Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Archive for März 2013

Nicht jeder hat eine Osterkatze

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Felix Osterkatze
Frohes Fest 😉

Written by medicus58

30. März 2013 at 13:02

Veröffentlicht in Allgemein

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Alle Feiertage für alle, eh kloar

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moschee

Wie immer, wenn in Deutschland was diskutiert wird, augenblicklich diemuslimische Forderung ihre religiösen Festtage zu staatlichen Feiertagen zu machen (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/zentralrat-der-muslime-fordert-gesetzliche-islamische-feiertage-a-891385.html ), hecheln wir in Österreich nach und IGGiÖ-Präsident Sanac, der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft will das auch.
Im Standard argumentiert man gewohnt liberal Pro (http://derstandard.at/1363706509969/Pro-Arbeitsfreie-Feiertage-Vier-Tage-die-allen-guttun ) und Contra (http://derstandard.at/1363706510423/Kontra-arbeitsfreie-Feiertage-Freier-Tag-statt-Feiertag ), in der Presse, gewohnt wirtschaftstreu dagegen:

Eigene Feiertage für Muslime, Juden? Gute Idee – aber nicht machbar
http://diepresse.com/home/meinung/marginalien/1382546/Eigene-Feiertage-fuer-Muslime-Juden-Gute-Idee-aber-nicht-machbar

Warum eigentlich? Ich, als Agnostiker hätte einen anderen Vorschlag:

In allen Staaten, in denen mehrere Religionen nebeneinander leben (z.B. Israel) spielt sich das (vor allem) bürokratische Leben nur von Mo – Do ab. Am Freitag versammeln sich die Muslime in ihren Moscheen,
den Sabath verbringen gläubige Juden mit dem Gebet, wenn sie nicht gerade diejenigen anpöbeln, die an diesem Tag ihr Geschäft öffnen, und
der Sonntag ist in dieser Welt ohnehin immer Ruhetag, für Christen und den Rest …

Wenn wir also neben dem 1. Jänner auch noch den (allerdings wechselnden) Neujahrstag der Russisch-OrthodoxenChinesen,Kurden und was weiß ich noch feiern und mit der gleichen Logik auch alle anderen ReformationstageRevolutionstageFastenzeiten, und alle anderen Ramasuris feiern, kommt das Leben völlig zum erliegen,
Krankenhäuser sperren aus Personalmangel, die Feuerwehr lässt es einfach brennen und der motorisierte öffentliche Verkehr bekommt eine vorbildliche CO2-Bilanz und Frau Vassilakou triumphiert.

Spaß beiseite: Ich bin für eine,
dem Status quo entsprechende Anzahl an Feiertagen
für alle Ungläubigen und Gläubigen, wobei die einzelnen Gruppen diese Anzahl beliebig auf ihre HeiligenRevolutionäre und Jahrestageaufteilen können, aber eben an den Feiertagen der anderen brav zur Arbeit schreiten
müssen.

Dann hätte eine pluralistische Gesellschaft endlich einen greifbaren Vorteil ihrer Pluralität und alle Schichten der Gesellschaft würden erfahren, was für einige Berufsgruppen Alltag ist: Arbeiten, wenn ie anderen feiern.

Written by medicus58

29. März 2013 at 22:40

Die Diskussion über Ärztemangel nervt

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Arztjobs

Wie schon vor zwei Jahren hier unter Ärzteschwemme-Ärztemangel, aber geh … alles eine Tochter der Zeit festgehalten, hängt es vom eigenen Standpunkt ab, welche Meinung man absondert …  

Wenn Rektoren (http://wp.me/p1kfuX-Q) oder Politiker sich mit einer Gesundheitsuniversität schmücken wollen, sind sie plötzlich vom Ärztemangel überzeugt (Med-Unis: Neue Spielwiese der Provinzpolitiker? http://wp.me/p1kfuX-l5).

