Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Archive for the ‘Reisen’ Category

Gott wirbt um Werbung

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Ich kann mich nur an wenige Wochen in den „letzten beiden Jahrhunderten“ erinnern, wo die Votivkirche nicht eingerüstet war, und als Medizinstudent kam man dort besonders in der „Vorklinik“ täglich vorbei. Das kostet Geld und das wird auch durch unterschiedlich große Werbeflächen eingeworben.

Selbst, wie jetzt gerade, einmal keine Werbung dort affichiert wird, wird dort geworben, diesmal eben um Werbung.

Blöd wenn noch irgendwer sich ein vollständiges Bild der Kirche machen will, dem bleibt wohl nur das Internet, doch auch da finden sich manche Fotos mit einem Brett vor der Kirche.

Written by medicus58

9. Januar 2020 at 19:17

Veröffentlicht in Reisen, Was im Alltag so alles nervt

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Wiener Schmäh im Advent

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Nachdem Wien immer wieder als eine der beliebtesten Städte der Welt genannt wurde, kam der scheinbare backlash, Wien ist auch eine der unfreundlichen Städte der Welt.

Wie das zusammenpasst? Das lässt sich leicht erklären:

Heute die U-Bahn wieder gerammelt voll, Menschentrauben am Zuganfang und – ende, da tönte es freundlich mit typisch Wienerischem Zungenschlag aus den Lautsprechern:

Liebe Fahrgäste, benutzen Sie auch die anderen Einstieg. Dieser Zug ist kein Adventkalender, sie dürfen alle Türen gleichzeitig öffnen…

Manchmal liebe ich diese Stadt und die Wiener Verkehrsbetriebe,… scheine aber, wie immer, in der Minderheit.

Written by medicus58

11. Dezember 2019 at 08:47

Veröffentlicht in Reisen

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Lehrer am Todesstern

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Seit Jahren werden Spitzenköche mittels Sternchen, Hauben oder Gabeln benotet. Und Hotelsterne, so wenig sie auch aussagen, sind fixer Bestandteil jedes Reiseführers. Inzwischen wird jeder Würstelstand gerankt, selbst Sehenswürdigkeiten kriegen ihr Fett ab und sie können ihrem Hausarzt mittels Bewertung Ruhm oder Verderben bringen.

Nur wenn irgendjemand die Performance eines Lehrers außerhalb einer Matura Zeitung bewerten will, drehen Lehrer und Republik am Stand durch.

Erklär‘ mir das mal einer…

Lehrer, am Vormittag haben sie recht, am Nachmittag haben sie frei und abends ist ihr Himmel sternenfrei.

Written by medicus58

20. November 2019 at 08:51

Das Sch….haus

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Sie werden es nicht glauben Ihr Medicus stöbert durch alte Fotos und schlürft einen Crémant aus dem Elsass, sie wissen, den Champagner von außerhalb der Champagne …

Glauben Sie mir, ein hiesiger Schlumpfi wär besser, aber teurer … egal.

Dazu gibt‘ es übrigens 5 Alben von Carole King um 9.90 €. Sag mal einer, dass man Qualität heute nicht auch billig kriegt, weil sie kein Trottel mehr als solche erkennt, gilt für den Crémant wie für Carol King.

Ich erzähle dass alles um Ihnen eine Entschuldigung zu liefern, wieso ich Sie gerade mit diesem Foto der rund 130.000 auf meiner Festplatte gespeicherten belästige.

Aufgenommen habe ich es an den Klippen of Mohar, einer der spektakuläreren Naturschönheiten unseres Kontinents, vor etwa 5 Jahren.

Seit damals quält mich die Frage, was denn wir Männer denn, schon Jahre vor der MeToo-Bewegung auf einem Klo hinterlassen könnten, das eine Klofrau erschüttern könnte.

Ich kann mich noch gut an die Bahnhofstoiletten in Helsinki (1978) erinnern, die mit einer Art Saloon-Türe geschlossen wurden und die Putze, die ihrem Reinigungsauftrag dadurch nachgekommen ist, indem sie mit ihrem Mob zwischen meinen Beinen schrubbte, als ich versuchte die Reste meines Kalakkukus von mir zu geben.

Please be advises, these toilets may be serviced by a female attendant.

