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Wiener Ärztekammerwahl 2017: Was wird uns versprochen? Teil 4

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kammer

Im 4. Teil dieser Analyse der zur Wiener Wahl antretenden Listen möchte ich die Aussagen herauszuarbeiten, in denen sich die einzelnen Bewerber (zumindest nach der in ihren Web-Auftritten gemachten Statements unterscheiden) und noch ein paar grundsätzliche Gedanken hinzufügen.

Wenig überraschend treten alle Listen für Verbesserungen für eh alle ein und vermeiden allzu Polarisierendes. Naturgemäß wäre das gerade für die gesundheitspolitisch seit Jahren zwischen Krankenhäusern, Spitalsambulanzen, Instituten und Ordinationen hin und her geschobenen Leistungsaufträgen zu erwarten, weil in einem letztendlich weitgehend gedeckelten System jede „Aufwertung“ des einen zu einer „Abwertung“ des anderen führen muss.

Auf einem Randgebiet relativ weit und mit diesen Forderungen alleine dastehend lehnen sich die Grünen Ärzte heraus, wenn sie die Entkriminalisierung des Drogenkonsums und die kontrollierte Abgabe fordern, Ja zur Psychotherapie auf Krankenschein sagen und eine Krankenversicherung, eine Unfallversicherung, eine Pensionsversicherung – für alle fordern.
Durch die Besetzung des Chefredakteurs von Doktor in Wien durch einen Spitzenmandatar ihrer Liste erklärlich, sind die Grünen Ärzte die einzigen, die dieses Periodikum ansprechen und ein Redaktionsstatut fordern.

Die Wahlgemeinschaft ist die einzige Liste, die ein Nein zur Dreiklassenmedizin und eine Einmalzahlung (von mindestens € 50.000) für jede Kassenordinationsgründung fordert.
Natürlich wollen alle eine bessere Ausbildung, quantifiziert (was eine Rückkopplung in Personalbedarfsrechnungen bewirkt)  dies wird aber nur von der Wahlgemeinschaft konkretisiert, in dem sie fordert:
25% der Arbeitszeit jedes Arztes in Ausbildung nur der Ausbildung zu widmen und nicht der Leistungserbringung
Turnus- und Assistenzärztinnen und -ärzte dürfen mit max. 75% in den Personalbedarf einberechnet werden 
Auch die konkrete Forderung eine nationalen, für alle Ärztinnen und Ärzte frei verfügbares Fortbildungskontos von mindestens 6000 Euro pro Kopf und Jahr wird von der Wahlgemeinschaft erhoben, leider wird aber wie bei allen Forderungen nicht klar definiert, wer das zahlen soll und wie man den dazu bringen will. Ich bezweifle, dass geplant ist, dies durch die ÄK Umlage zu finanzieren ….

Kammer light positioniert sich für einen einheitlichen Kammerbeitrag, eine Neue Bescheidenheit (Einsparung Dienstwagen, schrittweise Fusion der Landesärztekammern) und einer Pensionsberechnung nach durchschnittlicher Wochenarbeitszeit, nicht nach Lebensarbeitszeit. Auch die Forderung nach SVA-Pensionsversicherungsbeiträge von 12,75% auf 10,5% des Einkommens – so wie für alle anderen Selbständigen auch findet sich exklusiv dort, wenn auch hier das übliche Problem auftaucht, wie die Forderung gegenüber Dritten, hier eben die SVA, durchsetzbar sind.
Auch das Drittelparitätisches Mitspracherecht bei Ordinationsübergabe (Gebietskrankenkasse, Ärztekammer, niedergelassener Arzt) wird explizit so nur von Kammer light gefordert, aber auch hier die Rahmenbedingungen nicht weiter dargelegt.

Auch wenn wohl kaum ein potentieller Mandatar das Mystery Shopping bei Kassenärzten freudig begrüßt, trommelt medial vor allem die Vereinigung mit ihrem Spitzenkandidaten Steinhart am vehementesten dagegen. Wenn ich nichts übersehen habe, finden sich alle anderen Forderungen der Vereinigung auch bei anderen Gruppierungen, was aber mögliche Koalitionen eher vereinfacht.

Für Wien ist die Forderung nach der Abschaffung des Hauptverbandes bei gleichzeitiger Beibehaltung eines Gesamtvertrages ein Alleinstellungsmerkmal von Szekeres, der eben wiedergewählte Tiroler ÄK Präsident und Präsident der ÖÄK Wechselberger, fordert dies aber ebenso.

Asklepios Union stellt naturgemäß heraus, dass die Kandidaten in dieser Form und viele ihrer Kandidaten überhaupt noch nicht zur Wahl angetreten sind: Manche sind neu – und manche sind wirklich neu! Weiters verspricht sie die Kooperation mit der Ärztegewerkschaft und fordert einen
Fonds zur eventueller Ordinationsablöse bei Problemen mit Krankenkassen.
Auch hier bleibt die Bedeckung dieses Fonds vorerst offen.

Ein eindeutiges Alleinstellungsmerkmal hat Reisner (als Team Reisner für NÖ) dadurch, dass er ein Gewinnspiel anbietet und (für NÖ) einen short cut anbietet: Wählen Sie Ihren Präsidenten: Direkt und einfach
Reisner beruft sich in seiner Bilanz auch darauf in NÖ Entscheidungen in Gremien mit deutlichen Mehrheiten zustande gebracht zu haben, eine Verhandlungsfähigkeit, die nicht alle Präsidenten der Landesärztekammern hatten und deshalb z.B. jener von Kärnten, der seinen Vorgänger vom Thron stieß, nun gar nicht mehr antreten möchte, offenbar nicht in ausreichendem Maße hatte und dem inzwischen die Gräben in der Kollegenschaft unüberwindlich scheinen.
Bemerkenswert ist auch, dass das Team Reisner als einzige Liste sehr deutlich den Anspruch auf die Österreichische Ärztekammer ausspricht:  Stärkung unserer Position in der Österreichischen Ärztekammer – um bundesweite Themen vorzugeben.

