Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Archive for Mai 2014

Health Literacy auf brutal oder alles war schon einmal da …

leave a comment »


Keine Gesundheitsreform der letzten Jahre kommt ohne die Forderung nach Health Literacy aus.

Eingedeutscht spricht man gerne von Gesundheitskompetenz, also der Fähigkeit des Einzelnen gesundheitsrelevante Anweisungen und gegebene Informationen zu bekommen, sinnverstehend zu lesen und danach Entscheidungen zu treffen, die sich positiv auf die Gesundheit auswirken.

Gemeinsam mit einer Vorsorgemedizin, also dem Versprechen durch geeignete Maßnahmen Krankheiten entweder nicht auftreten zu lassen oder so rechtzeitig zu erkennen und behandeln zu können, dass größere „Schäden“ vermieden wird, soll eine Steigerung der Health Literacy enorme Einsparungen im Gesundheitssystem bringen, wobei die Evidenz m.E. für beide Ansätze noch etwas dürftig ist, egal.

Noch vor seiner Wiederwahl hat das EU Parlament in diesem Sinne beschlossen, dass Rauchern, die trotz der schon länger verwendeten drohenden Aufschriften nicht von ihrem Laster abließen, nun mit abschreckenden pathologischen Bildern der Glimmstängel abgewöhnt werden soll.
http://www.bild.de/ratgeber/gesundheit/rauchen/eu-parlament-stimmt-ueber-schockbilder-auf-zigaretten-packungen-ab-34845154.bild.html

Jetzt soll hier gar nicht die alte Platte vom „Selbstbestimmungsrecht“ abgespielt werden, denn natürlich ist wäre ein Lebenstil wünschenswert, der das Auftreten vermeidbarer Erkrankungen verhindert, aber ich bezweifle, dass dies bei so multifaktoriellen Prozessen durch das Drehen an einer einzigen Schraube funktionieren wird.
Viele von uns verhalten sich trotz besseren Wissens wenig gesundheitsfördernd, weil eben andere Faktoren (Überlastung, Frustration, Fehlen anderer Belohnungsroutinen, …. ) überwiegen und ich bezweifle, dass dieses Dilemma durch noch „brutalere Aufklärung“ zu lösen ist.

Mich erinnert das an eine chinesische Wandzeitung, die ich vor über einem Vierteljahrhundert immerhin in Qufu, der Geburtsstadt des Großen Konfuzius (http://de.wikipedia.org/wiki/Konfuzius) bemerkte.
Sehr viel brutaler lässt sich nicht für die Einhaltung geltender Verkehrsregeln wohl kaum werben.

Thailand: und dann gab es wieder einen Militärputsch

leave a comment »


Thailand zählt nicht gerade zu meinen vordringlichsten Interessensgebieten, so dass ich mir nicht anmaßen möchte, die augenblicklichen politischen Entwicklungen zu kommentieren.

Das Unverständnis vieller westlicher Reporter,weshalb sich die Bevölkerung offenbar gar nicht so Ich erinnere mich nur an meinen Aufenthalt 1985 und eine mögliche Erklärung dafür, weshalb die Bevölkerung den aktuelen Putsch mit gelassener Ruhe hinzunehmen scheint.

Am letzten Abend vor meiner Abreise aus Bangkok in den Norden, um dort das „Goldene Dreieck“ zu bewandern, davon vielleicht einmal später, wurde ich durch metallische Geräusche geweckt, die von der Straße herzukommen schienen. Als ich aus dem Fenster in die mäßig gut beleuchtete Straße blickte, sah ich eine Reihe gepanzerter Fahrzeuge vorbeifahren. Da sich niemand sonst für das Ereignis zu interessieren schien, setzte ich meinen Schlaf fort.
Erst im Norden verkündeten die thailandischen Medien, dass es sich dabei um einen erneuten Militärputsch gehandelt hätte und das einzige Opfer ein ein ausländischer Journalist war, der bei einem kurzen Schusswechsel nicht in Deckung gegangen war.