Nur wird eine irische Häuselfrau einer finnischen in wenig nahe stehen, wenn es um die scheinbar menschlichen Bedürfnisse geht. Ich erspare ihnen meine Unterhaltung mit einer Glasgow-er Häuselfrau 1977, die mir damals erzählte, dass sie früher als Hure gearbeitet hat, aber der neue Job, ihr besser gefällt, aber bitte liebe Geschlechtsgenossen, was macht ihr, am Häus`l, dass der Putze Probleme macht, und wenn ihr Carol King nicht kennt, kauft euch im Wühlkasten des nächsten Saturn, die frühen Alben der Carol King.

Keine Ahnung wie das zusammengehört, aber es würde die Welt besser machen, wenn ihr es versteht.

Written by medicus58

10. November 2019 at 21:03

Reiseapotheke war gestern

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Früher, also wirklich früher als es weder Internet noch Smartphones gab, empfahlen selbst Reiseführer für den Hardcore Tramper die Mitnahme einer Reiseapotheke, zu deren Grundausstattung neben Mückenschutz, Pflaster, Antipilzsalbe, NSAR, Repellent auch Imodium für die lange Busreise zählte, nachdem einen Montezuma Rache erwischt hat. Erfahrene Reisende nahmen (auch schon für den Italienurlaub) etwas Toilettenpapier mit, und weibliche Tramper ihre Monatshygiene, spätestens nachdem sich für diesen Bedarf der pittoreske Souk als unergiebig und das frustran Fragen danach als peinlich erwiesen hat.

Im Gegensatz zu vielen anderen war die Reiseapotheke Ihres Medicus aber (abhängig von der angesteuert Region) vergleichsweise dürftig mit den von anderen oft tonnenweise mitgeschleppten typischen rezeptpflichtigen Medikamenten wie Antibiotika bestückt, da man diese (so man die wesentlichen Stoffnamen parat hatte) in den entferntesten Ecken kaufen konnte. Ich fand damals im „hintersten Indien“ althergebrachte Antibiotika, für die heute in Europa Lieferengpässe bestehen. Die oft ins Treffen geführte Gefahr von Fälschungen, schien mir weniger ein Problem, eher dass man klarerweise nicht gerade das neueste Panzerschrank Ding verlangen durfte.

Selbst im China der. 80er Jahre ließ sich Jodtinktur für die Hautdesinfektion auftreiben.

Nur, soll davon eigentlich gar nicht die Rede sein, so dass Sie Ihre Pulverln für die nächste Gruppenreise nach Verona gerne einpackt lassen können.

Was sich heute zum richtigen Notfall auswachsen kann ist ein defektes Mobiltelefon.

Und dafür müssen Sie nichtmal Ihr gutes Stück im Mekong versenken. Das, wie ich selbst vor einiger Zeit bestaunen konnte, halten moderne Handys heute aus. Dass der überglückliche (chinesische) Besitzer dem mutigen Kambodschaner nicht mal Trinkgeld gab, nachdem dieser das verlorene Stück aus der braunen Brühe rettete, sei nur am Rande erwähnt. Tun Sie es unserem chinesischen Freund also nicht gleich, denn wäre ich Kambodschaner, mir wäre Ihr Verlust nun egal.

Aber auch wenn Sie meinen doch nicht so ungeschickt zu sein (welcher Trottel wirft sein Handy in den Fluss?): Da gibt es eine ganze Reihe von Handydefekten, vor denen Sie sich nicht sicher fühlen können:

Der Akku platzt in der Hitze, das Ladegerät gibt seinen Geist auf, das Verbindungskabel hat einen Bruch, nachdem Sie es mehrfach irgendwie in eine Fototasche gepresst haben. Natürlich gibt es dafür auch schon im kleinsten Dorf Ersatz, wie es die früher erwähnten Medikamente gab, weil schließlich auch der lokale Häuptling sein Handy hat. Aber ob Sie gerade die richtige Anschlussbuchse finden? Sie kennen Sie allein schon all die USB Varianten?

Wenn es den Akku zerfetzt hat, finden Sie den fest verbauten Akku Ihres Highend Smartphones gar nicht mehr so smart. Leider haben weder Apple noch Samsung einen zertifizierten Händler im Ort.

Nun, mögen Sie sagen, wäre das ja nicht so schlimm, schließlich telefoniere ich ohnehin selten aus dem Amazonasdelta.

