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Wer ist denn der Wetzlinger?

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Der studierte Elektrotechniker, ehemalige Kaufmännische Direktor des LKH Klagenfurt und AKH Direktor wurde nun auch in die Generaldirektion des KAV berufen. Ob er eventuell im nächsten Jahr wieder ersetzt wird oder nach der Umwandlung des KAV in eine öffentliche Anstalt deren erster Generaldirektor wird, ist es Zeit sich mit seinem bisherigen Lebensweg zu beschäftigen. Eine kurze Suche zeigt, dass trotz eines nicht unbewegten Leben, online relativ wenig Fakten zu finden sind:

Herwig Wetzlinger wurde am 17. Jänner 1961 geboren,
studierte zwischen 1979 und 1985 an der Technischen Universität Graz Elektrotechnik und schloss mit dem Titel Diplomingenieur ab.

Zwischen 1986 und 1995 war er Projektleiter Prozess- und Automatisierungstechnik bei den Draukraftwerken AG.

Zwischen 1995 und 2000 war er bei der Verbund AG als Abteilungsleiter für IT-Anwendungsentwicklung tätig.
Berufsbegleitend absolvierte er währenddessen seine Managementausbildung an der Akademie des Wirtschaftsförderungsinstitutes (Managementlehrgang 1991-1992) sowie am Management Institut St. Gallen (1999-2000) General Management, Unternehmensführung) .

2000-2001 war er Hauptabteilungsleiter IT und Kommunikationstechnik in der Kärntner Landeskrankenanstalten-Betriebsgesellschaft KABEG und zwischen 2001 und 2011 Kaufmännischer (!) Direktor des Klinikums Klagenfurt am Wörthersee, verantwortlich für den kaufmännischen und technischen Bereich der Anstalt.

In dieser Postion wurde er immer wieder aus den Reihen des BZÖ massiv angegriffen und kurzfristig auch suspendiert war:
Juli 2008: All jene, sie sich über die Dienstfreistellung Wetzlingers so fürchterlich aufregen erinnert der geschäftsführende BZÖ-Landesparteitobmann Stefan Petzner daran, dass es schon unter Franz Sonnberger Dienstfreistellungen und Entlassungen von LKH-Führungskräften gegeben habe.

Dez 2008: KO Scheuch: Mit Wetzlinger wird das Chaos im LKH Klagenfurt prolongiert

Dez 2008:  Nach Wiedereinsetzung von Wetzlinger Sorge dafür tragen, dass Stabilität wieder hergestellt wird.

Dez 2010: KO Kurt Scheuch: Tendenziöse Berichterstattung der Kleinen Zeitung setzt sich weiter fort

Trotz einer mit viel medialer Aufmerksamkeit erfolgten Eröffnung des Klinikums wurde Wetzlinger und seine Stellvertreterin kurz nach der erfolgreichen Inbetriebnahme des Klinikums als Krankenhausdirektor abgesetzt und von KABEG-Vorstand Ines Manegold bei der Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Untreue angezeigt. Grund war, dass für eine Arbeitsgemeinschaft aus Villach beim Klinikum Neubau eine Erfolgsprämie über 800.000 Euro fällig wurde, weil sie ein Teilprojekt billiger als geplant durchgeführt hatte.
Der Standard spricht im August 2011 von einem Mann mit Eigenschaften, der der sich in Kärnten politischer Willkür nicht beugen wollte – und in Wien unsaubere Praktiken (Leiharbeitsfirmen im AKH) bekämpfen soll, nachdem er sich gegen 36 Mitbewerber durchsetzte und zum Stellvertretenden Direktor der Teilunternehmung AKH in Wien berufen wurde.

