Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Krankenversicherungen und der angenähte Blinddarm (Teil II)

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War es vorvorgestern noch in Der freie Beruf Arzt an der Angel der Versicherungen  um die scheinbare Komik deutscher Kollegen, die ihrem Honorar nachrennen mussten und gestern um die eher Kabarett-artigen Zustände hierzulande, wird es heute ernst und wir beschäftigen uns mit der sogenannten Sonderklasse;
also eigentlich die private Zusatzversicherung zur Pflicht-Kranken-Versicherung, die (nach den Buchstaben des Gesetzes nur die freie Arztwahl auch in den öffentlichen Spitälern und eine verbesserte Hotelkomponente (Ein- oder Zweibettzimmer, eine Zeitung, Wunschgetränke aber keinen Jahrgangschampagner, … etc.) garantiert.

Ob man die Existenz und Verteilung von Sonderklassegeldern, die Spitalsbetreiber und deren angestellten Ärzte von zusatzversicherten Patienten und Nicht-EU Bürgern einnehmen, verteufelt oder schätzt, es handelt sich dabei um einen im §45 des Wr. KAG geregelten Einkommensbestandteil über dessen Aufteilung innerhalb der Ärzteschaft eine Regelung der ÄK wacht. Wie in diesem Lande üblich, regeln die Bundesländer das jeweils etwas unterschiedlich.
Es fällt aber seit vielen Jahren auf, dass dieses Einkommen sinkt!

Die Größenordnung ist zwar beeindruckend, insgesamt wird in Wien ein dreistelliger Millionenbetrag umgesetzt, den sich Spitalsbetreiber (was oft vergessen wird) und Ärzte teilen. Der im KAV lukrierte Anteil ist jedoch geringer der in Privat-, Beleg- und Ordensspitälern zusammen!
Die Privaten Krankenversicherungen (PKVs) verkaufen immer mehr Versicherungsverträge für die von uns erbrachten Leistungen, geben aber einen immer geringeren Anteil ihrer Einnahmen an die Ärzteschaft ab.

Alle paar Jahre werden die Vertragsbestimmungen zwischen Ärztekammer und PKVs neu verhandelt, in Wien beginnt gerade wieder das Spiel.

Natürlich ist die Verteilung zwischen den einzelnen Sonderfächern höchst unterschiedlich und auch der Anteil der einzelnen Ärztegenerationen von Ärzten in Ausbildung über Oberärzte bis zu den Abteilungsleitern divergiert beträchtlich.
Der Höhe der Honorare für Einzelleistungen zwischen einzelnen Fächern ist mitunter schwer verständlich, fast könnte man sagen, dass sie indirekt proportional zu geleisteten Arbeit und zur getragenen Verantwortung stehen. 
Und ehe es ans Verteilen geht, zieht sich die vor einigen Jahren von den Privatversicherungen geforderte zentrale Verrechnungsstelle (BuP) noch ihren Verwaltungsanteil ab. Angeblich wurde dieses lukrative Geschäft sogar einmal ausgeschrieben.

Die Honorare wurden und werden von der Ärztekammer mit den PKVs, in Wien in erster Linie mit dem Marktbeherrscher UNIQA ausverhandelt. In den letzten zwei Jahrzehnten saßen zahllosen Verhandlern aus der Ärzteschaft immer wieder ein und demselben Verhandlungsführer der PKVs gegenüber, dem „Herr Direktor K. von der UNIQA„.
Einmal wurden die Fachgruppenvertreter der einzelnen Sonderfächer zugezogen, dann haben nur einzelne, ausgewählte Vertreter verhandelt.
Einmal hat dieses Sonderfach verloren, einmal jenes.
Manchmal stellte sich erst nach Vertragsabschluss heraus, dass ein Fach, dessen Honorare an die Leistungen eines anderen Faches gekoppelt sind (z.B. Anästhesie), nur dadurch massiv verloren hat, weil die OP-Gruppe eines häufigen Eingriffes ohne ihr Wissen herabgestuft wurde:
Oft beschließen die PKVs die erbrachten Leistungen einfach nicht zu refundieren und unzählige Einsprüche hängen seit Jahren in der sogenannte „Schlichtungsstelle„, die bei ihren wenigen Sitzungen nur immer wenige Fälle besprechen kann. Zukünftig soll das durch ein Online-Verfahren beschleunigt werden, was ich aber persönlich bezweifle.
Wenn Sie sich aber nun fragen, weshalb die Ärzte dann die ihnen vorenthaltenen Honorare nicht bei den Patienten einfordern, dann ist genau das vorsorglich im Vertrag zwischen ÄK und PKVs ausdrücklich ausgeschlossen worden. Alles muss zuerst über die Schlichtungsstelle gehen. Selbst eine Information der patienten, dass sich ihre Versicherung geweigert hat, trotz der monatlich eingezahlten Beiträge, diese oder jene Leistung abzudecken, wäre schon ein Vertragsbruch;
Klug, nicht?
Am Ende jedes Verhandlungsmarathons, der stets zu spät begonnen wurde und dann rasch zum Abschluss gebracht werden musste (Speed kills), erklären die Verhandler das erzielte Ergebnis als alternativlos und rechnen Erhöhungen vor, die dann nie eintreffen.