Andere Spitzenkandidaten mit vergleichbaren Ambitionen (Niedermoser (OÖ), Wechselberger (Tirol), Steinhart und Szekeres (Wien) geben sich noch ausschließlich regional. Selbst nach dem erneuten Gewinn der absoluten Mehrheit in Tirol hält sich diesbezüglich der derzeitige ÖÄK Präsident Wechselberger sehr bedeckt. Persönlich finde ich das eigentlich schade, dass nicht auch andere Mandatare die ÖÄK thematisieren, denn schließlich ist diese (theoretisch) der erste Ansprechpartner der Gesundheitspolitik und anderer bundesweiter Stakeholder.
Die Stärke der Länderkammern liegt (noch) in den Verhandlungen mit den jeweiligen §2 Krankenkassen der Länder über den Ordinationsplan und die Tarife und (in unterschiedlichem Ausmaß) als Gesprächspartner der regionalen Krankenhausbetreiber. Danach geht es meist nur mehr um Interna (WFF, Posten, …).
Aus diesem Grunde wäre es vielleicht wünschenswert gewesen, dass sich mehrere Listen auch zu ihren Vorstellungen über die Entwicklung der ÖÄK  geäußert hätten.
Auch andere überregionale Problemfelder bleiben unbeachtet. In vielen Bundesländern ist der Wohlfahrtsfond ein Streitpunkt, ich kenne aber keine Stimme die das Problem anspricht, dass eine heute zunehmend im Angestelltenverhältnis tätige Ärzteschaft den kaum mehr braucht, aber naturgemäß die Verpflichtung hat alle KollegInnen mit bestehender Anwartschaft aus zu bezahlen.
Überhaupt hinterfragt niemand die Frage, ob eine primär im  Angestelltenverhältnis arbeitende Ärzteschaft (in wie weit hier auch die klassischen Kassenverträge dazu zählen mal außen vor)  noch eine eigene Kammer (mit Pflichtmitgliedschaft und all den Kosten der Tätigkeiten im übertragenen Wirkungsbereich) benötigt. Ein Aspekt der PHC Debatte mit ihren Direktverträgen zwischen Betreibern und Versicherungen (ohne Beteiligung der ÄKs) der als Zeitbombe tickt.

Einzig das Komitee, ich erwähnte das schon, quanifizierte die Schmerzgrenze für den Anteil der administrativen Tätigkeit aller Ärzte mit max 4% im Spital und max. 4-5% in der Niederlassung. 
Weiters verlangt man die Garantie des Wahlarztes mit einer Verfassungsbestimmung und bekennt sich in der Standespolitik zu einem „Primum Nil Nocere“ 

Aeskulap legt da noch einiges zu und gibt den Hashtag gleich vor #MakeTheDocsGreatAgain! gefolgt von
Was gut ist für Burger, ist schlecht für Bürger und einem Wunsch, der angesichts der nahenden Ausschreibung der Wiener Patientenanwaltschaft fast revolutionär klingt:
Die Patientenanwälte dürfen in Zukunft nicht mehr politisch bestellt, sondern müssen vom Volk gewählt werden 
Weitere alleinstellende Forderungen:
offizieller Vertreter der Wiener Ärztekammer als legitimierter „Botschafter“ in die GÖG (Gesundes Österreich Gesmbh)
Die Wiener Kammer soll ein Vetorecht bei allen gesundheitspolitischen Entscheidungen auf der Wiener Landesebene bekommen.
Die Österreichische Ärztekammer muss dasselbe für den Bund erhalten und alle anderen Länderkammern natürlich in ihren Bundesländern auch.

Turnusärzte für Turnusärzte tragen ihr Alleinstellungsmerkmal schon im Namen, stechen aber mit der expliziten Forderung nach einer Abstimmng über ein Ausstiegsszenario aus dem Wohlfahrtsfond, der Forderung nach bessere Kindergärten (Kinderbetreuung) im Krankenhaus,  sowie einer  gerechtere Berechnung der Ausbildungszeiten während einer Teilzeit heraus.

Auch hier gilt wie schon oben mehrfach erwähnt, dass noch verschwiegen wird, wie man die jeweiligen Verhandlungspartner dazu bringen möchte, diese Forderungen, so sie in der ÄK mehrheitsfähig würden, zu erfüllen.

Auch die Wahlärzte Wien sagen gleich in ihrem Namen, wer sie sind, auf ihrer kleinen Vereinshomepage findet man eigentlich kein wirkliches Programm, außer dass der WÄK die Wahlärzte gleichgültig wären und dass man das ändern möchte, so wie in Reisner in NÖ ….
Die wieder abgesetzte Stv. ÄK Präsidentin kandidiert als  Liste Raunig – Liste für Hausärzte, mehr ist augenblicklich nicht zu erfahren.
Die AKH Initiative bietet als Programm für die kommende ÄK Wahl ihre 2016 Programme für die Betriebsrats- und Senatswahl an.
Über die Union Wiener Ärzte ist online nichts zu erfahren, bei der letzten Wahl hat sie kein Mandat erreicht..

Abschließend möchte ich noch auf ein Manko nahezu aller Wahlen und Webauftritte bereits mehr oder weniger etablierter Kandidaten hinweisen. Einige Listen ziehen zwar selbstkritisch Bilanz welche ihrer Forderungen der letzten Wahl nicht oder noch nicht erfüllt werden konnten aber
in fast allen Fällen bleibt aber die Analyse aus, woran denn die Umsetzung bisher scheiterte und weshalb es zukünftig besser laufen sollte.
Natürlich liegt das erstmals „an den Widrigkeiten demokratischer Prozesse und in erster Linie am Fehlen einer absoluten (bis Zweidrittel-)Mehrheit der eigenen Fraktion“, was aber beides (hoffentlich) nicht so schnell behoben werden kann.

Viele Baustellen sind aber auch innerhalb der Ärzteschaft nie konsensual ausdiskutiert worden oder treten als Folge innerer Sollbruchstellen auf.

Alle sind für eine schlanke Kammer, Koalitionen werden aber auch durch das Verteilen von Latifundien geschaffen.
Die (gesetzlich vorgegebene) Trennung zwischen Niedergelassenen und angestellten Ärzten in Kurien begünstigt eher das Ausspielen der einzelnen Gruppen sowie die eigene Nabelschau und verhindert konsensuale Lösungen und einen starken gemeinsamen Auftritt nach außen.
Bei immer mehr gesundheitspolitischen Weichenstellungen sitzen Vertreter der Ärztekammer nicht mehr im Kernteam, während ja scheinbar nichts mehr im Gesundheitssystem ohne die Wirtschaftskammer oder die Industriellenvereinigung läuft. Fällt eigentlich irgendjemand die Arbeiterkammer in gesundheitspolitischen Debatten auf?
Es ist tagespolitisch einfach möglich geworden vieles über die Köpfe derer zu entscheiden, die nachweislich zumindest das Kerngeschäft gelernt haben.
Die Struktur von ELGA-konformen Arztbriefen definiert (bis zu klinischen Unbrauchbarkeit) die Medizinische Informatik und nicht mehr die Ärzteschaft …. um ein willkürliches Beispiel zu nennen.

