Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Posts Tagged ‘Wien

Alles wie gehabt: Ist die Sonja schon wieder zurück?

with one comment


Alles wie gehabt. KAV Ärzte erfahren am Morgen via Radio Wien, dass die Rufbereitschaft eingeführt wird;
nicht von ihrem Generaldirektor, den gibt es ja seit Monaten nimmer,
nicht von ihren Vorgesetzten, die haben es auch noch nicht erfahren,
nicht von ihren Personalvertretern,
nicht von ihrer Gewerkschaft,
nicht von ihrer Ärztekammer (was tlw. ohnehin schon dieselben Personen sind) sondern
„aus dem Rathaus“ und „aus dem Radio“.

Rahmenbedingungen? Schmecks!
Entlohnung? Schaun mir mal.

Natürlich entscheidet das nicht die Konzernführung, der man doch mehr Freiheit versprochen hat, sondern das Büro der Frau Stadtrat.
http://wien.orf.at/news/stories/2865946/

Die Ärztekammer hat Verständnis und bemüht die Beispiele des Transplantationschirurgen und Gerinnungsexperten.
Dass das letztendlich dazu führen wird, dass auf den meisten Abteilungen der öffentlichen Krankenhäusern, so wie in den privaten Häusern, im Nachdienst nur mehr ein „billigerer“ Allgemeinmediziner anwesend sein wird, scheint dort niemand so als Gefahr zu sehen.

Noch sind die Rahmenbedingungen völlig ungeklärt, beschlossen werden soll das neue Gesetz am 23.11. im Rathaus.

Dass vor zwei Jahren die Wiener Ärztekammer in einem Flyer zum Neuen Arbeitszeitmodell noch vollmundig festgehalten, dass es keine Rufbereitschaft geben wird (http://www.aekwien.at/aekmedia/150303_KAV_Flyer_RZ.pdf) aber die Wahl ist geschlagen, die ÄK-Wahl, alles ist im Fluss und eh schon wissen …

Und auch die Gewerkschaft hob stolz hervor, dass es keine Rufbereitschaft geben wird! (Seite 14 des Folders)

Aber schließlich hat doch im April 2017 ungefragt die Gratis-Zeitung HEUTE hinausposaunt: Weniger KAV-Ärzte in der Nacht, dafür Rufbereitschaft. Viele Patienten sind besorgt. Aus dem Wiener AKH heißt es: „Das funktioniert sehr gut.“

Meine Meinung dazu, habe ich schon früher mehrfach festgehalten und die einzelnen Beiträge hier zusammengefasst:

Danke, Frau Stadtrat, für dieses Kopfkino 

PS: Wien heute: 15-20% der Nachtdienste sollen als Rufbereitschaft geführt werden
http://tvthek.orf.at/profile/Wien-heute/70018/Wien-heute/13945799/Rufbereitschaft-fuer-Spitalsaerzte/14132064

Advertisements

Written by medicus58

14. September 2017 at 16:37

Eine Mille Lehrgeld für die Stadt Wien

leave a comment »


​Unkommentiert erfuhr man gestern in Wien heute, dass sich die Stadt Wien entschlossen hat, den Generaldirektorposten im Wiener Krankenanstaltenverbund ersatzlos zu streichen und ab 2019 eine Führung mit mehreren Direktoren haben zu wollen. Irgendwann schreibt man das auch aus …

Udo Janßen war in dieser Position (Gehalt plus Entschädigung für die vorzeitige Vertragsbeendigung) eine Million Euro wert, ehe Häupl die Frage aufwarf, was dieser denn eigentlich den ganzen Tag so tun würde …

Gefeuert wurde Janßen aber erst, weil die neue Gesundheitsstadträtin „das Vertrauen verloren hat“. 

Wenn der Posten ohnehin unnötig war, wäre es ja egal, ob man seinem Inhaber vertrauen kann, zu hoch dotiert wäre er aber allemal gewesen. 

Die Frage stellte sich in all den Jahren einer Generaldirektion Marhold nicht, der aber über den Weg der FSG-Gewerkschaft/Personalvertretung in das Amt kam.

