Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Archive for September 2012

Capetown: Das Wichtigste zuerst oder wie wir dem Süden den Mund wässrig machen

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In den letzten Tagen kam es in Indien zu Massenprotesten gegen eine Gesetzesänderung, die den indischen Markt für multinationale Handelsunternehmen geöffnet hätte. (http://diepresse.com/home/wirtschaft/international/1292748/Landesweite-Proteste-in-Indien-gegen-Wirtschaftsreformen
http://pandithnews.com/2012/09/20/india-strike-over-supermarket-reforms.html)

Als ich erstmals Indien bereiste, regierte dort noch Indira Gandhi (http://de.wikipedia.org/wiki/Indira_Gandhi) und so ziemlich alles was man kaufen, benutzen oder essen konnte, wurde im Lande selbst erzeugt; für jeden Wirtschaftsliberalen die Hölle auf Erden, für den Reisenden aber kein Grund zur Beanstandung, die Corn flakes zum Frühstück waren nicht von Kellogg’s, schmeckten hervorragen, das Thumbs Up Cola (http://en.wikipedia.org/wiki/Thums_Up) schmeckte hervorragend und gehörte noch nicht dem Multi aus Atlanta und für den Alkoholkonsum benötigte man ein Permit. Nach Indiras Tod anderte sich die indischen Wirtschaftspolitik und die bis dahin staatlich gelenkte Wirtschaft wurde für ausländische Investoren geöffnet.Maßgeblich erfolgte das unter dem Druck des Weltwirtschaftsfond, der einen Unterstützungskredit an diese Bedingung geknüpft hat. Auf meiner letzten in Indien getrunkenen Flasche Thumbs up stand bereits die Coca-Cola-Company im Kleingedruckten. Aktuell geht es in Indien den Protestanten auch darum, dass durch die massiv ins Land drängenden Multinationalen Handelskonzerne die eigenen Produkte und die traditionellen Kleinhändler verdrängt werden. Wer je in Indien war, der weiß, dass man sich des Eindrucks kaum erwehren kann, dass ohnehin jeder einen „Shop“ betreibt. Der Einzelhandel beschäftigt in diesem Land Millionen, die bald nur noch Angestellte einer Kette sein werden und Produkte aus dem Ausland abrechnen werden. Irgendwie ein bedrohliches Beispiel, dass die von außen forcierte wirtschaftliche Öffnung eigentlich das Gegenteil von dem bewirkt, was sie für sich in Anspruch nimmt: Durch die wirtschaftliche Öffnung kommt es nicht zu mehr Unternehmertum sondern zu weniger.

Das Bild zu diesem Beitrag stammt aber aus einem anderen Land.
Ich habe es im Khayelitsha Township bei Capetown (Südafrika) (http://de.wikipedia.org/wiki/Khayelitsha) aufgenommen.
Es soll auf eine weitere Gefahr der forcierten Öffnung der Zweiten und Dritten Welt hinweisen. Wie in vielen Townships haben viele Hütten dort noch immer keinen Anschluß an Trinkwasser und nur sehr wenige einen Anschluß an das Kanalnetz.
Es ist jedoch FANTA, mit denen wir den Menschen den Mund wässrig machen!

Written by medicus58

30. September 2012 at 19:01

Wir haben aus dem Fall Südamerikas nichts gelernt

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Eigentlich handeln die Beiträge hier in der Kategorie „Reisen“ von Erlebnissen, die zum Teil Jahrzehnte zurück liegen. Das heutige Bild der Auslage einer Bank in Colonia (Uruguay) ist zwar auch schon 15 Jahre alt, führt uns aber geradewegs in die Gegenwart.
Heute ist die Inflationsrate in Uruguay mit ca. 8% relativ gering
(http://www.indexmundi.com/uruguay/inflation_rate_(consumer_prices).html) und lag selbst in den späten 90er jahren mit ca. 15% 1997 nicht allzu hoch, als ich dieses Bild schoss.
Die 21% Zinsen für eine Einlage von 360 Tagen, jedoch noch viel mehr die
18% für eine Einlage von nur 30 Tagen reflektieren die gerade überstandene ökonomische Talfahrt.

Uruguay war der erste Sozialstaat Südamerikas. Wie in vielen südamerikanischen  Ländern unterstütze die (mit tätiger Hilfe der USA eingesetzte) Militärregierung auch Uruguay die neoliberalen Wirtschaftsreformen der „Chicago Boys“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Chicago_Boys).