Das schon, aber wo sind denn Ihre Bordkarten? Ah, in der Airline-App am Handy? Und wie erfahren Sie von der Verschiebung der Abflugzeit, was bei Billigfliegern immer mehr in Mode kommt, oder Ihren Online-Check-in, wie geht denn der, außer Ihre Unterkunft hat einen allgemein zugänglichen PC.

Auch wenn Sie das alles glauben niemals zu brauchen, haben Sie sich vielleicht schon an Google Maps als Navigationstool gewöhnt. Geht halt nicht, oder das Aufladen über die Powerbank, wenn das Handy am frühen Nachmittag schlapp macht, wenn Ihr Ladekabel (siehe oben) einen Bruch hat.

Selbst wenn Sie Ihr Handy nur als Kompass, zur Restaurant-Suche oder zur Vorbestellung Ihrer nächsten Übernachtung, als Eintrittskarte für die online gebuchte Sehenswürdigkeit, Fähre, Ausweisersatz, Passkopie,… etc. verwenden müssen. Und mal Hand aufs Herz, kennen Sie noch die Telefonnummern, mit denen Sie sich im Notfall in Verbindung setzen müssen, oder weiß die auch nur mehr Ihr Phone?

Also, meinetwegen nehmen Sie die gute alte Reiseapotheke mit, aber denken Sie auch an die Bedürfnisse Ihres Handys:

Internationalen Reisestecker, vielleicht zwei Ladegeräte, Ersatzkabel, ggf. Adapter für den besonderen Micro-, Mini-USB A-C, Powerbank, wenn der Akku nicht tauschbar, ein aktuelles Backup Ihres Handys in der Cloud, sicheres Case und vielleicht zusätzliches Billigsmartphone mit Kopie der wichtigsten Daten…

Sollten Sie selbst erkranken, gibt es im Notfall Schamanen, wenn Ihr Smartphone schwächelt kann der Urlaub rasch zum Abenteuer werden.

Bis jetzt fühlte ich mich immer etwas paranoid, weil ich mir immer alle Urlaubsbuchungen auch als Papierausdruck mitnehme, nach diesem Text fühle ich mich schon fast clever.

Written by medicus58

5. November 2019 at 18:30

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Google Maps v. s. GPS in der Ferne

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Variieren schon die Preise für Mietautos an verschiedenen Orten dieses Planeten gewaltig, ist das was die Vermieter für das Ausleihen von Routenplaner (GPS) draufschlagen ubiqitär unverschämt. Oft auch bei der Online Reservierung auch nicht klar ausgepreist. Da liegt es nahe sich vom großen Bruder Google zwar auf Schritt und Tritt ausspionieren zu lassen, was er übrigens ohnehin tut, sobald man ein Handy dabei hat, und seine kostenlosen Off-line Karten zu nutzen.

Klar kann man es auch mit einem klassischen Faltplan versuchen, aber in Ländern, die von Hinweisschilder nicht allzu viel halten (Kuba!) oder die sich einer für uns unbekannten Schrift bedienen, stößt man damit bald an seine Grenzen, wenn nicht gleich an die ausgeborgte Stoßstange.

Nachfolgend ein paar persönliche Erfahrungen mit einem Android Handy ohne lokale Datenanbindung .

1. Es funktioniert (meist) offline

Vom PC kann man sich ganze Routen festlegen und dann in seiner App aufrufen, sobald man sich in einem WLAN befindet. Steht das nicht zur Verfügung oder will man sein Google Konto nicht verwenden, dann lädt man sich nur den Bereich herunter, den man augenblicklich benötigt. Fallweise verweigerte die App dann das Anzeigen der Karte, aber spätestens ab dem wegfahren funktionierte es wieder.

2. Hält der Akku?

Das hängt natürlich von der Leistung des Gerätes ab und zur Sicherheit ist (bei alten oder Schwächen Akkus) eine Powerbank empfehlenswert. Wenn man immer wieder das Display abdreht, ist der Stromverbrauch der App aber sehr gering, mündliche Anweisungen sind auch dann zu hören.

3. Kann man sich drauf verlassen?

Jein, wie auch bei „echten GPS“ gibt es Orte, an denen das Teil verrückt spielt und einen schnurstracks in die Irre führt. Insbesondere beinkomplexe Autobahnauffahrten und Einbahnen kann es schon mal daneben liegen, gefühlt sogar deutlich häufiger als ein aktuelles GPS, aber besser als gar nix.

