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Telefonieren Sie sich reich, nur blöd, wenn Sie von der Ärztekammer vertreten werden

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Im August des Vorjahres haben wir uns hier schon mit der Frage beschäftigt, warum es zwar einen Ärztemangel aber keinen Rechtsanwaltsmangel gibt.

Eine aktuelle Entscheidung des OGH bestätigt die Erfahrung, dass hier mit zweierlei Maß gemessen wird:
Was Anwälte beim Telefonieren kassieren dürfen

Sogar ohne in der Sache aktiv geworden zu sein, fanden es die Höchstrichter völlig in Ordnung, dass ein Anwalt letztendlich
9526,56 Euro für : Telefonat lang (50 min.), Konferenz lang (220 min.), Konferenz lang (150 min.), Telefonat kurz (zehn min.)
in Rechnung gestellt hat.

Der Oberste Gerichtshof merkte noch an, dass sich der Anwalt in der Kanzlei mit seinem Mitarbeiter neuneinhalb Stunden beraten und sich bloß eine Stunde Mittagspause gegönnt habe. Wäre mit der Frau zuvor ein pauschaler fixer Stundensatz vereinbart worden, wie sie behauptet, hätte er diesen „internen Rechercheaufwand“ noch extra verlangen können. In dem Fall wäre am Ende ein mindestens so hohes, wenn nicht noch höheres Honorar herausgekommen, sagt der OGH.

Vielleicht sollten wir den verhaltensauffälligen Herrschaften in den altertümlichen Talaren, wenn sie uns Ärzte demnächst „nur mal schnell anrufen, um sich einen Befund erklären zu lassen“ eine vergleichbare Abrechnung zuschicken.

Vielleicht sollten wir einmal darüber diskutieren, wieso die Bereinigung von Nicht-Wissen für Juristen Einkommen und für Ärzte Schande bedeutet! Den Juristen, die sich angstvoll jeden kleinen Eingriff x-mal erklären lassen und in wochenlangen Beratungen zum Schluss kommen, dass der Arzt sich damals innerhalb von Sekunden ganz anders entscheiden hätte müssen, könnten wir zusätzliche 10 Minuten auch mit 231 Euro in Rechnung stellen.

Und schließlich sollten wir all den Politikern, die sich von der Fernbehandlung zur Telepathologie so große Einsparungen erwarten, einen ähnlichen Tarifkatalog vorlegen, wie die Rechtsanwaltskammer.
Nur dafür bräuchten wir halt eine vergleichbare Standesvertretung …

Written by medicus58

25. Mai 2018 at 17:17

Ärztemangel aber kein Rechtsanwaltsmangel, warum bloß?

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Ob es nun eine Ärztemangel gibt oder nicht, ist ein Dauerbrenner auf diesem Blog:
Ärztemangel: Nimmst Du’s mir, so nehm‘ ich’s Dir – eine Art Viele-Jahre-Rückblick

Unbestreitbar ist jedoch, dass sich immer mehr Arztstellen nicht mehr besetzen lassen:
Kein einziger Bewerber für 17 Arztstellen

Düstere Prognosen: Immer mehr Orte ohne Hausarzt

67 Praxen leer: Uns gehen die Hausärzte aus

Warum Hausarzt-Praxen leer stehen

Ärztekammer warnt vor „Hausärzte-Sterben“

Dass sich Ärztekammer und Krankenkassen über die möglichen Ursachen uneins sind, verwundert den angewiderten Beobachter kaum. Während die Kammern als eine Begründung die zu geringen Honorare liefert, was den Beobachter verwundern mag, zumal die Ausverhandlung dieses Honorarsystems eine der wesentlichen Tätigkeiten der Kammern darstellt und sich gerade vor der letzten Wahl ihre Funktionäre dafür feiern ließen, welche Erfolge sie da erzielt hätten, spricht auch die Wiener Gebietskrankenkasse von Erhöhungen, die sich andere Berufsgruppen wünschen würdenhttp://wien.orf.at/news/stories/2859213/

Über die mickrige Ausgangsposition habe ich hier schon 2012 geschrieben (Der typische Arzt ist ein Hausarzt mit Kassenverträgen und reich als zB. eine rektale Untersuchung mit 2, 75 EUR abgegolten wurde.
Prozentuelle Steigerungen von sehr wenig ist nicht viel!

Weshalb frägt sich aber niemand, weshalb es einen Ärztemangel gibt
(im Sinne einer versorgungswirksamen Präsenz innerhalb des solidarischen Versicherungssystems),
man aber weder von einem Apotheker- noch Rechtsanwaltsmangel hört?
Schließlich handelt es sich auch bei diesen um sogenannte freie Berufe.

Jetzt ist die Leistung in einem Scheidungsprozess erfolgreich von seinem Ehepartner befreit zu werden, schwer mit der komplikationslosen Befreiung von seinem Wurmfortsatz zu vergleichen. Und die gesetzlich festgelegten Honorarrichtlinien reflektieren auch nicht immer die realiter verrechneten Beträge.  Blickt man sich im Netz aber etwas um, dann findet man sehr rasch eine Erklärung, weshalb sie heute viel länger nach einem Arzt als nach einem Rechtsanwalt suchen müssen:

In Österreich variieren die Stundensätze der Anwälte laut unseren Informationen von € 180,00 bis € 500,00 netto pro Stunde
http://www.anwalt-veith.at/honorar.html

Der Stundensatz für Rechtsanwälte beträgt derzeit € 400,
der Stundensatz für Rechtsanwaltsanwärter 
beträgt derzeit € 250.
http://www.kwr.at/fileadmin/res/pdf/kanzlei/auftragsbedingungen/20131030_Vollmacht_D-Stundensatz.pdf

Erstberatung: Ich nehme mir für Sie Zeit; das bedeutet ein Erstgespräch in der Dauer von zumindest 30 bis höchstens 50 Minuten, in dem ich Probleme auslote und mögliche Wege evaluiere. … Ich verrechne dafür aber einen ermäßigten Pauschalsatz von EUR 140,00, welchen ich ersuche in Bar mitzubringen.
https://www.grogger.at/rechtsanwalt-kosten/

Honorarordnung für Ärzte für Allgemeinmedizin und Fachärzte

Erste Ordination …………………………………………………………………………………………………………………………20
Einmal im Monat je Behandlungsfall und nicht neben Pos. Nr. B1 verrechenbar.
Der Geldwert des einzelnen Punktes beträgt: b) Grundleistungen durch Ärzte für Allgemeinmedizin……………………………………………………………………….€ 0,9775

D.h. Erste Ordination = 20 Punkte = 19,55 €

Links:
Mein Recht ist kostbar

Allgemeine Honorar-Kriterien (AHK)

Rechtsanwaltstarifgesetz

 

Written by medicus58

8. August 2017 at 18:47

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