Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Archive for Januar 2018

Der freie Beruf Arzt an der Angel der Versicherungen

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Können Sie sich vorstellen, zwar im Rahmen Ihrer Rechtsschutzversicherung einen Rechtsanwalts konsultiert zu haben, dieser aber dann von Ihrer Rechtsschutzversicherung kein Honorar überwiesen bekommt und die Sache damit erledigt ist?
OK, nachdem Sie fertig gelacht haben glauben Sie vielleicht zu wissen was Versicherungen und einen freien Beruf ausmacht.
Vermutlich gehen Sie davon aus, dass die Abgeltung der Leistungen, die Sie von Ihrem Arzt erhielten, durch Ihre Pflichtversicherung oder sogar Privatversicherung ebenso eine Selbstverständlichkeit sein sollte.
Das irren Sie aber gewaltig.

Erinnern Sie sich noch an die Debatte um die Wartezeiten auf CT- und MR-Untersuchungen, auch hier gingen die Krankenpflichtversicherungen davon aus, dass sie jedem Institut eine maximale Anzahl von Untersuchungen („Deckel“) abgelten zu können und zusätzliche Untersuchungen im Quartal halt unentgeltlich durchgeführt werden müssen, weil man Patienten ja nicht warten lassen kann.
Die Privaten Krankenversicherungen verweigern seit Jahrzehnten rund 20% (exakte Zahlen sind schwer zu bekommen) der eingereichten Rechnungen und warten darauf, dass in den Schlichtungsstellen, die gemeinsam mit der Ärztekammer betrieben werden der Beweis geführt wird, dass die erbrachte Leistung unumgänglich im Zusammenhang mit dem stationären Aufenthalt erbracht werden musste. (Im Klartext wird darüber gestritten, ob sich der Herzinfarktpatient seinen zufällig jetzt entdeckten Fußpilz nicht auch nach der Entlassung vom Hausarzt behandeln lassen könnte.)

Wer bis jetzt glaubte, dass sowas nur hier bei uns in Bagdad passieren kann, wird augenblicklich auf einem deutschen Ärzteportal eines Besseren belehrt. Ärzte für erbrachte Leistungen nicht zu bezahlen, hat System:

Ich bekam gestern einen Brief der KV- Abrechnungsstelle, in dem mir mitgeteilt wurde, daß sie alle meine DMP-Ziffern „im Wege der sachlich-rechnerischen Richtigstellung“ gestrichen haben. Grund: Angeblich läge keine Dokumentation von der DAVASO Datenstelle vor. Meine Abrechnungsauswertung für 3/2017 kam in einem anderen Umschlag mit gleicher Post, und tatsächlich war keine DMP-Ziffer enthalten. Wer hat so etwas schon erlebt? Was tun?

Ich bin total sauer, weil ich der Meinung bin, daß die KV-Mitarbeiter, welche die Abrechnung bearbeiten, verpflichtet sein sollten, bei der DAVASO und bei mir nachzuhaken, sobald sie merken, daß ein Nachweis fehlt – und nicht einfach kommentarlos streichen und 1/4 Jahr später vor vollendete Tatsachen stellen! Denn jetzt wäre die Frist für eine Nachmeldung an die DAVASO verstrichen (zum Glück habe ich den E-Mail-Versand-Nachweis, daß ich die Dateien ich fristgerecht versendet hatte).

Den Spass hatte ich in leicht modifizierter Form auch schon mal … die Dokumentationen im betreffenden Quartal angelegt, abgerechnet am Anfang des Folgequartals mit aktuellem Tagesdatum.
Die Datenverarbeitungsstelle hat dann sowohl diese als auch die Dokumentationen des Folgequartals automatisiert dem Folgequartal zugeordnet trotz des widersprechenden Erstelldatums.
Ich muss allerdings zugeben, dass ich damals die schriftlichen Rückmeldungen der Datenverarbeitungsstelle auch nicht lückenlos „Studiert“ habe 🙂
Da ist das fehlende Honorar ja nicht die einzige Misslichkeit, u.U. würden in ungünstigen Konstellationen Patientenauch ausgeschrieben werden etc.
Da offensichtlich ein softwaretechnischer Fehler seitens der Datenverarbeitungsstelle grundlegend war, habe ich trotz anfänglicher „Hartleibigkeit“ der dortigen Angestellten mit zwei oder drei „burschikosen“ Telefonaten das Problem aus der Welt gebracht … das geht aber nur durch konsequenten Einsatz der drei folgenden Strategien:
1. ärztliche Arroganz
2. ärztliche Arroganz und letztlich
3. ärztliche Arroganz!
Eventuell muss man da vorher ein wenig üben … 🙂

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Written by medicus58

30. Januar 2018 at 23:33

Veröffentlicht in Gesundheitssystem

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Wenn man dieses Land mit einem Wort beschreiben sollte, wäre es Ludwig

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Liebhaber von  Douglas Adams Romanserie Per Anhalter durch die Galaxie wissen, dass man die Frage „nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest“ am besten mit 42 beantwortet.
Wollte man die politischen Entscheidungen in Österreich mit einem Wort beschrieben wollen, dann wäre es LUDWIG.

