Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Archive for the ‘Reisen’ Category

Weh dem der Symbole sieht …

leave a comment »


Wie es sich für einen Musentempel wohl gehört, findet man an der Außenfront des Wiener Burgtheaters auch allerlei Allegorisches.
Die Nischenfiguren Heroismus und Egoismus stammen vom österreichischen Bildhauer Johannes Benk (*17.7.1844 Wien; +12.3.1914 Wien). Die betreffende Seitenfront schaut in Richtung der SPÖ-Parteizentrale, dem Bundeskanzleramt und der Präsidentschaftskanzlei. Bemerkenswert, dass der Bilck „des Egoismus“ abwendet und Richtung Rathaus sieht, oder Parlament, ganz wie man will.
Der Titel dieses Beitrages ist übrigens von Samuel Beckett, übrigens nicht aus seinem Warten auf Godot sondern aus einem seiner Romane (Watt) …

Advertisements

Written by medicus58

2. April 2018 at 18:40

Veröffentlicht in Reisen

Tagged with , ,

Von Richtungen, Entfernungen und sinnlosen Hinweisen

with 3 comments


Wer einmal in Städten, wie z.B. London, fluchte, dass Straßennamen oft sehr spärlich und nur an einem ihrer Enden beschriften sind, der weis Hinweisschilder und Richtungsangaben zu schätzen.
Aber wie mit allen Informationen können sie auch nur hilfreich scheinen, einem aber so gut wie nichts bringen. Das gilt vor allem für die an mehr oder weniger berühmten Plätzen beliebten Richtungs- und Entfernungsangaben, die einen zwar vor Augen führen wie weit man vom nächsten Ziel seiner Träume oder von seiner Heimat entfernt ist, ohne geodätische Fähigkeiten einen aber verdammt wenig darüber Auskunft geben, wo man sich im Augenblick denn eigentlich befindet.
Wie gesagt Informationen können ungeachtet ihrer formalen Richtigkeit und Detail-Versessenheit einen auch ziemlich ratlos machen.

Written by medicus58

31. März 2018 at 20:42

Veröffentlicht in Reisen

Tagged with ,

Eine kleine Geschichte der Verpflegung in Wien

with 2 comments


Einheimische wie Touristen, wer durch die Straßen einer Stadt läuft steht irgendwann vor der Frage einer geregelten Nahrungsaufnahme. In wärmeren Gegenden sorgen hier institutionalisierte wenn auch oft improvisierte Ausspeisungen am Straßenrand für das benötigte Streetfood. In klimatisch härteren Gegenden ist man eher bestrebt seinen Kalorienbedarf in wind- und wettergeschützter Umgebung einnehmen zu können, so auch in der österreichischen Haupt- und Residenzstadt Wien.
Als ich neulich so am Volkstheater vorbei schlenderte fiel mein Blick auf eine Häuserzeile in der Museumsstraße, die uns den Wandel der Labungsmöglichkeiten und -formen in geografisch übersichtlicher Weise vor Augen führt und Überraschendes aufdeckt.

Beginnen wir von unserem Standort (der Haltestelle des 49) aus gesehen links außen mit dem Cafe Raimund:
Seit 1900 fielen Mitarbeiter und Gäste des nahen Volkstheaters hierorts ein, nicht nur um sich dem Namen des Etablissements entsprechend mit Kaffee und kleinen Süßspeisen zu dopen, sondern bekamen – wie es in Wiens Kaffeehäusern eben üblich ist – neben Eier in allen Härtegraden, belegten Broten und einem kleinen Gulasch, gern auch in Suppenform, allerlei Schmankerln, die in ihrer Auswahl fast aber doch nie ganz an das heranreichten, was ein dediziertes Restaurant verspricht.
Als ich noch große Teile meines Studiums in einschlägigen Herbergen verbrachte, nahm es mich immer Wunder, welche Vielfalt in den dafür oft gar nicht eingerichteten Kaffeehausküchen nahezu 24/7 produziert werden konnten. Jetzt versteigt sich die Küche des Raimunds zu manch unnötigem Tribut an den Ungeist früherer Jahrzehnte, wenn sie mit Theatertoast und Raimund Sandwich lockt, aber immerhin bietet sie auch noch Geröstete Knödel mit Ei an, die vermutlich schon zu Zeiten eines Egon Friedell oder Hans Weigel hierorts aufgetragen wurden. Ob sie von Ingeborg Bachmann geschätzt wurden entzieht sich zwar meiner Kenntnis, jedoch bin ich seit Jahrzehnten der Meinung, dass es sehr viel Positives über den Lebensstil einer Stadt verrät, wenn sich dort eine entsprechende Kaffeehauskultur etabliert hat. Neben Wien, zähle ich hier vor allem Paris, Buenos Aires und Budapest dazu.

