Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Archive for September 2019

Qualtag – oder die Choreografie in die Demokratur

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Vermutlich geht Ihnen augenblicklich – so wie mir – nichts so sehr auf den Unterleib, wie noch eine Analyse zur Nationalratswahl.

Also keine Angst, es folgt keine Wahlempfehlung (mein Wahlverhalten habe ich hier schon längst begründet: Nach Jahrzehnten doch wieder SPÖ?), vielmehr eine mich beängstigen Beobachtung, welche Dramaturgie uns Transparenz und Rechsstaat inzwischen vorgaukelt.

Von externen Einzelfällen abgesehen galt das Kabinett Kurz Strache als streitfrei und produktiv. Selbst „Razzien im eigenen Ministerium“ (BVT), „Patientenmilliarden“ die keiner nachprüfen konnte und „geschlossene Moscheen“, die weiter betrieben wurden hatte die Message Control im Griff.

Ein Ibiza Video und aus Zungenküssen wurden – bisse und aus besten Freunden wurden beste Feinde. Politisches Alltagsgeschäft mögen Sie mit gewissem Recht meinen, aber Sie sollten sich eigentlich verarscht fühlen. Was im privaten Rosenkrieg oft komisch wirkt, ist im Berufsleben, und ja wir sprechen von Berufspolitikern, höchst unprofessionell.

Stellen Sie sich mal vor, dass sich Chirurg und Anästhesist, Pilot und Copilot von einer Sekunde auf die andere bewusst werden, wie sehr sie eigentlich aneinander litten, während Sie sich in deren Hände begaben…

Aber die Choreografie ging munter weiter:

Was der Heilige Christian da in seiner Ibiza-Fälle ausplauderte (Novomatic, Vereine, Spenden, Krone,..) war oder wurde ja wahr, mitunter eben mit einer anderen Besetzung, als er sich das vorgestellt hat.

Als dann alle auf die gestückelten Spenden einer Kärntner Milliärderin an Türkis aufmerksam wurden, erfuhren wir umgehend, dass auch ein Kärntner Baulöwe rechtzeitig noch Geld an die Pinken schickte.

Kaum hat sich aber Kurz sein Märtyrermäntelchen übergeworfen und seinen Heiligenschein entzündet, hat ein Hack (oder was auch immer) seine Buchhaltung zum Schmetterling, pardon natürlich zum Falter gebracht.

Als sich die Grünen, die ja in dieser Legislaturperiode gar keine Gelegenheit hatten, im Nationalrat Korruption zu üben, über diese Wahlhilfe zu sehr freuten, erinnerte sich wer an das seit Jahren schwelende Chorherr-Gate und die Medien fanden auch heraus, dass die neue Wiener Grünin noch kurz zuvor Aufträge an Frau Chorherr vergab, bzw. die Stadt Wien den Chorherr Verein sponserte, als Chorherr noch im Gemeinderat saß, jetzt dient er ja nach anderen Medienberichten einem, auch dem roten Wien gut bekannten, Immobilienentwickler.

Alles war vergessen, auch die letzte Loyalität zum blauen Saubermann, der nach dem Abgang des BZÖs die FPÖ zu größerer als der alten Größe und sich selbst zum Vizekanzler verhalf, als plötzlich dessen Spesenabrechnung „bekannt“ wurde. Ja, und da war die Staatsanwaltschaft schon fix, als sie einem vermeintlichen Schaden von über 5000€ mit einer Akribie und Verhaftung nachging, die sie in mutmaßlich für die Öffentlichkeit schwerwiegenden Fällen, die in die Millionen gingen, nicht zeigte.

Dass dieser Trank aus der Ecke kam, aus der auch das 2 Jahre unverkäufliche Ibiza-Video kam, ist ja egal, denn ehe sich die SPÖ ihrer Sauberkeit zu sehr rühmen dürfte, war noch irgendwas mit Spenden aus der roten Gewerkschaft.

Jetzt mag man sich freuen, dass die Sonne, unser Rechtsstaat oder wer auch immer, früher oder später die Wahrheit an den Tag bringt, nur scheint mit die Choreografie, die mit einem mutmaßlichen Erpressungsvideo begonnen hat und dann punktgenau jede neue Verfehlung durch eine solche beim Mitbewerber überdeckt, zu geschmeidig, um nicht auf eine oder mehrere lenkende Hände schließen zu lassen.