Ein außerordentlicher Parteitag der Wiener SPÖ wählte den Wiener Wohnbaustadtrat Michael LUDWIG zum neuen Vorsitzenden und (Wahlen sind überbewertet einer Parteiendemokratie) Wiener Bürgermeister, vielleicht auch weil er keine bessere Wahl hatte.
Er folgte dem in Niederösterreich geborenen Michael Häupl, der Wien länger als alle anderen, außer einem gewissen Josef Georg Hörl einem Stadtdiener unter Maria Theresia, dominierte.
Michael LUDWIG ernannte sich schon vor Monaten zum logischen Nachfolger (was gemeinhin als schwerer politischer Fehler gilt) und wurde es trotz aller Anfeindungen und gegen den kaum verhohlenen Willen seines Vorgängers.
Schrecklich nett, wie ihn nicht nur die OÖN bezeichnen, keine groben Fehler, wie eben sein Vorbild und Vorgänger als Wohnbaustadtrat Werner Faymann.
Gut mit dem Boulevard, die Nase im politischen Wind, nie dagegen, um zum Schluss eigentlich logisch zu scheinen.

LUDWIG, hat auch in Niederösterreich einen politischen Klang. Siegfried LUDWIG (1926-2013) war dort zwischen 1981 und 1992 Landeshauptmann und trat dann urplötzlich zurück, eigentlich am Höhepunkt seiner Karriere,
nach dem Spatenstich für eine eigene Landeshauptstadt in St. Pölten. Eine eventuelle Mitschuld am WBO-Skandal konnte nie überprüft werden, da die ÖVP NÖ eine Untersuchung ablehnte. Manche geben als Grund den schwindenden Einfluss der ÖVP NÖ an, was sie Karriere seines Nachfolgers (und vormaligen Stellvertreter) Erwin Pröll (LH 1992-2017) eigentlich ad absurdum führte. Sogar als vor seiner letzten Wiederwahl der nächste Wohnbauskandal platzte, was die Presse so nett als niederösterreichischen Wohnbaugeld-Voodoo bezeichnete, erreichte Pröll bei der niederösterreichischen Landtagswahl 2013 die absolute Mehrheit mit 50,79 Prozent der abgegebenen Stimmen! Aber auch er trat, zwischenzeitlich als Bundespräsidentschaftskandidat ohne Vorankündigung zurück als über Weinköniginnen und Stiftungen diskutiert wurde, um seiner Nachfolgerin und Stv. Landeshauptfrau Mikl-Leitner einen von vielen unerwarteten Erhalt der absoluten Mehrheit zu ermöglichen.
Die Mehrheit der „Politexperten“ wissen nun auch, dass der kurz vor der Wahl vom Falter ausgelöste Skandal um antisemitische Lieder in der Burschenschaft des FPÖ Kandidaten Landbauer ohne wesentlichen Einfluss auf die Wahl blieb.

Kommen wir zu den Schlussfolgerungen:
1.) Politische und moralische Skandale beeinflussen den österreichischen Wähler wenig.
2.) Es gewinnen meisten Leute, die seit Jahrzehnten im System etabliert sind und an ihren Seilschaften weben.
3.) Der Ruf nach „Veränderung“ führt in diesem Land fast immer zu „Watzlawicks „More of the same„.
4.) Mitgliedschaften in „Verbindungen“ sind notwendig um Karriere zu machen:

 

LUDWIG S. war Mitglied in mehreren Verbindungen des MKV (KÖStV Aggstein St.Pölten, KÖMV Nibelungia St. Pölten u. a.) und des ÖCV (KÖStV Austria, KÖAV Floriana u. a.).
PRÖLL ist Ehrenmitglied der Ö.k.a.V. Rhaeto-Danubia Wien, der K.Ö.H.V. Franco-Bavaria Wien, der K.Ö.A.V. Floriana St. Pölten im Österreichischen Cartellverband (ÖCV) und bei der K.Ö.Agr.St.V. Bergland zu Wieselburg im Mittelschüler-Kartell-Verband (MKV). Außerdem ist er Mitglied der Rotarier.
MIKL-LEITNER ist Mitglied der Studentenverbindung KÖMMV Babenberg Klosterneuburg
HÄUPL M. war Mitglied und Sprecher der schlagenden Schülerverbindung Jungmannschaft Kremser Mittelschüler Rugia Krems, danach jedoch beim VSStÖ
LUDWIG
 M. bekam scheinbar ungefragt und überraschend schon vor dem Parteitag die Unterstützung der sozialistischen Gewerkschafter

5.) Wir bleiben ein Land der Sekretäre und Nachfolger
6.) Wien und Niederösterreich können als Kernland der Österreichischen Seele bezeichnet werden, unterscheidet sich weniger als die glauben und der Rest ist quantitativ zu vernachlässigen …
7.) Der Name LUDWIG leitet sich von althochdeutsch hlud = ‚berühmt‘ und wig = ‚Kampf, Krieg‘ ab, in Österreich steht er hingegen für das berühmte Beharrungsvermögen, das auch den Träger überdauert.

