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Ehrlich gesagt habe ich Corona nie gemocht

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Und gesund war es auch nie, das Corona Bier, auch wenn sich die Gerüchte der 80er Jahre es enthielten Urin als Verleumdung eines Importeurs heraus stellten.

Eigentlich begann ich diesen Text mit der Intention Sie davor zu warnen, nicht jede Panikmache im Zusammenhang mit der aktuellen Coronavirus Verbreitung zu glauben, muss aber zugeben, dass der Wahnwitz inzwischen wirklich grenzenlos wütet.

Das Netz ist voll mit Erklärungen, dass das Corona Bier nichts mit dem Coronavirus zu tun hat: Selbst Forbes ist das einen Artikel wert.

Der ORF füllt inzwischen die Airtime mit einander scheinbar widersprechenden Experten wer welche Maske wann tragen soll, ungeachtet der Tatsache, dass die Dinger längst ausverkauft sind.

Das permanente Händewaschen ist nicht ganz zu Unrecht die kostengünstigste Waffe im Armatorium der Hygiene, wie sie bei täglicher U-Bahn Nutzung praktischerweise angewandt werden soll, bleibt noch offen. Sie dürfen jedoch davon ausgehen, dass Sie die Vermeidung der „totbringenden Haltegriffe“ Sie noch mit größerer Wahrscheinlichkeit auf der Unfall als auf der Infektion landen.

Wenn der Ärztekammer Präsident auf Facebook sagt,

es ist uns besonders wichtig, Menschen mit Infektionsverdacht von Arztpraxen und Spitalsambulanzen fernzuhalten

ist das epidemiologisch zwar sinnvoll, auf den ersten Blick aber für einen Arzt aber missverständlich. Natürlich ist der Satz aus dem Zusammenhang gerissen, aber so kam es zuerst über die Sozialen Medien daher.

Vermutlich ist augenblicklich ohnehin alles zu viel und zu wenig, zu ernst oder zu sarkastisch und in jedem Fall schon überholt, ehe Sie es lesen, d. h. noch ein Tipp:

Ob Mundmasken das Ansteckungsrisiko minimieren ist nicht völlig geklärt, Mundhalten ist gegen Tröpfcheninfektionen sicher wirksam.

Written by medicus58

27. Februar 2020 at 18:11

Ärzte: Masochismus ist nicht verpflichtend, aber hilft offenbar

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Burn-out von Ärzten ist seit Jahren ein solcher Dauerbrenner, dass er es immer seltener in die Schlagzeilen schafft.

Ein „Ja, eh“ ist kaum ein Clickbait für professionelle Medien, so dass es nur mehr die Standesvertretungen sind, die weitgehend überhört bisweilen missverständliche Warnungen über den Fernschreiber, äh die APA, schicken: Burnout: ÖÄK-Mayer begrüßt WHO-Entscheidung

Bei der Reputation, die sich unsere Standesvertretung redlich erarbeitet hat, nimmt es wenig wunder, dass das keinen mehr interessiert und jedes Jahr 10x mehr Personen antreten, um den Aufnahmetest zum Medizinstudium zu probieren, als ihnen Studienplätze winken.

So wird es auch einer aktuellen Aussendung der deutschen (!) Ärztevertretung gehen:

Jeder dritte Klinikarzt steht kurz vor dem Burn-out
Etwa ein Drittel der Ärzte im Krankenhaus steht nach den Ergebnissen einer Umfrage kurz vor einem Burn-out. Vor allem der allgegenwärtige Zeitdruck sowie die Arbeitsverdichtung und Bürokratie setzen den Kollegen zu, von denen viele „nur noch raus aus dem Beruf wollen.

Mit vielen Prozentsätzen wird hier das uns allen Bekannte erneut festgehalten, nur fällt bei genauer Durchsicht der Daten ein bemerkenswertes Detail auf, dass mit erklärt, weshalb wir uns in diese Situation treiben haben lassen:

Etwa ein Drittel (35%) der Befragten gab an, oft bis sehr oft Gefühle des Ausgebranntseins zu erleben. Assistenzärzt*innen weisen im Vergleich zu Fach- und Oberärzt*innen die höchsten Burnoutwerte auf.

Etwa 14% der haben einige Male in der Woche oder jeden Tag
Kündigungsintentionen
.

Werden wir aber nach der allgemeinen Arbeitszufriedenheit befragt geben 43% der Befragten an, (sehr) zufrieden mit ihrer Arbeit zu sein. Das Wohlbefinden und die Arbeitszufriedenheit sind bei der Oberärzt*innen am höchsten ausgeprägt.

Ob wir uns den Widerspruch nun mit einem
gegen jede Erfahrung immunes Helfersyndrom,
einem Traumjob unter immer mieseren Rahmenbedingungen
oder durch einen ohnehin ungerechtfertigten Hang zum Jammern erklären, der üblicherweise anderen Berufsgruppen nachgesagt wird („Warum Wirt-Sein trotz Stress und Überstunden schön ist„) mag jeder Betroffene für sich beantworten.

Meiner Wahrnehmung nach unterliegen selbst diejenigen, die es geschafft haben innerhalb dieses Systems eine ökologische Nische zu beziehen, einem gefährlichen Selbstbetrug und den Druck traditionell nach unten weitergeben aber noch nicht begriffen haben, dass „die Jungen“ darauf anders reagieren als unsereins ehedem.
Andererseits bleibt vielen sehr speziell Ausgebildeten ja auch kaum eine Berufsalternative und hinter dem Kündigungswunsch steht eher die Spekulation auf den Privatbereich als jene auf einen kompletten Neuanfang.

Written by medicus58

11. Januar 2020 at 16:18

Generika und die bösen Ärzte

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Dutzende Medikamente, vor ein paar Tagen sprach der Kurier von 50, heute der ORF von 80 und der Standard von 1% von 13.000 Produkten, sind aktuell nicht lieferbar. Stand heute geht es um 210 Präparate.

Auch Ihr Medicus zählt zu denen, die schon stundenlang herumtelefonierten, um ein akut benötigtes und wirklich lebensnotwendiges Präparat herbeizuschaffen. Die Gründe sind komplex und finden sich alle irgendwo zwischen Globalisierung und Gewinnmaximierung der Pharma Industrie und dem Parallelhandel des Großhandels, was man zumindest ersterer, sorry politisch Gleichgesinnter, börsennotierten Unternehmen nicht wirklich verbieten kann ohne unser Wirtschaftssystem prinzipiell in Frage zu stellen. Wozu ja kaum jemand bereit zu sein scheint …

Warum man über den Parallelhandel nicht spricht ist mir unverständlich…

Wie immer wenn es ein für die Politik brisantes Problem gibt, taucht Patientenanwalt Bachinger auf und findet eine Lösung, die zwar denen hilft, die ihn eingesetzt haben, aber weniger den (berechtigten oder unberechtigten) Interessen der Patienten.

Vergleiche:
Wessen Anwalt ist denn ein Patientenanwalt?
Spitalsranking: Freut Euch nicht zu früh

Jurist Bachinger weiß natürlich sofort, dass die Lösung in der ärztlichen Verschreibung von Substanznamen statt der Verschreibung bestimmter Präparate die Lösung wäre und erntet natürlich das Wohlwollen der Apothekerkammer, während Ärztekammerpräsident Szekeres im Interview nur die Rolle des Bremsers bleibt, wenn er darauf hinweist, dass es schon noch Sache des Arztes wäre, Medikamente für ihre Patienten auszuwählen. Was er nicht anspricht, kommt (siehe unten) dann nach einer Schrecksekunde als APA-OTS, war aber im Ö1 Morgenjournal weder aus seinem Munde zu hören (politische Korrektheit?) noch Thema für die Moderatorin.

