Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Archive for Mai 2012

Die planlose Planwirtschaft im Gesundheitswesen

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Vor 16 Jahren, also 1996 haben sich der Bund und die Länder auf eine überregionale Krankenanstaltenplanung (einschließlich einer Planung der Großgeräte geeinigt und 1997 eine „Leistungsorientierte“ (=Diagnosengesteuerte) Krankenhausfinanzierung eingeführt. (http://de.wikipedia.org/wiki/Leistungsorientierte_Krankenanstaltenfinanzierung)

Die Politik leistete sich (formal unabhängigen) Think Tanks (ÖBIG heute GÖG, LBI HTA, … http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=31614),
um sich hinter einer „Expertenmeinungen“ verstecken zu können.

Seit 2006 heißt dieses Planspiel Österreichischen Strukturplan Gesundheit (ÖSG), der das Land in eine Reihe von Versorgungsregionen aufteilt und bestimmte Vorgaben definiert was, wo anzubieten ist. Der Idee lag u.a. auch ein Aufbrechen der Bundesländergrenzen zugrunde, um hinlänglich bekannte Doubletten an den Bundesländergrenzen (z.B. KH Hainburg, KH Kittsee (http://www.noen.at/news/politik/Spitaeler-Hainburg-Kittsee-VP-NOe-will-mehr-Kooperation;art150,349847) abzubauen.
Natürlich ist das ÖBIG/GÖG ein politisches Instrument, das sich zwar gern der Expertise der einzelnen medizinischen Experten bedient, aber letztlich doch tendenziell „gutachtet„, was von ihm politisch verlangt wird. Der relative Vorteil war jedoch, dass letztlich über eine österreichweite, einheitliche Planung gesprochen wurde (auch wenn z.B. die Spitalslandschaft von Linz bisweilen sehr kreative Definitionen nach sich zog …) und im Osten die gleichen Richtzahlen galten, wie im Westen. Naja, manchmal wurden „kreativen Formulierungen“ gefunden, wenn ein Landesgesundheitsreferent rülpste oder „intelligent korrigiert“, wenn sich die politischen Rahmenbedingungen geändert haben.

Wie ein rezenter Presseartikel darstellt (http://diepresse.com/home/politik/innenpolitik/754718/Laenderpakt_Es-war-einmal-ein-Krankenanstaltenplan) hat sich aber die Diktatur des Länder durchgesetzt, und vor dem großen ÖSG werden nun viele kleine Regionale Strukturpläne Gesundheit (RSG) geschrieben (Maria Rauch-Kallat fecit, die vom Grafen, aber keine Sippenhaftung)
Die Detailplanung erfolgt in den Gesundheitsplattformen der Länder (Ärzte haben hier übrigens überhaupt nichts mehr zu reden) und ergeben die Regionalen Strukturpläne. Der ÖSG gibt nur mehr einen „gewissen Rahmen“ und Strukturqualitätskriterien (SQK) vor.

Was der Presseartikel nicht anspricht sind zwei wesentliche Punkte:

Erstens schert sich niemand mehr darum, ob die Vorgaben im ÖSG eingehalten werden:
Konkret werden z.B. Großgeräte betrieben oder Abteilungen geführt, auch wenn diese gar nicht im Plan vorgesehen sind, aber auch – seit die Finanzkrise auch im Gesundheitssystem angekommen ist – Großgeräte, die im ÖSG vorgeschrieben sind, einfach nicht angeschafft, oder SQK negiert „weil eben kein Geld da ist“.
Während früher der ÖSG von uns Ärzten eher negativ gesehen wurde, da er benützt wurde um bestehende Strukturen abzudrehen, wäre er jetzt hilfreich, um wenigstens einen Minimalbestand durch ausreichende Reinvestitionen zu sichern. Da ihm aber keinerlei „Rechtskraft“ zukommt, ist er für die Schuppentiere, oder wie Bronner und Qualtinger einst über die
Sinnhaftigkeit der Krankenkassen in der Not witzelten:

FREUND Der Körper ist ein Haushalt. Und die Krankenkasse …
TRAVNICEK … steckt’s Haushaltsgeld ein.
FREUND Ja – aber in der Not wird auch wirklich etwas geleistet.
TRAVNICEK Ja – Beiträge.

Der zweite Punkt, der in dem Presseartikel vergessen wurde, ist die Art und Weise, wie die Regionalen Strukturpläne erstellt werden:

Selbstverständlich werden diese Leistungen ausgeschrieben und von wirklich unabhängigen Experten entwickelt.  LOL

Während in früherer Zeit weisungsabhängige Beamte derartige Berechnungen anstellten und
in der nächsten Phase der scheinbaren Objektivierung von fast ausschließlich für die Behörde arbeitenden Think Tanks betraut wurde,
bedient man sich nun verschiedener privatwirtschaftlicher Consulter.

„Prima“, mögen unsere Neolibs ausrufen, „endlich Schluß mit der Packelei!“

Doch gemach, gemach … alles Fassade.
Die Politik bedient sich (bewußt oder unbewußt) hier ihrer Totengräber, oder wie Lenin sagen würde:
Die Totengräber bedienen sich ihrer „nützlichen Idioten“.

Nehmen wir als Beispiel den RSG Wien:

Erstellt wird er heuer durch EBNER HOHENAUER HC Consult http://ehc.co.at/ erstellt.

Offenbar ist man mit den Konsultationen zufrieden, weil sich der Wiener Krankenanstaltenverbund KAV schon für den Neubau des Krankenhaus Nord durch Ebner Hohenauer beraten läßt.
Also merke, die selbe Agentur berät bei der Errichtung eines Spitalsprojektes und gleichzeitig „achtet sie gut“, wie die Gesamtversorgung in der Region durch alle anderen Krankenhausbetreiber (Vinzenz, Barmherzige Brüder, Unfallkrankenhäuder ….) auszusehen hat.

Für wen das keine Unvereinbarkeit ist, der möge sich die anderen Projekte der Firma anschauen. Ebner Hohenauer HC hat auch schon die
RSGs der Steiermark und Vorarlbergs,
sowie Spitalsplanungen in Kärnten, Oberösterreich und Salzburg abgeliefert
:

Mit anderen Worten hat man dort schon einen guten Einblick in das Zahlenmaterial des Österr. Gesundheitswesens, für den andere einen guten Draht zu Anonymous haben müssten …

Dieses Wissen kommt der Firma zu nutze, wenn sie „private Gesundheitsdienstleister“ berät, wie sie noch stärker in diesen Markt eindringen können.

