahr aktuell 540.000 Euro) wurde schon 2016 von der New York Times als die vermutlich teuerste Medikation der Welt bezeichnet. Ob die Verabreichung im vorliegenden Fall noch erfolgversprechend ist oder nicht, kann und will ich gar nicht diskutieren, worauf ich (wieder einmal) hinweisen möchte ist, dass wir uns endlich daran gewöhnen müssen, dass
Geld im Gesundheitssystem ein Faktor ist, der nicht unendlich vermehrbar ist und
die Kosten einer Einzeltherapie immer auch daran gemessen werden muss, welche Leistungen dann NICHT erbracht werden können.

Menschlich verstehe ich alle Bemühungen Betroffener für den Einzelfall, aber letztendlich sind dem
individuellen Nutzen immer die Opportunitätskosten
 des Gesamtsystem entgegen gestellt werden.
Einfacher betrachtet:
Was bringt mehr Gesundheit:
Kostendeckende Tarife für direkte Patientenkontakte oder sinnlose Überweisungsmedizin.

Letztendlich läuft es wieder auf die schon so oft hier erwähnte Lösungsmöglichkeit hinaus,
Finanzierungung und Verantwortung für das Sozialsystems aus einer Hand

Erst dann werden wir alle erkennen, dass es sich bei den verschiedenen Aspekten immer um kommunizierende Gefäße handelt.
Oder polemisch formuliert: wie wenig Kinderpsychiatrie, wie wenig HPV Impfung ist uns eine teure Einzeltherapie wert

Dieses Bewusstsein wurde aber noch nicht entwickelt, weil wir seit Jahrzehnten Kosten und Patienten verschieben und uns generös mit dem Budget der anderen Hand verhalten: Mein Patient, Dein Patient, das Budget ist nicht für alle da 

Dieses Problem nun, wie im Fall der steirischen Familie, mit medialem Donner vor Gericht lösen zu wollen ist aber menschen verachtend.
Ob der Preis des Medikamentes nicht auch menschen verachtend ist, möge ebenfalls auf einer anderen Bühne verhandelt werden.
Die Erlöse des US-Biotechnologiekonzern Biogen kletterten im ersten Quartal um 11 Prozent auf rund 3,1 Milliarden US-Dollar, und enttäuschten trotzdem die BörseSpinraza hat allein 364 Millionen Dollar eingefahren, wobei es aber zu keiner weiteren Umsatzstteigerung gekommen war, obwohl der Konzern viel Geld investiert, um Betroffene bei der Durchsetzung ihrer Therapieansprüche zu unterstützen.

Letztendlich hat sich die Pharmaindustrie in den letzten Jahren ganz bewusst auf Medikamente für seltene Erkrankungen spezialisiert, weil hier naturgemäß die Konkurrenz geringer als bei den Massenprodukten ist und man angesichts der verzweifelten Lage hoffen konnten, leichter mit den enormen Therapiekosten durchkommen zu können.
Man wird um die Frage nicht mehr lange herum kommen, ob die schon jetzt geforderte behördliche Genehmigung (Approval) für das In-Verkehr bringen von Medikamenten nicht ausschließlich auf dem Wirkungsnachweis der Substanz sondern auch (in Abhängigkeit des Verkaufspreises) auf seine Nebenwirkungen für das Gesamtsystems abzielen soll.

Die teuersten Medikamente der Welt – Spinraza und Ravicti an der Spitze

Written by medicus58

25. April 2018 at 18:03

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Das wahre Problem am Esoterik Skandal im KH Nord

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Pünktlich vor der Klausurtagung der Wiener SPÖ platzierte gestern (14.03.2018 18:31) die Krone  
Finanzdesaster KH Nord 95.000 Euro Steuergeld für „Bewusstseins-Forscher“
Wie danach auch andere Medien berichteten hat „die Projektleiterin des KH Nord“ freihändig den Auftrag erteilt, u.a. das Skandal geschüttelte Projekt „energetisch zu reinigen„.
Die Stadträtin ließ ausrichten, dass das gar nicht gehen würde und der AKH und KAV Direktor Wetzlinger „zeigte Stärke“ und suspendierte die mutmaßliche Auftraggeberin und schickt die Innenrevision aus. Selbstverständlich ist die Opposition fassungslos  und VP-Juraczka verstieg sich sogar zur Aussage:
Es ist zu prüfen, ob Esoterik auf Steuerzahlerkosten nicht im höchsten Maße strafrechtlich relevant ist

Neben dem ohnehin schon offenkundigen Chaos im besagten Projekt liegt das wahre Problem aber woanders:

Schon längst haben sich para- und unwissenschaftliche Konzepte in vielen Köpfen breit gemacht und die Politik macht mit, weil man zumindest die Stimmen der Personen nicht verlieren will, die schön längst ihren Verstand verloren haben. 

