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Message Control um das PVE Wien: keine Klagen und der Eingang zum Billa

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Im September 2017 freuten wir uns auch hier über Erkenntnisse der Wiener Ärztekammer und die Eröffnung des PVE (vulgo PHC, PVZ ut sim) in Transdanubien: Die Primärversorgungszentren richten sich nicht gegen den Hausarzt, aber .

Hurra, in Wien eröffnet am 4. September das nächste Primärversorgungszentrum vor den Toren des Donauspitals, um dieses zu entlasten! PatientInnen werden 50 Stunden pro Woche, 52 Wochen im Jahr versorgt

Vergessen schienen die äußerst dubiosen Vorgänge um die „Geburt des zweiten Wiener Primärversorgungszentrums“
(Zur Quadratur des Primärversorgungszentrum im 22. Wiener Bezirk) und wie bei einer Reihe anderer Projekte in Wien schienen die Grenzen zwischen Stadt (Steuerzahler) und Wiener Gebietrskrankenkasse (Krankenversicherte) etwas zu verschwimmen:
Wehsely finanziert die Wiener Gebietskrankenkasse und keinen stört’s

Ja, bis am 1. Juni 2018 plötzlich die Presse von Prestigeprojekt vor dem Aus sprach.
Baltaci schrieb dort von „Keine Patienten, zerstrittene Belegschaft, Klagsdrohungen – das neue Primärversorgungszentrum in der Donaustadt droht zum Fiasko zu werden und könnte sogar das gesamte Konzept der Gruppenpraxen sprengen. Zugunsten eines schnellen Erfolges seien Risiken und Warnungen ignoriert worden“ https://diepresse.com/home/panorama/wien/5439159/Gruppenpraxen_Das-Ende-einer-Idee

und der Wiener (und Österreichische) Ärztekammerpräsident fand „die Probleme nicht überraschend„.

Etwas überraschend finden aber nun Eingeweihte die gleich darauf auf Orf.at erschienene Gegendarstellung (Verwirrung um das Primärversorgungszentrum in der Donaustadt), der das alles ziemlich Lügen straft. Hatte da ein sehr erfahrener Journalist, der sich seit Jahren mit dem Gesundheitssystems unseres Landes auseinandersetzt, wirklich nur einen Albtraum, den die Redaktion ungeprüft in die Druckerpresse tropfen ließ?

„Stimmt nicht“ sagt die Leiterin des Zentrums, alles halt nur ein bisschen „Ehestreit zwischen drei Betreiberinnen“ …
Die 300.000 Euro, die Stadt Wien und Krankenkasse dort zuschießen (!) für die 1.200 E-Card Patienten, seien gut investiert und alles wäre eine Negativkampagne durch Neider und Projektgegner.

Eine konservativ bis neoliberal positionierte Zeitung wie die Presse agitiert gegen die Umsetzung der Gesundheitsreform in Wien? Warum, weil sie einfach wieder den Roten etwas auswischen wollte?

Ja, und dann blicken alle in die Steiermark, wo ohne Diktate aus Wien das Gesundheitssystem umgekrempelt wird.
Der Schwarz-Türkise Christopher Drexler sperrt mit Hilfe des Ex-Roten Landesrates Günther Dörflinger, der nunmehr für eine Beraterfirma werkt, sechs Spitäler zu und setzt eigentlich nur das um, woran Ex-LH Franz Voves (SPÖ) noch gescheitert ist, ein öffentliches Gesundheitssystem, das genug Spielraum für die privaten Gesundheitsversicherungen aufmacht.
Schließlich kam Voves aus dem Vorstand der Merkur-Versicherung in die Politik.
„Mit einem Diktat aus Wien kriegt man das nicht hin“

Übrigens waren aufmerksame Leser dieses Blogs seit 2012 über das steirische Projekt informiert, das übrigens ein Zusammentreffen mit vielen Bekannte auch aus der ehemaligen Entourage von Frau Wehsely und dem Projektteam des KH Nord ermöglicht:
Dr. Ebner – Die „objektive“ Krake im Gesundheitssystem
Pflichtversicherte seid ihr wirklich so dumm?
SPÖ: Bitte, bitte wählt uns ab …

Aber zurück aus der Grünen Mark ins Wiener Transdanubien, das allein so viele Einwohner beherbergt wie die steirische Landeshauptstadt.
Alle anderen Medien hielten sich nach der Mini-Kampagne der Presse und dem postwendenden Dementi auf ORF.at überraschend zurück. Alles wirklich nur lancierte Fehlinformationen eines Presse-Journalisten, den die drei Kolleginnen nun klagen werden?

Ich darf einmal versprechen, dass das nicht der Fall ist, denn die Eckpunkte des Problems sind, wie vielen bekannt ist, schon richtig beschrieben: Zu wenig Patienten, ein viel zu teurer Standort, innere Reibereien und wenig Unterstützung …. aber was viel schlimmer ist, eine Wiener Gesundheitspolitik, die das Projekt einfach medial wollte und es jetzt (abgesehen von den finanziellen Zuschüssen) im Regen stehen lässt.

Wenn Sie mir nicht glauben, nehmen Sie mal die U2 und fahren bis zur Haltestelle Donauspital und versuchen sie den Eingang zum Primärversorgungszentrum zu finden. Tun Sie das aber nicht am Wochenende, denn da dürfen die Betreiber gegen ihren Willen gar nicht offen halten (von wegen orf.at: Das Zentrum mit Kassenvertrag hat bis 19.00 Uhr geöffnet, das ganze Jahr) sondern unter der Woche, denn den Eingang zum Billa finden Sie sicher leichter um sich eine Stärkung zu holen, wenn Ihre Suche doch länger dauert als geplant.

Written by medicus58

3. Juni 2018 at 15:04

Aus 9 mach 10, das musst verstehn .. tückisch-blaues Hexeneinmaleins

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  Man kann zur gestern vorgestellten Jahrhundertreform noch nicht viel sagen, denn weder in der Pressekonferenz noch im ZIB2 Interview hat die Frau Bundesminister wirklich klar gesagt, was nun im Detail kommen wird, außer:

Die einzigen Verlierer wären die Funktionäre:- was wohl nur für die roten (AK, ÖGB, SPÖ) gilt, denn der relative Einfluß der FPÖVP Funktionäre (WK, IV) hat zugenommen. Wer sich (wie ich) freut, dass die Tage der Frau Reischl angezählt sind, muss sich aber (wie ich angstvoll) fragen, ob es unter Mahrer oder Kapsch denn besser wird, so von wegen Transparenz und Solidarität.

