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Soll er doch kündigen, der Primat

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Erst kürzlich haben wir hier thematisiert, dass den Vorstand des Wiener Krankenanstaltenverbund, pardon der heißt ja jetzt Gesundheitsverbund, Gefährdungsanzeigen nichtmal mehr zu Dutzenden so wirklich aufregt. Vermutlich auch deshalb die Umbenennung von Krankenanstalten- in Gesundheitsverbund, klingt einfach positiver, unaufgeregter.

Das war falsch.

Vor ein paar Tagen wurde klar, dass dem Vorstand Gefährdungsanzeigen doch wichtig sind und es war ihm eine langatmige Anweisung wert: Im Kern sind Gefährdungsanzeigen schon irgendwie wichtig, aber halt unter Berücksichtigung von allerhand drohend aufgezählter Vorschriften und i. d. R. im Dienstweg.

Heute schaffte es eine Meldung in die Medien, die zeigt, dass diesem Wunsch auch entsprochen wird:

Primar kündigt wegen Personalmangels

Der Ärztliche Abteilungsleiter, so heißt der ehemalige Primat heute, weil er schon längst zur dualen Führung degradiert und seines Sekretariats beraubt wurde und ihm Personalrekrutierung nur so weit erlaubt ist, wie weit ihn die Personalabteilung ins TalenLink lässt, zog die Konsequenzen, weil er einfach nicht mehr genug Personal hat, um seine Abteilung zu betreiben. Wie lange das schon ging, dass Personal ohne erforderliche Qualifikationen vor sich hinwerkte, konnte man aus dem Artikel nicht erfahren, aber die übliche Lösung des Problems: ein neues Doppelprimariat

Lücken werden bei uns geschlossen, indem man sie fusioniert.

Das Debakel hat sich übrigens schon längst abgezeichnet, als vor fast zwei Jahren die Kinderabteulung in Floridsdorf mitten in der Husten- und Schnupfen-Zeit im Jänner gesperrt wurde (Link).

Personalmangel hat man damals natürlich abgestritten, obwohl man parallel dringend nach Fachärzten suchte.

Es überrascht immer wieder, dass man noch immer glaubt durch Drohungen nach inben und punktuelles Abstreiten nach außen den Zustand der Patientenversorgung vernebeln zu können.

Wenn FP Nepp zur Lösung ein Köpferollen verlangt (Versagen Hackers gefährdet auch das Leben von Kindern), ist dies aber auch nur billige Polemik. Der aktuelle Zustand der Gesundheitsversorgung in Wien verlangt zuerst ein schonungsloses Eingeständnis des IST-Zustandes durch die Politik. Dazu gehört auch die Diskussion warum grad wer wo installiert wurde. Erst dann kann man neue Köpfe suchen, sonst dreht sich das Karussell von Wunderwuzzis und Ja-Sagern immer weiter, irgendwie so wie im Fußball.

Written by medicus58

6. November 2022 at 22:04

Ein Wiener in Favoriten

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Es gab Zeiten, da zog mich mein Leben mit der eben eröffneten U1 immer wieder auf die Favoritenstrasse.

Nicht immer zum Tichy, auch zum Tlapa, (als Begleitung) zum Fürnkranz und auch mal ins Kepler-Kino, um alle der damals schin gedrehten Star Wars Filme in einem Zug durchzustehen, oder besser sitzen.

Rundherum gab es auch andere Geschäfte (Olympus Generalvertretung), die mich anzigen, ohne dass man die Gegend an sich als wahnsinnig attraktiv empfinden mußte. Aber auch als in Penzing Geborener fühlte ich micht völlig fremd.

Als mich das erbarmungslose Schicksal heute erneut in die Gegend lotste, keimte sehr bald ein gegenteiliges Gefühl in mir hoch.