Gesundheitsökonomen, die letzlich vom Versprechen leben, man könne sich mit ihren Ratschlägen so viel einsparen, dass das Geld für ihre Expertisen im Vergleich dazu vernachzulässigen ist, können gar nicht anders als eine zahlenmäßige Einsparung von Ärzten zu empfehlen:

Als die am höchsten qualifizierte und daher auch am höchten bezahlte Berufsgruppe im Gesundheitssystem trifft ihr Bannstrahl naturgemäß den Facharzt.

Darüber hinaus verursacht ein diagnostizierender und therapeutisierender Arzt weitere Kosten, spart man ihn ein, hat man akut einen Dreifachnutzen:

Kein Arztgehalt
Keine Diagnosekosten
Keine Therapiekosten

an Langzeitkosten, Opportunitätskosten und dergl. denkt in unserer kurzlebigen Zeit ohnehin niemand.

Wird irgendein Fall der Rationalisierung und/oder Rationierung bekannt (Nun gibt die Politik die Potemkinschen Spitäler langsam zu, schiebt aber Verantwortung auf Ärzte http://wp.me/p1kfuX-Br) kommt sofort das Politikerdementi, dass weiterhin das Beste für alle gerade gut genug wäre  (http://diepresse.com/home/panorama/oesterreich/1378817/Quote-fuer-teure-Hueftgelenke-OOe-Spitaeler-dementieren).

Aber  gibt es denn eine klare Antwort darauf, ob wir nun genügend oder zu wenig Ärzte haben?

Für alle Marktfetischisten sollte eigentlich genau dieser Markt die Antwort auf die Frage geben, ob nun zu viele oder zu wenige Ärzte zur Verfügung stehen.

Schau’n Sie sich einfach einmal eine Ärztezeitung von vor 10 Jahren und jetzt an und zählen Sie die Anzahl der in- und ausländischen Inserate wo fertig ausgebildete, aber auch Turnusärzte gesucht werden. 

Schaun Sie sich die diversen Jobbörsen im Internet an und stellen sie die Anzahl der Inserate in Relation zur Gesamtzahl der Ärzte in Österreich (http://www.statistik.at/web_de/statistiken/gesundheit/gesundheitsversorgung/personal_im_gesundheitswesen/022350.html)

Und dann fragen Sie einmal ein paar Ärzte, was die so in ihren Briefkästen finden:

In meinem Fall z.B. das Angebot des Springerverlages in den hauseigenen wissenschaftlichen Zeitschriften aktiv nach Ärzten für Onkologie und Radioonkologie zu suchen, um die offenen Stellen endlich besetzen zu können:
Stellenanzeige Ärzte RADONK
… dass ich weder Radioonkologie noch Onkologe im eigentlichen Sinn bin, sei nur der Vollständigkeit erwähnt. Da ich aber bisweilen auch in dieen Fächern publiziert habe, habe ich es auf dem Verteiler geschafft.

Written by medicus58

22. März 2013 at 17:03

Nun gibt die Politik die Potemkinschen Spitäler langsam zu, schiebt aber Verantwortung auf Ärzte

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HOSPITAL
Was hier vor über einem halben Jahr bereits besprochen wurde (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=75056), das Potemkinsche Spital, das im ÖSG 2012 (Öster. Strukturplan Gesundheit) unter dem Titel „reduzierte Organisationsformen“ vorausgeplant wurde, beginnt nun die Politik in die Tat umzusetzen.

Die OÖ Nachrichten berichten unter 
Drohender Ärztemangel: Spitals-Nachtdienst wird flexibler (http://www.nachrichten.at/nachrichten/politik/aerzte/Drohender-Aerztemangel-Spitals-Nachtdienst-wird-flexibler;art115742,883659
davon, dass es statt der bisherigen „starrer“ Anwesenheitspflicht von Abteilungs-Fachärzten in Nacht- und Wochenenddiensten es eine gesetzliche „Mindestanwesenheit“ in medizinischen Kernfächern geben. Welche Ärzte zusätzlich anwesend sein müssen, wird die ärztliche Leitung zu entscheiden haben.