Nachhilfe kostet viel Geld, schön wenn die Kosten der Steuerzahler übernimmt.

Written by medicus58

6. September 2017 at 07:35

Veröffentlicht in Allgemein, Gesundheitssystem

Tagged with , ,

Schwierig, aber wir haben auch 2017 einen Grünwähler gefunden

leave a comment »


Schon 2013 sprachen wir mit den Wählern  der damals kandidierenden Parteien und auch vor der (wie immer vorzeitig stattfindenden) Neuwahl, wollen wir das so halten.

Wieder beginnen wir mit einem Grünwähler, was aber selbst dort, wo sie einst im Dutzend ausgewildert wurden, in Wien Neubau, nicht mehr so einfach war.
Zyniker erklärten das damit, dass viele der ehemals 24/7 unter dem Sonnenschirm u/o Heizschwammerl versammelten Freigeister nun doch einen Beruf angenommen haben, um sich das online bestellte Model 3 von Tesla leisten zu können. Das mag bezweifelt werden.
Auch die Annahme, dass die meisten nun ihren Lebensunterhalt damit verdienen, ihr Innenstadt-Loft über airbnb zu vermieten und mit dem verdienten Geld in die Seestadt gezogen sind, erklärt das scheinbare Aussterben der grünaffinen Lehrerkinder aus dem Wiener Speckgürtel nur teilweise.

Als ich nach langem Suchen nun doch einem Exemplar auf der Mahü begegnete, und nachdem ich ihm versicherte, dass er mich mit seinem Vorderrad nur unerheblich gestreift hatte und ich eben leicht blute, da mich mein Arzt auf „Blutverdünnung“ gesetzt hatte, entwickelte sich ein Gespräch.

Mitte vierzig, Bezirksrat für die Grünen im Siebenten, aber nicht mehr lange, denn er bemüht sich um eine Wohnung im Heumarkt-Projekt, weil da die unverbaubare Aussicht einfach „klassisch“ ist.

Ja, die Chancen sind für die Grünen augenblicklich nicht so gut, obwohl doch die Mahü funktioniert und wir mit dem Sascha den Bundespräsidenten stellen. Am Getreidemarkt muss auch kein Radfahrer mehr im Stau stehen und dass die 365 Euro Jahresnetzkarte im Jahr 2020 366 Euro kosten wird, ist nur so ein Gerücht der Opposition.

Klar gibt er Pilz die Schuld an den grünen Turbulenzen, aber ich merke erst als er kein Wort über Opportunismus verliert , dass er mit seinen Ausfällen über das hohes Gehalt, die mediale Geilheit, die Streitlust und die Abgehobenheit nicht die von der Stadtregierung eingesetzte Patientenanwältin meint, sondern den Mitbegründer seiner Partei, der nun eine eigene Bewegung gegründet hat.

Bei der Frage, ob er sich durch Lunaceks Slogan Sei ein Mann, wähl eine Frau angesprochen fühlt, weicht er aus, dass die Parteiführung ohnehin nach der Wahl neu geordnet wird.

Beim Thema Leistbares Wohnen verweist er auf seinen Parteikollegen Chorherr – nicht nur im Heumarkt – sondern auch in der Donaustadt und „eh überall“ wo was gebaut wird, zu helfen. Wenn der grüne NR Abgeordnete Steinhauser nun auf der Parteihomepage  Günstigerer Boden durch neue Raumordnungs- und Widmungsregelungen fordert, wird einem schon klar, weshalb den Grünen das Verständnis für die Anliegen der Bürgerinitiativen für die Steinhof-Gründe und anderswo im Laufe der Regierungsbeteiligung etwas abhanden gekommen ist.
Das sind lauter so sendungsbewusste Handarbeits- und Bio-Lehrer, die halt den Blick auf das Ganze verloren haben“ distanziert sich mein Grünwähler in bewundernswertem Pragmatismus von den 12,4% Österreichern, denen seine Partie, sorry, Partei ihre Klubförderung verdankt.

