Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Archive for the ‘Finanzkrise’ Category

Kapitalismus 21.0; Rückdelegieren und Mitschneiden

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Es ist auch schon fast fünf Jahre her, wo wir uns hier zu ein bisschen Kapitalismuskritik hinreißen haben lassen und ausführten,
wie sich dieses System, ähnlich wie Kettenbriefe eines Pyramidenspiels ausschließlich durch das Aufbrechen der letzten – bislang in öffentlicher Hand befindlichen – Kapitalkreisläufe (Pensionsvorsorge, Krankenversicherung, Bildungssystem) am Leben halten kann. So in der Art eines Neokolonialismus innerhalb der eigenen Grenzen:
18.6.2012: Haben Sie die Revolution verpasst? Die lautlose Diktatur des globalisierten und deregulierten Kapitals

Zwei weitere Schritte zur Gewinnmaximierung in stagnierenden Märkte der Ersten und somit kaufkräftigsten Welt wollen wir nun ansprechen.

Während sich durch technische Innovationen in der Herstellung „echter Produkte“ (im Gegensatz zu sogenannten Finanzprodukten) immer wieder Effizienzsteigerungen erreichen lassen,  ist dies im Bereich de Dienstleistungen (z.B. dem Gesundheitswesen) naturgemäß nicht möglich.
Während die Auslagerung der Produktion in Billig-Lohn-Länder trotz fallender Realeinkommen den Bürgern der Ersten Welt einen beruhigenden Grad an Konsumismus erlaubt, wird die Konsumation von Dienstleistungen für viele immer unfinanzierbarer.
Ich habe erst unlängst darauf hingewiesen, dass die Lösung nicht in einer Reduktion der Lohnnebenkosten (Voll daneben: Lohnnebenkosten), liegen kann, weil wir dadurch die überwiegend auf Dienstleistung beruhenden Leistungen des Sozialstaates abschaffen.
Die Reaktion der Dienstleistungsindustrie besteht daher seit Jahren,
immer mehr ihrer ureigenen Aufgaben an den Kunden rück zu
delegieren:
Flugpassagier, Theater- oder Kinobesucher bekommen Tickets nur mehr mit Aufpreis wenn sie diese nicht auf den eigenen Druckern ausdrucken.
Patienten haben nicht mehr das Recht von einem erfahrenen Arzt befragt zu werden, sondern arbeiten mit Helpdesks Algorithmen ab.
Um an Auskünfte zu gelangen hängen wir stundenlang in Telefonwarteschlangen nur um festzustellen, dass der „dann drücken sie die Null“-Algorithmus uns, an die falsche Stelle gelotst hat oder um eine inhaltsleere Standardmeldung zu hören.
Versuchen Sie einmal NUR einen Aufladebon für ihr Wertkarten an einer Self-Service-Kasse eines Supermarktes zu erstehen und Sie wissen was ich meine …

Das alles erdulden wir mehr oder weniger still seit Jahren, weil uns vorgegaukelt wird,
dass wir uns Zeit ersparen, weil wir diese Leistungen „rund-um-die Uhr-von daheim“ abrufen können, ohne dass wir realisieren, wie viel wir von unserer Freizeit investieren müssen, um eine Leistung zu bekommen, die eigentlich an und für uns erbracht werden sollte.
Wir glauben dass wir uns Geld ersparen, bis uns bewusst wird, dass sich am Preis/Leistungs-Verhältnis gar nichts verbessert, wenn wir dazurechnen, dass wir zuvor in Mobiltelefone und Provider investieren mussten, um überhaupt noch bedient zu werden!

Ein zweiter Aspekt wird aber nun immer offensichtlicher:
Hinter dem Versprechen uns leichter, besser, günstiger an unsere Dienstleister heranzubringen, steht das
wahre Modell der Amazons, Ebays, Will-habens, Trivagos, Geizhals und Co das nun von der Finanzindustrie übernommen wird:

Sie schneiden mit.  Kein Prozess, an dem nicht ein kleiner Teil des Umsatzes abgezweigt wird.