Erstens kann sich z.B. ein Patient mit Gesichtsverletzung nicht mehr ganz sicher sein, dass es – obwohl am Spitalseingang eine Augenabteilung angekündigt wird – auch einen Facharzt gibt, der sein verletztes Auge fachmännisch versorgt,
zweitens wird die Verantwortung wie selbstverständlich an die ärtliche Direktion bzw. die Abteilungsleiter delegiert.

D.h. die Politik hat nichteinmal die cochones einfach festzulegen, dass es in der Augenabteilung vielleicht nur mehr einen stundenweise vorbeischauenden Facharzt für Augenheilkunde geben wird, weil es weder Geld noch Ärzte gibt, sondern überläßt die heiße Kartoffel „der Front“. 

Landeshauptmann Pühringer formuliert das einfach so: 

Pühringer: „Wir vollziehen nur eins zu eins das bereits gültige Bundes-Krankenanstaltengesetz nach“. 

Wer weiß denn, dass er selbst wie wild dafür lobbyiert hat, sich das vom Bund so vorschreiben zu lassen.

Der aktuelle Gastkommentar Krenmayrs in der Presse umschreibt den Wandel des ärztlichen Berufes nicht ganz zuunrecht so:

Ich wäre nicht mehr Anwalt der Gesundheit meiner Patienten, sondern ein Gesundheitssachverständiger, der dem Patienten im Krankheitsfall mitteilt, was der Staat für ihn vorgesehen hat. Das Ergebnis kann, ja muss mir egal sein, verantwortlich wäre ich ja der Politik und der Kasse, die exklusiv meine Arbeitsbedingungen bestimmen. Ob ein weisungsgebundener, von der Politik bestellter Beamter („Patientenanwalt“) ein ausreichender Ersatz für einen unabhängigen Arzt sein wird?

Written by medicus58

21. März 2013 at 17:45

14 Zebras revisited

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Zebra
Wir haben hier schon in Lektion 4 Wie denkt der Arzt, wenn er denkt? Daumenregeln (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=87243) einen der beliebtesten Kalauer der „klinischen Eselsbrücken“ zitiert:

If you hear hoofbeats, think of horses not of zebras.
(Wenn Du Pferdegetrappel hörst, denke (in Europa) zuerst an Pferde und nicht an Zebras)

Diese Regel richtet sich vorzugsweise an Medizinstudenten, die „angestrebert“ mit allerlei ungeordnetem Faktenwissen sehr häufig zuerst an das Spektakuläre denken und darauf vergessen, dass die Vortestwahrscheinlichkeit für so eine spektakuläre Lösung sehr gering ist.

Trotzdem gibt es natürlich auch diese seltenen Diagnosen/Krankheiten und im Gegensatz. zum hier kürzlich kritisierten Zugang, bereits am Anfang des Diagnosegangen sich auf Basis einiger Symptome Differentialdiagnosen vorschlagen zu lassen: 
13 Symptoma – Symptom für eine falsche Entwicklung der Medizin (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=88871)

Kann dieser Zugang nach einem bislang frustranen Diagnosegang durchaus hilfreich sein: FIND ZEBRA http://arxiv.org/abs/1303.3229 

Auf ORF Science wird in deutscher Sprache erklärt, wie hier dänische Wissenschaftler einen zu Dr. Google alternativen Suchalgorithmus für „orphan diseases“ entwickelt haben, weil „was definitionsgemäß selten ist, lässt sich mittels Linkpopularität nur unzureichend erfassen“.
http://science.orf.at/stories/1714649/