Dass die Werbekosten der Stadt Wien unter Rot-Grün ungeahnte Höhen erreicht haben, findet er schon OK, man habe sich eben nur das geholt, was den Grünen für die langen Hungerjahre in der Opposition zustand. Schließlich wäre man, ebenso wie in anderen Bundesländern nur der kleine Koalitionspartner, der halt nicht alles verhindert konnte. Aber zumindest konnten sie einige ihrer Leute in wesentlichen Bereichen als Radfahr-, Fußgänger-, Genderbeauftragte und PatientInnenanwältInnen installieren, die sich alle bewährt hätten, oder hätte ich in den letzten Jahren irgendwas von denen gehört? Nein, die arbeiten eben ruhig für uns alle vor sich hin.

Mit der Frage, mit wem denn seine Partei nach den Wahlen koalieren soll, tut er sich relativ leicht, denn „das Wichtigste ist, nachdem wir die eine Seite des Ballhausplatzes haben, dass wir auch in die andere kommen.“ Dafür ist der Sascha auch ein Garant, denn wenn er die FPÖ draußen hält, dann werden die Stimmen der Grünen gebraucht, um eine Koalition zu zimmern, mit wem auch immer.

Als er dann beginnt, von den geplanten Gesetzesvorhaben der Grünen gegen Hass im Internet zu schwärmen, wird es mir langsam mulmig, wenn ich an die Möglichkeit einer Zusammenarbeit der Grünen mit BuMin Sobotka denke.

PS: Wenn Sie es nicht erkannten, das Logo dieser Beitragsserie aus 2013 stellt Wahl-Urnen in Form von Müll-Sammelbehältern dar …

Written by medicus58

5. September 2017 at 17:30

Die Primärversorgungszentren richten sich nicht gegen den Hausarzt, aber

with one comment


Hurra, in Wien eröffnet am 4. September das nächste Primärversorgungszentrum vor den Toren des Donauspitals, um dieses zu entlasten!

PatientInnen werden 50 Stunden pro Woche, 52 Wochen im Jahr versorgt

Die kürzlich veröffentlichte Sozialversicherungsstudie bestätigt unseren Weg, die Primärversorgung weiter zu stärken. Nur so können Spitäler entlastet und unser Gesundheitssystem nachhaltig abgesichert werden.“, sagt Gesundheitsministerin Pamela Rendi-Wagner.

ÄK Präsi Thomas Szekeres *) scheint plötzlich begeistert: „Die Eröffnung des neuen Primärversorgungszentrums in Wien-Donaustadt ist ein großer Schritt Richtung Zukunft und zeigt, wie wichtig die partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Ärzteschaft, Sozialversicherung und Stadt ist“.
Aus Wiener Sicht, mag sein Vorschlag schon was für sich haben:
PVE in Zukunft aus bestehenden Gruppenpraxen zu bilden
Die „hausärztliche Verdichtung“ außerhalb von Ballungsräumen führt aber zwingend zu prekärer Versorgung in Randlagen!

Na, und WGKK-Obfrau Reischl hat sogar etwas völlig Unvorhersehbares gelernt:
Die Erfahrungen zeigen, dass längere Ordinationszeiten sehr gut von den PatientInnen angenommen werden“,
so dass man sich doch frägt, weshalb die Krankenkassen in ihren bisherigen Verträgen die bestehenden Ordinationszeiten vereinbart haben!

Es bleibt jetzt auch abzuwarten, ob Frau Reischl die für sie neue Erkenntnis auch im eigenen Reich umsetzt,
weil das WGKK – Gesundheitszentrum Mariahilf glänzt weder in Sachen Patientenzufriedenheit noch mit seinen Öffnungszeiten:

(Screenshot Google)

Keine Rede mehr davon, dass „die schwierige Geburt des Projekts in der Donaustadt“ vielleicht auch mit den höchst eigenartigen Ausschreibungsbedingungen zusammenhing: Zur Quadratur des Primärversorgungszentrum im 22. Wiener Bezirk

Schweigen darüber, dass schon beim ersten PHC in Mariahilf politische Drähte glühten, als medienwirksam gerade eine Gruppenpraxis um Grüne Ärzte und den Kammerfunktionär Dr Mückstein  mit einer schönen Anschubfinanzierung zum Primärversorgungszentrum gewandelt wurde. Welche Spitalsambulanz durch diese Einrichtung, die sich nur wenige Schritte vom WGKK – Gesundheitszentrum Mariahilf befindet, entlasten werden soll, bleibt offen. OK, das Sophienspital in der Nähe wird nun geschlossen, aber wer das Spektrum dieses Hauses kennt, wird wohl kaum ernsthaft annehmen, dass die Schließung auf die Versorgungsleistung der Gruppenpraxis beruht!