Für die Vermittler vom Schlage der Amazons und Ebays war das ja noch bis zu einem gewissen Grad nachvollziehbar, denn ohne Sie wären wir höchstwahrscheinlich wir nicht auf das Schnäppchen des Garagenhändlers in Tripstrü gestoßen, auch wenn gerade dieser Onlinehandel dazu beiträgt den letzten lokalen Fachhändler aus dem Geschäft zu drängen und sich letztendlich dadurch alternativlos in jede Geschäftsbeziehung einmischt.

Die bei uns medial immer wieder auftauchenden Versuche des Bargeldentzuges (500€, Höchstbeträge für Bartransaktionen, …), ist in anderen Ländern auf Druck der Finanzindustrie schon weiter gediehen; Indien, NigeriaSchweden, Singapur, Niederlande, Frankreich,

Eine gute Einführung zum Thema „De-cashing“ nach Art des IWF“ fand sich vor einigen Tagen überraschend in der NZZ, von der man sowas gar nicht erwartet hätte.
Ein Bargeldentzug mache den Bürger aber gläsern und greife tief in seine Freiheitsrechte ein. Es gehe weniger um Verbrechensbekämpfung oder effizienten Zahlungsverkehr als um die Wegbereitung von deutlich tieferen Negativzinsen als bisher. Ziel sei die Entwertung der aus dem Ruder gelaufenen Staats- und Bankenschulden.
https://www.nzz.ch/finanzen/cashless-eine-welt-ohne-geldnoten-ld.1287296

Die Kritik des De-cashings ist nicht neu:

2015 Vier Gründe, weshalb Bargeld abgeschafft wird

2017 Visualizing The Global War On Cash

Bemerkenswert sehen viele je nach Standpunkt nur die „Gefahr eines gläsernen Menschen“, „Hackergefahr“ und die „Möglichkeit zur stillen Enteignung“, oder „Steuergerechtigkeit“ und „Terrorprophylaxe“ aber kaum jemand
das neue Geschäftsmodell der Finanzwirtschaft sich – mit politischer Duldung – hier in jeden Werttransfer einzuklinken und mitzuschneiden!

Die Frage „Wem gehört die Welt?“ muss so beantwortet werden: Sie gehört denjenigen, die mit dem Geld anderer arbeiten und so eine eigene „Kunstwelt“ schaffen – bis zum Platzen der nächsten Blase.
http://www.wienerzeitung.at/themen_channel/literatur/autoren/886312_Hinter-den-Kulissen-der-Weltfinanz.html

Sollte hier festgehalten werden, um es später zitieren zu können.

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Written by medicus58

18. April 2017 at 12:40

Am Ende übernimmt der Bürger die Rechnung, in Griechenland, so wie anderswo

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Athen

Klar, Schulden müssen bezahlt werden,
außer man ist eine Bank, eine Firma, ein Aggressor, eine Armee, …, dann übernimmt der Bürger mit seinen Steuern die Rechnung

Konten bleiben unberührt, wenn dort ein paar Millionen gebunkert wurden und noch dazu, wenn diese Konten auf einer Schweizer oder eine EU Bank eröffnet wurden.
Konten bleiben unerreichbar, wenn darauf nur kleine Notgroschen, Pensionen oder Gehälter liegen, es war in Zypern so, es ist in Griechenland so, es wird überall in der EU so sein.

Das Wachstum von Schulden ähnelt dem Wachstumsverhalten von Malignomen,
es kommen Gebühren und Zinsen dazu, für die wiederum Zinseszinsen zu bezahlen ist. Natürlich ist das jedem Grundschüler klar, außer er benötigt eine größere Wohnung, ein Haus, eine Unterbringung für seine Kinder, eine Pflege für seine Eltern.

Der Spiegel stellt die richtige Frage:
Wie kommt nun die Summe von 82 bis 86 Milliarden Euro zustande?
(http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/warum-griechenland-ploetzlich-86-milliarden-euro-braucht-a-1043431.html)

Der Finanzbedarf Griechenlands scheint sich in den vergangenen Monaten vervielfacht zu haben. Im April sprachen Experten noch von 30 bis 40 Milliarden Euro, die nötig seien, um das Land über die kommenden drei Jahre zu bringen. Anfang Juli kam der IWF in seiner Analyse schon auf 50 Milliarden Euro. Der Hilfsantrag, den die griechische Regierung noch in der vergangenen Woche stellte, sprach von 53,5 Milliarden Euro. 
Merkel antwortet ganz offen:
Die Situation habe sich in den vergangenen sechs Monaten erheblich verschlechtert, sagte die Bundeskanzlerin. Der Finanzumfang sei deshalb so groß, „weil die Banken leider durch die Vorgänge der vergangenen Wochen in Mitleidenschaft gezogen wurden“.

