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Archive for the ‘Reisen’ Category

Ich reise dann wieder ab

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Treue Leser fanden auf diesem Blog immer wieder auch eigene Reiseberichte. Ich war zumeist Individual- und nur sehr selten Gruppenreisender, trotzdem oder vielleicht gerade deshalb sprach mir die TAZ mit diesem Artikel aus der Seele:

http://www.taz.de/Widersprueche-im-Tourismus/!5574029/

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Written by medicus58

2. März 2019 at 11:56

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Hotelzimmer

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Urlaubszeit ist die richtige Zeit um ein bißchen über Hotelzimmer zu schwätzen.

Natürlich nicht jene gleich ums Eck in St. Simplicius am Brenner, sondern jene gastfreundlichen Refugien in der weiten Ferne, also in der wirklichen Fremde. Von den Zimmern aus denen man nach der Ankunft ins noch Unbekannte aufbrach und in die man sich auch wieder zurück ziehen konnte, wenn einem alles zu viel wurde. Zurück von den Straßen, deren Beschriftungen nicht zu entziffern waren, dem Lärm, den Gerüchen und Menschen, die Sie nichtmal in der U6 treffen konnten.

Wenn Sie sowas nie erlebt haben,

die Horde Asiaten, die Ihnen den ganzen Tag ein beständiges „Hello, where you’r from?“ zugerufen haben, ehe Sie für ein Selfie mit ihnen posieren mussten,

die Kellner, die Ihre mangelnden Kenntnisse der hierorts in Gebrauch befindlichen Lappen schamlos ausnutzten,

die Karaoke-Bars, in denen Beatles-Songs zur Atonalität verkamen,

dann waren Sie nie wirklich in der Fremde.

Menschen im Hotel (V. Baum) ist nur einer von vielen Romanen, der dieses spezielle Ding, ein Hotel, seine Zimmer und seine temporären Bewohner beschrieb.

Auch Graham Greene, Somerset Morgham oder Hemingway ließen sich immer wieder von und in Hotelzimmern inspirieren. Vielleicht könnte ich mit mehr Alkohol deren Fußstapfen folgen, mit dem Lipton Yellow Label, den ich mir gerade aufgebrüht habe, wird das aber wohl nix.

Klar hat das alles an Reiz und Wichtigkeit eingebüßt seit man in den abgelegensten Gegenden dieser Welt schon via Internet ein passendes Lokal suchen kann, ehe man auf der Straße war. Der Rückzugsort von einst verkam heute mehr oder weniger zu einem hot spot, für dessen Passwort man sich nicht einmal ein Getränk bestellen muss.

Müde winken wir ab, wenn uns die Rezeption einen abgelichteten Stadtplan anbietet, wir haben uns schon oben die offline Karte für Google Map runtergeholt. (Vielleicht ein Grund weshalb die Stadtpläne in den Reiseführern immer mieser werden?)

Nicht einmal CNN am Hotel-TV benötigen wir mehr, um zu wissen, was in unserer Welt inzwischen passiert ist, wir sind online. Ja, und den Zeitungsständer in der Lobby haben die meisten Hotels ohnehin schon entsorgt.

Was waren das noch für Zeiten, als ich in indischen Zeitung in Echtzeit mehr über den (fehlgeschlagenen?) Putsch gegen Gorbatschow erfuhr, als Monate später in unseren TV Dokus.

Aber trotzdem, Hotelzimmer können auch heute noch ein wenig Heim in der Fremde sein. Ausgangspunkt und Endpunkt unserer Erkundigungen und der Platz, wo wir uns abgerissene Knöpfe annähen können.

Written by medicus58

26. Juli 2018 at 13:21

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Vom Scheitern in China

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Es gibt wenig das den Reisenden so schmerzt wie ein geplantes Ziel nicht erreicht zu haben,
auch wenn man sich danach noch so oft einredet, dass die Reise selbst das eigentliche Ziel wäre.
Auch wenn sich die Geschichte schon vor drei Jahrzehnten zugetragen hat,
und ich auch damals nicht gerade ein Hochleistungssportler war,
bleibt sie ein Stachel in meinen Reiseerinnerungen.

Ob Sie es glauben oder nicht, es blieb bis jetzt nur eines von zwei Zielen, die ich in all den Jahren nicht erreicht habe.
Nein, der Everest war nicht das zweite meiner unerreichten Ziele, sondern ein eher unbedeutender kleiner Tempel der definitiv nicht dort gebaut wurde, wo es der Reiseführer versprach.