In Ermangelung einer Gastwirtschaft, die diesen Namen auch nur abortiv verdiente und angesichts der späten Nachmittagsstunde, kaufte ich mir an einem Marktstand etwas Ungesundes und ein 16er Blech. Da der einzige Tisch vor der Theke besetzt war, balanzierte ich mein Mahl auf eine nebenan aufgestellte Heurigenbank. Sie gehörte, wie andere Bänke zwar offensichtlich zu der grindigen Schnapsbude „Rudy“, aber einerseits schlemmte dort eine neo-österreichische Jungfamilie auch ein von nebenan mitgebrachtes Gericht, und andererseits waren die anderen Bänke ohnehin gähnend leer, also wähnte ich mich sicher.

Sekunden später pflanzte sich die personifizierte Fettleber vor mir auf und fragte schmierig grinsend: Habn’S des Bier bei uns kauft?

Da er offenkundig Betreiber und Bedienung in Personalunion war, kann er für die saudumme Frage, die ihm wohl so flüssig über die Lippen kam, weil er sie seit Jahren mehrfach täglich einübt, nur eine schwere Demenz mit Sprachrest als Entschuldigung vorbringen.

Als ich vorbeugend meinen Platz räumte, da ich natürlich wirklich Gast des Nachbarstandes war und formalrechtlich nicht auf seinem wurmstichigen Bankl sitzen durfte, saftelte er mir noch nach, dass ihm das zwar leid tut, aber dass man da nix machen kann. Und das war nun auch formal eine Lüge.

Inzwischen war vor „meinem Standl“ nun doch ein Sitzplatz freigeworden und ich hatte genug Zeit mich der Frage hinzugeben, weshalb die Unterschichtsfamilie nebenan völlig unbehelligt das mitgebrachte Essens verzehren durfte und ihre Sitzplätze mit Speiseresten verdrecken durfte. Vielleicht sah der Lederjacken-tragende Familienvater so aus, dass er sich nicht so ohne weiteres verjagen ließ.

Ich hatte auch Gelegenheit den Rudy zu beobachten, der eine alte erschöpfte Frau von seinen Bänken wegscheuchte, als sie sich dort ohne Konsumationswunsch auszuruhen versuchte.

Aber immerhin ließ unser lautstarke Unterschichtsfamilie ihre Essensreste dann doch nicht beim Rudy sondern schob sie auf dem Tisch „meines Standls“ mir wortlos unter die Nase und zog ihrer Wege.

Nein, das ist nicht mehr mein Wien.

Written by medicus58

13. Oktober 2022 at 18:22

Veröffentlicht in Was im Alltag so alles nervt

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Ein Wiener in Favoriten

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Es gab Zeiten, da zog mich mein Leben mit der eben eröffneten U1 immer wieder auf die Favoritenstrasse.

Nicht immer zum Tichy, auch zum Tlapa, (als Begleitung) zum Fürnkranz und auch mal ins Kepler-Kino, um alle der damals schin gedrehten Star Wars Filme in einem Zug durchzustehen, oder besser sitzen.

Rundherum gab es auch andere Geschäfte (Olympus Generalvertretung), die mich anzigen, ohne dass man die Gegend an sich als wahnsinnig attraktiv empfinden mußte. Aber auch als in Penzing Geborener fühlte ich micht völlig fremd.

Als mich das erbarmungslose Schicksal heute erneut in die Gegend lotste, keimte sehr bald ein gegenteiliges Gefühl in mir hoch.

In Ermangelung einer Gastwirtschaft, die diesen Namen auch nur abortiv verdiente und angesichts der späten Nachmittagsstunde, kaufte ich mir an einem Marktstand etwas Ungesundes und ein 16er Blech. Da der einzige Tisch vor der Theke besetzt war, balanzierte ich mein Mahl auf eine nebenan aufgestellte Heurigenbank. Sie gehörte, wie andere Bänke zwar offensichtlich zu der grindigen Schnapsbude „Rudy“, aber einerseits schlemmte dort eine neo-österreichische Jungfamilie auch ein von nebenan mitgebrachtes Gericht, und andererseits waren die anderen Bänke ohnehin gähnend leer, also wähnte ich mich sicher.