Jetzt ist die Frage, in welchem Ausmaß Generika den Originalpräparationen gleichwertig sind eine endlos diskutierte Frage und wird hier nicht zu beantworten sein. Wie die meisten ist auch Ihr Medicus der Meinung, dass es für viele Präparate wirklich egal ist, aber der Gesetzgeber misst bei der erleichterten Zulassung von gleichen Wirkstoffen mit unterschiedlicher Galenik mit zweierlei Maß (Beispiel Schilddrüsenhormone). Auch soll nicht unterschätzt werden, dass vor allem betagte Patienten oft schon durch eine andere Packungsfarbe verwirrt werden.

Wie so oft im Gesundheitssystem geht es aber den Mitspielern um anderes: So wie Bachinger eher der Anwalt politischer Interessen ist als der der Patienten, kommt häufig das Gute nicht aus sondern in die Apotheke (Vergleiche: Das Gute kommt aus der Apotheke ….).

Die Liebe der Apotheker zur E-Medikation in ELGA ist nicht ausschließlich der Sorge um medikamentöse Interferenzen geschuldet sondern einerseits, so wie der Wunsch einer Wirkstoffverschreibung, der vereinfachten Lagerhaltung (wie viele Generika des selben Wirkstoffs soll man sich den aufs Lager legen?) sondern auch der Abwehr von DM, BIPA et al, die schon längst (wie übrigens auch international sehr häufig) rezeptpflichtige Präparate abgeben. Da habe ich übrigens noch keinen Apotheker erlebt, der so wie jetzt bei der Wirkstoff-Verschreibung (aut-idem) auf internationale Beispiele verweist.

Da hilft es nur wenig, wenn die ÖÄK dann eine OTS-Aussendung nachschießt und auf die finanziellen Interessen der Apotheker in dieser Frage verweist. Das liest dann eh niemand mehr …

Aut-idem: Hier geht es nur um finanzielle Vorteile für die Apotheken

Verstehen Sie mich richtig, persönlich besorge ich mir die meisten Medikamente in der Apotheke auch über den Wirkstoff und nehme das Präparat, das gerade im Lager liegt, aber ich mache auch begründete Ausnahmen.

Was mich hier viel mehr ärgert, ist das Missverhältnis wie mit der beruflichen Qualifikation einzelner Berufsgruppen umgeht:

Nach meiner Erfahrung ist es in vielen Apotheken gängige Praxis, dass verschreibungspflichtige Medikamente ohne akuten Notfall nur auf Basis der diagnostischen Fähigkeiten des Apothekers abgegeben werden (Der Kunde ist König und der Patient Kaiser) und das wirkliche Geschäft im zusätzlichen Verkauf anderer Produkte (Homöopathika, Vitamine, Kosmetika, ….) liegt.

Wird beim üblichen Husten-Schnupfen-Heiserkeit-Magenschmerzen, Schlafstörungs-Patienten eh egal sein, nur wird die Qualifikation zur Diagnosestellung im Pharmaziestudium nicht annähernd so ausführlich vermittelt, wie im Medizinstudium. (Meine Ärztegeneration hat auch eine Pharmakologieprüfung absolviert, nur kenne ich keinen Arzt der auf die Idee käme sich nun als Apotheker zu betätigen.) Für die Apotheker ist hier die Hemmschwelle deutlich niedriger.

Oder ganz trivial: Was würde die Behörde sagen, wenn Sie auf die Dienste eines Architekten oder Statikers beim Bau Ihres Eigenheims verzichten wollten, weil schließlich der Maurer schon seit Jahren Häuser baut und schon wissen wird, wie das geht …..

Sollen sich die Apotheker was ersparen, aber dann sollen sie das eingesparte Geld an das öffentliche Gesundheitssystem zurück geben …

Written by medicus58

13. August 2019 at 16:25

Was wurde eigentlich aus …

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Wir erinnern uns vielleicht noch an den Ärztestreik vor zwei Jahren im Zusammenhang mit den neuen Arbeitszeitregelungen für Ärzte und die abgehobene Art wie das die damalige Gesundheitsstadträtin und ihr KAV Generaldirektor gehandhabt haben.

Es gibt einen (Ärzte-)Streik und das ist etwas ganz Besonderes
Ärztestreik: Neue Besen schießen scharf aber fürsorglich
Streikentschädigung: sind wir wieder gut … 

Als eine Folge der Streikbewegung wurden (vor der Ärztekammerwahl im folgenden Jahr) Gesprächsgruppen zwischen der KAV Führungsebene und den Ärzten zu verschiedenen Themen (Transformationsprozess, EDV, Ärzteausbildung, …) eingerichtet, in denen eine Reihe von Detailproblemen angesprochen bzw. Informationen über die im KAV zukünftig geplanten Veränderungen eingefordert werden konnten. Die Seite der Ärzte war ziemlich bunt gemischt und umfasste Ärzte in Ausbildung ebenso wie Primarärzte. Natürlich waren in diesen Gruppen auch Kammerfunktionäre- und vertreter anwesend und  diese schienen anfänglich ebenfalls sehr engagiert und hefteten sich den „Erfolg“ die Gesprächsgruppen „durchgesetzt“ zu haben an die stolz geschwollene Brust!

Dieses Engagement hat sich nach der Wahl im März 2017 offenbar in die Verteilung der Pöstchen in Kammergremien und -referaten verlagert und die Gespräche im KAV scheinen niemanden mehr abzugehen. Natürlich gibt es ja die Personalvertreter, die im ärztlichen Bereich nicht selten auch Kammerfunktionen bekleiden, die wie in der Vergangenheit ja „ständig im Dialog mit der GD stehen“, nur taten sie das ja vorher auch, ohne dass wir

zu einer befriedigenden Lösung für die Dienstkleidung,
zu einer funktionierenden EDV Lösung für die Verwaltung der Ärztedienstzeiten,
zu Klarheit über Stand und Weiterentwicklung des Spitalskonzeptes, oder der Master-Betriebsorganisation, etc.

gekommen wären.

Am 
17.5. 2019,  zeitgleich mit den Gewerkschaftswahlen finden in Wien wieder die Wahlen zur Personalvertretung statt. Also vielleicht langsam der richtige Zeitpunkt die Freunde zu fragen, weshalb es das Gesprächsforum mit der KAV GD nicht mehr gibt und ob sie uns vielleicht den diesen alten Wein („Transparenz“, „Information“, …) gar in neuen Schläuchen erneut servieren wollen, um an unsere Stimmen zu kommen.

Written by medicus58

17. Juli 2018 at 18:27

Der Preis der Koalition

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Die Spatzen pfiffen es seit Wochen von den Dächern, mit erfolgreichen Koalitionsverhandlungen und seiner Wiederwahl als Wiener Ärztekammerpräsident hat Thomas Szekeres offenbar den Grundstein für seine Wahl zum Präsidenten der Österreichischer Ärztekammer gelegt.

Während der bisherige Kammerpräsident Wechselberger nach seiner fulminanten Wiederwahl in Tirol mit 32/49 Mandaten (=65%)  noch mit einer Wiederwahl in der Bundeskammer noch spekulierte:
Angesprochen auf eine erneute Kandidatur für das Präsidentenamt in der Bundeskammer, zeigte sich Wechselberger zwar interessiert, aber noch zurückhaltend. Die „Grundvoraussetzung“ sei mit dem Wahlerfolg bzw. der Bestätigung in Tirol nunmehr gegeben. In der Bundeskammer gebe es jedoch „andere Gesetzmäßigkeiten“, verwies Wechselberger etwa auf die Notwendigkeit, „Mehrheiten zu suchen“. Deshalb sei ein erneutes Antreten derzeit noch „Spekulation“.
http://diepresse.com/home/panorama/oesterreich/5175211/AerztekammerWahl_Wechselberger-gewinnt-Heimspiel-in-Tirol

ließ er zuletzt ausrichten, nicht mehr für die Bundesärztekammer zur Verfügung zu stehen.