Letztendlich egal ob man an Silberstein, Hapsburg, Manaford,.. oder irgendeinen der anderen Politberater denkt, wir erleben auch außerhalb der Social Media getrieben zielgerichteten Beeinflussung auch im sogenannten realen Leben nur mehr das, was man uns erleben und erfahren lassen will. Mir scheint da als einzige Gegenstrategie wieder die alte Frage, auch bei einer Wahl:

Ganz ehrlich, wem würden Sie das abnehmen was er Ihnen verspricht, wenn es nicht nur um Ihr Land, sondern z. B. um Ihr eigenes Geld oder Ihr Leben ginge.

Würden Sie sich von solchen Leuten einzweites Mal operieren oder Fliegen lassen?

Written by medicus58

28. September 2019 at 12:50

Veröffentlicht in Allgemein

Ja was nun, oder was an der medizinischen Wissenschaft so verwirrt

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Auf AuntMinnie.com, einem beliebten Online Portal für die Bildgebende Diagnostik fiel mir dieser Widerspruch auf: Ein und die selbe Methode (das sogenannte NaF-PET, nicht mit dem „üblichen FDG PET“ zu verwechseln!) ist einmal gut um Knochenmetastasen beim Prostatakarzinom zu finden und einem mies. Das wundert doch, nicht wahr?

Geht man zu den Originalbeiträgen, kommt man auf zwei parallel publizierte Arbeiten:

In der einen haben Forscher der Uni-Klinik Aalborg in einer Studie in der September Ausgabe des Journal of Nuclear Medicine publiziert, dass erfahrene Befunder sich einig sind, ob die NAF PET/CT Untersuchung Knochenmetastasen zeigt.
211 von 219 untersuchten Patienten hätten demnach Knochenmetastasen.
The sensitivity ranged from 0.86-0.92, specificity from 0.83-0.97, positive predictive value from 0.70-0.93, and negative predictive value from 0.94-0.96.
Die Übereinstimmung, ausgedrückt durch den sogenannten Kappa-Wert war beeindruckend. D.h. doch, dass das eine gute Methode ist, nicht?

Der andere Eintrag bezog sich auf eine im Mai auch (!) im Journal of Nuclear Medicine publizierte Arbeit der selben Arbeitsgruppe um den selben Erstautor aus Aalborg.

Observer agreement and accuracy of 18F-sodium-fluoride PET/CT in the diagnosis of bone metastases in prostate cancer. Zacho HD, Fonager RF, Nielsen JB, Haarmark C, Hendel HW, Johansen MB, Mortensen JC, Petersen LJ. J Nucl Med. 2019 Sep 3

No added value of 18F-sodium fluoride PET/CT for the detection of bone metastases in patients with newly diagnosed prostate cancer with normal bone scintigraphy. Zacho H, Jochumsen MR, Langkilde NC, Mortensen JC, Haarmark C, Hendel HW, Jensen JB, Petersen LJ. J Nucl Med. 2019 May 30

In der Arbeit im Mai hat man schon festgestellt, dass, zugegeben in einer besonders schwierigen Patientengruppe (81 intermediär oder Hoch-Risiko Patienten mit negativem Knochenscan im initialen Staging) die NaF PET/CT keinen diagnostischen Gewinn hatte.
D.h. doch, dass das eine miese Methode ist, nicht?

Von 81 Patienten schienen an Hand des initialen postoperativen PSA Wertes 6 Patienten nicht als „biochemisch als geheilt“, wobei all diese Patienten auch einen negative NaF PET hatten, also präoperativ nicht identifiziert werden konnten. (Natürlich könnten diese auch Lymphknotenmetastasen haben) De NaF-PET hat bei negativem Kochenscan nur in einem Patienten eine Knochenmetastase identifiziert und ergab in 7 Patienten unklare Ergebnisse, wobei diese Patienten vermutlich keine Knochenmetastase hatten, weil sie postoperativ einen optimalen PSA Wert hatten. H
err Kollege Zacho schloss somit: NaF-PET/CT has no added value for bone staging in intermediate- and high-risk prostate cancer patients with normal bone scintigraphy results undergoing prostatectomy.

