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Massentests zur Verbesserung des Seelenzustandes

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Gute Kommunikation holt die Leute ab wo sie stehen, die Selbstbeweihräucherung des Bundesmaturanten, der offenkundig für alle überraschend Massentests am Ende von Herbstferien (=Schulschließungen), Lockdown light und Lockdown hart angekündigt hat, holt die Menschen offenkundig nicht ab und brachte nicht zu den Teststrassen.

Aktuell liegen die gefundenen Positivraten mit zT deutlich unter einem Prozent und somit drastisch unter dem statistisch (ungebiaste Probanden Selektion, PCR basiert) aussagekräftigen Ergebnis der letzten Dunkelziffer Studie, die 3,1% Positivrate unter den >16-Jährigen fand.

Auf Grund früherer eigener Studien zu Blutdruck- und Blutfett-Screenings bin ich mir ja völlig sicher, dass freiwillige Screening Angebote immer die Falschen erreichen. Die Kurz’schen Massentests sind Geldverschwendung und auch nicht die vom Wiener Gesundheitsstadtrat Hacker erhofften Seelentröster, weil zuerst nur die Ängstlichen mit niedriger Vortestwahrscheinlichkeit kommen, die – zu Recht, weil Momentaufnahme – nach kurzem Aufatmen wieder Angst entwickeln werden. Die Angst wird aber dann größer werden, denn es kommt zu einem Teufelskreis, einer selbsterfüllenden Prophezeiung: Das Unterbewusstsein hat gelernt, dass die Gefahr ja wirklich groß sein muss, weil sonst würde man ja nicht mit großem Aufwand Massentests veranstalten.

Theoretisch könnte man die Ergebnisse, die schließlich mit AG Schnelltesten erhoben wurden, die erst bei höherer Viruslast positiv werden, auch als Beweis für die für klinische Belange zu hohe Sensitivität der PCRs sehen.

Aber offenkundig nicht als Ordinarius für Labormedizin, der im Kurier zitiert wird: Viele Positivtests könnten noch negativ werden (Ossi, Ossi, hoffentlich wurdest Du falsch zitiert)

Auch Rendi-Wagner Vorschlag für zweimalige Heimtests pro Woche wirkt vor diesem Hintergrund als sinnbefreiter Aktionismus in einem Land das ohnehin jeden, den es kriegen könnte testet.

In den elektronischen Krankenakten findet man bei chronisch Kranken inzwischen leichter einen SarsCov2 Test als ein aktuelles Blutbild.

Beide Aussagen legitimieren die Kurz-sichtige PR-Maßnahme, mit der er wieder die Lufthoheit erreicht hat und für deren Scheitern (in Wien) natürlich das Land und nicht der Kanzler Schuld sein wird.

Was auch immer hinter der praktizierten Teststrategie dieses Landes steckt, sinnvoll im Sinne einer Kosten effizienten Eindämmung des Infektionsgeschehens und einer bestmöglichen Versorgung schwerer und schwerst Erkrankten ist das alles nicht.

Mit dem Geld, das da an die Labormedizin rausgepulvert wird, wäre eine engmaschige, ambulante Versorgung der Erkrankten zu Entlastung des stationäre Arms des Gesundheitssystems finanzierbar und käme bei den Kranken (Covid und Seelentrost) an und nicht bei Gesunden, die Seelentrost benötigen, weil sie als Kollateralschäden einer PR-getriebenen Politik billigend in Kauf genommen wurden.

Written by medicus58

6. Dezember 2020 at 12:06

Twitter Wahlkampf Wien Absurd

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Twitter ist eine der lustigeren Varianten der Social Media. Dort stolpert man immer wieder über lustige Fundstücke.
Da geht im Februar 2020 der Wiener Bürgermeister auf Twitter ohne bislang einen Tweet abgesetzt zu haben, folgt er bereits 96 anderen Nutzern:

Wenig überraschend finden sich da neben vielen Journalisten, Zeitungen und Newsportalen auch die @wienerlinien und seine Parteichefin @rendiwagner. Dass er (oder diejenigen, die seinen Account betreuen) auch Andreas Schieder (@SCHIEDER) folgt mag da schon wundern, aber vermutlich will er der erste sein, der weiß, wenn dieser aus Brüssel zurückkehrt.

