Sprechstunde

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Ärztemangel: More of the same

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Die niederösterreichische Landesmutter lässt nicht locker und bestand auch nach der Nationalratswahl auf dem was sie im Wahlkampf schon vom kommenden Kanzler verlangt hat:

Mehr Studienplätze für Ärzte.

Klingt ja nach fast planwirtschaftlicher Logik, wir haben von etwas zu wenig, wir machen einen 5-Jahresplan um mehr davon zu produzieren und alles wird gut. Die Sache, dass man zur Ausbildung auch Ausbilder und natürlich genügend Fälle braucht, lassen wir mal außen vor.

Allgemein anerkannt ist aber, dass der Mangel in der ärztlichen Versorgung vorallem dadurch zustande kommt, weil die Studienabsolventen den Beruf und/oder das Land verlassen. Offensichtlich passen die Rahmenbedingungen (Bezahlung, Arbeitsklima, Work-Life-Balance,..) nicht.

Diese Problem kann man natürlich durch Überproduktion lösen, nur wird man noch mehr Leute aus dem Versorgungssystem verlieren ehe dann doch einige da bleiben, nur werden das die Besten sein?

Wie heißt es so schön, wenn wir das Ziel aus den Augen verloren haben, verdoppeln wir die Anstrengungen und wie schon im Frühjahr dieses Jahres im Nachbarbundesland:

Bald gibt es 407 Mediziner mehr in Wien und alle heißen Watzlawick

Written by medicus58

7. November 2019 at 17:55

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Jeder macht sich so sein Bild vom Ärztemangel

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Hurra, bei der Konferenz der Landesgesundheitsreferenten im niederösterreichischen Mauerbach stimmte der steirische (ja, die wählen noch) Ges. LR Christoph Drexler (VP) einer vor der NR Wahl von Frau LH Mikl-Leithner (VP) erhobenen Forderung nach mehr Studienplätzen für Mediziner zu.

Der NÖ LR Eichtinger verlangte auch Anreize, weil wir ja längst wissen, dass der Ärztemangel in der Versorgung weniger an der Anzahl der Studierenden liegt, sondern daran, dass die fertigen Doctores einfach das Land verlassen. Der Facharzt für Allgemeinmedizin müsse her und ein Staatsvertrag mit der Slowakei. Der Tiroler LR (VP) und der Salzburger LR (VP) machte sich für die Pflege stark und der Wiener Gesundheitsstadtrat Hacker (SP) wurde mit seiner Freude zitiert, dass das alles „ohne dem (!) alltäglichen Polit- Hickhack“ beschlossen wurde.

Ehe wir nun alle aufatmen, dass die ärztliche Versorgung nun gesichert wäre, sollen noch zwei Auffälligkeiten beachtet werden, ehe man zur Entwarnung trompetet:

Die eine war schon im NR Wahlkampf augenfällig: Ex-und Neo-BK Kurz (VP) stand schon vor der Wahl dem Vorschlag seiner Parteikollegin reserviert gegenüber. Ich vermeide den Zynismus, dass er ihr keines seiner nicht-kleinen Ohren geliehen hat, aber UNIVERSITÄTEN SIND EINE SACHE DES BUNDES und der müsste den autonomen Universitäten mehr Geld überweisen, wenn er mehr Studienplätze wollte.
Und selbst wenn man das Geld überweisen würde, fehlte es an Lehrpersonal und Räumlichkeiten an den Unis (letztendlich wohl auch an Praktikumsplätzen an in den Spitälern). Da können die Landesgesundheitsreferenten noch so viel verlangen, sie zahlen es ja nicht. Auch wenn die in Mauerbach lächelnde Ministerin das selbst in die Hand nähe, würde eine allfällige Realisierung in die anstehenden 15a Vereinbarungen eingepreist werden oder eben leider nicht realisierbar sein …. und im nächsten Jahr würde es wieder beim Bundeskanzler Kurz landen und: siehe oben

