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Unfallchirurgie; Geschichte eines Multitraumas

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Den Älteren von uns wäre die Idee die beiden Fächer Unfallchirurgie und Orthopädie zusammenzulegen so absurd erschienen, wie wenn man Urologie und Geburtshilfe fusionieren wollte. 2007 versprach die damalige Gesundheitsministerin Kdolsky Unterstützung „gegen Tendenzen und anhaltende Diskussionen, die Fächer Unfallchirurgie und Orthopädie zusammenzulegen“ und in einer Pressekonferenz sprachen sich sowohl der Vorstand der Universitätsklinik für Unfallchirurgie, Vilmos Vecsei als auch der Vorstand der Uniklinik für Orthopädie am Wiener AKH, Rainer Kotz gegen eine solche Fusion aus. „Die in Österreich durch Adolf Lorenz und Lorenz Böhler gleichsam erfundenen und auch traditionell getrennt geführten medizinischen Fachdisziplinen Unfallchirurgie und Orthopädie sollten nicht nur aus fachlichen, sondern auch finanziellen Gründen erhalten bleiben“, argumentierte Vecsei und im Hintergrund wurden da auch einige PR- und Lobbying-Agenturen gelöhnt, um die Zwangsfusion zu verhindern.

Die Gesundheitspolitik versprach sie aber weiterhin eines Lösung bei den Wartelisten für Gelenksprothesen, weil sie sich davon eine Beruhigung des Wählervolkes versprach und schloss, das mehr Prothesen-implantierende Ärzte den Stau beheben sollten. Auch so mancher Unfallchirurg schielte auf das lukrative Geschäft der Prothesenimplantation, so dass nicht zuletzt unter tätigen Mithilfe der Ärztekammern und unter der Vorspiegelung der Notwendigkeit einer internationalen Harmonisierung wurde 2015 das Auslaufmodell Unfallchirurgie ausgerufen.

Selbstverständlich hatte das alles nur fachliche Gründe und nichts mit dem parallelen Rückbau der Leistungen in den Unfallkrankenhäusern der AUVA (Link aus 2013) zu tun, die erst unter Türkis-Blau und den Drohungen einer kompletten Auflösung unter Hartinger-Klein einer breiteren Öffentlichkeit bewusst. Selbst die VAMED ließ sich die Unfallkrankenhäuser nicht aufdrängen, weil sie keine Gewinne versprachen.

Eine ganze Arztgeneration von Orthopäden bzw. Unfallchirurgen musste im Schnellverfahren „umzertifiziert“ werden, Vorgänge bei den komplementären Facharztprüfungen liefern Amüsement für so machen „After-work“ Unterhaltung, aber hat das die Situation gebessert? Kaum.

Auch im Jänner 2020 beschwert sich der sogenannte Patientenanwalt Bachinger über hunderte vorgemerkte Patientinnen und Patienten für Hüft- und Knie-Operationen, aber funktioniert wenigstens die unfallchirurgische Versorgung?

Wohl kaum. Zwar wurde das Krankenhaus Nord (Klinikum Floridsdorf) mit einer Abteilung für Orthopädie und Traumatologie inkl. Herzeige-Schockraum eröffnet, andererseits lief jetzt durch die Medien, dass das Lorenz-Bühler Spital zum reinen Ambulanzzentrum runtergefahren wird, aber die stationären, also großen Fälle, nicht ins KH Nord sondern ins Donauspital umgeleitet werden.

Wer aber glaubt, dass das alles nur ein Wiener Problem ist, der sei auf NÖ, genauer nach Melk und Amstetten verwiesen (Ein Leiter für zwei Spitalsstandorte) wo der Vorgänger des jetzigen Doppelprimars in Melk noch Unfallchirurg war. Zwar versichert man dass es durch das Doppelprimariat zu einer besseren Auslastung im Bereich der Operations-Kapazitäten kommen werde, eine häufige aber nur auf den ersten Blick einleuchtende Argumentation und beschwichtigt dass das LKH Melk im Bedarfsfall kann das LKH Melk auf andere Schwerpunktkrankenhäuser zurückgreifen und sich dort Unfallchirurgen „ausborgen“ kann. G’rad dass man nicht auf die ohnehin auf der A1 im Raum Melk geltende Geschwindigkeitsbeschränkung verweist, um sich die zunehmende Ausdünnung unfallchirurgischer Kompetenz schön zu reden.