Die Folge waren der Ausverkauf an ausländische Investoren (einschließlich der Rücklagen der Sozialversicherung), die großflächige Verarmung des Mittelstandes und die Destruktion staatlicher Strukturen, von denen sich die meisten südam. Staaten Ende der 90er Jahre zwar kurzfristig aber nicht andauernd erholten. Uruguay stürzte gemeinsam mit seinem Nachbarn Argentinien 2002 wieder in die nächste Krise aus der es sich wie Argeninien nie wirklich erholt hatte.
All dies wurde von Europa nicht als Gegenbeweis der neoliberalen Ideologie gesehen, sonder als rein lokales Problem; spätestens seit 2008 sollten wir uns auch fragen, ob wir aus der Entwicklung Südamerikas in den letzten Jahrzehnten die richtigen Schlüsse ziehen sollten.

PS_ Ein Beitrag nicht nur aber auch für Bloggerfreund EP —

Written by medicus58

27. September 2012 at 17:55

Veröffentlicht in Finanzkrise, Reisen

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Aufruhr: Gut und schön – Das Erbe des Neoliberalismus ist seine stabilisierende Kraft

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In Griechenland (http://www.ftd.de/politik/europa/:schuldenkrise-generalstreik-legt-griechenland-lahm/70095724.html) und
Spanien (http://www.welt.de/print/die_welt/politik/article109490620/Spanien-geht-auf-die-Strasse.html)
gehen die Menschen auf die Straße und protestieren gegen die Sparpakete, die ihnen unter dem Druck der Finanzkrise auferlegt wurden.

Der Spiegel titelt zwar:
Wir hoffen, dass wir das System stürzen können
(http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/proteste-bei-generalstreik-in-griechenland-a-858201.html) jedoch vermittelt dieser, wie viele andere Artikel eher den Eindruck, dass sich die Menschen
nur gegen die Maßnahmen in der Krise und nicht so sehr gegen die Ursachen der Krise wehren.

Wenn nun bedauert wird, dass man vor kurzem diese Regierung gewählt hat, die nun die Sparmaßnahmen verordnet und für deren Rücktritt protestiert, führt das nur zu einer (früher vor allem aus Italien bekannten) endlosen Abfolge von handlungsunfähigen Kurzzeitregierungen und am Ende zur Berlusconisierung Europas.

Ich habe hier schon einmal festgehalten, dass es nicht die populistischen Randfiguren unserer politischen Szene sind, die unser demokratisches System gefährden, sondern es ist das abstoßende Verhalten der Politiker im Zentrum ist, das zum Vertrauensverlust in die bestehenden Institutionen führt und Populisten den Staat am Präsentierteller übergeben;
so passierte es in der Weimarer Republik und so läuft es dzt. bei uns. (http://wp.me/p1kfuX-qg)

Warum wiederholt sich dieser Prozess aber so unhinterfragt?

Eine der möglichen Ursachen, den Irrtum der Linken, dass den Menschen der (meist nur kurzfristige befriedigende) Konsum immer kurzlebigerer Produkte nicht genügen wird  und sie nach einer größeren Teilhabe streben werden, habe ich in meinem Beitrag vom 13.5.12(http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=58262) schon ausgeführt:
Verkürzt ist somit nicht die Religion sondern der Konsumismus das Opium des Volkes.

Die aus meiner Sicht wesentlichen Eckpfeiler der Entwicklung wurden in dem Beitrag: Haben Sie die Revolution verpasst? Die lautlose Diktatur des globalisierten und deregulierten Kapitals (http://wp.me/p1kfuX-l1) beschrieben.

Bei Beobachtung der aktuellen Ereignisse in Griechenland und Spanien kam mir noch ein weiterer Gedanke, weshalb die Hinterfragung ursächlicher Zusammenhänge offenbar unterbleibt und sich
Demonstranten und Polizei gegenseitig die Köpfe einschlagen,
ob nun dieser oder jener letzte Rest des Sozialstaates eingespart werden darf oder nicht und sie nichtgemeinsam nach den wahren Ursachen der Ende des Sozialstaates fragen? Eines Sozialstaates, dessen beide Gruppen viel mehr bedürfen, als diejenigen die sich im großen Stil durch die Ausbeutung des Staates bereichert haben. Mit anderen Worten:
Wieso prügeln sich die Opfer und solidarisieren sich nicht gegen die Täter?