Die einzigen Verlierer sind das aber sicher nicht, denn -wie schon früher hier erwähnt – eliminiert die zentrale Verhandlungsposition der neuen Österreichkasse und der Österreichischen Ärztekammer die Macht der Landesärztekammern massiv (wenn das alles so kommt wie angedeutet). Das kehrt das Machtgefüge innerhalb der Ärztekammern total um, wo das Geld bisher eher in den Ländern und nicht in der ÖÄK lag. Da aber letztere gerade „rot (Szekeres) geführt“ wird, könnte es ungewollt wieder zu einem gewissen -vielleicht ungewollten- Machtausgleich zwischen Rot und Schwarz kommen. Spannend wäre auch zu hinterfragen, was die F-en von all dem haben, außer die Entmachtung von Funktionären in Gremien, in denen sie ohnehin wenug Macht haben.

Die Zahl der Gebietskrankenkassen wird de facto von 9 auf 10 erhöht, jedoch bleibt unklar, welche Macht bei den Landeskassen und Landesärztekammern bleibt. So lange aber wesentliche Teile der Gesundheitsversorgung Sache der Länder bleibt und wenn es nicht gelingt erstmals die Zentralplanung des ÖSG als verbindliche Norm (Verordnung) zu etablieren, dann enden wir – wie bei allen bisherigen Reformen im Gesundheitswesen nur bei einer ZUSÄTZLICHEN EBENE.

Das kampfgrinsende Versprechen von Hartinger-Klein, dass eh alles für alle Versicherte besser wird, weil alle einen Zuschuss auf Kontaktlinsen kriegen, die Höhr desselben aber eben Sache der Selbstverwaltung bleibt, lässt Böses vermuten. 

Das Versprechen einer eingesparten Milliarde, die den Versicherten zu Gute kommt erinnert aber ein bisschen an Gitti Ederes 1000 für jeden beim Eu-Beitritt.

Das waren aber damals nur rund 7,5 Milliarden Osis und somit deutlich unter einer Milliarde Euros für Otto Normalverbraucher … andererseits wenn man die Inflation berücksichtigt, schmelzen die Unterschiede wie das Vertrauen in die politische Ehrlichkeit …

Written by medicus58

23. Mai 2018 at 06:37

Gesundheit: Zwischen den Zeilen des Regierungsprogramms

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Habemus Basti et Bumsti!
Wir haben aber auch ein Regierungsprogramm und mit Beate Hartinger-Klein eine Gesundheitsministerin, die mir als Garant dafür scheint, das in ihrem Bereich auch wortwörtlich umzusetzen.
Lesen wir also den Punkt Gesundheit des Regierungsprogrammes (Originaltexte in kursiv) und machen uns so erste Gedanken, was denn damit gemeint sein kann:

soll allen Bürgern ein niederschwelliger 
Zugang zu bestmöglicher medizinischer Versorgung sichergestellt werden.

Niederschwelliger als jetzt (jeder kann in ein öffentliches Spital gehen und hat das Recht von einem Arzt begutachtet zu werden, freie Arztwahl im niedergelassenen Bereich, 1x /Quartal freie Facharztwahl), kann es ja eigentlich nicht mehr gehen,
wenn wir nicht auf BeNeLux oder Skandinavien umschwenken wollen. Die wahre Absicht heißt in meinen Augen: vermehrte
Erstkontakte nicht mit einem Arzt sondern mit „aufgewerteten nicht-ärztlichen Berufen“, weil angeblich billiger.

Die Digitalisierung und Telemedizin werden dazu verstärkt eingesetzt; eHealth Anwendungen und Angebote erleichtern den Menschen den Zugang und helfen zukünftig, die Gesundheitskompetenz in der Gesellschaft zu erhöhen

Passt dazu: Zuerst googeln, dann Selbsthilfe, dann  Helpdesk und nur wenn es dann noch unbedingt sein muss kostenverursachender Kontakt mit dem traditionellen Gesundheitssystem, am besten mit der Pflege.
Ja, wenn dann noch Geld übrig ist, denn dem Ganzen liegt das Missverständnis zugrunde, dass Digitalisierung und Telefondienste vergleichsweise nichts kosten.

Und wer das alles für reine Hirngespinste hält, der sei auf den österreichischen Pilotversuch Teweb und einen ganz aktuellen, kritischen FAZ Artikel verwiesen: Bei Anruf Diagnose
Und dass die FAZ nun sehr wirtschaftsfeindlich und links positioniert ist, kann man wohl kaum behaupten.

Moderne Prävention als praktische Krankheits- und Unfallverhütung arbeitet darauf hin, eine spezifische gesundheitliche Erkrankung oder Schädigung durch gezielte Maßnahmen möglichst zu verhindern.

Über die Problematik der impliziten Schuldzuweisung an den Kranken, einfach selbst nicht genug für seine Gesundheit getan zu haben (Gesundheitskompetenz (Health Literacy) und Eigenverantwortung stärken (Bewegung, Ernährung, schädliche Substanzen, Spielsucht), habe ich schon einmal in der ÖKZ geschrieben (Gesundheit ist Pflicht), das hier zu wiederholen würde zu viel Raum benötigen.
Die Frage, ob es für die Wirkung flächendeckender Präventionsprogramme über mehrere Gesellschaftsschichten und lange Zeiträume eine ausreichende Evidenz gibt, kann man rasch beantworten: Nein
Interessant wird aber die Frage im Zusammenhang mit dem von oben her abgesagten Total-Rauchverbot in der Gastronomie. Wer sich freut nun doch weiter paffen zu können, wird sich eventuell die Immuntherapie seinen Lungenkrebses bald selbst blechen dürfen.
Sagen Sie nicht, Sie wären nicht gewarnt worden!

Über weite Strecken geht es dann mit dem Wording weiter, dass schon bisher die Wirtschaftskammer in den ÖSG einbrachte (Primärversorgung, Einbindung von Apothekern und Pflege, Evaluierung aller bestehenden Selbstbehalte im Gesundheitssystem mit Untersuchung auf Lenkungswirkung und Neukonzipierung von ökonomischen Anreizen im Gesundheitswesen), doch dann horcht man auf:

§-2-Kassenverträge sollen auch in Spitälern ermöglicht werden

Nichts wirklich Neues, versuchte man in vielen Spitälern (im Nord sogar ehe es in Betrieb geht), scheint aber nun zum Normalzustand zu werden.

Spannend wird es naturgemäß unter der Überschrift Reform der Sozialversicherungen

Die Abschaffung der Mehrfachversicherungen macht zwar Sinn, zielt aber vor allem auf diejenigen kleinen Versicherungen, zu deren finanzieller Stütze das Konstrukt eingeführt wurde.
Die Zusammenlegung aller Gebietskrankenkassen zur ÖKK leakte bereits früher, Landeshauptleute, Berufs- und Betriebskrankenkassen haben aber offenbar ein Hintertürl:

Wahrung der länderspezifischen Versorgungsinteressen sowie die speziellen Anforderungen der unterschiedlichen Berufsgruppen in den einzelnen Versicherungssparten berücksichtigt

Was hinter dem Passus steckt:
Eine einheitliche Prüfung der Lohnabgaben sowie eine einheitliche Abgabenstelle für die Einhebung aller lohnabhängigen Abgaben werden die Erreichung der Zielsetzungen nachhaltig unterstützen.
konnte man schon bei Klaus Kappacher nachlesen: Die Matchbälle

Und dass man damit den Landesärztekammern ihre stärkste Waffe nimmt, wenn nicht jede mehr mit ihrer eigenen Gebietskrankenkasse Tarife ausmachen kann, ist sicher nicht zufällig passiert.
Gemeinsam mit der beabsichtigten Absenkung der Pflichtmitgliedbeiträge wird die Ärztekammer nicht gerade gestärkt!