2013 stellte  die Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen ein: KABEG Chefin Manegold hatte Wetzlinger und drei weitere Mitarbeiter verdächtigt, bei Auftragsvergabe für das LKH-neu die KABEG finanziell geschädigt zu haben. KABEG-Chefin Ines Manegold beauftragte sogar ein Anwaltsbüro in München, das über eine Whistleblower-Adresse anonyme Hinweise auf Missstände und Skandale liefern sollte, allerdings ohne Resonanz und Erfolg.
Mit der Einstellung des Verfahrens ist Wetzlinger vollständig rehabilitiert. Die Kosten seiner arbeitsrechtlichen Verfahren musste er übriges selbst tragen.

2014 übernahm Wetzlinger die Direktion des Allgemeinen Krankenhauses.

Im Jänner 2016 unterzeichnete er einen Kooperationsvertrag zwischen AKH und KAV und versprach trotz  Deckelung der Vollarztäquivalente  rund 25 Prozent der Versorgungsleistung der KAV-Spitäler zu übernehmen! 

Im September 2017 unterzeichnete er mit seinem früheren Diensteber KABEG eine Absichtserklärung zur intensiven Kooperation in den Bereichen Wissenschaft, Forschung und Patientenversorgung zwischen AKH und dem Klinikum Klagenfurt. Zumindest damals berichtete er auch den Medien, dass er seine Wochenenden immer noch gerne in Kärnten verbringt. Übrigens ist DI Wetzlinger auch stellvertretender Direktor der Kärntner Caritas und ist Mentor der Initiative für Kärnten.

Mitte November 2017 wurde er KAV-Direktor für die Bereiche Finanz, Recht, Einkauf und nicht-klinischer Bereich. Damit übernimmt er auch die Verantwortung für die Eröffnung des KH Nords, die die Stadt Wien noch kurz vor seinem Hinauswurf EX-GD Udo Janßen umgehängt hat und die dann zum jetzt nicht verlängerten Dir. Balazs wanderten.
Was hat denn die Wiener Personalpolitik mit der Wahl-Schlammschlacht zu tun?
Eine Mille Lehrgeld für die Stadt Wien
Janßen identifizierte sich nicht mit dem Gesamtinteresse der Stadt Wien und musste gehen 

Dass es auch in Wien (politisch und medial) sehr rauh werden kann musste DI Wetzlinger in seiner ersten Pressekonferenz nach seiner Bestellung in die KAV GD erleben, von der eigentlich nur eine Schlagzeile die Runde machte:
Patientenbetrieb sollte Ende 2018 starten, nun gibt es keinen Termin mehr.

Ein Datum für die Behandlung des ersten Patienten im Krankenhaus „möchte ich heute nicht nennen“, so Wetzlinger am Mittwoch.

Ob er sich da nicht mehr Schonzeit und etwas mehr Rückendeckung verdient hätte, ehe man ihn auf eine Mission impossible schickt?

Links:
http://derstandard.at/2000067809698/Fuehrung-des-Wiener-Krankenanstaltenverbunds-wird-umgebaut
https://www.wien.gv.at/wiki/index.php?title=Herwig_Wetzlinger
http://kaernten.orf.at/news/stories/2582714/
https://www.5min.at/201709109125/neues-krebszentrum-in-klagenfurt/
http://derstandard.at/1314652680168/Neuer-zweiter-Direktor-Ein-Mann-mit-Eigenschaften-fuer-das-AKH-Wien
https://kurier.at/chronik/wien/neue-leitung-fuer-wiens-spitaeler/297.950.875

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Written by medicus58

16. November 2017 at 18:59

Veröffentlicht in Gesundheitssystem

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Uns betrifft’s eh net: Dienstrechts- und Besoldungsreform

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ein paar, IMHO gescheite, Bemerkungen zur Einigung über die Dienstrechts- und Besodungsreform der Stadt Wien und die hinterfragbare demokratische Legitimation ihres Entstehens durch ein paar Personalverräter sorry Personalvertreter, die gleich mal Aufnahmestopp, verzögerte Nachbesetzungen mit 6-monatiger Verzögerung und 435 Postenstreichungen bis 2020 akzeptiert haben.  

http://www.kiv.at/dienstrechts-und-besoldungsreform/

einfach zum Sickern ….

