Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Archive for September 2017

Warum die Ärztekammer falsch liegt auch wenn sie Recht hat

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Dieser kurze Thread mit dem Geschäftsführer der „Wiener Gesundheitsförderung“ ist nicht untypisch für den Shitstorm der über die neue Plakat-Kampagne der Wiener ÄK hereinbrach -oder vielleicht auch inszeniert wurde.

Entsetzen über Ärztekammer-Plakat

Es wäre zynisch, würde ich mich freuen, dass die Wiener ÄK es geschafft hat, genau das in die Medien zu bringen, was ich hier schon oft gefordert habe: Das Gesundheitssystem

Wie hektisch da die Politik und Justiz darauf in Vorwahlkämpfen Leute verhaftet und wieder frei lässt, hat man ja an dem aktuellen Pflegeskandal erlebt.

Nur wäre das zu kurz gegriffen. Um die Politik mit den rein ärztlichen Problemen zu konfrontieren, hätte es genügt auf die offenen Kassenstellen, Wartezeiten, Abteilungs– und Ambulanzschliessungen (Gut versorgt) zu verweisen. Auch die nachgereichte schriftliche Erklärung der ÄK (sinngemäß):
Die Zeit, die die Bürokratie den Ärzten wegnimmt, 
nimmt den Patienten ihren Arzt weg.
wäre medial besser angekommen als das inkriminierte Plakat, nur wäre dies eben eine viel bequemere Wahrheit gewesen, denn unter Bürokratie leidet ohnehin das ganze Land..

In Wahrheit meint das Plakat:
DU KÄMPFST MIT KREBS.
DEIN ARZT KÄMPFT MIT BÜROKRATISCHEN HÜRDEN DER KRANKENKASSEN
nicht das, was man ihm unterstellt, nämlich, dass sich die Patientin nicht aufregen soll, weil es auch ihr Arzt schwer hat.

In meinem nächsten Tweet an  @DennisBeck_w versuchte ich das innerhalb der Zeichenbeschränkung des Zwitscherdiensts so zu erklären:

Ärzte gegen Kasse =Patienten verlangen von Ärzten neueste Onko Therapie, System will es nicht zahlen, Ärzte müssen es Pat vermitteln

Bezeichnend, das dieser Tweet unbeantwortet bliebt, bemerkenswert von jemand, der eigentlich genügend Innensicht des Systems haben sollte, welche Evidenzbasierte Leistungen den pflichtversicherten Patienten vorenthalten wird.

Erinnern wir uns:
MR und CT Wartezeiten in den Medien, mit großem Trara (und einigen Preiszugeständnissen der Radiologen) wurde die Deckelung aufgehoben und unmittelbar danach wieder die Genehmigungspflicht durch die krankenärztlichen Chefärzte eingeführt.

Aber das ist nur die Spitze des Eisbergs!

Es sei ein „bisher ungekannter Stil, sinngemäß Krebskranken mitzuteilen, dass man sie aufgrund bürokratischer Hürden nicht ausreichend behandeln könne“, ärgerte sich Biach (HV Chef).

Fragen Sie ihn doch einmal, weshalb eine Reihe onkologischer Therapien, die problemlos ambulant durchgeführt werden könnten, vom Hauptverband in die Spitäler verschoben wurden, weil dort der Deckungsbeitrag der Kassen geringer ist.
Fragen Sie die Krankenanstaltenträger, weshalb sie unter dem Vorwand Schwerpunktbildung teure Therapien nur mehr an bestimmten Häusern und dort unter Mengenbeschränkung anbietet – übrigens nicht nur in der Onkologie.

