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Archive for the ‘Reisen’ Category

Es ist billiger nach London zu fliegen als dorthin zu kommen

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Die aktuellen Vorgängen um die Air Berlin und die Niki werden medial überwiegend unter dem Gesichtspunkt der politischen Interventionitis zu Gunsten der Lufthansa betrachtet. Wie absurd dieser „Markt“ überhaupt schon wurde, stört kaum jemanden.
Wenn Sie im zB November nach London fliegen wollen (vernachlässigen wir mal Ihren Bedarf an Gepäck und Nachmitternachtsschlaf), dann zahlen Sie für den Hinflug knapp unter 51€.

CAT Airport Train und Einfachfahrschein der Wiener Linien kostet Sie 14€ alles nur für den Hinflug.

Von Stansted ins Zentrum und noch ein Tube-Ticket macht Sie leicht um 20€ ärmer.

Kopfrechner werden jetzt gleich triumphierend rausrufen, dass da noch immer eine Differenz von 17€ wäre, was nicht abgeleugnet werden kann, ABER

die stumme Hand des Marktes bringt Sie per Flugzeug für Ihre 51€ rund 1500 km weit und rund 10.000 m hoch, während sie Sie für die 34€ keine 100 km weit transportiert.

Das stinkt wahrlich mehr als  die Mille, die Merkel der Air Berlin nach wirft.

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Written by medicus58

20. August 2017 at 22:44

Hurra, die Touristen kommen

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Tourismus in Deutschland boomt

Kroatien-Tourismus boomt

Tourismus: Nächtigungsrekord in Österreich

Auch wenn der Zusammenbruch der Air Berlin kurzfristig den Touristenstrom zu den genervten Mallorkesen einbremsen wird und in Barcelona irgendwann einmal ein paar Tapas vertrocknen, weil die Touristen von streikenden Flughafenbediensteten wieder in die Flugzeuge getrieben werden, unsere Tourismusverantwortlichen jubeln noch über die Zuwachsraten.

In Inner London (zB Bayswater/Queensway) war ohnehin schon in den 90er Jahren jedes Bürgerhaus in ein Mid-price Hotel umgebaut worden und in der umgebenden Restaurant-Szene war eine Sprache sicher nicht mehr geeignet, sich mit dem Kellner, Englisch.
Auch in Rom war es sehr praktisch, in Gehweite von Roma Termini ein Hotel zu buchen, nur konnte man ziemlich sicher sein auch hier eines nicht mehr anzutreffen, Römer.

Jetzt mag man einwenden, dass wir durch mangelndes Qualitätsbewusstsein hierzulande ohnehin nichts zu befürchten haben (Qualitätssicherung im Tourismus. Der Zug fährt an uns vorbei) nur bieten unsere Innenstädte (noch?) ein anderes Bild.

Dutzende Reisende ziehen in Straßen ihren Koffer hinter sich her, ohne dass den Anrainern in der Gegen ein offizielles Hotel bekannt wäre (Airbnb?).
Immer weniger Sehenswürdigkeiten, in denen der Eintritt eine schon Wochen vorher eine Online-Buchung voraussetzt; in Barcelona ist dies nicht nur bei der Sagrada Familia so, sondern in vielen etwas bekannteren Tapas-Bars und selbstverständlich im Park Güell. In New York musste man sich immer vor der Freiheitsstatue und auf Ellis Island anstellen, aber heute ist der spontane Entschluss für einen Besuch nahezu sicher zum Scheitern verurteilt,
wenn man nicht einige Wochen vorher online um ein Ticket gebettelt hat.

Mag sein, dass das der Generation Google.maps ohnehin ganz normal vorkommt, dass man bereits vor dem Hinflug auf die Minute genau festlegen muss, wann man sich unter Miss Libertys Stahlrock drängen darf,
mit Reisen, so wie das mal der jüngere Herr Humboldt vorgestellt hat, hat das genauso wenig mehr zu tun, wie unsere Bildungslandschaft den Vorstellungen seines älteren Bruders entsprechen….

PS: Die beiden Fotos hier zeigen, dass es auch ein Mallorca ohne Touristen gibt ….

Written by medicus58

16. August 2017 at 18:28

Veröffentlicht in Reisen

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Qualitätssicherung im Tourismus. Der Zug fährt an uns vorbei

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Unsere Alpenrepublik lebt nicht von Mozart Kugeln und Red Bull allein, unser Fremdenverkehr trägt durchaus sein Schärflein zu unserem Bruttonationalprodukt bei. Aber andere europäische Destinationen verdienen sich die Butter aufs Brot, weil sie dem außereuropäischen Gast eine lange Anreise wert scheinen. Und diese Gäste kommen nicht mehr nur aus den USA oder Japan, sondern immer häufiger aus den BRICS Staaten.

Rom ist ja sowieso ewig, London, Amsterdam und Paris sind allein schon wegen ihrer Monsterflughäfen naheliegende Ziele; und warum sich so viele Touris in Bratislava herumtreiben, weiß allein die dortige Fremdenverkehrswerbung.