Sekunden später pflanzte sich die personifizierte Fettleber vor mir auf und fragte schmierig grinsend: Habn’S des Bier bei uns kauft?

Da er offenkundig Betreiber und Bedienung in Personalunion war, kann er für die saudumme Frage, die ihm wohl so flüssig über die Lippen kam, weil er sie seit Jahren mehrfach täglich einübt, nur eine schwere Demenz mit Sprachrest als Entschuldigung vorbringen.

Als ich vorbeugend meinen Platz räumte, da ich natürlich wirklich Gast des Nachbarstandes war und formalrechtlich nicht auf seinem wurmstichigen Bankl sitzen durfte, saftelte er mir noch nach, dass ihm das zwar leid tut, aber dass man da nix machen kann. Und das war nun auch formal eine Lüge.

Inzwischen war vor „meinem Standl“ nun doch ein Sitzplatz freigeworden und ich hatte genug Zeit mich der Frage hinzugeben, weshalb die Unterschichtsfamilie nebenan völlig unbehelligt das mitgebrachte Essens verzehren durfte und ihre Sitzplätze mit Speiseresten verdrecken durfte. Vielleicht sah der Lederjacken-tragende Familienvater so aus, dass er sich nicht so ohne weiteres verjagen ließ.

Ich hatte auch Gelegenheit den Rudy zu beobachten, der eine alte erschöpfte Frau von seinen Bänken wegscheuchte, als sie sich dort ohne Konsumationswunsch auszuruhen versuchte.

Aber immerhin ließ unser lautstarke Unterschichtsfamilie ihre Essensreste dann doch nicht beim Rudy sondern schob sie auf dem Tisch „meines Standls“ mir wortlos unter die Nase und zog ihrer Wege.

Nein, das ist nicht mehr mein Wien.

Written by medicus58

13. Oktober 2022 at 18:22

Veröffentlicht in Was im Alltag so alles nervt

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Rund 50-mal jährlich gebe es solche „Gefährdungsanzeigen“, betonte die Generaldirektorin des Wiener Gesundheitsverbunds

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Aufgrund des eklatanten Personalmangels in den Wiener Spitälern komme es immer öfter zu so genannten „Gefährdungsanzeigen“. Rund 50-mal jährlich gebe es solche „Anzeigen“, betonte die Generaldirektorin des Wiener Gesundheitsverbunds, Evelyn Kölldorfer-Leitgeb bei einem kurzfristig einberufenen Hintergrundgespräch am Montag. Dieses habe aber auch dazu gedient, zu betonen, dass die Gesundheitsversorgung in Wien nicht leide.
Von 28.150 Stellen seien aktuell 1.830 derzeit nicht besetzt. Das sind rund sieben Prozent, was nicht wirklich schlecht sei, sagte die Generaldirektorin. 
fasst der Pressespiegel der Österreichischen Ärztekammer die nahezu unglaubliche Aussage zusammen.

Unglaublich weil einerseits jeder weiß, wie innerhalb des Wiener Gesundheitsverbundes auf nach außen getragene Kritik reagiert: Jedes Schriftl a Gift’l
Unglaublich aber auch, weil vom politisch eingesetzten Patientenanwalt Gerhard Jelinek rezent schon das Problem abgeleugnet wurde (Link) und auch Gesundheitsstadtrat Hacker noch gestern beschwichtigte: Dramatisch ist das falsche Wort, weil wir eine professionelle Hochleistungsorganisation haben. … Dass es bei etwa 30.000 Mitarbeitern Fluktuation gibt und ständig Jobs nicht besetzt sind, ist rein rechnerisch nicht überraschend. (Link)
Danach folgte ein Überwälzen der Verantwortung auf den sogenannten extramuralen Bereich, also alle Kassenordinationen und -ambulanzen, die permanent alle Patienten in den Spitalssektor schieben.