Auch andere (eher im ÖVP-Umfeld agierende LandesÄKpräsidenten, wie OÖ Niedermoser 32/45 Mandate =71%) wurden zwar ebenso glatt bestätigt, werden aber letztlich einem stillen Übereinkommen folgend, den Wiener Szekeres (49/90=54%) zum Präsidenten der Bundesärztekammer wählen.

So weit so gut und Gratulation zu einem erfolgreichen Powerplay, nur sollen wir nicht darauf vergessen, dass das alles auch seinen Preis hat,

…den wir mit unseren Kammerbeiträgen zu finanzieren haben.

Im Vorfeld der letzten Kammerwahl habe ich mich schon mit den meiner Meinung nach überborden Referatsstrukturen in verschiedenen Landes- und der Bundesärztekammer beschäftigt:
Relata refero: Wieder keine Wahlwerbung

https://medicus58.wordpress.com/2017/02/19/relata-refero-wieder-keine-wahlwerbung/

Den wenigsten der etwa 45.000  Mitgliedern der Ärztekammer ist wirklich bewusst, dass nicht nur die gewählten Kandidaten „in der Kammer arbeiten“, sondern viele zusätzliche Posten zu besetzten sind.

Rein prinzipiell ist das ja nichts Schlechtes, denn obwohl Landes- und Bundeskammern eine immer größere Anzahl an Personen anstellen, um den Eigenbetrieb aber auch den Betrieb ihrer „Töchter“ (Arztakademie, ÖQuMed, Ärzteverlag, …) zu gewährleisten und natürlich auch Rechts- und Finanzabteilungen fachlich qualifizierte Nicht-Ärzte benötigen, werden die Kammern auch mit vielen Anfragen oder Serviceleistungen befasst, für die die einschlägige Expertise bestimmter Ärzte erforderlich ist.
Während das für umwelt- oder arbeitsmedizinische Fragen leicht einzusehen ist, stellt sich die Frage bei Referaten wie „Ärzteball„, „Medizinalratsausschuss“ oder „Wartezimmer TV“ schon etwas dringlicher, da zum Teil die betreffenden Leistungen ohnehin von Externen erbracht werden bzw. wohl kaum in solcher Häufigkeit anfallen, dass die Kammern hier 12 Monate im Jahr ein Referat aufrecht erhalten müssen. Schon vor der Wahl beschlich einen deshalb  das Gefühl, dass mit den Referatsleitungen „verdiente Mitstreiter“ von der eigenen oder koalitionären Wahlliste belohnt werden mussten.

Nochmals, selbstverständlich sind Leistungen für die Kammer, die im Idealfall dem Berufsstand dienen, adäquat zu entlohnen, aber dafür gibt es Stundensätze und Sitzungsgebühren. Hier geht es aber um Pauschalen für mitunter exotisch anmutende Aufgabenbereiche und um Mehrfach-Einrichtungen, die effizienter nur einmal bundesweit in der ÖÄK eingerichtet werden sollten.

Wenn Handystrahlen gefährlich sind, dann am Boden- ebenso wie am Neusiedlersee.

VOR der Wahl haben alle Fraktionen, natürlich auch die, die jetzt in Wien eine Regierungskoalition eingegangen sind, eine schlanke Kammer versprochen:

Team Szekeres vormals Sozialdemokratische Ärztevereinigung

Wahlgemeinschaft Ärzte für Ärzte vormals allerhand

Die Fraktion ohne Ablaufdatum: Turnusärzte für Turnusärzte

Es grünt so grün – Schlaglichter aus der Wiener Fraktion Grüne Ärztinnen und Ärzte

Kammer light: Die Fraktion auf Diät

Während es auf der Homepage der Wiener Ärztekammer vor der Wahl eine Zusammenstellung aller Referate einschließlich der für Referatsleiter und Stv. bezahlten Entschädigungen auffindbar war, stellt sich augenblicklich die Lage nicht mehr so glasklar dar. Nur die Kurie der Niedergelassenen erwähnt einige wenige Referate, wieviel Entschädigungen bezahlt werden bleibt ein Geheimnis. Wie wir zahlenden Kammermitglieder denn im Bedarfsfall den zuständigen Service finden sollen, wenn wir diesen auf der Homepage gar nicht finden, erschliesst sich vermutlich nur Eingeweihten – und hoffentlich det hauseigenen Vermittlung.

Jedenfalls wendete die Wiener Ärztekammer vor der letzten Wahl allein für Leiter und Stv. ihrer über 40 Referate weit über 40.000€ pro Monat (!!!) auf! 

Nach den mir vorliegenden Unterlagen ist für die laufende Legislaturperiode die Anzahl der Referate in der WÄK um über 60% angehoben worden!

Natürlich erhielten auch Mandatare der Opposition ihre Referate, schließlich muss doch auch für Querschüsse aus den eigenen Reihen Vorsorge getroffen werden.
Was das kostet, müssen Sie Ihre Mandatare fragen, denn … (siehe oben) die Kammer wurde weder schlanker noch transparenter.

Written by medicus58

22. Juni 2017 at 19:55

ÖSG: Warum einfach, wenn es doch auch kompliziert geht

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Es ist schon fast fünf Jahre her, seit ich mich hier unter dem Titel Die planlose Planwirtschaft im Gesundheitswesen mit einem weitgehend unbekannten Instrument der österr. Gesundheitsplanung beschäftigt habe; dem ÖSG.
Nein, ich meinen nicht das Ökostromgesetz, die Österreichisch-Schwedische Gesellschaft, die Österreichische Sportwissenschaftliche Gesellschaft und auch nicht die Österreichische Statistische Gesellschaft, ich meine den Österreichischen Strukturplan Gesundheit.

1996 haben sich Bund und die Länder auf eine überregionale Krankenanstaltenplanung (einschließlich einer Planung der Großgeräte) geeinigt und seit 2006 heißt dieses Planspiel Österreichischen Strukturplan Gesundheit (ÖSG).

Der Plan wird nun im Auftrag der Bundesgesundheitsagentur (BGA) erstellt. Die BGA ist ein auf Basis der Vereinbarung gemäß Artikel 15a Bundesverfassungsgesetz über die Organisation und Finanzierung des Gesundheitswesens mit (BGBl. I Nr. 105/2008) errichteter öffentlich-rechtlicher Fond mit eigener Rechtspersönlichkeit, dessen Geschäftsführung dem „Gesundheitsministerium“ obliegt.
(Anm: Die Gänsefüßchen deshalb, weil man im Gesetzestext schon dafür vorgesorgt hat, dass irgendwann einmal die Gesundheitsagenden auch woanders landen könnten.)

Also, der BGA ist eine unter der Kontrolle des Gesundheitsministers stehender Fond, hat mit der Bundes-Zielsteuerungskommission ein Steuerungsgremium, dem je vier Vertreterinnen/Vertreter des Bundes, und der Sozialversicherung sowie neun Vertreterinnen/Vertreter der Länder angehören, und vergab die Erstellung dieses Plans seither stets an die Gesundheit Österreich Ges.m.b.H. (GÖG).
Ob dieses Karussell geschaffen wurde, um den „Gesundheitsminister“ zu behindern oder die politische Veranwortung für das Ergebnis hinter scheinbarem Expertenwissen zu verbergen, mag nun jeder selbst entscheiden! 

