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Archive for the ‘Nationalratswahl 2013’ Category

Die Große Koalition? Minderheitsregierung jetzt!

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Grosse Koalition

 

Das haben wir gewählt …

Haben wir?

Die einzige Gemeinsamkeit aller scheint jedoch zu sein, dass es so, wie es war nicht mehr weiter geht.

Logischerweise käme also nur eine Minderheitsregierung in Frage, die sich im Plenum wechselnde Mehrheiten sucht. Gerade eines so geschwächte SPÖ kann sich das leisten, denn sie muss den anderen ihre Teilerfolge gönnen. Eine Minderheitsregierung, der nur ein oder zwei Mandatare fehlen, um ein Gesetz zu beschliessen, wird kaum zu substanziellen Verhandlungen bereit sein.

Es gibt kein Thema, für das die SPÖ vor der Wahl eine Reform in Aussicht gestellt hat, das nicht eine lockere Mehrheit im Plenum fände.

Würde, wofür es ohnehin keine Anzeichen gibt, Faymann den Rufern aus dem Seitenout nachgeben und eine Regierung mit der FPÖ wagen, wäre der letzte Rest seiner politischen Glaubwürdigkeit beim Teufel.
Leuten wie Androsch schert das naturgemäß keinen Deut.

In Wirklichkeit wäre das schon die Lösung für Gusenbauer gewesen und hätte vielleicht seinen Kopf, jedenfalls seinen Anstand gerettet.

Damals wie heute wäre der Widerstand des eigene Parteifreunds in der Präsidentschaftskanzlei überwinden, aber versucht sollte es langsam werden, ehe der SPÖ ihre letzten Altwähler in der Hacklerpension wegsterben.

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Written by medicus58

5. Oktober 2013 at 15:34

Persönliche Erkenntnisse nach dem Wahltag

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Wahlurnen 2013
Zwei reiche, alte Männer kaufen
sich je eine Partei und die kommen beide locker in den Nationalrat.

Politische Gruppierungen können ihre Wahchancen maximieren, indem sie erst möglichst kurz vor einer Wahl die politische Bühne betreten. 

Positionen verschrecken Wähler bringen aber keine Stimmen.

Korruption wird vom österr. Wähler als gegeben hingenommen und deren An- aber auch Abwesenheit ist kein Wahlmotiv. 
Niemand interessiert wirklich wer die Milliarden hat, für die nun alle Steuerzahler geradestehen müssen.

Sowohl die Aufdeckungsarbeit als auch das diktatorische Abdrehen eines U-Ausschusses ist dem Wähler egal.

Das Plenum des Nationalrats sollte dahingehend umgebaut werden, dass Sitzplätze nahezu ausschließlich rechts von der Mitte errichtet werden. 
Linke Positionen (Internationalismus, Solidarität, Antikapitalismus, …) kommen – bis auf deren negative Aspekte (Kaderdenken, Bevormundung, …) in einigen Positionen der SPÖ und der Grünen – 
in der politischen Diskussion Österreichs nicht mehr vor. 

Wir sind rechts-konservativ und unterscheiden uns nur noch durch den Grad an Populismus, Nationalismus und religiösem Fundamentalismus.

Europa ist kein Thema. Wer im Parlament die undemokratische Strukturen eines ESM und die sich daraus ergebenden Haftungen durchgewinkt interessiert niemanden.

Die politische Diskussion ist am Sandspielplatz der PR-Berater und Spin-Doktoren angekommen, einschließlich der dazugehörigen Schlammorgien bei Regenwetter; quotensteigernd als Werberahmenprogramm von ORF und den Privaten, demaskierend für schauspielerisch weniger Begabte.

Bemerkenswert auch, dass die gesellschaftspolitischen Folgen des Internets (Wikileaks, Offshore Leaks, NSA Abhörskandal, Internetbanking, ELGA, ..), 
ein Thema das heute durchaus so brisant wie für die meisten Wähler unbekannt ist wie vor Jahrzenten ökologische Fragen waren, 
kein Thema waren und die Gruppierung, die sich dieses Themas angenommen hat, die Piraten, unter dem Wahrnehmungshorizont blieben. 

