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Hackordnung

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2016 suchte Noch-BGM Häupl wieder dringend Personal für das Wiener Gesundheitswesen und streute dem Zilk’schen Erbstück Peter Hacker rote Rosen, pardon rote Nelken, von wegen Topmanager und so.  KAV-Generaldirektor oder Gesundheitsstadtrat, da wäre alles drinnen meinte Die Presse zu wissen: Wiener Postenkarussell: Hacker auf Weg nach oben

Immerhin war ihm (dem Vernehmen nach) bereits 2004 das Gesundheitsressort angeboten worden, nach der Ablöse von Elisabeth Pittermann. Damals soll Hacker aber abgelehnt haben, weil er sich mehr als Manager denn als Politiker sieht.

Im Jänner 2017 konnten Sie hier lesen, dass der Herr über große Teile des Wiener Sozialbudgets dieses lieber weiterhin außerhalb des medialen Scheinwerferlichts verteilen wollte und somit blieb was er war:
Herr über den unter seiner Führung rasant angewachsenen Fond Soziales Wien.

Wenn DIE Hackn nicht einmal der Hacker will !?!

Nun aber scheint die Stunde geschlagen zu haben, in der die Stadtpartei Gehorsam einfordert für die bisherige Karriere:
There is no free lunch.

Die meisten aktuellen Presseportraits erinnern nur an Hackers Funktionen als Drogenkoordinator (1992-2003) und Flüchtlingskoordinator (ab 2015) und erwähnen nur beiläufig die über eineinhalb Milliarden Euro, über deren Verwendung Hacker entscheiden konnte. Das wenigste leistet der FSW selbst, er ist vielmehr das Füllhorn an dem die zahnlosen Einrichtungen hängen, die dann die eigentliche Sozialarbeit leisten. Hier zu entscheiden, wer was bekommt ist schon was.

Der FSW hat weniger als 800 Mitarbeiter, von denen (Hallo, KAV) 2016 gerade mal noch 20% bei der Stadt Wien angestellt waren: https://2016.fsw.at/uploads/2016/downloads/FSW_Zahlen_2016.pdf

Hacker hätte sich wohl gut mit GD Janßen und seinem Stv. Thomas Balázs verstanden, die ja auch stets von „Leistungen, die man zukaufen muss“ schwärmten, weil ja ein riesiges Spital z.B. keinen eigenen Tischler mehr braucht, der rasch einmal einen kaputten Sessel repariert, wenn man ja dafür auch Leistungen ausschreiben kann …. Auf die Kernkompetenz beschränken und entscheiden wer dran kommt:
Der Teufelskreis der Auslagerung – oder wie macht man Cash?

Richtig spanned wird es aber nun in der Gangbetten-Frage, denn ein Dauerbrenner dieser Stadt war, dass in der Vergangenheit viele Akutbetten mit Patienten belegt sind, die schon längst in eine Pflegeeinrichtung überstellt werden konnten,
deren „pro curatio“ Antrag aber im Fond Soziales Wien „abliegt“, der wieder ein Bett in einer der vielen Einrichtungen zuteilt.
Einen besonderen Schachzug leistete man sich dort, als Kritik an den Wartezeiten laut wurde, in dem man nicht die Zeit zwischen Posteingang und Zuweisung als „Wartezeit“ berechnete, sondern erst ab dem Zeitpunkt die Uhr tickte, da der betreffende Akt erstmals bearbeitet wurde …

Eigentlich keine schlechte Idee von Bald-BGM Ludwig nun den ehemaligen FSW-Chef zum „Manager, nicht Politiker“ beider Einrichtungen zu machen, des KAV mit seinen Pflegeheimen und des FSW.
Ist eine sportliche Leistung, die Hacker da bringen muss, aber die Agenden Sport hat er eh auch noch bekommen…

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Written by medicus58

16. Mai 2018 at 19:54

Wien: Den Sound vernahm ich wohl, allein mir fehlte der Glaube

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Nur kurz rauschte es im Blätterwald, als ein Stadt-Rechnungshofbericht wieder mal kein Haar am Wiener Krankenanstaltenverbund ungekrümmt ließ:
Es ging um das mit externen Beratern realisierte SOUND-Projekt und die Krone titelte süffisant: „Kostendämpfung“ lässt in Wien Kosten explodieren
während der Standard aus dem Bericht zitierte: Skurril ist auch, dass selbst die Beratungsfirma im KAV ein Einsparungspotenzial bei Beratungsleistungen in Höhe von 3,85 Millionen Euro erkannt hat.

