Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Archive for Mai 2011

Am Samstag vorm Burgtor am Michaelerplatz : Am Stadtfest geht’s

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Die Regenwolken des Nachmittags haben sich verzogen, ebenso wie fast alle der Extremschrammeln.

Der letzte Programmpunkt war Dobrek Bistro (http://www.dobrek-bistro.com/ ), wie immer multi-kulti, diesmal in der Polnisch-Judäo-Arabo-Brasiliano-Hernalserischen Besetzung mit Krzysztof Dobrek, Aliosha Biz , Marwan Abado, Alegre Corrêa, Roland Neuwirth. … ein Genuss.

http://www.youtube.com/watch?v=yB70li0DiNs&feature=player_embedded#at=23

Die Gruppe um die Kristallisationskerne Dobrek und Biz sieht sich als lebendes Beispiel einer Grenzen überwindenden und Gemeinsamkeit findenden Musikalität, und das is gut so.

Biz erzählte, dass sein kleiner Sohn ihn kürzlich nach dem Verlassen des eigenen Grätzles am Donaukanal mitten im 22 Bezirk gefragt hat, ob denn das jetzt auch Wien wäre – und auf die positive Auskunft nur antwortete: 
„Das ist aber ein anderes Wien!“ 
Da kam Freude auf, ob der Pluralität der Stadt.

Biz, der Jude aus Moskau setzte noch einen drauf und stellte Abado, den Araber aus dem Libanon als seinen Cousin vor, schliesslich hätten sie ja mit Abraham den gleichen Stammvater.
Da kam wieder Freude auf.

Und ja, beim Neuwirth Roland war ja schon immer alles drinn, vom Wiener G’stanzl bis zum Flamenco, vom Tango bis zum Schtetl.

Also alles happy, wenn da nicht die Realität wäre. 

Die Realität, dass der Jud’ den Abraham braucht, um den Araber als Familienmitglied zu sehen. …
wir alle hier die Musik brauchten, um was Verbindenden zu haben. 

Ohne dem geht’s net.
Mir san mir und des is net gnua, wir brauch’n de Musi dazua.
S’geht eh …

Doch auch wenn wir das Spanferkel schächten oder statt des GrüVe Pfefferminztee servieren, tun wir uns mit der gemeinsamen Party schwer.

Ich denke da an Bombay, vor dessen Multikulti Wien ziemlich krähwinklerisch wirkt. Ziemlich unlösbar das Hamburger Problem dort, zwischen Jain, Hindus, Muslimen, Juden, Parsen, ….!

Fazit? 
Ein super Abend, super Musik, alle waren sich einig, auch bei Neuwirths neuem Text gegen Ausländerfeindlichkeit, aber das sagt noch nicht viel. 
Es ist nicht einmal ein guter Anfang, denn zwischen den Anwesenden auf der Bühne und am Platz hätte es ohnehin keine „Bresln geben“.

Und ob denen draußen im 22., oder 10. die Musik als Identitätsstifter reicht?

Written by medicus58

30. Mai 2011 at 07:29

Veröffentlicht in Allgemein

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Das Böse hat ein Gesicht und wir können weitermachen wie bisher

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Gestern wurde Ratko Mladic verhaftet und zum Kriegsverbrechertribunal nach Den Haag ausgeflogen.
http://derstandard.at/1304552984760/Mladic-Verhaftung-bringt-Belgrad-dem-EU-Beitritt-naeher
Wenn er nur für einen Bruchteil der Vergehen, der er sich selbst brüstet, verantwortlich gemacht werden kann, dann wird eine Verurteilung wohl nur von denen nicht bedauert werden, die vielleicht besser selbst in Den Haag angeklagt werden sollten.
Meinem Rechtsempfinden kommt es durchaus entgegen, dass es diesen Prozess geben wird. Es wäre erschüttert worden, hätte man Mladic nach Auffindung nur einfach abgeschlachtet. (Siehe Es war einmalhttp://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=37655 )

Worüber ich seit Jahrzehnten grüble, ist das abstossende Phänomen, dass nach „flächendeckenden Verbrechen“, wie es Genozide, Angriffskriege, …etc. darstellen, an denen ein kleiner Teil einer Bevölkerung „aktivst“ und ein großer Teil der Bevölkerung „positiv permissiv“ Anteil haben, das Verbrechen letztlich auf wenige Personen („Führer“) personalisiert wird und somit für den Rest scheinbar aus der Welt geschafft ist.

Es haben schon andere darauf hingewiesen, dass das der einzige Weg ist, wie eine Gesellschaft nach derartigen Ereignissen „weitermachen“ kann, jedoch erklärt es auch eine Groteske der letzten Tage: Hitler’s Ehrenbürgerschaften in einigen österreichischen Städten 
http://de.wikipedia.org/wiki/Adolf_Hitler_als_Ehrenb%C3%BCrger
http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,764739,00.html http://www.netz-gegen-nazis.de/frage/welche-staedte-fuehren-adolf-hitler-immer-noch-als-ehrenbuerger http://www.sueddeutsche.de/panorama/ehrenbuerger-hitler-laestige-vergangenheitsbewaeltigung-1.826248

Moralische „Unsauberkeiten“ verschwinden nicht durch Zeitablauf, sie treten als Groteske auch noch nach Generationen wieder zu Tage.