Also all die (parteigebundenen) Berufsempörer, die sich heute zu Wort gemeldet haben, wissen das alles, wollen es aber unter dem Teppich halten.
Nur Menschen, die schon länger nichts mehr mit der Gesundheitssystem zu tun hatten können das Plakat missverstehen,
nur stellen die möglicherweise die Mehrheit der Wähler dar.
Auch wenn es wir Ärzte nicht mehr wahrhaben wollen, die meisten Menschen dieses Landes sind augenblicklich – Gott-sei-Dank – nicht so schwer krank, dass sie in die Tiefen (und Untiefen) des Gesundheitssystems fallen. Wen wir diese Menschen erreichen wollen, müssen wir ihnen erklären, was wir wirklich meinen.

Also haben es die von der Wiener ÄK beauftragten Werber wieder geschafft
zwar Recht zu haben
aber uns Ärzte als herzlose Egoisten,
diejenigen mit klaren parteipolitischen Rollen und Absichten,
von der Patientenanwältin über die Krankenkassenhefin bis zum Wirtschaftskämmerer,
als die Guten dastehen zu lassen.

Written by medicus58

29. September 2017 at 20:01

Schwammerlsuche im Wahlkampf: Unser Gespräch mit einem Pilz-Wähler

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Heute suchten wir das Gespräch mit einem Pilzwähler. Als wir 2013 mit den Wählern sprachen und uns damals mit dem Grünwähler unterhielten, war für dieser der Peter Pilz schon nicht seine Sache und vom Öllinger hatte er noch nie gehört.
Welche Vorahnung hätte uns damals schon dämmern können!

Inzwischen hat das Gründungsmitglied von Die Grünen die Partei verlassen, so wie einige der Jungen Grünen, die Kärntner Landessprecherin und findet sich mit einigen alten Mitstreitern und neuen Gesichtern auf der Liste Peter Pilz, ja es geht wieder.

Mein Gegenüber ist nicht viel jünger als der nun schon 64-jährige Pilz, Akademiker aber nicht Volkswirtschaftler oder Politikwissenschaftler wie der rührige Kapfenberger und wirkt vom Politgetriebe weit stärker frustriert als „sein Spitzenkandidat“. Er hat nicht wie Pilz während seiner Studienzeit die Gruppe revolutionärer Marxisten unterstürzt, aber auch nicht die Die Rebellen vom Liang Shan Po.

Jetzt mal ehrlich, provoziere ich ihn, der Pilz ist doch in erster Linie ein Selbstdarsteller, worauf er mir zwar zustimmt aber hinzufügt, dass die Öffentlichkeit ohne diese Performance vielleicht das Interesse am Noricum Skandal oder der Lucona-Affäre. Wie viele Skandale endeten nicht mit einer gerichtlichen Aufarbeitung, weil sie ohne Zutun das mediale und politische
Kurzzeitgedächtnis
verlassen.

JA, aber, setze ich fort, der Noricum-Skandal wurde vom österreichischen Botschafter Amry, der dann nicht mehr lange gelebt hat, und den Journalisten von Basta aufgedeckt, die Lucona Affäre wurde von  Gerald Freihofner und Hans Pretterebner aufgedeckt, der Pilz ist da eben in den Untersuchungsausschüssen nur drauf geblieben!

Stimmt, antwortete mein Gesprächspartner verschmitzt, das war ja sein Verdienst. 

Man könne Pilz seine Egomanie schon vorwerfen, aber, setzt er fort, ich möge ihm doch irgendeinen Politiker nennen, der so beharrlich Affären (Kurdenmorde) verfolgt hat, bei denen einige Menschen das Leben verloren haben oder, wie beim Baukartell-Skandal wo Gegenklagen in Millionenhöhe (Schilling) aufgefahren wurden.

Mir fiel jetzt grad kein Gegenbeweis ein, aber ich blieb dabei, dass Pilz auch bei „seinen beiden Eurofighter-Ausschüssen“ noch niemand endgültig überführen konnte, musste aber zu geben, dass beide Parlamentarische Untersuchungsausschüsse vorzeitig beendet wurden, so dass anders als bei Noricum, Lucona und dem Baukartell (noch) kein Hauptschuldiger von einem Gericht verurteilt wurde. Deshalb versuche ich es anders:
Glauben Sie nicht, dass der ewige Skandalisierer Pilz das Vertrauen in die staatlichen Institutionen untergräbt, so wie er die Grünen ins Desaster stürzte?  