4. Und das geht auch noch

Vermutlich in abgelegenen Weltgegenden aktueller als manches GPS sind offline auch all die anderen Spionageinhalte Googles abrufbar, als da Tankstellen, Restaurants, ATMs und Sights. Sogar mit den Bewertungspunkten.

Also wer die oft 60-90 Euro Urlaubsbudgets für ein gemietetes GPS, das mitunter kein verständliches Menü und keine deutsche (mitunter auch keine englische) Sprachführung hat, sparen möchte, der ist gar nicht einmal so schlecht bedient. Mit einer mitgebrachten Handyhalterung und einem Adapter für den Zigarettenanzünder ist man schon ziemlich unverwundbar.

Written by medicus58

1. August 2019 at 00:46

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Schwitzend erregt

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Sommer hieß doch früher:

ab in die Sonne,

auch wenn das für viele nur mit dem Golf bis nach Bibione bedeutete.

Angesichts der aktuellen Temperaturen bei uns, klingt die Vorstellung von noch mehr Sonne und noch mehr blauem Himmel am Ende eines aus gebuchten Charterfluges eher nach Strafverschärfung als nach Traumurlaub. Und nur Zyniker erinnern an Rudi Carells Wann wird’s mal wieder richtig Sommer.

Im Netz wird heiß über Klimaanlagen v. s. Jalousien debattiert und bei den Salzburger Festspielen erkennt Peter Sellars dass bereits Mozart vor dem Klimawandel warnte.

Alle sind sich einig, dass die Politik etwas gegen die Klimaerwärmung tun sollte, aber seit Jahren werden in erster Linie Lösungen präsentiert, an denen irgendwer nur gut verdienen kann, deren ökologische Wirkung aber hinterfragbar ist. Wir erinnern uns an die Förderung von Neuwagen und – LKWs und jetzt eben der Schrei nach E-Mobilität.

Wenn aktuell die österreichischen Grünen wieder die seit Jahren geforderten und durchaus berechtigt Einschnitte fordern, wie einen Planungsstopp bei Fehlinvestitionen im Verkehrsbereich, die Abschaffung „perverser“ Steuerprivilegien etwa bei Kerosin oder Diesel, dann kommt klarerweise auch der Ausbau des Radverkehrs und die Deadline für die Neuzulassung von mit fossilen Treibstoffen betriebenen Fahrzeugen aber keine Kritik am globalisierten Handel. So links wollen wir es dann doch nicht und damit den Wähler verschrecken. Dass man sich aber damit kaum vom Umweltgesäusel der Mitbewerber abhebt, ist egal.

Allein die fünfzehn grössten Schiffe der Welt stossen pro Jahr so viele Schadstoffe aus wie 750 Millionen Autos. (Link SFR)

Schön wenn sich der Bobo gut fühlt, wenn er mit seinem Bike durch die Begegnungszone düst und dabei stolz seine Funktionswäsche designed in Germany made in China herzeigt.
Wenn er nicht bereit ist Politiker
zu wählen, die eine Umstellung unseres gesamten kapitalistischen Wirtschaftssystems einleiten wollen, dann wird das nix mit der Rettung der Welt. Wo er aber solche Politiker findet, das wäre ein anderer Beitrag.

Der Chia Samen am Smoothie,
Quinoa im Weckerl wurde bei uns zum Statussymbol und selbst in Zweite Ländern am anderen Ende der Welt wird schon (wie bei uns) Knoblauch aus China angeboten. Für den Preis einer guten Weinflasche aus Chile kann der hiesige Winzer Ihnen nichtmal einen leere Flasche etiketten und verkorken.

Wer am Friday for future wieder was von der Politik verlangt und sich dabei auch noch revolutionär fühlt, sollte sich mal überlegen, ob er jemals eine Partei gewählt hat, die ihm nur ansatzweise sinnvolle Einschnitte abverlangt hätte und auch darauf aufmerksam gemacht hat, dass das alles kaum innerhalb unseres jetzigen globalisierten (Wachstums-)Kapitalismus gehen wird.

Nein, es geht nicht primär um die Mobilität des Einzelnen sondern um die Produktion und den Transport all seiner Ge- und Verbrauchsgüter.