Neben dem Kaffeehaus findet sich in besagter Straßenfront rechts außen eine weitere kulinarische Institution, die viele Jahre die Ernährungsgewohnheiten nicht nur Wiens geprägt hat: Das Wienerwald.
Dem Zug der Zeit entsprechend ging man dort hin, nicht weil man zu allerlei kultureller Betätigung auch was essen musste, sondern die Aufnahme von Nahrung und Getränk rückte in den Mittelpunkt des Aufenhalts.
Auch wenn ein böser Schmäh damals davor warnte in ein Lokal zu gehen, in dem der Underberg (=Magenbitter) obligat auf den Tischen stand. Der Jägermeister-Generation heute wäre das aber ohnehin Blun’zn.
Höhenflug und fast völliger Absturz dieser Restaurant-Kette gibt mindestens so viel her, wie die bewegte Geschichte der Institution Wiener Kaffeehaus, wir werden uns aber kurz fassen.
Der Linzer  Friedrich Jahn (1923-1998) eröffnete 1955 in München sein erstes Lokal und gab der Wirtschaftswundergesellschaft, lange bevor US-amerikanische Familienlokal-Ketten seinem Beispiel folgten, genau das was sie wollte:
Rustikal scheinende Gastlichkeit und vertrautes Essen. Jahn erfand die Grillhend’lstation und das Restaurant-Franchising gleich dazu.
Das Hendl stand und steht im Mittelpunkt unseres Sortiments, und unser Wissen um Verarbeitung und Zubereitung ist einzigartig.
brüstet man sich bis heute, wo die wesentliche Versorgung mit geflämmtem Geflügel schon längst durch meist türkisch geführte Hendelparadiese abgedeckt wird.
Der gelernte Kellner Jahn gründete damals einen wirklich weltumspannenden Konzern, der seine Hühner sogar im Waldorf-Astoria in Manhattan brut.
In den 80er Jahren brach das Imperium, das inzwischen auch ein Reisebüro, Weinkellereien, Transportunternehmen, einen Grillgerätehersteller, eine Druckerei, Immobiliengesellschaften, Hotels, Beratungsgesellschaften für die Gastronomie und einen Verlag umfasste, durch zu rasche Diversifizierung und Überschuldung zusammen. Jahn verlor sein Lebenswerk und wird zitiert, dass sein Hauptfehler gewesen wäre, einen Banker als Finanzchef angestellt zu haben.
Neun Jahre nach dem Tod des Firmengründers konnte die Familie die Rechte am Firmennamen wieder zurück kaufen und versucht seit 2009 erneut eine internationale Expansion.

Eingebettet zwischen den beiden genannten kulinarischen Polen Kaffeehaus und Wienerwald finden wir auf der Museumsstraße den rezentesten Zuwachs in der Versorgung hungriger Mägen, einen Noodle King.
Eines der unzähligen Lokale, die Tonnen von Instantnudeln mit allem, was man sich so unterhalb Sibiriens unter asiatischer Küche vorstellt, unter die Leute bringen.
Ein paar Sitzplätze, viel take away, Google findet auf Anhieb allein sieben Lokale gleichen Names in Wien, gefühlt gibt es sicher mehr als ein Dutzend.
Das Besondere aber kommt zum Schluss.
Das Noodle King 1010 hat aktuell bei 16 Rezensionen glatte fünf Sterne auf Google:
Very tasty food, clean and low price. For the price of 1 small coffee in starbucks we ate nice meal. 

Das Cafe Raimund kommt bei 202 Rezensionen hingegen nur auf schwache 3,8 Sterne:
Relativ angenehm, jedoch wc erst nach dem Raucherraum.. 🙂 

Das Wienerwald stürzt mit 128 Rezensionen überhaupt auf 2,8 Sterne ab:
War von den Bewertungen etwas abgeschreckt und hatte daher das schlimmste erwartet. War letztendlich aber bei weitem nicht so schlimm. Das Grillhenderl und der Kaiserschmarrn waren sehr gut. Das Ambiente war auch sehr angenehm. Nur das Personal wirkt teilweise sehr demotiviert und überfordert.