Der Daoismus bringt es auf insgesamt Fünf Heilige Berge und gegen Ende einer Rucksackreise durch China habe ich es mir in den Kopf gesetzt einen von ihnen, den Tai Shan zu bezwingen.
Im Alten China galt er zwar als höchster Berg der Erde und einige Herrscher ließen sich hinauftragen, um Himmel und Erde zu opfern, die Wahrheit ist aber viel unspektakulärer als sich die chinesischen Legenden anhören.

In Wahrheit ist der Tai Shan nur 1545 m hoch, was eigentlich nach kleinem Ausflug klingt.
Das Problem stellt aber nicht der zu überwindenden Höhenunterschied von 1350 m dar, sondern die 9 km Treppen mit „offiziell“ 6293 Stufen, die zum Tempel des Jadekaisers („Yuhuang Dian“) führen.

Ich kann meine brennenden Waden noch heute fühlen, als ich am späten Nachmittag, den Tempel vor Augen umkehren musste, weil ich es sonst vermutlich nicht mehr vor Einbruch der Dunkelheit zurück ins Hotel geschafft zu hätte.
Ich sah die Dächer des Tempels und hätte sogar noch die Anzahl der fehlenden Stufen abzählen können, aber irgendwie ging gar nichts mehr.

Auch damals wäre es schon möglich gewesen mit einem Taxi bis zur Talstation der Seilbahn in 800 m Seehöhe zu fahren und sich ganz bequem, wie viele der jährlich inzwischen 6 Millionen Besucher bis knapp vor den Tempel bringen zu lassen, aber gegen Ende eines Backpacker-Monats in Chinas war das Budget schon etwas knapp und wir mussten es noch bis Peking schaffen.
Außerdem versprach die Legende denen, die es zu Fuß schafften, ein langes Leben, so dass die Entscheidung leicht fiel. Neben meinen körperlichen Limitationen unterschätzte ich auch die sengende Sonne und die unphysiologische Belastung durch oft kleine Stufen, die mich zwangen überwiegend auf den Zehenspitzen hoch zu steigen.

Das war aber alles nicht die eigentliche Erniedrigung, die ich mit diesem Trip verbinde.
Es war auch nicht der „Zynismus der UNESCO„, die den für mich unerreichbaren Berg im Jahr davor zum Weltkulturerbe erklärt hat.
Was wirklich schmerzte waren die Lastenträger, die an mir vorbei die Stufen hinauf liefen (!).
Angeblich machen manche von Ihnen den Aufstieg zweimal pro Tag, um Güter für den Tempel und die Kioske auf den Gipfel zu bringen.
Kleine, flinke Muskelpakete, die einen wie einen gestrandeten Elefanten aussehen lassen.

Link:
China from China
Kennen Sie Zhengzhou? mal wieder Reiseerinnerungen
Spucken Sie bitte nicht

Written by medicus58

8. Juli 2018 at 20:50

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BMW Fahrer in Palermo

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Noch so ein Fundstück aus meinem Reisealbum. Diesmal aus Palermo, Sizilien.
Ich habe keine Ahnung, wie der BMW-Fahrer in diese Lage gekommen ist (ich hoffe im Rückwärtsgang) und ich weiß auch nicht, wie er da wieder heraus gekommen ist, denn er blieb in dieser Lage länger als ich warten wollte.
Eigentlich wollte ich die Altstadt der Stadt besichtigen.
Jedesmal wenn ich dieses Foto sehe denke ich, dass man hier die Evolution des Menschen hautnah miterleben durfte!

 

Written by medicus58

10. Juni 2018 at 19:30

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Diebe in Iguazu – eine Reisewarnung

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Vor Beginn der Reisesaison häufen sie sich, die Warnungen vor den Gefahren in der Ferne.

Wie Urlauber zu Opfern wurden und wie Sie sich schützen können.
Diebe stahlen Hotelgast Geld, Schmuck – und Waffe

Auflage-steigernd werden wir so heftig davor gewarnt, was die Bösen dieser Welt mit den armen Touris so anstellen, dass man beinahe glauben könnte, die Warner wollen einfach, dass wir unsere Euros lieber in Euroland lassen,
als sie zu den Devisen-geilen Ausländern bringen.
Ja, wenn da nicht auch solche Schlagzeilen wären:
So beklauen Räuberbanden Berliner und Touristen

Halten Sie mich für einen Lügner, aber in all den hier im Blog schon erwähnten Destinationen (und noch ein paar Dutzend mehr) wurde ich als Tourist (egal ob als Tramper oder Kongresstourist) noch nie bestohlen.
Also fast.
Also bis auf ein einziges Mal,
und davon soll heute die Rede sein.