Nun, begann mein Gegenüber etwas genervt, die Bundessprecherin Glawschnig hat ihren Job hingeworfen, noch ehe der Pilz die Grünen verlassen hat. Und natürlich untergräbt jede Kritik die Autorität, nur wollen wir den „Autoritäten“, die stark gegen den Einzelnen und korrupt im Großen sind? 

Ja aber was ist mit seiner Gemeindewohnung, greife ich einen der seit einem Jahrzehnt immer wieder geäußerten Vorwürfe auf, der Linke Großverdiener besetze eine Sozialwohnung.

Gut, ich weiß nicht ob unser jetziger Bundespräsident Recht hatte, als er seinen ehemaligen Dissertanten verteidigte, dass er ein einer „Bonsai-Wohnung seiner Großmutter“ wohnen würde, aber ob der Weltrevolution mehr geholfen wäre, wenn er, wie der ehemalige Bundeskanzler Schüssel in einer „auch geförderten Genossenschaftswohnung im 13. Bezirk logieren“ würde, mag doch bezweifelt werden.

Außerdem glauben Sie wirklich, dass der Pilz nicht von seinen Gegnern –
von der Waffenlobby bis zum ehemaligen Iranischen Staatspräsidenten, von der Baulobby bis zu den Populisten am rechten Rand  –
schon längst hopp genommen worden wäre, wenn man ihm wirklich etwas anhängen hätte können?
Allein dass beweist seine Integrität.

Ich holte zu meinem vorletzten Versuch aus, meinem Gegenüber die verlorene Stimme für eine Liste Pilz zu retten und erinnerte an den Konflikt zwischen dem Aufdecker Journalisten Florian Klenk mit Peter Pilz in der Affäre Kampusch:

21.12.2011: Florian Pilz gegen Peter Klenk
(Anmerkung: Die G’schicht findet sich auch auf unzensuriert.at aber die Seite wollen wir hier nur im äußersten Notfall verlinken)

Glauben Sie nicht auch, dass sich hier der wahre Aufdecker gezeigt hat, der den Pilz als das hingestellt hat, was er ist:
ein Polit-Egomane?

Wortlos zückt mein Gegenüber sein etwas in die Jahre gekommenes Smartphone und grinst:
Von der Kandidatur einer Liste Pilz erfuhr ich zuerst vom Florian Klenk und im Falter: 
https://twitter.com/florianklenk/status/889777384236474369

und wenn Sie die Threads weiter verfolgen, dann fällt es schwer zu glauben, dass Florian Klenk Peter Pilz nicht eine beachtliche Hochachtung entgegen bringt: z. B. @florianklenk 17. Sep. Sehr kluges Thesenpapier von Pilz. Das es von den Grünen skandalisiert wird („Österreich zuerst“ wird hier ja neu geframed) kapier ich nicht

Gut, aber der Pilz ist doch ein ewig gestriger Linker, das sind doch alles Lösungskonzepte von Vorgestern, wie kann man den mit dem überholten Ideologie-Schrott noch heute die Menschen überzeugen? rief ich in meiner Verzweiflung und beutelte mein stures Gegenüber.

Er entwand sich sanft meiner Umklammerung und meinte nur ruhig: Weil die sozialdemokratischen, konservativen oder neoliberalen Lösungskonzepte von gestern und heute so erfolgreich sind?