Den historischen Hintergund erfuhr ich erst später. Schon am 1. Apr. 1981 scheiterte ein Putschversuch der sogenannten „Jungtürken“ (April Fool’s coup), einer Gruppe der Chulachomklao-Militärakademie. Am 9. Sep. 1985 versuchte diese Gruppe erneut die Regierung Prem zu stürzen, jedoch verweigerten Infanteriedivisionen, mit deren Unterstützung die Putschisten gerechnet haben, ihre Teilnahme und nach 10-stündigen Verhandlungen war auch dieser Putschversuch, nicht zuletzt durch mahnende Worte des Königs, zu Ende.

Diesmal scheint aber der König jedoch auf Seiten der Putschisten zu stehen.
http://diepresse.com/home/politik/aussenpolitik/3810723/Thailand_Abgesetzte-Premierministerin-Yingluck-verhaftet


Zumindest 1985 beendeten die thailändischen Nachrichtensprecher ihre Sendung mit einer tiefen Verbeugung.

Written by medicus58

25. Mai 2014 at 10:08

Master-Betriebsorganisation im KAV: Da fährt die Eisenbahn drüber

leave a comment »


Master

Seit Tagen lacht die Welt über Frankreich, weil die von der staatlichen Eisenbahngesellschaft (SNCF) bestellten 2.000 neue Züge im Wert von 15 Milliarden Euro für einige Bahnhöfe etwas zu breit sind und nun die Bahnsteige für 50 Millionen Euro verkürzt werden müssen.

Wie in vielen Ländern wurde auch in Frankreich der EU Forderung nach allgemeiner Liberalisierung nachgegeben und getrennte Betreiber für Schienennetze (RFF) und Züge (SNCF) eingerichtet. Vielleicht auch durch diesen Flopp beschleunigt wird 2015 diese trennung wieder aufgehoben und Schienennetz und Betrieb einheitlich geführt werden, damit das Wissen um die Spurbreite der Züge und die Maße der Bahnsteige wieder in einer Hand ist.
http://orf.at/stories/2230836/2230837/

Jetzt fragen Sie sich vielleicht, weshalb sich dieser Beitrag, der in den Medien ohnehin rauf- und runtergeorgelt wurde, in der Rubrik „Österr. Gesundheitssystem“ findet?

Ganz einfach. Im Wiener krankenanstaltenverbunf (KAV) zirkuliert derzeit der seit Monaten erstellte Entwurf einer Master-Betriebsorganisation für alle KAV -Spitäler der als einen der wesentlichen „Betriebsorganisatorische Ansätze im Stationären Bereich“ eine

Trennung von organisatorischer und fachlicher Leitung

vorsieht. Konkret soll die ärztliche Führungskräft sich um die PatientInnenbehandlung kümmern und die „Verantwortung für das medizinische Outcome, die Ressourceninanspruchnahme und das wirtschaftliche Ergebnis“ behalten, die „stationären (Support)Bereiche“ übernehmen die Pflegeleitungen, die „den Fachabteilungen definierte Leistungsbündel in vereinbarter Qualität zur Verfügung (z.B. Ressourcen wie Betten-, Raum- und Gerätekapazität aber auch Leistungen wie z.B. Pflegeleistungen)“ stellen.

Also eigentlich genau das Managementkonzept, dessen Effizienz wir derzeit bei der Französischen Eisenbahn bewundern durften:
Ich trenne einen hoch interdependenten Prozess auf zwei unabhängige Verantwortungsträger auf, die unterschiedliche Zielvorgaben und Verantwortlichkeiten haben und bürde ihnen in einen zusätzlichen Abstimmungsprozess auf.

 Da sage noch einer, wir lernen aus den Fehlern der Vergangenheit.

Wie sich die Medunis auf Kosten der öffentlichen Spitäler abbürsten

with 3 comments


KPJ

Unter KPJ und so weiter: Das Chaos der Ärzteausbildung http://wp.me/p1kfuX-GQ habe ich bereits im September 2013 darauf hingewiesen, dass für das letzte Jahr der studentischen Ausbildung, eben das KlinischPraktischeJahr nicht im Hörsaal sondern einem wirklichen Spital, keinerlei organisatorische Grundlagen geschaffen wurden. Interne Berechnungen haben ergeben, dass das pro Jahr und Student den Spitalsträgern Kosten von 10.000-12.000 € anfallen.