Beispiele gefällig:

Wirtschaftskammer
Oberösterreich Studie zu den Optimierungspotenzialen im Gesundheitssystem in Oberösterreich 2003
Verkauf des LKH West an die Ordensspitäler der Barmherzigen Brüder und/oder der Elisabethinen
Health Care Company
, Wien Wirtschaftliche und medizinische Machbarkeitsuntersuchung einer Neuausrichtung eines öffentlichen Krankenhauses in privater Trägerschaft in Wien 2002 – 2003
Bad Gleichenberg Therapie und Thermen AG Beratung der Neukonzeption, Neuerrichtung und Betrieb (Kurbetrieb und Kurhotel)

HCC, Gleichenberg, aber hallo!

Da schließt sich der Kreis zum neuen Aufsichtsgremiumsmitglied des KAV, den Herrn Prof. Köck mit seiner Health Care Company (https://medicus58.wordpress.com/2012/03/11/wer-macht-da-den-kock-zum-gartner/).

Wir erinnern uns an den eifrigen Privatisierer (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=53958), der mit Haselsteiners (STRABAG) auch gern mit Raffeisen die Therme Bad Gleichenberg entwickelt hat
und mit Ebner die Beratungsfirma Koeck Ebner & Partner gegründet hat.
Wie ebenfalls auf diesem Blog berichtet, hat sich Köck aus der Firma, die dann in Ebner Hohenauer HC umgetauft wurde, erst zurück gezogen, als sich die steirischen Medien wegen der schlechten Optik aufgeregt haben.

Aber in Wien interessiert das kein Schwein!

In Wien lassen wir Köck im KAV aufsehen, seine Ex-Partner das Spital Nord planen und den RSG schreiben (der natürlich zuerst über den Schreibtisch des Generaldirektors und der Stadträtin geht, eher er veröffentlicht wird).
Das nenne ich Transparenz!

Aber das alles wird bald Makulatur sein, weil sich
im Wiener Gesundheitssystem die Langzeitplanung nahezu minütlich ändert.

Mit großem medialen Aufwand und Vorauseilendem Kotau der Grünen Gesundheitssprecherin Dr. Sigrid Pilz (https://medicus58.wordpress.com/tag/sigrid-pilz/) hat Gesundheitsstadträtin Wehsely Wiener Spitalskonzept 2030 http://www.argev-wien.at/uploads/Aktuelles/2011/Handout_Spitalskonzept2030.pdf ) präsentiert.

Zum Thema des Otto Wagner Spitals (vulgo Steinhof) wurde verkündet, dass ein Teil ins noch zu bauende KH Nord über siedeln wird, und der Rest sollte „perspektivisch gemeinsam“ mit dem Wilhelminenspital geführt werden. (Dieses wird übrigens von der Frau Bürgermeister als ärztliche Direktorin geführt, .. (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=38290  aber das tut nix zur Sache)

Inzwischen gilt es aber unter Insidern als beschlossene Sache, dass das ganze Otto Wagner Spital aufgelassen wird
seit Vizebürgermeisterin Vassilakou verkündete via Rathauskorrespondenz vulgo Kronen Zeitung (http://www.steinhof-erhalten.at/Medienberichte/kronenzeitung_13-5-2012.jpg ) von eine „Jahrhundertchance“ der Stadtentwicklung schwärmte, seit sie (!) mit Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely übereingekommen ist, sämtliche Spitalsabteilungen bis 2020 abzusiedeln.

Merke: Wenn eine Vizebürgermeisterin sich mit einer Gesundheitsstadträtin einigt, dann sind ÖSG, RSG, und Konzepte für das Jahr 2030 sowas von egal, denn dann besteht eine Jahrhundertchance, was sind da schon Jahrzehnte … und an das 2005 von der damaligen Vizebürgermeisterin Brauner verkündete Wiener Spitalskonzept kann sich auch keiner mehr erinnern.

Also, für die die einen langen Text nicht lesen sondern gleich zum letzten Absatz gehen:

Die Gesundheitsplanung in Österreich erfolgt ohne Mitspracherecht der Ärzte aber hängt am Gängelband der Länder (Landesregierungen, Landesgebietskrankenkassen).

Die privatwirtschaftlichen Berater bekommen noch Geld dafür, dass sie die Kennzahlen des Gesundheitssystems durchforsten und in ihren Beratungsleistungen an private Gesundheitskonzerne verkaufen.

Das Wiener Spitalskonzept 2030 ist ein Jahr nach seiner Verkündigung im März 2011 keinen Pfifferling mehr wert, so wie es seine Vorgänger waren.

Also g’sund bleiben, Leute!
Und wenn ihr speiben wollt, bitte nicht auf die Tastatur, das kann teuer werden …
aber am iPad ist es egal, das ist abwaschbar….

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Written by medicus58

31. Mai 2012 at 17:23

Ach, Assange

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Die Aufregung um Wikileaks

3.12.2010: Die Revolution frisst ihre Kinder, wie immer http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=32920 10.12.2010: Gleiches mit Gleichem?!! http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=33029  11.12.2010: WikiLeaks: Stop the crackdown http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=33042  12.12.2010: Wo ist das Problem mit Wikileaks? Nothing but the Truth http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=33116

ebbte rasch ab, nachdem man ad hominem gegangen ist, so dass hier schon am 4.2.2011 gefragt werden konnte

Wer war bitte der Herr Assange? http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=34236

Seit Dezember 2010 steht Assange in britischer Untersuchungshaft und die Gerichte brühten seither, ob er an Schweden ausgeliefert werden soll. Angeblich gibt es keine Anklage sondern nur einen Verdacht, dass er im August 2010 zwei Frauen sexuell belästigt, eine davon (lt. Schwedischer Rechtsansicht) auch vergewaltigt hätte und die schwedische Staatsanwaltschaft will in nur zu den Vorwürfen befragen!

In den letzten Tagen kehrte Assange wieder in die Medien zurück, da der Rechtsstreit nun, im Mai 2012 beim Supreme Court angelangt ist und jetzt endgültig über eine Auslieferung nach dem EU-weiten Haftbefehl entschieden wird, den schwedische Staatsanwälte eingebracht haben. Am späten Vormittag des 30.5.2012 wurde die Entscheidung bekannt, dass Assange ausgeliefert werden kann.

Die Entscheidung der Richter fiel mit fünf zu zwei Stimmen. Vor dem Supreme Court war es um die Frage gegangen, ob ein von der Staatsanwaltschaft ausgestellter Haftbefehl in Großbritannien Gültigkeit besitzt. Im Vereinigten Königreich muss ein Haftbefehl von einem Gericht ausgestellt werden. Fünf der sieben Richter des Supreme Courts vertraten die Ansicht, dass für einen EU-weiten Haftbefehl auch die Unterschrift eines Staatsanwaltes ausreicht.  Allerdings wurde den Assange-Anwälten eine Frist von 14 Tagen eingeräumt, um eine neue Behandlung des Falls zu beantragen. Bis dahin erlangt die Entscheidung zunächst keine Rechtskraft. Dies bedeutet ein Novum in der Geschichte des britischen Supreme Courts.
http://derstandard.at/1336698235766/Oberster-Gerichtshof-Wikileaks-Gruender-Assange-kann-an-Schweden-ausgeliefert-werden
http://www.rt.com/news/assange-extradition-sweden-uk-538/

Jetzt könnte er noch beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte Beschwerde einlegen, der innerhalb von 14 Tagen entscheiden müsste, ob er die Beschwerde annimmt, dann aber erneut Monate für seinen Spruch Zeit hätte.