Das alles muss nicht den Verzicht auf jeden Spaß bedeuten, aber irgendwie wieder den Knoblauch aus dem Burgenland, das Korn aus dem Marchfeld und den Urlaub in Hotels in denen ein Teil der Wertschöpfung den Einheimischen zu Gute kommt und nicht auf riesigen schwimmenden Hotelburgen, die ihre Gäste nur kurz ans Ufer lassen, ihre Gewinne aber off shore behalten,… um wieder zum Thema Urlaub zurück kehren.

Written by medicus58

26. Juli 2019 at 18:40

Urlaubsfotos: Das Enttäuschungspotential der Realität

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Nein, ich meine nicht den Schock am vor Menschen überquellenden Marcusplatz in Venedig, der so ganz anders aussieht als im hochglänzenden Bildband auf ihrem Wohnzimmertischchen; und dass der Großglockner nie so wolkenlos, die Votivkirche nie so gerüstfrei war, wie im Reiseführer, ändert nichts daran, dass sie es auch wirklich einmal – wenn auch nur für Minuten – waren, als der Fotograf auf den Auslöser drückte.

Wie sich ganz exemplarisch an dem Foto vom Salzburger Mirabellplatz im Standard zeigen lässt, wird die digitale Bildbearbeitung dazu missbraucht unseren Augen eine (Hyper) realität zu vermitteln, die sie weder durch natürliche Umgebungszustände noch durch ihre eigene Physiologie erfassen könnten.

Anders als bei den hinlänglich bekannten geschönten (Photoshop) Portraits, bei denen nicht nur wie früher so mancher Pickel wegretouschiert und das Licht weich gemacht wurde sondern heute von jedem Smartphone bereits Proportionen verändert, Zähne gebleicht und Augen auf Kindchenschema vergrößert werden, wird unser grauer Alltag zunehmend durch das unverschämte Hinaufregeln von Farbsättigung und – dynamik verscheucht, wie es in analogen Zeiten nichtmal der quietschbunteste Fuji-Diafilm geschafft hätte.

An all das haben wir uns seit Jahrzehnten bereits angepasst, jedoch werden im digitalen Zeitalter auch noch ganz andere Eingriffe in unsere visuelle Wahrnehmung zur Routine.

HDR, also die künstliche Erweiterung des wahrnehmbaren Dynamikumfanges einer Aufnahme führt in Maßen angewandt dazu, dass wir (siehe oben) sowohl die Details einer im Schatten liegenden Palastmauer als auch die im gleißenden Licht liegende Festung erkennen können und selbst dem Himmel noch Strukturen abgequescht werden.

So unverschämt angewandt wir auf unserem Beispielfoto (HDR, Sättigung, Dynamik, Mikrokontrastanhebung,…) wird das ganze vielleicht noch für manche ästhetisch ansprechend aber letztlich völlig unrealistisch.

Vielleicht werden wird das alles bald ohnehin nicht mehr so sehen, schließlich sehen wir kaum mehr Tierfilme in Universum, die nicht ebenso nachbearbeitet worden sind und unsere SMART TVs verwöhnen uns mit allerlei HDR Schnickschnack inkl. Dolby Vision.

Für mich ist der Unterschied vergleichbar mit eine wohlbalancierten Würzung und einem Löffel Glutamat im Knabbergebäck. Irgendwann wird man süchtig und kann gar nicht mehr anders als sich ein Stück nach dem anderen hineinzustopfen.

Egal, ob Sie bei Ihren Urlaubsfotos auf fertige Filter zurückgreifen oder stundenlang im Lightroom herumdrehen, vergewaltigen Sie Ihren Sehsinn nicht all zu sehr sonst setzen wir uns alle bald nur mehr die Googlebrille auf, weil uns die Realität nicht mehr genügt.

PS: schauen Sie sich mal zwei alte Oscar gekrönte Dokumentarfilme wie Disney’s Die Wüste lebt oder Grzimeks Serengeti darf nicht sterben an und wechseln Sie dann unvermittelt in eine aktuelle Tier oder Landschaftsdoku.

Written by medicus58

19. Juli 2019 at 15:01

Online check-in: Geht es nur mir so?

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Früher ging man mit seinem Papierticket und einem Pass zum Schalter und das mehr oder weniger freundliche Personal erledigte den Check-in und beklebte das abzugebende Gepäck.
Der moderne Onan macht sich das heute selber.

