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Krankenversicherungen und der angenähte Blinddarm (Teil II)

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War es vorvorgestern noch in Der freie Beruf Arzt an der Angel der Versicherungen  um die scheinbare Komik deutscher Kollegen, die ihrem Honorar nachrennen mussten und gestern um die eher Kabarett-artigen Zustände hierzulande, wird es heute ernst und wir beschäftigen uns mit der sogenannten Sonderklasse;
also eigentlich die private Zusatzversicherung zur Pflicht-Kranken-Versicherung, die (nach den Buchstaben des Gesetzes nur die freie Arztwahl auch in den öffentlichen Spitälern und eine verbesserte Hotelkomponente (Ein- oder Zweibettzimmer, eine Zeitung, Wunschgetränke aber keinen Jahrgangschampagner, … etc.) garantiert.

Ob man die Existenz und Verteilung von Sonderklassegeldern, die Spitalsbetreiber und deren angestellten Ärzte von zusatzversicherten Patienten und Nicht-EU Bürgern einnehmen, verteufelt oder schätzt, es handelt sich dabei um einen im §45 des Wr. KAG geregelten Einkommensbestandteil über dessen Aufteilung innerhalb der Ärzteschaft eine Regelung der ÄK wacht. Wie in diesem Lande üblich, regeln die Bundesländer das jeweils etwas unterschiedlich.
Es fällt aber seit vielen Jahren auf, dass dieses Einkommen sinkt!

Die Größenordnung ist zwar beeindruckend, insgesamt wird in Wien ein dreistelliger Millionenbetrag umgesetzt, den sich Spitalsbetreiber (was oft vergessen wird) und Ärzte teilen. Der im KAV lukrierte Anteil ist jedoch geringer der in Privat-, Beleg- und Ordensspitälern zusammen!
Die Privaten Krankenversicherungen (PKVs) verkaufen immer mehr Versicherungsverträge für die von uns erbrachten Leistungen, geben aber einen immer geringeren Anteil ihrer Einnahmen an die Ärzteschaft ab.

Alle paar Jahre werden die Vertragsbestimmungen zwischen Ärztekammer und PKVs neu verhandelt, in Wien beginnt gerade wieder das Spiel.

Natürlich ist die Verteilung zwischen den einzelnen Sonderfächern höchst unterschiedlich und auch der Anteil der einzelnen Ärztegenerationen von Ärzten in Ausbildung über Oberärzte bis zu den Abteilungsleitern divergiert beträchtlich.
Der Höhe der Honorare für Einzelleistungen zwischen einzelnen Fächern ist mitunter schwer verständlich, fast könnte man sagen, dass sie indirekt proportional zu geleisteten Arbeit und zur getragenen Verantwortung stehen. 
Und ehe es ans Verteilen geht, zieht sich die vor einigen Jahren von den Privatversicherungen geforderte zentrale Verrechnungsstelle (BuP) noch ihren Verwaltungsanteil ab. Angeblich wurde dieses lukrative Geschäft sogar einmal ausgeschrieben.

Die Honorare wurden und werden von der Ärztekammer mit den PKVs, in Wien in erster Linie mit dem Marktbeherrscher UNIQA ausverhandelt. In den letzten zwei Jahrzehnten saßen zahllosen Verhandlern aus der Ärzteschaft immer wieder ein und demselben Verhandlungsführer der PKVs gegenüber, dem „Herr Direktor K. von der UNIQA„.
Einmal wurden die Fachgruppenvertreter der einzelnen Sonderfächer zugezogen, dann haben nur einzelne, ausgewählte Vertreter verhandelt.
Einmal hat dieses Sonderfach verloren, einmal jenes.
Manchmal stellte sich erst nach Vertragsabschluss heraus, dass ein Fach, dessen Honorare an die Leistungen eines anderen Faches gekoppelt sind (z.B. Anästhesie), nur dadurch massiv verloren hat, weil die OP-Gruppe eines häufigen Eingriffes ohne ihr Wissen herabgestuft wurde:
Oft beschließen die PKVs die erbrachten Leistungen einfach nicht zu refundieren und unzählige Einsprüche hängen seit Jahren in der sogenannte „Schlichtungsstelle„, die bei ihren wenigen Sitzungen nur immer wenige Fälle besprechen kann. Zukünftig soll das durch ein Online-Verfahren beschleunigt werden, was ich aber persönlich bezweifle.
Wenn Sie sich aber nun fragen, weshalb die Ärzte dann die ihnen vorenthaltenen Honorare nicht bei den Patienten einfordern, dann ist genau das vorsorglich im Vertrag zwischen ÄK und PKVs ausdrücklich ausgeschlossen worden. Alles muss zuerst über die Schlichtungsstelle gehen. Selbst eine Information der patienten, dass sich ihre Versicherung geweigert hat, trotz der monatlich eingezahlten Beiträge, diese oder jene Leistung abzudecken, wäre schon ein Vertragsbruch;
Klug, nicht?
Am Ende jedes Verhandlungsmarathons, der stets zu spät begonnen wurde und dann rasch zum Abschluss gebracht werden musste (Speed kills), erklären die Verhandler das erzielte Ergebnis als alternativlos und rechnen Erhöhungen vor, die dann nie eintreffen.

Naturgemäß gab es immer wieder heftige Diskussionen innerhalb der Ärzteschaft über eine gerechte Verteilung zwischen den „liquidationsberechtigten Abteilungsleitern“ und ihren „nachgeordneten Ärzten“ (Stichwort: Bringerlösung).