Und noch ein zweiter Punkt lässt Übles ahnen. Über das Treffen haben Kurier und NÖ Heute berichtet und da fällt schon auf, dass im überregionalen Kurier das Originalfoto des NÖGUS verwendet wurde und und 8 Personen zeigt, während NÖ Heute eine Version aus dem Büro des NÖ Landesrates Eichtingers verwendet, auf der dieser nicht nur in der Mitte sondern unter Inkaufnahme des Verlustes von drei flankierenden Personen noch Format-füllender ins Bild gerückt wurde …

Mag sein, dass es (Originalton Hacker) dort ohne Hickhack herging, die (digitale) Schere hat man aber in NÖ dann doch gleich wieder angesetzt, was an einer konsensualen Umsetzung all der genannten Vorschläge doch stark zweifeln lässt und BTW u.a. auch Hackers Lächeln verschwinden hat lassen.

Written by medicus58

17. Oktober 2019 at 17:32

Gedanken zur DACH-Studie über Ärztemangel in Österreich

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DACH-Studie belegt eklatanten Ärztemangel in Österreich schallte es durch den Medienwald und machte der Gesundheitsökonomen liebstes Spielzeug, die OECD Vergleiche madig:

Österreich gibt im Vergleich zu Deutschland und der Schweiz viel weniger für das Gesundheitssystem aus (10,3% vs. 11,2% v.s. 12,2 %) und die Studie widerspreche der OECD, wonach Österreich die zweithöchste Ärztedichte Europas habe.

Die Krone berichtet eher ambivalent: So teuer ist uns Gesundheit,
das OÖ Volksblatt liest daraus unnötig hohe Kosten im stationären Bereich und auch Die Presse nahm aus der Pressekonferenz eher mit, was sie schon immer trommelte Zu viele stationäre Aufenthalte, zu wenig Jungärzte und weniger die Kritik an den OECD Daten, weil ihr und ihren heimlichen Herausgebern (Wirtschaftskammer und I.V.) das ja das eigene ideologische Konzept vermasseln würde. Schließlich ist die OECD eine Vereinigung von 36 Mitgliedstaaten, die sich satzungsgemäß neben der Demokratie explizit auch der Marktwirtschaft verpflichtet fühlen …

Laut OECD-Konvention geht es der Organisation schließlich um optimale Wirtschaftsentwicklung, hohe Beschäftigung, steigenden Lebensstandard, Wirtschaftswachstum und Ausweitung des Welthandels auf multilateraler Basis. Gesundheit und Bildung (PISA) sind wohl implizite aber nicht explizite Ziele!

Marie-Theres Egyed im Standard setzte andere Schwerpunkte und verwendete ein Drittel des Platzes, den ein darüber abgedrucktes Kampusch-Interview einnahm, für die von der Ärztekammer gewünschte Hauptaussage:
Österreich gibt weniger als Deutschland und Schweiz aus

In der Wiener Zeitung traf Petra Tempfer mit ihrer Schlagzeile und einem ganzseitigen Artikel aber überraschend den Punkt:
„Katastrophal falsche Schlüsse gezogen“

In dem Artikel finden sich auch viele mehr oder weniger deutlich die alt bekannten aber seit Jahrzehnten ungelösten Probleme:

Gesundheitskosten steigen weniger „explosiv“als oft behauptet, aber sie steigen in Relation zur Wirtschaftsleistung (BIP) und stärker als die Inflation. Warum die Kosten der Medizin immer der Inflationsrate vorauslaufen werden habe ich schon 2016 hier erklärt.

Ein Großteil der Versorgung beruht in Österreich auf dem stationären Bereich, nur haben sich die Krankenhäuser nicht darum bemüht, sondern müssen die Defizite des ambulanten Bereiches ausgleichen, den Krankenkassen und Ärztekammern seit Jahren aushandeln. Zu Recht zitiert der Artikel hier eine Aussage des StÄK-VP Eiko Meister, dass Patienten nur dann von den Spitälern in den niedergelassenen Bereich umgeleitet werden könnten, wenn man ihnen dort ähnliche Strukturen wie in den Spitalsambulanzen böte.

Und solange es keine Finanzierung aus einer Hand gibt, werden Aufgaben und Patienten weiterhin von einem Eck ins andere geschoben werden.

