Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Archive for Oktober 2015

Was auch noch für ein öffentliches Krankenhauswesen spricht

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My beautiful picture

Schon der römische Dichter Ovid (43 v.Chr.-17 n.Chr.) wusste, dass sich Armen der Staat verschließt und nur Geld Ämter und Ansehen giben,
trotzdem gibt es gute Gründe dafür, dass essentielle gesellschaftliche Leistungen besser in den Händen des Staates blieben, als in denen des kapitalistischen Marktes.

Deutsche Gesundheitswissenschafter zeigten in ihrer Studie Umgang mit Mittelknappheit im Krankenhaus auf, welchen Einfluss der ökonomische Druck auf die Entscheidungen im Krankenhaus hat.
http://www.mcn-nuernberg.de/vbc2015/92vbc-abstracts/H_01_gender__00028.pdf

In einer Befragung von über 2.100 leitenden Ärzte, Pflegedienstleitern und -direktoren gaben 45 Prozent der deutschen Chefärzte gaben häufige Entscheidungskonflikte zwischen ärztlichen Zielsetzungen und wirtschaftlichem Druck an.
Während die Gesundheitspolitik weiterhin das Mantra von der „Spitzenmedizin für alle“ mussten in Deutschland 46 Prozent aller Chefärzte Patienten mindestens einmal in den letzten sechs Monaten eine nützliche Leistung vorenthalten.
KAV: Superkalifragilistisch Expealigorisch http://wp.me/p1kfuX-RB

Auch in der Pflege sind Entscheidungskonflikte zwischen medizinischen Zielen und wirtschaftlichen Zwängen erschreckend hoch: 88 Prozent der Pflegedienstleitungen, 81 Prozent der Krankenhausgeschäftsführungen und 72 Prozent der Chefärzte haben nur „selten“ oder „manchmal“ ausreichend Zeit für die Patienten.
Ob die 21 Prozent der Pflegedienstleitungen, die behaupten dass das Pflegepersonal „sämtliche erforderlichen Pflegeleistungen immer“ durchführen kann, nur optimistisch waren oder einfach selbst vor lauter Bürokratie einfach keine Zeit mehr hatten sich die Lage mit eigenen Augen anzusehen, muss offen bleiben.

Die Studie geht aber auch auf die ökonomisch motivierte Überversorgung von Patienten ein.
Wie in Deutschland steigen auch in Österreich im internationalen Vergleich diejenigen stationäre Leistungen an, für die es noch relative hohe Refundierungen gibt. 39 Prozent der befragten Chefärzte gaben, zu dass ökonomische Gründe zu nicht erforderlichen Eingriffen führen.
Hinterfragen Sie einfach die Anzahl der Schilddrüsenoperationen, Knie- und Hüftprothesenimplantationen, Schrittmacherimplantationen, … etc.  in ökonomisch vergleichbaren Ländern!

Und dann überlegen Sie sich wem Sie als Patient vertrauen können, wenn er ihnen einen bestimmten Eingriff empfiehlt:

  • einem angestellten Arzt dessen Entscheidungen keinen direkten Einfluss auf sein Gehalt haben, in einem öffentlichen Krankenhaus, dessen eventuelle Verluste bis zu einem gewissen Rahmen (noch) durch öffentliche Budgets abgedeckt werden, weil der Gesundheitspolitiker wiedergewählt werden will
  • einer konfessionellen Einrichtung, deren einzige Verlustabdeckung jenseits des Refundierungssystems im Einbringen von Spenden besteht oder
  • einer rein privat geführten Einrichtung mit Gewinnerwartung.

Natürlich haben alle Recht, die einwenden, dass es doch nicht sein kann, dass man für ein System votiert, das nur deshalb relativ objektiv agiert, weil ihm die Politik (noch) eine gewisse ökonomische Narrenfreiheit gewährt, aber so lange wir keine kostendeckenden Refundierungstarife im Gesundheitssystem haben, ist die beschriebene Vorgangsweise für den einzelnen Patienten die sicherere. Langfristig wäre natürlich eine völlige Kostenwahrheit im System wünschenswert, jedoch ist sollte auch dann eine Junktimierung zwischen medizinischer Entscheidung und Ökonomie unterbunden werden!