Und was lernen wir daraus?
Gesundheitspolitisch betrachtet: Es mag hinterfragt werden, ob all das, was die Akteure hier durchboxen, wirklich im Sinne der Patienten ist.
Und was lernen Sie privat daraus: Fahren Sie vorsichtig, insbesondere auf der A1 im Raum Melk.

Im Raum Mödling ist das vielleicht weniger wichtig, weil dort hat man gerade einen Wissenschaftspreis bekommen, da eine Arbeitsgruppe aus dem Landesklinikum Baden-Mödling, der Donau-Universität Krems und der dortigen „Cochrane Niederlassung Österreich“ (Krems) den überraschenden (?) Nachweis erbracht haben, dass der hüft-nahe Bruch in der Altersgruppe 60+ zwingend innerhalb von 48 Stunden nach Einlieferung operiert werden muss. Wird dieses Zeitfenster nicht eingehalten, steigt die 1-Jahres-Sterblichkeit um 20 Prozent.

Die Überschrift des Artikels suggeriert ein Erfolgsmpodell: Orthopädie gilt als Vorbild und für die konservative Orthopädie, also alles was nicht spektakulär im OP endet, haben wir ja die Osteopathen, nach internationalem Vorbild, eh klar.

Written by medicus58

20. Januar 2020 at 16:08

Message Control um das PVE Wien: keine Klagen und der Eingang zum Billa

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Im September 2017 freuten wir uns auch hier über Erkenntnisse der Wiener Ärztekammer und die Eröffnung des PVE (vulgo PHC, PVZ ut sim) in Transdanubien: Die Primärversorgungszentren richten sich nicht gegen den Hausarzt, aber .

Hurra, in Wien eröffnet am 4. September das nächste Primärversorgungszentrum vor den Toren des Donauspitals, um dieses zu entlasten! PatientInnen werden 50 Stunden pro Woche, 52 Wochen im Jahr versorgt

Vergessen schienen die äußerst dubiosen Vorgänge um die „Geburt des zweiten Wiener Primärversorgungszentrums“
(Zur Quadratur des Primärversorgungszentrum im 22. Wiener Bezirk) und wie bei einer Reihe anderer Projekte in Wien schienen die Grenzen zwischen Stadt (Steuerzahler) und Wiener Gebietrskrankenkasse (Krankenversicherte) etwas zu verschwimmen:
Wehsely finanziert die Wiener Gebietskrankenkasse und keinen stört’s

Ja, bis am 1. Juni 2018 plötzlich die Presse von Prestigeprojekt vor dem Aus sprach.
Baltaci schrieb dort von „Keine Patienten, zerstrittene Belegschaft, Klagsdrohungen – das neue Primärversorgungszentrum in der Donaustadt droht zum Fiasko zu werden und könnte sogar das gesamte Konzept der Gruppenpraxen sprengen. Zugunsten eines schnellen Erfolges seien Risiken und Warnungen ignoriert worden“ https://diepresse.com/home/panorama/wien/5439159/Gruppenpraxen_Das-Ende-einer-Idee

und der Wiener (und Österreichische) Ärztekammerpräsident fand „die Probleme nicht überraschend„.

Etwas überraschend finden aber nun Eingeweihte die gleich darauf auf Orf.at erschienene Gegendarstellung (Verwirrung um das Primärversorgungszentrum in der Donaustadt), der das alles ziemlich Lügen straft. Hatte da ein sehr erfahrener Journalist, der sich seit Jahren mit dem Gesundheitssystems unseres Landes auseinandersetzt, wirklich nur einen Albtraum, den die Redaktion ungeprüft in die Druckerpresse tropfen ließ?