Oder mit anderen Worten: 42

 

Written by medicus58

28. Januar 2018 at 22:03

Drittmittel, der unbekannte Dritte in der Medizin

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Drittmittel, der unbekannte Dritte in der Medizin, oder warum wir uns das Gesundheitssystem nicht durch die Forschung finanzieren lassen sollten!

Als 2014 die Wiener Zeitung berichtete, dass das Pentagon universitäre Forschung in Österreich finanziert, begann man auch hierzulande darüber nachzudenken, ob jedes scheinbar auf der Straße liegende Geld von den die finanziell ausgehungerten Universitäten aufgeklaubt werden soll. Die Debatte verebbte jedoch rasch.

Daran, dass das Phänomen nicht nur Auswirkungen auf die technische und geisteswissenschaftliche Forschung hat, wollte man in Österreichs Medizinuniversitäten gar nicht erinnert werden, oder wie es Markus Müller, der Rektor der Medizinischen Universität Wien, formulierte: 
„Wir können uns diese Frage nicht leisten.“

Angesichts der finanziellen Ausstattung der Hochschulen seien Drittmittel schlicht notwendig: Rund 95 Prozent des Budgets der Med-Uni gingen allein in Personalkosten auf.

Folgerichtig wurde der Grad an eingeworbenen Drittmittel ein Performanzindikator der Wissenschaftlichen Forschung und eine wesentliche Voraussetzung jeder wissenschaftlichen Karriere. So spornte man den wissenschaftlichen Nachwuchs an, die Finanzierung der in die Selbstverwaltung entlassenen Universitäten zu sichern. Gleichzeitig wurde aber auch Druck aufgebaut, dass Patienten mit gerade passenden Erkrankungen die Teilnahme an laufenden wissenschaftlichen Studien angeboten wird. Klar, die Geldgeber brauchen rasch Resultate (z.B. für die behördliche Registrierung ihrer Produkte).
2007 fasste das eine Arbeit in der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie so zusammen:
Ressourcen innerhalb und zwischen Universitäten und in der außeruniversitären Forschung werden angesichts der Finanzknappheit im Wissenschaftssystem zunehmend in Abhängigkeit von Forschungsleistungen verteilt. … Drittmitteleinkommen als relativ einfach zu erhebender Performanzindikator spielt in allen neuen leistungsbasierten Verteilungsverfahren eine große Rolle.

Wir wollen aber hier nicht den Verlust der unabhängigen freien Forschung beweinen, wie das Die Zeit getan hat
Werden die Hochschulen zu Sklaven der Wirtschaft?
denn das Interesse der Allgemeinheit an den heeren Zielen der Wissenschaft ist überschaubar.

Es ist den meisten auch einerlei, ob eine technische Universität oder Fachhochschule ihre Dienste an die Auto- oder Waffenindustrie verkauft.
Ein Artikel aus 2015 im Standard, „Gekaufte Wissenschaft“: Drittmittel für Hochschulen immer wichtiger, der die Größenordnung des Problems aufzeigte hatte im Forum 25 Kommentare, was dort als unter Ausschluss der Öffentlichkeit gelten kann:
An den Universitäten stiegen die Drittmittelerlöse zwischen 2007 und 2013 um 47,1 Prozent auf 597,5 Mio. Euro, wie aus dem „Forschungs- und Technologiebericht 2015“ hervorgeht. Damit beträgt der Anteil der Drittmittel an den gesamten Umsatzerlösen der Unis 16,5 Prozent. Jeder fünfte Uni-Beschäftigte ist über Drittmittel angestellt. Für die Fachhochschulen (FH) gibt es keine damit vergleichbare Zahlen, sie messen den Anteil der Drittmittel an den Gesamtausgaben für F&E: Diese haben sich an den FH zwischen 2002 und 2013 mehr als vervierfacht und betragen nun 89,4 Mio. Euro. Der Anteil der Drittmittel an den F&E-Ausgaben lag bei 25 Prozent, wie die Fachhochschul-Konferenz (FHK) auf Anfrage der APA mitteilte.

Fremdfinanzierung in der Medizin, Stichwort Pharmagelder, löst jedoch auch bei Otto-Normalverbraucher eine heftige Reaktion aus, wobei sich die Kritik immer auf die (angeblich) gekauften Ärzte konzentriertCosì fan tutte: Pharma Fahmy.
Manchmal beschäftigt sich die Debatte auch mit anderen, auf den ersten Blick unbedachten Drittmittelflüssen: Pharma zahlt PatientInneninitiativen € 1.435.059
Letztendlich bleiben das aber boulevardeske Randthemen.