Schließlich kann man sich fünf Jahre nach dem Zusammenbruch des neoliberal befeuerten Systems nur wundern, dass die NEOS ins Parlament katapultiert wurden,
die in ihrem Programm den alten Wahn regurgitieren, aber -im Gegensatz zur FDP- diese Positionen durch geschickte Vermarktung dem Wähler nicht bewusst machen:

Rückzug des Staates
Privatisierung von individuellen Risiken und öffentlichem Eigentum
Deregulierung der Wirtschaft 
Studiengebühren, Schulautonomie
Gehaltskürzungen für öffentlich Bedienstete
Abbau staatlicher Investitionsprojekte
Privatisierte Pensionsvorsorge
 Privatisierung von Telekom, Post und ÖBB.

Written by medicus58

30. September 2013 at 07:22

Nach einem außerirdischen Wahlkampf

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Nach einem Spießrutenlauf durch die MaHü auf der einen in quietschgrüne Uniformen gequetschte Teens das unsägliche EVA Magazin aufdrängen, die ÖVP heiße Gase in gelbe Ballons bläst und ein adrett Gekleideter uns allen (!) einen für die FPÖ erfolgreichen Wahlsonntag wünscht, kann es schon passieren, dass man sich wünscht der kuppelartige Dachausbau eines Gründerzeithauses wäre ein UFO das einen da rausholt.

Nach quotensteigernden Dauerkonfrontationen mit sandgestrahlten und bis zur Unkenntlichkeit gespinnten Polit-Vertretern bleibt nur die Frage, weshalb nicht zwischen den Wahltagen nur annähernd so viel Hirnschmalz und Geld aufgewendet wird, uns die immer komplexeren gesellschaftspolitischen Fragen zur Diskussion aufzubereiten, wie hinausgeworfen wird um an unsere Kreuzerl zu kommen.

Written by medicus58

28. September 2013 at 14:48

Veröffentlicht in Allgemein, Nationalratswahl 2013

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Der allem zum Trotz trotzkistische SLP Wähler

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Wahlurnen

Ich gebe es zu, zuletzt wurde mein Interview-Reigen schon ziemlich mühsam.
In Italien mache ich gerne Urlaub, möchte aber seine politischen Verhältnisse nicht bei uns auf dem Stimmzettel finden,
aber da muss ich durch.
Als vierzehnte (!) und letzte der bei den kommenden Wahlen zumindest in einem Wahlkreis kandidierenden Parteien, wollte ich nun auch
einen der knapp 2000 Wähler der Sozialistischen Linkspartei kennen lernen.
Gleich mit meiner ersten, eher zur Auflockerung gemeinten Frage verbockte ich den Termin aber gründlich:

„Gibt es denn auch eine sozialistische Rechtspartei, so dass man sich mit dem doppelt gemoppelten Parteinamen abgrenzen musste?“

„Ich habe in dieser Bewegung schon gekämpft als sie mich aus der Sozialistischen Jugend gemobbt haben und ich zum Verein „Vorwärts“ gestoßen bin, aus der sich die „Sozialistische Offensive Vorwärts“ entwickelt hat, die dann in der SLP aufgegangen ist.“

Den „Judäische Volksfront“ vs. „Volksfront von Judäa“ Witz verkneife ich mir und beobachte Jan, wie er seine speckigen Haare verzweifelt hinter seine abstehenden Ohren sperren möchte.

„Ich gehe davon aus, dass Du schon früher die SLP gewählt hast, aber ist das nicht frustrierend, dass die in Wien im Promillebereich herumdümpeln und im Rest von Österreich völlig unter der Wahrnehmungsschwelle bleiben?“

„Wir sind ja keine Partei im herkömmlichen Sinn, im Vordergrund steht bei uns die Aktion!“

„Ja, ich weiß,“ unterbreche ich ihn, „aber wenn ihr schon glaubt, dass diese Gesellschaft nicht über Wahlen zu verändern ist, was inzwischen sogar die KPÖ inzwischen an Stelle der großen proletarischen Revolution gestellt hat, dann könnt ihr doch nicht ernsthaft glauben Eure Ziele dadurch zu erreichen, wenn ihr einmal im Jahr, übrigens Schulter an Schulter mit SPÖ, Grünen und KPÖ gegen den Korporationsball der FPÖ demonstriert?“

„Wir wollen keine Ämter und Funktionen in dieser Gesellschaft erreichen …“

„Deshalb tretet ihr bei Wahlen an?“ unterbrach ich.