Dieser Beitrag ist in inhaltlich eine Fortsetzung von: Gegen die Reform des öffentlichen Gesundheitssystems http://wp.me/p1kfuX-12D

 

PS: das Bild zu diesem Beitrag stammt aus einem anderen meiner Blogeinträge: Verpasste Karriere in Kairo http://wp.me/p1kfuX-Lc

Written by medicus58

28. Oktober 2015 at 07:00

Medikamentenkosten: Pharmaindustrie für Vertrag statt Gesetz

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Written by medicus58

27. Oktober 2015 at 20:43

Veröffentlicht in Allgemein

Gegen die Reform des öffentlichen Gesundheitssystems

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Mao

Sollten Sie über die Überschrift hinaus gelesen haben, haben Sie entweder diese nicht Sinn erfassend gelesen oder gehören zu den reformverweigernden Nutznießern des heutigen Systems, sind also im zweiten Fall Investor oder privater Gesundheitsdienstleistungsanbieter.

Wer kann denn heute noch daran zweifeln, dass nicht alles in dieser Gesellschaft einem permanenten Reformbedarf unterliegt.

OK, die Sache mit der permanenten Revolution des schlitzäugigen Vorsitzenden weit im Osten schreibt sich keiner mehr so auf die Fahnen, wir sind ja schließlich keine Kommunisten.
Denke ich aber etwas genauer über die Sache nach, dann erschließt sich mir der konzeptionelle Unterschied zwischen dem altbachenen „Ruf nach einer permanenten Revolution“ und den heutigen „Reformen“ nicht wirklich.
Alles wird immer neu gedacht, reformiert, zertifiziert – schlicht an die heutigen Gegebenheiten angepasst, als hätte sich das früher niemand so richtig überlegt, wären die „Riesen auf deren Schultern wir eigentlich stehen“ sämtlich totale Dodeln gewesen.

Nehmen Sie nur das Schul- und Bildungswesen. Seit Jahrzehnten laufen dort Schulversuche, Kommissionen werden gegründet, Konzepte entwickelt und der Stein der Weisen auf Sisyphus‘ Berg gerollt.
Das Ergebnis kann sich sehen lassen, aber nur als Beweis für meine in der Überschrift angeführte These …
Kaum jemand, unabhängig seiner politischen Position, würde sich heute zur Behauptung versteigen, dass das österreichische Schulsystem seine Kernaufgabe heute besser erfüllt als ehedem.
Selbst sein krönenden Abschluss, der Matura, berechtigt nicht mehr ohne zusätzlicher Aufnahmeprüfung (und selbstbezahlter Paukerkurse) für die den angestrebten universitären Bildungsweg (außer in den Fächern, die ohnehin keiner will) und am anderen Ende kämpft man mit den funktionellen Analphabeten, die kaum mehr die Wurstsemmelbestellungen ihrer Vorarbeiter zu lesen imstande sein sollen.

Und das Bundesheer! Von der Grenzsicherung 1956 zum Raumverteidigungskonzept, dann wieder der Katastrophenschutz oder der Auslandseinsatz, einmal Elitetruppe, dann Milizheer, dann beides, mal Hü mal Hott, jetzt wieder Heerschau am Heldenplatz und Ordnerdienst an der Grenze.
Nach all den gegenläufigen Doktrinen stehen wir vor einer dem Schulwesen nicht unähnlichen Situation: Jeder würde was anderes ändern aber alle sind sich einig, dass der Ist-Zustand erbärmlich ist.

Die Liste könnten wir beliebig verlängern: Steuerreform, Pensionsreform, Reform der Marktordnung, des Gewerberechts, der Verfassung

Reform leitet sich aus dem Lateinischen re (zurück) und formatio (Gestaltung, Wiederherstellung) ab, was die bisherige Erfahrung massiver Rückschritte nach erfolgreichen politischen Reformanstrengungen sehr gut  umschreibt.
Wer nach einer Reform brüllt, möchte i.d.R. seinen verloren gegangenen oder noch nie besessenen Einfluss auf die Vorgänge (wieder)gewinnen, nicht mehr und nicht weniger. Mit der Sache hat das einmal gar nichts zu tun.

Man prüfe also ernsthaft die Beweggründe jener, die am lautesten nach Reformen brüllen.
In vielen Fällen geht es nicht um Weiterentwicklung sondern um Rückführung in den eigenen Machtbereich.