Beim GÖG handelt es sich um ein am 1. August 2006 per Bundesgesetz errichtetes nationales Forschungs- und Planungsinstitut für das Gesundheitswesen dessen Alleingesellschafter der Bund, vertreten durch – erraten – den Bundesminister für Gesundheit ist. Das GÖG entstand natürlich nicht aus dem Nichts, sondern vereinigte das 1973 gegründete Österreichische Bundesinstitut für Gesundheitswesen (ÖBIG) und den 1998 gegründeten Fonds Gesundes Österreich (FÖG). Im Gesundheitsqualitätsgesetz hat man da auch gleich ein Bundesinstitut für Qualität im Gesundheitswesen (BIQG) dazu gepackt, dem, natürlich wieder im Auftrag des Bundes,  die Entwicklung, Umsetzung und regelmäßige Evaluation eines gesamtösterreichischen Qualitätssystems obliegt, das den Prinzipien Patientenorientierung, Transparenz, Effektivität und Effizienz zu folgen hat. 
Ja, und damit man sich auch noch etwas Geld verdienen kann, stehen für andere Auftraggeber noch GÖG-Töchter zur Verfügung (GÖ Beratungs GmbH, GÖ Forschungs- und Planungs GmbH). Dass es dabei mitunter Diskrepanzen zum eigenen ÖSG gibt, wird noch einmal zu diskutieren sein …
Verfassungsgemäß kann der Bund aber nur Rahmenvorgaben beschließen, die Umsetzung in Regionalen Strukturplänen (RSG)  obliegt den Bundesländern und auch hier stolperte man immer wieder über massive Diskrepanzen zwischen ÖSG und RSG in diesem föderalen Sandkastenspiels! Kein Wunder, als einziges Grundlage zur Intervention hat der Bund die 15a Vereinbarungen und (rein theoretisch) die Steuergelder, die er in diesen Bereich fließen lässt. Da wir aber keine Finanzierung aus einer Hand haben, findet jeder Mitspieler genug Regler, an denen er das Endergebnis in seinem Sinne oder in Richtung seiner Hinter“personen“ zu modifizieren.

Der Bedarf nach einer Steuerung wurde seit Jahrzehnten gesehen und ebenso lange erfolgreich vereitelt.

In den 1970er-Jahren wurde vor allem der bundesweite Bedarf an Spitalsbetten und ab 1996 auch an medizinisch-technischen Großgeräten vorgeschrieben, dann ging der ÖSG in immer mehr Details der intramuralen (also stationären) Versorgung, um in den letzten Jahren immer stärker auch den extramuralen (ambulanten) Bereich zu planen.

Der ÖSG umfasst neben dem stationären Bereich (landesgesundheitsfondsfinanzierte Spitäler, Unfallkrankenhäuser und Sanatorien) auch den ambulanten Bereich (niedergelassene Ärztinnen/Ärzte, selbstständige Ambulatorien), die Rehabilitation und die Übergänge zur Langzeitpflege. Dabei enthält er quantitative Planungsaussagen (z.B. Anzahl der Betten pro medizinische Fachrichtung, zeitliche Erreichbarkeit eines Spitals) und qualitative Angaben (z.B. personelle Ausstattung einer Abteilung, Mindestausstattung eines Spitals als Voraussetzung für bestimmte Eingriffe).

Im Medienauftritt des Ministeriums (https://www.gesundheit.gv.at/gesundheitssystem/gesundheitswesen/planung) liest man überhaupt nur vom ÖSG 2012, die Draftversion aus 2016 ist irgendwo verreckt, aber die von 2017 hat es in sich. Man gewinnt den Eindruck, dass das Gesundheitsministerium Zähne zeigen will. Leider entledigt er sich aber wieder primär der im System wirklich Arbeitenden:

Das ÖBIG nimmt für seinen ÖSG den Rang einer verbindliche Planungsgrundlage für die österreichische Gesundheitsversorgungs und die Qualität eines  objektivierten Sachverständigengutachten in Anspruch, obwohl u.a. Ärzte (die Ärztekammer) in dem Gesamtprozess gerade einmal die Möglichkeit zur Stellungnahme eingeräumt wird. 

Mit der beabsichtigten Beschlussfassung und Veröffentlichung im RIS bekommt das Ding de facto Verordnungsrang, obwohl es mehr das Resultat ökonomischer und gesundheitspolitischer Strippenzieherei der Länder ist, als ein auf medizinische Evidenz fußende Versorgungsplanung.

Der Versuch von der Fokusierung auf ein paar Großeräte und das Krankenbett hin zu einer Gesamtschau wäre zwar begrüssenswert,
nur ist das Zahlenmaterial für den extramuralen Bereich noch schlechter als in den Krankenanstalten und die daraus abgeleiteten Planungsvorgaben zum Teil haarsträubend.

Halten wir also fest, damit das „Gesundheitsministerium“ den Bundesländern und anderen Gesundheitsdienstleistungsanbietern vorschreiben kann, wie die Gesundheitsversorgung in Österreich aussehen soll, errichtete es auf Basis einer miserablen Datenqualität eine überkomplexes politisches Konstrukt, dass sich der Kritik immer mehr der internen Kritik der im System arbeitenden Experten entzieht aber trotzdem für sich den Rang eines objektivierten Sachverständigengutachten in Anspruch nimmt.
Das kann nicht einfach nur passiert sein, dahinter müssen sehr potente Interessen stecken …

 

PS: Diagramm aus dem RH

Written by medicus58

24. Mai 2017 at 17:41

Team Szekeres vormals Sozialdemokratische Ärztevereinigung

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szekeres

DAS TEAM
Thomas Szekeres
ÄRZTINNEN FÜR WIEN
Gemeinsam die Zukunft steuern
frei – unabhängig – entschlossen

Kein Kaputtsparen des Wiener Gesundheitssystem durch Stadt Wien und Gebietskrankenkasse

Wertschätzung durch Hauptverband und Politik anstatt Klassenkampf
Stopp vom Spitalskonzept 2030 mit Reevaluierung des Konzeptes
Beibehaltung des Gesamtvertrages mit Krankenkassen
Personalaufstockung entsprechend der Leistungen
Verbesserte Ausbildung
Keine Ambulatorien im Eigentum von Kapitalgesellschaften
Einen neuen KAV– mit einem Expertenrat von ÄrztInnen
Keine Klientelwirtschaft bei Versicherungen und Spitalserhaltern
Eine Offensive gegen Dr. Google und App-Medizin von Scharlatanen
Ein effizientes System zur Patientenflusssteuerung

Faire und gerechte Entlohnung für niedergelassene Ärzte und Spitalsärzte in allen Spitälern

Wohnortnahe Versorgung durch Hausarzt
Aufwertung des Hausarztes
Bessere Arbeitsbedingungen für Frauen
Teilzeit, Kindergärten in den kommunalen Spitälern
Zwei-Frauen-Praxen im Allgemeinmedizinischem Bereich
Deutlich mehr Personal im Gesundheitswesen
AdminitrationsassistentInnen zur Entlastung in Bürokratie und Administration
Managementservice für niedergelassene Allgemeinmediziner
Mehr Personal an den Wiener und konfessionellen Spitälern
Lehre und Forschung und weniger prekäre Dienstverträge
Zuschüsse für eine IT-Modernisierung der Praxen, statt ELGA

Wir vertreten weder Klüngel noch Parteien, sondern ausschließlich die Interessen der Kolleginnen und Kollegen – und letztendlich der PatientInnen.

Höhere Bezahlung pro Arbeitsstunde bei geringerer Wochenarbeitszeit.

Wesentlich höhere Entlohnung/Stunde bei KAV, MedUni und in den konfessionellen Spitälern.
Neuer Vertrag mit den Sozialversicherungen, welcher die Abgeltung der Inflation garantiert.
Rückvergütung der wahlärztlichen Leistungen durch die Sozialversicherung bleibt aufrecht!

Noch nie in der Geschichte war die Ärztekammer in der medialen Öffentlichkeit so gut positioniert. 

Hoher öffentlicher Zuspruch für die Arbeit des Präsidenten: Mehr als 750 Medien-Meldungen allein in Zeitungen, dutzende Radio- und TV- Auftritte.