Die Konsequenzen sind scheinbar klar:
Kaum ein Euro wird den griechischen Bürger erreichen, fast das ganze Geld wird an die institutionellen Gläubiger gehen.
Aber auch kein Euro geht an die anderen EU Bürger, mit deren Steuergeld eigentlich die sogenannten institutionellen Gläubiger überhaupt Kredite vergeben konnten.
Die Gewinne der Euro-Zentralbanken, die rechtzeitig griechische Staatsanleihen gekauft haben beträgt laut Spiegel insgesamt 7,7 Milliarden Euro bis 2018.
Gewinne, die nur möglich sind, solange man sich darauf verlassen kann, dass die EU Bürger mit ihren Steuern das Spiel am Laufen halten.

Die mediale Berichterstattung, die seit Jahren von den „faulen Griechen“ schreibt, die sich jetzt überschlägt vor Schadenfreude,
weil  ein griechischer Finanzminister zum Rücktritt gezwungen wurde, nachdem ihn die anderen EU-Minister in einem ungeheuerlichen Vorgang, vor die Tür gesetzt haben,
weil Tsipras nun „noch härtere Auflagen“ durch sein Parlament bringen muss, weil er zuvor auf einem Referendum bestanden hat,
weil man es den letzten linken Strömungen in der EU nun zeigen kann, nachdem sich die Sozialdemokraten diesseits und jenseits des Kanals schon vor Jahren zu „nützlichen Idioten“ des globalen Ausverkaufs von Staatseigentum konvertiert wurden.

Keiner stellt die Frage nach der Mitverantwortung der Geldgeber, denen natürlich seit Jahrzehnten klar war, dass diese griechische Ökonomie niemals die aufgenommen Gelder zurückzahlen wird können.

Wenn Frau Merkel und ihre Nachbeter jetzt dauern vom Vertrauensverlust sprechen, sollten wir einmal die Frage stellen, weshalb wir diesen Politikern noch vertrauen sollen, die Banken und nicht die Bürger retten.
Noch hat die Politik ihr Vertrauen nicht verloren, dass die EU Bürger für die Verluste eines Systems gerade stehen, das dem Einzelnen nicht garantiert, dass er an sein eigenes Girokonto kommt.

Letztendlich frage ich mich, mit welchem Trick die Töchter ausländischer Banken (z.B. Raiffeisen) mit dem Verweis auf Liquiditätsprobleme, die Auszahlung der Konten verweigern …
Vermutlich mit den selben Werkzeugen, mit denen sie ihre Haftungen für die Hypo Alpe Adria dem Steuerzahler umhängten.
Griechenland ist überall – wenn das die Bürger begreifen, dann wird Merkel realisieren, was wirklicher Vertrauenverlust ist.

Written by medicus58

13. Juli 2015 at 19:46

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Bitte, bitte, erklärt mir das

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Zebra

Wenn in Europa ein Politiker, dem man bisher keine Korruption vorwerfen kann, in einer geheimen Wahl gegen die nachweislich korrupt Regierenden eine Wahl gewinnt, fürchten wir uns.

Wenn in Europa ein halbes Jahr nachdem ein Passagierflugzeug abgeschossen wurde, ohne dass die bisherigen Untersuchungsergebnisse veröffentlicht werden, fürchten wir uns nicht.

Wenn in Europa nur kurz nach (!) der Wahl des Kommissionspräsidenten darüber diskutiert wurde, wie der in seiner früheren Position dafür gesorgt hat, dass sich Großkonzerne Steuern ersparen, fürchten wir uns nicht.

Wenn in Europa alle paar Jahre wieder in der Ukraine eine Revolution unterstützt, die die NATO Ausweitung Richtung Russland ermöglichen soll, fürchten wir uns nicht.

Wenn in Europa Milliarden an Steuergeld in den Bankensektor pumpt und über absurde Konstruktionen Milliardengarantien abgibt, ohne dass dem Casino-Kapitalismus wirksame Grenzen gesetzt werden, fürchten wir uns nicht.

