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Das Coronavirus ist nicht unser einziger Gegner

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Ich hatte ja schon ganz zu Beginn der Covid-19 Epi-/Pandemie so meine Bedenken dass sich die Entscheidungsträger zu sehr von Rechenmodellen leiten lassen (Coronavirus: Künstliche Intelligenz vs. Menschenverstand) und mir wurde Angst und Bang bei manchen Selbstdarstellern, die ihre und unsere Angst durch ein Stakkato immer drastischer Maßnahmen besänftigten (Covid 19: Möge die Kur nicht schlimmer als die Krankheit werden).

Die verordnete gesellschaftlich Schockstarre, um uns nicht alle gleichzeitig erkranken zu lassen kann durchaus Sinn machen und soll hier ebenso nicht hinterfragt werden, wie der Hausarrest für alle, wenn auch bezweifelt werden kann, dass dieser zwei bis drei Monate lückenlos aufrecht erhalten werden kann, wenn der Herd kaputt geht oder das WC verstopft ist. Da wird es wohl noch Nachbesserungen geben müssen, wenn wir nicht virusfrei aber trotzdem vor die Hunde gehen wollen.

Wenn sich aber nun jede und jeder verpflichtet fühlt alle anderen zu bespitzeln (Achtung! Die digitalen Corona-Blockwarte sind unterwegs) und jeder Gartenzwerg zum Krisenmanager heranwächst:

In den letzten Tagen erklärten mir

Servicetechniker großer Hard- und Softwarekonzern, dass ihnen verboten wurde ein Krankenhaus zu betreten, eine

Behörde bis auf weiteres keine „Plaketten“ zur Personalkontrolle aus Spitäler mehr auswerten wollen, der

bedarfsgerechte Personaleinsatz an bürokratischen Hürden scheitert und

die Regierung scheinbar Milliarden an Förderungen verspricht, andererseits klammheimlich ihre Schadenersatzpflicht aus dem Epidemiegesetz ruhen stellte (Link) und

inzwischen Röntgeninstitute Untersuchungen und niedergelassene Physiotherapeuten Therapien kranker Menschen ablehnen,

während wir alle davon ausgehen, dass andere an der Supermarktkasse und in der Trafik hunderte unkontrollierte Personenkontakten haben.

Und als Spezifikum im öffentlichen Dienst erinnert die Personalvertretung, dass natürlich auch sie noch „das Virus genehmigen muss“.

In den nächsten Monaten werden die meisten von uns mit dem Virus in Kontakt kommen und 80% davon werden ihn auch ohne Spitzenmedizin so gut überleben wie Tom Hanks.

Ob all die anderen Kranken und die wenigen, für die das Virus lebensbedrohlich ist, das gut überstehen wird davon abhängen, ob wir unsere hirnlose Bürokratie und stures Beharren auf längst überholte Formalismen in den Griff kriegen.

Auch ob aktuell die Priorisierung stimmt mag hinterfragt werden (die Namensnennung erfolgt lt Klenk mit Genehmigung)

Written by medicus58

18. März 2020 at 18:42

Tükisch-Grüne Gesundheit: Programm oder Übereinkommen

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Was auch immer 100 Tage lang zwischen Grün- und Türkis-innen hinter verschlossenen Türen aus verhandelt wurde, ist weniger Wagnis (Originalton Kogler) als vage Worthülsen-Sammlung.

Google deckt auf, dass auch für die Grünen nicht ganz klar zu sein scheint, was das nun so genau ist. Während allenthalben der Download eines Regierungsprogrammes angeboten wird, sieht man auf gruene.at den Text als Regierungsübereinkommen.

Das mag man alles als Wortklauberei eines enttäuschen Ex-Grünen auffassen und gar nix Böses darin finden, dass auf 326 Seiten 118 mal von Evaluierung, 264 mal von Prüfung 264 und 4 mal nach einer Task Force gerufen wird.

Task Forces werden übrigens für neben der effizienten Bekämpfung von Hass im Netz und anderer digitaler Kriminalitätsformen auch für die ökosoziale Steuerreform angerufen, sprich, nix is noch fix. Zeitpläne und finanzielle Festlegungen fehlen hier gänzlich.

Mögen wir dem Jubel von Greenpeace zustimmen, die unmittelbar nach der Veröffentlichung des Regierungsprogrammes von einem Riesenschritt sprach, während Global 2000, aus der die zukünftige Ministerin Gewessler kommt, da eher schaumgebremster resümiert: GLOBAL 2000 wird die neue Regierung an ihren Taten messen.
Fridays for Future sind noch kritischer: Weil die geplante Ökologisierung des Steuersystems ab 2022 „nicht der Dringlichkeit der Lage“ entsprechen würde, plant die Klimabewegung Fridays For ­Future für den heutigen Freitag eine Demonstration in Wien
Haben sich wohl viele Grün-Wähler mehr für die Wiederauferstehung dieser Partei gewunschen als jetzt „geliefert“ wurde.