Ich halte mich ja nicht gerade für einen kompletten Idioten im Umgang mit dem Internet, aber der Online Check-in löst bei mir zunehmend einen Merkel-schen Tremor aus.

Dass jedes Portal etwas anders aufgebaut ist, geschenkt, dass man im Zeitalter des Code-sharings letztendlich in ganz anderen Vögeln zu sitzen kommt, als man glaubte gebucht zu haben, mein Gott.

Auch das Abtippen von 99-stelligen alphanumerischen Codes und die Verwechslungsgefahr von E-Ticket-Nummer und Buchungscode, mit all dem lernt man zu leben, doch was mir kürzlich passierte parkinsonisierte mich dann doch krisenhaft:

Beim Versuch die Bordkarten für eine von einem deutschen Online-Reisebüro ( Bewertung 4.23/5.00 in trusted shops) gebuchten Flug auszudrucken erklärte mir sowohl das Portal der ersten Teilstrecke (LH) als auch jenes der zweiten (Condor, also auch irgendwie LH), dass es diese Buchungsnummer nicht in ihrem System gibt. Da auf der Rechnung noch so allerhand Codes zu finden waren (Kundennummer, Rechnungsnummer, eine Nummer ohne Bezeichnung und eine mit dem Präfix „EXP“) probierte ich diese ebenso frustran durch.

Der nachfolgende Dialog mit Deutschland könnte von einem begabten Kabarettisten ersonnen worden sein, und erinnert an Bestes von Ephraim Kishon („Hier ist kein Telefon„):

Ja, sie müssen versuchen über den Namen des Veranstalters einzusteigen.
Habe ich gemacht, das geht auch nicht.

Probieren Sie es einmal mit dem Namen dieses Veranstalters.
OK, aber gebucht habe ich bei Ihnen und mit dem Name des Mutterkonzerns habe ich es auch schon probiert. … Geht auch nicht.

Dann lassen Sie mal die zweite Stelle im Buchungscode weg und probieren Sie es nochmals.
Funktioniert auch nicht, aber ich starte das Portal einmal neu und versuche es dann nochmal mit dem kastrierten Buchungscode. ….. Jetzt klappt es.

Der junge Mann war sehr freundlich, ich versuchte es auch zu sein und ich hörte noch vom Umbau des EDV Systems, Anlaufschwierigkeiten, mit der neuen Version, … etc. und er wünschte mir einen schönen Flug.

Auf die Antwort, wie ich als Kunde drauf kommen kann, dass ich meine Tickets bei der Fluglinie nur finden kann, wenn ich einen Reiseveranstalter eingebe, mit dem ich nie bewusst in geschäftlichem Kontakt war und dann auch just die zweite Stelle des Buchungscodes weglassen soll, um an meine Bordkarten zu kommen, warte ich übrigens noch.

Ob ich nun zu blöd für diese Welt bin oder doch zu viele Blöde diese elektronische Parallelwelt im Griff haben, das dürfen Sie mir schreiben.

PS: Als schließlich der Online Check-in möglich wurde, sah ich zwar mein Ticket, bekam aber die Info, daß für DAS Ticket kein Online check-in möglich ist….

Written by medicus58

12. Juli 2019 at 09:31

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Erinnerungen an Zeiten ohne Datenschutz

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Es war kurz vor Sonnenuntergang am Hafen von Papeete, der Hauptstadt von Französisch-Polynesien, vor fast zwei Jahrzehnten. Am frühen Abend liefen die letzten Fähren von den umgebenden Inseln ein.

Hinter der Kamera wurden schon die Garküchen aufgestellt, die die Einheimischen durch die lange Nacht bringen werden. Touristen haben ohnehin meist Vollpension gebucht.

Geboten wurden jetzt nicht nur lokale Spezialitäten, Fisch war fast unerschwinglich. Geschmortes Schwein und Pizza war da schon eher angesagt und natürlich Crêpes, man befand sich ja auf französischem Boden.

Das Foto wurde auf einem alten ORWO Chrom Diafilm mit einer Olympus OM-2 geschossen, und nahm in gewisser Weise die heutigen Datenschutzbestimmungen vorweg. Das Motiv, ein mir unbekannter Einheimischer, ist unerkenntlich….

Written by medicus58

10. Juni 2019 at 15:54

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