Ärzte und Lehrer gelten – zu recht oder zu unrecht – als Bremser jeder Veränderung und als Verursacher des oft beklagten (und dann wieder abgestrittenen) Versagens unseres Gesundheits- bzw. Schulwesens. 
Nicht dass eine Totalopposition etwas Sinnvolles oder Wünschenswertes ist, aber man vergleiche die „Erfolge“ der Lehrer (sie haben sogar eine eigenen, vielfach autonom agierende Berufsgewerkschaft durchgesetzt) mit den „Erfolgen“ der Ärzteschaft im Mächtespiel der politischen Realität. Es ist also nicht gänzlich egal, von wem man vertreten wird, so dass uns die kommende Kammerwahl allen etwas Aufwand und kritisches Hinterfragen, jedenfalls aber die bewusste Stimmabgabe wert sein sollte.

Wenn diese Beiträge dazu anregen konnten, hätten sie ihren Zweck erfüllt.

Links:

Team Szekeres vormals Sozialdemokratische Ärztevereinigung
Vereinigung Österreichischer Ärztinnen und Ärzte
Grüne Ärztinnen und Ärzte
Wahlgemeinschaft Ärzte für Ärzte
Kammer light
Team Reisner (kandidiert 2017 als Einzelperson in Wien und als Liste in NÖ)
Asklepios Union

Komitee – Freie Ärzteplattform
Aeskulap
BÖI
10 Liste TFT
11 Wahlärzte Wiens
12 ÖHV – Landesgruppe Wien
13 Liste Raunig – Liste für Hausärzte
14 Team Wien
15 AKHInitiative

16 Plattform Ärztinnen +/- 60 (kein Link)
17 Union Wiener Ärzte (kein Link)

Written by medicus58

28. Februar 2017 at 18:37

Veröffentlicht in Allgemein, Ärztekammerwahl 2017

Jö, auch der BÖI tritt an

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boei

Der Berufsverband Österreichischer Internisten tritt als überparteiliche Vereinigung bei den Wiener Kammerwahlen 2017 (Sektion niedergelassene Fachärzte) an, um die Interessen ALLER niedergelassenen Fachärzte gegenüber Parteien, Kammern und Sozialversicherungsträgern zu vertreten.
Stärken Sie mit Ihrer Stimme die Position aller Fachärzte in der Ärztekammer !
Honorarverhandlungen wieder durch die Fachgruppen
 –  Anstellung von Ärzten bei Ärzten
 –  Kassenverträge, die sämtliche ambulant durchführbaren Leistungen umfassen
 –  Gleichstellung der Facharztpraxen mit Ambulanzen und Privatkliniken bezüglich der Direktverrechnung mit den Zusatzversicherungen
 –  Erstattung von Verbrauchsmaterial/Ordinationsbedarf durch die Krankenkassen für alle Fachgruppen

zur Homepage des BÖI

Link (besucht am 25.2.2017):  http://fachaerzte.boei.or.at/
D
esign: Eigenbau

Written by medicus58

25. Februar 2017 at 16:24

Wiener Ärztekammerwahl 2017: Was wird uns versprochen? Teil 3

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kammer

Das ist der dritte Teil der inhaltlichen Analyse der zur Wiener Wahl antretenden Listen.

Ein wenig überraschend ist, dass alle Listen eine bessere Ausbildung für Ärzte in Ausbildung versprechen, obwohl wir gerade eine massive Reform der Ärzteausbildungsordnung hinter sich haben, die, im Gegensatz zu vielen anderen Reizthemen wie PHCs und Wahlärzte, über weite Strecken gemeinsam mit Kammervertretern verhandelt wurde. Klar, dass sich diese nicht in allen Punkten gegen die Phalanx der anderen Stakeholder durchgesetzt haben, aber das Mitspracherecht der Kammern war in dieser Angelegenheit höher als in vielen anderen Materien. Selbstverständlich ist das das Kernthema von TFT , die auch bilanzieren was sie diesbezüglich erreicht hätten.
Reisner verlangt einen zuständigen Oberarzt für die Ausbildung und ein Karrierecoaching der in Ausbildung stehenden KollegInnen.
Für die Lehrpraxis sind ohnehin alle, ein Knackpunkt ist seit langem die Bezahlung, die noch nicht für die gesamte Dauer der PA-Ausbildung zugesagt ist und für Fachärzte überhaupt noch unklar istDie Vereinigung setzt auf einen Kollektivvertrag für die Lehrpraxis.
Kammer light
geht ins Detail und fordert Ausbildung als Sonderurlaub, Erfassung der Ausbildungszeiten in Tagen und eine Evaluierung der Ausbildungsstellen intern/extern/Lehrpraxis.
Für Asklepios Union soll die Ausbildung generell mehr in den extramuralen Teil ausgelagert werden.
Als einzige Liste stellt das Komitee überhaupt den Common trunk in Frage, wobei diesbezüglich das aktuelle wording eigentlich Basisausbildung ist.

Die rasanten Änderungen der letzten Jahre führen überhaupt zu einer gewissen Begriffsverwirrung, was den nun Ausbildung, Fortbildung und Weiterbildung wäre. Jedenfalls wollen Asklepios Union, Kammer light und die Wahlgemeinschaft eine Art Fortbildungskonto zur Abdeckung der immer höheren Kosten des verpflichtenden postpromotionellen Wissenserwerbs.

Da die EDV einen immer größeren Anteil an der täglichen Arbeit von Ärzten einnimmt verwundert es kaum, dass auch dazu einige Wortmeldungen fallen.
Einen Dauerbrenner stellt auch ELGA dar und in ihren Veröffentlichungen erklären die Ärztekammern ihre Ablehnung meist mit Sicherheitsbedenken. In der aktuellen Wahlwerbung kommen aber mindestens ebenso wichtige, den praktisch tätigen Arzt vermutlich aber mehr betreffende Punkte zur Sprache.
Die Wahlgemeinschaft ist für ein Abschalten von ELGA, wenn nicht Interessenskonflikte offengelegt werden.
Kammer light ist nicht nicht prinzipiell dagegen, wenn ELGA konstenfrei für die Ärzte ist und stellt auf ihrer Homepage auch ein Fact Sheet zur Verfügung. Auch Aeskulap sagt NEIN, wenn ELGA nicht kostenfrei ist, verlangt aber überdies, dass der Umgang so schnell wie mit Papierbefunden sein muss. Reisner sagt Nein zu ELGA, weil es schlecht umgesetzt ist. Szekeres will überhaupt Zuschüsse für eine IT-Modernisierung der Praxen, statt ELGA und unterscheidet sich hier nicht sehr von seinem Vizepräsidenten von der Vereinigung.

