Sprechstunde

über alles was uns krank macht

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Monothematisches Denken in der Krise gefährdet auch das Gesundheitssystem

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Blickt man auf das Dashboard des Gesundheitsministeriums, dann wird man durch die, ja wir haben es alle begriffen, exponentielle Wachstumskurve einer Pandemie geschockt und jedes Mittel erscheint gerechtfertigt, um Leben zu retten.

Zu Beginn der Maßnahmen habe ich schon befürchtet, dass die Kur schlimmer als die Krankheit werden könnte und bin da nicht der einzige der das so sieht. Auch wenn das alles so klingt, als würde man rechtspopulistischen Verschwörungstheoretikern nach dem Mund reden, so sei doch darauf hingewiesen, dass aktuell zwei Umstände relativ klar sind:

1. In ca. 80% der Erkrankten heilt COVID-19 ohne intensivmedizinische Maßnahmen aus und eine Therapie u/o Impfung ist für die nächsten paar Monate nicht zu erwarten.

2. Die gesundheitlichen Nebenwirkungen von Arbeitslosigkeit sind medizinisch wohl definiert:

Eine aktuelle Analyse des gerade jetzt sehr bekannt gewordenen deutschen Robert Koch Instituts aus 2003 ist frei lesbar im Netz: Link

Grundsätzlich gilt, dass Arbeitslose, im Vergleich zu Berufstätigen, in Bezug auf alle Diagnosekapitel eine höhere Inanspruchnahme von Krankenhausleistungen aufweisen (gemessen an der Verweildauer).

Extrem verkürzt kann man das auch so zusammenfassen:
Wenn wir die Spitäler schützen wollen, sollten wir auch die Anzahl der Arbeitslosen beachten.

Es kann fatal werden sich darauf zu verlassen, dass Arbeitslosigkeit nicht infektiös ist. Mich würde interessieren wie das in unseren Simulationsspielen berücksichtigt wird.

Written by medicus58

27. März 2020 at 07:38

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Optimismus ist angesagt


Umfragen ergaben zuletzt großen Optimismus. Um welchen Zweck solche Umfragen angestellt werden und ob es sich dabei um Zweckoptimismus handelt, sollten Sie einen Pessimisten wie Ihren Medicus nicht fragen.

Kein Wunder, gibt es doch wenig Berufe deren Endzweck – Leben retten – so regelhaft scheitert, wie der des Arztes. Aber bemühen wir uns mal um einen guten Rutsch.

Wir bekommen eine neue Regierung, die so sicher wenige Wähler wollten. Schwer vorstellbar, dass es derartig schizoide Wähler gab, die Kurz’ens Wirtschaftshörigkeit strategisch durch Koglers Letztes Aufgebot konterkarieren wollten. Viel eher wollten die paar ihren Sozenhass, der inzwischen auch die SPÖ erfasst haben dürfte, durch ein Ökomäntelchen verstecken. Dass von allen Ökobemühungen der Grünlinge ohnehin nur ein paar Begegnungszone und Radwege durchsetzbar sein werden, dafür sorgte die Aufteilung der Ministerien.

Optimistisch mag einen stimmen, dass Kogler, der es als Spitzenkandidat der EU Wahlen vorzog sich in den Nationalrat wählen zu lassen, es nun HC Strache nach macht, Vizekanzler für Sport und Beamte zu werden, als auf eine Aufgabe zu bestehen, die seiner Qualifikation wirklich entspricht. Bequemer ist es so für ihn, aber ob Blümel für das Finanzministerium qualifizierter ist, mag bezweifelt werden. Ob er sich dadurch auch Valenzen für eine Spitzenkandidatur bei der Wien Wahl freihalten will? Irgendjemand muss ja Lobautunnel, Heumarkt und Chorherr wegreden ..

Wie schon früher befürchtet sucht man das Wort Gesundheit in der zukünftigen Regierung vergeblich und das kann ja wohl kaum dem Umstand geschuldet sein, dass wir hier so gut unterwegs wären: Parteipolitisch motivierte Kassenzusammenlegung und zusätzliche Bürokratie ohne Finanzierung aus einer Hand, wird uns wohl erhalten bleiben.

Dafür gibt es ein Integrationsministerium, weil das Problem durch den damaligen Integrationsstaatssekretär Kurz offenbar nicht nach haltig gelöst wurde, und zur Sicherheit hat man dann im Ministerrat eine Stimme mehr, um die Stadionbeleuchtung gegen die Insekten zu verteidigen.

Aber trotzdem wollen wir mit Optimismus das Jahr beschließen, nicht als Staatsbürger, da ist wenig Grund dazu, aber als Blogger:

Themen wird uns 2020 genug liefern.

Written by medicus58

31. Dezember 2019 at 11:47

Medizinische Sensationen am laufenden Band

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Wir haben uns hier schon früher mit der medialen Verarbeitung von scheinbaren medizinischen Sensationen beschäftigt:

Neues Organ entdeckt, nein, nicht das Großhirn

Aber ein paar Gustostückerln aus der letzten Zeit, möchte ich Ihnen auch nicht vorenthalten:

Medizinische Sensation in Köln Mädchen kam drei Monate nach Zwillingsschwester zur Welt

Medizinische Sensation: Zweiter HIV Patient geheilt:
Der zweite HIV-Patient ist nach einer Stammzellen-Transplantation virenfrei. Ihm wurden Stammzellen eines Knochenmark-Spenders mit einer seltenen genetischen Veränderung transplantiert.

Weltpremiere in Linz: Erstmals Stent in Herz von Ungeborenem gesetzt

Medizinische Sensation: Diese Zwillinge sind weder eineiig noch zweieiig
Einen Fall wie diesen gab es weltweit bisher nur ein einziges Mal: Zwillinge aus Australien sind mütterlicherseits identisch, also eineiig: Sie teilen 100 % der DNA ihrer Mutter. Aber sie teilen gleichzeitig nur einen Bruchteil der DNA des Vaters und sind daher „halb-identisch“.

und einen Nachschlag zu Bluttest ersetzt Mammografie, wo offenbar der beste aller unserer Finanzminister (Karl Heinz Grasser – eine österreichische Biografie im Aufbau) irgendwie auch ganz sauber blieb:
Grasser soll in Brustkrebstest-Flop verwickelt sein

Die Medizin ist in medialer Sicht entweder eine Sensation oder ein Skandal.

Dass sie durch Ressourcen- und Personalknappheit, falsche politische Versprechungen und Missbrauch aber für Patienten und Gesundheitsdienstleister zunehmend nur mehr frustrierend ist, dem widersprechen immer weniger, aber taugt als medialer Inhalt immer weniger.

Written by medicus58

27. April 2019 at 15:05

Das war 2019

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Kaum zwei Wochen ist 2019 alt und nichts wirkt so anachronistisch wie Aufnahmen des Silvesterfeuerwerks oder der schlappe Weihnachtsbaum in der Ecke.

Trotzdem haben sich die Medien schon wieder sehr ausführlich und verlässlich oberflächlich mit dem Gesundheitssystem beschäftigt und das wollen wir hier festhalten.

Während die ZIB am 13.2. daran erinnerte, dass es nirgends in Europa (außer in Island !) so viele Spitalsärzte gibt wie bei uns, hat Niederösterreich eine Neue Kampagne „Niederösterreich studiert Medizin“ ausgerufen.