Im Jubel um die Erfindung der Primärversorgung in Österreich, geht auch völlig unter, dass der Ansatz uralt ist (WHO findet Primärversorgung in Kasachstan seit fast vier Jahrzehnten super), was ja prinzipiell einmal nicht schlecht sein muss, aber dort wo er schon vor Jahren gewählt wurde, die Kosten für den Steuerzahler erhöhte und den Zugang für die Patienten erschwerte (Vor der Wahl: Die feuchten Träume unserer Gesundheitspolitik).

Wie hier schon vor zwei Jahren (!) ausgeführt (PHC: Für wie blöd halten uns die eigentlich?), wird aber bis heute nicht öffentlich diskutiert, wie die zusätzlichen Leistungen (Ärzteteam, lange Öffnungszeiten, zusätzlichen Gesundheitsberufe, …) mit den aktuellen Kassenhonoraren finanziert werden können. Initial gibt es ja eine flotte Anschubfinanzierung, aber danach?
Die Presse“ berichtete sogar, dass Reischl allen Gruppenpraxen mit zwei Vertragsärzten eine dritte Stelle sowie eine Umwandlung in eine PVE anbieten will. Das kostet!

Wie immer Holzschnitt-artig (um nicht zu sagen Holzhammer-artig) aber sachlich nicht ganz unrichtig verwies FP Belakowitsch via OTS  darauf, dass „Wenn man für ein Primärversorgungszentrum zwei Jahre Verzögerung einplant, so wie jetzt beim zweiten PHC in Wien, dann wird man in 150 Jahren mit diesem Projekt – 75 PHCs – fertig sein.
Sie irrt aber wenn sie ebenso wie die Ärztekammer das GRUG 2017 (Gesundheitsreformsumsetzungsgesetz 2017) nur als Gefahr für die Hausarztpraxis sieht.
Die „wahre Reform“ liegt nicht (nur) darin, die Hausarztpraxis durch eine Struktur zu ersetzen, in der Kassen kontrollieren, wie und wann der Patient überhaupt Zugang zu seinem Arzt hat …
und nicht nur bis zu einem Telefon-Helpdesk oder zu einer Pflegekraft vordringen kann!

Finanziert, und nun kommen wir zu einem weiteren Kernpunkt der Reform, soll das alles durch die
Elimination der niedergelassenen Fachärzte aus unserem Pflichtversicherungssystem!

Der ökonomische Hintergrund ist klar und wird auch im aktuellsten Jahresbericht der WGKK (aus 2015!) ausgeführt:
Die Durchschnittskosten je Fall liegt beim Allgemeinmediziner bei 45,16 Euro und beim Facharzt für 70,24.

Jetzt wollen wir gar nicht diskutieren,
dass ein Facharzt eine paar Jährchen längere Ausbildung absolviert hat, die vielleicht auch eingepreist werden sollte (Leistung muss sich lohnen!),
dass viele Kontakte beim Allgemeinmediziner ausschließlich zur Rezeptausstellung von Dauermedikamenten erfolgen,
dass Facharztordinationen natürlich i.d.R. einen geringeren Durchsatz als Allgemeinmediziner-Ordis haben,
dass (zumindest in der Theorie) dem Familienarzt die Krankengeschichte seines Patienten bekannt ist und Patientenkontakte in Facharztordinationen häufiger erst- und einmalig auftreten,
dass die apparative Ausstattung vieler Facharztordinationen aufwendiger und teurer ist,
dass die Facharztkontakte seit Einführung der e-card ohnehin schon reglementiert wurden,
dass man also letztlich Birnen mit Äpfeln vergleicht ...