Ein gefährlicher Aspekt der aus Drittmitteln finanzierten Medizin fehlt in der öffentlichen Debatte völlig, obwohl er zu einer schleichenden und inzwischen ziemlich relevanten Änderung der Patientenversorgung führte und einen immer größeren Kreis an Patienten betrifft.
Inzwischen versuchen immer mehr Krankenanstaltenträger sich und die immer teureren Therapien über eine zunehmend lückenlose Rekrutierung von „passenden Patienten“ für laufende Firmen-finanzierte Studien zu finanzieren. Auf den ersten Blick ist das ja auch wirklich verführerisch. Im Rahmen einer wissenschaftlichen Studie stellt der Auftraggeber nicht nur das teure Produkt gratis zur Verfügung, er muss auch meist auch eine Reihe anderer Kosten (Bluttest, Bildgebende Diagnostik, ….) abdecken, da er diese Befunde ja z.B. für die behördliche Registrierung seines Produkts benötigt. Ja und in manchen Fächern fallen auch Zusatzeinkommen für die Studienleiter ab.

Ganz extrem ist dies in der Onkologie, wo immer größere Einheiten geschaffen werden, um ….. ja warum wohl?

Natürlich macht es für die Patienten Sinn, dass sie, auch wenn ihre Diagnose in einem kleineren Spital gestellt wird, nach dem letzten Stand der Wissenschaft behandelt werden. Dazu benötigt es aber nicht notwendigerweise Big Brother, bestenfalls einen Zugang zu wissenschaftlicher Literatur oder einen kurzen Telefonanruf. Ich stelle nun die These auf, dass es neben allen wissenschaftlichen Argumenten, letztendlich um den Versuch geht, Drittmittel für die Abdeckung des auch des nicht-universitären Routinebetriebes zu lukrieren und letztendlich die Patienten immer weniger Chance haben werden, nach dem gesicherten State-of-the-Art behandelt zu werden.
Ich weiß schon, da sich nach der letzten Studienreform inzwischen jedes kleine Kreisspital als universitäres Lehrspital begreift, sich ab der zweiten Abteilung als Klinikum bezeichnet und ohnehin jedes Bundesland seine Medunis erfindet, verwischen sich die Grenzen. Aber prüfen wir meine These einmal an Hand der Onkologie:

2011 wurde das Comprehensive Cancer Center (CCC) der MedUni Wien und des AKH Wien gegründet, das sich zu seinem 5-jährigen Bestehen darüber freute 21 Tumorboards mit über 7.600 PatientInnen pro Jahr zu koordinieren und zu administrieren.
Auf der höchst professionellen Homepage wird dem Besucher versichert, dass das CCC die kompetente, interdisziplinäre medizinische Versorgung von KrebspatientInnen mit klinischer und grundlagenwissenschaftlicher Forschung sowie Lehre auf höchstem akademischem Niveau verbindet. Um gleich nachzusetzen:
Darüber hinaus haben sie zudem die Möglichkeit, an den neuesten nationalen und internationalen Forschungsprogrammen teilzunehmen.
Klar, da braucht man nicht nach Afrika oder Indien ausweichen, um Medikamente zu testen, da sprechen wir von Fallzahlen, die auch bei uns rasche Ergebnisse versprechen.
Klar, der Patient hätte so eine Chance als erster von einer neuen Therapie zu profitieren, aber mitunter auch nicht.
Erwarten sich Patienten im öffentlichen Gesundheitssystem ein Roulettespiel? 

2017 freute sich die Wiener Gesundheitsstadträtin, dass mit dem CCC für die Tumor-Forschung und Behandlung von KrebspatientInnen eine einzigartige neue Kooperation zwischen Wiener KAV, AKH und MedUni entstanden ist, als ob das AKH mit seiner MedUni nicht ohnehin Teil des KAV wäre.
Wien wird damit zu einem der relevanten Krebs-Forschungszentren in Europa.
Ja und dann staunt man über soviel Ehrlichkeit:
Mit dieser Einrichtung werden künftig noch mehr und größere krebsspezifische Studien möglich sein.
Und weil man schon dabei war, kamen auch gleich die Vinzenz-Gruppe mit dem St. Josef-Spital in Wien-Hietzing als Kooperationspartner dazu, denn natürlich sieht man auch dort den ökonomischen, pardon, klinischen Benefit. 

2018, also vor wenigen Tagen freute sich der oben schon zitierte Rektor der Meduni Wien (übrigens Klinischer Pharmakologie, gebürtiger Klagenfurter mit Wohnsitz auch in Kärnten) über eine weitere Erweiterung:
Wir bündeln in der Onkologie, die hoch spezialisiert ist, die Kräfte. Wir verbinden das Klinikum Klagenfurt und das Cancer Comprehensive Center der Uni Wien, damit Kärnten in einem Cluster auf Expertise zugreifen kann.
… und die Studienkoordination auf noch mehr Patienten ….

Eine Diskussion über Risiken und Vorteile durch die Teilnahme an einer wissenschaftlichen Studie würde den Rahmen dieses Beitrag sprengen. Eine relativ objektive Darstellung findet sich hier: Krebsratgeber

Die Fülle an neuen Krebsmedikamenten und ihre exorbitanten Kosten sprengen wirklich die Budgets der Krankenhäuser, aber der Weg über Drittmittel schein mir extrem gefährlich.
Wenn bald jeder Patient in eine wissenschaftliche Studie eingeschleust wird, dann schrumpft die Chance auf eine Behandlung nach den letzten Stand der Wissenschaft auf die Hoffnung in die Kontrollgruppe gelost zu werden.
Ob unter dem ökonomischen Druck noch eine ergebnisoffene Patientenaufklärung möglich ist, mag ebenfalls bezweifelt werden.
Langfristig ist der Weg ohnehin zum Scheitern verurteilt, weil irgendwann die Geldgeber auch wieder welches verdienen wollen!