Die Regierung hat bei ihrer Regierungsklausur eine Imagepolitur für die Pflege in Aussicht gestellt und Wien (tradiotionell in Ermangelung anderer artabhebender Merkmale kontradiktorisch zur Bundesregierung unterwegs) erfindet gleich einen Wien-Bonus im Pflegebereich.
„Ich bekenne mich dazu, dass wir die Wiener Stadtregierung sind und nicht der Kompensator für ganz Ost-Österreich.“
OK, der Bürgermeister hat kürzlich noch Gesundheit und Kinder vom Wien-Bonus ausgenommen, aber egal, mir san mir. Konkret wurden weder die Bundes- noch die Stadtregierung.

Der Mann hinter der SPÖ-Vorsitzenden deckte auf, dass die Kassenreform Millionen kostet (Kassenreform – Drozda: 48 neue Spitzenposten verursachen Millionenkosten), was aber pflichtschuldigst (selbstverständlich ohne Zahlen und Fakten) von der Bundesregierung dementiert wurde. Schließlich versprach man auch zum Thema Pflege erste Gesetzesentwürfe erst für das Ende des eben begonnenen Jahres.

Einem Mantra der Gesundheitspolitik (Entlastung der Spitalsambulanzen durch Primärversorgungszentren) widerspricht eine Studie der imh GmbH (Spitals-Ambulanzen: Keine Entlastung durch Primärversorgungszentren), was aber m.W. medial nicht aufgegriffen wurde. Wäre interessant, wer die Studie in Auftrag gegeben hat.

Aus einem Wiener Stadtrechnungshof– Bericht „Einhaltung von Sicherheitsbestimmungen (!) in Abteilungen für Nuklearmedizin“ liest die Presse etwas off topic nur folgende Schlagzeile heraus Nuklearmedizin: Langes Warten auf Behandlungen und setzt einen Thread fort, der im Vorjahr mit einer Anfrage der Patientenanwaltschaft (!) los ging und von ÖVP (Korosec ad Stadtrechnungshof: Modernes und transparentes Nuklearmedizinkonzept nötig) und FPÖ (FPÖ-Koderhold: Rechnungshofkritik – viel zu wenig Betten für Krebspatienten). Was das alles mit einer Sicherheitsüberprüfung zu tun hat, entzieht sich meiner Phantasie. Auch hier stellt sich die Frage nach Auftrag und Absicht.

Noch abartiger wirken Presseaussendungen, die mehr zur MeToo -Debatte (im Sinne „lasst mich den Löwen auch spielen“) passen als zur aktuellen Diskussion:
SPÖ Verkehrssprecher Alois Stöger kritisiert die von Hofer geplante Aufhebung der nächtlichen 60 km/h Begrenzung für LKWs: Bundesregierung gefährdet Gesundheit der ÖsterreicherInnen: „Regierung ist Industriellen-Wurlitzer“
Jetzt bin ich ja auch nicht dafür, dass die LKWs durch die Ortschaften rasen, aber ob sie das am Tag oder in der Nacht tun, hat vermutlich weniger Auswirkungen auf die Gesundheit als die Feststellung, dass der Transit an sich, der uns Knoblauch aus Polen und Salat aus Spanien bringt, hinterfragbar wäre. Aber so ein Kapitalismuskritik ist selbst SP-Urgestein Alois Stöger zu kritisch.

Die B&K – Bettschart & Kofler Kommunikationsberatung tat auch was für ihre Kunden und vermeldete, vermutlich durch den Frust, wieder vom KAV in Sachen Neujahrsbaby abgehängt worden zu sein:
Bereits jedes 5. Kind kommt in Wien in einem Ordensspital zur Welt
Die Schlagzeile, jedes 5. Kind kommt ohne neonatologischem Stand-by auf die Welt, wäre auch weniger positiv.

Eher auf dem Punkt, war dar eine Pressemeldung des Umweltbundesamtes, das die Feuerwerk-induzierte Feinstaub-Panik relativierte: Die vorläufige Feinstaubbilanz des Umweltbundesamtes für das Jahr 2018 zeigt ein ähnliches niedriges Belastungsniveau wie in den Jahren 2014 bis 2017.

Und wenn sich noch irgendwer Sorgen macht, dass die politisch Verantwortlichen sich nicht um unser gesundheitliches Wohl sorgen, der bekam am 2.1.2019 um 8:00 Flgendes auf den Fernschreiber:
Strache und Hartinger-Klein: „Mach den ersten Schritt“ vom Neujahrsvorsatz zum gesunden Lebensstil“

Written by medicus58

13. Januar 2019 at 18:41

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Dr. Google is a Liar: Falschmeldung über Gesundheitsthemen und typische Folgefehler

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Was einem nicht in den Kram passt, wird heute schnell als Fake-News bezeichnet, aber dabei handelt es sich in der Regel um Themen im gesellschaftspolitischen Bereich.

In einem rezenten Artikel
Dr. Google Is a Liar
Fake news threatens our democracy. 
Fake medical news threatens our lives.

warf nun die New York Times einen lesenswerten Blick auf die Fake-News im Gesundheitswesen, die sich dank Internet schneller verbreiten als jede New England Journal of Medicine Studie.

Der Autor, ein Kardiologe, dokumentiert mehrere Beispiele, wo falsche Behauptungen im Netzt zu Therapieabbrüchen führt und Politiker völlig unsinnige Behauptungen (Impfungen verursachen Autismus) verbreiten.

Wie bestellt zeigt uns ein im August 2018 erschienener Artikel im Guardian, ein typisches Muster auf, weshalb wir immer häufiger glauben, der Medizin rein gar nix mehr glauben zu können.

Die Zeitung berichtete, dass der oft behauptete enge Zusammenhang zwischen Salzaufnahme und Bluthochdruck gar nicht so sicher ist und eher in Ländern (und Patienten) beobachtet werden kann, die sehr viel Salz konsumieren. Wenn in diesen Fällen der Salzkonsum in Hypertonikern reduziert wird, scheint das wirklich eine blutdrucksenkende Wirkung zu haben:

Salt not as damaging to health as previously thought, says study

Basis war eine immerhin im Lancet publizierte Studie, die nun das durch den Vergleich verschiedener Populationen das verifizieren wollte, was diese Gruppe – unter harscher Ablehnung vieler Experten – bereits vorher an Einzelpersonen gezeigt hat. Besonders interessant scheint da aber die gemeinsame Betrachtung des Kalium-Spiegels sein, der z.B. durch eine Gemüse-reiche Ernährung angehoben werden kann und offenbar einen größeren Einfluss auf die Blutdruckregulation hat als eine reine NaCl-Reduktion.

“Perhaps salt-reduction evangelists and salt-addition libertarians could temporarily put aside their vitriol and support the hypothesis that diets rich in potassium confer substantially greater health benefits than aggressive sodium reduction,”

Am 25. November gab dann ein gewisser Duncan Selbie (Chief executive of Public Health England) dem Observer ein Interview, in dem das Salz in der Nahrung der Briten als ihre größte Todesursache anschuldigt, das erneut der Guardian zitiert:

Large amounts of salt can cause high blood pressure, the single biggest cause of heart attacks and strokes, which between them kill more Britons than anything else.

Jede Gramm an Salzreduktion erspart 7,000 Tote/Jahr.

Dieses Drama können wir als „Derivative Fake News“ bezeichnen, in der Hoffnung damit berühmt zu werden, denn Folgefehler klingt halt so old school.