Erfolgreiche ISO-Zertifizierung 2016

Der Kampf geht weiter!
Die Abschaffung des Hauptverbandes fand sich zwei Tage nach der Präsentation des Vorschlages noch nicht unter den Forderungen auf der Homepage des Team Szekeres sondern wurde auf dem  privaten Blog und auf YouTube verbreitet …

Link (zuletzt aufgesucht am 14.2.2017): http://teamszekeres.at/

Das Team Szekeres
Dr. Thomas Szekeres
Schottengasse 3 in 1010 Wien

thomas.szekeres@chello.at

welche Agentur die HP entworfen hat ist aus dem Impressum nicht erkennbar

PS in eigener Sache: 
Auf FB stellte mir nach dem ersten Blog dieser Serie Präsident Szekeres auf FB folgende Frage:
wenn mir Medicus58 erklären kann was der Nutzen des Hauptverbandes ist (insbesondere in Relation zu den Kosten),
nehme ich meinen Vorschlag den Hauptverband aufzulösen gerne zurück- vorher nicht wirklich.

Mich ehrt das Diskussionsangebot, nur darf ich darauf hinweisen, dass mein Text keinerlei inhaltliche Wertung seiner Ansage enthielt, so dass ich mich nur wundern kann, weshalb ich nun den Hauptverband verteidigen soll? Tat ich auf diesem Blog m.W. noch nie und aus gutem Grund!
Mich wundert auch weshalb ich mit diesem Beitrag in den Augen von Romana Ortner (ebenfalls auf FB) nun  „nicht mehr objektiv wäre“ und mir nicht aufgefallen wäre „dass dieser Wahlkampf ohne Mails stattfinden würde“, obwohl der Beitrag sich überhaupt nicht mit allf. Mails auseinandergesetzt hat.

Was ich hier versuche, ist unter der überwiegend nicht-wählenden Wählerschaft inhaltliches Interesse für die Aussagen der wahlwerbenden Gruppen zu provozieren.
Augenblicklich scheint es jedoch vielen wahlwerbenden Gruppen eher darum zu gehen, jede Gelegenheit zu nutzen, um ihr Profil mehr durch mühsam herbeigeredete Konflikte zu schärfen als durch „artabhebende“ Merkmale. Ich wäre aber allen dankbar, wenn sie diese (so in der Art der beliebten wahlkabine.at) herausarbeiten könnten. Bei meiner bisherigen Recherche der entsprechenden Homepages hat sich das als äußert schwierig herausgesetellt ….

Written by medicus58

14. Februar 2017 at 21:24

Warum sowohl Ärztestreik als auch „Gesundheitsreform“ scheitern müssen

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Wir haben genug Ideen aber zu viel Angst vor Veränderung, zu wenig Koordination und keine Geduld.
Morgen streiken (in ein paar Bundesländern) die Niedergelassenen und die Spitäler tun so als wär nix. Als in Wien die angestellten Ärzte auf die Straße gingen, war die Unterstützung des  ÖÄK Präsidenten Wechselberger, ein niedergelassener Kollege, ziemlich lauwarm. Jetzt, wo (mittels des Schlagwortes PHC) das einzige Machtmittel der Kammer, das Recht Kassenverträge zu verhandeln, politisch ausgehebelt werden soll, wird scharf geschossen. Aber nur aus den Ordinationen und nicht aus den Ambulanzen.

Fast hat man aber den Eindruck, dass diese fehlende Koordination zwischen angestellten und niedergelassenen Ärzte Absicht ist: Selbst wenn der eigene Kahn sturmfrei geschossen und dem Untergang geweiht ist, werden absichtlich nur Schreckschüsse vor den Bug des Systems abgegeben. So sehr hat man die Asozialpartnerschaft verinnerlicht, dass man nur grad so viel Muskelspiel macht, um das Schlimmste abzuwenden.  Was weiß man denn wo man selbst nach einer wirklichen Systemänderung bliebe. 

Angst vor Koordination? 

Deshalb lieber getrennt raunzen als gemeinsam was riskieren. 

Ja und die Gesundheitsreform?  

Hinter den geschlossenen Türen des Finanzausgleichs (15a) wird seit Jahren ebenfalls unkoordiniert hin und her taktiert, ohne dass es zu einer substantiellen Macht- oder Geldverschiebung kommen darf. 

Natürlich will die Politik den freien Beruf des Arztes und seine Vertretung schwächen, aber ohne Alternativen und halt nur durch die scheinbare Erfindung von Zusätzlichem ohne Geld für das Bestehende:

PHCs statt Kassenambulatorien, Rettungswagen an den Krankenhäusern statt funktionierendes Rettungswesen, Telefon-Hotline statt Hausarzt, Aufnahmestationen statt Fachstationen, akademisierte Pflege statt Ärzte, Hebammen statt pränatales Risikoassessment, Auslagerung statt öffentliche Versorgung ….

Und das absurde daran ist, dass das alles theoretisch auch funktionieren könnte! 

Man kann fachärztliche Nachtdienste einsparen, wenn die Erstversorgung klappt. Nur muss ich die Ärzte mit der entsprechenden Kompetenz heranbilden.

Eine gut ausgebildete Pflege kann viele Krankheitsbilder richtig einschätzen,  nur arbeiten noch immer viele in dem Bereich, die ihr „Handwerk“ in der Schwesternschule gelernt haben.

Eine verständnisvolle, erfahrene Hebamme ist für die unkomplizierte Geburt besser als die hektische Uniklinik, solange im HHintergrund ein Backup besteht, sonst finden wir uns im Mittelalter wieder.

Selbstverständlich soll man die Studiencurricula und die Ärzteausbildung an geänderte Rahmenbedingungen anpassen, aber nicht alle paar Jahre. Nicht jeder Sektionschef, nicht jeder Kammerfunktionär soll sich alle paar Jahre ein Denkmal setzen und glauben, dass sich durch eine Gesetzesänderung sogleich der Alltag ändert.

Wenn Sie mich auf die Palme bringen wollen und riskieren mit Kokosnüssen beworfen zu werden, erklären Sie mir „dass man das heute SO nicht mehr tut“.

Jeder Installateur sagt das über die Armaturen,  die man vor fünf Jahren von ihm gekauft hat. Jeder Elektriker lächelt heute über den Querschnitt der Leitungen, die er noch gestern verlegt hat.

Ja, es ändert sich alles, aber bei weitem nicht so rasch wie uns das vorgegaukelt wird.

Drum dreht sich unser Schulsystem, unser Bildungssystem, ja unser Gesellschaftsystem in hektischem Stillstand auf der Stelle.  

Angst vor echter Veränderung.

Mangelnde Koordination verschiedener Änderungen. 

Negation, dass träge Systeme nicht durch eine Verordnung alleine die Menschen hervorbringen, die das neue Konzept erfüllen können. 

Die Stalinisten mussten dies schmerzlich erkennen, uns wird das früher oder später auch noch klar werden.

Written by medicus58

13. Dezember 2016 at 19:03

Ausgeschlafene Ärzte interessieren keine Sau, es geht um die Marie

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time

Wie kürzlich hier unter Nebenfront Nebenbeschäftigung? (https://medicus58.wordpress.com/2016/09/18/nebenfront-nebenbeschaeftigung/) berichtet, ist das Problem der Ärztearbeitszeiten in den Spitälern  noch längst nicht gelöst.
Wenn da treuherzig u.a. von der Patientenanwältin Pilz vom „Recht der Patienten auf einen ausgeschlafenen Arzt“ gesprochen wird (ttp://wien.orf.at/news/stories/2787686/), kann dem kaum widersprochen werden, nur entlarvt sich die Politik ohnehin.