Noch mehr wundert, dass der neue Account des Bürgermeisters vor seinem ersten Gezwitscher bereits 669 Follower hat. Neben ein paar Journalisten, die offenbar vorab von dem noch stummen Account gehört haben, einige Parteifreunde und ein buntes Nest „verschiedener Vögel“. Irgendwie scheint man dem Account selbst im Inneren nicht zu trauen, denn es folgt ihm auch @sandraheissenb2 (#CISO#Chief Information Security Officer der Stadt Wien#WienCERT#IT-Security#MINT#TU Wien) und natürlich auch Andreas Schieder (@SCHIEDER).

Was glauben Sie wie viele Follower unser Bürgermeister erst haben wird, wenn er etwas sagt, oder auch nicht ….

 

Written by medicus58

8. Februar 2020 at 09:43

Fasching ist’s oder der Krankenanstaltenverbund zieht sich um

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Der OGH (ObA 29/18/g) hat am

17.5.2018
als Revisionsgericht in Arbeits- und Sozialrechtssachen durch den Senatspräsidenten des Obersten Gerichtshofs Dr. Hopf als Vorsitzenden, die Hofrätin des Obersten Gerichtshofs Hon.-Prof. Dr. Dehn, den Hofrat des Obersten Gerichtshofs Dr. Hargassner sowie die fachkundigen Laienrichter Johannes Puller und Helmut Frick in der Arbeitsrechtssache der klagenden Partei Zentralbetriebsrat *****, vertreten durch Dr. Martin Riedl, Rechtsanwalt in Wien, gegen die beklagte Partei Land Niederösterreich, *****, vertreten durch Mag. Thomas Reisch, Rechtsanwalt in Wien, wegen Feststellung nach § 54 Abs 1 ASGG, über die Revision der beklagten Partei gegen das Urteil des Oberlandesgerichts Wien als Berufungsgericht in Arbeits- und Sozialrechtssachen vom 20. Dezember 2017, GZ 7 Ra 39/17g-39, mit dem der Berufung der beklagten Partei gegen das Urteil des Landesgerichts St. Pölten als Arbeits- und Sozialgericht vom

13. 10. 2016,
GZ 25 Cga 8/14y-35, nicht Folge gegeben wurde, in nichtöffentlicher Sitzung zu Recht erkannt:

Gemäß § 2 Z 1 Krankenanstalten-ArbeitszeitG (KA-AZG) gilt als Arbeitszeit im Sinne des Bundesgesetzes die Zeit vom Dienstantritt bis zum Dienstende ohne die Ruhepausen.

Scheint also eh klar, wenn jemand zum Tragen von Dienstkleidung verpflichtet ist, dann sollte das Umkleiden als Teil der Arbeitszeit betrachtet werden … glaubt der Laie und der Fachmann wundert sich!

Aber nein, zitiert der OGH zwei Entscheidungen über Zirkusmusiker und die Literatur, wo allenfalls notwendige persönliche Vorbereitung wie etwa das Anziehen einer speziellen Arbeitskleidung noch nicht zur Arbeitszeit zählt.

Nach Gerhartl, Was zählt als Arbeitszeit?, ecolex 2015, 693, weisen Umkleidezeiten kein ausreichendes Ausmaß an Nahebeziehung zur arbeitsvertraglich geschuldeten Tätigkeit auf.

Bemerkenswert, zählt das korrekte Tragen der Dienstkleidung doch zu einen der zu beurteilenden Verhaltensweisen eines KAV Mitarbeiters!

Mazal wird aber auch zitiert: An- und Auskleiden in Krankenanstalten seien daher dem Arbeitszeitbegriff zuzurechnende Tätigkeiten.
Also doch: Zusammenfassend sind die Umkleidezeiten und die damit verbundenen innerbetrieblichen Wegzeiten im vorliegenden Fall primär im Interesse des Dienstgebers gelegene arbeitsleistungsspezifische Tätigkeiten. Sie weisen ein solches Maß an Fremdbestimmung auf, dass es gerechtfertigt ist, sie als Arbeitszeit iSd genannten Bestimmungen anzusehen.