Der umtriebige Kollege hat übrigens 2018 in einer im European Journal of Nuclear Medicine erschienen Arbeit festgestellt, dass NaF PET/CT und Ga-68-PSMA PET eine vergleichbare und hohe Treffsicherheit in der Identifikation von Knochenmetastasen beim biochemischen Rezidiv des Prostatakarzioms hat.

Auch 2018 hat er als Ko-Autor im Acta Oncol. 2018 Aug festgestellt, dass in 64 Patienten der gute alte Knochenscan im Monitoring von Knochenmetastastasen beim Prostatakarzinom besser als der NaF-PET/CT ist.

2017 haben die umtriebigen Kollegen aus Aalborg und anderer dänischen Kliniken an Hand von 37 Patienten festgestellt (Am J Nucl Med Mol Imaging. 2017 Nov), dass zwar der NaF PET/CT zwar mehr Metastasen fand, als der zweidimensionale Knochenscan und der Knochen SPECT/CT, aber, dass das statistisch nicht signifikant war.

Wär doch eine bessere Übung für angehende Mediziner da „die Wahrheit“ herauszufinden, als dass man sie blödsinnigen Multiple Choice Tests über Zahlenreihen und ethischen Pseudoproblemen (MedAT) unterwirft ….
Im Studium könnte man ihnen dann beibringen, was man unter HTA Assessment so versteht …

Written by medicus58

25. September 2019 at 18:39

So läuft Integration

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Belauschtes HANDY Gespräch in BoBoTown:

Jo eh, weißt ich komm grad vom Denn’s (Biomarkt) und muss no in die Kaiserkrone (größte Homeopathie Apotheke Wiens), aber dann können wir uns eh auf an Latte treffen.

Verkaufsgespräch beim Ströck in Transdanubien zwischen einem (mutmaßlich syrischen Verkäufer in Einschulung) und einer bodenlang schwarz gekleideten Mutter mit Komplettkopftuch und zwei vehement nach Nahrung verlangenden Vorschulkindern (alle drei könnten aus Pakistan oder Afghanistan stammen) :

Sie: Bitte, eine Leberkäs Semmel. Kind tänzelt in freudiger Erwartung.

Er: Vom Schwein oder vom Pferd?

Sie, nach kurzer Bedenkzeit: Vom zweiten, bitte.

Written by medicus58

21. September 2019 at 16:23

Fridays for the Fisch

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Greta Thunberg löst jetzt wieder weltweite Fridays for Future Proteste aus, aber gegen wen eigentlich? Klar, gegen die Politik.

Aber was will man eigentlich? Schauen wir doch einfach auf den österreichischen Ableger der Bewegung:

…die Umsetzung der Maßnahmen des Klima- und ökologischen Notstands!

…die sofortige Verankerung von Klimaschutz in der Verfassung sowie den Ausstieg aus Öl, Kohle und Gas bis 2030!

…eine sofort beginnende mindestens lineare Senkung der Treibhausgasemissionen bis 2025 auf 50% gegenüber 2005 und bis 2030 auf netto-Null!

…eine ökosoziale Steuerreform ab dem Jahr 2020!

…dass Maßnahmen gesetzt werden, um Biodiversität zu fördern, und bei neu erlassenen Maßnahmen der Schutz der Biodiversität berücksichtigt wird!

…den Stopp fossiler Großprojekte, wie den Neu- und Ausbau von Flughäfen und Autobahnen!

So weit so eh gut, nur dann fällt mir diese Flugblatt in die Hände und ich weiß, dass es falsch sein muss, dass eine Hawaii-Ananas aus Costa Rica soviel kostet wie ein Bund Radieschen aus Österreich.

Ich hab keine Ahnung, zu welchem Ausmaß der Klimawandel durch das C02 bewirkt wird, ab unabhängig davon kann das nicht g’sund sein.

Mir wäre wohler, wenn im Earth Strike nicht Allerlei von der Politik was gefordert, sondern wirklich Relevantes getan würde.