Wenn in Afrika ein Virus etwa 6.000 Menschen tötet, fürchtet sich Europa.

Written by medicus58

26. Januar 2015 at 20:55

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Weniger Leistungen vom Staat ist die neuen Steuererhöhung, Herr Spindelegger

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Bundesregierung

Ganztägiger Unterrricht ist in Europa der Normallfall. 
Grundsätzlich Unterricht und Betreuung sowohl vormittags als auch nachmittags findet in Belgien, Finnland, Großbritannien, Irland, Island, Malta, die Niederlande, Norwegen, Portugal, Schweden, Spanien und Tschechien statt. Teilweise ganztägig, d.h. nicht flächendeckend im ganzen Land (z.B. wegen föderaler Zuständigkeiten wie in Frankreich) wird in Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Estland, Frankreich, Griechenland, Italien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Polen, Rumänien, Schweiz, Slowakei, Slowenien, Ungarn und Zypern unterrichtet.

2006 warb Alfred Gusenbauer (SPÖ) im Nationalratswahlkampf dieflächendeckende Ganztagsschule und die SPÖ wurde damals stimmenstärkste Partei.

2013 dröhnte Ministerin Schmied (SPÖ) zum Thema Ganztagsschule
„100 Jahre Debatte sind genug“ und versprach die Hälfte der Pflichtschulen in Ganztagsschulen umzuwandeln.
http://derstandard.at/1376535138630/Schmied-will-Haelfte-der-Pflichtschulen-in-Ganztagsschulen-umwandeln

2014 verschiebt Ministerin Heinisch-Hosek (SPÖ) auf Druck der Bundesländer den weiteren Ausbau in Österreich, um ihr Budgetloch zu stopfen.

„Die Länder, egal ob SPÖ- oder ÖVP-geführt, zeigten sich mit diesem Vorschlag zufrieden. Auch die niederösterreichische Bildungslandesrätin Barbara Schwarz (ÖVP) zeigte sich zuversichtlich: „Ich denke, es ist das passiert, was wir uns alle gewünscht haben. Wir müssen nicht bei den Kindern, bei der Bildungsqualität oder bei den Lehrern sparen.“
http://noe.orf.at/news/stories/2643523/

Die Länder können weiter Lehrer anstellen und dem Bund die Kosten umhängen, was dzt. allein 30 Millionen gebracht hätte. (http://www.tt.com/politik/8286862-91/heinisch-hosek-will-sich-geld-bei-ganztagsschule-holen.csp)

Noch lesen wir auf der Homepage der AK NÖ:

Wieviel kostet die Umstellung auf ganztägige Schulen?
Um eine echte verschränkte Ganztagsschule in Österreich zu realisieren, braucht es vor allem bauliche Adaptierungen an den Schulgebäuden und zusätzliche Lehr- und Betreuungskräfte. Diese Kosten ammortisieren sich jedoch nach 5 Jahren bereits wiederdurch den Effekt aus Baumaßnahmen, den Abgaben der neu beschäftigten Lehr- und Betreuungskräfte und wegen der besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf der neu beschäftigten Elternteile (v.a. Mütter).

http://noe.arbeiterkammer.at/interessenvertretung/bildung/Infos-verschraenkte-Ganztagsschule.html

Sind wir so reich, um auf dieses Win-Win-Modell verzichten zu können?

Nein, aber unsere Politiker setzen einfach ein riesiges Umverteilungssystem zuungunsten der steuerzahlenenden Bürger um:

Zuerst schaut die Politik zu bzw. macht kräftig dabei mit, wenn die Finanzwirtschaft mit Geldern spekuliert, die sie nicht hat, dann „rettet“ sie den Sektor, d.h. zahlt mit unserem Steuergeld die Zeche und macht uns glauben, dass uns das ohnehin nichts kosten wird. Augenblicklich bejubeln sie einander, dass sie mit einem Handstreich das Budgetloch gestopft haben, indem sie jeder einzelnen Familie mit berufstätigen Eltern das organisatorische und finanzielle Problem umgehängt haben, wie die denn ihren minderjährigem Nachwuchs versorgt, wenn sie selbst Überstunden machen, um das Geld für diesen Wahnsinn aufzustellen.