Die mutmaßliche Quelle der Wikileaks Enthüllungen über vertrauliche Papiere der US Regierung, Bradley Manning (http://en.wikipedia.org/wiki/Bradley_Manning), sitzt seit Mai 2010 (!) in den USA in Haft und muss sich vor einem Militärgericht verantworten.

Und da wir uns hier in den letzten zwei Tagen über „Whistleblowing“ Gedanken gemacht haben, wundert uns auch nicht, dass wir auf eine „alte Bekannte“ treffen.

In einem aktuellen Free Assange Aufruf (http://www.theintelligence.de/index.php/politik/international-int/4469-free-assange-freunde-von-wikileaks-rufen-zur-demo-in-frankfurt-auf.htm) wird Antje Bultmann, Expertin für Whistleblower, die auch über den Fall der Assistenzärztin Cora Jakobi berichtet hat, zitiert:
„WikiLeaks und die Grenzwachen bürgerlicher Freiheitsrechte: Wie die USA ihre demokratischen Ideale verraten“, in der Fachzeitschrift ‚Big Business Crime‘ (2/2011): „Zwei wehrlose Frauen? Beide Frauen sind Intellektuelle, keine ‚Hascherl‘ vom Land, Frauen, die sich später rächen wollten, weil Assange sich nicht mehr für sie interessierte. Jedenfalls ließ Anna Ardin sich im Internet darüber aus, wie man sich bei Männern rächen kann. Sie gingen zusammen zur Polizei. Die Beweislage war aber so dünn, dass die Klage fallen gelassen wurde. Allerdings fanden sich ein paar Wochen später Argumente, die Verfolgung wieder aufzunehmen. Wie das? Über den Sinneswandel der Staatsanwaltschaft kann nur spekuliert werden. Auf was sich der Vorwurf der Vergewaltigung oder der sexuellen Belästigung bezieht, wurde dem Rechtsanwalt von Assange lange nicht gesagt. Amerika hat hier vermutlich mitgemischt. Es gibt ja wohl keinen zweiten Fall, der wie der von Assange wegen unterschiedlicher Ansichten um ein Kondom von Interpol zur Fahndung ausgeschrieben wurde.“
Keine Rede mehr vom Wahrheitsgehalt der veröffentlichten Dokumente, keine Diskussion über Sinn und Unsinn aller „leakings“ in unserer Gesellschaft, nur mehr endlose Scharmützel an Nebenfronten, ….. wenn da keine Verschwörungstheorien aufkommen.

Am Ende unseres dreitägigen Ausflugs in die „Welt der Pfeiferlnmacht sich die Erkenntnis breit, dass die Mittel wie das „Establishment“ seine Hinterfragung zerstört schon sehr ausgefeilt sind, andererseits keimt aber auch die Hoffnung, dass es immer schwerer wird, die Hydra zu besiegen, je mehr Köpfe ihr wachsen.

„Eine Lüge ist, ganz gleich, wie gut sie auch gemeint sein mag, immer schlechter als die bescheidenste Wahrheit.“

La guerra de guerillas (1960) Dr. med. Ernesto Che Guevaras,

To be continued…

Warum pfeifen die Spatzen nicht oder pfeifen sie schon drauf?

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Die Grenze zwischen selbstgefälliger Rechthaberei und ehrlichem Bemühen um die Veränderung von als unerträglich empfundenen Missständen ist mitunter schmal; die Freude am Skandal stets groß, jedoch von geringer Nachhaltigkeit und frei nach Gajus Julius Cäsar: Man liebt den Verrat und hasst den Verräter.

Dies gilt auch meist für Whistleblower im Gesundheitswesen, also Menschen, die Missstände in diesem Bereich thematisieren:

Der Fall der Altenpflegerin Brigitte Heinisch und die unverständliche Argumentation des Richters in der Wiederaufnahme des Kündigungsschutzverfahren wurde hier schon thematisiert (https://medicus58.wordpress.com/2012/05/27/whistleblowing-im-gesundheitswesen-erlaubt-aber-altenpflege/).

Auch die Tierärztin Dr. Margrit Herbst wurde in den 90er Jahren fristlos aus dem öffentlichen Dienst entlassen, da sie „ohne zwingenden Grund gegen Verschwiegenheitspflichten verstoßen und innerdienstliche Möglichkeiten nicht genutzt habe“, als sie aufzeigte, dass ihr Dienstgeber den Fällen von BSE in einem deutschen Schlachthof nicht nachging. (http://www.vdw-ev.de/index.php?option=com_content&view=article&id=92%3Awhistleblowing-in-zeiten-von-bse-&catid=23%3Awhistleblower&lang=de)

Ein Zusammenfassung der „Fälle“ der Assistenzärztin Cora Jakobi (http://www.morgenpost.de/printarchiv/berlin/article410586/Dr-Cora-Jacoby-Protokoll-einer-24-Stunden-Schicht.html, Antje Bultmann (Hrg.), Auf der Abschussliste, Droemersche Verlagsanstalt Th. Knaur Nachf., München 1997) und der Krankenschwestern Sonja Rahimic und Slavka Schuhbauer http://www.beepworld.de/members43/sunnysonni/) findet sich hier: http://www.ungesundleben.org/privatisierung/index.php/Whistleblowing#Gesetzgebung

All diese Fälle liegen schon einige Zeit zurück und angesichts der letzten Fülle an medizinkritischen Büchern und gewerkschaftlichen Aktionen im KAV (http://wp.me/p1kfuX-91) wundert man sich vielleicht, weshalb eigentlich so wenig an direkter Kritik der im öffentlichen Gesundheitswesen Beschäftigten nach außen dringt.

Um dies zu erklären, genügt ein Blick in die (in Wien) geltenden Dienstvorschriften:

Dienstordnung 1994 – DO 1994
§ 21. (1) Der Beamte ist zur Verschwiegenheit über alle ihm ausschließlich aus seiner amtlichen Tätigkeit bekannt gewordenen Tatsachen verpflichtet, deren Geheimhaltung im Interesse der Aufrechterhaltung der öffentlichen Ruhe, Ordnung und Sicherheit, der umfassenden Landesverteidigung, der auswärtigen Beziehungen, im wirtschaftlichen Interesse einer Körperschaft des öffentlichen Rechts, zur Vorbereitung einer Entscheidung oder im überwiegenden Interesse der Parteien geboten ist.