Im Gesundheitswesen geht es schon längst nicht mehr um unsere Gesundheit, sondern nur mehr ums Geld.

Nachdem die Politik in Wien drei Jahrzehnte den Ärzten die  Wochenruhezeit vorenthalten und sie dann mit Urlaubstagen (ZZ Tagen) abgespeist hat, was natürlich jetzt ohne Schuld der Ärzte die Überstundenkosten weiter hoch treibt (30 Jahre braucht der KAV um ein Gesetz zu lesen – muss nun der Generaldirektor gehen? https://medicus58.wordpress.com/2013/02/16/30-jahre-braucht-der-kav-um-ein-gesetz-zu-lesen-muss-nun-der-generaldirektor-gehen/ ) 

und man in ganz Österreich bis zur kurz bevorstehenden Bestrafung aus Brüssel das Arbeitsruhe-Gesetz für Ärzte  hinausgezögert hat und es dann mit Übergangsbestimmungen bis 2021 (!) eingeführt hat (Da ist irgendwo der Hund drinnen, Herr Minister Hundstorfer! https://medicus58.wordpress.com/2015/03/10/da-ist-irgendwo-der-hund-drinnen-herr-minister-hundstorfer/ ),

laufen jetzt die Finanz(!!!)-Landesräte der  Bundesländer dem aktuellen Sozialminister die Türen ein, er möge doch die Übergangsbestimmungen des Gesetzes über 2021 verlängern.

Österreich hätte sich zu einer „überschießende Umsetzung“ der europarechtlichen Erfordernisse hinreißen lassen.
http://diepresse.com/home/politik/innenpolitik/5096473/Aerztearbeit-eint-Laender-und-Schelling

Nicht unlustig nach einer Bedenkzeit von 13 Jahren!

Nachdem es Jahrzehnte lang billiger war, die Krankenkassen zu entlasten, in dem man die Patienten in Richtung des überwiegend mit Steuergeldern (und nicht durch Arbeitgeberbeiträge co-finanzierten !!!)  Spitalssystem verschoben hat, wurde nun durch die weitgehend (keine Rede von + 50%) einkommensneutrale Reduktion der maximalen Ärztearbeitszeit dieser Schleichweg für die Länder (Politik) einfach zu teuer.
Länder und Gemeinden rechnen im Rahmen des anlaufenden Finanzausgleichs zwischen Bund und Ländern bis 2018 dafür mit
MEHRkosten von 1,2 Milliarden Euro! 

Auf den ersten Blick könnte man meinen, nur das alte Schema zu erkennen:
Die Politik agiert und die Ärztekammer protestiert: http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20161005_OTS0027/aerztekammer-lehnt-vorstoss-der-finanzlandesraete-strikt-ab

In Wirklichkeit erleben wir eine der drastischsten Umstrukturierungen im Gesundheitswesen der letzten Jahrzehnte.
Der alleinige Fokus auf die Ärzte ist zwar am Boulevard populär, greift aber viel zu kurz.

Nur deshalb werden Nachtdienste reduziert, nicht weil man plötzlich draufkommt, dass man George Clooney in einer Notfaufnahme installieren kann, sondern weil man es sich nicht mehr leisten kann, die extramuralen Defizite (Kassenverträge, Rettungswesen ohne Notärzte, …) durch die Gangbetten im Krankenhaus auszugleichen,

nur deshalb werden immer mehr der ehemals von Jungärzten erbrachten Tätigkeiten der Pflege umgehängt, nicht weil man plötzlich die Kompetenzen der Pflege erkannt hat, sondern schlicht, weil deren Stundenlohn (Lohn/Gesamtarbeitszeit!) nun -nach der Gehaltsreform (!) – niedriger als der der Ärzte ist,

nur deshalb wurden PHCs erfunden, weil dort, im Gegensatz zur klassischen Hausarztordination, die Öffnungszeiten billiger auch von Nicht-Ärzten abgedeckt werden können, und nicht weil es wirklich Bereiche gibt, für die ein interdisziplinäres Team zu besseren Ergebnissen führt (Diabetes, … etc.)

nur deshalb wurde kürzlich die Pflegeausbildung akademisiert, nicht weil man zukünftig nur mehr akademisierte Pflege einstellen will, sondern weil man beabsichtigt einer „FH Krankenschwester“  nur mehr kostengünstigeres (und geringer ausgebildetetes) Personal zur Seite stellen zu können und trotzdem jemand haben wird, der die Verantwortung übernimmt.

nur deshalb wurde schon vor Jahren die eigenständige Berufsausübung der medizinisch-technischen Dienste (Physio-, Ergotherapeuten, Radiologie-Technologen, ….) ermöglicht, nicht weil man plötzlich deren Kompetenzen zu schätzen gelernt hat, sondern um sich den teuren Umweg über die Ärzte (Diagnose, Indikationsstellung, Erfolgskontrolle, …) zu erparen.

Die Liste könnte ich endlos fortsetzen, aber einen Punkt hat man politisch übersehen:
Unter diesen Umständen stimmen die Menschen mit den Füssen ab und verlassen das politisch kontrollierte Gesundheitswesen.

Gut für die G’stopften und die Privatversicherungen, blöd für den Rest.

Noch macht man den Bürgern, die das so (Pflichtversicherung) oder so (Steuergelder) finanzieren, vor, es würde hier nur um einen Konflikt mit den „Betonierern in der Ärztekammer“ und ein paar „Göttern in Weiß“ gehen. Bin neugierig bis auch die Medien begreifen, welche Veränderungen hier seit Jahren ablaufen.
Vermutlich erst, wenn auch die Pflege und die MTDG begreifen, wie sehr sie instrumentalisiert und verkauft werden …..

 

 

 

 

Written by medicus58

5. Oktober 2016 at 16:50

Woran es im KAV krankt ist nicht nur die Arbeitszeit, und wofür wir streiken sollten

with 2 comments


Für ein Ende der politischen Nebelgranaten!

Die Stadt Wien ist pleite und spart massiv in den öffentlichen Krankenanstalten und Pflegeheimen.
Die Patientenversorgung wird herunter gefahren.
Hinter dem Titel der Schwerpunktbildung werden Kontingentierungen für die Patientenversorgung eingeführt.

Die Potemkinschen Spitäler https://medicus58.wordpress.com/2012/07/11/die-potemkinschen-spitaler/

Schwerpunktbildung ist das gesundheitspolitische Codewort für Einsparung https://medicus58.wordpress.com/2015/12/04/schwerpunktbildung-ist-das-gesundheitspolitische-codewort-fuer-einsparung/

Schwerpunktbildung: Öffis und das neue Mantra der Gesundheitspolitik: Schwerpunktbildung https://medicus58.wordpress.com/2012/12/07/schwerpunktbildung-offis-und-das-neue-mantra-der-gesundheitspolitik-schwerpunktbildung/

Für eine Gesamtreform der extra- und intramuralen Versorgung dieser Stadt

Die extramurale Versorgung in Wien funktioniert nur mehr durch die Spitalsambulanzen und für einige Fächer durch die stillen Selbstbehalte in Wahlarzt- oder Privatordinationen, da die Kassenordinationen durch unbesetzte Stellen, Kontingentierungen, Bürokratie und nicht mehr kostendeckende Tarife die Versorgung nicht-spitalsbedürftiger Patienten nicht mehr leisten können.
PHCs werden nicht im Sinne der Versorgungswissenschaften als additive Versorgungsstruktur geplant, sondern, um den freien Beruf des Arztes und die freie Arztwahl des Patienten zu umgehen.