Ja, und solange man die Versorgungswirksamkeit einzelner Mitspieler (Ärzte in Ausbildung, Privat- und Wahlärzte, Arbeitsteilung zwischen Ärzten, Pflege, Administration, …) nicht berücksichtigt, sind alle Aussagen Müll.

Tags darauf krähte ohnehin keine Krähe mehr nach der Studie, die übrigens (lt Presse) von der Wirtschaftsuniversität finanziert wurde …

Der nach Selbstdefinition einzige unabhängige österreichische Gesundheitsökonom (eigentlich Versorgungswissenschafter) – jetzt mit unbequemem Blog für Z,D,F und Hintergründe @EPichlbauer geiferte aber auf Twitter nach:
rezeptblog wer braucht einen #ÄRztemangel? die Ärztekammer, um Ihr Pensionssystem (Wohlfahtsfonds), das einem Pyramidenspiel gleicht, zu retten! und wer wird beim Ärztemangel immer als „Experte“ zitiert, der sogar gescheiter ist als WHO und OECD? L.Chini! warum? Darum!

und verwies nicht ganz zu Unrecht darauf, dass einer Studienautoren Controller des Wohlfahrtsfonds der Wiener und Salzburger Ärztekammern ist, wobei der intendierte Rufmord mit Anlauf es bei Andeutungen beließ und ad hominem ging, wo eigentlich Fakten abzufragen wären.

Leider ist das alles nur allzu typisch für die Diskussions(un)kultur in dem was bei uns als Gesundheitsökonomie, ja Gesundheitspolitik überhaupt verkauft wird.

Zahlen sind gut, solange sie mir passen, schlecht, wo sie meiner Agenda zuwiderlaufen, notfalls besorge ich sie mir. Studien werden diskutiert, ohne dass ihr Originaltext beigelegt wird.

Jeder nur halbwegs in der Materie Eingelesener weiß, dass natürlich alle internationale Vergleichszahlen immer irgendwie Äpfel und Birnen vergleichen. Im privaten Gesprächen geben das natürlich auch hochrangige Experten u.a. aus OECD und NICE zu und beschäftigen sich sehr kritisch und wissenschaftlich auf hohem Niveau mit dem Problem, wie man zu belastbaren Parametern kommt.

Andererseits sind ja seiten der Patienten erlebte Wartezeiten, Doppelläufigkeiten, Verunsicherung, vermutete und nachweisbare Kunstfehler und seitens der Ärzte Überlastung, Burn out und Flucht außer Landes nicht wegzudiskutieren, egal wie schlecht die OECD Zahlen nun sind.

All das ist komplex, aber nicht so kompliziert. Solange sich aber jeder aus der Diskussion nur das rausholt, was ihm und seinen Auftraggebern passt, freue ich mich schon auf die Zeit, da ich mir in diesem Spiel nicht mehr meinen Lebensunterhalt verdienen muss.

Links:

2015 Die OECD irrt, unsere Spitäler sind billig und werden jetzt ohnehin geschlossen

2012 Was für die Finanzmärkte unvorstellbar ist, ist im Gesundheitssystem Realität: Der Deckel

Written by medicus58

12. Oktober 2019 at 09:10

Veröffentlicht in Allgemein

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Adieu, Durchleucht

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Nicht dass ich das damals angestrebt habe, aber als ich mit dem Medizinstudium fertig war, war die Radiologie eine Goldgrube.

Klar, wer da mitspielen wollte, musste einmal einen Haufen Spielgeld investieren, weil die Einrichtung so einer Röntgenordination war nicht billig und das erforderliche Personal auch nicht, nur dann rollte der Rubel bei all den unnötigen „Cor-Pulmos“ und „Wirbelsäule AP, seitlich„. Ja, und wer sich überhaupt in ein Institut einkaufen konnte, in dem ein CT von früh bis spät „glühte“, für den waren Garagenplätze und Lieferzeiten ein größeres Problem, als die Frage welche Luxuslimousine er sich noch zulegen sollte.