In den Onlineforen wird augenblicklich polemisiert, dass man eigentlich den jungen Studenten noch was zahlen sollte, weil sie doch im Betrieb „mitarbeiten“. Das hat durchaus etwas für sich, wenn man den Vergleich mit „Schwesternschülerinnen“ oder „Lehrbuben“ heranzieht.
Andererseits benötigt dieser Strom an Studenten eine Organisation, also ein Sekretarit, zusätzliche Spinde und Garderoben und zusätzliche Dienstwäsche. Letztlich haben die Medunis ein ausführliches Lehrzielheft erstellt, von dem sie verlangen, dass nach diesem die Studenten ausgebildet werden sollen.
Mit anderen Worten hat man die Lehre, die eigentlich Aufgabe der Universitäten wäre, für ein ganzes Jahr einfach an das ärztliche Personal der Krankenhäuser ausgelagert.
Abgesehen davon, dass man in einer Zeit der überbordenden Qualitätssicherung, wo wir SOPs für Alles und Jedes verlangen, sich nicht darum kümmert, ob denn die Spitalsärzte auch dieerforderlichen didaktischen Fähigkeiten zur Lehre haben, scheint man auch keinen Gedanken daran zu verschwenden, dass die meisten schon jetzt in der Routine ersticken, d.h. selbst bei Wollen und Fähigkeiten zur Lehre, oft nicht die Zeit haben werden, neben Turnusärzten und Assistenzärzten, nun auch die KPJ Studenten anzuleiten.
Die Med-Uni Graz zahlt den steirischen Spitälern übrigens 4500 Euro pro Studierenden im KPJ, die größte Meduni des Landes, die Meduni Wien, will das gratis.
Nachdem der GD-Stv des KAV zuerst auf hart gespielt hat, berichten jetzt die Medien von einem typisch österreichischen Deal, nämlich, dass man heuer ab 1.August einmal loslegt und danach die Finanzverhandlungen führt.

Man glaubt in diesem Land, dass man dem Gesundheitssystem einfach alles aufbürden kann, weil wir uns dort ohnehin nur hochbezahlt langweilen.

Links:

http://derstandard.at/2000001469073/Spitaeler-wollen-Medizin-Praktika-vorfinanzieren
http://derstandard.at/2000001430449/Ausweg-fuer-Medizinpraktika

Written by medicus58

22. Mai 2014 at 19:25

Blaumilchkanal oder Schildbürger auf der Mahü

leave a comment »


Vielleicht erinnern Sie sich noch, dass ich am 15.8.2013 unter 

Maria, hilf: Ein Augenschein auf der Mahü http://wp.me/p1kfuX-FB
u.a. darüber meuterte, dass “G’scheit” und sicher von langer Hand “geplant” die Markierungen für die Schrägparker Schottenfeldgasse/Mariahilferstrasse an Stellen angebracht wurden, wo vor gar nicht langer Zeit eigentlich Fahrradständer in den Asphalt versenkt wurden.

Schrägparker_Radständer

Am 14.10.2013 habe ich dann unter
MaHü: Learning by doing http://wp.me/p1kfuX-Hz berichtet, dass im mindestens dritten Anlauf zwei Radständer aus der PKW Zone entfernt und vor den anderen Radständern in den Asphalt gebohrt wurden.

Nach der Mahü-Befragung habe ich mir eigentlich vorgenommen, dieses Thema nicht mehr anzusprechen, aber die aktuellen Ereignisse ließen mich meinen Vorsatz brechen:
Wie auf dem Foto deutlich zu erkennen ist, wurden nun sowohl Fahrradständer als auch die mehrfach umgepinselten Bodenmarkierungen weggefräst. 

Mahü Foot Locker small

So wie schon angesichts des verwirrenden Schilderwalds (Schilder in Schilda: Neues von der Mahü http://wp.me/p1kfuX-G6) angemerkt, denkt man bei diesen Maßnahmen unweigerlich an die Bürger von Schilda, auch wenn die augenblicklichen Grabungsarbeiten eher anEphraim Kishons Blaumilchkanal (http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Blaumilchkanal) erinnern.

Jedenfalls wird langsam klar, weshalb sich die Kosten des Projekts auf geplante 25 Millionen Euro belaufen (http://www.dialog-mariahilferstrasse.at/faq/).
Aber einen Teil der Kosten bekommt der Bezirk ja wieder dadurch herein, dass in diesem Abschnitt der Schottenfeldgasse kürzlich drei(DREI!!) Schanigärten aufgestellt wurden (Hurra, die Schanigärten werden aufgestellt http://wp.me/p1kfuX-Nn), von denen nun die Gäste ganz entspannt dem schweren Gerät zusehen können, das eben Aufgestelltes wieder platt macht.