„Im Vordergrund steht bei uns die Aktion, jeder Aktivist, jede Aktivistin ist Parteimitglied und jedes Parteimitglied ist ein Aktivist und eine Aktivistin, unabhängig von Geschlecht, Herkunft und Nationalität.“

„Euer Wahlslogan ist „Sozialismus statt kapitalistisches Chaos“. Jetzt scheint mir der Kapitalismus einen sehr hohen Organisationsgrad in unserer Gesellschaft erreicht zu haben, an dem letztlich auch die Occupy-Bewegung an der Wall Street zerbrochen wurde, aber ihr seht darin ein Chaos; OK, soll sein, nur dem setzt ihr die dauernde Einzelaktion, sozusagen die Zeitlupen-Revolution entgegen und verzichtet selbst auf höhere Organisationsstrukturen.“

„Du verstehst rein gar nichts und bleibst in einem bürgerlich-distanzierten Weltbild hängen“, versetzte mir Jan den erwarteten Schlag.

“ Die SLP ist gegen Arbeitslosigkeit, Prekärisierung und a leeres Börsl, für günstiges Wohnen und gegen die FPÖ.“

„Und das erreicht ihr mit ein paar Farbbeutel auf den Kashmirmantel von älteren Männern mit zerschnittenen Backen?“

„Dadurch setzen wir Markierungen für unseren Weg in eine sozialistische Gesellschaft!“

„Die aber die Putzerei wieder relativ mühelos entfernt, nicht?“, damit habe ich offenbar den Bogen überspannt, was mit den Titel eines „bourgeoisen, postmodernen Arschlochs“ eintrug.

„Mit Salonsozis wie Dir, die sich nicht einmal die Mühe machen die Grundsatztexte auswendig gelernt zu haben, sollte man sich gar nicht einmal unterhalten.
Du beruhigst Dich damit, dass ein zwei Demos genügen, um als „links“ zu gelten, sowas brauchen wir gar nicht, auf sowas verzichten wir.
Die SLP rekrutiert eine handverlesene Schar an In- und AusländerInnen“, die unseren Kampf mitkämpfen.
Für Gleichberechtigung der Frau, für Teilhabe aller an allem.
Für Gratisverhütung und Gratisabtreibung sowie für höhere Löhne für alle!“

Wie ein geschlagener Hund trotte ich von dannen, während sich hinter mir die anatolischen, afghanischen und nigerianischen Massen formieren und für die Gleichberechtigung der Frau kämpfen.
Auf den Straßen Wiens begegnen mir freudetrunkene Sozialarbeiter und Dauerarbeitslose, die den Lohn eines Nationalratspräsidenten erhalten und erst beim Bäcker merken, dass auch dieser seine Einkommenswünsche verwirklicht hat,
Schlussendlich vernehme aus der Ferne das dumpfe Grollen von tausenden Farbbeuteln, die auf die kugelsicheren Kunststoffröhren prasseln, durch die die FPÖ Granden in die Hofburg einziehen, als wäre sie Walhalla. Onkel Fränk winkt vom Ballhausplatz herüber, während aus dem Außenministerium fremdartige christliche Gesänge schallen.
Die Linkswende benötigt in diesem Lande noch etwas Zeit, soll sein.

Written by medicus58

6. September 2013 at 07:18

Der KPÖ Wähler

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Wahlurnen
Letzte Woche fuhr ich extra in die Siebensterngasse in den 7. Wiener Gemeindebezirk, um endlich einen KPÖ Wähler zu treffen. Leider wurde ich auch im Café und Kulturzentrum 7stern nicht fündig. Zwar bezeichnete sich jeder 2. Lokalbesucher als „links“, aber unter all den Teilzeitlehrern, C&A XXXL gekleideten Sozialarbeiter und frühpensionierten Schachspielern, wollte sich „outen“. Bemerkenswert, dass sich aber ein halbes Dutzend der Anwesenden als „gay“ bezeichneten ….

Ich wurde ins „Depot“ in der Breite Gasse weitergeschickt und platzte in eine kritische Globalisierungsdiskussion, wo Fragen des postkolonialistische Sexistismus im postmodernen Neoliberalismus so heftig diskutiert wurden, dass ich nicht stören wollte.
Da kam mir die Königsidee: Das Volksstimmefest.

Auch wenn die nur mehr als Monatsmagazin erscheinende „Volksstimme“, also das Zentralorgan der KPÖ, heute de facto unter der Wahrnehmungsschwelle der Öffentlichkeit erscheint, ist sie seit 1946 Namensgeber für die „Fête de l’Humanité“, die fast unterbrechungslos alljährlich im Wiener Prater auf der Jesuiten(!)-wiese stattfindet.

