Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Der freie Beruf Arzt an der Angel der Versicherungen

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Können Sie sich vorstellen, zwar im Rahmen Ihrer Rechtsschutzversicherung einen Rechtsanwalts konsultiert zu haben, dieser aber dann von Ihrer Rechtsschutzversicherung kein Honorar überwiesen bekommt und die Sache damit erledigt ist?
OK, nachdem Sie fertig gelacht haben glauben Sie vielleicht zu wissen was Versicherungen und einen freien Beruf ausmacht.
Vermutlich gehen Sie davon aus, dass die Abgeltung der Leistungen, die Sie von Ihrem Arzt erhielten, durch Ihre Pflichtversicherung oder sogar Privatversicherung ebenso eine Selbstverständlichkeit sein sollte.
Das irren Sie aber gewaltig.

Erinnern Sie sich noch an die Debatte um die Wartezeiten auf CT- und MR-Untersuchungen, auch hier gingen die Krankenpflichtversicherungen davon aus, dass sie jedem Institut eine maximale Anzahl von Untersuchungen („Deckel“) abgelten zu können und zusätzliche Untersuchungen im Quartal halt unentgeltlich durchgeführt werden müssen, weil man Patienten ja nicht warten lassen kann.
Die Privaten Krankenversicherungen verweigern seit Jahrzehnten rund 20% (exakte Zahlen sind schwer zu bekommen) der eingereichten Rechnungen und warten darauf, dass in den Schlichtungsstellen, die gemeinsam mit der Ärztekammer betrieben werden der Beweis geführt wird, dass die erbrachte Leistung unumgänglich im Zusammenhang mit dem stationären Aufenthalt erbracht werden musste. (Im Klartext wird darüber gestritten, ob sich der Herzinfarktpatient seinen zufällig jetzt entdeckten Fußpilz nicht auch nach der Entlassung vom Hausarzt behandeln lassen könnte.)

Wer bis jetzt glaubte, dass sowas nur hier bei uns in Bagdad passieren kann, wird augenblicklich auf einem deutschen Ärzteportal eines Besseren belehrt. Ärzte für erbrachte Leistungen nicht zu bezahlen, hat System:

Ich bekam gestern einen Brief der KV- Abrechnungsstelle, in dem mir mitgeteilt wurde, daß sie alle meine DMP-Ziffern „im Wege der sachlich-rechnerischen Richtigstellung“ gestrichen haben. Grund: Angeblich läge keine Dokumentation von der DAVASO Datenstelle vor. Meine Abrechnungsauswertung für 3/2017 kam in einem anderen Umschlag mit gleicher Post, und tatsächlich war keine DMP-Ziffer enthalten. Wer hat so etwas schon erlebt? Was tun?

Ich bin total sauer, weil ich der Meinung bin, daß die KV-Mitarbeiter, welche die Abrechnung bearbeiten, verpflichtet sein sollten, bei der DAVASO und bei mir nachzuhaken, sobald sie merken, daß ein Nachweis fehlt – und nicht einfach kommentarlos streichen und 1/4 Jahr später vor vollendete Tatsachen stellen! Denn jetzt wäre die Frist für eine Nachmeldung an die DAVASO verstrichen (zum Glück habe ich den E-Mail-Versand-Nachweis, daß ich die Dateien ich fristgerecht versendet hatte).

Den Spass hatte ich in leicht modifizierter Form auch schon mal … die Dokumentationen im betreffenden Quartal angelegt, abgerechnet am Anfang des Folgequartals mit aktuellem Tagesdatum.
Die Datenverarbeitungsstelle hat dann sowohl diese als auch die Dokumentationen des Folgequartals automatisiert dem Folgequartal zugeordnet trotz des widersprechenden Erstelldatums.
Ich muss allerdings zugeben, dass ich damals die schriftlichen Rückmeldungen der Datenverarbeitungsstelle auch nicht lückenlos „Studiert“ habe 🙂
Da ist das fehlende Honorar ja nicht die einzige Misslichkeit, u.U. würden in ungünstigen Konstellationen Patientenauch ausgeschrieben werden etc.
Da offensichtlich ein softwaretechnischer Fehler seitens der Datenverarbeitungsstelle grundlegend war, habe ich trotz anfänglicher „Hartleibigkeit“ der dortigen Angestellten mit zwei oder drei „burschikosen“ Telefonaten das Problem aus der Welt gebracht … das geht aber nur durch konsequenten Einsatz der drei folgenden Strategien:
1. ärztliche Arroganz
2. ärztliche Arroganz und letztlich
3. ärztliche Arroganz!
Eventuell muss man da vorher ein wenig üben … 🙂

Written by medicus58

30. Januar 2018 um 23:33

Veröffentlicht in Gesundheitssystem

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