Sehr ausführlich beschäftigen sich die Grünen Ärzte mit der Rolle der EDV in der Niederlassung und verlangen eine Bessere Kontrolle der Abbrechnungssoftware: Nur so können wir feststellen, ob und wann die mit den Kassen besprochenen Nachzahlungen auch geleistet wurden. Eine – verschiedentlich geplante – Abrechnungsstelle in der Ärztekammer lehnen sie nicht zuletzt aus datenschutzrechtlichen Gründen ab. Bemerkenswerterweise bemängeln sie auch als einzige das Monopol Ordinationssoftware.
Die Wahlgemeinschaft bleibt allgemeiner und will Effiziente EDV Lösungen und Userfreundliche EDV Programme. Kammer light will eine kostenlose Ärztekammer Affinity-Domain und beklagt Preiswucher von Monopolisten

Interessant wird es auch, was die etablierten Listen so sagen, wie denn ihrer Meinung nach die Kammerstrukturen aussehen sollten, den abgesehen von den gesetzlichen Rahmenbedingungen sehen die Kammern natürlich so aus, wie sie von den jeweils intern bestimmenden Kräften aufgestellt wurden.
Große Einigkeit herrscht, dass die Ärztekammer eine Servicestelle für alle Ärzte sein sollte aber offenkundig noch nicht in dem gewünschten Ausmaß ist.

Szekeres verspricht ein Managementservice für niedergelassene Allgemeinmediziner, Reisner in NÖ und Reisner mit der Wahlgemeinschaft in Wien steben einen Servicebetrieb für alle Ärztinnen und Ärzte in Österreich an. Das Komitee verlangt überdies noch eine Rechtsvertretung im Sinne einer Rechtsschutzversicherung für alle Ärzte.
Nach Szekeres soll die Kammer Sauberkeit, ohne Klientelwirtschaft bei Versicherungen und Spitalserhaltern auszeichnen, während das Komitee Wert aus Sachlichkeit legt. Asklepios Union wünscht sich etwas vage eine Kooperation von intramural und extramural Tätigen.

Seit ich mich erinnern kann werben alle Listen immer für eine Schlankheitskur der Kammer. 2017 möchten Asklepios Union, das Komitee und Kammer light die Kammer Durchleuchten und Abschlacken. Die Grünen Ärzte sprechen von einem Wildwuchs an Referaten (Vergleiche hierzu Relata refero auf diesem Blog) und klagen, dass sie sich diesbezüglich kammerintern nicht ausreichend durchsetzen konnten. Mir fällt hier aber auf, dass wieder einmal niemand so recht über den Tellerrand des eigenen Bundeslandes blickt und die zunehmenden Aktivitäten der ÖÄK (Arztakademie, DFP, ÖQMed, Ärzteverlag, geplante HCM/EBM Strukturen, …)  kritisch hinterfragt, denn schließlich werden diese Einrichtungen mit den in den Bundesländern gewählten Kandidaten „befüllt“.

Damit im Zusammenhang stehend sind die Höhe und Gerechtigkeit der Kammerumlagen, die laut Selbstdarstellung der Kammerführung aller Bundesländer aber ohnehin seit Jahren gesenkt werden. Die Vereinigung verspricht Senkungen, Szekeres verweist auf erreichte Senkungen.

Etwas widersprüchlicher wird es beim Wohlfahrtsfond. Klar, dass alle geringere Beiträge und höhere Leistungen wollen.
Die Wahlgemeinschaft verspricht Freiwilligkeit und ein beitragsfreies JahrKammer light eine Flexibilisierung, Kammer light eine Freiwillige Mitgliedschaft. TFT will Wohlfahrtsfondsbeitrag auch für alle Ärzte über 30000.- Jahreseinkommen brutto senken und am radikalsten ein Ausstiegszenario berechnen und den Mitgliedern zur Abstimmung vorgelegen.
Die detailreichste Analyse findet sich auf Kammer light, die auf die Doppelschneidigkeit der steuerlichen Absetzbarkeit der WFF Beiträge während der beruflichen Aktivität und die Einkommenssteuerpflicht für die Fondausschüttungen in der Pension aufmerksam machen.

Unterschiede zwischen den Listen finden sich auch in der Art, wie sie die Außenwirkung der Kammer und das Bild der Ärzte in der Öffentlichkeit sehen.

Klarerweise sieht Szekeres die Außenwirkung der WÄK sehr positiv:
Noch nie in der Geschichte war die Ärztekammer in der medialen Öffentlichkeit so gut positioniert.
Asklepios und Szekeres wünschen sich, dass den Ärzten mehr Wertschätzung entgegen gebracht wird, aber vermutlich wird da kaum irgend jemand von uns dagegeen sein. Wie das im Detail erreicht werden soll erfahren wir aber nicht wirklich.
Szekeres scheint das durch seinen persönlichen Kampf, der sich inhaltlich sinnvoll in die Diskussion zur Entwicklung des österreichischen Gesundheitswesens einbringt erreichen zu wollen und betont den Verzicht auf parteipolitisches Kalkül.
Wie wir aber schon im ersten Teil darstellt haben, sehen sich ohnehin alle als parteipolitisch unabhängig und manche sogar als ideologiefrei, so dass, sollte das ausreichen, um gehört zu werden, die Zukunft nur rosig werden kann.
Szekeres hat diesbezüglich aber auch noch eine Offensive gegen Dr. Google und App-Medizin von Scharlatanen im Köcher, ohne hier näher ins Detail zu gehen.

Bemerkenswert für einen Wahlkampf ist die betonte Konstruktivität mit der die meisten glauben, die Wertschätzung und das Mitspracherecht erreichen zu können, die aber offenkundig den Ärzten aktuell nicht entgegengebracht wird. Diese Widersprüchlichkeit kommt ganz deutlich beim Komitee zu Tage, wo einerseits die Demütigung der Ärzte beklagt wird, andererseits sich man selbst befähigt fühlt, eine funktionierenden Gesprächs- und Verhandlungsbasis zu Politik, auch durch SV Medienarbeit, herstellen zu können.