Written by medicus58

21. Oktober 2017 at 14:56

Was hat denn die Wiener Personalpolitik mit der Wahl-Schlammschlacht zu tun?

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Gehen wir einmal davon aus, dass die Bundes-SPÖ den Bundeskanzler verliert,
vermutlich sowohl den Posten als auch den aktuellen Akteur,
dann kann das der Wiener-SPÖ helfen die Macht im Rathaus zu behalten.
Häupls Sager Opposition wäre etwas Ehrenhaftes bezog sich schließlich auf den Bund und nicht die Bundeshauptstadt.

Irgendwie eigenartig, dass in aktuellen Schlammschlacht zwar nebenher erwähnt wird,
dass sich auch die Wiener SPÖ der Dienste Silbersteins bedient hat,
dass der SPÖ Bundesgeschäftsführer Niedermühlbichler  vom Stil dieses Beraters aber völlig überrascht war und deshalb reumütig zurückgetreten ist,
nur dass Niedermühlbichler von Häupl in die Bundes-SPÖ geschickt wurde, bleibt unerwähnt.
Es schiene mir ergiebig einmal nachzurecherchieren, welcher Kausalzusammenhang zwischen beiden Vorgängen besteht. Ökonomisch wäre für die SPÖ der Verlust ihres Einflusses in Wien („Firmengeflecht“)jedenfalls desaströser als die Oppositionsbank im Bund, dies scheint evident.

Wie rücksichtslos die Personalpolitik der Wiener SPÖ ist, lässt sich gut im Wiener Krankenanstaltenverbund verfolgen.
Hier wird ein unglaubliches Führungsvakuum perpetuiert, um fachlichen Widerspruch zu verhindern.

Bereits Ende März 17 trennte man sich vorzeitig vom Generaldirektor, da Häupl plötzlich nicht mehr wusste, wofür man ihn überhaupt zahlt, obwohl man Janßen erst zum Jahreswechsel 16/17 zum Verantwortlichen für das KH Nord erklärte.  Das alles, obwohl man sich erst Monaten später über die neue Struktur des 30.000 Mitarbeiter Betriebes einigte.
Jetzt trennt man sich auch vom Generaldirektor-Stellvertreter Balazs, der die Hauptverantwortung für das Nord geerbt hat, obwohl er zu Beginn der Planungen des Krankenhauses noch für Siemens am Balkan werkte. Sein Vertrag läuft noch bis März 2018, die neue Struktur des KAV wird aber 1.1.2019 fest stehen.
Vielleicht stimmt das Gerücht, dass die aktuell Balazs unterstellte EDV ins Magistrat wandert und das kann dann kein ernst zu nehmender Konzernführer akzeptieren.
Dass inzwischen kaum mehr innerhalb des Konzerns irgendwer irgendwas entscheiden kann, scheint das Rathaus ebenso wenig zu interessieren, wie andere Kollateralschäden, Priorität hat das politische Durchgriffsrecht.

Wäre das ausschließlich ein Stil der (Wiener) SPÖ, wäre die Entscheidung für den aufmerksamen Wähler einfach.
Die Scheiße, die jetzt in der Schlussphase des Nationalratswahlkampfes aufgewühlt wurde, zeigt jedoch nur allzu deutlich,
mit welcher Kaltschnäuzigkeit man sich übel beleumundeter Berater bedient,
eigene Spitzenkandidaten stürzt,
bereits über neue Koalitionen verhandelt, während man noch von konstruktiver Zusammenarbeit lallt.

Wenn hier jemand wesentliche Unterschiede zwischen SPÖ & ÖVP sieht, zeigt vermutlich mehr seine Unwissenheit oder ideologische Blindheit.