Das schreit nach ein paar Bemerkungen:

Erstens, ist das Problem des Personalmangels in den Wiener Spitälern nicht neu. Vor 20 Jahren hatte der damalige KAV 33.000 Mitarbeiter, jetzt 28.150 und davon fast 2000 unbesetzt. Das Bild ist jedoch trügerisch, weil die deutliche personelle Aufstockung der Generaldirektion und anderer Verwaltungsbereiche zog noch mehr Mitarbeiter vom Primärprozess ab und keiner wird wohl annehmen, dass die Leistungen, die die auch numerisch zurechtgestutzten Spitäler seither erbringen mussten, um ca. 20% gesunken wären.
Der Ruf nach Personal wurde in diesen Jahrzehnten (mit Mithilfe zahlreicher und hoch bezahlter externer Berater) und dauerndem Umschichten von Tätigkeiten zwischen Pflege und Ärzteschaft (Link) erstickt. Unter eifriger Mithilfe der Gewerkschaft (Stichwort Opt-out) wurde alles getan um auch unter geänderten arbeitsrechtlichen Bedingungen weitermachen zu können wie bisher.

Zweitens, ist mir nicht aufgefallen, dass die Stadt in der Vergangenheit ihre politisch gleichfärbigen Gebietskrankenkasse daran erinnert hätte, dass sie für eine funktionierende extramurale Versorgung zu sorgen hat (Wehsely finanziert die Wiener Gebietskrankenkasse und keinen stört’s). Seit die Frau Reischl sich von der WGKK in den ÖGB zurückgezogen hat, ist es natürlich leichter sich mit der Österreichischen Gesundheitskasse anzulegen. Nur gewann ich den Eindruck, dass sich die Stadt Wien, seit es eine LKF-Finanzierung für den ambulanten Bereich gibt, anfänglich gar nicht dagegen gewehrt hat, ihre Ambulatorien aufzufüllen. Auch im absurden Spielchen mit den Primärversorgungszentren (Message Control um das PVE Wien: keine Klagen und der Eingang zum Billa) wurde das als Entlastung der Spitalsambulanzen verkauft während dann die EVAs (=ErstVersorgungsAmbulanzen) aus dem Hut gezaubert:
Als vorgelagerte Einheiten der Kliniken des Wiener Gesundheitsverbundes bieten die EVAs als erste Anlaufstelle eine allgemein-medizinische Erstbegutachtung aller erwachsenen, ambulanten Patient*innen, die ohne Termin ins Spital kommen.
8 von 10 Patient*innen können mit einem Rezept nach Hause entlassen oder in den niedergelassenen Bereich überwiesen werden. Da die EVAs außerhalb der üblichen Ordinationszeiten sowie an Wochenenden und Feiertagen geöffnet sind, stellen sie darüber hinaus eine sinnvolle Ergänzung für den niedergelassenen Bereich dar.
Vielleicht ein gar nicht so schlechtes Konzept, aber wenn da 8/10 der jährlich erwarteten 135.000 Patienten mit einem Rezept versorgt werden können, dann handelt es sich ganz offenkundig um eine Übernahme der extramuralen Versorgung, über die man sich jetzt dann nicht beschweren sollte.