Für mich aber völlig unverständlich, nimmt es die gesamte Ärzteschaft seit vielen Jahren nahezu widerstandlos hin, dass FÜR ALLE Gruppen, die Einnahmen aus der Sonderklasse seit vielen Jahren sinken (kein Inflationsausgleich, ungünstige Junktimierungen, Strukturänderungen, Durchrechnungen, Behandlungsfälle, …), obwohl die Einnahmen der PKVs aus dem Geschäftsbereich Sonderklasse überproportional steigen.

Der gesamte Prozess ist derartig intransparent, dass ihn seit Jahrzehnten inklusive aller Nebenabsprachen, Begründungen und „Deals“ nur mehr zwei Personen wirklich durchblicken, Direktor K. und KAD H.
Dass die Verhandlungsabschlüsse der Ärzteschaft nicht gerade zum Schaden der PKVs ausfielen zeigt auch, dass offenbar bei der UNIQA Einigkeit darüber besteht, dass ihr präpensionärer Verhandlungsführer auf ewig in diesen Ring geschickt werden wird. Natürlich nicht nur in Wien sondern bundesweit. Was dort „rein geht“, wird dann „flächendeckend ausgerollt“.

Ein guter Vorschlag wäre es, dass die ÄK mit den PKVs nur mehr eine Gesamtsumme der Sonderklassegelder ausmacht, die sich am Umsatz ihres Geschäftsbereiches orientiert, einschließlich einer Indexanpassung, die schließlich die PKVs ihren Versicherten auch in Rechnung stellt.
Wie dieser Topf dann zwischen den einzelnen Leistungserbringern innerhalb der Ärzteschaft aufgeteilt werden soll, wäre nur mehr innerhalb der Ärzteschaft durch die jeweils gewählte Vertreter der einzelner Sonderfächer und der Berücksichtigung der anteilsmäßigen Leistungserbringung aber auch einer gewissen Fairness zwischen den Fächern auszumachen. Diese Verhandlungen wären ohne Zeitdruck und mit für alle betroffen Ärzte einsehbaren Verhandlungsprotokollen durchzuführen. Selbstverständlich sehen beide Seiten das als unmöglich an!

Natürlich hört sich beim Geld oft die Freundschaft auf, aber wir alle wären gut beraten, wenn wir uns nicht in Konfrontation mit den PKVs gegenseitig ausspielen und hinunter verhandeln ließen. Die Auseinandersetzungen über die Verteilung gehören innerhalb der Ärzteschaft geführt, mit den PKVs reden wir über unseren gerechten Anteil an ihrem Geschäftsmodell!

Ich bezweifle aber stark, dass das Ergebnis der kommenden Verhandlungen anders aussehen wird, als in den letzten zwei Jahrzehnten:
Steigende Gewinne für die PKVs und fallende Zusatzeinkommen für die Ärzte.

Und das nächste Mal geht es dann hier wieder um die Interessen der Patienten, versprochen …

Written by medicus58

2. Februar 2018 at 17:05

So verlor die Ärztekammer jede Glaubwürdigkeit vor den Patienten und vermutlich auch vor den Ärzten

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Vor wenigen Tagen erklärte Stadträtin Wehsely erneut, dass die Ärztekammer KEIN Verhandlungspartner mehr ist, und sie sie nicht am verhandlungstisch benötige, da die Gewerkschaft der Gemeindebediensteten ohnehin von Anfang bis zur rechtzeitigen Verlängerung der Betriebsvereinbarung alles freudig abgenickte, was vom Rathaus gewünscht wurde.

Kurz vor der Abstimmung über die Streikbereitschaft, zu der sich über 90% der Ärzte vor wenigen Tagen bekannt haben, erhört Wehsely aber überraschend die Eigeninitiative von drei Kammerfunktionären (Wahlgemeinschaft: Felke; Frohner Facharzt- und Turnusliste WSP; Hofmann Vereinigung) und legt kurz mit Sitzungsbeginn einen neuen Vorschlag vor, der (vorbehaltlich der Teile, in denen die Stadt Wien ihrer eigenen Dienstordnung widerspricht) „mit großer Mehrheit“ angenommen wird.
http://derstandard.at/2000018371401/Spitalsaerzte-Wehsely-sieht-Last-Minute-Einigung-Szekeres-Wollen-nicht-streiken

Damit akzeptiert die Standesvertretung aber

ein „Stillhalten zu Gehaltsfragen bis 2017“ (obwohl z.B. Teile des Pakets wie das Paket für Primarärzte noch gar nicht vorliegen),
den „Verzicht auf weitere Urabstimmungen zum vorliegenden Verhandlungspaket“ sowie
die „Einstellung sämtlicher Kampagnen zu einzelnen Punkten der Vereinbarung“.

http://diepresse.com/home/politik/innenpolitik/4767192/Aerztekammer-nimmt-ArbeitszeitAngebot-mit-Vorbehalt-an

Dass das offenbar ein abgekartetes Spiel war, wird allein schon dadurch deutlich, dass noch vor Sitzungsbeginn sich Stadträtin Wehsely von den Grünen (!) im Gemeinderat zum Stand der Verhandlungen befragen ließ, damit sie die freudige Botschaft einer Einigung verkünden konnte und der Wien heute Beitrag pünktlich um 19:00 fertig war: http://tvthek.orf.at/program/Wien-heute/70018/Wien-heute/10107951/Kein-Streik-keine-Entscheidung/10110888

Der Bericht benennt auch ganz klar, dass sich das Rathaus mit dem Plan Nachtdiensträder zu streichen bereits durchgesetzt hat:
Über hundert Nachtdiensträder wurden gestrichen.