Und wieder hört man die Industriellenvereinigung und Wirtschaftskammer trappsen:
vereinbarten Lohnnebenkostensenkung im Ausmaß von 500 Millionen Euro
(Absenkung des Unfallversicherungsbeitrags auf 0,8%)
und der AUVA geht es an den Kragen, bzw. den Unfallpatienten!

Unbeirrbar betet man wie SPÖVP weiterhin Ausbau von Digitalisierung und Telemedizin an. Die Kassen der IT werden rauchen: Schließlich fand auch die jetzige Regierung nichts mehr dabei, dass man auch während der Woche ein Unfallröntgen ohne Fachärzte für Radiologie betreiben kann, solange eine Telefonverbindung (nach Indien?) besteht.
Das Konzept alles billiger, in dem man den Arzt möglichst weit vom Patienten ansiedelt konnte offenbar auch in diese Regierung herüber gerettet werden!

eRezept, eBefund, eMedikation, eTransportschein – E-Card am Handy forcieren
Verstärkter Einsatz von künstlicher Intelligenz (Content Analytic), um die Verwaltung und
Wissenschaft sowie die Versicherten noch besser zu unterstützen
Telefon- und webbasierte Erstversorgung flächendeckend ausbauen

Überarbeitung der Berufsrechte der verschiedenen Gesundheitsberufe, um ein effektiveres Angebot für den Patienten zu ermöglichen (Stärkung der nichtärztlichen Gesundheitsberufe nach internationalem Vorbild)

Und klar: Mehr Hayek, mehr Privat, weniger Staat – Anbieter mit Gewinnabsicht werden die Kosten dämpfen
Rahmenbedingungen für private Gesundheitsdiensteanbieter (finanzielle Weiterentwicklung
des PRIKRAF)

Ja, und wer die jetzige Gesundheitsministerin, ehemalige Controllerin der Steiermärkischen Krankenanstalten, unter blau/schwarz Hauptverbandschefin, dann Deloitte Mitarbeiterin und zu letzt im Healthcare Consulting tätige Frau Mag. Hartinger kennt, der weiß dass durch unser Gesundheitssystem ein scharfer Wind wehen wird, was vereinzelt sogar zu begrüssen sein wäre, wenn dieser nicht so deutlich vom Mont Pèlerin herunter wehen würde.

.

Jetzt kommt Bewegung rein …. 15a, als Patient würde ich mich dafür interessieren

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Stoeger WHO

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Während man die Bevölkerung mit dem Streit über die Mindestsicherung ablenkt,
http://kommunal.at/artikel/die-resolution-des-bundesvorstands-an-die-bundesregierung/
scheint wieder ein größerer Umbau des Gesundheitssystems bevor zu stehen.
Ich kenne die angesprochene Fassung der 15a-Vereinbarung zwischen Bund und Länder nicht, aber traditionell findet sich dort alles, was im Gesundheitssystem von Relevanz ist:
Ärzteausbildung revisited oder leckt’s mich am 15a https://medicus58.wordpress.com/2013/11/14/arzteausbildung-revisited-oder-leckts-mich-am-15a/ 

Wenn aber das alles stimmt was die ÄK da auflistet, sollten sich auch die Patienten dafür interessieren:

Wegfall der Kostenrückerstattung beim Wahlarzt
Leistungen sollen aus den Ordinationen in die Spitalsambulanzen verschoben werden
Auflösung bestehender Kassenverträge
Kostenerstattungsgenehmigung
Neuregelung für extramurale Versorgung
PHCs statt Allgemeinmediziner und Facharzt

http://www.aekwien.at/aekmedia/161021_Rundschreiben.pdf

http://www2.aekwien.at/1964.py?Page=1&id_news=9331

Written by medicus58

21. Oktober 2016 at 16:14

Veröffentlicht in Gesundheitssystem

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Wien 2015: Wählen wir eigentlich Wehsely?

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Wes
Kann sein, dass das lauter werdende Knistern im Zeitungswald Zufall ist, aber bemerkenswert ist es schon:

Am 27.August schrieb der Standard die Wiener SPÖ Stadträtin Wehsely ansatzlos zur roten Nachwuchs-(!)hoffnung  hoch (http://derstandard.at/2000020734637/Sonja-Wehsely-Die-mit-den-Aerzten-kaempft):
Sonja Wehsely, 45, seit ihrem 14. Lebensjahr politischer Vollprofi, legt diesen rhetorischen Köder natürlich bewusst aus. Die Wiener „amtsführende Stadträtin für Gesundheit und Soziales“ ist keine schlechte Rednerin.

Und zitiert auch völlig unkritisch die Behauptung der Patientenanwältin Pilz (Sigrid Pilz: Von Traumjobs kann man nie genug kriegen http://wp.me/p1kfuX-wh) mit den anerkennenden Worten, dass Wehselyden KAV gut im Griff“ hätte,
was Insider – und nicht nur die bösen Ärzte – augenblicklich doch etwas differenzierter sehen würden (5. September – CARE Revolution Wien ruft zur Demonstration auf http://wp.me/p1kfuX-11G).

In der aktuellen Ausgabe des Falters (S. 14 39/15), schiebt Barbara Toth einen weiteren Jubelartikel nach und betitelt die 45-jährige Nachwuchshoffnung gleich einmal als Frau Bürgermeister?

Beide Artikel erwähnen eher überraschend die jüdischen Wurzeln der Großeltern väterlicherseits und deren Flucht Ende der 30-Jahre, ein Faktum, das die in Eigen-PR (https://www.sonja-wehsely.at/) nicht gerade untätigen Politikerin bislang noch nicht breitgetreten hat.
Beide Artikel loben Ihr Spitals- und Pflegekonzept 2030 und bejubeln, dass sie es gegen alle Warnungen (gegen die Ärzte) durchboxte, als wäre Beratungsresistenz ein anbetungswürdiges Charakteristikum eines Politikers.

Halten Sie mich für einen unverbesserlichen Paranoiker, aber zwei über weite Strecken inhaltsidente Politikerporträts knapp vor einer Wahl entstehen kaum spontan.