Written by medicus58

20. Mai 2014 at 17:56

8:1 im Match Wunsch : Realität

leave a comment »


Arzt

Am 4. Juli werden sich 12.600 Bewerber um die 1.560 Studienplätze an den Medizinischen Universitäten Wien, Graz, Innsbruck und (LOL) Linz bewerben.

Das heisst also, dass der Berufswunsch Mediziner zu werden achtmal stärker ist, als der Realitätscheck, der zeigt, dass

den erfolgreichen Bewerbern ein eher chaotisches Studiumbevorsteht (siehe die noch immer fehlenden Vereinbarungen zwischen medizinischer Fakultät über das letzte Studienjahr (http://oe1.orf.at/artikel/375188)

Seit Jahren wird zwischen Kammer und Bundesministerium erfolglos über die Finanzierung der postpromotienelle Berufsausbildung (Stichwort: Lehrpraxis) diskutiert.

Auch dass das Berufsbild des Arztes als  freier Beruf nur mehr auf dem Papier existiert, bzw. zwar die Nachteile weiterbestehen, wir z.B. die Zwangsmitgliedschaft in einer teuren Standesvertretung (Ärztekammer) und einem ebenso teuren wie wenig suffizienten Versicherungssystem (Wohlfahrtsfond), lässt die Bewerber nicht zurückschrecken.

Vielleicht spekulieren sie ohnehin alle damit, sich nach der Ausbildung in das EU Ausland abzusetzen. Jedoch existieren da für viele Fachrichtungen eine Reihe praktischer Hürden. Innerhalb der EU exitieren z.B. 54 verschiedene Fachrichtungen, jedoch nur 18 davon sind in allen Ländern vertreten. Ein habilitierter und wissenschaftlich angesehener Endokrinologe musste z.B. bei seiner Berufung nach Deutschland die Facharztprüfung nachholen.

Letztendlich vollzieht sich – auch für viele Ärzte – weitgehend unbemerkt eine Entwicklung, die eine Reihe von dzt. Ärzten vorbehaltene Tätigkeiten an Pflege oder sogar an Lehrberufe delegiert.

Über die „operierenden Krankenschwestern“ haben wir schon berichtet (Was sich der Stöger hier wieder erlaubt hat … http://wp.me/p1kfuX-GM). Fragen Sie einmal ihren Augen- oder Ohrenarzt, was er davon denkt, dass allabendlich Herr Hartlauer im TV dafür wirbt sich seine Brillen oder Hörgeräte unter Umgehung dieser Fachrichtungen „von seinen Experten“ anpassen zu lassen. Natürlich geht es dau auch ums Geld, aber letztendlich gehen wir alle unseren Berufen nach, weil wir die Miete bezahlen müssen.

Verstehen Sie mich nicht falsch.
Als ich mit dem Medizinstudium begonnen habe, drohten mir mindestens vier Jahre „Taxifahren“, ehe in Wien eine Turnusstelle in Aussicht kam.
Ich bin auch weiterhin der festen Meinung, dass jeder, der sich für einen bestimmten Beruf wirklich interessiert, diesen entgegen aller Unkenrufe anstreben soll.
Über die falschen Unkenrufe zum Thema Ärztemangel, habe ich mich auch hier schon oft aufgeregt (Ärzteschwemme – Ärztemangel, aber geh … alles eine Tochter der Zeit http://wp.me/p1kfuX-Q).

Mich wundert nur, das sich all die – inzwischen auch in den Medien diskutierten – Entwicklungen des Arztberufes so wenige abzuhalten scheinen, sich um die Ausbildungsplätze zu balgen.

Aber vielleicht ist die Antwort viel einfacher.
Erstens ist der Beruf des Arztes einfach bekannt und
zweitens fehlt vielleicht vielen einen anderer Perspektive.