OK, war für einen kleinen Klinik-Internisten vielleicht schon damals etwas zu blau-äugig, aber die Durchleuchter zählten auch international zu den Top-Verdienern.

Für alle, die aber heute glauben, dass das Gejammere über den Ärztemangel nur lokale Standespolitik wäre, dem sei der aktuelle Annual Radiology Worforce Report des Royal College of Radiologists zur Lektüre empfohlen:
75% der Spitalsmanager in UK gaben an, dass das NHS nicht mehr genügend Radiologen hat, um die Patientensicherheit zu garantieren.
2018 konnten in Großbritannien 279 offene Stellen für Radiologen nicht mehr besetzt werden und 61% blieben für mehr als ein Jahr vakant.

Die Spitäler des NHS mussten 187,5 Millionen Euro aufwenden um die entsprechenden Leistungen zuzukaufen, das waren 57,5 Millionen Euro mehr als in 2017.

Nur eine von fünf Einrichtungen hat genügend interventionelle Radiologen, um eine 24/7 Versorgung sicher zu stellen.

Ganz schlimm werden die Verhältnisse, wenn man von England (9% nicht zu besetzender Stellen) in weniger attraktive Regionen, wie Nordirland schaut, wo 18% der Stellen nicht besetzbar waren.

Ist übrigens in den US ebenso, wie Merritt Hawkins, eine Rekruitment Firma mit 24 jähriger Erfahrung berichtete, wo sich 2017 die Zahl der gesuchten Radiologen im Vergleich zum Vorjahr verdoppelte.

Merrit Hawkins und andere Recruiter wie Medicus Firm hielten trocken fest, dass es unterhalb eines Bruttoeinkommens von 400 – 450.000 US $ inzwischen unmöglich ist einen vernünftigen Bewerber zu finden.

Klar setzt man dort schon längst auf Teleradiologie, um die fehlenden in-house Leistungen durch Outsourcing zu kompensieren:
“Really over the last 15 months, the teleradiology business has gone bonkers,” Travis Singleton, a senior vice president at Merritt Hawkins

Wenn Sie übrigens wieder einmal einen Artikel lesen, in dem die Segnungen der Artificial Intelligence in der Radiologie lesen (Künstliche Intelligenz oder AI my ass) wissen Sie woher der Wind wirklich weht.

Written by medicus58

12. April 2019 at 21:55

Bald gibt es 407 Mediziner mehr in Wien und alle heißen Watzlawick

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More of the same,

mit anderen Worten einer nicht funktionierenden Strategie durch vermehrte Anstrengung doch noch zum Durchbruch zu verhelfen.

Paul Watzlawick hat diesen Fehler schon in Change. Principles of Problem Formation and Problem Resolution vor einem halben Jahrhundert beschrieben, im Wiener Rathaus scheint man das aber noch immer nicht zu realisieren.

Gerade drückt mir nämlich ein Krone-Verkäufer dieses Extrablatt für angebliche 50 Cent ungefragt und gratis in die Hand, und nach Adabei Schleim über Dancing Stars und Phantomwelpen lese ich, dass Wien mit 407 zusätzlichen Medizinern und 30 Primärversorgungszentren nahezu überschwemmt werden soll.

Dabei verrät die Krone ihren Lesern gar nicht, dass zu den AMAs (also eine Art Praktikerordination des Ärztefunks) bald auch noch EVAs (auch so was ähnliches) dazu kommen.

Einen Haken hat das aber für alle, die die über Jahrzehnte aufgebauten Defizite der extramurale Versorgung jetzt ausbaden:

Die Ärzteschwemme ist für 2025 angekündigt, d. h. die meisten dieser Retter aus der Not sind aktuell gerade dabei ihr Studium abzuschließen und wurden durch Aufnahmetest vor einigen Jahren numerisch so selektiert, dass sie bei niedriger drop out rate gerade den zu ihrem Studienbeginn für notwendig erachteten Bedarf abdecken können.

Auch wie die Anzahl der Primärversorgungszentren in 6 Jahren ver-15-facht werden soll, wenn man es aktuell grad bei Nachsicht aller Taxen zu 2 gebracht hat, bleibt auch offen.