Dass Bürgermeister Häupl sein Versprechen wahr machen wird auch nach der Wahl im Amt zu bleiben, nehmen ihm die Wähler ohnehin nicht mehr ab (http://www.vienna.at/bleibt-haeupl-buergermeister/4458172), so dass die Suche nach einem Konkursverwalter des kommenden Wahlergebnisses nicht sehr verwundert. Bizarr ist aber allemal, dass auch Andreas Schieder, Wehselys Lebensgefährte (Meet SPÖs First Couple http://wp.me/p1kfuX-Jl) an anderen Bassenas und Waschtrögen als kommender Bürgermeister gehandelt wird und dies ein eigenartiges Licht auf den Genpool der Wiener SPÖ wirft, aber egal.

Erschreckend ist meines Erachtens jedoch, wie zwei der noch etwas qualitativeren Medien des Landes eine Erfolgsbilanz herbeijubeln, die für mich nur sehr schwer nachvollziehbar ist:

Wehsely war (gemeinsam mit dem OÖ LH Pühringer) sicher für große Teile der letzten österreichweiten Gesundheitsreform verantwortlich.

Die als Erfolg zu bezeichnen erscheint mir kühn. Bislang ist das alles ein überbürokratisierter Papiertiger ohne konkrete Verbesserungen in der täglichen Praxis.
Die Operette mit den Primärversorgungszentren, die nicht einmal über das Pilotstadium hinausgekommen sind, aber sofort gesetzlich verankert werden sollen (PHC: Für wie blöd halten uns die eigentlich? http://wp.me/p1kfuX-11t) ist da nur ein Mosaiksteinchen.
Potemkinsche Spitäler (http://wp.me/p1kfuX-n8),
eingeschränkte fachärztliche Versorgung, reduzierte, dislozierte Organisationsformen,  (Alter Wein in Englischen Schläuchen: AGB der Gesundheitsreform müssen her http://wp.me/p1kfuX-D7) entpuppen sich als
Downsizing der medizinischen Qualität und Rationierung.

und das Presseecho ist auch nicht gerade euphorisch:

Übervolle Ambulanzen, „Mystery Shopping“, teure Kuren. Der KURIER beantwortet die drängendsten Fragen.
http://kurier.at/politik/inland/gesundheitsreform-das-sind-die-baustellen-im-gesundheitswesen/147.006.271
Mit Trippelschritten zur Gesundheitsreform
http://derstandard.at/2000020820383/Mit-Trippelschritten-zur-Gesundheitsreform
Doch auch als Wiener Gesundheitsstadrätin hat die Nachwuchshoffnung gezeigt, wohin mit ihr der Hase in den Pfeffer läuft:

Was im Spitalskonzept 2030 als Zentrumsbildung verkauft wurde, stellt sich als reines Runterfahren und Aushöhlen heraus:
Dass die alten, kleineren Spitäler wie das Kaiserin Elisabeth Spital geschlossen wurden hätte zumindest wirtschaftlich gewissen Sinn gemacht, hätte man nicht kurz vorher noch Millionen in deren Renovierung (z.B. in moderne Operationssääle) gepulvert,
aber das Spitalskonzept 2030 und die „wehsentliche“ Wandlungen seiner Produktdeklaration ( http://wp.me/p1kfuX-K9 ) begnügte sich nicht damit, neben dem AKH 6 Schwerpunktspitäler (Wilhelminen, KFJ, Hietzing, KFJ, SMZO) zu belassen, die jedes für sich die wesentlichen medizinischen Leistungen anbieten kann, sondern die Wiener Spitalslandschaft wird auf 3 Schwerpunktkrankenhäuser eingedampft, wo nur mehr ein Spitalspärchen (WIL/Hietzing, KFJ/RUD, SMZO/Nord) gemeinsam die Kriterien eines Schwerpunktspitals erfüllt, da in allen Spitälern Abteilungen ersatzlos geschlossen werden.
Wenn der Unfallchirurg vielleicht einen operativ versierten Augenarzt benötigt, egal.
Dermatologie? Genügt eine für ganz Wien.
Schilddrüsenuntersuchungen? Stellen Sie sich auf einige Monate Wartezeit ein.
Urologie
, vielleicht noch zwei?
Doppelprimariate wie die HNO mit nur einem Zweck, nämlich die eine Abteilung zu schließen.
Drei Onkologien für ganz Wien, recht auch.
Wozu braucht eine Kardiologie einen Herzkatheter?
Das Nord ist noch nicht eröffnet, aber man weiß schon, dass man nach ein paar Jahren die frisch eingezogenen Abteilungen wieder absiedeln wird!
Abteilungen werden kreuz und quer verschoben, die Projektpapiere des letzten Monats sind heute bestenfalls als Lachnummer geeignet, so überhaupt noch irgendwas schriftlich zu Gesicht bekommt.

Natürlich hat man davon bei der Präsentation des 2030-er Konzeptes von der Stadträtin nichts gehört. Ich befürchte, dass sie es zu dem damaligen Zeitpunkt nicht einmal selbst gewusst hat, vermutlich hat es sie auch nicht interessiert.

Und natürlich braucht der Norden Wiens ein Schwerpunktspital, aber die bisherige Baugeschichte des KH Nord als Erfolgsgeschichte zu verkaufen, fällt auch der Rathaus-PR-Maschine schwer (Nordlichter, weshalb der Stadt für Ärzte und Pflege kein Geld mehr bleibt http://wp.me/p1kfuX-X3).

Aber natürlich hat das Stadträtin Wehsely nicht allein geschafft. Seit Jahren umgibt sie sich mit unzähligen Beratern, die das öffentliche Krankenhaussystem sturmreif reformieren:

Dr. Ebner – Die „objektive“ Krake im Gesundheitssystem http://wp.me/p1kfuX-xw
Nach dem Köck auch den Bock zum Gärtner ... http://wp.me/p1kfuX-cy
Wer macht da den Köck zum Gärtner? http://wp.me/p1kfuX-cs
Was der KAV vom Billa lernen kann oder Je suis IFES http://wp.me/p1kfuX-10X

Wird der KAV privatisiert? Ein Indizienprozess bei dem wir baden gehen. http://wp.me/p1kfuX-Y2

Wohin der politische Auf- oder Gegenwind Sonja Wehsely auch hinwehen wird, im Gesundheitssystem hat sie gezeigt, worauf es ihr ankommt. Wenn alle politischen Stricke reißen, wird sich schon irgendjemand dankbar erweisen, für die eröffneteten Geschäftsfelder.
Beängstigend, wenn das Standard und Falter dem Wähler vernebeln.

I had a Dream: KAV for Sale http://wp.me/p1kfuX-L1

Written by medicus58

23. September 2015 at 18:03

Zur Quadratur des Primärversorgungszentrum im 22. Wiener Bezirk

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Dass die neuen Primärversorgungszentren die KAV Krankenhäuser nicht entlasten werden, darüber wurde hier schon geschrieben (Wie oft kann man die Sau durchs Dorf jagen, ohne dass es den Medien auffällt? http://wp.me/p1kfuX-Tw ), nur soll es darüber heute gar nicht gehen.