Hier wollen wir uns mit dem Abschnitt Gesundheit dieses Papiers beschäftigen, und da fallen bereits die Analyse anderer ziemlich mies aus:

Auffallend ist, dass die türkis-blaue Kassenreform, die eine Zusammenlegung aller Gebietskrankenkassen, nicht angegriffen wird.

„Forcieren von Impfungen“ aber keine Impfpflicht

Gesundheit ist nunmehr ein Unterpunkt im Themenfeld Soziale Sicherheit, die Schwerpunkte legt die zukünftige Regierung auf wohnortnahe Versorgung/ Aufwertung des Hausarztes und Vorsorgemedizin

Stipendien für zukünftige Landärzte, im Gegenzug für monatliches Stipendium nach Abschluss für mindestens fünf Jahre als Hausarzt tätig zu sein. Wie das Stipendien-Programm österreichweit aussehen wird, bleibt abzuwarten.

Primärversorgungszentren und andere Formen der Zusammenarbeit von Ärzten sollen ausgebaut, sogenannte Communitynurses etabliert und nicht-ärztliche Gesundheitsberufe gestärkt werden. Die Versorgung von psychisch Kranken ist in Österreich mehr als prekär – hier werden Verbesserungen versprochen.

Bei der Sozialversicherung gibt es ein Bekenntnis zum Prinzip der Selbstverwaltung, ansonsten scheint man nicht in die umstrittene (aber vom VfGH in den Grundsätzen belassene) Reform der ÖVP-FPÖ-Regierung eingreifen zu wollen.

Interessant, dass man wie auch in anderen Bereichen zum Teil wortwörtliche Übereinstimmungen mit dem türkis-blauen Regierungsprogramm aus 2017 übernommen hat, das damals schon nach zwei Monaten ausformuliert war und nicht wie jetzt drei gedauert hat(siehe Standard 2017):

Sicherung und der weitere Ausbau unseres hochwertigen Gesundheitssystems …. besonderen Fokus auf Gesundheitsförderung und Prävention … Stärkung des Hausarztes und der Gesundheitsversorgung vor Ort, … Einführung von Landarzt-Stipendien, … Verbesserung der Rahmenbedingungen, um Wartezeiten auf Operationen, Behandlungen und Untersuchungen transparent zu machen und zu reduzieren …

2020 heißt es zwar: Wir wollen mit gezielten Maßnahmen sicherstellen, dass in den nächsten Jahren ausreichend und vor allem qualifiziertes Personal zur Verfügung steht. Welche neue Maßnahmen aber dazu ergriffen werden, bleibt offen:
Facharzt für Allgemeinmedinzin ist längst durchgewunken, wird aber IMHO nix bringen, weil auf den Etikettenschwindel weder Patienten noch Jungärzte reinfallen werden.
Eine Facharztoffensive nur für Pädiatrie, Augen und Kinder-und Jugendpsychiatrie greift angesichts des inzwischen globalen Ärztemangels zu kurz.
Stärkung und Aufwertung der nich tärztlichen
Gesundheitsberufe
(GuKG Novelle) mit Erweiterung der Kompetenzen und Ermöglichung von bestimmten Versorgungsschritten (Community Nurses) ist ebenfalls ein alter Hut und versucht nur die Defizite der hausärztlichen Versorgung durch Pflege zu kompensieren. Da diese aber akademisiert wurde, wird sie auch nicht billiger kommen.

Worthülsen wie Evaluierung der Zugangsbestimmungen zum Medizinstudium in Richtung Qualität, Inhalt und Umfang und schon wieder eine Ärzteausbildung NEU mit Fokus Allgemeinmedizin sagen wenig, Kontinuierliche Ausweitung des bestehenden Angebots an Plätzen für das Medizinstudium und die anschließende Ärzteausbildung freuen vielleicht die Landeshauptleute, führen aber ohne Budgetierung für die Unis geradewegs in die Privatuniversitäten und FHs. Humbold rotiert im Grab.

Ein Bekenntnis zum System der öffentlichen Apotheken zur Medikamentenversorgung für die gesamte Bevölkerung unter Beibehaltung wohnortnaher und praxisorientierter Lösungen beruhigt die Apothekerkammer und garantiert den weiteren Kampf um die hausärztlichen Apotheken.

Was sicher neu ist und somit wohl ein grüner Beitrag auf Seite 80, ist die Senkung des USt-Satzes für Damenhygieneartikel. Wäre vermutlich in jedem 3.Welt-Land wichtiger als bei uns, aber soll sein.

Wenn aber nun wieder die Generalentschuldigung kommt, dass man halt nur Juniorpartner dieser regierung wäre und schon allein d.h. nicht viel durchsetzen konnte, dann sollten die Verteidiger dieses Papiertigers einmal nachrechnen:

Die ÖVP erhielt 1.243.672 Stimmen und 52 Mandate,
die Grünen 342.260 Stimmen und 14 Mandate.
Man möge mir einmal vorhüpfen, wo denn in diesem programmierten Übereinkommen die 21% grünen Inhalte sind.
Im Kapitel Gesundheit wird man definitiv nicht fündig.