Die wahre Frage bei der kommenden Wahl muss also lauten, wem ist (aus Überzeugung oder Unfähigkeit ist zweitrangig) am ehesten zuzutrauen,
dass er die gewonnene Macht nicht ausschließlich instrumentalisiert.
Wie die jeweiligen Parteien vorgehen, zeigt sich am deutlichsten dort, wo sie die Möglichkeit zur Personalpolitik haben. Diejenigen, die noch keine öffentlichen Bereiche kontrollieren können, sollte man an ihrer internen Personalpolitik beurteilen. Das Beispiel Wien zeigt, dass die Beteiligung einer kleinen und daher notgedrungen machtfernerer Partei überhaupt nichts ändert.
Es läuft auf eine alte, wenn auch wenig erfreuliche politische Erkenntnis hinaus:

Solange man uns noch Demokratie zubilligt, haben wir nur eine Waffe:
Analyse und Abwählen

Written by medicus58

7. Oktober 2017 at 20:11

Gut versorgt: Ambulanzsperren

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Wäre doch einmal ein guter Aufhänger für einer der TV-Konfrontationen im laufenden Wahlkampf in Sachen Primärversorgung.
Dass immer mehr Spitalsambulanzen und ganze Abteilungen in öffentlichen Krankenanstalten gesperrt werden hat sich zum Normalzustand herausgemausert. Dass es Schwächen in den Ordinations-Öffnungszeiten gibt, kann auch nicht abgeleugnet werden. Der politische Spin wird dann so gedreht, das die Einzelordination einfach nicht mehr zeitgemäß ist, die Ärzte halt auch nicht mehr 24/7 spuren und von Work-Life-Balance träumen und man folgerichtig größere Strukturen benötigt, um die Patienten zu versorgen. Es lebe die Primärversorgung und ihr Gesetz!

Wie vorbildlich das aber die Wiener Gebietskrankenkase hinbekommt, können Sie gerne auf https://www.sozialversicherung.at/portal27/wgkkgeportal/contentPrint? überprüfen.

<Irony off >

Link: #NRW17 So unauffällig verschwiegen, dass es völlig untergeht.

Written by medicus58

27. September 2017 at 18:38

Alles wie gehabt: Ist die Sonja schon wieder zurück?

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Alles wie gehabt. KAV Ärzte erfahren am Morgen via Radio Wien, dass die Rufbereitschaft eingeführt wird;
nicht von ihrem Generaldirektor, den gibt es ja seit Monaten nimmer,
nicht von ihren Vorgesetzten, die haben es auch noch nicht erfahren,
nicht von ihren Personalvertretern,
nicht von ihrer Gewerkschaft,
nicht von ihrer Ärztekammer (was tlw. ohnehin schon dieselben Personen sind) sondern
„aus dem Rathaus“ und „aus dem Radio“.

Rahmenbedingungen? Schmecks!
Entlohnung? Schaun mir mal.

Natürlich entscheidet das nicht die Konzernführung, der man doch mehr Freiheit versprochen hat, sondern das Büro der Frau Stadtrat.
http://wien.orf.at/news/stories/2865946/

Die Ärztekammer hat Verständnis und bemüht die Beispiele des Transplantationschirurgen und Gerinnungsexperten.
Dass das letztendlich dazu führen wird, dass auf den meisten Abteilungen der öffentlichen Krankenhäusern, so wie in den privaten Häusern, im Nachdienst nur mehr ein „billigerer“ Allgemeinmediziner anwesend sein wird, scheint dort niemand so als Gefahr zu sehen.

Noch sind die Rahmenbedingungen völlig ungeklärt, beschlossen werden soll das neue Gesetz am 23.11. im Rathaus.