In den Jahrzehnten in denen sie die Drittmittel in die wenigen Universitäten gepumpt haben und ihre Gewinne in der Peripherie einstreifen konnten, war das System in Balance, die jetzige Entwicklung scheint mir diese jedoch zu gefährden.
Ja, und deshalb denke ich, dass es für uns alle besser wäre, würden wir die Medizin (wie übrigens auch die Schulen, Universitäten, Museen, ….) lieber solidarisch aus Steuermittel finanzieren – und dort wo das offenbar nicht mehr geht die Warum-Frage aufwerfen, als uns noch weiter in die Lebenslüge einer Drittmittelfinanzierung zu verlieren.

Gangbetten – Liebe Kunden wir eröffnen in Kürze Kassa 3

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Wieder rügt der Rechnungshof den KAV für Gangbetten, wieder darf (immer ein anderer) KAV-Verantwortlicher vor der Kamera etwas von „Bettenmanagement“ und „klinischer Notwendigkeit“ sprechen um anschließend zu ver-sprechen, „darauf ganz genau zu schauen„.
Brennpunkt ist wieder einmal die Unfallchirurgie.

Warum im angeblichen rot-grünen Bollwerk gegen die tückisch-blaue Regierung, der Stadt Wien, niemand sagt oder sagen darf, dass ein Teil des Problems daraus resultiert, dass die Leistungen der AUVA seit Jahren herunter gefahren werden und den anderen Krankenanstalten aufgebürdet wird, um Lohnnebenkosten zu sparen, ist einfach erklärt.
Dieser Prozess lief auf Druck von Industriellenvereinigung und Wirtschaftskammer schließlich auch unkommentiert während der rot-schwarzen Regierung!

Ob man das nun gut findet, weil die Anzahl der reinen Arbeitsunfälle, für die die AUVA gegründet wurde, zurück gehen,
oder schlecht finden, weil die parallel zunehmenden arbeitsbedingten Erkrankungen des Bewegungsapparates und der Psyche unhinterfragt dem allgemeinen Versorgungssystem aufgebürdet werden, ist ein gesundheitspolitisches Problem und somit
nicht von den Krankenhausträgern sondern von der Politik zu lösen!
Da die Landespolitik aber das Management der Krankenhausträger (und der ORF Landesstudios) aussucht, werden diese sich hüten sowas anzusprechen!

Auch eine andere, ganz primitive Wahrheit, die jeder von uns fast täglich im Supermarkt und nur fallweise im Gangbett erlebt, ist der Zusammenhang zwischen Aufwand, Effizienz und Ergebnis einer Versorgung.
Das ist im Kern wieder nichts Politisches sondern ein mathematisch zu formulierender Zusammenhang.

Die Parallele zwischen Supermarkt und Gesundheitssystem liegt nun darin, dass die jeweilige Inanspruchnahme sehr fluktuierend ist.
Arbeitende Normalos kaufen selten am späten Vormittag ein, bei Glatteis brechen mehr Schenkelhälse.
Das führt uns zur Warteschlangenformel.

Vereinfacht kann man sie auch (wie schon einmal hier angesprochen) so darstellen:

Auslastung / (1 – Auslastung) = erwartete Anzahl der Kunden an der Kasse

Die „primitive Wahrheit„, die zumindest den Verantwortungsträgern einmal ins Stammbuch zu schreiben ist, dass unter diesen Bedingungen, schon bei einer durchschnittlichen 80-prozentigen Auslastung der Kassenkraft mit einem phasenweise auftretenden Anzahl von 4 Kunden an der Kasse zu rechnen ist.
Für die Beckmesser: Auslastung * erwartete Anzahl der Kunden an der Kasse = erwartete Länge der Schlange = 0,80 * 4,0 = 3,2, d.h.
in manchen Fällen werden trotz eigentlich schon relativ hoher Systemauslastung immer wieder drei Patienten im Gangbett liegen!

Jede weitere Steigerung der Auslastung lässt phasenweise die Warteschlangen explodieren (z.B. 90% Auslastung der Kassenkraft = 9 Kunden).
Erst bei einer kaum finanzierbaren durchschnittlichen Auslastung der Kassenkräfte von 50 Prozent erreicht man das „Ideal“ von durchschnittlich nur einem Kunden pro Kasse bzw. einem systematisierten Bett pro Patient!