Gesundheit kommt als Begriff 83 mal vor, und da finden sich abgesehen von Überschriften durchaus Bemerkenswertes, ohne dass da echte Probleme angesprechen werden:

S.61: Prüfung der Weiterentwicklung der regelmäßigen Gesundheitsuntersuchungen bei Pflichtschülerinnen und Pflichtschülern unter den Aspekten der körperlichen Voraussetzungen für schulischen Wettkampfsport und methodische Analyse von Entwicklungen des körperlichen Zustands der Kinder und Jugendlichen.

S.87: Qualifikation der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer für die Anforderungen des Arbeitsmarktes ausgerichtet ist. In dieser Gesamtstrategie sind auch weitere
Faktoren, wie z.B. Gesundheit, Mobilität und Betreuungssituation („persönliche Lebenssituation“), zu berücksichtigen.

S.88: Standort- und Industriepolitik: Beitrag zur CO2-Reduktion geleistet werden – wie z.B. digitale Geschäftsmodelle, … , Gesundheitswirtschaft und andere Bereiche, die auf Österreichs Verbindung von Grundlagenforschung, angewandter Forschung und
industriellem Know-how bauen.

S. 141: Ebenso wichtig ist es, die Luftqualität in Österreich weiter zu verbessern – für die Gesundheit der Österreicherinnen und Österreicher

S. 155: Weiterentwicklung des Tiergesundheitsdienstes
(z.B. Anreize schaffen, den Antibiotika-Einsatz zu
reduzieren)

S.159: Evaluierung bestehender Strukturen im Bereich
Tiergesundheit,

S. 205: Gesundheitssystem: Stärkung der Diversitätskompetenz im Gesundheitssystem sowie health literacy von Frauen

S. 226: Grundwehrdienst attraktiv machen: Weiterentwicklung der Stellung als wichtige Säule der Gesundheitsvorsorge (Stellung als Vorsorgeuntersuchung)

S.250: Investitionen in die Gesundheit von Menschen reduzieren nachweislich Arbeitsunfähigkeit und Kosten im Gesundheits- wie auch im Pensionssystem.

S 251: Gesundheitsmanagement, das den Erhalt der Gesundheit von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern besonders in den Vordergrund stellt.

S. 265: Eine forcierte Umsetzung des Aktionsplans Frauengesundheit und die Erstellung eines jährlichen Frauengesundheitsberichts sowie die Weiterentwicklung und Anwendung von Gender-Medizin ist daher von besonderer Bedeutung.

Das nachfolgende Junktim macht jene sprachlos, die täglich viele Arbeitsstunden damit verbringen Daten in die IT zu klopfen:
Ebenso wollen wir die Digitalisierung in Diagnose, Behandlung und (medizinischer) Forschung vorantreiben und somit den Gesundheitsstandort Österreich weiter stärken. Dadurch bleibt Menschen in Gesundheitsberufen mehr Zeit für Kontakte zu Patientinnen und Patienten.
Da will man doch die Autoren fragen, wo sie denn angerannt wären …

Auf S 256 und 308 spricht dann die Industriellenvereinigung und Witschaftskammer:
Etablierung von finanziellen und sachlichen Anreizsystemen für gesundheitsfördernde Maßnahmen und Teilnahme an Präventionsprogrammen (z.B. Impfungen und Vorsorgeuntersuchungen)
Bedarfsgerechter Ausbau des Fachhochschulsektors – mit mehr Studienplätzen zur nachhaltigen Sicherung und Ausbau des Wirtschafts- und Technologiestandortes (z.B. insbesondere Gesundheits- und Sozialberufe, MINT)

Links:

Bizeps Regierungsprogramm besteht im Behindertenbereich aus Licht und Schatten

Ein (aus)gebrannter Gesundheitsminister?

Nach dem „Traumschiff“ ist vor den Gremien

Written by medicus58

3. Januar 2020 at 17:18

Sehe Schwarz für das Gesundheitssystem unter Türkis Grün

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Jetzt zählt Ihr Medicus ja zu denjenigen, die sich in seiner Schwarzmalerei gerne falsifizieren lassen, aber bei allen Jubelmeldungen zum kuscheligen Stil der laufenden Koalitionsverhandlungen fällt doch auf, dass das Gesundheitssystem kaum Thema sein dürfte.

Haben Gerüchte Recht, sprechen gerade Wöginger (HAK Absolvent, Rot Kreuz Präsi, OÖ ÖABBler und Sozialsprecher der VP) und Hebein (diplomierte Sozialarbeiterin, Caritas Bahnhofsozialdienst, ARGE Wehrdienstverweigerung (Gruppe für Totalverweigerung und Planunsstadträtin in Wien) über die zukünftige türkis-grüne Gesundheitspolitik.

