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Föderalismus und Kammern, das unselige Pärchen Teil 2 oder deren Selbsthilfe

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Im Dezember des Vorjahres habe ich unter Föderalismus und Kammern, das unselige Pärchen schrieb ich hier (fast prophetisch angesichts aktueller Ereignisse):
Höchstwahrscheinlich wird bei Basti & Bumsti nur wieder eine Umfärbung der Machtstrukturenrauskommen, weil sich sonst beide innerhalb ihrer Parteien nicht lange halten werden, aber der scheinbar versuchte Anschlag auf das nach dem Almdudler-Logo beliebteste österreichische Trachtenpärchen, Föderalismus und Kammerstaat, hätte das Zeug zu wirklicher Veränderung. 

Während inzwischen die Umfärbungen auch schon beim Koalitionspartner (Stichwort BVT) angekommen sind, kämpfen die Föderalisten weiterhin ungeniert um den Machterhalt in ihren Pfründen. Kaum irgendein halbwegs volkswirtschaftlich und gesundheitsökonomisch denkender Mensch bezweifelt, dass die Aufsplitterung der Kräfte (Player und Finanziers) im österr. Gesundheitssystems einen der größten Ressourcenfresser darstellt, der einerseits verhindert, dass das nicht unbeträchtliche Geld, das ins System fließt nicht „an der Front“, bei den Patienten und ihren Behandlern, ankommt und eine Zusammenführung von Budgetzuteilung und Verantwortung in einer Hand nicht Not täte.

Trotzdem bildete sich in Oberösterreich erneut eine Allianz zwischen OÖ-Gebietskrankenkasse und OÖ-Ärztekammer, sowie dem OÖ Dachverband der Selbsthilfegruppen (!), um sich medienwirskam gegen die geplanten Zusammenlegungen der neun Gebietskrankenkassen auszusprechen.
Ja zur OÖGKK! wurde seit Jahresbeginn von mehr als 74.000 Menschen unterzeichnet!
Nix gegen das ebenfalls von Ärztekammern mit initiierte Don’t smoke  aber genug, um es an die zuständige Ministerin zu übergeben. 

Da schwadroniert der Kassen-Obmann von einer „Entmündigung der Versicherten“, wenn sein Posten gefährdet wird, und vergleicht das Vorhaben drastisch mit: „Das wäre, wie wenn man bei einem gesunden Menschen eine Herz-OP durchführt“.

Da warnt der Stv. Kammer-Obmann, der befürchtet das Machtinstrument der Honorarverhandlung zu verlieren, dass eine Zentralisierung der Kassen „jeden Anreiz erstickt, das Gesundheitssystem im Sinne der Patienten weiter zu denken – und zwar auf einen Schlag für ganz Österreich“

Weshalb sich das Selbsthilfegruppen instrumentalisieren lassen, die es doch besser wissen sollten, dass der POAtient Gesundheitssystem weder kardial noch sonst so gesund ist, kann ich mir nicht erklären, es sei denn sie sind auf das in den OÖN (Ausgabe 13.3.)  genannte Argument reingefallen: Im Falle einer Zusammenlegung würden große Teile des Budgets nach Wien abfließen.
Oder wie es auf der Plattform der Organisatoren heißt:
Hände weg von meiner OÖGKK! Hände weg von den Rücklagen und Beiträgen der OÖGKK-Versicherten.
Die Politik will eine Zerschlagung der Krankenkassen und eine Zentralisierung in Wien.

PR-technisch
gut gemacht wird die Nachricht sowohl in der Marginalspalte von OÖ Heute als auch – natürlich gleich einmal mit markigen Balken – im OÖ Österreich verstärkt:
Zehntausende erheben ihre Stimme
Klares »Nein« zur Fusion der Krankenkassen
Zehntausende Versicherte und Patienten, aber auch Ärzte, Therapeuten und Unternehmen erheben ihre
Stimme zur Kassenfusion.
Das verdient Gehör.

Morgen geifert die Presse dann wieder angesichts endloser Wartezeiten, herumirrender Patienten und einem undurchsichtigen Kompetenz-Dschungel über die fehlende Koordinierung.

Vielleicht sollten wir uns einmal mit der Selbsthilfe im Österreichischen Gesundheitssystem näher befassen?!

Der aktuelle Obmann von Selbsthilfe OÖ ist übrigens lt CV aus 2005 und Wikipedia:
seit November 1990 Mitarbeiter der OÖ  Gebietskrankenkasse
wo er an der Organisationsanalyse und -entwicklungskonzept Gebietskrankenkasse 2000 mitarbeitete und
seit 1995 Stellvertretender Direktor der OÖ Gebietskrankenkasse-
Ab 1998 fungierte er als Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Gesundheitswissenschaften und Public Health und als Vizepräsident des Instituts für Gesundheitsplanung.
Seit 2006 Vorstandsvorsitzender der Selbsthilfe Oberösterreich – Dachverband der Selbsthilfegruppen im Gesundheitswesen.
2011 hat er im Mabuse Verlag (Sic) für ein solidarisches Gesundheitssystem ein Buch mit dem Titel Selbsthilfe im Wandel der Zeit herausgegeben.