Es bestand keine Notwendigkeit die Umlageverfahren des Pensionssystems in eine Anspar-(Kapitaldeckungs-)system zu verändern, hätte man nicht diesen Bereich nicht mit voller Absicht für private Investoren öffnen und die freiwerdenden Gelder nicht in den Kasinokapitalismus überführen wollen (Haben Sie die Revolution verpasst? Die lautlose Diktatur des globalisierten und deregulierten … http://wp.me/p1kfuX-l1).

Natürlich kann man eine öffentliche Gesundheitsversorgung sowohl über ein Hausarztsystem und niedergelassene Fachärzte als auch über Primärversorgungszentren und nachgeschaltete Krankenhäuser mit Terminambulanzen organisieren,
aber nicht durch ein rasch durchgepeitschtes Gesetz und innerhalb von ein bis zwei Jahren, außer man bezweckt hier Machtverschiebungen und Klientelpolitik. Die Bereitstellung von für die verschiedenen Systeme adäquat ausgebildeten Protagonisten dauert mindestens eine halbe Berufsgeneration.
Wenn gleiche Spielregeln für alle Beteiligten herrschen und eine kostendeckende Refundierung ohne Quersubventionen herrscht, ist es vermutlich unerheblich, ob es sich um öffentliche oder private Krankenanstaltenbetreiber handelt,
aber nicht, wenn Gesundheitsbehörden aus politischen Motiven immer mehr private Anbieter genehmigen, deren kostenpflichtige Komplikationen dann im öffentlich finanzierten System aufgefangen werden.

Insbesondere in Systemen mit zunehmend knapperen Ressourcen ist weniger die Art des gewählten Systems ausschlaggebend als die Regeln nach denen das System zu funktionieren hat oder hätte.

Um bei dem eingangs gewählten Beispiel zu bleiben: China zeigt es (mit massiven Kollateralschäden) seit fast drei Jahrzehnten vor, dass es die Spielregeln und nicht das System selbst sind, die den Kurs einer Gesellschaft bestimmen.
Oder hat dort irgendwer die KPCh abgeschafft?
Es kam zur Modernisierung der Landwirtschaft, der Industrie, der Verteidigung sowie der „Wissenschaft und Technik“, (https://de.wikipedia.org/wiki/Vier_Modernisierungen) aber das Einparteiensystem der kommunistischen Partei Chinas blieb unangetastet.
Ich halte das persönlich für nicht für so prickelnd und hätte 1988 vor Ort viel Geld verloren, wenn man mit mir gewettet hätte, ob das System gut gehen könnte, aber das Beispiel zeigt dreierlei:

  1. Es ist ein Irrtum, wenn man uns glauben macht, dass man immer das System ändern muss, wenn man etwas verbessern möchte
  2. Wenn die Mächtigen selbst von permanenten Reformen sprechen, geht es um Machtkämpfe und hat mit der Sache nichts zu tun.
  3. Auch ich kann mich irren.

 

Lassen Sie sich nicht von denen Sand in die Augen streuen, die ihnen neue (Heils-)systeme anbieten, sondern hinterfragen Sie welche aktuellen Probleme im Gesundheitswesen vorrangig durch die Reformen angegangen werden sollen:

Mangel an Pflegekräften
Mangel an Ärzten
Wartezeiten
Fehlende Empathie
Fehldiagnosen, -behandlungen
Kunstfehler
Kosten, …

Dann hinterfragen Sie, weshalb es zu diesen Phänomenen, so es einen Beweis für ihre wirkliche Relevanz gibt, im derzeitigen System kommt:

Mangel an Pflegekräften: Bezahlung ?, Arbeitszeiten ?, Wertschätzung ?, fachfremde Bürokratie, Kosten der Ausbildung (FH!) ?, …
Mangel an Ärzten: Bezahlung ?, Arbeitszeiten ?, Wertschätzung ?, fachfremde Bürokratie ?, Attraktivität des Auslands ?, Ärztemangel: Nimmst Du’s mir, so nehm‘ ich’s Dir – eine Art Viele-Jahre-Rückblick http://wp.me/p1kfuX-Sw
Wartezeiten: siehe oben, Deckelungen, Niederlassungsrecht, ….
Fehlende Empathie: Auslastung mit fachfremder Bürokratie ?, falsche Berufsselektion ?, …
Fehldiagnosen, -behandlungen: Ausbildungscurricula, personelle Ausdünnung,
Kosten: Die verlogenen Finanzierung der Medizin: Was lange gewährt bricht endlich weg http://wp.me/p1kfuX-Jt
, …

und schließlich lassen Sie sich erklären, weshalb diese Probleme nun im brandneuen Reformprojekt mit einem mal nicht mehr auftreten werden.