Weitere Links:
Die Diskussion über Ärztemangel nervt http://wp.me/p1kfuX-Bv
Ärztemangel und Dr. Frankenstein http://wp.me/p1kfuX-yt

Kriminelle und Juristen verarschen uns die Welt

leave a comment »


Juwelier

Heute betrat ich ein Uhren- und Juwelenfachgeschäft, um die Batterie meiner Armbanduhr fachmännisch wechseln zu lassen, so wie ich es mit dem guten Stück schon viele Jahre zu tun pflege. Nein, am Service der Firma hatte ich nichts auszusetzen, vielmehr bewegten mich zwei an sich banale Beobachtungen dazu, zum Keyboard zu greifen:

Erstens begrüßte mich am Eingang wie schon in den vergangenen Jahren ein Securitas Mitarbeiter mit fließenden Russischkenntnissen und gefülltem Pistolenhalfter. Kein Wunder bei den häufigen Überfällen auf vergleichbare Geschäfte dieser Branche. Ein kleinerer Laden in der selben Strasse, den ich vor Monaten zu betreten versuchte um einen dort gekauften Ring ändern zu lassen, hatte überhaupt die Türe verschlossen und die einzige Mitarbeiterin des Ladens, drehte erst den Schlüssel um, als sie sich durch Gesichtskontrolle sicher glaubte, dass ich ihr keine überziehen wollte.

Zweitens musste ich bei Übergabe meiner Uhr extra unterschreiben, dass ich das Geschäft explizit authorisierte, meinen Prater(=umgangssprachlich in Wien für Armbanduhr) aufschrauben zu dürfen. Ich bekam zwar keine Bestätigung, in die Hand, dass ich das -ehemals nicht ganz billige – Stück aus der Hand gegeben habe, was mir nicht so wichtig war, weil ich dem Geschäft eben seit Jahren vertaue, aber irgendein Rechtsgelehrter verlangt offenbar von einem Uhrmacher diesen unsinnigen Nachweis.
Mir erschließt sich jedoch keine Möglichkeit eine Batterie zu tauschen, ohne das Gehäuse der Uhr zu öffnen. Für mich ergäbe sich diese Berechtigung implizit aus der Formulierung des Auftrages, viel deutlicher noch als die – ebenfalls von einem kranken Rechtsverständnis getriebenen Hinweise, sein Meerschwein nicht in der Mikrowelle trocknen zu dürfen oder den Haarfön nicht gegen die Badeente zu tauschen.

Und wie, können Sie, sollten Sie bisher weitergelesen haben, fragen, passen die beiden Beobachtungen zusammen und gerade in diese Kolumne dieses Blogs?

In beiden Fällen fühle ich mich von kranken Kräften in meinem Umfeld zu Handlungen gezwungen, die mir widersinnig, absurd, nachgeradezu entwürdigend vorkommen.

Als ich, z.B. in Ciudad del Este, Paraguay, sah, dass dort jede Bank und jedes Geschäft von Bewaffneten bewacht wird, war das in Wien noch undenkbar.

Als ich, z.B. bei der Einreise in die USA, mich noch wunderte, welche absurde Fragen vor der Einreiseerlaubnis beantwortet werden mussten, trieb bei uns die Bürokratie zwar auch schon wirre Blüten, jedoch ersparte man sich noch derartige Unsinnigkeiten, man möge gefälligst angeben, ob man in der geheimen Absicht einzureisen wünschte, den Präsidenten des Landes umzubringen. Logisch gehört das für mich in die Rubrik:
„Wer nicht da ist, der möge die Hand heben!“ 

In einem Fall zwingen uns Kriminelle im anderen Fall Juristen eine Umwelt auf, die mir zutiefst zuwider ist und deren innere Notwendigkeit sich erst durch das Auftreten der jeweiligen Gruppierungen ergeben hat.

Written by medicus58

17. Mai 2014 at 13:49

Meine Paranoia mit der Spitals-EDV oder wenn alles steht, geht’s weiter wie bisher

leave a comment »


EDV down

In diesem Blog finden Sie schon eine so lange Liste, in denen die EDV/ IT Probleme in der Medizin beleuchtet werden, dass ich mir langsam Sorgen mache, ob es sich hier nicht um eine gefährliche Obsession meinerseits handelt. Schließlich scheint sich ja außer mir keiner mit dem Problem medial zu beschäftigen.