Im letzten Teil der Analyse werde ich versuchen herauszuarbeiten, ob es Alleinstellungserkmale einzelner Listen gibt und ein subjektives Fazit versuchen.

 

Links:

Team Szekeres vormals Sozialdemokratische Ärztevereinigung
Vereinigung Österreichischer Ärztinnen und Ärzte
Grüne Ärztinnen und Ärzte
Wahlgemeinschaft Ärzte für Ärzte
Kammer light
Team Reisner (kandidiert 2017 als Einzelperson in Wien und als Liste in NÖ)
Asklepios Union

Komitee – Freie Ärzteplattform
Aeskulap
BÖI
10 Liste TFT
11 Wahlärzte Wiens
12 ÖHV – Landesgruppe Wien
13 Liste Raunig – Liste für Hausärzte
14 Team Wien
15 AKHInitiative

16 Plattform Ärztinnen +/- 60 (kein Link)
17 Union Wiener Ärzte (kein Link)

Written by medicus58

25. Februar 2017 at 16:19

Veröffentlicht in Allgemein, Ärztekammerwahl 2017

Wiener Ärztekammerwahl 2017: Was wird uns versprochen? Teil 2

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kammer

Gestern haben wir uns unter Wiener Ärztekammerwahl 2017: Was wird uns versprochen? Teil 1
(https://medicus58.wordpress.com/2017/02/23/wiener-aerztekammerwahl-2017-was-wird-uns-versprochen/) mit einigen allgemeinen Beobachtungen und den Vorstellungen der Kandidaten zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen gewidmet. Heute werde ich mich mit den Stellungnahmen zu Versorgungsstrukturen bis hin zu Kassenverträgen, ELGA, ABS und 15a beschäftigen.

Szekeres (Stopp), Grüne Ärzte und Vereinigung (Vom Master- zum Desasterplan 2030) lehnen das Wiener Spitalskonzept 2030 ab.
Die Wahlgemeinschaft scheint da weniger radikal, fordert aber den Ausbau der Notaufnahmen.
Asklepios Union  fordert zusätzlich auch Reformen im Wiener Rettungswesen. Szekeres spricht auch eine Patientenflusssteuerung an, verriet aber bisher nicht das WIE.
Da es der offenkundige politische Wunsch ist die Wiener Gesundheitsversorgung zunehmenden nach intramural zu verlagern (Wehsely finanziert die Wiener Gebietskrankenkasse und keinen stört’s ) beschäftigt auch einige Kandidaten die Zukunft des größten Arbeitgebers und Krankenanstaltenbetreibers, des KAV.
Seit Wochen trommelt WÄK Vizepräsident Steinhart von der Vereinigung (Janssen muss weg) und WÄK Präsident Szekeres verlangt eine Neuaufstellung der Führung mit einem Expertenrat von ÄrztInnen. Wenig verwunderlich, stammt Szekeres schließlich aus dem AKH, thematisiert er auch am deutlichsten die prekäre Dienstverträge und das seit Jahrzehnten schwelende Problem, wie Lehr und Forschung im gleichzeitig größten Versorgungsspital des Landes unter einer Hut bzw. in ein faires Zeitschema zu bringen sind.
Bemerkenswert ist für mich in diesem Zusammenhang jedoch, dass kein Kandidat eine der wesentlichen Zeitbomben von Wehselys Spitalskonzept anspricht:
Den WSK Häusern (Alle KAV KHs exklusive AKH) verordnet die Stadt unter dem Titel Schwerpunktbildung zunehmend eine Verschiebung teurer und komplexer Routineleistungen ins AKH, während man dort im Hinblick auf Forschungs-, Publikations- und Lehrverpflichtung immer weniger Kapazität für Routineleistungen hat. Auch die verschiedenen Zusammenarbeitsverträge zwischen Stadt und Wissenshcfatsministerium konnten das Problem, allein schon aus ökonomischen Gründen, nicht wirklich lösen.

Ein wesentlicher Punkt für die extramurale Versorgung stellen auch Vorstellungen dar, wie diese organisiert werden soll. Einig scheinen sich da die meisten Fraktionen, dass der Hausarzt aufgewertet werden soll, es einen Gesamtvertrag geben soll und dass große Versorgungsstrukturen (PHCs, Ambulatorien, Institute, ….) unter der Leitung eines Arztes und nicht eines Kapitalinvestors stehen müssen und dass es Anstellungsmöglichkeiten von Ärzten durch Ärzte geben muss.

Am radikalsten, dadurch aber auch irgendwie irreal wirkend sagt das Reisner
KEINE ANONYMEN ZENTREN!
DER HAUSARZT DARF NICHT AUSSTERBEN!
DER FACHARZT DARF NICHT AUSSTERBEN!

Zu den medial besonders hoch gekochten PHCs bleibt die Haltung zu den wesentlichen Fragen m.E. etwas indifferent. Naturgemäß können die Grünen Ärzte, deren Spitzenkandidaten im bislang einzige Vorzeigeprojekt Wiens involviert sind das letztendlich nur gut heißen, was sie aber ebenso wie die Wahlgemeinschaft nicht hindert den Wahlarzt aufwerten zu wollen und mehr Kassenverträge zu fordern, also irgend wie alles wie bisher bleiben aber besser werden soll. Dies kulminiert in der Forderung das alles … möglichst sanft für alle Beteiligten zu gestalten. Wie Reisner werden sie IMHO etwas irreal, wenn sie von Erste Klasse für alle sprechen und sie durch neuartige Strukturen: von Netzwerken über Gruppenpraxen bis hin zu PHC-Modellen die Rahmenbedingungen massiv verbessern und Anreize für Allgemeinmediziner_innen schaffen wollen. 
Aeskulap und Kammer light scheinen mit den PHCs viel weniger „zu können“ und sprechen von Alternative zu PHC-Zentren: Anstellungsoption von Ärzten.
Szekeres spricht gendersauber von Zwei-Frauen-Praxen im Allgemeinmedizinischem Bereich, um dann an anderer Stelle wieder „nur“ den Hausarzt aufzuwerten. Einerseits will auch er den Gesamtvertrag beibehalten, andererseits (übrigens wie ÖÄK Präsi Wechselberger) den Hauptverband, der den Gedamtvertrag zumindest unterschreibt, abschaffen.
Die Vereinigung legt sich nur insofern fest, dass sie keine einseitige Förderung großer Versorgungseinheiten sondern gleichberechtigtes Nebeneinander von Einzelordinationen, Gruppenpraxen und großen Versorgungseinheiten fordert und ist das den Grünen Ärzten und dem BÖI sehr nahe. Zusätzlich will sie eine Legalisierung des Parallelarbeitens in den Ordinationen.

