Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Das wahre Problem am Esoterik Skandal im KH Nord

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Pünktlich vor der Klausurtagung der Wiener SPÖ platzierte gestern (14.03.2018 18:31) die Krone  
Finanzdesaster KH Nord 95.000 Euro Steuergeld für „Bewusstseins-Forscher“
Wie danach auch andere Medien berichteten hat „die Projektleiterin des KH Nord“ freihändig den Auftrag erteilt, u.a. das Skandal geschüttelte Projekt „energetisch zu reinigen„.
Die Stadträtin ließ ausrichten, dass das gar nicht gehen würde und der AKH und KAV Direktor Wetzlinger „zeigte Stärke“ und suspendierte die mutmaßliche Auftraggeberin und schickt die Innenrevision aus. Selbstverständlich ist die Opposition fassungslos  und VP-Juraczka verstieg sich sogar zur Aussage:
Es ist zu prüfen, ob Esoterik auf Steuerzahlerkosten nicht im höchsten Maße strafrechtlich relevant ist

Neben dem ohnehin schon offenkundigen Chaos im besagten Projekt liegt das wahre Problem aber woanders:

Schon längst haben sich para- und unwissenschaftliche Konzepte in vielen Köpfen breit gemacht und die Politik macht mit, weil man zumindest die Stimmen der Personen nicht verlieren will, die schön längst ihren Verstand verloren haben. 

Kein Kuraufenthalt ohne Granderwasser.
Die gesetzlichen Gebietsschutz genießenden Apotheken verwenden ihn nur allzu gerne um den Kunden gewinnbringend Homöopathie , Schüssler Salze und ähnliches zu verkaufen, die im Gegensatz zur Chemie doch nicht schaden würde.
Keine Ärztekammer ohne Referat für Alternativmedizin, das sich kaum gegen all den Schwachsinn ausspricht sondern eher entsprechende Kurse (200 Stunden Theorie, 150 Stunden Praxis) anbietet.

Das Krankenhaus Hietzing betreibt eine homöopathische Ambulanz im Rahmen der Gynäkologie.

Aber das Krankenhaus Nord ist wahrlich nicht das einzige Krankenhaus, das sich mit esoterischen Schnick-Schnack schmückt:
Auch Geowave, „ein echtes Zufallsprodukt“ wie man auf der Homepage des Herstellers zugibt, soll tausende Personen medizinisch und kinesiologisch vor Reizzonen durch Wasseradern, Erdverwerfungen, Erdgitternetze, etc. geschützt haben. Der ehemalige Ärztl. Direktor des LKH Salzburg (Universitätsklinik PMU Salzburg) freute sich somit folgerichtlich über 150 GeoWave-Wellen in „seinem Spital“ installiert zu haben.

Die nuklearmedizinische Therapiestation an der Universitätsklinik Innsbruck rühmt sich nach Feng-Shui-Prinzipien gestaltet zu sein.

Das Immanuel Krankenhaus Berlin bietet Meditation, Ayurveda, TIM, TCM, TEM, Visualisation, Bodyscan, Yoga, Tai Chi, Qi Gong und kognitive Restrukturierung an.
Der Dienst für Komplementärmedizin, der im Krankenhaus von Meran als Pilotprojekt initiiert wurde, hat sich nach eigenen Angaben als sehr erfolgreich erwiesen.

Das Spannungsfeld wurde bereits in dem 2014 erschienene Buch „Komplementärmedizin im Krankenhaus“ auf den Punkt gebracht:
.Nicht erst im Zuge des anziehenden Wettbewerbs stehen Krankenhäuser vielerorts vor der Entscheidung, dem Trend zu folgen und das eigene Indikations- und Behandlungsspektrum um komplementärmedizinische Angebote zu ergänzen.

Wahrscheinlich stand hinter dem schwachsinnigen Auftrag im KH Nord die übliche Mischung aus Halbwissen und Freunderwirtschaft und als Begleitmusik zur beabsichtigten Elimination der Gesundheitsstadträtin kam das G’schichtl gelegen.
Vermutlich wollte man nur eine billige Methode finden, die Störfelder der nahen Schnellbahn von den Magnetresonanz-Tomografen fern zu halten … (end of sarcasm)

Das wirkliche Problem ist, dass nicht nur in der Politik Fake News Einzug gehalten haben und sich niemand
diesem Gemenge aus „man weiß ja nie„, „nutzt nix, dann schad’s nix“ und dem tiefen Misstrauen an die Wissenschaft, die man halt nicht ohne gewisse Vorbildung verstehen kann, entgegenstellt.

Ich nehme jede Wette an, dass, wäre die Sache jetzt nicht aufgeflogen, man auch aus so manchem Politiker Mund bei der Eröffnung stolz gehört hätte, dass hier Spitzenmedizin ermöglicht wurde, man aber auch ganz besonders darauf geachtet hat, dass für ein positives energetisches Umfeld gesorgt wurde, die die Heilung begünstigt.

Link: Die schräge Welt des Spital-„Energiereinigers“

Written by medicus58

15. März 2018 um 21:27

10 Antworten

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  1. Die Welt steht auf kan Fall mehr… http://christophfasching.at/uber-mich

    christinekainz

    15. März 2018 at 22:19

  2. Ich bin gerade dabei, meine Linkfarm für den Frühling aufzufrischen. Und man lernt echt dazu.
    Zum Beispiel wusste ich nicht, dass das Magazin people ein AKH- und ein WGKK-Cover hat.
    http://www.bkkommunikation.com/de/people/

    Falls jemand den Talk im Hangar 7 vor zwei Wochen zum Thema Homöopathie nicht gesehen hat – es zahlt sich aus, es ist unterhaltsam:
    https://www.sarko.at/Themen/Homoeopathie_im_Hangar_7.htm

    Hansi

    18. März 2018 at 19:30

  3. Werter Herr Hansi, Sie stehlen mir heute (ungewollt 😉 einiges meiner Zeit. Ich habe Ihren Kommentar leider erst heute entdeckt und all die vielen Links interessieren mich sehr. Das „People“ hatte ich schon gekannt, von div. KH Besuchen. Die neueste Ausgabe habe ich mir gleich angeschaut. Auf Seite 15 kann man eine Führung durch das Hanusch gewinnen. Man muß (ßßß;-) nur über das positivste Erlebnis, welches man mit der WGKK hatte, berichten. Leider ist mir keines eingefallen…
    Auf Seite 24 wird Herrn Univ-Prof. Dr. Michael Frass Raum gegeben – Titel: „Komplementärmedizin wird salonfähig“. Und schon begegne ich diesem Herrn Prof. auf Servus TV…
    Ich bin noch nicht durch mit dem allen, danke Ihnen aber für diese wirklich interessanten Links 🙂

    Christine Kainz

    20. März 2018 at 19:14

  4. Der Niavarani hat dazu ja auch etwas zu sagen 😉 https://www.youtube.com/watch?v=6qXwuAkqpZg

    Christine Kainz

    21. März 2018 at 17:30

  5. Habe mir erlaubt, Herrn Hansi, auf meiner HP unter „Empfehlungen“, zu verlinken.

    Christine Kainz

    21. März 2018 at 21:53

  6. Test

    Christine Kainz

    26. März 2018 at 00:53


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