Also scheinbar doch.

Nahezu umgehend, naja, am 9.1.2019 gibt es eine entsprechende Dienstanweisung im KAV, die dafür rückwirkend mit 1.1.2019 gilt.

Mit der Personalvertretung wurde eine Rahmenvereinbarung abgeschlossen. Das dauerte vermutlich d.h. über zwei Jahre, da der KAV ja am Thomas-Klestil-Platz 7, 1030 Wien und die Personalvertretung in der Schnirchgasse 12/1, 1030 Wien beheimatet ist, also unmittelbar benachbart auch zur MA 40 Soziales, Sozial- und Gesundheitsrecht, die am Thomas-Klestil-Platz 8 residiert (siehe Screenshot oben).

Die Vereinbarung unterschied
1. a. Berufsgruppen bzw. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, für die bzw. denen keine zusätzliche Arbeitszeit als Umkleidezeit zu gewähren ist
1. b. Berufsgruppen bzw. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, für die seitens der Dienststelle innerhalb der bestehenden regulären Arbeitszeit organisatorisch ein Umkleiden zu gewährleisten ist
2. Berufsgruppen bzw. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, für die bzw. denen zusätzliche Arbeitszeit als Umkleidezeit zu gewähren ist
und wie üblich, wurde die endgültige Lösung auf Abteilungsebene delegiert, wo mit der Personalvertretung Vereinbarungen zu treffen waren.

Am 1.3.2019 begannen Verhandlungen über die Form der Abgeltung für die Monate Jänner und Februar 2019 statt, über die (laut Mail) zeitnahe berichtet werden sollte.

Im Jänner 2020
kam eine Aussendung, dass die vollständige Ausprogrammierung des Themas „Umkleidezeiten“ in den Dienstplanprogrammen leider noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird, und eine Übergangslösung in der Software geschaffen wird zu der es eine Handlungsanleitung gibt, wie zwischenzeitlich zu verfahren wäre und das Versprechen, demnächst informiert zu werden, wie bezüglich der zu gewährenden Umkleidezeit für das Jahr 2019 zu verfahren sein wird.

Ende Jänner 2020
wurden dann zwecks „Nachverrechnung der Monate Jänner Februar 2019“ eine zur Abrechnung bei der MA2 taugliche Exzcl-Liste eingefordert, was in der Folge zu weiteren Rundmails führte:
Aufgrund zahlreicher Anfragen wird nachstehend eine Erläuterung zur nachträglichen Erfassung der Umziehzeiten für Jänner und Februar 2019 übermittelt: Rückwirkend müssen alle tatsächlichen Dienstantritte (egal welche Dienstlänge, auch 25 Stunden Dienste!) erfasst werden.

Höhepunkt war dann eine interne Anweisung einmal „nichts zu tunund eine Richtigstellung abzuwarten, gefolgt von einer Mitteilung der Personalvertretung, die das alles zurücknahm und überraschend festhielt: . Für die Monate Jänner und Februar 2019 wurde noch kein gesetzeskonformer Umgang mit den Umkleidezeiten vereinbart, die Generaldirektion hat nun entschieden, dass für die Zeit der „entgangenen“ Umziehzeiten eine Nachverrechnung (entsprechend dem Geldwert der Überstunden) geleistet wird, daher gebührt für die 2 Monate für jeden tatsächlichen Dienstantritt, unabhängig ob 5 -12, 12,5 oder 25 Stunden, eine ¼ Stunde, dazu ist die Anzahl der Stunden aufgeteilt in 125% für Teilzeitkräfte und 150/200% für Vollzeitkräfte in der Exel (sic) Liste zu dokumentieren.

Klarerweise müssen das die Abteilungen selbst machen. Ab wann dürfen wir unsere wartenden Patienten in die Verwaltung schicken? … oder in die Personalvertetung?