Written by medicus58

28. September 2017 at 18:52

Gut versorgt: Ambulanzsperren

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Wäre doch einmal ein guter Aufhänger für einer der TV-Konfrontationen im laufenden Wahlkampf in Sachen Primärversorgung.
Dass immer mehr Spitalsambulanzen und ganze Abteilungen in öffentlichen Krankenanstalten gesperrt werden hat sich zum Normalzustand herausgemausert. Dass es Schwächen in den Ordinations-Öffnungszeiten gibt, kann auch nicht abgeleugnet werden. Der politische Spin wird dann so gedreht, das die Einzelordination einfach nicht mehr zeitgemäß ist, die Ärzte halt auch nicht mehr 24/7 spuren und von Work-Life-Balance träumen und man folgerichtig größere Strukturen benötigt, um die Patienten zu versorgen. Es lebe die Primärversorgung und ihr Gesetz!

Wie vorbildlich das aber die Wiener Gebietskrankenkase hinbekommt, können Sie gerne auf https://www.sozialversicherung.at/portal27/wgkkgeportal/contentPrint? überprüfen.

<Irony off >

Link: #NRW17 So unauffällig verschwiegen, dass es völlig untergeht.

Written by medicus58

27. September 2017 at 18:38

Dieselgate in D & A

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Weder die Juristerei noch die KFZ-Industrie ist ein Spielfeld auf dem ich mich so wirklich gut auskenne, ungeachtet der vielen Tausend Kilometer die ich auf zumindest drei der fünf Kontinente auf beiden Seiten der Straße, wenn es eine gab, zurück gelegt und mit so manchem „Organ“ rechtliche Scharmützel ausgefochteb haben.

Aber

Als ich gestern BK Kern im TV Duell herumeiern hörte, dass man mit VW et al. reden müsste, um die Industrie zu zwingen, Schadenersatz für den Betrug der Konsumenten zu erzwingen, wenn nahezu gleichzeitig BM Leichtfried sich auf der Nase herumtanzen lässt wie Muddi Merkel im Nachbarland, da kam mir ein einfacher Gedanke, was zu tun wäre.

All die Dieselstinker mit eingebautem EDV Bug wurden behördlich zugelassen – aber erfüllen offenkundig nicht die techn. Voraussetzungen dieses Amtsaktes.

Droht einfach damit alle Zulassungen, die von den Behörden aufgrund vorgespielter Daten ausgestellt wurden und schaun mir mal was die Konzerne dann tun.

Übrigens, wer ist BM für Konsumentenschutz, was sagt die AK dazu?

Jeder verdammte Gartenzaun wird behördlich abgerissen, wenn er einen Zentimeter höher ist als in der Bauverhandlung versprichen.

Written by medicus58

27. September 2017 at 07:50

Veröffentlicht in Was im Alltag so alles nervt

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Pflegemißbrauch Fall 11

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Leider keine Satire und vermutlich kein Einzelfall .  

http://wp.me/p96sJp-1O

Written by medicus58

26. September 2017 at 20:58

Veröffentlicht in Allgemein

Kurz rockt

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Kappacher lehrt uns das Gruseln

http://wp.me/p3YvOX-KD

Written by medicus58

24. September 2017 at 08:49

Veröffentlicht in Allgemein, Nationalratswahl 2017

Nix Neues aber viel Neo: Unsere Begegnung mit einem Neos-Wähler

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Erinnern Sie sich noch? Schon 2013 sprachen wir vor den Nationalratswahlen mit den Wählern.
Seither sind uns einige Gesprächspartner
Der Fränk Wähler (Team Stronach): http://wp.me/p1kfuX-Fg
Der Christenpartei Wähler: http://wp.me/p1kfuX-Fv
Der Männerpartei Wähler: http://wp.me/p1kfuX-FT
Der Piraten Wähler: http://wp.me/p1kfuX-G3
Der BZÖ Wähler: http://wp.me/p1kfuX-Gf
Der Wandel Wähler: http://wp.me/p1kfuX-Gi
Der EU-Austrittswähler: http://wp.me/p1kfuX-Gl