Wie man das Problem angeht, erleben wir bei Lidl, Billa, Hofer et al.  Seit einiger Zeit spielen die dort ein ständiges Kassa auf Kassa zu Spiel, um zwischen den Spitzenzeiten die Mitarbeiter mit anderen Arbeiten zu beschäftigen. Das führt wiederum dazu, dass Kunden auf den Gängen über immer mehr Paletten mit nur teilweise eingeschlichteten Produkten stolpern.
In den Krankenhäusern versucht man das Problem mit interdisziplinären Stationen und immer mehr Transferierungen zu lösen, was inzwischen zu einem überproportionalen Organisationsaufwand bei sinkender Effizienz führt, wenn ein Patient am Tag vor seiner Entlassung auf eine fachfremde Station transferiert wird, wo sich kaum jemand mit seinen speziellen Bedürfnissen zum Entlassungszeitpunkt auskennt.

Bei allem Verständnis dafür, dass die Verantwortlichen ja nach außen etwas dazu sagen müssen und deshalb immer hektischer an der internen Organisation herumdoktern, irgendwann werden es auch die Supermärkte begreifen, dass die Kollateralschäden durch hin- und herlaufender Mitarbeiter (Stress bei Mitarbeitern und Frust bei Kunden durch permanent unterbrochene Arbeitsabläufe, Folgefehler, Unübersichtlichkeit …) und der ebenfalls exponentiell ansteigende Organisations- und Überwachungsaufwand sich nicht rechnet.
Je höher der Spezialisierungsgrad einzelner Mitarbeiter wird, und da sind wir im Gesundheitssystem, desto früher wird dieser Punkt erreicht sein.
Meines Erachtens ist er in den Wiener Krankenhäusern schon längst überschritten und wir reiben uns nur mehr mit dem Organisieren und Optimieren auf.

Also abseits des politisch korrekten Geschwubels wäre es einmal erfrischend zu hören:

Das sind die Rahmenbedingungen, das sind die uns zur Verfügung stehenden Ressourcen,
damit sind bestimmte Dinge machbar, wobei jede Organisationsänderung wieder zu anderen Kollateralschäden führt.
Machen Sie uns bitte für fachliche Fehler aber nicht für Dinge außerhalb unseres Einflussbereiches verantwortlich und
lernen Sie Mathematik, junger Mann,
um Kreisky zu paraphrasieren.

Würde man aber das sagen, wäre die Karriere sowohl im Gesundheitsmanagement als auch in der Politik abrupt beendet.

Links zum Thema:
Gangbetten gibt’s net
Indische Betten: Die Betten am Ende des Ganges (Director’s Cut)
Rock ’n’ Roll in der Geriatrie; Warum Wien bald mehr neurochirurgische Gangbetten hat
SP-Wagner: Engagiertes KAV-Personal stellt PatientInnen-Versorgung jederzeit sicher
Der scheinbare Sieg: Verkürzte Wartezeiten in der Radiologie
Ist 2030 schon vorbei, oder? Bemerkungen zum Wiener Spitalskonzept 
Selten liegt es daran, dass man es nicht besser wüsste 

 

Written by medicus58

18. Januar 2018 at 18:00

Rote Rüben mit Kren

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Damit Sie mich für einen alten Trottel halten dürfen:
Es gibt viele Dinge, die es zu meiner Jugend nicht gegeben hat, die aber heute völlig unhinterfragt akzeptiert werden.

Ich bezweifle, dass ein großer Teil des Publikums regelmäßig an der Börse spekuliert, jedoch werden wir seit mindestens zwei Jahrzehnten verlässlich von den Massenmedien mit all den Dow Joneses, Nikkeis und FTSEs versorgt.

Es gab noch Zeiten, in denen in öffentlich-rechtlichen Sendern die Produktionformationen nicht mit Spuren von Programmen verunreinigt wurden.

Und, wie absurd es Ihnen auch heute erscheinen mag, ich arbeitete schon im Allgemeinen Krankenhaus in Wien, als es dort noch niemanden gab, der sich um Public relation bemühte. Das Neue AKH unter seinem Direktor Krepler benötigte selbstverständlich jede Menge externe und interne Mitarbeiter um sich entsprechend zu präsentieren.

Ich habe hier schon im September 2016 unter dem Titel Miniwahr KAV: Recht v.s. Propaganda und noch was anderes in dem Zusammenhang darüber berichtet, dass der Vorstandbereich Kommunikation im KAV mehr Mitarbeiter hat, als die Rechtsabteilung.
Kritik wird meistens entgegen gehalten, dass auch öffentliche Einrichtungen in einem Wettbewerb, um die Gunst des Steuerzahlers, um das Wohlwollen der Politik, … etc., stehen und daher an ihrer Außenwirkung arbeiten müssen. Allein im Rahmen meiner Managementausbildung hörte ich dazu zwei Stunden Frontalvortrag, übrigens von einem Ex-ORF Journalisten, der zufällig eine auf gerade diese Dienstleistung spezialisierte Firma gegründet hat.

An all das musste ich denken, als ich auf Twitter die oben abgebildete Zwitscherei von @wienkav sah:
Rote Rüben mit Kren
Halten Sie mich wirklich für einen alten Trottel, ich sehe die Aufgabe einer öffentliche Gesundheitseinrichtung nicht darin, sich mit pürierten Suppen bekannt oder beliebt zu machen, auch wenn sie farblich ansprechend sein mögen.
Auf Wienerisch bezeichnet man übrigens auch als Kren denjenigen, der die Rechnung übernehmen muss, jedoch wollen wir die Analogie nicht zu weit treiben.