Viel mehr schon, wie Wehselys KAV Steuergelder verwendet, um die fehlende Versorgungsleistung der Wiener Gebietskrankenkasse zu kaschieren und somit Freundschaften festigt (Wehsely finanziert die Wiener Gebietskrankenkasse und keinen stört’s http://wp.me/p1kfuX-Un).

Link: http://www.springermedizin.at/artikel/45215-zwei-wiener-pilotprojekte-zu-primary-health-care

Mit großem medialen Tamtam spritzt man eine bereits bestehenden Gruppenpraxis unter Beteiligung der Barmherzigen Brüder zu einem PHC um (http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20150211_OTS0100/krankenhaus-barmherzige-schwestern-wien-erfreut-ueber-primaerversorgungs-projekt-in-mariahilf) und wundert sich beim zweiten Projekt vor den Toren des Donauspitals, dass sich keine Bewerber findet.
Warum das so ist, erklärt sich vielleicht dadurch, dass man beim Auschreibungstext besonders sicher sein wollte, dass alles nach Plan verläuft:

Originäre Gruppenpraxis-Neugründung für das Pilotprojekt „Primary Health Care SMZ-Ost“ auf Basis des Gruppenpraxengesamtvertrags vom 1.1.2011 mit untenstehenden besonderen verpflichtenden Anforderungen. (nur Teambewerbungen von drei Ärzten möglich)
http://www2.aekwien.at/py/ks/161.php 

Aus dem Nichts drei Ärzte zu finden, die sich schnell mal als Team in dieses Abenteuer stürzen, ist in Zeiten des Ärztemangels naturgemäß nicht leicht, so dass man glauben könnte, dass wenigstens die anderen Rahmenbedingungen einladend formuliert werden, jedoch wird der weitere Text besonders schrullig:

Ort: Wien 1220  im Umkreis von 170 Metern des Haupteingangs SMZ- Ost“

und damit das auch ganz klar ist, präzisierte man:

als genaue Lokalisation dient die äußere Schiebetür

Sieht man sich die Gegend (http://tinyurl.com/ndgy37n) an und malt sich einen Kreis 170 m um den Haupteingang, bemerkt man, dass über die Hälfte des in Frage kommenden Areals (wegen Verbauung) für eine Gruppenpraxis nicht in Frage kommt:

Dass für Wehselys Projekt die U2 Haltestelle verlegt wird, kann nicht einmal der Bescheuklappteste glauben. Weiters befindet sich in diesem Areal das aus allen Nähten platzende Donauspital, das nichteinmal genug Platz hat für die eigene Notfallaufnahme, die Langobardenstraße, eine Straßenbahnhaltestelle, …

 

SMZ Kreis

Eigentlich gibt es in diesem Bereich ohnehin nur ein einziges Objekt, das für die Errichtung des PHCs in Frage kommt: Das bereits eröffnete, aber noch Mieter suchende Danubemed Gesundheitszentrum:
http://danubemed.at/

DanubeMed

 

Diese Gebäude ist um die erst am 16. 6.2014 eröffnete Dentalklinik Danubemed errichtet worden, wobei sich dieses (man beachte die vorausschauende Formulierung) online wie folgt präsentiert:

Die DANUBEMED Dentallklinik versteht sich als vorgelagertes Zentrum zur Entlastung der Spitalsambulanzen und der gesamten Gesundheitsbetreuung – dem Landes- und Bundeszielsteuerungsvertrag für Gesundheit entsprechend.

Das Doppel-L (kann schon im Zuge der Euphorie passieren) steht so (23.3.2015) auf der HP: http://dental-danubemed.at/

Weshalb eine Zahnarztpraxis vor dem Donauspital dieses entlasten soll, obwohl dort zwar eine Abteilung für Kieferchirurgie nicht aber ein Zahnambulatorium existiert, soll auch nicht weiter hinterfragt werden.

Über die Mietmodalitäten des Objekts ist die Stadt Wien ja bestens im Bilde, weil sie sich dort schon am 7.11.2014 – eh kloar im Beisein von Stadträtin Wehsely und Gebietskrankenkasen-Obfrau Reischl – (https://www.wien.gv.at/rk/msg/2014/11/03004.html) mit dem Kompetenzzentrum für Mund-, Kiefer und Gesichtschirurgie und Jugendzahnheilkunde eingemietet hat. Dessen alter Standort musste geschliffen werden, weil er selbst den nachsichtigsten Auflagen nicht mehr gerecht wurde.
http://www.wienkav.at/kav/dsp/medstellen_anzeigen.asp?ID=417

Fassen wir zusammen: Die Ausschreibung für das gewollte PHC scheint so formuliert, dass den zukünftigen Betreibern gar nichts anderes übrig bleibt, als sich in einem kürzlich errichteten und zum Teil leerstehenden Privathaus einzumieten, in dass sich die Stadt Wien bereits selbst eingemietet hat.

Ehe sich nun allfällige Bewerber in die U2 setzen und zum Standort fahren, mögen sie aber noch kurz und staunend das Kleingedruckte des Vertrages überfliegen.

Besondere über die Bestimmungen des Gruppenpraxengesamtvertrages hinausgehende verpflichtende Bedingungen für dieses Pilotprojekt bzw. Berechtigungen, die integrierender Bestandteil dieser Ausschreibung sind und von den Bewerberinnen und Bewerbern zu erfüllen sind: http://www.aekwien.at/media/PHC.pdf

Written by medicus58

24. März 2015 at 19:00

Wie oft wird kann man die Sau durchs Dorf jagen, ohne dass es den Medien auffällt?

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Le_Salut_Public_No_1_13_mars_1848

Kennen Sie den?

Als der Richter den Zeugen nach der Vereidigung aufklärt, dass er ab sofort zur Wahrheit verpflichtet ist, antwortet dieser: „Sicher, sie Arschloch!

Auch in der Gesundheitspolitik gilt, dass der Zeitpunkt für mediale Wahrheiten gut gewählt werden muss, sonst lässt er tiefer blicken, als vielleicht beabsichtigt wurde.