Written by medicus58

27. Mai 2011 at 06:29

ALLES UND ÜBERHAUPT

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Täglich Alles war eine österreichische Tageszeitung.
Sie wurde am 5. April 1992 von Kurt Falk gegründet:  http://de.wikipedia.org/wiki/T%C3%A4glich_Alles

Gefühlt hat es für mich damals begonnen:
diese vollmundige Totalitarität,
dieses Versprechen erschöpfender Rundumbefriedigung.

Wahrscheinlich war es schon immer da und ist nur durch die Kommerzialisierung der Bedürfnisabdeckung so ubiquitär geworden.

Denken wir doch an die Headlines von Krone, News, Österreich, Woman, …:

ALLES ÜBER …
ALLE WICHTIGEN TERMINE…
ALLES WAS SIE WISSEN MÜSSEN ….

Implizit kann  dann nicht wichtig sein, was nicht angeboten wurde!

Warum ängstigt das? Weshalb ist das nicht eh ALLES egal?

Weil es eine grenzenlose Überheblichkeit darstellt.
Weil es einen für blöd verkauft.
Weil nur die Welt alles ist und nicht ein (meist armseliger) Teil davon.

Es ist immer gefährlich den täglichen Wahnsinn beim Wort zu nehmen.

Ich erinnere mich noch gut, ich mochte gerade 7 Jahre oder so gewesen sein, als ich vor der Auslage unserer „Drogerie“ stand, also vor einem dieser Läden, die es heute nicht mehr gibt, einer Mischung aus Hartwarenhandlung, Putzmittelverschleiss und 1-€ Shop, so voll mit allem Krimskram war der bis zur Decke mit Haushaltsgeräten, Putzmittel und Spielsachen angeräumt.
Da stand ich nun und erblickte eine Selektion von Bijouterie, die mit den Worten
„Der letzte Schrei“ angepriesen wurde.
Das beunruhigte mich. Nicht die allfällige Lautstärke dieses „Schreis“  erschreckte mich, sondern die Vorstellung, was nach dem „Letzten“ Schrei, denn noch kommen könne.
Wird es nach dem „Letzten“ noch einen „Nächsten“ geben, oder ist es dann für immer aus? Lähmende Einförmigkeit der Einfallslosigkeit, weil niemandem mehr ein neues Stück Bijouterie designen wird.

Und was hat das alles mit dem Thema ALLES zu tun?

Erstens:
Es ist immer gefährlich den täglichen Wahnsinn beim Wort zu nehmen.
Zweitens:
Es gab offenbar das kommerziell getriebene Versprechen der Ausschliesslichkeit und Endgültigkeit schon immer,
also zumindest seit ich ein Kind war …

Written by medicus58

23. Mai 2011 at 14:17

AB

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AB …

Geht es Ihnen auch so?
Ein Werbefolder, ein Handyvertrag, ein Flugticket, eine Luxuslimousine, …

SPOTTBILLIG

AB

und dann folgt ein lächerlicher Betrag:

I-PHONE 5 ab 0,- €

WIEN-LONDON ab 0,- €

BMW XY AB 19.000,- €

liest man weiter würde man erfahren, dass man im ersten Fall für Jahre an einen Provider gebunden ist und monatlich eine hohe Gebühr abzuliefern hat, man bereits um 4:00 früh abfliegen wird und das Ticket schon 1 Jahr vorher buchen muss und ein Abflug nicht garantiert wird, bzw. man für den angegebenen Preis nur ein sehr abgespecktes Auto in lindgrün bekommt und mit dem 70 PS Motor die Kiste kaum vom Stand kriegt.

AB

für wie blöd hält man uns – wie blöd sind wir?

AB sagt einmal gar nix!

Ab unserer Geburt sterben wir, mit dieser zwar richtigen Information, läßt sich keine keine Lebensplanung machen.

Jede Information, die mit AB beginnt, das nicht von einem BIS gefolgt wird,
ist suspekt!

Written by medicus58

23. Mai 2011 at 14:14

An alle, die eine Sekretärin haben

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Geht es Ihnen auch so?

Das Telefon klingelt,
am anderen Ende die Stimme einer Sekretärin: „Grüß Gott, hier …. Herr/Frau Prof/Dir/Dr/Amtsrat oder was auch immer möchte gerne mit Ihnen sprechen, darf ich verbinden?“

Es klickt,
es knackt,
man wartet,
man wartet,
man wartet,
man wartet,
es knackt;
dann

Hallo, hier Herr/Frau Prof/Dir/Dr/Amtsrat oder was auch immer …

HERR IM HIMMEL, AN DEN ICH NICHT GLAUBE!
ICH HABE EINIGE DER SCHEISS TITEL SELBER, WESHALB MUSS ICH (!) WARTEN.

B-I-T-T-E,  L-I-E-B-E  F-R-E-U-N-D-E!
Heute erreicht man mittels Handy fast jeden direkt.
Es ist eine Frage der Höflichkeit, das auch selbst zu tun.

ES IST EINE SUBTILE FORM DER MISSACHTUNG DEN WARTEN ZU LASSEN VON DEM MAN EIGENTLICH WAS WILL!

IN ZUKUNFT LEGE ICH BEI SOLCHEN ANRUFEN EINFACH AB, IHR PRÄPOTENTEN A………..!

Written by medicus58

23. Mai 2011 at 14:00

Verbietet Fussball(fans)!

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Gestern endete das Derby Rapid-Austria mit einem Eklat:

http://derstandard.at/1304552536260/Spielabbruch-Der-Irrsinn-in-und-von-Huetteldorf

OK, in der Anonymität des Bloggers kann man sich leicht einmal outen, aber trotzdem.

Dort, wo es heute zu den Ausschreitungen im Derby zwischen Rapid und Austria kam, bin ich als „Bua mit’n Radl g’fohrn“.

Selten war ich auf der „Pfarr’wiesn“, nur einmal im später errichteten Hanappi.

Fussball hat mich jenseits des 15. Lebensjahres wenig interessiert und erst viele Jahre später in Südamerika habe ich wieder gesehen, dass ein Match durchaus Spass machen kann, als Zuschauer unter Fans.

Ich saß in Salvador de Bahia, als das WM Match zwischen Italien und Brasilien im TV lief und tröste den Brasilianer, dessen Mannschaft im Semifinale (?) gegen Italien ausschied und feierte mit dem Brasilianer, dessen Vorfahren aus Italien stammten.

In Österreich war mir Fussball nie wichtig.

Als das Hanappi-Stadium mitten ins Stadtgebiet gesetzt wurde und die „brunzenden“ (ja so meine ich das) Fans, die sich stets in den umliegenden Straßen erleichterten,
die Autos, die überall parken durften, weil die Polizei dagegen machtlos war (gemacht wurde?) …

… all das ließ mein Interesse schwinden!

Als heute die Westausfahrt gesperrt werden musste, weil man die „Tiere“ aus dem Stadion eskortieren musste, …

….. sich durch die Massen quälen, weil man dort einen Familienbesuch abstatten musste …..

Hunderschaften von Polizei, die wir alle bezahlen mussten, nur weil es ein Derby gab ..

Eine Veranstaltung, die mit erschreckender Regelmäßigkeit zu Ausschreitungen führt, die nur durch enormen Polizeieinsatz nicht jedesmal total eskalieren, gehört verboten …

PS: Gestern waren wir am Fortuna-Platz eingeladen.
Einige Unter-irgendwas Mannschaften spielten dort …
Man erzählte uns, dass es auch hier immer wieder zu Ausschreitungen kommt, wenn „die falschen Mannschaften“ antreten … Regional-Sub-Unterliaga Nord-Nord-OSt

VERBIETET FUSSBALLFANS, EINIGE VON IHNEN SIND GEMEINGEFÄHRLICH!

OK, sprachlich ist der Beitrag nicht gar so, aber ich bin sauer und für diese Analphabeten reichts eh ….

Written by medicus58

23. Mai 2011 at 13:56

Veröffentlicht in Was im Alltag so alles nervt

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Ejaculatio praecox

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Die Wochen, die seit dem Erdbeben, dem Tsunami und dem konsekutiven Strahlenunfall in Fukushima vergangen sind, erlauben nun eine zwischenzeitliche Analyse der öffentlichen Wahrnehmung:

EJACULATIO PRAECOX
http://de.wikipedia.org/wiki/Vorzeitiger_Samenerguss

Während in der ersten Woche, wo es nach all den vorliegenden Daten außerhalb der Evakuationszone nur zu minimaler Kontamination gekommen war, sendeten unsere Medien im Dauerfeuer und so mancher Experte malte das jüngste Gericht auf den Bildschirm. Jetzt wo in gewisser Weise eine „stabile Situation eingetreten“ ist, stabil dahingehend, dass von der Japanischen Atombehörde eine Freisetzung von etwa 10% der Menge des Unfalls von Chernobyls zugegeben wird, eine lokale Situation, die derzeit für allfällige Bewohner der Provinz einer Exposition von 2 Computertomografien/Jahr entspräche und eine offenbar andauernde Kontamination der regionalen Küstenabschnitte gesichert ist, jetzt ist Funkstille.

Achtung,
weiterhin kein Grund zur Panik, lassen Sie Ihre Kaliumjodid-Tabletten im Schrank und geniessen Sie Ihre Sashimi, aber jetzt wäre ein guter Zeitpunkt, die Saat zu sähen, eine dauerhafte Umbesinnung in der Energiewirtschaft anzustreben, z.B. durch eine Zwischenbilanz der angelaufenen Kosten.

Wenn aber der Samen verschossen ist, dann steht man eher peinlich berührt herum und die Chance ist vertan ….

So sehe ich die derzeit die Kommunikationspolitik der zu früh, zu übertrieben und aus zu vielen persönlichen Gründen gekreischt habenden Anti-AKW Experten. Schade!

Written by medicus58

20. Mai 2011 at 08:08

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