Mir liegt es auch völlig fern, die erbrachte Leistung der beiden Gruppen gegeneinander auszuspielen, dazu kenne ich viel zu viele großartige und inferiore Vertreter in beiden Gruppen, ich möchte auf die banale Denke unserer Gesundheitspolitik hinweisen, wenn sie sich die Zukunft der Patientenversorgung zusammenreimen.

Für jeden Fall, den ich davon abhalte zum Facharzt zu gehen, kann ich mir zwei Allgemeinmediziner leisten.

Reischl verriet bei der Jubel-Pressekonferenz zur Eröffnung des Donaustädter PVs auch (mW erstmals), dass das genau ihr Ansatz ist:

Auch wenn die Zentren der WGKK teurer kämen als eine Behandlung bei einem niedergelassenen Arzt, seien sie längerfristig dennoch der richtige Weg, weil man dann bei Fachärzten und Ambulanzaufenthalten sparen könne.

Jetzt ist der Kostenbeitrag der WGKK bei den Spitalsambulanzen bekanntlich ohnehin sehr gering, so dass nur das Fachärzte-Einsparen als Geld-bringende Maßnahme überbleibt.

Welcher Trugschluss dieser Milchmädchenrechnung aber zugrunde liegt, zeigt ein Blick in das Jubelarchiv des Hauptverbandes, wo das Ärzteteam des Mariahilfer Primärversorgungszentrums aus der Schule plaudert:

„Für Probleme die wir nicht vor Ort lösen können stehen wir in Kontakt mit einem guten und verlässlichen Netzwerk von Fachärztinnen und Fachärzten in der unmittelbaren Umgebung. Dieses Netzwerk, das im Verlauf der vielen Jahren des Wachstums der Praxis entstanden ist, haben wir durch ein verbindliches Zuweisungsregime zu den Fachabteilungen des Gesundheitszentrum Mariahilf der Wiener Gebietskrankenkasse substanziell verstärkt. Mithilfe dieses Netzwerkes können wir in aller Regel rasch die erforderliche Diagnostik und die notwendige Therapie veranlassen.

Wenn die PV-Irgendwase heute funktionieren, dann nur, WEIL sie sich der anderen (noch) existierenden fachärztlichen Strukturen bedienen!

Bemerkenswert ist auch, dass die Homepage weiterhin von einer Gruppenpraxis OG spricht und für „weitere PatientInnen“ ohnehin nicht mehr zugänglich ist:

*) auf seinem Blog gibt sich ÄK Präsi Szekeres etwas weniger euphorisch, fokusiert aber wieder ausschließlich auf die Allgemeinmediziner (Hausärzte):
http://blog.szekeres.at/blog-post/2017/08/31/habemus-phc-2-und-sonst.html 

Häupl wird gehen, na und?

with 8 comments


Der Blätterwald rauscht, die SPÖ Kampagne zur Nationalratswahl strauchelt, der Wiener Bürgermeister hat am 26.8.2017 der APA mitgeteilt, dass er Ende Jänner 2018, also in 5 Monaten als Wiener SPÖ Chef zurücktreten wird, bald danach auch als Bürgermeister.
Überraschend kam das nicht, schließlich hat er schon im April verkündet, dass er spätestens drei Monate nach der Nationalratswahl die Ämter des SPÖ-Vorsitzenden und Bürgermeisters übergeben will.

Ja, so macht man es, rechtzeitige Ankündigung, Rücktritt erst nachdem ein Nachfolger, eine Nachfolgerin gefunden wurde
(sich durchgeboxt hat, überlebt hat, ….).
Ist einem das Schiff wichtig, dann lässt man es nicht führungslos, schließlich müssen doch täglich wichtige Entscheidungen getroffen werden, Weichen gestellt, Posten besetzt und Aufträge vergeben werden. Ist für all das kein Generaldirektor notwendig, kann man den Posten ja gleich einsparen.

Bemerkenswert, wenn diese Strategie andernorts in dieser Stadt nicht so gefahren wird.

Am 20.3.2017 trennte sich die Stadt vom Generaldirektor des Wiener Krankenanstaltenverbundes.

5 Monate, 1 Woche, 3 Tage bzw. 163 Tage oder 23 Wochen, 2 Tage später (heute ist der 29.8.2017) wurde die vakante Position noch nicht einmal ausgeschrieben!

Gesundheit ist unsere Stärke verspricht der KAV auf seiner Homepage, vorausschauende Führung scheint da weniger erforderlich, für eine der mit elf Spitälern, drei Geriatriezentren (und dem Sozialtherapeutischen Zentrum Ybbs) sowie acht Pflegewohnhäusern (KAV) größten Gesund­heitsein­richtungen in Europa. 

Kennen Sie einen Großkonzern der Welt, der es sich leisten konnte so lange ohne Führung zu sein?
oder will ohnehin niemand, dass der KAV geführt wird sondern ausschließlich Befehle ausführt?

Würden diese aber statutengemäß aus dem Gemeinderat kommen, dann ist das Zögern auch wieder unverständlich, denn wir haben einen gewählten Gemeinderat, der die Ausschreibung doch fordern könnte!
Wir haben auch eine zuständige Stadträtin, die doch ein großes Interesse haben sollte, den Posten zu besetzen, dessen wesentliche Aufgabe die Kommunikation mit der amtsführenden Stadträtin der Geschäftsgruppe für Soziales, Gesundheit und Frauen, der Magistratsdirektion und anderen Dienststellen des Magistrates ist, um im Rahmen dieser Zusammenarbeit allgemeine Strategien, Rahmenbedingungen und Richtlinien für den KAV zu erarbeiten und umzusetzen.

All die am Papier maßgeblichen Stellen sollten eigentlich arbeitsfähig sein und ein großes Interesse an einer raschen Nachbesetzung des Generaldirektorpostens im KAV haben. Es sei denn, der KAV würde als Vorfeldorganisation der Wiener SPÖ betrachten werden, dann macht es wiederum Sinn abzuwarten, wie das Spiel dort ausgeht ….

sieht das sonst niemand so?

 

Written by medicus58

29. August 2017 at 17:52

Ärztemangel aber kein Rechtsanwaltsmangel, warum bloß?

with 2 comments


Ob es nun eine Ärztemangel gibt oder nicht, ist ein Dauerbrenner auf diesem Blog:
Ärztemangel: Nimmst Du’s mir, so nehm‘ ich’s Dir – eine Art Viele-Jahre-Rückblick

Unbestreitbar ist jedoch, dass sich immer mehr Arztstellen nicht mehr besetzen lassen:
Kein einziger Bewerber für 17 Arztstellen

Düstere Prognosen: Immer mehr Orte ohne Hausarzt

67 Praxen leer: Uns gehen die Hausärzte aus

Warum Hausarzt-Praxen leer stehen

Ärztekammer warnt vor „Hausärzte-Sterben“

Dass sich Ärztekammer und Krankenkassen über die möglichen Ursachen uneins sind, verwundert den angewiderten Beobachter kaum. Während die Kammern als eine Begründung die zu geringen Honorare liefert, was den Beobachter verwundern mag, zumal die Ausverhandlung dieses Honorarsystems eine der wesentlichen Tätigkeiten der Kammern darstellt und sich gerade vor der letzten Wahl ihre Funktionäre dafür feiern ließen, welche Erfolge sie da erzielt hätten, spricht auch die Wiener Gebietskrankenkasse von Erhöhungen, die sich andere Berufsgruppen wünschen würdenhttp://wien.orf.at/news/stories/2859213/

Über die mickrige Ausgangsposition habe ich hier schon 2012 geschrieben (Der typische Arzt ist ein Hausarzt mit Kassenverträgen und reich als zB. eine rektale Untersuchung mit 2, 75 EUR abgegolten wurde.
Prozentuelle Steigerungen von sehr wenig ist nicht viel!

Weshalb frägt sich aber niemand, weshalb es einen Ärztemangel gibt
(im Sinne einer versorgungswirksamen Präsenz innerhalb des solidarischen Versicherungssystems),
man aber weder von einem Apotheker- noch Rechtsanwaltsmangel hört?
Schließlich handelt es sich auch bei diesen um sogenannte freie Berufe.