Natürlich können Sie nun versuchen mir einzureden, dass dieses Problem irgendwo implizit in all den Forderungen da oben auch steckt, oder dass, wenn wir weniger argentinische Rind essen uns Greta dann auch mal eine Ananas auf ihrem Segelturn in die Heimat mitbringen darf. Wenn sie weiterhin unter massiver Schwerölverfeuerung im Container-Schiff oder Kerosin-Verbrennung im Jet zu uns gebracht wird, müssen wir wohl einige Stunden auf das Ausatmen verzichten um klimaneutral zu bleiben.

Es sich im Gefühl auf der richtigen Seite zu sein bequem zu machen ist zu wenig, wie es auf ganz anderer Ebene grad Herr Chorherr erfährt.

Wer die Zusammenhänge nun nicht gleich sieht sei in das Jahr 2014 zurück geleitet:

Nicht nur ich seh‘ ROT für die Grünen

Written by medicus58

20. September 2019 at 18:04

Parteifinanzen: Kugelschreiber my ass

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Der Steuerzahler finanzierte unser Parteiensystem 2017 mit über 200 Millionen Euro, wie die zusätzlichen Privatspender verschleiert wurden, hat uns der Heilige Christian auf Ibiza erklärt und vielleicht lichtet sich auch noch vor der Wahl, was die Vorfeldorganisationen von ÖVP und SPÖ zusätzlich zuschießen.

Bemerkenswert wie wenig darüber gesprochen wird, an wen das Geld dann fließt.

Inserate in Gratis Zeitungen und Kugelschreiber, von denen nach der ersten Falter Geschichte sehr viel die Rede war, kann es wohl nicht alleine sein. Eine Woche drauf schoss das Blatt die 30.000/Monat für einen Berater und die Friseurrechnung des jungen Altkanzler nach.
Da werden vielleicht noch ein paar Sushi Parties dazu kommen, aber trotzdem fehlt noch viel auf die ausgezahlten Steuergelder und per Kredit ( „Durch intensive Gespräche“ habe die Raiffeisen Bank den „Zinssatz für die Kreditmittel senken können“) aufgenommenen Summen.
Da stellt sich doch die Frage, ob diese Summen Statuten gemäß verwendet werden. Ja, auch Parteien und nicht nur ihre ausgelagerten Finanz-Vehikel sind rechtlich gesehen Vereine und unterliegen dem Vereinsgesetz.

Erst im Juli wurde das medial unbeachtet von Madeleine Petrovic, Ex-Grünen Chefin und jetzt Vereinspräsidentin des Tierschutzverein thematisiert: Offener Brief: Ein Verein ist ein Verein und eine Partei ist eine Partei

Warum stellt sich aber sonst niemand die Frage, ob die Unsummen, die Parteien verbraten dürfen nicht an sich schon eine Korruptionsgefahr darstellten, wenn man andererseits ganz offen darüber spricht, dass der letzte Wahlsieg der Türkisen auch durch höhere Wahlkampfausgaben sicher gestellt wurde.

Warum stört es uns Wähler offenbar überhaupt nicht mehr, dass man überzeugt scheint unsere Stimme via medialen Hype kaufen zu können? Weil wir das auch schon selbst wissen im Zeitalter der Gratiskultur im Netz, wo wir schon längst mit dem täglichen Mausklick unsere Privatsphäre an Gratisspielbetreiber, Google und andere verkauft haben? Was macht es da noch aus, wenn wir das auch alle paar Jahre auch analog mit einem Kugelschreiber in der Wahlzelle tun…

Written by medicus58

17. September 2019 at 05:25

Veröffentlicht in Nationalratswahlen 2019

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Geld oder Leben oder fordern tun wir …

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Irgendwie hat man vor Wahlen das verstärkte Gefühl, immer wieder das Gleiche zu hören. Das Bild zeigt übrigens ein Plakat vom Maifest im Prater 2013 (!).

Weder ist die medizinische Versorgung seither besser geworden (Faymann II war noch bis zum 9.5.2016 im Amt) noch sind die Mieten sind seither gefallen (der damalige Wohnbaustadtrat ist heute Bürgermeister).

Da stellen die sogenannten Interessenvertretungen keine Ausnahme dar, da wird vor Wahlen forsch gefordert, was nachher eh nie kommen wird, weil die Gründe unverändert blieben, weshalb es vor der Wahl nicht kam und das was kam angeblich alternativlos war.