Eines ist aber gewiss, das Papier auf dem das alles gedruckt wurde, wird bis zur Erfüllung all dieser Versprechungen noch sehr oft bedruckt oder überhaupt einem noch intimeren Gebrauch zugeführt werden.

Written by medicus58

20. März 2019 at 18:01

Wie lange glaubt Ihr noch, dass das hineingeht?

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ORF und einige Zeitungen berichteten heute darüber,
dass an der Innsbrucker Klinik Operationen ausfallen, weil laut der ärztlichen Direktorin Alexandra Kofler die Anästhesie bis Jahresende keine gesetzeskonformen Dienstpläne mehr zusammenbringt.
Überdies gäbe es kaum Bewerber für offene Stellen.
Die voraussehbare Reaktion der Politik, in diesem Fall VP LH Platter war die Rückdelegation des Problems an die Verantwortlichen:
Von Seiten des Landes habe man alles zur Verfügung gestellt, um einen reibungslosen Ablauf zu ermöglichen. Jetzt liege es an der Klinikführung und der Medizinuni, für ordnungsgemäße Verhältnisse zu sorgen.
http://tirol.orf.at/news/stories/2745074/

Ebenso voraussehbar die Reaktion der SPÖ:
Seit 1994 würden die Gesundheitsagenden bei der ÖVP liegen. Sie habe 20 Jahre lang weggeschaut und die Ärztinnen und Ärzte hätten sich nicht gewehrt.

In Wien sieht das vermutlich sowohl SPÖ als auch ÖVP andersrum, aber Schuld ist natürlich nie die Politik mit ihren
massiven Eingriffen in die ärztliche Ausbildung und Dienstordnung,
ihren unausgegorenem Pseudo-Gesundheitsreformen,
ihrem Loch-auf-Loch-zu-Aktionismus und vor allem
ihrer medial geführten Ehrabschneiderei gegen Kritiker aus dem Gesundheitssystem.

Das alles ist kein plötzlich auftretendes Problem:

7/2014
NÖ Landesklinikum Mauer bei Amstetten: Dort mussten jetzt in der neurologischen Abteilung 25 der rund 90 Spitalsbetten wegen akuten Facharztmangels gesperrt werden.
http://kurier.at/chronik/niederoesterreich/aerztemangel-klinik-muss-25-betten-sperren/74.544.068

Aber das Problem besteht österreichweit und wird nun, da das neu Universitätscurriculum und die neue Ärztedienstzeitregelung wirksam werden, akut.
11/2015
Krankenhaus Kittsee sucht dringend Ärzte

Durch die Verkürzung der Turnus-Ausbildung und durch das neue Arbeitszeitgesetz werden mehr Ärzte in Spitälern benötigt.
http://www.bvz.at/nachrichten/lokales/aktuell/neusiedl/top-Krankenhaus-sucht-dringend-Aerzte;art5635,687362

Kein „G’riss“ um Ärzteposten
Zahl der Operationen steigt, Wartelisten sind lang. Offene Stellen im ganzen Land.
http://kurier.at/chronik/burgenland/kein-griss-um-aerzteposten/165.581.740

Spital braucht drei Chefärzte
Nach dem Ende der Verbundlösungen werden fürs Oberwarter Spital gleich drei Primarärzte gesucht – Ausschreibung läuft.
http://www.bvz.at/nachrichten/lokales/aktuell/oberwart/top-Spital-braucht-drei-Chefaerzte

und sogar in Südtirol: „Wir nehmen alle, die wir finden“
Südtirol braucht neue Ärzte – dringender denn je. Wie sich die neuen Arbeitszeitregelungen an Südtirols Krankenhäusern auf Patienten und Personal auswirken.
https://www.salto.bz/article/25112015/wir-nehmen-alle-die-wir-finden

Klar, ist alles nur ein Organisationsversagen der Ärzte.

Und deshalb noch mehr Berater und Mietmäuler in die Führungsetagen,
noch mehr Querfinanzierungen in die IT-Industrie, die verspricht Personal und Kosten zu sparen,
noch mehr gekaufte Artikel in den Boulevardmedien, die das alles beschönigen, und
jeden fragen, nur nicht die, die diesen Job vielleicht auch wirklich einmal gelernt haben …

Wie lange glaubt Ihr noch, dass das hineingeht?