 

Written by medicus58

25. Oktober 2015 at 12:59

Ab in den Gesundheitspark

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KAV for sale

Wenn es nur annähernd so viele Primärversorgungszentren gäbe, wie darüber in den Medien berichtet wird, wüssten wir schon längst, wie die in der Praxis funktionieren (PHC: Für wie blöd halten uns die eigentlich? http://wp.me/p1kfuX-11t). Andererseits zeigt uns dies, wohin die Entwicklung läuft, auch wen darüber die Medien überraschend schweigen.

Den Plan der Vinzenzgruppe, einem Zusammenschluss verschiedener Ordensspitäler, auch „so was in der Art einer Primärversorgung“ vor ihre Häuser zu stellen und vorerst einmal Gesundheitsparks (!!) zu nennen (http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20151015_OTS0150/vinzenz-gruppe-zukunftsstrategie-fuenf-wiener-fachkliniken-und-ausweitung-des-angebots-grafik-foto), ist den Medien (http://derstandard.at/2000023928314/Vinzenz-Gruppe-setzt-auf-Spezialisierung-ihrer-Krankenhaeuser ; zuletzt am 18.10. in der ZIB2) seit Tagen mehrere Beiträge wert.

 

Schon bisher hat die Gesundheitspolitik die stationäre Leistungserbringung (Geburten und Operationen am Fließband halt ohne Spezialdiagnostik und Intensivstationen, …) gerne in die „Hände der Konfessionellen“ gegeben und offenbar kein Problem darin gesehen, dass die komplizierteren und somit teureren Leistungen weiterhin in den Häusern der öffentlichen Hand erbracht werden. Schließlich hat man ja dann noch klarere Beweise, wie viel besser „die anderen“ wirtschaften.

Eine ähnliche Entwicklung scheint sich nun im extramuralen Bereich anzubahnen. Mit den „Gesundheitsparks“ erweitert man das Geschäftsmodell nun auch auf den ambulanten Bereich. Bin neugierig, wenn die dort anstellen. Praktischerweise ist man in den PHCs ja nicht an irgendwelche landes- oder bundesweit geltende Verträge gebunden und kann sich das ganz ohne die Blockierer der  Ärztekammer ausmachen.

Der freie Beruf Arzt wird so vogelfrei, nur darf bezweifelt werden, dass das unsere Medizinabsolventen im Lande halten wird.

 

Written by medicus58

18. Oktober 2015 at 20:05

Vergleichsstudie: Arzneimittelpreise unter EU-15-Schnitt

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Written by medicus58

18. Oktober 2015 at 19:26

Veröffentlicht in Allgemein

Wir bleiben Kinder in den Körpern von Greisen

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Ich meine damit nicht die Progerie (https://de.wikipedia.org/wiki/Progerie), ich meine auch nicht, dass uns irgendwann das Kreuz weh tut, die Leber nicht mehr alles mitmacht und das ehedem pralle Tattoo schlapp an unserer Außenhaut hängt.

Ich meine, dass wir stets über die gleichen, ja über die selben, Fehler, Menschen und Situationen stolpern, uns immer wieder erneut einreden, dass wir aus unserer Lebenssituation ausbrechen können, wenn wir nur dies oder jenes endlich ändern würden.

Wir werden nicht weiser, wodurch auch?!

Wir lernen nicht, weil wir uns nicht ändern, wodurch auch?!

Das Davonlaufen fällt uns nur immer schwerer, weil uns die Gelenke schmerzen.

Wir bleiben Kinder in den Körpern von Greisen, keine Ahnung wer das schon früher gesgat hat, Google lässt aus.

 

Written by medicus58

17. Oktober 2015 at 22:32

Veröffentlicht in Was im Alltag so alles nervt

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What a weird, weird World

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Eigentlich trägt man ja Eulenspiegel nach Athen, wenn man darüber lamentiert wie absurd denn unser aller Leben im optimierten, globalisierten Wettbewerb geworden ist.
Aber würde ich alle meine Beobachtungen für mich behalten, bliebe diese Spalte meines Blogs ja gänzlich leer.