Kein Kuraufenthalt ohne Granderwasser.
Die gesetzlichen Gebietsschutz genießenden Apotheken verwenden ihn nur allzu gerne um den Kunden gewinnbringend Homöopathie , Schüssler Salze und ähnliches zu verkaufen, die im Gegensatz zur Chemie doch nicht schaden würde.
Keine Ärztekammer ohne Referat für Alternativmedizin, das sich kaum gegen all den Schwachsinn ausspricht sondern eher entsprechende Kurse (200 Stunden Theorie, 150 Stunden Praxis) anbietet.

Das Krankenhaus Hietzing betreibt eine homöopathische Ambulanz im Rahmen der Gynäkologie.

Aber das Krankenhaus Nord ist wahrlich nicht das einzige Krankenhaus, das sich mit esoterischen Schnick-Schnack schmückt:
Auch Geowave, „ein echtes Zufallsprodukt“ wie man auf der Homepage des Herstellers zugibt, soll tausende Personen medizinisch und kinesiologisch vor Reizzonen durch Wasseradern, Erdverwerfungen, Erdgitternetze, etc. geschützt haben. Der ehemalige Ärztl. Direktor des LKH Salzburg (Universitätsklinik PMU Salzburg) freute sich somit folgerichtlich über 150 GeoWave-Wellen in „seinem Spital“ installiert zu haben.

Die nuklearmedizinische Therapiestation an der Universitätsklinik Innsbruck rühmt sich nach Feng-Shui-Prinzipien gestaltet zu sein.

Das Immanuel Krankenhaus Berlin bietet Meditation, Ayurveda, TIM, TCM, TEM, Visualisation, Bodyscan, Yoga, Tai Chi, Qi Gong und kognitive Restrukturierung an.
Der Dienst für Komplementärmedizin, der im Krankenhaus von Meran als Pilotprojekt initiiert wurde, hat sich nach eigenen Angaben als sehr erfolgreich erwiesen.

Das Spannungsfeld wurde bereits in dem 2014 erschienene Buch „Komplementärmedizin im Krankenhaus“ auf den Punkt gebracht:
.Nicht erst im Zuge des anziehenden Wettbewerbs stehen Krankenhäuser vielerorts vor der Entscheidung, dem Trend zu folgen und das eigene Indikations- und Behandlungsspektrum um komplementärmedizinische Angebote zu ergänzen.

Wahrscheinlich stand hinter dem schwachsinnigen Auftrag im KH Nord die übliche Mischung aus Halbwissen und Freunderwirtschaft und als Begleitmusik zur beabsichtigten Elimination der Gesundheitsstadträtin kam das G’schichtl gelegen.
Vermutlich wollte man nur eine billige Methode finden, die Störfelder der nahen Schnellbahn von den Magnetresonanz-Tomografen fern zu halten … (end of sarcasm)

Das wirkliche Problem ist, dass nicht nur in der Politik Fake News Einzug gehalten haben und sich niemand
diesem Gemenge aus „man weiß ja nie„, „nutzt nix, dann schad’s nix“ und dem tiefen Misstrauen an die Wissenschaft, die man halt nicht ohne gewisse Vorbildung verstehen kann, entgegenstellt.

Ich nehme jede Wette an, dass, wäre die Sache jetzt nicht aufgeflogen, man auch aus so manchem Politiker Mund bei der Eröffnung stolz gehört hätte, dass hier Spitzenmedizin ermöglicht wurde, man aber auch ganz besonders darauf geachtet hat, dass für ein positives energetisches Umfeld gesorgt wurde, die die Heilung begünstigt.

Link: Die schräge Welt des Spital-„Energiereinigers“

Written by medicus58

15. März 2018 at 21:27

Föderalismus und Kammern, das unselige Pärchen Teil 2 oder deren Selbsthilfe

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Im Dezember des Vorjahres habe ich unter Föderalismus und Kammern, das unselige Pärchen schrieb ich hier (fast prophetisch angesichts aktueller Ereignisse):
Höchstwahrscheinlich wird bei Basti & Bumsti nur wieder eine Umfärbung der Machtstrukturenrauskommen, weil sich sonst beide innerhalb ihrer Parteien nicht lange halten werden, aber der scheinbar versuchte Anschlag auf das nach dem Almdudler-Logo beliebteste österreichische Trachtenpärchen, Föderalismus und Kammerstaat, hätte das Zeug zu wirklicher Veränderung. 