Ich wälzte mich also letztes Wochenende durch die Spanferkel-bratenden Roma, die verdünnten Moquito schlürfenden Ché-T-Shirts-Träger und die von süßlichem Raum umwehten Chapati-Kauern, um endlich einen KPÖ Wähler befragen zu können.

Mein erster Gesprächspartner, der Heinzi, winkte mit seinem 16er-Blech etwas zungenlahm ab und gab zu, dass „die Sache mit der  Diktatur des Proletariats nicht sehr viel weitergekommen ist“. „Auch mit der klassenlosen Gesellschaft habe letztendlich alle nix g`habt, während er heute ein Haus im Grünen und einen übertragenen 3er-BMW fährt.

Ich gehe weiter und kaufe mir das letzte Album der „Chumbawamba“, das man seit Jahren nur hier und nicht beim „Müller“ oder „Media Markt“ kaufen kann.

Endlich treffe ich Hans, der etwas einsam hinter Bergen von etwas abgegriffenen Ausgaben des „Kapital“ sitzt. Die meisten in klassischen „Blau“ gebunden aus den 60er und 80er Jahren, ehe die DDR in das schwarze-CDU Loch der BRD gesaugt wurde.

„Ja, ich wähle wieder KPÖ“, meinte Hans und zog genüsslich an seiner filterlosen, Selbstgedrehten.

„Ja, aber „Stalin“, „Schauprozesse“, „Prager Frühling“ ….“

„Eh, grauslich, … eine Diktatur eben.“

„JA,“ versuche ich ihn mein Unverständnis spüren zu lassen, „aber die KPÖ war doch auf ihrem Höhepunkt, also als sie an allen Geschäften zwischen der österr. Verstastlichten und der DDR finanziell mitschnitt, der kritikloseste Speichellecker Moskaus.“

„Eh, zum scheißen, net“, grinste Hans und tat einen tiefen Lungenzug, der in einem Hustenanfall endete.

Ich war etwas verdutzt, wieso Hans eine Partei wählen will, deren offensichtliche Grauslichkeiten er offenkundig nicht abstreitet. OK, wir sind auf der Jesuitenwiese und da lassen sich innere Widersprüche durch Glauben ganz lässig überbrücken, oder wie es Heinrich Heine schon sagte: „Der Teufel, der Adel und die Jesuiten existieren nur so lange, wie man an sie glaubt“. Ersetzen wir einen der Platzhalter durch „Kommunismus“ und Heine funktioniert noch immer. Da legte Hans seinen Tschick weg und das Lächeln schwand auf seinen Lippen:

„Ich erzähl Dir einmal von einem Gespräch, das ich als Jugendlicher, fast noch als Bub, mit einem älteren Herrn in meiner Nachbarschaft führte. Ich erfuhr von meinem Vater, dass er von 38 bis 45 in mehreren KZs  des Dritten Reichs verbrachte. Er war überzeugter Sozialdemokrat und sammelte deshalb für die Familie eines Genossen, der von den Nazis verschleppt wurde. Die Frau war mit ihren Kindern von einem Tag auf den anderen völlig mittellos und er und einige seine Freunde sammelten für sie etwas Geld, ganz einfach damit die nicht verhungern.

Kurz danach wurde der Typ, ein überzeugter Sozi, verhaftet und lernte eine Reihe von KZs kennen. 1945 wurde er von der US Army befreit und war seither Kommunist….“

„Ja, und?“ stieß ich hervor,“ was beweist dies, was folgert daraus?“

„Gar nix,“ sagte Hans nun wieder mit einem Grinsen:“ Wer hat uns verraten? Sozialdemokraten!“

Ich brach unser Gespräch ab und eilte zur Hauptbühne um noch ein paar Takte von Harri Stojka zu hören, während Hans begann seine 3-bändigen Kapitalausgaben einzupacken, für das nächste Volksstimmefest 2014.

Written by medicus58

5. September 2013 at 20:06

Der EU Austrittswähler

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Wahlurnen

 

Etwas geschafft von der langen Reise, schließlich tritt die EU-Austrittspartei nur im Ländle hinter dem Arlberg an, treffe ich auf meinen heutigen Gesprächspartner.