OK, das alles in EINEM Resort um dieses Jahr relative lächerliche 50 Millionen aufzustellen. Vor einer Woche berichtetet der Hypo-Chef Picker aber, dass die Hypo auf faulen Krediten von 9,2 Millionen Euro sitzt.

http://diepresse.com/home/wirtschaft/economist/1595590/HypoChef_Mehr-Leichen-im-Keller-als-gedacht?

Ich stehe nach wie vor dazu, dass wir weniger Steuern haben und keine neuen Steuern einführen.
Michael Spindelegger

http://www.oevp.at/themen/Keine-Substanzsteuern.psp

Wie lange dauert es noch, bis der Letzte Steuerzahler realisiert, dass es für ihn auf das Gleiche hinausläuft, ob er mehr Steuern an den Staat zahlt oder weniger Leistungen vom Staat erhält.

Written by medicus58

24. April 2014 at 07:19

Arbeiten wenn es angeschafft wird, ist das schon anschaffen gehen?

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Presse

 

Einer der Zankapfel während der letzen Nationalratswahl, die flexible Arbeitszeit, wenn es der Betrieb wünscht, scheint jetzt in aller Stille innerhalb der SPÖVP Regierung durchgewunken zu werden. (http://diepresse.com/home/politik/innenpolitik/1585142/Arbeitszeiten_Lockerung-fur-12StundenTag? )

Wie der Screenshot der Presse HP zeigt, halten sich unter deren Lesern Befürworter und Gegner ziemlich die Waage.

So ganz überraschend kommt das ja nicht, wie selbst die Presse aus ihrem Archiv mit einem Artikel vom 16.12.2013 nachweisen kann (http://diepresse.com/home/politik/innenpolitik/1505147/ZwolfStundenTag-kommt-in-Sonderfaellen-jetzt-doch?)
Dass auch jener Artikel mit derselben Bildillustration versehen war wie der aus 2014 spricht für eine gewisse Überlastung des Layouts, aber das ist wohl eine andere Geschichte …

Aktuell scheint nur noch die Farge offen, mit welchem Zuckerl sich die Arbeitnehmerverteter abspeisen lassen, damit sie auch ihren Sanktus geben, dass der Arbeitgeber im Bedarfsfall die tägliche Arbeitszeit auf 12 Stunden erhöhen kann.
Sozialminister Hundsdorfer beruhigte aber sofort, das dieWochenarbeitszeit von maximal 50 Stunden nicht angetastetwerden wird und es schon auch noch Überstundengeld geben wird!

http://kurier.at/politik/inland/flexiblere-arbeitszeiten-12-stunden-tag-angeblich-in-vorbereitung/58.702.415

Als Arzt kann man da nur müde lächeln. Wir erinnern uns an die Schlagzeilen vor wenigen Tagen:
Ärzte-Arbeitszeit: EU mahnt Österreich
http://derstandard.at/1395057173773/EU-Arbeitszeitrichtlinie-setzt-Sozialministerium-unter-Druck
Während Dienste von 70 Stunden und mehr in österreichischen Spitälern gang und gäbe sind, erlaubt die Arbeitszeitrichtlinie der EU nur eine Maximalarbeitszeit von 48 Stunden pro Woche inklusive Überstunden. Dem widerspricht allerdings das österreichische Krankenanstalten-Arbeitsgesetz, nach dem bis zu 72 Stundenerlaubt sind.

„Im vorigen Jahrhundert“ trat ich Samstags um 8:00 meinen Wochenenddienst an der Klinik an und war froh, wenn ich am Montag vor 18:00 die Hütte wieder verlasen durfte, wohlgemerkt das alles als Gemenge (Konglomerat darf man ja nicht mehr sagen) aus angeblichen Bereitschaftsdienst und vollbezahlten Überstunden zu einer regulären 40- Stundenwoche, die aber in  der Praxis ohne hin nicht durch die Uhr sondern die noch nicht angehängten Infusionen, wartenden Patienten oder Kongressdeadline begrenzt wurde.

