Sprechstunde

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Archive for August 2022

Rund 50-mal jährlich gebe es solche „Gefährdungsanzeigen“, betonte die Generaldirektorin des Wiener Gesundheitsverbunds

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Aufgrund des eklatanten Personalmangels in den Wiener Spitälern komme es immer öfter zu so genannten „Gefährdungsanzeigen“. Rund 50-mal jährlich gebe es solche „Anzeigen“, betonte die Generaldirektorin des Wiener Gesundheitsverbunds, Evelyn Kölldorfer-Leitgeb bei einem kurzfristig einberufenen Hintergrundgespräch am Montag. Dieses habe aber auch dazu gedient, zu betonen, dass die Gesundheitsversorgung in Wien nicht leide.
Von 28.150 Stellen seien aktuell 1.830 derzeit nicht besetzt. Das sind rund sieben Prozent, was nicht wirklich schlecht sei, sagte die Generaldirektorin. 
fasst der Pressespiegel der Österreichischen Ärztekammer die nahezu unglaubliche Aussage zusammen.

Unglaublich weil einerseits jeder weiß, wie innerhalb des Wiener Gesundheitsverbundes auf nach außen getragene Kritik reagiert: Jedes Schriftl a Gift’l
Unglaublich aber auch, weil vom politisch eingesetzten Patientenanwalt Gerhard Jelinek rezent schon das Problem abgeleugnet wurde (Link) und auch Gesundheitsstadtrat Hacker noch gestern beschwichtigte: Dramatisch ist das falsche Wort, weil wir eine professionelle Hochleistungsorganisation haben. … Dass es bei etwa 30.000 Mitarbeitern Fluktuation gibt und ständig Jobs nicht besetzt sind, ist rein rechnerisch nicht überraschend. (Link)
Danach folgte ein Überwälzen der Verantwortung auf den sogenannten extramuralen Bereich, also alle Kassenordinationen und -ambulanzen, die permanent alle Patienten in den Spitalssektor schieben.

Das schreit nach ein paar Bemerkungen:

Erstens, ist das Problem des Personalmangels in den Wiener Spitälern nicht neu. Vor 20 Jahren hatte der damalige KAV 33.000 Mitarbeiter, jetzt 28.150 und davon fast 2000 unbesetzt. Das Bild ist jedoch trügerisch, weil die deutliche personelle Aufstockung der Generaldirektion und anderer Verwaltungsbereiche zog noch mehr Mitarbeiter vom Primärprozess ab und keiner wird wohl annehmen, dass die Leistungen, die die auch numerisch zurechtgestutzten Spitäler seither erbringen mussten, um ca. 20% gesunken wären.
Der Ruf nach Personal wurde in diesen Jahrzehnten (mit Mithilfe zahlreicher und hoch bezahlter externer Berater) und dauerndem Umschichten von Tätigkeiten zwischen Pflege und Ärzteschaft (Link) erstickt. Unter eifriger Mithilfe der Gewerkschaft (Stichwort Opt-out) wurde alles getan um auch unter geänderten arbeitsrechtlichen Bedingungen weitermachen zu können wie bisher.

Zweitens, ist mir nicht aufgefallen, dass die Stadt in der Vergangenheit ihre politisch gleichfärbigen Gebietskrankenkasse daran erinnert hätte, dass sie für eine funktionierende extramurale Versorgung zu sorgen hat (Wehsely finanziert die Wiener Gebietskrankenkasse und keinen stört’s). Seit die Frau Reischl sich von der WGKK in den ÖGB zurückgezogen hat, ist es natürlich leichter sich mit der Österreichischen Gesundheitskasse anzulegen. Nur gewann ich den Eindruck, dass sich die Stadt Wien, seit es eine LKF-Finanzierung für den ambulanten Bereich gibt, anfänglich gar nicht dagegen gewehrt hat, ihre Ambulatorien aufzufüllen. Auch im absurden Spielchen mit den Primärversorgungszentren (Message Control um das PVE Wien: keine Klagen und der Eingang zum Billa) wurde das als Entlastung der Spitalsambulanzen verkauft während dann die EVAs (=ErstVersorgungsAmbulanzen) aus dem Hut gezaubert:
Als vorgelagerte Einheiten der Kliniken des Wiener Gesundheitsverbundes bieten die EVAs als erste Anlaufstelle eine allgemein-medizinische Erstbegutachtung aller erwachsenen, ambulanten Patient*innen, die ohne Termin ins Spital kommen.
8 von 10 Patient*innen können mit einem Rezept nach Hause entlassen oder in den niedergelassenen Bereich überwiesen werden. Da die EVAs außerhalb der üblichen Ordinationszeiten sowie an Wochenenden und Feiertagen geöffnet sind, stellen sie darüber hinaus eine sinnvolle Ergänzung für den niedergelassenen Bereich dar.
Vielleicht ein gar nicht so schlechtes Konzept, aber wenn da 8/10 der jährlich erwarteten 135.000 Patienten mit einem Rezept versorgt werden können, dann handelt es sich ganz offenkundig um eine Übernahme der extramuralen Versorgung, über die man sich jetzt dann nicht beschweren sollte.