Nun Leser dieses Blogs wird das kaum überraschen, da wir uns schon mehrmals (z.B.: Beraten – Verraten: Das wahre Problem hinter externen Beratern) über den Berater-Unfug im öffentlichen Dienst Gedanken gemacht haben und bereits 2014 über das angebliche Kostendämpfungs- und Sparprogramm im KAV berichtet haben: KAV: Wir sparen – koste es was es wolle
über den „Hauptberater“ dieses Projekts Erbauliches finden können: Accenture im KAV: Wir zahlen doppelt für den Strick an dem sie uns aufhängen 

Auch wenn der (IMHO zu zahme RH-Bericht) moniert, dass in all die Kosten die zusätzlichen Personalkosten der KAV Mitarbeiter, die den Externen Beratern Daten aufbereiten mussten, nicht einberechnet wurden, ist der Neuigkeitswert überschaubar, weil das konnte man vor Jahren in den Aussendungen der Personalvertreter lesen; korrigiere, natürlich nicht in denen der SPÖ-nahen Mehrheitsfraktion, die sah da offenbar kein Problem und hielt im Gemeinderat solidarisch den Mund. Es dürfen Wetten angenommen werden, ob sie bei den kommenden Personalvertretungswahlen dafür abgestraft werden!

Aber auch dieser Bericht wird wie so viele „zur Kenntnis“ genommen werden, weil inzwischen natürlich alle Köpfe ausgetauscht sind und man zukünftig das alles besser machen wird.

Apropos Köpfe, wenn nächste Woche das Rätselraten ein Ende haben wird, ob nun eine akademisierte Krankenschwester (und Gemeinderätin für den 22.) Gesundheitsstadträtin wird und das Transdanubische KH Nord erben wird, pfeift sich kein Medium mehr, ob der KAV nun wie selbst behauptet 100 Mille eingespart oder mehr für die Berater ausgegeben hat, als die eingespielt haben.
Peanuts!

Ein Schelm der Böses dabei denkt, dass der Prüfauftrag an den Stadtrechnungshof ohnehin nur eine exemplarische Prüfung der über 100 Einzelprojekte umfasst hat, so dass man der KAV Führung die Rechtfertigung (ja aber in der Gesamtsicht war eh alles supi) quasi auf dem Tablett mitgereicht hat. Aber was mich viel mehr wundert, weil ich die Kompetenz und Gewissenhaft des Stadt-eigenen RHs kenne, weshalb wesentliche Punkte unbeachtet blieben:

Der Bericht moniert u.a., dass man durch eine Wechsel der Stromanbieter (weg von der Wien Energie) sparen hätte können, obwohl (mW bis heute) ein Erlass gilt, der Teilen und Unternehmungen der Stadt Wien verbietet andere Anbieter als die im Eigentum der Stadt Wien stehenden (Wien Energie, MA48, …) zu nutzen.
Andere Verträge mit externen Anbietern (Röntgen, …) aus dem Budget des KAV und somit der Stadt blieben unerwähnt, wobei selbst jetzt in den Diskussionen um die „Anstaltswerdung“ des KAV („Wien Kliniken“) nicht klar ist, in welchem Ausmaß solche Verträge rechtens sein würden (!).