Das Problem habe ich hier schon einmal unter dem Titel Die toten Seelen in der Computertomografie angesprochen und wir finden es allenthalben, wenn wir nur danach suchen:
Zu Beginn steht ein (in Kausalität und Beweiskraft) hinterfragbarer Zusammenhang.
Hier eben den immer wieder gefundenen aber auch nicht gefundenen Zusammenhang zwischen Nahrungssalz und Blutdruck. 
Besonders geeignet sind multifaktorielle Prozesse, also Abläufe, von denen man weiß, dass sie durch viele Faktoren beeinflusst werden können. In Wirklichkeit behauptet auch niemand ernsthaft, dass NUR das Kochsalz den Blutdruck beeinflusst,
Dann negiert man alle Ko-Faktoren und extrapoliert eine Verhältniszahl aus besonders extrem ausgefallenen Studien und extrapoliert sie auf eine riesige Population und schockiert mit dem Ergebnis. 
UK hat über 66 Millionen Einwohner!
Schließlich versichert man (natürlich ohne der Möglichkeit einer Interventionsstudie) , dass die Reduktion des eines „bösen“ Faktors all diese Todesfälle aus der Welt schaffen würde.
Meist wird das übrigens junktimiert mit der Forderung nach entsprechender Finanzierung präventiver Maßnahmen.

Verstehen Sie mich richtig, auch ich empfehle Hypertonikern nicht, jedes Gericht, kaum wird es aufgetragen, nach zu salzen und mache auf das „versteckte Natrium“ in vielen „Dosen-Gerichten“ aufmerksam. Nur sollte man die Erwartungen daran nicht übertreiben.

Noch wichtiger scheint jedoch, sich gerade in sehr komplexen Gesundheitsfragen nicht von Einzelstudien, egal ob via Dr. Google oder via Peer-Reviewed Journals zu allgemeinen Heilsbotschaften verleiten lassen und diese Kritik befreit zu beeindruckenden Zahlen auf zu blasen. 

Written by medicus58

19. Dezember 2018 at 18:49

Tante Doktorin: Die Medizin wurde weiblich, jetzt auch die Politik

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Zwar war es anno damals (1897) die medizinische Fakultät an der die erste Frau in Österreich promovierte, jedoch war noch zu meinen Studienzeiten die medizinische Fakultät in ihrem Erscheinungsbild, ebenso wie der „Beruf des Arztes“ männlich.

Kindern wurde versucht Vertrauen einzuflössen indem man mit ihnen „zum Onkel Doktor“ ging, oder können Sie sich daran erinnern jemals etwas von der „Tante Doktorin“ gehört zu haben?

Inzwischen sind sechs von zehn Medizinstudenten und 47% der Mitglieder der Ärztekammer weiblich. Bei den letzten Stellenbewerbungen bei denen ich etwas mitzureden hatte, fanden sich ausschließlich Kolleginnen.

Gut so, aber ist das wirklich nur der ganz normale Ausgleichsprozess den plötzlich eine offener gewordene Gesellschaft ermöglicht?

Sie werden nur wenige Ärzte finden, die noch überzeugt sind, dass Ansehen und Machtposition der Ärztschaft in den letzten Jahrzehnten zugenommen hat. In wesentlichen Fragen sitzt zB die Ärztekammer gar nicht mehr am Verhandlungstisch.

Ohne die feministische Freudenstimmung trüben zu wollen scheint es mir, dass der Frauenanteil in bestimmten Positionen wie eh und je indirekt proportional zur damit verbundenen Machtposition ist, und ein zunehmender Frauenanteil eher die zunehmende Machtlosigkeit der Position und weniger die Ermächtigung der Frauen widerspiegelt.

Am Anfang der österreichischen Sozialdemokratie standen der „Armenarzt“ Viktor Adler. Nach mehreren internen Putschen gegen die letzten stets männlichen Parteivorsitzenden inkl. des absurden Abgangsstolperers des letzten besinnt sich die SPÖ plötzlich darauf, dass sie eine weibliche Parteivorsitzenden benötigt und fand sie offenbar in der Ärztin und Hygienikerin Rendi-Wagner.

Ich habe Kollegin Rendi-Wagner als intelligent, integer und fachlich kompetent kennen gelernt. Gerade in Zeiten tückisch-blauer Kälte im Sozial- und Gesundheitssystem hätte die SPÖ endlich eine Fachsprecherin gehabt, die versteht wovon sie spricht und das auch formulieren kann.

Dass sie als Langzeit BSA- und Kurzzeit SPÖ Mitglied zwischen den Flügerln des gerupften SPÖ Huhnes steht, mag ihr den Vorteil der Überparteilichkeit einbringen und ihre rasche Auffassungsgabe sollte es ihr auch ermöglichen, sich in den innerparteilichen Intrigensumpf einzuarbeiten. Ihr sympathisches Äußeres und ihre Jugendlichkeit mag medientechnisch auch als gute Antwort auf den Bundesbasti scheinen.

Es möge sich nur die PR-Maschine der SPÖ davor hüten das alles (wie weiland die Liste Pilz) als feministischen Akt zu verkaufen. Vielmehr zeigt es nur, dass dort wo es scheinbar nix mehr zu gewinnen gibt, die Frauen ran dürfen.

Echt schad drum.

Written by medicus58

22. September 2018 at 08:38

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Das war der Girls’ Day beim Bundesheer, eine Materialiensammlung für alle, die sich ein Urteil bilden wollen

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Die meisten Medien sprachen in Zusammenhang mit den folgenden Ereignissen immer vom Girls‘ Day beim Bundesheer, korrekt handelte es sich um das sogenannte Girls‘ Camp.

Bei der Veranstaltung in Bruckneudorf ist es zu einem tragischen Unfall gekommen, über den zumindest in den ersten Tagen sowohl vom Bundesheer aber auch auf praktisch allen Medienkanälen berichtet wurde.
Über die Qualität von Öffentlichkeitsarbeit habe ich mir unter dem direkten Eindruck der Ereignisse schon hier sehr theoretische Gedanken gemacht:
Im Nebel der Öffentlichkeitsarbeit oder die Grenze zwischen selektiver Information und Lüge
Nun, zwei Wochen nach dem Geschehen ist das Thema aus den Medien, was zumindest im Sinne der Angehörigen zu begrüssen ist.
Es bestehen aber nach dem Erstbericht des Bundesheeres, der m.W. weiterhin nur in den Aussagen zugänglich ist, die das Bundesheer selbst veröffentlicht sehen wollte, noch eine Reihe von Fragen, um zwischen Schicksalhaftigkeit und Verantwortung differenzieren zu können.
Von den involvierten Blaulichtorganisationen werden praktisch keine Detailinformationen veröffentlicht. Bislang erfuhr die Öffentlichkeit nur, dass die Staatsanwaltschaft gegen den Bootsführer ermittelt und das Boot sichergestellt hat.
Ich fürchte, dass gerade das Umfeld für den zeitlichen Ablauf der Ereignisse eine wesentliche Rolle gespielt hat und möchte deshalb die vorliegenden Materialien sichern, um es Interessierten zu erlauben, sich eine eigene Meinung zu bilden.
Hier geht es nicht gegen oder für die Einrichtung des Österreichischen Bundesheeres sondern ausschließlich um die Frage, ob im Vorfeld ausreichende Vorkehrungen getroffen wurden, dass unausgebildete, z.T. minderjährige Gäste des Bundesheeres nicht leichtfertig in Gefahr gebracht werden.
Über die medizinischen Konsequenzen der zeitlichen Abläufe finden Interessierte gegen Ende noch ein paar fachliche Informationen. Zitate sind kursiv, Zwischentexte in blau.
Selbstverständlich gelten Medienberichte nicht als Beweis und was bisher glaubhaft widerlegt wurden, habe ich auch zitiert.
Alle Texte standen zum Zeitpunkt der Texterstellung in der hier wiedergegebenen Form im Netz.