Da bleibt nicht mehr viel übrig, das eine öffentliche Kritik erlaubt. Wohlgemerkt, hier geht es explizit um Tatsachen, nicht Gerüchte, Vermutungen, … etc. Selbst bei gerichtlich strafbaren Tatbeständen, endet die erlaubte Aktivität bei der Meldung an den Vorgesetzten. 

§ 35. (1) Wird dem Beamten in Ausübung seines Dienstes der begründete Verdacht einer gerichtlich strafbaren Handlung bekannt, die von Amts wegen zu verfolgen ist, so hat er dies unverzüglich dem Vorgesetzten zu melden.

Selbst wenn die Medien einem Problem auf die Spur kommen, besteht per Weisung ein wirksamer „Maulkorberlass“:

GED -36/09 Gemäß § 42 Abs. 1 der Geschäftsordnung für den Magistrat der Stadt Wien (GOM) ist für den Verkehr und die Vermittlung des Verkehrs mit Vertretern und Vertreterinnen von Publikationseinrichtungen (Presse, Nachrichtendienste, Rundfunk, Fernsehen und Filmunternehmungen) die Genehmigung des zuständigen amtsführenden Stadtrates oder der zuständigen amtsführenden Stadträtin erforderlich. 

Für den KAV wurde mit den Sonderbestimmungen zur GOM für die Unternehmung „Wiener Krankenanstaltenverbund“ die Wahrnehmung der sonst von der MA 53 – Presse- und Informationsdienst zu erfüllenden Agenden dem Generaldirektor bzw. der Generaldirektorin des KAV übertragen.

Anfragen politischer Parteien, einzelner Mandatar/-innen und der Bezirksvertretungen sind an das Büro der amtsführenden Stadträtin der Geschäftsgruppe Gesundheit und Soziales zu verweisen.

So ganz scheint man der Stadträtin aber doch nicht zu trauen:

Es wird gebeten, die Stabsstelle Kommunikation der Generaldirektion telefonisch, zeitnahe über derartige Anfragen zu informieren.

Auch wenn man sich in der beschaulichen Blogosphäre das kaum vorstellen kann, haben die Verantwortlichen schon realisiert, dass ihnen aus dem Web 2.0 Ungemach droht. Entsprechende Verordnungen werden erlassen:

MD-OS-329/2011 Die Nutzung des Internets darf nicht dem Ruf oder dem Ansehen des Magistrats schaden oder diesen in Misskredit bringen.

Da jede, auch berechtigte Kritik prinzipiell einen Imageschaden des Magistrats bedeutet, ist somit jede Kritik zu unterlassen.

KAV-GD – 215/00/PR Geben Sie als MitarbeiterIn des Wiener Krankenanstaltenverbundes keine Stellungnahmen zu Artikeln in Online-Foren ab.

Wie sehr sich die öffentliche Verwaltung bereits Sorgen um diese Hintertüre der Kritik macht, zeigt ein Leitfaden (WIKI) des Bundeskanzleramtes (http://www.ag.bka.gv.at/index.php/E-Dem:Web_Verwaltung_2.0) in dem Folgendes zu lesen ist:

Interessant ist natürlich auch das Monitoring von sozialen Diensten im Netz: „Was wird über uns als Behörde im Netz gesprochen?“. Um dies mitzuverfolgen sind Dienste und Tools für das Monitoring bzw. Screening von sozialen Netzwerken verfügbar, die hier zum Einsatz kommen können. Nachfolgend eine einige Links zu solchen Tools:

US-Tools:
radian 6
Alterian
ViralHeat

In dem Text findet sich auch gleich ein Link auf eine kommerzielle Site, die die Tools beschreibt und bewirbt!

http://www.stayonsearch.com/9-professional-social-media-monitoring-tools

Es verwundert vielleicht, dass das Bundeskanzleramt in seiner Leitlinie auf die Site von StayOnSearch verweist, dessen Motto „Dominate Your Niche. Make More Money“ lautet, aber das tut offenbar nichts zur Sache, wenn es darum geht herauszufinden: „Was wird über uns als Behörde im Netz gesprochen (wird).

Statt nur auf das Überwachen, Unterdrücken und Verfolgen zu setzen, hat man in vielen Ländern schon längst erkannt, dass es unter diesem Meinungsklima zu keiner Aufklärung von Missständen im öffentlichen Bereich kommen kann und dass man damit nur konstruktive Kritiker (Whistleblower) vergrault (http://de.wikipedia.org/wiki/Whistleblower). In Österreich hat der grüne Abgeordnete Albert Steinhauser 2009 Entschließungsanträge betreffend den Schutz von Whistleblowern in der Privatwirtschaft und im Beamtendienstrecht eingebracht (http://www.parlinkom.gv.at/SUCH/viewsource.shtml?docid=0bb95af86374173081b71313bd583e95_both) die Ende 2011 zu Änderungen im Beamtendienstrecht führten:

Schutz vor Benachteiligung

§ 53a. Die Beamtin oder der Beamte, die oder der gemäß § 53 Abs. 1 im guten Glauben den begründeten Verdacht einer in § 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Einrichtung und Organisation des Bundesamts zur Korruptionsprävention und Korruptionsbekämpfung, BGBl. I Nr. 72/2009, genannten strafbaren Handlung meldet, darf durch die Vertreterin oder den Vertreter des Dienstgebers als Reaktion auf eine solche Meldung nicht benachteiligt werden. Dasselbe gilt, wenn die Beamtin oder der Beamte von ihrem oder seinem Melderecht gemäß § 5 des Bundesgesetzes über die Einrichtung und Organisation des Bundesamts zur Korruptionsprävention und Korruptionsbekämpfung Gebrauch macht.
§4 Abs.1 BGBl. I Nr. 72/2009  bezieht sich jedoch naturgemäß auf Aspekte der Korruption, nicht jedoch aber auf Unzulänglichkeiten der öffentlichen Hand, z.B. im Bereich des Gesundheitssystems.

Auch §5 BAK-G des Bundesgesetzes über die Einrichtung und Organisation des Bundesamts zur Korruptionsprävention und Korruptionsbekämpfung (BAK-G, BGBl. I Nr. 72/2009) erlaubt Bundesbediensteten nur im Falle einer Anzeige wegen Korruption eine Umgehung des Dienstweges.