Kurz nach der am 29.1.2015 mit großem medialen Getöse verkündeten
Einigung mit den Wiener Spitalsärzten über Dienstzeiten und Besoldung
(Wir werden alle reich: Ob an Geld oder Erfahrung ist noch offen http://wp.me/p1kfuX-Tm),
von der sich inzwischen immer mehr der Angesprochenen distanzieren und intern von „Verarschung“ sprechen,
platzte Stadträtin Wehsely am 2.2.2015 auf Ihrer Website mit einer angeblich neuen Meldung heraus:

Primärversorgung: Stadt Wien, WGKK und Ärztekammer verständigen sich auf Eckpunkte für zwei Pilotprojekte
http://www.sonja-wehsely.at/tag/wgkk/#sthash.yUlmySwF.dpuf

und lässt dies über Ihre Mediensprecherin Mag. Christine Stockhammer auch angeblich brühwarm über die APA gehen
Nun (!) haben sich Stadt Wien, Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK) – gemeinsam mit den bundesweiten Versicherungsträgern – und die Wiener Ärztekammer auf die Grundsätze für zwei konkrete Pilotprojekte zur Umsetzung des Primärversorgungskonzeptes in Wien verständigt.
http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20141218_OTS0137/primaerversorgung-stadt-wien-wgkk-und-aerztekammer-verstaendigen-sich-auf-eckpunkte-fuer-zwei-pilotprojekte

Der KURIER jubelt am 2.2. 2015Wien startet zwei Pilotzentren
http://kurier.at/chronik/wien/primaerversorgung-wien-startet-zwei-pilotzentren/111.544.645

und die Wiener Zeitung vereinfacht die APA Aussendung für Ihre Leser als:
Erstanlaufstelle für Wehwehchen
http://www.wienerzeitung.at/nachrichten/wien/stadtpolitik/732346_Erstanlaufstelle-fuer-Wehwehchen.html

Der ORF verkündet die frohe Nachricht online:
Statt in teure Spitalsambulanzen zu gehen, sollen Patienten in Wien Primärversorgungszentren benutzen. http://wien.orf.at/news/stories/2692564/

und ist ob Wiens Innovationskraft fast aus dem Häuschen:
Gesundheitsreform: Wien prescht vor
http://oe1.orf.at/artikel/398573

Ein Bravo für die Wiener Gesundheitspolitik im Wahljahr!
Nachdem so viel von Überlastung der Spitäler die Rede war und man den Spitalsärzten eine (angeblich) durchschnittlich 25%-ige Gehaltserhöhung und weniger Arbeitsstunden nachgeworfen hat, entlastet man die Spitalsambulanzen auch noch mit einem innovativen Vorgriff auf die Gesundheitsreform.

Komisch ist da nur, dass die Jubelmeldung von der Einigung über die den Spitälern vorgelagerten Ambulanzen bereits vor eineinhalb Monaten durch mediale Dorf gehetzt wurde:

Rathauskorrespondenz vom 18.12.2014:
Primärversorgung: Stadt Wien, WGKK und Ärztekammer verständigen sich auf Eckpunkte für zwei Pilotprojekte 
https://www.wien.gv.at/rk/msg/2014/12/18016.html

Das Zentralorgan des Wiener Rathauses hat das auch unters vorweihnachtlich gestimmte Volk gebracht:

„Primary“-Ambulanzen für Wien in HEUTE 18.12.2014
http://www.heute.at/news/oesterreich/wien/art23652,1109282?

So nebenbei hat es für eine dem Donauspital vorgelagerte Versorgungsstruktur seit mindestens einem Jahrzehnt mehrere Anläufe gegeben (u.a. auch gemeinsam mit dem Ärztenotdienst), lange bevor die letzte Gesundheitsreform das Thema „Primary Health Care“ für sich entdeckt hat.

Völlig zu Recht wird Ernest Pichlbauer auf seinem Rezeptblog auch nicht müde darauf hinzuweisen, dass das Konzept schon bald seinen 100. Geburtstag feiern wird: UK 1920 Über die Errichtung eines Primary Helath Care Es ist erschütternd zu sehen, auf welchem Niveau sich die Österreichische Gesundheitspolitik bewegt, bzw. sich nicht bewegt. http://www.rezeptblog.at/tag/primary-health-care/

Also hat die Sache einen geringeren Neuigkeitswert, als es die mediale Berichtslawine Anfang Februar 2015 glauben machen will.

Nur stellt sich die Frage, weshalb die Jubelmeldung von den beiden PHCs vor dem Donauspital und in Mariahilf gerade jetzt wieder exhumiert wurde?

Weil es im Vorweihnachtstrubel nicht gelungen war, genug gesundheitspolitisches Kleingeld zu machen?

Möglich aber nicht allzu wahrscheinlich.

Weil man im nahenden Wahlkampf wieder etwas Positives aus dem Gesundheitsbereich vermelden wollte?

Wäre medial schlecht gesetzt, auch wenn wir wirklich schon im Juni wählen, denn bis dahin ist es aus dem politischen Kurzzeitgedächtnis längst verschwunden.

Man mag mich für einen Verschwörungstheoretiker (eigentlich eher schon -praktiker) halten und ich überschätze die PR Abteilung des Rathauses möglicherweise massiv, aber angesichts eines zunehmenden Widerstandes gegen die Husch-Pfusch-Dienstzeit-Besoldungsreform der angestellten Ärzte, kann ich nicht umhin zu glauben, dass die Sau des Vorjahres wieder durch das mediale Dorf getrieben wurde, um die mediale Meinungshoheit zu behalten, wenn der Unmut der Spitalsärzte öffentlich wird.

Befremdlich ist das aber auch für alle, die hoffen, dass die Medien als die „vierte Gewalt“ im demokratischen Staate erkennen, wenn sie instrumentalisiert werden. http://de.wikipedia.org/wiki/Vierte_Gewalt

Bildnachweis:
City Library of Lyon (from the exhibiton „L’Esprit d’un siècle : Lyon 1800-1914“).Bibliothèque municipale de Lyon, dewiki.

Written by medicus58

3. Februar 2015 at 07:16

Die Lösung für den Ärztemangel: Wir brauchen einfach keine mehr

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Arztweg

 

Es ist schon ziemlich eigenartig, was da in Nürnberg geplant ist: 50 Studenten sollen von August an dort Medizin studieren und in fünf Jahren Ärzte sein – und während der ganzen Ausbildung kein einziges Mal eine Lehrveranstaltung an einer Universität oder Uni-Klinik besuchen. Fast die gesamte Ausbildung übernimmt das städtische Krankenhaus Nürnberg. Damit das alles auch als Hochschulstudium anerkannt wird, kooperiert es mit der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Salzburg (PMU).
Zeit Online: http://www.zeit.de/2014/22/aerztemangel-medizinstudium-privatuniversitaet

Hamburger Abendblatt: Sanitäter sollen Notärzte ersetzen
http://www.abendblatt.de/region/stormarn/article129026013/Sanitaeter-sollen-Notaerzte-ersetzen-Mediziner-in-Sorge.html

Gesundheitsreform: Netzwerk statt Hausarzt?
Primary Health Care Konzept des Bundesministeriums: Nicht alle Mitglieder des Teams müssen immer zur Verfügung stehen. Wichtig sei aber, dass eine Person des Kernteams aus Allgemeinmediziner, Ordinationsassistentin und Diplomkrankenschwester rund um die Uhr zumindest telefonisch erreichbar ist.
http://medonline.at/2014/netzwerk/

Ein paar fast willkürliche Schlaglichter, wie die Gesundheitspolitik den nicht mehr abzuleugnend Mangel an Ärzten in der Gesundheitsversorgung begegnen:

Schnellsieder Ärzteausbildung, um trotz beschränkter Studienplätze mehr „Köpfe“ ins System zu pumpen.
Modulares Ausbildungssystem in dem zukünftige Ärzte nicht mehr in allen Aspekten ihres Faches ausgebildet werden: http://wp.me/p1kfuX-LF
Ersatz von Ärzten durch nicht-ärztliches Personal, dessen Ausbildung weder in Tiefe noch Breite mit der ärztlichen Ausbildung vergleichbar ist.