Angesichts der riesigen Baustellen, die Hartinger-Klein und ihr VP Verteidiger August Wöginger zurück gelassen haben (holprige Kassenzusammenkegung, Übermacht der Arbeitgeber und Wirtschaft, fehlende Leistungsharmonisierung, Pflegeversicherung, Primärversorgungszentren am Papier, Rettungswesen, sinnlose telefonische Helpdesk,….), fehlt mir die Hoffnung, dass der verhaltensauffällige Innviertler unter dem Einfluss seines grünen Gegenübers plötzlich all den Grauslichkeiten der letzten Regierung abschwören wird, den überproportionalen Einfluß der Wirtschaftskammer zurück drängen oder nicht erneut dem Koalitionspartner die Kastanien rüberschieben wird.

Erinnern wir uns welche Projekte der letzten Regierung den größten Staub aufgewirbelt haben, wird uns meist eine völlig überforderte FP Ministerin Hartinger-Klein einfallen, die zu letzte immer hysterischer und faktenbefreiter schönreden musste, was der FPÖ und ihrem Klientel weniger nützte als dem türkisen Fanclub.

Vielleicht verstehen Sie nun meine Sorge, wie wenig aus den Koalitionsverhandlungen über die Gesundheitswesen zu hören ist.

Written by medicus58

4. Dezember 2019 at 19:46

Spitalsranking: Freut Euch nicht zu früh

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Wer sich der Mühe unterzieht unsere Medien quer zu lesen erkennt sehr bald, wie viele der Berichte nicht journalistischem Interesse sondern der Message-Control der Politik entspringt.

Die aktuelle Jubelkampagne (Kurier, Österreich, Heute) über das gute Ranking Niederösterreichischer Kleinspitäler (Lilienfeld hat gewonnen, gefolgt von Hochegg) folgt wie bestellt auf die Medienberichte über das Trockentraining im KH Nord nur wenige Tage davor.

Patientenanwalt, eigentlich eher PatientenSTAATSanwalt, weil den kein Patient je gewählt hat, Landespolitiker und – Manager wird die hier im flotten Dreier zur Schau gestellte Freude ebenso vergehen, wie ihren Wiener Doppelgängern:

Man kann sich zwar so positive Berichte bestellen, aber sie bereiten nur die Bühne für die nächste Skandalgeschichte vor, denn

Die Qualität der Gesundheitsversorgung lässt sich nicht wie Hotelbewertungen primär an der Befragungen der Betroffenen messen, oder glauben Sie, dass die Qualität einer Entzugsklinik durch die Zufriedenheit der Patienten an der angeschlossenen Bar zu messen wäre?

Kleine Einrichtungen, die sich komplexer Fälle leicht in Richtung Zentralklinikum entledigen können, haben es leichter zu guten Noten zu kommen, und sind vermutlich auch weniger mit Aggression konfrontiert: Lokal gilt der Grundsatz, man trifft sich immer wieder, wohl eher als im fernen Schwerpunktspital.

Das wichtigste Gegenargument gegen den Jubel des Boulevard bleibt aber dessen Geschäftsmodells: Ich kenne keinen Skandalbericht über Vorfälle im Gesundheitssystem, bei dem dann derartige Jubelberichte als mildernde Umstände erwähnt wurde.

Dann wird dem Trio das Lachen rasch vergehen und sie werden wie immer die Schuld für Missstände nicht bei Politik und Management suchen, sondern auf die Gesundheitsberufe abschieben.

Written by medicus58

12. Mai 2019 at 11:34

Mit 70 soll Schluss sein? Das Nachspiel zum Schlusspfiff

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Jeder kennt den Emeritus, der noch mit 80 durch die Gänge der Universität streifte und noch 2010 forderte  Der Standard 
Lasst die Uni- Professoren länger arbeiten!

Wir wollen nun nicht die Anekdoten der Chirurgen und Schauspieler bemühen, die praktisch im OP oder auf der Bühne das Leben aushauchten. Weshalb trotz sichtbarer Altersdefizite das Publikum beider zufrieden (und lebendig) den Ort des Geschehens verlassen konnte, erklärt sich durch die tägliche Erfahrung mit dementen Patienten, die ihre Alltagsroutine weitgehend problemlos bewältigen, während ihr Mini-Mental-Status bereits besorgniserregend ist. 

Obwohl wir seit mindestens einem Jahrzehnt wissen, dass wir zwischen 2017 und 2024 eine Pensionswelle unter Ärzten zu erwarten haben (siehe Beitrag vom 15.2.2010) haben Regierung und Ärztekammer durch Studien- und Ausbildungsreform den Nachwuchs kontigentiert.  
Ehe nun der berechtigte Einwand kommt, dass wir in Österreich eh im OECD Vergleich zu viele Ärzte haben: Das stimmt zum Teil, das wird aber zum Großteil durch das insuffizienten System bedingt und das hat zwischenzeitlich niemand verbessert.

