Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Archive for Dezember 2016

Widerstand hilft vielleicht doch

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pfeiferl

Wenn die Verantwortlichen etwas was von ihren Beratern gelernt haben, dann dass sich nahezu alles einfach aussitzen lässt.
Die „Donnerstags-Demos“ gegen die Blau-Schwarze Regierung wurden einfach zur Politfolklore, indem sie scheinbar negiert und zugelassen wurden.

Keinen Menschen scheint der Widerspruch mehr zu stören, dass die Grünen den Sieg ihres unabhängigen Kandidaten als Waffe gegen die eigenen Kritiker anwenden.

Was in Wien auch immer an Skandalen passiert, die PR-Walze der Stadt macht es scheinbar ungeschehen.
Berichtete am 12.12. eine Zeitung, dass ein Kind mit Blinddarmdurchbruch im Donauspital 7 stunden auf die Operation warten musste
(http://www.oe24.at/oesterreich/chronik/Bub-in-Lebensgefahr-7-Stunden-auf-OP-gewartet/261925232) wurden  wenige Tage später die Medien mit einer medizinischen Erfolgsstory, über einen Badeunfall im letzten Sommer (!!!) gefüttert
(http://wien.orf.at/news/stories/2815331/).

In dem Sommer übrigens, in dem die KAV Ärzte entgegen aller Drohungen erstmals gegen die laufenden Personaleinsparungen streikten und jetzt wohl nur die wenigstens sagen könnten, welche der damaligen Forderungen erfüllt, welche der Personalstreichungen nun endgültig weg wären.

Das alles kann einen schon in die innere Immigration treiben.
Jeden Widerstand aufgeben lassen und sich als gefügiges Schaf zum Schafott treiben lassen.

Aber, wir wollen doch zum Jahreswechsel optimistisch bleiben.
Nicht jeder Widerstand war zwecklos.

Gegen die in Wehselys Spitalskonzept vorgesehene Elimination der augenärztlichen Versorgung in ganz Transdanubien, leistete eine Donaustädterin Widerstand und sammelte Unterschriften. Ende November schien es noch so, als ob auch diese Initiative ausgesessen werden würde (https://kurier.at/chronik/wien/16-000-unterschriften-gegen-verlegung-der-augenklinik/233.322.157).

Noch im November dampfwalzte der Wr. SPÖ Gemeinderat Kurt Wagner jeden Widerstand in bewährt subtiler und sachlicher Weise nieder: „Spitalskonzept 2030 wird wunderbar und leiwand sein“
(http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20161125_OTS0164/wr-gemeinderat-kurt-wagner-spoe-sieben-hochwertige-standorte-spitalskonzept-2030-wird-wunderbar-und-leiwand-sein),
nun hat sich aber die Initiative durchgesetzt und es gilt als beschlossen, dass das Donauspital eine Augenärztliche Ambulanz behalten wird. Über die Beibehaltung eines fachärztlichen Nachtdienstes, der für viele andere Abteilungen (Unfall, Neonatologie, …) die Konsile sicher stellt, ist man plötzlich auch wieder gesprächsbereit.

Natürlich kann man einwenden, dass das Spitalskonzept mit dem KH Nord Desaster ohnehin schon längst zu Grabe getragen wurde und man somit leicht Detailerfolge erzielen kann, aber, da sie das aus der Stadt Wien ode KAV Pressestelle nicht erfahren können, sei es hier vermerkt:

Widerstand gegen die Demontage des Wiener Gsundheitssystems ist möglich und erfolgreich.

 

 

Written by medicus58

29. Dezember 2016 at 13:36

Was noch zu den Feiertagen zu sagen bliebe

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Ente gut – alles gut

Written by medicus58

26. Dezember 2016 at 17:53

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Jahresrückblick a la Cochrane

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Written by medicus58

25. Dezember 2016 at 23:58

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Schau dir „John Lennon & Yoko Ono: WAR IS OVER! (If You Want It)“ auf YouTube an

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Written by medicus58

24. Dezember 2016 at 18:42

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Erschreckend lesenswert:

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Der Herausgeber des Handelsblatts findet Worte zur Ohnmacht …

http://morningbriefingmail.handelsblatt.com/i/WwYmb8Yty-5GR5FJyElKoBD9oXfHZq9L

Written by medicus58

21. Dezember 2016 at 08:50

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Terror Macht Ohnmacht

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draht

Wer schon in den 70ern aufgewachsen ist, für den war schon damals der Terrorismus ein ständiger Begleiter.

Natürlich starben schon damals mehr Menschen an den Folgen von Über- und Unterernährung, Krebs, Arbeits- und Verkehrsunfällen als an den Anschlägen von IRA, Brigada rossa et al., jedoch gab es einen wesentlichen Unterschied zum Terror unserer Tage.

So politisch kontraproduktiv und unmenschlich, psychisch krank und sinnlos viele der damaligen Anschläge waren, richteten sie sich meist gegen Repräsentanten oder Beschützer der Macht. Wenn sich heute irgenwelche politisch oder religiös Indokrinierte in Fetzen sprengen, selbsternannte Heilskundige bis sie im Kugelhagel selbst sterben  ihre LKWs durch die Menschenmengen lenken oder aus noch unbekannten Beweggründen Adventmärkte plattwalzen, dann mordet der ohnmächtige Zorn die Ohnmächtigen.

Der islamistische Terror ermordet Muslime, die Unterschichtler teilen ihre Gräber mit ihresgleichen, die Mächtigen haben den öffentlichen Raum nicht notwendig, sie sind kaum gefährdet.

Seit der gesellschaftliche Diskurs durch religiösen und politischen Fanatismus ersetzt wurde, ist er zum stabilisierendsten Faktor für die Macht geworden.

In den USA wurde der Kampf gegen den Terror zur kapitalistischen Erfolgsformel und führte zu Großkonzernen (z.B. Blackwater).

Der heutige Terrorismus hinterfragt nicht einmal mehr die Machtstrukturen an sich, sondern möchte nur mehr die Mächtigen austauschen. Damit ist er nicht politisch sondern in seinem Kern Religion und antiaufklärerisch.

Am Ende aller Religionskämpfe steht wieder eine Kirche, halt mit anderen Idolen.

Vielleicht rächt es sich, dass wir seit Jahrzehnten politische Ideologien negieren bzw. medial unterdrücken, weil sie angeblich überholt wären, in Wirklichkeit weil man sich ihren Argumenten so einfach entziehen will. Wir bekamen die ungelösten Probleme als fundamentalistisch religiöses Zerrbild zurück.
Wenn sich die Macht durch diesen Terror gegen die Ohnmächtigen immunisieren wollten, wäre das die genialste Strategie seit der Gegenreformation.

Written by medicus58

20. Dezember 2016 at 17:48

Studiosusreisen: Herr Lehrer, ich muss mal

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afrika

Sich weit weg zu bewegen war früher synonym mit Abenteuer und Mut des Reisenden.
Es dauerte lange, bis man endlich am Ziel war, war sich nie so ganz sicher,
wer einem da gegenüber stand (Dr. Livingstone, I presume„) und musste sich den Inhalt seiner späteren Erzählungen mühsam erkämpfen.

Als Maureen und Tony Wheeler dann 1973 ihre Reiseerlebnisse in Südost-Asien sozusagen zum Nachmachen veröffentlichten und damit die Travel Survival Packs des Lonely Planet Verlages erfanden,
wurden individuelle Fernreisen fast zum Kinderspiel.
OK, Ihr alte Werbespruch, wer es schafft seinen Rucksack vom Förderband des Flughafens zu hieven, kann mit ihren Reiseführern überall hin fahren, mag etwas übertrieben gewesen sein,
aber als ich 1984 versuchte auf eigene Faust durch Indien zu trampen, realisierte ich bald,  dass der Große Polyglott kaum zu einem preiswerten Hotel brachte und ich begann jede Gelegenheit zu nützen,
bei anderen Backpackern einen Blick in den drei Jahre vorher veröffentlichten LP India zu werfen …
Ihre besten Zeiten haben die LP-Guides längst vorbei, bzw. haben andere Verlage das Konzept übernommen oft verbessert.

Auch lassen sich Bücher, die in einer Gesamtauflage von über 55 Millionen Exemplaren erscheinen, nicht mehr so erfrischend frei von der Leber weg schreiben, wie in der Anfangszeit.
Unvergessen bleibt für mich das Vorwort zu einem LP China der späten 80-er Jahre, in dem der Autor meinte, dass er – sich eingeschlossen – viele Reisende kennt, die zu dieser Zeit einen Individualtrip durch die VR China als sehr interessant empfanden,
aber niemandem, der ihn als uneingeschränkt schön bezeichnete. Die, die damals von einer China-Reise nur begeistert waren, haben das Land mit einem westlichen Reisebüro bereist.

Das bringt uns zum wirklichen Thema: Der organisierten Studienreise 

Das Urgestein aus deutschen Landen ist hier Studiosus Reisen.

Eine eingeschworene Gruppe prä- und postpensionärer Lehrer wird (meist von einem Expat) in wenigen Tagen durch exotische Gefilde gehordet,
zur Völkerverständigung in die Häuser immer der selben Bauernfamilie geführt und mit einer Mischung an persönlicher Meinung und Lehrplan gefüttert.
Beim abendlichen Dinner bewundert man pflichtschuldig die von seinen Mitreisenden bereits „absolvierten“ Destinationen, klarerweise mit Studiosus und erfährt vom unerträglichen Wackelkontakt der Nachttischlampe im Hotelzimmer.

Reiseleiter und Busfahrer kennen sämtliche öffentlich zugängliche Toiletten des Landes und versäumen es auch nicht vor und nach jeder neuen Etappe auf diese Möglichkeit hinzuweisen.
Im Hinblick auf das Durchschnittsalter der Gruppe ist diese Fürsorglichkeit nicht grundlos, wenn auch bisweilen etwas Befremdlich.

Studienreisen sind letztendlich eine Regression auf die Klassenfahrten der eigenen Schulzeit, als diese noch nicht Sprachreisen in andere europäische Länder waren, sondern noch bestenfalls Wanderungen durch das noch nicht restaurierte Carnuntum.
Keine Rede davon, dass man sich auf irgendetwas in der Art der früheren Forschungsreisen von Wissenschaftlern oder bildenden Künstlern begibt, der heutige Kulturtourismus ist eine mehr oder weniger wohlorganisiertes Abenteuer auf Vorbestellung (https://medicus58.wordpress.com/2016/11/02/abenteuer-auf-vorbestellung/ ).
Die Zeiten, wo man einfach mal so weg war (http://wp.me/p1kfuX-19z) sind vorbei, eine Fahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln durch Wien, heute oft exotischer als eine organisierte Durchquerung Tibets.

Hat mir die Reise mit Studiosus damals gefallen? Ja, schon.
Werde ich nochmals eine organisierte Gruppenreise buchen? Wenn es sich vermeiden lässt, nein.

PS: Das Foto entstand NICHT im Rahmen einer Studiosusreise …

Written by medicus58

18. Dezember 2016 at 14:42

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Ständig online

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Gestern hörte ich in einem Ö1 Beitrag über die Gefahren des Cybermobbings:

Für die 10-14-Jährigen ist es heute völlig normal ständig online zu sein.

OK, die ständige Rufbereitschaft (für alle im Dienst und alle Allgemeinmediziner ohne Ärztefunk) ist ja für uns Ärzte nix Besonderes, und zunehmend treten unsere Patienten auch rund um die Uhr mit uns per Mail in Kontakt….

Wir wissen es also schon, der Rest der Menscheit sollte es aber spätestens nach Edward Snowden realisiert haben:

In einer sinngemäßen Übersetzung heisst online sein: an der Leine sein

Written by medicus58

16. Dezember 2016 at 08:02

Veröffentlicht in Was im Alltag so alles nervt

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Punsching Ball

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punsch

Vor vier Jahren fanden sich hier noch weihnachtliche Impressionen aus Paris: Ein wenig Weihnachtsmarkt und ein etwas deplazierter Löwe
https://medicus58.wordpress.com/2012/12/02/paris-2012-ein-wenig-weihnachtsmarkt-und-ein-etwas-deplazierter-lowe/
Seither ist viel in Paris passiert. Heuer blieb ich im Lande und knipste im Wiener Museumsquartier, Bratapfelpunsch statt Champagner ….

Paris mag seine Qualitäten haben, aber so richtig ohne schlechtes Gewissen saufen können Sie halt nur in Wien!

Der Urlaubshamster hat übrigens einen nicht uninteressanten Preis-Check auf den unzähligen Alkohol-Tankstellen der Stadt gemacht:
http://www.urlaubshamster.at/christkindlmarkt-wien/

Am günstigsten kommen Sie zu Ihrer Alkohol-Leber im Türkenschanzpark,  im Alten AKH gibt es die teuersten Ofenerdäpfel.
https://kurier.at/genuss/wien-christkindlmarkt-preisvergleich-wo-es-den-billigsten-punsch-am-christkindlmarkt-gibt/233.265.060

Um sich mit gutem Gewissen besinnungslos zu saufen, wenden Sie sich an die zahllosen karitativen Organisationen, von der Ute Bock bis zur Gruft.
Wenn Sie den Mahü Marathon durchstehen, haben Sie den Iron-Advent-Man geschafft und morgen hat Ihr Hausarzt ja wieder offen, um Sie in den Krankenstand zu schicken …

Ja, und für die meisten von uns ist das auch die einzige Zeit im Jahr, um zu wissen, was der Lion’s Club so treibt …

Und bald beginnt ohnehin die richtige Ball Saison, da ist der Alk so teuer, dass die Leber aufatmen kann.

Written by medicus58

14. Dezember 2016 at 18:31

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Warum sowohl Ärztestreik als auch „Gesundheitsreform“ scheitern müssen

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Wir haben genug Ideen aber zu viel Angst vor Veränderung, zu wenig Koordination und keine Geduld.
Morgen streiken (in ein paar Bundesländern) die Niedergelassenen und die Spitäler tun so als wär nix. Als in Wien die angestellten Ärzte auf die Straße gingen, war die Unterstützung des  ÖÄK Präsidenten Wechselberger, ein niedergelassener Kollege, ziemlich lauwarm. Jetzt, wo (mittels des Schlagwortes PHC) das einzige Machtmittel der Kammer, das Recht Kassenverträge zu verhandeln, politisch ausgehebelt werden soll, wird scharf geschossen. Aber nur aus den Ordinationen und nicht aus den Ambulanzen.

Fast hat man aber den Eindruck, dass diese fehlende Koordination zwischen angestellten und niedergelassenen Ärzte Absicht ist: Selbst wenn der eigene Kahn sturmfrei geschossen und dem Untergang geweiht ist, werden absichtlich nur Schreckschüsse vor den Bug des Systems abgegeben. So sehr hat man die Asozialpartnerschaft verinnerlicht, dass man nur grad so viel Muskelspiel macht, um das Schlimmste abzuwenden.  Was weiß man denn wo man selbst nach einer wirklichen Systemänderung bliebe. 

Angst vor Koordination? 

Deshalb lieber getrennt raunzen als gemeinsam was riskieren. 

Ja und die Gesundheitsreform?  

Hinter den geschlossenen Türen des Finanzausgleichs (15a) wird seit Jahren ebenfalls unkoordiniert hin und her taktiert, ohne dass es zu einer substantiellen Macht- oder Geldverschiebung kommen darf. 

Natürlich will die Politik den freien Beruf des Arztes und seine Vertretung schwächen, aber ohne Alternativen und halt nur durch die scheinbare Erfindung von Zusätzlichem ohne Geld für das Bestehende:

PHCs statt Kassenambulatorien, Rettungswagen an den Krankenhäusern statt funktionierendes Rettungswesen, Telefon-Hotline statt Hausarzt, Aufnahmestationen statt Fachstationen, akademisierte Pflege statt Ärzte, Hebammen statt pränatales Risikoassessment, Auslagerung statt öffentliche Versorgung ….

Und das absurde daran ist, dass das alles theoretisch auch funktionieren könnte! 

Man kann fachärztliche Nachtdienste einsparen, wenn die Erstversorgung klappt. Nur muss ich die Ärzte mit der entsprechenden Kompetenz heranbilden.

Eine gut ausgebildete Pflege kann viele Krankheitsbilder richtig einschätzen,  nur arbeiten noch immer viele in dem Bereich, die ihr „Handwerk“ in der Schwesternschule gelernt haben.

Eine verständnisvolle, erfahrene Hebamme ist für die unkomplizierte Geburt besser als die hektische Uniklinik, solange im HHintergrund ein Backup besteht, sonst finden wir uns im Mittelalter wieder.

Selbstverständlich soll man die Studiencurricula und die Ärzteausbildung an geänderte Rahmenbedingungen anpassen, aber nicht alle paar Jahre. Nicht jeder Sektionschef, nicht jeder Kammerfunktionär soll sich alle paar Jahre ein Denkmal setzen und glauben, dass sich durch eine Gesetzesänderung sogleich der Alltag ändert.

Wenn Sie mich auf die Palme bringen wollen und riskieren mit Kokosnüssen beworfen zu werden, erklären Sie mir „dass man das heute SO nicht mehr tut“.

Jeder Installateur sagt das über die Armaturen,  die man vor fünf Jahren von ihm gekauft hat. Jeder Elektriker lächelt heute über den Querschnitt der Leitungen, die er noch gestern verlegt hat.

Ja, es ändert sich alles, aber bei weitem nicht so rasch wie uns das vorgegaukelt wird.

Drum dreht sich unser Schulsystem, unser Bildungssystem, ja unser Gesellschaftsystem in hektischem Stillstand auf der Stelle.  

Angst vor echter Veränderung.

Mangelnde Koordination verschiedener Änderungen. 

Negation, dass träge Systeme nicht durch eine Verordnung alleine die Menschen hervorbringen, die das neue Konzept erfüllen können. 

Die Stalinisten mussten dies schmerzlich erkennen, uns wird das früher oder später auch noch klar werden.

Written by medicus58

13. Dezember 2016 at 19:03

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