Drittens, stimmt es natürlich, dass der Mangel an Pflege und Ärzten nicht auf die Stadt Wien beschränkt ist und die finanziellen Mittel zwar ausreichen um willfährige Berater aber nicht um 30.000 Mitarbeiter höher zu entlohnen, aber ob jemand in seinem Job bleibt, hängt auch von seiner Motivation und den Umgebungsbedingungen ab.
In meinem eigenen Umfeld erlebe ich fast ausschließlich Mitarbeiter, die vor der Erreichung des gesetzlichen Pensionsalters in den Ruhestand wechseln. Hürden legt ihnen die Stadt Wien/der Gesundheitsverbund nicht in den Weg, ob die entstehenden Lücken gefüllt werden können, fragt ihre Vorgesetzten keiner.
Die Verwaltung unterstützt ihre Führungskräfte in keiner Weise, übergeht sie, nimmt ihnen Sekretariatspersonal weg und quält sie mit sinnlosen angeblich von der MA 2 verlangten bürokratischen Mätzchen.
Die zentralen Stellen kaufen Softwarepakete (KIS, RIS, LIS) ein, die langsam sind, abstürzen und überdies schlecht parametriert werden. Als User steht man dann dem externen Konzern hilflos gegenüber, meldet man Fehler bekommt man vom hilflosen Helpdesk ein „Ticket“, dass dann nach Wochen als gelöst gesetzt wird, ohne, dass es vorher eine Rücksprache mit dem User gab.

Hätte sich die Generaldirektion nicht gegen die im Primärprozess stehenden Mitarbeiter so gut immunisiert und hätte hier noch irgendwer die Hoffnung auf Änderung, kämen die 50 Gefährdungsanzeigen pro Monat und nicht pro Jahr.

Written by medicus58

30. August 2022 at 18:41

Veröffentlicht in Gesundheitssystem

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Warum VdB unwählbar ist, ein Nachschlag

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Ich habe hier schon im Mai 2019, als Bundespräsident Van der Bellen von uns volle Unterstützung für Bundesmaturant Basti auf seinem Weg von schwarz-blau über einer Minderheits- in die tückisch-grüne Regierung verlangte, einige Bemerkungen zusammengestellt.

Auch wenn in diesem Artikel der Link zu dem entlarvenden Auszucken VdB im Duell mit Hofer nicht mehr funktioniert (Highlights hier) , stehe ich zu all den anderen dort angeführten Bausteinen, wie sich VdB von einer integrativen Person der Opposition zu einem Technokraten der Macht entwickelt hat, für den sachlicher Widerspruch Beleidigung ist und der zu einen großen Teil für die Laienspueltruppe verantwortlich ist, die bei den Grünen geblieben und groß geworden ist.

Seit damals hat sich meine Meinung verfestigt. Zu all den Rücktritten und Gesetzespannen dieser Regierung, kein Wort. Zu kritischen Rechnungshofberichten, ORF Karrieren (VdBs Wahlkampfleiter Lockl), Postenschacher und Bundesheer Skandalen, Beschwichtigung und Durchhalteparolen, das war VdB seither.