Laut Wikipedia wurden die Girls‘ Camps erstmals Mitte September 2016 unter dem damaligen Bundesminister Hans Peter Doskozil begonnen, um das Interesse von jungen Frauen für eine Berufslaufbahn beim Bundesheer zu wecken.
Also letztendlich war es eine Werbeveranstaltung für einen m.E. prinzipiell legitimen Zweck.
Im Jahr 2017 nahmen ca. 220 Personen an den Girls Camps teil, bei den ersten Girls Camps im Jahr 2018 waren es 84.

Girls’ Camp 2018 Du liebst Sport, Action, neue Herausforderungen und bist ständig in Bewegung?
Auch dieses Jahr hast du die Möglichkeit, das Bundesheer live zu erleben.
2 Termine 6 Standorte

31. August, 11 Uhr – 2. September, ca. 16 Uhr
Die Teilnahme am Girls’ Camp ist ab 17 Jahren möglich!
Originaltext von http://soldatin.bundesheer.at/Girls-Camp-2018-260 abgerufen am 11.9.2018 (!)

  • 1. September 2018

Der Sprecher des Bundesheeres (@Bundesheerbauer) twitterte um 10:53:
Beim Girls Camp ist heute gegen 10.00 Uhr ein Boot auf der Donau bei Hainburg gekentert. 2 Mädchen werden reanimiert. Der Notarzthubschrauber ist gelandet. Wir befürchten das Schlimmste.

Um 11:11 schrieb er: 
Die beiden Mädchen wurden erfolgreich reanimiert. Sie sind allerdings in einem kritischen Zustand. 2 Notarzthubschrauber sind beim Unglücksort. Wir hoffen und beten.

Die erste Information über den Unfallhergang gab es auf Twitter um 12:27:
Was wir derzeit über die Unglücksursache wissen: Das Boot ist in eine Welle gefahren, die ins Boot geschwappt ist. Dadurch hat sich das Boot langsam gesenkt und ist über die rechte Seite abgeglitten. Gesteuert haben das Boot 2 dafür ausgebildete Berufssoldaten

Später werden wir erfahren, dass das Boot innerhalb von 15 Sekunden nicht nur gekentert ist sondern mehrere Insassen unter sich begraben hat.
Um 13:57 gab das Bundesministerium für Landesverteidigung folgende Pressemeldung heraus: 

Pionierboot des Bundesheeres gekentert – Unfallkommission ist eingesetzt und hat Arbeit aufgenommen
Wien (OTS) – Heute, Samstag den 1. September,  kurz vor 10:00 Uhr, kenterte auf der Donau im Raum Hainburg aus derzeit unbekannter Ursache ein Pionierboot des Österreichischen Bundesheeres. Dieses Boot war im Rahmen der Veranstaltung „Girls‘ Camp“ eingesetzt. Zurzeit des Unfalls befanden sich dreizehn Personen an Bord.
Zwei junge Frauen mussten, nachdem sie unter Wasser gekommen waren, reanimiert werden. Sie befinden sich zurzeit in ärztlicher Betreuung in Krankenhäusern der Stadt Wien. Alle anderen Personen werden psychologisch sowie medizinisch vor Ort bzw. im Krankenhaus Hainburg versorgt. …

Einem besorgten weil noch uniformierten Vater antwortete @Bundesheerbauer um 15:16:
Ja. Die Angehörigen wurden verständigt. Darüber hinaus wurden alle Frauen ersucht, die Angehörigen zu verständigen.

Das wird sich in einigen Fällen und gerade bei den beiden am schwersten Betroffenen als unrichtig herausstellen und dafür entschuldigte sich das Bundesheer mehrfach offiziell.
Um 18:30 kam eine weitere Pressemeldung aus dem Ministerium:

„Girls‘ Camp“ – Gesundheitszustand beider Frauen weiterhin unverändert
Bundesheer dankt allen eingesetzten Kräften für die schnelle und professionelle Hilfe

Wien (OTS) – Der Gesundheitszustand der beiden im Krankenhaus befindlichen Frauen ist weiterhin unverändert. Jene Frauen und Soldaten, die sich am Boot befunden haben sowie alle anderen Teilnehmer am „Girls‘ Camp“ werden psychologisch betreut. Dazu wurden alle verfügbaren Psychologen und Peers des Bundesheeres zusammengezogen.
Die Eltern der Teilnehmer wurden für eine direkte Information ins Camp eingeladen. Eine weitere Teilnehmerin bleibt über die Nacht zur Beobachtung in einem niederösterreichischen Krankenhaus. Dabei handelt es sich um eine reine Vorsichtsmaßnahme.
Verteidigungsminister Mario Kunasek: „Meine Gedanken sind bei den Familien und Freunden der beiden Frauen. Den beiden im Spital befindlichen Frauen wünsche ich an dieser Stelle eine rasche Genesung. Die Betroffenen erhalten seitens des Bundesheeres jegliche Unterstützung und Betreuung. Ich verspreche, dass der Unfallhergang untersucht und aufgeklärt wird.“
Der Generalsekretär des BMLV, Dr. Wolfgang Baumann, hat sich weiters im Auftrag des Verteidigungsministers vor Ort ein Lagebild des Unfallgeschehens gemacht.
Das Bundesheer dankt den eingesetzten Kräften, insbesondere der Feuerwehr, dem Roten Kreuz und dem ÖAMTC, für die professionelle Ersthilfe sowie die rasche Rettungskette. Die Feuerwehr führte zum Zeitpunkt des Unglücks in unmittelbarer Nähe gerade eine Übung durch und konnte daher sehr rasch retten, bergen und helfen. Das „Girls‘ Camp“ in Bruckneudorf wurde nach dem Unfall beendet.

Am Abend entbrennt plötzlich ein befremdliches Scharmützel zwischen Kurier und Bundesheer nachdem der Kurier auf Basis einer nach heutigem Wissenstand missverstandene Aussage des Roten Kreuzes spekuliert, dass der Unfall durch eine Überbelegung des Bootes verursacht wird. Trotzdem sind die folgenden Texte nicht uninteressant:

Heeresboot gekentert: Waren zu viele Menschen an Bord?
Zwei junge Frauen (18 und 22 Jahre) in kritischem Zustand. Laut Heer waren 13 Passagiere an Bord, das Rote Kreuz sprach von 24.
(Die Erstversion des Textes ist mir nicht mehr zugänglich)

Was da hinter den Kulissen ablief, lässt ein Twitterscharmützel zwischen Kurier-Herausgeber und (damals noch) Chefredakteurs des Kuriers Brandstätter erahnen:

@Bundesheerbauer: Warum wird in dem Artikel nicht erwähnt, dass es der Redakteur verabsäumt hat, bei der Primärquelle – in diesem Fall das #Bundesheer – zu recherchieren? Ist es nicht journalistische Sorgfaltspflicht, alle Seiten zu befragen? Ich hatte gestern viele Anrufe. Keinen vom Kurier.
@HBrandstaetter: Der Kurier hat Sie ausführlich zitiert, aber eben auch die Stellungnahme des Roten Kreuzes. Was ist daran schlimm? Und wenn es wirklich um die Wahrheit geht, wäre vielleicht eine externe, unabhängige Untersuchung ideal, oder? Ist aber auch nur eine Frage

MeinBezirk.at: stellte schon um 13:29 erste Bilder ins Netz und gibt einen Stimmungsbericht, der wiedergibt, wer aller vor Ort involviert war und wie die Einsatzleitung gesehen wurde. Hier wird auch erstmals klar, dass es einen großen zeitlichen Unterschied zwischen der Rettung der einzelnen Personen gab.