leider (oder vielleicht in einigen Fällen auch weniger leider) abhanden gekommen. Einige der bunten Vögel haben aber überlebt, auch wenn sich einige zu anderen Parteien oder zu einem Limohersteller verflogen haben.
Auch der NEOS-Wähler aus 2013 steht uns als Gesprächspartner nicht mehr zur Verfügung, seit seine behandelnden Ärzte ihn mit einer Überdosis Ritalin wieder auf den Boden der Tatsachen holen konnten, jedoch fand sich nach langer Suche erneut einen Ich-Tu-Was Wähler.
Er hatte das Brettl vorm neoliberalen Kopf durch eine etwas irritierende Spiegelschrift getauscht und sprudelsprach artgemäß von den DDR-Zuständen und dem notwendigen Perspektivenwechsel in eh allem.
Ich fand mein Gegenüber in einem Gründerzeithaus in der Wiener Innenstadt, adrett gekleidet vor einer riesigen Bücherwand. Ob er sich diesen gut-bürgerlichen Luxus mit seiner freiberuflichen Beratertätigkeit verdient hat, wollte er weder abstreiten noch bestätigen, jedenfalls sieht er sich als völlig unabhängig, total liberal und lebt von Projektaufträgen öffentlichkeitsnaher Auftraggeber.

Er war nie ÖVP Mitglied, aber selbstverständlich teilt er deren christliche Lebenseinstellung, hält aber nichts von bevormundender Caritas, was er zeitgemäß gendert:  Wir wollen niemandem vorschreiben, wie er oder sie zu leben hat, sondern vertrauen auf die individuelle Tatkraft und respektieren den eigenen Lebensweg.

Alles Linke ist ihm ein Graus, überall wittert er sozialistische Verschwörung, die sich den Staat und Institutionen untertan gemacht hat und uns seither in immer größere Verschuldung stürzen.
Der Peter Pilz ist für ihn überhaupt ein Kommunist, seine Bemühungen um die Aufklärung politischer Korruption nur Selbstzweck. Ganz anders sieht er seine eigenen Angriffe gegen den Kammerfilz, die Intransparenz der Krankenkassen und Pensionsversicherungen: Ihm geht es natürlich immer um die Sache und nicht die eigene Profilierung.
Das Umarmen von Bäumen überlässt er zwar seinem Idol Matthias Strolz, aber sonst „ist er da ganz bei ihm„. 

Die Linke dividiert die Menschen auseinander und macht sie unfrei, dabei haben doch Arbeitgeber und Arbeitnehmer die selben Interessen, kommt ihm ohne Eröten über die schmalen Lippen. Wenn er dazu aufruft „das Gemeinsame vor das trennende zu stellen“ blitzt hinter seinem Liberalismus ein bisschen Bibel hervor. Andererseits ist „ideologische Mottenkiste des Kommunismus„eine seiner liebsten Worthülsen

Das Negative in unserem Land kotzt mich nur mehr an. Was ihn aber nicht hindert über das Bildungssystem, das Gesundheitswesen und vor allem die her zuziehen, die es sich im Wohlfahrtsstaat bequem gemacht haben.

Er glaubt an die Menschen und setzt sich dafür ein, dass sie allein ihren Weg gehen. Wer’s nicht schafft, der wollte es halt nicht, auch gut. Unternehmergeist und Eigeninitiative verlangt er von allen und reagiert pikiert, wenn man ihn darauf aufmerksam macht, dass er völlig arbeitslos wäre, wenn seien Auftraggeber diese Tugenden besäßen.
Auch wenn er selbst sein Studium selbstverständlich kostenlos abschließen durfte, ist er für marktadäquate Studiengebühren, die man dann für den Rest seines Lebens zurückzahlt. Wer das administrieren soll, wenn die Verwaltung „drastisch zurückgestutzt“ werden soll, hält er für eine unzulässige Beckmesserei und schwadroniert weiter von mehr Rechtsstaatlichkeit und zu vielen Staatsdienern.
Chancen für alle ist ihm wichtig, Klassenkampf ist aber von gestern,
weil unter neoliberaler Politik ohnehin immer eine Win-Win-Situation erzielt würde.

inzwischen hat sich mein Gegenüber schon ziemlich heiß geredet und fällt mir permanent ins Wort, so dass ich es aufgebe, ihn auf seine Widersprüchlichkeiten hinzuweisen.
Er will die Steuern senken, weil die ja ein Wahnsinn sind, findet es aber voll OK, wenn der Bürger dann für jede Eingabe und jeden ausgestellten Behördenwisch zur Kasse gebeten werden soll. Wer was braucht vom Staat, soll dafür was zahlen.
Er will Spekulation verhindern, verlangt aber, dass die Arbeitnehmer ihre Altersvorsorge in die Börse und nicht mehr in die Pensionsversicherung einzahlen sollen.
Eigentlich findet er eh den Kurz besser als die Griss, aber …. und da kommt er ins Stocken und es will ihm so gar kein Argument dafür einfallen, weshalb er die Pinken wieder in das Parlament wählen möchte, in dem ihre Funktion primär darin bestand den grünen durch einen bürgerlichen Aktionismus zu ersetzen, seit erstere irgendwie am Weg durch die Institutionen eingeschlafen sind.
Von den toten Pferden:

Aber dann fällt ihm endlich eine Begründung ein: NEOS sind glühende Europäer und das will er auch sein, schließlich hat er sich für ein EU-finanziertes Projekt beworben, das ihn die nächsten Monate das Auskommen sichern würde.

Written by medicus58

23. September 2017 at 16:07

Veröffentlicht in Nationalratswahl 2017

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Pharma zahlt PatientInneninitiativen € 1.435.059

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Leseempfehlung einer interessanten Analyse des LBI HTA über Pharmagelder

A priori sind Zahlungen an Patienteninitiativen ebenso wie Zahlungen an Ärzte nichts Böses, es kommt natürlich auf die Form der Gegenleistung an.

Medial erfährt man aber nur von Pharmageld für Ärzte so dass ich die Initative des LBI begrüße auch andere Geldflüsse zu analysieren.

Dass die Hauptempfänger, so wie im Falle der Ärzte in den Bereichen Onkologie & Hämatologie, Neurologie, Lunge, Hämophilie und Rheumatologie zu finden sind erhärtet meine hier schon oft wiederholte Binsenweisheit:
Drittmittel gibt es dort wo Erstmittel fließen …

http://eprints.hta.lbg.ac.at/1132/ 

Written by medicus58

20. September 2017 at 20:01

#NRW17 So unauffällig verschwiegen, dass es völlig untergeht.

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In den inflationär auf allen Kanälen zum Gaudium des TV Publikums hereinbrechenden „Duellen der Spitzenkandidaten“ wird ein gesellschaftspolitisches Thema in seltsamer Einigkeit aller Beteiligter penibel ausgespart.

Neben dem scheinbar artabhebenden Merkmal „des Asylantenproblems“, das Gutund Bösmenschen verlässlich in jeder Diskussion zur Selbstdefinition nützen, wird grad noch darüber schwadroniert, dass die Pensionen sicher sind, die Lohnnebenkosten und die Mieten sinken und die Einkommen steigen müssen. Dass wir für die Sicherheit unserer persönliche Freiheit diese offenbar gänzlich aufgeben müssen, versteht sich offenbar ohnehin, ohne viele Worte …

Über den Bereich, der seit über einem Jahrzehnt das politische Spielfeld permanenter Reformen ist, das neben dem Bildungswesen und der Altersversorgung einer der wenigen Bereiche ist, für die eine gesamtgesellschaftliche Einigung unumgänglich scheint, herrscht flächendeckende und in besorgniserregender Einigkeit eingehaltene Funkstille:

Über das solidarisch finanzierte Gesundheitssystem schweigen wir beredt.

Wenn überhaupt kommt das Gesundheitssystem ins Spiel, wenn die einen Asylanten als aktueller Kostenfaktor, die anderen als zukünftiger Nettozahler ansprechen, aber alles andere scheint belanglos.

Die Diskrepanz zwischen politisch erweckter Erwartungshaltung und täglich erlebten Unzulänglichkeit, die undurchsichtigen Finanzierungsströme, die Widersprüche zwischen bundesweiter Planung und regionaler Umsetzung.

Es ist für den Durchschnittsbürger vielleicht nicht uninteressant, ob seine Versorgung zukünftig von einem Helpdesk, von einer Pflegekraft oder seinem Hausarzt übernommen wird. Ob er weiterhin einen freien Zugang zum Facharzt hat oder in ein managed care System gelotst wird.

Vielleicht sollte mal den Wähler fragen, ob er es schätzt, wenn er in einem Krankenhaus zwar Spezialabteilungen, aber phasenweise keine Spezialisten mehr vorfindet.

Wurde dem Wähler schon einmal die Wahl gegeben, ob er ELGA finanzieren will oder es zumindest geil findet, seine Blutbefunde im Netz suchen zu dürfen?

Ist der Wähler nicht ndig genug mit seinem Wahlzettel auch darüber zu entscheiden WELCHES Gesundheitssystem er denn gerne hätte?

Ich behaupte einmal, dass für die meisten die Gesundheitsversorgung ein weniger abstraktes Thema ist als viele anderen rauf und runter diskutierten Themen ist.
Es sollte uns doch etwas misstrauisch machen, wenn darüber nicht gesprochen wird. Auch vor der letzten Wiener Gemeinderatswahl war das Thema tabu und danach ist der KAV implodiert …

PS: Die Abbildung oben zeigt das Deckblatt des Arbeitsprogramms der Bundesregierung 2017/2018 nur mal so zur Erinnerung

Written by medicus58

19. September 2017 at 18:17

Die kurze Begegnung mit dem Kurz-Wähler

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In unserer, schon vor letzten Nationalratswahl 2013 begonnenen Serie, suchen wir auch heuer wieder das Gespräch mit den typischen Wählern der kandidierenden Parteien, was aber im Fall der der „Schwarzwähler“ zu gewissen Schwierigkeiten führt, denn die müssen nun ein türkises Kreuzerl machen und nimmer die ÖVP sondern die Bewegung Kurz markieren.

Auch die wahren Schattenkanzler der Partei, die Spindeleggers und Mitterlehners waren ja eh was für die Fassade, also die Prölls und Pühringers sind verloren gegangen, die VolksPARTEI scheint es ja auch nimmer zu geben, mit all ihren Bünden und Kandidaten. Alles kam in Bewegung und führte über kurz oder lang zu Kurz und einigen medial bekannten Vorzeigekandidaten.

Entsprechend verwirrt schien auch unser heutiger Gesprächspartner.

Es ist Zeit, rechtfertigt er seine Entscheidung Kurz zu wählen, auch wenn er mir Recht gibt, dass die Kandidaten, wie der Polizist Mahrer,  auf den türkisen Wahlplakaten etwas unterbelichtet wirken, natürlich nur fotografisch gesehen. Außer die Porträts von Kurz, wirken sie grau in grau.
Auch mit Türkis fühlt er sich nicht wohl und assoziert wie ich in erster Linie eine türkische Dönerkette, was in bizarrem Gegensatz zur politischen Position unseres Außenministers steht. Ihn plagen auch ernste Fragen, ob ihm die Ex-Miss Austria mit seinen Problemen im Zuge einer Baugenehmigung seines Zweitwohnsitzes helfen kann, aber vielleicht kann ihn der Mathematiker Prof. Taschner wenigsten mit seinem komplizierten Raika-Kredit unterstützen. 