Damit beenden wir den kleinen kulinarischen Rundgang ohne den Anspruch auf Vollständigkeit oder gar tiefere Erkenntnis.
Was mich nur etwas wundert ist, dass sich augenblicklich offenbar das gastronomische Konzept am besten bewährt, das sich am weitesten von dem entfernt was dereinst typisch war für Wien:
Ein zweites Wohnzimmer um der Einsamkeit zu entfliehen,
vielleicht auch um sich mit Freunden zu treffen ohne die eigene Wohnung aufräumen zu müssen und
die Möglichkeit neben Zeitungslektüre, Kellnertratsch und Menschenbeobachtung
fast beiläufig auch eine Nahrungsaufnahme realisieren zu können.

Written by medicus58

25. März 2018 at 19:11

Flammende Lamas, oder in Wien stehen die Revolutionäre nur mehr im Park …

leave a comment »


Wer durch Perus Hauptstadt Lima flaniert, kommt früher oder später auf die Plaza San Martin, die von einer überlebensgroßen Reiterstatue des Argentiniers José de San Martin dominiert wird.
Gemeinsam mit Simón Bolívar wird Martín bis heute als Befreier Südamerikas verehrt.
Während der glühende Republikaner Bolívar die Unabhängigkeitskriege gegen die spanische Kolonialherrschaft in Venezuela, Kolumbien, Panama und Ecuador anführte, hat der Monarchist San Martin federführend die Befreiungskriege in Chile und Peru angeführt. Als Peru den 100. Jahrestag seiner Unabhängigkeit (27. Juli 1921) feierte, war es klar, dass die Nation ihrem Befreiers und Protektors, General San Martin noch ein Denkmal widmen musste.
Er, oder besser das Land wurde zwar endgültig erst durch das Eingreifen des venezolanischen Generals Simón José Antonio de la Santísima Trinidad Bolívar Palacios y Blanco aus den Fängen der Spanier befreit, aber sei es drum. Der hatte schon früher einen eigenen Platz mit Standbild bekommen.

Im Sockel des geplanten Reiterdenkmals auf der Plaza San Martín sollte als Draufgabe auch Madre Patria als eine Art Freiheitsstatue mit Feuer, so in der Art von New Yorks Miss Liberty, verewigt werden. Keine Kosten und Mühen wurden gescheut und der Auftrag ging, wie immer wenn etwas wirklich gut gemacht werden soll, außer Landes. Die Spanischen Bildhauer dachten aber im Zusammenhang mit ihrer ehemaligen Kolonie weniger an das von Frédéric-Auguste Bartholdi gestaltete Monument, als an kuscheligen Andenbewohner.
Weit hergeholt, werden Sie nun denken, aber die spanische Sprache will es nun, dass sowohl „Flamme“ als auch „Lama“  eben „llama“ heißt und fanden es somit gar nicht so abwegig, der Madre Patria ein kleines Lama ins Haar zu stecken, wenn es schon so angeschafft wurde.

De facto abgesetzt verbrachte Martín übrigens seinen Lebensabend in Nordfrankreich und wurde in der Krypta der Basilika von Notre-Dame de Boulogne beigesetzt. Erst 1880 konnte seinem testamentarischen Wunsch entsprochen werden und er kehrte in sein Heimatland zurück.
Der vorsorglich einbalsamierte Leichnam wurde laut Wikipedia „in der Kathedrale von Buenos Aires in einem Mausoleum“ beigesetzt.
Wer schon dort war weiß, dass das auch ein bisschen missverständlich ist, denn formal liegt er dort „extra muros“, also außerhalb des Kirchenschiffes.
Dem katholischen Klerus war nicht ganz wohl dabei, dass der Freimaurer Martín (laut Freimaurer-Wiki war er war 1797 Mitglied der Loge „Lealidad“ in Cadix und 1812 Stuhlmeister der Loge „Lautaro“ in Buenos Aires) im Kirchenschiff beerdigt werden sollte, so dass sein „Mausoleum“ eine Art Seitenkapelle darstellt, die formal nicht so ganz zur Kathedrale gehört. Wenn Sie da näheres erfragen wollen, müssen Sie heute nach Rom pilgern, denn die Kathedrale war die Heimatkirche des jetzigen Papstes Franziskus.

Wenn Sie sich mit den anderen beiden Herren persönlich über all das unterhalten wollen, haben Sie es dafür nicht so weit, denn eines der unzähligen Denkmale des großen Simon Bolivar steht auch gleich um die Ecke im Wiener Donaupark, wo es u.a. auch vom bolivianischen Präsidenten Evo Morales besucht wurde. Ja, und natürlich gibt es im Donaupark auch ein Denkmal San Martíns, ganz schlicht ohne Lamas und Freiheitsstatue.