In typischer Manier löst man kein Problem sondern verschafft sich durch Übergangsregelungen die Zeit, in der man auf ein Wunder hofft, dass sich das alles dann schon irgendwie ausgehen wird. Das war bei der Ärztearbeitszeit so und auch 2009 im Sozialrechtsänderungsgesetz so, wo sich Regierung und Ärztekammer einigten:

Dass es heute noch zehn Ärztinnen und Ärzte mit GKK-Vertrag gibt, die älter als 70 Jahre sind, ist einer Einschleifregelung zu verdanken, die 2009 auf Drängen der Ärztekammer Steiermark aufgenommen wurde: Für Ärztinnen und Ärzte, die vor dem 1. Jänner 2010 das 60. Lebensjahr vollendet haben, gilt als Altersgrenze das vollendete 70. Lebensjahr, frühestens jedoch ab dem 1. Jänner 2019. Link

Pünktlich „warnen aber nun Kammerfunktionäre erneut vor Zwangspensionierung„:

Derzeit würden knapp fünf Prozent der Kassenvertragsärzte und -ärztinnen 70 Jahre oder älter sein, sagte Helga Azem, Standesvertreterin bei der Österreichischen Ärztekammer, im Ö1-Morgenjournal. Im kommenden Jahr kommen nochmals sieben Prozent dazu, die die Altersgrenze erreichen werden. Wegen der „Zwangspensionierung“ komme ein „großes Versorgungsproblem auf die Patienten zu“, so Azem weiter.

Fluglinien dürfen ihre Piloten mit 65 Jahren zwangspensionieren, das hat der Europäische Gerichtshof entschieden und ich kenne keinen Fluggast, der das schlecht findet, geklagt hat damals ein Lufthansa-Pilot.
Aber so ein Flieger ist natürlich auch viel teurer als ein Kassenpatient

Dabei ist das ohnehin alles Spiegelfechterei: 
Junge Ärzte wollen zu den bestehenden Konditionen weder Kassenverträge noch Stellen in den Krankenhäusern und angestellte Ärzte verlassen lange vor ihrem gesetzlichen Pensionsalter die Spitäler.

Written by medicus58

29. Oktober 2018 at 16:19

Wie verhindern Sie unnötige Zuweisungen? Einfache Fragen statt komplexer Algorithmen

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In einer hier vor 5 Jahren eingestellten und vor 10 Jahren gehaltenen Vorlesung über Clinical Decision Making habe ich mich schon sehr kurz mit den unterschiedlichen Möglichkeiten „ärztlichen Denkens“ beschäftigt:

1. Vorgehen nach Daumenregeln
2. Suchen nach Pathognomonische Symptomen/Kasuistiken
3. Vorgehen nach Persönlicher Erfahrung (Eminence)
4. Lineare – Algorithmische Modelle

Inzwischen hat uns die Informationstechnologie natürlich auch noch nicht-lineare Algorithmen (lernfähige Artificial Intelligence) beschert, die scheinbar uns Ärzte übertreffen:

Babylon AI erreicht Genauigkeit bei Global Healthcare First, die menschlichen Ärzten gleichwertig ist 
Hautkrebs: Computer erkennt besser als Ärzte
Memorial Sloan Kettering Trains IBM Watson to Help Doctors Make Better Cancer Treatment Choices 

Auch wenn derartige Algorithmen wirklich Ärzteposten einsparen könnten und somit bei Ökonomen schon jetzt zu feuchten Tagträumen führen, werden die Kosten für die notwendige Hardware-Infrastruktur und für die beständige Wartung der Programme in der Regel unterschätzt.

13 Symptoma – Symptom für eine falsche Entwicklung der Medizin

Meine persönliche Ressentiments gegen den Zugang liegen aber in der problematischen Schnittstelle in der das vorliegende Problem einmal ausformuliert wird, bzw. wie es dem Algorithmus vorgelegt wird. Jeder in der Anamnese-Erhebung Erfahrene kann auf den ersten Blick einschätzen, ob eine Frage verstanden wird bzw. eine Antwort plausibel ist.
Denken Sie nur an so exemplarische Situationen wie die Frage nach dem aktuellen Alkoholkonsum. Glauben Sie, dass der Betroffene hier dem Algorithmus seine 5 Krügel und drei Schnäpse ehrlich eingibt, wenn er nach der Ursache seiner Übelkeit fahndet?

Auch bei der Kommunikation zwischen den Ärzten im Rahmen der sogenannten Zuweisung werden oft Nicht-Informationen geteilt:

Neben den Klassikern:
DU (=Durchuntersuchung) erbeten
BG (=Begutachtung) + TÜ (=Therapieübernahme)
Kardiale (Endokrinologische, Psychiatrische, Neurologische, … ) Abklärung erbeten

Kommen einem auch oft echter Zuckerln unter:
Hyperlipidämie, erbitte Therapievorschlag
(bei einem Cholesterninwert von 135 mg/dl, nur weil das entsprechende Labor auch einen unteren Normalwert hatte und deshalb das Ergebnis mit einem Sternchen als abnormal markiert hat)
Analpruritus (=Jucken am After), erbitte um Ausschluss einer Schilddrüsenerkrankung
Demenzabklärung
(bei einem multimorbiden, nach mehreren Schlaganfällen an den Rollstuhl gefesselten 92-Jährigen)

Wäre ich in der IT-Industrie würde ich beginnen einen sehr komplexen Algorithmus zu programmieren, um den Zuweiser zu einer minutenlangen Fragebeantwortung zu zwingen, um diese unsinnigen Zuweisungen abzufangen. Meine über Jahrzehnte in der Praxis erprobte, analoge Lösung beinhalten aber nur zwei einfache Fragen:

Was ist Ihre Verdachtsdiagnose?
Wie ändert sich Ihr Vorgehen, wenn die gewünschte Untersuchung positiv ausfällt, wie ändert es sich, wenn der Befund negativ ausfällt?