„Die Systeme müssen den Menschen dienen und nicht umgekehrt“ zitiert unser Wähler sein jugendliches Idol, stottert aber herum, als ich ihn frage, wie denn das zum Meinungsschwenk der ÖVP passte, als sie zuletzt plötzlich für die Wehrpflicht und gegen eine Berufsarmee war. Schließlich findet er ein anderes Zitat seines Spitzenkandidaten, das diese Haltung unterstützt: „In der Familie muss sich jeder einbringen – und in einem Land muss jeder seinen Beitrag leisten.“

Wie „der Basti aus Meidling“ ist unser Wähler für  „die Gleichstellung von Mann und Frau„aber natürlich gegen „die Homoehe“.
Kann auf Linie des slim fit Trägers Kurz ist er für einen schlanken Staat und das Streichen der Subventionen, aber zögert, wenn es um die Gelder für die Wirtschaftsförderung geht, denn „Nur ein wirtschaftlich erfolgsreiches Land kann auch soziale Absicherung garantieren.“  

Die Frage, ob er auch die Transferzahlungen von Steuergeldern an Boulevard-Zeitungen  für die missglückte „stolzdrauf“ Kampagne als Wirtschaftsförderung versteht, versteht der Wähler nicht. Ihm ist aber wichtig, dass die Balkanroute geschlossen wurde und Kurz endlich die Asylantenfrage so anspricht, dass man das auch in bürgerlichen Kreisen offen mittragen kann.
Weder die „Ausländer raus Kampagne“ der rechten Recken im deutschen Nachbarland, noch Jörgs blaue VarianteÖsterreich zuerst“ hatte doch immer so einen schalen Beigeschmack. „Der Sebastian Kurz hat eine Position vorgegeben, die wir auch als Christen mittragen können.

Und natürlich müsse man Deutsch schon vor dem Schuleintritt lernen, denn in der Schule würde man das ohnehin nicht mehr lernen.
Die Liste Kurz vereinigt die Wirtschaftskompetenz der ÖVP mit den nationalen Anliegen der „echten Österreicher“ und löst überraschend auch noch den Neueinsteigerbonus eines Kern ein.

Seit den Wahlen in Frankreich provozierte ich die Kurz-Jünger in meiner Umgebung regelmäßig mit der Frage, ob den Kurz der österreichische Emmanuel Macron wäre, so von wegen Bewegung statt Partei. Bis vor kurzem erntete ich da euphorische Zustimmung, heute wird mein Gegenüber angesichts der aktuellen Demonstrationen gegen den französischen Präsidenten nachdenklich und meint nur, dass der Kurz (*1986) doch viel jünger, als der Macron (*1977) wäre und überhaupt sollte doch Österreich froh sein, dass so ein politisches Talent wie der Sebastian Kurz aufgetaucht ist, der nicht nur die ÖVP, sondern auch Österrreich, ja überhaupt die europäische Außenpolitik radikal verändern wird.

Kurz vereint den jugendlichen Rebellen mit dem Image des Lieblingsschwiegersohnes.
Sein Anzug sitzt enger als der des Bundeskanzlers, ohne dass er so abgehungert wirkt, wie jeden.
Sebastian 
verprellt in Ermangelung eines Studienabschlusses die vielen Nicht-Akademiker des Landes, der Lehrersohn wirkt andererseits aber noch immer wie der ideale Schulsprecher, um trotz seiner MeidLLinger Herkunft auch in den Döblinger und Hietzinger Salons bella figura zu machen.
Seit dem Grasser hatte keiner so ein Potential.

Kurz und gut, er findet Kurz gut
und wollte sich, so wie sein Idol,
keiner weiteren Konfrontation mehr stellen.

Auch gut.

 

Written by medicus58

17. September 2017 at 12:37

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