Nach meinen eigenen Erfahrungen  war aber in all den von externen Beratern durchgeführten Projekten (IMPULS, SOUND, …) der wesentliche Fehler, dass externe Firmen den Mitarbeitern diktieren konnten was sie wollten, weil es keine begleitende Kontrolle durch einen Vertreter der (General-)direktion gab, der einschreiten hätte können, wenn die Firma etwas als Auftragsbestandteil behauptet, was möglicherweise mehr im Sinne der externen Firma als des KAV war.
Da Kritik stets als fehlende Identifikation mit dem Unternehmen geahndet wurde, nahm es auch nicht wunder, dass sie seitens der Mitarbeiter oft unterblieb. Wo sie geäußert wurde (wenn z.B. Einsparungssummen auf Basis von unrabattierten Listenpreisen berechnet wurden, die vor SOUND ohnehin nie gezahlt wurden aber nun als provisionsrelevantes Resultat der Berater gesehen werden) versickerten entsprechende Mails im Rundordner.
Und letztlich fehlt die Selbstkritik, weshalb sich trotzdem immer wieder genügend Mitarbeiter fanden, die für ein bisschen Hoffnung für die eigene Position (Abteilung) bereitwillig in die Kamera lächelten KAV: Wenn das alles ist.

Vielleicht sollte der Stadt-Rechnungshof auch einmal den Einfluss des seit mindestens einem Jahrzehnt systematisch ruinierten Betriebsklimas auf all die Skandale prüfen, auch wenn es schwierig wird das in Zahlen zu gießen, IMHO sprechen wir hier von vielen Millionen!

Written by medicus58

10. Mai 2018 at 12:35

KAV, und wer wird’s?

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Nachdem der Wiener Krankenanstaltenverbund seit über einem Jahr keinen Generaldirektor mehr hat
und auch die interimistische Führung seit der Nicht-Verlängerung des Siemens-Mannes Balázs nicht mehr so funktioniert, wie damals angekündigt,
teilen wir uns zwar mit dem AKH den Wetzlinger,
wissen aber noch nicht so genau, ob wir schon Wien Kliniken? so wie Wien Energie oder vorerst noch KAV heißen.
Nachdem Wehsely noch knapp vor ihrem Abgang ihrem neuen Arbeitgeber einen großen Auftrag zugeschanzt hat und auch ihre Nachfolgerin ein Ablaufdatum hat, wissen wir auch nicht wer die/der Nächste sein wird, der die politische Verantwortung für 30.000 Mitarbeiter und ein Problemspital an der Brünnerstraße übernehmen muss.

In den Medien geistern neben der  Ex-GM Pamela Rendi-Wagner, ÖÄK-Präsident Thomas Szekeres auch immer wieder der Chef des Fonds Soziales Wien, Peter Hacker, herum.

Österreich, „das für so was gar nicht Gratis-Blatt“, ruft eher eine Experten- als eine Politikerlösung aus:
Damit hat Ärztekammer-Chef Thomas Szekeres die besten Karten, wenn er letztlich Ja sagt. Pamela Rendi-Wagner hat nur noch Außenseiterchancen. 

Die Krone, hält sich völlig unbestechlich noch bedeckt und beweint, dass die Stadtregierung zerbröckelt, nachdem sie knapp vor der SP Klausur (Energetiker Skandal) dazu die mediale Tapete geliefert hat. Auch sie spricht von Szekeres und Rendi-Wagner.

Der Standard beweint den zerpflückten linken (?) Flügel der SPÖ und zitiert gleich ein Who is Who:
Eine weitere Ex-Ministerin, die immer wieder für Ludwigs Team genannt wird, ist Pamela Rendi-Wagner. Für sie gilt jedoch dasselbe wie für Drozda: Sie steht auf der falschen Seite. Zudem ist die Ex-Gesundheitsministerin kaum in der Wiener Partei verankert. Der Chef des Fonds Soziales Wien, Peter Hacker, wurde bereits als möglicher Nachfolger von Sonja Wehsely gehandelt. Auf Anfrage wollte er sich
nicht dazu äußern. Damals wie heute war auch Gemeinderätin Claudia Laschan aus Rudolfsheim-Fünfhaus im Gespräch. Ein weiterer
Externer ist Ärztekammer-Chef Thomas Szekeres.

Auch die Wiener Zeitung geht es mit Der Nächste bitte etwas diffuser an und sieht im Gesundheitsresort neben Hacker, der aber auch Finanzer werden könnte, Rendi-Wagner und Szekeres.