Natürlich lässt sich das auch programmieren, jedoch bezweifle ich, dass der Algorithmus das nachfolgende Gestottere, das „Muss den Arzt fragen“ der Ordinationshilfe, …
entsprechend gewichtet!

Written by medicus58

2. August 2018 at 17:00

Wien Digital – Qual ohne Wahl

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Dass Ihr Medicus den Segnungen der EDV im Gesundheitswesen nicht ganz vorbehaltslos gegenüber steht, darf als ausreichend dokumentiert gelten:

Krankenhaus EDV: erfassten Widerspruch im Anlassfall
KAV-IT: Ohne Worte
KAV-IT: Die Problemverursacher übernehmen die Macht
und da war da noch ELGA
Meine Paranoia mit der Spitals-EDV oder wenn alles steht, geht’s weiter wie bisher

Was die Wiener Zeitung pointiert wie immer als Die digitale Auferstehung der „1er“ umschrieb, also die Herauslösung der IT-Abteilungen des Allgemeinen Krankenhauses und des Krankenanstaltenverbunds und ihre Vereinigung mit der IT des Magistrats zur MA 1, lässt eine nachhaltige Verböserung der Situation erwarten:
1100 IT-Mitarbeiter überwachen über knapp 86.000 IT-Nutzer, betreuen 931 Breitbandstandorte, 70 Telekommunikationsanlagen mit 69.000 Nebenstellen, knapp 23.000 mobile Endgeräte, 5100 Server, 5400 Datenbanken, 9460 Terabyte Speicher und 113.800 Arbeitsplatz-Endgeräte

Zwar konnte das auf dringlichen Wunsch (?!?) von Ex-Finanz-Stadträtin Brauner bebaute Areal an der Stadtlauerstraße nun auch ausgelastet werden und der Magistratsdirektor konnte durchsetzten, dass er durch eine letztendlich unabwendbare personelle Ausgliederung des KAV nicht die Oberhoheit über all zu viele Personalakten verliert, aber ob das Monster Sinn macht, daran darf täglich gezweifelt werden, wenn man an der IT-Helpline hängt, wenn man wieder mal nicht in seinen PC kommt oder eine Telefonverbindung hakt.

Hat sich nicht Bürgermeister Häupl noch Ende 2016 rhetorisch echauffiert, was denn ein KAV Generaldirektor so für sein Geld macht, wenn er weder Finanz- noch Personalhoheit hat und dies auch noch kurz vor seinem Abgang 2018 bekräftigt:
Umgestaltung des Wiener Spitalsträgers in eine Anstalt öffentlichen Rechts mit eigener Personal- und Budgethoheit

Kann mir irgendjemand einen 30.000 Mitarbeiter Konzern zeigen, der keine eigene IT-Abteilung mehr hat?

Written by medicus58

20. Juli 2018 at 19:12

Was wurde eigentlich aus …

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Wir erinnern uns vielleicht noch an den Ärztestreik vor zwei Jahren im Zusammenhang mit den neuen Arbeitszeitregelungen für Ärzte und die abgehobene Art wie das die damalige Gesundheitsstadträtin und ihr KAV Generaldirektor gehandhabt haben.

Es gibt einen (Ärzte-)Streik und das ist etwas ganz Besonderes
Ärztestreik: Neue Besen schießen scharf aber fürsorglich
Streikentschädigung: sind wir wieder gut … 

Als eine Folge der Streikbewegung wurden (vor der Ärztekammerwahl im folgenden Jahr) Gesprächsgruppen zwischen der KAV Führungsebene und den Ärzten zu verschiedenen Themen (Transformationsprozess, EDV, Ärzteausbildung, …) eingerichtet, in denen eine Reihe von Detailproblemen angesprochen bzw. Informationen über die im KAV zukünftig geplanten Veränderungen eingefordert werden konnten. Die Seite der Ärzte war ziemlich bunt gemischt und umfasste Ärzte in Ausbildung ebenso wie Primarärzte. Natürlich waren in diesen Gruppen auch Kammerfunktionäre- und vertreter anwesend und  diese schienen anfänglich ebenfalls sehr engagiert und hefteten sich den „Erfolg“ die Gesprächsgruppen „durchgesetzt“ zu haben an die stolz geschwollene Brust!