„Stimmt nicht“ sagt die Leiterin des Zentrums, alles halt nur ein bisschen „Ehestreit zwischen drei Betreiberinnen“ …
Die 300.000 Euro, die Stadt Wien und Krankenkasse dort zuschießen (!) für die 1.200 E-Card Patienten, seien gut investiert und alles wäre eine Negativkampagne durch Neider und Projektgegner.

Eine konservativ bis neoliberal positionierte Zeitung wie die Presse agitiert gegen die Umsetzung der Gesundheitsreform in Wien? Warum, weil sie einfach wieder den Roten etwas auswischen wollte?

Ja, und dann blicken alle in die Steiermark, wo ohne Diktate aus Wien das Gesundheitssystem umgekrempelt wird.
Der Schwarz-Türkise Christopher Drexler sperrt mit Hilfe des Ex-Roten Landesrates Günther Dörflinger, der nunmehr für eine Beraterfirma werkt, sechs Spitäler zu und setzt eigentlich nur das um, woran Ex-LH Franz Voves (SPÖ) noch gescheitert ist, ein öffentliches Gesundheitssystem, das genug Spielraum für die privaten Gesundheitsversicherungen aufmacht.
Schließlich kam Voves aus dem Vorstand der Merkur-Versicherung in die Politik.
„Mit einem Diktat aus Wien kriegt man das nicht hin“

Übrigens waren aufmerksame Leser dieses Blogs seit 2012 über das steirische Projekt informiert, das übrigens ein Zusammentreffen mit vielen Bekannte auch aus der ehemaligen Entourage von Frau Wehsely und dem Projektteam des KH Nord ermöglicht:
Dr. Ebner – Die „objektive“ Krake im Gesundheitssystem
Pflichtversicherte seid ihr wirklich so dumm?
SPÖ: Bitte, bitte wählt uns ab …

Aber zurück aus der Grünen Mark ins Wiener Transdanubien, das allein so viele Einwohner beherbergt wie die steirische Landeshauptstadt.
Alle anderen Medien hielten sich nach der Mini-Kampagne der Presse und dem postwendenden Dementi auf ORF.at überraschend zurück. Alles wirklich nur lancierte Fehlinformationen eines Presse-Journalisten, den die drei Kolleginnen nun klagen werden?

Ich darf einmal versprechen, dass das nicht der Fall ist, denn die Eckpunkte des Problems sind, wie vielen bekannt ist, schon richtig beschrieben: Zu wenig Patienten, ein viel zu teurer Standort, innere Reibereien und wenig Unterstützung …. aber was viel schlimmer ist, eine Wiener Gesundheitspolitik, die das Projekt einfach medial wollte und es jetzt (abgesehen von den finanziellen Zuschüssen) im Regen stehen lässt.

Wenn Sie mir nicht glauben, nehmen Sie mal die U2 und fahren bis zur Haltestelle Donauspital und versuchen sie den Eingang zum Primärversorgungszentrum zu finden. Tun Sie das aber nicht am Wochenende, denn da dürfen die Betreiber gegen ihren Willen gar nicht offen halten (von wegen orf.at: Das Zentrum mit Kassenvertrag hat bis 19.00 Uhr geöffnet, das ganze Jahr) sondern unter der Woche, denn den Eingang zum Billa finden Sie sicher leichter um sich eine Stärkung zu holen, wenn Ihre Suche doch länger dauert als geplant.

Written by medicus58

3. Juni 2018 at 15:04

Widerstand hilft vielleicht doch

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pfeiferl

Wenn die Verantwortlichen etwas was von ihren Beratern gelernt haben, dann dass sich nahezu alles einfach aussitzen lässt.
Die „Donnerstags-Demos“ gegen die Blau-Schwarze Regierung wurden einfach zur Politfolklore, indem sie scheinbar negiert und zugelassen wurden.

Keinen Menschen scheint der Widerspruch mehr zu stören, dass die Grünen den Sieg ihres unabhängigen Kandidaten als Waffe gegen die eigenen Kritiker anwenden.