Naturgemäß gab es immer wieder heftige Diskussionen innerhalb der Ärzteschaft über eine gerechte Verteilung zwischen den „liquidationsberechtigten Abteilungsleitern“ und ihren „nachgeordneten Ärzten“ (Stichwort: Bringerlösung).

Für mich aber völlig unverständlich, nimmt es die gesamte Ärzteschaft seit vielen Jahren nahezu widerstandlos hin, dass FÜR ALLE Gruppen, die Einnahmen aus der Sonderklasse seit vielen Jahren sinken (kein Inflationsausgleich, ungünstige Junktimierungen, Strukturänderungen, Durchrechnungen, Behandlungsfälle, …), obwohl die Einnahmen der PKVs aus dem Geschäftsbereich Sonderklasse überproportional steigen.

Der gesamte Prozess ist derartig intransparent, dass ihn seit Jahrzehnten inklusive aller Nebenabsprachen, Begründungen und „Deals“ nur mehr zwei Personen wirklich durchblicken, Direktor K. und KAD H.
Dass die Verhandlungsabschlüsse der Ärzteschaft nicht gerade zum Schaden der PKVs ausfielen zeigt auch, dass offenbar bei der UNIQA Einigkeit darüber besteht, dass ihr präpensionärer Verhandlungsführer auf ewig in diesen Ring geschickt werden wird. Natürlich nicht nur in Wien sondern bundesweit. Was dort „rein geht“, wird dann „flächendeckend ausgerollt“.

Ein guter Vorschlag wäre es, dass die ÄK mit den PKVs nur mehr eine Gesamtsumme der Sonderklassegelder ausmacht, die sich am Umsatz ihres Geschäftsbereiches orientiert, einschließlich einer Indexanpassung, die schließlich die PKVs ihren Versicherten auch in Rechnung stellt.
Wie dieser Topf dann zwischen den einzelnen Leistungserbringern innerhalb der Ärzteschaft aufgeteilt werden soll, wäre nur mehr innerhalb der Ärzteschaft durch die jeweils gewählte Vertreter der einzelner Sonderfächer und der Berücksichtigung der anteilsmäßigen Leistungserbringung aber auch einer gewissen Fairness zwischen den Fächern auszumachen. Diese Verhandlungen wären ohne Zeitdruck und mit für alle betroffen Ärzte einsehbaren Verhandlungsprotokollen durchzuführen. Selbstverständlich sehen beide Seiten das als unmöglich an!

Natürlich hört sich beim Geld oft die Freundschaft auf, aber wir alle wären gut beraten, wenn wir uns nicht in Konfrontation mit den PKVs gegenseitig ausspielen und hinunter verhandeln ließen. Die Auseinandersetzungen über die Verteilung gehören innerhalb der Ärzteschaft geführt, mit den PKVs reden wir über unseren gerechten Anteil an ihrem Geschäftsmodell!

Ich bezweifle aber stark, dass das Ergebnis der kommenden Verhandlungen anders aussehen wird, als in den letzten zwei Jahrzehnten:
Steigende Gewinne für die PKVs und fallende Zusatzeinkommen für die Ärzte.

Und das nächste Mal geht es dann hier wieder um die Interessen der Patienten, versprochen …

Written by medicus58

2. Februar 2018 um 17:05

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