„Ich bin furchtbar enttäuscht, oder?“ Begann das Gespräch mit einem hageren, etwas gehetzt wirkenden Mann mit schütterem Haarwuchs und betont aufrechtem Gang. Auf den ersten Blick erkennt man: Milizsoldat, Handygegner und mit seiner Jugendliebe verheiratet.

„Ich habe ja damals auf alle vertraut, den Vranitzky, den Mock, die Ederer und den ORF, nur bin ich halt von der EU so bitter enttäuscht worden. Es ist höchste Zeit auszutreten und wieder ein souveräner Staat zu werden, eher alles zusammenbricht und der TEUro weniger wert wird als unser Schilling. Wenn wir schon nicht aus Österreich austreten können, dann wenigstens aus der EU.“

Ich frage ihn, ob es denn außer dem EU-Austritt noch etwas gäbe, das die Partei erreichen möchte.

„Wir wollen mehr Selbstbestimmung und Mitsprache des Bürgers.“

Also mit einem Wort „Direkte Demokratie“, aber das versprechen ja ohnehin schon alle Parteien einschließlich der Piraten, die aber als Voraussetzung dafür noch einen Internetzugang fordern!, werfe ich ein.

„Österreichisches Steuergeld muss in Österreich bleiben und unseren Kindern und nicht den Banken zur Verfügung gestellt werden! Und auch die Korruption gehört abgeschafft.“

So weit, so Strache, denke ich bei mir.

„Mehr Grenzkontrollen, dass da nicht jeder rein und raus gehen kann!“

„Auch wenn die Heimat grad‘ nicht verschneit und vermurt ist“, versuche ich mich ihm anzubiedern.

„Wir müssen massive Zugangsbeschränkungen einführen, damit die aus ihren Pleitestaaten nicht alle zu uns kommen. Dafür sollen alle unsere Soldaten aus dem Ausland abgezogen werden und unsere Grenzen verteidigen!“

Mich beunruhigt der Gedanke einer Kriegserklärung Liechtensteins nun weniger, aber meinetwegen. Auf die Frage, warum er denn nicht gleich die FPÖ wählt, reagiert er gereizt aber bleibt die Antwort schuldig, die umso notwendiger wäre, je mehr er von den „Lobbyisten in Brüssel“, der „abgehobenen Beamtendiktatur“ und den „Gurkenkrümmungsradien“ spricht. Als ich darauf insistiere, meint er, dass die FPÖ nur so tue, als wäre sie gegen die EU, in Wirklichkeit wollen die den ganzen Balkan in die EU bringen.
OK, mit der blauen Nächstenliebe hat es mein Gegenüber also weniger.

„Die Handy- und Atomstrahlen machen nicht an unser Grenze halt, wenn wir nicht etwas dagegen unternehmen.“

Vor meinem geistigen Auge legt sich ein riesiger Faradayscher Käfig um das Ländle, statt der Landesfahnen wehen kleine Aluminiumfetzchen und die Armbrust wird vorsorglich auf jeden Näherkommenden angelegt, … OK, das wäre Tirol!

Inzwischen hat mein Gegenüber die Spitze seiner Krawatte durch das beständige Herumfingern gehörig ausgefranst. Was würde denn ein EU-Austritt Österreichs bewirken?, versuche ich das Gespräch in Gang zu halten.

„Ganz einfach, das Leben würde wieder einfacher werden. Beim Einkaufen müsste man nicht alles durch 13,76 dividieren.“

Glaube er denn wirklich, dass die Partei, die es gerade einmal in Vorarlberg auf die Stimmzettel geschafft hat, ihr Ziel erreichen wird?

„Wir im Ländle waren immer schon im Herzen wie die Schweizer.“
Nur die wollten euch schon 1919 nicht, fuhr es mir durch den Kopf.

„Wir müssen ja die Menschen ohnehin nicht mehr davon überzeugen, dass wir aus der EU müssen, oder!“

Ich kann mir nicht helfen, mich verunsichert die alemannische Relativierung am Satzende immer wieder, als ob man sich den Rückzug in eine gegenteilige Meinung offen halten wollte.

„Die EU-Austrittspartei hat als einzige Partei, die ein klares Programm für die Befreiung Österreichs von der EU vorgelegt hat:

2013: Nationalratswahl
2014: Volksabstimmung über den EU-Austritt
2015: Österreich ist wieder frei, oder?!?