Hier wird eine wesentliche Doktrin des neoliberalen Denkens wirkmächtig:

Außer „dem Staat„, der als für alles als schuldig vorausgesetzt wird, wird stets von „anonymen Kräften“ gesprochen und der Einfluss „individueller Interessen“ totgeschwiegen.

Hat der Staat nach der völlig unnötigen Beendigung des alten Umlageverfahrens (das den Finanzjongleuren naturgemäß nicht als Spielgeld zur Verfügung gestanden hat) kein Geld mehr für ein solidarisches Pensionssystem, verkünden unsere industriefinanzierten Sozialexperten (http://www.wienerzeitung.at/nachrichten/oesterreich/politik/488973_Schwedisches-Pensionssystem-als-Vorbild-fuer-Oesterreich.html) nicht,
dass der ursprüngliche Schritt vielleicht ein Fehler war (das würde ja die Finanzierung ihrer Institute gefährden) sondern
predigen die Sparschweinvariante, jeder kriegt das, was er eingezahlt hat, für die ich wahrlich keine Pensionsversicherung mehr benötige.
In Wirklichkeit benötige ich dafür auch keinen Staat, keine Interessensverteter, keine Wahlen, kein Parlament, keinen Staat, eigentlich nur eine Privatversicherung.

Und was hat das mit den Prügelorgien in Griechenland und Spanien zu tun, werden Sie fragen, so sie bisher noch mitgelesen haben?

Sehr viel:

Die Grundlage westeuropäischer Demokratien war der Wohlfahrtsstaat, der kontrollierte, dass auch für die Masse, an der Geld zu verdienen war (einerseiits weil sie für Lohn arbeitete und andererseits weil sie konsumierte) ein Teil des Gewinns in Form sozialer Sicherheit und Perspektive für ihre Kinder, denen sie ja relativ wenig vererben konnte, abgegeben wird.
Dieser Ausgleich wurde und wird durch die Lohnzahlungen NICHT erreicht.
Damit das funktioniert, muss auch über ALLE GEWINNER und ihre BEITRÄGE
gesprochen werden, die in und an einer prosperierenden Gesellschaft verdienen, wenn sich herausstellt, dass diesem Wohlfahrtsstaat zu wenig Geld zur Verfügung steht.

Diese politische Frage nach den individuellen Gewinnern einer politischen Ideologie (Heilslehre), und nichts anderes ist der Neoliberalismus, wurde eben durch diese Ideologie verboten.

Er kennt nur den schuldigen Staat und die benevolenten Kräfte des Marktes

jede andere politische Hinterfragung wurde durch drei Jahrzehnte Gehirnwäsche eliminiert, so dass die jetzigen Unruhen eher das bestehende System verfestigen als es hinterfragen …

Würden Demonstranten und Polizei verstehen, dass für sie beide zu wenig überbleibt, weil die Beitragsgrundlage der Großgewinner zu niedrig war (Körperschaftssteuer, Börsensteuer, Erbschaftssteuer, Steruerhinterziehung im großen Maßsstab ,….) hätten sie ein gemeinsames Ziel und der Aufruhr wäre wirklich gut und schön ….

Zum Nachschauen:
http://youtu.be/fj0ZR51ONjw
http://youtu.be/yhsCslyo4lo
http://youtu.be/90a3mUBr8Dg
https://athens.indymedia.org/front.php3?lang=el&article_id=1424535

Written by medicus58

27. September 2012 at 17:45

Lawrence of Arabia und Fritz Grünbaum sind für mich unzertrennlich

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Es gibt ja Beiträge, da weiß man nicht, wie man sie benennen soll und ob sie ins Herrgotts- oder Satanswinkerl passen. Das ist hier einer.