Written by medicus58

24. Februar 2018 at 17:21

Nächstes Jahr in Jerusalem

with one comment


Am Vorabend von Pessach beenden gläubige Juden einen streng ritualisierten Ritus in dem die Legende vom Auszug aus Ägypten in Erinnerung gerufen wird mit dem Wunsch „Nächstes Jahr in Jerusalem“ zu sein. Kein Wunder, dass die Frage nach der Hauptstadt Israels eine irrationale Bedeutung gewonnen hat. Schließlich balgen sich auch die beiden anderen abrahamitischen Religionen um die Stadt in dem sie ihre dort jeden zweiten Stein oder Hügel mit ihrer Sagenwelt besetzen. Jedenfalls ein wirklich ranziges Fettnäpfchen in das nun der 45. Präsident der USA patzte: https://twitter.com/realdonaldtrump/status/938517073508163584Ehe ich vor über 24 Jahren endlich nach Jerusalem kam und dieses Foto schoss, stapfte ich als Jugendlicher selbst in dieses Fettnäpfchen, und darüber möchte ich heute berichten.
Es muss irgendwann in den frühen 70ern gewesen sein, vermutlich am 25. Jahrestag der Gründung des Staates Israel im Jahre 1973, als ich hier in Wien in eine Veranstaltung der jüdischen Gemeinde schneite. Zum ersten Mal Klezmer und Falafel war damals in Wien schon ziemlich exotisch, für diejenigen die sich durch die Gunst der späten Geburt nicht daran können.
Höhepunkt dieser Veranstaltung war ein Ratespiel, bei dem man ein paar Fragen zu Israel beantworten musste und seinen ausgefüllten Fragebogen abgeben musste, um eine Reise nach Israel gewinnen zu können. Ein der Fragen war auch die nach der Hauptstadt Israels.
Als dann die Gewinner gezogen wurden benötigte man gut ein halbes Dutzend Versuche um endlich einen Teilnehmer zu finden, der die Hauptstadt-Frage richtig beantwortet hat.
Auf den ersten gezogenen Fragebögen stand, wie natürlich auch auf meinem: Tel Aviv.

Ich dankte dem, an den ich nicht glaube, aus vollem Herzen, dass meine Karte nicht gezogen wurde, und ich somit nicht dem höhnischen Gelächter der Anwesenden ausgeliefert war, wie man denn so dumm sein konnte eine Stadt, deren Teile nach internationalem Gesetz als annektiert gelten, nicht als Hauptstadt Israels zu sehen.

Ein Hauptstadt, die selbst Israel erst zwei Jahre nach seiner Gründung offiziell zur Hauptstadt erklärte.
Jerusalem, in dem ich 1993 einen langen Abend lang hören musste, welche Parasiten denn diese Orthodoxen wären, die auf Kosten aller anderen leben, von Juden wohlgemerkt. Demonstrationen erlebte, in denen einander Juden als Nazis im Zusammenhang mit den gerade geleakten Oslo Verträgen als Nazis beschimpften, die Polizei Orthodoxe abführten, die mit Straßensperren verhindern wollten, dass weniger orthodoxe Juden am Sabbath mit dem Auto fahren. Eine Stadt in der beim Felsendom die blutigen Kleider der kürzlich von der Polizei erschossenen Israelis ausgestellt wurden, die mit schweren Steinen die an der Klagemauer betenden Israelis erschlagen wollten.

Natürlich gibt es gewichtigere Wortmeldungen zu Trumps Schritt als ein paar scheinbar voneinander unabhängige persönliche Erlebnisse, aber Sie hätten ja nicht bis hier weiterlesen müssen.

Written by medicus58

8. Dezember 2017 at 18:05

Veröffentlicht in Allgemein, Reisen

Tagged with , ,

Friedhöfe aus aller Welt

with 4 comments


Aufmerksame Leser wissen es und von einer Leserin wurde ich verlässlich daran erinnert, dass sich dieser Blog hier alljährlich um Allerheiligen mit den angeblich friedlichsten aller menschlichen Wohnstätten beschäftigt, den Friedhöfen.
2012 habe ich schon unter Letzte Reiseziel: Friedhöfe eine Art Studienreise durch einige Friedhöfe dieser Welt unternommen und dort wollen wir heut anschließen.
Das Bild oben entstand am Cementerio Municipal de Punta Arenas  lange bevor er 2012 zum Nationaldenkmal ernannt wurde. Punta Arenas ist die südlichste Stadt Chiles und  liegt direkt an der Magellanstrasse. Viele der Grabsteine tragen deutsche oder englische Beschriftungen, wie unser nachfolgendes Beispiel.