Drittens, stimmt es natürlich, dass der Mangel an Pflege und Ärzten nicht auf die Stadt Wien beschränkt ist und die finanziellen Mittel zwar ausreichen um willfährige Berater aber nicht um 30.000 Mitarbeiter höher zu entlohnen, aber ob jemand in seinem Job bleibt, hängt auch von seiner Motivation und den Umgebungsbedingungen ab.
In meinem eigenen Umfeld erlebe ich fast ausschließlich Mitarbeiter, die vor der Erreichung des gesetzlichen Pensionsalters in den Ruhestand wechseln. Hürden legt ihnen die Stadt Wien/der Gesundheitsverbund nicht in den Weg, ob die entstehenden Lücken gefüllt werden können, fragt ihre Vorgesetzten keiner.
Die Verwaltung unterstützt ihre Führungskräfte in keiner Weise, übergeht sie, nimmt ihnen Sekretariatspersonal weg und quält sie mit sinnlosen angeblich von der MA 2 verlangten bürokratischen Mätzchen.
Die zentralen Stellen kaufen Softwarepakete (KIS, RIS, LIS) ein, die langsam sind, abstürzen und überdies schlecht parametriert werden. Als User steht man dann dem externen Konzern hilflos gegenüber, meldet man Fehler bekommt man vom hilflosen Helpdesk ein „Ticket“, dass dann nach Wochen als gelöst gesetzt wird, ohne, dass es vorher eine Rücksprache mit dem User gab.

Hätte sich die Generaldirektion nicht gegen die im Primärprozess stehenden Mitarbeiter so gut immunisiert und hätte hier noch irgendwer die Hoffnung auf Änderung, kämen die 50 Gefährdungsanzeigen pro Monat und nicht pro Jahr.

Written by medicus58

30. August 2022 at 18:41

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Hat Wien das bessere Pandemie-Management? Ja, aber…

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Bild aus SN vom Wiener Derby 3/22

Ein volles Allianz Stadion, also 26.000 maskenbefreite, schulterreibende, gröhlende Fans, alles legal, aber nicht gescheit in Zeiten von Omikron.

Beim Ukraine Benefiz im Ernst Happel Stadion wurden lt Standard (von dort auch das Bild) zwar blau-gelbe FFP2 Masken an die 40.000 Besucher verteilt, getragen hat sie aber kaum wer, bemerkte der Standard.

So wirklich gegen den bundesweiten Strom schwimmt man halt auch in Wien nicht gern, wenn es um mediale Großereignisse geht.

Die Infektionszahlen hatten schon längst Rekordwerte erreicht, als sich der Gesundheitsverbund noch weigerte, die Anzahl der Besucher pro Patient und Tag wieder zu beschränken. Einige von uns berieten verzweifelt, wie das ohnehin numerisch dezimierte Personal während der Besuchszeiten noch zu Frischoperierten und Immunsupprimierten ins Zimmer kommen könnte, wenn jedes Bett von Angehörigen belagert wird.

Fairerweise muss man aber auch auf das Ukraine Benefiz in der Wiener Stadthalle hinweisen, wo Masken getragen wurden.

Screenshot ORF Tvthek

Da angenommen werden darf, dass die eigene stimmliche Beteiligung beim Derby oder Seiler&Speer etwas intensiver als beim Schönbergchor oder Ronaldo Villazon war, hätte man sich aus epidemiologischer Sicht die Masken wohl eher dort als da gewünscht.

Wie schon gesagt, alles legal gewesen, und manches funktionierte in der Pandemie in Wien etwas besser als in anderen Bundesländern, aber eben nur etwas.

Written by medicus58

22. März 2022 at 19:02

Öffentliche Gesundheitsplanung für ein wachsende Wien: Bettenreduktion

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Augenblicklich zirkuliert der Planungsstand des Regionalen Strukturplanes (RSG) für 2025 auf das sich der Wiener Gesundheitsfonds und die Wiener Sozialversicherungsträger geeinigt hat und da fällt auf, dass im Vergleich zu den 2018 systemisierten Bettenkontingent, das ohnehin nicht ausgeschöpft wurde (=tatsächliche Betten) für 2025 ca 10% weniger Betten geplant werden.

Zusätzlich wird aber noch ein Kontingent für inländische Gastpatient*innen abgezogen! Das reduziert die Betten für Wien noch weiter.