Dieses Engagement hat sich nach der Wahl im März 2017 offenbar in die Verteilung der Pöstchen in Kammergremien und -referaten verlagert und die Gespräche im KAV scheinen niemanden mehr abzugehen. Natürlich gibt es ja die Personalvertreter, die im ärztlichen Bereich nicht selten auch Kammerfunktionen bekleiden, die wie in der Vergangenheit ja „ständig im Dialog mit der GD stehen“, nur taten sie das ja vorher auch, ohne dass wir

zu einer befriedigenden Lösung für die Dienstkleidung,
zu einer funktionierenden EDV Lösung für die Verwaltung der Ärztedienstzeiten,
zu Klarheit über Stand und Weiterentwicklung des Spitalskonzeptes, oder der Master-Betriebsorganisation, etc.

gekommen wären.

Am 
17.5. 2019,  zeitgleich mit den Gewerkschaftswahlen finden in Wien wieder die Wahlen zur Personalvertretung statt. Also vielleicht langsam der richtige Zeitpunkt die Freunde zu fragen, weshalb es das Gesprächsforum mit der KAV GD nicht mehr gibt und ob sie uns vielleicht den diesen alten Wein („Transparenz“, „Information“, …) gar in neuen Schläuchen erneut servieren wollen, um an unsere Stimmen zu kommen.

Written by medicus58

17. Juli 2018 at 18:27

Fahren Sie lieber auf Urlaub statt krank zu werden

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Dass es während der Urlaubszeit personelle Engpässe gibt, ist ja an und für sich keine besondere Erwähnung wert.
Dass dies auch außerhalb der Urlaubszeit (z.B. bei den Krankenkassen) keine Seltenheit ist, haben wir hier zuletzt im September des Vorjahres dokumentiert (Gut versorgt: Ambulanzsperren).
Ja, und dass die Gesundheitspolitik plant obwohl die „Soldaten“ schon längst weiter gezogen sind, wurde auch seit Jahren hier immer wieder angesprochen.

So gesehen ist das Schriftstück, das gestern aus dem AKH kam „Akutmaßnahme Annahmestopp für Probeneinsendungen A/72/2018“ eigentlich auch keine Überraschung, wo die Direktion des laut KAV-Masterplans für die Supramaximalversorgung im Wiener Spitalskonzept zuständigen AKH mitteilt, dass
aufgrund eines akuten Personal- und Geräteengpasses am Klinischen Institut für Pathologie des Allgemeinen Krankenhauses der Stadt Wien – Medizinischer Universitätscampus vorübergehend keine Annahme/Verarbeitung von Nierenbiopsien und molekularpathologischen Untersuchungen möglich ist und die Einsendungen retourniert werden.“

Auf den ersten Blick vielleicht irritierend wird das Vorgehen wie folgt begründet:
„Diese Maßnahme dient der Patientensicherheit, die durch die verzögerte Befunderstellung gefährdet sein könnte.“

Möglicherweise führt das ebenso zu hektischen Diskussionen wie im April dieses Jahres ein Interview mit Prof. Husslein (AKH-Primar will künftig Patienten abweisen), in dem flapsig in die Kamera sagte: „Man hat Volleyball mit uns gespielt, und wir spielen jetzt Volleyball zurück und schicken die Patenten dorthin, wo sie besser aufgehoben wären.“

Blöd ist halt, dass es das „dorthin“ auch nicht mehr gibt. Die Patienten stauen sich ja in der AKH Ambulanz, WEIL der niedergelassene Bereich nicht (mehr) funktioniert.
Es gibt, um auf das aktuelle Thema zurück zu kommen, natürlich auch andere Pathologien als die im AKH, nur wird es vielleicht einen Grund haben, wenn manches ins AKH geschickt wird und nicht vor Ort befundet wird!

Ich habe den besagten Brief hier nur deshalb angesprochen, um wieder einmal darauf hinzuweisen, was in der leidigen Spitalsbetten- und Ambulanzwartezeit-Debatte immer unter den Tisch fällt, dass die Versorgungssituation auch in der Diagnostik bereits höchst prekär ist. Und ohne Diagnose gibt es keine vernünftige Therapie!

Egal, bleiben Sie gesund und machen Sie Urlaub;
nicht dass es in anderen Ländern viel besser um die Versorgung bestellt ist (Mein Patient, Dein Patient, das Budget ist nicht für alle da),
aber solange wir alle in Europa wählen, wie wir wählen und nicht Zwischen den Zeilen des Regierungsprogramms lesen, wird weiter an der Versorgungssicherheit gespart werden, bis dann nichts mehr geht!

Ja und wer glaubt, dass das alles nur urlaubsbedingt ist, möge den Text nochmals lesen, denn im AKH wird nicht nur von personellen Problemen sondern auch von einem Geräteengpass gesprochen, und Geräte fahren nicht auf Urlaub!

Written by medicus58

12. Juli 2018 at 17:44

Babylonische Zustände in der Medizin

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Ich sitze gerade vor drei Bildschirmen, einem großen 4K, einen Standard Flatscreen und einen noch teureren EIZO, und tippe meinen heutigen Beitrag auf einem ziemlichen High-end PC, den ich normalerweise für weitaus rechenintensivere Aufgaben verwende, als für diese kleinen Wortmeldungen am Rande des Internets.
Will heißen, ich halte mich auch privat für ein bisschen EDV-affin.
Das will ich vorausschicken, da regelmäßige Leser vielleicht den Eindruck gewinnen können (siehe Links), dass ich ein prinzipielles Problem mit der EDV (oder IT) habe, was definitiv nicht stimmt.