Bundesheer-Übung wurde zum Ernstfall
Am heutigen Samstag, 1. September, fand anlässlich des „Girls´Camp“ eine große Übung in Hainburg statt. Mit Pionierbooten sollten die jungen Frauen die Donau übersetzen. Zeitgleich fand eine Katastrophenschutzübung der Feuerwehren aus den Bezirken Bruck an der Leitha und Neunkirchen ebenfalls an der Donau statt.

Gleich nach Beginn der Übung dann die Katastrophe: Eines der Pionierboote mit den jungen Frauen kenterte beim gegenüberliegenden Ufer, alle Personen gingen über Bord.
Zwei Frauen vermisst
Dann die nächste Hiobsbotschaft: Zwei Frauen werden vermisst. Sofort nachalarmiert wurden Rettung und Notarzt, der ÖAMTC Rettungshubschrauber, auch die Polizei war mit Hubschraubern vor Ort. Binnen weniger Minuten füllte sich der Hafen Hainburg mit Einsatzkräften. Hainburgs Feuerwehr-Kommandant Christian Edlinger übernahm gemeinsam mit Harald Fischer vom Roten Kreuz Bruck die Einsatzleitung, Oberstleutnant Sabine Zentner vom Brucker Bezirkspolizeikommando eilte ebenfalls mit Kollegen zum Einsatzort.

Bürgermeister Helmut Schmid traf zeitgleich mit den ersten Rettungskräften ein: „Ich werde bei jedem Einsatz informiert. Ob Brand oder technische Hilfeleistung, Wenn es um Menschenleben geht, bin ich immer vor Ort. Sofort nach Erhalt der Nachricht bin ich hierher gefahren.“
Bergung der Gekenterten

Sofort eilten Boote der Polizei, der Feuerwehr und des Bundesheeres mit Notarzt und an die Unfallstelle, die Mädchen wurden ans nahe gelegene Ufer gebracht, inzwischen fanden auch die angeforderten Hubschrauber von Polizei und ÖAMTC, der auf der Schotterbank landete, ein.
Nach und nach wurden die Mädchen wieder mit den Booten zurück ans Hainburger Ufer gebracht. Von den Einsatzkräften konnte vernommen werden, „dass zwei Mädchen unter dem Boot in einer Luftblase ausharren würden“. Zwei Wagen mit Taucher der Berufsfeuerwehr Wien trafen ebenfalls kurz später ein.

  • 2. September
Der Kurier fasst die Auseinandersetzung mit dem Bundesheer online so zusammen:
Über die Interventionen eines Heeressprechers und einen versuchten Maulkorb für die Rettungskräfte.

Was war passiert? Der KURIER hatte online den Titel „ Heeresboot gekentert: Waren zu viele Menschen an Bord?“ verwendet. Denn es gibt unterschiedliche Berichte, wie viele Personen tatsächlich auf dem Arbeitsboot waren. Um 12.35 Uhr hatte auch die Austria Presse Agentur berichtet, „das verunglückte Boot war laut Rotem Kreuz mit insgesamt 24 Personen besetzt“. Auch andere Helfer bestätigten das dem KURIER hinter vorgehaltener Hand.Intern kam es jedenfalls zu heftigen Debatten zwischen den Einsatzorganisationen. Nachdem sich die Meldungen weiter verbreitet hatten, wonach auch mehr Menschen als zugelassen im Unglücksboot gewesen sein könnten, wollte das Heer, dass keine Informationen mehr von den anderen Einsatzorganisationen an die Öffentlichkeit dringen. Feuerwehr, Rotes Kreuz und auch die Polizei ließen sich die Öffentlichkeitsarbeit aber nicht untersagen. Auch der KURIER stellte die Frage, ob nicht vielleicht doch zu viele Menschen an Bord waren. Natürlich wurde der Stellungnahme des Bundesheersprechers im Bericht entsprechend Raum gegeben.Bauer forderte via Twitter vom KURIER eine „ausgewogene und objektive Berichterstattung“ ein. Dass dafür auch andere zu Wort kommen müssen, scheint ihn aber zu verärgern.
Der Bericht der NÖ Nachrichten (um 15:31 online) beschreibt die Rolle des Bundesheers bei der Rettungsaktion (Notruf, Aufheben des Bootes (siehe unten), Reanimation) auch nicht gerade als professionell und es scheint auch hier als wäre die Aktion nicht federführend vom Bundesheer sondern von anderen Organisationen übernommen worden:

Neunkirchner Feuerwehrler als Lebensretter
„Wir hatten für die Übung im Rahmen des Katastrophenschutzdienstes 138 Kameraden aus dem Abschnitt Neunkirchen zur Zeit des Unglücks vor Ort“, erinnert sich Bezirksfeuerwehrkommandantstellvereter Josef Neidhart an den dramatischen Einsatz. Als die Truppe im Rahmen eines Stationsbetriebs bei der 2. Station gerade am Üben war, passierte in einer Entfernung von etwa 150 Metern das Unglück.
Die Feuerwehrkameraden machen sich mit Booten sofort auf die Rettung. „Zu Beginn hat es geheißen, dass es keine Verletzten gibt, erst später wurden die beiden jungen Frauen leblos aus dem Wasser geborgen“, so Neunkirchens Feuerwehrkommandant Stellvertreter Paul Pilshofer, der ausgebildeter Notfallsanitäter ist und sofort wusste, wie zu handeln war.
„‚Szenen waren ziemlich chaotisch“
Gemeinsam mit einem Notarzt und den Kameraden Patrick Ostermann, Alex Kain und Othmar Gruber übernahm er die Reanimation: „Wie man sich vorstellen kann, waren die Szenen rundherum am Anfang ziemlich chaotisch und wir haben uns immer beim Reanimieren abgewechselt“, so Pilshofer.
Laut seiner Einschätzung dürften die beiden Mädchen rund 15 bis 20 Minuten unter Wasser gelegen sein.
Ebenso lang reanimieren die Neunkirchner Kameraden die Frauen, ehe sie vom Notarzthubschrauber übernommen und ins Spital wurden. „Prognosen sind schwierig, aber ich hoffe natürlich das Beste!“, bleibt Pilshofer nach dem Einsatz optimistisch.
Und Neunkirchens Feuerwehrkommandant Mario Lukas ist stolz auf seine Männer: „Sie haben großartige Arbeit geleistet!“
Am 4.9. wird auch der ORF NÖ thematisieren:
Bootsunglück: 15 Minuten bis zum Notruf
Für den Vorfall medizinisch wesentlicher ist aber, dass die beiden Frauen offenbar lange, sehr sehr lange unter Wasser waren, bis mit der Reanimation begonnen werden konnte. Doch auch hier wurde die schreckliche Wahrheit nur sehr langsam der Öffentlichkeit mitgeteilt.
Medial gewinnt man den Eindruck, dass bei der Bergung und Reanimation der beiden am schwersten betroffenen Frauen das Bundesheer zumindest nicht federführend aktiv war.