Letzte Woche hat die Ärztekammer so eine Liste (nach meiner medialen Beobachtung) weitgehend reaktionslos verkündet:

Erhöhung der Gesundheitsausgaben auf 12 Prozent des BIP (derzeit auf 10,3% gesunken).
Aufstockung des Spitalspersonals, mehr Freiberuflichkeit,+ 1.300 neue Kassenstellen für Einzel- und Gruppenpraxen, Hausapotheken.
Schutz vor privaten Investoren
(dort wo es lukrativ ist sind die längst drinnen, am Rest haben die wohl kaum Interesse)
eher keine Verdoppelung der Studienplätze wie Mikl-Leitner/Kurz in Aussicht stellten (als ob irgendjemand das ernst genommen hat), …

Die Apothekerkammer schloss sich dem sogleich an, will aber die Hausapotheken der Landärzte dann aber doch weniger… aber mehr Geld im System natürlich schon.

Dazu passt, dass in dieser Woche auch gleich die MedUni Wien gemeinsam mit der Ärztekammer „Mehr Klima- und Gesundheitsschutz“ verlangten. No na net, was die Pippi aus Schweden kann, können wir natürlich auch.

Ich bin überzeugt, dass sich danach alle zufrieden zurück gelehnt und das wohlige Gefühl ausgekostet haben, endlich wieder einmal für was Gutes eingetreten zu sein, und noch dazu völlig risikolos, weil ändern tut sich nix (siehe Plakat aus 2013).

Keines der genannten Themen kann für sich in Anspruch nehmen, nicht seit Jahrzehnten als wichtig und allgemein bekannt gegolten zu haben., also muss es Gründe gegeben haben, weshalb man sie nicht aufgegriffen und zumindest teilweise gelöst hat. Das Aufzeigen, Alarm schlagen, Fordern ist zu einer ärgerlichen Kategorie verkommen, wenn die Themen uralt und die Anläufe unverändert sind.

Wer es da ehrlich meint, der muss auch schon sagen,
wer daran schuld war, dass da nix weiter gegangen ist,
wo man einsparen will, um sich das Geforderte leisten zu können,
was man selbst bisher getan hat, um zu einer Lösung zu kommen.

Ich fordere übrigens ab sofort täglich 100 Klicks/Tag auf diesem Blog …

Written by medicus58

15. September 2019 at 17:11

Gottes Lohn und Teufels Beitrag

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Wie bei uns so auch beim deutschen Bruder spielen kirchennahe Krankenhausträger eine wesentliche Rolle im Gesundheitssystem.

Allein von den Katholen werden in Deutschland 400 Kliniken betrieben, wo 200.000 Beschäftigte 3.5 Millionen stationäre und 5 Millionen ambulante Patienten versorgen.

In 201 evangelischen Krankenhäusern versorgen 93.000 Beschäftigte über 2 Millionen stationäre und 3,5 Millionen ambulante Beschäftigte.

Die Gehälter liegen unter denen nicht konfessioneller Häuser und werden nicht mit der „Ärztegewerkschaft“ Marburger Bund verhandelt.

Mich würde mal ein Vergleich der Lohnniveaus zwischen konfessionellen und nicht konfessionellen Trägern in Österreich interessieren, vielleicht erklärt sich dann, weshalb die Gesundheitspolitik auch bei uns viele Leistungen (Geburten, Chirurgie,…) in die konfessionellen verschiebt.

Weshalb die Gesundheitspolitik (nicht zuletzt in Wien) es aber zulässt, dass teure und nicht lukrative Leistungen in den öffentlichen Bereich zurück verschoben werden, ist dann – zumindest ökonomisch – nicht mehr verständlich.

Written by medicus58

10. September 2019 at 23:03

80 Jahre 2. Weltkrieg aber nur 366 Tage Girls‘ Camp beim Bundesheer

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Am 1. September 2018, also heute vor einem Jahr, kam es im Rahmen einer Propagandaveranstaltung des Österreichischen Bundesheeres (Girls‘ Camp 2018 Hainburg) zu einem Bootsunfall. Nach tagelanger Vernebelungstaktik wurde klar, dass zwei Opfer lange (10, 20, 30, 40 Minuten) unter Wasser blieben, bis sie gerettet wurden.
Der ORF NÖ dokumentierte eindeutig, dass lange Zeit die zwei am schwersten betroffenen Opfer niemanden abgingen. Auch wenn das Bundesheer diese Dokumente immer in Frage gestellt hat wissen wir inzwischen u.a. durch die Aussage des Bootsführers, dass die Suche zwischenzeitlich eingestellt wurde, weil am Unfallsort jemand (niemand anderer als ein Bundesheerangehöriger kommt dafür in Frage und es war nicht der Bootsführer) behauptet hätte, dass alle Teilnehmerinnen schon gerettet wären.
Der damalige Chefredakteur und Herausgeber des Kurier, der hinter den sehr kritischen Berichte seiner Redaktion stand, wurde bald abgelöst und kandidiert heute für die Neos.
Nach einem medial dann überwiegend als Bootsunglück hätte verhindert werden können kommunizierten Gutachten, das sich ausschließlich mit den technischen Unfallursachen, nicht mit den katastrophalen Vorgänge danach befasst hat, trat der Bootsführer am 13. Mai 2019 vor den Richter:

Er bekannte sich der fahrlässigen Gemeingefährdung schuldig und kam mit einer sogenannten Diversion ohne förmliches Strafverfahrens  davon, in dem er 3.400 Euro Geldbuße zahlte. Er ist somit formal ohne Gerichtsurteil und unbescholten.

Daraufhin verzichtete das Gericht auf die Anhörung angereister Zeugen und die Abklärung, wer denn fälschlich am Unfallort dem Bootsführer und anderen Rettern des Bundesheers gesagt hat:
Es sind alle da,
was erst dazu geführt hat, die Suche am Unfallort abzubrechen und was den tragischen Ausgang für die beiden unter dem Boot eingeschlossenen Teilnehmerinnen verursacht hat.
Aus meiner Sicht liegt hier für die Hauptverantwortung, das das Leben von zwei Teilnehmerinnen (und das ihrer Familien) zerstört wurde.

Durch den Kunstgriff der Diversion, die explizit bei schwerwiegenden Straftaten die z.B. den Tod eines Menschen zur Folge haben aber offenbar für die Staatsanwaltschaft im Falle des Wachkomas anwendbar schien, ersparte Richterin und Staatsanwaltschaft am Bezirksgericht Bruck an der Leitha dem Bootsführer ein formales Urteil und sicherte dem Berufssoldaten seine weitere Berufslaufbahn, was noch menschlich nachvollziehbar ist, aber sie erlaubte es auch dem Bundesheer mit seiner Vernebelungstaktik durchzukommen: Gratulation

Am anschaulichsten zeigt sich das in der bis heute unkorrigierten offiziellen Stellungnahme (FAQ) des BH:

Wann hat man die Suche eingestellt? Die Suche wurde erst eingestellt, als die Bergung abgeschlossen war.
Nein, der fatale Fehler war, dass durch eine Falschmeldung am Unfallort die Suche zwischenzeitlich eingestellt wurde.

Wurden die Angehörigen rechtzeitig informiert? Angehörige einer unmittelbar betroffenen Frau wurde leider zu spät informiert.
Nein, die betreffende Familie wurde überhaupt nicht informiert!

Nach einem Jahr interessiert das alles niemanden mehr und die Betroffenen können bestenfalls privatrechtlich vorgehen. Für Justiz und Medien ist der Fall im wahrsten Sinn des Wortes erledigt ….

Heute gedenken wir des Beginns des II. Weltkriegs, was ja praktisch ist, weil wir da alle nur Opfer waren ….

Stand 15. September 2018:
Das war der Girls’ Day beim Bundesheer, eine Materialiensammlung für alle, die sich ein Urteil bilden wollen

Stand 27. September 2018:
Girls‘ Camp cont.; ORF NÖ verliert die Geduld

Stand 1. Dezember 2018:
Falsche Spuren im Nebel: Der Endbericht des Bundesheeres kann noch nicht das Ende sein

Stand 14. Mai 2019:
Bootsunglück Bundesheer: War’s das? Scheinbar nicht …

Stand 25. April 2019:
Girls Day beim Bundesheer cont.

Das Er

Written by medicus58

1. September 2019 at 08:38

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