Ich kenne keinen Mitarbeiter im Gesundheitssystem, der im Notfall (und Notfälle können auch plötzliche krankeitsbedingte Ausfälle der Kollegenschaft sein, die bei der engen Personaldecke absehbar und regelmäßig zu GesetzesvVerletzungen führen) seinen Arbeitsplatz verlässt, wenn dort noch ein dringender Fall wartet. Ich kenne aber auch genug Ich-AGs, kleine Selbstständige, … etc. deren Arbeitszeit sich an keine gesetzliche Regelung hält, aber irgendwann stellt man sich schon zwei Fragen:

Weshalb sind die gesetzlichen Arbeitszeitregelungen im Gesundheitsbereich so grundverschieden von dem im „Rest“ der unselbstständigen Erwerbstätigen?

Wenn wir alle -nicht nur die Generation Praktikum – bald nur mehr an Straßenrand darauf warten, bis uns jemand aufgabenbezogen Geld für unsere Arbeit bezahlt, dann sollte dies langsam auch in den Lohn eingepreist werden, denn so war das nie ausgemacht.

Accenture im KAV: Wir zahlen doppelt für den Strick an dem sie uns aufhängen

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AccentureNYSE

In Paraphrasierung von Lenins Sager „Kapitalisten werden uns noch den Strick verkaufen, mit dem wir sie aufknüpfen
könnte man im Falle der Stadt Wien wohl sagen, dass die öffentliche Hand den Leute, die sie in die Bredouille gebracht hat,
noch das Geld nach wirft, das sie nicht durch das segensreichen Wirken dieser Typen nicht mehr hat.

Sicher nicht ganz zufällig begannen mit dem segensreichen Wirken GenDirStv Janßen (http://wp.me/p1kfuX-Kd) im Frühjahr 2013 auch die Berater und Outsourcing Experten der Firma Accenture ihren Auftrag über die Sachkostenoptimierung im Rahmen der Umsetzung des Wiener Spitalskonzepts 2030 im Wiener Krankenanstaltenverbund.

Es soll nun gar nicht die Expertise dieser umsatzstärksten Consulting-Firma der Welt hinterfragt werden, $30,39 Milliarden und 275,000 Mitarbeiter in 56 Ländern sprechen eine so deutlich Sprache, dass Accenture gerade auch in den USA beauftragt wurden, das missglückte Health Portal Obamas in Schwung zu bekommen. (http://online.wsj.com/news/articles/SB10001424052702303819704579316944287311118).

Was mir so stinkt, ist die Historie der aus Arthur Anderson hervorgegangen Firma. Arthur Anderson, sie wissen, Enron Skandal und so …

Am 1. Jänner benannte sich  Andersen Consulting in „Accenture“ (Accent on the future) und ging im Juli 2001 in NY an die Börse, während das Headquarter steuerschonend auf die Bermudas verlegt wurde. Dies wurde im Oktober 2002 sowohl vom General Accounting Office des US Kongresses aber auch vom CNN Journalist Lou Dobbs heftigst kritisiert. 2009 wanderte man dann nach Irland aus, das aber ebenfalls dafür bekannt ist, sich mit einem minimalen Anteil an Unternehmensgewinnen zufrieden zu geben. Operativ belässt man aber seinen Schwerpunkt weiterhin in den USA, in New York City und Chicago.

Und hier schließt sich der Kreis. es ist ein offenes Geheimnis, dass die öffentliche Hand (neben Krisenfinanzierung, Bankenrettung, etc …) auch deshalb so illiquid ist, weil Steuerbeiträge fast ausschließlich noch über Einkommens- und Verbrauchssteuern hereinkommen. Multinational tätige Firmen haben schon längst Mittel und Wege gefunden ihre Gewinne dorthin zu verschieben, wo sie steuerlich kaum mehr zum Gemeinwohl beitragen müssen. Die Deutsche Bank schaffte es selbst zu Zeiten maximaler Boni in Deutschland keinen Cent Steuern abliefern zu müssen (http://www.amazon.de/Asoziale-Marktwirtschaft-Wirtschaft-enth%C3%BCllen-auspl%C3%BCndern/dp/346203412X).