Es ist über zwei Jahrzehnte her und es passierte im fernen Brasilien, für wahr keines der all zu sicheren Reiseländer. Geschah mir wohl recht.

Es passierte aber nicht (was viel wahrscheinlicher gewesen wäre) in der Bonde im Stadtteil Santa Teresa von Rio, nein, dort warnten mich nur die Einheimischen davor, dass man in der Straßenbahn immer bestohlen wird.
Aber fürchten Sie sich nicht, seit 2011 verkehrt die Tram ohnehin nicht mehr.

Es passierte auch nicht in der Altstadt von Salvador de Bahia, vor der andere Reiseblogs warnen und was nach Einbruch der Dunkelheit wirklich ein etwas härteres Pflaster war.

Es passierte bei den Wasserfällen von Iguazú und es waren wirklich unverschämte RäuberInnen, die einen durch ihr liebliches Aussehen ablenkten und dann blitzschnell mit Teilen meiner Fotoausrüstung das Weite suchten.
Geistesgegenwärtig gelang es mir aber den feigen Überfall zu dokumentieren – und das möchte ich heute mit Ihnen teilen.

Das Foto zu Beginn des Beitrags zeigt einen der niedlichen Nasenbären, der an den verschlossenen Taschen meiner Fototasche schnüffelte während ich die zu Tale stürzenden Wassermassen fotografieren wollte.
Ach wie süß dachte ich mir, als ich eines der Tiere zu meinen Füssen wahrnahm und drückte gleich einmal ab.

Meine emotionale Ablenkung ausnützend grabschte sich nahezu gleichzeitig ein anderes Bandenmitglied den lose in einem anderen Fach liegenden Objektivdeckel meines Olympus 135 mm Objektivs.
Ich hatte die Kamera ja ohnehin noch in der Hand und drückte ab, nur bekam ich deshalb das vorwitzige Vieh nicht mehr zu fassen.

Sie sehen, die Warnungen vor den Dieben in der Fremde kommen nicht von ungefähr. Diese hinterhältigen Kreaturen warten nur darauf uns Touristen zu bestehlen!

Wenn Sie mich nun nach dem Ausgang der Geschichte fragen, nein, ich musste meine Fotos nicht der Polizei zur Fahndung übergeben (was bei einem Dia-Film) auch gar nicht so leicht gewesen wäre.
Der Dieb verlor nach einigen Metern das Interesse an seiner Beute und ich fand den Objektivdeckel im Unterholz.

Ja, und wenn Sie sich weiter gruseln wollen, dann empfehle ich Ihnen dieses köstliche Fundstück aus dem Netz:
Wie der Nasenbär zu einem der gefährlichsten Tiere in Europa wurde

Written by medicus58

9. Juni 2018 at 12:37

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Weh dem der Symbole sieht …

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Wie es sich für einen Musentempel wohl gehört, findet man an der Außenfront des Wiener Burgtheaters auch allerlei Allegorisches.
Die Nischenfiguren Heroismus und Egoismus stammen vom österreichischen Bildhauer Johannes Benk (*17.7.1844 Wien; +12.3.1914 Wien). Die betreffende Seitenfront schaut in Richtung der SPÖ-Parteizentrale, dem Bundeskanzleramt und der Präsidentschaftskanzlei. Bemerkenswert, dass der Bilck „des Egoismus“ abwendet und Richtung Rathaus sieht, oder Parlament, ganz wie man will.
Der Titel dieses Beitrages ist übrigens von Samuel Beckett, übrigens nicht aus seinem Warten auf Godot sondern aus einem seiner Romane (Watt) …

Written by medicus58

2. April 2018 at 18:40

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Von Richtungen, Entfernungen und sinnlosen Hinweisen

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Wer einmal in Städten, wie z.B. London, fluchte, dass Straßennamen oft sehr spärlich und nur an einem ihrer Enden beschriften sind, der weis Hinweisschilder und Richtungsangaben zu schätzen.
Aber wie mit allen Informationen können sie auch nur hilfreich scheinen, einem aber so gut wie nichts bringen. Das gilt vor allem für die an mehr oder weniger berühmten Plätzen beliebten Richtungs- und Entfernungsangaben, die einen zwar vor Augen führen wie weit man vom nächsten Ziel seiner Träume oder von seiner Heimat entfernt ist, ohne geodätische Fähigkeiten einen aber verdammt wenig darüber Auskunft geben, wo man sich im Augenblick denn eigentlich befindet.
Wie gesagt Informationen können ungeachtet ihrer formalen Richtigkeit und Detail-Versessenheit einen auch ziemlich ratlos machen.

Written by medicus58

31. März 2018 at 20:42

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