Als 13-Jähriger habe ich von einer allgemein zugänglichen Enzyklopädie geträumt, da ich mit einen Brockhaus nicht leisten konnte – heute stehen die 24 Bände einen Handgriff hinter mir, einschließlich der Ausgaben für Weltgeschichte.
Trotzdem genieße ich es, dass ich auch in der U-Bahn die Wikipedia befragen kann.

Meine ersten Erfahrungen mit Spracherkennungssoftware machte ich vor mehr als zwei Jahrzehnten und finde die diesbezüglichen Fähigkeiten meines Smart-TV bemerkenswert.
Trotzdem konnten Sie hier lesen, dass die Anwendung in der medizinischen Praxis mehr als hinterfragbar sind (Eupnoe – Aponoe)

Ja, und ich bin mir der bemerkenswerten Fähigkeiten von IBMs semantischer Suchmaschine Watson, durchaus bewusst, obwohl ich mich entgegen anders lautender Werbeaussendungen nicht ausschließlich nach seinen Erkenntnissen onkologisch behandeln lassen wollte, obwohl der Link uns zu beweisen scheint, dass dieser Algorithmus zu 90% zu den gleichen Therapien rät, wie ein interdisziplinäres Tumorboard.
JA, und eigentlich habe ich auch mal ein bislang nicht realisiertes Watson Projekt erarbeitet, aber Schwamm drüber.

Nun scheint es mir aber, dass ich mich langsam geschlagen geben muss:
Babylon AI erreicht Genauigkeit bei Global Healthcare First, die menschlichen Ärzten gleichwertig ist

Wenn Sie sich das Nachlesen dieser APA Meldung ersparen wollen, wovon ich abrate, dann steht dort, dass ein Algorithmus bei einer ärztlichen Befähigkeitsprüfung besser abschnitt, als der durchschnittliche britische Arzt.
Die Ergebnisse des heutigen Abends zeigen deutlich, wie durch AI erweiterte Gesundheitsdienste die Belastung der Gesundheitssysteme weltweit verringern können. Unsere Mission ist es, zugängliche und erschwingliche Gesundheitsdienstleistungen in die Hände jedes Menschen auf der Erde zu legen. Diese bedeutenden Ergebnisse bringen die Menschheit einen wichtigen Schritt näher zu einer besseren Welt, in der niemandem eine sichere und exakte Gesundheitsberatung verweigert wird.“

So weit so gut, wir alle wissen aber, dass es nicht darum geht, sondern um die Einsparung von „ärztlichen Vollzeitäquivalenten“, und das wird auch so kommen, seien Sie (als Patient) gewarnt.

AI (=Artificial Intelligence)ist derzeit einer der heißesten Tickets in der Medizin.

IBM, das schon lange mit seiner Hardwaresparte keine Geld mehr macht, investierte Unsummen in Watson, seinen AI Algorithmus, der wie eine Reihe anderer IT-Anwendungen, zum Super-Doktor gehypt wird, als ob ein derartig komplexes System wie die Behandlung eines einzelnen Patienten durch einen Algorithmus erfasst werden könnte.

Im American Journal of Medicine erschien im Februar 2018 ein Artikel mit dem Titel: Artificial Intelligence in Medical Practice: The Question to the Answer? und kommt wenigstens zu dem Schluss, dass da auch noch fallweise ein Arzt zwischen den Bits and Bytes auftauchen soll.

Ich habe vor längerer Zeit meine Vorlesung aus den 90er Jahren (Am Anfang war die Diagnose – Clinical Decision making Not only for Dummies) hier auf den Blog gestellt, um ein bisschen die Komplexität des Diagnoseprozesses zu umschreiben, die nicht zu letzt die Schwierigkeiten an der Schnittstelle Patient:Medizin(Arzt) aufzeigt,
die auch heute nicht FÜR DEN EINZELFALL, von der AI abgedeckt werden kann und damit haben wir es in der Praxis zu tun.
Nicht mit Mittelwerten und Gruppen-Wahrscheinlichkeiten, sondern dem Einzelfall.

Egal: Drücken Sie die 1 wenn Sie krank sind oder die 0 wenn sie tot sind

Meiner Wahrnehmung nach haben die meisten in meiner ärztlichen Kollegenschaft noch gar nicht begriffen, wie nahe stark die Versprechungen der IT-Industrie das Berufsbild der Ärzte bereits gefährdet.
Ja, und Patienten beschweren sich ausschließlich über Wartezeiten ….

Links: 
Krankenhaus EDV: erfassten Widerspruch im Anlassfall
Meine Paranoia mit der Spitals-EDV oder wenn alles steht, geht’s weiter wie bisher
Die Überraschungseier der Krankenhaus EDV
Kunstfehler waren gestern, heute haben wir die EDV

Written by medicus58

28. Juni 2018 at 21:58

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