Written by medicus58

4. Februar 2020 at 17:29

Gott wirbt um Werbung

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Ich kann mich nur an wenige Wochen in den „letzten beiden Jahrhunderten“ erinnern, wo die Votivkirche nicht eingerüstet war, und als Medizinstudent kam man dort besonders in der „Vorklinik“ täglich vorbei. Das kostet Geld und das wird auch durch unterschiedlich große Werbeflächen eingeworben.

Selbst, wie jetzt gerade, einmal keine Werbung dort affichiert wird, wird dort geworben, diesmal eben um Werbung.

Blöd wenn noch irgendwer sich ein vollständiges Bild der Kirche machen will, dem bleibt wohl nur das Internet, doch auch da finden sich manche Fotos mit einem Brett vor der Kirche.

Written by medicus58

9. Januar 2020 at 19:17

Veröffentlicht in Reisen, Was im Alltag so alles nervt

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Stadt Wien/KAV übernahm schon längst die Aufgaben der Krankenkasse, nun zahlen sich auch noch dafür

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Die Ambulanzen der Krankenhäuser sind seit Jahren überfüllt, weil die für die extramurale Versorgung zuständigen Krankenkassen ihren Job nicht machen, die Kassenverträge limitieren, die Tarife lächerlich gering halten und Arbeitsbedingungen so mies machten, dass sich niemand mehr findet unter diesen Bedingungen arbeiten zu wollen, was sich aus Sicht der Krankenversicherungen kostendämpfend auswirkt.

Die permissive Haltung den Wahlärzten gegenüber hat den Kassen noch mehr Geld gespart, das sie maximal 80% der normalen Tarife für eine i.d.R. zeitaufwendigere Leistungserbringung zahlen. Den Rest und mehr zahlen die Versicherten.

Wir sehen, dass in diesem Spiel immer die Pflichtversicherten die Geschädigten sind, entweder als Versicherte, als Selbstzahler oder als Steuerzahler.

Die 22 Millionen Euros, die Anfang Dezember von der Landeszielsteuerungskommission für Investitionen im niedergelassenen Bereich beschlossen worden und laut Wiener Gesundheitsstadtrat Peter Hacker u.a. in 16 neue medizinische Zentren in der Nähe und zur Entlasstung von Krankenhäusern fließen sollen, ist eigentlich ein alter Hut. So ein Gebäude hat man schon vor das KH Nord gestellt.

Laut Medienberichten werden dies gerade die beiden „Player“ umsetzen, Ärztekammer und Gebietskrankenkasse, die seit Jahren für die unzulängliche extramurale Versorgung verantwortlich sind, umsetzen. Well, done.

Jetzt kräht eh kein Hahn mehr danach, insbesondere wie man die fehlenden Mitarbeiter (Ärzte und Pflege) auftreiben kann, wie sich das mit den bestehenden Tarifen finanzieren lassen soll, wenn die 22 Mille alle sind und vor allem, weshalb das die Krankenhäuser entlasten soll.

Die in diesen Modellen immer angesprochene „enge Zusammenarbeit mit den Spitälern“ lässt Böses ahnen. Und wenn man in Ermangelung rekrutierbaren Personals sich dieses aus den Spitälern besorgen will, so wie im Wiener Rettungswesen, dann kann man den „Wiener Gesundheitsverbund“ 2020 gleich in einem Aufwaschen in Schilda m.b.H. umbenennen.

Vielleicht ist es doch ein größeres Problem, dass die politische Farbe einer Landesregierung meist auch jene der Krankenkasse ist.

Written by medicus58

27. Dezember 2019 at 20:39

Wiener Schmäh im Advent

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Nachdem Wien immer wieder als eine der beliebtesten Städte der Welt genannt wurde, kam der scheinbare backlash, Wien ist auch eine der unfreundlichen Städte der Welt.