Wer heute mit dem Flugzeug zu verreisen hat, der muss sich nicht mehr mindestens zweimal in sein Reisebüro bemühen, um zuerst seinen Flug zu buchen und später seine Tickets abholen, der kauft sich heute sein E-Ticket ganz bequem im Internet.
Das maximiert unsere Zeiteffizienz ganz enorm und erlaubt uns noch häufiger (mit Hilfe zertifizierter Carrier) in die Luft zu gehen…..
Dass der Passagier dann oft endlos, meist rund um Mitternacht, damit beschäftigt ist seine Bordkarten auszudrucken, weil leider die Buchungsnummer des Internet-Portals eine andere ist, als die Luftlinie erwartet und
dass der IBAN gegen die Zeichenfolge eines E-Tickets noch eine im Vollrausch zu bewältigende Denksportaufgabe darstellt,
zählt halt zu den Kollateralschäden unserer digitalen Bequemlichkeit.

Auch dass der Patriot früher seine Buchung nur bei seiner nationalen Airline machte und ohne sich über mangelnde Alternativen aufregen zu können, soll heute der Vergessenheit anheim fallen.

Worüber ich mich jetzt aber wortreich echauffieren zu gedenke ist etwas ganz anderes:
Nach einigem Gegoogle, Getipse und Meta-Gesearche empfahl mir das WWW ein innereuropäisches Hin-und Rückflug-Ticket bei einem der sogenannten Billigflieger und ich schlug zu. 99€ durch halb Mitteleuropa war ein guter Deal und weder Hin- noch Rückflugzeiten aggravierten die stets angespannte Schlafbilanz.
Einziger Wermutstropfen war, dass mich mein Ticket nur berechtigte, mich und etwas flüssigkeitsbefreites Handgepäck auf die Reise mitzunehmen; was zum Zeitpunkt der Buchung, am vorläufigen Höhepunkt der Klimaerwärmung, kein besonderer Nachteil schien, aber sich bei den augenblicklichen Temperaturen trotz der kurzen Kongressdauer als etwas problematisch herausstellte.

Ehe sich mich als Pfennigfuchser beschuldigten, lesen Sie noch weiter.

Ich besuchte die Homepage der Airline und buchte noch ein Ticket für meinen Koffer und habe nun für 38€ zusätzliche 21 kg Freigepäck für den einen oder anderen Pullover, der kaum mehr in mein Handgepäck gepasst hätte und muss beim Security Check nicht darüber diskutieren wie viel ml Rasierwasser ich plane an Bord zu nehmen um damit die Stewardess und anschließend den Co-Piloten außer Gefecht zusetzten, um ihn davon abzuhalten absichtlich in das nächste Mittelgebirge zu krachen.

Nun befallen mich aber die Zweifel an der Rationalität unsere Welt, was zu den ersten Zeilen dieses Beitrags führte.
Ich möchte hier nicht meinen eigenen Body mass index zur Diskussion stellen, aber wenn wir annehmen, dass der typische österreichische Fluggast nur irgendwas um die 80 kg in seinen Flugsessel hievt, zahlt er 1,2 € /kg für seinen Transport.
Sein randvoller Samsonite zahlt aber 1,8€ /kg um dieselben Reise zu machen.
Letztendlich heisst das, der Koffer zahlt gewichtskorrigiert um 0,6 € oder 50% mehr als sein Besitzer, obwohl er nicht einmal die Stewardess mit einem Wunsch nach einer Tasse Kaffee und einem trockenen Keks quälen kann und auch wenig Wert auf eine Klimaanlage, ein Bordmagazin, geschweige denn eine Schwimmweste legt.

Ehe ich mich nun darüber verbreite, ob ich meine künftigen Reisen nicht kostengünstiger in Begleitung einer mit meinem Reisegepäck ausgestopften Partypuppe antreten sollte, deren Restvolumen ich an meine Mitflieger vermiete, beschließe ich diesen Beitrag.

Lassen Sie mich aber noch meine tiefsten Zweifel darüber festhalten, ob die unsichtbare Hand des freien Marktes wirklich unsere beste Antwort für eine rationale Preisbildung in einer globalisierten, kapitalistischen Welt sein kann.

Written by medicus58

12. Oktober 2015 at 18:04

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