Wartezeiten, stilles Regulativ im Gesundheitssystem https://medicus58.wordpress.com/2016/02/08/wartezeiten-stilles-regulativ-im-gesundheitssystem/
PHC: Für wie blöd halten uns die eigentlich? https://medicus58.wordpress.com/2015/08/31/phc-fuer-wie-bloed-halten-uns-die-eigentlich/ 

Für eine echte Interessenvertretung von Patienteninteressen

Jeder Steuerzahler wird früher oder später zum Patienten. Die sogenannten Patientenanwälte sind aber parteipolitisch von den Landesregierungen ausgewählte Personen, um individuelle Streitfälle zu schlichten, sich aber – im Gegensatz zur ihrer Bezeichnung – einer strukturellen Kritik der Gesundheitsversorgung enthalten, da sie damit in Konflikt mit den Personen geraten, deren Bestellung sie zu verdanken haben.

Wessen Anwalt ist denn ein Patientenanwalt? https://medicus58.wordpress.com/2016/06/29/wessen-anwalt-ist-denn-ein-patientenanwalt/
Patientenanwaltschaft muss dringend reformiert werden https://medicus58.wordpress.com/2015/06/12/patientenanwaltschaft-muss-dringend-reformiert-werden/
Sigrid Pilz: Von Traumjobs kann man nie genug kriegen http://wp.me/p1kfuX-wh

Für eine echte arbeitsrechtliche Vertretung von Ärzte und Pflege

Weder eine politisch mit der Arbeitgeberin personell und ideologisch verlinkte Gewerkschaft/Personalvertretung noch eine
durch gesetzlich vorgegebene Bruchlinien (Kuriensystem) an inneren Konflikten scheiternde Ärztekammer
konnten sich in den letzten eineinhalb Jahren gegen eine Arbeitgeberin durchsetzen.
Der Maulkorb des Dienstrechts erleichtert es der Dienstgeberin ohne sachlichen Widerspruch die mediale Meinungshoheit zu behaupten.
Kritiker werden mundtot gemacht.

PSST: Ohne Worte https://medicus58.wordpress.com/2016/04/21/psst-ohne-worte/

Räderwerk der Macht: Wie das alles zusammenhängt https://medicus58.wordpress.com/2016/03/02/raederwerk-der-macht-wie-das-alles-zusammenhaengt/

Für eine neue politische und organisatorische Führung des Wiener Krankenanstaltenverbundes 

Diese sicher sehr weitgehende Forderung muss Außenstehenden detaillierter erklärt werden, um zu erkennen, wie hier mit Hilfe gut dotierter Berater und eines kleinen „parteipolitischen Freundeskreises“ seit Jahren die intramuralen Strukturen demontiert wurden und der Schein einer früheren Versorgungsqualität nur noch durch die Selbstausbeutung von Ärzteschaft und Pflege aufrecht erhalten wird.

Die verspätete Umsetzung einer EU Richtlinie wird in Wien für Personalabbau missbraucht, da die Stadt Pleite ist, wird das aber mit enormem PR Aufwand als Qualitätsverbesserung (mehr Ärzte tagsüber) verkauft.
Wer sich dem entgegenstellt wird desavouiert und politisch kalt gestellt (Fall Rainer):

Im August 2014 wurde von SPÖVP das Österr. KA-AZG verspätet und unter Strafandrohung aus Brüssel an die seit 2003 (!) geltenden EU Ärztearbeitszeiten angepasst. Selbst jetzt vermeidet die Politik, wie im Jahrzehnt vorher, jede Diskussion mit den Betroffenen und der ehemalige ÖGB Chef und damalige Sozialminister Hundstorfer peitscht die Novelle ohne der üblichen Begutachtung durch.

Ärztearbeitszeitgesetz: Die Chronologie des Wahnsinns im KAV https://medicus58.wordpress.com/2015/01/15/arztearbeitszeitgesetz-die-chronologie-des-wahnsinns/

Die verzögerte Umsetzung passierte nicht zufällig, sondern war der politische Wille der Gesundheitspolitiker, allen voran Stadträtin Wehselys, um möglichst lange die ärztliche 24/7 Anwesenheit kostengünstig in den öffentlichen Spitälern anbieten zu können. Natürlich hatten die Arrivierten (nicht die Turnusärzte) auch daraus Vorteile, dass die Tagespräsenz durch die verpflichtenden Nachtdienste reduziert wurde (Privatprdination, -krankenhaus), aber in 11 Jahren wäre ein konsensualer Umbau des Wiener Krankenhausverbundes leicht möglich gewesen, hätte das die Politik gewollt.
Jetzt ersetzen rasch aus dem Hut hochbezahlter externer Berater gezauberter Konzeptpapiere eine konsensuale Sachpolitik und niemand kann verstehen, weshalb gesetzlich reduzierte Anwesenheit, gleichzeitig zu keiner Leistungsreduktion und zu einer höheren Tagespräsenz führen sollte. Das sprangen aber die hoch bezahlten externen Berater und der vom Schreibtisch aus Deutschland weg-engagierte Generaldirektor hilfreich zur Seite (siehe c) unten).
Bis auf den heutigen Tag bleibt aus der medialen Diskussion überdies heraus, dass eine höhere Tagespräsenz der Ärzte oder vermehrte (verlängerte) Präsenz von Pflege, Verwaltung und anderen Berufsgruppen überhaupt ein Schildbürgerstreich ist!

Als der Versuch sich alles zwischen KAV und SP-dominierter Gewerkschaft (GdG bzw. HG II) auszuschnapsen fehl schlug, wurden nach in Kraft treten des KA-AZG plötzlich Ärztekammer und Personalvertretungen zu (Schein-)verhandlungen geladen und unter enormen Zeitdruck und medialer Propaganda mehreres gleichzeitig „gelöst“:

a) die Umsetzung des KA-AZG, mit einer Reduktion der maximal möglichen ärztlichen Gesamtarbeitszeit
b) eine Neuberechnung und Neu-Entlohnung der ärztlichen Arbeitszeit, um den durch a) drohenden Gehaltsverlust und die absehbare Kündigungswelle abzufangen
c) eine Kostendämpfung durch eine Reduktion von Überstunden und Nachtdiensträdern und 24h-Diensten
d) implizit auch der neue Masterplan (Masterplan: Wir sparen, koste es was es wolle https://medicus58.wordpress.com/2016/03/16/masterplan-wir-sparen-koste-es-was-es-wolle/) nur schien dies den Verhandlern nicht so ganz bewusst ..

 

c) basierte wesentlich auf der Rechnung externen Berater, die Wehselys Problem zu lösen schienen, indem sie vorrechneten, dass die Stadt im Falle eines 24h-Dienstes auch für die gesetzlich zustehenden Ruhezeiten (wie viele das waren wurde sehr unterschiedlich kommuniziert) bezahlen müsse (Wehsely Originalton: „Bezahlen Ärzte nicht fürs Schlafen„) und eine Umstellung auf einen 12,5h Wechseldienst, wie in der Pflege, plötzlich pro Nachtdienst 5 Stunden ersatzlos einzusparen wären. Somit schien das Wiener Perpetuum mobile [ a)-d) ] wundersamerweise ins Laufen gebracht: Weniger Ärzte, mit weniger Arbeitszeit, leisten einfach mehr!
Insgesamt sollen so 112 Nachtdienste und somit 382 VollzeitÄquivalente (also Arztposten) eingespart werden können, wenn bis 2018 zusätzliche Rahmenbedingungen erfüllt würden:

Schwerpunktsetzungen in der Akutversorgung (=Reduktion des lokalen Leistungsangebotes)
Reduktion der Leistung nach 20 Uhr (=Notversorgung bis zum folgenden Morgen aller Patienten, die nicht sofort operiert oder auf einer Intensivstation landen, also eine Versorgungstiefe wie beim Praktiker, halt nicht im eigenen Bett)
Reduktion der Rettungszufahrten (=was die Stadt Wien nicht wirklich beeinflussen kann, insbesondere weil sie die Strukturprobleme bei der Wiener Rettung und in der extramuralen Versorgung durch die politisch gleichgefärbte Gebietskrankenkasse negiert)
Ausbau der Zentralen Notaufnahmen (= überall 4 ND Räder, nur im Donauspital ging es auch mit weniger ….)
Pooldienste bei chirurgischen Fächern (=Assistenzen assistieren Operateuren bei schwierigen Operationen, die sie gar nicht kennen ….)
Skill & Grade (=Übernahme von Blutabnahmen und Infusionsdiensten durch die Pflege, etwas was schon längst in anderen Spitälern umgesetzt wurde, aber nun der Pflege überfallsartig umgehängt wurde …)
eine allfällige Reduktion des  Personalstandes… durch Nichtnachbesetzung bei Pensionierungen und Nichtverlängerungen befristeter Dienstverträge sowie Reduktion der Aufnahmezahl von Turnusärzten analog des zukünftigen Versorgungsbedarfs.“

Die Gewerkschaft machte die Mauer und die Gehaltsreform (Wehsely: 30%-ige Gehaltserhöhung bei weniger Arbeitszeit)wurde im Gemeinderat mit Regierungsmehrheit beschlossen.
Die in sich zerstrittene Kammerführung zog ihre (unter Vorbehalt gegebenen?) Zustimmung nach Protesten und einer Mitgliederbefragung zurück und stimmte, nach einem Alleingang einiger weniger Kammerfunktionäre und des Kammeramtspräsidenten
im Juni 2015 knapp vor einer Entscheidung für den Streik, plötzlich Wehselys „Vereinbarung zum Paket Dienstzeitmodell und Besoldung der ÄrztInnen im KAV“ zu.

Seither scheint aber unklar, welche der vielen Schriftstücke nun gilt oder nicht, einig scheint man sich aber zu sein, dass es zu einer Reduktion der ND-Räder kommen wird und dass eine Arbeitszeitflexibilisierung von beiden Seiten gut geheißen wird. Klar wird aber immer mehr, dass alle Beteiligten nicht ganz wussten, worunter sie ihre Unterschriften setzten.

Nachträglich sagen alle (einschließlich der FSG Gewerkschafter) , außer natürlich die Stadträtin und ihre Berater, dass sie ohnehin wussten, dass das Model durch den Wegfall früherer Pauschalen zu einer massiven Kostensteigerung führen würde, gesagt hat es aber offenbar damals keiner.
Obwohl die Arbeitgeberin schon zu Beginn 2015 offenbar genau wusste, wie viele Ärzte es braucht, um die erforderliche Leistung zu erbringen, versuchte sie (wiederum unterstützt vom roten gewerkschaftlichen Trachtenpärchen: Meidlinger und Jonak) im Frühsommer 2016 die ärztliche Arbeitsleistung erstmals via App zu erheben.
Für die Ärztekammer und eigentlich jeden gesundheitspolitisch Interessierten waren der Ausbau der zentralen Notaufnahmen die wichtigste Rahmenbedingung, um in der Nacht mit einer geringeren ärztlichen Präsenz das Auslangen finden zu können, der KAV und einige ärztliche Direktoren sahen das plötzlich anders.

In der unübersehbare Finanznot der Stadt Wien (http://kurier.at/chronik/wien/wien-startet-groesste-verwaltungsreform-der-geschichte/194.075.741) und bei
steigenden Ausgaben für das KH Nord (Nordlichter, weshalb der Stadt für Ärzte und Pflege kein Geld mehr bleibt https://medicus58.wordpress.com/2015/04/30/nordlichter-weshalb-der-stadt-fur-arzte-und-pflege-kein-geld-mehr-bleibt/), sowie die
Verzögerungen bei den Begleitmaßnahmen (Personalmisere Wiener Rettung, Flop  des PHCs beim Donauspital, keine Ausbaumöglichkeiten für einige Notfallaufnahmen, ….), bliebt nun nichts anderes mehr übrig,
als die Notbremse (Abteilungssperren, sofortige Nachtdienstreduktionen, 40 Stunden-Woche ungeachtet der anschwellenden Patientenströme, fehlendes Personalbudget, …. ) zu ziehen.

Auch wenn die APA und Gratismedien mit anderslautenden Wortmelden überschwemmt werden, letztendlich blieb von allen Planungen unter dem Diktat der leeren Kassen nur die Schnapsidee (Umstellung auf 12,5 h ND ohne Schlaferlaubnis) übrig.

Natürlich hat der Ärztekammerpräsident Szekeres Recht, wenn er der KAV Führung Unfähigkeit vorwirft, wie es heute GD Janßen in Wien heute beklagte).
Wer ernsthaft behauptet, dass es unter diesen Rahmenbedingungen (reduzierte Wochenarbeitszeit, mehr Dienstantritte und Übergaben, vermehrte gesetzliche Ruhephasen) ohne Personalaufstockung bei gleicher Leistung zu einer vermehrten Tagespräsenz der Ärzte kommen kann, der sollte Grundrechnungsarten üben und den Beratern, die sowas vorrechneten keine Millionen zahlen. Wenn es sowas bei den Metallern gegeben hätte, wären ÖGB und Arbeiterkammer Sturm gelaufen.

Wenn wir nun erneut über Streik abstimmen, dann geht es (im Gegensatz zu den Medienberichten) NICHT NUR um Ärztearbeitszeiten.

Es geht auch um den Umgang mit hochqualifizierten Mitarbeitern, deren dienstrechtlichen Maulkorb man ausnützt um unverfrorenen Agitprop zu betreiben.

Letztendlich haben sich in diesen eineinhalb Jahren alle Verhandlungspartner (Stadträtin, Gewerkschaft, Personalvertretung, Ärztekammer) in einem durch bewusstes politisches Versagen unter unnötigem Druck abgehaltenden Verhandlungen so lange gegenseitig über den Tisch zu ziehen, bis nichts mehr ging und die PR-Maschine der rot-grünen Stadtregierung nur mehr auf tiefstem Niveau foulte.

All das müsste die Wiener nicht interessieren.
Da diese Ereignisse  aber nur der vorläufige Schlusspunkt einer systematischen Aushöhlung der öffentlichen Gesundheitsversorgung dieser Stadt darstellen, handelt es sich nun
NICHT UM EINEN ARBEITSKAMPF UM ÄRZTEDIENSTZEITEN,
SONDERN OB UNS ÄRZTEN ODER EINER STADTRÄTIN UND IHREN MIT STEUERGELDERN HOCHDOTIERTEN MIETMÄULERN,  BERATERN UND PARTEIGENOSSEN GEGLAUBT WIRD,
DASS SIE UM EINE GUTE PATIENTENVERSORGUNG IN DIESER STADT KÄMPFEN.

 

Natürlich haben hier alle auch Partikularinteressen:
Wenn aber gerade Wehsely ihrem ehemaligen Parteimitglied Szekeres ausrichtet, dass es ihm nur um die nächste (Kammer-)Wahl gehen würde, klingt das aus dem Munde einer Berufspolitikerin nicht unlustig.

Natürlich wollen auch angestellte Ärzte ein gerechtes Gehalt und eine annehmbare Work-Life-Balance.
Aber lassen wir es einmal darauf ankommen, wenn alle Karten auf dem Tisch liegen, die wir aus dienstrechtlichen Gründen nicht öffentlich machen können, wem dann mehr geglaubt wird.
Jeder von uns kennt die Situation im Aufklärungsgespräch mit unseren Patienten, wenn diese uns die Frage stellen:

Und was würden Sie an meiner Stelle tun?

Ich bezweifle, dass dies Frau Wehsely, Herr Janßen oder Herr Hohenauer so oft hört!

 

PS: Frau Stadträtin, ich kandidiere für keine Fraktion bei den Kammerwahlen …..

Written by medicus58

17. August 2016 at 20:15

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