Zum Ausprobieren (in englischer Sprache), hier die Homepage:
http://rarediseases.imm.dtu.dk/FindZebra/default/index 
und zum Nachlesen auch, wobei einige Einträge hier nicht ganz den Definitionen entsprechen, was aber auch daran liegt, dass die Prävalenz (Häufigkeit) mancher Erkrankungen regional stark schwankt: 
http://www.hon.ch/HONselect/RareDiseases/index_de.html 

Ein kurzer eigener Test mit:
cough, muscle weakness, double vision

bringt wirklich an erster Stelle das Lambert-Eaton Syndrom an das ich bei meinem Test gedacht habe
http://de.wikipedia.org/wiki/Lambert-Eaton-Rooke-Syndrom

Respekt!

aber auch anderes spuckt die Suchmaschine aus:

Idiopathic intracranial hypertension
Myasthenia gravis
Pseudotumor Cerebri
Centronuclear myopathy
Myasthenia Gravis
Chronic progressive external ophthalmoplegia
Lambert-Eaton Myasthenic Syndrome
Progressive Supranuclear Palsy
SMA
Myopathy, Tubular Aggregate
Myasthenia Gravis
Machado-Joseph Disease
Muscular Dystrophy, Oculopharyngeal
Becker Muscular Dystrophy (BMD)
Charcot-Marie-Tooth Disease, Axonal, Type 2J
Spinal muscular atrophy
Glycogen storage disease type II
Sandhoff disease20 Polymyositis

Auch deshalb warnen die Autoren, dass diese Suchmaschine nicht für Laien gedacht war … 
die Möglichkeiten seine Hypochondrie zu perfektionieren sind nämlich hoch …

Written by medicus58

20. März 2013 at 17:22

Kann mir das irgendwer erklären?

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Arzt

10.11.2012 Gesundheitsminister Stöger reicht’s. Er hat die Kritik der Ärztekammer an der Gesundheitsreform satt. 
http://diepresse.com/home/politik/innenpolitik/1311147/Gesundheitsreform_Stoeger-ueber-Aerztekammer-empoert

11.12.2012 Stöger: Historische Einigung zur Gesundheitsreform 2012
http://www.springermedizin.at/artikel/32175-stoeger-historische-einigung-zur-gesundheitsreform-2012 

17. 3. 2013 Gesundheitsreform: Rechnungshof kritisiert Stöger-Entwurf
Kompetenzen bleiben zersplittert – Kostendämpfungen „nicht schlüssig nachvollziehbar“
http://derstandard.at/1363239278399/Gesundheitsreform-Rechnungshof-kritisiert-Stoeger-Entwurf 

17. 3.2012 Heftige Kritik übt der Rechnungshof am Gesetzesentwurf von Minister Alois Stöger (SPÖ) für die Gesundheitsreform
http://www.wienerzeitung.at/nachrichten/oesterreich/politik/531981_Rechnungshof-kritisiert-Entwurf.html

Da dealen der Hauptverband, ein paar Gesundheitspolitker der Bundesländer und das Bundesministerium unter Ausschluß der Ärzte ein „Jahrhundertwerk“ aus und ehe das überhaupt in der politischen Realität ankommt, liegt schon ein Rechnungshofbericht vor, das – m.E. zu Recht – das alles „zerlegt“.

Wer hat da den Rechnungshof, der doch oft viele Jahre zu spät prüft ,z.B. erst 2010 die Reform 2005 (http://www.aerztezeitung.at/archiv/oeaez-2010/oeaez-10-25052010/rechnungshofbericht-gesundheitsreform-zerpflueckt.html) ins Feld geschickt?

Cui bono? 

Kann mir das jemand erklären, bitte?

Written by medicus58

18. März 2013 at 18:41

Zypern und bei uns: Das wahre Bankenrettungspaket ist der Diebstahl am Sparer

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Während Zypern in unseren Medien i.d.R. im Zusammenhang mit „Blauhelmen„, von wegen letzte geteilte Hauptstadt Europas

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und „Sommerurlaub„, viele Briten und Russen, auftaucht, ist es augenblicklich der Schauplatz einer 
überfallartigen Teil-Enteignung der aller Sparer (http://derstandard.at/1363239334955/Zypern-Enteignung-alarmiert-Oekonomen).

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Das Bizarre an dieser Aktion, deren Rechtsstaatlichkeit andere beurteilen sollen, ist, dass man hier den privaten Sparer ebenso trifft, wie die unüberschaubare Zahl an russischen, britischen, …Schwarzgeldkonten.
Vergessen wir aber auch nicht die österreichischen (wir denken doch an die Briefkästen unserer Freunde Hochegger (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=33573) und Mensdorff-Pouilly (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=34289).

Inmitten sehenswerter Kulturschätze und atemberaubender Strände hält sich dort die Europäische Union
mitten in der Landeshauptstadt eine mit Sandsäcken befestigte Grenze und Geldwaschmaschinen ohne Zahl.

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Wenn nun die Sparer enteignet werden, um das Bankensystem zu retten, dann wird es diejenigen, die hier illegale Gelder bunkern, bei denen ohnehin ein gewisser Wertverlust während des Waschvorganges einkalkuliert ist (selten zahlen Hehler mehr als 50% des wahren Wertes von Diebsgut), wenig treffen, der private Sparer wird aber kalt enteignet

Nur, warum regen wir uns auf?

Was nun in Zypern auf einen Streich passiert, erleben wir schon sein Jahren:
Das wahre Bankenrettungspaket besteht darin, dass wir schon sein Jahren keinen Inflationsausgleich für unsere Ersparnisse bekommen, während europäische und US-amerikanische Zentralbanken dem Sektor das Geld praktisch gratis hineinschaufeln: http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=52332

Nur scheint das nicht mehr zu genügen, jetzt gibt’s den zusätzlichen Haircut …
und wenn das nicht reicht, bleibt immer noch der Südamerikanische Weg der Hyperinflation (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=78404)

Wie wäre es eigentlich mit einer Abschöpfung jenseits der Durchschnittseinlage des privaten Bürgers gewesen,
oder hätte man dann all die netten grobschlächtigen Herrn mit ihren Barbiefreundinnen vergrämt?

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Lesenswerte Ergänzung: Urschitz in der Presse:
Die Rettung Zyperns bestätigt, dass es keine Anzeichen für intelligentes Leben in Europa gibt.“ Dieser Satz aus einem Kommentar der spanischen Zeitung „El País“ fasst den jüngsten Streich der Euro-Gruppe wohl am besten zusammen. Die Finanzminister der Eurozone haben am Wochenende jedenfalls die Aufgabenstellung „Finden Sie die dümmste, vertrauensschädigendste und marktfernste Variante, einem Schwarzgeldparadies im östlichen Mittelmeer ein paar Milliarden zuzuschieben“ mit Bravour gemeistert.
http://diepresse.com/home/wirtschaft/eurokrise/1377496/Gibt-es-intelligentes-Leben-in-der-Eurozone

Written by medicus58

18. März 2013 at 07:33

KAV-IT: Die Problemverursacher übernehmen die Macht

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Prozessmanagement

Über den Risikofaktor medizinische Informatik habe ich hier schon mehrfach geschrieben: http://wp.me/p1kfuX-uw
Meistens ging es um die lähmenden Auswirkungen auf den Patientenbetrieb: VI Control-Alt-Delete : Be patient, patient. http://wp.me/p1kfuX

Aber der auch hier angekündigte und inzwischen vollzogene Hinauswurf von Gen.Dir.Stv. Koblmüller (Bombenstimmung im KAV http://wp.me/p1kfuX-w1) zeigte, dass es hier nicht nur um die Umsetzung medizinischer Prozesse in digitale workflows ging, wie es eine Aussendung vom 27.5.2010 des Rathauses anzudeuten schien:
„impuls.kis“ vernetzt IT-Systeme Besonderes Augenmerk von „impuls.kis“ liegt auf dem Datenaustausch zwischen den verschiedenen IT-Systemen des KAV. Damit können zukünftig rund 16.000 NutzerInnen rasch medizinisch notwendige Informationen abrufen. http://www.wien.gv.at/rk/msg/2010/05/27009.html

Vielmehr ist es das Eingeständnis der im Wiener Krankenanstaltenverbund Verantwortlichen, über die Abläufe in ihrem Konzern nur ungenügend informiert zu sein und sowohl die Feststellung des Ist-Zustandes als auch die Umstrukturierung, genannt Standardisierung in die Hände der IT, sowohl der Firma Systema als auch der KAV-eigenen KAV-IT zu geben. Gemeinsam mit den zukünftigen NutzerInnen werden die Prozesse standardisiert, in „impuls.kis“ konzipiert und gemeinsam mit dem oberösterreichischen Software-Anbieter systema umgesetzt.

Wohl einzigartig ist es, dasst die Konzernführung sowohl IST-Erhebung als auch Definition des SOLL-Zustandes in die Hände einer externen Firma gegeben hat.
Natürlich sind Dutzende Mitarbeiter in verschiedenen Sitzungen angehört worden, jedoch kannten diese weder die Zielsetzung noch den exakten Auftrag der Dienstgeberin. In vielen Fällen hörten diese nur, dass dieses und jenes eben nicht beauftragt, oder eben von einem der anonymen Ausschüsse ohne nähere Begründung abgelehnt wurde.
Deshalb fehlen an manchen Abteilungen wesentliche Module des Systems, liegen Hunderte Fehlermeldungen unbearbeitet irgendwo und es werden irgendwelche workarounds erfunden, weil man auf manche Professe (Diätberaterinnen) schlicht und einfach vergessen hat.
An vielen Probeabteilungen werden wesentliche Teile des Systems einfach nicht verwendet, weil sie nicht funktionieren oder unheimlich langsam sind.
Doch die Zeit drängt, weil das uralte Krankenhausinformationssystem des KAV nächstes Jahr endgültig heruntergefahren werden muss, weil niemand mehr die Verantwortung für die Funktionalität übernehmen kann.
Gleichzeitig läuft mit Ende 2013 der Vertrag mit der Firma Systema aus, so dass noch schnell – ungeachtet der bisher aufgetretenen Probleme – alle KAV-Häuser auf das IMPULS-KIS umgestellt werden müssen.
Ausstehende Sitzungen werden ersatzlos gestrichen, Systema Mitarbeiter werden schon abgezogen oder verlassen vorsorglich überhaupt die Firma.

Masseverwalter des Chaos ist die KAV-IT, die auf dem Impuls-Logo ohnehin gleich hinter Systema genannt wird, aber sich bisher bei Problemen eher mit dem Hinweis auf die Systema zurückgelehnt hat. Die Erfahrung lehrte, dass die KAV-IT schon bisher mit der Wartung der bestehenden Infrastruktur heillos überlastet ist. Zu Sicherheit wird sie im Sommer auch in einen anderen Bezirk umziehen, so dass sie schon jetzt verkündet, in dieser Zeit in erster Linie mit sich selbst beschäftigt zu sein.
Nun stellt präsentiert die KAV-IT ihre Vorstellungen über die Zeit nach Ende des IMPULS Projektes und man staunt:
Beschwerdemanagement, Vorschlagswesen, Fehlermeldungen, Verbesserungsanträge … all das soll in Zukunft in der KAV-IT zusammenlaufen.
Die KAV-IT prüft, bewertet und allein dadurch, das sie sich diese Filterfunktion nimmt, hat sie maßgeblichen Einfluß, welche Meldungen überhaupt bis zum Management dringt.
Ein einzigartiger Fall, dass die EDV eines Unternehmens ganz offen über die Strukturen entscheidet, die sie in diesem Betrieb haben möchte und nicht mehr das Konzernmanagement entscheiden kann, welche Strukturen die EDV zu realisieren hat.

Oder auf gut Wienerisch: Gibt’s net, hamma net, kennen mir net …

Management by Process Management …

Written by medicus58

15. März 2013 at 19:46

Schau, da vögelt Opa und Oma im Museum

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hagen

Das Naturhistorischen Museum fettet sein klammes Budget durch einen programmierten Publikumsrenner auf:
NHM-Generaldirektor Univ. Prof. Dr. Christian Köberl meint: „Nach dem großen Erfolg der “KÖRPERWELTEN der Tiere” von 2010/11 wird auch diese Ausstellung das Naturhistorische Museum erneut ins Zentrum des Wiener Publikumsinteresses stellen.“ Plastinator Hagen drapiert plastinierte Leichen in (anatomisch) unnatürlichen Darstellungen und peppt, dem Zwang der Reizsteigerung olgend, seine seit 1996 bestehende Wandershow nunmehr auch mit kopulierenden Körpern auf: Von Hagens zeigt Tote beim Sex http://www.welt.de/videos/wissen_original/article3687402/Von-Hagens-zeigt-Tote-beim-Sex.html Körperwelten „Sex-Leichen“: Wer waren die beiden Exponate und woran litten sie? http://www.shortnews.de/id/763534/koerperwelten-sex-leichen-wer-waren-die-beiden-exponate-und-woran-litten-sie

Nun mag der Leser seinem „Medicus„, der noch nach der ur-alten Studienordnung viele Wochen in anatomischen und pathologischen Seziersälen verbrachte glauben, dass ihn die Sache an sich nicht schockiert.
Von den unzähligen Anekdoten mit den Toten im Seziersaal habe ich natürlich auch einige erlebt. und meinen Künsten versehentlich zerschnittene Gelenkskapseln und Gefäße mit Nagellack zu „flicken“ verdankte nicht nur ich im Sezierkurs eine bessere Benotung beim Abschlusstestat…
Darum geht es auch nicht.
Auch die Zurschaustellung von menschlichen Präparaten, Mumien, Leichenteilen, Fotos von Verbrechensopfern, selbst wenn sie häufig den Voyeurismus des Publikums bedient, spielt meines Erachtens in einer anderen Liga.
Das Perverse (http://de.wikipedia.org/wiki/Perversion) an diesen Machwerken ist die „Verdrehung“ der menschlichen Körper in Aktionen, die ihrem realen Sein nicht entsprechen:
Das sterbende Lungenkarzinom vögelt nicht, es hustet, blutet, erstickt … Das Perverse ist die „Umkehrung“ normaler anatomischer Verhältnisse:
Muskelt flattern nicht „gebetsfahnenartig“ um den Körper herum …

Selbstverständlich haben die verwendeten Menschen rechtlich bindend ihrer Nachverwendung zugestimmt; die Zeiten, wo Hagen sich den Vorwürfen stellen musste, er würde die Körper zum Tode verurteilter Chinesen plastinieren sind vorbei.

Das Geschwätz, das er über seine 2volksbildnerische“ oder „künstlerische“ Absichten absondert mag man getrost vergessen. Dass ein Österreichisches Bundesmuseum die Bühne für diese Schau abgibt halte ich für diskussionswürdig.
All denen, die behaupten, ihr Besuch würde nur ihr anatomisches Interesse zeigen, sei das Josephinum in Wien ans Herz gelegt:
Kaiser Josephs II. war begeistert von den anatomischen Wachsmodellen im „Reale Museo di Fisica e Storia Naturale“ („La Specola“) in Florenz und bestellte für die Weiterbildung seiner Ärzte und Geburtshelfer anatomischen und geburtshilflichen Wachsmodellen, die von 1784 bis 1788 in Florenz hergestellt wurden. http://www.josephinum.meduniwien.ac.at/josephinum/museum-im-josephinum/

Das wirklich sehenswerte Josephinum können Sie übrigens für ca. ein Drittel des Eintrittspreises sehen, den ihnen Hagen und das Naturhistorische Museum abknöpft ….

Written by medicus58

13. März 2013 at 20:39

13 Symptoma – Symptom für eine falsche Entwicklung der Medizin

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Aus aktuellem Anlass unterbrechen wir die Online-Vorlesung über „Clinical Decision Making“ (1 Am Anfang war die Diagnose – Clinical Decision making Not only for Dummies http://wp.me/p1kfuX-zq), um exemplarisch zu zeigen, weshalb es eben nicht genügt, sich einer Datenbank zu bedienen, um „ein guter Arzt“ zu sein.

Symptoma 2

Mit einigen Förderungsgeldern (bmwfj, FFG, bmvit, Land Salzburg, aplusb, bccs) hat Jama Nateqi, ein Absolvent der Paracelsus-Privatuniversität Salzburg,
„Symptoma – better diagnosis“ (https://de.symptoma.com/)
entwickelt und wird aktuell von den Salzburger Nachrichten vollmundig „beworben“:
Weltweit sterben jährlich eine halbe Million Menschen an ärztlichen Fehldiagnosen. Die medizinische Suchmaschine „Symptoma“ aus Salzburg will das in Zukunft verhindern.
http://www.salzburg.com/nachrichten/salzburg/wirtschaft/sn/artikel/medizinische-suchmaschine-soll-leben-retten-50343/  

Nach Eingabe eines Symptoms, dem Geburtsjahr und dem Geschlecht werden einen nach Wahrscheinlichkeit gereihte Differentialdiagnosen geboten.

Für 25€/Monat ist der Arzt dabei.

Und was ist denn daran schlecht, mögen die fragen, die die bisherigen Teile der Online-Vorlesung nicht gelesen haben?
Denen sei Teil 7: Der unverzeihende lineare Algorithmus (http://wp.me/p1kfuX-zP) ans Herz gelegt. Natürlich ist nichts schlecht daran auf Knopfdruck zu einem bestimmten Symptom einige Differentialdiagnosen zu sehen. Bücher, die sich tabellarisch mit Differentialdiagnosen beschäftigen haben in der Medizin eine lange Tradition.
Der Zugewinn an Verwirrung ist aber deutlich größer als der Zuwachs an Wissen, die Tendenz zur undifferenzierten Ausschlussdiagnostik mittels Labor und Röntgen wird dadurch enorm gefördert, weil dadurch statt der Verfeinerung eines begonnenen „diagnostischen Fadens“ ein Dutzend weiterer aufgemacht werden.
Überdies gehen alle derartigen Systeme davon aus, dass das eingegeben „Kardinalsymptom“ auch wirklich das wesentlichste Symptom darstellt. Leser dieser Online-Vorlesung sollten aber bereits wissen, dass ein „anchoring and adjustment“, ein sich „Vorwärtstasten“ in bestimmte Diagnosecluster einer frühzeitigen Festlegung auf eine bestimmte Diagnose überlegen ist. 

Somit kommt mit „Symptoma – better diagnosis“ eigentlich nur die alte Blickdiagnose erneut – diesmal in Form einer APP – in die Medizin.

Symptoma ist nur ein Teil des „Click-for-knowledge“ Universums (http://www.clickforknowledge.com/impressum) in dem Dr. med. univ. Jama Nateqi (Geschäftsführer der click for knowledge GmbH und seit seinem 16. Lebensjahr Entwickler von Internetprojekten) und Thomas Lutz (ebenfalls Geschäftsführer der click for knowledge GmbH und ehemaliger bayerischer Schach Jugendmeister dem Schach) allerhand Internet basierte Dienste entwickeln.
Bildnachweis: Screenshot von der Homepage

Written by medicus58

8. März 2013 at 16:23

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