Am 14.5.2014 kam es wienweit in den Spitälern des Wiener Krankenanstaltenverbundes zu einem etwa zwei Stunden anhaltenden Totalausfall der netzwerkabhängigen EDV Systeme. 
Kürzlich administrierte Patienten verschwanden aus dem System,
im Zentrallabor trafen Blutproben ohne elektronischer Anforderung ein,
so dass unklar war, was denn eigentlich bestimmt werden sollte,
Drucker konnten nicht angesprochen werden, …

Bis zur völligen Wiederherstellung waren zwar nicht alle Systeme dauerhaft ausgefallen, manchmal funktionierten Teile wieder, nur um kurz darauf wieder auszufallen, jedoch bedeutete dieser Ausfall in einem Betrieb, der inzwischen alle seine Prozesse (Zuweisungen, Befundungen, Patiententransport, OP-Management, …) von seinen insuffizienten EDV-Systemen abhängig gemacht hat, eine massive Behinderung der Patientenversorgung.

Informationen über diesen Vorfall wurden von der zuständigen Abteilung (KAV-IT) weder intern noch nach außen weitergegeben, so dass es naturgemäß zu keiner öffentlichen Wahrnehmung und somit zu keiner Diskussion dieser Probleme kommt. Bedenken Sie dies bitte, ehe sie mir die ICD-10-CM F60.0 Paranoide Persönlichkeitsstörung anhängen …

16.2.2012 Pressestunde: Salon ELGA 
http://wp.me/p1kfuX-9g

10.5.2012 VI Control-Alt-Delete : Be patient, patient. 
http://wp.me/p1kfuX-hl

11.5.2012 Männchen oder Weibchen? An alle ELGA Fans
http://wp.me/p1kfuX-hp

25.5.2012 MED 2.0 Facebook for the insane
http://wp.me/p1kfuX-iK

25.10.2012 Risikofaktor medizinische Informatik
http://wp.me/p1kfuX-uw

8.11.2012 EDV: Supergau im KAV
http://wp.me/p1kfuX-vj

8.12.2012 Nervt die EDV nur oder will sie uns was sagen
http://wp.me/p1kfuX-x7

15.3.2013 KAV-IT: Die Problemverursacher übernehmen die Macht
http://wp.me/p1kfuX-B4

13.11.2013 Kunstfehler waren gestern, heute haben wir die EDV
http://wp.me/p1kfuX-Iz

12.2.2014 Die Überraschungseier der Krankenhaus EDV
http://wp.me/p1kfuX-L5

7.3.2014 Before we have been so rudely interupted
http://wp.me/p1kfuX-Lv

19.3.2014 Software kann auch töten
http://wp.me/p1kfuX-LR

25.4.2014 Da mir Minister Stöger kein Interview zu ELGA gibt
http://wp.me/p1kfuX-N2

Written by medicus58

16. Mai 2014 at 07:00

Oral Sex mit Conchita am Life Ball

with one comment


Conchita Kopie

 Lassen Sie mich vorausschicken, dass ich das „Produkt Conchita Wurst„, also das Styling, den Song, seine Interpretation und die TV Regie des dänischen Fernsehens sehr gut finde und die mir in den Medien entgegentretende „Person Neuwirth“ als sympathisch und intelligent finde.

Ich wollte eigentlich mir meinen Senf zu der hin und herumwogenden Wurstdebatte ersparen, weil ich wusste, dass auch ich (quot erat demonstarndum) mich nicht all dieser halblustigen Formulierungen enthalten werden können, die inzwischen grassieren, jedoch hätte ich gerne ein paar Antworten auf folgende Fragen:

Erstens, glaubt irgendwer, dass ein Statement, so gut es auch sein mag, in einem Forum, dass so wenig mit dem wirklichen, d.h. rein statistisch um so viel häufiger stattfindenden, Leben zu tun hat, wie der Eurovisionssongcontest oder der Life Ball, irgendeinen Einfluss auf die Bewußtseinsbildung zu tun hat?
Die philosophischen und beletristischen Bibliotheken sind seit Jahrhunderten ebenso prall gefüllt mit humanistischen Statements, wie die Klein- und Großkunstbühnen dieser Welt, ohne dass sich ein nachhaltiger Effekt eingestellt hat. Verstehen Sie mich richtig, natürlich hat sich unser Menschenbild, vielleicht auch auf Basis dieser Statements geändert, aber nicht sofort, nicht durch einen einzigen Auftritt und (dies geht in Richtung der Life Ball Veranstalter) durch Provokation.