Das Apollo-Kino in Mariahilf war renoviert und wurde (es musste 1989 gewesen sein) mit der restaurierten Fasung von Lawrence of Arabia (http://de.wikipedia.org/wiki/Lawrence_von_Arabien_(Film), http://www.imdb.com/title/tt0056172/technical)
eröffnet. Für die Nachgeborenen, das war also, ehe das Kino (http://de.wikipedia.org/wiki/Apollo_Kino) 1993 und 1996 in das jetzige Multiplex zerstückelt wurde. Damals hatte es nur einen Saal, aber der war beeindruckend, genau das richtige für David Leans Meisterwerk

Da ich einerseits großes Interesse für den historischen T.E. Lawrence (http://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_Edward_Lawrence) hege, weil mich seine Zerissenheit zwischen den Kulturen aber auch seine komplexen Psyche beschäftigte, andererseits die intensive Bildorgien der filmischen Umsetzung seiner „7 Pillars of Wisdom“ auf einer großen Leinwand eben am beeindruckendsten „rüberkommen“, war allein der Beginn der Vorführung ein unvergessliches Erlebnis: Der Vorhang, damals hatten Kinos noch Vorhänge (!) blieb geschlossen, der riesigen Saal zum Teil beleuchtet, als die Overtüre (damals hatten Filme noch Overtüren“ erklang …

In der Pause kam ich mit einer älteren Dame ins Gespräch, die mich aufklärte, dass es sich bei dem jetzigen Kino eigentlich um eines der bekanntesten Revuetheater im Wien der 20er Jahre gehandelt (http://de.wikipedia.org/wiki/Apollo-Theater_(Wien)). 
Soviel zum ersten Teil meiner Geschichte. 

Geht man heute an dem zerstückelten Theater vorbei, dann fällt der Blick vielleicht auf das Straßenschild der kleinen Verkehrsinsel:
Fritz Grünbaum Platz.

Als Heranwachsender waren die Stars der Wiener Kabarettszene für uns selbstverständliche Säulenheilige und wer sich intensiv mit Qualtinger (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=44602) und Kreisler (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=72920) beschäftigte, der stieß über Wehle und Farkas natürlich auch auf Fritz Grünbaum (http://de.wikipedia.org/wiki/Fritz_Gr%C3%BCnbaum), jenen begnadeten Wortjongleur (Conférencier, Kabarettist, Operetten- und Schlagerautor, Regisseur und Schauspieler) der maßgeblich begründet hat, was wir als „Wiener Kabarett“ kennen und meist nur dem Karl Farkas zuschreiben. So wie meist vergessen wurde, wie viele Texte ein Farkas dem Hugo Wiener http://de.wikipedia.org/wiki/Hugo_Wiener)  und ein Gerhard Bronner dem Peter Wehle (http://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Wehle) verdanken.
Dieser Fritz Grünbaum, der 1941 im KZ Dachau an „Herzlähmung“ starb, da er selbst für einen Selbstmordversuch zu schwach war, wird hier 
mit einer Verkehrsinsel geehrt.

Wie es dazu kam, ist absurder als man sich vorstellen kann und soll am besten von einem geschildert werden, der die Vorgänge selbst miterlebt hat:
dem Autor, Musiker, Schauspieler und Bezirksrat Richard Weihs:
http://members.aon.at/richard.weihs/Mariahilf1.htm 

Und deshalb gehört der Eintrag doch ins Herrgottswinkerl:

Er handelt von den Zeiten, da Filme noch in Filmtheatern gezeigt wurden.
Von Kinobesuchern, mit denen man noch plaudern konnte, ohne 
dass ihre Worte durch Nachos oder Popcorn unverständlich wurden 
und von den vielen geniale Menschen, die diese Stadt in der Vergangenheit zu etwas ganz Besonderen gemacht haben und 
deren Erbe so sorglos verschleudert wurde, 
dass wir uns nicht wundern müssen, wenn unsere Gegenwart von überdimensionale Schatten werfende Zwerge dominiert wird.

Aber zurück zu „Lawrence of Arabia„: 
Lawrence scheppt sich nach einem Gewaltritt durch die Arabische Wüste mit letzter Kraft mit nur einem seiner Begleiter, der andere starb in einem Sandloch, in das britische Offizierskasino in Kairo:

Bartender:
[after Lawrence enters with a dirty Bedouin] 
This is a bar for British officers!
T.E. Lawrence: That’s all right. We’re not particular.

Written by medicus58

25. September 2012 at 17:08

Sonnenuntergang am Zuckerhut

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Sonnenuntergänge sind der von den meisten herbeigesehnte Abschluss langweiliger Belästigungen mit Urlaubserinnerungen der Gastgeber.
Selbst in den Zeiten analoger Fotografie gelangen die Aufnahmen fast ausnahmslos und evozierten die ersehnten „ACHs“ und „OHs“ des pt. Publikums.
Gewiefte „Bilder-an-die-Wand-Werfer“, einschließlich der professionellen Erscheinungsformen, die die Audimaxe der Universitäten füllen, schießen vermutlich einige Sonnenuntergänge auf Vorrat, weil sie sich zwanglos in jede Slideshow einfügen lassen, da sie ohnehin selten eine exakte Ortsbestimmung zulassen. Deshalb erlaube ich mir, hier auch eine Geschichte und das nachfolgende Bild der Serie einzustellen, um dem präsentierten Bild eine gewisse Unverwechselbarkeit zu geben.