Aber eh supi, wenn man fremde Länder nicht mehr vorzugsweise bewaffnet und in Uniform besucht.

Worauf ich aber als nicht ganz unhäufiges Rädchen in der europäischen Fremdenverkehrsindustrie hinaus will, ist das hier noch kaum ausgebildete Qualitätsbewusstsein.

Wer den Steffl hat, der braucht die Kaffeemaschine erst am Ende der Saison reinigen; rasch angelernte Studenten herden die Touris durch die Paläste und eiern bei der ersten historischen Zwischenfrage erbärmlich herum; das tschechische Bier ist so gut, da kann es dann auch etwas Convenience Food im historischen Beisl geben.

Wenn ich da vergleichsweise an meine rezente Erfahrungen in Ecuador, Bolivien, Tansania und den Seychellen denke, verfestigt sich bei mir der Gedanke, dass die dort in Sachen Qualität völlig unbemerkt an uns vorbeigezogen sind.

Reiseführer auf den Galapagos Inseln werden zB zur Schulung nach Europa geschickt, um die Namen von Flora und Fauna auch auf Deutsch zu lernen. Sie haben sich regelmäßigen Test zu unterziehen, um weiter entsprechend „ihrer Kategorie“ bezahlt zu werden.

Auf den Seychellen frägt einen nicht nur der Hotelmanager fast täglich, ob man zufrieden wäre, sondern auch die Rezeption und die Verantwortliche für das Reinigungspersonal.

Ein Safari-Guide in Tansania fährt natürlich nicht nur den Wagen von Lodge zu Lodge und stellt jeden „Universum“-Kommentator in den Schatten, sondern kann auf Anfrage auch die Unterschiede zwischen den 99.Varianten der schwarz-weißen Piepmätze erklären. Am Ende der Tour legt einem trotzdem der Manager des lokalen Reiseveranstalters einen umfangreichen Fragebogen vor. Aber auch der Guide verfasst einen Bericht, in dem er zB seinem Boss mitteilt, dass die billigen Bremsbeläge aus China nicht mehr verwendet werden sollen, weil sie bei def Abfahrt vom Ngorogoro Krater zu rauchen begannen.

Ja und selbstverständlich hat der Deutsch sprechende bolivianische Reiseleiter einige Zeit in Deutschland verbracht um in dieser Sprache sattelfest zu werden.

Natürlich hatten diese Reisen auch alle ihren Preis, nur kostet der kleine Braune im Sacher oder Tomaselli ja auch mehr als im McCafe …

Written by medicus58

29. Juli 2017 at 16:00

Veröffentlicht in Reisen

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Was für ein schräger Vogel

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Zwar muss man bisweilen aufpassen, um die fremde Welt nicht nur über den Sucher seiner Foto- u/o Videokamera zu sehen, aber auch für Ihren Medicus sind bildliche Urlaubserinnerungen Teil seiner Erholung.
Selbstverständlich gelten hier nicht die Anforderungen eines National Geographic Fotos oder einer Universum Folge aber einen gewissen Grad an technischer Perfektion muss so ein Urlaubsmitbringsel heute schon haben, um damit im realen Freundeskreis und den Sozialen Medien renommieren zu können.
Vielleicht eröffne ich hier einmal auch eine Rubrik über Videografie, um an die heroischen Frühzeiten zu erinnern, wo das verrauschte Urlaubsvideo nur durch das Überspielen von einem Gerät auf das andere möglich war. Auch wenn der Vergleich analoger mit digitaler Normen prinzipiell immer hinkt, löste die alte TV (PAL) Norm so ca. 450k Pixel pro Bild (allerdings interlaced) auf, von denen der VHS Standard ohnehin nur mehr weniger als 3/4 realisierte. Überspielungen machte das ganze nicht viel besser, so dass die stolzen Video-Erinnerungen aus den 80ern heute (ohne digitale Nachbearbeitung) kaum mehr herzeigbar scheinen.
(Für Versuche in Super 8 fehlte mir damals leider überhaupt das Geld und auch das analoge Dia(Film)material belastete das Urlaubsbudget schon ganz ordentlich. Andererseits, wer sich heute mit unkomprimiertem UHD oder echtem 4K Video spielt, legt für high-speed Speicherkarten auch schon einiges ab ….)
Egal was man sich diesbezüglich so antut, dem ambitionierten Urlaubsfilmer drohen auch noch ganz andere Probleme.
Trotz dem heute meist optimal funktionierenden Weißabgleich digitaler Aufnahmegeräte, den selbst Neonröhren oder hochalpine UV-Strahlung nicht mehr so schnell aus der Ruhe bringen, wird durch manche Erdbewohner bis ans äußerste gestresst. Ein Vertreter ist der Scharlachsichler ein quietschfarbener Piepser, dessen Signalfarbe selbst in freier Wildbahn irgendwie unwirklich wirkt.
Ein Blick auf Google zeigt, dass in den meisten seiner Abbildungen die Farbbalance irgendwie unnatürlich wirkt.
Als ich die Vögel zum ersten Mal erblickte glaubte ich kurzfristig einen Augenarzt zu benötigen, so knallte diese unwirkliche Farbe aus der Umgebung heraus.
Wenn Sie mir nicht glauben, der Zoo in Schönbrunn hat auch einige Exemplare zu bieten: https://www.zoovienna.at/tiere/voegel/roter-sichler/