Wie man auch immer zu den finanziellen Teilen des Paktes steht, hat die Ärztekammer in den letzten Monaten sehr viel Geld (ihrer Zwangsmitglieder) ausgegeben, um auf die für Ärzte und Patienten unerträglichen Zustände in den Wiener Gemeindespitälern hinzuweisen:

Da Sie diese Seiten bald nicht mehr sehen werden, gibt’s hier noch die Screenshots

Streik

http://gemeindespitaelerstreik2015.at/

AKHStreik

http://akhstreik2015.at/

schuetzen wir

http://schuetzenwirunserespitaeler.at/

Notstandspital

http://notstandspital.at/

Wenn diese „Kampagnen“ nun sang- und klanglos geschlossen werden müssen, ohne dass sich durch den Besoldungspakt an den Gangbetten, Ambulanzwartezeiten, … etc. , die die Patienten (völlig zu Recht) ärgerten, etwas strukturell geändert hat, könnten sich die Patienten etwas missbraucht vorkommen, so wie diejenigen, die 11719, die auf Gesundheit Ist Mehr Wert (https://gesundheitistmehrwert.at/) protestierten.

gesundheitwert

Wenn nun die Wiener Ärztekammer innerhalb weniger Tage sowohl mit den Krankenkassen als auch mit dem Rathaus ihren Frieden gefunden hat und sich brav einen Maulkorb umhängt, der ihre standespolitischen Möglichkeiten bis 2017 deutlich einschränkt, dann könnten sich auch einige Ärzte verschaukelt vorkommen und bis 2017 keine Kammerbeiträge mehr einzahlen wollen.

Wer jedenfalls verdient hat waren diejenigen, die in den letzten Wochen all die schönen bunten Internetauftritte gebastelt haben, aber auch für die kommt noch das dicke Ende.
Nochmals werden sie wohl kaum zum Zug kommen, denn
nach dieser Vollbremsung mit Salto rückwärts braucht die Ärztekammer in Zukunft wohl kaum mehr im Internet um Unterstützung bei unseren Patienten werben, das nehmen ihr die Patienten kaum ein zweites mal ab.

Nachtrag 3.7.2015: 
Wie vorhergesagt schauen folgende Sites schon heute so aus:
http://gemeindespitaelerstreik2015.at/

gemstreik

 

http://schuetzenwirunserespitaeler.at/

schuetzenwir

 

http://notstandspital.at/

notstand

 

 

Written by medicus58

2. Juli 2015 at 16:30

Wehsely finanziert die Wiener Gebietskrankenkasse und keinen stört’s

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ReischWehs

In unzähligen Gesundheitsreformen waren sich alle „Stakeholder“stets in einem Punkt einig:

Alles nur keine Finanzierung aus einer Hand!

Die hanebüchenen Begründungen wechseln, aber eins muss bleiben:
Die Krankenkassen finanzieren überwiegend den extramuralen Bereich (Ordinationen, Kassenambulanzen und in Wien das gesamte Hanusch-Krankenhaus), die Steuerzahler die Spitäler und die Spitalsambulanzen. Wär übrigens so, wie wenn ihre PKW Haftpflichtversicherung nur die auf der Fahrbahn entstandenen Schäden übernehmen würde, der Parkschaden aber über die Mineralölsteuer abgedeckt würde. Klingt absurd, ist es auch.

Während medial unentwegt über die „teuren Spitäler“ gesprochen wird und z.B. das Wiener Spitalskonzept 2030 trotz  „wehsentlicher“ Wandlungen seiner Produktdeklaration http://wp.me/p1kfuX-K9, darin besteht 6 Schwerpunktspitäler auf drei Schwerpunktspitäler (an 6 Standorten) einzudampfen, schienen die Krankenkassen unter der wohltätigen Führung des nunmehrigen Finanzministers (Familie Putz geht zum Gesundheitsdienstleister http://wp.me/p1kfuX-12) auf Erfolgskurs:

Krankenkassen erzielten 2013 Millionenüberschuss

Für 2013 haben die Kassen laut Hauptverband der Sozialversicherungsträger einen Überschuss von insgesamt 186,3 Millionen Euro erwirtschaftet. Bemerkenswert ist dabei, dass der Löwenanteil des Überschusses von der Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK) gekommen ist – sie erbrachte 118,5 Mio. der insgesamt 186,3 Mio. Euro. Allerdings ist das nicht allein auf die Konsolidierungsleistungen der WGKK zurückzuführen, sondern zu einem Gutteil auf öffentliche Mittel. Die Kassen haben nämlich eine Umsatzsteuerrückvergütung für Medikamente bekommen. Diese wird in Form einer Pauschale ausbezahlt und machte für das Vorjahr 100 Mio. Euro aus. http://orf.at/stories/2218411/

Nach den zehn aufeinanderfolgenden Verlustjahren 1999 bis 2008 konnte die Wiener Gebietskrankenkasse zum fünften Mal in Folge einen Bilanzgewinn ausweisen. las man noch im Jahresbericht 2013 der Wiener Gebietskrankenkasse von deren GD Sulzbacher und der Obfrau Reischl.
http://www.wgkk.at/portal27/portal/wgkkportal/content/contentWindow?contentid=10008.602659&action=b&cacheability=PAGE&version=1412760547

JuHu

Jahresbericht 2014 liegt noch keiner vor,  aber Zeitungsmeldungen sprechen für 2014 noch von einem Plus von 11,6 Milliarden in der Wiener Gebietskrankenkasse http://www.vol.at/vorarlberger-gebietskrankenkasse-rechnet-2015-mit-49-mio-euro-defizit/4236597