Es gibt Städte, die man am besten vom Erdboden aus mit dem Blick in die schwindelnden Höhen seiner Bauten betrachtet, so wie Chicago oder NY (Manhatten), und es gibt Städte, die man am besten von einem erhöhten Standpunkt aus genießt, wie Hongkong (nächtens vom Victoria Peak aus) und Rio de Janerio (vom Zuckerhut aus). Ich hatte dieses Erlebnis erstmals vor 22 Jahren und zuletzt vor zwei Jahren und fand es – trotz sehr unterschiedlicher Rahmenbedingungen – unbeschreiblich schön. 1990 war Rio chaotischer, schmutziger, billiger und es gab am Zuckerhut die Pina colada im großen Papierbecher, wobei der Anteil zwischen Kokosmilch und Rum massiv zugunsten des letzteren verschoben war, nach einigen Jahren der Regierung Lula wirkt die Stadt etwas geordneter, steckten unzählige Jugendliche der Favelas in orangen Uniformen und kehrten die zentralen Bereiche Rios blitzsauber, und für den Preis eines Palmherzensalats im Zentrum kann man in Wien ein Mittagsmenü bekommen und am Zuckerhut gibts keine Pina colada mehr sondern (relativ alkoholarme) Caipirihas aber der Blick auf eine der schönsten Stadtlandschaften der Welt bleibt wie er war: unvergesslich.

Written by medicus58

23. September 2012 at 13:05

Ostermayer: Faymanns Schatten

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Bereits 1997 (nicht 99 wie die Ausgabe im Faltershop) hat Samo Kobenter in seinem Buch Republik der Sekretäre (http://www.falter.at/web/shop/detail.php?id=1694&SESSID=638e55bbdbc551ad5db92302ccff94bd) auf die Seilschaften der Machthaber in Österreich darauf hingewiesen, dass man in unserem Lande am besten dadurch Karriere macht, dass man die „Drecksarbeit“ derer übernimmt, die im Scheinwerferlicht stehen:
Auszugsweise:
Kurt Bergmann Pressereferent der ÖVP Finanzminister Schmitz und Koren
Heinz Fischer Sekretär der SPÖ Parlamentsfraktion
Leopold Gratz Sekretär des Klubs der SPÖ Nationalrats- und Bundesratsabgeordnete
Josef Kalina Sekretär SPÖ Jugend
Thomas Klestil Sekretär unter ÖVP Außenminister Mock
Johannes Kunz Sekretär von SPÖ Bundeskanzler Bruno Kreisky
Ferdinand Lacina Sekretär von SPÖ Bundeskanzler Bruno Kreisky
Paul Andreas Mailath-Pokorny Sekretär vonSPÖ  Bundeskanzler Franz Vranizky
Hans Mahr Sekretär von SPÖ Bundeskanzler Bruno Kreisky
Peter Marboe Sekretär von ÖVP Bundeskanzler Klaus
Alois Mock Sekretär von ÖVP Bundeskanzler Klaus
Wilhelm Molterer Sekretär von ÖVP Landwirtschaftsminister Riegler
Wolfgang Schüssel Sekretär des Wirtschaftsbundes
Franz Vranitzky Sekretär von SPÖ Finanzminister Hannes Androsch
Peter Westenthaler Sekretär von FPÖ Susanne Riess, Norbert Gugerbauer & Jörg Haider
Gerhard Zeiler Sekretär von SPÖ Fred Sinowatz und Franz Vranitzky

„Pepi“ Ostermayer (http://de.wikipedia.org/wiki/Josef_Ostermayer) folgt in dieser Tradition dem Schatten seines Meisters Werner Faymann.