SOMIT DARF ES UNS NICHT WUNDERN, DASS ÜBER FEHLENTWICKLUNGEN IM GESUNDHEITSSYSTEM ZWAR JEDER SEINE SUBJEKTIVEN ERLEBNISGESCHICHTEN (wie zuletzt  Kurt Langbein https://medicus58.wordpress.com/tag/kurt-langbein/) ODER SEINE ZU SPÄT KOMMENDEN LÖSUNGSVORSTELLUNGEN (wie Ex-Bu-Min Kdolsky) VERÖFFENTLICHEN DARF, ABER SEHR ENIG AUS ERSTER HAND VON DEN  BESCHÄFTIGTEN IM ÖFFENTLICHEN GESUNDHEITSWESEN ZU LESEN IST.

Links:
http://www.whistleblowing.at/Whistleblowing_Austria/Willkommen.html
http://www.whistleblower-netzwerk.de/

Written by medicus58

29. Mai 2012 at 17:17

Der Arbeitsstrich der 24h Pflege

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Im Sommer 2006 brach erstmals die politische Debatte über illegale Altenbetreuung hoch, als im  Vorfeld der Nationalratswahlen bekannt wurde, dass auch in der Familie von
Wolfgang Schüssel, der vorher einen „Pflegenotstand“ abgestritten hat, eine Slowakin illegal beschäftigt wurde. http://www.news.at/articles/0633/30/148663/pflegeskandal-schuessel-oevp-kanzler-pflegerin

In einigen juristischen Schnellschüssen wurden ein Hausbetreuungsgesetz geschaffen und Gesundheits- und Krankenpflegegesetze, Ärztegesetz, Gewerbeordnung und Bundespflegegeldgesetz einer Novellierung unterzogen. Es musste auch ein Spagat dafür gefunden werden, dass die „Kompetenz und der Kollektivvertrag der diplomierten Pflegeberufe“ unangetastet blieben es aber trotzdem legal möglich war, dass die Altenbetreuerinnen neben ihrer Tätigkeit als Putzfrau, Köchin und Gouvernante auch noch „pflegerische Tätigkeiten“ übernehmen können.

Im Rahmen der legalen 24-Stunden-Betreuung dürfen Haushalts- und Betreuungstätigkeiten sowie einfache pflegerische Tätigkeiten durchgeführt werden, spezielle pflegerische Tätigkeiten verlangen die Miteinbeziehung einer diplomierten Pflegekraft. Dem wird u.a. dadurch entsprochen, dass viele der Vermittlungsagenturen von österr. Diplomkrankenschwestern geführt werden.
Nachdem die Aufregung wieder abgeebbt ist, kommt das Thema in den österreichischen Medien kaum mehr vor. Vermutlich nicht so sehr, weil die gefundenen Lösungen so gut funktionieren , sondern weil man im Herrn Karl’schen Sinn „lieber nicht mehr davon spricht“.

 Man schätzt, dass dzt. 16.000 -18-000 slowakische Altenbetreuerinnen in Östereich in der Altenpflege tätig sind.

(http://diepresse.com/home/panorama/oesterreich/728667/16000-Slowakinnen-als-Altenpfleger-in-Oesterreich , http://www.compresspr.at/node/207538)

Schätzungen über die Gesamtzahl der in Österreich legal und illegal arbeitenden Altenbetreuerinnen schwanken  zwischen 20.000 und 60.000.

Die Kostenfür die Vermittlungsagenturen schwanken beträchtlich; alle verlangen eine erstmalige Vermittlungsgebühr, monatliche und jährliche Gebühren, Qualitätssicherungsbeiträge, … etc. Die meisten privaten Agenturen, treten in Form von Vereinen auf, werben mittels Internetauftritt,   Annoncen und Werbeschaltungen in Bezirkszeitungen. Ein weiterer Vertriebsweg läuft über das „Entlassungsmanagement“ der Krankenanstalten, das explizit einzelne Vereine empfiehlt.Auch unter den großen Anbietern herrscht eine große Fluktuation, eine exakte Zahl der in Österreich tätigen Vermittlungsagenturen ließ sich auch über die Wirtschaftskammer selbst nicht eruieren.
Das Hausbetreuungsgesetz sieht die Wahlmöglichkeit vor, die Personenbetreuung selbständig oder unselbständig auszuüben. In der Praxis hat sich allerdings nur das Selbständigenmodell durchgesetzt. Die selbständigen Betreuungskräfte können die Vorteile einer freiberuflichen Tätigkeit nicht beurteilen, da sie keine Wahlmöglichkeit bezüglich des Beschäftigungsverhältnisses haben. Die Vermittlungsagenturen bestimmen über die Art der Beschäftigung und legen auch die Tageshonorare für die PersonenbetreuerInnen fest. Die Vorteile der Selbständigkeit, wie etwa die freie Aushandlung des Gehalts, der Arbeitszeiten und die Flexibilität in der Arbeitsgestaltung, können im Rahmen der Personenbetreuung nicht genutzt werden. Die staatlichen Regelungen haben die Bevorzugung des Selbständigenmodells forciert, da für die Personenbetreuung wichtige arbeitsrechtliche Grundlagen mit dem Gewerbe nicht berücksichtigt werden müssen und die kollektivvertraglichen Gehaltsregelungen nicht gelten. Angesichts eines Tageshonorars in Höhe von ca. ! 60 hat die Betreuungtätigkeit einen prekären Charakter. Auch wenn die BetreuerInnen

Unterkunft und Verpflegung während ihrer Einsatzdauer zur Verfügung gestellt bekommen, ist ein Tageslohn von ! 60 für eine Rund-um-die-Uhr-Verfügbarkeit eine unterbezahlte Tätigkeit. Dennoch stellt es für osteuropäische Personen einen großen finanziellen Unterschied dar, wenn das Einkommen im Heimatland als Vergleich herangezogen wird. http://www.care-ring.or.at/wp-content/uploads/2010/12/Diplomarbeit_GudrunBauer.pdf

Da legal angestellte Betreuerinnen als Selbstständige „Ich-AGs“ agieren und somit direkt mit dem Auftraggeber (zu pflegende Person, Angehörige) ein Vertragsverhältnis eingehen können, bleibt die Notwendigkeit der Vermittlungsagenturen oft zu hinterfragen. Aus eigenen Recherche zeigte sich, dass die Bewerberselektion mancher Agenturen eher oberflächlich, um nicht zu sagen unprofessionell erfolgt. Die Verträge mit den Vermittelten sind äußerst heterogen, viele müssen von ihrem Einkommen auch noch einen Teil an den österreichischen Vermittler abliefern, obwohl dieser kaum irgendeine Gegenleistung bietet:
Die Vermittlungsgebühr kostet rund 1.200 Euro pro Jahr. Es hat sich schon unter den 24-Stunden-BetreuerInnen herumgesprochen, dass einem die Agentur im Notfall nicht weiterhilft. Die Agenturen wissen, wenn eine Frau aufhört, warten schon zehn andere. http://www.vida.at/servlet/ContentServer?pagename=S03/Page/Index&n=S03_17.2.1.a&cid=1278067528159

Neben den österreichischen Vermittlungsagenturen, existieren meist auch im Herkunftsland der Bewerberinnen lokale Vermittlungsagenturen, die ebenfalls für ihre Dienste Entlohnung fordern. Daneben hat sich auch ein florierendes Transportwesen (Sammelbusse, Taxis) für die anreisenden Betreuerinnen in ihren Heimatländern entwickelt.
Im Rahmen einer Erhebung zu Kosten und Leistungen hat der Verein für Konsumenteninformation (VKI) 77 Anbieter von 24-Stunden-Betreuung mit Firmensitz beziehungsweise Adresse in Österreich kontaktiert – 45 davon gaben nähere Auskünfte.
Die Kosten für einen Betreuer bewegen sich bei den befragten Institutionen – je nach Anforderung und Leistungsspektrum – zwischen 40 und 115 Euro pro Tag zuzügl. An- und Abreisevergütung.
http://www.konsument.at/cs/Satellite?pagename=Konsument%2FArtikel%2FDetail&cid=318879833113

Über die Kosten und Leistungen der Vermittlungsagenturen ergab sich ein sehr heterogenes Bild.
Eigene Erfahrungen zeigen einen zunehmenden Wildwuchs in diesem Bereich. Immer mehr Agenturen verlangen auch nach der Vermittlung einen Tagsatz von den Betreuerinnen, bestehen auf die Inanspruchnahme des eigenen (!) Transportunternehmens, verrechnen für einen 10-minütigen „Kontrollbesuch einer Diplomkrankenschwester unter dem Titel „Qualitätssicherung“  70 € vom Betreuten und verpflichten die Betreuerinnen -ohne rechtliche Grundlage- zu regelmäßigen, kostenpflichtigen „Fortbildungskursen“, ….   Es wäre Zeit sich mit diesem Geschäft wieder etwas näher auseinanderzusetzen!

Nicht, dass uns gefallen wird, was wir da sehen:
Wir benützen die ökonomische Zwangslage osteuropäischer Frauen, um unseren Pflegenotstand zu lösen, so wie wir unsere Konsumgüter kostengünstig in chinesischen Sweatshops erzeugen lassen, werden das Problem aber damit nicht dauerhaft lösen.

Nicht, dass es eine Patentlösung für das Problem geben wird:

Die Löhne in der Slowakei steigen, so dass immer mehr Frauen aus Bulgarien und der Ukraine rekrutiert werden müssen. Die Anreisekosten steigen und verringern den Nettoverdienst.

Aber wir sollten uns langsam fragen, ob wir tatenlos zuschauen wollen, dass auch zahllose in- und ausländische Agenturen an den Pflegehelferinnen aus dem Osten (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=33704) mitverdienen, wenn schon nicht aus Solidarität, so doch aus unserem eigenen Interesse.

Links:

https://www.help.gv.at/Portal.Node/hlpd/public/resources/documents/Deutsch_24_Stunden.pdf

http://de.wikipedia.org/wiki/24-Stunden-Betreuung_(%C3%96sterreich)
http://portal.wko.at/wk/format_detail.wk?AngID=1&StID=377055&DstID=338

Written by medicus58

28. Mai 2012 at 17:27

Whistleblowing im Gesundheitswesen erlaubt, aber: Altenpflege

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Man darf als abhängig Beschäftigter Mißstände im Unternehmen seines Arbeitgebers öffentlich machen, sagen die Gerichte.

Nun bekommt eine Pflegerin, die Mißstände in einem „outgesourcten“ Berliner Altenpflegeheim öffentlich gemacht hat,
nach sieben (1) Jahren eine Abfindung.
2004 stellte Brigitte Heinisch einen Strafantrag gegen den Konzern.
Einen Monat später wurde sie gekündigt.
Erst im Juli 2011 gewinnt sie vor dem Europ. Gerichtshof für Menschenrechte und erreichte dadurch eine Wiederaufnahme des Kündigungsschutzverfahrens,
das nun mit einer Abfindung von 90.000 €, einem wohlwollenden Zeugnis und der Umwandlung der verhaltensbedingten in eine betriebsbedingte Kündigung endete.
http://www.morgenpost.de/printarchiv/berlin/article106375042/Vivantes-zahlt-90-000-Euro-an-Altenpflegerin.html
http://www.jungewelt.de/2012/05-26/036.php

Die Richter bezweifelten zwar nicht prinzipiell die geäußerten Vorwürfe (z.B. Heimbewohner lagen bis zum Mittag in Urin und Kot, andere wurden ohne richterlichen Beschluss in ihren Betten fixiert) monierte aber
den in der Strafanzeige formulierten Vorwurf, Mitarbeiter seien angehalten worden, Pflegeleistungen zu dokumentieren, die nicht erbracht wurden. Dies sei »nicht ausreichend substantiiert« gewesen, bemängelte Richter Guth in der Verhandlung.

Da fällt einem Zyniker doch sogleich der „fehlende schriftliche Nachweis eines Schießbefehls an der Berliner Mauer“ ein oder der fehlende „Führerbefehl zur Endlösung“ ein.

Interessant wäre es herauszufinden, wieviel Frau Heinisch der Rechtsbeistand in all den Verfahren gekostet hat, aber auch der EGMR hat ihr 15.000 € zugesprochen, so dass sie es sich leisten konnte im jetzigen Vergleich etwas „nachzulassen“.
http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/erfolg-fuer-brigitte-heinisch-altenpflegerin-erhaelt-90-000euro-/6672302.html

Links zum Fall:
Altenpflege: Brigitte Heinisch in Berlin schlägt Alarm: http://www.anstageslicht.de/index.php?UP_ID=14&NAVZU_ID=57&STORY_ID=53
Interview 2011: http://www.youtube.com/watch?v=_C_TVNj5UhY
RBB-Bericht über Brigitte Heinisch 2011:  http://www.youtube.com/watch?v=V769gd7vdN0
3sat 2011 Altenpflegerin deckt Missstände im Altenheim auf: http://www.youtube.com/watch?v=ZYo6U3Vwk1M&

Buch: Satt und sauber:  http://www.amazon.de/Satt-sauber-Altenpflegerin-k%C3%A4mpft-Pflegenotstand/dp/3499623382
Ein Plädoyer für eine menschenwürdige Pflege Vor rund zehn Jahren hatte es harmlos angefangen. Brigtitte Heinisch wollte als Altenpflegerin einfach ihre Arbeit machen, so, wie sie es gelernt hatte, wie sie es für richtig und verantwortbar hielt. Doch die Realität sah anders aus: Bewohner lagen bis zum Mittag in Urin und Kot. Andere bekamen wegen des eklatanten Personalmangels nicht genügend zu essen und zu trinken. Brigitte Heinisch schlug intern Alarm – keine Reaktion. Und selbst als die Kontrolleure des Medizinischen Diensts kamen, änderte sich an den Zuständen im Heim kaum etwas. Also entschloss sich Brigitte Heinisch zu handeln … Brigitte Heinisch erzählt hier von ihrem Kampf gegen den Pflegenotstand und zeigt eindrücklich, auf welche Katastrophe wir zusteuern, wenn wir glauben, Pflegeheime könnten «Profitcenter» sein und alte Menschen per Fließbandpflege abgefertigt werden.

Andere Berichte über die Altenpflege:
BR: Ein „Pfleger“ berichtet darüber, wie in einem „Wohnheim für psychisch Kranke“ Insassen von den Wärtern körperlich mißhandelt wurden:
http://youtu.be/qs3HdlnRokc
Jaqueline (33) ist Altenpflegerin und hat 12 Jahre in diesem Beruf gearbeitet. Sie informiert über die Missstände in Altenheimen:
http://youtu.be/KFQdXha9hnE 
MDR Missstände in Thüringer Altenheim MDR Umschau 22.11.2011:
http://youtu.be/9IE1U1q8zJI
Bewohner wurden geschlagen und ohne rechtliche Handhabe unnötig fixiert, kritische Mitarbeiter wurden entlassen.

Dass die Pflege alter verwirrter Menschen eine extreme psychische Herausforderung für alle Beteiligten darstellt wird kaum jemand bezweifeln, der sich jemals in dieser Situationbefunden hat, als Angehöriger, als PflegerIn oder als Arzt.
Die ökonomischen Probleme im Gesundheitswesen erschweren die Arbeit im gesamten Gesundheitswesen, insbesondere in der Altenpflege.
Outsourcing und Privatisierungen des Bereiches verstärken den ohnehin schon enormen Stress für alle Beteiligten.

Es wäre eine Illusion zu glauben, dass es sich hier um Einzelfälle handelt!
Vielmehr ist zu bedenken, dass es den Mitarbeiter im öffentlichen Dienstverhältnis schon
DIENSTRECHTLICH VERBOTEN IST, MIT KRITIK AN DIE ÖFFENTLICHKEIT ZU GEHEN!

Siehe auch zur Ökonomie der Privatisierten Medizin:
Pflegehelferinnen aus dem Osten http://wp.me/p1kfuX-4J
Die Wagner-Kur: Gesunde Geschäfte – Österreich – Report (ORF) – 17.5.2011 http://youtu.be/13gHJx863Tw
Wenn die Pflege zum Pflegefall wird: http://youtu.be/cNV_vrBtW1E

Written by medicus58

27. Mai 2012 at 16:33

Peter „Red“ Rabl

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Wer vor seinem dreißigsten Lebensjahr niemals Sozialist war, hat kein Herz. Wer nach seinem dreißigsten Lebensjahr noch Sozialist ist, hat keinen Verstand.
Benedetto Croce

Varianten dazu finden sich auf (http://dossier.dunker.de/2004/nr14/kein-herz.html)

Peter Rabls Bio (* 11. Juni 1948) scheint zunehmend eine Umkehrung dieses Satzes.
Ex-Schwiegersohn des langjährigen ORF-Generalintendanten Gerd Bacher (http://de.wikipedia.org/wiki/Gerd_Bacher),
journalistische Karriere bei überwiegend rechts-konservativ-bürgerlichen Medien mit starkem Hang zum „raffeisigen Giebelkreuz“ Niederösterreichische Nachrichten,
Wochenpresse,
Kurier.

OK, als Herausgeber des Profil nahm er sich schon mal was heraus:

Peter Rabl 43, Herausgeber des österreichischen Nachrichtenmagazins Profil, sorgte vergangene Woche mit einem Trick der Yellow Press für „einen rauschenden Absatz“ seines Journals. Rabl ließ nicht nur Nuditäten auf die Titelseite seines Blattes heben, sondern gleich ein offenbar kopulierendes Paar, dessen Genitalbereich mit einem Rubbel-Aufkleber abgedeckt war (Foto). Per Fußnote erfuhren Profil-Leser: „Das Rubbeln ist für Jugendliche unter 18 Jahren nicht gestattet.“ Doch neugierige Rubbler aller Altersklassen wurden getäuscht. Statt einen Blick auf Geschlechtsteile erhielten sie, nachdem die Folie wegradiert war, eine an Selbsterkenntnis reichende bevölkerungsstatistische Information: „25 % aller Österreicher sind Voyeure.“

vermeldete DER SPIEGEL 35/1991 http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13490450.html

Aber  als „Paradelinker“ ging Peter Rabl in seiner ersten Lebenshilfe nicht ganz durch.
Nur was ist jetzt los?

Rabls Gezwitschere der letzten Tage hätte auch aus der Sektion 8 (www.sektionacht.at) kommen können:

Als Moderator trat er am 9.5.  im Club 2 “Sparen oder Schulden machen – was rettet Europa?” forsch gegen neoliberale Tendenzen auf: (http://storify.com/a_sator/sparen-oder-schulden-machen-was-rettet-europa ; http://www.youtube.com/watch?v=muJJT-5Z8SU )
„Die Vermögen sind in den letzten Jahren auch immer um 5,6,7% gestiegen. Müssen die nicht einen Teil wieder hergeben?“, führt Rabl weiter aus. und seine Schlussworte
„Die nächsten 10 bis 20 Jahre werden “unschön” werden. Ziehen wir uns warm an. Schlafen sie gut. Gute Nacht.” beeindruckten selbst einen Margaretner KP Bezirksrat (http://wien.kpoe.at/news/article.php/20120512161541520/print ).

Am 17.5. outet er sich erneut als vom Mont Pelerin (http://de.wikipedia.org/wiki/Mont_Pelerin_Society) herabgestiegener Gott-sei-bei-uns der Neolibs, wenn er uns ermahnt: Erinnert sich halt keiner an die dot-com bubble 2000/01. Geschichte und Lernen bleibt ein Gegensatz #Spekulation Wenn er sich am18.5. von der ÖVP Finanzministerin distanziert „Lacina & Edlinger waren jedenfalls besser. Keiner so Näpfen-süchtig und Blamage-gefährdet wie #Fekter“

spricht er letztlich nur Common Sense über den Nonsens der Shortly without Delay Zaster Mitzi (http://wp.me/p1kfuX-fe) nach, aber Lacina als Vorbild ist ja schon sehr knapp links der Mitte (die in unserem Land ohnehin weit rechts liegt).
Auch sein Artikel vom 19.5. könnte noch als primär liberaldemokratisch, durchgehen: Mehr direkte Demokratie als Antwort auf postdemokratische Elitenherrschaft

(http://kurier.at/nachrichten/4496687-das-recht-geht-vom-volk-aus-aber-wie.php)

Aber ein: Die bösen Keynesianisten dürfen aber nach dem Crash immer den Scheißdreck wegräumen – siehe Roosevelts New Deal

vom 23.5. ist schon fast links revolutionär, wobei er noch eins drauf setzt, wenn er die Lektüre von Schulmeister im Falter empfiehlt: wie neoliberale Hayek-Gang über Jahrzehnte Wissenschaft, Politik und Medien indokrinierten. Dafür gab´s Nobelpreise!

Es muss da wirklich was passiert sein, wenn er am 25.5. retweetet Ein Teil der Weisheit besteht auch darin, sich einem Teil der gängigen Wahrheit zu widersetzen.

Wenn Rabl gleichzeitig „Krone“ Pandi verarscht, dass er „auch 2013 als persönlich Nicht-Geladener vor den Toren des Sauschädel-Events herumstehen“ wird, dann könnte man noch glauben, dass Rabl ein positives Andenken an den Sauschädel-König Österreichs, EX-Raffeisen-Boss Konrad (http://www.horizont.at/home/horizont-access/detail/kurier-ein-coup-des-christian-konrad.html) bewahrt hat, für den er doch lange Zeit die Schlagzeilen gebastelt hat.
Mit dem folgenden höchst blasphemischen Tweet wird er dem passionierten Mariazell-Wanderer Konrad, dem bis zuletzt das ganze politische Establishment des Landes an den Rocksaum der Gottesmutter nach trippelte kaum gefallen:

Hallo Papst! Erfinder der #TV_Fernbedienung gestorben. Der Mann gehört heilig gesprochen: Santo subito

Jetzt ahnt der Kundige, dass hier eine mentale Revolution im Gange ist.

Höhepunkt der Mai-Revolution des Peter Rabl, ist ein aktueller Beitrag im Kurier:

Umverteilung in die falsche Richtung

Super-Reiche profitieren auch in der Krise, ihr Beitrag zur Lösung wird fällig. Staatsschulden sind Privatgewinne

Die 90 Prozent der Normalverdiener und Vermögenslosen hat in den letzten 15 Jahren finanziell verloren, die steigende Inflation reduziert ihre realen Einkommen und den Wert ihrer Sparguthaben noch stärker.

Da ist es mehr als gerecht, die großen Vermögen auch mit Besteuerung der Substanz zu beteiligen. Schon 1 Prozent brächte jährlich in der Eurozone an die 400 Milliarden ein. Die jährlichen Vermögenszuwächse machen ein Mehrfaches aus.

Sozialneid und Enteignung sehen anders aus.
http://kurier.at/nachrichten/4497626-umverteilung-in-die-falsche-richtung.php

Was da der gute alte Benedetto (http://de.wikipedia.org/wiki/Benedetto_Croce) wohl sagen würde?
Das Volk sollte jenen wählen, der offen zugibt, Fehler gemacht zu haben, und nicht denjenigen, der alle List darauf verwendet, begangene Fehler zu vertuschen.

Vielleicht ist Peter „Red“ Rabl schon soweit, auf Basis dieses Spruchs politische Konsequenzen aus dem parlamentarischen Untersuchungsausschuss zu fordern? Zutrauen würde ich es ihm langsam.

Man sieht sich auf der Jesuitenwiese (beim Volksstimmefest).

Der Kunde ist König und der Patient Kaiser

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In der Regel ist es der Objektivität nicht zuträglich, wenn man „aus aktuellen Anlass“ Gesetze beschließt oder Blogs schreibt, jedoch passen meine heutigen Erlebnisse sehr gut zu einer aktuell wieder aufgewärmten Debatte über die Existenzberechtigung von Apotheken bzw. ob auch Drogerieketten rezeptpflichtige Medikamente vertreiben dürfen. http://derstandard.at/1336697977977/Liberalisierung-Medikamente-aus-dem-Drogeriemarkt

Erlebnisbericht:26.5.2012 vormittags Apotheke Kaiserkrone Wien Mariahilf, die Speerspitze „Alternativer Medizin mit Schwerpunkt Homöopathie“ http://wp.me/p1kfuX-8D)

Geschäftsraum wie immer rammelvoll, Geschlechtsverhältnis der Kunden etwa Frauen:Männer = 9:1
Das Verhältnis von verschreibungspflichtigen Medikamenten und dem Rest (Homöopathie, Kosmetika, Nahrungsergänzungsmittel, Badezusätze, Aromathapie, Phytotherapie, Traditionelle Chinesische Medizin, Tibetische Medizin, Ayurveda, Massageöle …. etc.) im Gesichtsfeld des Kunden etwa: 1:99.

Gesprächsfetzen der Kundengespräche vor mir:

Zwei verbreitete und rezeptpflichtige Medikamente: „haben wir leider nicht lagernd, müssen wir bestellen“.

Ein „alternativmedizinisches“ Produkt: „Das bekommen Sie nur in den Rat und Tat Apotheken (http://www.rat-tat.at/), nicht bei uns, denn sonst müssten wir dort einen Mitgliedbeitrag zahlen, ich könnte ihnen aber etwas aus unserem Sortiment anbieten„.

Rezeptgebühr wurde eingehoben
, obwohl auf dem ordentlich ausgefüllten Spitalsrezept ersichtlich war, dass Patientin von der Rezeptgebühr befreit war.

Es wurde ein Kunde (nicht der Patient) gefragt, ob denn dem Patienten die Einnahmefrequenz klar wäre, obwohl aus der Zusammenstellung des Rezepts klar war, dass es sich hier um die Medikamente für eine betagte, unter schwerer antipsychotischer Medikation stehende Person handeln musste.

Bei keinem Verkaufsgespräch erfolgte irgendeine Beratung der Kunden hinsichtlich Nebenwirkungen und Einnahmemodalitäten, die immer als Berechtigung dafür angeführt wird, dass rezeptpflichtige Medikamente nur in Apotheken und durch speziell geschultes Personal abgegeben werden dürfen.

Ein rezeptpflichtiges Medikament wurde ohne dass es sich um eine Notfallsituation gehandelt hat ohne ärztliche Verschreibung gemeinsam mit einem ebenfalls privat bezahlten nichtverschreibungspflichtigen Mittel abgegeben. Die Indikation wurde nicht hinterfragt, es erfolgte keine Beratung.

Link: Rezeptblog.at „Übrigens e-Medikation und Arzneimittelsicherheitsgurt haben nur den einen Hintergrund (Patientensicherheit ist es nicht!): Die Apotheken brauchen einen USP, der ihre Privilegien schützt!“  http://fb.me/1MlxBHNCk

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