Wer die Fährte in Richtung unseres Ärztekammer-Präsidenten gelegt hat, weiß ich nicht, aber weshalb der seine gut bezahlten Kammer- und Uni-Jobs aufgeben soll, um den Genossen, die ihn abgeschossen haben, die Kastanien aus dem sandigen Fundament des KH Nords zu holen, entzieht sich ebenso meiner Kenntnis, wie ob er denn schon wieder in die SPÖ eingetreten ist, aber beides bezweifle ich.

Rendi-Wagner halte ich für zu intelligent, um sich für die Faymann(!)-Fraktion in der Wiener SPÖ opfern zu lassen, obwohl sie wenigstens SPÖ Mitglied geworden ist, glaube ich.

Weshalb sich Hacker , der sich als Häupl-Intimus schon weigerte den Milliardentopf FSW zu verlassen, um sich im Scheinwerferlicht grillen zu lassen, mag sich mir im Gegensatz zur Presse auch nicht ganz erschließen, aber wer weiß.

Und wenn Ludwig sich wirklich mit Claudia Laschan politisch verbunden fühlt, wird er sie doch nicht so hinrichten?

Ich wundere mich nur, weshalb sich niemand an die ehemalige KAV Direktorin Susanne Herbek denkt, die 2016/17 überraschend von der ELGA Ges.m.b.H. in den FSW gewechselte und auch gleich von Wehsely zur Seniorenbeauftragten der Stadt Wien ernannt wurde.
Lang hätte sie ohnehin nimmer, so das das mit dem CV nicht sooo ein Problem wäre und das Gehalt würde passen.
Ich mein, wenn sich das sonst niemand antun will ….

Written by medicus58

16. April 2018 at 20:28

Kein Nachruf auf Stadträtin Frauenberger

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Vorausgeschickt sei, dass eine Stadträtin, die erst seit knapp einem Jahr das Ressort übernommen hat, nicht für alles verantwortlich gemacht werden kann, was ihrer Vorgängerinnen Brauner und Wehsely in penibler Kleinarbeit klein gekriegt haben:
Ciao, Sonja Ciao; Leider nicht (16.5.) aber JETZT !!! 
Chapeau, auch wurde unter Frauenberger der von Wehsely gegen schwere Bedenken durchgeboxte Generaldirektor des Wiener Krankenanstaltenverbundes (KAV) Janßen gekündigt, was prinzipiell als richtiger Schritt gelten mag:
Janßen identifizierte sich nicht mit dem Gesamtinteresse der Stadt Wien und musste gehen 
Es stimmt auch, dass es unter Frauenberger weniger Schreiduelle, weniger politischen Terror und etwas ruhigere Arbeitsbedingungen im KAV gegeben hat, jedoch wurde es in zahllosen Begebenheiten klar, dass Frauenberger und ihr Büro keine Ahnung vom Gesundheitswesen hatte und ihre Lernfähigkeit bis zum Schluss nicht ausreichte sich Basiskenntnisse anzueignen.
Vielleicht nicht ganz untypisch für viele Kammer-, Gewerkschafts- und VereinskarrieristInnen hatte sie keine Scheu Einlassungsfahrlässigkeit zu begehen, wenn ihr ein nicht gerade gering dotiertes öffentliches Amt angeboten wird.
(Zugegeben, gerissen hat sie sich ohnehin nicht darum, aber Kadavergehorsam einer Partei gegenüber, ohne der wir nichts wären, ist auch keine Entschuldigung!)

Nicht zugestimmt werden kann ihrer Aussage , dass sie nun voll von Reformvorhaben nur zurückgetreten ist, nur weil vom Boulevard „Grenzen“ überschritten wurden.
Ihr letztes „Reformvorhaben“ das neue Statut für den KAV wurde schließlich von ihren eigenen Parteikollegen abgelehnt, sogar von ihren Gewerkschaftern!
Ehrlicher wäre es gewesen offen zu legen, dass der Boulevard seine Munition aus den eigenen Reihen erhalten hat.
Wenn sie die fallweise Anwesenheit des AKH Direktors in der KAV Generaldirektion als ihre Managementleistung anpreist, kann das wohl nicht ihr Ernst sein.
Weder hat der bislang fühlbare Spuren hinterlassen, noch hat er sich in der „Energetiker-Affäre“ als unantastbar erwiesen. Auch diese Nachrichten kommen nicht aus der Luft sondern scheinen lanciert. Das alles hätte Frauenberger ansprechen können, hätte aber damit wohl ihr Ausgedinge im Gemeinderat, der Gewerkschaft oder wo auch immer gefährdet. Dazu war sie dann doch zu sehr Parteisoldatin. Wenn nun in den (A)Sozialen Medien von der besonderen Häme gegen Frauen geschwätzt wird, dann kann man sich nur mit wundern, wie die Saat aufgeht, von Fakten abzulenken..

So erleben wir die innerparteilichen Grabenkämpfe Wiens staunend mit: Just Bad Weibs um das KH Nord oder das Ende des Roten Konsenses?
und vergessen eigentlich auf das Wesentliche:
Seit etwa Jahr hat der größte Gesundheitdienstleister Wiens weder eine politische noch eine innere Führung.
Die angekündigte „Auslagerung„, die schließlich zur „Anstalt“ wurde, hängt völlig in der Luft.
Von der angekündigten „Personalhoheit“ ist noch keine Spur zu finden (von der Personalvertretung auch kaum beabsichtigt).
Hinter den Kulissen werden Verträge mit externen Anbietern geschlossen, während eigene Abteilungen personell ausgehungert werden.
Das Spitalskonzept 2030, der Master-Plan für die Organisation, alles dümpelt in den Akten herum und keiner weiß, was davon gilt und was nicht …
ein bemerkenswertes Chaos, das einen 30.000 Arbeitnehmer zählender Betrieb bald endgültig sturmreif geschossen haben wird.
Die Retter stehen schon bereit, wenn das Frauenberger nicht wusste, dann hat sie in ihrem etwa einjährigen Praktikum wirklich nichts gelernt und „ihr KAV Konzept“ wurde von den Genossen zu Recht zerrissen.

 

Written by medicus58

4. April 2018 at 22:06

Veröffentlicht in Gesundheitssystem

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Weh dem der Symbole sieht …

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Wie es sich für einen Musentempel wohl gehört, findet man an der Außenfront des Wiener Burgtheaters auch allerlei Allegorisches.
Die Nischenfiguren Heroismus und Egoismus stammen vom österreichischen Bildhauer Johannes Benk (*17.7.1844 Wien; +12.3.1914 Wien). Die betreffende Seitenfront schaut in Richtung der SPÖ-Parteizentrale, dem Bundeskanzleramt und der Präsidentschaftskanzlei. Bemerkenswert, dass der Bilck „des Egoismus“ abwendet und Richtung Rathaus sieht, oder Parlament, ganz wie man will.
Der Titel dieses Beitrages ist übrigens von Samuel Beckett, übrigens nicht aus seinem Warten auf Godot sondern aus einem seiner Romane (Watt) …

Written by medicus58

2. April 2018 at 18:40

Veröffentlicht in Reisen

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Eine kleine Geschichte der Verpflegung in Wien

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Einheimische wie Touristen, wer durch die Straßen einer Stadt läuft steht irgendwann vor der Frage einer geregelten Nahrungsaufnahme. In wärmeren Gegenden sorgen hier institutionalisierte wenn auch oft improvisierte Ausspeisungen am Straßenrand für das benötigte Streetfood. In klimatisch härteren Gegenden ist man eher bestrebt seinen Kalorienbedarf in wind- und wettergeschützter Umgebung einnehmen zu können, so auch in der österreichischen Haupt- und Residenzstadt Wien.
Als ich neulich so am Volkstheater vorbei schlenderte fiel mein Blick auf eine Häuserzeile in der Museumsstraße, die uns den Wandel der Labungsmöglichkeiten und -formen in geografisch übersichtlicher Weise vor Augen führt und Überraschendes aufdeckt.

Beginnen wir von unserem Standort (der Haltestelle des 49) aus gesehen links außen mit dem Cafe Raimund:
Seit 1900 fielen Mitarbeiter und Gäste des nahen Volkstheaters hierorts ein, nicht nur um sich dem Namen des Etablissements entsprechend mit Kaffee und kleinen Süßspeisen zu dopen, sondern bekamen – wie es in Wiens Kaffeehäusern eben üblich ist – neben Eier in allen Härtegraden, belegten Broten und einem kleinen Gulasch, gern auch in Suppenform, allerlei Schmankerln, die in ihrer Auswahl fast aber doch nie ganz an das heranreichten, was ein dediziertes Restaurant verspricht.
Als ich noch große Teile meines Studiums in einschlägigen Herbergen verbrachte, nahm es mich immer Wunder, welche Vielfalt in den dafür oft gar nicht eingerichteten Kaffeehausküchen nahezu 24/7 produziert werden konnten. Jetzt versteigt sich die Küche des Raimunds zu manch unnötigem Tribut an den Ungeist früherer Jahrzehnte, wenn sie mit Theatertoast und Raimund Sandwich lockt, aber immerhin bietet sie auch noch Geröstete Knödel mit Ei an, die vermutlich schon zu Zeiten eines Egon Friedell oder Hans Weigel hierorts aufgetragen wurden. Ob sie von Ingeborg Bachmann geschätzt wurden entzieht sich zwar meiner Kenntnis, jedoch bin ich seit Jahrzehnten der Meinung, dass es sehr viel Positives über den Lebensstil einer Stadt verrät, wenn sich dort eine entsprechende Kaffeehauskultur etabliert hat. Neben Wien, zähle ich hier vor allem Paris, Buenos Aires und Budapest dazu.

Neben dem Kaffeehaus findet sich in besagter Straßenfront rechts außen eine weitere kulinarische Institution, die viele Jahre die Ernährungsgewohnheiten nicht nur Wiens geprägt hat: Das Wienerwald.
Dem Zug der Zeit entsprechend ging man dort hin, nicht weil man zu allerlei kultureller Betätigung auch was essen musste, sondern die Aufnahme von Nahrung und Getränk rückte in den Mittelpunkt des Aufenhalts.
Auch wenn ein böser Schmäh damals davor warnte in ein Lokal zu gehen, in dem der Underberg (=Magenbitter) obligat auf den Tischen stand. Der Jägermeister-Generation heute wäre das aber ohnehin Blun’zn.
Höhenflug und fast völliger Absturz dieser Restaurant-Kette gibt mindestens so viel her, wie die bewegte Geschichte der Institution Wiener Kaffeehaus, wir werden uns aber kurz fassen.
Der Linzer  Friedrich Jahn (1923-1998) eröffnete 1955 in München sein erstes Lokal und gab der Wirtschaftswundergesellschaft, lange bevor US-amerikanische Familienlokal-Ketten seinem Beispiel folgten, genau das was sie wollte:
Rustikal scheinende Gastlichkeit und vertrautes Essen. Jahn erfand die Grillhend’lstation und das Restaurant-Franchising gleich dazu.
Das Hendl stand und steht im Mittelpunkt unseres Sortiments, und unser Wissen um Verarbeitung und Zubereitung ist einzigartig.
brüstet man sich bis heute, wo die wesentliche Versorgung mit geflämmtem Geflügel schon längst durch meist türkisch geführte Hendelparadiese abgedeckt wird.
Der gelernte Kellner Jahn gründete damals einen wirklich weltumspannenden Konzern, der seine Hühner sogar im Waldorf-Astoria in Manhattan brut.
In den 80er Jahren brach das Imperium, das inzwischen auch ein Reisebüro, Weinkellereien, Transportunternehmen, einen Grillgerätehersteller, eine Druckerei, Immobiliengesellschaften, Hotels, Beratungsgesellschaften für die Gastronomie und einen Verlag umfasste, durch zu rasche Diversifizierung und Überschuldung zusammen. Jahn verlor sein Lebenswerk und wird zitiert, dass sein Hauptfehler gewesen wäre, einen Banker als Finanzchef angestellt zu haben.
Neun Jahre nach dem Tod des Firmengründers konnte die Familie die Rechte am Firmennamen wieder zurück kaufen und versucht seit 2009 erneut eine internationale Expansion.

Eingebettet zwischen den beiden genannten kulinarischen Polen Kaffeehaus und Wienerwald finden wir auf der Museumsstraße den rezentesten Zuwachs in der Versorgung hungriger Mägen, einen Noodle King.
Eines der unzähligen Lokale, die Tonnen von Instantnudeln mit allem, was man sich so unterhalb Sibiriens unter asiatischer Küche vorstellt, unter die Leute bringen.
Ein paar Sitzplätze, viel take away, Google findet auf Anhieb allein sieben Lokale gleichen Names in Wien, gefühlt gibt es sicher mehr als ein Dutzend.
Das Besondere aber kommt zum Schluss.
Das Noodle King 1010 hat aktuell bei 16 Rezensionen glatte fünf Sterne auf Google:
Very tasty food, clean and low price. For the price of 1 small coffee in starbucks we ate nice meal. 

Das Cafe Raimund kommt bei 202 Rezensionen hingegen nur auf schwache 3,8 Sterne:
Relativ angenehm, jedoch wc erst nach dem Raucherraum.. 🙂 

Das Wienerwald stürzt mit 128 Rezensionen überhaupt auf 2,8 Sterne ab:
War von den Bewertungen etwas abgeschreckt und hatte daher das schlimmste erwartet. War letztendlich aber bei weitem nicht so schlimm. Das Grillhenderl und der Kaiserschmarrn waren sehr gut. Das Ambiente war auch sehr angenehm. Nur das Personal wirkt teilweise sehr demotiviert und überfordert.

Damit beenden wir den kleinen kulinarischen Rundgang ohne den Anspruch auf Vollständigkeit oder gar tiefere Erkenntnis.
Was mich nur etwas wundert ist, dass sich augenblicklich offenbar das gastronomische Konzept am besten bewährt, das sich am weitesten von dem entfernt was dereinst typisch war für Wien:
Ein zweites Wohnzimmer um der Einsamkeit zu entfliehen,
vielleicht auch um sich mit Freunden zu treffen ohne die eigene Wohnung aufräumen zu müssen und
die Möglichkeit neben Zeitungslektüre, Kellnertratsch und Menschenbeobachtung
fast beiläufig auch eine Nahrungsaufnahme realisieren zu können.

Written by medicus58

25. März 2018 at 19:11

Just Bad Weibs um das KH Nord oder das Ende des Roten Konsenses?

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Als im Vorwahlkampf 2015 Renate Brauner, Sonja Wehsely, Sandra Frauenberger und Ulli Sima durch die Fotomonage der Londoner Abbey Road quasi den Beatles nachtrotteten, wollten sie auf ihrer Good Weibs Kampagne aufmerksam machen.  Drei Jahre danach kann man die damals etwas missglückte Kampagne fast schon als Prophezeiung auffassen:

Sollte es ein verstecktes Signal sein oder war es der Kampagne dar nicht bewusst, dass sich die Beatles
– als das berühmte Cover erschien –
schon längst innerlich aufgelöst
haben?

Was wir seit zwei Wochen in dem von der Kronenzeitung  genüsslich rauf und runter gespielten
Energetikerskandal um das KH Nord erleben

ist weder ein Lebenszeichen der inneren Kontrolle, wie es uns David Ellensohn, die Grüne Eminenz im Rathaus, weis machen will:
  KH Nord. Grüne und SPÖ beantragen Untersuchungskommission. (Nachdem Opposition ein halbes Jahr nur davon geredet hat.) ots.at/presseaussendu… 20. März 2018 4:53 pm

noch das beruhigende Zeichen, dass starke Medien die Politik kontrollieren, wie es uns   ebenfalls auf Twitter einreden möchte:

Guten Morgen. Eine Untersuchungskommission zum Milliardenskandal #khnord kommt. Auch das zeigt, wie wichtig starke Medien sind.
21.März 2018 6:10 am 

Der Wahnwitz um Energetiker und Geowaves,
die nur mühsam dementierte SP-Absage an Frauenbergers Spitalskonzept (das sie in Wahrheit noch von Wehsely und ihrem Beraterklüngel geerbt hat),

der von allen kommentarlos angenommenen Rücktritt einer der willigsten und mächtigsten SP Speerspitzen im Wiener Gesundheitssystem, der man noch ihre Pensionierung mit einem Beratervertrag versüßt hat, was nur dem innersten Kreis genehmigt wird (Gegenbeispiele auf Anfrage),

monatelange Vakanz an der Spitze des KAV (jetzt Wien Kliniken), der von einer Stellvertreterin des Generaldirektors ohne Generaldirektor geleitet wird, vielleicht auch vom Direktor des AKH, der auch mal in der Generaldirektion in Town Town vorbeischaut, …

ein SPÖ Vorsitzender der kaum Zweifel daran lässt, dass er die Weibs lieber früher als später „entsorgen“ würde, während der Noch-Bürgermeister vor einer Ablöse warnt und der 69-jährige Landtagspräsident und Donauinselfest-Erfinder Harry Kopietz offenbar ein Gutachten bestellt hat, dass es ihm verbietet für Brauner Platz zu machen!

All diese Schmiere ist nichts anderes als das höchst beunruhigende Zeichen, dass in der Wiener SPÖ ein Machtkampf abläuft, bei dem ohne Rücksicht auf Kollateralschäden alles gefährdet wird, was diese Stadt einst menschlich und lebenswert gemacht hat.
Der Grundkonsens, dass es bei all den persönlichen Karriereabsichten und gegenseitigen Animositäten doch noch auch um diese Stadt und ihre Bewohner geht, wurde endgültig beerdigt.

Offensichtlich geht es nicht mehr um Richtungskämpfe sondern um einen Endkampf jeder gegen jeden, in dem allen eines völlig egal scheint:
Was dabei alles endgültig zu Bruch geht. Verbrannte Erde, Führerbunker sind die Bilder die einem hier einfallen …

Boulevard-Medien (haben wir noch andere?) greifen die zugesteckten Infos begierig auf und inszenieren die auflagenstärkenden Aufregung sogar noch als demokratisch. 95.000 € Energetiker-Rechnung verursachen zwei Wochen lang höchste Aufregung, während die durch missglückte Tricks verlorenen 30 Millionen € fast unbeachtet im mediale Dorf blieben.
Wie sehr die Strukturen der Stadt bereits in Gefahr sind wird kaum thematisiert:
Change und hin zu neuen, vielleicht auch nur umbenannten und umgefärbten Machthabern,
Wien muss Bund werden,
auch wenn ein dort gerade vorgeführt wird, wie erbittert auch hier hinter einer scheinbar konsensualen Fassade gegeneinander agiert wird.
Bemerkenswert, dass das im Post-Pröll’schen Niederösterreich ganz anders läuft!

Die SPÖ kennt das Spiel Freund-Feind-Parteifreund seit Jahrzehnten und benutzt den alten Gruß (Freundschaft) kaum mehr.
Wenn sie sich aber wie jetzt in Wien völlig von jeglichem Solidaritätsgefühl mit anderen Genossen und mit dieser Stadt entfernt wird viel mehr als nur der Wiener Krankenanstalten Verbund an die Wand gefahren und dann ist es völlig belanglos, wer zum Herrscher der rauchenden Trümmer wurde.
Traurig genug für eine einstmals große Stadtpartei , aber wirklich tragisch, weil es alle Bürger dieser Stadt mitreißt!

Was mir da noch einfällt hat nur scheinbar mit all dem nichts zu tun:
Hofer hatte im Präsidentschaftswahlkampf schon recht, dass man sich noch wundern würde, was in diesem Land alles möglich sein wird.
Es war ein Fehler zu glauben, dass sich das NUR auf die FPÖ bezieht.

 

Written by medicus58

23. März 2018 at 17:36

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