Als (seit 1987) Rechtsberater und -vertreter ab 1988 leitender Jurist der Mietervereinigung, deren Geschäftsführer Werner Faymann war. 1994 wurde er Angestellter des Wiener Bodenbereitstellungs- und Stadterneuerungsfonds ins Büro des amtsführenden Stadtrates für Wohnen, Wohnbau und Stadterneuerung, erraten das Büro Werner Faymann.
Ab Mai 2004 bis zu seinem Wechsel ins BMVIT im Jahre 2007 war er Geschäftsführer des wohnfonds_wien (früher: Wiener Bodenbereitstellungs- und Stadterneuerungsfonds).
Nur logisch, dass er als Kabinettchef ins BuMin für Verkehr, Innovation und Technologie wechselte, als sich sein Mentor 2007  erstmals aus den Tiefen der Wiener Landespolitik in die Höhen der Bundespolitik aufgeschwungen hat (oder von Bürgermeister Häupl dem Gusi (Bundeskanzler Gusenbauer) aufgedrängt hat, damit der Liebling der Kronenzeitung nicht an seinem Bürgermeistersessel sägen kann). Seit Dezember 2008 ist er Staatssekretär für Medien und Koordination im Bundeskanzleramt nachdem Werner Faymann Gusenbauer in diesem Amt nachfolgte.
Josef Ostermayer hat nämlich dieses Studium geschafft, das sich für den „Werner“ nur bis zur Eingangsprüfung ausgegangen ist.
Ob in Faymann wegen seiner Medienkompetenz an seine Seite holte, mag bezweifelt werden: http://www.youtube.com/watch?v=vs-x7-phRQc

Das alles ist ja im Prinzip nichts Anrüchiges nur kommen da halt immer wieder so kleine Nachrichtensplitter, die den Eindruck verstärken, dass Ostermayer für seinen Chef die Dinge tut, für die der so jovial gebärdende Stadtrat, Minister und Kanzler doch so gerne Auskunft erteilen würde, wenn , ja wenn er doch in einem Untersuchungsausschuss geladen würde, den er mit Hilfe anderer Domestiken gerade „abgedreht“ hat (http://wp.me/p1kfuX-rJ).
Ein Vierteljahrhundert macht Ostermayer nun schon dem Werner die Mauer und hat sich den Ehrentitel „Schattenmann aus Schattendorf“ (http://www.kleinezeitung.at/nachrichten/politik/portraet/2729971/schattenmann-schattendorf.story) redlich verdient,
ob er da immer so redlich vorgegangen ist, mag bezweifelt werden:

6.10.2011 Profil
Stimmen die bisherigen Zeugenaussagen einiger ÖBB-Manager, war es Ostermayer, der die Inseratendeals für Faymann abwickelte. Die Rede ist von erheblichem Druck und relativ deutlichen Drohungen. Er brauche „sieben Millionen für den Werner“, soll Ostermayer etwa zu Ex-ÖBB-Chef Martin Huber gesagt haben.
http://www.profil.at/articles/1139/560/308237/faymann-der-schattenmann
http://kurier.at/nachrichten/4507820-inserate-wehinger-belastet-ostermayer.php
Auf die konkrete Frage von Armin Wolf am 19.9.2011, ob er die „Millionen“ verlangt hat, schafft er fast 11 Minuten weder ein „Ja“ oder ein „Nein“
http://www.youtube.com/watch?v=_PF4J2az1Gw

10.8.2012 ZIB2
Stefan Wehinger, der ehemalige ÖBB-Vorstand, danach Westbahn-Chef beschuldift Staatssekretär Ostermayer, er habe ihm gedroht, wenn er nicht kooperiere, würde er seinen Vorstandsposten verlieren.
http://www.youtube.com/watch?v=8xfrehSvQkk

25.8.2012 Profil
Dr. Josef Ostermayer und Werner ­Faymann gaben unter Vorhalt der diesbezüglichen Ermittlungsergebnisse an, nichts davon gewusst zu haben, dass vom BMVIT in Auftrag gegebene Medieneinschaltungen an die Asfinag AG und die ÖBB-Holding weiterfakturiert worden seien, sie hätten diese Vorgangsweise bei Kenntnis auch keineswegs toleriert, da sie sie für unvertretbar hielten.“ Massive Zweifel an diesen Angaben von Faymann und Ostermayer waren laut Staatsanwaltschaft angebracht: „Dass sich diese Verantwortungen als Schutzbehauptungen darstellen, ergibt sich nicht nur aus der Vielzahl der gleich gelagerten Fälle, sondern auch aus Zeugenaussagen.“
http://www.profil.at/articles/1234/560/339721/werner-faymann-inseratenaffaere-wie-faymann-widersprueche