Wie das zusammenpasst? Das lässt sich leicht erklären:

Heute die U-Bahn wieder gerammelt voll, Menschentrauben am Zuganfang und – ende, da tönte es freundlich mit typisch Wienerischem Zungenschlag aus den Lautsprechern:

Liebe Fahrgäste, benutzen Sie auch die anderen Einstieg. Dieser Zug ist kein Adventkalender, sie dürfen alle Türen gleichzeitig öffnen…

Manchmal liebe ich diese Stadt und die Wiener Verkehrsbetriebe,… scheine aber, wie immer, in der Minderheit.

Written by medicus58

11. Dezember 2019 at 08:47

Veröffentlicht in Reisen

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Genial und armselig zugleich

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Bei so manch einer PR Kampagne fragt man sich, was der Slogan mit dem Produkt zu tun hat

(Fraaanz von Humanic, für die Älteren)

Bei der geringen Auslastung des Wiener Volkstheaters unter der gerade geschassten Führung und dem immer für sich reklamierten revolutionären Zugangs (auch wenn der rote Stern des VorVorgängers schon längst abmontiert wurde) trifft der aktuelle Slogan voll, ins Herz und in den Unterleib.

Written by medicus58

27. Juni 2019 at 07:38

Veröffentlicht in Allgemein

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Weight Watchers in der Wiener U Bahn

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Jetzt kann es einem schon wirklich den Magen umdrehen, wenn jemand in einer überfüllten U Bahngarnitur seine Knoblauch-verstärkte Pizzaschnitte verzehrt, aber angesichts der nun permanent aufpoppenden Warnungen, wenn das Signalssytem nicht grad wieder ausgefallen ist, beschleicht einen schon der Verdacht, dass die Wiener Verkehrsbetriebe eine Produktpartnerschaft mit den Weight Watchers eingegangen sind.

Das irritiert umso mehr, als die Stadt Wien ja seit Jahren ihre Stationen an die Stroecks, Manns, Ankers, Burger Kings und ähnliche Hütten vermieten, deren Zweck u. A. gerade darin besteht, dem eiligen Fahrgast einen Imbiss zu verkaufen.

Am meisten ärgert mich aber dieses Big Brother Gehabe, das uns an allen Ecken und Enden des öffentlichen Raumes nur mehr mit Kameras überwacht, wo früher noch Personal für unsere Sicherheit angestellt war, und uns erklärt, was wir alles nicht machen dürfen, statt uns mitzuteilen was man für den zahlenden Fahrgast zu tun bereit ist. Zum Beispiel zu Stoßzeiten einen Platz in der U3 zu garantieren.

Mich reizt es langsam mich mit einer fetten Stelle mit Krenn und Handsemmerl auf den Bahnsteig aufzupflanzen und selbige Köstlichkeit mit einem 16er Blech hinunter zu spülen.

Werde ich dann abgeführt, begeht der Schwarzkappler Mundraub und würde mir ein gut gefälschter Diabetiker Ausweis wieder den Freigang verschaffen?

Written by medicus58

28. Januar 2019 at 22:36

Die stillste Zeit im KAV: revisited

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So wirklich still ist es UM den Wiener Krankenanstaltenverbund ja nie, der heißt übrigens noch immer so und nicht Wien Kliniken, trotz Preisausschreiben und Medienkampagne. Ob er schon 2019 so heißen wird, mag übrigens augenblicklich auch bezweifelt werden.

Da für den Boulevard ohnehin nur der „KH Nord Skandal“ und von allem der skurrile Energetiker interessant scheinen
„Quelle der Liebe“: Das steht im Protokoll des KH Nord-Energetikers
(als ob diese 95.000 € bei einem Bauprojekt dieser Größe im Endergebnis einen Unterschied machen) lenkt das die Öffentlichkeit wohltuend von anderen Dingen ab.
Die strukturellen Probleme, wie das Missverhältnis zwischen letztendlich dort einziehenden Schwerpunkten und dem geplanten Layout, kommen auch im Untersuchungsausschuss kaum zur Sprache, vermutlich weil die Materie den Beteiligten zu komplex ist. Gerade solche Planungsfehler sind es aber, die den laufenden Betrieb unnötig verteuern; dies gilt für das KH Nord aber auch für die anderen Häuser, die sich nicht wie geplant von manchen Leistungen freispielen können. Von den Spitalspärchen mit ihren geplanten Regionaldirektionen aber immer mehr Doppelprimariaten zwischen den Pärchen, wollen wir gar nicht erst anfangen zu reden.
Die (nächstes Jahr sind Personalvertretungswahlen !) aufgezeigten Personalprobleme (unrealistisch hohe Arbeitszeiten und unrealistisch niedrige Ausfallszeiten, um den Personalmangel wegzurechnen) interessieren die Öffentlichkeit ohnehin nicht nachhaltig, so dass die Notlügen gar nicht von Nöten gewesen wären.