D.h. die öffentliche Hand, im Falle des Wiener Krankenanstaltenverbundes in Form von Stadträtin Wehsely, bedient sich einer dieser Firmen, deren Steuerspielchen auch dafür verantwortlich sind, dass die Budgets ausgetrocknet sind …

Für die Beraterclique ist das auch aus anderen Gründen ein höchst zukunftsträchtiges Geschäft: Sie bekommt sogar Geld dafür, dass sie tiefe Einblicke in die Geschäftsgebarungen eines der größten öffentlichen Krankenanstaltenverbund Europas bekommt.
Diese Informationen lassen sich dann gewinnbringend dem nächsten Kunden verkaufen.
Eine echte Win-Win-Situation, wie es im Beratersprech so heißt …

Eigentlich zahlen wir für den Strick doppelt an dem sie uns aufhängen!

Image: Wikipedia GFDL

Kapital gut, Ficken schlecht? Wie ist das nun mit dem freien Verkehr?

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Freies Ficken
Vorausschicken möchte ich, dass es in der Welt, wie ich sie mir wünsche, keinen entgeltlichen Sex geben würde, aber gerades deshalb:

Irgendwie doch inkonsequent, nicht? Waren, Dienstleistungen und Kapital wird in der Europäischen Union das Grundrecht des freien Verkehrs verbrieft. Aber auch außerhalb von Europa werden schrittweise alle Schranken abgebaut, die angeblich einen freien Handel unterbinden. Ganz aktuell soll im Transatlantische Freihandelsabkommen (TAFTA, manche sagen auch Wirtschafts-NATO dazu) Indien gezwungen werden, die Agrarsubventionen auf Getreide zu senken, mit denen es sicherstellen möchte, dass sich der Tagelöhner in Orissa (heute eigentlich Odisha) seine Schale Reis leisten kann, weil es sich halt für „Uncle Ben’s Instant Rice“ nicht ganz ausgeht.

Gleichzeitig führen wir in Europa eine Diskussion über das Verbot der käuflichen Liebe. Frankreich versucht dies aktuell nach schwedischem Vorbild durch Kriminalisierung der Freier. (http://diepresse.com/home/panorama/welt/1494326/Prostitution_Frankreich-verbietet-kaeuflichen-Sex).
In Wien setzt man auf die bewährte Verkehrspolitik: Parken und Pudern in Wien – Beispiele einer erfolgreichen Stadtverdrängung http://wp.me/p1kfuX-uV

Erklärt wird dies auf den ersten Blick durchaus schlüssig mit der dem Gewerbe anhaftenden Umgebungskriminalität (Menschenhandel, Drogen, Erpressung, Gewalt, Illegalität, …).

Die Vorstellung, dass plötzlich alle Rumäninnen freiwillig ihre Selbstverwirklichung im Fließbahnsex mit angeheiterten Österreichern finden, ist ja wirklich absurd, nur ist es nicht genauso absurd, dass wir es „dem kleinen Mann“ verwehren für sein persönliches Glück ein bisschen über andere Menschen „drüber zu steigen“, während wir dieses Recht Konzernen und der Finanzindustrie gesetzlich zusichern?

Ich höre schon die Gegenstimmen, dass da wieder einmal Äpfel mit Birnen (oder vielleicht Eier mit Bananen) verglichen werden, doch gemach …

Wenn nicht gerade wieder einmal in Bangladesch eine Textilfabrik einstürzt oder sich ein chinesischer Foxconn Arbeiter aufhängt, ist es uns egal, wie die Produkte in Niedriglohnländer hergestellt werden, die zollfrei in Hochpreisländern die Gewinne erzielen, die dann off shore an unseren Steuerbehörden vorbei gebunkert werden, Hauptsache keine Barrieren. Hier darf der Markt regieren und sagen Sie mir bitte nicht, dass es einen substantiellen Unterschied macht, ob eine Bangladeshi, die nie einen Reisepass hatte, für 15 Cent pro Stunde ihr T-Shirt näht, oder ihnen eine blutjunge Roma, der man den Pass abgenommen hat, für 20 € ihren Schniedel massiert.

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/demonstrationen-und-streiks-50-000-textilarbeiter-in-bangladesch-verlangen-mehr-lohn-12585573.html

Als Demokrat würde ich die gleichen Rechte für Freier und Kapitalisten fordern,
als Moralist wünsche ich mir einen vergleichbaren Codex für Geld- und Sexgeschäfte.

Written by medicus58

6. Dezember 2013 at 07:30

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