Mit anderen Worten finden es die Wiener Gesundheitsbürokratie und die Wiener Sozialversicherungsträger nach zwei Jahren Pandemie und einem nachweislich überlasteten Krankenhaus-System für sinnvoll einer auf 2 Millionen angewachsenen Wiener Bevölkerung im Vergleich zu 2018 in Summe 17% Spitalsbetten zu streichen.

Würde man die ambulante Versorgung der Pflichtversicherten parallel hoch fahren, wäre darüber zu diskutieren. Da sich aber letztlich nix tut außer ein paar Versorgungszentren zu subventionieren, während immer mehr Kassenstellen unbesetzt bleiben, ist das mE ein Affront.

Written by medicus58

25. Februar 2022 at 13:48

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Die behavioristische Begründung der PCR Manie

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Wenn inzwischen selbst Kollege Drosten, der Moses des virologischen Untergangs, an der der schwierigen Doppelbotschaft sich die Zähne ausbricht, wie man die pandemische Kurve in die Endemie kommunikativ hinkriegt, stellt sich immer dringlicher die Frage, die uns hier schon einmal beschäftigt hat: Warum verdoppeln wir die Anstrengung, wenn wir ein Ziel verloren haben?

Mit anderen Worten, warum verpulvern wir Milliarden in Teste, die bei Asymptomatischen zu wenig sensitiv sind, im Falle der PCRs bei kurzen Inkubationszeiten zu spät kommen und bei den gegebenen Fallzahlen kein Contactracing mehr ermöglichen ?

Generell lässt sich die Frage auch als, warum reagieren wir gesellschaftlich immer zu spät und dann überschießend auf Bedrohungen?

Viel ließe sich hier anführen, wobei die Unbedarftheit der Entscheidungsträger, die hysterisierende Wirkung der Medien, weniger der Sozialen Medien als der traditionellen, und die politisch motivierte Doppel- und Mehrgleisigkeit der Entscheidungshirarchien, die sich wechselseitig bis zum Dammbruch blockieren mE die wichtigsten Punkte darstellen.

Warum macht aber ein bestimmter Teil der Bevölkerung so eifrig bei der Testmanie mit? Salzwasser gurgeln, Nasenbohren ist ja nicht ganz angenehm.

Da hilft uns eine längst wieder aus dem psychologischen Mainstream verschwundene psycholigische Disziplin weiter, der Behaviorismus. Eysenck verwendet dessen Logik z. B. um zu erklären, weshalb viele von uns jeden Morgen zur Haustüre zurückkehren um sich zu versichern, dass sie wirklich versperrt ist, um dann glücklich mit dem gewonnenen Sicherheitsgefühl in den Tag gehen zu können. Leider ist das Sicherheitsgefühl nur kurzfristig wirksam und zwingt am nächsten Morgen zur Wiederholung.

So ähnlich scheint mir die Fesselung an die Covid-Tests zu laufen. Die Verunsicherung durch die täglichen Schreckensmeldungen versuchen wir durch den Ritus der Testung und das fast immer beruhigende Endergebnis kurzfristig zu vertreiben. Blöd nur, dass diese Sicherheit eine vermeintliche ist und dafür sehr viel Geld aus der Gesundheirsversorgung abfließt, das man besser verwenden könnte.

Bin neugierig, bis das Stadtrat Hacker begreift und wie er das dann politisch verkauft.

Die Lösung des Wiederholungszwanges an der Eingangstüre besteht übrigens darin sich zu zwingen ihn zu unterbrechen, um auch ohne das bißchen Glücksgefühl in den Amygdala weiterleben zu können.

Written by medicus58

15. Januar 2022 at 12:51

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Ich versuch Euch ja zu verstehen, liebe Demonstranten

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Gegen die Art wie in den meisten Ländern Covid-19 vulgo Corona politisch bekämpft wird, fielen mir sehr viele Gründe ein zu demonstrieren.

Zu viel Widersprüchliches und Halbwahres wurde von oben verbreitet, Verbote und Strafen wurden angedroht und Standards in Wissenschaft, Politik und medialer Berichterstattung missachtet, so dass man sich mehr als Untertan und Stimmvieh statt als Bürger und Volk fühlen musste.