Aber auch wenn es UM den KAV ohnehin nie still ist, und Wetten abgeschlossen werden, wann die erste APA Meldung über einen Grippepatienten am Gang daher kommen wird (noch husten die meisten in den öffentlichen Verkehrsmitteln), ist es IM KAV seit einigen Monaten wirklich relativ ruhig.
Wenn wir uns an den 20.12.2015 erinnern, dann jagen uns allein die damaligen Protagonisten wahre Schauer über den Rücken:

Weihnachten im KAV: Leise rieselt das Vertrauen

Inhaltlich hat sich an den damaligen Problemen wenig geändert, aber nach Abgang einiger rücksichtsloser Egomanen und der weitgehenden Ermattung der noch nicht in Teilzeit oder Frühpension entschwundener Mitarbeiter, ist der interne Geräuschpegel, nicht nur jetzt im Advent, wohltuend geringer geworden. Das sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir Lösungen noch immer nicht näher gekommen sind. Das werden auch die absehbaren Jubelmeldungen, wenn der erste Patient im KH Nord seine Blutabnahme hinter sich gebracht hat und in der Gastronomie des Eingangsbereichs die Kasse klingelt, nicht überdecken.

Written by medicus58

20. Dezember 2018 at 21:50

Zur Debatte über die Privatmedizin oder deutsche Verhältnisse ziehen ein

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Es ist der Sozialministerin der FPÖVP Regierung halt wieder mal passiert: Nein, nicht der gestrige Auftritt, in dem die für Herbst 2018 angekündigte „große Pflegereform“ mit medialem Getöse auf nächstes Jahr verschoben wurde, sondern das Hoppala davor, das nun weggeredet werden musste:
Keine Bevorzugung von Sonderklassepatienten in Ambulanzen

Konkret steht in den Erläuterungen für die geplante Novelle des
Krankenanstalten und Kuranstaltengesetzes
folgender Passus (wieso das dauert novelliert werden muss um die Gesetzeskonformität der politisch gewünschten Änderungen im Gesundheitssystem notdürftig zu erhalten, steht auf einem anderen Blatt) :

 „Zur Unterstützung der Umsetzung des spitalsambulanten Abrechnungsmodells haben die Länder die Möglichkeit, die Einhebung von Sonderklassegebühren für jene Leistungen vorzusehen, die bisher stationär erbracht und für die die Verrechnung von Sonderklassegebühren möglich war, die nunmehr aufgrund des spitalsambulanten Abrechnungsmodells ambulant zu erbringen sein werden. Der Einhebung solcher Sondergebühren haben adäquate Leistungen gegenüberzustehen.“ 

Pflichtschuldig erhob sich die Warnung der Opposition vor der Zweiklassenmedizin und empört verteidigt sich die Regierung, dass es die ja sicher nicht geben wird. Welche Farbe die beiden gerade tragen ist unerheblich, die verlogene Debatte wird seit Jahrzehnten geführt und keinen stört es, dass ja nicht nur das Gesundheitssystem (Privatkrankenhäuser, -versicherungen, -ordinationen, …)
sondern schon längst auch das Bildungssystem
(Privatkindergärten, -schulen, -universitäten, Fachhochschulen, …),
verschiedene hoheitliche Aufgaben (Flüchtlingsbetreuung -Drasenhofen),
und das Pensionssystem (Zweite und Dritte Säule) –
streng nach neoliberalem Fahrplan – „dem Markt geöffnet wird„. 