20.9.2012 Standard
Laut einem Zeugen gab es „Riesenstreit“ über die Inseratenschaltungen zwischen den Asfinag-Chefs einerseits und Werner Faymann und Josef Ostermayer andererseits

http://derstandard.at/1347493162830/Inserate-Zeugen-sprechen-von-Streit-zwischen-Asfinag-und-Faymann?ref=article

Da kann man nur hoffen, dass der der beiden, der das Studium der Rechte abgeschlossen hat, sich so weit abgesichert hat, dass er nicht für seinen Mentor als Opferlamm geschlachtet wird und letzlich ihn seine zutiefst österreichische Karriere als Dauersekretär.

Weitere Links zu den Inseraten Faymanns:
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=44479
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=49948
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=54502
http://derstandard.at/1331780203138/Regierungswerbung-Krone-vor-Oesterreich-und-Heute-Wo-das-Kanzleramt-2011-inserierte

Die viffen Siamesischen Ausschuss-Zwillinge

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Hier wurde schon im März 12 ein Zusammenhang zwischen dem Bestand unserer Regierung und der fraglichen Einstellung des Parlamentarischen Untersuchungsausschusses vermutet, nur schien mir – bislang fälschlich – Frau BuMin Schmied und ihre bislang nur sehr diskret angesprochene Verantwortung für „Zockerei“ der Kommunalkredit als ursächlich verantwortlich (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=54388).
Dass der Ausschuss nun, unabhängig von evtl, noch offenen Fragen zu
Schaltung von Inseraten auf Weisung
Staatsbürgerschaftsverleihungen (Part-of-the-Game-Affäre)
Telekomgeschäfte mit Schlaff und Taus

per Fristsetzungsantrag von SPÖVP mit 16. Oktober eingestellt werden soll, haben wir der
Angst von SPÖ, ÖVP, FPÖ und BZÖ zu verdanken, dass noch mehr Zweifel an ihrer politischen Sauberkeit an die Öffentlichkeit kommen könnten (http://www.kleinezeitung.at/nachrichten/politik/ausschuss/3121504/u-ausschuss-noch-drei-sieben-themen-ungeklaert.story) und
Herrn Bundeskanzler Faymann, der offenbar Antworten unter Wahrheitspflicht über die unbestrittene Verwendung von Geldern staatsnaher Einrichtungen für persönliche Imagekampagnen so scheut, dass er lieber strafrechtlich verfolgbare Delekte undiskutiert belässt, als sich seiner politischen Verantwortung zu stellen. (Dass man ihm strafrechtlich nicht an kann, wird aus Juristenkreisen seit Monaten eingestanden.) (http://derstandard.at/1347493098250/Netzwerkgrafik-Untersuchungsausschuss-Inseratenaffaere-Faymann)

Wer hat aber diesen Coup als Auftragstäter durchgezogen?

Die durch die aktuelle politische Konstellation der Koalition zusammengeschweißten viffen Ausschuss-Zwillinge:
Werner Amon und Otto Pendl

Link: http://www.gruene.at/topstories/artikel/lesen/85602/

Über Werner Amons „Vergesslichkeiten“ im Zusammenhang mit „Rechnungen“ an die Telekom, wurde schon berichtet: http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=54333 Seine „Verschörungstheorien“ als Leiter des Parlamentarischen Kampusch-Untersausschusses, „die Staatsanwaltschaft würde ihm den Verdacht der Parteinfinanzierung durch die Telekom nur anhängen, weil er sie bezichtigt hätte in der Causa Kampusch zu vertuschen“, hat auch Parteifreunde etwas verwundert. (http://diepresse.com/home/politik/innenpolitik/741649/Fall-Kampusch_Amon-in-Bedraengnis http://wp.me/p1kfuX-bH ) Eigentlich hat er sich auch da schon als rücksichtsloser politischer Strippenzieher ausgewiesen, der keine Sekunde zögert, aus parteipolitischem Kalkül jegliche jedes Argument vorzuschützen, wenn es ihm oder seiner Partei nützt.