Dass vor zwei Jahren die Wiener Ärztekammer in einem Flyer zum Neuen Arbeitszeitmodell noch vollmundig festgehalten, dass es keine Rufbereitschaft geben wird (http://www.aekwien.at/aekmedia/150303_KAV_Flyer_RZ.pdf) aber die Wahl ist geschlagen, die ÄK-Wahl, alles ist im Fluss und eh schon wissen …

Und auch die Gewerkschaft hob stolz hervor, dass es keine Rufbereitschaft geben wird! (Seite 14 des Folders)

Aber schließlich hat doch im April 2017 ungefragt die Gratis-Zeitung HEUTE hinausposaunt: Weniger KAV-Ärzte in der Nacht, dafür Rufbereitschaft. Viele Patienten sind besorgt. Aus dem Wiener AKH heißt es: „Das funktioniert sehr gut.“

Meine Meinung dazu, habe ich schon früher mehrfach festgehalten und die einzelnen Beiträge hier zusammengefasst:

Danke, Frau Stadtrat, für dieses Kopfkino 

PS: Wien heute: 15-20% der Nachtdienste sollen als Rufbereitschaft geführt werden
http://tvthek.orf.at/profile/Wien-heute/70018/Wien-heute/13945799/Rufbereitschaft-fuer-Spitalsaerzte/14132064

Written by medicus58

14. September 2017 at 16:37

Eine Mille Lehrgeld für die Stadt Wien

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​Unkommentiert erfuhr man gestern in Wien heute, dass sich die Stadt Wien entschlossen hat, den Generaldirektorposten im Wiener Krankenanstaltenverbund ersatzlos zu streichen und ab 2019 eine Führung mit mehreren Direktoren haben zu wollen. Irgendwann schreibt man das auch aus …

Udo Janßen war in dieser Position (Gehalt plus Entschädigung für die vorzeitige Vertragsbeendigung) eine Million Euro wert, ehe Häupl die Frage aufwarf, was dieser denn eigentlich den ganzen Tag so tun würde …

Gefeuert wurde Janßen aber erst, weil die neue Gesundheitsstadträtin „das Vertrauen verloren hat“. 

Wenn der Posten ohnehin unnötig war, wäre es ja egal, ob man seinem Inhaber vertrauen kann, zu hoch dotiert wäre er aber allemal gewesen. 

Die Frage stellte sich in all den Jahren einer Generaldirektion Marhold nicht, der aber über den Weg der FSG-Gewerkschaft/Personalvertretung in das Amt kam.

Nachhilfe kostet viel Geld, schön wenn die Kosten der Steuerzahler übernimmt.

Written by medicus58

6. September 2017 at 07:35

Veröffentlicht in Allgemein, Gesundheitssystem

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Schwierig, aber wir haben auch 2017 einen Grünwähler gefunden

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Schon 2013 sprachen wir mit den Wählern  der damals kandidierenden Parteien und auch vor der (wie immer vorzeitig stattfindenden) Neuwahl, wollen wir das so halten.

Wieder beginnen wir mit einem Grünwähler, was aber selbst dort, wo sie einst im Dutzend ausgewildert wurden, in Wien Neubau, nicht mehr so einfach war.
Zyniker erklärten das damit, dass viele der ehemals 24/7 unter dem Sonnenschirm u/o Heizschwammerl versammelten Freigeister nun doch einen Beruf angenommen haben, um sich das online bestellte Model 3 von Tesla leisten zu können. Das mag bezweifelt werden.
Auch die Annahme, dass die meisten nun ihren Lebensunterhalt damit verdienen, ihr Innenstadt-Loft über airbnb zu vermieten und mit dem verdienten Geld in die Seestadt gezogen sind, erklärt das scheinbare Aussterben der grünaffinen Lehrerkinder aus dem Wiener Speckgürtel nur teilweise.

Als ich nach langem Suchen nun doch einem Exemplar auf der Mahü begegnete, und nachdem ich ihm versicherte, dass er mich mit seinem Vorderrad nur unerheblich gestreift hatte und ich eben leicht blute, da mich mein Arzt auf „Blutverdünnung“ gesetzt hatte, entwickelte sich ein Gespräch.