Jetzt kann man ja das alles mit gewissen Argumenten auch ganz gut finden und von mehr Privat weniger Staat, Professionalität, Synergie oder Effizienzsteigerung faseln; Diesem Nebeneinander von Staat und Privat verdankt auch Ihr Medicus den Teil seines Einkommens, den seine öffentliche Dienstgeberin nicht bezahlen möchte oder kann. (Sonderklassen- oder Privatordination betreibe ich übrigens keine).
Was aber keinesfalls OK ist, ist die schmierige Vermischung zwischen den Bereichen.
Und damit meine ich nicht die angedachte Sonderklasse im Ambulanzbereich, denn das hat (unter dem wohlwollenden Auge der Ärztekammer und der öffentlichen Betreiber) ganz andere Beweggründe, weshalb das nun in das Gesetz rutschen soll:
Hier geht es um die (vor allem onkologische) Leistungen, die ganz früher stationär, dann tagesklinisch und nun ambulant erbracht werden sollen. Das würde den Sonderklasseversicherungen viel Geld ersparen und die öffentliche Hand hätte den Gehaltsverlust der angestellten Ärzte übernehmen müssen oder hätte noch mehr unbesetzbare Stellen.

Was ich als schmierige Vermischung meine, ist einerseits die fehlende Abdeckung bestimmter Versorgungsleistungen durch die Pflichtversicherung (Zahn, Auge, Schilddrüse, Gyn, Haut, Kinderpsych, …), weil man sich darauf verlassen konnte, dass sich die Versicherten daran gewöhnt haben dafür selbst zu berappen. Andererseits geht es hier um die stillschweigend erhöhten Transferleistungen der öffentlichen Hand an nicht-staatliche Betreiber

Bei meinen digitalen Streifzügen durch die Untiefen der Medizin bin ich unlängst aber auf ein vielsagendes Dokument gestoßen:
Auf der offiziellen Homepage einer Abteilung des Wiener Allgemeinen Krankenhauses wird ganz prominent (siehe Screenshot) für die Anmeldung zu einer Chefarztbehandlung geworben.
Nein, dabei handelt es sich NICHT um die Chirurgische Universitätsklinik!

Jetzt ist dies in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert
Erstens wird die „Zweiklassen-Medizin“ auf der Homepage eines Gesundheitsdienstleistungsanbieters der öffentlichen Hand (sowohl des Landes (KAV) als auch des Bundes (BMWF) beworben.
Zweitens verrät das wording und die Wikipedia doch sehr deutlich, aus welchem Nachbarstaat der Abteilungsleiter kommt. 

Ein Chefarzt ist in Deutschland ein Arzt in leitender Funktion, in der Regel in einem Krankenhaus.
Die österreichische Bezeichnung dafür ist Primarius, Primararzt oder Primar.
Chefarzt hat in Österreich umgangssprachlich eine andere Bedeutung:
Arzt einer Krankenkasse, der z. B. die Kontrolle des Krankenstandes vornimmt[1] sowie gesundheitsökonomische Belange (vor allem betreffend Heilmittel, Pharmaka, Gesundheitsprodukte) kontrolliert, – vergleichbar dem deutschen Medizinischen Dienst der Krankenversicherung.

Googeln Sie mal nach „Chefarztbehandlung“ und Sie werden interessante Diskussionsbeiträge dazu finden, aber unter diesem Begriff keinen aus Österreich.
In unserem Nachbarstaat scheint es inzwischen üblich, dass an Universitätskliniken der Chefarzt im Webauftritt um Privatpatienten wirbt. Die von dort an unsere Universitätskliniken berufene Kollegenschaft, scheint das nun auch gleich mit zu importieren: 

Universitätsklinikum Regensburg
Privatambulanz und Chefarztbehandlung

RWTH Uniklinik Aachen

Universitätsklinikum Heidelberg

Universitätsklinikum Essen

Universitätsklinikum Gießen Marburg

Written by medicus58

6. Dezember 2018 at 07:55

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