In Otto Pendl, der SPÖ Fraktionsführer im U-Ausschuss wurde, nachdem der ursprüngliche SPÖ Fraktionsführer, der Jurist Jarolim sich angeblich mit Amon nicht auf eine Zeugenliste in der Cause „Blaufunk“ einigen konnte ( http://derstandard.at/1336697633935/Untersuchungsausschuss-Jarolim-macht-Platz-Bloedsinn-dass-das-mit-OeVP-zu-tun-hat http://www.wienerzeitung.at/meinungen/portraets/459716_Otto-Pendl.html) hat Werner Amon nun einen großkoalitinären Partner gefunden, mit dem man das Kind schon schaukeln kann (ungeachtet, wer oder was da aus dem Boot fällt):

Pendl
, ein volksdümmlicher Redner: http://www.youtube.com/watch?v=xPjR-1F0KyQ http://www.youtube.com/watch?v=sUyG7FtyDtE http://www.youtube.com/watch?v=CoZdBsowhTY und alles andere als ein Linker.
Besser als auf „Linkswende“ kann man es nicht formulieren:
In vielen Diskussionen sind wir immer wieder mit der Abneigung vieler, an sich links stehender, Menschen gegenüber SPÖ-Funktionären (und auch gegenüber der ÖGB-Bürokratie) konfrontiert. Diese, über die Jahre gewachsene Abneigung hat viele Gründe, einer davon sind Apparatschniks wie Otto Pendl. Der ehemalige Justizwachebeamte, Bereichssprecher der SPÖ für »Innere Sicherheit« und SP-Vorstandsmitglied gibt den ungustiösesten Seiten der Sozialdemokratie ein Gesicht, das wir gerne ins Visier nehmen. Es ist nicht die erste Gelegenheit, schon als der rührige Pendl sich Gedanken um die armen Leute in Traiskirchen machte (gemeint sind die »Eingeborenen«, nicht etwa die Flüchtlinge), wäre er reif für ein »Visier« gewesen http://www.linkswende.org/1668/Im-Visier-Otto-Pendl

Diese zwei Untrennbaren haben es zusammengebracht, zuerst einen Formalstreit mit der Vorsitzenden Gabriela Moser, ob man per Antrag verhindern darf, dass neue Dokumente zu bereits abgeschlossenen Fragen (ungeachtet ob durch neue Erkenntnisse zusätzlicher Bedarf entstanden ist) angefordert werden dürfen, zur Kernfrage hochstilisiert, um eine Fortsetzung des Ausschusses zu torpedieren, so lange Moser diesem vorsteht, nur um kurz nach deren Rücktritt den Ausschuss ein nahes Ende zu bereiten.

Bei uns nennt man das VIF. Der Duden übersetzt es mit: aufgeweckt, wendig, rührig

Wir bewundern Menschen, die sich mit einer Argumentationen durchsetzen, ohne ihre wahren Beweggründe offen zu legen, obwohl ohnehin jeder im Publikum weiß, was dahinter steckt.

Berlusconi ist vif, deshalb würden ihn noch immer (und werden es vielleicht sogar) viele Italiener wählen, obwohl sie wissen, dass er korrupt – kriminell agiert. Der Klügere gibt nach, der viffere gewinnt.
Klimawandel in Österreich

Das meteorologische Klima wird „südlicher“, das politische ebenso.

Der Wolfgang Schüssel (https://medicus58.wordpress.com/2012/02/15/schussel-wolfgang-und-seine-unschuldsvermutung/) nannte schon Berlusconi seinen Freund, sein stiller Vize Jörg Haider schwänzelte bis zu seinem etwas derben Absturz lieber gleich mit Berlusconis „schmutzigem Spielkameraden“ Umberto Bossi (http://www.jungefreiheit.de/Single-News-Display-Archiv.525+M5b3bf6536f9.0.html?PHPSESSID=7dcbea0faa4cb056c714ef7ceb5ab314).

Österreich auf dem Weg in südliche Verhältnisse: Es wissen eh alle, was da gespielt wird, aber da ohnehin alle irgendwie korrupt sind, schlagen so kleine Geschäftsordnungstricks wie die von Pendl und Amon, um wieder aufs Thema zu kommen, bald in stumme Anerkennung um, dass die es dem Pilz und der Moser wieder gezeigt hätten.
Ein Coup halt, eh schon wissen, vif halt.

Zum Abschluss empfiehlt sich die Lektüre des treffenden Artikels Blaupause für den Untergang der Salzburger Nachrichten vom 17.9.: http://mein.salzburg.com/blog/koller/2012/09/blaupause-fur-den-untergang.html

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