Die Einwohner Punta Arenas behaupten überhaupt, dass ihr Friedhof der schönste der welt wäre, was vielleicht etwas übertrieben ist, aber ein ziemliches Völkergemisch weist er allemal auf.

Darauf, dass zum Beispiel auf Recoletta in Buenos Aires oft nur das exakte Sterbedatum, nicht aber das Geburtsdatum vermerkt ist, habe ich schon in dem früheren Beitrag hingewiesen. Eine so exakte Dokumentation der Sterbestunde, wie hier in Punta Arenas, fand ich aber noch selten. Keine Ahnung, wer Graciela war, aber sie verschied offenbar exakt um halb zwei, wenn man die Kleine Ungenauigkeit der Stellung des Stundenzeigers mal außer Acht lässt.

Dass sich nach Ausrottung der Ureinwohner an der Südspitze Amerikas ein bunter Haufen von Einwanderern einfand und dann irgendwo bestattet werden musste, überrascht weniger, als dass es auch am anderen Ende der Welt Friedhöfe gibt, in denen viele Reisende ihre letzte Ruhestätte fanden, was vielleicht nur als Zwischenstation geplant war.

Hakodate auf Hokkaido  war einer der ersten Häfen Japans, der für den Handel mit Ausländern geöffnet wurde. Bekanntlich schottete sich das Alte Japan lange gegen fremde Einflüsse ab und versuchte den Kontakt mit Fremden auf ganz wenige Handelspunkte zu konzentrieren. Der Friedhof für Ausländer im Stadtteil Motomachi liegt deshalb auch unmittelbar an der Küste.

Und auch hier finden sich auf so manchem Grabstein „fremdsprachliche Beschriftungen“.


Als der Hafen von Hakodate 1859 auf amerikanischen Druck geöffnet wurde, war der in Schlesien geborene Ludwig Haber gerade mal 16 Jahre alt. Er war übrigens der Onkel des Nobelpreisträgers Fritz Haber. Er kam als 30-Jähriger nach Japan nachdem er vorher längere Zeit in London lebte und Reiseberichte aus Corfu, Ägypten, Indien, Ceylon, China und Niederländisch Oste-Indien (Indonesien) verfasst hatte. In West-Afrika erkrankte er an Malaria deren Rezidiven ihn immer wieder außer Gefecht setzten, so auch im August 1874. Am 11. August 1874 wurde er in einem fremdenfeindlichen Akt von einem Samurai ermordet, er war damals gerade einmal 31 Jahre alt. Seine Ernennung zum Konsul hat ihn nicht mehr erreicht. Wen die ganze Geschichte interessiert, der sei auf diesen interessanten Blog verwiesen: http://ludwighaber.blogspot.co.at/  

Für alle, deren Nekropolophilie noch nicht gestillt ist, hier nur einige Links:

Familie Engel 
Praktischerweise gedenken wir am besten der Toten

Ooops, bald hätte ich auf die heurigen Friedhofsfotos vergessen
Grabsteinvoyeurismus

 

Written by medicus58

1. November 2017 at 19:01

Veröffentlicht in Reisen

Tagged with , , , , ,

Es ist billiger nach London zu fliegen als dorthin zu kommen

with 4 comments


Die aktuellen Vorgängen um die Air Berlin und die Niki werden medial überwiegend unter dem Gesichtspunkt der politischen Interventionitis zu Gunsten der Lufthansa betrachtet. Wie absurd dieser „Markt“ überhaupt schon wurde, stört kaum jemanden.
Wenn Sie im zB November nach London fliegen wollen (vernachlässigen wir mal Ihren Bedarf an Gepäck und Nachmitternachtsschlaf), dann zahlen Sie für den Hinflug knapp unter 51€.

CAT Airport Train und Einfachfahrschein der Wiener Linien kostet Sie 14€ alles nur für den Hinflug.

Von Stansted ins Zentrum und noch ein Tube-Ticket macht Sie leicht um 20€ ärmer.

Kopfrechner werden jetzt gleich triumphierend rausrufen, dass da noch immer eine Differenz von 17€ wäre, was nicht abgeleugnet werden kann, ABER

die stumme Hand des Marktes bringt Sie per Flugzeug für Ihre 51€ rund 1500 km weit und rund 10.000 m hoch, während sie Sie für die 34€ keine 100 km weit transportiert.

Das stinkt wahrlich mehr als  die Mille, die Merkel der Air Berlin nach wirft.

Written by medicus58

20. August 2017 at 22:44

%d Bloggern gefällt das: