Sprechstunde

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Jedem sein Flüchtling, eine Geschichte der Willkommenskultur

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In seinem höchst lesenswerten Buch 1979 versucht der Historiker Franz Bösch zu zeigen, dass für unsere heutige Welt nicht die Umbrüche 89 oder 91, sondern das Jahr 1979 ausschlaggebend war:

Im Hinblick auf den religiösen Fundamentalismus  (Iranische Revolution, Inthronisation von Papst Wojtyla), Thatchers Deregulierung und Ausverkauf des Staates, und u. a. durch den Einmarsch der UDSSR in Afghanistan. (Spoiler ahead)

Um gleich weiter die bleibende Relevanz meines dritten Studienjahres für den Gang der Welt vorweg zu nehmen, beschäftigt sich das Buch auch ausführlich mit der damals aufkeimenden Willkommenskultur für die vietnamesischen Boat People, also jene Menschen, die in den Jahren nach dem Fall von Saigon 1975 in Booten vor der Machtübernahme der Kommunisten flohen. Gerade die BRD sah die Aufnahme dieser Menschen als propagandistische Waffe gegen die DDR. Dass da nicht nur vom Kommunismus verfolgte Vietnamesen flohen sondern auch chinesische Kollaborateure und Unterweltler, davon zeugen südostasiatische Bordellbezirke und das Musical Miss Saigon aus 1989.

Im Gegensatz zum entsprechenden Wikipedia Eintrag, der den Begriff Willkommenskultur nur im 21.Jhdt als wirkmächtig sieht, zeichnet Bösch die Historie breiter gesellschaftlicher Unterstützung bestimmter flüchtender Personen mit verblüffender Detailliebe und verblüffendem Ergebnis nach.

Gerade die unterschiedlichen Reaktionen der damals geografisch und weltanschaulich getrennten deutscher Staaten deckt auf, dass für die Entscheidung wer nun ein wilkommener Flüchtling war, nicht ausschließlich humanitäre Gründe ausschlaggebend waren.

Der Jubel linker Gruppen über den Sturz des persischen Schah Mohammad Reza Pahlavi prallte auf konservative Gruppen, die darauf verwiesen, dass unter seiner Herrschaft Frauen mit Miniröcken durch Teheran spazieren konnten (die Fotos kursieren bis heute). Als die Diktatur der revolutionären Garden ihr wahres Gesicht zeigte, verstummten beide Seiten und hießen flüchtende Iraner bei uns willkommen. Ein iranischer Studienkollege, der uns während des Sezierkurses die Vorteile der Revolution in den hellsten Farben schilderte, blieb dann in Wien und bemühte sich erfolgreich um die österreichische Staatsbürgerschaft.

Bösch zeichnet auch die Euphorie der Linken über den Sieg der Sandinistas in Niceragua nach, während die Rechte (Contras) alles tat, um das System zu stürzen. Am Ende (1994) wandte sich aber sogar der Sandinist, Marxist und Christ Ernesto Cardenal, wohl eine der bekanntesten Gallionsfiguren der Bewegung von Daniel Ortega ab, der sich vom linken Heilsbringer zum konservativen Hardliner entwickelte.

Keiner reist heute mehr nach Niceragua um bei der Kaffee-Ernte zu helfen und Russland hängte trotz oder wegen Ortegas Wandel ihm zum 70 Geburtstag den Orden der Freundschaft um.

Endlos könnte man die Beispiele fortsetzen, wo zur Stabilisierung der eigenen politischen Position Flüchtlinge/Migranten mal für gut mal für schlecht gehalten wurden und dies top down in den Medien verstärkt wird. Bottom up führt das zwangsweise zu mehr Fremdenhass.

In den Sozialen Medien überschlagen sich die Forderungen afghanische Frauen nach Österreich zu bringen, um sie vor dem Missbrauch der Taliban zu schützen. Das dies etwas über einem Monat nach dem Fall Leonie auch zumindest befremdlich aufgefasst werden könnte, scheint niemandem aufzufallen.

Die Erfahrung lehrt, dass sich sowohl Anteilnahme als auch Einschätzung bestimmter Länder und ihrer Flüchtlinge rasch ändern kann, im Zeitverlauf verlässlich abnimmt.

Wut ist das Hauptmotiv für meine Arbeit – Wut über die Ungerechtigkeit zwischen Arm und Reich.

sprach Karlheinz Böhm und entfesselte in Wetten dass in den 80ern eine Spendenwelle für die Menschen in der sozialistische Militärdiktatur (1974-1991) in Äthiopien. Hilfe zu Selbsthilfe schien das Ziel erreicht zu haben als man 2019 Präsident Ably für seine Aussöhnungspolitik den Friedensnobelpreis verlieh. Kurz danach wurde das Land erneut zur Konfliktzone, der sich kaum als ökonomischer Konflikt zwischen dem reichen Norden und dem armen Süden erklären läßt. Und das einseitige Bild der armen Äthiopier aus dem Bewusstsein der Welt verdrängt hat.

Auch eine andere Nobelpreisträgerin, Aung San Suu Kyi, war während ihres Hausarrest durch die Birmesischen Militärdiktatoren weltweit als Märtyrer gefeiert worden und Birmesen, die das Land verlassen konnten, brandete Mitgefühl entgegen. Als sich die seit 1948 wiederkehrenden Feldzüge gegen die Rohingya-Minderheit auch nach Aung San Suu Kyis Rückkehr in die Politik fortsetzte, war ihr internationaler Ruf dahin und aktuell steht sie sowohl unter Anklage des internationalen Gerichtshofes als auch der zurückgekehrten Militärs. Die deutsche Entwicklungshilfe wurde von Birma zu den Rohingya Flüchtlingscamps umgeleitet. Ihnen gehört jetzt die Anteilnahme.

Welcher Juso der 70er will sich heute noch an seinen flammenden Einsatz für die Polisario erinnern, obwohl sich am Status der bis zu 170. 000 Menschen, die aus der Demokratischen Arabischen Republik Sahara nach Algerien geflüchtet sind, wenig gebessert hat.

Ein Blick auf die Karte würde Ihnen zeigen, dass Afghanistan rund doppelt so weit von uns entfernt ist wie die Westsahara und Birma fast dreimal so weit.

Die mediale Präsenz und der gelegte Fokus bilden mehr die jeweilige eigene politische Sicht als eine humanistische Gesamtsicht von Flucht- und Migrationbewegungen ab. Meist sind nicht die Forderungen an sich falsch, jedoch ungerecht für wen sie erhoben werden und wer dabei vergessen wird.

Klar kann man zur Bibel greifen und das Eintreten für den geringsten seiner Brüder (die Bibel gendert nicht) als Huldigung des Gottessohns verteidigen. Man möge mich aber mit der Forderung verschonen, dass ich in immer rascherem Wechsel die Juden, Palestinenser, Vietnamesen Westafrikaner, Iraner, Iraker, Afghanen, Kurden, Birmesen, Syrer, Rohingya und wieder Afghanen willkommen heißen soll, nur weil es gerade politische Mode wurde.

Written by medicus58

19. August 2021 at 14:30

Veröffentlicht in Allgemein

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Warum die Drohungen gegen Impfverweigerer am eigentlichen Problem vorbei gehen: Schützen wir die Jungen

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Wir versuchen unverbesserliche Alu-Hut Träger aus der Vorstadt zur Impfung zu drängen und freuen uns, wenn sich die eine oder der andere mit Gottes Segen „seinen Stich“ – welch blöde Sprache hat sich medial eingebürgert – im Steffl abholen.

Wir planen die Auffrischung der Alten, die – allen Unkenrufen Pfizers zum Trotz – noch überwiegend einen gewissen Schutz haben und deren Kollektiv aus gutem Grund relativ gut durchgeimpft wurde. Auch sind deren Sozialkontakte vermutlich nicht allzu ausufernd.

In drei Wochen beginnen Schulen und in sechs Wochen die Universitäten und – ohne dass ich den Studien Glauben schenke, dass die Bildungseinrichtungen zu den größten Treibern in der Pandemie zählen, hatte das Bildungssystem die meisten Opfer zu beklagen, während diese Generationen bis zuletzt auf Impfgelegenheiten warten mussten.

Die Impftermine für über 31-Jährigen wurden zB in Wien erst Ende Juni „freigeschaltet“. Mit Stand 17.8. sind in der Gruppe der 15.-24. Jährigen nur etwas über 40% geimpft:

Das führt zu Schul- und Unibeginn verlässlich in große Diskussionen, nicht weil diese „Ungeimpften“ die Spitäler verstopfen werden, sondern weil es für sie auch im nächsten Semester keinen sinnvollen Unterricht geben wird. Die Devise müsste schon längst sein:

Schützen wir die Jungen

Wenn schadenfroh „Experten“ einig sind, dass die vierte Welle in erstet Linie unter den Ungeimpften wüten wird, sollte man weniger an Kickl, den zugewanderten Hilfsarbeiter oder die vegane Esoterikerin denken als all den Jungen, denen wir keinen sinnvollen Unterricht mehr bieten.

Written by medicus58

17. August 2021 at 17:11

Auch wenn der Ärztekammer-Präsident sachlich recht hat, sollte er sich manche Stellungnahme besser überlegen

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Auch Ihr Medicus plappert hier am Rande des Internets, über so einiges, was ihm durch den Kopf geht, aber eben im Rahmen einer Privatvorlesung.

Blogs, Tweets, FB Beiträgen und öffentliche Wortmeldungen von Funktionsträgern sollten IMHO nur den Teil der persönlichen Meinung enthalten, der der jeweiligen Funktion entspricht und da scheinen mir so manche Wortmeldungen von ÄK Präsident Szekeres zumindest diskutierenswert.

Wenn sich Szekeres heute im Ö1 Morgenjournal der von Landespolitikern erhobenen Forderung anschließt, dass sich Ungeimpfte zukünftig ihre Covid-Tests selbst bezahlen sollen, dann mag man schon Gründe für diese Meinung finden, nur erschließt sich nicht, auf Basis welcher medizinischen Expertise wir Ärzte uns in dieser Diskussion überhaupt positionieren müssen.

Zwar schaffte es Szekeres mit seiner Aussage ziemlich flächendeckend in die Print Headlines (Ärzte-Chef Szekeres fordert Ende der Gratis-Tests), ich bezweifle aber, dass er damit die ohnehin schon erfolgte Marginalisierung der Position der Ärzteschaft in der Gesundheitspolitik verbessert, wenn er ein paar Politikern die mediale Räuberleiter macht.

Sein OE24 Interview (Ich halte eine Impf-Pflicht für sinnvoll) mag medizinisch noch argumentierbar sein, aber nur im Sinne, dass möglichst viele Geimpfte die schärfste Waffe in der Pandemie wären, aber nicht als endgültige Entscheidung aller rechtsstaatlichen und grundrechtlicher Argumente, über die sich hauptberufliche Juristen noch heftig streiten. Aus gutem Grund hält sich hier deren Kammer bedeckt.

Kurz vorher befürwortete Szekeres im Namen der Ärztekammer die off label Anwendung von Kreuzimpfungen ( Ärztekammer empfiehlt anderes Vakzin für Zweit-Stich) während nationale und internationale Impfgremium noch eher skeptisch sind. Cui bono?

Und in der ebenfalls rechtlich sehr kritischen Frage der Gesundheitsdaten fordert der ÄK Präsident medienwirksam Datenverknüpfung: ÖÄK-Präsident Szekeres fordert verfügbares Werkzeug nutzbar zu machen

Natürlich verstehen Insider den Zusammenhang, auch wenn IMHO die Datenqualität ohnehin so schlecht ist, dass man damit wenig anfangen wird können, aber für Außenstehende bleibt:

Zuerst war die Kammer gegen ELGA und jetzt will sie deren Daten

Ich würde mir dringend wünschen, dass die Kammer sich dort zu Wort meldet, wo die Interessen ihrer Mitglieder zu wahren sind und ihre ohnehin öffentlich kaum mehr vorhandene Glaubwürdigkeit nicht auf Gebieten in die Schlacht wirft, wo wir Ärzte keinen Blumentopf gewinnen können, aber sich die Meinung verfestigt, dass es uns ohnehin nur um Grabenkämpfe geht:

ÄK klagt Wiener Coronatest-Labor Lifebrain 3.03.2021

Ärztekammer-Klage gegen Lifebrain-Bewilligung abgewiesen 29.7.2021

Irgendwas macht die Apothekerkammer gescheiter, ob wohl kaum ein Österreicher weiß, wie der Präsi der Apothekerkammer heißt, btw ihre Präsidentin..

Written by medicus58

5. August 2021 at 17:25

Eine pandemische Farce: Bundesheer als Gesundheitsbehörde schaut sich QR Code an

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Wer aktuell in Wien Schwechat landet wird über Lautsprecher informiert, dass ihn die Gesundheitsbehörde einem Gesundheitscheck unterziehen wird.

Am Ende des Gedränges trifft man auf einen offensichtlichen Grundwehrdiener, der nach dem Pass greift, wohl über 100-mal pro Stunde, und dann den Zettel oder das Handy mit dem QR Code antappt.

Ob es für ein „Infiziert im Dienst“ einen Orden gibt, kann ich nicht sagen, aber gescannt und überprüft wird der QR Code nach meiner Erfahrung nicht.

Will heißen, eine gescannte Vorlage und etwas Photoshop, um den eigenen Namen einzufügen reicht wohl um einzureisen.

Natürlich wurde ich auch gefragt woher ich komme, was abet wenig zweckdienlich war, weil zu dieser späten Stunde ohnehin nur eine einzige Flugzeugladung an der „Gesundheitsbehörde“ vorbeidrängte.

Einheimische wundert eh nix mehr, aber Fremde mögen argwöhnen in einer Militärdiktatur gelandet zu sein, wenn schon die Gesundheitsbehörde Uniform trägt; und was die wirklich checken, hinterlässt einen voller Fragen.

Written by medicus58

23. Juli 2021 at 23:03

Charles de Gaulle ist sowas von tot

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Lost places sind in. Irgenwelche vergessene Industrie- oder Tourismusruinen, mehr oder weniger im Würgegriff von Flora und Fauna, füllen Bildbände und Foto-Vernissagen.

Dass man sich nach der Landung am Pariser CDG urplötzlich in so einer Dystopie wiederfindet, hätte sich vor Covid-19 auch niemand albträumen lassen.

Die Ankunftshalle im Terminal 2 B erweckte am späten Nachmittag den Eindruck eines eben beendeten Nachtfluges, aber das war ja jedem klar, der in den letzten Wochen den Himmel nach Linienfliegern absuchte. Auch dass der Schalter des Mietwagen-Verleihers verwaist war und ein handschriftlicher Zettel ein besetztes Büro auf Terminal 2 F versprach, wäre nicht nicht wirklich außergewöhnlich.

Blöd nur, dass am elektronisch gebuchten Mietvertrag die Übernahme auf Terminal 1 vermerkt war, egal Terminalwechsel schien angezeigt.

Was danach kam, war aber schon gespenstisch. Die Verbindungen zu 2 F waren offenbar gesperrt, die Rolltreppen still gelegt und mit Klebebändern abgesperrt wie nach einem Terroranschlag.

Negierte man die Absperrung und schleppte den Koffer nach oben, ging es weiter, durch menschenleere Gänge, an geschlossenen Läden vorbei, unter still gelegten Klimaanlagen und schließlich zu geschlossenen Türen. Quer über die gesamten Halle spannte sich ein Bretterverschlag.

Der Übergang zur nächsten Sektion schien versperrt, der Weg zur Verbindungsbahn zu Terminal 1 noch gefühlt einen Kilometer entfernt.

Es wäre aber nicht die Grande Nation, wenn da nicht doch eine der Türen unverschlossen wäre und man in den nächsten halbdunklen, menschenleeren und mit Planen abgedeckten Terminalabschnitt gelangen würde, wenn auch zunehmend erschöpft und zunehmend verzweifelt.

Endlich die Einstiegstelle der fahrerlosen Verbindungsbahn zu Parkplatz 1,Terminal 3, Parkplatz 2 und endlich Terminal 1.

Dort aber alles versperrt und ein dienstbarer Geist versichert, dass AVIS NUR auf F2 existiert.

Also zurück mit der schaffnerlosen Bahn, zum Terminal 2F und über einige Treppen, verdutzte Kontrolleure, denen erst das Zauberwort Car rental ein verständnisvolles Lächeln ins Gesicht zaubert.

Noch durch ein Labyrinth von Absperrungen, die unter Normalbedingungen die drängenden Taxi-Kunden bändigen sollen und dort waren die Hüttchen der Autovermieter.

Als ich 2010 auf CDG strandete, weil auf Island der Eyjafjallajökull grad den Flugverkehr lahmgelegt hat, musste man unter den drängenden, diskutietenden und ungewaschenen Menschenmassen Tote befürchten. 2021 scheint Paris Charles de Gaulle selbst verstorben zu sein.

Written by medicus58

12. Juli 2021 at 22:14

Veröffentlicht in Allgemein, Reisen

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Fliegen wird wieder zum Abenteuer Teil 2 oder das vierte G

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Wie das so am Wiener Flughafen zu Coronazeiten abläuft habe ich hier begonnen zu erzählen.

Vom Betreten des Flughafens bis zum Platznehmen in der Maschine interessierte sich kein Schwein für irgendwelche Covid-19 Dokumente.

Typisch Wiener Schlamperei, denkt man sich und wundert sich noch mehr über die medialen Ankündigungen, dass zu Beginn der Hauptreisezeit das Bundesheer bei den Kontrollen unterstützt. Offenbar so effektiv, wie es uns vor einem Überfall der Liechtensteiner Streitkräfte beschützt.

Von VIE ging nach Paris, wo noch bis vor wenigen Tagen bei der Einreise auch von Geimpften ein Antigentest verlangt wurde. Penibel wurde sogar spezifiziert, welche Antigentests anerkannt werden und welche nicht.

Selbst von Geimpften verlangte man eine Eidesstattliche Erklärung noch 48h vor der Abreise gesund gewesen zu sein und mit keinem Kranken Kontakt gehabt zu haben. Ein entsprecheneds Formular konnte man auf Französich und Englisch aus dem Netz laden und sollte es bei der Einreise abgeben.

Sie erraten wohl, wie das die Grande Nation auf CDG handhabte: Auch hier interessierte sich kein Schwein für Impfpässe, QR-Codes in lächerlichen Apps oder das mitgebrachte Dokument.

Ich schlage also vor, dass zu den bekannten 3 Gs (Geimpft, Gesundet oder Getestet) ein 4.G kommt:

G wie Gefrozzelt

Ich bin wohl der Letzte, der einem hysterischen Covid-Alarmismus das Wort redet, aber wir können uns die Thinktanks, das Verordnungslabyrinth und das ganzen Europäische Abstimmungs-Blabla sparen, wenn es dann negiert wird.

Wer sagt den ganzen Schreibtischtätern, dass mit Verordnungen alleine keine Ordnung herbei geschrieben werden kann.

Wir sind am besten Wege den evolutionären Wettlauf gegen ein bisschen virale RNS zu verlieren.

Written by medicus58

12. Juli 2021 at 07:04

Veröffentlicht in Allgemein, Reisen

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Fliegen wird wieder zum Abenteuer

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Wer den legendären Sketch des unvergessen Loriot über das Fliegen nicht kennt, möge ihn hier nachsehen. In Zeiten der Pandemie hat das Unternehmen wieder an Unabwägbarkeit gewonnen und überrascht auch den gewieftesten Vielflieger.

Natürlich erwartet man, dass der G-Status penibel kontrolliert wird, ehe man sich in den Vogel begibt und erhält auch Tage vorhet mehrere Mails der AUA, dass man die Dokumente vorab zur Überprüfung hochladen möge. Funktionieren tut das natürlich weder mit der Buchungsnummer noch der Ticketnummer noch den e-ticket Nummern.

Längst ist man inzwischen gewöhnt sich den Gepäck-Aufkleber selbst ausdrucken zu müssen, nur funktioniert das dann am Flughafen weder mit dem Pass, noch dem Barcode des Boarding Passes.

Der Typ vor dem Baggage-drop sitzt zwar vor einem Kisterl mit dem Aufdruck Covid-19 Check, reagiert aber völlig desinteressiert, wenn ihm Zettel mit QR Code unter die Nase gehalten werden. Wozu man aufgefordert wird früher zum Flughafen aufzubrechen bleibt unklar. Die sinnlose Zeit sitzt man bei ejnem schlappen Jamie Oliver Brötchen ab.

Fortsetzung folgt.

Written by medicus58

11. Juli 2021 at 12:35

Pandemische Katharsis

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Katharsis, also die Läuterung der Seele von Leidenschaften als Wirkung des [antiken] Trauerspiels, tritt augenblicklich in Form der sich langsam wieder einstellenden Leidenschaft auf oralem Wege ein.

Für all diejenigen von uns, die sich am Höhepunkt des Lockdowns weder in Onkel Ho’s Schneehöllen noch am südafrikanischen Green ihren Leidenschaften hingeben durften, deren Schweizerhaus-Besuch dafür auch ohne Rücktritts-Gejohle begleitet wird, tastet sich seit Mittwoch grad zögerlich in eine Pseudonormalität zurück.

Der Kellner ratscht fröhlich die „seid’s eh ane von der 3 Gs“ runter, vertraut auf die elektronische Registrierung oder schiebt lustlos die alten Vordrucke der letzten Restaurant – Registrierungen hin, die schon beim ersten Einsatz kaum irgendein erfolgreiches Contactracing erlaubt haben.

Fast egal, wie das Schnitzl oder Hendl schmeckt, Hauptsache keine Asianudeln, Schlapp-Pizza oder Semifredo vom Lieferservice. Wir sind ja mit ganz wenig zufrieden, wenn man uns viel genommen hat.

150 € kostete der gefakte Impfpass, laut HEUTE im April. Heute vermeldet HEUTE, dass es ihn schon um 90 Euronen gibt.

Nach Katharsis und Erleichterung, wird die Ernüchterung kommen und die Fragen, ob das alles so g’scheit gelaufen ist und noch läuft.

Nein, jetzt kommt keine Coronaleugnung, die Spitäler haben ja nicht aus Spass die Leute beatmet, aber das Schnitzl muss uns schon sehr lange sehr gut schmecken, auf dass uns nicht doch noch ein paar Fragen zum Pandemiemanagement aufpoppen.

Written by medicus58

21. Mai 2021 at 17:00

Wer kommt mit dem Mückstein?

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Den Nachfolger des ausgebrannten Gesundheitsministers wurde nicht die Wiener Patientenanwältin Pilz sondern der bislang in einer Gruppenpraxis, später dem ersten Primärversorgungszentrum in Wien und in der Ärztekammerfraktion der Grünen Ärzte Wiens agierende Dr. Wolfgang Mückstein. Seit heute 12:10 hat er auch seinen Wiki-Eintrag, an dem bis 14:00 18 Autoren betätigten.

Wer sei besser geeignet als ein Mann der Praxis, so präsentierte Vizekanzler Kogler seinen neuen Gesundheitsminister, und kaschierte erstmals perfekt das wahre Dilemma der grünen Regierungsbeteiligung.
Die Personaldecke der Grünen ist seit dem Hinauswurf aus dem Nationalrat erschreckend dünn und war im Gesundheitsbereich nie dicker. Kein Wort darüber, dass er, Kogler, zwar die Grünen in die Regierung geführt hat, aber nie und nimmer ein solches Superministerium (Gesundheit, Soziales, Pflege, Konsumentenschutz, …) jemanden wie Anschober (sorry für den alten Link: Ein ausgebrannter Gesundheitsminister) antun hätte sollen. Wäre es nicht die Pandemie gewesen, wären es andere Baustellen in diesem Resorts gewesen, die jeden Quereinsteiger zum Scheitern gebracht hätten, es sei denn er könnte auf genügend qualifizierte Personen in seinem Hintergrund zurückgreifen.

Weniger nachträglichen Respekt und mehr begleitender Unterstützung hätte man Anschober geben sollen, und ihn nicht gutgläubig Mitarbeitern wie den Herrn Auer, seine Chief Medical Officer-in und anderen auszuliefern. Das Gesundheitsministerium ist traditionell und politisch beabsichtigt machtlos ohne Unterstützung durch andere Ministerien.

Ja, und wird das Kollege Mückstein besser hinkriegen?

Ein so williges Opfer, wie Anschober wird er nicht werden, der sich auch noch dafür entschuldigte, als ihn Bundeskanzler, Innen- und Finanzminister anrennen haben lassen, dafür hat er sich sowohl beruflich als auch kammerstrategisch schon als beinharter Verhandler bewiesen. Ob das genügt, mag aber bezweifelt werden.

Als die Gesundheitspolitik, übrigens unter Rendi-Wagner, die Eier legende Wollmilchsau Primärversorgungszentren entdeckte, benannte er mit seinen Miteigentümer eine längst bestehenden Gruppenpraxis rasch um und kassierte die ausgeschriebenen Subventionen.
Gesundheitsökonom Pichlbauer meinte zu dieser einrichtung: Dort passiert nicht Primary Health Care, sondern das ist eine hausärztliche Gruppenpraxis, in der zufällig noch eine Krankenschwester auf Kosten des Landes angestellt ist.
Dass gerade neben einem Ambulatorium der Wiener Gebietskrankenkasse in der Mariahilferstraße der Bedarf an einem weiteren „Ambulatorium“ nicht zu dringend sein konnte, spielte keine Rolle, schließlich dürfte die Praxisgemeinschaft auch gleich deren Labor mitbenutzen. Dass kurz darauf keine weiteren Patienten mehr aufgenommen wurden (!), konnten treue Leser dieses Blogs hier lesen, (Die Primärversorgungszentren richten sich nicht gegen den Hausarzt, aber) interessierte aber niemanden. Hier hat sich die Vernetzung Mücksteins voll ausgezahlt.

Von den hochfliegenden Ankündigungen vor der letzten Wahl zur Wiener Ärztekammer 2017 (Es grünt so grün – Schlaglichter aus der Wiener Fraktion Grüne Ärztinnen und Ärzte) war nach der Wahl nichts mehr die Rede (Auflösung der Kurienreferate, Reduktion der Referate, Aufwertung des Referats für Ausbildung, Einführung einer Obergrenze für Referats- und Funktionär_innenkosten, Reduktion der Kammerumlagen) als Mückstein mit Thomas Szekeres im Schlepptau eine Koalition gegen den Wahlsieger bastelte und Posten gegen Stimme dealte, um Szekeres den Weg zum Wiener Ärztekammerpräsidenten zu ebnen, was die Voraussetzung war, dass er schließlich auch Präsident der Österreichischen Ärztekammer werden konnte. Auch da hat sich der Kollege als Machiavellis Schüler gezeigt.

Wenn er am kommenden Montag von Bundespräsident Van der Bellen angelobt wird, macht er praktisch einen Hausbesuch bei seinem eigenen Patienten. So gesehen hat Werner Kogler, schon recht, wenn er Mückstein als Macher präsentierte.
Kritikern, die an seiner Ausbildung in Traditioneller Chinesischer Medizin Anstoß nehmen und da eine Wissenschaftsfeindlichkeit vermuten, kann man vermutlich beruhigen, wenn es um Geld, Macht und Einfluss ging, schien der Kollege durch wenig konfuzianische Gleichmut gebremst.

So gesehen hätte Werner Kogler auf das richtige Pferd gesetzt, aber genügen diese Fähigkeiten, die Mückstein bislang stets auch zu seinem eigenen Vorteil eingesetzt hat? Qualifiziert das Medizin- und TCM Studium und einige standespolitische Kampferfahrung für ein Mammutresort, das weit über rein medizinische Fragen hinausgeht.

Wo sind die Sozialexperten der Grünen, die Mückstein gegen Kurz, Blümel, Kocher und die Wirtschaftskammer aufmunitionieren, wenn es um Geld zur Abfederung der sozialen Folgen der Pandemie geht. Dabei werden ihm weder Szekeres noch Ludwig helfen können, wenn er durch die Machtmaschinen Kurz und Nehammer ausgebremst und angepatzt wird.

Würden Kammerränkespiele für den bundespolitischen Einfluss ausbilden, hätte die Ärztekammer nichgt so viel Einfluß in der Gesundheitspolitik verloren.

Auch das Argument ein Arzt ist in jedem Fall ein besserer Gesundheitsminister schwächt ein Blick auf die Liste in der Wikipedia ab:
Wer kann aus dem Stand aufzählen, welche gesundheitspolitischen Weichenstellungen auf Staatsekretär Reinhart Waneck , BuMin Michael Ausserwinkler, BuMin Andrea Kdolsky und BuMin Sabine Oberhauser und Sektionsleiterin der Sektion III, „Öffentliche Gesundheit und medizinische Angelegenheiten“, Vorsitzende des Bundesamts für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG), Mitglied der Bundesgesundheitskommission. und BuMin Pamela Rendi-Wagner zurück gehen.

Es steht also auch zu befürchten, dass es nicht vordringlich um fachliche Kompetenz geht, um gesundheitspolitisch etwas weiterbringen. Auch das Brennen für die Sache führt, siehe Anschober, rasch zum Ausbrennen. Zumindest das wird dem neuen Minister nicht so bald passieren.

Written by medicus58

13. April 2021 at 19:45

Operation Sputnik II

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Erneut ein erschreckend lesenswerter Radioblog:

https://wp.me/p3YvOX-1Dp

Written by medicus58

7. April 2021 at 11:12

Veröffentlicht in Allgemein

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