Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Archive for April 2014

Da mir Minister Stöger kein Interview zu ELGA gibt

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erlaube ich mir hier seine in der Presse erschienenen Aussagen zu kommentieren. Ob trollig oder drollig, mögen Sie selbst entscheiden. Eigentlich hätte ich mir diese Beiträge von meinem Ärztekammerpräsidenten gewünscht, aber vermutlich hat der auch noch nie was vom Produktivitätsparadoxon gehört:

Sobald Befunde im System sind, sollte man sich also Sorgen machen?

Alois Stöger: Nein. Es (=ELGA) ist ein großer Nutzen für Arzt und Patienten, dass der Allgemeinmediziner den Befund seiner Kollegen kennt. Dadurch kann er eine noch qualifiziertere Diagnose stellen.

1.) Wenn der Allgemeinmediziner, der ja in der Regel die Patienten zu den anderen Kollegen (=Fachärzten) geschickt hat, bisher deren Befunde nicht kannte, frage ich mich, weshalb man ihn für die Überweisung bezahlt hat.
2.) Der Patient kommt vom Facharzt entweder MIT einer Diagnose (und einem Therapievorschlag) oder eben der Erkenntnis, dass die Verdachtsdiagnose, die den Allgemeinmediziner zur Überweisung geführt hat, falsch war. Weshalb der Allgemeinmediziner MIT ELGA zu einer BESSEREN Diagnose kommen kann, erschließt sich mir nicht.

Stöger: Jetzt gehören die Daten den Ärzten. In Zukunft werden die Daten dem Patienten zurückgegeben. Der Patient soll entscheiden, wer auf Daten zugreifen kann.

1.) Mit die „Die Daten gehören den Ärzten“ bringt Stöger seine Weltsicht so „auf den Punkt“ wie die Gratiszeitschrift heute; übrigens auch mit einer vergleichbaren Intellektualität. Hier wird ein dümmliches Feindbild aufgebaut.
2.) Wenn der Patient frei entscheidet, wer die Daten sehen kann und er entscheidet sich dagegen, dass sein Allgemeinmediziner sie sehen darf, widerspricht Stöger seiner oben gemachten Aussage, dass ELGA zu einer besseren Diagnostik des Allgemeinmediziners führen muss. Ganz im Gegenteil, die Zeit in der der Arzt in der EDV nach möglichen Informationen sucht verliert er im Patientengespräch. In Summe wird das die Informationsqualität der Patienten/Arzt-Beziehung verschlechtern.

Wechselberger: Die Stärkung der Patientenautonomie durch den elektronischen Zugriff ist sehr eingeschränkt: Gerade ältere Menschen haben oft keinen Zugang zu elektronischen Medien.

Stöger: Man soll ältere Menschen nicht unterschätzen. Es haben viele Zugang zu elektronischen Medien. Aber wir haben auch bei der Patientenanwaltschaft Ombudsstellen eingerichtet, die Menschen unterstützen.

Wir schreiben in den Ambulanzbrief eine Therapieempfehlung (1×1 Tabletten täglich am Morgen) und haben den Patieten mit der Frage am Telefon, ob er denn diese Tabletten auch wirklich einnehmen soll, obwohl er die Anweisung schriftlich vor sich hat. Es freut mich, wenn ich die Patienten ab sofort an die Patientenanwaltschaft weiterleiten darf, die ihnen dann ELGA vorliest.

Wäre die Akzeptanz für ELGA höher, wenn man von Anfang an die Frage nach der Entschädigung geklärt hätte?

Stöger: Es gibt eine Entschädigung. Ärztliche Leistungen werden schon bezahlt.

Aber es gibt keine zusätzliche Entschädigung für ELGA.

Stöger: Nein, weil es keine Computerentschädigung gibt. Ärztliche Leistung wird in Österreich bezahlt, und das gar nicht einmal so schlecht. 

Die eben innerhalb des KAV (sowohl im AKH als AKIM als auch in den anderen Häusern als Impuls) eingeführte EDV reduziert nachweislich die Systemeffizienz um ein Drittel, d.h. in der selben Zeit können wir ein Drittel weniger Patienten durch die Ambulanzen schleusen, weil wir mit Hunderten Mausklicks und dem Suchen nach verschwundenen Befunden befasst sind. Ähnliches wird auch in der Niederlassung passieren.

Man nennt das Produktivitätsparadoxon:
We see the computer age everywhere except in the productivity statistics“ [Solow, 1987]
http://de.wikipedia.org/wiki/Produktivit%C3%A4tsparadoxon

Komplexe Prozesse, wie sie im Dienstleistungssektor (z.B. im Gesundheitswese)n ablaufen werden durch eine enge Bindung an die EDV, insbesondere bei derartig unintelligenter Anwendung, wie wir sie täglich erleben, eher behindert als erleichtert.

Auf den ersten Blick scheint es doch sonnenklar, dass der zusätzliche Zugang zu einem Informationsspeicher wie ELGA für den Arzt und seinen Patienten nur Vorteile haben kann. Dies gilt aber nur dann, wenn die Informationen so aufbereitet sind, dass sie sich rasch und eindeutig finden lassen. Dass dies in den bestehenden Datenbanken nicht der Fall ist, habe ich hier schon öfters gezeigt (z.B.:http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=58118).

Der infantilen Fortschrittsglauben, den unser Minister hier mit seinem Glauben an die Heilkraft der IT an den Tag legt, blendet ganz offenkundig die fachliche Diskussionen der letzten Jahrzehnte aus und wird dem Gesundheitssystem viel Geld kosten und ein paar IT- und Hardwarefirmen aus dem Gesundheitsbudget reich machen.

Für den vermeintlichen Vorteil, dass der Hausarzt das Blutbild der letzten Woche abrufen kann, das ihm „sein“ Labor ohnehin schon übermittelt hat und der Patient ausgedruckt in Händen hält, werden wir alle in eine Spirale von kostenintensiven Hard- und Softwareupdates getrieben.
Im KAV erleben wir derzeit, dass nach der Einführung besagter Software gewaltsam Ambulanzmappen abgeschafft und durch personalintensives „Einscannen“ ersetzt werden; Befunddoubletten werden sich so explosionsartig vermehren.

Das jetzt schon oft undurchdringliche Dickicht einer Krankengeschichte wird durch einen unüberseh- und somit nicht mehr sinnvoll verwendbaren digitalen Misthaufen ersetzt. Wie die gesetzlich vorgeschriebenen Aufbewahrungsfristen über die nächsten Jahrzehnte realisiert werden sollen, bleibt unhinterfragt.

Aus Arbeitsplätzen mit einem Bildschirm werden zwangsweise solche mit Doppelbildschirmen, weil sonst kein vernünftiges Arbeiten mehr möglich ist.

Die rot unterlaufenen Augen des Arztes starren auf der Suche nach den Befunden seines Patienten unverwandt auf mehreren Bildschirmen, und unzählige Mausklicks mit nachfolgender Sehnenscheidenentzündung lösen den Tennisellenbogen als berufstypische Ärztekrankheit ab.
Vermutlich bemerkt er gar nicht, dass inzwischen sein Patient entweder schon tot oder am Weg zu seinem Esotheriker ist, der ihn dann vielleicht anschaut, anhört und angreift.
Dann endlich haben alle Kritiker der Schulmedizin Recht behalten.

Das volle Interview finden Sie hier:
http://diepresse.com/home/politik/innenpolitik/1598149/ELGA_Wir-haben-vor-Mehraufwand-und-Kosten-Angst?from=gl.home_politik

Written by medicus58

25. April 2014 at 07:30

Weniger Leistungen vom Staat ist die neuen Steuererhöhung, Herr Spindelegger

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Bundesregierung

Ganztägiger Unterrricht ist in Europa der Normallfall. 
Grundsätzlich Unterricht und Betreuung sowohl vormittags als auch nachmittags findet in Belgien, Finnland, Großbritannien, Irland, Island, Malta, die Niederlande, Norwegen, Portugal, Schweden, Spanien und Tschechien statt. Teilweise ganztägig, d.h. nicht flächendeckend im ganzen Land (z.B. wegen föderaler Zuständigkeiten wie in Frankreich) wird in Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Estland, Frankreich, Griechenland, Italien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Polen, Rumänien, Schweiz, Slowakei, Slowenien, Ungarn und Zypern unterrichtet.

2006 warb Alfred Gusenbauer (SPÖ) im Nationalratswahlkampf dieflächendeckende Ganztagsschule und die SPÖ wurde damals stimmenstärkste Partei.

2013 dröhnte Ministerin Schmied (SPÖ) zum Thema Ganztagsschule
„100 Jahre Debatte sind genug“ und versprach die Hälfte der Pflichtschulen in Ganztagsschulen umzuwandeln.
http://derstandard.at/1376535138630/Schmied-will-Haelfte-der-Pflichtschulen-in-Ganztagsschulen-umwandeln

2014 verschiebt Ministerin Heinisch-Hosek (SPÖ) auf Druck der Bundesländer den weiteren Ausbau in Österreich, um ihr Budgetloch zu stopfen.

„Die Länder, egal ob SPÖ- oder ÖVP-geführt, zeigten sich mit diesem Vorschlag zufrieden. Auch die niederösterreichische Bildungslandesrätin Barbara Schwarz (ÖVP) zeigte sich zuversichtlich: „Ich denke, es ist das passiert, was wir uns alle gewünscht haben. Wir müssen nicht bei den Kindern, bei der Bildungsqualität oder bei den Lehrern sparen.“
http://noe.orf.at/news/stories/2643523/

Die Länder können weiter Lehrer anstellen und dem Bund die Kosten umhängen, was dzt. allein 30 Millionen gebracht hätte. (http://www.tt.com/politik/8286862-91/heinisch-hosek-will-sich-geld-bei-ganztagsschule-holen.csp)

Noch lesen wir auf der Homepage der AK NÖ:

Wieviel kostet die Umstellung auf ganztägige Schulen?
Um eine echte verschränkte Ganztagsschule in Österreich zu realisieren, braucht es vor allem bauliche Adaptierungen an den Schulgebäuden und zusätzliche Lehr- und Betreuungskräfte. Diese Kosten ammortisieren sich jedoch nach 5 Jahren bereits wiederdurch den Effekt aus Baumaßnahmen, den Abgaben der neu beschäftigten Lehr- und Betreuungskräfte und wegen der besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf der neu beschäftigten Elternteile (v.a. Mütter).

http://noe.arbeiterkammer.at/interessenvertretung/bildung/Infos-verschraenkte-Ganztagsschule.html

Sind wir so reich, um auf dieses Win-Win-Modell verzichten zu können?

Nein, aber unsere Politiker setzen einfach ein riesiges Umverteilungssystem zuungunsten der steuerzahlenenden Bürger um:

Zuerst schaut die Politik zu bzw. macht kräftig dabei mit, wenn die Finanzwirtschaft mit Geldern spekuliert, die sie nicht hat, dann „rettet“ sie den Sektor, d.h. zahlt mit unserem Steuergeld die Zeche und macht uns glauben, dass uns das ohnehin nichts kosten wird. Augenblicklich bejubeln sie einander, dass sie mit einem Handstreich das Budgetloch gestopft haben, indem sie jeder einzelnen Familie mit berufstätigen Eltern das organisatorische und finanzielle Problem umgehängt haben, wie die denn ihren minderjährigem Nachwuchs versorgt, wenn sie selbst Überstunden machen, um das Geld für diesen Wahnsinn aufzustellen.

OK, das alles in EINEM Resort um dieses Jahr relative lächerliche 50 Millionen aufzustellen. Vor einer Woche berichtetet der Hypo-Chef Picker aber, dass die Hypo auf faulen Krediten von 9,2 Millionen Euro sitzt.

http://diepresse.com/home/wirtschaft/economist/1595590/HypoChef_Mehr-Leichen-im-Keller-als-gedacht?

Ich stehe nach wie vor dazu, dass wir weniger Steuern haben und keine neuen Steuern einführen.
Michael Spindelegger

http://www.oevp.at/themen/Keine-Substanzsteuern.psp

Wie lange dauert es noch, bis der Letzte Steuerzahler realisiert, dass es für ihn auf das Gleiche hinausläuft, ob er mehr Steuern an den Staat zahlt oder weniger Leistungen vom Staat erhält.

Written by medicus58

24. April 2014 at 07:19

Oh, why – Oh, Yline

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Yline

Ich kann mich an die Plakate noch gut erinnern, auf denen damit geworben wurde, dass PC einfach hergeschenkt werden , so dass YLINE für mich eine Art Wendepunkt  hin zur scheinbaren Gratiskultur für alle war.
Was heute mit Gratis-Zeitungen an jedem Eck, Gratis-Handy mit jedem Knebelvertrag und Gratis-App für jede Plattform alltäglich wurde, war Ende der 90er Jahre des letzten jahrhunderts noch eine Sensation.

Eine Sensation, hinter der aber weniger der Aufbruch in die neue schöne Online-Welt als das seit Jahrhunderte bekannte Gemenge aus GeldgierGrößenwahnHalbwahrheiten und Kleingedrucktem steckte.

Oder wie der Staatsanwalt in der erst heute beginnenden gerichtlichen Aufarbeitung der Staatsanwalt es formulierte:

Yline war mehr Schein als Sein
http://derstandard.at/1397521388173/Staatsanwalt-YLine-war-mehr-Schein-als-Sein

Links:
PORR-nografie, oder warum Grasser gut schlafen kann, oder wer erinnert sich noch an YLINE? http://wp.me/p1kfuX-7L 

Das Konzept: Irgendwann läßt das Interesse nach: LIBRO – YLINE
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=33766

BÖHM WERNER und seine Unschuldsvermutungen
http://wp.me/p1kfuX-7H

Why no immer Yline?  http://wp.me/p1kfuX-JK

Nachtrag: 17.12.2015 Alles nix gewesen, lauter Freisprüche http://derstandard.at/2000027664330/Causa-YLine-nach-14-Jahren-im-Zieleinlauf

Written by medicus58

23. April 2014 at 07:30

Es geht nicht darum wie wir uns Einsparungen in der Bildung sparen

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In der aktuellen Diskussion, wie das Unterrichtsministerium die offenbar fehlenden Millionen (heuer 75 Mill, nächstes Jahr 60 Mill)doch einsparen kann, häufen sich die Ratschläge.
Glaubte Heinisch-Hosek anfänglich noch mit dem guten alten neoliberalen Ruf nach mehr Kreativität der Betroffenendurchkommen zu können – schließlich klappte es doch schon seit drei Jahrzehnten, dem Steuerzahler der Rückbau des Sozialstaates schmackhaft zu machen – packen Leitl (WKÖ) und Moser (RH) die ebenso schon etwas abgelutschte Forderung nach Verwaltungsreformen aus. Während letzteres ja vielleicht wirklich Sinn machen würde, so nach dem Motto, wer den Lehrer anstellt, der möge ihn auch bezahlen, wird daraus kaum was werden, denn dann könnte man ja auch auf die Idee kommen, dass die

Krankenversicherungen für die Spitalsleistungen an ihren Versicherten zu 100% aufkommen sollen

die Verursacher von Umweltschäden diese auch begleichen müssen,

das Kerosin der Flugzeuge einer Mineralölsteuer zu unterwerfen wäre, 

die Shopping-Städte am Stadtrand auch die Infrastrukturkosten zahlen müssen, die sie selbst verursachen, …

Kurz das Verursacherprinzip auch für die Kommunen eingeführt werden könnte, wenn schon der einzelne Bürger sang- und klanglos seine Pension nur mehr vom eigenen Konto und abzüglich des Spekulationsgeschicks der Pensionsversicherungen ausgezahlt bekommt.

Also sehr unwahrscheinlich, dass das alles so passieren wird, aber in Zusammenhang mit den ebenfalls erforderlichen Einsparungen bei der Presseförderung verwies Prof. Josef Trappel, Leiter des FB Kommunikationswissenschaft, dem Leiter der Abteilung Medienpolitik und Medienökonomie an der Universität Salzburg darauf, dass
die öffentliche Hand 2013 203 Millionen Euro für Inserate ausgegeben hat.

Das heißt in unserem Zusammenhang, dass sich die Politik eigentlich nur entscheiden müsste auf die Jubelinserate zu verzichten, in denen sie uns – vorzugsweise von Wahlen – das mitzuteilen, was sie uns ohnehin – ohne Kosten für den Steuerzahler – aus allen Kanälen des Staatsrundfunks und in zahllosen Interviews mitzuteilen die Gelegenheit haben und kein Lehrer und keine Schulstunde muss eingespart – aber auch nicht sehr wahrscheinlich!

Statt dass man einfach auf die verdeckte Zeitungsbestechung, äh Inseratenverteilung, verzichtet, oder was der neueste Wahnwitzist, die Schulen gänzlich in den Einfluss der Spezialisten für die Regionalität statt Universitalität, eben die SPÖVP Landeshauptleute, zu geben, werden wir halt irgendwas dazwischen erleben – vielleicht auch PISA Tests erst in 10 Jahren wieder veranstalten, damit niemand auffällt, was aus der angeblichen Kulturnation Österreich geworden ist.

Links:
http://www.falter.at/falter/2014/04/15/wie-man-die-pressefoerderung-verzehnfachen-kann/

Als gäb’s kein Morgen und wär das Gestern nie passiert: Inserate eines Wr. Wohnbaustadtrats http://wp.me/p1kfuX-lC

Inserate: Unter Rot Grün wird alles anders? http://wp.me/p1kfuX-DG

Stoppt die Impertinenz: http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=44479

Teflon Faymann:  http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=49948

Wo das Kanzleramt 2011 inserierte 
http://derstandard.at/1331780203138/Regierungswerbung-Krone-vor-Oesterreich-und-Heute-Wo-das-Kanzleramt-2011-inserierte

PS: Das Bild zeigt eine Schule weit hinten in Sikkim, Indien

Written by medicus58

22. April 2014 at 18:22

Was unsere Welt wirklich prägt sind nicht die Social Media

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 In den Social Media herrscht grosse Einigkeit, dass es heute diese Kanäle sind, die unsere Sicht der Welt prägen. Es gehört inzwischen zum westlichen Bildungskanon davon auszugehen, dass es im 21. Jahrundert TwitterFacebook et al. waren, die die Menschen dazu gebracht haben auf den verschiedenen Maidane (http://de.wikipedia.org/wiki/Tahrir-Platzhttp://de.wikipedia.org/wiki/Majdan_Nesaleschnosti) dieser Welt zu gehen und gegen ihre und für eine andere „Realität“ zu revoltieren.

Wie so oft glauben wir an die Mächtigkeit der aktuellen Technologie und vergessen viel zu leicht, dass es in der Regel die Technologien vergangener Jahrzehnte sind, deren Wirkung sich erst heute zeigt.

Es stimmt natürlich, dass die Grundlagen der heutigen Social Media, eben das Internet, auch schon 1989 am CERN entwickelt wurde und Facebook seit 2003, Twitter seit  2006 existieren, worauf ich aber hinaus möchte ist, dass die weltweite Verbreitung visueller Inhalte über Sateliten TV schon viel älter ist.

Intelsat I („Early Bird“), der erste kommerzielle Satelit  starttete an 6. April 1965. Das erste nationale Sateliten TV, called Orbita, startete in der Sowietunion 1967.
In Indien lassen sich derzeit über 700 Kanäle von staatlichen Providern (Doordarshan) und kommerziellen Anbietern (Sony Entertainment Television, Sun Network, Zee TV) empfangen.

Das Bild entstand Anfang der 90er Jahre hoch oben in Darjeeling (http://en.wikipedia.org/wiki/Sonada), wo auch buddhistische Klöster ihren Novizen einen Einblick in die Welt boten, nicht wie sie ist, sondern wie sie auf Basis verschiedenster Interessen dargestellt wird.

Seit Jahrzehnten bringen Sateliten Bilder in den hintersten Winkel der zweiten udn dritten Welt, die ein geschöntes, geschnittenes, sandgestrahltes Bild der ersten Welt verbreiten, so wie es die kommerziell Mächtigen es gerne dargestellt haben. Das ist viel unmittelbarer und zeitnäher möglich, als es je durch irgendwelche Zeichen, seien sie gedruckt, getippt oder getweeted, möglich gewesen wäre.

Written by medicus58

17. April 2014 at 07:02

Der ökonomische Trugschluss mit der Überbefundung in der Medizin

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Befund

Fülle an unnötigen Befunden“ gehört zum Basismantra jeder Kritik am Gesundheitssystem, gefolgt von allerlei Extrapolationen, was denn da alles einzusparen wäre, könnte man die vielen Blutbilder und Röntgenaufnahmen verhindern.
Selbstverständlich könnte gerade die elektronische Krankenakte(ELGA) dies leicht in den Griff bekommen, versichern die ELGA Ges.m.b.H. im Chor mit all den IT-Firmen, die an dem Projekt beteiligt sind.

Erst kürzlich beim Europ. Radiologenkongress in Wien schlug Guy Frija, der Präsident der Europäischen Gesellschaft für Radiologie in dieselbe Kerbe, als er vollmundig bekannte, dass ein Drittel aller Röntgenuntersuchungen klinisch nicht gerechtfertigt und daher für den Patienten nutzlos wären.
Ja, wenn selbst die finanziellen Nutznießer dieses Systems zur derartig erhellenden Einsichten kommen, dann hindert uns ja nichts mehr all den Krempel beiseite zu werfen und uns auf das Wesentliche zu beschränken.

Gemach

… mit dieser Logik könnte man schließlich auch die vielen Polizisten abschaffen, weil sie ohnehin nur die wenigen von uns, die wirklich straffällig werden, finden müssen, oder die Feuerwehren einsparen, weil es ohnehin nur sehr selten brennt. Weniger platt formuliert zeigen diese Paradoxien, dass Lösungdsaufwand (Vorhalteleistung) und Häufigkeit eines Problems in einem indirekten, nicht linearen Verhältnis stehen.
Beschäftigen wir uns vorerst aber mit dem Vorwurf weshalb wir Ärzte eigentlich so dumm sind, unnötig viele Befunde anzufordern? Dass unstillbares Gewinnstreben nicht die einzige Erklärung dafür sein kann, beweist ja die Selbstanklage unserer Radiologen!

Wer nachlesen will sei auf einen früheren Artikel verwiesen (2 Anamnese – aber http://wp.me/p1kfuX-zt), in dem ich schon feststellte: Würde man Ärzte fürs Zuhören ähnlich gut honorieren, wie Anwälte, dann würden viel weniger Überweisungen ausgestellt werden.
Mit aktuellen Zahlen lässt sich das so belegen:

Ein Patient kommt zum Arzt und klagt über Müdigkeit und wirkt etwasblaß.
Die Differentialdiagnosen sind mannigfaltig, aber viele mögliche Ursachen laufen auf Infektionen u/o Blutarmut hinaus.
Ihr Arzt könnte nun, für die 18,74 € Fallpauschale pro Anspruchsberechtigtem und Quartal, versuchen herauszufinden, ob den überhaupt eine Müdigkeit (oder eine Depression) vorliegt, tief in die Augen schauen um zu objektivieren, ob der Patient überhaupt blutarm ist oder die Blässe eben seinem Teint entspricht und sich so gut eine halbe Stunde mit seinem Patienten beschäftigen.

Die Wiener Gebietskrankenkasse zahlt dem Labor für ein
Komplettes Blutbild
 (Zählung und Beurteilung der Erythrozyten, Leukozyten und Thrombozyten, automatisierte oder notwendige mikroskopische Differentialzählung, Hämatokrit- und Hämoglobinbestimmung, Errechnung der sich aus der Zählung und Messung ergebenden Parameter) 3,20€

Für ein Lungenröntgen, mit dem zumindest eine schwer Lungenentzündung bei unserem Patient ausgeschlossen werden kann, zahlt die Wiener Gebietskrankenkasse 16,23 € Honorar und 24,54 €.

Und jetzt überlegen Sie was für ihren Hausarzt kostengünstiger ist, eine klinisch-physikalische Untersuchung mit all ihren Unsicherheiten oder die Anordnung eines Röntgen- oder Laborbefundes.

Richtig, da seine Bemühungen schlecht honoriert werden, verwendet er die externe Diagnostik zur Ausschlussdiagnose. Aus Sicht der Diagnostiker sind natürlich die Befunde im konkreten Fall unnötig, oft weil der Patient erst Tage nach der Zuweisung erschien und inzwischen ohnehin nicht mehr fiebert oder sich schon durch die heilsame Wirkung des Zeitablaufes erholt hat.

Wer aber nun glaubt das Problem dadurch in den Griff zu kriegen, dass er ein Drittel der externen Befundkosten in den Bereich der Hausärzte stopft übersieht, ebenso wie die überheblichen Diagnostiker, die sich über die blöden Zuweisungen mokieren, ein wichtiges Detail:

Mit ein bißchen mehr klinisch-diagnostischen Aufwand in der Arztpraxis lassen sich sicher 10% der unnötigen Überweisungen einsparen.
Werden die Ärzte gewzungen, die riesigen und unübersichtlich gewordenen Krankenakte vor jeder Überweisung zu durchwühlen, ob sich nicht doch ein Vorbefund finden lässt, der die eine oder andere Verdachtsdiagnose erhärtet, dann steigt der zeitliche Aufwand (und damit die Kosten) schon überproportional an.
Letztendlich werden wir ein exponentielles Verhältnis zwischen Aufwand und Gewinn, d.h. sehr bald wird es – unabhängig von den aktuellen Arzthonoraren – billiger ein Blutbild anzufordern, nur um nicht neben den eingesparten unnötigen Befunden einen wirklich Kranken zu übersehen.

Hitler und sein Teleskop in Darjeeling

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 Wir haben hier erst kürzlich in einem lamaistischen Kloster in Ladakheine eigenartige Glühbirne (Betrachtungen über glühende Hakenkreuze auf 3000 m Seehöhe  http://wp.me/p1kfuX-M7) gefunden und uns die Sache mit den Swastikas geklärt.
Ebenfalls in den Höhen des Himalaya, jedoch weiter östlich treffen wir heute auf eine andere Eigenartigkeit, die einer Erklärung harrt:
Hitler’s Telescope im Everest Museum in Darjeeling, einen Steinwurf neben der letzten Ruhestätte von Tenzing Norgay, dem Begleiter Edmund Hillarys bei seiner Erstbesteigung der höchsten Erhebung unseres Planeten.

Besagtes Carl-ZeissTeleskop wurde wirklich von unserem Braunauer dem damaligen Anführer der nepalesischen Armee geschenkt und fand dann seinen Weg in diese berühmte Bergsteigerschule. Dort kann man auch heute noch mit seiner Hilfe – wenn es ausnahmsweise einmal nicht nebelig ist – einen schönen Blick auf den Kanchenjungariskieren. Diesem mit 8586m dritthöchste Berg der Erde an der Grenze zwischen Nepal und Sikkim werden wir noch nähertreten (natürlich nicht besteigen), wenn es um Sikkim geht, soviel soll schon einmal vorweggenommen werden.

Written by medicus58

14. April 2014 at 16:38

Manche Gedenkafeln sind leicht zu übersehen

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Wer glaubt, dass die Menschheit ihre grosse Denker stets mit spektakulären Denkmälern ehrt, dem seine folgende Gegenbeispiele Ans Herz gelegt.

Das kleine Labor in Calcutta, Indien in dem Ronald Ross nach zweieinhalb Jahren die Hypothese seiner Kollegen Alphonse Laveran und Patrick Manson bestätigte, dass Malaria von Moskitos übertragen wird findet man erst nach längerer Suche.

Cervantes

Das Sterbehaus von Spaniens größtem Dichter Miguel de Cervantes findet man in Madrid gar nicht so einfach.
Die Gedenktafel übersieht man leicht und in dem Haus erinnert nichts an den Schöpfer des Don Quichote. Inzwischen gibt es an anderer Stelle ein großes Museum, aber 1979, als dieses Foto entstand, hielt man derartigen Aufwand für unnotwendig.

Written by medicus58

13. April 2014 at 20:01

Das Gute kommt aus der Apotheke ….

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Apotheke

 „Das Gute kommt aus der Apotheke …. und die Ärzte sind geldgierige Säcke.“
könnte man einen seit vielen Jahren von der Österr. Apothekerkammer getrommelten Werbeslogan paraphrasieren.

Abgesehen von den Hausapotheken bei etwa 950″Landärzten“ erfolgt die Medikamentenversorgung der Patienten über standortgesicherte Apotheken. Die 2006 in der Apothekengesetznovelle festgelegte Sicherung der ärztlichen Hausapotheken wurde vom Obersten Gerichtshof 6/12 aufgehoben.

Dies ist nachvollziehbar, denn die ärztliche Entscheidung für oder gegen eine medikamentöse Therapie sollte keinen direkten Einfluss auf sein geschäftliches Ergebnis haben.

Die Österreichische Ärztekammer hat nun einen auf den ersten Blick genialen Schachzug gemacht
(http://diepresse.com/home/leben/gesundheit/1576177/Aerzte-wollen-mehr-Hausapotheken
http://kurier.at/chronik/niederoesterreich/medikamente-direkt-vom-arzt-plan-sorgt-fuer-aufruhr/56.973.450):
Ärzte sollen bestimmte Routinemedikamente im Bedarfsfall an ihre Patienten abgeben dürfen aber dafür kein indiuviduelle Honorar verrechnen dürfen, sondern so wie in manchen Schweizer Kantonen, nur ein umsatzunabhängiges Honorar für die Vorhalteleistung an sich bekommen.

Proteste der Apothekerkammer kamen wie erwartet.

Klar, für den fiebernden Patienten ist es praktischer sein Medikament gleich mit der Diagnose seines Infektes zu bekommen und nicht noch extra eine offene Apotheke suchen zu müssen. Für die Apotheken bedeutet dies aber, dass sie um die Möglichkeit umfallen, zusätzlich zu den rezeptierten Spezialitäten noch ein paar andere Goodies an die Frau (seltener an den Mann) zu bringen: Homoeopathika, Pflegeprodukte, … etc.

Die Medien mögen sich über die Kampfhähne freuen, vergessen aber einen still im Hintergrund agierenden „Dritten Mann“:

Die Rolle des Medikamentengroßhandels.

Zwischen den ca. 2.100 Herstellern medizinischer Produkte und den ca 2300 Kunden (Anstaltsapotheken (ca 25% des Marktes), Öffentlichen- und Filialapotheken (ca. 75% des Marktes, die auch die ca. 959 ärztliche Hausapotheken versorgen) steht der Pharmagrosshandel mit 8 Großhandelsunternehmen, die 95% des heimischen Marktes kontrollieren.Die drei größten Unternehmen der Branche erreichen zusammen einen Marktanteil von über 80 %. Zwei davon sind zudem Töchter der größten paneuropäisch tätigen Großhandelskonzerne und damit international integriert.

Innerhalb der EU gibt es ca, 700 Großhändler
.

Auch den deutschen Pharmagroßmarkt teilen sich Heute teilen sich im Wesentlichen fünf Großhändler Phönix, Alliance Healthcare, Celesio, Noweda und Sanacorp auf.

Die Player in Österreich heißen:

G & M PharmaGrabner-Marik GroßhandelsGesmbH, 5280 Braunau/Inn, oÖ, regionale Schwerpunkte Salzburg, oÖ, NÖ und Steiermark;
Spezialvertrieb von diätischen Nahrungsmitteln, eigene Produktion

Herba Chemosan Apotheker AG, 1110 Wien, Marktführer in Österreich mit nahezu 50 % Marktanteil

Jacoby Pharmazeutika AG, 5400 allein-Kaltenhausen, Salzburg, Familienbetrieb mit 150 Mitarbeitern, betreut Kunden in Westösterreich, zusätzlich oTC-Produkte, Veterinärmedizin und Ästhetische Medizin

L. Kögl Pharma GmbH, 6020 Innsbruck, Tirol, Region Vorarlberg, Nord-, Süd- und Osttirol; in den 90er-Jahren europaweit Pionier bei der papierlosen Kommissionierung des gesamten Warenflusses

Kwizda Pharmahandel GmbH, 1200 Wien, ehemaliger k. k.-hoflieferant, heute internationale Ausrichtung

Pharmosan Handelsgesellschaft mbH, 1120 Wien, 1977 von Sigismund Mittelbach gegründet; die Pharmosan-Unternehmensgruppe
produziert auch Nahrungsergänzungsmittel der Marke „Nutrico“.

Phoenix Arzneiwarengroßhandlung GmbH, 1140 Wien, unter dem Dach der PhÖNIX Group, dem zweitgrößten Pharmahandelsunternehmen in Europa

Richter Pharma AG, 4600 Wels, OÖ, http://www.richter-pharma.at human und Marktführer in Veterinärgroßhandel;

Jetzt sind zwischen Hersteller und Detailverkäufer geschaltete Logistikbetriebe an sich nichts Besonderes, jedoch warfenNaturalrabatte an Apotheken und Ärzte in der Vergangenheit immer wieder ein schiefes Licht auf die Branche.

2008 deckte der Stern auf, wie sich deutsche Großapotheken über einen in Wien beheimateten Verein (Global Apo) umsatzabhängige Rabatte überweisen liessen. Es mag bezweifelt werden, dass die Branche in Österreich nicht auf vergleichbare Ideen gekommen ist.
(http://www.stern.de/wirtschaft/news/pharma-skandal-die-geheime-kasse-der-apotheker-647389.html)

2013 kamen die deutschen Apotheken nach einem Spiegelartikel ins Gerede, weil sie (verschlüsselte) Verschreibungsdaten an die Firma IMS Health weiterverkauften. Für Österreich stellte sich aber dann heraus, dass diese Daten hier von Ärzten zT ohne deren Wissen abgeaugt werden
(http://www.unwatched.org/20130821_Verschreibungsdaten-Skandal_Aerztekammern_und_Datenschuetzer_pruefen_Konsequenzen

http://www.unwatched.org/20130830_Skandal_um_Gesundheitsdaten_Heimlich_Schnittstellen_in_Ordinationen_installiert).

Der „Große Datenskandal bei Apotheken“ (http://oesterreich.orf.at/stories/2605702/) bei dem u.a. die Rezepte des Bundespräsidenten im Magazin NEWS landete weil jemand die Festplatte des größten Apotheken-Softwaresystem Österreichs (AVS-System des Österreichischen Apotheker-Verlags) kopiert hat, regte nur kurz auf und wurde weniger als Beispiel für die Gefährlichkeit eines hochkonzentrierten Marktes gesehen als als Argument gegen ELGA.

Als die Österreichische Post auf der Suche nach neuen Geschäftsfeldern war und das Oligopol des Pharmagroßhandels aufzubrechen drohte, (http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/rabatte-fuer-apotheken-oesterreicher-mischen-pharmahandel-auf-12533732.html) wurde kurz wieder öffentlich über Rabatte an die Apothekengesprochen.

Rabatte und Handel mit Marktdaten sind ja aus allen Branchen wohlbekannt, nur in direkten Gesprächen mit befreundeten Apothekern hört man aber von einer meiner Meinung nach viel problematischeren Verstrickung zwischen Großhandel und der einzelnen Apotheke:

Während von den ganz wenigen Gruppenpraxen abgesehen
die ärztliche Praxis einem einzelnen Arzt zugeordnet werden kann, ist dies bei den Apotheken anders.
Häufig gehören mehrere Apotheken ein und der selben Gruppe – oft branchenfremder – Investoren oder ein wohlhaben gewordener Apotheker leistet sich mehrere Standorte.
Vergleichbar mit den früheren Brauereimonopolen binden sich viele Apotheken oder Apothekengruppen mit Exklusivverträge an einen einzigen Großhändler, wobei wohl vermutet werden kann, dass sich der für diese freiwillige Beschränkung erkenntlich zeigen wird.
Schon bei der Gründung einer Apotheke und natürlich bei der Weitergabe spielt der Großhandel eine wichtige Rolle. Natürlich will man ja seinen Kundenstock nicht verlieren.
Da ist man doch gerne mit der Planung und Finanzierung etwas behilflich ….

Selbstverständlich werden diese Aktivitäten des Pharmagroßhandels an der Front  nicht öffentlich und beeinflussen den Markt in einer unerwünschten Weise, nur bleibt dies innerhalb der Branche und wird deshalb nicht öffentlich. Schließlich haben ja alle was davon – wenn sie bereits im Boot sind.

Written by medicus58

10. April 2014 at 07:00

Entwertung der Ausbildung durch das Geschäft mit der Fortbildung

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Doktorrolle

Hier wurde schon oft aus der Sicht der zur Berufsausübung berechtigten Ärzte das boomende Geschäft mit den postpromotionellen Fort- und Weiterbildungen und das Geschäft mit all den Dekreten, Zertifikaten und Spezialisierungen kritisiert.

Heute möchte ich dasselbe Problem aus der Sicht der Universität beleuchten.  Natürlich handelt es sich hier um meine persönliche Meinung, die sich in vielen Jahren sowohl extra- als auch intramuraler Lehrtätigkeit gebildet hat und muss nicht notwendigerweise der Meinung der aktuellen Curriculumverantwortlichen entsprechen, die mit dem Klinisch Praktischen Jahr (KPJ) ohnehin ein ganzes Jahr der universitären Ausbildung an Lehrspitäler ausgelagert haben (zumindest in dem Ausmaß indem man sich über die finanzielle Bedeckung einigen konnte).

Da wir derzeit davon ausgehen, dass Ärzte trotz jahrelanger universitärer und praktischer Ausbildung erst dann „etwas praktisch tun dürfen“, wenn sie einen Extra-Kurs absolviert haben, entwerten wir ja auch die teure Ausbildung. In Haupt- und Nebenvorlesungen, strukturierten Praktika und aktuell im KPJ bilden wir den ärztlichen Nachwuchs mit viel finanziellem Einsatz aus und bestehen darauf, dass sie noch weitere Jahre als „Azubis“ auch als Systemerhalter in den Spitälern herumlaufen (bald auch in Lehrpraxen die Routine übernehmen) in der Hoffnung, dass dabei auch für sie zusätzliche „hands on Erfahrungen“ (offiziell Kenntnisse, Erfahrungen und Fertigkeiten) abfallen, um immer stärker sie als unbrauchbare Dilettanten zu desavouiren, die
einen Notfallkurs benötigen, damit sie Reanimieren können,
einen Sonografiekurs, damit sie einen palpapblen Schilddrüsenknoten objektivieren dürfen,
einen Hygienekurs, damit sie sich „chirurgisch“ die Hände waschen lernen,
einen Strahlenschutzkurs, um zu verstehen, dass ionisierende Strahlen eien Rolle spielen, wenn ein Lungenröntgen angefertigt wird,
einen Kommunikationskurs, damit sie einem Patienten sagen dürfen, dass er krank ist,
einen Akupunkturkurs, einen Homoeopathiekurs, einen Kurs über TCM, einen Gutachterkurs, ein Zertifikat von Doc_Cert, …. etc.

Das heißt die Gesellschaft, die Studenten und häufig auch deren Eltern bezahlt Unsummen, um aus einem Maturanten einen Dr. med zu machen. Zu meiner Zeit kalkulierte man das mit etwa einer Million Schilling, heutige Schätzungen variieren zwar um Größenordnungen aber mitteln bei etwa 190.000 €!

Ganz schön viel für einen unbrauchbaren Trottel, der durch Dutzende Kurse endlich einmal lernen soll, wie er seinen Beruf auszuüben hat!

Eigentlich sollten die Universitäten einmal ihre eigene Effizienz hinterfragen, was sie für dieses Geld leisten. Vergleichen Sie, liebe Leser, auch dazu folgenden Blog, der sich aus deutscher Sicht mit der Frage beschäftigt:
Wieviel schuldet ein Arzt dem Staat?
http://assistenzarzt.wordpress.com/2008/01/20/wieviel-schuldet-ein-arzt-dem-staat/

Weitere Links: 

Reisemedizin oder der Arzt auf Reisen http://wp.me/p1kfuX-Dd
Niedermoser: Who’s side are you on http://wp.me/p1kfuX-LF
Gelddruckmaschine ärztliche Fortbildung http://wp.me/p1kfuX-Cy
Die Qualität der Zertifizierung der Qualität http://wp.me/p1kfuX-4a

Written by medicus58

9. April 2014 at 19:08

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