Mein hier verwendetes Foto stammt aber nicht von dort 😉

Written by medicus58

27. Juli 2017 at 14:09

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So fühlt es sich an, als übergewichtige Frau zu fliegen – kurier.at

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Written by medicus58

27. Juli 2017 at 05:15

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Urlaubs Qualen: Quallen

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Strandfotos, mit und ohne Sonnenuntergang sind unverzichtbare Beweise, dass man einen schönen Urlaub hatte.
Meist zeigen sie aber nicht das versiffte Hotelzimmer mit Blick in den Hinterhof oder andere weniger erbauliche Kollateralschäden des mehr oder weniger wohlverdienten Erholungsurlaubs am Meer.
Es muss ja nicht immer die Portugiesische Galeere oder Seewespe sein, aber Quallen mögen einem das Urlaubsvergnügen schon ziemlich vermiesen.
Der Focus fand die schöne Charakterisierung. uralt, hirnlos und sehen harmlos aus,
um einen videographischen Crash-Kurs über die Gefahren einer solchen Begegnung nachzulegen.
Während der Boulevard den Griff zum Rasierschaum empfiehlt, um die unangenehmen Folgeerscheinungen dieser Urlaubsbekanntschaft zu mildern,
vertreten andere „Experten“ die Meinung, dass das nur bei den europäischen Varianten hilft und setzen auf die Eis-Kühlung, Sand und Abschabe Methode,
während wiederum andere, inkl. eines interviewten Tropenmediziners, auf die Hyperthermie und Essig-Methode schwören:
http://www.nachrichten.at/nachrichten/gesundheit/Achtung-Quallen-7-Tipps-fuer-die-Erste-Hilfe;art114,2616089

Mein Tipp: Bleiben’s im Gänsehäufel und verstopfen’s mir nicht den Rest der Welt!

PS: Diese schöne Exemplare einer Geisterqualle (Cyanea nozakii) oben, können Sie übrigens auch im Schönbrunner Zoo besuchen, ohne mit ihrem Gift in Kontakt zu kommen:
https://www.zoovienna.at/tiere/andere-tierklassen/geisterqualle/

 

Written by medicus58

24. Juli 2017 at 18:29

Heute einmal die Dunkle Seite des Tourismus

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Das Programm der klassischen europäischen Bildungsreise beginnt bei irgendwelchen altertümlichen Ausgrabungen,
führt zu allerlei klerikalen und monarchistischen Gebäuden, um je nach Gegend mit einem Museumsbesuch bei einer Venus ohne Arme oder einer lächelnden Unbekannten seinen Höhepunkt zu finden.
Seit 1974 das London Dungeon in den U-Bahnbögen für touristisches Gruseln sorgt, ist der Reisende auch nicht mehr auf Kapuzinergruft  und das eine oder andere Ossarium angewiesen, wenn er einen dosierten Adrenalinkick benötigt.

Die nächste Stufe bedeuteten aber diejenigen Orte, in denen der Horror noch kürzlich gewütet hat.
Abgesehen davon, dass ein Besuch in der Glaubenskongregation des Vatikans nicht gestattet wird, wäre auch der dort archivierte Horror schon ziemlich in Vergessenheit geraten, da der letzte Scheiterhaufen auch schon vor einige Zeit verglost ist.

Reisen zu den Killing Fields sind beschwerlich und die klassische Verdun Tour hat man vielleicht auch schon hinter sich.
Besuche in den ehemaligen Konzentrationslagern des Dritten Reiches eignen sich auch weniger zum Massengruseln, da sie zu Recht eher die Schuldfrage aufwerfen.

Da eignen sich Orte an denen „die anderen“ gewütet haben viel eher und eines dieser Ziele liegt in Tartu, Estland.

Die Stätten des KGB Terrors werden dort als Sehenswürdigkeit vermarktet.
Mein Foto oben zeigt den unscheinbaren Eingang zu einem Privathaus im Jahre 2004, in dessen Kellern der KGB zwischen 1940 und 1954 Folterzellen betrieb.
Auf Flickr für die Ewigkeit erhalten, hat der Tourist die Möglichkeit sich als Gefangener zu fühlen oder ein halblustiges Videos zu drehen:

KGB Horror ist überhaupt ein Tourismusmagnet im Baltikum.
Auch in der Hauptstadt Tallin findet sich ein KGB Museum
https://www.visitestonia.com/de/museum-hotel-viru-und-kgb

und auch im nahen Litauen findet sich Ähnliches

und das KGB Museum in Vilnius interessiert offenbar auch den ostasiatischen Reisenden:

Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis Touren durch Abu-Ghuraib angeboten werden.

Written by medicus58

22. Juli 2017 at 18:27

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