Ob das zu einer Verbesserung, geschweige Erhalt des erreichten Niveaus in unserem Gesundheitssystem führt, wage ich schärfstens zu bezweifeln.

Written by medicus58

13. Juni 2014 at 06:35

Gesundheitsziele oder was die Telekom mit der Gesundheitsreform zu tun hat

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A1Medizin
Unser, nach Selbstdefinition „einzige unabhängige österreichische Gesundheitsökonom„, Ernest Pichlbauer, überschüttet uns dzt. auf seinem Blog (http://www.rezeptblog.at/) in der Wiener Zeitung und Ärztezeitung mit Vorschlägen, wie die Konzepte der aktuellen Gesundheitsreform mit Zahlen zu füllen sind.

Mit beachtlichem Fleiß wird hier Schritt für Schritt das gesamte Krankheitsspektrum abgearbeitet:

„Konkretisierung der Gesundheitsreform – COPD“
http://www.rezeptblog.at/konkretisierung-der-gesundheitsreform-copd/

„Konkretisierung der Gesundheitsreform – chronisch entzündliche Darmerkrankungen“
http://www.rezeptblog.at/konkretisierung-der-gesundheitsreform-chronisch-entzundliche-darmerkrankungen/

„Die Konkretisierung der Gesundheitsreform – Diabetes“
http://www.rezeptblog.at/die-konkretisierung-der-gesundheitsreform-diabetes/

Das Prinzip ist ziemlich einheitlich und orietiert sich an der Grundphilosophie des Gesetzgebers, so dass er sich sicher gern des hier vorgerechneten Glasperlenspiels (Hermann Hesse) bedienen wird:

Regionalisierung in die Versorgungsregionen des ÖSG

Weg von der Institutionenorietierung (KH, Ordi) hin zu Best Point of Care

Letztendlich eine Finanzierung, die an die Erfüllung numerischer Zielvorgaben gebunden ist.

Dazwischen ein bißchen epidemiologischer Zahlenspielerei
ein paar meßbare Ziele (weniger Spitalsaufnahmen, mehr Hausarzt, eh klar)
und der Wunsch nach „Bundeszielsteuerungwer, was, wo, wann, an wem zu tun hat unter Aussparung wer das zahlt und ob alle Beteiligten (Patienten!) da mitmachen: 

Fertig ist Utopia!

Dass das alles eigentlich regurgitierter Alter Wein in Englischen Schläuchen ist, habe ich hier schon angerissen (https://medicus58.wordpress.com/2013/05/16/alter-wein-in-englischen-schlauchen-agb-der-gesundheitsreform-mussen-her/), aber deshalb muss es ja noch nicht prinzipiell schlecht sein.

Dass gerade die neoliberaler Seite immer die Unzulänglichkeiten der kommunistischen 5-Jahrespläne, die von der Überzeugung der allumfassenden Planbarkeit getragen wurden, verlachte, hindert im 21.Jahrhundert offenbar niemanden mehr, sich (vielleicht durch etwas regionale Bürokratie, pardon föderalistischer Einflussmöglichkeit) genau auf dieselbe Ideologie zu setzten. 

Gläubige haben schon immer den Tag des Jüngsten Gerichts vorhergesagt
, aber selbst das finde ich aus naturwissenschaftlicher Sicht nicht wirklich problematisch, denn gerade diese lebt ja von der Falsifizierung ihrer Vorhersagen (Popper und der Wiener Kreis http://de.wikipedia.org/wiki/Falsifikationismus).

Würde man all diese Spielerein allein für die wichtigsten Krankheiten durchspielen, so wie es sich die Gesundheitspolitik dzt. offenbar vornimmt, entstünde ein Regelwerk, dessen Komplexizität die EU-Bürokratie verblassen ließe.

Wo’s meiner Meinung nach wirklich hakt, ist die Außerachtlassung der jüngsten Erfahrung aus der Wirtschaft, die den Glauben man könne durch numerische Vorgaben ein komplexes, multifaktorielles System „steuern„, schon falsifiziert hat:

Haben wir den alle vergessen, was 2004 bei der Österr. Telekom passiert ist?

Am 26. Februar 2004 durchbrach die Telekom-Aktie auf wundersame Weise die Marke von 11,70 Euro. Die Folge: Rund 100 Führungskräfte erhielten insgesamt knapp zehn Millionen Euro.
Beim Telekom-Börsengang im Jahr 2000 war ein Plan geschaffen worden, der Führungskräften die Option einräumte, weitere Aktien zum Ausgabepreis von 9 Euro zu kaufen. Bedingung: Der Kurs musste an fünf Handelstagen im Februar 2004 um 30 Prozent über dem Ausgabekurs, also über 11,70 Euro, liegen.

http://diepresse.com/home/wirtschaft/economist/1343298/TelekomProzess_Worum-es-geht?_vl_backlink=/home/wirtschaft/economist/1342997/index.do&direct=1342997

Auch wenn es ungeheuer logisch scheint, komplexe Prozesse über ein Belohnungssystem für die Erreichung quantifizierbarer Ergebnisse zu steuern, zeigt die Praxis, dass die Ziele dann mit Mitteln erreicht werden, die anders sind, als es sich die Auftraggeber vorgestellt haben.

Auch im Bereich der Medizin ist es sehr einfach Zielvorgaben wie Komplikations- und Hospitalisierungsraten durch spezielle Strategien zur Patientenselektion zu umgehen und genau das passierte bereits mit der Leistungsorientierte Krankenanstaltenfinanzierung (http://de.wikipedia.org/wiki/Leistungsorientierte_Krankenanstaltenfinanzierung).

Auch wenn weniger damit zu verdienen ist, als durch Kursmanipulationen der Telekom, wird dieser Weg der Zielsteuerung auch im Gesundheitssystem dieses nicht verbessern sondern nur manipulieren.

Written by medicus58

10. Juni 2013 at 17:04

Alter Wein in Englischen Schläuchen: AGB der Gesundheitsreform müssen her

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Vila Nogueira de Azeitao
Liest man die aktuelle Österreichishe Ärztezeitung (http://www.aerztezeitung.at/archiv/oeaez-2013/oeaez-9-10052013/tag-der-allgemeinmedizin-hausarzt-primary-health-care.html; das präsidiale Vorwort ist leider nicht online), dann gewinnt man den Eindruck, dass es der Österreichische Ärztekammer (ÖÄK) durch ihren vorjährigen Kampf gegen ELGA, die Gesundheitsreform, gegen die Beschneidung ihres bisherigen Verhandlungsmandates, … und was-weiss-ich-noch-alles gelungen ist, ihr langjähriges Kernthema durchzusetzen:

Mehr Praktiker!