Zweitens sollte die Diskussion darüber abgeschlossen sein, dass Menschen, gerade weil Sie sich in Teilbereichen anders verhalten, darstellen und sehen als die Mehrheit, Rechte zustehen weil sie Menschen sind. Menschenrechte verdienen nur ihren Namen, wenn sie allen Menschen aufgrund ihres Menschseins unabhängig von ihrem Verhalten gewährt werden. Dass diese Forderung in der gesellschaftlichen Praxis nicht gänzlich erfüllt wird, ist klar, aber mich beginnt zunehmend zu stören, dass sich ich eine extreme Verengung in dieser Diskussion empfinde. Wir fühlen uns alle unheimlich liberal, wenn wir Rechte von Schwulen, Lesben und Transgender einfordern während die sozialen Minderheiten (Alleinerzieher, Arbeitslose, Alte, …) jenseits von Wahlreden kaum noch wahrgenommen werden.
Die Nicht-Schönen, Fetten, Glatzköpfigen und Spinner werden in den Medien (regelmäßig durch Herrn Hermes bei Stermann und Grissemann) vorgeführt wie dereinst die Jahrmarktfreaks und kein Mensch denkt an deren Rechte.

Drittens beschäftigt mich die Frage, weshalb sich (Stichwort Life Ball Plakat 2014) https://www.google.at/search?q=life+ball+plakat+2014&es_sm=93&tbm=isch&tbo=u&source=univ&sa=X&ei=vHB0U6uuL8G47AbN74DgDw&ved=0CFIQsAQ&biw=1465&bih=876 ) die Anti-Heteronormativen offenbar ausschließlich durch ihre Geschlechtsmerkmale und ihren Geschlechtsverkehr definieren. Ohne die Freuden, die man sich und einander zwischen zwei Bettlaken oder irgendenwo daneben bereiten kann, klein reden zu wollen, so scheint mir auch im Zeitalter pharmakologischer Unterstützung die Zeit, die jeder von uns mit Sexualakrobatik zu verbringen in der Lage ist, im Vergleich zu anderen Tätigkeiten, in denen wir unserer Persönlichkeit einbringen können, doch verschwindend klein.

Mir scheint, und schon bin ich am Schluss, dass wir es hier mit kollektivem Oralsex zu tun haben, der darin besteht uns in unserem gleichgeschalteten Leben noch etwas Nervenkitzel zu verschaffen, indem wir über den Sex der anderen reden. Solange sich darüber noch irgendein Erzkonservativer aufregt, fühlen wir uns in unserer Libertinität auch noch bestätigt. Wo sind die Zeiten, als österreichische Popmusik (Wolfgang Ambros) viel unspektakulärer, ohne Lasershow und Glitzer, ganz einfache Wahrheiten aussprach:

A jeda gheart zu ana Minderheit,
a jedn geht wos o
A jeder hot a Handicap,
an jeden geht’s a so

http://www.golyr.de/wolfgang-ambros/songtext-minderheit-104572.html 

Written by medicus58

15. Mai 2014 at 07:12

Soft Sleeper in der klassenlosen Gesellschaft

leave a comment »


Wie schon kürzlich erwähnt, zeichnete sich das Chinesische Bahnsystem in den späten 80ern durch das Fehlen von Klassen aus. Wer aber doch besser reisen wollte, oft wurde der Langnase auch im Hinblick auf seine angenommene ökonomische Ausstattung gar nichts anderers verkauft, landete in der Soft Sleeper Klasse. Der schiere Luxus bestand weniger in der plüschigen Atmosphäre noch in den ebenso harschen Zugbegleiterinnen, die einem schon in der letzten Klasse den Reisepass abnahmen, sondern in seinem hochflorigen Fußboden, der das sonst uniquitäre Ausspucken unter Strafe stellte.

(Spucken Sie bitte nicht http://wp.me/p1kfuX-Nt)

Als zusätzlicher Benefit stellte sich dort auch heraus, dass die phonetische Dauerberieselung mit markigen Sprüchen und Marschmusik unterblieb, die in der Allgemeinen Klasse erst um 22:00 verstummte und irgendwann gegen 6:00 erbramungslos wieder los ging …

Written by medicus58

14. Mai 2014 at 17:45

%d Bloggern gefällt das: