Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Archive for März 2018

Von Richtungen, Entfernungen und sinnlosen Hinweisen

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Wer einmal in Städten, wie z.B. London, fluchte, dass Straßennamen oft sehr spärlich und nur an einem ihrer Enden beschriften sind, der weis Hinweisschilder und Richtungsangaben zu schätzen.
Aber wie mit allen Informationen können sie auch nur hilfreich scheinen, einem aber so gut wie nichts bringen. Das gilt vor allem für die an mehr oder weniger berühmten Plätzen beliebten Richtungs- und Entfernungsangaben, die einen zwar vor Augen führen wie weit man vom nächsten Ziel seiner Träume oder von seiner Heimat entfernt ist, ohne geodätische Fähigkeiten einen aber verdammt wenig darüber Auskunft geben, wo man sich im Augenblick denn eigentlich befindet.
Wie gesagt Informationen können ungeachtet ihrer formalen Richtigkeit und Detail-Versessenheit einen auch ziemlich ratlos machen.

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Written by medicus58

31. März 2018 at 20:42

Veröffentlicht in Reisen

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Grusel-Medizin

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Kaum glaubten wir uns entspannen zu können, nachdem auch die Wirtschaftswoche das Ende des Tunnels sah, obwohl Deutschland zu den am stärksten von der Grippe betroffenen Ländern in Europa zählte.
Optimismus schien sogar berechtigt, da wir heute vernahmen, dass die Medizin schon wieder einen Schritt vorangekommen ist und schon wieder ein neues Organ entdeckt hat: das Zwischengewebe.
Wer nun glaubt, die Sau wieder zu erkennen, die da durchs mediale Dorf gejagt wird, dem kann geholfen werden, den vor etwas mehr als einem Jahr war es das Gekröse, das zum neu entdeckten Organ hochgejubelt wurde. Selbstverständlich haben wir hier darüber im Jänner 2017 berichtet: Neues Organ entdeckt, nein, nicht das Großhirn.

Das Vertrauen in die Segnungen der Medizin schien kurzfristig nahezu grenzenlos, bis uns heute die Nachrichten vom Horror-Tripper um die Augen flogen:

Antibiotikaresistenzen: England meldet weltweit ersten Horror-Tripper
Super-Tripper bei Brite diagnostiziert – warum Ärzte nun besorgt sind
Brite holt sich die «weltweit schlimmste Art» von Tripper 
In Grossbritannien war er in einer festen Beziehung, das war ihm aber nicht genug. Nun kommt einem Briten ein One-Night-Stand in Asien teuer zu stehen.

Wobei wir uns nicht darauf ausreden dürfen, wieder einmal nicht gewarnt worden zu sein.
Die Welt brachte uns schon vor mehr als einem halben Jahr die Warnung der WHO nahe:
Wer an der Krankheit leidet, hat häufig einen eitrigen Ausfluss aus Scheide, Penis oder Po. 
Weltweit infizieren sich jedes Jahr 78 Millionen Menschen neu
Auch der Standard kopierte eine APA Meldung: „Tripper“ immer schwerer zu behandeln

Kurz vor Weihnachten 2017 berichtete der Kurier schon atemlos:
In der Stadt Salzburg (!) könnte eine Prostituierte Dutzende Freier mit Gonorrhö (oder umgangssprachlich Tripper) angesteckt haben.
Natürlich eine Ausländerin!
Und noch am 1.3.2018 schlug das Spektrum der Wissenschaft Alarm:
Die Rückkehr der Plagen: Krätze, Scharlach, Syphilis und Tripper treten in letzter Zeit wieder häufiger auf. 

Was hilft uns da die Erkenntnis, dass  Viagra vielleicht Darmkrebs vorbeugt wenn wir vorher am Tripper abkratzen, denn wer nimmt Viagra ohne es auszunutzen?
Auch erleben wir nach einem one night stand in Asien womöglich gar nicht mehr den Durchbruch in der Parkinsontherapie, den uns Experten noch am 9.3.2018 für in zehn bis zwanzig Jahren versprechen.

Vermutlich hilft uns auch dann auch der in Nature Nanotechnology vorgestellte Tissue Nanotransfection (THT) Chip nicht mehr, der beschädigte Haut, Nerven, Organe und sogar das Gehirn heilen können soll. Und das, indem man ihn einfach nur für eine Sekunde auf die Haut legt wie wir in Galileo erfahren durften.

Sage noch einer, dass die medizinische Berichterstattung uns nicht auf eine Jubel-Grusel-Hochschaubahn versetzt. Der Krebs wird ja schon monatlich besiegt und dann rafft uns ein verdammtes Bakterium am Höhepunkt unserer Leistungsfähigkeit dahin …
Mich erinnert das alles an ein Gespräch, dass ich noch als Medizinstudent mit einem Schulfreund hatte. Ich klagte über das breite Interesse an Medizin und dass einen alle sofort irgendetwas Medizinisches fragen wollen, sobald sie erfahren haben, was man studiert. Er aber konterte mit einer sehr weisen Erkenntnis:
Die interessieren sich nicht für Medizin, sie lieben es über Krankheiten reden!

Written by medicus58

29. März 2018 at 21:35

Eine kleine Geschichte der Verpflegung in Wien

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Einheimische wie Touristen, wer durch die Straßen einer Stadt läuft steht irgendwann vor der Frage einer geregelten Nahrungsaufnahme. In wärmeren Gegenden sorgen hier institutionalisierte wenn auch oft improvisierte Ausspeisungen am Straßenrand für das benötigte Streetfood. In klimatisch härteren Gegenden ist man eher bestrebt seinen Kalorienbedarf in wind- und wettergeschützter Umgebung einnehmen zu können, so auch in der österreichischen Haupt- und Residenzstadt Wien.
Als ich neulich so am Volkstheater vorbei schlenderte fiel mein Blick auf eine Häuserzeile in der Museumsstraße, die uns den Wandel der Labungsmöglichkeiten und -formen in geografisch übersichtlicher Weise vor Augen führt und Überraschendes aufdeckt.

Beginnen wir von unserem Standort (der Haltestelle des 49) aus gesehen links außen mit dem Cafe Raimund:
Seit 1900 fielen Mitarbeiter und Gäste des nahen Volkstheaters hierorts ein, nicht nur um sich dem Namen des Etablissements entsprechend mit Kaffee und kleinen Süßspeisen zu dopen, sondern bekamen – wie es in Wiens Kaffeehäusern eben üblich ist – neben Eier in allen Härtegraden, belegten Broten und einem kleinen Gulasch, gern auch in Suppenform, allerlei Schmankerln, die in ihrer Auswahl fast aber doch nie ganz an das heranreichten, was ein dediziertes Restaurant verspricht.
Als ich noch große Teile meines Studiums in einschlägigen Herbergen verbrachte, nahm es mich immer Wunder, welche Vielfalt in den dafür oft gar nicht eingerichteten Kaffeehausküchen nahezu 24/7 produziert werden konnten. Jetzt versteigt sich die Küche des Raimunds zu manch unnötigem Tribut an den Ungeist früherer Jahrzehnte, wenn sie mit Theatertoast und Raimund Sandwich lockt, aber immerhin bietet sie auch noch Geröstete Knödel mit Ei an, die vermutlich schon zu Zeiten eines Egon Friedell oder Hans Weigel hierorts aufgetragen wurden. Ob sie von Ingeborg Bachmann geschätzt wurden entzieht sich zwar meiner Kenntnis, jedoch bin ich seit Jahrzehnten der Meinung, dass es sehr viel Positives über den Lebensstil einer Stadt verrät, wenn sich dort eine entsprechende Kaffeehauskultur etabliert hat. Neben Wien, zähle ich hier vor allem Paris, Buenos Aires und Budapest dazu.

Neben dem Kaffeehaus findet sich in besagter Straßenfront rechts außen eine weitere kulinarische Institution, die viele Jahre die Ernährungsgewohnheiten nicht nur Wiens geprägt hat: Das Wienerwald.
Dem Zug der Zeit entsprechend ging man dort hin, nicht weil man zu allerlei kultureller Betätigung auch was essen musste, sondern die Aufnahme von Nahrung und Getränk rückte in den Mittelpunkt des Aufenhalts.
Auch wenn ein böser Schmäh damals davor warnte in ein Lokal zu gehen, in dem der Underberg (=Magenbitter) obligat auf den Tischen stand. Der Jägermeister-Generation heute wäre das aber ohnehin Blun’zn.
Höhenflug und fast völliger Absturz dieser Restaurant-Kette gibt mindestens so viel her, wie die bewegte Geschichte der Institution Wiener Kaffeehaus, wir werden uns aber kurz fassen.
Der Linzer  Friedrich Jahn (1923-1998) eröffnete 1955 in München sein erstes Lokal und gab der Wirtschaftswundergesellschaft, lange bevor US-amerikanische Familienlokal-Ketten seinem Beispiel folgten, genau das was sie wollte:
Rustikal scheinende Gastlichkeit und vertrautes Essen. Jahn erfand die Grillhend’lstation und das Restaurant-Franchising gleich dazu.
Das Hendl stand und steht im Mittelpunkt unseres Sortiments, und unser Wissen um Verarbeitung und Zubereitung ist einzigartig.
brüstet man sich bis heute, wo die wesentliche Versorgung mit geflämmtem Geflügel schon längst durch meist türkisch geführte Hendelparadiese abgedeckt wird.
Der gelernte Kellner Jahn gründete damals einen wirklich weltumspannenden Konzern, der seine Hühner sogar im Waldorf-Astoria in Manhattan brut.
In den 80er Jahren brach das Imperium, das inzwischen auch ein Reisebüro, Weinkellereien, Transportunternehmen, einen Grillgerätehersteller, eine Druckerei, Immobiliengesellschaften, Hotels, Beratungsgesellschaften für die Gastronomie und einen Verlag umfasste, durch zu rasche Diversifizierung und Überschuldung zusammen. Jahn verlor sein Lebenswerk und wird zitiert, dass sein Hauptfehler gewesen wäre, einen Banker als Finanzchef angestellt zu haben.
Neun Jahre nach dem Tod des Firmengründers konnte die Familie die Rechte am Firmennamen wieder zurück kaufen und versucht seit 2009 erneut eine internationale Expansion.

Eingebettet zwischen den beiden genannten kulinarischen Polen Kaffeehaus und Wienerwald finden wir auf der Museumsstraße den rezentesten Zuwachs in der Versorgung hungriger Mägen, einen Noodle King.
Eines der unzähligen Lokale, die Tonnen von Instantnudeln mit allem, was man sich so unterhalb Sibiriens unter asiatischer Küche vorstellt, unter die Leute bringen.
Ein paar Sitzplätze, viel take away, Google findet auf Anhieb allein sieben Lokale gleichen Names in Wien, gefühlt gibt es sicher mehr als ein Dutzend.
Das Besondere aber kommt zum Schluss.
Das Noodle King 1010 hat aktuell bei 16 Rezensionen glatte fünf Sterne auf Google:
Very tasty food, clean and low price. For the price of 1 small coffee in starbucks we ate nice meal. 

Das Cafe Raimund kommt bei 202 Rezensionen hingegen nur auf schwache 3,8 Sterne:
Relativ angenehm, jedoch wc erst nach dem Raucherraum.. 🙂 

Das Wienerwald stürzt mit 128 Rezensionen überhaupt auf 2,8 Sterne ab:
War von den Bewertungen etwas abgeschreckt und hatte daher das schlimmste erwartet. War letztendlich aber bei weitem nicht so schlimm. Das Grillhenderl und der Kaiserschmarrn waren sehr gut. Das Ambiente war auch sehr angenehm. Nur das Personal wirkt teilweise sehr demotiviert und überfordert.

Damit beenden wir den kleinen kulinarischen Rundgang ohne den Anspruch auf Vollständigkeit oder gar tiefere Erkenntnis.
Was mich nur etwas wundert ist, dass sich augenblicklich offenbar das gastronomische Konzept am besten bewährt, das sich am weitesten von dem entfernt was dereinst typisch war für Wien:
Ein zweites Wohnzimmer um der Einsamkeit zu entfliehen,
vielleicht auch um sich mit Freunden zu treffen ohne die eigene Wohnung aufräumen zu müssen und
die Möglichkeit neben Zeitungslektüre, Kellnertratsch und Menschenbeobachtung
fast beiläufig auch eine Nahrungsaufnahme realisieren zu können.

Written by medicus58

25. März 2018 at 19:11

Just Bad Weibs um das KH Nord oder das Ende des Roten Konsenses?

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Als im Vorwahlkampf 2015 Renate Brauner, Sonja Wehsely, Sandra Frauenberger und Ulli Sima durch die Fotomonage der Londoner Abbey Road quasi den Beatles nachtrotteten, wollten sie auf ihrer Good Weibs Kampagne aufmerksam machen.  Drei Jahre danach kann man die damals etwas missglückte Kampagne fast schon als Prophezeiung auffassen:

Sollte es ein verstecktes Signal sein oder war es der Kampagne dar nicht bewusst, dass sich die Beatles
– als das berühmte Cover erschien –
schon längst innerlich aufgelöst
haben?

Was wir seit zwei Wochen in dem von der Kronenzeitung  genüsslich rauf und runter gespielten
Energetikerskandal um das KH Nord erleben

ist weder ein Lebenszeichen der inneren Kontrolle, wie es uns David Ellensohn, die Grüne Eminenz im Rathaus, weis machen will:
  KH Nord. Grüne und SPÖ beantragen Untersuchungskommission. (Nachdem Opposition ein halbes Jahr nur davon geredet hat.) ots.at/presseaussendu… 20. März 2018 4:53 pm

noch das beruhigende Zeichen, dass starke Medien die Politik kontrollieren, wie es uns   ebenfalls auf Twitter einreden möchte:

Guten Morgen. Eine Untersuchungskommission zum Milliardenskandal #khnord kommt. Auch das zeigt, wie wichtig starke Medien sind.
21.März 2018 6:10 am 

Der Wahnwitz um Energetiker und Geowaves,
die nur mühsam dementierte SP-Absage an Frauenbergers Spitalskonzept (das sie in Wahrheit noch von Wehsely und ihrem Beraterklüngel geerbt hat),

der von allen kommentarlos angenommenen Rücktritt einer der willigsten und mächtigsten SP Speerspitzen im Wiener Gesundheitssystem, der man noch ihre Pensionierung mit einem Beratervertrag versüßt hat, was nur dem innersten Kreis genehmigt wird (Gegenbeispiele auf Anfrage),

monatelange Vakanz an der Spitze des KAV (jetzt Wien Kliniken), der von einer Stellvertreterin des Generaldirektors ohne Generaldirektor geleitet wird, vielleicht auch vom Direktor des AKH, der auch mal in der Generaldirektion in Town Town vorbeischaut, …

ein SPÖ Vorsitzender der kaum Zweifel daran lässt, dass er die Weibs lieber früher als später „entsorgen“ würde, während der Noch-Bürgermeister vor einer Ablöse warnt und der 69-jährige Landtagspräsident und Donauinselfest-Erfinder Harry Kopietz offenbar ein Gutachten bestellt hat, dass es ihm verbietet für Brauner Platz zu machen!

All diese Schmiere ist nichts anderes als das höchst beunruhigende Zeichen, dass in der Wiener SPÖ ein Machtkampf abläuft, bei dem ohne Rücksicht auf Kollateralschäden alles gefährdet wird, was diese Stadt einst menschlich und lebenswert gemacht hat.
Der Grundkonsens, dass es bei all den persönlichen Karriereabsichten und gegenseitigen Animositäten doch noch auch um diese Stadt und ihre Bewohner geht, wurde endgültig beerdigt.

Offensichtlich geht es nicht mehr um Richtungskämpfe sondern um einen Endkampf jeder gegen jeden, in dem allen eines völlig egal scheint:
Was dabei alles endgültig zu Bruch geht. Verbrannte Erde, Führerbunker sind die Bilder die einem hier einfallen …

Boulevard-Medien (haben wir noch andere?) greifen die zugesteckten Infos begierig auf und inszenieren die auflagenstärkenden Aufregung sogar noch als demokratisch. 95.000 € Energetiker-Rechnung verursachen zwei Wochen lang höchste Aufregung, während die durch missglückte Tricks verlorenen 30 Millionen € fast unbeachtet im mediale Dorf blieben.
Wie sehr die Strukturen der Stadt bereits in Gefahr sind wird kaum thematisiert:
Change und hin zu neuen, vielleicht auch nur umbenannten und umgefärbten Machthabern,
Wien muss Bund werden,
auch wenn ein dort gerade vorgeführt wird, wie erbittert auch hier hinter einer scheinbar konsensualen Fassade gegeneinander agiert wird.
Bemerkenswert, dass das im Post-Pröll’schen Niederösterreich ganz anders läuft!

Die SPÖ kennt das Spiel Freund-Feind-Parteifreund seit Jahrzehnten und benutzt den alten Gruß (Freundschaft) kaum mehr.
Wenn sie sich aber wie jetzt in Wien völlig von jeglichem Solidaritätsgefühl mit anderen Genossen und mit dieser Stadt entfernt wird viel mehr als nur der Wiener Krankenanstalten Verbund an die Wand gefahren und dann ist es völlig belanglos, wer zum Herrscher der rauchenden Trümmer wurde.
Traurig genug für eine einstmals große Stadtpartei , aber wirklich tragisch, weil es alle Bürger dieser Stadt mitreißt!

Was mir da noch einfällt hat nur scheinbar mit all dem nichts zu tun:
Hofer hatte im Präsidentschaftswahlkampf schon recht, dass man sich noch wundern würde, was in diesem Land alles möglich sein wird.
Es war ein Fehler zu glauben, dass sich das NUR auf die FPÖ bezieht.

 

Written by medicus58

23. März 2018 at 17:36

Eupnoe – Aponoe

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Ist es Ihnen auch schon aufgefallen, dass Arztbriefe und Befunde inzwischen die übernächste Rechtschreibreform vorwegnehmen und so missverständlich wie die Horoskope der Gratis-Zeitungen sind. Ich kann mich noch gut erinnern, als Briefe noch von dafür eingeschulten Schreibkräften erstellt werden. Auch da kam es zu bedeutungsschweren Typos:
Statt Eupnoe (=normale Atmung) stand da in einem Entlassungsbrief ganz lapidar Apnoe (=Atemstillstand)
Auch damals riefen schon beunruhigte Patienten an, wenn in ihrem Lungenröntgen „ein Hinweis auf Metastasen“ gefunden wurden, nur weil jemand vergessen kat das k vor -ein zu tippen.
Kürzlich fand ich in einer englischsprachigen Internetseite folgende Fehlerlisten in Radiologiebefunden, die von einer Spracherkennung erstellt wurden:

Da freute sich der Sportfan auf die Super bowl of the right kidney obwohl nur der oberen Nierenpol (superior pole) beschrieben werden sollte und fragte sich, was den mit der National Football League los ist, als er in seinem Befund folgende kryptische Meldung fand: NFL until joins. Die Spracherkennung hat zuletzt offenbar in einem Sportstudio gearbeitet noch nie von Interphalangeal joints gehört. Noch anrüchiger wurde es, wenn man von einem offenbar von Blähungen gequälten Arzt (Gaseous doctor reflux) lesen musste, wenn es eigentlich um die Beschreibung eines Gastroesophageal reflux ging.
Wann den die Untersuchung stattgefunden hat, war auch nicht mehr zu erkennen, wenn dort von Success exam statt 6:06 AM zu lesen war.
Im urologischen Abschlussbericht Visit to me wirken, verschweigt aber die Art des gerade durchgeführten Eingriffs: Vasectomy, also die Durchtrennung des Samenleiters, d.h. eine Sterilisation.

Während die Hersteller (und Berater) von den enormen Ersparnissen ihrer EDV Produkte schwärmen, wissen Praktiker, dass die Lösungen noch weit von Alltagstauglichkeit sind.
Eine rezente Studie fand im Schnitt 1,3 Fehler pro Diktat und
klassifizierte 14,8% davon als schwerwiegend. !
15% aller Befunde enthielten sogar mehr als einen schwerwiegenden Fehler!

Das ficht die Anbieter nicht an und sie schwärmen weiter von den enormen Einsparungen. Leider sagen sie nicht, dass man zwar die Schreibkraft einspart, in Wirklichkeit aber den Arzt stärker belastet, der die Texte noch genauer selbst überprüfen (und ggf. selbst korrigieren) muss, wenn er sich seiner Verantwortung bewusst ist.

Written by medicus58

18. März 2018 at 21:16

Das wahre Problem am Esoterik Skandal im KH Nord

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Pünktlich vor der Klausurtagung der Wiener SPÖ platzierte gestern (14.03.2018 18:31) die Krone  
Finanzdesaster KH Nord 95.000 Euro Steuergeld für „Bewusstseins-Forscher“
Wie danach auch andere Medien berichteten hat „die Projektleiterin des KH Nord“ freihändig den Auftrag erteilt, u.a. das Skandal geschüttelte Projekt „energetisch zu reinigen„.
Die Stadträtin ließ ausrichten, dass das gar nicht gehen würde und der AKH und KAV Direktor Wetzlinger „zeigte Stärke“ und suspendierte die mutmaßliche Auftraggeberin und schickt die Innenrevision aus. Selbstverständlich ist die Opposition fassungslos  und VP-Juraczka verstieg sich sogar zur Aussage:
Es ist zu prüfen, ob Esoterik auf Steuerzahlerkosten nicht im höchsten Maße strafrechtlich relevant ist

Neben dem ohnehin schon offenkundigen Chaos im besagten Projekt liegt das wahre Problem aber woanders:

Schon längst haben sich para- und unwissenschaftliche Konzepte in vielen Köpfen breit gemacht und die Politik macht mit, weil man zumindest die Stimmen der Personen nicht verlieren will, die schön längst ihren Verstand verloren haben. 

Kein Kuraufenthalt ohne Granderwasser.
Die gesetzlichen Gebietsschutz genießenden Apotheken verwenden ihn nur allzu gerne um den Kunden gewinnbringend Homöopathie , Schüssler Salze und ähnliches zu verkaufen, die im Gegensatz zur Chemie doch nicht schaden würde.
Keine Ärztekammer ohne Referat für Alternativmedizin, das sich kaum gegen all den Schwachsinn ausspricht sondern eher entsprechende Kurse (200 Stunden Theorie, 150 Stunden Praxis) anbietet.

Das Krankenhaus Hietzing betreibt eine homöopathische Ambulanz im Rahmen der Gynäkologie.

Aber das Krankenhaus Nord ist wahrlich nicht das einzige Krankenhaus, das sich mit esoterischen Schnick-Schnack schmückt:
Auch Geowave, „ein echtes Zufallsprodukt“ wie man auf der Homepage des Herstellers zugibt, soll tausende Personen medizinisch und kinesiologisch vor Reizzonen durch Wasseradern, Erdverwerfungen, Erdgitternetze, etc. geschützt haben. Der ehemalige Ärztl. Direktor des LKH Salzburg (Universitätsklinik PMU Salzburg) freute sich somit folgerichtlich über 150 GeoWave-Wellen in „seinem Spital“ installiert zu haben.

Die nuklearmedizinische Therapiestation an der Universitätsklinik Innsbruck rühmt sich nach Feng-Shui-Prinzipien gestaltet zu sein.

Das Immanuel Krankenhaus Berlin bietet Meditation, Ayurveda, TIM, TCM, TEM, Visualisation, Bodyscan, Yoga, Tai Chi, Qi Gong und kognitive Restrukturierung an.
Der Dienst für Komplementärmedizin, der im Krankenhaus von Meran als Pilotprojekt initiiert wurde, hat sich nach eigenen Angaben als sehr erfolgreich erwiesen.

Das Spannungsfeld wurde bereits in dem 2014 erschienene Buch „Komplementärmedizin im Krankenhaus“ auf den Punkt gebracht:
.Nicht erst im Zuge des anziehenden Wettbewerbs stehen Krankenhäuser vielerorts vor der Entscheidung, dem Trend zu folgen und das eigene Indikations- und Behandlungsspektrum um komplementärmedizinische Angebote zu ergänzen.

Wahrscheinlich stand hinter dem schwachsinnigen Auftrag im KH Nord die übliche Mischung aus Halbwissen und Freunderwirtschaft und als Begleitmusik zur beabsichtigten Elimination der Gesundheitsstadträtin kam das G’schichtl gelegen.
Vermutlich wollte man nur eine billige Methode finden, die Störfelder der nahen Schnellbahn von den Magnetresonanz-Tomografen fern zu halten … (end of sarcasm)

Das wirkliche Problem ist, dass nicht nur in der Politik Fake News Einzug gehalten haben und sich niemand
diesem Gemenge aus „man weiß ja nie„, „nutzt nix, dann schad’s nix“ und dem tiefen Misstrauen an die Wissenschaft, die man halt nicht ohne gewisse Vorbildung verstehen kann, entgegenstellt.

Ich nehme jede Wette an, dass, wäre die Sache jetzt nicht aufgeflogen, man auch aus so manchem Politiker Mund bei der Eröffnung stolz gehört hätte, dass hier Spitzenmedizin ermöglicht wurde, man aber auch ganz besonders darauf geachtet hat, dass für ein positives energetisches Umfeld gesorgt wurde, die die Heilung begünstigt.

Link: Die schräge Welt des Spital-„Energiereinigers“

Written by medicus58

15. März 2018 at 21:27

Föderalismus und Kammern, das unselige Pärchen Teil 2 oder deren Selbsthilfe

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Im Dezember des Vorjahres habe ich unter Föderalismus und Kammern, das unselige Pärchen schrieb ich hier (fast prophetisch angesichts aktueller Ereignisse):
Höchstwahrscheinlich wird bei Basti & Bumsti nur wieder eine Umfärbung der Machtstrukturenrauskommen, weil sich sonst beide innerhalb ihrer Parteien nicht lange halten werden, aber der scheinbar versuchte Anschlag auf das nach dem Almdudler-Logo beliebteste österreichische Trachtenpärchen, Föderalismus und Kammerstaat, hätte das Zeug zu wirklicher Veränderung. 

Während inzwischen die Umfärbungen auch schon beim Koalitionspartner (Stichwort BVT) angekommen sind, kämpfen die Föderalisten weiterhin ungeniert um den Machterhalt in ihren Pfründen. Kaum irgendein halbwegs volkswirtschaftlich und gesundheitsökonomisch denkender Mensch bezweifelt, dass die Aufsplitterung der Kräfte (Player und Finanziers) im österr. Gesundheitssystems einen der größten Ressourcenfresser darstellt, der einerseits verhindert, dass das nicht unbeträchtliche Geld, das ins System fließt nicht „an der Front“, bei den Patienten und ihren Behandlern, ankommt und eine Zusammenführung von Budgetzuteilung und Verantwortung in einer Hand nicht Not täte.

Trotzdem bildete sich in Oberösterreich erneut eine Allianz zwischen OÖ-Gebietskrankenkasse und OÖ-Ärztekammer, sowie dem OÖ Dachverband der Selbsthilfegruppen (!), um sich medienwirskam gegen die geplanten Zusammenlegungen der neun Gebietskrankenkassen auszusprechen.
Ja zur OÖGKK! wurde seit Jahresbeginn von mehr als 74.000 Menschen unterzeichnet!
Nix gegen das ebenfalls von Ärztekammern mit initiierte Don’t smoke  aber genug, um es an die zuständige Ministerin zu übergeben. 

Da schwadroniert der Kassen-Obmann von einer „Entmündigung der Versicherten“, wenn sein Posten gefährdet wird, und vergleicht das Vorhaben drastisch mit: „Das wäre, wie wenn man bei einem gesunden Menschen eine Herz-OP durchführt“.

Da warnt der Stv. Kammer-Obmann, der befürchtet das Machtinstrument der Honorarverhandlung zu verlieren, dass eine Zentralisierung der Kassen „jeden Anreiz erstickt, das Gesundheitssystem im Sinne der Patienten weiter zu denken – und zwar auf einen Schlag für ganz Österreich“

Weshalb sich das Selbsthilfegruppen instrumentalisieren lassen, die es doch besser wissen sollten, dass der POAtient Gesundheitssystem weder kardial noch sonst so gesund ist, kann ich mir nicht erklären, es sei denn sie sind auf das in den OÖN (Ausgabe 13.3.)  genannte Argument reingefallen: Im Falle einer Zusammenlegung würden große Teile des Budgets nach Wien abfließen.
Oder wie es auf der Plattform der Organisatoren heißt:
Hände weg von meiner OÖGKK! Hände weg von den Rücklagen und Beiträgen der OÖGKK-Versicherten.
Die Politik will eine Zerschlagung der Krankenkassen und eine Zentralisierung in Wien.

PR-technisch
gut gemacht wird die Nachricht sowohl in der Marginalspalte von OÖ Heute als auch – natürlich gleich einmal mit markigen Balken – im OÖ Österreich verstärkt:
Zehntausende erheben ihre Stimme
Klares »Nein« zur Fusion der Krankenkassen
Zehntausende Versicherte und Patienten, aber auch Ärzte, Therapeuten und Unternehmen erheben ihre
Stimme zur Kassenfusion.
Das verdient Gehör.

Morgen geifert die Presse dann wieder angesichts endloser Wartezeiten, herumirrender Patienten und einem undurchsichtigen Kompetenz-Dschungel über die fehlende Koordinierung.

Vielleicht sollten wir uns einmal mit der Selbsthilfe im Österreichischen Gesundheitssystem näher befassen?!

Der aktuelle Obmann von Selbsthilfe OÖ ist übrigens lt CV aus 2005 und Wikipedia:
seit November 1990 Mitarbeiter der OÖ  Gebietskrankenkasse
wo er an der Organisationsanalyse und -entwicklungskonzept Gebietskrankenkasse 2000 mitarbeitete und
seit 1995 Stellvertretender Direktor der OÖ Gebietskrankenkasse-
Ab 1998 fungierte er als Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Gesundheitswissenschaften und Public Health und als Vizepräsident des Instituts für Gesundheitsplanung.
Seit 2006 Vorstandsvorsitzender der Selbsthilfe Oberösterreich – Dachverband der Selbsthilfegruppen im Gesundheitswesen.
2011 hat er im Mabuse Verlag (Sic) für ein solidarisches Gesundheitssystem ein Buch mit dem Titel Selbsthilfe im Wandel der Zeit herausgegeben.

Ob die betroffenen PatientInnen, der OÖ Selbsthilfeverband vertritt nach eigenen Angaben derzeit zirka 400 Selbsthilfegruppen in OÖ, zu Ihrer Instrumentalisierung für den Machterhalt von Gebietskrankenkasse und Landesärztekammer jemals befragt wurden? Und weshalb thematisiert kein Journalist, dass die Selbsthilfe OÖ neben dem Land Oberösterreich, dem Magistrat der Stadt Linz auch von der Oberösterreichischen Gebietskrankenkasse finanziell unterstützt wird ….

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