 

Written by medicus58

1. Dezember 2015 at 21:17

Ärztemangel: Nimmst Du’s mir, so nehm‘ ich’s Dir – eine Art Viele-Jahre-Rückblick

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Arztweg

Vor über vier Jahren, exakt am 15.12.2010, schrieb ich auf meinem früheren (jetzt eingestellten) Blog www.sprechstunde.meinblog.at), dass

Ärzteschwemme – Ärztemangel, aber geh … alles eine Tochter der Zeit (wäre)

Seit Jahren bestimmen nicht Fakten sondern persönliche und standespolitische Interessen sowie ökonomische Überlegungen die Diskussion.
Patienten werden regelmäßig belogen!
Das Geld für Gesundheitsökonomen, Kammern und sündteure Thinktanks am politischen Gängelband (ÖBIG) könnten wir uns sparen.

Heute warnen die Rektoren vor einem Ärztemangel,
(der Link auf http://www.tt.com funktioniert heute übrigens auch nimmer)
nachdem sie es selbst waren, die noch im März das Gegenteil vermeldeten:
In dieser Stellungnahme heißt es, dass es aus Sicht der Rektoren zu keinem Ärztemangel kommen wird …
(der Link auf http://www.studieren.at/ funktioniert übrigens auch nicht mehr, weil Wir haben vieles neu gemacht. Auch diese Seite!)

Nur einmal ging es gegen die KKonkurrenzeiner Linzer Med-Uni und einmal ums aktuelle Budget.

Auch die Ärztekammer warnte Jahre vor der Ärzteschwemme, um nun vor dem Ärztemangel zu warnen.

Ärztekammerpräsident Walter Dorner: Eine Pensionierungswelle stehe bevor. Ohne Quotenregelung könnten heimische Ärzte knapp werden.

Dem widerspricht der Gesundheitsökonom Ernest Pichlbauer. Österreich ginge auch ohne Quotenregelung nicht auf einen Ärztemangel zu: „Wir haben bis 2030 kein Problem“, sagt er.

Eine Bedarfsstudie des Österreichischen Bundesinstituts für Gesundheit (ÖBIG) wurde 2006 von der Politik wegen angeblicher Veraltung nicht zur Veröffentlichung freigegeben: Sie war von einer Ärzteschwemme ausgegangen. 2007 gingen drei Studien von ÖBIG, Österreichischer Ärztekammer und Wiener Ärztekammer von der Notwendigkeit der Quotenregelung und einem jährlichen Bedarf an neuen Medizinern von 800 bis 1500 aus.
(Natürlich gibt es den Link auf http://www2.aekwien.at/auch nimmer)

 

Kurz danach, am 5.1.2011 zitierte ich  die Lösungsvorschläge des Oberösterreichischen Ärztekammerpräsidenten

niedermoser_peter kopie

auf http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=33516 (erraten, ab Jahresende nimmer zu lesen, weil der Blogserver sperrt)

LIMBO: So sparen im Gesundheitssystem

Tschechien zeigt uns wie es geht: Was seit Monaten angekündigt wurde, findet nun statt:
Fast ein Viertel der tschechischen Spitalsärzte kündigt, wegen zu geringer Bezahlung.
http://oe1.orf.at/artikel/262687 (Link geht noch!!)
http://www.tschechien-online.org/news/17683-danke-wir-gehen-arzte-tschechien-reichen-massenhaft-kundigungen-ein/ (der auch)

In Deutschland gibt es seit Jahren einen massiven Ärztemangel und viele österreichische Absolventen gehen zur Ausbildung und späteren Berufsausbildung nach Deutschland. Die Ärztezeitung ist voll von Inseraten deutscher Kliniken.

Nachdem Ärztekammer, Wirtschaftskammer und Rektoren es schließlich auch in Österreich geschafft haben, einen echten Ärztemangel zu erzwingen, (siehe Eintrag 15.12.2010) kommen die Nachrichten aus Tschechien wie gelegen.