Noch am Sonntag teilte der Kurier und andere Medien mit: 
und auch der Bundesheersprecher twitterte:
Es dauerte bis zu 20 Minuten, bis beide Frauen, die sich unterhalb des Bootes im Wasser befanden, gerettet werden konnten.
Wie wir sehen werden, könnte selbst diese Zeitspanne noch in einem Fall länger gewesen sein.
Schon am Abend des 2. September berichten mehrere Medien von ersten Ergebnissen der Untersuchungskommission des Bundesheeres:

Kein Fahrfehler – Kein Materialfehler

Nach dem Unfall eines Pionierbootes auf der Donau bei Hainburg gibt es nach Angaben des Verteidigungsministeriums vom späten Sonntagnachmittag „derzeit weder einen Hinweis auf einen Fahrfehler des Bootsführers noch auf ein technisches Gebrechen„. Ausgewertet wurde laut einer Aussendung ein Video, „das die entscheidenden Momente an Bord aufgenommen hat“.
Das Boot sei, nachdem eine Welle ins Innere geschwappt war, „innerhalb von weniger als 15 Sekunden gesunken“, teilte das Ministerium zu ersten Ergebnissen der noch am Samstag eingesetzten Unfallkommission mit. Untersucht werde, ob die Welle eines Großschiffes in Verbindung mit dem Niedrigwasser der Donau zum Unglück geführt haben könnte. „Dazu gibt es Aussagen von Beteiligten, die dies bestätigen.“ Die Auswertung der Transpondersignale der Donauschifffahrt fehlte noch.

@Bundesheerbauer Replying to @MatthiasSurvive @KURIERat Das Video zeigt jene 40 Sekunden, bevor das Boot umgekippt ist. 9:28pm

Das Video lag offenbar auch bereits der Staatsanwaltschaft vor und muss sehr detailreich sein, denn am 11.9. berichtete der Kurier, dass zum Zeitpunkt des Unfalls nicht Vollgas gefahren wurde, um Mutmaßungen zu zerstreuen, dass ein Renomiergehabe des Bootsführers zum Unfall geführt hätte:

Donau-Unfall: Heeresboot fuhr nicht mit Vollgas
Es sind Szenen, die zeigen, wie schnell Freude in Leid umschlagen kann, Sicherheit in Hilflosigkeit: Der Unfall eines Bundesheerbootes während des Girls’ Camp bei Hainburg an der Donau, bei dem zwei jungen Frauen schwerst verletzt wurden, ist – wie berichtet – auf Video gebannt. KURIER-Informationen zufolge könnte die Aufnahme den Ermittlern nun wichtige Rückschlüsse zum Unfallhergang geben.
Denn das Video wurde von einem Berufssoldaten erstellt, der sich zum Zeitpunkt des tragischen Vorfalls genau hinter dem Bootsführer Alexander Sch. auf dem Unglücksboot befand. In einer Momentaufnahme soll dabei auch die Stellung des Gashebels zu sehen sein, als das Boot auf die Welle traf, die schließlich das Unglück ausgelöst haben soll und das Boot zum Kentern brachte.
Beweisstück
„Der Hebel war in einer mittleren Position. Das Boot war also nicht mit vollem Schub unterwegs“, sagt ein Insider zum KURIER. Deshalb glaube man nicht, dass der Bootsführer den an Bord befindlichen Frauen mit seinem Fahrstil imponieren wollte und es deshalb zu dem Unfall kam.

Das wichtige Beweisstück bleibt vorerst den Augen der Heeres-Untersuchungskommission, Polizeiermittlern und der Staatsanwaltschaft vorbehalten.

Das bestätigt auch der Sprecher der zuständigen Staatsanwaltschaft Korneuburg, Friedrich Köhl. Die Behörde hat ein Ermittlungsverfahren gegen den Bootsführer wegen fahrlässig schwerer Körperverletzung eingeleitet, ähnlich wie wenn er einen Autounfall mit Verletzten verursacht hätte. Wegen des laufenden Verfahrens äußert sich Köhl nicht zum Inhalt des Videos.
Schwierige Befragung
Weitere Aufschlüsse soll außerdem die Befragung aller Augenzeugen des Unglücks bringen. Dies kann aber noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Weil die insgesamt 54 Teilnehmer des Girls’ Camp aus den verschiedenen Bundesländern stammen, wurden die Polizeidienststellen an den jeweiligen Wohnorten mit der Befragung der Zeugen betraut. Die Aussagen sollen in weiterer Folge auch in den Bericht der Heereskommission einfließen. Wann dieser fertig ist, steht noch nicht fest.

Das Bundesheer hat auch dieses Girls‘ Camp ganz offensichtlich für eine spätere Verwendung dokumentiert.
Bis jetzt wurde aber die späte Bergung der beiden Frauen ausschließlich durch die Umstände des Unfalls und insbesondere dadurch erklärt, dass sie mit ihren Schwimmwesten in den umgekippten Bootsrumpf gedrückt wurden, so dass sie nicht selbst befreien konnten, beziehungsweise auch von den suchenden Helfern nicht gesehen werden konnten.
Inzwischen stellt sich aber die ernsthafte Frage ab wann überhaupt gezielt nach den beiden gesucht wurde:

  • 3. September 
Heute deutete der Kurier an, dass zu lange nicht einmal klar war, dass zwei Teilnehmerinnen fehlten:

Bootsunglück: Mädchen wurden erst nach 15 Minuten vermisst
In der allgemeinen Panik und Hektik nach dem Kentern blieb das Fehlen der beiden Mädchen zunächst unbemerkt. Es dauerte etwa eine 15 bis 20 Minuten, bis die Verantwortlichen des Heeres die Abgängigkeit der beiden Opfer bemerkten und Alarm schlugen.
Zu dem Zeitpunkt waren Feuerwehrleute des Katastrophenhilfszuges aus Neunkirchen, die in der Nähe eine Übung hatten, mit eigenen Booten zur Stelle. „Das Bundesheer-Boot lag gekentert an der Sandbank im Wasser und die erschöpften Personen saßen verteilt am Ufer“, schildert Feuerwehrmann Paul Pilshofer.
Als das Unglücksboot bereits mit einer Seilwinde gesichert war, hieß es, es fehlen noch Zwei. „Wir haben sofort das Boot aufgehoben. Die Mädchen waren tatsächlich darunter“, schildert Pilshofer. Zusammen mit seinen Kameraden leitete der Notfallsanitäter Erste Hilfe-Maßnahmen und die Reanimation ein.
Meines Erachtens passt dies sehr gut zum schon zitierten Bericht der NÖ Nachrichten (um 15:31 online) vom 2.9.. 
  • 4. September 

Der Standard berichtet, dass Brandstätter als Chefredakteur von Martina Salomon abgelöst wird.