Jetzt ist die Leistung in einem Scheidungsprozess erfolgreich von seinem Ehepartner befreit zu werden, schwer mit der komplikationslosen Befreiung von seinem Wurmfortsatz zu vergleichen. Und die gesetzlich festgelegten Honorarrichtlinien reflektieren auch nicht immer die realiter verrechneten Beträge.  Blickt man sich im Netz aber etwas um, dann findet man sehr rasch eine Erklärung, weshalb sie heute viel länger nach einem Arzt als nach einem Rechtsanwalt suchen müssen:

In Österreich variieren die Stundensätze der Anwälte laut unseren Informationen von € 180,00 bis € 500,00 netto pro Stunde
http://www.anwalt-veith.at/honorar.html

Der Stundensatz für Rechtsanwälte beträgt derzeit € 400,
der Stundensatz für Rechtsanwaltsanwärter 
beträgt derzeit € 250.
http://www.kwr.at/fileadmin/res/pdf/kanzlei/auftragsbedingungen/20131030_Vollmacht_D-Stundensatz.pdf

Erstberatung: Ich nehme mir für Sie Zeit; das bedeutet ein Erstgespräch in der Dauer von zumindest 30 bis höchstens 50 Minuten, in dem ich Probleme auslote und mögliche Wege evaluiere. … Ich verrechne dafür aber einen ermäßigten Pauschalsatz von EUR 140,00, welchen ich ersuche in Bar mitzubringen.
https://www.grogger.at/rechtsanwalt-kosten/

Honorarordnung für Ärzte für Allgemeinmedizin und Fachärzte

Erste Ordination …………………………………………………………………………………………………………………………20
Einmal im Monat je Behandlungsfall und nicht neben Pos. Nr. B1 verrechenbar.
Der Geldwert des einzelnen Punktes beträgt: b) Grundleistungen durch Ärzte für Allgemeinmedizin……………………………………………………………………….€ 0,9775

D.h. Erste Ordination = 20 Punkte = 19,55 €

Links:
Mein Recht ist kostbar

Allgemeine Honorar-Kriterien (AHK)

Rechtsanwaltstarifgesetz

 

Written by medicus58

8. August 2017 at 18:47

Wünsche an den neuen KAV Generaldirektor (Teil 6: Der Dank)

with 5 comments


Der neue Generaldirektor möge bei bei seiner Bestellung wem auch immer danken, seiner Familie, seiner Rücksichtslosigkeit,
seinen Lehrern und seinen Mitarbeitern aber niemandem im System.

Meinetwegen dem Bürgermeister, denn dessen Ablaufdatum ist absehbar,

aber nicht einer Partei, ohne der er nichts wäre – will sagen geworden wäre“,

nicht Gewerkschaft oder einer Personalvertretung, die sich in der Vergangenheit zu oft als Personaltzertretung (Dienstplanverhandlungen, Pflegegesetze, …) und Partner der Macht als Partner des Personal entpuppt hat,

nicht einer Firma, die in reger Geschäftsbeziehung zur Stadt Wien steht
oder einem Immobilienentwickler, der auf die Nachnutzung des KAV-schen Immobilienbesitzes wartet,
oder einem privaten oder konfessionellen Investor, der Eigeninteressen an den Rosinen des öffentlichen Gesundheitswesen hat

und, bitte, auch nicht dem CV, den Freimaurern, dem Opus, den Bilderbergern, Templern, Assassinen, Illuminati, Scientologen, Rotariern … etc., von denen zu Recht oder zu Unrecht immer wieder behauptet wird, dass bei ihnen die Fäden zusammenliefen.

Eigentlich würde man sich einen Generaldirektor oder eine Generaldirektorin wünschen, die niemandem im Wort, bei niemandem eine Rechnung offen hat und der seine bisherige Karriere abseits der hiesigen Seilschaften der Stadt geschafft hat, was diese Miniserie im Blog endgültig in die Sphäre der reinen Wunschträume hebt.

Written by medicus58

16. Juli 2017 at 17:35

%d Bloggern gefällt das: