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Ehe für alle: Konservative haben gesiegt, ohne es zu begreifen

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Während in Deutschland die Politik die Ehe für alle einführte, ließ man bei uns den Formalisten im Verfassungsgerichtshof  den Vortritt. Irgendwie passend zu dem Land in dem Prozesse über politische Verantwortung (z.B. BUWOG) über viele Jahre an Formalfehlern scheitern müssen, um sich nur ja nicht direkt mit der Materie auseinandersetzen zu müssen.

Die „fortschrittlichen Kräfte“ jubeln über den vermeintlichen Sieg, die FPÖVP grummeln und der Erzbischof von Wien badet genüsslich im Fettnäpfchen und schwadroniert von der „besonderen Natur der Ehe“ und denkt ans Kinder machen bzw. wie er es formulierte:
Kinder hervorzubringen, zu hüten und aufzuziehen und damit die Generationenfolge zu sichern.

Natürlich scheint es gut nachvollziehbar, dass es niemandem zuzumuten ist, wie es Günter Tolar gestern in der ZIB2 sagte, sich outen zu müssen, wenn er am Amt angeben muss, dass er verpartnert und nicht verheiratet ist, nur nimmt Wunder, wie wenig geschichtsbewusst, der sozialdemokratisch engagierte Tolar ist, wenn er glaubt, dass das Dilemma durch die Ehe für alle gelöst werden soll und sich damit zum Fürsprecher der Staatsgewalt macht.

So sehr hat die Sozialdemokratie (und die Grünen) den Staat verinnerlicht, sieht sich schon selbst als Staat, der ihr nur durch ein Missverständnis der Wähler immer kurzfristig weggenommen wird (NRW17), als dass sie noch im entferntesten daran denken, dass es Dinge gibt, die die Staatsmacht einfach nix angehen sollen.

Die staatliche Ehe gehört abgeschafft! forderte Alexander Grau (Philosoph, Kultur- und Wissenschaftsjournalist) schon 2013 und erklärte in einem lesenswerten Artikel die Gründe, weshalb die Ehe (egal zwischen wem) Privatsache sein sollte und für alle (steuer- und erbschafts)rechtlichen Dinge der Notar die bessere Anlaufstelle für alle wäre.

Fragt man sich aber, weshalb denn der Staat so sehr auf der Institution Ehe geharrt, dann fällt einem doch rasch das geflügelte Wort von der Ehe als Keimzelle des Staates ein, das seit mindestens zwei Jahrhunderten gerade von konservativer Seite tradiert wird. Auch wenn – der Entwicklung sei Dank – sich die Fortsetzung der staatlichen Autorität im Familienvorstand rechtlich nicht mehr fortschreiben hat lassen, war auch das ein klares Signal, weshalb die Autorität so interessiert war, Menschen nicht als Individuen sondern als Paare bzw. Familienverbände zu sehen.
Eine fehlende Pflegevorsorge hätte der Staat auch nicht so lange übersehen können, wenn er sich nicht lange auf pflegende Angehörige und auf deren Mitfinanzierung verlassen hätte wollen.

Einerseits hat unser konservativer Erzbischof nicht Unrecht, dass es auch dem Staat um die geschützte Nachproduktion von Staatsbürgern geht.
Andererseits ist die gegenseitige Versorgungs- und Unterhaltsverpflichtung von Ehepartner ein Garant dafür, dass nicht in jedem Fall der Staat einspringen muss, wenn eine Person nicht mehr selbst für sich sorgen kann.

Also aus Sicht von Kirche und Staat ist die Institution Ehe nicht zu Unrecht wichtig. Auch aus diesem Grund wurde es (rechtlich) viel einfacher gemacht eine Ehe zu beginnen, als sie zu beenden!

Ein Sieg individueller Lebenskonzepte wäre es gewesen, wenn der Staat die Verpartnerung für alle als Rechtsinstitut eingeführt hätte und allfällige Eheschließungen danach den jeweiligen Religionen, Sekten, Gurus, Predigern oder wem auch immer überlassen hätte.

Dass sich nun, sollte es Basti und Bumsti nicht gelingen ein rechtliches Hintertürl zu finden, auch gleichgeschlechtliche Partner unter das staatlich gewollte Joch begeben dürfen, um im Trennungsfall viel Geld in Rechtsanwälte zu investieren, um eine allfällige Schuldfrage klären zu können und vielleicht erstmals erfahren, wie den die gesetzlichen Vorgaben der Gütertrennung aussehen, das scheint mir kein wirklicher gesellschaftspolitischer Fortschritt zu sein. Das zu glauben ist wohl eher die Folge einer katholisch/autoritären Indoktrinierung als einer aufgeklärten Geisteshaltung.

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Written by medicus58

6. Dezember 2017 at 18:21

Ruthenium Slow burn

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Ruthenium (v. lateinisch Ruthenia „Ruthenien“, „Russland“) ist ein chemisches Element mit dem Elementsymbol Ru und der Ordnungszahl 44.

Unter Slow burn versteht man im Film eine Gag-Struktur, wo Aktion und Reaktion deutlich getrennt werden, d.h. zwischen die Wahrnehmung und die Reaktion auf eine Situation wir von den Agierenden eine Pause des Nichtverstehens eingelegt, in der der Zuschauer sein dadurch entstandenes Überlegenheitsgefühl ablachen darf.

Seit 29.9. 2017 wurden in mehreren Ländern Europas Ruthenium 106 gemessen.

An den Luftfiltern der etwa 10 in Österreich verteilten Luftmessstellen für Radioaktivität sind  zwischen 30.September und 3.Oktober maximal etwa 1 bis 40 Millibecquerel Ru-106 pro m³ nachgewiesen worden. Inzwischen sind die Aktivitätswerte wieder in den Bereich der Nachweisgrenze zurückgegangen, berichtete das Lebensministerium bereits am 9.10.2017.

Das deutsche Bundesamt für Strahlenschutz erfuhr im Rahmen der bilateralen Informationspflichten am 03.10.2017, dass in Österreich Ruthenium-106 gemessen wurden. Am 04.10.2017 schlug auch eine Spurenmessstelle in Deutschland an. Die Messwerte in Deutschland liegen zwischen wenigen Mikrobecquerel und 5 Millibecquerel pro Kubikmeter Luft.
Auf der Homepage des BfS wurde bereits am 8.10. eine Gemeinsame Pressemitteilung des Bundesamtes für Strahlenschutz und des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit veröffentlicht.

Auch aus Frankreich kamen von der IRSN schon am 4.10. gleichlautende Bestätigungen mit weiteren Updates.

Spätestens Anfang November war (auch regelmäßigen Twitter-Teilnehmern) also Folgendes klar:

  • Ende September/Anfang Oktober zog von Osten nach Westen kommend eine „Ruthenium Wolke“ über Europa
  • Etwa zwei Wochen später konnte in der kein zusätzliches Ruthenium mehr gemessen werden
  • Ein Reaktorunfall oder eine Atombombe gelten gleich als unwahrscheinlich, da dabei niemals nur ein einziges Isotop freigesetzt würde. Ein Satellit (mit einer radioaktiven Batterie) wird nicht vermisst.
  • Die Strahlenexposition der Bevölkerung wurde von mehreren Stellen als so gering berechnet, dass sie innerhalb der Schwankungsbreite der natürlichen Strahlenexposition lag, besondere Maßnahmen waren in Europa also nicht erforderlich. Überraschend führten die ersten Meldungen aber zu wenig Widerhall in dr Öffentlichkeit.
  • Strömungsmessungen verschiedener Institute lokalisierten die Herkunft der Wolke von insgesamt (Quellterm) 100 and 300 teraBecquerels zwischen Wolga und Ural (Météo France).
  • Berechnungen ergaben auch, dass am Unfallort in einem Umkreis von ca 10 km spezielle Maßnahmen für den Bevölkerungsschutz ergriffen werden müssten und ein einem Radius von < 100 km ein Monitoring der Nahrungsmittel sinnvoll sein könnten.

Einzelne Medien berichteten schon früh über das Ereignis, mein Eindruck war damals aber, dass die Nachrichten kaum eine größere Öffentlichkeit erreicht hat.
Telegraph:  Nuclear ‚accident‘ sends radioactive pollution over Europe
Standard: Radioaktivität über Europa: Experten vermuten Quelle im Ural

und nur zur Vollständigkeit: Russia Today: The Russian state atomic energy corporation Rosatom, however, rejected the report, saying that “the radiation situation around all Russian nuclear facilities is within the norm and corresponds to natural background radiation.”

Erst am 21.11. berichtete auch der Russische Wetterdienst über insgesamt vier Messstationen im Süd-Ural, im Nord-Kaukasus und am Don wo im Zeitraum vom 26. September bis zum 1. Oktober 2017 Ruthenium-106 nachgewiesen wurde. Quantitativ steht der Bericht aber im Ggs zu oben zitierten früheren Kalkulationen, wenn behauptet wird: Die Messwerte in der Luft liegen zwischen 15 und 76 Millibecquerel pro Kubikmeter und liegen damit in einem Bereich von Messwerten, wie sie einige Tage später in Südosteuropa (Rumänien) gemessen wurden. Bei den in Russland gemessenen Werten handelt es sich um sehr geringe Radioaktivitätsmengen, die nicht gesundheitsgefährdend sind.

Seit ein paar Tagen ist der Vorfall plötzlich weltweit in den Schlagzeilen.

Nach Aussage der Sprecherin des Umweltministeriums am 21.11. der APA gegenüber, wäre sogar in den vergangenen beiden Wochen in Österreich – wetterbedingt – neuerlich Ruthenium-106 festgestellt worden, allerdings in noch weit geringerer Konzentration und damit knapp an der Nachweisgrenze. Auf der Homepage des Lebensminsteriums findet sich dazu aber (noch) kein Hinweis. Wahrscheinlich handelt es sich um keinen neuen Eintrag sondern um ein Aufwirbeln bereits früher nach Österreich verfrachteten Rutheniums. 

21.11.FAZ:
MYSTERIÖSES RUTHENIUM-106 : Was geschah im Ural?
21.11. New York Times:
Russia, in Reversal, Confirms Radiation Spike
21.11.: Süddeutsche:
Erhöhte Radioaktivität über Europa kommt aus Russland
21.11. WELT:
„Äußerst hohe“ Ruthenium-Konzentration nahe AKW gemessen

22.11. Science Alert:
Here’s What You Need to Know About That Mysterious Radiation Cloud Over Europe
22.11. The SUN: 
Has Russia had a secret nuclear disaster? Giant toxic cloud and radioactivity levels 1000 higher than usual spark panic
22.11. New Delhi Times:
Russia Confirms Spike in Radioactivity in Urals

Russia Today versuchte sehr kryptisch zurück zu rudern:
Russland: Radioaktive Strahlenmessungen als Inspirationsquelle des Auslands,
erinnert – wie inzwischen viele Quellen – an die Kerntechnische Anlage Majak, wo weiträumige Kontaminationen bekannt sind, um dann gleich wieder abzuwiegeln:

Die veröffentlichten Daten erlauben es uns nicht, den Ort der Verschmutzungsquelle festzustellen. Dabei war die Konzentration auf russischem Gebiet immer noch zehntausende Male unter der zulässigen Höchstgrenze, für die Gesundheit der Bevölkerung besteht keine Gefahr.

Ja und auch bei uns springen nun kleine Blätter vollmundig auf:
Kleine Zeitung: Ruthenium in der Luft: Österreich fordert Aufklärung

Indische Medien zitieren Alexander Antipin, den Pressesekretär für Südasien der staatliche russische Atomorganisation Rosatom für Südasien, der explizit den Standort Majak als Quelle für das Ruthenium ausschließt!

Wegen der widersprüchlichen Aussagen der russischen Behörden schätzt das IRSN die Chancen, dass die Herkunft des Rutheniums bald geklärt wird, für gering ein. Greenpeace Russia schaffte es zumindest von Rosatom Messergebnisse zu erhalten und plant offenbar eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft wegen möglicher Verheimlichung eines nuklearen Unfalls.

Sehr viel mehr ist im Augenblick zu dem Vorfall auch nicht zu erfahren, wobei mir
vier Dinge bemerkenswert erscheinen:

  • Das Europäische Warnsystem und die innerstaatlichen Informationsflüsse scheinen zu funktionieren und werden auch kommuniziert.
  • Die mediale Aufarbeitung – auch in sogenannten Qualitätsmedien – erfolgt hingegen immer entweder zu früh oder mit zu langer Latenz.
  • Die IAEA kommt ihrer Aufgabe, die interessierte Öffentlichkeit zeitnahe zu informieren leider nicht in ausreichendem Maße nach. Sucht man aktuell auf der Homepage findet man gar nichts.
  • Die oft wiederholte Sage, dass die Informationen über den Unfall in Tschernobyl nur deshalb von Russland so lange unterdrückt wurden, weil damals ein kommunistisches Regime herrschte, ist als Erklärungsmodell nicht mehr länger aufrecht erhalten. Gerade in diesem Jahr hat sich Putin explizit nicht mehr als Erbe der Kommunistischen Revolution vor 100 Jahren gesehen.

 

Written by medicus58

23. November 2017 at 18:02

Wie man Skandale übersteht …

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Krone: Wiener Spitalskandal: Mit Finanztrick 30 Millionen Steuergeld versenkt
O
E24: Das Worst-Case-Szenario liegt bei knapp unter 1,4 Mrd. Euro 
Presse: In einem eilig einberufenen Hintergrundgespräch versuchte man noch, den Schaden einzugrenzen

und so weiter und so weiter. Die Opposition überschlägt sich gerade wieder

Bluemel /Korosec:  RotGrüne Beschönigungspolitik 
Gudenus: Größter Bauskandal aller Zeiten bahn sich an

weil wieder ein RH Rohbericht leakte.
Alle paar Stunden zitieren die, denen das Papier zugespielt wurden ein paar Passagen, um das Feuer weiter anzufachen,
in den PR-Abteilungen glühen die Köpfe, wie man den miesen Eindruck übertünchen könnte, die Euphorie über die Hybrid-OPs hat ja nicht so lange angehalten.

Nein, ich werde hier keine neuen Enthüllungen, keine Bassenagerüchte  streuen.
Ich möchte nur in meinen Erinnerungen wühlen, als ich so um 1980 als Medizinstudent nahezu lückenlos die zahllosen Berichte Alfred Worms zum AKH-Skandal verfolgte. Beweise über Beweise, Vermutungen über Vermutungen wurden über Jahre abgedruckt. Worm wurde mit Auszeichnungen bedacht und war von 1983 bis 1988 als „Quereinsteiger“ ÖVP Abgeordneter im Wiener Landtag. Die Untersuchungsrichterin
Helene Partik-Pablé des Verfahrens schwamm auf einer Sympathiewelle und zog danach für die FPÖ/BZÖ in den Nationalrat ein, um das „Saubermann-Image“ Jörg Haiders zu unterstreichen. Ja und wenn heute irgendwas vom ehemaligen Bundespräsidenten Kirchschläger noch im Gedächtnis ist, dann seine Bemerkung Bundespräsident zur Eröffnung der Welser Messe im August 1980 zum AKH Skandal, wo er eine „Trockenlegung der Sümpfe und sauren Wiesen“ forderte.
Der einzige mir noch namentlich bekannte Schuldige ist Adolf Winter.

Wenn man heute die Wikipedia nach dem AKH-Skandal durchsucht, wundert man sich, wie karg der entsprechende Eintrag ist: https://de.wikipedia.org/wiki/AKH-Skandal

Frägt man sich aber, was nach monatelangen, ja jahrelangen Recherchen, Untersuchungen und Vorverurteilungen geblieben ist, kommt man auf ein sehr dürres Ergebnis, das der Standard 2004 wie folgt zusammenfasste:

Im Mittelpunkt des so genannten AKH-Skandals stand der ehemalige technische Direktor der Allgemeinen Krankenhaus-Planungs- und Errichtungsgesellschaft (AKPE), Adolf Winter. In den Strudel der Affäre geriet auch der damalige Finanzminister und Vizekanzler Hannes Androsch. Er wurde Jahre später in Zusammenhang mit seinen Aussagen vor dem parlamentarischen AKH-Ausschuss von einem Wiener Gericht wegen Falschaussage verurteilt. Im September 1981 folgte der AKH-Prozess, das bis dahin größte Gerichtsverfahren in Österreichs Nachkriegsgeschichte mit 30.000 Seiten in 67 Aktenordnern, ebenso vielen Beilagenseiten, vier Sachverständigen und mehr als 100 geladenen Zeugen. Der Vorwurf gegen Winter und elf weitere Angeklagte (Anm.: darunter Manager von Siemens-Österreich, ITT sowie die Eigentümer des österreichischen Elektronikunternehmens Schrack) lautete auf gewerbsmäßigen Betrug, Untreue, verbotene Intervention, Beihilfe zu solchen Verbrechen und Verstöße nach dem Devisengesetz. Winter sollte für die Vergabe von Großaufträgen Provisionen unter Mithilfe oder zumindest Mitwissen seiner Mitangeklagten kassiert haben. Das Urteil wurde am 27. November 1981 gesprochen.
Alle zwölf Angeklagten wurden schuldig erkannt, allein Winter hatte 30 Millionen Schilling (2,18 Mio. Euro) Schmiergelder kassiert. Er erhielt neun Jahre Freiheitsstrafe. Seine Mitangeklagten bekamen von einem Jahr bedingt bis zu fünf Jahren und 350 Tagen unbedingt. Winter und acht weitere Verurteilte gingen in die Berufung: Der Hauptangeklagte bekam schließlich acht statt neun Jahre wegen Geschenkannahme statt Untreue. Auch weitere Strafen wurden herabgesetzt. Zwei Verfahren wurden sogar an die erste Instanz zurückverwiesen. 

Am 27. November könnten wir den 36. Jahrestag des  Prozessendes feiern.
Die fehlenden Millionen wurden nie mehr gefunden,
Adolf Winter war angeblich mittellos (ich erinnere mich nur an eine Tante, die angeblich Geld hatte, finde aber keine Belege mehr dafür).
Insgesamt konnten Winter 30 Millionen Schilling an Schmiergeldern nachgewiesen werden,
aber das AKH kostete statt der 1955 projektierten 1 Milliarde OS letztendlich 45 Milliarden OS!

Ja, eine Parlamentarischen Untersuchungsausschuss gab es auch: https://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/XV/I/I_00670/imfname_280202.pdf
unter der Führung Norbert Stegers, wobei nur jeweils ein Minderheitenbericht, aber kein gemeinsames Urteil gefasst werden konnte.

2012 bestand Hannes Androsch in einem Leserbrief an die Presse, den er als Reaktion zu Alles schon da gewesen: Eine kleine Korruptionsgeschichte verfasste, dass der AKH Skandal ausschließlich ein Skandal unter Managern war und weder er noch sonst ein Politiker involviert waren.

Im Gegensatz dazu kommt eine Analyse (Study on Curruption within the Public Sector in the Member States of the EU) aus 2007 über Österreich – auch unter Bezugnahme auf den AKH Skandal – zum Schluss:
Eine weiter mögliche Ursache der Korruption dürfte auch das Parteiensystem und seinen Verbindungen mit anderen Substystemen sein, sowie die, durch die geringe Größe bedingte fehlende Rollentrennung und Nahebeziehungen innerhalb der Gesellschaft.
Korruption ist besonders weit verbreitet im Bereich von Politik und Administration.

Wäre ich Beteiligter am KH Nord Skandal würde ich mich nur fürchten, wenn ich Manager der zweiten Reihe einer der beteiligten Firmen wäre, sonst würde ich gut schlafen.

 

Vergleiche auch: https://www.jku.at/gespol/content/e103159/e299940/e210723/KOR_korruption_und_politik_lva_endbericht_ger.pdf

Written by medicus58

22. November 2017 at 18:01

Wer ist denn der Wetzlinger?

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Der studierte Elektrotechniker, ehemalige Kaufmännische Direktor des LKH Klagenfurt und AKH Direktor wurde nun auch in die Generaldirektion des KAV berufen. Ob er eventuell im nächsten Jahr wieder ersetzt wird oder nach der Umwandlung des KAV in eine öffentliche Anstalt deren erster Generaldirektor wird, ist es Zeit sich mit seinem bisherigen Lebensweg zu beschäftigen. Eine kurze Suche zeigt, dass trotz eines nicht unbewegten Leben, online relativ wenig Fakten zu finden sind:

Herwig Wetzlinger wurde am 17. Jänner 1961 geboren,
studierte zwischen 1979 und 1985 an der Technischen Universität Graz Elektrotechnik und schloss mit dem Titel Diplomingenieur ab.

Zwischen 1986 und 1995 war er Projektleiter Prozess- und Automatisierungstechnik bei den Draukraftwerken AG.

Zwischen 1995 und 2000 war er bei der Verbund AG als Abteilungsleiter für IT-Anwendungsentwicklung tätig.
Berufsbegleitend absolvierte er währenddessen seine Managementausbildung an der Akademie des Wirtschaftsförderungsinstitutes (Managementlehrgang 1991-1992) sowie am Management Institut St. Gallen (1999-2000) General Management, Unternehmensführung) .

2000-2001 war er Hauptabteilungsleiter IT und Kommunikationstechnik in der Kärntner Landeskrankenanstalten-Betriebsgesellschaft KABEG und zwischen 2001 und 2011 Kaufmännischer (!) Direktor des Klinikums Klagenfurt am Wörthersee, verantwortlich für den kaufmännischen und technischen Bereich der Anstalt.

In dieser Postion wurde er immer wieder aus den Reihen des BZÖ massiv angegriffen und kurzfristig auch suspendiert war:
Juli 2008: All jene, sie sich über die Dienstfreistellung Wetzlingers so fürchterlich aufregen erinnert der geschäftsführende BZÖ-Landesparteitobmann Stefan Petzner daran, dass es schon unter Franz Sonnberger Dienstfreistellungen und Entlassungen von LKH-Führungskräften gegeben habe.

Dez 2008: KO Scheuch: Mit Wetzlinger wird das Chaos im LKH Klagenfurt prolongiert

Dez 2008:  Nach Wiedereinsetzung von Wetzlinger Sorge dafür tragen, dass Stabilität wieder hergestellt wird.

Dez 2010: KO Kurt Scheuch: Tendenziöse Berichterstattung der Kleinen Zeitung setzt sich weiter fort

Trotz einer mit viel medialer Aufmerksamkeit erfolgten Eröffnung des Klinikums wurde Wetzlinger und seine Stellvertreterin kurz nach der erfolgreichen Inbetriebnahme des Klinikums als Krankenhausdirektor abgesetzt und von KABEG-Vorstand Ines Manegold bei der Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Untreue angezeigt. Grund war, dass für eine Arbeitsgemeinschaft aus Villach beim Klinikum Neubau eine Erfolgsprämie über 800.000 Euro fällig wurde, weil sie ein Teilprojekt billiger als geplant durchgeführt hatte.
Der Standard spricht im August 2011 von einem Mann mit Eigenschaften, der der sich in Kärnten politischer Willkür nicht beugen wollte – und in Wien unsaubere Praktiken (Leiharbeitsfirmen im AKH) bekämpfen soll, nachdem er sich gegen 36 Mitbewerber durchsetzte und zum Stellvertretenden Direktor der Teilunternehmung AKH in Wien berufen wurde.

2013 stellte  die Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen ein: KABEG Chefin Manegold hatte Wetzlinger und drei weitere Mitarbeiter verdächtigt, bei Auftragsvergabe für das LKH-neu die KABEG finanziell geschädigt zu haben. KABEG-Chefin Ines Manegold beauftragte sogar ein Anwaltsbüro in München, das über eine Whistleblower-Adresse anonyme Hinweise auf Missstände und Skandale liefern sollte, allerdings ohne Resonanz und Erfolg.
Mit der Einstellung des Verfahrens ist Wetzlinger vollständig rehabilitiert. Die Kosten seiner arbeitsrechtlichen Verfahren musste er übriges selbst tragen.

2014 übernahm Wetzlinger die Direktion des Allgemeinen Krankenhauses.

Im Jänner 2016 unterzeichnete er einen Kooperationsvertrag zwischen AKH und KAV und versprach trotz  Deckelung der Vollarztäquivalente  rund 25 Prozent der Versorgungsleistung der KAV-Spitäler zu übernehmen! 

Im September 2017 unterzeichnete er mit seinem früheren Diensteber KABEG eine Absichtserklärung zur intensiven Kooperation in den Bereichen Wissenschaft, Forschung und Patientenversorgung zwischen AKH und dem Klinikum Klagenfurt. Zumindest damals berichtete er auch den Medien, dass er seine Wochenenden immer noch gerne in Kärnten verbringt. Übrigens ist DI Wetzlinger auch stellvertretender Direktor der Kärntner Caritas und ist Mentor der Initiative für Kärnten.

Mitte November 2017 wurde er KAV-Direktor für die Bereiche Finanz, Recht, Einkauf und nicht-klinischer Bereich. Damit übernimmt er auch die Verantwortung für die Eröffnung des KH Nords, die die Stadt Wien noch kurz vor seinem Hinauswurf EX-GD Udo Janßen umgehängt hat und die dann zum jetzt nicht verlängerten Dir. Balazs wanderten.
Was hat denn die Wiener Personalpolitik mit der Wahl-Schlammschlacht zu tun?
Eine Mille Lehrgeld für die Stadt Wien
Janßen identifizierte sich nicht mit dem Gesamtinteresse der Stadt Wien und musste gehen 

Dass es auch in Wien (politisch und medial) sehr rauh werden kann musste DI Wetzlinger in seiner ersten Pressekonferenz nach seiner Bestellung in die KAV GD erleben, von der eigentlich nur eine Schlagzeile die Runde machte:
Patientenbetrieb sollte Ende 2018 starten, nun gibt es keinen Termin mehr.

Ein Datum für die Behandlung des ersten Patienten im Krankenhaus „möchte ich heute nicht nennen“, so Wetzlinger am Mittwoch.

Ob er sich da nicht mehr Schonzeit und etwas mehr Rückendeckung verdient hätte, ehe man ihn auf eine Mission impossible schickt?

Links:
http://derstandard.at/2000067809698/Fuehrung-des-Wiener-Krankenanstaltenverbunds-wird-umgebaut
https://www.wien.gv.at/wiki/index.php?title=Herwig_Wetzlinger
http://kaernten.orf.at/news/stories/2582714/
https://www.5min.at/201709109125/neues-krebszentrum-in-klagenfurt/
http://derstandard.at/1314652680168/Neuer-zweiter-Direktor-Ein-Mann-mit-Eigenschaften-fuer-das-AKH-Wien
https://kurier.at/chronik/wien/neue-leitung-fuer-wiens-spitaeler/297.950.875

Written by medicus58

16. November 2017 at 18:59

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Uns betrifft’s eh net: Dienstrechts- und Besoldungsreform

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ein paar, IMHO gescheite, Bemerkungen zur Einigung über die Dienstrechts- und Besodungsreform der Stadt Wien und die hinterfragbare demokratische Legitimation ihres Entstehens durch ein paar Personalverräter sorry Personalvertreter, die gleich mal Aufnahmestopp, verzögerte Nachbesetzungen mit 6-monatiger Verzögerung und 435 Postenstreichungen bis 2020 akzeptiert haben.  

http://www.kiv.at/dienstrechts-und-besoldungsreform/

einfach zum Sickern ….

Written by medicus58

21. Oktober 2017 at 14:56

Was hat denn die Wiener Personalpolitik mit der Wahl-Schlammschlacht zu tun?

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Gehen wir einmal davon aus, dass die Bundes-SPÖ den Bundeskanzler verliert,
vermutlich sowohl den Posten als auch den aktuellen Akteur,
dann kann das der Wiener-SPÖ helfen die Macht im Rathaus zu behalten.
Häupls Sager Opposition wäre etwas Ehrenhaftes bezog sich schließlich auf den Bund und nicht die Bundeshauptstadt.

Irgendwie eigenartig, dass in aktuellen Schlammschlacht zwar nebenher erwähnt wird,
dass sich auch die Wiener SPÖ der Dienste Silbersteins bedient hat,
dass der SPÖ Bundesgeschäftsführer Niedermühlbichler  vom Stil dieses Beraters aber völlig überrascht war und deshalb reumütig zurückgetreten ist,
nur dass Niedermühlbichler von Häupl in die Bundes-SPÖ geschickt wurde, bleibt unerwähnt.
Es schiene mir ergiebig einmal nachzurecherchieren, welcher Kausalzusammenhang zwischen beiden Vorgängen besteht. Ökonomisch wäre für die SPÖ der Verlust ihres Einflusses in Wien („Firmengeflecht“)jedenfalls desaströser als die Oppositionsbank im Bund, dies scheint evident.

Wie rücksichtslos die Personalpolitik der Wiener SPÖ ist, lässt sich gut im Wiener Krankenanstaltenverbund verfolgen.
Hier wird ein unglaubliches Führungsvakuum perpetuiert, um fachlichen Widerspruch zu verhindern.

Bereits Ende März 17 trennte man sich vorzeitig vom Generaldirektor, da Häupl plötzlich nicht mehr wusste, wofür man ihn überhaupt zahlt, obwohl man Janßen erst zum Jahreswechsel 16/17 zum Verantwortlichen für das KH Nord erklärte.  Das alles, obwohl man sich erst Monaten später über die neue Struktur des 30.000 Mitarbeiter Betriebes einigte.
Jetzt trennt man sich auch vom Generaldirektor-Stellvertreter Balazs, der die Hauptverantwortung für das Nord geerbt hat, obwohl er zu Beginn der Planungen des Krankenhauses noch für Siemens am Balkan werkte. Sein Vertrag läuft noch bis März 2018, die neue Struktur des KAV wird aber 1.1.2019 fest stehen.
Vielleicht stimmt das Gerücht, dass die aktuell Balazs unterstellte EDV ins Magistrat wandert und das kann dann kein ernst zu nehmender Konzernführer akzeptieren.
Dass inzwischen kaum mehr innerhalb des Konzerns irgendwer irgendwas entscheiden kann, scheint das Rathaus ebenso wenig zu interessieren, wie andere Kollateralschäden, Priorität hat das politische Durchgriffsrecht.

Wäre das ausschließlich ein Stil der (Wiener) SPÖ, wäre die Entscheidung für den aufmerksamen Wähler einfach.
Die Scheiße, die jetzt in der Schlussphase des Nationalratswahlkampfes aufgewühlt wurde, zeigt jedoch nur allzu deutlich,
mit welcher Kaltschnäuzigkeit man sich übel beleumundeter Berater bedient,
eigene Spitzenkandidaten stürzt,
bereits über neue Koalitionen verhandelt, während man noch von konstruktiver Zusammenarbeit lallt.

Wenn hier jemand wesentliche Unterschiede zwischen SPÖ & ÖVP sieht, zeigt vermutlich mehr seine Unwissenheit oder ideologische Blindheit.

Die wahre Frage bei der kommenden Wahl muss also lauten, wem ist (aus Überzeugung oder Unfähigkeit ist zweitrangig) am ehesten zuzutrauen,
dass er die gewonnene Macht nicht ausschließlich instrumentalisiert.
Wie die jeweiligen Parteien vorgehen, zeigt sich am deutlichsten dort, wo sie die Möglichkeit zur Personalpolitik haben. Diejenigen, die noch keine öffentlichen Bereiche kontrollieren können, sollte man an ihrer internen Personalpolitik beurteilen. Das Beispiel Wien zeigt, dass die Beteiligung einer kleinen und daher notgedrungen machtfernerer Partei überhaupt nichts ändert.
Es läuft auf eine alte, wenn auch wenig erfreuliche politische Erkenntnis hinaus:

Solange man uns noch Demokratie zubilligt, haben wir nur eine Waffe:
Analyse und Abwählen

Written by medicus58

7. Oktober 2017 at 20:11

Gut versorgt: Ambulanzsperren

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Wäre doch einmal ein guter Aufhänger für einer der TV-Konfrontationen im laufenden Wahlkampf in Sachen Primärversorgung.
Dass immer mehr Spitalsambulanzen und ganze Abteilungen in öffentlichen Krankenanstalten gesperrt werden hat sich zum Normalzustand herausgemausert. Dass es Schwächen in den Ordinations-Öffnungszeiten gibt, kann auch nicht abgeleugnet werden. Der politische Spin wird dann so gedreht, das die Einzelordination einfach nicht mehr zeitgemäß ist, die Ärzte halt auch nicht mehr 24/7 spuren und von Work-Life-Balance träumen und man folgerichtig größere Strukturen benötigt, um die Patienten zu versorgen. Es lebe die Primärversorgung und ihr Gesetz!

Wie vorbildlich das aber die Wiener Gebietskrankenkase hinbekommt, können Sie gerne auf https://www.sozialversicherung.at/portal27/wgkkgeportal/contentPrint? überprüfen.

<Irony off >

Link: #NRW17 So unauffällig verschwiegen, dass es völlig untergeht.

Written by medicus58

27. September 2017 at 18:38

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