Wenn ein zu Beginn seiner zweiten Funktionsperiode 79-jähriger seine Wiederkanditatur auf Tik Tok ankündigt, dann mag ihm jemand gesagt haben, dass ihn das jung wirken lässt. Wenn er sich dort zuerst mit seinem Namen vorstellt, um dann ohne Begründung um unsere Stimme zu bitten, hat sich das so weit von einer ernstzunehmenden politischen Position entfernt, dass er dem bunten Haufen seiner Mitbewerber diesbezüglich nichts als ein größeres Wahlbudget voraus hat und die Unterstützung, die sich sich weiterhin von ihm exkulpieren lassen wollen, NICHT SO ZU SEIN.

Das politische Selbstverständnis und Selbsverleugnung von Leuten wie VdB hat Österreich zu dem gemacht was es ist und nicht das

Alles andere als eine Wiederwahl VdB scheint angesichts der rechts-rechten Mitbewerber unwahrscheinlich, aber halt im zweiten Wahlgang auch nicht ausgeschlossen. D.h. werde ich im ersten Wahlgang den ärztlichen Kollege unterstützen, auch wenn ich Wein lieber trinke als Bier.

Written by medicus58

20. August 2022 at 16:42

Es geht schon wieder los: wie Medien uns gaga machen

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Dass Heute sogar ein Symbolbild bemüht, um uns beim Schwitzen zu zeigen ist ja für sich genommen schon absurd, aber die sind dort nicht allein auf dem Bad News are Good News Trip.

Es geht schon wieder los“, warnt auch ORF-Wetterchef Marcus Wadsak auf seinem Twitter-Account.

Allein bei dem Gedanken, dass da schon wieder was los geht treibt einen ins Fieber.

Fix sei jedenfalls: „Es wird wieder heiß“, mit mehr als 30 Grad.

Was mein ganzes bisheriges Leben als für den August als normal gesehen wurde und nur wenn es einmal ausblieb Rudi Carells Schlager Wann wird’s mal wieder richtig Sommer zu etwas Airtime verhalf. Heute zitiert aber weiter den ORF Wetterexperten, der mit nahezu beängstigender Präzision uns unser Ende prophezeit:

Wie heiß genau es wird, darüber herrscht noch Unsicherheit. „Von 25 bis fast 40 alles möglich“, auch wenn letztere Höchstmarke erst ein einziges Mal, im August 2013, erreicht wurde.

Wir lesen nochmals die Überschrift: Bis zu 40 Grad, aber es können halt auch nur 25 Grad sein.

Jenes „berüchtigte Modell„, auf das sich auch viele Wetter-Apps stützen, zeige derzeit den oberen Rand. Und diese „Horror-Variante“ hat es in sich: 39 Grad könnten es in Wien werden, wenige Kilometer weiter ins Wiener Becken hinein und bis ins Südburgenland sind sogar 40 Grad möglich.

Da haben wir sie wieder, die 40 Grad, die den Herrn am Getty Image den Schweiß aus den Poren trieb.

OK, heute waren es in Deutsch-Altenburg 35,8 Grad, ehe es vermutlich für den Rest der Woche wieder abkühlte. Definitiv eine Hitze, die vor Jahrzehnten Carells Schlager zum Ladenhüter gemacht hätte, aber eben ein gutes Stück vom Horrorwert entfernt, den übrigens die „Zeitung“ Österreich“ auch alle zwei Wochen prophezeit.

Hätte man, was der Durchschnittsleser von HEUTE ohnehin nicht vermag, den Artikel ganz gelesen, dann wäre ohnehin Entspannung eingetreten:

Fix damit planen solle man aber noch nicht, so Wadsak – „Ich bitte Sie inständig diese so (noch) nicht zu glauben.“ Sein eigener Wetter-Weitblick geht einstweilen von etwas gemäßigteren Temperaturen aus (siehe oben).

Und da unsere Medien so oder so ähnlich mit allen anderen Problemen umgehen:

Coronakrise, Inflation, Affenpocken, Ukrainekrieg, Migration, Energiekrise

nimmt es einen nicht Wunder, wenn inzwischen Diskussionen regelhaft in Hysterie münden.

Selbstverständlich stellen uns die Veränderungen des Weltklimas, neue Infektionen und alte politische und wirtschaftliche Fehler vor schwierige Herausforderungen, nur frage ich mich immer häufiger, ob unsere Medienmacher nicht schon längst mehr das Problem als die Lösung sind.

Written by medicus58

18. August 2022 at 19:27

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