Während inzwischen die Umfärbungen auch schon beim Koalitionspartner (Stichwort BVT) angekommen sind, kämpfen die Föderalisten weiterhin ungeniert um den Machterhalt in ihren Pfründen. Kaum irgendein halbwegs volkswirtschaftlich und gesundheitsökonomisch denkender Mensch bezweifelt, dass die Aufsplitterung der Kräfte (Player und Finanziers) im österr. Gesundheitssystems einen der größten Ressourcenfresser darstellt, der einerseits verhindert, dass das nicht unbeträchtliche Geld, das ins System fließt nicht „an der Front“, bei den Patienten und ihren Behandlern, ankommt und eine Zusammenführung von Budgetzuteilung und Verantwortung in einer Hand nicht Not täte.

Trotzdem bildete sich in Oberösterreich erneut eine Allianz zwischen OÖ-Gebietskrankenkasse und OÖ-Ärztekammer, sowie dem OÖ Dachverband der Selbsthilfegruppen (!), um sich medienwirskam gegen die geplanten Zusammenlegungen der neun Gebietskrankenkassen auszusprechen.
Ja zur OÖGKK! wurde seit Jahresbeginn von mehr als 74.000 Menschen unterzeichnet!
Nix gegen das ebenfalls von Ärztekammern mit initiierte Don’t smoke  aber genug, um es an die zuständige Ministerin zu übergeben. 

Da schwadroniert der Kassen-Obmann von einer „Entmündigung der Versicherten“, wenn sein Posten gefährdet wird, und vergleicht das Vorhaben drastisch mit: „Das wäre, wie wenn man bei einem gesunden Menschen eine Herz-OP durchführt“.

Da warnt der Stv. Kammer-Obmann, der befürchtet das Machtinstrument der Honorarverhandlung zu verlieren, dass eine Zentralisierung der Kassen „jeden Anreiz erstickt, das Gesundheitssystem im Sinne der Patienten weiter zu denken – und zwar auf einen Schlag für ganz Österreich“

Weshalb sich das Selbsthilfegruppen instrumentalisieren lassen, die es doch besser wissen sollten, dass der POAtient Gesundheitssystem weder kardial noch sonst so gesund ist, kann ich mir nicht erklären, es sei denn sie sind auf das in den OÖN (Ausgabe 13.3.)  genannte Argument reingefallen: Im Falle einer Zusammenlegung würden große Teile des Budgets nach Wien abfließen.
Oder wie es auf der Plattform der Organisatoren heißt:
Hände weg von meiner OÖGKK! Hände weg von den Rücklagen und Beiträgen der OÖGKK-Versicherten.
Die Politik will eine Zerschlagung der Krankenkassen und eine Zentralisierung in Wien.

PR-technisch
gut gemacht wird die Nachricht sowohl in der Marginalspalte von OÖ Heute als auch – natürlich gleich einmal mit markigen Balken – im OÖ Österreich verstärkt:
Zehntausende erheben ihre Stimme
Klares »Nein« zur Fusion der Krankenkassen
Zehntausende Versicherte und Patienten, aber auch Ärzte, Therapeuten und Unternehmen erheben ihre
Stimme zur Kassenfusion.
Das verdient Gehör.

Morgen geifert die Presse dann wieder angesichts endloser Wartezeiten, herumirrender Patienten und einem undurchsichtigen Kompetenz-Dschungel über die fehlende Koordinierung.

Vielleicht sollten wir uns einmal mit der Selbsthilfe im Österreichischen Gesundheitssystem näher befassen?!

Der aktuelle Obmann von Selbsthilfe OÖ ist übrigens lt CV aus 2005 und Wikipedia:
seit November 1990 Mitarbeiter der OÖ  Gebietskrankenkasse
wo er an der Organisationsanalyse und -entwicklungskonzept Gebietskrankenkasse 2000 mitarbeitete und
seit 1995 Stellvertretender Direktor der OÖ Gebietskrankenkasse-
Ab 1998 fungierte er als Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Gesundheitswissenschaften und Public Health und als Vizepräsident des Instituts für Gesundheitsplanung.
Seit 2006 Vorstandsvorsitzender der Selbsthilfe Oberösterreich – Dachverband der Selbsthilfegruppen im Gesundheitswesen.
2011 hat er im Mabuse Verlag (Sic) für ein solidarisches Gesundheitssystem ein Buch mit dem Titel Selbsthilfe im Wandel der Zeit herausgegeben.

Ob die betroffenen PatientInnen, der OÖ Selbsthilfeverband vertritt nach eigenen Angaben derzeit zirka 400 Selbsthilfegruppen in OÖ, zu Ihrer Instrumentalisierung für den Machterhalt von Gebietskrankenkasse und Landesärztekammer jemals befragt wurden? Und weshalb thematisiert kein Journalist, dass die Selbsthilfe OÖ neben dem Land Oberösterreich, dem Magistrat der Stadt Linz auch von der Oberösterreichischen Gebietskrankenkasse finanziell unterstützt wird ….

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