Auch Aeskulap will irgendwie alle leben lassen und spricht von Freiwilligen Netzwerken und wie eh alle vom Nein zu PHC in dzt. Form. Eine zumindest originelle, wenn auch nicht wirklich erklärte Verschränkung des extra- und intramuralen Bereiches kommt nur von dort: 
Die rund um die Uhr bestehende Vorhalte in den Spitälern muss genützt werden.
Allgemeinmediziner sollen am Wochenende die Ambulanzen benützen können und dort Patienten behandeln.

Bekanntlich ist die Ausverhandlung von Kassentarifen für Arztordinationen seit Jahrzehnten eine der wesentlichen Existenzberechtigungen der Ärztekammern, so dass es etwas eigenartig anmutet, wenn hier etablierte Mandatare Forderungen stellen, die – weshalb auch immer – bislang nicht in die Verträge Eingang fanden bzw. finden konnten.
Szekeres verlangt eine Inflationsabgeltung der Tarife, bei der Vereinigung findet man Teilung von Kassenverträgen und die Möglichkeit der Dauervertretung. Reisner freut sich für NÖ, dass die Erweiterte Vertretung gesichert werden konnte.
Noch detailiertere Forderungen stellt die Wahlgemeinschaft und streicht hervor, dass die zweite und dritte Patientenkonsultation pro Quartal derzeit unbezahlt bleibt.
Kammer light, zum Teil auch Asklepios Union, BÖI und Reisner können sich ein in anderen Ländern praktiziertes Tarifmodell vorstellen, das sich ganz betriebswirtschaftlich aus einheitlichen Stundensätzen für die ärztliche Leistungen und eine separate Abgeltung für Geräte- und Infrastrukturkosten zusammensetzt. Reisner will überdies, dass vor allem Spritzen, Nadeln und Verbände sollen in Zukunft von den Kassen bereitgestellt werden. 
Natürlich sind Wahlärzte ein Thema, schließlich verdankt Reisner in NÖ nicht zuletzt dieser Gruppe seine Kammerpräsidentschaft. Niemand bekennt sich offen zu der von der Politik aufgebrachten aber letztlich wieder aus den 15a-Vereinbarungen geflogenen Forderung, die 75%-Refundierung des Kassentarifes an Wahlärzte zu beenden. Bemerkenswert, dass auch in der medialen Diskussion damals niemand darauf hingewiesen hat, dass dieser stiller Selbstbehalt ohnehin nur für Fächer gilt, für die eine Kassenvertrag existiert und bei Facharztwechsel im Quartal nicht ausgezahlt wird!
Aeskulap, Grüne Ärzte und Reisner verlangen zwar eine 100%-ige Refundierung der Wahlärzte nach Kassentarif, lassen aber die anderen Problemkreise offen.
Nur beim BÖI findet sich die Forderung Gleichstellung der Facharztpraxen mit Ambulanzen und Privatkliniken bezüglich der Direktverrechnung mit den Zusatzversicherungen und dass Honorarverhandlungen wieder durch die Fachgruppen erfolgen sollen.

Die hier schon öfters angesprochenen 15a Vereinbarungen zwischen Bund und Ländern werden langsam von den Ärzten als massive Systemänderung erkannt. Die Asklepios Union und die Wahlgemeinschaft sagen Nein zu 15a, das Komitee toppt mit der Aussage: 15a Schralaffenland für jene, die Kontrolle anderer der eigenen Arbeit vorziehen.

Interessant, dass andere Hemmschuhe wie  das EBS (= Elektronisches Bewilligungs- und Antragsservice) nur von Reisner direkt angesprochen wird, ebenso wie die Deckelungen im Vertragssystem, für die aber wohl ohnehin keiner sein wird, obwohl sie bisher offenbar nicht weg zu verhandeln waren.
Das ABS (= Arzneimittelbewilligungssystem) kritisiert neben Reisner auch die Wahlgemeinschaft.

In meinem nächsten Blogbeitrag werde ich mich mit den Vorstellungen zur Ärzteausbildung und zu den Kammerstrukturen beschäftigen.

Links:

Team Szekeres vormals Sozialdemokratische Ärztevereinigung
Vereinigung Österreichischer Ärztinnen und Ärzte
Grüne Ärztinnen und Ärzte
Wahlgemeinschaft Ärzte für Ärzte
Kammer light
Team Reisner (kandidiert 2017 als Einzelperson in Wien und als Liste in NÖ)
Asklepios Union

Komitee – Freie Ärzteplattform
Aeskulap
BÖI
10 Liste TFT
11 Wahlärzte Wiens
12 ÖHV – Landesgruppe Wien
13 Liste Raunig – Liste für Hausärzte
14 Team Wien
15 AKHInitiative

16 Plattform Ärztinnen +/- 60 (kein Link)
17 Union Wiener Ärzte (kein Link)

Written by medicus58

24. Februar 2017 at 19:15

Veröffentlicht in Allgemein, Ärztekammerwahl 2017

Wiener Ärztekammerwahl 2017: Was wird uns versprochen? Teil 1

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kammer

In den letzten Tagen habe ich hier Auszüge aus den Originaltexten der vermutlich in Wien kandidierenden Listen via „copy and paste“ auf den Blog gestellt, so wie ich es unter Stellt Dir vor es sind Ärztekammerwahlen angekündigt habe. Die einzelnen Links finden sich am Ende dieses Beitrags (augenblicklich ist www.vereinigung.at übrigens down) .
Zum Vergleich wurden so auch die Liste des aktuellen ÖÄK Präsidenten Wechselberger und des ÄK Präsidenten von Niederösterreich dargestellt.

Obwohl seit Montag , den 20.2.17 die antretenden Listen klar sind, gibt es augenblicklich diesbezüglich noch keine offizielle Verlautbarung, so dass sich die Analyse augenblicklich nur auf das beziehen kann, was im Netz vorliegt. Sollten sich große Änderungen ergeben würde dieser Blogbeitrag ggf. aktualisiert werden. Sollte dies jemand lesen und zu ganz anderen Ergebnissen kommen, stelle ich gerne die Kommentarleiste für weitere Diskussionen zur Verfügung, die ggf. auch in die Aktualisierungen einfließen würde. Ich habe mich um Objektivität bemüht, kann aber nicht ausschließen, in dem zum Teil sehr diffusen Aussagen etwas übersehen zu haben.
Im ersten Teil meiner Analyse werde ich mich mit einigen prinzipiellen Beobachtungen beschäftigen, andere Aspekte, wie die Aussagen zu verschiedenen Organisationsformen, ELGA, PHC und Zukunftsvisionen folgen in den nächsten Tagen ….