Nachdem wir unseren Pflegenotstand flächendeckend und nach einem Skandal gesetzlich geregelt mit Slowakischen Pflegerinnen abdecken, haben wir nun die Möglichkeit auch unsere Ärzte ersetzen.

Erste Indizien gibt es bereits:

Tschechische Ärzte wollen weg – Bayern möchte sie haben
Die Mediziner im Nachbarland sind schlecht bezahlt. Gesundheitsminister Markus Söder sieht eine Chance für ländliche Regionen im Freistaat.
http://www.mittelbayerische.de/nachrichten/oberpfalz-bayern/artikel/tschechische_aerzte_wollen_weg/612738/tschechische_aerzte_wollen_weg.html (ich glaub’s nicht, funzt auch noch)

Deutsche Kliniken locken tschechische Ärzte mit Vierfachem des Gehalts
29-12-2010 15:38 | Lothar Martin
http://www.radio.cz/de/rubrik/tagesecho/deutsche-kliniken-locken-tschechische-aerzte-mit-vierfachem-des-gehalts (auch hier blieb die Zeit stehen und der Link funktioniert noch)

Oberösterreichs Ärztekammerpräsident  Peter Niedermoser (Bild)begrüßt laut ORF den Zulauf der tschechischer Ärzte; dass Herr Niedermoser seit Wochen mit dem Bundesministerium verhandelt, die Qualität der Ärzteausbildung (Erfordernisse des Rasterzeugnisses) herunter zu fahren, damit auch die kleinsten Landesspitäler billige Turnusärzte anstellen können, passt hier gut dazu.
http://ooe.orf.at/stories/485778/ (ja, der ORF, das ewige Gewissen)

 

LIMBO – how low can you go?

Lohndumping in der Medizin und Pflege=Sozialdumping für alle

Kurzfristig können wir das Problem durch (Ärzte-)Importe aus dem Osten lösen und dort vergrößern, so wie wir unseren Müll in den Osten verschickt haben …
Langfristig werden sich Ärzte ihr Geld von Privatpatienten holen und die Versorgung der Allgemeinversicherten geht gänzlich den Bach hinunter.

 

 

 

Zwei Jahre später, an 3.2.2012 vermeldete ich auf http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=51616 (mit Jahresende gibt’s den Link auch nimmer!)

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Medizin: Jetzt, aber jetzt wird alles anders

Es gibt keinen Ärztemangel (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=33160) und trotzdem will Linz seine eigene Medizin-Uni, damit alles gut wird.
Minister Stöger sagte 2010 im Parlament, dass es keine Leistungseinschränkungen im Österr. Gesundheitssystem gibt(http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=33251), weil alles gut ist.
Die Ärzte in vielen Ländern streiken wegen unzumutbarer Arbeitsbedingungen(http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=47984obwohl alles gut ist.
Im Wiener Krankenanstaltenverbund löste die zweite Kürzungswelle 2010 eine Protestbewegung der roten Gewerkschaft gegen das rote Rathaus aus, aber jetzt ist alles wieder gut.
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=43184
Im AKH wurden Nachtdienste gestrichen, aber die patientenversorgung blieb optimal. Minister Töchterle hat dann einen Vorschuss ausgezahlt, weil eh alles gut ist. http://kurier.at/nachrichten/wien/4478056-finanzspritze-fuer-das-marode-akh.php
Jetzt haben wir uns auf die Finanzierung aus einer Hand geeinigt (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=51579) und alles wird gut.
An der Uni Innsbruck können Nachtdienste nicht mehr geleistet werden, wobei Töchterle (gibt’s zwar auch nimmer, aber das ist weniger überraschend) meint, dass eh alles gut ist, schließlich wurden ja die Zielvereinbarungen unterschrieben.
http://diepresse.com/home/bildung/universitaet/729164/Geldnot_MedUni-Innsbruck-will-Nachtdienste-einstellen?
Nur irgendwie ist mir nicht mehr gut sondern langsam ziemlich schlecht.