Am selben Tag titelt der Kurier aber noch, dass auch die 20 Minuten nicht die volle Wahrheit sein dürften: 

Opfer waren mehr als 20 Minuten unter Wasser

Und am 6.9. titelte dann OE24 nur mehr knapp:  Bundesheer-Boot: Frau erst nach 40 Minuten befreit

Ein ganz ähnliches Bild zeichneten die NÖN um 15:44:

Laut dem Erstbericht war das Pionierboot im Bezirk Bruck a.d. Leitha am Samstag um 9.49 Uhr gekentert. Ungefähr gegen 10.15 Uhr sei das Boot am Ufer aufgekantet worden, teilte das Verteidigungsministerium mit. In diesem Zeitraum seien Personen aus dem Wasser gerettet worden. Unter dem 8,5 Meter langen und 2,5 Meter breiten Boot sei es dunkel gewesen. Zwei Unteroffiziere seien unter das Boot getaucht, um Personen zu finden und zu retten, hieß es. Dies sei in einigen Fällen auch gelungen. Nach dem Kentern sei das Boot mit Hilfe von zwei anderen Booten aus der Flussmitte zum Ufer gedrückt worden, berichtete Bauer. Dort habe die Feuerwehr Unterstützung geleistet. Als das Boot am Ufer aufgekantet wurde, sei festgestellt worden, dass sich noch jemand darunter befand, sagte Bauer. Die beiden Frauen im Alter von 18 und 22 Jahren waren reanimiert und von Notarzthubschraubern in Wiener Krankenhäuser geflogen worden.

Laut Vienna.at lag bis 5.9. hinsichtlich des Zeitablaufes nur das Rumpfprotokoll des Bundesheeres vom Sonntag vor: 

9.49 Uhr: Das Boot kippt um.
10.04 Uhr: Von der Feuerwehr wird ein Notruf abgesetzt.
10.08 Uhr: Die Rettungsleitstelle erhöht ihre Alarmierung auf Großunfall.
etwa 10.15 Uhr: Das verunglückte Boot ist am Ufer und wird aufgekantet.
Danach gibt es – jedenfalls bisher – kein weiteres Zeitprotokoll

ORF Niederösterreich hat aber schon am Dienstagabend (4.9) berichtet, dass sich

aufgrund der Aussagen von Helfern und anhand verschiedener Einsatzprotokolle“ folgender Zeitablauf rekonstruieren lasse:
9.49 Uhr: Das Bundesheerboot kentert, fünf Soldaten und acht Frauen werden in die Donau geschleudert.
10.04 Uhr: Ein Feuerwehrmann, der auf der Donau an einer Übung teilnimmt, setzt einen Notruf ab. Das Bundesheer selbst setzt keinen Notruf ab.
10.08 Uhr: Die Rettungsleitstelle löst Großalarm aus.
10.15 Uhr: Das gekenterte Boot kann zu einer Sandbank in der Donau gebracht werden. Nach Angaben des Bundesheeres hatten Soldaten zu diesem Zeitpunkt bereits mehrere Personen unter dem Boot herausgezogen.
10.21 Uhr: Die örtlich zuständigen Feuerwehren werden alarmiert und rücken mit weiteren Booten aus.
10.28 Uhr: Die erste der beiden Frauen kann gerettet werden und wird reanimiert.
10.30 Uhr: Wie in einer Notiz vermerkt wurde, trifft ein Notarzt auf der Sandbank ein.

10.34 Uhr: Die zweite Frau wird aus dem Wasser gezogen. Laut einem Einsatzprotokoll ist jedoch noch unklar, ob noch jemand fehlt.
10.41 Uhr: In einer Statusmeldung wird festgehalten, dass beide Frauen reanimiert werden.

Bundesheer-Boot: „Wir haben es aus den Medien erfahren“ 

Das österreichische Bundesheer untersucht mit einer hauseigenen Kommission das Bootsunglück auf der Donau nahe Hainburg. Bereits zwei Tage nach der Tragödie mit zwei schwerverletzten Frauen im Rahmen des Girls’ Camp auf der Donau in Hainburg (NÖ) steht für Heeressprecher Oberst Michael Bauer nach derzeitigem Stand fest, dass der Bootsführer „alles richtig“ gemacht habe und auch kein technisches Gebrechen vorliege.

Die ermittelnde Staatsanwaltschaft in Korneuburg prüft den Sachverhalt freilich unabhängig davon. Zum einen wurde gegen den Unteroffizier und Bootsführer, Alexander Sch., ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässig schwerer Körperverletzung eingeleitet. Und zum anderen behält sich der Staatsanwalt die Bestellung eines gerichtlich beeideten Sachverständigen vor. Das Unglücksboot wurde jedenfalls polizeilich beschlagnahmt. Wie Bauer im Gespräch mit dem KURIER erklärt, handelt es sich bei dem Bootsführer um einen „äußerst erfahrenen Mann“. „Er hat bereits 2006 den Wasserfahr-Grundkurs absolviert und alleine auf dem Bootstyp mit dem der Unfall geschah 300 Fahrstunden vorzuweisen“, erklärt Bauer.
Keine Sicht
Am Dienstag veröffentlichte das Heer Grafiken und Details zum Unfallhergang. Demnach sei das Boot mit fünf Bundesheerangehörigen und acht Frauen des Girls’ Camp um 9.49 Uhr aufgrund einer „großen Welle“ gekentert. Wie Bauer schildert, haben sich zwei Unteroffiziere ihre Rettungswesten vom Leib gerissen und sind auf der Suche nach Opfern unter das Boot getaucht. Das umgedrehte Boot wurde durch zwei andere Heeresboote von der Flussmitte ans Ufer gedrückt und dort gegen 10.15 Uhr gesichert. Erst danach, also mehr als 20 Minuten nach dem Kentern, wurde das Fehlen von zwei jungen Frauen bemerkt. Natalie T. (22) und Sophie K. (17) lagen leblos unter dem Boot und wurden mit vereinten Kräften von Feuerwehr und Heeresangehörigen heraus gezogen und reanimiert. Dass sie nicht vorher entdeckt wurden, erklärt man damit, dass die Sicht unter Wasser gleich null war.

Eher überraschend kam dann ein einziger Erfahrungsbericht einer Teilnehmerin in die Medien, die aber auf die wesentlichen Probleme des Einsatzes nicht eingeht, da er „außerhalb ihres Gesichtsfeldes“ passiert ist.

Sie habe eine „sehr intensive Erfahrung“ gemacht, die im Nachhinein sogar noch stärker sei, sagte die 34-jährige Wienerin zur APA:

Sie sei nicht mit dem letztlich gekenterten, sondern auf einem “Nachbarboot” unterwegs gewesen, erzählte die Zeugin. Ihrer Schilderung zufolge hatten sich auf jedem der drei Boote “acht bis neun Mädchen” und “vier bis fünf Soldaten” – Bootsführer und Betreuer des Girls’ Camp – befunden. “Zusätzlich fuhr ein Rettungsboot mit. Jeder Bootsinsasse trug eine Schwimmweste.”
Soldaten seien zu Mädchen ins Wasser gesprungen
Der Unfall selbst “ist außerhalb meines Sichtfeldes passiert”, so die Wienerin. “Unser Boot ist jedoch sofort zum gekenterten Boot gefahren, und hat, genau wie das dritte Boot, Mädchen, die ins Wasser gefallen waren, aufgenommen.” Soldaten seien auch “ins Wasser gesprungen, um nach weiteren, vermissten Mädchen zu suchen”. Alle hätten “ihr Bestes gegeben, um die Mädchen zu finden”, schilderte die Zeugin im APA-Gespräch ihre Sicht der Dinge.
Telefonisch sei sofort Hilfe und Unterstützung angefordert worden. Weitere Rettungsboote seien “sehr rasch zur Stelle” gewesen.
In der Folge seien ihre Gruppe und aus dem Wasser aufgenommene Mädchen an das am nächsten gelegene Landstück, ein Ufer bzw. einen Inselstreifen, gebracht worden, wo die “sehr gut angeleitete Versorgung” stattgefunden habe. Es sei dabei um die Abklärung gegangen, ob Verletzungen oder Schockzustände bestünden, zudem seien Handtücher und trockene Kleidung bereitgestellt worden. Das Boot sei indes wieder an die Unfallstelle gefahren, um zu helfen.
Die betreuenden Soldaten, “unter anderem eine Soldatin, die selbst ins Wasser gefallen war”, seien vom Unfall “sichtbar betroffen und erschüttert” gewesen, so die Wienerin. Trotzdem hätten sie “klaren Kopf” bewahrt.
Rasche Hilfe für junge Frauen
“Nachdem die vermissten Mädchen geborgen waren, wurde sofort mit der Reanimierung begonnen.” Bundesheer Sanitäter seien von Anfang an bei dem Ausflug im Rahmen des Girls’ Camp anwesend gewesen, weitere Rettungskräfte per Boot rasch dazugestoßen. “Zwei Rettungshubschrauber haben die Mädchen in Krankenhäuser geflogen.”
Ein Boot sei sofort nach Abflug der Helikopter zur Gruppe mit der 34-Jährigen gekommen, habe “zuerst die gekenterten Mädchen und später, in einer zweiten Fahrt, die Mädchen, die nicht ins Wasser gefallen waren, inklusive mir”, an Land gebracht, “wo wir von der Rettung erwartet wurden”. Auch bei dieser Flussquerung sei das Boot nicht überbelegt gewesen. Ein Transport ins Krankenhaus sei “einstimmig” abgelehnt worden, “da niemand von uns ins Wasser gefallen war und sich auch niemand verletzt hatte”.
Bundesheer-Boot gekentert: 13 Personen an Bord
Ein Boot mit 13 Personen ist gekentert”, betonte die Wienerin. “Die Insassen eines zweiten Bootes wurden durch Routineprozeduren ins Krankenhaus und dann zurück in die Kaserne gebracht. Die Insassen des dritten Bootes haben einen Krankenhausbesuch eigenständig abgelehnt.” Ihre Gruppe sei somit direkt in die Kaserne zurück gebracht worden, wo es – nach einem warmen Essen – Betreuung durch Psychologen gegeben habe.
Kontaktdaten von Heerespsychologen für eine eventuelle Nachbearbeitung des Geschehens seien mitgegeben worden. Eine WhatsApp-Gruppe für alle Teilnehmerinnen zum gemeinsamen Austausch sei eingerichtet worden. “Außerdem werden Gruppentreffen organisiert”, erzählte die Girls’ Camp-Teilnehmerin. “Wir erhalten auch im Nachhinein Unterstützung, sollte dies für uns notwendig sein.”

  • 8 September

@GTLMedicus: Es ist nun fast auf die Minute eine Woche her seit ohne Fahr-, Material–oder Organisationsfehler zwei Teilnehmerinnen vom Girls Day des Bundesheer in die Intensivstation gebracht wurden und bislang keine Besserung ihres Zustandes eingetreten ist. #Bundesheer #justsaying
@Bundesheerbauer Replying to @GTLMedicus Unsere Kommission arbeitet jeden Tag. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Es müssen alle Teilnehmerinnen befragt werden. Wir haben das größte Interesse, aufzuklären warum es zum Unfall gekommen ist. Und für den Unfall wird es Gründe geben. Wir wissen Sie nur noch nicht.

Fachlich kann ich natürlich nichts zu allfälligen Fahr- oder Materialfehler beitragen.
Hinsichtlich des Wetterriskos zum Unfallzeitpunkt, unabhängig wie dieses hinsichtlich Sicht und Wellengang beurteilt wird, soll daran erinnert werden, dass damals im Osten Österreichs zum Unfallzeitpunkt schwere Unwetter wüteten:

In den jüngsten Stunden gab es vielerorts markante Regenmengen, im Südosten wurden seit Freitagabend sogar über 20.000 Blitzentladungen detektiert. 

Gegen Mittag, also dem Zeitpunkt den die meisten Pressefotos eingefangen haben, machten die Regenfälle gerade wieder eine Pause, so dass sie die vorher herrschende Wettersituation nicht richtig wiedergeben.
Ob die unter den zu diesem Zeitpunkt herrschenden Bedingungen den unausgebildeten Gästen des Bundesheeres ein noch tolerables oder zu hohes Risiko zugemutet wurde, liegt fachlich auch außerhalb meiner Expertise.
Ob die Informationen über die offenbar schlechte Identifizierung der Teilnehmerinnen und Information ihrer Angehörigen Bedenken über die Gesamtorganisation aufkommen lassen, mögen Sie selbst entscheiden..
Medizinisch ist aber relevant, ob das alles dazu beigetragen hat, die Zeitspanne zwischen Unfall und Reanimationsbeginn zu verlängern.
Es darf als bekannt vorausgesetzt werden, dass das Gehirn prinzipiell nur eine sehr kurze Unterbrechung der Sauerstoffzufuhr toleriert.
Wie eng diese Zeitspanne ist hat eine rezente Analyse von 160 Fällen < 16 Jahren vor Augen geführt:
 https://www.bmj.com/content/350/bmj.h418

Auch eine ganz rezente Metaanalyse (Neurologic long term outcome after drowning in children) betont die Wichtigkeit jeder einzelnen Minute während und nach dem Unfallgeschehen:

However, the long-term outcome of survived drowning victims depend mainly on the severity of the initial ischemic brain insult, the effectiveness of immediate resuscitation with subsequent transfer to the ER, and also on the post-resuscitation management in the intensive care unit.
Important predictors for survival itself either with mild or severe neurological deficits include: the duration of submersion, the need of advanced life support at the site of the accident, the duration of CPR, and the establishment of spontaneous breathing and circulation on arrival to the ER.
Submersion time mainly determines the level of hypoxic-ischemic injury but it is at best an estimate given in an extremely stressful situation. It has been shown that a prolongation of submersion over 5 –10 min worsens the prognosis considerably.
Many other predictors of survival that have been reported in the literature are mainly consequences of the duration of the primary insult of CPR and the quality of the treatment the patient has received before or after the arrival to the ER.

Es steht zu hoffen, dass Bundesheer und Staatsanwaltschaft auch das organisatorische Umfeld in dem der Unfall passiert ist, sehr genau prüfen und folgende Fragen überzeugend klären:

Welche Einschulung haben die Teilnehmerinnen für den Fall eines Unfalls erhalten?
Erhöhten Wetter und Sicht zum Unfallzeitpunkt das Risiko maßgeblich und wie wurde darauf reagiert?
Ab wann ist das Fehlen der beiden Frauen wem bekannt geworden?
Wer hat mit welchen Mitteln versucht zu klären wo sie sich befinden?
Wäre man der Annahme gewesen, dass sie (mit ihren Schwimmwesten) flussabwärts geschwemmt wurden, hätte eines der Boote sie sehen oder suchen müssen.
Welche Maßnahmen (Namensschilder, …) wurden für die Identifikation der Teilnehmerinnen getroffen.
Stimmt der mediale Eindruck, dass die Einsatzleitung federführend von anderen Organisationen und nicht dem Bundesheer selbst übernommen wurde
und entspricht das der zu erwartenden Sorgfaltspflicht den Teilnehmerinnen gegenüber?

 

Written by medicus58

15. September 2018 at 09:49

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