Übrigens wenn Sie das Rezept vielleicht doch benötigen: http://www.wienkav.at/kav/ZeigeText.asp?ID=34676
Ich finde übrigens, dass ein säuerlicher Apfel den Geschmack verbessern würde ……

Written by medicus58

15. Januar 2018 at 21:23

Demonstrare – zwischen Selbstbefriedigung und Revolution

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Der lateinische Wortstamm dessen, was in Österreich zwar behördlich angemeldet werden muss, dann aber als höchstes Gut demokratischer Freiheit gilt, das Recht auf Demonstration, wird im PONS Online Wörterbuch mit den Begriffen:
genau zeigen, bezeichnen, auf etw od. jmd. hinweisen, darlegen, vorstellen, zu erkennen geben, deutlich angeben, nachweisen, beweisen, genau bestimmen, der Bedeutung nach bezeichnen, bedeuten
in Verbindung gebracht.

Am Samstag haben in Wien laut Veranstalter 70.000, laut. Veranstalter 20.000 an einer Großdemonstration gegen die tükisch-blaue Regierung teilgenommen.

Ich habe keine der beiden Regierungsparteien gewählt aber auch nicht an der Demo teilgenommen, obwohl sie vor meinem Fenster vorbeigezogen ist. Laut Orf.at wurde in Reden wurde vor Sozialabbau gewarnt, auf Transparenten gegen Studiengebühren protestiert und vor dem Ende von Gewaltschutzeinrichtungen gewarnt.

Das Recht auf Demonstration kann natürlich nicht in Diskussion stehen und das, worauf die Demonstrierenden „genau zeigten“ war auch der Grund, weshalb ich keine der beiden Parteien gewählt habe.
Was ich aber nun als politisch problematisch erachte ist Folgendes:

Erstens:

31,47 + 25,97 Prozent, also
64,4 % der Wahlberechtigten haben vor wenigen Monaten diese Regierung gewählt, die inhaltlich das umsetzt, was sie im Voraus angekündigt hat.
Kommen Sie mir nicht mit Details, nur ein politisch völlig unterbelichteter Wähler hätte vor der Wahl daran zweifeln können, dass hier ein neoliberalistisch-rechtspopulistisches, kapital- und wirtschaftsfreundliches Regierungsprogramm umgesetzt werden wird, dass sich aus dem Abbau von Staat und Transferleistungen zu finanzieren gedenkt.
Und wenn Sie nun sagen, dass das „SO vor der Wahl niemand gesagt hat„, dann fragen Sie sich einmal, warum das „SO vor der Wahl niemand die Spitzenkandidaten gefragt hat„.
Also worauf wollten die Demonstranten denn „genau zeigen“, was man nicht ohnehin wusste?

Zweitens:
Dass in der Regel immer zwischen einem Drittel und fast der Hälfte aller Wähler, eine Regierung nicht gewählt hat, ist ein Kennzeichen westlicher Demokratien!
Aufzuzeigen, dass man das gemacht hat, ist (noch?) ein verbrieftes Recht, aber welchen Informationsgehalt, welchen Neuigkeitswert hat das?

In diesem Sinne erscheint mir auch die Wortmeldung des geschätzten Christoph Zielinski
@cczielinski inhaltlich zwar richtig, letztendlich aber selbstreferenzierend nur die eigene Person in den Mittelpunkt gerückt als politisch zu Ende gedacht:
Considering the right to far right statements of Austrian politicians I want the outside world and particularly colleagues from other countries to know that these do not reflect the entirety of opinions in Austria
All denen, die Parallelen zu Schüssel I aufzeigen sei auch in Erinnerung gerufen, dass der damalige Skandal nicht zuletzt in dem Bruch eines politischen Versprechens (Schüssel würde als Dritter zurück treten) und dem Bruch einer langjährigen Gepflogenheit (stimmenstärkste Partei stellt Kanzler) bestand.
2017 war der Weg in eine tükisch-blaue Regierung (leider) völlig logisch, da die Groko von Kurz und Rot-Blau zumindest von Kern, irgendwie auch von Strache, abgelehnt wurden.
Alle Regenbogenkoalitionen waren, wie übrigens auch im Nachbarland, eher Nebelgranaten.

Drittens:
Niemand tut der repräsentativen Demokratie einen Dienst, wenn er nur zur Konsolidierung der eigenen Seite und zur Machtdemonstration auf die Straße geht. Ein Blick in die Geschichte demonstriert dies überdeutlich. Man kann das zwar schon so machen, von Rosa Luxemburg bis Adolf Hitler hat man das so gemacht, nur nennt man dieses Verhalten dann Revolution und davon will in diesem Land wohl kaum einer was wissen.
Wer Demokratie für sich beansprucht, muss auch akzeptieren, dass er für seine Meinung keine Mehrheit findet, ich lebe damit übrigens seit Jahrzehnten.

Erst wenn auch die, die (indirekt) diese Regierung gewählt haben, demonstrieren wollen, dass sie bereits vor der nächsten Wahl ihre Stimme wieder zurück haben wollen, dann macht eine Demonstration Sinn, davor hat sie etwas Autoerotisches an sich. 

Written by medicus58

14. Januar 2018 at 12:18

EILMELDUNG: Die Regierung hat nie konzentriert über Lager nachgedacht

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Kickl hat es wieder geschafft, man rüstet zur Entrüstung!

Die FAZ titelt atemlos
Österreichs Innenminister will Flüchtlinge „konzentriert“ unterbringen,
Vom deutschen Spiegel über die Washington Post und die britische Daily Mail bis hin zur Times of Israel berichteten zahlreiche Medien über den Sager, der viele an die Konzentrationslager der Nazis erinnert, fasst der Kurier zusammen.

Dass Daham-Islam Reimer Kickl weiß was Sprache kann darf angenommen werden, dass er im konkreten Fall nur etwas unkonzentriert war, mag man ihm glauben oder nicht.
Was mich an der Sache ärgert ist die historische Unwissenheit und die reflektorische Instrumentalisierung des sogenannten Guten und die Falle in die wir dabei tappen.

Ad historische Unwissenheit:
Wer den deutschen Wikipedia-Eintrag zu Konzentrationslager liest, erschrickt über die sehr kurz gegriffene Einleitung, als ob diese Form der Internierung eine deutsche Erfindung gewesen wäre:
Der Begriff Konzentrationslager steht seit der Zeit des Nationalsozialismus für die Arbeits- und Vernichtungslager des NS-Regimes.
Die englische Wikipedia ist da unter dem Überbegriff Internment schon viel aufschlussreicher und erinnert an die Internierung von Amerikanischen Ureinwohnern durch die Vereinigten Staaten, die offenbar sogar von Hitler bewundert wurde (Referenz auf der Seite, habe das selbst nicht gewusst!).
Was ich aber schon als Jugendlicher wusste und was eigentlich zum bildungsbürgerlichen Kanon gehören sollte, ist, dass der Begriff erstmals im Zuge der spanischen, US-amerikanischen, britischen und dann deutschen Kolonialkriege aufgekommen ist.

The English term concentration camp was first used in order to refer to the reconcentrados (reconcentration camps) set up by the Spanish military in Cuba during the Ten Years‘ War (1868–78) and the Cuban War for Independence (1895–98), and similar camps set up by the United States during the Philippine–American War (1899–1902).

The term concentration camp saw wider use during the Second Boer War (1899–1902), when the British operated such camps in South Africa for interning Boers. They built 45 tented camps for Boer internees and 64 for black Africans. Of the 28,000 Boer men captured as prisoners of war, the British sent 25,630 overseas. The vast majority of Boers remaining in the local camps were women and children, over 26,000 of whom died there.

Selbstverständlich sollen diese Einrichtungen jetzt nicht eins zu eins mit dem industriellen Genozid der Nationalsozialisten gleichgesetzt werden, aber es handelte sich trotzdem um mehr als reine Ghettos, sie waren Teil eines geplanten Genozids.

Die Erkenntnis, dass auch die anderen keine Engel waren (List of concentration and internment camps), exkulpiert auch nicht von eigener Schuld. Sie könnte jedoch wie in jeder Debatte dazu beitragen, das Gemeine vom Besonderen zu trennen und dabei helfen, wenigstens letzteres zu verhindern. 

Ad reflektorische Instrumentalisierung des sogenannten Guten:
Wie erst kürzlich hier an Hand Einer kurzem Überlegung zum Wiener Neujahrsbaby  ausgeführt, beschleicht mich auch der Verdacht, dass es den Empörten weniger um die Sache als um deren Instrumentalisierung zur Definition ihrer eigenen Position geht.

Das mag ja als „same procedure as last year“ durchgehen, wenn es nicht:

erstens von Wichtigerem ablenkt,
zweitens dem Provokateur nützt und dadurch
drittens wie in einer Seifenoper zwingend in die Dauerschleife führt.

Vielleicht tat man dem Kickl unrecht und sollte seiner Verteidigung Glauben schenken,
er habe mit dieser Formulierung „keinerlei Provokation intendiert“. Er weise das zurück, schon diesen Vorwurf könne man als Provokation werten. Stattdessen könne man auch von Orten sprechen, „wo man Menschen zusammenfasst an einem Raum“.

Wir werden es spätestens dann glauben müssen, wenn er die nächste Regierungsklausur mit einem Konzentrationslager vergleicht.
Der gewiefte Taktiker hat aber sicher eines erreicht, die für die FPÖ unliebsamen Diskussion über den Zugriff auf Vermögen von Arbeitslosen ist vorerst einmal vom Tisch:

Standard 11.1.2018: Das Arbeitslosengeld wird zum Sprengstoff für die FPÖ

Written by medicus58

12. Januar 2018 at 07:13

Veröffentlicht in Allgemein

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