Viel ist seither zum Thema geschrieben worden, dass der Ärztemangel etwas mit den Arbeitsbedingungen zu tun hat, unter denen der Beruf ausgeübt werden muss, wurde auch fallweise erwähnt, jedoch wollte ich darauf heute nicht hinaus,
sondern auf die heutige Schlagzeile in der Neue Zürcher Zeitung: http://www.nzz.ch/schweiz/deutsche-aerzte-werden-in-ihrer-heimat-benoetigt-1.18451276 {noch geht der Link 😉 }

Deutsche Ärzte werden in ihrer Heimat benötigt 

Weil in Deutschland die Arbeitsbedingungen für Ärzte besser geworden sind, hat der Abwanderungsdruck nachgelassen.
Falls sich der Trend verstärkt, wird die Schweiz künftig vermehrt Ärzte aus anderen Ländern rekrutieren müssen.

und eine, ebenfalls heute erschienene Schlagzeile im The Guardian http://www.theguardian.com/society/2014/dec/28/nhs-cancels-3000-operations-in-two-december-weeks

NHS cancels 3,000 operations in two December weeks

Figures highlighted by Labour show 3,113 elective and 161 urgent operations were cancelled in first part of month

und was empfiehlt der Artikel: “To reduce pressures on hospitals and to keep a flow of patients coming in and leaving hospital, we need to manage the number of available beds more efficiently. To achieve this, we need to reduce unnecessary admissions and visits to A&E and improve community care.” 

Fassen wir also zusammen,

seit Jahren rückte das überwiegend öffentlich (solidarisch) finanzierten Gesundheitsversorgung Europas immer stärker in den Focus (ungefragt auch solidarisch finanzierter) Planungsexperten und ekstatischer Reformbemühungen.
Ungezählte Vergleiche zwischen (oft nur scheinbar) verschiedenen Systeme wurden gegengerechnet und auf das doch „dort“ viel besser funktionierende System verwiesen. In Wirklichkeit haben wir überall die gleichen Probleme:
Wenn parallele Systeme nicht funktionieren, halten sie sich durch Verschiebung der Defizite noch eine Zeit über Wasser.
Der Kapitalismus der Ersten Welt wäre schon längt gecrasht, hätte er nicht durch (zuerst) Kolonialismus (heute Globalisierung) Möglichkeiten gefunden seine Defizite billig abzudecken.
Die System der ärztlichen Versorgung in der Niederlassung konnte bei den aktuellen Arbeitsbedingungen (Kassentarife, gesellschaftliche Rolle, …) nur dadurch aufrechterhalten werden, in dem die Unzulänglichkeiten in die Krankenhäuser verschoben wurden.
Das war u.a. auch dadurch möglich, weil die Rahmenbedingungen für die angestellten Ärzte einen erfolgreichen Widerstand lange Zeit verhinderten. Die vielen Jahre Ausbildung (Turnus), die „abgedient“ werden müssen, ehe eine „eigenverantwortliche ärztliche Tätigkeit“ (ius practicandi) erlaubt ist, waren auch kein unwillkommenes Druckmittel.

Irgendwann bricht aber auch diese Krücke und diejenigen Länder, die das ökonomisch hinkriegten (Deutschland, Schweiz) zogen Ärzte aus den Nachbarländern ab. Dass das auch nur eine Zeit funktioniert, erkennen nun die Schweizer, weil die Deutschen die Ärztehonorare erhöhen, und die Briten, u.a. weil der ärztliche Zuzug aus den ehemaligen Kolonialgebieten auch sein natürliches Ende findet.

Auch wenn irgendwann die alten Links nicht mehr funktionieren, die alten Grundsätze bleiben: Durch das Negieren und Verschieben von Problemen lassen sich keine dauerhaften Lösungen finden.
Auch wenn wir noch so viele Thinktanks bezahlen, als dass man die Leute ordentlich bezahlt, die im Primärprozess benötigt werden.

 

Vor Jahren (denke es war 2009) beschrieb Volker Pispers für die Gesundheitsreformen in Deutschland so:  http://youtu.be/SFyU700gCdo

Written by medicus58

28. Dezember 2014 at 14:24

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