Mitte vierzig, Bezirksrat für die Grünen im Siebenten, aber nicht mehr lange, denn er bemüht sich um eine Wohnung im Heumarkt-Projekt, weil da die unverbaubare Aussicht einfach „klassisch“ ist.

Ja, die Chancen sind für die Grünen augenblicklich nicht so gut, obwohl doch die Mahü funktioniert und wir mit dem Sascha den Bundespräsidenten stellen. Am Getreidemarkt muss auch kein Radfahrer mehr im Stau stehen und dass die 365 Euro Jahresnetzkarte im Jahr 2020 366 Euro kosten wird, ist nur so ein Gerücht der Opposition.

Klar gibt er Pilz die Schuld an den grünen Turbulenzen, aber ich merke erst als er kein Wort über Opportunismus verliert , dass er mit seinen Ausfällen über das hohes Gehalt, die mediale Geilheit, die Streitlust und die Abgehobenheit nicht die von der Stadtregierung eingesetzte Patientenanwältin meint, sondern den Mitbegründer seiner Partei, der nun eine eigene Bewegung gegründet hat.

Bei der Frage, ob er sich durch Lunaceks Slogan Sei ein Mann, wähl eine Frau angesprochen fühlt, weicht er aus, dass die Parteiführung ohnehin nach der Wahl neu geordnet wird.

Beim Thema Leistbares Wohnen verweist er auf seinen Parteikollegen Chorherr – nicht nur im Heumarkt – sondern auch in der Donaustadt und „eh überall“ wo was gebaut wird, zu helfen. Wenn der grüne NR Abgeordnete Steinhauser nun auf der Parteihomepage  Günstigerer Boden durch neue Raumordnungs- und Widmungsregelungen fordert, wird einem schon klar, weshalb den Grünen das Verständnis für die Anliegen der Bürgerinitiativen für die Steinhof-Gründe und anderswo im Laufe der Regierungsbeteiligung etwas abhanden gekommen ist.
Das sind lauter so sendungsbewusste Handarbeits- und Bio-Lehrer, die halt den Blick auf das Ganze verloren haben“ distanziert sich mein Grünwähler in bewundernswertem Pragmatismus von den 12,4% Österreichern, denen seine Partie, sorry, Partei ihre Klubförderung verdankt.

Dass die Werbekosten der Stadt Wien unter Rot-Grün ungeahnte Höhen erreicht haben, findet er schon OK, man habe sich eben nur das geholt, was den Grünen für die langen Hungerjahre in der Opposition zustand. Schließlich wäre man, ebenso wie in anderen Bundesländern nur der kleine Koalitionspartner, der halt nicht alles verhindert konnte. Aber zumindest konnten sie einige ihrer Leute in wesentlichen Bereichen als Radfahr-, Fußgänger-, Genderbeauftragte und PatientInnenanwältInnen installieren, die sich alle bewährt hätten, oder hätte ich in den letzten Jahren irgendwas von denen gehört? Nein, die arbeiten eben ruhig für uns alle vor sich hin.

Mit der Frage, mit wem denn seine Partei nach den Wahlen koalieren soll, tut er sich relativ leicht, denn „das Wichtigste ist, nachdem wir die eine Seite des Ballhausplatzes haben, dass wir auch in die andere kommen.“ Dafür ist der Sascha auch ein Garant, denn wenn er die FPÖ draußen hält, dann werden die Stimmen der Grünen gebraucht, um eine Koalition zu zimmern, mit wem auch immer.

Als er dann beginnt, von den geplanten Gesetzesvorhaben der Grünen gegen Hass im Internet zu schwärmen, wird es mir langsam mulmig, wenn ich an die Möglichkeit einer Zusammenarbeit der Grünen mit BuMin Sobotka denke.

PS: Wenn Sie es nicht erkannten, das Logo dieser Beitragsserie aus 2013 stellt Wahl-Urnen in Form von Müll-Sammelbehältern dar …

Written by medicus58

5. September 2017 at 17:30

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