JuHuJuHu

Nachdem das Finanzgenie Schelling aber ins Finanzministerium aufgestiegen ist, verdüsterten sich plötzlich österreichweit die Wolken über der Erfolgsstory der Krankenkassen:

2015 Krankenkassen rechnen mit 129-Millionen-Defizit
 … alle anderen Kassen rutschen ins Minus – am stärksten die Wiener Gebietskrankenkasse mit 64,1 Millionen Euro.
http://www.krone.at/Oesterreich/Krankenkassen_rechnen_mit_129-Millionen-Defizit-Prognose_fuer_2015-Story-439190

Letztendlich ist das eine politisch gewollte Querfinanzierung der Gebietskrankenkassen via asymmetrischer Steuerrückerstattung, über deren Begründung man nur mutmaßen kann. Letztlich hilft man den Kassen ihren Versicherten vorzugaukeln, dass sie für ihre (nicht so niedrigen) Kassenverträge eine Vollversorgung bekämen.

Im roten Wien“ wird dies aber von der Gesundheitsstadträtin Wehsely noch weiter getrieben, sehr zum Schaden ihrer Angestellten in den Spitälern des Krankenanstaltenverbundes, aber auch auf Kosten der Steuerzahler.

Die Ambulanzen und Bettenstationen der KAV Häuser sind auch deshalb so voll, weil von den Spitälern Leistungen übernommen werden, die eigentlich ein gut funktionierendes extramurales System (Ordinationen, Hausbesuche, Ärztenotdienst) abdecken müsste, für das – ja Sie raten richtig – die Krankenkassen verantwortlich wären.

Weniger Vertragsordinationen trotz Bevölkerungswachstum,
zum Teil lächerliche Kassentarife, für die kein Handwerker einen Finger rühren würde,
fehlenden Kassenverträgen für  Leistungen, die problemlos auch in Ordinationen erbracht werden könnten,
monatelangen Wartezeiten in den Spitalsambulanzen, weil die entsprechenden Fachärzte keine Kassenverträge bekommen,
versteckte Selbstbehalte bei Wahlärzten, die überhaupt nur 80% der Tarife von Kassenvertragsärzten bekommen,

… die Liste der absichtlich von den §2 Kassen offen gelassenen Defizite, die die Patientenströme in die Spitäler leiten, könnte endlos fortgeführt werden und die Gesundheitspolitiker schauen zu, weil sie mit den Verantwortlichen der Kassen allzu oft ein gleichfärbiges Parteibuch verbindet.

Wien ist anders.

Nicht dass Gesundheitsstadträtin und Gebietskrankenkassen-Leitung ein anderes Parteibuch haben, Wien ist anders, weil hier noch unverfrorener das Defizit der Gebietskrankenkasse durch Querfinanzierungen aus der Stadtkasse vermindert wird.
In den seit Ende letzten Jahres immer wieder (Wie oft wird kann man die Sau durchs Dorf jagen, ohne dass es den Medien auffällt? http://wp.me/p1kfuX-Tw) als großer Vorgriff auf die Gesundheitsreform abgefeierten Primärversorgungszentren (Primary Health Care Center: PHC) nimmt die Stadträtin Wehsely Geld in die Hand, um die Arbeit von Obfrau Reischl zu machen.

Offiziell liest sich das natürlich anders:
Nun haben sich Stadt Wien, Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK) – gemeinsam mit den bundesweiten Versicherungsträgern – und die Wiener Ärztekammer auf die Grundsätze für zwei konkrete Pilotprojekte zur Umsetzung des Primärversorgungskonzeptes in Wien verständigt. https://www.wien.gv.at/rk/msg/2014/12/18016.html

Die beiden PHCs, eines vor dem Donauspital für das gerade Mitarbeiter gesucht werden, eines, das aus einer bestehenden Gruppenpraxis in Mariahilf umgewandelt wird, werden nicht die Spitalsambulanzen entlasten, wie es Wehsely den ob der angekündigten Personalreduktion aufgebrachten Spitalsärzte vormachen will, dafür sind PHCs nämlich nicht da! Ihre Aufgabe umfasst (nach den Grundsätzen der Gesundheitsreform) maßgeblich die Mitwirkung an öffentlich finanzierten Gesundheitsförderungs- und Präventionsprogrammen und die Teilnahme an Disease-Management-Programmen (http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20150216_OTS0052/wehselyreischl-stadt-wien-und-wgkk-starten-pilotprojekt-integrierte-versorgung-bei-chronischer-herzschwaeche).

Es ist eine Verhöhnung der Spitalsärzte zu behaupten, eine solche Einrichtung, die 50 Stunden pro Woche offen hält und mit ein paar Allgemeinmedizinern und Pflegepersonen bestückt wird, könnte eine spürbare Entlastung in all den (onkologischen, neurochirurgischen, orthopädischen, dermatologischen, thyreologischen, radio-onkologischen, osteologischen, psychiatrischen, pädiatrischen, ….. ) Spezialambulanzen eines Schwerpunktspitales bewirken.  

PHCs sind vom Konzept her ja nichts Schlechtes, nur stellen sie in weiten Teilen ein anderes Versorgungskonzept dar, als jenes, das in Österreich bisher verfolgt wurde. Jedenfalls decken sie die extramurale Krankheitsversorgung (viele wollen auch hoffen, die Krankheitspävention) ab und dafür wären eigentlich die Krankenkassen verantwortlich.

Ob man für die 2,4 Millionen Euro, so viel sollen die beiden PHCs kosten, nicht auch im bestehenden System die gewollten Leistungen bekäme, scheint ja niemand zu hinterfragen.

Zum Vergleich die aktuelle Dienstzeit- und Besoldungsänderungen aller 3600 angestellten Ärzte im KAV ist der Gesundheitsstadträtin 19,9 Mill € wert gewesen und dann hat sie im Kurier ihren Kritikern gedroht, dass sie keinen Cent mehr locker machen werde, wenn man nicht  in ihren Jubel einstimmt.
Jedenfalls zahlt die Stadt Wien kräftig mit, bei den 480.000 €, mit denen der Mehraufwand gefördert wird, um die ambulanten Patienten der Krankenkassen zu versorgen, die nicht in die Kassenordination gehen können, weil die WGKK diesen Zugang nicht ermöglicht.

So ganz neu ist das ja nicht, denn schon vor über 5 Jahren hat das Doppelte Lottchen Wiener Gebietskrankenkasse/KAV vulgo Reischl/Wehsely ein Dialysezentrum in die grüne Wiese (eigentlich auf den asphaltierten Spitalsparkplatz des Donauspitals) gestellt. Kasse und Stadt teilen sich die Investition im Verhältnis 30 zu 70, die Betriebskosten im umgekehrten Verhältnis. Betrieben wird es von den Barmherzigen Brüdern, weil die geringere Gehälter zahlen …. http://www.wien.gv.at/rk/msg/2009/1202/008.html.
Günstig ist das Projekt auch deshalb, weil man sich mit Risikodialysen gleich gar nicht beschwert und Komplikationen umgehend ins öffentliche Spital gelegt werden können.

Auch bei diesem Projekt haben sich Reischl und Wehsely bewundern lassen, die eine zu Recht, denn ihr wurden Kosten abgenommen. Über Wehsely kann man sich aber auch wundern, denn es scheint niemand aufzufallen, wie sie das ohnehin klamme Gesundheitsbudget der Stadt nicht nur in Richtung unzähliger Berater und Baufirmen ausfließen lässt, sondern auch zur Defizitabdeckung der Wiener Gebietskrankenkasse benutzt.

Auch eine Form der Finanzierung aus einer Hand, nur halt der falschen.

Written by medicus58

27. Februar 2015 at 23:19

Die verlogenen Finanzierung der Medizin: Was lange gewährt bricht endlich weg

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Protest

Ja sind denn alle plötzlich irre geworden?

Die Rettungen verlangen mehr Geld von der Krankenkasse:

Rotes Kreuz und Samariterbund haben ihren Verrechnungsvertrag mit den Krankenkassen gekündigt. Seit 2005 wurden die Tarife nicht mehr angepasst. Ab Jahresende droht Patienten jetzt ein Selbstbehalt bei Einsätzen.
http://diepresse.com/home/panorama/oesterreich/1470305/Letzte-Rettung-fur-Niederosterreich

Die Radiologen bereiten sich für den vertragslosen Zustand vor:

Radiologen fordern mehr bezahlte Untersuchungen und kürzere Wartezeiten. Kommt es zu keiner Einigung mit den Kassen, wird es für die Patienten ab 1. Jänner teuer.
http://diepresse.com/home/leben/gesundheit/1502201/MRT-und-CT_Vertragsloser-Zustand-ab-Jaenner

Turnusärzte fordern acht „Grundrechte“ ein.

32-Stunden-Dienste, drei Wochenenddienste pro Monat, teils schlechte Aus- und Weiterbildung

http://www.nachrichten.at/oberoesterreich/Turnusaerzte-fordern-acht-Grundrechte-ein;art4,1256734

Wahlärztinnen und Wahlärzte weiter auf dem Vormarsch: Der versteckte Selbstbehalt

Patienten zahlen gerne drauf, um Wartezeiten und ärztliche Aufmerksamkeit zu bekommen

http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20131210_OTS0062/wahlaerztinnen-und-wahlaerzte-weiter-auf-dem-vormarsch

Gleich vorab meine These:

Die Effizienzsteigerungen im System demaskieren die bisherigen Lügengebäude.

Als ich vor vielen Jahren auch im Rettungswesen tätig war, war der „Betrieb“ der Notfallwagen, also die mit Arzt und Sanitätern ausgestatteten Blaulicht-Wagen schon ein Defizit und die Rettungsorganisationen, damals de facto nur RK und ASB, finanzierten sich in erster Linie durch die Cashcow Personentransport, also der PKW oder „Sanka“ der Ambulanz-, Kontroll- und Dialysepatienten als Krankentaxi meist günstig von einem Zivi chauffieren ließ.

Mit einem CT zum Therapiemonitoring eines Karzinompatienten nach RECIST Kriterien (http://de.wikipedia.org/wiki/Response_Evaluation_Criteria_in_Solid_Tumors) oder multiparametrischer Magnetresonanz ließen sich die radiologischen Institute nicht gewinnbringend führen, wären da nicht die vielen unnötigen Lungenröntgen in der Grippewelle oder die Wirbelsäule (AP, seitlich) beim Hexenschuss. Da war es nicht so wichtig, dass der Kassentarif so niedrig war, denn die Gefahr „etwas zu übersehen“ war bei „Routineröntgen“ nicht so groß und man musste einfach den Durchsatz steigern um in den schwarzen Zahlen zu bleiben.

Solange die Diensträder üppig besetzt waren, konnten sich auch Turnusärzte mit 10 Nachtdiensten pro Monat ein schönes Zubrot verdienen und sich – außer in Krisenfällen – auch etwas ausruhen, wenn der Kollege nach Mitternacht den Pager für ein paar Stunden übernehmen konnte. Für die Aussicht eines lukrativen Kassenvertrags oder einer Oberarztposition mit eigener Praxis (halt nur mit den „kleinen Kassen“) konnte man sich da schon durchbeißen.

Solange es §2 Kassenverträge gibt, kann man sich auch als Wahlarzt niederlassen und für „attraktivere Leistungen“wie Geburtshilfe, Dermatologie und Thyreologie kostendeckende Tarife verlangen, weil die Patienten den Selbstbehalt akzeptieren, wenn sie ihn nur einmal pro Jahr löhnen müssen.

Seit wir aber – an sich völlig zu Recht – die ganzen Taxifahrten in die Spitäler durch Rechnungslegung seitens der Krankenkassen unbeliebt machten,

seit durch Deckelungen und Wartezeiten immer mehr „kompliziertere Fälle“ in die Röntgenpraxen kommen,

seit die Arbeitsbelastung in den Spitälern auf immer weniger Köpfe fallen und in Zeiten der Aufnahmesperren die Hoffnung auf eine gehobene Dauerstellung in den öffentlichen Spitälern geschwunden sind und

seit die Krankenkassen immer mehr Wahlarztleistungen „ablehnen“,

kurz seit wir versuchen eine auf das Wesentliche fokussierte, effiziente Medizin zu betreiben (versuchen, nicht einmal noch ansatzweise geschafft haben)
stellt sich heraus, dass die bestehenden Tarif- und Versorgungsstrukturen völlig ungenügend sind.

Wenn wir auf das Unnötige verzichten wird das Nötige nicht billiger!

Irgendwann wird dem letzten „Reformer“ vielleicht klar, dass man zwar Akutbetten einsparen kann, eine ordentliche Langzeitpflege, weil sehr personalintensiv, jedoch mindestens ebenso teuer kommt, wie ein unnötig lange belegtes Akutbett.

In Wirklichkeit kommen wir mit der Personalausstattung unserer Akutstationen nur deshalb meistens aus, weil ein Teil der Patienten dort eigentlich nicht täglich ein Tumorboard, eine neue Antibiotikakombination oder aufwendige Pflegehandlung benötig.

Die Arbeitszeit des Radiologen verkürzt sich durch den Wegfall von 30 Routineröntgen pro Tag nicht wirklich, sein Einkommen (so er extramural tätig ist) sehr wohl.

Wenn wir von den Rettungsorganisationen überwiegend die Leistung einer „fliegenden Intensivstation“ verlangt, dann wird sich der Betrieb nicht mehr durch ein paar Freiwillige am Leben erhalten lassen.

Noch hören wir aus der Politik und den von ihr bezahlten Experten,

dass alles besser bleibt und billiger wird.
Vielleicht sind die jetzt allenthalben aufbrechenden Konflikte die Chance endlich zu erkennen,
dass man höhere Ansprüche nicht für weniger Geld und mit der alten Tarifstrukturen die gestiegenen Ansprüche nicht abdecken kann.

Brustkrebsmonat Oktober

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Mamma

Das bundesweite „Mammographie-Screening“ zur Brustkrebsvorsorge hätte dieses Monat starten sollen (http://steiermark.orf.at/news/stories/2606549/), vorerst bleibt einmal alles wie bisher und es wird eifrig nach Schuldigen gesucht.

Erwartungsgemäß: 
Für die Gebietskrankenkasse ist es die Geldgier der Ärzte, die Ärztekammer wirft Gesundheitspolitik und Krankenkassen vor, dass man sich immer mehr „anschafft“ aber dafür nicht bezahlen möchte. Und Bundesminister Stöger schwingt die Moralkeule vom „Kampf am Rücken der Frauen“ und zeigt somit, dass er sich nicht einmal über die primitivsten Details der menschlichen Anatomie klar ist.

Überraschend: Alle Vorwürfe stimmen irgendwie und verschleiern doch einige wesentliche Punkte!

Ob Nutzen (Frühentdeckung) vs Schaden (Strahlenexposition und somit Karzinomauslösung) die Kosten (Kosten der „unnötigen“ Mammografie und Folgeuntersuchungen minus eingesparte Kosten und menschliches Leid fortgeschrittener Karzinome) rechtfertigen, darüber wird seit Jahrzehnten diskutiert. 
Fest steht jedenfalls, dass ein allfälliger Nutzen dann am größten ist, wenn die Mammographie mit technisch erstklassigem Gerät durchgeführt und von erfahrenen Befundern interpretiert wird.

Zur „Geldgier von Ärzten“:
Während es vor Jahrzehnten üblich war, dass auch diagnostische Fächer (Radiologie, Labormedizin, Pathologie, …) außerhalb von Krankenhäusern ihre Dienste von Ordinationen aus anbieten und deren Tarife von der Ärztekammer ausgehandelt wurde, ist die „radiologische Ordination“ ein Auslaufmodell, weil die Kassen Schnittbildverfahren (CT, MR) ohnehin nur in Instituten refundieren, deren Honorarvereinbarungen (im Gegensatz zu Ordinationsverträgen) praktisch täglich kündbar sind.
Vom Ultraschall und den Lunge- bzw. Wirbelsäulenröntgen kann eine radiologische Ordination kaum mehr leben, so dass die Mammographie die letzte Tarifposition in der Ordination darstellte, mit der „etwas verdient“ werden konnte. 
Neben allen nachvollziehbaren Argumenten der Qualitätssicherung durch Standardisierung und höhere Fallzahlen durch eine Bündelung der Untersuchungen ergab sich auch für die Krankenkassen ein ökonomischer Benefit, dass das neue Mammographiescreening durch die Forderung nach einer Doppelbefundung aus den Einzelordinationen gebracht wurde.
Fazit: Es geht den Radiologen und der Kasse um Geld.

Zur „Qualitätssteigerung“:
Nicht nur die Mammographie würde von einer Doppelbefundung profitieren, praktisch jede medizinische Leistung würde besser, wenn sie von zwei Fachärzten erbracht würde. Auch mein tropfender Wasserhahn würde noch besser repariert werden, wenn sich gleich zwei Installateur-Meister damit beschäftigen würden, nur kämen die eben nicht um die (für das Mammographiescreening dzt. vergüteten) 80-100€. Würde man ihnen auch noch mitteilen, dass mit diesem Preis ihr Werkzeug und das Material abgeolgten wäre, dann würde das Verkausfgespräch rasch zu einer ziemlichen Gaudi entarten.
Es ist völlig legitim, wenn die Gesundheitspolitik immer mehr Qualität in der Gesundheitsversorgung verlangt, immer mehr Fortbildung, immer ausgeschlafenere Ärzte,  immer mehr Hygiene, immer mehr Aufklärung, immer mehr Dokumentation, ….. nur ist es ärgerlich, wenn sie davon ausgeht, dass das für Ärztehonorare, die zum Teil seit einem Jahrzehnt nicht einmal mehr inflationsbereinigt wurden.
Wir sprechen hier (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=78799) von rektalen Untersuchungen für 2,75€!

Zur Interessensvertretung der Ärztekammern:
Bundesministerium
, Patientenanwaltschaft und Krankenkassen werfen der Wiener und Steiermärkischen Landesärztekammern vor, dass sie die ihnen angebotenen Tarife nicht akzeptieren. Weiß man, dass für dasselbe Mammographiescreening in allen Bundesländern unterschiedliche Tarife ausgehandelt worden sind, dann beißt sich der Föderalismus wieder einmal in den Schwanz, wenn in dieser Situation die Wiener Ärztekammer die Verhandlungen um einen Gesamtvertrag an eine Einigung im Mammographiekrieg bindet. Für den Hauptverband soll es legitim sein, dass jede Krankenkasse in jedem Bundesland andere Tarife herausverhandelt, innerhalb eines Bundesland ist es aber „ein Erpressungsversuch“, wenn man einen ausgewogenen Gesamtvertrag will.
Fazit: Wir würden uns viel Bürokratie ersparen wenn wir Krankenkassen UND Ärztekammern zusammenlegen und nur mehr über einen Tarif streiten müssten!

Es ist klar, dass sich die Gebietskrankenkassen die Mehrkosten abgelten lassen wollen, wenn Frauen innerhalb des Programms systematisch eingeladen werden die Dienste der Radiologen zu nutzen.

Es ist aber verlogen nur den Ärzten vorzuwerfen, dass sie das Dickicht unseres föderalen, durchpolitisierten Gesundheitssystems nutzen, um möglichst hohe Tarife für ihre Leistungen zu lukrieren, wenn ihnen (es würde hier zu weit führen alles Probleme aufzuzählen) gerade in Zuge des Mammographiescreenings ein steigender bürokratischer Aufwand aufgebürdet wird.

Solange aber mit allen Finten der Gesundheitspolitik verhindert wird das derzeitige System in eine Finanzierung aus einer Hand (eine Krankenversicherung) mit einer einheitliche Leistungserbringung umzubauen, weil es neben der Gesundheitsversorgung auch um Politik geht, sind einseitige Vorwürfe gegen die Ärzte unerträglich:

Eine Krankenversicherung für ganz Österreich, meinetwegen mit verschiedenen Tarifmodellen jenseits der Grundversorgung, die den intra- und extramuralen Teil der Versorgung abdeckt.
Eine Ärztekammer für ganz Österreich, die sich über einheitliche Grundtarife einigt, meinetwwegen für transparente Zu- und Abschläge, weil es eben unterschiedliche Personal-, Energie-, Grundstückkosten, .. .etc. in verschiedneen Bundesländern gibt.

Einen Gesundheitsminister, der endlich den Unterschied zwischen Polemik und Politik begreift,
und dass die Mammae nicht am Rücken der Patientinnen sind sondern vorne …

Statistiknachhilfe für Krankenkasse oder verschaukelt man uns bewußt?

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Spitalsbett

Die heutige Ausgabe der U-Bahnzeitung HEUTE  zitiert die Wiener Gebietskrankenkasse mit dem Aufschrei,
dass bei den 1,08 Millionen Krankmeldungen des Vorjahres in bis zu 400.000 Fällen getrickst worden sein.
Gefolgt wurde die Schlußrechnung von hochgerechneten 720 Millionen € die die Firmen für blau feiernde Mitarbeiter gezahlt hätten.
http://www.heute.at/news/wirtschaft/art23662,845014

Im ORF liest sich das ganz anders:
Wiener weniger und kürzer im Krankenstand
(http://wien.orf.at/news/stories/2566406/)
und passt auch in den Trend, so wie er von der Wiener Gebietskrankenkasse auf ihrer Homepage gezeigt wird:
WGKK: Krankenstände 2010 deutlich unter Vorjahresniveau
http://www.wgkk.at/portal27/portal/wgkkportal/channel_content/cmsWindow;jsessionid=2BDC368095584A5FA34EF24E295536AF.jbport_271_1a?p_pubid=646355&action=2&p_menuid=73055&p_tabid=2

Dass die Gratiszeitung, die ausschließlich von bezahlten Inseraten lebt, aus eigenen Stücken ihre einziges Kapital, also ihre Leser vergrault, mag bezweifelt werden.
Doch wo liegt der Hund in dieser Meldung?
Ganz einfach, hier werden wie immer im Gesundheitswesen ein paar fundamentale Regeln der Statistik (bewußt?) mißachtet und hemmungslos extrapoliert, damit man zu der beabsichtigten Message kommt.

Von den 37% Prozent der im Zuge der Nachkontrollen aufgeflogenen Betrugsfälle zu schliessen, dass dieser Prozentsatz an Betrug für alle 1,08 Millionen Krankenstandsmeldungen gilt, ist einfach aber falsch.
Wir wissen alle, dass es zu den Kontrollbesuchen nicht nur per Zufall kommt, sondern in erster Linie bei „auffälligen“ Fällen: Langzeitkrankenständen, häufigen Krankenständen, saisonal in bestimmten Berufen, nach „Warnung“ Dritter, … etc.
Mit anderen Worten, ich darf davon ausgehen, dass ich bei den kontrollierten ein nicht repräsentatives Sample untersuche, so wie wenn ich die Hausübungshefte nur derer kontrolliere, die in dem bestimmten Gegensatand schon in der Vergangenheit bekannt schlecht sind. D.h. die Vortestwahrscheinlichkeit, dass ich hier Fehler finde ist überdurchschnittlich hoch.
Davon auszugehen, dass die Fehlerhäufigkeit in den Hausübungen aller Schüler, also der Mischung aus guten, mittelmäßigen und schlechten Schülern, ebenso hoch ist, ist eigentlich so dumm, dass es einem beruflich mit Statistik hantierenden Unternehmen nicht unabsichtlich passieren kann, auch wenn man angesichts der regelhaften Horrormeldungen über drohende Defizite zu Jahresmitte und nachfolgendem Jubel über ein kleines Plus nach Jahresabschluss (http://www.news.at/a/krankenkassen-kassen-gewinn-fuer-2012, http://diepresse.com/home/politik/innenpolitik/747867/Musterschueler_Krankenkassen-uebererfuellen-Finanzziele) auch daran zweifeln kann.

Written by medicus58

22. Januar 2013 at 17:45

Der typische Arzt ist ein Hausarzt mit Kassenverträgen und reich

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Der typische Arzt, ist Ihr Hausarzt mit Kassenpraxis: Weit daneben

Von den insgesamt rund
42.640 Ärztinnen/Ärzten und Zahnärztinnen/Zahnärzten im Jahr 2010 waren rund
19.140 (das sind nichteinmal 45%) in freier Praxis tätig.
Davon hatten rund 4.240 Allgemeinmedizinerinnen/-mediziner und rund 3.660 Fachärztinnen/Fachärzte einen Kassenvertrag.

Das heißt nur 18,5% aller Ärzte und nur 41% der in der Praxis tätigen Ärzte haben einen Kassenvertrag.
Rund 2690 oder 77 Prozent der freiberuflichen Zahnärztinnen/Zahnärzte standen in einem Vertragsverhältnis zu den Krankenkassen.

https://www.gesundheit.gv.at/Portal.Node/ghp/public/content/DasGesundheitswesenimUeberblicktml_LN.html

Ärztliche Leistungen sind adäquat bezahlt, sonst könnte sich mein Arzt seinen Sportwagen nicht leisten.
Was ein niedergelassener Arzt für seine Leistungen verrechnen kann, ist bei den Gebietskrankenkassen von Bundesland zu Bundesland verschieden. Die hier angegebenen Tarife sind die aktuellen Tarife der Wiener Gebietskrankenkasse für Allgemeinmediziner. Wahlärzten wird nur 80% dieses Tarifes erstattet:

Digitale rectale Untersuchung (5 Punkte (1 Punkt = 0,55 € )):  2, 75 EUR
http://www.aekwien.at/media/tarif_AM.pdf

Ich möchte nun gar nicht hinterfragen, wie viel Geld Sie dafür verlangen würden, um ihren Finger einem prinzipiell fremden Menschen in den Anus einzuführen, aber doch daran erinnern, dass Sie vermutlich zu Recht erwarten,

dass der Arzt immer wieder einen neuen (!) Einweghandschuh und etwas Vaseline benutzt und der ganze Vorgang auf einer stabilen Liege in einem geschlossenen und geheizten Raum (Sachaufwand !!) stattfindet bzw.

dass er gelernt hat eine Hämorrhoide von einem Rektumkarzinom bzw. die Protstata von einem Kotballen zu unterscheiden (ca. 6 Jahre Studium + ca 3. Jahre Turnus).

Schmöckern Sie ein bißchen in diesem Tarifdschungel herum und machen Sie sich Gedanken über den monitären Wert der ärztlichen Tätigkeit, zumindest aus Sicht des Hauptverbandes.
Sie werden auch erkennen, dass es durch kreative Abrechnungskombinantionen zwar möglich ist Geld zu verdienen, aber wenn Sie an die Tarife Ihres letzten Handwerkerbesuches denken, dann wird schnell klar, dass in diesem System nicht durch Klasse Geld zu verdienen ist.

Nachtrag: am Tag nach der Veröffentlichung dieses Blogeintrages erschien im Standard ein Artikel, der u.a. das hier angerissene Problem bestens illustriert: http://derstandard.at/1338558842773/Aus-der-Arztpraxis-Masse-statt-Klasse-70-Patienten-in-sechs-Stunden

Written by medicus58

10. Juni 2012 at 19:02

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