Interessant ist , dass sich die meisten für ihren Webauftritt einer professionellen Agentur bedienen, nur Aeskulap, Asklepios Union, TFT  und das Komitee setzen offensichtlich auf Eigenbau, was neben einem gewissen Zeitgeist wohl auch mit den zur Verfügung stehenden Geldmitteln im Zusammenhang steht.

Was ebenfalls auffällt, ist, dass alle Listen viele ihrer Aussagen (z.T. auch mit leicht geändertem Wording) mehrfach ansprechen, da sich die meisten gesondert an die verschiedenen Kurien wenden. So sinnvoll dieser Zielgruppen-bezogene Ansatz auf den ersten Blick auch scheint, zeigt er die hier schon früher angesprochenen Sollbruchstellen der Kammer (Warum sowohl Ärztestreik als auch „Gesundheitsreform“ scheitern müssen ).
Vielleicht etwas blauäuig, aber ich hätte es für sinnvoll erachtet, die eigenen Programme so zu formulieren, dass sich darin alle Ärzte wiederfinden können, denn selbstverständlich handelt es sich zwischen dem extra- und intramuralen Gesundheitssystem, trotz unterschiedlicher Finanzierungsströme und zT unterschiedlicher Personen um kommunizierende Gefäße.

Praktisch alle Listen, auch solche mit evidenten Querverbindungen zu bekannten politischen Gruppierungen, bezeichnen sich als (partei)politisch unabhängig.
Das Komitte sieht sich als idologiefrei, eine Aussage auf der HP der Wahlgemeinschaft toppt dies mit:
Mein Parteibuch heißt Medizin

Würde man nicht auch schon frühere Wahlkämpfe miterlebt haben, müsste man von der kommenden Kammerführung erwarten, dass sie vor lauter Transparenz zum Glaspalast mutieren müssteWahlgemeinschaft und Kammer light wünschen sich Livestreams von Kammersitzungen und Asklepios Union wünschen sich öffentliche Sitzungen und Veröffentlichung von Protokollen und Abstimmungsverhalten. Das Verlangen nach einer öffentlichen Dokumentation einer dissenting opinion findet sich nur bei Asplepios Union. Dass keine faulen Kompromisse auf Kosten der Ärzte in Ausbildung geschlossen werden will TFT sicher stellen.

Bemerkenswert und m.E. Ausdruck einer zunehmend gefühlten Ohnmacht vieler praktisch tätiger Ärzte ist die Betonung mancher Listen (besonders deutlich bei Asklepios Union, Kammer light und Wahlgemeinschaft), dass ihre Mandatare aus der Praxis kommen.
Die Wahlgemeinschaft geht sogar soweit, dass „nur jene bei Gesundheitssystem-Reformen mitreden (dürfen), die auch wirklich mitreden können und das Gesundheitssystem von innen, d.h. durch die Arbeit direkt am Patienten und nicht nur aus dem Fernsehen oder vom Hörensagen kennen“ und „Dass Gesundheitsökonomen ihre „direkte Arbeit am Patienten“ nachweisen“ müssen.

Positiv ist zu vermerken, dass viele der Listen, die es 2012 zu Funktionen in der ÄK gebracht haben, eine Erfolgs-, manche (Grüne Ärzte) auch eine Misserfolgs-Bilanz anführen, wenn auch in manchen Fällen man sich des Eindrucks nicht erwähren kann, dass so manche fremde Feder  geschwungen wird, da naturgemäß an Verhandlungen meist mehrere Mandatare beteiligt waren.
Dies gilt wohl auch für Verhandlungsabschlüsse mit den Kassen, wie sie i.e.L. von der Vereinigung und dem Team Reisner (für NÖ) mit konkreten Zahlen angegeben werden. Die Vereinigung rühmt sich (formal korrekt) mit den höchsten österreichweiten Sonderklasse-Tarifen, obwohl die Verhandlungsführung zuletzt in den Händen von Kolegen Felke lag, der Mandatar der Wahlgemeinschaft – Spitalsärzte – Wiener Mittelbau – ARGE Ärzte war.

Schade, dass aber fast keine Liste erklärt, warum sie ich mit ihren Forderungen aus 2012 nicht durchsetzen konnte.
Einzig Die Grünen Ärzte machen dazu eine konkrete, wenn auch nicht gerade kollegial wirkenden Aussage:
Die Verhandler der Kammer waren aber zu schwach, sodass diese Forderungen keine Aufnahme ins Gesetz fanden.

Wenig überraschend versprechen alle Listen sich für verbesserte Arbeitsbedingungen, mehr Lohn bei Arbeitsentlastung, einzusetzen und verlangen natürlich für den stationären Bereich mehr administratives Personal. Selbstverständlich beklagen auch viele die überbordende Bürokratie im extramuralen Bereich, am konkretesten in einer Gesamtschau wird hier das Komitee, das eine Deckelung des bürokratischen Aufwandes bei max 4% im Spital und max. 4-5% in der Niederlassung fordert. (Ungeachtet meiner persönlichen Präferenz für die einzelnen Listen halte ich den Ansatz der Quantifizierung einer Relation zwischen Kernaufgabe (=Patientenversorgung) und dem Rest für gut!)
Der holistischen Ansatz einer Gesamtschau von extra- und intramuralen Arbeitsbedingungen findet sich relativ selten, einige differenzieren auch stärker als andere zwischen den verschiedenen Krankenhausträgern.
Drohgebärden innerhalb der intramuralen Ärzteschaft nimmt TFT ein (zur Not auch gegen Ober-, Fach- und Stationsärzte wehren ) um gleichzeitig Solidarität zu verlangen.

Kammer light verlangt vertragliche gesicherte Gehaltskonstanz durch Arbeitgeber, mögliche Nachtdienstbefreiung ab 55. Lebensjahr und (in einem selten zu beobachteten Blick über die Landesgrenzen) eine österreichweit einheitliche Regelung der Ruf-Bereitschaft. 

Die Vereinigung verlangt eine Heranführung der Entlohnung Praktischer Ärzte an das Facharzt Gehalt bei gleichzeitiger Aufwertung des niedergelassen Facharztes, um es für junge KollegInnen wieder attraktiv zu machen in die Niederlassung zu gehen.

Klarerweise sieht Asklepios Union die „befreundete Ärztegewerkschaft“ als Mitstreiter für verbessert Arbeitsbedingungen, überraschend ist da eher, dass die Grünen Ärzte die Rolle der ÄK wie folgt umschreiben: Die Ärztekammer stößt damit in die Lücke, die die Gewerkschaft hinterlassen hat.

Die „Verweiblichung der Medizin“ findet sich  in vielen Selbstdefinitionen. Asklepios Union verweist auf den eigenen hohen Frauenanteil unter ihren Mandataren. Viele verlangen familienfreundliche Arbeitsbedingungen (Szekeres, Kammer light), familienkompatiblen Dienstpläne (Grüne Ärzte, Reisner) wobei hier auffällt, dass Teilzeit (Szekleres, Reisner, ..), Kindergärten in kommunalen Spitälern (Szekeres) etwas klischeehaft unter dem Gesichtspunkt der Entlastung von Ärztinnen (bessere Arbeitsbedingungen für Frauen) verlangt wird.
In den Statements männlicher TFT Kandidaten findet sich jedoch auch das:
Ich möchte meine Kinder schlafen legen und nicht erst jeden Tag um 21 Uhr nach Hause kommen.

In einem folgenden Beitrag werde ich mich mit den Stellungnahmen zu Versorgungsstrukturen bis hin zu Kassenverträgen, ELGA, ABS und 15a beschäftigen.

Links:

Team Szekeres vormals Sozialdemokratische Ärztevereinigung
Vereinigung Österreichischer Ärztinnen und Ärzte
Grüne Ärztinnen und Ärzte
Wahlgemeinschaft Ärzte für Ärzte
Kammer light
Team Reisner (kandidiert 2017 als Einzelperson in Wien und als Liste in NÖ)
Asklepios Union

Komitee – Freie Ärzteplattform
Aeskulap
BÖI
10 Liste TFT
11 Wahlärzte Wiens
12 ÖHV – Landesgruppe Wien
13 Liste Raunig – Liste für Hausärzte
14 Team Wien
15 AKHInitiative

16 Plattform Ärztinnen +/- 60 (kein Link)
17 Union Wiener Ärzte (kein Link)

Written by medicus58

23. Februar 2017 at 23:23

Nach Humbold nur mehr Humbug: Med-unis

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Bis zu 13.000 €/Semester und Du kannst auf die staatlichen Unis pfeifen ….

http://derstandard.at/2000053030649/Privatunis-Vorbehalte-gegen-Med-Unis-light

Written by medicus58

23. Februar 2017 at 07:24

Der freie Fraaaaanz: Liste Aeskulap

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aeskulap

Liste Aeskulap – Freie Fachärzte Wien
Liste Aeskulap für die niedergelassenen Fachärzte Wiens Kammerwahl 2017

Wir treten an!
Kurz entschlossen: Wir kandidieren bei der Wiener Ärztekammerwahl 2017
Für die Niedergelassenen Fachärzte Wiens
Für die Freiheit der Ärzte

Wer wir sind:

Dr. Marcus Franz. Internist und Freier Nationalratsabgeordneter
Dr. Peter Minar: Internist und Doyen der Gastroenterologie

Wir wollen mitmischen. Unser Mission Statement:
Aufmischen
Einmischen
Neumischen

Die Freiheit des Arztes ist das oberste Gut. Wer die höchste Verantwortung trägt, muss auch die größten Freiheitsgrade besitzen und behalten. 
Ärztinnen und Ärzte sind die obersten Entscheidungsträger im Gesundheitssystem, wenn es um die direkte Behandlungssituation geht. Das muss in allen Ebenen klar sein und das System muss sich daran orientieren. 
Der „Patient im Mittelpunkt“ funktioniert nur, wenn die Ärzte entsprechend geschätzt und gefördert werden. Wer die Ärzte missachtet, der achtet auch die Patienten nicht. Daher sagen wir:

#MakeTheDocsGreatAgain!

Wir sagen NEIN zur ELGA in der jetzigen Form
Die ELGA-Kosten müssen zur Gänze von den Versicherungen getragen werden
Die ELGA muss genauso schnell funktionieren wie jeder haptische Papierbefund

Die PHC-Idee ist aktuell nur für einzelne Betreiber gut.
Grundsätzlich ist das Konzept in der geplanten Form abzulehnen.

Ärzte sollen sich freiwillig zu Netzwerken zusammenschließe

Die rund um die Uhr bestehende Vorhalte in den Spitälern muss genützt werden.
Allgemeinmediziner sollen am Wochenende die Ambulanzen benützen können und dort Patienten behandeln.

Primary Health Care kann  dort zu günstigen Kosten stattfinden, weil die Ressourcen vorhanden sind.

Wir sagen NEIN zu rotgrünen Deals in Wien
Wir sind gegen die Falschmünzerei der Grünen, die mit den Roten jedes Spitalskonzept und jede Verschlimmbesserung der letzten Jahre mitgetragen haben und jetzt so tun, als seien sie Opposition 

Die Anstellung von Ärzten bei Ärzten soll erlaubt werden.
Keinesfalls dürfen aber Großinvestoren (wie Baufirmen, Handelsketten etc.) Ordinationsbetriebe errichten und dort Ärzte anstellen.
Wir lehnen  eine McDonaldisierung der Medizin ab.
Was gut ist für Burger, ist schlecht für Bürger.

Wir fordern eine 100%ige Rückerstattung des Kassenhonorars für die Wahlarztpatienten.

 

Die Patientenanwälte dürfen in Zukunft nicht mehr politisch bestellt, sondern müssen vom Volk gewählt werden

Die Wiener Kammer soll ein Vetorecht bei allen gesundheitspolitischen Entscheidungen auf der Wiener Landesebene bekommen.
Die Österreichische Ärztekammer muss dasselbe für den Bund erhalten und alle anderen Länderkammern natürlich in ihren Bundesländern auch.  

Es muss daher ein offizieller Vertreter der Wiener Ärztekammer als legitimierter „Botschafter“ in die GÖG (Gesundes Österreich Gesmbh) entsandt werden

Ärzte müssen mitreden dürfen und können.

Link (zuletzt besucht 17.2.2017): https://listeaeskulap.jimdo.com/

 

Für den Inhalt verantwortlich: Dr. Marcus Franz
Design des Webauftritts: offenkundiger Eigenbau auf https://de.jimdo.com

 

Written by medicus58

20. Februar 2017 at 07:47

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