Als zu allem Überfluss auch noch mein Handy anschlug, spürte ich eine gewissen Feindseligkeit bei meinem Gesprächspartner und ich verabschiedete mich rasch, ehe ich noch um ein Visum ansuchen muss, um wieder in den Osten zu kommen.

Written by medicus58

31. August 2013 at 15:50

Der Wandelwähler

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Wahlurnen

Vorausschicken möchte ich, dass es sich hier nicht um einen Druckfehler handelt und ich mich heute NICHT mit einem „Wechselwähler“ unterhalten werden, was vielleicht auch ganz lustig wäre, nein, seit dem 7. September 2012 existiert in unserem Land eine Partei namens „Der Wandel – kurz: WANDL“, die bei der kommenden Nationalratswahl auf einigen Stimmzetteln aufscheinen wird.

„Wir treten in Wien und Oberösterreich an, aber das ist erst der Anfang“, empfing mich ein aufgekratzter End-Dreißiger in NGO T-Shirt und Leinensakko.

Ah, denke ich bei mir, schon wieder eine Personalunion von Kandidat und Wähler, wie es mir bei „den Kleinparteien“ schon öfters passierte. Als ich nachfrage, werde ich aber eines Besseren belehrt.

“Nein, ich kenn’ den Fayad (Anmerkung: Fayad Mulla, Parteivorsitzender) vom „Verein für sozialen Transfer“ her und von ein paar anderen Sozialprojekten … Wenn ich beruflich was Stabileres habe, dann trete ich bei denen bei und mach projektbezogen mit aber augenblicklich versuche ich einmal persönlich so einiges auf die Reihe zu kriegen.“

Auf die Frage, weshalb er denn eine so junge Partei wählen wird, antwortet er mir einer Begründung, die ihn – nach deren Selbstdarstellung – auch jede andere Partei wählen ließe:

 „Es muss sich was ändern, so wie jetzt kann es nicht weitergehen …“

Ob er da sich, sein Leben oder unsere Welt meint, soll einmal einfach so im Raum stehen bleiben. Wie wichtig war ihm denn, dass auch das grüne Urgestein Freda Meissner-Blau die Partei unterstützt?

“Die Freda ist natürlich eine große Hilfe, weil sie für all das steht, was WANDL will:
Soziale Gerechtigkeit, Ökologie, Recht auf ein gutes Leben!“

Ich antworte darauf : SPÖ, Grüne und Diners Club,
nur um mir einen bösen Blick einzuhandeln.

“Die bestehenden Parteien haben es nicht geschafft eine Teilhabemöglichkeit aller an allem zu ermöglichen!“

Ich murmle KPÖ.

“ Wir alle merken doch, dass sich unser System, unsere Welt verändern muss und dass diese Veränderung schon begonnen hat.“

Ja, eh, aber ….

“Ich haben mich entschieden, dass ich nicht mehr zusehen, warten und hoffen will, dass andere diese Veränderungen zu einer gerechteren Welt für mich bewirken. Ich gehör’ zu den immer mehr werdenden Menschen, die sich nun einfach selbst ermächtigen politisch aktiv zu werden.“

Vor meinem geistigen Auge schreibt der Coach gerade „Self-Empowerment“ auf das Flipchart.

„Die Krise 2008 hat mich wachgerüttelt. Der Ökoladen in meiner Straße hat zugesperrt und ich habe meine damalige Beschäftigung als Projektkoordinator einer Kindertheatergruppe im Bezirk verloren und war nun ganz auf das AMS angewiesen.“

Ich bemühe mich um ein erschüttertes Gesicht.

“Wir machen alle Fehler, verlieren und bereuen unsere Vergangenheit, aber wir SIND nicht unsere Vergangenheit, ….. nicht nur, halt. Wir leben im hier und heute und schöpfen aus unseren politischen und persönlichen Kränkungen und Enttäuschungen die Kraft für eine Veränderung.“

Klar, vorgestern noch Melange, gestern Capuccino und heute „eine Latte, bitte“.

“Der Wandel kommt. Kommst Du mit?“

Ich schüttle den Kopf, werfe mein Wäschepaket in den Caritasständer, recycle meine Prosecco-Flaschen gedankenverloren in den Biocontainer und verlasse ihn mit einem Anflug von schlechtem Gewissen ob meiner Zweifel an meiner WANDLungsfähigkeit.

Written by medicus58

29. August 2013 at 18:20

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