Nur sorry, was da heute durch Wien demonstrierte war doch auch ein Krampusumzug von Perchten und Esoterikern, Berufsrandalierern und Mir-san-mir Theoretikern, die weniger Gemeinsamkeiten hatten als alle bisher bekannten Varianten des Virus.

Weihrauch und Walhalla, Naturburschen und Neonazis, Rabiat-Darwinisten und Raufbolde marschieren für ganz Unterschiedliches mitten am Ring. Unter unter normalen Umständen würden sie sich wohl weigern den selben Gehsteig zu benutzen.

Es gibt kein Virus, gegen das geimpft werden muss und die Spitäler sind nur wegen der Impfschäden überfüllt, wie sinngemäß Frau Kollegin Berlakowitsch kreischt. Ob sich dieser Denke die Klangschalen-Hare-Krischna-Trommelfraktion vollinhaltlich anschließen würde mag bezweifelt werden, weil dort wohl eher die Meinung vorherrscht, dass ein TCM Tee schon ganz anderes bekämpft hat, als so einen stacheligen Virus.

Jesus war 0 G stand auf einem Plakat und auf Twitter wird gekreuzigt und gestorben zusammengezählt und das ergab dann doch 2G. Die Ex-Vizebürgermeisterin liebt bereits vor Demobeginn Wien und dankt den Kämpfern gegen den Antisemitismus.

Das wirklich Tragische an der Pandemie ist, dass zu viele sie nur verwenden um ihre eigene Agenda durchzubringen und hier wie da wenig Interesse zeigen sie zu bekämpfen.

Das Gute und Dumme an der Sache ist nur, dass so oder so die meisten von uns diese Pandemie überleben werden und dann mit den geschaffenen Fakten leben müssen:

mit den Verstorbenen, den nicht völlig Geheilten, den Budgetlöchern, den Gewinnern und Verlierern.

Ich bezweifle jedich auf das Schärfste, dass die heute in Wien aufmarschierten Gruppen, dann weiter Seite an Seite brüllen werden.

Written by medicus58

4. Dezember 2021 at 22:32

Tückisch-grünes Wien bashing? Als wäre es nur das…

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Die ärmsten sollen entlastet werden, aber da die ohnehin degressiv weniger bis gar keine Einkommensteuer zahlen, werden sie progressiv von ihren Krankenversicherungsbeiträgen befreit. Für Einkommen unter 2.500 Euro brutto im Monat reicht das von 1,7 bis 0,2 Prozentpunkten, und um die Verwaltung zu vereinfachen soll das in 9 Stufen erfolgen.

Da sich das aber auch auf die vom Arbeitgeber bezahlten Beiträge („Lohnnebenkosten“) auswirkt, errechnete Der Standard  ein Loch für die Gesundheitskasse von 1,2 Milliarden €.

Im Raum steht das nebulose Versprechen das auszugleichen, aus welchen Töpfen, wenn man den Großkonzernen die Köst großzügig nachlässt, wäre eine lohnende Matheaufgabe für zukünftige Zentralmaturas.

Dass der Wiener Bürgermeister unabsichtlich oder fahrlässig in die Propagandafalle tappt und nur gegen den Wien-spezifischen 100€/Jahr Klimabonus (welch absurde Wortschöpfung) wettert und das ganze auf ein Wiener Bashing reduziert, statt das ganze Konstrukt zu dekonstruieren, hinterlässt sprachlos.

Was als ökosoziale SteuerREFORM angekündigt wurde und sich als SteuerSENKUNG für Großbetriebe und ein paar Cent KlimaZUCKERL für Unselbsständige herausstellt ist eine weitere Aushöhlung der solidarischen Gesundheitsversorgung.