Nur wird der „praktische Arzt“ praktischerweise bald „Facharzt für Allgemeinmedizin“ heißen, damit das weniger nach Hilfsarbeiter und mehr nach Facharbeiter klingt.

Das alte „Hausarztsystem“ wird nun, 35 Jahre nachdem die WHO das so definierte plötzlich zu „PHC“ (Primary Health Care)

Essential health care; based on practical, scientifically sound, and socially acceptable method and technology; universally accessible to all in the community through their full participation; at an affordable cost; and geared toward self-reliance and self-determination (WHO & UNICEF, 1978)

Früher sagten wir halt nach den Regeln der ärztlichen Kunst, weil es ja Ärzten ohnehin stets verboten war etwas zu tun, wovon sich das Fach einig war, dass es schadet.

Primum nihil nocerehttp://de.wikipedia.org/wiki/Primum_non_nocere

Nun heißt das EBM (Evidence Based Medicine), damit für nichts mehr bezahlt werden muss, für dass nicht eine wissenschaftliche Studie vorgelegt werden kann, die sich aber ohnehin nur mehr die finanzstärksten Player in diesem System leisten können: (Wenn Sie nun an die Neonicotinoid Studie zum Bienensterben denken, die von einer ehemals staatlichen, nun ausgelagerten Einrichtung (AGES) durchgeführt wurde und von den Pestizidherstellern finanziert wurde, …
dann haben Sie verstanden was ich meine)

Auch das Konzept des „Point-of-Best-Care“, also der durchaus sinnvolle Wunsch den Patienten dort „zu halten“, wo er am kostengünstigsten gesund wird, hat den Wählern schon viele Gesundheitsreformen, der Politik viele Wähler und so manchem Akademiker einen gut dotierten Studienauftrag beschert, scheiterte aber im Alltag an der Zugänglichkeit zu den definierten Punkten. Ist die Ordination zu, oder der nächste Termin in 2 Monaten, dann geht man dorthin wo die Türe offen ist, also je nach persönlicher Barschaft in die Spitalsambulanz oder „privat“ zum Arzt.

Selbst das, in der öffentlichen Diskussion noch gar nicht realisierte, jedoch in der aktuellen Gesundheitsreform angestrebte „Managed Care System
(http://de.wikipedia.org/wiki/Managed_care), also die zeitlich eingeschränkte freie Arztwahl und das teilweise Verbot ohne Überweisung einen Facharzt oder Spitalsambulanz aufzusuchen, ist eigentlich nur „der alte Wein“ des Kranken- und Überweisungsscheins in stärker kontrollierter und verrechtlichter Form.
Dass gerade dieses Systems erst im Vorjahr in der Schweiz abgelehnt wurde, wissen Leser dieses Blogs (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=69729).

Was will ich mit all dem eigentlich sagen?

Nach einigen Jahren geht es einem unheimlich auf den Geist, wenn einem von immer neuen Expertengenerationen der alte Wein als Heuriger aufgetischt wird.
Das heißt nicht, dass nicht manche der Konzepte etwas für sich hätten, schließlich verfolgen wir sie unter anderem Namen schon seit Jahrzehnten, aber solange wir Etikettenschwindel betreiben und geringe Modifikationen mit englischen Kürzeln zu einer neuen Heilslehre hoch peppen, ohne anzusprechen, weshalb sie in ihrer ursprünglichen Bezeichnung nicht funktioniert haben, stellen sie sich mir nur als Einkommensquelle eloquenter Gesundheitsökonomen dar.
Aus Sicht eines Patienten, die ich für meine Person bisher weitgehend minimieren konnte, halte ich das alles für eine fiese Vernebelungstaktik. Kehren wir wieder zum Bild des Weines zurück , konnte der Etikettenschwindel mancher Winzer – nach dem großen Österr. Weinskandal der 80er Jahre (https://de.wikipedia.org/wiki/Glykolwein-Skandal) nur durch mehr Transparenz begegnen werden, mit anderen Worten mit einer transparenten Produktdeklaration. Kaufe ich heute ein Fläschchen, weiß ich genau WER, WANN, WAS hineingetan hat.
Wenn ich diesen Kauf beim Wirt tätige, dann ist der verpflichtet bereits an der Haustüre gut leserlich anzuschlagen, welche Leistungen und Preise mich drinnen erwarten. In der Edel-Gastronomie erfahre ich sogar den Stammbaum meines Brathendls (http://de.wikipedia.org/wiki/Sulmtaler).

Das wünsche ich mir auch für die Gesundheitsreform;
für uns Ärzte aber auch für unsere Patienten:

Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) des Gesundheitssystems:

Angebotene und NICHT angebotenen Leistungen,
Einzelpreise (rectale Untersuchung 2,75 €; http://wp.me/p1kfuX-jY)
Welcher Grad an Managed Care wird vereinbart?
Welcher Grad an Solidarität wird vereinbart: Wie oft kann Ihr Arzt noch ein EKG abrechnen, darf Ihr Spital im letzten Quartal noch eine Hüfte oder einen Schrittmacher einbauen?
Haben Sie das Recht ein Medikament weiter zu erhalten, wenn sich die Versicherungen mitr dem Hersteller nicht über einen Preis einigen können.
Was ist in dem Spital noch drinnen, wenn es „Reduzierte Organisationsformen“ enthält?
Bekommt die Chirurgie, die Ihr Rektumkarzinom entfernen darf, auch für die Entfernung der Lebermetastase eine Refundierung oder müssen Sie zum Zweiteingriff ins „Leberzentrum“?

All das, diese Speisekarte müsste verpflichten am Eingang der „Gesundheitsdienstleister“ und „-versicherer“ angeschlagen werden.
Natürlich werden die wenigsten das lesen, aber wenn wir schon den Propheten des „Gesundheitsmarktes“ folgen, dann sollten wir auch diese Grundvoraussetzungen eines fairen Marktes einfordern:
Gleiche Information für alle Marktteilnehmer!

Links:
Nun gibt die Politik die Potemkinschen Spitäler langsam zu, schiebt aber Verantwortung auf Ärzte: http://wp.me/p1kfuX-Br
Die Potemkinschen Spitäler: http://wp.me/p1kfuX-n8
Kann mir das irgendwer erklären: http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=78930
Ärzteprotest: Why now? http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=82356
ELGA kommt endlich: http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=78930
Ein paar Kratzer für den Hausarzt und Winter im Gasteinertal: http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=74865
Pressestunde: Salon ELGA http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=47125

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