Was in Wien auch immer an Skandalen passiert, die PR-Walze der Stadt macht es scheinbar ungeschehen.
Berichtete am 12.12. eine Zeitung, dass ein Kind mit Blinddarmdurchbruch im Donauspital 7 stunden auf die Operation warten musste
(http://www.oe24.at/oesterreich/chronik/Bub-in-Lebensgefahr-7-Stunden-auf-OP-gewartet/261925232) wurden  wenige Tage später die Medien mit einer medizinischen Erfolgsstory, über einen Badeunfall im letzten Sommer (!!!) gefüttert
(http://wien.orf.at/news/stories/2815331/).

In dem Sommer übrigens, in dem die KAV Ärzte entgegen aller Drohungen erstmals gegen die laufenden Personaleinsparungen streikten und jetzt wohl nur die wenigstens sagen könnten, welche der damaligen Forderungen erfüllt, welche der Personalstreichungen nun endgültig weg wären.

Das alles kann einen schon in die innere Immigration treiben.
Jeden Widerstand aufgeben lassen und sich als gefügiges Schaf zum Schafott treiben lassen.

Aber, wir wollen doch zum Jahreswechsel optimistisch bleiben.
Nicht jeder Widerstand war zwecklos.

Gegen die in Wehselys Spitalskonzept vorgesehene Elimination der augenärztlichen Versorgung in ganz Transdanubien, leistete eine Donaustädterin Widerstand und sammelte Unterschriften. Ende November schien es noch so, als ob auch diese Initiative ausgesessen werden würde (https://kurier.at/chronik/wien/16-000-unterschriften-gegen-verlegung-der-augenklinik/233.322.157).

Noch im November dampfwalzte der Wr. SPÖ Gemeinderat Kurt Wagner jeden Widerstand in bewährt subtiler und sachlicher Weise nieder: „Spitalskonzept 2030 wird wunderbar und leiwand sein“
(http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20161125_OTS0164/wr-gemeinderat-kurt-wagner-spoe-sieben-hochwertige-standorte-spitalskonzept-2030-wird-wunderbar-und-leiwand-sein),
nun hat sich aber die Initiative durchgesetzt und es gilt als beschlossen, dass das Donauspital eine Augenärztliche Ambulanz behalten wird. Über die Beibehaltung eines fachärztlichen Nachtdienstes, der für viele andere Abteilungen (Unfall, Neonatologie, …) die Konsile sicher stellt, ist man plötzlich auch wieder gesprächsbereit.

Natürlich kann man einwenden, dass das Spitalskonzept mit dem KH Nord Desaster ohnehin schon längst zu Grabe getragen wurde und man somit leicht Detailerfolge erzielen kann, aber, da sie das aus der Stadt Wien ode KAV Pressestelle nicht erfahren können, sei es hier vermerkt:

Widerstand gegen die Demontage des Wiener Gsundheitssystems ist möglich und erfolgreich.

 

 

Written by medicus58

29. Dezember 2016 at 13:36

Neue Aufgabe für Vassilakou

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Von der Wiege bis zur Bahre

Dass sich die Gemeinde Wien um uns 100%-ig kümmert, ist uns nicht verborgen geblieben, auch dass wir uns zwischen Wiege und Bahre noch am Donauinselfest bei guter Musik niedersaufen dürfen ist schon OK.

Erfreulich ist auch, dass uns die U2 inzwischen auch vor die Tore des Donauspitals bringt.
Ob die hier präsentierte Idee durch Schickers Stadtratbüro gegangen ist, entzieht sich meiner Kenntnis, aber

das Feingefühl in der Haltestelle Donauspital auch eine Filiale der Städtischen Bestattung einzurichten, ist schwer überbietbar!

Treten die Angehörigen auf der richtigen Seite aus der Station sehen sie das im Wiener Linien Stil neu beschriftete Donauspital. Kommen die betrübten Angehörigen aus dem Spital heraus und blicken zur U-Bahn Haltestelle, fällt ihr Blick auf die Kundenservice Stadlau 22, Langobardenstraße U2 Station Donauspital der http://bestattungwien.at.

Ich hoffe, Frau Vassilakou hat ein weniger kaltes Händchen in der Stadtplanung.
 

http://de.wikipedia.org/wiki/U-Bahn-Station_Donauspital

Written by medicus58

16. Februar 2012 at 13:32

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