Ob die betroffenen PatientInnen, der OÖ Selbsthilfeverband vertritt nach eigenen Angaben derzeit zirka 400 Selbsthilfegruppen in OÖ, zu Ihrer Instrumentalisierung für den Machterhalt von Gebietskrankenkasse und Landesärztekammer jemals befragt wurden? Und weshalb thematisiert kein Journalist, dass die Selbsthilfe OÖ neben dem Land Oberösterreich, dem Magistrat der Stadt Linz auch von der Oberösterreichischen Gebietskrankenkasse finanziell unterstützt wird ….

Gut versorgt: Ambulanzsperren

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Wäre doch einmal ein guter Aufhänger für einer der TV-Konfrontationen im laufenden Wahlkampf in Sachen Primärversorgung.
Dass immer mehr Spitalsambulanzen und ganze Abteilungen in öffentlichen Krankenanstalten gesperrt werden hat sich zum Normalzustand herausgemausert. Dass es Schwächen in den Ordinations-Öffnungszeiten gibt, kann auch nicht abgeleugnet werden. Der politische Spin wird dann so gedreht, das die Einzelordination einfach nicht mehr zeitgemäß ist, die Ärzte halt auch nicht mehr 24/7 spuren und von Work-Life-Balance träumen und man folgerichtig größere Strukturen benötigt, um die Patienten zu versorgen. Es lebe die Primärversorgung und ihr Gesetz!

Wie vorbildlich das aber die Wiener Gebietskrankenkase hinbekommt, können Sie gerne auf https://www.sozialversicherung.at/portal27/wgkkgeportal/contentPrint? überprüfen.

<Irony off >

Link: #NRW17 So unauffällig verschwiegen, dass es völlig untergeht.

Written by medicus58

27. September 2017 at 18:38

WGKK nur ned hudln

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Im Juni 2011 schickt die Wiener Gebietskrankenkasse einer Versicherten einen Erlagschein und fordert sie damit erstmals auf, die Kostenbeteiligung (10 €) an zwei Krankentransporten aus dem Februar 2010 (!) zu begeichen.

Ich frage mich, was man von all den immer wieder veröffentlichten Horrormeldungen über die Defizitte der WGKK, aber auch von den immer wieder vermeldeten Überschüssen eigentlich halten kann, wenn die Buchhaltung für die Vorschreibung von 10 € sechzehn (16!) Monate benötigt?

2007: WGKK ist laut Obmann Bittner zahlungsunfähig http://www.krone.at/Oesterreich/WGKK_ist_laut_Obmann_Bittner_zahlungsunfaehig2008-Wir_sind_pleite!-Story-84771

2008: WGKK: 140,6 Millionen Euro Defizit http://kurier.at/nachrichten/115150.php

2009: WGKK steht 2009 erneut vor der Pleite http://derstandard.at/3409132

2011: Alle GKKs im Plus, am größten jener der Wiener GKK mit 59,8 Mio. http://oesterreich.orf.at/stories/499036/

Written by medicus58

16. Februar 2012 at 18:34

WGKK nur ned hudln

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Im Juni 2011 schickt die Wiener Gebietskrankenkasse einer Versicherten einen Erlagschein und fordert sie damit erstmals auf, die Kostenbeteiligung (10 €) an zwei Krankentransporten aus dem Februar 2010 (!) zu begeichen.

Ich frage mich, was man von all den immer wieder veröffentlichten Horrormeldungen über die Defizitte der WGKK, aber auch von den immer wieder vermeldeten Überschüssen eigentlich halten kann, wenn die Buchhaltung für die Vorschreibung von 10 € sechzehn (16!) Monate benötigt?

2007: WGKK ist laut Obmann Bittner zahlungsunfähig
http://www.krone.at/Oesterreich/WGKK_ist_laut_Obmann_Bittner_zahlungsunfaehig2008-Wir_sind_pleite!-Story-84771
2008: WGKK: 140,6 Millionen Euro Defizit
http://kurier.at/nachrichten/115150.php
2009: WGKK steht 2009 erneut vor der Pleite
http://derstandard.at/3409132
2011: Alle GKKs im Plus, am größten jener der Wiener GKK mit 59,8 Mio.
http://oesterreich.orf.at/stories/499036/

Written by medicus58

20. Juni 2011 at 13:33

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