Ob wir Wiener nun 8,33 € pro Monat oder 16,66 € pro Monat refundiert kriegen, hat weder was mit dem Klima noch was mit einer Reform zu tun und wird absehbar von der nächsten Erhöhung der Rezeptgebühr wieder reingebracht.

Written by medicus58

6. Oktober 2021 at 07:55

Weh dem der Symbole sieht: Wien hisst Regenbogen #wirsindbunt

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Im Gleichklang mit der Stadt Wien beflaggt sich auch der Wiener Gesundheitsverbund, vormals KAV, mit der Regenbogenfahne, um antidiskriminierend, inklusiv, permissiv und LGBTIQ-freundlich zu scheinen.

Ich frage mich manchmal, was mehr nervt, der offen zur Schau gestellte ehrliche Rassismus und Konservativismus oder die oberflächliche und zum Eigennutz zur Schau gestellte Liberalität, die nichts kostet, zu nichts verpflichtet und sich selbst immunisierend (da können Sie doch echt nichts dagegen haben) zu einer Art gesellschaftspolitischem Wohlfühlpaket degeneriert. Dass das Konzept funktioniert, führen uns Amtskirchen seit Jahrhunderten vor, die lieber vor fremden Türen kehren als die eigenen Ställe auszumisten, aber das macht das Verhalten nur ablehnenswerter.

Erstens, ist das Aufziehen von Flaggen prinzipiell nichts Inklusives, sondern nimmt, in dem Fall die Deutungshoheit, in Besitz. Es werden Grenzen gesetzt und nicht geöffnet und von anderen verlangt diese anzuerkennen.

Die unterschiedlichen, zT auch widersprüchlichen Bedeutungen verschiedener Regenbogenflaggen werden auf Wikipedia aufgelistet und in Decolonising the Rainbow Flag können Sie erhellende Beispiele nachlesen, zu welchen Widersprüchen das Flaggenhissen in verschiedenen Teilen der Welt geführt hat.

Einmal fühlten sich die Roma ausgegrenzt, einmal die Juden, einmal die argentinischen Lesben (lesen Sie den oben verlinkten Artikel) .

Als in Bolivien der indigene Präsident Morales abgesetzt wurde, war die erste Aktion der Opposition, die Wiphala, die Regenbogenflagge indigener Andenbewohner zu verbrennen, um „die christlichen Werte wieder herzustellen“. So absurd das war, hatte es eine innere Logik, weil die Flagge ein Symbol der Aymara gegen die spanische Kolonialisierung war und schon deshalb deren Nachfahren aus dem bunten Völkergemisch ausschloss, dessen Präsident Morales war. Aus diesem Grunde empfanden die nicht-indigenen Bewohner des Andenstaates das Hissen der bunten Flagge als gesellschaftlichen Ausschluß.

Positive Diskriminierung ist letztendlich auch eine Diskriminierung.

Mit den LGBITQ haben die südamerikanischen Indigenas übriges wenig am Hut, überwiegend sind sie extrem homophob, obwohl die Regierung Motales irgendwie schon andersrum war. Am Kongressgebäude in Quito läuft zumindest die Turmuhr andersrum (Erklärung).

Drum sei wieder an Samuel Beckett und sein Weh dem der Symbole sieht erinnert, wenn sich die Stadt und der Gesundheitsverbund mit einem bunten Fähnchen schmücken.

Es wäre schon gut, wenn wir täglich das erleben würden, was auf http://www.gesundheitsverbund.at/wirsindbunt exemplarisch dargestellt wird und vielleicht sieht es sogar die Mehrheit im Konzern so, nur zeigt eine etwas kritischere Auseinandersetzung mit all den demonstrativen Insignien der Aufklärung die Tücken, die im Detail stecken. Im Schatten dieser widersprüchlichen Symbole brechen dann Konflikte nur noch brutaler auf.

Das ist den PR-Abteilungen der Politik aber eh egal.

Written by medicus58

8. Juni 2021 at 16:49

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